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Der Marshal von Golden City

2021 117 Seiten

Zusammenfassung


Die fünf heruntergekommenen Burschen, die in Will Hacklefords Poststation um den Pokertisch sitzen, haben schon so manches Jail von innen gesehen. Das erkennt Marshal Rockwell aus Golden City sofort. Einer der Kerle ist der alte Spieler Vincent Ladd. Die anderen sind Reno Horace und seine Kumpane. Mit verbissenen Gesichtern starren die fünf Zocker in ihre Karten. Noch geht es ihnen um die paar Bucks, die auf dem grünen Spieltisch liegen. Aber bald kommt die Wells-Fargo-Coach mit einem Haufen Dollars …

Leseprobe

Table of Contents

Der Marshal von Golden City

Copyright

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Der Marshal von Golden City

Western von Heinz Squarra

 

Der Umfang dieses Buchs entspricht 117 Taschenbuchseiten.

 

Die fünf heruntergekommenen Burschen, die in Will Hacklefords Poststation um den Pokertisch sitzen, haben schon so manches Jail von innen gesehen. Das erkennt Marshal Rockwell aus Golden City sofort. Einer der Kerle ist der alte Spieler Vincent Ladd. Die anderen sind Reno Horace und seine Kumpane. Mit verbissenen Gesichtern starren die fünf Zocker in ihre Karten. Noch geht es ihnen um die paar Bucks, die auf dem grünen Spieltisch liegen. Aber bald kommt die Wells-Fargo-Coach mit einem Haufen Dollars …

 

 

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books, Alfred Bekker, Alfred Bekker präsentiert, Casssiopeia-XXX-press, Alfredbooks, Uksak Sonder-Edition, Cassiopeiapress Extra Edition, Cassiopeiapress/AlfredBooks und BEKKERpublishing sind Imprints von

Alfred Bekker

© Roman by Author

© Cover Firuz Askin

© dieser Ausgabe 2021 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

Alle Rechte vorbehalten.

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1

Marshal Rockwell lehnte am kleinen Tresen in Hacklefords Poststation und blickte zu den rauen Burschen hinüber, die um einen runden Tisch sitzend pokerten. Er kannte nur einen von ihnen, den alternden Vincent Ladd, der nun schon über sechsundfünfzig sein musste und den Absprung aus dem Abenteurerleben nicht geschafft hatte.

Die anderen waren jünger und sahen bedeutend gefährlicher als das alte Schlitzohr von einem Spieler aus.

»Mit der Postkutsche kommen achteinhalbtausend Dollar für Golden City, Marshal«, sagte der Postagent hinter dem Tresen.

Der große hagere Mann im schwarzen Lederanzug hob den Kopf und schaute herüber. Seine buschigen Brauen schoben sich zusammen.

»Das ist Sache der Wells Fargo und geht mich nichts an«, erwiderte der Marshal aus Golden City leise, der nach einem Besuch der Stadt hier eine Rast machte. Er drehte sich am Tresen etwas nach rechts. Ein Sonnenstrahl traf seinen Stern an der abgeschabten Jacke und entfesselte ein Blitzen wie in einem Spiegel.

»He, verdammt, Reno, der alte Teufel mogelt!« Einer der Burschen sprang auf und packte den alten Vincent Ladd am linken Arm.

»Na-na, loslassen!«, schimpfte Ladd. Er wollte sich losreißen, konnte sich aus dem eisernen Griff des finsteren Burschen jedoch nicht befreien. Da wurde er auch schon rechts ergriffen und zurückgedrängt.

Polternd kippte sein Stuhl um, er stolperte darüber, wurde losgelassen und flog rückwärts über das Möbel hinweg. Als er federnd aufspringen wollte, standen sie schon wieder da und rissen ihm den alten, schon leicht zerfledderten Prince-Albert-Rock herunter.

Spielkarten flatterten aus den Schlaufen in beiden Ärmeln.

Der schwarze Kerl schob den Tisch zurück und kam mit schweren Schritten auf den ertappten Falschspieler zu. Er grinste boshaft, holte aus und schlug zu, bevor Ladd die Hand zur Abwehr heben konnte. Voll gegen das Kinn getroffen schwebte er förmlich rückwärts, knallte gegen den Tresen und brach zusammen.

»Hallo, Freundchen, du wirst doch nicht schon schlappmachen wollen?«, höhnte der schwarze Kerl. »Komm, mach mir keinen Kummer. Steh auf, alter Trottel!«

Vincent Ladd blickte den Marshal aus Golden City wie ein verwundetes Wild an und schien auf Hilfe zu warten.

Doch George Rockwell trat noch einen Schritt weiter zur Seite, um Distanz anzudeuten.

»Helft ihm«, sagte der schwarze Kerl, für den der Marshal eine bedeutungslose Randfigur darzustellen schien.

Die Kerle zerrten Ladd hoch und hielten ihn noch fest, als der Schwarze dem Falschspieler die Faust im Leib versenkte.

Ladd stöhnte, wurde losgelassen, krümmte sich, lief vorwärts und in einen Aufwärtshaken, der ihn abermals gegen den Tresen warf und auf die Knie fallen ließ.

»Sei kein Spielverderber, Vincent, du alter Betrüger.«

»Horace, du Schwein!«, ächzte der alternde Spieler. »Du Schwein willst mich umbringen!«

Der große Kerl lachte genüsslich. Seine Kumpane zerrten Ladd auf die Füße und mussten ihn schon festhalten, damit er nicht gleich wieder zusammenbrach.

Der vierte Kerl durchsuchte indessen den zerfledderten Prince-Albert-Rock nach Geld, förderte aber nur ein paar Kupfermünzen zu Tage. Er warf den staubigen Rock hinter den zur Seite geschobenen Tisch und kam zu den anderen.

»Ich möchte wissen, um was der eigentlich spielen wollte, Reno. Scheint außer dem halben Dollar Einsatz praktisch nichts mehr zu haben.«

»Stimmt das, Vincent, du altes Schlitzohr?« Der schwarze Kerl legte den Kopf schief. »Willst du mir nicht antworten? Nein? – Was meinst du, ich soll es aus dir herausprügeln?«

Die Kerle lachten.

»Kannst du haben!« Horace holte aus.

»Genug!«, sagte Rockwell scharf.

Horaces massiger Oberkörper mit den schrankbreiten Schultern bewegte sich etwas zur Seite. »Hat eben jemand was gesagt?«

»Ich sagte, es ist genug.« Marshal Rockwell stellte sich gerade.

»So, Sie wollen sich einmischen, was?«

»Einem Falschspieler helfen!«, krachte der nächste. »Soweit ist es schon gekommen mit dem Gesetz!«

»Immer das gleiche!«, rief der dritte. »Die ehrlichen Leute werden gehenkt und die Halunken entwischen.«

»Sagen Sie Ihren Freunden, sie sollen nicht solchen Schwachsinn reden, Mister Horace.« Rockwell sprach ohne Betonung, lächelte aber dünn und zeigte damit, was er von diesen abgerissenen Typen hielt, die er genauso wie den alten Falschspieler zufällig vorfand, als er von Hotdog City kommend hier hereintrat, um eine Stunde zu rasten.

»Soll ich ihm die Schnauze polieren?« Ves, der jüngste der Kerle, schätzungsweise zweiundzwanzig, klein und drahtig, spuckte sich in die Hände.

Horace trat zurück, um dem kleinen Kerl Platz zu lassen. Und Ves fiel den Marshal wirklich an.

Doch Rockwell hatte damit gerechnet. Solche Burschen besaßen keinen Respekt vor einem Stern. Eher der Faustschlag konnte den kleinen Halunken beeindrucken, der ihn auf die Nase traf und über den Falschspieler hinwegfliegen ließ.

Und bevor einer der anderen darauf reagieren konnte, hielt der Marshal den Colt in der Faust und spannte den Hammer.

»Hackleford, haben die Leute noch was zu bezahlen?«

»Zwei Dollar zwanzig, alles zusammen«, krächzte der Wirt und Postagent heiser. Er musste sich den Schweiß mit dem Unterarm von der Stirn wischen.

Brenda, die Tochter des Agenten, blickte mit bleichem Gesicht aus der Küche, wagte sich aber nicht weiter heraus.

»Also, zwei Dollar zwanzig!« Marshal Rockwell winkte mit dem Colt zum Tresen. »Und dann zieht ihr Leine. Ein bisschen plötzlich, wenn ich darum bitten darf!«

Ein paar Sekunden zögerte der bullige, große Mann, dann griff er in die Tasche und warf ein paar Münzen auf den Tresen. »Gehen wir. Hier stinkt‘s!«

Die Kerle verließen die schattige Poststation. Ihre Pferde standen an der Tränke vor dem Corral, genau dem Blockhaus gegenüber.

Rockwell schob den Colt in das Holster.

Vincent Ladd rappelte sich stöhnend auf, drehte sich um und griff haltsuchend nach der Tresenkante. »Jetzt brauche ich unbedingt was Flüssiges, Mister Hackleford!«

Der Postagent nahm ein Glas, ging in die Küche und pumpte Wasser aus der Erde. Er kehrte zurück und stellte dem Falschspieler das Glas mit todernster Mine hin.

Ladd sah aus, als hätte er in eine Zitrone gebissen. »Ist das Ihr Ernst, Mister Hackleford?«

»Wollen Sie bezahlen, Ladd?«

»Sie haben doch selbst gesehen, dass die Halunken mir alles abnahmen. Gestohlen! Ausgeplündert.«

»Also das Wasser oder gar nichts.«

Draußen zogen die vier finsteren Gesellen die Sattelgurte nach, saßen auf und ritten auf der Poststraße nach Südosten durch das Bluegrass Valley, in dem einige Meilen südwestlich die Bullhead-Ranch lag, die aber nicht zu sehen war.

»Was bin ich so froh, dass Sie ausgerechnet heute hier vorbeikamen, Marshal!« Der Postagent atmete tief durch. »Und dieser alte Hohlkopf setzt sich mit solchem Gelichter noch an einen Tisch und bildet sich ein, bei denen mit seinen billigen Tricks etwas verdienen zu können.«

»Ein typisches Zeichen für Verkalkung«, sagte der Marshal. Er kannte den Spieler schon viele Jahre und hatte ihn mehr als einmal in sein Gefängnis in Golden City gesetzt. Immer aus den gleichen Gründen, und immer öfter, je steifer Ladds Finger wurden, je ungeschickter der die Karten aus den Ärmeln zauberte.

Aber er war ein verhältnismäßig harmloser Betrüger und fühlte sich auch nicht falsch behandelt, wenn er im Kittchen saß. Als Rockwell ihn vor einigen Monaten zum letzten Mal einsperrte, war es ihm erschienen, als wäre Ladd regelrecht froh darüber, für ein paar Tage mit Sicherheit eine Koje und sein Essen zu bekommen.

Die Reiter tauchten hinter dem Buschwerk am Rande der Overlandpiste unter. Aber die sich fortsetzende Staubwolke verriet, dass sie sich weiter entfernten.

»Für dich wird es nun auch Zeit«, sagte der Marshal.

»Willst du nicht einen ausgeben, Marshal?«

»Ich verdiene nicht genug, um Tagediebe und Falschspieler mit ernähren zu können, Ladd. Du musst dir einen anderen Dummen suchen.«

Ladd blickte auf den Postagenten.

Hackleford wischte mit einem Lappen den Tresen ab, nahm das Glas weg und kippte das Wasser aus.

»Gib deinem Herzen einen Stoß, Hackleford!«, jammerte der alte Falschspieler.

»Soll ich ihn hinauswerfen?«, fragte der Marshal.

»Das wäre sehr nett, Marshal.«

Rockwell trat zu Ladd, packte ihn am Kragen, führte ihn bis an die Tür und versetzte ihm einen Stoß. Er kehrte um, hob den alten Rock auf, trug ihn zur Tür und warf ihn hinter dem alten Kartenhai her.

»Ihr seid mir schöne Freunde!«, schimpfte Ladd. »Na, wartet nur, wenn ich mal die Taschen voll habe, kriegt ihr von mir auch nichts!« Er lief zu seinem an den Corral gebundenen Pferd und löste den Zügel von der obersten Latte. Der graue Wallach war auch schon reichlich betagt und durchgebogen und hatte glatte Stellen im Fell.

Vincent Ladd schwang sich in den lädierten Sattel. »Das merke ich mir!« Er zog den alten, ramponierten Rock über und rückte den speckigen Zylinder auf dem Kopf zurecht. Dann lockerte er noch den Colt im Holster und das Gewehr im Scabbard, bevor er den Grauen endlich antrieb.

Marshal Rockwell und der Postagent blickten der seltsamen Reitergestalt nach.

Vincent Ladd verließ die Wagenstraße und ritt nach Süden. Er schien den Männern aus dem Wege gehen zu wollen, die sich vor ihm unterwegs befanden. Und dem Marshal fiel auf, dass Ladd die vielen Büsche an der Straße mied und auch um andere Ansammlungen verdorrten Gestrüpps ziemlich große Bogen schlug.

»Dass man in dem Job überhaupt so alt werden kann!«, staunte der Postagent. »Hätte ich nie für möglich gehalten.«

»Vincent hatte im Leben viel Glück, Mister Hackleford. Aber jetzt scheint es ihn mit ziemlicher Eile zu verlassen.« Rockwell kehrte an den Schanktisch zurück und griff nach seinem mit Whisky und Sodawasser gefüllten Glas.

Brenda, Hacklefords hübsche Tochter, wagte sich endlich aus der Küche.

Rockwell trank das Glas leer und ließ es ins Spülwasser fallen.

»Die Bratkartoffeln sind gleich fertig«, sagte das Mädchen.

Der Marshal nickte Brenda dankbar zu.

Hackleford hob den umgefallenen Stuhl auf und rückte den runden Tisch an seinen Platz. »Wenn Sie nachher wegreiten, sollten Sie besser nicht die Straße nehmen, Marshal.«

»Das dachte ich auch gerade.«

»Was dachten Sie?«

»Dass man solchem Gelichter in der Wildnis besser aus dem Wege geht, Hackleford.«

»Eben, das meinte ich auch.« Der Postagent kehrte an den Schanktisch zurück.

 

 

2

Sie standen auf einer Hügelflanke vor den schroffen Granitbergen im Osten und beobachteten den Reiter in der Ebene. Weit dahinter im Süden umkreisten zwei Cowboys eine Rinderherde der Bullhead-Ranch, aber das war so weit entfernt, dass die Männer vielleicht nicht einmal hier abgefeuerte Schüsse hören könnten.

»Soll ich ihn abputzen?« Guy, ein bulliger, ebenfalls schwarzer, stoppelbärtiger Kerl schob sein Gewehr ins Gestrüpp und repetierte es.

Reno Horace drückte die Waffe herunter. »Wenn der Marshal ihn findet, weiß er gleich, wer es war. Ich möchte nicht wegen eines alten Kartenhais gehetzt werden, der keinen müden Dollar in der Tasche hat, Guy.«

Ladd tauchte hinter Büschen unter, war aber wenig später etwas südlicher wieder zu sehen. Er schaute öfter nach Osten herüber, konnte die Männer hinter dem hohen Buschwerk aber bestimmt nicht sehen.

»Habt ihr das von der Postkutsche gehört?« Horace schaute von einem zum anderen und sah wenig geistreiche Gesichter. »Kann ich mir denken. Wirklich wichtige Sachen entgehen euch. – Die Postkutsche schafft achttausendfünfhundert Dollar nach Golden City. Die fährt hier unten am Hügel vorbei.«

Die Kerle schauten alle die sanfte Flanke hinunter und sahen die Radrinnen, die man Straße nannte, Überlandstraße sogar.

»Achttausendfünfhundert Bucks?« Jed lächelte verzückt. »Das hast du gehört, Vincent?«

»Der Postagent erzählte es dem Marshal. Und bestimmt war es nicht für meine Ohren bestimmt.«

»Und wann?« Guy zog das Gewehr zurück.

»Ich nehme an, mit der nächsten Postkutsche. Aber ich wollte den Postagenten selbstverständlich nicht fragen, wann man die hier erwarten darf. Schätze, sie wird bald kommen. Heute noch oder morgen.«

Falschspieler Vincent Ladd entfernte sich bereits nach Süden. Und die Cowboys in der Ferne schienen die Herde auch weiter nach Westen zu treiben. Von der Poststation konnten die Männer auf der Hügelflanke nichts sehen, die lag hinter den Bodenwellen, die weite Teile des Bluegrass Valley durchzogen.

Nach einiger Zeit tauchte wieder ein Reiter auf. Der Stern an der Jacke des Marshals blitzte mitunter hell auf, wenn er direkt in die Sonnenstrahlen geriet.

»Und den?« Guy schob das Gewehr abermals ins raschelnde Buschwerk.

»Der reitet in die Stadt, für die das Geld bestimmt sein soll. Wäre sicher gut, wenn er dort ankäme.«

»Warum?«, knurrte Guy. »Der liegt mir sowieso quer im Magen. Den würde ich gern zu seinen Vätern schicken.«

»Stell dir doch mal vor, sie vermissen ihn in der Stadt, noch bevor die Postkutsche mit dem vielen Zaster hier aufkreuzt! Male dir mal aus, was passieren kann, wenn sie eine Posse losschicken, noch bevor wir abkassieren konnten. Wie unser Vorsprung durch so einen Blödsinn dahinschmelzen kann!«

»Ja«, gab Guy zu und zog das Gewehr erneut zurück. »Du scheinst in der Tat an alles zu denken, Reno.«

Horace grinste geschmeichelt in der Runde herum. »Ein kluger Kopf ist besser als viele schlagkräftige Fäuste. – Ein Ausspruch von mir, Freunde!«

Marshal Rockwell tauchte westlich der Straße hinter Cottonwoods und einzelnen Krüppelkiefern unter.

Guy ging zu den weiter seitlich auf der Hügelflanke stehenden Pferden und schob das Gewehr in den Scabbard.

Auch Horace wandte sich ab. »Es genügt, wenn einer die Straße beobachtet. Die Kutsche sieht man meilenweit.«.

»Hoffentlich kommt sie nicht gerade nachts, wenn alle Katzen grau sind!«, maulte Ves, der jüngste der Halunken.

 

 

3

Die Sonne begann sich langsam nach Westen zu neigen. Die Schatten wurden länger.

George Rockwell überquerte den Fahrweg nach Golden City, um das dichtere Buschwerk unterhalb der Hügel als Deckung nutzen zu können. Er ritt nicht gern allein wie auf einem Präsentierteller vor den Bergen entlang. Und die Berge waren nahe herangerückt. Noch zwei Meilen, dann musste er in den nach Osten schwenkenden Canyon einbiegen.

Plötzlich raschelte hinter ihm das Buschwerk.

Rockwell sprang aus dem Sattel, riss das Gewehr mit und wirbelte herum.

Da stand der Falschspieler und kicherte. Eine Waffe hielt Vincent Ladd nicht in der Hand. »Bist du jetzt erschrocken, was, Marshal? – Mausetot könntest du sein.«

Rockwell schob das Gewehr in den Scabbard und atmete tief durch, um den jäh erhöhten Herzschlag zu normalisieren.

»So schnell kann das gehen. Aber wir sind ja gute Freunde, was, Marshal?« Ladds widerliches Kichern erschallte wieder.

»Was willst du, Vincent, alter Gauner?«

»Aber, aber, jetzt redest du wie diese Strauchdiebe in der Poststation mit mir. Das gefällt dem alten Vincent Ladd gar nicht, Marshal.«

»Was willst du, heraus damit?« Rockwell trat dichter an den Mann heran. »Du hast doch nicht aus Langeweile hier auf mich gewartet?«

»Ich wollte dich fragen, ob du mir nicht einen Dollar vermachen könntest?«

»Ich will nicht, Vincent.«

»Warum nicht, Marshal? Du hast doch sonst immer ein Herz für die Armen gehabt!«

»Du denkst, ich ziehe die Hosen mit der Zange an, nicht wahr, Vincent?« Rockwell grinste.

Ladd zeigte ein entrüstetes Gesicht und trat wie entsetzt einen Schritt zurück. »Nicht im Traum würde mir so was einfallen. Ich bitte dich höflich, einem armen, geschundenen Mann zu helfen. Du hast doch selbst gesehen, wie diese Halunken mit mir umsprangen.«

»Die gaben dir nur, was du verdient hast, Ladd. Dir muss das Fell fürchterlich gejuckt haben, dass du es mit denen versuchen musstest.«

»Ich brauche Geld«, knurrte Ladd finster. »Wenn einem das Wasser bis an den Hals steht, kann man sich die Geschäftspartner nicht mehr aussuchen. Da muss man es nehmen, wie‘s kommt.«

»Das wäre aber beinahe ins Auge gegangen.«

»Gibst du mir nun einen Dollar?«

»Nein. Ich arbeite nicht, um die Falschspieler und Tagediebe zu ernähren. – Aber ich könnte dir vielleicht eine Arbeit beschaffen.«

»Arbeit?«, rief Ladd ungläubig. »Hast du Arbeit gesagt?«

»Ja, Vincent.«

»Marshal, da hat man sich nun sein Leben lang abgestrampelt, um das bisschen Selbständigkeit zu bewahren. Und dann kommt einer und redet von der puren Unfreiheit wie von einem Geschenk.«

»Du musst ja nicht.« Marshal Rockwell stieg wieder in den Sattel.

»Warte noch!« Ladd hastete vorbei und hielt das Pferd am Kopfgeschirr fest. »Was ist denn das für eine Arbeit, von der du redest?«

»Ich weiß nicht sehr weit von hier eine allein lebende Schafzüchterin, die könnte einen gebrauchen, der ihr das Winterholz zurecht sägt und spaltet.«

»Ach so.« Vincent Ladd ließ das Kopfgeschirr des Pferdes los und trat einen Schritt zurück. »Sozusagen nur ein Gelegenheitsjob?«

»Etwas anderes käme für dich doch sowieso nicht in Frage. Oder würdest du es über den ersten Zahltag hinaus irgendwo aushalten?«

Ladd grinste und kratzte sich im Stoppelbart. »Gegen deine Menschenkenntnis kann man nichts sagen, Marshal. Ehrlich, du kennst dich mit den verschiedenen Typen schon aus. – Also Feuerholz. Was will sie denn bezahlen, deine Freundin?«

»Das weiß ich nicht. Wir können mit ihr reden. Und sie ist nicht meine Freundin, sondern die von einem Freund der Bullhead-Ranch, soviel ich weiß.«

»Und sie züchtet Schafe?«

»Ja.«

»Hmm.« Ladd rümpfte die Nase. »Ist ja nicht die allerfeinste Gesellschaft, was? – Schafe stinken, hab ich mir sagen lassen. Schlug immer einen großen Bogen, wenn ich das Viehzeug sah, das den Boden so kahl frisst, dass er hinter ihm braun zurückbleibt.«

»Also was ist?«

Ladd zuckte mit den Schultern. »Ich brauche ein paar Dollars. Ich brauchte eigentlich viele Dollars. Betriebskapital, um wieder richtig einsteigen zu können. Nur, weil man sich mit Kleckerkram aufhalten muss, fällt man doch andauernd wieder auf den Bauch. Soll ich dir mal sagen, wie viele Tage ich in den letzten drei Monaten bei gesiebter Luft zubrachte?«

»Das interessiert mich nicht, Vincent. Einen großen Reibach kannst du auf der Schaffarm natürlich nicht machen. Dafür ist Madam Sunbeam selbst nicht genug mit Dollars gesegnet. Aber du kannst sicher soviel verdienen, dass es sich davon noch mal ein paar Wochen sorgenfrei leben lässt. Falls du nicht meinst, es gleich wieder verspielen und in Whisky verwandeln zu müssen.«

Vincent Ladd seufzte vernehmlich. »Also gut, hole ich mir eben mal Blasen an die Finger. – Nichts bleibt einem erspart. Die Welt ist ein Jammertal! «

Marshal Rockwell blickte dem Spieler nach, der sein Pferd holte und in den lädierten Sattel stieg. »Hast du die vier Kerle noch mal gesehen?«

»Nein. Die sind bestimmt nach Golden City. Mit denen kriegst du noch deinen Spaß, wenn ich mich nicht sehr irre.«

Rockwell ritt los. »Golden City steckt voll mit solchen Gestalten. Da kommt es auf ein paar mehr oder weniger nicht an.«

 

 

4

In der Hütte erlosch das Licht. Doch das fahle Mondlicht über dem Shepherd Valley ließ das Anwesen immer noch erkennen. Es bestand aus zwei Hütten. Die eine schien ein ziemlich massives Blockhaus zu sein, die andere nur ein Bretterschuppen. Zwischen den beiden und einem größeren Corral befand sich ein Brunnen mit yardhoher Mauer, auf den eine Winde mit relativ großer Holztrommel montiert war.

Die beiden Reiter näherten sich dem Hof.

Knarrend bewegte sich eine Tür, und ein Gewehr wurde repetiert.

»Halt, weit genug!«, rief hart eine Frauenstimme.

»Ich bin es, Madam, der Marshal aus Golden City!«

»Müssen Sie mitten in der Nacht hier aufkreuzen?«, schallte es unfreundlich zurück.

Rockwell und der alternde Falschspieler zügelten die Pferde.

»Die hat ja Haare auf den Zähnen«, maulte Ladd. »Da hab ich mir ja was um den Hals binden lassen, zum Teufel!«

Die Frau trat aus dem Schatten, den das Mondlicht schwach auf den Boden vor dem Blockhaus zeichnete. Das Gewehr in ihren Händen schimmerte geheimnisvoll. »Was wollen Sie denn?«

»Als ich das letzte Mal vorbeikam, sagten Sie, für einige Zeit hätten Sie einen Gehilfen nötig. Jetzt hätte ich jemanden, der sich gern ein bisschen bewegen und seine Barschaft auffrischen würde.«

»Auffrischen ist gut«, raunzte Ladd. »Mann, ich bin völlig auf den Hund gekommen!«

Die Frau blieb neben dem Brunnen stehen und ließ das Gewehr sinken. »Der da?«

»Ja.«

Sie trat noch näher. »Ich suchte jemanden, der mit Säge und Axt umgehen kann, Marshal. Nicht, um die Raben zu verscheuchen.«

»Hehe, Madam, ich bin keine Vogelscheuche!«, entrüstete sich Ladd.

»Sie sehen aber ganz danach aus!« Unverhohlener Spott lag auf dem ovalen Gesicht der schönen Frau, das von braunen, halblangen Locken eingerahmt wurde. Sie hatte einen alten, weiten Mantel übergezogen, der sie recht unförmig wirken ließ und bis hinunter zu den derben Pantoffeln reichte.

»Er ist ein abgetakelter Spieler«, erklärte der Marshal schonungslos. »Hat vermutlich genauso viele Jahre hinter Gittern wie davor zugebracht. Aber im Grunde genommen ein guter Kerl.«

»Steigen Sie doch mal ab, Mister …«

»Ladd, Madam. Vincent Ladd.« Der Spieler kletterte vom Pferd und trat vor die Tiere.

»Wie alt?«

»Verdammt, ist das ein Verhör?«

Rockwell grinste freundlich, als Ladd ihn über die Schulter anschaute.

»Na?«, fragte die Frau.

»Sechsundfünfzig, beim Geier. Aber ich glaube, ich verschwinde lieber wieder.«

»Jetzt sind Sie hier und bleiben auch!«, herrschte ihn die Frau an. »Ich versuche es mit Ihnen. Sie können drüben im Schuppen schlafen, da gibt es Stroh und ein paar Decken. Um fünf Uhr wird geweckt!«

»Das ist ja noch mitten in der Nacht!«

»Und Whisky gibt es hier keinen, damit das klar ist«, fuhr die Frau im gleichen, harten Tonfall fort.

»Und hier?« Ladd streckte die Hand vor und bewegte Daumen und Zeigefinger gegeneinander. »Wie steht es damit?«

»Zehn Dollar die Woche.«

Ladd nahm den speckigen Zylinder vom Kopf und raufte sich in den verfilzten Haaren.

»Dafür muss ein Cowboy auch eine Woche lang arbeiten«, sagte die Frau. »Jeden Tag sechzehn Stunden. Und dabei riskiert er ein dutzendmal sein Leben. Wenn Ihnen das zu wenig ist, können Sie sich Ihren Klepper zwischen die Beine klemmen und gleich wieder Leine ziehen.«

»Gut, gut, Madam, ich hab ja gar nichts gesagt.« Ladd führte sein Pferd zum Corral und sattelte es ab. Er sah die Schafherde innerhalb der Umzäunung nur undeutlich auf der anderen Seite im Süden. Der Boden in der Koppel war braun gefressen.

»Ich hoffe, ich konnte Ihnen wirklich einen Gefallen tun, Madam. Und dem alten Schlitzohr auch.« Rockwell tippte an seinen Hut und trieb sein Pferd an.

»Ich bedanke mich später bei Ihnen, wenn es was zu bedanken gibt!«, rief die Frau ihm nach. Sie hatte das Gewehr am Lauf ergriffen und schlenkerte den Kolben über die Schulter.

»Gibt es noch was zu essen?«, fragte Ladd, während er den Klepper absattelte.

»Ein Rest Maissuppe ist noch da«, sagte Myriam Sunbeam. »Wir sind hier kein Feinschmeckerrestaurant.«

»In der Not frisst der Teufel Fliegen«, murmelte Ladd.

 

 

5

»Sie kommt, Reno!«

Der Anführer der vierköpfigen Bande fuhr hinter dem Gestrüpp empor, als habe ihn eine Tarantel gestochen.

Die Sonne stand bereits eine Handbreit über den Berggipfeln im Osten und hatte die Morgennebel längst aufgelöst.

Vor einer Staubwolke näherte sich die Concordkutsche der Wells Fargo von Nordwesten. Vier Pferde zogen den schweren Wagen, auf dem ein Mann auf dem Bock saß und die Peitsche schwang.

Reno Horaces andere beiden Kumpane erhoben sich. Guy gähnte noch verschlafen. Jed repetierte sein Gewehr und durchbrach das Dickicht.

Ves, der jüngste von allen, der die Wache gehalten hatte, rief: »Noch nicht mal ein Gunman sitzt auf dem alten Klapperkasten, Reno. Das wird einfach!«

»Los, sattelt die Pferde!« Horace hob den eigenen Sattel auf, schleppte ihn zu den Tieren hinter dem Sagegestrüpp und wuchtete ihn auf den Rücken des Fuchshengstes.

Das scharfe Knallen der Peitsche schallte über die Hügel und schien sich an den Felsen noch brechen zu können.

Auch die drei anderen brachten die Sättel.

»Das wird ein Klacks!«, frohlockte Ves.

»Hast du sehen können, ob er Fahrgäste dabei hat?« Horace schnallte den Sattelgurt fest und saß auf.

»Nein.«

»Also, dann warte die Zeit ab. Wir haben nämlich einen Fehler gemacht.«

»So?«

»Ja.« Horace schaute von einem zum anderen. »Wir hätten in die Berge reiten und dort warten sollen. Da ist es einfacher, andere zu übertölpeln.« Er trieb den Fuchshengst an und umritt das Sagegestrüpp, das die ganze Hügelflanke überwucherte.

Die Concordkutsche war beträchtlich näher gekommen.

Horaces Kumpane tauchten auf. Jeder hielt sein Gewehr in den Händen.

»Noch ein paar Minuten, dann haben wir für Monate Zaster!« Ves‘ Augen glänzten wie Sterne in einer klaren Nacht.

Horace repetierte das Gewehr.

Die Postkutsche fegte auf der Overlandstraße heran. Horace blickte noch einmal nach Westen. Die Herde, die sie am Abend da drüben sahen, war indessen weitergezogen und aus dem Blickfeld verschwunden.

»Hooo, hooo!«, rief der Kutscher und ließ die Peitsche knallen.

»Gleich gibt es hoho!« Ves lachte schallend und gab seinem Pferd so brutal die Sporen, dass es mit einem schrillen Wiehern vorwärts stob und das Buschwerk auseinanderriss. Trockene Äste und Blätter tanzten über emporgeschleudertem Staub.

Alle vier Reiter galoppierten die Hügelflanke hinunter und eröffneten das Feuer, lange bevor sie bei der Kutsche waren.

Der Fahrer reagierte sofort, lenkte die vier Gespannpferde von der Overlandstraße und jagte geradewegs nach Westen. Dichter als eben noch flog der Staub empor.

Die Banditen ritten schießend hinter dem Gefährt her und sahen zu ihrem gelinden Entsetzen, dass sich rechts und links je ein Mann aus den glaslosen Fenstern beugten und mit Gewehren auf sie zielten. Der Kutscher knallte weiter mit der Peitsche. Der unbeholfene Wagen rumpelte durch Löcher und vollführte Sprünge.

»Halt an, verdammt, mit denen werden wir fertig!«, schrie einer der Fahrgäste.

Der Wagen lief aus. Mit einem Gewehr in der Hand kroch der Fahrer aufs Dach.

Die drei Verteidiger schossen so schnell, dass den Banditen die Kugeln wie Hornissenschwärme um die Ohren flogen.

»Das wird nichts!«, brüllte Horace, der zwar an das Geld kommen, dafür aber keineswegs in der Hölle landen wollte. Er riss sein Pferd herum und galoppierte in die Staubwand zurück.

Das Krachen der Büchsen hielt noch an, als Reno Horace seine Kumpane auftauchen sah. Nebeneinander sprengten sie zum Hügel zurück, so schnell ihre Pferde nur laufen konnten. Erst auf der Kuppe hielten sie an.

Das Gewehrfeuer war verstummt. Den Wagen konnten die Halunken in der Prärie wegen der dichten Staubschwaden nicht sehen.

»Verdammt«, sagte Ves. Er leckte Blut von seinem Handgelenk. »Das hätte ins Köpfchen gehen können.«

»Ist jemand ernsthaft verletzt?« Horace blickte in der Runde herum.

Sie waren mit dem Schrecken davongekommen.

»Es hat also gestimmt!«, knurrte der Bandenführer und schlug die Faust aufs Sattelhorn.

»Was, Reno?«

»Wir hätten sie in den Bergen abfangen sollen. In einem Canyon. Da hätten wir Deckung gehabt. In der Prärie ist so eine Kutsche wie eine Festung.«

Das Knallen der Peitsche durchdrang den Staub vor dem Hügel.

Sie hoben die Gewehre und lauschten. Hufschlag, Fahrgeräusche und abermaliges Peitschengeknall erreichte ihre Ohren. Und südlich der Staubwand tauchte die Kutsche auf.

»Von den Gäulen!« Horace sprang ab und suchte Deckung hinter dem Gestrüpp.

Die drei anderen befolgten seinem Befehl. So konnten sie von dem Wagen aus nicht gesehen werden.

»Die nehmen bestimmt an, dass wir reiten, bis die Gäule umfallen«, murmelte Jed.

Das Gefährt bewegte sich einige hundert Yard nach Süden, bevor der Kutscher sein Gespann wieder auf die Straße lenkte.

Horace stieg auf. »Wir reiten hinterher. Mal sehen, ob da nicht doch noch was zu machen ist. Bis Golden City dürften es immerhin noch acht bis zehn Meilen sein. Da kann manches passieren.«

Sie blieben auf der Hügelkuppe, um die Deckung der Büsche nutzen zu können.

Aber hinter der Kutsche stand schon wieder eine lange Staubfahne in der Luft, die es dem Fahrer und den beiden Insassen ohnehin unmöglich machte, von den Verfolgern etwas bemerken zu können.

Horace ließ seinen Fuchshengst schneller laufen, verließ die Hügelflanke nun doch, ritt auf die Straße und folgte ihr.

Nach zehn Minuten verklangen vor ihnen die Geräusche.

Die Banditen zügelten die Pferde und brachten ihre Gewehre in Schussposition.

»Was ist jetzt kaputt?«, murmelte Ves. »Haben die uns doch bemerkt und wollen warten?«

Sie blickten alle auf Reno Horace.

»Starrt mich nicht so blöd an, ich weiß es auch nicht!«, schimpfte der Bandenführer aufgebracht.

 

 

6

Der Kutscher stand mit dem Gewehr in der Armbeuge neben dem Wagen und blickte auf die beiden Männer, die aus den Fenstern schauten.

Es handelte sich bei beiden um Prospektoren, die an Kummer gewöhnt und schnell mit dem Schießeisen waren. Angst kannten sie nur in einem eng begrenzten Umfang.

»Wo wollen Sie jetzt hin?« Der eine Mann kniff die Augen zusammen. »Ich höre wohl nicht richtig?«

»Es ist kein großer Umweg, Mister. Zwei bis drei Meilen, nicht mehr.«

»Wir sind unter der Bedingung mitgefahren, dass die Kutsche den direkten Weg nach Pueblo nimmt, wo wir die Eisenbahn kriegen.«

»Eben!«, stimmte der andere zu.

»Im Shepherd Valley lebt eine Frau. Schafzüchterin. Die kriegt hin und wieder Post und müsste sie in Golden City abholen. Falls sie überhaupt erfährt, dass da was für sie in der Poststation liegt. Einmal wurde ein Brief für sie dadurch ein glattes Vierteljahr alt. In der Zeit vergilbt ja das Papier.«

»Lebt sie denn allein?«, fragte der andere zweifelnd.

»So gut wie. Da ist ein Trapper, mit dem sie zusammenlebt, aber der ist oft unterwegs. Und dann sind da noch ein paar mexikanische Hirten. Aber sonst ist sie ziemlich einsam.«

Die beiden Reisenden schauten sich an.

»Also wegen einer allein lebenden Frau werden wir mal ein Auge zudrücken müssen«, sagte der eine schließlich.

Der andere brummte Zustimmung.

Der Kutscher grinste. »Vielen Dank, Gentlemen. Ich wusste ja, dass Sie keine Späne machen würden.« Er kletterte auf den Bock, schob das Gewehr in den ledernen Scabbard am Geländer, griff nach der Peitsche, warf aber noch einen Blick über die Schulter.

Fünf Yards hoch standen dichte Staubschwaden über der Overlandstraße und verkleinerten die Sicht auf rund dreißig Yards.

Der Kutscher knallte mit der Peitsche, lenkte die vier Pferde von der Straße und durchbrach das Dickicht.

 

 

Details

Seiten
117
Jahr
2021
ISBN (eBook)
9783738949537
Sprache
Deutsch
Erscheinungsdatum
2021 (Februar)
Schlagworte
marshal golden city

Autor

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Titel: Der Marshal von Golden City