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Circle C-Ranch #49: Jimmy und die Mörderin

2020 116 Seiten

Leseprobe

Table of Contents

Jimmy und die Mörderin

Copyright

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Jimmy und die Mörderin

Circle C-Ranch Band 49

Western von Bill Garrett

 

Der Umfang dieses Buchs entspricht 116 Taschenbuchseiten.

 

Jimmy Copper, der jüngste Sohn des Circle C-Ranchers, beobachtet den fremden Reiter, der sich auf den Brunnenrand stützt und aus dem Blechbecher in langen und gierigen Schlucken trinkt. Doch als dieser sich ihm zuwendet, stellt Jimmy überrascht fest, dass es eine Frau ist, und eine schöne noch dazu. Rosita Sartana ist auf der Fluch. Captain Baldwin mit seiner B-Kompanie sind hinter ihr her. Der Grund: Sie ist eine Mörderin!

 

 

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books, Alfred Bekker, Alfred Bekker präsentiert, Casssiopeia-XXX-press, Alfredbooks, Uksak Sonder-Edition, Cassiopeiapress Extra Edition, Cassiopeiapress/AlfredBooks und BEKKERpublishing sind Imprints von

Alfred Bekker

© Roman by Author / Cover: Steve Mayer, 2020, nach Motiven von Dunton & Dixon

© dieser Ausgabe 2020 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

Alle Rechte vorbehalten.

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1

Hufe polterten auf den Bohlen der Brücke. Sekunden später hämmerte das Geräusch zwischen Ranchhaus und Pferdestall dahin und fiel dann vor dem Brunnen zusammen.

Jimmy Copper, der jüngste Sohn des Circle C-Ranchers, erhob sich und trat ans Fenster.

Der Reiter war schon abgesessen, stützte sich auf den Brunnenrand und trank aus dem Blechbecher in langen und gierigen Schlucken. Das Pferd, ein Rappwallach, hatte den Kopf in den Holzeimer gesenkt, in dem sich ein Rest Wasser befand. Reiter wie Pferd machten einen restlos abgetriebenen Eindruck. Der Wallach war über und über mit Staub bedeckt, und dieser rötlich braune Staub verriet Jimmy, dass der Mann aus dem Norden kam.

Jimmy trat durch die offen stehende Tür hinaus und blieb am Geländer stehen. Der Reiter war ein großer, schlanker Mann. Er trug Lederzeug und einen schwarzen Hut. Seine auffallend dünnen Beine steckten ihn kniehohen Stiefeln. Er hatte Jimmy nicht bemerkt und leerte bereits den dritten Becher — so hastig und gierig wie den ersten.

„Trinken Sie langsam, Freund, es ist genug davon da“, sagte Jimmy.

Der Mann verharrte einen Augenblick lang reglos. Dann aber ließ er den Becher fallen und wirbelte herum, ein Gewehr schussbereit in der Faust. Das ging so schnell, dass Jimmy gar nicht feststellen konnte, woher er die Waffe genommen hatte.

Der Reiter war kein Mann, sondern eine Frau. Es handelte sich um eine Mexikanerin von hellbrauner Hautfarbe. Vermutlich stammte sie aus dem tiefen Süden, wie Jimmy schätzte. Sie hatte vorstehende Wangenknochen und mandelförmige rehbraune Augen, aus denen sie Jimmy keinesfalls erschrocken, sondern hasserfüllt und gereizt anblickte, dass Jimmy vorzog, die Arme zu heben.

„Hallo!“, sagte er. „Sie sind aber verdammt nervös, Ma‘am!“

„Wo bin ich hier? Ist es noch weit bis zur Grenze?“, fragte sie mit scharfklingender Stimme.

„Das ist die Circle C-Ranch“, erklärte er ihr. „Bis zur Grenze haben Sie noch zwanzig Meilen.“

„Werfen Sie Ihren Colt weg! Rasch!“

Jimmy gehorchte. Er senkte langsam die Rechte, zog die Waffe aus dem Leder und legte sie auf die Bank neben der Tür.

„Was soll das geben, Ma’am?“, fragte er. Die Sache amüsierte ihn.

„Kommen Sie her!“, forderte sie barsch. „Ich benötige ein frisches Pferd. Satteln Sie den Wallach ab!“

Der Wallach war restlos erschöpft. Doch er stammte aus einer Zucht, dass er selbst in diesem Zustand glatt seine dreihundert Dollar wert war. Jimmy setzte sich langsam in Bewegung, die Hände an den Schultern.

„Warum machen Sie ein solches Aufheben?“, fragte er. „Für diesen Wallach gebe ich Ihnen zwei von unseren.“

Er blieb vor ihr stehen und überlegte, ob er ihr nicht das Gewehr wegnehmen sollte, um ihr damit eins auf den Hintern zu hauen. Nur so zum Spaß. Doch irgendetwas in ihrem Blick warnte ihn, sie zu unterschätzen, nur weil sie eine Frau war.

Er wandte sich dem Pferd zu und sattelte es ab. Als er sich bückte und den Sattel in den hartgetretenen Sand gleiten ließ, stieß sie ihm die Gewehrmündung in die Seite.

„Halt!“, sagte sie.

Jimmy nahm die Hände an die Schultern und richtete sich vorsichtig auf. Sie blickte an ihm vorbei in Richtung des Fahrweges. Und nun hatte sie Angst. Todesfurcht stand in ihrem Blick.

Jimmy drehte den Kopf. Soldaten kamen im gestreckten Galopp den Fahrweg von Tucson her zur Ranch geritten.

„Bitte, retten Sie mich!“, sagte sie da. „Man wirft mir Mord vor. Der Offizier hat den Auftrag, mich sofort zu erschießen. — Aber ich bin unschuldig! Wirklich unschuldig!“

Jimmy starrte sie an. Ihre Stimme klang nicht nach Bitten oder Flehen. Es war auf einmal die Stimme eines Kindes, die er da hörte. So kam es ihm jedenfalls vor. Von dem Hass und der Wut, die eben noch in ihren Augen förmlich gesprüht hatten, war nichts mehr zu sehen. Nicht eine Spur war davon noch zu erkennen.

Jimmy nahm ihr das Gewehr aus der Hand.

„Gehen Sie ins Haus! Schnell! Verstecken Sie sich hinten in einer Kammer. — Aber nehmen Sie den verdammten mexikanischen Sattel mit. Ich führe das Pferd weg.“

Sie bückte sich, hob den Sattel auf die Schulter und lief zum Haus. Jimmy nahm den Wallach am Zügel und blickte ihr nach. Wieder fielen ihm ihre langen schlanken Beine auf. Sie lief etwas steifbeinig, viel zu breit für eine Frau, als wollte sie unbedingt wie ein Mann gehen. Was ihr freilich kläglich misslang. Jetzt sah er auch von hinten, dass sie eine Frau war. Und was für eine!

Er holte tief Luft, biss sich auf die Lippe und schätzte sich glücklich, dass er allein auf der Ranch war. Er führte den Dreihundertdollarwallach kurzerhand ins Mannschaftshaus, warf das Gewehr auf Hep Wallers Bett und ging wieder hinaus. Als er vor dem Haus den Colt in das Holster schob, kamen die Soldaten über die Brücke geritten. Es war die B-Kompanie der in Fort Lowell stationierten US-Kavallerie. Sie wurde von Captain Baldwin geführt.

Der Captain hob kurz die Hand, und die Soldaten parierten die Pferde. Sie waren scharf geritten, über Meilen hinweg. Auch in den Fellen der Kavalleriepferde hing rötlicher Sandstaub. Der Offizier schwang sich vom Pferd, warf einem der Soldaten die Zügel zu, kam zu Jimmy und grüßte freundschaftlich.

„Wir sind hinter einer Mexikanerin her“, sagte er mit schnarrender Stimme. „Haben Sie in der letzten Stunde eine Reiterin vorüberkommen sehen, Mr. Copper?“

Jimmy schüttelte den Kopf und wies zum Dach empor.

„Bestimmt nicht! Ich bin schon den ganzen Morgen da oben mit einer Reparaturarbeit beschäftigt. In den letzten drei Stunden ist hier überhaupt niemand vorbeigekommen. Das wüsste ich sonst. Ich bin allein auf der Ranch. Da hält man schließlich die Augen offen.“

Der Offizier grinste.

„Hoffentlich sind Sie kein Blinder! Wir suchen das Frauenzimmer wegen Mord, Mr. Copper. Wer Sie unterstützt, wer ihr hilft, muss mit einem Verfahren vor dem Armeegericht rechnen. — Na ja, Sie werden das ja wissen. Schließlich ist Captain Harricks Ihr Schwager.“

Jimmy lächelte.

„Ich glaube, Sie erzählen die Geschichte einem Falschen.“ Er zuckte die Schultern. „Ich habe niemanden gesehen.“

Der Offizier wandte sich den Kavalleristen zu.

„Sergeant Beils! Ein Mann soll im Stall nachsehen. Corporal Winter soll mit zwei Männern das Gehege und Corrals kontrollieren.“

„Ay, ay, Sir!“, schnarrte der Sergeant und gab die Befehle weiter.

Einer der Soldaten saß ab und lief zum Stall. Drei Kavalleristen brachten die Pferde in Gang und verschwanden hinter dem flachen Bau.

„Sie verschwenden Zeit“, sagte Jimmy. „Ich sagte doch, hier ist keiner ...“

Der Captain lächelte geradezu steinern und blickte ihm fest in die Augen.

„Ich glaube, was ich weiß. Und sie ist sehr hübsch. Das ist es. Wir haben ihre Spur bis an den Fahrweg verfolgen können. Ihr Pferd, ein schwarzer Wallach, war am Ende. Selbst wenn wir sie hier nicht finden, haben Sie gelogen. Tut mir leid, Mr. Copper, so gut ich Sie auch verstehe. Sie ist erst eine halbe Meile vor der Ranch von Norden her auf den Fahrweg gestoßen. Sie befindet sich also entweder hier, oder Sie sind nicht auf dem Dach gewesen.“

Der Sergeant kam herangeritten und bat, Männer wie Pferde Wasser aufnehmen lassen zu dürfen.

„Später!“, rasselte die Stimme Baldwins. „Lassen Sie absitzen und die Gebäude durchsuchen. Alle! Das Haupthaus, Ställe, Schuppen und Mannschaftsunterkünfte. Ich will, dass nicht ein Fleck ausgelassen wird.“

„Zu Befehl, Sir!“, erwiderte der Sergeant, trieb den Grauen um die Hand und ritt zu den Männern zurück. „Absitzen!“ befahl er scharf.

„Wo ist Ihr Vater, Mr. Copper?“, fragte der Captain.

„Mein Vater ist draußen auf der Weide“, sagte Jimmy. „Mit allen Cowboys. Ich bin im Moment allein auf der Ranch.“

Die Soldaten drangen in das Ranchhaus ein.

„Sie gestatten doch!“, lächelte Baldwin.

Jimmy war verdammt nervös. Aber er schaffte es, gelassen mit den Schultern zu zucken.

„Ob ich ja oder nein sage, ist doch gleichgültig. Ihre Leute sind ja schon unterwegs.“

„Stimmt!“, bellte der Captain.

„Aber ich möchte trotzdem protestieren“, würgte Jimmy hervor.

„Das nehme ich zur Kenntnis“, schnarrte der Offizier.

Jimmy hörte, dass die Soldaten bereits hinten im Haus die Schlafkammern durchsuchten, und begann fieberhaft darüber nachzudenken, was er sagen sollte, sobald die Soldaten die Mexikanerin herausbrachten. Ihm wurde dabei reichlich komisch zumute, weil ihm klar wurde, dass er sich, ohne groß nachzudenken, auf ein ziemliches Wagnis eingelassen hatte.

Plötzlich fiel ein Schuss! Hinter dem Stall. Augenblicke später kam der Corporal dahinter hervorgaloppiert.

„Captain!“, brüllte er. „Wir haben sie!“

Jimmy blickte auf den Corporal, auf Baldwin und schaute aus schmalen Augen auf die Haustür. Dabei kam ihm der Gedanke, dass die Mexikanerin vielleicht hinten aus dem Haus um die Mannschaftsunterkunft hinüber zu den Corrals gelaufen war, um mit einem frischen Pferd zu fliehen.

Der Captain fegte herum und lief schnell auf den Corporal zu.

„Wo?“, bellte er wütend. „Wo zum Teufel? Können Sie nicht einmal eine exakte Meldung machen?“

Der Corporal riss das Pferd in den Stand und salutierte.

„Keine zwei Meilen von hier entfernt, Sir!“, schnaufte er. „Sie reitet direkt nach Süden. Reiter Benson und Reiter Kilby haben die Verfolgung auf meinen Befehl hin aufgenommen.“

„Aufsitzen!“, rief der Captain. Der Eifer drohte, ihm das Gesicht förmlich zu zerreißen. „Aufsitzen! Alles auf die Pferde!“

„Alles auf die Pferde!“, brüllte der Sergeant und rannte zur Haustür. „B-Kompanie aufgesessen!“, rief er hinein, zog die Signalpfeife aus der Tasche und Pfiff den Zug zusammen.

Die Kavalleristen rannten von allen Seiten herbei und stiegen in die Sättel. Der Captain gab seinem Eisengrauen die Sporen und reckte die Faust empor.

„Abteilung — Galopp!“, brüllte er.

Die Soldaten ritten wie eine Meute Roter von der Ranch. Doch Jimmy konnte sich vorstellen, dass sich die Kavalleristen bestimmt schon hinter dem Stall formierten. Er wartete allerdings nicht ab, bis die Soldaten in geordneter Formation auf der anderen Seite des Stalles zum Vorschein kamen. Er holte tief Luft und rannte ins Haus hinein.

Sämtliche Türen standen offen. Nicht nur die Zimmertüren. Auch die Schranktüren. Als er in sein Zimmer kam, stieg die Mexikanerin gerade aus seinem Kleiderschrank. — Ganz die Frau, die sie war. Mit grazilen Bewegungen, ziemlich erschrocken, dem Weinen näher als dem Lachen, obwohl sie lächelte. Kurz vor Jimmy verhakte sie sich mit dem einen Sporn in den Indianerteppich, der vor seinem Bett lag, und fiel ihm prompt in die Arme.

„Was hat das zu bedeuten?“, fragte sie. „Die Pfiffe! Das Geschrei! Sie sind doch weg?“

„Ja, sie reiten vermutlich einem unserer Cowboys nach“, erklärte er ihr, während er sie aufrichtete. „Aber das werden sie verdammt schnell bemerken. Sie müssen weg, und ich glaube, ich auch. Also kommen Sie!“

Sie ging zum Schrank zurück und holte ihren Sattel heraus. Jimmy nahm ihn ihr aus der Hand und lief voran. Er führte sie in den Stall, sattelte für sie einen Braunen und seinen Pinto, führte die Tiere ins Freie und drückte ihr die Zügel in die Hände. Er hatte die Absicht, ins Haus zu gehen und auf das Dach zu steigen, um zu sehen, wo die Soldaten geblieben waren. Aber da hörte er sie schon zurückgeritten kommen.

Er machte auf dem Absatz kehrt. Sie schwang sich wie ein Mann auf das Pferd. Aus dem Stand heraus und mit weit gespreizten Beinen. Dabei rutschte ihr der schwarze flachkronige Hut in den Nacken, und das Haar fiel ihr bis auf die Schultern hinab.

Jimmy war von diesem Anblick fasziniert.

„Nach Norden!“, rief er ihr zu, während er den Pinto um die Hand trieb und auf das volle langgelockte schwarze Haar blickte.

Sie ritten dann Seite an Seite von der Ranch, die Verfolger im Nacken, und Jimmy spürte für einen ziemlich langen Augenblick verdammt deutlich, dass es für ihn besser gewesen wäre, ihr nie begegnet zu sein.

Die Kavalleristen eröffneten das Feuer. Jimmy und die Mexikanerin duckten sich tief auf die Hälse der Pferde, um nicht getroffen zu werden. Jimmy drückte den Pinto dicht an den Braunen heran und trieb ihn in eine Bodenwelle hinunter. Die Kavalleristen stellten das Feuer sofort ein. Als sie wieder zu schießen begannen, war die Entfernung jedoch schon so groß, dass sie nicht mehr treffen konnten.

Die Militärpferde waren viel zu erschöpft, um die Jagd über eine Meile hinweg durchhalten zu können. Sie fielen in Schritt, weil sie einfach keine Kraft mehr besaßen. Jimmy und die Mexikanerin ritten jedoch im vollen Galopp weiter. Nach Norden!

 

 

2

Baldwin zog an der langen schwarzen Zigarre und blickte Buster Tom in die Augen.

„Verstärkung ist angefordert und schon auf dem Weg“, sagte der Captain bissig. „Es ist also nur eine Frage der Zeit, bis wir dieses Flittchen und Ihren Sohn haben.“

Buster Tom Copper runzelte die Stirn.

„Die Wahl Ihrer Worte gefällt mir nicht, Baldwin. Sie befinden sich hier in einem respektierlichen Haus.“

„Sie ist Mexikanerin!“, sagte der Captain mit Nachdruck in der Stimme. „Sie ist das Flittchen irgendeines Generals, der eine Revolution anzetteln will. Er hat sie beauftragt, hier in den Staaten Waffen zu besorgen. Die Armee ist ihr auf die Schliche gekommen. Sie hat dabei einen Offizier erschossen. Einen Offizier der US-Kavallerie. Dieser Offizier hat sie und gedungene Banditen gestellt, als sie in das Waffenlager der Armee einbrechen wollte.“

Buster Tom nickte.

„Einverstanden! Nennen Sie sie eine Diebin, eine Verbrecherin, eine Mörderin. Meinetwegen können Sie sie auch als eine Irre bezeichnen, als eine Verrückte, eine Revolutionärin oder dergleichen. Aber dieses eine verdammte Wort nehmen Sie hier in diesem Haus nicht noch einmal in den Mund. Es sei denn, Sie beweisen Ihre Behauptung!“

„Weil Ihr Sohn mit ihr unterwegs ist?“

Buster Tom nickte. Dabei zeichnete sich die Schlagader an seinem faltigen Hals ab.

„Jawohl! Deswegen!“

Baldwin lächelte, blickte auf seine Zigarre und sah Buster Tom wieder an.

„Sie schläft mit einem General!“

Buster Tom zuckte die Schultern.

„Und? Wenn sie sich mit ihm verbunden fühlt? Ein Flittchen schläft mit vielen Männern. — Vor allem tut sie es für Geld.“

„Und dieser Schurke ist nicht einmal General. Er nennt sich nur so!“

„Was hat das mit ihr zu tun und mit meinem Jungen?“, fragte Buster Tom mit Stentorstimme.

„Sie wollen ihn decken!“

Buster Tom schüttelte den Kopf. „Nein!“ Er streckte die Hand aus und wies zur Tür. „Meine Männer sind unterwegs. Alle! Ich habe jegliche Arbeit stehen und liegen lassen, weil ich ihn vor einer Dummheit bewahren möchte. Und meine Leute werden ihn auch finden. Darauf können Sie sich verlassen. Die werden ihn haben, ehe Ihre Verstärkung hier sein kann.“

Der Offizier lächelte seifig.

„Um ihn vor uns zu warnen?“

„Baldwin, wenn ich nicht wüsste, dass Sie sonst anders sind, würde ich Sie aus dem Haus schicken!“, bellte Buster Tom.

Der Captain erhob sich und drückte dabei die Zigarre im Aschenbecher aus.

„Ich bin schon im Begriff zu gehen. Sie brauchen mich nicht zur Tür zu begleiten. Fangen Sie an, das Schicksal Ihres Sohnes zu bedauern! Er könnte neben dieser Frau an einer Mauer enden. Das habe ich Ihnen ja klargemacht. Und Sie wissen das auch. Er hat keine Chance. Die gesamte Truppe wird ihn jagen. Wir werden die beiden hetzen und treiben, dass er alles Blut und Wasser ausschwitzen ward, das in ihm ist. Verlassen Sie sich darauf! Noch befinden sich die beiden im Norden. Aber dieses Weib wird ihn bedrängen, nach Süden — zur Grenze hin — durchzubrechen. Doch das werden wir verhindern.“ Der Captain grüßte und lief rasch hinaus zu seinen Soldaten, die hinter dem Stall lagerten.

„Matt!“, brüllte Buster Tom mit Stentorstimme.

Der Vormann war bereits auf dem Weg zu ihm und kam mit schnellen Schritten zur Tür herein. Er hieß Matt Jackson und war in Buster Toms Alter. Sie waren vor vielen Jahren gemeinsam in dieses Land gekommen, und das, was weithin als die Circle C-Ranch oder die CCR bekannt war, war das Werk dieser beiden Männer. In diesen ersten Jahren hatte sich eine enge und herzliche Freundschaft zwischen ihnen entwickelt.

„Beruhige dich bloß, Tom!“, meinte der Vormann, als er hereinkam. „Der Junge hat getan, was wir alle getan hätten. Er war allein, sie kam hier an, gehetzt und gejagt, und da hat er nicht lange gefragt. Wie Baldwin sagte, ist sie auch noch besonders hübsch.“

„Eine Mörderin ist eine Mörderin!“, polterte Buster Tom.

Matt grinste.

„Das steht einer hübschen Frau nicht auf dem Leib geschrieben. Da sieht man alles, nur nicht so etwas. Und sie wird es ihm bestimmt nicht gesagt haben.“

„Und das Militär? Er weiß doch, wer hinter ihm und der Mexikanerin her ist. Da müssen doch in seinem Schädel die Glocken läuten.“

Matts Grinsen verstärkte sich.

„Fragt sich, welche Glocken, Tom!“ Er wurde wieder ernst. „Keiner von uns weiß, was für eine Geschichte sie ihm aufgebunden hat. — Tom, in seinen Jahren hätten wir doch genauso gehandelt. Ein hübsches Weib! Da hat man doch als junger Kerl die Augen auch ein bisschen auf den Lohn, der da vielleicht zu kriegen ist. Das ist doch menschlich verständlich, zum Kuckuck noch einmal! In seinen Jahren riskiert man doch verdammt viel für ein Abenteuer.“

„Ja!“, versetzte Buster Tom grollend. „Kopf und Kragen riskiert er, wie wir inzwischen wissen.“

„Das weiß der Junge doch nicht, Tom!“

„Eben!“, polterte der Rancher. „Wenn er mit dem Weibsbild den Kavalleristen vor die Gewehre gerät, ist er erledigt.“

„Na, na!“, meinte Matt Jackson. „Die kriegen hier jeden vor die Gewehr, aber nicht Jimmy. Das wird Baldwin so leicht nicht riskieren. Und ich kann mir nicht vorstellen, dass Jimmy blind in ihr Netz stolpert.“

„Wir müssen ihn finden und ihm die Situation klarmachen.“

Matt Jackson nickte.

„Die Männer sind ja schon unterwegs. Eben sind noch Hep Waller und der Texaner gekommen. Ich reite mit ihnen sofort los. Sie satteln bereits die Pferde.“

„Der Captain erhält Verstärkung“, sagte Buster Tom mit krächzender Stimme. „Sollte es die Armee sein, die den Jungen findet, ist es besser, wir sind dabei, Matt. Ich meine, wir beide. Du und ich!“

Matt Jackson nickte sinnend.

„Da ist etwas dran, Tom. Ich werde Hep Waller und dem Texaner Bescheid sagen. Ich hatte die Absicht, mit den beiden zum Crown Cross hinaufzureiten. Hep meinte, wenn wir ihn finden, dann bestimmt da oben. Du kennst doch Heps Nase.“

„Crown Cross?“, brummte Buster Tom. „Na, meinetwegen! Vielleicht hat er recht. Er soll sich mit dem Texaner auf den Weg machen. Hast du es den beiden eingetrichtert? Wissen sie, was sie Jimmy zu sagen haben?“

„Ja, sie wissen Bescheid“, sagte Matt und ging zur Tür. „Ich schicke sie los.“

Buster Tom nickte. Matt lief schnell hinaus. Vor dem Haus trat ihm der Sergeant in den Weg.

„He, du!“, rief er. „Habt ihr hier auf der Ranch einen Stummen?“

„Einen Stummen?“

„Genau“, sagte der Sergeant. „Wir wollen noch eine Patrouille losschicken. Deshalb habe ich die beiden Cowboys da drüben gefragt, ob einer die Führung übernehmen würde. Die meisten von der Mannschaft sind hier neu und kennen sich hier nicht aus. Der zweibeinige Elefant dort behauptet, noch nicht lange auf der Ranch zu sein und die Gegend nicht zu kennen, und der andere bekommt aus seinem schiefen Maul nicht ein gescheites Wort heraus. Er hat nur gestikuliert, sich das rote Haar gerauft und Töne von sich gegeben, die einer beim besten Willen nicht verstehen kann.“

Matt Jackson musste sich das Lachen verkneifen. Hep Waller, der untersetzte irische Hitzkopf, dessen wildes brandrotes Haar eine gehörige Portion von seinem inneren Feuer verriet, und der große dicke Texaner standen wie Unschuldslämmer auf dem Sattelplatz und schauten herüber, als wären sie beide geistesgestört.

Matt konnte ein Grinsen nicht unterdrücken, und als ihn der Sergeant fragend anblickte, zeigte er ihm verstohlen einen Vogel.

„Die sind beide ein bisschen blöd“, sagte er.

„Aha!“, murmelte der Sergeant und sah wieder zu den beiden hinüber. „Das habe ich mir fast gedacht. Sind sie gefährlich?“

Matt schüttelte den Kopf.

„Nein! Eigentlich nicht. Das heißt, man darf sie nicht reizen.“

Matt setzte sich in Bewegung und lief zu Hep und dem Texaner. Der Sergeant folgte ihm. Ihn interessierten die Männer. Er grinste breit und satt und war froh, zu den Gescheiten zu gehören.

„Huhu! Massu!“, fing Hep Waller auch prompt an. Stampfte auf, verdrehte die Augen und wies hierhin und dorthin. Der Texaner lächelte einfältig und nickte.

„Es ist schon gut, Hep!“, sagte Matt mit besänftigender Stimme. „Der Soldat tut euch nichts. Macht euch auf den Weg zum Crown Cross und bringt die Bäume her! Ich muss beim Boss bleiben. Haltet euch aber dazu! Ihr wisst ja, wie eilig die Sache ist.“

„Hat der wirklich Angst vor mir?“, raunte der Sergeant.

„Siehst du das nicht?“, flüsterte Matt und klopfte Hep auf die Schulter. „Nun macht!“

„Huhu, Massu, huhu!“, fing Hep wieder an, und der Texaner nickte noch heftiger als zuvor. Hep kreiste die Arme wie Windmühlenflügel, wies auf sich, auf Matt, den Sergeanten, das Haus und so ziemlich alle Gegenstände, heulte sein Huhu und wandte sich endlich mit dem Texaner den Pferden zu.

Der Sergeant grinste.

„Der ist tatsächlich blöd. Ich habe erst gedacht, der tut nur so, um die Patrouille nicht führen zu müssen. — Aber hör mal zu, Bäume! Ich habe hier seit Tagen weit und breit keinen Baum gesehen.”

„Gibt es hier auch nicht“, sagte Matt trocken. „Aber sein Wortschatz ist so gering. Es ist praktisch das einzige Wort, das er versteht.“

„Aha!“, sagte der Sergeant.

Hep und der Texaner waren aufgesessen und drehten die Pferde. Hep heulte abermals los und gestikulierte so heftig, dass er fast vom Pferd gefallen wäre.

„Ja, ja!“, rief Matt. „Ihr bekommt zu essen. Aber erst später. Erst die Arbeit, Jungs.“

Die beiden ritten an.

„Bäume, Bäume!“, lachte der Sergeant zu Hep Waller hinauf und drehte kreisend die Arme. „Bäume, Bäume! Findet mal welche!“ Er ließ die Arme sinken und sah den Vormann zweifelnd an. „Was sollen die denn wirklich holen oder suchen?“

„Bäume!“, sagte Matt. Der Sergeant klappte den Mund auf und zu. Matt zuckte die Schultern. „Sie sind beide so bekloppt, dass sie zu keiner anderen Arbeit taugen, und sein Essen muss ja schließlich jeder irgendwie verdienen.“

„Aha!“, sagte der Sergeant und sah Matt irritiert an.

Matt legte ihm die Hand auf die Schulter.

„Und diese Arbeit verrichten die beiden glänzend. Bescheuerte müssen eben nur richtig angefasst werden. Darauf verstehen wir uns. Wir haben ja schließlich zwei davon.“

„Das kapiere ich nicht“, sagte der Sergeant und sah den beiden Reitern nach. „Also in der Armee, da würden die sich nicht halten. Nicht einen Tag.“

„Schade!“, erwiderte Matt. „Die träumen nämlich davon, eines Tages Soldat zu werden.“

„Was? Davon werden die ewig träumen!“, lachte der Sergeant verächtlich und stemmte die Fäuste ein, den Blick auf die beiden Reiter gerichtet.

Matt ließ ihn stehen und ging ins Haus zurück.

„Den besten Eindruck haben wir mit deiner Tour auf die Armee aber bestimmt nicht gemacht“, meinte der Texaner. Sein Name war Donald Bourn.

Aber auf der Circle C und in Tucson wurde der massige Mann, unter dem selbst das größte Pferd wie ein Pony wirkte, von allen nur der Texaner genannt. Die wenigsten kannten seinen richtigen Namen.

Hep grinste nur kurz und schaute sich um. Der Sergeant stand immer noch auf dem Sattelplatz und sah ihnen nach.

„Ich wollte nur eins: diesen Sergeant loswerden, der uns da ausgefragt hat“, sagte Hep zum Texaner. „Wenn ich Jimmy finde, will ich nicht ein halbes oder ein ganzes Dutzend Blaujacken hinter mir haben.“

„Du bist ziemlich sicher, ihn zu finden.“

Hep nickte.

„Ich finde ihn auch, diesen Narren. Und genau dazu hat uns ja Matt zum Crown Cross geschickt.“ Er schüttelte den Kopf. „Da hat sich Jimmy von diesem Frauenzimmer ganz schön einwickeln lassen. Ich bin gespannt, wie sie aussieht.“

„Er legt sich ziemlich ins Zeug, der Junge“, meinte der Texaner. „Also wird sie nicht hässlich sein.“

Hep grinste zufrieden.

„Du weißt auf der Circle C schon gut Bescheid. Gratuliere!“

„Jimmy wird sich in die Frau bis über beide Ohren verknallt haben“, erwiderte der massige Texaner. „Sonst hätten wir längst etwas von ihm gehört.“

„Du weißt auf der Circle C sogar schon verdammt gut Bescheid“, gestand ihm Hep zu.

„Vielleicht!“, brummte der Texaner und wischte sich den Schweiß aus dem Gesicht. „Wie weit ist es bis zum Crown Cross? Das weiß ich wiederum nicht.“

„Morgen Abend sind wir oben!“

Der Texaner schnaufte, obwohl ihm im Grunde genommen die Hitze nicht mehr zu schaffen machte als den anderen. Er stöhnte und keuchte wohl mehr als zum Beispiel Hep. Er schwitze auch reichlicher als alle anderen. Doch Sten, der Ranchkoch, war sein Freund, und so schaffte er es, dank Stens Fürsorge, seine gut zweihundert Pfund auch in diesem Klima geradezu mühelos zu halten.

Als sie bei Sonnenuntergang zum Lagern hielten, stießen sie auf eine Patrouille des Captains. Es waren vier Mann. Welche von den Neuen, die aus Georgia nach Arizona versetzt worden waren. Hep nahm sich sofort vor, sie zum Südpol zu schicken. Aber nicht auf dem direkten Weg. Sondern über den Nordpol hinweg.

Die landfremden Kavalleristen erkundigten sich auch prompt nach dem Weg. Sie hatten sich so verritten, dass sie nicht einmal mehr wussten, wo sie sich eigentlich befanden. Hep erklärte ihnen den Weg. Auf seine Weise und auf seine Art. Worüber sie sich auch noch wortreich bedankten.

Sie verbrachten die Nacht gemeinsam in einem kleinen Canyon. Als sie sich dann im Morgengrauen trennten, wünschte der Texaner den vier Soldaten viel Glück bei der Suche nach der Mörderin.

„Mörderin ist gut!“, lachte einer der Soldaten. Er war schon älter und trug einen mächtigen Rauschebart. „Besäße ich eine Tochter, würde ich mich glücklich schätzen, wenn sie ihre Ehre auf die gleiche Art verteidigt hätte. Eine Gefangene verfügt schließlich nicht über viele Möglichkeiten, um sich eines gemeinen Wüstlings ...“

„Maul halten im Glied!“, brüllte der Corporal, der die kleine Patrouille führte.

Die vier Kavalleristen galoppierten an und ritten davon.

Hep und der Texaner gingen zu den Pferden und sahen sich an.

„So eine Mörderin ist das also!“, sagte der Texaner.

Hep nickte.

„So ungefähr habe ich mir das alles gedacht. Es ist also kein Wunder, dass unser Jimmy-Junge diese Frau mit Krallen und Zähnen verteidigt. Ich schätze, wir helfen ihm dabei.“

„Wenn wir ihn finden!“, brummte der Texaner. „Dort am Crown Cross.“

„Crown Cross, das ist sein Lieblingsplatz“, grinste Hep. „Wir von der Circle C haben dem Felsen den Namen gegeben. Den kennt außer uns keiner. Deshalb bin ich auch so sicher.“

Der Texaner nickte.

„Aber bei uns in Texas, da würden wir ...“

Hep fuhr hoch wie ein Kastenteufel.

„Fängst du schon wieder mit deinem verdammten Texas an!“, heulte er.

Diesmal hob der Texaner nur die Arme und winkte ab.

„Es ist ja schon gut!“, sagte er. „Ich wollte dir doch nur erklären, dass man ...“

„Willst du wohl schweigen!“, zischte Hep. „Was du mir erklären willst, weiß ich. Das kenne ich! Damit trampelst du mir ja seit Wochen auf den Nerven herum. Erst gestern hast du Sten erklärt, dass bei euch in Texas sogar die Katzen längere Schwänze haben als hier in Arizona. Und Sten, dieser Idiot, hat mir den Quatsch auch noch erzählt.“ Er bückte sich nach dem Hut, beulte ihn aus und stülpte ihn über das feuerrote Haar, das bei dem Wutausbruch mächtig durcheinander geraten war. Dabei stach er den dicken Texaner mit seinem Blick förmlich nieder.

„Es wäre vielleicht klug, wenn wir Jimmy ein Zeichen geben“, sagte der Texaner vorsichtig. „Er versteckt sich ja nicht vor uns. Wir würden vor allem eine Menge Zeit sparen und müssten nicht so weit reiten. — Junge, mehr habe ich doch gar nicht sagen wollen.“

Hep spie aus und stieg in den Sattel.

„Das ist es ja, was ich behaupte“, schnaufte er. „Du bist ständig darauf aus, mich zu reizen, denn bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit bringst du dein verdammtes Texas ins Spiel. — Jetzt mal ehrlich! Haben die Katzen in Texas nun tatsächlich längere Schwänze oder nicht?“

Der Texaner zuckte hilflos die Schultern.

„Ich will dich nicht reizen, Hep. Wirklich nicht. Aber es ist so.“

Hep grinste verärgert.

„Also Schwänze mit klitzekleinen Katzen dran, wie?“, fragte er bissig.

Der Texaner verzog das Gesicht und biss sich auf die Lippe.

„Ja!“, sagte er nach einer Weile trocken. „So könnte es glatt hinkommen.“

Hep holte tief Luft und schlug die Faust auf das Sattelhorn.

„Das ist doch nicht zu fassen!“, rief er krächzend und gab seinem Braunen die Sporen.

Der Texaner grinste, schüttelte den Kopf, saß auf und jagte ihm nach. Im gestreckten Galopp.

 

 

3

Jimmy kletterte die Felswand hinab und lief zu der Mexikanerin, die neben den Pferden im Schatten der Wand wartete. Sie hieß Rosita Sartana. Aber das war schon alles, was er von ihr erfahren hatte.

Sie stand auf und musterte ihn gespannt.

„Nun?“, fragte sie und bewegte sich auf ihn zu. Mit ihren langen grazilen Beinen und ihrem etwas breiten Gang. Er hatte noch nie eine Frau so gehen sehen. Jimmy zuckte die Schultern.

„Mit jedem Tag wird es lebendiger in unserer einsamen Gegend. Wenn Sie es nicht eilig haben, würde ich sagen, wir warten noch. Ihrem Braunen täte es nur gut.“ Er ging an ihr vorbei und besah sich die linke Hinterhand ihres Pferdes. Der Braune lahmte nicht mehr. Aber ein Tag Ruhe konnte ihm nur guttun.

„Ich habe es aber eilig!“, sagte sie. Er richtete sich auf, sah sie an und zog sich den Hut in die Stirn. „Wir hätten nicht nach Norden reiten sollen, Mister Copper!“

Er hätte es gern gehabt, dass sie ihn Jimmy nannte. Aber dazu war sie nicht zu bewegen, obwohl er sie stets mit ihrem Vornamen ansprach. Er lächelte auf ihre Vorhaltung hin.

„Haben Sie die Schüsse nicht gehört, Rosita? Nach Norden hatten wir wenigstens Deckung. Doch der wichtigste Grund für den Norden ist unsere dürftige Ausrüstung gewesen.“

„Ja, wir haben keine Wasserflaschen dabei!“, sagte sie schroff. „Aber wir werden auch morgen keine haben.“

„Eben!“, sagte er.

„Es genügt mir, wenn Sie mich bis zur Grenze bringen, Mister Copper!“

Er lächelte.

„Sie wollen allein umkommen. Unbedingt! Weshalb dann dieses Theater? Hätten Sie sich doch festnehmen lassen.“

„Es gibt in dieser Gegend genügend Wasserstellen“, hielt sie ihm vor.

„Stimmt! Aber nicht in diesem Jahr. Heuer sind die meisten Wasserstellen trocken. Wir hatten im Winter kaum Regen. Nur die Wasserlöcher, die sehr tief liegen, sind gefüllt.“

„Worauf warten wir dann noch?“

„Die tiefer gelegenen Wasserstellen befinden sich jenseits der Grenze.“

„Ich besitze mehr als tausend US-Dollar. Die gehören Ihnen, Mister Copper.“

Jimmy spie aus und ging zu seinem Pinto.

„Sie haben das Glück, an einen Mann geraten zu sein, der eine Frau nicht hängen sehen kann. Allein der Gedanke, davon zu wissen, ist mir unerträglich. Aber wenn Sie Ihren Helfer unbedingt bezahlen wollen, so kann ich Ihnen einen besorgen.“

„Verzeihen Sie! Ich wollte Sie nicht beleidigen — Jimmy!“

Er nahm den Pinto am Zügel und sah sie an.

„Schon in Ordnung! Also kommen Sie, Sie eilige Person!“

Details

Seiten
116
Jahr
2020
ISBN (eBook)
9783738948233
Sprache
Deutsch
Erscheinungsdatum
2020 (Dezember)
Schlagworte
circle c-ranch jimmy mörderin

Autor

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Titel: Circle C-Ranch #49: Jimmy und die Mörderin