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Großwildjagd auf Mawross: Die Raumflotte von Axarabor - Band 183

2021 89 Seiten

Zusammenfassung

von Bernd Teuber

Der Umfang dieses Buchs entspricht 82 Taschenbuchseiten.

Zehntausend Jahre sind seit den ersten Schritten der Menschheit ins All vergangen. In vielen aufeinanderfolgenden Expansionswellen haben die Menschen den Kosmos besiedelt. Die Erde ist inzwischen nichts weiter als eine Legende. Die neue Hauptwelt der Menschheit ist Axarabor, das Zentrum eines ausgedehnten Sternenreichs und Sitz der Regierung des Gewählten Hochadmirals. Aber von vielen Siedlern und Raumfahrern vergangener Expansionswellen hat man nie wieder etwas gehört. Sie sind in der Unendlichkeit der Raumzeit verschollen. Manche errichteten eigene Zivilisationen, andere gerieten unter die Herrschaft von Aliens oder strandeten im Nichts. Die Raumflotte von Axarabor hat die Aufgabe, diese versprengten Zweige der menschlichen Zivilisation zu finden - und die Menschheit vor den tödlichen Bedrohungen zu schützen, auf die die Verschollenen gestoßen sind.

Die Macashima-Gesellschaft bietet ihren Kunden ein ganz besonderes Freizeitvergnügen: Großwildjagd auf einem Dschungelplaneten. Doch für fünf Männer wird dieser Ausflug zu einem Kampf ums nackte Überleben.

Leseprobe

Großwildjagd auf Mawross: Die Raumflotte von Axarabor - Band 183


von Bernd Teuber


Der Umfang dieses Buchs entspricht 82 Taschenbuchseiten.


Zehntausend Jahre sind seit den ersten Schritten der Menschheit ins All vergangen. In vielen aufeinanderfolgenden Expansionswellen haben die Menschen den Kosmos besiedelt. Die Erde ist inzwischen nichts weiter als eine Legende. Die neue Hauptwelt der Menschheit ist Axarabor, das Zentrum eines ausgedehnten Sternenreichs und Sitz der Regierung des Gewählten Hochadmirals. Aber von vielen Siedlern und Raumfahrern vergangener Expansionswellen hat man nie wieder etwas gehört. Sie sind in der Unendlichkeit der Raumzeit verschollen. Manche errichteten eigene Zivilisationen, andere gerieten unter die Herrschaft von Aliens oder strandeten im Nichts. Die Raumflotte von Axarabor hat die Aufgabe, diese versprengten Zweige der menschlichen Zivilisation zu finden - und die Menschheit vor den tödlichen Bedrohungen zu schützen, auf die die Verschollenen gestoßen sind.

Die Macashima-Gesellschaft bietet ihren Kunden ein ganz besonderes Freizeitvergnügen: Großwildjagd auf einem Dschungelplaneten. Doch für fünf Männer wird dieser Ausflug zu einem Kampf ums nackte Überleben.





Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books, Alfred Bekker, Alfred Bekker präsentiert, Casssiopeia-XXX-press, Alfredbooks, Uksak Sonder-Edition, Cassiopeiapress Extra Edition, Cassiopeiapress/AlfredBooks und BEKKERpublishing sind Imprints von

Alfred Bekker

© Roman by Author /COVER 3000AD 123rf Steve Mayer

© Serienidee Alfred Bekker und Marten Munsonius

© dieser Ausgabe 2021 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

Alle Rechte vorbehalten.

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1

Mawross war eine dampfende Dschungelwelt mit mittleren Temperaturen von plus 35 Grad Celsius, einer Luftfeuchtigkeit von 89 bis 95 Prozent und einer Schwerkraft von 1,19 Gravos. Seine Rotation betrug 43,2 Stunden, die mittlere Sonnenentfernung 487 Millionen Kilometer und der äquatoriale Durchmesser 14.563 Kilometer. Der Planet bot keine Rätsel. Er war kartographisch erfasst, aber niemals besiedelt worden. Es gab etwa zweihundert mehr oder weniger große Inseln, die alle in den unübersehbaren Sumpfmeeren eingebettet lagen.

Mawross war für seine sturzflutartigen Regenfälle und Unwetter bekannt. Sie kamen unverhofft, verwüsteten das Land und rissen sogar hier und da den stets wolkenverhangenen Himmel auf, sodass ein ungefilterter Sonnenstrahl hindurchdringen konnte. Diese Welt war niemals kolonisiert worden. Sie taugte bestenfalls als Jagdgebiet für finanzstarke Touristen, die etwas Besonderes erleben wollten. Manche Leute fanden Gefallen daran, die urweltlichen Echsen mit Energiewaffen abzuschießen.

Anschließend gab es grundsätzlich ein großes Geschrei wegen der Transportmöglichkeiten und den damit verbundenen Kosten, denn schließlich wollten diese Urweltjäger ihre Trophäen mit nach Hause nehmen. An diesem Punkt kam die Macashima-Gesellschaft aufgrund eines ungewöhnlichen Angebots ins Spiel. „Abenteuerurlaub“ hieß das Stichwort, hinter dem sich ein Jagderlebnis ganz besonderer Art verbarg. Mit eigens für diesen Zweck umgebauten Transportern brachten die Gesellschaft ihre Passagiere nach Mawross, wo sie für eine stattliche Summe so viele Echsen erlegen konnten, wie sie wollten und diese dann nach Hause transportieren durften.

Ohne Zweifel hatte die Macashima-Gesellschaft eine Marktlücke entdeckt und ausgefüllt. Um den ständig anwachsenden Strom an Jägern bewältigen zu können, plante man bald die Erschließung weiterer Planeten. Über einen Pachtvertrag des Unternehmens mit der Regierung des gewählten Hochadmirals von Axarabor sollte in Kürze entschieden werden.



2

Der leichte Kreuzer YAMATHAU beendete das Eintauchmanöver. Die grauen, konturlosen Schatten der Librationszone verschwanden vom Panoramabildschirm. Stattdessen wurden Milliarden verschiedenfarbige Sterne erkennbar. In der Mitte schwebte eine gelbe Sonne, die von sechs Planeten umkreist wurde. Der Navigator verringerte die Geschwindigkeit. Gleichzeitig führte er eine Abtastung der näheren Umgebung durch.

Das Ergebnis war negativ. Es gab keine fremden Schiffe oder verdächtige Energieechos. Das Schiff nahm wieder Fahrt auf und steuerte den dritten Planeten des Zelina-Systems an. Gebannt starrten die vier Männer, die in der Kommandozentrale standen, auf den Bildschirm, wo Mawross in seiner ganzen Pracht leuchtete.

Wirklich fantastisch“, sagte Hitam Kotary.

Ja“, stimmte Quesra Icanary ihm zu. „Hier können wir ein paar schöne Trophäen erlegen.“

Bringen Sie das Schiff in eine Umlaufbahn“, befahl Captain Ham Bakar dem Navigator. Der Mann nickte und ließ seine Finger über die Tastatur der Steuerkonsole gleiten.

Mit einem leisen Zischen glitt die Tür zur Seite. Eine junge Frau betrat mit wiegenden Hüften die Zentrale. Ihre langen, blonden Haare hatte sie zu einem Zopf geflochten. Sie trug ein kurzes Top und enge Hotpants. Und sie achtete sehr genau darauf, das ihr Erscheinen von den Männern registriert wurde.

Ich langweile mich zu Tode auf diesem Schiff.“

Hitam blickte sie von der Seite an. „Dann such dir eben ‘ne Beschäftigung. Ich habe ein Vermögen für diesen Jagdausflug bezahlt und ich werde mich durch nichts davon abhalten lassen. Hast du das verstanden?“

Klar doch, großer Jäger“, entgegnete Joelina Kotary voller Verachtung. „Du hast nichts anderes im Kopf, als harmlose Viecher abzuknallen.“

Du hättest ja zu Hause bleiben können.“

Warum sollte ich?“ Sie trat neben Quesra und sah ihn offen an. „Trinkst du ein Glas mit mir?“

Quesra erwiderte ihren Blick. „Würde ich gerne, aber wir müssen uns fertigmachen. Ein anderes Mal vielleicht.“

Joelina , lass meine Freunde in Ruhe“, sagte Hitam scharf. „Sie sind nicht hier, um dich zu unterhalten.“

Oh, ich vergaß, es ist ja so wichtig, Jäger zu spielen. Dein nächstes Abenteuer wirst du ohne mich erleben.“ Joelina stellte sich neben Captain Ham Bakar und streckte ihm provozierend ihre Brüste entgegen. „Planeten, Dunkelheit, Planeten, Dunkelheit … Tagelang … wie interessant. Machen Sie das schon lange?“

Ja.“

Und ich wette, auch Sie wollen nichts mit mir trinken?“

Danke, ich trinke nie.“

Joelina warf den Kopf zurück und lachte. „Er trinkt nicht, nimmt keine Drogen, hat nie eine Frau gesehen und führt ein Leben wie ein Asket. Aber Tag und Nacht wegen irgendwelcher Jagdtrophäen in einem Metallklumpen verbringen, das ist natürlich was! Blöde Typen!“

Joelina stellte sich mitten in die Zentrale.

Wenn keiner der Herren mit mir trinken will, möchte vielleicht einer mit mir ins Bett gehen?“

Hör endlich auf!“, sagte Hitam gereizt. „Du bist betrunken. Geh in die Kabine und schlaf deinen Rausch aus.“

Doch Joelina dachte gar nicht daran. Sie ging zu Waris Vocuno und sah ihm tief in die Augen. „Das wäre doch mal eine gute Abwechslung zum Jagen. Man kann sich suhlen, seine dicken, haarigen Hände gehen lassen ...“

Genug, Joelina“, erwiderte Waris. „Hören Sie auf!“

Glauben Sie vielleicht, ich sehe Ihren Blick nicht, der an mir haftet und mich durchbohrt? Wenn er Blut riecht, geht der Jäger auf die Pirsch.“ Ihr Gesicht war nur noch wenige Zentimeter von seinem entfernt. „Mich erlegen wie ein großes Raubtier. Mich umzingeln, mich ergreifen, ohne den Gnadenstoß zu vergessen. Es würde Ihnen wohl gefallen, wenn ich Ihre nächste Trophäe wäre. Ihre nächste zuckende und wehrlose Beute ...“

Verflucht, es reicht jetzt!“, brüllte Hitam sie an. „Halt endlich den Mund, sonst ...“

Sonst was?“

Bevor er antworten konnte, glitt die Tür zur Seite und Rigan Jacobo betrat die Zentrale. Er war größer als ein Meter achtzig, hatte schwarze Haare und braune Augen. „So, meine Herren, es ist soweit. Wir können aufbrechen.“

Was ist mit unseren Waffen?“, wollte Waris wissen.

Die bekommen Sie, bevor wir in den Hangar gehen. Wenn Sie mir jetzt bitte folgen würden.“

Rigan verließ die Zentrale. Die Männer setzten sich in Bewegung. Hitam blieb einen Moment neben seiner Frau stehen. „Du bist eine elende Nutte“, stieß er zwischen den Zähnen hervor.

Hat jemand das Gegenteil behauptet?“, konterte sie.

Eines Tages bringe ich dich um.“

Das sagst du zu oft. Du tötest nur Tiere, und die noch nicht einmal allein. Das klingt alles wie ein Traum. Der alte Mann und die Jagd.“

Hitam verzog das Gesicht zu einer wütenden Grimasse und folgte den anderen. Die Männer waren auf dem Weg zum Hangar. Jeder war sich darüber im klaren, dass sie in einer Viertelstunde den riesigen Körper der YAMATHAU schon weit hinter sich gelassen haben würden. Im Hangar stand alles für die Jäger bereit. Sie empfingen Waffen und Notverpflegung von einem der Männer, die mit der Wartung der Landefähre betraut waren. Jeder überprüfte die Energiemagazine, schob eines davon in den Kolben des Strahlers und ließ diesen ins Holster gleiten.

Die Landefähre war eine aerodynamische Konstruktion. Der Rumpf besaß die Form einer schlanken Granate. Die Tragflächen waren stummelförmig und scharf nach hinten angewinkelt. Höhen- und Seitenleitwerk wirkten bemerkenswert klein. Zu ihrer Unterstützung gab es einen Satz von Korrekturdüsen, die sich nahe am Heck befanden. Die Männer gingen an Bord. Rigan Jacobo und Kerja Nyamuk kletterten ins Cockpit. Sofort, nachdem sie in den Sitzen Platz genommen hatten, glitten die Sicherheitsgurte aus ihren Schlitzen und legten sich um die Körper der Männer. Hitan, Waris und Quesra setzten sich in den hinteren Teil der Fähre. Kerja aktivierte das Triebwerk und führte einen Systemcheck durch. Ein dumpfes Brummen ertönte.

Nacheinander leuchteten auf der Steuerkonsole zwei Reihen roter Lampen auf. Sekunden später änderte sich die Farbe in ein sattes Grün. Die Fähre war startbereit. Kerja gab dem Techniker im Kontrollraum das verabredete Zeichen. Die Luft wurde aus dem Hangar gesaugt. Dann glitt das schwere Tor zur Seite und gab den Blick frei auf die Schwärze des Weltraums, in der Millionen Sterne leuchteten.

Die Fähre schoss aus dem Hangar und ließ das Schiff hinter sich rasch zusammenschrumpfen. Zuerst war die YAMATHAU ein schimmerndes, längliches Objekt, verwandelte sich Sekunden später in einen glitzernden Punkt und war schließlich ganz verschwunden. Kerja steuerte die Fähre direkt auf den Planeten zu. Er war ein erfahrener Pilot. Früher gehörte er den Streitkräften von Axarabor an.

Nach Abschluss seines Studiums war er zur Raumflotte gegangen, wo er es bis zum Oberleutnant gebracht hatte. Wegen einer schweren Verletzung schied er im Alter von fünfunddreißig Jahren im Rang eines Captains aus. Zwei Energieschüsse hatten ihm das linke Schlüsselbein, zwei Rippen und das Schulterblatt sowie das linke Jochbein verbrannt. Mikrochirurgie und künstlich hergestellte Ersatzteile hatten die Folgen der Verwundungen auf ein Minimum reduziert.

Für den aktiven Dienst war er dennoch nicht mehr angenommen worden. Kerja verabscheute es, den Rest seines Lebens in einem Büro zu verbringen. Ein Freund vermittelte ihm die Stelle bei der Macashima-Gesellschaft. Ohne lange zu überlegen, nahm Kerja an. Der Job wurde gut überdurchschnittlich gut bezahlt. Er bekam sechs Wochen Urlaub im Jahr und kostenlose medizinische Versorgung.

Mit geringer Geschwindigkeit drang die Fähre in die obersten Schichten der Atmosphäre ein. Unten lag eine, durch Wolkenschleier getrübte paradiesische Landschaft. Urwälder bedeckten die riesigen Landflächen, nur von breiten Strömen und einzelnen Seen unterbrochen. Waris Vocuno sah hinab auf den dunkelgrünen Dschungel, der sich bis zum langgestreckten Gebirge hinzog. Die silbernen Schlangen der Flüsse blinkten hinauf in ihre Höhe. Waris dachte daran, wie er zu der Teilnahme an diesem Jagdausflug gekommen war.

Eine romantische Anwandlung, die es eigentlich nicht mehr geben durfte, aber trotz all der Technik und des Fortschritts waren Menschen eben Menschen geblieben. Sie waren intelligent, aber unter der Intelligenz schlummerte der Jagdtrieb. Und ohne diesen hätte es auch keine Intelligenz gegeben. Ein Roboter war nicht intelligent, weil er nicht um sein Überleben kämpfen musste. Er war nur exakt und schnell.

Auch für Waris konnte es im Leben nie schnell genug gehen. Er arbeitete in der Softwareentwicklung eines großen Konzerns. Dank seines Ehrgeizes war er schnell aufgestiegen. Mit Mitte dreißig leitete er bereits die Softwareentwicklungsabteilung. Er war karrieretechnisch an allen vorbeigezogen und kannte dabei auch keine Freunde. Zum Glück hatte er trotzdem welche, vornehmlich solche, die selbst keine große Karriere anstrebten. Denn Konkurrenten biss er gnadenlos weg.

Auch nach seiner Hochzeit änderte sich nichts an seinem Karrieredenken. Im Gegenteil. Jetzt fuhr er noch früher in die Firma und kam später nach Hause. Dabei fiel ihm nicht mal auf, dass er beinahe die ersten Lebensmonate seiner Tochter verpasste. Sein Kaffeekonsum stieg auf zehn bis zwölf Tassen pro Tag, plus einige Aufputschtabletten. Dass er danach nicht mehr abschalten konnte, war kein Wunder. Auch wenn er heimkam, konnte von Entspannung keine Rede sein. Er erzählte seiner Frau wie aufgekratzt von seinem Tag, redete bisweilen ohne Punkt und Komma, schimpfte, fluchte, ärgerte sich, oft so lautstark, dass seine Tochter aufwachte.

Wenn er dann versuchte, sie zum Schlafen zu bringen, war das für ihn die Herausforderung des Tages. Ein Baby spürte ganz genau, wenn jemand selbst unentspannt war, und reagierte entsprechend. Waris war unentspannt und seine Tochter schlief auf seinem Arm nicht ein.

Sie hasst mich“, entfuhr es ihm irgendwann sogar resigniert. Er drückte seiner Frau das schreiende Kind in die Arme. Erst als er sah, dass sie das Kind auch nicht sofort ruhigstellen konnte, beruhigte er sich etwas. Er hasste sich dafür, wenn so etwas nicht gelang. Wie im Beruf, so wollte er auch bei seiner Familie alles unter Kontrolle haben.

Sie ist kein Computerprogramm“, erklärte seine Frau. „Sie fügt sich keinen Befehlen. Sie ist noch viel zu klein und versteht noch gar nichts.“

Waris nickte, doch seinem Gesichtsausdruck konnte man ansehen, dass er genervt war. Anstatt sich um seine Tochter zu kümmern, stürzte er sich immer mehr in seine Arbeit. Und dann kam der Augenblick, in dem er sich kaum noch bewegen konnte, weil sein Rücken schmerzte. Seine Frau wollte ihn überreden, zum Arzt zu gehen, doch er wiegelte einfach nur ab.

Kranksein kann ich mir nicht leisten. Das ist nur was für Schwächlinge. Außerdem muss ich ein Projekt abschließen.“

Das tat er auch und plante im Anschluss gleich das Nächste. Die Rückenbeschwerden wurden schlimmer, doch er nahm sie nicht ernst. Irgendwann hörte seine Frau schließlich auch auf, ihn deswegen ständig zu ermahnen. Das einzige Zugeständnis, das er machte, war, Sport zu treiben. Doch auch das ging nicht ohne ehrgeizige Ziele. Statt einfach nur ein paar Übungen zu absolvieren, strebte er gleich einen Marathon an.

Ich brauche Ziele!“, erklärte er seiner Frau, wenn sie ihn verständnislos fragte, warum er sich das antat.

Mach doch nur ein bisschen Sport, so wie andere auch“, bat sie ihn.

Doch Waris wehrte ab. Er konnte es einfach nicht. Er wollte nicht gewöhnlich sein, kein Durchschnitt. Er lief den Marathon in einer für einen Amateur respektablen Zeit. Dafür hatte er monatelang trainiert und seine Familienzeit geopfert. Doch ihm war es das wert gewesen. Einige Tage später eskalierte die Lage. Seine Frau fand ihn zusammengekrümmt auf der Couch liegend. Er wimmerte. Auf dem Tisch lag eine Schachtel Tabletten. Daneben stand eine halbleere Flasche Whisky.

Hast du das alles getrunken?“, entfuhr es ihr.

Doch Waris reagierte nicht. Sie sah das Glas neben der Tablettenschachtel. Es war zwar noch gut gefüllt, allerdings trank er Whisky sonst nicht aus Wassergläsern. Offenbar hatte er die Tabletten damit heruntergespült. Sie strich ihm ganz sanft über den Kopf. Er reagierte nicht. Auch nicht, als sie ihn deutlich ansprach. Er weinte und schien seine Frau gar nicht richtig wahrzunehmen. Irgendwann rüttelte sie richtig heftig an ihm.

Waris ! Waris! Was ist denn nur los?“, wollte sie wissen.

Nach einer gefühlten Ewigkeit bewegte er den Kopf in ihre Richtung. Es kostete ihn unendlich viel Kraft, die Augen zu öffnen. Als es ihm endlich gelang, starrte er sie nur an. Seine Lippen bewegten sich, doch heraus kam nur ein leises Stöhnen.

Was ist denn los?“, flüsterte seine Frau panisch. Sie wusste, dass mit ihm etwas nicht stimmte. Doch was sollte sie tun? Völlig überfordert strich sie ihm immer wieder über den Kopf, drückte ihn ganz fest an sich in der Hoffnung, dass er vielleicht ebenso reagierte, wie ihre Tochter, wenn sie einen Weinkrampf hatte. Auch bei Waris schien das zu funktionieren, nur dauerte es ungleich länger.

Ich rufe Hilfe!“, versprach seine Frau, als sie sah, dass sie nicht weiterkam.

Nein!“, rief Waris gequält. „Es geht gleich wieder.“

Obwohl sie ahnte, dass er einen Nervenzusammenbruch erlitt, unternahm sie nichts. Ihre einzige Rechtfertigung dafür war, dass er es nicht wollte.

Was sollen denn die anderen denken?“, hörte sie ihn stöhnen. Das war es, was ihn umtrieb. Waris wollte funktionieren, Leistung erbringen, immer schneller, höher, weiter, doch das ging nicht mehr.

Es dauerte bis in die Nacht hinein, als Waris sich soweit wieder so weit unter Kontrolle hatte, dass er einen klaren Satz zustande brachte. Vielleicht hätte er seine Frau damals nicht daran hindern sollen, einen Arzt zu rufen. Aber so saßen sie beide nachts um zwei im Wohnzimmer, während ihre Tochter längst friedlich schlief.

Du musst dir medizinische Hilfe suchen“, bat seine Frau. „Was, wenn das noch einmal passiert? Ich habe Angst um dich.“

Ist gut“, antwortete er knapp.

Gleich am nächsten Morgen ließ er sich von ihr zu einem Arzt fahren. Doch der Termin brachte keine wirkliche Hilfe. Das Einzige, was dem Doktor einfiel, war Waris krank zuschreiben und mit vielen guten Tipps nach Hause zu schicken. Statt in die Firma zu fahren, saß er nun zu Hause auf der Couch und ergab sich seinem Selbstmitleid. Als sie ihn darauf ansprach, brach er in Tränen aus. Auch nach vier Wochen besserte sich sein Zustand nicht, ebenso wenig nach sechs Wochen. Die Situation eskalierte, als er von einem Kollegen informiert wurde, dass man einen Abwesenheitsvertreter für ihn gefunden hatte.

Die schmeißen mich raus!“, wütete er eines Morgens. „Wenn ich mich jetzt nicht zusammenreiße, bin ich den Job los, für den ich alles gegeben habe!“

Als seine Frau die Küche betrat, sah sie gerade noch, wie Waris eine Handvoll Tabletten einwarf und dann seinen Handcomputer schnappte.

Ich fahre jetzt in die Firma!“, stieß er hervor. „Ich lasse mir meinen Job nicht wegnehmen.“

Seine Frau stellte sich ihm in den Weg. Er wollte sie beiseiteschieben, doch plötzlich krümmte er sich und ging zu Boden.

Was ist mit dir?“, rief sie panisch.

Waris konnte nicht antworten. Er zitterte am ganzen Körper. Sofort alarmierte seine Frau den medizinischen Notdienst. Wenige Minuten später wurde er in der Klinik operiert. Ein Magengeschwür war aufgegangen. Das er überhaupt welche hatte wurde erst in Zusammenhang mit der folgenden Untersuchung festgestellt. Waris konnte mit dieser Diagnose jedenfalls gut leben. Ein Magengeschwür war für ihn etwas Handfestes, etwas, was man rausschneiden und bekämpfen konnte, was tatsächlich vorzeigbar war. Doch der behandelnde Arzt erklärte ihm, dass sein Leben nie wieder so sein würde, wie er es sich vorstellte.

Magengeschwüre haben eine Ursache“, sagte er. „Und nach allem, was mir Ihre Frau erzählt hat, haben Sie ein ernsthaftes Problem.“

Er redete solange auf Waris ein, bis dieser sich bereiterklärte, mit einem Psychologen zu reden. Und dann ging alles sehr schnell.

Ich habe da wohl ein Problem“, gab Waris zu, als seine Frau ihn aus der Klinik abholte. „Ich glaube, ich kann nicht mehr so weitermachen wie bisher. Der Doktor meint, ich soll eine stationäre Therapie machen. Und er kann mir sogar einen Platz besorgen.“

Manche Menschen mussten Wochen oder Monate auf solch eine Chance warten, doch Waris hatte Glück. Die Therapeuten bestärkten ihn darin, sich mehr Zeit für sich zu nehmen. Er sollte lernen, abzuschalten und nicht immer nur an seine Arbeit zu denken. Vor allem sollte er sich öfters eine Auszeit gönnen. Erstaunlicherweise hatte sein Chef nichts dagegen einzuwenden. Und so buchte Waris einen Jagdausflug bei der Macashima-Gesellschaft. Er hatte keine Bedenken, auf ein Tier zu schießen. Er war auf einer Farm aufgewachsen. Sein Vater hatte ihn als jungen Mann immer zur Jagd mitgenommen.

Allerdings kamen Waris mittlerweile Bedenken, ob es eine gute Idee gewesen war, sich auf dieses Abenteuer einzulassen. Er entsann sich der Werbung, die er auf dem Multimediagerät gesehen hatte. Von einem unvergesslichen Erlebnis war die Rede, konzipiert für jene Menschen, die schon alles erlebt und gesehen hatten.

Garantieren Sie, dass ich lebend wieder zurückkehre?“, hatte er den Mann hinter dem Schreibtisch gefragt, als er sich anmeldete.

Wir garantieren nichts“, war die Antwort, „abgesehen von den Riesenechsen. Sie müssen zuvor eine Erklärung unterschreiben, die uns von allen Verantwortungen entbindet, egal, was auch mit Ihnen geschieht.“

Wollen Sie mir Angst einjagen?“, hatte Waris gefragt.

Ehrlich gesagt – ja“, lautete die Antwort des Mannes. „Wir wollen niemanden, der schon beim ersten Schuss durchdreht. Immerhin jagen Sie das gewaltigste Wild, das Sie jemals gesehen haben. Etwas Aufregenderes kann einem leidenschaftlichen Jäger kaum passieren. Oder möchten Sie lieber wieder gehen?“

Nein, ich ...“

Dann kann ich Sie nur dazu beglückwünschen, dass Sie sich für die Macashima-Gesellschaft entschieden haben. Ich versichere Ihnen, dass Sie nicht enttäuscht sein werden. Und das zu einem Preis, bei dem Sie Augen machen werden.“

Einen Moment“, wandte Waris ein. „Ich habe mich doch noch gar nicht ...“

Aber die Details können wir später doch noch besprechen“, unterbrach ihn der Mann. Er beugte sich über den Tisch und senkte die Stimme zu einem Flüstern. „Lassen Sie uns nur machen. Sie sind bei uns in den besten Händen. Glauben Sie mir, wir wollen nur Ihr Bestes.“

Mein Geld?“, fragte Waris.

Der Mann starrte ihn eine Sekunde mit einem Blick an, als hätte Waris ihn auf frischer Tat bei einer ungesetzlichen Handlung erwischt, dann rang er sich zu einem – allerdings reichlich verkrampften - Lächeln durch. „Sicher, auch das“, gab er zu.

Was die Einzelheiten angeht ...“, begann Waris, wurde aber sofort von dem Mann unterbrochen.

Machen Sie sich da mal keine Sorgen. Wir werden alles in Ruhe mit Ihnen besprechen. Sie werden Augen machen. Diesem Angebot können Sie nicht widerstehen.“

Waris hatte eine Weile überlegt, doch dann gab er sich einen Ruck und unterschrieb die Erklärung. Er war fest entschlossen, die Gelegenheit zu nutzen, und zu seinem Glück hatte er Männer getroffen, die ähnlich dachten wie er.

Sein Gedankengang brach jäh ab, als die Fähre eine weite Schleife zog und tiefer ging. Fast berührte die Unterseite die Spitzen der Bäume, als sie auf eine Lichtung zuflog. In der Ferne schimmerten blau die Gipfel der Berge. Die Fähre neigte sich nach vorn. Sekunden später setzte sie polternd und knirschend auf. Waris schwankte auf seinem gepolsterten Sitz hin und her. Sein Gesicht wirkte bleich und angespannt. Immer wieder blickte er zu Hitam Kotary und Quesra Icanary hinüber.

Wir sind da, meine Herren“, sagte Rigan.

Das Dröhnen des Triebwerks verwandelte sich in ein leises Summen. Die Männer lösten ihre Sicherheitsgurte und streiften ihre Regencapes über. Das Schott glitt zur Seite. Im nächsten Moment wurde die Rampe ausgefahren. Ein Schwall Wasser klatschte Rigan ins Gesicht, als er die Fähre verließ. Regenböen jagten fast waagerecht über ihn hinweg. Irgendwo in dem ungewissen Dämmerlicht flackerte mattes Leuchten, vielleicht ein fernes Gewitter. Hier hatte sich das Unwetter jedoch gelegt. Die Regenböen stellten nur noch Nachläufer dar – oder die Vorboten des nächsten Gewitters. So genau konnte man das auf Mawross niemals sagen.

Details

Seiten
89
Jahr
2021
ISBN (ePUB)
9783738948820
Sprache
Deutsch
Erscheinungsdatum
2021 (Januar)
Schlagworte
großwildjagd mawross raumflotte axarabor band

Autor

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Titel: Großwildjagd auf Mawross: Die Raumflotte von Axarabor - Band 183