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Hängepartie in Colorado

2021 113 Seiten

Leseprobe

Table of Contents

Hängepartie in Colorado

Copyright

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Hängepartie in Colorado

Western von Heinz Squarra

 

Der Umfang dieses Buchs entspricht 113 Taschenbuchseiten.

 

Chet McCoy, der Vormann der Bullhead-Ranch, und der Cowboy Dwarf finden auf dem Heimritt ins Bluegrass Valley das Opfer eines brutalen Überfalls. Der fahrende Händler Rubin ist schwer verletzt – und um zwölftausend Bucks ärmer.

McCoy und Dwarf überlegen nicht lange. Rubin soll sich mit seinem Planwagen bis zur Bullhead durchschlagen, und sie werden die Outlaws jagen.

Doch als es ihnen tatsächlich gelingt, die Beute zurückzuerkämpfen, fängt für die beiden Bullhead-Reiter der Feuerzauber erst an. Für einen Überfall sollen sie hängen …

 

 

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books, Alfred Bekker, Alfred Bekker präsentiert, Casssiopeia-XXX-press, Alfredbooks, Uksak Sonder-Edition, Cassiopeiapress Extra Edition, Cassiopeiapress/AlfredBooks und BEKKERpublishing sind Imprints von

Alfred Bekker

© Roman by Author

© Cover Firuz Askin

© dieser Ausgabe 2021 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

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1

Bleiches Mondlicht lag auf den Hängen und ließ Gras und Nadelgehölz blau erscheinen. Stille umgab Chet McCoy und Dwarf, die von Golden City kommend zur Bullhead-Ranch unterwegs waren. Sie hatten keine besondere Eile, da es noch weit bis nach Hause war. Frühestens am folgenden Mittag konnten sie die Gebäude hinter den Hügeln sehen.

Dwarf zügelte sein Pferd. Chet ritt noch ein paar Yards, dann hielt er ebenfalls an und blickte über die Schulter.

»Was ist los, Dwarf, keine Lust mehr?«

»Macht es einen großen Unterschied, ob wir Mittag ankommen oder erst am Abend?«

»Sicher nicht.«

»Dann wäre ich dafür, ein paar Stunden zu schlafen.«

Chet schaute zum Saum des Kiefergehölzes am Hang hinauf.

»Die Pferde finden es sicher auch in Ordnung«, setzte Dwarf hinzu. Und um Nägel mit Köpfen zu machen, stieg er auch sogleich ab.

Chet kam nicht mehr dazu, eine Entscheidung zu treffen, aber Dwarf irrte ebenfalls, wenn er meinte, diese vorweggenommen zu haben.

Entferntes Gewehrfeuer knatterte plötzlich durch die Nacht und zerriss die Stille. Aus dem Wald schallte wummernd das Echo zurück.

Chet schaute nach Norden. Dwarf schwang sich wieder in den Sattel. Ohne ein Wort zu wechseln, trieben sie die Tiere an und galoppierten am Saum des Wäldchens entlang über die Hügelflanke.

Kaum hatten sie hundert Yards hinter sich gebracht, da erstarb das ferne Knattern jäh. Aber sie ließen die Tiere weiterlaufen, sprengten die sanfte Flanke im Norden hinauf und hielten auf der gekrümmten Kuppe des Hügels an.

Ein Reiter jagte nach Norden. Nur noch schemenhaft erkannten sie Mann und Tier im fahlen Mondlicht.

Deutlicher zu erkennen stand ein kleiner Planwagen mit zwei angeschirrten Maultieren am Fuß des Hügels. Eine Gestalt erhob sich neben dem Gefährt.

»Offenbar ein Feuerüberfall«, mutmaßte Dwarf, der kleine, drahtige Cowboy.

Chet schnalzte mit der Zunge. Sein Hengst trug ihn ins Tal und lief neben dem Wagen aus.

Der weißhaarige Mann richtete sein Gewehr auf die beiden Reiter. »Ihr seid zu spät dran, Leute. Der Kerl hat schon alles mitgehen lassen, was mir gehörte!«

»Wir sind keine Banditen, falls Sie das meinen.« Chet saß ab und trat vor die Pferde.

Dwarf kam von der anderen Seite vor sein kreuzhässliches Pferd, das spielerisch nach seinem Hut schnappte. »Hör doch auf, Rosinante!«, brummte er.

»Sie wurden überfallen, und Ihnen ist nichts geschehen?«, staunte Chet.

Der Mann senkte das Gewehr. »Als ich merkte, dass er mich töten würde und nicht umgekehrt, ließ ich mich fallen. Lieber der ganze Zaster weg, als in den Himmel gefahren.«

»Zumal man nicht sicher sein darf, dort wirklich anzukommen.« Dwarf grinste freundlich.

»Was?«, knurrte der fahrende Händler.

»Böse Menschen landen unweigerlich in der Hölle!« Dwarf grinste immer noch. »Und wer weiß schon genau, ob er gut oder böse ist.«

Der alternde Händler schüttelte den Kopf. »Ihr Partner ist ein Spaßvogel, was?«, wandte er sich an Chet.

»Ja, gut möglich.« Chet hatte einige Mühe, den Mann zu begreifen, der offenbar leicht einzuschüchtern sein musste und doch allein in der Wildnis herumfuhr. »Was wurde Ihnen denn geraubt?«

»Meine Geldtasche.«

»Darf man fragen, was sie enthält?« Dwarf legte den Kopf etwas zur Seite.

»Geld, verdammt. Was denn sonst.«

»Viel?«

»zwölftausend Bucks.«

Chet zog den Kopf ein. »Was sagen Sie?«

»zwölftausend Dollar. Verdammt viel Geld, Mister. Aber hätte ich mich auch nur zwei Sekunden später fallen lasen, wäre es mit mir wirklich vorbei gewesen.«

Chet schaute nach Norden. Nur noch leise ließ sich der Hufschlag vernehmen.

»So was hab ich noch nie erlebt«, murmelte Dwarf.

Chet beugte sich vor. Sein Blick ruhte auf der Hand des Mannes am Wagen. Blut lief aus dem schmutzigen Hemdsärmel und tropfte von den Fingern.

»Sie sind verletzt!«

Der Mann ließ das Gewehr mit der Hand los. »Um ganz ehrlich zu sein, er hat mich ganz schön erwischt. Hier.« Er deutete auf den zerrissenen Jackenärmel, den Chet erst da bemerkte. Und auf einmal sah der Mann auch ziemlich bleich aus, ließ das Gewehr ganz fallen und hielt sich am Rad fest.

»Setzen Sie sich!«, befahl der Vormann. »Wir verbinden Sie. Dann fahren Sie direkt weiter nach Westen. Morgen erreichen Sie die Bullhead-Ranch, wohin wir gehören. Dort erzählen Sie, was geschah und sagen unserem Boss, dass wir versuchen wollen, den Schurken einzuholen.«

»Aber seid vorsichtig, wenn es euch gelingen sollte. »Ächzend ließ sich der fahrende Händler nieder.

»Warum denn?« Dwarf beugte sich hinunter.

Chet schnitt dem Mann den Ärmel von unten her bis zur Schulter auf.

»Weil‘s dieses neumodische Papiergeld ist, zur Hölle!«

»Na und?«

»Das brennt wie Zunder, kann zerstochen und zerrissen werden und ist mit Blut besudelt absolut nichts mehr wert. Teufelskram!«

»Haben Sie ein bisschen Whisky im Wagen?«

Der Händler schaute auf die Wunde, die der Streifschuss gerissen hatte.

»Wir müssen die Pulverspuren wegwaschen, die an jeder Kugel nun einmal hängen, Mister. Es brennt ein bisschen, nichts weiter.«

»Ja, im Wagen ist so was.«

Dwarf kletterte über die hintere Bordwand in den kurzen Planwagen und brachte die Flasche, aus der er jedoch zunächst selbst einen kräftigen Schluck nahm.

»Schmeckt‘s?«, maulte der Händler verdrossen.

»Ja, der Whisky ist nicht schlecht.« Dwarf grinste schon wieder von einem Ohr bis zum anderen.

Chet nahm ihm die Flasche ab und goss einen ordentlichen Whiskyschwall über den Arm des Mannes.

Der Händler brüllte, als würde er aufgespießt.

»Schon vorbei. – Verbandszeug, Dwarf.«

Der Cowboy brachte eine Binde aus Rosinantes Satteltasche. Chet verband dem Mann den Arm.

»Wie heißen Sie eigentlich?«

»Rubin. Und Sie?«

»Ich bin Chet McCoy. Er heißt Dwarf.« Chet richtete sich auf. »Schaffen Sie es bis zur Bullhead-Ranch? Sonst gibt es auch noch eine Relais-Station im Bluegrass Valley …«

Der Mann zog sich am Rad empor. »Ich denke schon, dass ich es bis zur Ranch schaffe.«

»Sagen Sie unserem Boss, dass wir nach Norden reiten.«

»Es geht um zwölftausend Dollar. Hoffentlich …« Rubin brach ab.

»Was wollten Sie sagen?« Chet griff nach dem Zügel seines Pferdes.

»Nun spucken Sie es schon aus!«, schimpfte Dwarf. »Wollten Sie andeuten, die Bucks könnten uns am Ende wichtiger sein als der Job auf der Bullhead-Ranch, Mann?«

»Na ja, man kann es wirklich nicht wissen. Ist verdammt viel Geld.« Der Händler kratzte sich auf der Wange und schaute von Dwarf auf den Vormann. Es konnte ihm unmöglich entgehen, dass in McCoys Adern Indianerblut floss. Und gegen Mischlinge hegen die meisten nun einmal Argwohn.

»In Ordnung, Sie können auch selbst versuchen, den Kerl zu schnappen, Mister«, sagte Chet.

»Indem Sie ihn auf einem Ihrer Maultiere verfolgen.« Dwarf lachte. »Na los, Mister, worauf warten Sie denn noch?«

Der alternde Händler fluchte verdrossen. »Ihr scheint ja jedes Wort auf die Goldwaage zu legen!«

»Das ist mitunter angebracht«, erwiderte Chet, wandte sich ab und kehrte zu den Pferden zurück. Er zog den Sattelgurt nach und schwang sich auf den Rücken des Braunen.

Noch immer von Misstrauen erfüllt zog sich der Händler ächzend auf die Füße und folgte Dwarf, der mit einem Sprung im Sattel saß. »Von der Bullhead-Ranch hörte ich schon. War aber noch nie da.«

»Das wissen wir.«

»Wieso, seid ihr schon lange dort?«

»Solange es die Ranch gibt.« Chet lenkte den Braunen nach Norden. »Sie besaßen bestimmt zwölftausend Dollar?«

»Mein Wort darauf. Ich bin heute hier und morgen dort und weiß vorher nie, wo ich günstig gute Ware erstehen kann. Also muss ich das Pulver gezwungenermaßen mit mir herumschleppen. – Und genau das wissen diese Banditen, die an den Overlandstraßen lauern.«

»Gut möglich.« Chet schnalzte mit der Zunge und ritt dahin, wo sie den Banditen schemenhaft in der Dunkelheit untertauchen sahen.

Dwarf lenkte Rosinante schon nach 50 Yards an die Seite des Vormanns. »Was gibst du denn für den misstrauischen Vogel?«

»Er ist eine Krämerseele, Dwarf. Durch und durch normal für das Handwerk, dem er nachgeht.«

»Ein Comanchero, was?«

»Auf jeden Fall einer, bei dem du für alles bedeutend mehr bezahlst als im Drugstore von Golden City.«

»Und für den schlagen wir uns mit anderen Gaunern herum. Verrückt muss einer sein, der das tut.«

Sie grinsten sich an. Auf der nächsten Hügelkuppe hielten sie und schauten in die Mondnacht hinaus.

Das Buschland nahm im Norden und Osten beträchtlich zu. Hufschlag hörten sie nicht mehr. Chet saß ab und suchte auf dem Boden nach Spuren. Ein Stück seitlich seines Pferdes fand er niedergetretenes Gras. Dwarf, der kleine Cowboy, lenkte das hässliche Pferd auf die Spur und folgte ihr.

Chet folgte dem Partner ins Tal hinunter und durch das Buschland.

»Der rechnet aber nicht mit Verfolgern«, stellte Dwarf alsbald fest. »Ein bisschen mehr Mühe, und wir würden ziemlich alt aussehen.«

»Dann besteht ja Hoffnung, ihn noch zu schnappen.«

»Hoffentlich bald. Wir entfernen uns nämlich sehr schnell wieder von der Ranch.«

 

 

2

Im Morgengrauen tauchte eine Pferdewechselstation vor den beiden Reitern auf. Die Nachtkühle verflüchtigte sich. Ihr folgten Nebelschwaden, die aus Scrubbüschen und Gras stiegen und ein schwebendes Polster bildeten.

Die noch rund eine Meile entfernte Station verschwand in der weißen Wand, aber das Dach stand noch wie eine Fata Morgana darüber und wies den Cowboys den Weg. Sie ritten auf das Anwesen zu, ohne sich weiter mit der Spurensuche aufhalten zu wollen. Beide gingen davon aus, dass der Wegelagerer eine Pause für sich und sein Pferd einlegen würde. Dort vorn gab es Wasser und Futter für das Tier und für ihn ein gutes Frühstück. Geld genug besaß er.

Eher beiläufig blickte Chet doch hin und wieder auf das niedergewalzte Gras und die abgeknickten Äste. Das Buschwerk war so trocken, dass schon eine leichte Berührung genügte, um die Zweige abzureißen.

Chet hielt an, zog das Gewehr aus dem Scabbard und repetierte es.

Dwarf folgte seinem Beispiel. »Meinst du, der riecht was, wenn er uns sieht?«

»Wir kommen aus der gleichen Richtung wie er. Das genügt einem Kerl auf der Flucht, um loszuballern.« Chet ritt weiter und sah, noch bevor sich die Nebel auflösten, das Ende des Corrals vor sich auftauchen.

Doch da stieg die Sonne über die Hügelkuppen im Osten und stach mit langen Strahlen in das weiße Feld über dem Boden hinein. Wie weggewischt verschwanden die Schwaden.

Sie erkannten die Station vor sich, sahen die Pferde im Corrals und den Grauen an der Tränke im Hof. Am Schuppen stand ein alter Mann, der sie anschaute. Aus dem Stationshaus trat ein weiterer Mann.

»Der Stationer«, murmelte Dwarf.

Chet winkte mit dem Gewehr zur Seite und wollte damit andeuten, dass der Mann sich in Deckung bringen sollte. Aber der verstand offenbar nicht.

»Trottel«, knurrte der Vormann der Bullhead.

Chet ritt am Zaun entlang und winkte noch einmal mit dem Gewehr.

Da trat der Mann aus der Tür und zur Seite.

Im nächsten Augenblick erschien ein jüngerer Bursche. Er sah ziemlich schäbig gekleidet aus, trug einen alten Strohhut auf dem Kopf, der mit seiner langen, nach unten gebogenen Krampe das Gesicht beschattete und nichts davon erkennen ließ. Er begriff, wie erwartet, sofort, zerrte den Colt aus dem Holster und feuerte.

Chets Brauner würde von der Kugel knapp verfehlt, wieherte erschrocken und stieg auf die Hinterhand. Der Vormann ratschte über die Hinterhand des Pferdes, stand aber so ungünstig hinter dem hohen Bretterzaun, dass er den Halunken nicht sehen konnte.

Dwarf feuerte. Schwarzpulverrauch hüllte ihn ein. »Vorwärts, Rosinante!«

Das hässliche, dürre Pferd streckte sich und galoppierte am Zaun entlang, von Dwarf immer erneut angefeuert.

Kugel um Kugel jagte der hartgesottene Bandit aus seinem Revolver, während er zur Tränke rannte, sich in den Sattel schwang und losritt. Die letzte Kugel feuerte er schon hinter sich. Sie streifte Rosinantes Fell und ließ sie so jäh ausscheren, dass Dwarf im hohen Bogen abgeworfen wurde. Er stürzte, rollte über den harten Sandboden und blieb benommen liegen.

Staub wurde von den Hufen aufgewirbelt.

Chet hastete zu dem Cowboy, weil er glaubte, der habe sich beim Sturz ernsthaft verletzt. »Dwarf, was ist los?«

Stöhnend rollte Dwarf auf den Rücken. »Der Gaul muss von allen guten Geistern verlassen sein. Hölle und Schwefel, sich so zu benehmen.«

Chet half dem Gefährten auf die Füße.

Indessen jagte der Reiter weiter nach Norden. Eine Staubfahne markierte seinen Weg.

Der Stationer und sein Gehilfe wagten sich noch zögernd näher. Keiner der beiden trug eine Waffe bei sich.

Fluchend humpelte Dwarf am Zaun entlang und schimpfte weiter über sein Pferd, das er für gewöhnlich nur in allen Tonlagen zu loben wusste.

»Was ist denn nur los?«, fragte der Postagent. »Seid ihr hinter dem her?«

»Er hat einen fahrenden Händler überfallen, und wir hörten Schüsse.«

»Wann und wo?«

»Gestern am späten Abend. Fünfzehn Meilen von hier entfernt im Bluegrass Valley.«

»Dann hätte er die zwei Steaks gar nicht bezahlt, die ich ihm braten sollte, was?«

»Geld besitzt er seit dem Überfall genug.« Chet blickte in die Büsche östlich der Station. Dort war sein brauner Hengst verschwunden.

Rosinante lief schnaubend auf der anderen Seite des Corrals entlang.

»Nannte er seinen Namen?«, wollte Chet McCoy wissen.

»Nein. Aber wir fragen niemanden, wie er heißt, Mister. Auch Sie nicht.«

»Wir sind von der Bullhead-Ranch, das können Sie gern wissen. Und wir folgen dem Halunken ohne persönliches Interesse. Ausgenommen vielleicht, dass wir gegen solches Gelichter generell etwas haben.« Chet blickte erneut nach Osten.

Der Braune kehrte nicht zurück.

Rosinante befand sich nun bereits auf der Corralrückseite. Dwarf lief seinem Pferd entgegen.

Im Norden verlor sich der Hufschlag bereits. Vom Reiter konnten sie nichts mehr sehen. Nur die Staubfahne stand noch in der Luft.

Da tauchte der Braune zwischen Sagebüschen auf.

Chet pfiff, aber das Tier reagierte nicht darauf.

»Wollen Sie ein Lasso haben?«, fragte der Stationer.

»Ich glaube nicht, dass er wieder wegläuft.« Chet ging dem Tier langsam entgegen, um es nicht durch Hast erneut zu erschrecken und in die Flucht zu jagen.

Der Hengst verharrte mit spielenden Ohren. Seine Flanken zitterten noch. Der eine Zügel schleifte auf dem Boden.

»Du bist vielleicht einer. Nun hat der Kerl wieder einen Haufen Vorsprung und ist obendrein gewarnt.« McCoy erreichte den Hengst und konnte den Zügel ergreifen. Willig ließ sich der Braune zum Hof führen, wo Dwarf vor dem Vormann ankam.

»Was hat er denn geklaut?«, wollte der Gehilfe wissen.

Dwarf erzählte mit drei Sätzen, was sie am späten Abend des letzten Tages erlebten.

»Mein Gott, so viel Geld fährt einer durch die Wildnis?« Der Postagent war nahe daran, die Hände über dem Kopf zusammenzuschlagen.

»Ja, wir waren auch platt.« Chet stieg auf.

»Wenn du dir das noch mal einfallen lässt, sind wir die längsten Freunde gewesen!«, versicherte Dwarf seinem Tier. »Hast du das kapiert?«

Rosinante kratzte schuldbewusst mit einem Huf im Sand und schien zu nicken.

»Schreib dir das hinter die Löffel.« Der Cowboy schwang sich in den Sattel.

Sie ritten über den Hof.

»He, Mister, da sind noch die beiden Steaks in meiner Pfanne!«, rief der Stationer. »Was soll denn damit werden?«

»Ein schönes Frühstück für euch!«, brüllte Dwarf zurück. »Um das wir euch natürlich sehr beneiden!«

 

 

3

»Der reitet wie der Teufel!«, schimpfte Dwarf.

Es war problemlos, der Staubfahne zu folgen. Nur aufzuholen vermochten sie nicht. Dabei besaß Chet einen Hengst von beachtlicher Zähigkeit, auch wenn es schnellere Pferde geben mochte. Und Rosinante war ebenfalls ein besonders ausdauerndes Pferd.

»Er hat einen sehr schnellen Gaul.« Chet schaute zum Stand der Sonne.

Der Mittag war nahe. Die Poststation musste mindestens zehn Meilen hinter ihnen liegen. In der Hitze des Hochsommertages flimmerte es in der Luft, und die Luftspiegelung rasterte den braunen Staub.

Sie kamen nicht näher an den Banditen heran. Aber McCoy war sicher, dass sie ihn nun stellen konnten, egal, wie lange es dauern würde. Am Ende entschied die Zähigkeit der Pferde, nichts sonst.

Erst gegen Abend, als ihre Pferde erschöpft zu taumeln begannen, holten sie sichtbar auf. Chet mochte es zunächst gar nicht glauben, wie rasch das plötzlich ging. Er schob es eher auf eine Täuschung infolge größerer Klarheit über dem Boden. Doch dann bemerkte er, dass das braune Pferd des Banditen strauchelte.

»Sein Gaul ist ausgebrannt!«, frohlockte Dwarf. »Los, Rosinante, leg noch mal zu!«

Die Mühe blieb vergeblich. Ihre eigenen Tiere vermochten das Tempo längst selbst nicht mehr einzuhalten. Dennoch verringerte sich der Abstand zusehends.

Plötzlich schwankte das Pferd des Halunken nach links. Der Kerl sprang aus dem Sattel und kam selbst zu Fall. Der Braune knickte vorn ein und fiel zur Seite. Er mühte sich, wieder auf die Hufe zu gelangen, doch der Versuch scheiterte. Liegend feuerte der Wegelagerer. Das jähe Krachen zerriss die abendliche Stille. Ein Pfeifen ließ Chet die anhaltende Gefahr erkennen. Sein Hengst schnaubte.

»Von den Pferden!«, rief McCoy seinem Gefährten zu und sprang ab. Er musste sich am Sattelhorn festhalten.

Das lange Sitzen im Sattel hatte seine Knie steif werden lassen.

Der Verfolgte schoss abermals. Neben Chet riss das Projektil Sand aus dem Boden.

Sie ließen sich fallen und erwiderten das Feuer. Dwarfs zweite Kugel traf den gepeinigten Braunen, der gerade den Kopf hob und offenbar einen letzten Versuch unternehmen wollte, aufzustehen. Die Qualen endeten schlagartig. Ein letztes Wiehern ging im Knattern der Schüsse fast völlig unter.

»Jetzt haben wir ihn festgenagelt«, sagte der Cowboy grimmig.

»Dann wollen wir nicht mehr als nötig riskieren«, gab der Vormann zurück.

Beinahe pausenlos entlud sich die Winchester des Banditen. Dichter Pulverdampf hüllte ihn ein.

»Wenn er so weitermacht, dürfte er sich gleich verschossen haben«, erklärte Dwarf mit fröhlichem Gesicht, so dass es Chet schien, als habe der Weidereiter großen Spaß an dem Geschehen.

Da streifte eine Kugel den Cowboy am Arm und riss seinen Hemdärmel auf. Er warf sich fluchend auf die Schulter.

Auch Chet zog den Kopf ein, weil das Schießen immer noch nicht abriss. »Ich fürchte, der hat die Taschen voller Patronen und hält uns, bis es Nacht ist, hin.«

»Um dann heimlich zu verschwinden, was?«

»Genau.«

Dwarf schoss auf die Pulverdampfwolke, in der sie den Halunken indessen nicht mehr sahen.

Chet kroch bis zu einer flachen Rinne, die notdürftig Schutz gegen die Kugeln bot. Dwarf sprang auf und warf sich in den kleinen Graben, den gelegentlich nach heftigen Regenfällen einen Creek zu füllen schien. Die Geschosse wimmerten über sie hinweg.

»Wir müssen dichter heran.« McCoy schob Patronen in den Füllschlitz des Repetiergewehrs.

»Gib mir Feuerschutz, ich springe!«

»Nein, umgekehrt.«

»Wieso?» Dwarfs Augen funkelten wild, als er den Vormann neben sich anschaute.

»Weil ich der Ältere bin und weil es meine Idee war«, entgegnete Chet lakonisch.

»Verdammt, ich dachte schon vorhin daran.«

»Los, Dwarf, keinen Ärger!«, befahl McCoy. »Ich laufe bis zu dem Busch da vorn.« McCoy deutete mit der rauchenden Gewehrmündung auf das Salbeidickicht in zehn Yard Entfernung.

Da legte Dwarf an, schoss, hebelte den Repetierverschluss durch und feuerte wieder. So schnell wie auf der anderen Seite fuhren die Kugeln aus dem Gewehr.

Chet sprang aus der Rinne und rannte gebückt zum Dickicht. Er warf sich in das prasselnde brechende Geäst, schlug die Waffe an und schoss sofort wieder.

»Jetzt ich!«

Auf der anderen Seite brach das Schießen ab.

Dwarf hastete heran und warf sich neben McCoy. »Der muss nachladen!«

»Scheint ganz so.«

»Todsicher, Chet. Los, jetzt kommen wir noch ein schönes Stück dichter an sein Fell. Und dann entgeht er uns nicht mehr, auch wenn die Nacht noch so schwarz wird!«

Sie sprangen gleichzeitig auf und durchbrachen das strohtrockene, knackend brechende Salbeigestrüpp. Bis zur nächsten Buschgruppe schafften sie es, dann feuerte der Schurke erneut. Sie warfen sich zu Boden, schoben die raschelnden Äste mit den Gewehrläufen auseinander und sahen ein fremdes, verzerrtes Gesicht in den Schwarzpulverdampfschwaden.

»Den hab‘ ich ehrlich nie gesehen«, murmelte Dwarf.

»Kopf runter!«

Der hitzige Cowboy reagierte eben noch schnell genug, rollte sich zur Seite und fand Deckung hinter einem grauen Lavastein.

»Noch fünfzig Yards«, stellte McCoy fest.

Das Knattern brach ab. In der Ferne verlor sich das grollende Echo jenseits der Hügel.

»He, ihr da!«

Dwarf bewegte sich.

»Liegenbleiben!«, befahl Chet.

»He, hört ihr nicht? Ich habe dem Comanchero zwölftausend Bucks abgenommen!«

»Das wissen wir inzwischen auch«, brummte Dwarf. »Denkt der, wir reiten aus Langeweile hinter ihm her?«

»Er will verhandeln«, sagte Chet.

Der Bandit sprang auf und warf sich hinter den Kadaver, bevor sie die Gewehre erneut auf ihn anzuschlagen vermochten.

»Das nützt dir auch nichts«, knurrte Dwarf. »Du sitzt in der Falle, Freundchen. Sozusagen bis zum Hals im dicksten Dreck.«

Chet ging nicht darauf ein. Abermals lud er die Winchester nach.

»Ihr kriegt was von dem Zaster!«, meldete sich der Schuft wieder. »Wie wäre es mit zweitausend Bucks?«

»Geht es nicht noch was kleiner?«, rief Dwarf höhnisch zurück.

»In Ordnung, viertausend!«, erhöhte der Bandit sofort sein Angebot.

»Ich versuche, auf die andere Seite zu gelangen. Schieß, Dwarf!« Chet sprang auf, bevor sein Partner widersprechen konnte, hastete an den Büschen entlang nach Osten und konnte sich fast 20 Yards entfernen, bevor der Verfolgte ihn beschoss. Die Kugel strich vor seinem Gesicht vorbei. Er warf sich zu Boden und kroch zum nächsten Busch.

Dwarf feuerte, was sein Gewehr hergab.

Chet vermochte den Schurken hinter dem Kadaver nicht zu sehen, jedoch befand er sich bereits an der Seite des toten Tieres. Noch ein Stück weiter in der gleichen Richtung, und der Bandit hatte auch die Deckung verloren.

»Ich erhöhe!«, rief der in Not geratene Kerl, den allmählich Panik zu packen schien. »Ich gebe die Hälfte!«

»Vielleicht wollen wir alles und dich noch dazu!«, brüllte Dwarf.

»Idiot, es geht um einen Haufen Geld!«

Chet kniete und schlug das Gewehr an der Hüfte an. »Ich schlage vor, du ergibst dich, Mister!«

Der Kerl zuckte herum. Chet feuerte einen Herzschlag früher, als der andere den Finger zu krümmen vermochte. Der Schuft schrie abgerissen auf, verlor die Waffe aus den Händen und stürzte hinter den Kadaver.

Das letzte Krachen verklang in der herabsinkenden Nacht. Hinter dem Kadaver bewegte sich nichts mehr.

Dwarf stand neben dem Lavastein auf, ergriff sein Gewehr am Lauf und schlenkerte den Kolben über die Schulter. »Das war‘s dann wohl?«

Chet ging vorwärts. Als er den Kadaver erreichte, sah er den Toten. Er lag auf dem Rücken, das Gewehr neben sich und die eine Hand um ein Grasbüschel gekrampft.

Dwarf trat neben die Leiche, beugte sich hinunter und drückte ihr die Augen zu. Dann umging er den Toten und hängte eine Tasche vom Sattel ab. »Wollen wir wetten, dass ich die Beute habe?«

»Nur, wenn du etwas dagegen halten willst.« Chet hielt nach den Pferden Ausschau.

Rosinante und der Hengst standen einträchtig kaum hundert Yard entfernt bei einem skurrilen Felsengebilde. Die Müdigkeit schien sie daran gehindert zu haben, weiter zu fliehen.

Dwarf öffnete die Tasche, griff hinein, brachte eine ganze Handvoll ziemlich zerknüllter Geldscheine zum Vorschein und ließ sie in die alte Tasche zurückflattern. »Ob dieser seltsame Händler uns eine Belohnung vermacht?«

Chet grinste schief. »Damit würde ich vorsichtshalber nicht rechnen.«

»Tue ich auch nicht.« Dwarf verschloss die Tasche. »Und deswegen sollten wir vielleicht noch mal nach Golden City reiten.«

»Warum?«

»Wenn wir die Bucks dem Marshal bringen und den Sachverhalt erklären, gibt es sicher eine Wiederbeschaffungsprämie. Zehn Prozent oder so.«

»Das ist eine Stange Geld«, gab McCoy zu.

»Genug jedenfalls für den kleinen Umweg.«

Chet schaute erneut zu den Pferden. »Im Augenblick sollten wir aber versuchen, den Tieren Ruhe und ordentliches Futter zu beschaffen. Ich vermute westlich von hier eine kleine Stadt an der Postlinie. Ich glaube, sie heißt Manitou.«

»An der Poststraße nach Colorado Springs.« Der junge Cowboy nickte zustimmend. »Die muss hinter den Hügeln liegen.«

Sie schauten beide dahin, wo das letzte Sonnenlicht hinter dem Horizont verglühte und die Hügel in der grauen Dämmerung untergingen.

Dwarf gähnte demonstrativ. »Was mich angeht, ich vertrage auch ein weiches Bett, was ordentliches zwischen die Zähne und ein paar gute Drinks.«

»Aber es kann leicht Mitternacht werden, bis wir das Nest erreichen, zumal wir den Toten mitnehmen oder beerdigen müssten.«

»Mitnehmen kann in einer fremden Stadt leicht zu Komplikationen führen«, überlegte Dwarf.

»Eben.«

»Oder bist du schon mal in dem Nest gewesen?«

»Nein.«

Dwarf warf die abgeschabte Satteltasche des fahrenden Händlers auf den Boden. »Dann wollen wir mal.« Er zog sein breites Kampfmesser, kniete und begann neben dem Toten in den harten Sand zu stechen.

Es würde ein mühseliges Unterfangen werden, den namentlich für sie unbekannten Banditen unter die Erde zu bringen, dennoch bedurfte es für sie keiner Frage, dass sie es tun würden.

Als es dunkel geworden war, näherten sich die Pferde und schnaubten schuldbewusst wegen der langen Abwesenheit.

Chet räumte den losgestochenen Sand mit beiden Händen aus der allmählich tiefer werdenden Grube. »Sollten wir nicht direkt umkehren und in der Prärie ein paar Stunden schlafen?«

»Und was essen wir? Hast du vielleicht noch etwas dabei?« Dwarf hielt inne.

»Nein.«

»Na also. Egal, wann wir in Manitou ankommen. Uns jagt ja sicher keiner bei Sonnenaufgang wieder weg.«

 

 

4

Die kleine Stadt lag so dicht hinter den Hügeln, dass sie die Häuserzeile mehr als eine Stunde vor Mitternacht auftauchen sahen.

»Die hätten ja beinahe noch Schüsse hören müssen«, vermutete Dwarf.

»Ausgeschlossen. Wir sind noch mal fünf oder sechs Meilen geritten. Außerdem steht Buschwerk östlich der Hügel.«

Erst als sie sich zwischen den ersten Holzhütten befanden, erkannten sie, dass es sich um eine armselige Stadt handelte – armseliger, als sie befürchteten.

»Sieht ganz so aus, als würde es hier nicht mal einen Stadtmarshal geben.« Dwarf blickte aus zusammengezogenen Augen auf den doppelstöckigen Saloon, der ihm wie eine große, mehr hohe als breite Kiste vorkam, und auf die schräg gegenüberliegende Poststation der Wells Fargo.

Zwei an Seilen aufgehängte Sturmlaternen über der Straße verbreiteten trübes Licht. Aber in mehreren Häusern brannten ebenfalls noch Lampen. Vor der Poststation erkannten sie eine Gestalt, als sie daran vorbei zum flachen Mietstall reiten wollten.

»Hallo!«

Chet zügelte den müden Hengst und stieg steifbeinig ab.

Dwarf beugte sich herunter. »Ich würde von dem vielen Geld besser erst mal nichts sagen!«

Chet gab keine Antwort. Er schaute auf den kleinen Mann und meinte, unter grauen licht gewordenen Haaren undeutlich ein Mausgesicht zu erkennen.

»Sie kommen von Osten?«

»Stimmt.«

»Ich warte auf die Postkutsche aus Colorado Springs. Sie ist schon ein paar Stunden überfällig. Haben Sie was davon gesehen?«

»Wir folgten der Straße nicht, Mister. Nein, wir sahen keine Kutsche und hörten sie auch nicht.«

Der kleine Postagent raufte sich das spärliche Haar. »Passiert ja öfter, dass sie sich verspätet. Aber gerade heute …«

»Was ist heute?«, fragte Chet uninteressiert und nur, um nicht unhöflich zu erscheinen.

»Einen Tag vor dem Monatsletzten kommen die Lohngelder für die Mine in Buena Vista.«

»Aha.«

»Zehntausend Dollar!«

»Eine runde Summe.« Dwarf grinste freundlich, stieg ab und trat neben Chet.

»Ein Haufen Geld«, erwiderte der Postagent mürrisch. »Von dem vielleicht inzwischen eine Menge lichtscheues Gesindel weiß. Schließlich geht das nun schon über ein Jahr. Sie sollten endlich mal weiter westlich von uns eine Bank eröffnen und das Zeug von dort holen.«

»Wohin es auch erst gebracht werden müsste«, sagte Chet. »Tut mir leid, dass wir Sie nicht beruhigen können.« Er tippte an seinen verstaubten Hut und führte den erschöpften Hengst weiter.

Die Tür des flachen Mietstalls stand offen. Drinnen brannte eine Lampe. Vom Stallmann sahen sie jedoch nur die Beine, und die auch erst, als sie sich bereits im Gang befanden. Der Mann lag in einer Box im Stroh und schnarchte.

Chet stieß den einen Stiefel vom Stallmann an. »Mister? Wir möchten zwei Pferde einstellen.«

Der Mann erwachte mitten in seinem Satz und fuhr in die Höhe.

»Keine Aufregung, wir sind friedliche Leute«, versicherte Dwarf.

»Zum Teufel, wie spät ist es?« Mit gespreizten Fingern fuhr der stoppelbärtige Mann durch sein Haar und suchte danach im Stroh herum, bis er einen alten Schlapphut fand, den er aufstülpte.

McCoy gab ihm die Hand und half ihm, aufzustehen.

»Könnt ihr nicht ein bisschen früher aufkreuzen, zum Teufel?«

»Kein Mensch taucht aus reinem Vergnügen mitten in der Nacht auf«, entgegnete McCoy. »Ist es Ihnen lieber, wir gehen wieder und bringen die Pferde anderweitig unter?«

»Jetzt, nachdem ihr mich geweckt habt, was? Das wäre noch schöner, zum Teufel!«

»Haben Sie irgend etwas mit dem Teufel?« Dwarf legte den Kopf schief und grinste unverhohlen.

Der ungefähr 58 Jahre alte Mann blickte ihn perplex an.

»Sie nennen seinen Namen andauernd«, erklärte Dwarf. »Das muss doch was bedeuten.«

»Zum Teufel, das geht dich Grünschnabel einen Dreck an!«

»Was ist nun mit den Pferden?«, wollte Chet wissen.

»Jeder Gaul einen Dollar für den ersten Tag. Dort könnt ihr sie einstellen und absatteln.« Der Stallmann deutete auf die nächsten leeren Boxen.

Chet bezahlte. Dwarf maulte, dass es ziemlich teuer wäre.

»Mit Nachtzuschlag«, sagte der Stallmann prompt.

Chet führte den Hengst in die leere Box, sattelte ihn ab und rieb ihn mit Stroh trocken.

Gähnend stand der Stallmann dabei.

»Bekommen wir im Saloon ein Zimmer?«

»Wenn ihr noch Geld besitzt, dann ja.«

Dwarf schnallte die abgeschabte Tasche vom Sattel. Der Stallmann blickte darauf und schien das Leder durchbohren zu wollen.

Chet verließ den Stall und schaute zum Saloon hinüber.

»Da sind noch zwei Fremde«, sagte hinter ihm der alte Mann. »Ein Saloonmädchen aus Golden City und ein Spieler.«

Zusammenfassung


Chet McCoy, der Vormann der Bullhead-Ranch, und der Cowboy Dwarf finden auf dem Heimritt ins Bluegrass Valley das Opfer eines brutalen Überfalls. Der fahrende Händler Rubin ist schwer verletzt – und um zwölftausend Bucks ärmer.
McCoy und Dwarf überlegen nicht lange. Rubin soll sich mit seinem Planwagen bis zur Bullhead durchschlagen, und sie werden die Outlaws jagen.
Doch als es ihnen tatsächlich gelingt, die Beute zurückzuerkämpfen, fängt für die beiden Bullhead-Reiter der Feuerzauber erst an. Für einen Überfall sollen sie hängen …

Details

Seiten
113
Jahr
2021
ISBN (eBook)
9783738949513
Sprache
Deutsch
Erscheinungsdatum
2021 (Februar)
Schlagworte
hängepartie colorado

Autor

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Titel: Hängepartie in Colorado