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Redlight Street #156: Ein blondes Täubchen für den Scheich

©2021 110 Seiten

Zusammenfassung

Fritz Klauser ist ein brutaler Zuhälter, der viel von seinen Dirnen im Nobel-Club verlangt. Niemand weiß jedoch, dass er alles nur für seine Tochter Leonie tut, die nicht die geringste Ahnung vom wirklichen Geschäft ihres Vaters hat. Das ändert sich jedoch, als Leonie ihren Vater überraschend bei der Arbeit besuchen will.

Leseprobe

Table of Contents

Ein blondes Täubchen für den Scheich

Copyright

1

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6

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8

9

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Ein blondes Täubchen für den Scheich

Redlight Street #156

von G. S. Friebel

 

Der Umfang dieses Buchs entspricht 110 Taschenbuchseiten.

 

Fritz Klauser ist ein brutaler Zuhälter, der viel von seinen Dirnen im Nobel-Club verlangt. Niemand weiß jedoch, dass er alles nur für seine Tochter Leonie tut, die nicht die geringste Ahnung vom wirklichen Geschäft ihres Vaters hat. Das ändert sich jedoch, als Leonie ihren Vater überraschend bei der Arbeit besuchen will.

 

 

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books, Alfred Bekker, Alfred Bekker präsentiert, Casssiopeia-XXX-press, Alfredbooks, Uksak Sonder-Edition, Cassiopeiapress Extra Edition, Cassiopeiapress/AlfredBooks und BEKKERpublishing sind Imprints von

Alfred Bekker

© Roman by Author

© dieser Ausgabe 2021 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

Alle Rechte vorbehalten.

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1

Die Große Freiheit ist genauso bekannt wie St. Pauli selbst. Hier ist das große, wilde Leben. Hier kann man alles sehen, was man will! So wird diese Straße auch angeboten.

Eva saß lustlos an der Theke und musste jetzt daran denken. Vor Jahren hatte sie mit diesem Wort nicht viel anfangen können. Da war nur ein Prickeln gewesen, ein Heimlichtun. Wenn man die Eltern oder andere Erwachsene danach fragte, dann wurden sie ärgerlich und sagten: »Das geht dich nichts an! Warum stehst du hier herum und hörst uns zu? Können wir uns denn nicht einmal ungestört unterhalten? Geh weg!«

Damals nahm man die Kindererziehung angeblich noch wichtig. Man ließ sie nicht verlottern, so sagten die Leute. Eva wusste es besser. Alles war damals verlogen gewesen. Alles!

Sie nahm wieder einen tiefen Schluck aus der Flasche.

»Das ganze Leben ist verdammt«, murmelte sie vor sich hin.

»Du solltest wirklich nicht so früh zu trinken anfangen«, sagte Horst Meissei, der hier als Kellner angestellt war.

»Lass mich zufrieden. Es geht dich einen Dreck an, was ich tue, verstanden! Halt deine Klappe, kapiert? Zieh Leine, mach eine Fliege, lass mich allein!«

»Du meine Güte, jetzt hat die schon wieder ihren Moralischen! Das ist ja nicht mehr zum Aushalten!«

»Ich hab dir gesagt, du sollst deinen Schnabel halten!«, grölte sie wütend zurück.

»Ich bin ja schon still. Mich geht es nichts an. Du kannst so viel flennen, wie du willst. Aber wenn der Fritze dich so findet, dann gibt es wieder was. Du stehst sowieso schon in Ungnade. Und wenn der erst mal wütend ist … «

Eva war im Augenblick alles egal. Sie wollte nur in aller Ruhe ihren Schnaps trinken und zugleich dieses verdammte Leben vergessen.

»Wenn man bloß nicht so feig wäre«, murmelte sie vor sich hin. »Ja, feige! Verdammt, dann hätte ich es schon längst getan, ich würd‘ ihnen allen damit ein Schnippchen schlagen. « Sie rülpste und lachte.

Die Putzfrau maulte: »Runter vom Hocker, ich muss dort noch bohnern.«

Eva starrte halb betrunken in ihr Gesicht.

»Du bist ja auch noch da«, sagte sie verächtlich. »Na ja, ich bin ja nicht so. Hast auch mal bessere Zeiten gesehen, was? Wenn ich mal wieder flüssig bin, kriegste was von mir. Musst mich dran erinnern. Dann kannste dir auch mal einen Schnaps kaufen.«

Die kleine, dünne Putzfrau fluchte und warf sie beinahe vom Barhocker. Eva grinste nur und ging in eine andere Ecke. Dann sinnierte sie weiter. Ja, ja, so ist nun mal das Leben. Zum Beispiel diese kleine miese Schlampe. Ich hab sie schon gekannt, als sie noch ein Flitterkleidchen getragen und einen scharfen Strip auf die Bühne gelegt hat. Damals war sie wirklich nicht schlecht. Süß und niedlich, das haben die Männer ja so gern. Süß und sehr jung. Verdammt, die Böcke werden älter, aber wir Mädels müssen immer jünger werden.

Aber Aggi, wie dieses kleine Putzfrauchen hieß, hatte hoch hinaus gewollt. Ganz hoch, hatte einen verdammten Ehrgeiz gehabt.

»Ich hab dich damals gewarnt«, sagte Eva aus ihrer Ecke heraus.

»Lass mich in Ruhe«, herrschte Aggi sie an. »Lass mich, verdammt noch mal, in Ruhe.«

Ja, man benahm sich wirklich nicht sehr fein auf der Großen Freiheit! Eva rülpste wieder und dachte: Welcher vermaledeite Esel hat sich das nur ausgedacht. Große Freiheit! Hier, grad hier, wo die Freiheit ganz klein geschrieben wurde, so klitzeklein, dass man sie schon mit der Lupe suchen musste und sie oft auch dann nicht fand.

»War bestimmt so ein besoffener Matrose«, hielt sie ihr Selbstgespräch.

»Aggi, du bist wirklich doof gewesen. Hast mir nicht geglaubt, wolltest alles besser wissen. Okay, ich hab kapiert, du wolltest vollkommen werden. Und weil man das nun mal nicht ist, wolltest du ein wenig nachhelfen. Hasch! Ich hab es gewusst, hab dich gewarnt. Du kannst nicht sagen, dass ich dich nicht gewarnt hätte. Ja, und was ist jetzt? Ich bin noch hier, und du musst den Dreck wegmachen.«

Aggi wollte mit dem Bohnerbesen auf die Dirne losgehen. Ihr Gesicht war tomatenrot, und die Haare standen ihr vom Kopf weg. Nein, sie war schon lange keine Schönheit mehr. Das Rauschgift hatte aus dem einst so hübschen Käfer ein Wrack gemacht.

Anfangs war alles wunderbar gewesen, vollkommen; und sie hatte die meiste Zeit wie auf Wolken geschwebt. Und sie hatte getanzt! Bei Gott, sie hatte wundervoll getanzt. Jede Nacht war die Bar voll gewesen. Alle hatten Aggi sehen wollen. Und sie war glücklich gewesen, vollkommen glücklich, hatte sich schon als ganz große Nummer am Himmel gesehen.

Fritz, der Geschäftsführer vom Regina, hatte die ganze Zeit im Hintergrund gestanden und sie beobachtet. Eines Tages hatte er sie zur Seite genommen.

»Wenn ich höre, dass du Rauschgift nimmst, schlag ich dich zusammen, verstanden!«

Aggi hatte ihn nur verächtlich angelächelt und sich pudelwohl gefühlt. Wer sollte denn je merken, dass sie sich jeden Tag ein ganz kleines Schüsschen gab? Und sie passte höllisch auf, dass sie sich nicht die Arme oder Beine verschandelte. Sie gab sich die Spritze in die Seite, was verdammt weh tat. Aber man musste kleine Opfer bringen.

Es brauchte gar nicht lange, bis alles aus war und sie von dem Zeug nicht mehr loskam. Sie brauchte immer mehr, um das wundervolle Gefühl zu genießen. Und dann kam der Zeitpunkt, wo sie nur noch in der Ecke liegen, träumen wollte, an nichts mehr erinnert werden.

Fritz Klauser fand sie, prügelte sie und übergab sie der Polizei. Aggi hätte ihn damals in der Zelle umbringen mögen. Aber er war ja nicht dagewesen. Die Entziehungskur war einfach mörderisch. Grauenhaft! Sie hatte tausend Tode sterben müssen und war doch am Leben geblieben.

Eines Tages stand sie wieder auf der Straße, mit dem kleinen Köfferchen in der Hand. Schmal, die Knochen standen hervor, rau die Haut und strähnig das Haar. Wie eine kleine verlauste Hexe, ja grad so sah sie aus, und um Jahre gealtert. Dabei war sie damals noch nicht einmal zwanzig Jahre alt gewesen.

Die Behörden hatten ihr eine Arbeit zugewiesen, als Hilfsverkäuferin in einem Supermarkt. Sie hätte ihr Auskommen gehabt. Aber Aggi ging nicht hin. Sie war schon vermurkst, Regelmäßigkeit kannte sie nicht mehr. Sie wollte nicht wieder ganz unten anfangen. Sie ging nach St. Pauli, dachte, sie könnte sich als Nutte im Hafen ihr Geld verdienen. Dort standen ja schon abgewrackte Typen, aber Aggi war wirklich ungenießbar. Und außerdem wurden die Trittvögelchen sauer, als sie sie sahen. Man verprügelte sie und ließ sie liegen.

Aggi heulte, hatte Hunger und kroch davon. Dann bekam sie den Job als Putzfrau im »Regina«. Aggi schämte sich, aber Hunger macht demütig. Einst hatte sie hier als Star fungiert und jetzt?

Wütend bohnerte sie fertig, dann nahm sie ihren Eimer und ging zu Eva.

»Und jetzt geb ich dir mal einen Rat: Wenn du so weitermachst, dann bist du auch bald ganz unten. Dann können wir zusammen die Putzlappen schwingen.«

Eva schob die Lippen nach vorn.

»Ich doch nicht!«, sagte sie großspurig.

»Du auch, du säufst dir ein Loch in den Bauch. Und wenn der Fritz dich erst mal sieht, dann gibt es wieder was.«

Fritz war Geschäftsführer des »Regina«. Bis man es so weit geschafft hatte, musste man einen langen Weg zurücklegen. Fritz wusste eines ganz genau: Es gab eine Menge Leute, die auf diesen Posten wild waren.

Fritz Klauser war nicht nur Geschäftsführer und erhielt ein fürstliches Gehalt, er hatte auch ein paar Mädchen für sich laufen. Fritz konnte gemein werden, er kannte kein Pardon. Mit eiserner Hand regierte er das »Regina»! Und die Mädchen, die hier auftraten, mussten parieren; und wenn sie das nicht taten, war der Teufel los.

Als hätte Aggi ihn herbeigehext, stand er plötzlich im Raum. Es war kurz vor acht Uhr abends. Um zwanzig Uhr öffnete das »Regina« seine Tore.

Fritz schob den Samtvorhang zur Seite und betrat die Bar. Die Tanzfläche glänzte hell im Lampenlicht. Nach und nach kamen die Musiker und stiegen auf ihr Podium. Eugen stellte die Stühle zurecht. Draußen befanden sich schon ein paar Kunden und wollten hereingelassen werden.

Fritz sah zur Theke und sah Eva dort sitzen. Er wurde sofort rot im Gesicht und ging mit wenigen Schritten zu ihr.

Eva wollte gerade den letzten Schluck aus dem Glas nehmen, als er an ihrer Seite war.

»Du verdammte Hure! Ich hab dir verboten, auch nur noch einen Schnaps vor der Arbeit zu nehmen!«

Eva wandte den Kopf zur Seite, ihr gefärbtes Haar knisterte leicht. Sie wurde blass.

»Einen zum Anwärmen ehrlich, Fritz«, sagte sie jammernd. »Wirklich, nur einen zum Anwärmen.«

»Zeig mit deine Tasche!«

Sie brauchte sie ihm gar nicht zu geben, er hatte sie sich schon genommen und öffnete sie jetzt. Darin war die Einnahme der letzten Nacht. Hastig überflog er die Scheine, dann hob er den Kopf.

»Wo ist das andere Geld?«

»Ich hab nichts mehr. Ehrlich nicht. War nicht drin; ich hab mich wirklich angestrengt, ehrlich, Fritz. Aber es war einfach nicht drin!«

Seine Augen waren eiskalt.

»Du verdammte, faule Hure! Jetzt ist es das dritte Mal in dieser Woche, dass du dein Soll nicht erfüllt hast! Und jetzt bist du auch schon wieder betrunken! Komm mit!«

Evas Lippen zitterten.

»Bitte nicht, Fritz. Ich will ja alles tun, was du sagst, wirklich. Ab jetzt tu ich alles, ehrlich«, bettelte sie.

»Ich hab gesagt, komm mit!«

Eva umklammerte die Theke und schüttelte wild die Haarmähne.

»Nein«, stammelte sie, »nein, ich fleh dich an! Ich hab dir doch versprochen, ich tu alles!«

Fritz warf einen Blick auf die Uhr. In wenigen Minuten würde man die Tür öffnen.

»Ich soll mich noch weiter mit dir herumärgern?«, keuchte er.

Bevor sie es verhindern konnte, hatte er sie gepackt und zog sie nach draußen. Eva wimmerte schon jetzt, denn sie wusste ganz genau, was sie dort erwartete.

Aggi stand noch in der Tür und verzog verächtlich den Mund. Sie freute sich.

 

 

2

Hinter der eigentlichen Bar mit der Tanzfläche befanden sich separate Zimmer, die sehr exklusiv eingerichtet waren; denn sie konnten mit dem feinsten Publikum rechnen. Die Preise waren auch dementsprechend hoch. Ein Gedeck, das hieß ein Scotch Whisky mit Soda, kostete DM 19,80. Damit fing jeder Gast an, das war Pflicht. Man brauchte ja keinen Eintritt zu zahlen.

In eines dieser Zimmer schleppte Fritz nun die Dirne und warf dann die Tür hinter sich zu.

»Ich werde dich lehren, noch einmal gegen die Regeln zu arbeiten!«

Er hatte sie mit Wucht auf das breite französische Bett geworfen. Eva sah zu ihrem Entsetzen, wie er seinen Ledergürtel abschnallte. Sie wich zurück und wollte sich vor den Schlägen in Sicherheit bringen.

Fritz hatte genug Übung darin. Er kannte keine Gnade. Wenn er nur daran dachte, wie wenig Geld sie ihm in dieser Woche gebracht hatte, dann wurde er schon so wütend, dass er sich selbst zähmen musste.

Eva schrie auf.

Damit man draußen nichts hörte, begannen die Musiker hastig zu üben. So übertönten sie die Schreie des Mädchens. Ihr Körper war binnen weniger Minuten mit Striemen bedeckt. Sie taten furchtbar weh, brannten wie offenes Feuer. Fritz hatte sich mit den Jahren eine besondere Taktik angeeignet, dass er jemanden schlagen konnte und doch keine offenen Wunden hinterließ. Er wollte seine Ware nicht so zurichten, dass sie für einige Zeit aus dem Verkehr gezogen werden musste.

»Ich hoffe, du hast diese Lektion endlich begriffen. Und das eine schwöre ich dir: Wenn du noch einmal dein Soll nicht erfüllt hast, dann kriegst du eine Abreibung, die sich wirklich gewaschen hat! Heute habe ich dich nur gestreichelt.«

Fritz verließ rasch das Zimmer.

Für Sekunden lag Eva regungslos da. Doch langsam kam wieder Leben in ihre Glieder. Tränen liefen über ihr gepudertes Gesicht. Da lag sie nun, ein Häufchen Elend, und starrte zur Decke. Diese war mit großen Spiegeln ausgestattet. Sie sah sich selbst auf dem Bett liegen.

»O nein«, flüsterte sie leise vor sich hin und versuchte, sich zu erheben. »Dieser Kerl, dieser verdammte Kerl, ich könnte ihn umbringen.«

Aber sie wusste auch, dass sie es nicht tun würde. Sie würde im Gegenteil jetzt wie ein Hündchen alles tun, nur um seine Gunst wiederzugewinnen. Sie war ja ein Nichts, ein Staubkorn. Sie durfte noch nicht einmal über ihren eigenen Körper verfügen. Nichts gehörte ihr, gar nichts – nur später die Armut. Das Leben in der Gosse, ja, das gehörte ihr dann. Sie war seine Sklavin, nein, noch schlimmer; denn Sklavinnen wurden von ihren Herren auch dann noch behalten, wenn sie nicht mehr arbeiten konnten, sie bekamen ihr Gnadenbrot. Aber sie würde dann auf die Straße gestoßen werden.

Jeden Pfennig, den sie mit ihrem Körper einnahm, jeden Pfennig nahm ihr Fritz ab. Dafür bekam sie dann ein paar lausige Mark und die außerordentliche Gnade, dass sie hier arbeiten durfte.

Eva hatte schon lange dieses Leben satt und spielte mit dem Gedanken, sich das Leben zu nehmen. Aber sie war zu feige; sie dachte die ganze Zeit darüber nach, wie man es machen könnte, ohne vorher zu leiden.

Doch im Augenblick hatte sie ganz andere Sorgen. Sie musste jetzt auch noch sehen, wie sie die Spuren der Schläge verwischte; denn die Freier durften natürlich nicht wissen, dass die »Pferdchen« von ihren Zuhältern verprügelt wurden. Wenn man sie fragte, ob sie das ganze Geld abliefern müssten, dann musste sie noch lachen und so tun, als gehöre es ihr wirklich.

Eva betrachtete ihr Gesicht im Spiegel. Es war von den Tränen geschwollen. Sie legte ein nasses Handtuch darüber. Gleich würde die Schminke zu laufen beginnen, und dann musste sie sie wieder neu auflegen.

Draußen spielte die Band, also war die Bar schon geöffnet. Eva musste sich beeilen. Jeder ihrer Schritte wurde von heftigen Schmerzen begleitet. Ihr Körper war schon süchtig, sie brauchte unbedingt einen Schnaps. Aber sie wusste, vorläufig wurde nichts daraus. Wenn sie mit den Kunden trank, bekam sie immer Selterswasser. Der Freier zahlte zwar Sekt, aber sie bekam ihn nicht, um eben nicht gleich betrunken zu sein. Wenn sie Glück hatte, konnte sie mal aus dem Glas des Freiers einen Schluck nehmen.

Sie war schon so süchtig, dass sie ein paar Schlucke brauchte, um wieder nüchtern zu werden. Und jetzt brauchte sie etwas, um die Schmerzen zu vergessen.

Sie schleppte sich aus dem Zimmer und stieß auf dem Gang mit Wanda zusammen.

»Mann, du siehst ja aus! Was ist denn los?«

»Der Bastard hat mich mal wieder geschlagen«, sagte sie düster.

Wanda fragte: »Haste mal wieder dein Soll nicht zusammengehabt?«

»Hast du einen Schnaps für mich? Ich bin wie ausgetrocknet, Wanda.«

»Bist du verrückt?«

»Ich brauch jetzt unbedingt einen, sonst kann ich nicht arbeiten. Dieser Hund hat mir fast die Knochen kaputtgeschlagen.«

Wanda sagte: »Du machst ja auch immer so viel Ärger. Mann, begreif doch endlich, dass du tun musst, was er verlangt! Er kennt doch kein Mitleid.«

Die Dirne schniefte einmal tief auf.

«Ich halt das bald nicht mehr aus. Ich bin fix und fertig. Ich müsste mal Urlaub haben, dann ginge es mir bestimmt wieder besser.«

»Urlaub? Du hast wirklich goldene Wünsche«, sagte Wanda verächtlich.

»Hast du wirklich nichts auf deinem Zimmer? Du kriegst es ja wieder du kennst mich doch.«

Sie winselte fast wie ein kleines Hündchen. Wanda sah sie von der Seite an. Na ja, dachte sie, in diesem Zustand, könnt ich auch nicht arbeiten. Aber sie sollte wirklich mit dem Trinken aufhören. Ich glaub, dass sie schon süchtig ist, aber das ist nicht meine Sache.

»Gut, komm mit! Aber sag dem Fritz bloß nicht, dass ich dir was gegeben habe.«

Sie lächelte. »Du bist wirklich nett. Auf dich kann man sich noch mal verlassen, wenn man ganz unten ist.«

Ganz hinten, wo der Trakt allmählich schäbig wurde, dort wohnten die Mädchen. Das war so einfach, man hatte sie immer schnell zur Hand. Und sie arbeiteten ja rund um die Uhr. Die Tagschicht schlief jetzt, und gegen sechs Uhr würde dann die Nachtschicht in die Betten kriechen.

Wanda holte die Flasche hinter der Wäsche hervor. In diesen Zimmern war alles schäbig. Die Mädchen wurden von dem Besitzer der Bar ausgepresst wie Zitronen. Und wenn sie bei den Kunden nicht mehr ankamen, wurden sie einfach auf die Straße geworfen. Weder Krankenkasse noch Rentenversicherung wurde für sie gezahlt. Sie bekamen Kleider und Essen und Trinken, und auch daran sparte man noch.

Sie waren alle mit großer Hoffnung nach Hamburg gekommen, hatten geglaubt, hier das ganz große Glück machen zu können. Dann waren sie aber in die Hände eines Zuhälters gefallen, und er hatte sie mitgenommen. Anfangs hatte auch alles wundervoll ausgesehen. Aber mit der Zeit waren die Daumenschrauben immer fester angezogen worden.

Eva, Wanda und Rose waren so etwas wie ein Team, sie arbeiteten immer zusammen. Und so kam es auch, dass sie sich viel besser kannten als andere Dirnen. Aber Freundschaft war trotzdem nicht dabei. Man hatte wohl Mitleid miteinander, aber mehr auch nicht.

»Prost«, sagte Wanda und nahm auch einen tiefen Schluck aus der Flasche.

Eva fühlte sich gleich wieder besser.

Alle diese Mädchen wurden entweder rauschgiftsüchtig oder verfielen dem Alkohol. Anders ertrug man dieses Leben gar nicht.

Den Besitzer sahen sie nur alle Jubeljahre. Ihr Herr und Meister war Fritz Klauser, er hatte hier das große Sagen. Vor ihm zitterten nicht nur die Mädchen. Auch die Männer, die in der Nachtbar angestellt waren, taten alles, was er von ihnen verlangte.

Das Gerücht ging um, dass der Geschäftsführer überhaupt kein Herz hätte.

»Das ist kein Mensch, das ist ein Teufel«, sagten sie immer wieder. »Der denkt nur darüber nach, wie er uns noch mehr quälen kann, wie er uns den letzten Blutstropfen herauspressen kann.«

»Ja, er ist wirklich ein Lump.«

Wanda korkte die Flasche wieder zu.

»So, jetzt müssen wir nach vorn, sonst kriegen wir großen Ärger. Die erste Stripvorführung ist vorbei, also müssen wir an die Arbeit.«

»Mir tun noch immer alle Knochen weh. Wie ich diese Nacht überstehen soll, das weiß ich auch nicht.«

Eva ging noch einmal in ihr Zimmer und machte sich zurecht. Kämmte sich noch einmal das blonde Haar. Jede Bewegung schmerzte.

»Ich bring ihn noch mal um«, murmelte sie leise vor sich hin. »Eines Tages ist es mir zu viel. Dann kann ich nicht mehr, dann ist mir alles egal.«

Sie tappte durch den dunklen Flur nach vom.

 

 

3

Die Band spielte, das Mädchen wirbelte auf der Lauffläche und entblätterte sich dabei. Sybille war wirklich nicht übel. Sie war jung, hatte noch Grübchen, wo sie sein mussten, und sie strahlte noch ein wenig Naivität aus. Dabei war sie schon ganz gerissen. Solange sie Nr. 1 in der Bar war, brauchte sie nicht mit den Männern zu schlafen. Fritz wusste ganz genau, wie sehr das zehrte. Der zarte Körper würde bald die ersten Spuren zeigen. Solange sie sich noch vor den gierigen Männerblicken ausziehen musste, sahen sie jede Falte, jede Stelle. Später einmal, im Bett, würden sie den verbrauchten Körper nicht mehr so sehr in Augenschein nehmen. Da konzentrierten sie sich auf ganz andere Punkte.

Früher hatte Fritz jedes Mädchen erst selbst ausprobiert, hatte es in eine harte Schule genommen. Oft hatte er kleine Mädchen mit Gewalt entjungfert, aber das hatte ihn keinen Augenblick gekümmert. Im Gegenteil, wenn sie sich zu sehr wehrten, hatte er auf sie eingeschlagen. Und oft hatten andere eingreifen müssen, um ihn daran zu hindern, immer weiter zu schlagen.

Er stand im Hintergrund an eine Säule gelehnt und schaute in den Saal. Er musterte die heißen Gesichter der Männer, sah, wie sie sich über die Lippen leckten, und merkte, wie unruhig sie wurden. Er kannte alle diese Anzeichen. Verächtlich dachte er: Damit verdiene ich mein Geld, damit werde ich reich. Wenn sie wild werden, dann vergessen sie sich, dann wollen sie nur noch eines: Ein Mädchen zwischen den Schenkeln. Dann sehen sie nicht mehr auf die Preise. Sie sind Gefangene ihrer Lust.

Fritz holte aus dem goldenen Zigarettenetui eine Zigarette heraus, klopfte sie zuerst und steckte sie an. Dabei fiel das Licht für einen kurzen Augenblick auf seine Manschettenknöpfe. Sie waren nicht wertvoll. Er besaß eine ganze Menge überaus teure, und oft waren sie sogar zu schwer zum Tragen. Aber diese Knöpfe waren einfache Emailarbeit und auch noch nicht einmal sehr kunstvoll angefertigt. Er lächelte darauf herab, als er sie bemerkte. Leonie hatte ihm diese Knöpfe geschenkt, zu seinem letzten Geburtstag. Und seitdem trug er sie voller Stolz. Man wunderte sich in der Bar, aber niemand wagte ihn zu fragen.

Hier wusste man nichts von Leonie, und man würde es auch nie erfahren, dafür würde er schon sorgen.

Seit er Leonie kannte, war er wie besessen. Für sie tat er einfach alles. Für sie wollte er auch immer noch reicher werden. Ihr sollte es an nichts fehlen. Jeden Wunsch las er ihr von den Augen ab. Er betete Leonie an, sie war sein Leben. Wenn Leonie einmal nicht mehr wäre, dann würde die Sonne für ihn untergehen. Aber er würde sie niemals fortlassen. Nie, nie, nie!

Er sah Eva und Wanda die Bar betreten.

»Es wird auch langsam Zeit«, murmelte er vor sich hin. »Sonst hätte ich ihr Beine gemacht.«

Sybille hatte sich noch immer nicht ganz entblättert. Noch warteten die gierigen Männeraugen darauf, alles zu sehen.

Fritz Klauser fühlte den Rauch in sich und genoss diesen kurzen Augenblick. Er sah sich in der eleganten Bar um und dachte. Das ist allein mein Werk. Ich habe sie zu einem wirklich eleganten Treff gemacht. Hier kommen die reichsten Leute her. Wir sind erlesen und gut. Wir brauchen schon gar keine Reklame mehr. Mundpropaganda tut alles. Und wenn die anderen wissen, dass die Männer von der großen Welt sich hin und wieder hier blicken lassen, kommen sie, schon um einen Blick auf die Großen zu werfen. Damals, dachte er, damals, als ich es übernommen habe, war es so etwas wie ein Schuppen. Damals, gleich nach dem Kriege.

Fritz musste plötzlich an die Vergangenheit denken. Damals, dachte er, als ich noch ein Junge war. Im Fischhafen, dem übelsten Viertel, bin ich groß geworden. Hunger und Kälte und der Krieg und die Jugendlichen und die Huren auf der Straße, das war meine Umgebung. Wie schrecklich das doch alles gewesen ist. Weggeworfene Fischköpfe haben wir gegessen, um nicht zu verhungern. Mein Gott, wir haben uns wegen eines Groschens fast totgeprügelt. Vater war von Beruf Säufer und Mutter eine gemeine, keifende Hure. Sie war so breit, dass sie kaum mehr durch die Tür passte. Auch sie trank, brachte aber in aller Regelmäßigkeit jedes Jahr ein Kind auf die Welt. Er war der älteste. Mit ausdruckslosen Augen hatte er alles miterlebt: Wie man Kinder macht und wie man sie bekommt. In so einem Viertel nimmt man keine Rücksicht auf Kinder. Sie sind lästig, stehen im Wege, und man ist beinah froh, wenn sie in der Elbe ertrinken.

Bis auf ihn hatten es alle Geschwister vorgezogen, sehr bald diese Erde zu verlassen. Oft waren sie noch nicht mal ein Jahr alt geworden. Verwahrlosung, Hunger und schlechte Pflege machten einen Schlussstrich unter ihr kleines, erbärmliches Leben.

Dann war der Krieg zu Ende. Er war damals acht Jahre alt gewesen. Überall hieß es: Jetzt wird es uns besser gehen. Nun kommt alles wieder in Schwung. Es stimmte auch, nur im Hafenviertel nicht. Da war und blieb die Armut. Da waren die alten, verlausten Häuser, sie standen jetzt sogar noch immer. Und es lebten noch immer Leute mit Kindern darin. Vor gar nicht langer Zeit war er wieder einmal unten am Fischhafen gewesen. Er konnte sich jetzt noch schütteln, wenn er daran dachte.

Er hatte in die Schule gehen müssen. Dort hatte er erfahren, dass die Hamburger die Menschen aus dem Hafenviertel hassten. Alle diese Leute waren in ihren Augen schlecht und verdorben. Wo man auch hinkam – wenn man sagte, wo man wohnte, dann wurden die Türen zugeschlagen.

Fritz hatte sehr früh lernen müssen, auf eigenen Füßen zu stehen. Es kümmerte sich ja niemand um den Jungen. Er wurde zu einem kleinen Dieb und wurde von der Polizei geschnappt. Man verwarnte ihn, aber das nützte nicht viel, der Hunger war stärker. Als man ihn wieder aufgriff, kam er in ein Erziehungsheim. Dort hatte er Essen, Trinken, bekam auch Kleidung und hatte ein anständiges Bett und ein heiles Dach über dem Kopf. Zugleich kam er aber mit den übelsten Burschen von Hamburg zusammen. Sie waren älter, gerissener und gemeiner. Wenn er vorher noch nicht schlecht gewesen war, so wurde er es jetzt, und das mit absoluter Gründlichkeit.

Hier lernte er das perfekte Einbrechen und vieles mehr. Als er dann entlassen wurde, bekam er zwar eine Lehrstelle – das Amt sorgte schon dafür – aber für ein geregeltes Leben war er schon verdorben. Wenig später kniff er aus und tauchte unter.

Fritz hatte von klein auf gelernt, dass man sich wehren, noch härter sein muss, wenn man oben sein will. Wenn man nicht immer getreten werden will, dann muss man sich hochschwimmen, mit aller Macht.

Er wurde ein Dieb, aber er merkte sehr bald, dass damit nicht viel Geld zu machen war. Seine Mutter war inzwischen gestorben, nur der Vater lebte noch. Aber der erkannte den Sohn schon gar nicht mehr, weil er immer im Suff lebte. Aber Fritz sah die Umgebung und sah auch die Mädchen auf der Straße und dachte ärgerlich: Die haben es gut, die verdienen ihr Geld wirklich leicht und schnell. Damals hatte er sich gewünscht, ein Mädchen zu sein. Aber das war nur ein kurzer Augenblick gewesen.

Dann lernte er Atze kennen! Atze war Zuhälter, hatte damals schon zehn Mädchen für sich laufen. Fritz hatte noch nicht gewusst, dass man damit auch Geld machen konnte.

»Ich könnte einen Strichjungen gebrauchen. Du bist nicht schlecht also, wenn du willst, kriegste jede Woche deinen Lohn.«

»Und was muss ich dafür tun?«, fragte Fritz herausfordernd. Arbeiten wollte er nicht.

»Das wirst du schon sehen. Aufpassen, mir alles sagen, was so im Viertel passiert, kapiert?«

Fritz überlegte: Fürs Herumlungern sollte er Geld bekommen? Das war wirklich keine schlechte Sache. Er konnte sich damals noch nicht denken, warum Atze ihn dafür bezahlen wollte. Das war nicht sein Bier.

»In Ordnung.«

So wurde er Strichjunge. Aber sehr schnell ging ihm ein Licht auf, und er sagte sich: Du bist doch wirklich ein blöder Kerl. Er macht jetzt das große Geld, und du rennst dir die Füße krumm. Der da oben wird immer reicher.

Das passte ihm nicht in den Kram.

»Ich könnte mir doch auch Mädchen besorgen, die für mich auf den Strich gehen«, sagte er zu Jupp, seinem derzeitigen Freund.

»Na ja, dann kannste ja mal mit Else Leuner anfangen, dann haste einen Grundstein.«

»Hä? Wer ist das denn?«

»Meine Schwester. Die sucht einen Macker.«

»Einen Zuhälter?«

»Quatsch! Einen Kerl, der mit ihr schläft, verstehst du? Ich hab gedacht, dann brauchst du das Geld nicht für eine Hure auszugeben. Schlecht ist sie wirklich nicht, kannst sie dir ja mal ansehen.«

Fritz hielt nicht sehr viel von Jupp, aber er traf im Augenblick den Nagel auf den Kopf. Er musste wirklich immer zu einer der Dirnen gehen, wenn er mal wollte. Und die taten das leider nicht umsonst. Erst recht nicht, als sie hörten, dass er der Strichjunge vom großen Atze war.

»Ich kann sie mir ja wirklich mal ansehen«, murmelte er vor sich hin und erhob sich.

Sie hatten in einer der Eckkneipen gestanden. Else stand im Hintergrund, neben der Musikbox. Sie war sehr blass und noch sehr jung. Fritz schätzte sie auf sechzehn Jahre. Ihr Haar war strähnig und ihre Kleider auch nicht gerade sauber. Der Hunger stand in ihren Augen.

»Hallo!«, sagte er, stellte sich neben sie und maß sie mit einem herausfordernden Blick.

Else schaute ruhig zurück.

»Was willst du?«

»He, nicht so aufsässig!« Fritz hatte gelernt, mit Mädchen zu sprechen. Aber bei Else kam er damit nicht an. Sie drehte sich einfach um und wollte weggehen. Er stapfte hinter ihr her.

»Jupp schickt mich. Ich soll mich ein wenig um dich kümmern, hat er gesagt.«

»So, hat er! Suchst du vielleicht ‘ne Dirne?«

Damals war er sogar noch rot geworden.

»Bist du verrückt? Ich penn‘ doch nicht mit nem Trittvögelchen. Mann, ich bin doch nicht blöd und hol mir ne Krankheit.«

Sie schlenderte die Straße entlang, er ging ihr einfach nach.

»Eines Tages werde ich reich sein«, murmelte sie vor sich hin. »Ich werde nämlich Filmschauspielerin, weißt du?«

Damals hatte er gedacht: Die hat nicht alle Schrauben angezogen.

Else war stehengeblieben.

»Du glaubst mir nicht? Na, du wirst schon sehen! Ich werd es schaffen. Und deshalb werd ich auch kein Vögelchen, verstehst du? Wenn man erst mal in der Gosse gelegen hat, kommt man nie mehr rauf.«

Fritz musste an die vielen Filme denken, sah sich dann Else wieder von der Seite an und dachte: Also, wenn die wirklich zum Film geht, dann macht der bestimmt pleite.

»Na schön. Ich hab dir eben gesagt, dass ich kein Vögelchen will, kapiert?«

Er dachte: Wenn ich sie erst mal rumgekriegt habe, dann wird sie schon für mich auf den Strich gehen. Dafür werde ich sorgen.

»Gehen wir zu dir oder zu mir?«, fragte sie ihn geradeheraus.

Für einen Augenblick war er sprachlos.

»Wie? Was?«

»Haste auf einmal Angst?«, grinste sie ihn an. »Ich denke, du bist schon ein Mann, oder bist du doch noch ein Milchbubi?«

Er hätte ihr am liebsten eine runtergehauen, aber dann schluckte er den Ärger hinunter und nahm sich vor, sich an Jupp zu rächen. Vielleicht stand der irgendwo und amüsierte sich jetzt köstlich.

»Zu dir«, keuchte er.

Sie nickte, dann betrat sie den Hausflur, und sie stiegen nach oben. Sie wohnte genauso schlecht, wie er seinerzeit mit den Eltern. Sie kam aus demselben Milieu.

»Hier! Zieh dich schon mal aus.«

Das alles wurde in einer so schnoddrigen Art vorgebracht, dass er schon glaubte, es mit einer Professionellen zu tun zu haben. Wütend dachte er: Wenn Jupp glaubt, ich fall auf die Tricks rein, dann kann er sich noch dreimal umdrehen. Ich tu es nicht. Wenn die denkt, die kriegt auch nur einen Heiermann von mir, dann hat sie falsch gedacht.

Er stand noch immer stocksteif im Zimmer, als sie zurückkam.

»Mann, du bist ja noch immer nicht ausgezogen«, sagte Else wütend. »Wenn du so weitermachst, dann ist bald meine Alte da, und dann gibt es Ärger.«

»Äh«, sagte Fritz verdattert. Aber dann wollte er nicht als Memme gelten. Schließlich war er selbst ja auch noch nicht sehr alt und kannte eben doch noch nicht alles, obwohl ihn das Leben schon ziemlich gebeutelt hatte.

Wenig später lagen sie beide auf dem Wachstuchsofa und er begann pflichtschuldig an ihr herumzufummeln. Bis jetzt hatte er es immer mit einer Dirne auf die Schnelle gemacht, mal in einem dunklen Kellereingang, mal hinter einem Laster. Einmal sogar mitten im Stadtpark auf der Wiese, aber das war sehr kalt gewesen, zumal die Dirne von ihm verlangt hatte, dass er unten liegen müsse.

Details

Seiten
110
Jahr
2021
ISBN (eBook)
9783738949056
Sprache
Deutsch
Erscheinungsdatum
2021 (Januar)
Schlagworte
redlight street täubchen scheich
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Titel: Redlight Street #156: Ein blondes Täubchen für den Scheich