Lade Inhalt...

Tödliches Anliegen: N.Y.D. – New York Detectives

2020 104 Seiten

Zusammenfassung


Drei eiskalte Ganoven wollen Rache an den Männern, die ihnen während des Vietnamkrieges den Drogenhandel erschwert haben. Das erste Opfer ist Staatsanwalt Young, er überlebt den ersten Mordanschlag, doch beim zweiten Versuch hat er keine Chance. Privatdetektiv Bount Reiniger, der mit Young befreundet war, nimmt sich der Sache an.

Leseprobe

Table of Contents

Tödliches Anliegen: N.Y.D. – New York Detectives

Copyright

Die Hauptpersonen des Romans:

1

2

3

4

5

6

7

8

9

10

11

12

13

14

15

16

17

18

19

20

21

22

23

24

25

26

27

28

29

30

31

32

33

34

35

36

37

38

39

40

41

Tödliches Anliegen: N.Y.D. – New York Detectives

Krimi von A. F. Morland

 

Der Umfang dieses Buchs entspricht 102 Taschenbuchseiten.

 

Drei eiskalte Ganoven wollen Rache an den Männern, die ihnen während des Vietnamkrieges den Drogenhandel erschwert haben. Das erste Opfer ist Staatsanwalt Young, er überlebt den ersten Mordanschlag, doch beim zweiten Versuch hat er keine Chance. Privatdetektiv Bount Reiniger, der mit Young befreundet war, nimmt sich der Sache an.

 

 

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books, Alfred Bekker, Alfred Bekker präsentiert, Casssiopeia-XXX-press, Alfredbooks, Uksak Sonder-Edition, Cassiopeiapress Extra Edition, Cassiopeiapress/AlfredBooks und BEKKERpublishing sind Imprints von

Alfred Bekker

© Roman by Author

© cover steve mayer

© dieser Ausgabe 2020 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

Folge auf Twitter

https://twitter.com/BekkerAlfred

 

Zum Blog des Verlags geht es hier

https://cassiopeia.press

Alles rund um Belletristik!

Sei informiert über Neuerscheinungen und Hintergründe!

 

 

Die Hauptpersonen des Romans:

Gary Garner – Er schlägt sich als Gelegenheitsgangster schlecht und recht durch, aber Mord steht nicht auf seinem Programm.

Roland Chabby, Burt Bennett, Alan Lockhart – Sie kehren in die Heimat zurück, um mit den Männern abzurechnen, die in Vietnam gegen den Rauschgiftschmuggel ankämpften.

Anthony Young, Mortimer Mowbray, James McLeod – Nach vielen Jahren, als keiner mehr daran denkt, holt sie die Vergangenheit ein, und der Tod hält reiche Ernte.

June March – Sie versteht es, sich auch in schwierigen Situationen durchzusetzen.

Bount Reiniger – ist Privatdetektiv.

 

 

1

Sie warteten. Burt Bennett saß im Fond des Wagens und spielte mit der Trommel seines Revolvers. Es ratschte in regelmäßigen Abständen. Roland Chabby, der Mann auf dem Beifahrersitz, drehte sich missmutig um. „Kannst du damit nicht aufhören?“

Bennett steckte die Kanone in seine Schulterhalfter. „Zufrieden?“

Alan Lockhart, der dritte im Bunde, dehnte hinter dem Steuer seine Glieder. „Bin neugierig, wie lange wir hier noch warten müssen.“

Chabby grinste. „Hast du‘s denn so eilig?“

„Ich erledige so etwas immer gern prompt. Zug um Zug muss das gehen. Nicht so schleppend. Ich bin ein schlechter Wartender.“

Die drei Verbrecher blickten zu dem erhellten Fenster im ersten Stock hinauf. Dort oben wohnte Gary Garner. Er würde keine Freude an ihrem Besuch haben, aber darauf konnten sie keine Rücksicht nehmen. Sie hatten einen Plan ausgearbeitet, in dem Garner eine Rolle spielte. Er würde sie übernehmen müssen, ob ihm das nun passte oder nicht …

 

 

2

Garner war nicht allein. Deshalb warteten die drei Verbrecher noch in ihrem Wagen. Ein Mädchen befand sich bei ihm. Judy Burr. Groß, schlank und sexy. Sie verfügte über eine animalische Ausstrahlung, der sich kein Mann – wenn er ein richtiger Mann war – entziehen konnte.

Für gewöhnlich nahm sie Geld von Männern, zu denen sie nett war. Bei Gary Garner war das etwas anderes. Zu ihm kam sie nicht, um Geld zu verdienen, sondern weil sie ihn liebte.

Er liebte sie mit jener wilden Leidenschaft, zu der kein anderer Mann fähig war. Seine Umarmungen waren schmerzhaft, doch gerade das hatte Judy Burr gern. Sie hörte sein tiefes Keuchen und spürte seine Zähne an ihrer Schulter.

Sie stammelte Liebesschwüre und flüsterte ihm heiße Liebkosungen ins Ohr, während sie mit zitternden Händen über sein gewelltes brünettes Haar strich …

Später lagen sie nebeneinander und rauchten gemeinsam eine Zigarette. Das blonde Mädchen nahm ihm die Chesterfield aus den Fingern, schüttelte die lange Mähne zurück, setzte sich auf, nahm einen Zug und blies den Rauch über Gary Garners muskulösen Körper.

„Du bist so stark, so wild“, sagte sie. „Ich liebe dich.“

Er sagte nicht, dass er sie auch liebe, denn es stimmte nicht. Er liebte niemanden. Nur sich selbst. Judy wusste das. Sie fand sich damit ab. Es genügte ihr, wenn sie ihm ihre Liebe geben durfte, wenn er sich ab und zu bei ihr meldete und zu sich holte.

Er warf ihr ihre Kleider zu, die neben dem Bett auf dem Boden lagen.

„Los, zieh dich an.“

„Muss ich schon gehen?“, fragte sie enttäuscht.

„Ja.“

„Aber es ist doch noch nicht spät.“

„Ich habe noch etwas vor.“

Er stand auf. Die ganze schöne Stimmung zerplatzte wie eine bunt schillernde Seifenblase. Judy schlüpfte in Slip und BH. Er stellte sich unter die Dusche. Sie hörte es im Bad rauschen und spritzen.

Gary Garner war ein polizeibekannter Verbrecher. Eine Menge strafbarer Delikte ging auf sein Konto, und die Cops hätten ihn gern festgesetzt, aber bisher war es ihm stets gelungen, ihnen zu entwischen. Die Beweise reichten niemals aus, um ihn für längere Zeit hinter Gefängnisgitter zu bringen

Judy Burr wusste von seinem Treiben. Sie hoffte, dass die Bullen ihn niemals erwischen

würden, denn wenn sie ihn einsperrten, hätte sie niemanden mehr gehabt, dem sie ihre Liebe hätte schenken können.

Als sie angezogen war, kehrte er aus dem Bad zurück. Er trug einen rostroten Frotteemantel. Sie zuckte mit den Schultern. „Also dann gehe ich jetzt.“

„Lass dich nicht aufhalten.“

Sie ging auf ihn zu. „Kriege ich noch einen Kuss zum Abschied?“

Er grinste. „Klar. Du warst wieder mal Spitze.“

„Du auch. Wann sehe ich dich wieder?“

„Weiß ich noch nicht. Du wirst es erleben.“

„Lass mich nicht zu lange warten. Und pass in der Zwischenzeit gut auf dich auf.“

„Du auch. Fall keinem Lustmörder in die Hände.“

Judy Burr senkte ernst den Blick. „Damit scherzt man nicht, Gary.“

„Verschwinde jetzt.“

Sie verließ die Wohnung. Gary Garner zog sich an. Er hatte die Absicht, noch seine Stammkneipe aufzusuchen. Er war ein Nachtmensch. Vor dem Morgengrauen kam er selten ins Bett. Mal hinderte ihn das Vergnügen daran, mal der Job. Er schlüpfte in seine braune Nappalederjacke. Mit federndem Gang durchmaß er die Diele und öffnete die Tür.

Im selben Moment erschrak er, denn draußen standen drei Männer, die ihn finster anblickten.

 

 

3

„Hallo, Gary“, sagte Roland Chabby. Er trug helle Hosen, ein offenes weißes Hemd und dazu ein dunkelbraunes Jackett. Sein volles, schwarzes Haar fiel ihm etwas über den Kragen.

Garner kannte ihn und auch die beiden anderen. Seine Augen weiteten sich. „Chabby … Lockhart … Bennett …“

Roland Chabby grinste. „Wir sind es wirklich. Guck nicht so verstört. Wir sind keine Geister.“

„Es ist lange her …“

„Ja, sehr lange. Eine Ewigkeit. Es hat sich vieles verändert in der Stadt, aber wir finden uns noch zurecht“, sagte Chabby. „Willst du uns nicht reinlassen, Gary?“

Garner gab die Tür frei. „Aber natürlich. Kommt herein. Wie lange seid ihr schon in New York?“

„Erst ein paar Tage.“

Gary Garner führte die Männer in den Livingroom. Zwei leere Whiskygläser standen auf dem Tisch. Garner räumte sie weg und bot den Besuchern Platz an. Sie setzten sich nicht. Er fragte sie, ob sie etwas zu trinken haben wollten, aber sie lehnten ab. Zumeist redete Roland Chabby für sich und seine Freunde.

„Wo habt ihr so lange gesteckt?“, wollte Garner wissen.

„Darüber möchten wir nicht reden“, sagte Chabby. „Was vergangen ist, soll vergangen bleiben. Bis auf eines …“ Er unterbrach sich. „Wir sind gerade dabei, unsere Vergangenheit aufzuarbeiten. Es gibt da ein paar schwarze Punkte, die wir auslöschen möchten.“

Gary Garner nickte. „Ich verstehe“, sagte er, obwohl er nichts verstand.

„Aus diesem Grund sind wir hier“, meinte Chabby.

„Aha.“ Garner musterte die Gesichter der Besucher. Verschlossene Mienen. „Soll ich etwas für euch tun? Braucht ihr Hilfe?“

Chabby lächelte. „Du hast es erfasst.“

„Was ist es? Ihr könnt über mich verfügen.“

„Wir wussten, dass wir mit deiner Hilfe rechnen können. Du sollst es auch nicht umsonst tun.“ Chabby schnippte mit dem Finger.

Alan Lockhart – schmal wie ein Windhund – fasste in sein Jackett und ließ tausend Dollar auf den Tisch fallen. Gary Garner leckte sich die Lippen. „Ihr seid sehr großzügig.“

„Wir wissen, was der Liebesdienst eines Freundes wert ist“, entgegnete Roland Chabby.

„Was soll‘s denn sein?“

„Die Bullen waren immer schon scharf auf dich.“

Gary Garner lachte. „Heute mehr denn je. Ich war während eurer Abwesenheit nicht untätig. Ohne Fleiß kein Preis.“

„Du wirst dich stellen“, sagte Chabby rau.

Garner sah ihn erschrocken an. „Wie war das? Stellen soll ich mich? Aber … aber warum denn? Ich bin froh, dass mich die Polizei bis jetzt nicht schnappen konnte. Ich müsste verrückt sein, wenn ich mich freiwillig … Das ist doch nicht dein Ernst, Roland.“

„Du wirst Staatsanwalt Anthony Young anrufen und ihm mitteilen, dass du die Absicht hast, dich der Polizei zu stellen, dass du aber Angst hast, es ohne ihn zu tun!“

Garners Blick wieselte von einem Gesicht zum anderen. „Was wollt ihr von Young? Was habt ihr mit ihm vor?“

„Das ist nicht deine Sache“, erwiderte Chabby schroff.

„Wenn ich dich richtig verstehe, soll ich Anthony Young für euch in die Falle locken.“

„Du bist ein blitzgescheiter Junge, Gary.“

Garner schüttelte den Kopf. „Das mache ich nicht.“

„Hör mal, wir sind doch alte Freunde.“

„Sucht euch jemand anders, Roland.“

„Aber wir haben uns nun mal dich in den Kopf gesetzt, Kleiner. Es sind immerhin tausend Dollar für dich drin.“

„Ich will das Geld nicht. Die Sache ist mir zu gefährlich.“

„Junge, du kannst uns doch nicht so vor den Kopf stoßen. Wir bitten dich um einen kleinen Gefallen.“

„Ihr sagt mir nicht, was ihr mit dem Staatsanwalt vorhabt, und ich will es auch gar nicht wissen. Ich führe ein verhältnismäßig ruhiges Leben, und das möchte ich beibehalten. Wenn ihr euch mit dem Staatsanwalt anlegen wollt, dann tut es meinetwegen. Ich werde euch nicht verpfeifen. Aber ich werde euch auch nicht dabei helfen.“

Chabbys Brauen zogen sich wie drohende Gewitterwolken zusammen. „Ist das dein letztes Wort, Gary?“

„Ja. Nehmt euer Geld und geht. Ich wollte, ihr hättet mich um einen anderen Gefallen gebeten.“

„Und ich wollte, unser Wiedersehen wäre unter anderen, erfreulicheren Umständen zustande gekommen. Wir müssen nämlich darauf bestehen, dass du uns hilfst, Gary.“

Garner schüttelte entschieden den Kopf. „Kommt nicht in Frage.“

Chabby schnippte gern mit dem Finger. Er tat es wieder. Und Alan Lockhart und Burt Bennett wussten, was sie zu tun hatten. Sie stürzten sich auf Gary Garner und schlugen mit ihren harten Fäusten auf ihn ein.

 

 

4

Sie verstanden es, einen Mann fertigzumachen. Gary Garner wehrte sich zwar, und für gewöhnlich schaffte er auch zwei Gegner. Aber nicht zwei von diesem Kaliber. Lockhart und Bennett schlugen dorthin, wo es am meisten wehtat. Das Gesicht verschonten sie. Er stöhnte unter ihren brutalen Hieben, fiel zu Boden. Er schrie seinen Schmerz heraus, und in seinem Körper stiegen glühende Wellen hoch.

Roland Chabby stand gelassen daneben. Er zog eine Pistole aus dem Schulterhalfter und schraubte einen klobigen Schalldämpfer auf den Lauf. Als Gary Garner das Bewusstsein verlor, sagte Chabby: „Lasst es genug sein, Freunde. Ich denke, das reicht.“

Er steckte die tausend Dollar ein.

Garner kam ächzend zu sich. Sein Atem ging rasselnd. Chabby beugte sich über ihn und schüttelte den Kopf. „Ich kann dich nicht verstehen, Gary. Wir haben dich nett gebeten. Du hättest tausend Dollar verdienen können, aber du hast einfach abgelehnt, als wolltest du mit uns nichts zu schaffen haben. Okay, wir akzeptieren deine Einstellung, müssen aber weiterhin darauf bestehen, dass du uns hilfst. Nun wirst du‘s aber nicht mehr für Geld tun, sondern gratis. Oder hast du noch den Mut, nein zu sagen? Bist du immer noch so verrückt, uns fortschicken zu wollen?“

„Ich wünsche euch zum Teufel!“, keuchte Garner.

Chabby schlug ihn mit der Pistole auf die Schulter. Er schrie auf.

„Ich bin nicht so“, sagte Roland Chabby kalt. „Ich lasse dich wählen.“ Er setzte ihm die Waffe an die Stirn. „Was ist dir lieber, Gary? Young anzurufen – oder ein Loch zwischen die Augen?“

Schweißperlen standen Gary Garner auf der Stirn. Er hasste Chabby und dessen Komplizen. Sie ließen ihm keine Chance. Entweder tat er, was sie von ihm verlangten, oder sie legten ihn um.

„Okay“, presste er heiser hervor. „Ich rufe den Staatsanwalt an.“

Chabby grinste. „Ich wusste, dass du dich so entscheiden würdest.“

 

 

5

Bount Reiniger hatte dem Staatsanwalt einen kleinen Gefallen erwiesen, und Anthony Young revanchierte sich dafür mit einer Einladung zum Dinner. Diese Einladung galt selbstredend auch für June March. Das blonde, blauäugige Mädchen trug ein fliederfarbenes Kleid mit verspielten Rüschen und dezentem Dekolleté, aus dem der appetitliche Ansatz ihrer hübschen Brüste hervorlugte.

Young, ein interessanter Mann mit leicht angegrauten Schläfen, war als Staatsanwalt gefürchtet. Bis vor einem Jahr war er noch Abgeordneter gewesen. Er hatte sich aus persönlichen Gründen aus der Politik zurückgezogen und verhalf nun mit Härte und Unerbittlichkeit dem Gesetz zu seinem Recht.

Nach dem Essen bestellte Anthony Young französischen Cognac für sich und seine Gäste. Während er die goldene Flüssigkeit im Schwenker kreisen ließ, meinte er versonnen: „So etwas Erlesenes hatten wir in Vietnam nicht.“

„Wie lange waren Sie da?“, wollte Bount Reiniger wissen. Er bot dem Staatsanwalt eine von seinen Pall Malls an, zündete sich auch ein Stäbchen an.

„Zwei Jahre“, sagte Young. „Es war die härteste Zeit meines Lebens.“

Bount nickte. „Vietnam war kein Honiglecken.“

„Gab es wirklich so viele süchtige amerikanische Soldaten da?“, fragte June March. „Man hörte ja die abenteuerlichsten Behauptungen. Es wurde davon gesprochen, dass jeder zweite US-Soldat Drogen nimmt.“

„Nun, so schlimm war es nicht, aber es gab schon einen hohen Prozentsatz von Drogenabhängigen. Es war verhältnismäßig leicht, an Rauschgift zu kommen. Die Leute hatten Angst. Sie waren getrennt von den Menschen, die sie liebten, wussten nicht, ob sie den nächsten Angriff des Vietkong überleben würden. Es gab viele Gründe, weshalb die Soldaten in einen Drogentraum flüchteten. Meine Freunde Mortimer Mowbray, James McLeod und ich versuchten, die Drogen von unserer Einheit fernzuhalten. Wir wollten den schwunghaften Handel unterbinden und stießen dabei auf ein Trio, das sich dumm und dämlich verdiente. Roland Chabby, Alan Lockhart und Burt Bennett hießen die Kerle, die wir auffliegen ließen. Die Militärpolizei setzte sie fest, aber während eines nächtlichen Angriffs bekam das provisorische Gefängnis einen Granattreffer ab. Chabby, Lockhart und Bennett konnten fliehen. Sie entzogen sich ihrer Strafe, indem sie zum Feind überliefen. Wir hörten nie wieder von ihnen. Ich nehme an, der Vietkong machte kurzen Prozess mit ihnen. Von da an nahm das Drogenproblem in unserer Einheit erheblich ab. Unser Ehrgeiz ging dahin, die Einheit völlig sauber zu kriegen. Doch bevor uns das gelang, wurden wir in die Heimat zurückgeschickt. Wie es in Vietnam weiterging, weiß ich nicht. Es warteten zu Hause so viele Aufgaben auf mich, dass ich mich nicht mehr darum kümmern konnte.“

June March nippte an ihrem Cognac.

Anthony Young warf einen Blick auf seine Digitaluhr. „Schon acht“, sagte er. „Ich bin ein schlechter Gastgeber.“

„Wieso?“, fragte Bount Reiniger.

„Da lade ich Sie ein und weiß genau, dass ich nicht lange bleiben kann. In meinem Büro türmt sich auf meinem Schreibtisch die Arbeit. Es ist immer dasselbe. Deshalb wäre es vollkommen egal gewesen, wann ich Sie eingeladen hätte. Viel Zeit hätte ich nie für Sie gehabt.“

Bount lächelte verständnisvoll. „Das ist der Preis, den ein erfolgreicher Mann bezahlen muss.“

„Ein Tag sollte für mich achtundvierzig Stunden haben“, seufzte Anthony Young.

„Manchmal geht es mir genauso“, sagte Bount.

„Sie brauchen deswegen keine Gewissensbisse zu haben“, meinte June.

„Ich danke Ihnen für Ihr Verständnis, Miss March.“

„Erst die Arbeit, dann das Vergnügen“, meinte die blonde Detektiv-Volontärin.

„Ich hoffe, es ergibt sich bald wieder die Gelegenheit, zusammen zu essen“, sagte der Staatsanwalt und winkte dem Kellner.

„An uns soll‘s nicht liegen“, erwiderte Bount Reiniger.

„Alles zusammen?“, fragte der Kellner.

„Ja“, sagte Young. Der Kellner legte die Rechnung auf den Tisch. Young zeichnete sie ab. Der Kellner bekam sein Trinkgeld und entfernte sich. Young erhob sich mit einem um Entschuldigung bittenden Lächeln. „Es war sehr nett mit Ihnen. Ich hoffe, Sie sind mir nicht böse …“

„Ist schon in Ordnung“, sagte Bount.

„Vielleicht können wir so ein Gelage nächste Woche wiederholen.“

„Dann geht es aber auf meine Rechnung“, entgegnete Bount Reiniger. „Und Sie müssen unbedingt ein weibliches Wesen mitbringen.“

„Und mehr Zeit“, fügte June March hinzu.

„Ich werde sehen, was sich machen lässt“, gab der Staatsanwalt zurück und verabschiedete sich.

Als er ging, ahnten June March und Bount Reiniger nicht, dass sie Anthony Young zum letzten Mal lebend gesehen hatten.

 

 

6

„Was machen wir mit dem angebrochenen Abend?“, fragte Bount Reiniger über den Tisch. Nach vielen harten Einsätzen, die Bount das Letzte abverlangt hatten, war endlich eine kurze Flaute eingetreten, die er nicht ungenützt verstreichen lassen wollte. Morgen schon konnte es wieder rund gehen. Bount musste die kurze Verschnaufpause optimal nutzen.

Es gab einige Dinge, die er gern getan hätte. Der Abend war noch jung, und June sah verführerisch aus. Er wäre mit ihr ganz gern allein gewesen. Einmal nicht Chef und Mitarbeiterin, sondern nur ein Mann und ein Mädchen, in einer milden Nacht, in der der Frühling erwachte …

„Wann waren wir zuletzt tanzen?“, fragte June.

„Das ist schon gar nicht mehr wahr.“

„Hättest du Lust?“

„Auf das, und auf noch viel mehr.“ Bount grinste. „Geht es dir nicht ebenso?“

„Das fragt man eine Dame doch nicht.“

„Oh, Verzeihung, das wusste ich nicht.“

„Du musst noch viel lernen.“

„Ich bin jederzeit dazu bereit.“

„Wozu?“, fragte sie lächelnd.

„Zu allem“, gab er lächelnd zurück.

Sie lachte wieder. „Du bist und bleibst ein unverbesserlicher Halunke.“

„Du würdest mich nicht so sehr mögen, wenn ich anders wäre.“

Sie schaute ihn groß an. „Wer sagt dir denn, dass ich dich so sehr mag?“

„Mein Gefühl, und das täuscht sich nicht.“

„Eingebildet bist du wohl gar nicht.“

„Ja, da hast du recht“, sagte Bount Reiniger und erhob sich. Er und June hatten einen netten Abend vor sich. Nicht jeder konnte das von sich behaupten.

 

 

7

Anthony Youngs Büro befand sich in der Fulton Street. Durch die großen Panoramafenster sah man auf den East River. Stationäre und bewegliche Lichter, Straßenbeleuchtung und Autoscheinwerfer. Die Stadt strahlte aus Millionen von Glühbirnen.

Der Staatsanwalt setzte sich an seinen großformatigen Schreibtisch. Seine Sekretärin Stella Groom hatte ihm einen Zettel hingelegt. Sie machte ihn darauf aufmerksam, dass sie morgen später ins Büro kommen würde. Youngs Okay hatte sie dafür schon seit einer Woche. Sie wollte ihn nur noch einmal daran erinnern.

Young hörte sich an, was sich auf dem Band des automatischen Anrufbeantworters befand. Er machte sich ein paar Notizen auf seinem Terminkalender und stürzte sich dann in die Arbeit.

Fünfzehn Minuten hatte er Ruhe. Dann schlug das Telefon an. Young seufzte und griff nach dem Hörer. „Hallo!“

„Spreche ich mit Staatsanwalt Anthony Young?“

„Am Apparat.“

„Mein Name ist Garner. Gary Garner.“

Young kannte diesen Namen. Er hörte ihn nicht zum ersten Mal. Er wusste, dass die Polizei seit Langem scharf auf diesen Verbrecher war, dass es ihr aber bis jetzt noch nicht geglückt war, ihn zu schnappen.

„Was kann ich für Sie tun, Mister Garner?“, fragte der Staatsanwalt.

„Ihnen ist sicherlich bekannt, dass die Bullen mich gern haben würden, Mister Young. Man ist der Meinung, ich hätte eine Menge Dreck am Stecken, und vielleicht stimmt das auch. Aber Sie wissen ja, wie Bullen so sind. Die hängen mir in ihrem Übereifer bestimmt mehr an, als ich ausgefressen habe, und wenn ich‘s nicht zugebe, mache ich mit ihren Fäusten Bekanntschaft. Hinterher heißt es dann, ich sei gegen eine Tür gelaufen, oder so.“

„Haben Sie die Absicht, sich zu stellen?“, fragte Young erstaunt.

„Ich könnte mich glatt dazu hinreißen lassen, aber nicht ohne Sie, Mister Young. Wenn ich mich schon zu einem solchen Schritt entschließe, dann soll die Sache ordentlich ablaufen, verstehen Sie? Ich wäre bereit, für das geradezustehen, was ich angestellt habe, aber ich bin nicht so doof, auch das auf mich zu nehmen, was andere verbrochen haben.“

„Und das bedeutet?“

„Dass ich Angst habe, mich allein zu den Bullen zu begeben.“

„Man wird Ihnen nichts tun.“

„Das behaupten Sie, aber was sagt ein Gesunder?“

„Sie tun so, als bestünde die Polizei aus brutalen Schlägern, die nur darauf warten, einen von Ihrer Sorte durch den Wolf drehen zu können.“

„Ist es nicht so?“

„Garantiert nicht.“

„Da sind wir leider ganz konträrer Meinung, Mister Young. Hören Sie zu, ich bin nur unter der Bedingung bereit, mich zu stellen, wenn Sie mich zu den Bullen begleiten und bei mir bleiben, bis ich das Protokoll unterschrieben habe. Andernfalls bleibe ich der Polizei lieber fern und mache weiter wie bisher.“

„In welchem Revier möchten Sie sich stellen?“

Gary Garner nannte die betreffende Polizeistation.

„Okay“, sagte Young. „Ich komme hin, so schnell ich kann.“

„Sie haben mich nicht richtig verstanden, Mister Young. Ohne Sie setze ich keinen Fuß in die Polizeistation.“

„Wollen Sie davor auf mich warten?“

„Ich warte im Central Park auf Sie. Auf der Transverse Road. Wenn Sie in einer halben Stunde nicht da sind, können wir die ganze Angelegenheit vergessen.“

Anthony Youngs Blick streifte über die viele Arbeit, die auf seinem Schreibtisch herumlag und heute noch erledigt werden musste. Er hätte Garners Forderung ablehnen können, aber dann hätte sich der Verbrecher nicht gestellt. Da die Polizei den Mann schon so lange haben wollte, musste er die Gelegenheit beim Schopf packen und Garner aufs Revier begleiten. Es kam höchst selten vor, dass ein Verbrecher solche Anwandlungen kriegte. So etwas durfte man sich nicht entgehen lassen.

„Na schön“, sagte der Staatsanwalt seufzend. „Ich werde pünktlich sein.“

„Ich danke Ihnen“, erwiderte Gary Garner und hängte ein.

 

 

8

Roland Chabby schob sich ein Kaugummiplättchen zwischen die Zähne. Er war die Ruhe selbst. Ihr Wagen stand hinter Büschen. Burt Bennett trommelte mit den Fingern auf das Lenkrad. Eine bleierne Dunkelheit lastete auf diesem Teil des Central Parks. Die Gangster warteten auf das Eintreffen des Staatsanwalts. Auf Alan Lockharts Knien lag eine Maschinenpistole.

Hass funkelte in seinen Augen. „Endlich kann ich mich revanchieren“, knurrte er. „Was er uns damals in Vietnam angetan hat, sitzt immer noch wie ein Stachel schmerzhaft in meinem Fleisch.“

„Uns geht es genauso“, sagte Chabby. „Wir werden uns heute diesen Stachel herausreißen.“

Sie waren damals dem Vietkong in die Hände gefallen, und man wollte sie auf der Stelle erschießen. Mit dem Geld, das sie in den Schuhen bei sich getragen hatten, hatten sie sich freigekauft. Sie tauchten in Saigon unter und suchten vorsichtig neue Kontakte. Schon bald gelang es ihnen, sich in den Drogenhandel wieder einzuschalten. Nachdem sich Amerika aus Vietnam zurückgezogen hatte, blieb das Trio noch etliche Jahre in Asien. Es scheffelte Geld mit Heroin, hatte aber nie die Absicht, für immer in Asien zu bleiben.

Eines Tages fand Roland Chabby die Zeit reif für die Rückkehr nach Amerika. Sie wollten in New York wieder Fuß fassen. Doch zuvor wollten sie noch die alten, noch offenen Rechnungen begleichen.

Anthony Young, Mortimer Mowbray und James McLeod hatten ihnen damals das Leben zur Hölle gemacht. Dafür würden sie sich nun revanchieren. Mit dem Staatsanwalt sollte der Anfang gemacht werden.

Bennett blickte auf die Armaturenbrettuhr. „Er wird gleich eintreffen.“

Alan Lockhart entsicherte die Maschinenpistole.

„Hoffentlich hält Gary Garner durch“, sagte Bennett.

„Er weiß, was für ihn auf dem Spiel steht“, erwiderte Chabby. „Er wird nicht wagen umzufallen.“

„Soll ich ihn gleich mit umlegen?“, fragte Lockhart.

„Ich glaube, das wird nicht nötig sein“, sagte Chabby. „Wir konzentrieren uns ausschließlich auf das Wichtige.“

„Und das ist Anthony Young“, sagte Burt Bennett mit einem kalten Lächeln.

 

 

9

Gary Garner hatte das Gefühl, auf glühenden Kohlen zu sitzen. Der Abend hatte so herrlich begonnen: mit Judy Burr. Und Garner hatte das angenehme Leben in seinem Stammlokal fortsetzen wollen, doch das hatten Chabby, Lockhart und Bennett vereitelt. Diese Mistkerle. Garner hatte jetzt noch überall Schmerzen. Und er musste froh sein, dass er überhaupt noch etwas spürte, denn Roland Chabby hätte nicht gezögert, ihn zu erschießen, wenn er bei seinem Nein geblieben wäre. Chabby war der größte Bastard von allen. Rücksichtslos bis zum Exzess. Ein Kerl, der ohne mit der Wimper zu zucken über Leichen ging.

Garner war bei Gott kein Heiliger, aber einen Menschen hatte er noch nicht umgebracht, und er würde das auch nie tun.

Er fragte sich, was Chabby und seine Freunde von Anthony Young wollten. Warum waren sie so sauer auf den Staatsanwalt? Was würden sie mit ihm machen? Zusammenschlagen?

Oder hatten sie gar vor, ihn umzulegen?

Garner fuhr sich mit der Hand über das Gesicht. Zu allen Delikten, die er im Laufe seines Lebens schon angehäuft hatte, würde nun auch noch Beihilfe zum Mord kommen.

O Gott!

Er war wütend auf Chabby und dessen Freunde, weil sie ihn in diese Sache hineinzogen. Insgeheim hoffte er, dass er sich irrte, dass das Trio den Staatsanwalt nicht töten wollte.

Nervös blickte er auf seine Uhr. Noch zwei Minuten. Er lehnte sich zurück. An seinem alten Chevrolet rollte ein weißer Thunderbird vorbei. Am Steuer saß ein grauhaariger Mann. Neben ihm saß eine aufgedonnerte Wasserstoffblondine, die seine Tochter hätte sein können. Sie redeten miteinander. Das Mädchen rückte näher, ging auf Tuchfühlung. Die dicke Brieftasche des Alten schien wie ein Magnet auf sie zu wirken.

Gary Garner warf einen Blick in den Innenspiegel.

Er sah ein Scheinwerferpaar. Das Fahrzeug rollte die Transverse Road entlang und stoppte hinter seinem Wagen.

Anthony Young war eingetroffen!

Young sah das unbeleuchtete Fahrzeug am Straßenrand stehen und fuhr darauf zu. Er fragte sich, was Gary Garner bewogen haben mochte, sich der Polizei stellen zu wollen. Reue? Hatte der Verbrecher die Absicht, unter sein bisheriges Leben einen Schlussstrich zu ziehen? Wollte er neu anfangen, nachdem er für seine kriminellen Taten gebüßt hatte? Hin und wieder kam so etwas vor. Das Gewissen erwachte und gab keine Ruhe mehr …

Der Staatsanwalt tippte auf die Bremse. Sein Wagen blieb stehen. Young stieg aus. Er sah nicht, wie sich ein Fahrzeug aus dem Schatten von Büschen schob. Sein Blick war auf Gary Garner gerichtet, der in diesem Moment die Fahrzeugtür öffnete.

Details

Seiten
104
Jahr
2020
ISBN (eBook)
9783738947359
Sprache
Deutsch
Erscheinungsdatum
2020 (November)
Schlagworte
tödliches anliegen york detectives

Autor

Zurück

Titel: Tödliches Anliegen: N.Y.D. – New York Detectives