Lade Inhalt...

Circle C-Ranch #41: Panther-Jimmy

2020 108 Seiten

Leseprobe

Table of Contents

Panther-Jimmy

Copyright

1

2

3

4

5

6

7

8

9

10

11

12

Panther-Jimmy

Circle C-Ranch Band 41

Western von Bill Garrett

 

Der Umfang dieses Buchs entspricht 108 Taschenbuchseiten.

 

Als zwei Fremde auf seiner Ranch auftauchen, denkt Hep sich nichts dabei. Reiter die Wasser für ihre Pferde brauchen. Nicht mehr. Hep plaudert ein wenig mit ihnen und schaut sich die Pferde an. Nachdem die beiden weg sind, tauchen bald andere Reiter auf. Es sind Männer aus der Stadt, und sie erzählen Hep, dass zwei Fremde das Hotel in der Stadt überfallen und den Hausknecht ermordet haben. Einer der Fremden soll ein Pferd mit einem besonderen Brandzeichen gehabt haben. Ein W in einem Kreis. Hep erinnert sich an das Zeichen und auch an die Richtung, in die die Männer geritten sind. Die Spuren führen zur Nachbarranch und hören hier auf. Niemand will dort zwei Fremde gesehen haben, aber Hep findet im Stall ein Pferd mit einem besonderen Brand. Ein W in einem Kreis.

 

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books, Alfred Bekker, Alfred Bekker präsentiert, Casssiopeia-XXX-press, Alfredbooks, Uksak Sonder-Edition, Cassiopeiapress Extra Edition, Cassiopeiapress/AlfredBooks und BEKKERpublishing sind Imprints von

Alfred Bekker

© Roman by Author / Cover: Steve Mayer nach Motiven

© dieser Ausgabe 2020 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

Folge auf Twitter

https://twitter.com/BekkerAlfred

 

Zum Blog des Verlags geht es hier

https://cassiopeia.press

Alles rund um Belletristik!

Sei informiert über Neuerscheinungen und Hintergründe!

 

 

 

1

Sie standen am Straßenrand und schauten schweigend auf das Hotel und den Central Saloon der O’Hagans, aus schmalen und hart dreinblickenden Augen.

Die beiden Männer waren einsame Wanderer, weil sie allen Grund zur Vorsicht hatten. Sie waren keinesfalls die kleinen windigen Straßenräuber, für die sie meistens gehalten wurden.

Sie gehörten zur gefährlichen Sorte. Sie hatten im Norden einen Mann erschossen, um ihn auszurauben, doch das Pech gehabt, nichts in seinen Taschen zu finden. Pleiten gab es auch in ihrem Geschäft.

Sie hatten von der Marek-Ranch gehört, von deren Gastlichkeit und davon, dass Leute ihres Schlages dort für eine Weile untertauchen konnten. Aber dafür nahmen die Mareks Geld. Genau darum ging es den beiden.

Der eine hieß Sam Hackett, der andere John Forster, aber sie hatten die Angewohnheit, sich gegenseitig Pinky zu nennen. Das hatte manches vereinfacht. Doch inzwischen war diese Art Faulheit, sich vor jedem Geschäft andere falsche Namen zuzulegen, zu einem Markenzeichen geworden.

„Nettes Anwesen!“, meinte Sam Hackett nach einer Weile. „Sieht nach Wohlhabenheit aus. Oder was meinst du, Pinky?“ Er war ein großer und schwerer Mann, der eigentlich auf den ersten Blick wie ein gutmütiger Bär wirkte, der er freilich nicht war.

John Forster war noch ein Stück größer, aber dafür hager und schlank. Er verzog das Gesicht. „Nicht allzu viel Betrieb in dem Laden. Wir könnten ja mal hineingehen und nachsehen, ob du recht hast, Pinky.“

Hackett spie aus. „Das wollte ich gerade vorschlagen. Schließlich können wir nicht mit leeren Händen zu den Mareks kommen.“ Er lächelte. „Wie ich gehört habe, sollen auch die Mädchen dort für jede Gefälligkeit, die sie einem erweisen, die Hand aufhalten. Da ist es bestimmt besser, wir decken uns gründlich ein. Die Bude da drüben sieht mir danach aus.“

Forster nickte. „Ich gehe voraus. Führe die Pferde vor die Tür, zähle bis dreißig und komme nach.“

Hackett nickte. „In Ordnung, Pinky!“ Er blickte die Straße entlang. „Machen wir es hier. Es ist kaum Betrieb in der Stadt.“

Forster setzte sich in Bewegung, überquerte die Straße und betrat das Hotel.

Es war ein heißer Tag. In der Empfangshalle surrte ein großer Ventilator. Er schien aber das einzige zu sein, das sich in dem großen Haus bewegte. Forster trat an die Rezeption und schlug die Hand auf die Platte.

Es blieb still. Doch als Forster noch einmal aufschlagen wollte, waren schlurfende Schritte zu hören. Ein alter weißhaariger Mexikaner erschien und rieb sich verschlafen die Augen.

„Sie wünschen, Sir?“, murmelte er benommen. „Sie müssen schon entschuldigen, wir halten alle Siesta.“

„Ich möchte ein Zimmer mieten!“, antwortete Forster, während er sich schnell und spähend umsah. „Sie haben doch so etwas?“

„Aber natürlich, Sir“, lächelte der alte Mexikaner freundlich. „Das ist doch unser Geschäft.“

Forster verzog das Gesicht. „Und wie gehen die Geschäfte?“

„Ach wissen Sie, mal ’rauf und mal ’runter!“, griente der Mexikaner und legte das Anmeldebuch aufs Pult. „Tragen Sie sich hier ein! Wie lange möchten Sie bleiben, Sir?“

„Gehört dir das Hotel?“

„Aber nein, Sir! Ich bin hier nur der Hausknecht“, antwortete der Mexikaner.

„Ich möchte den Besitzer sprechen!“, verlangte Forster barsch.

„Das Hotel gehört einer Frau, Sir. Sie ist nicht da.“

„Aber du weißt doch Bescheid?“

„Natürlich, Sir!“, lächelte der alte Mann. „Ich bin zwar noch nicht lange hier. Aber wenden Sie sich getrost ...“

Er verstummte. Forster hatte blitzschnell den Revolver gezogen und richtete ihn auf den alten Mexikaner. Im gleichen Augenblick kam Hackett von draußen herein. Auch er nahm den Colt in die Faust, sah sich rasch um, einen gespannten Ausdruck im Blick.

„Wohin geht es dort?“, wollte er wissen und wies auf eine Tür.

„Zum Saloon!“, krächzte der Mexikaner. „Mr. O’Hagan ist dort drüben. Wenn Sie ihn sprechen wollen ...“

„Wir wollen niemand sprechen, wir wollen etwas sehen!“, belehrte Forster den alten Mann. „Geld! — Hast du kapiert?“

Er trat schnell um das Pult, stieß den alten Mann gegen die Wand und zog nacheinander sämtliche Schubladen auf, durchwühlte sie oberflächlich und sah den Alten an, dem er die ganze Zeit den Colt in die Seite hielt.

Der weißhaarige Mexikaner zitterte und schwitzte vor Angst.

„Ihr habt Geld im Haus!“, zischte Forster. „Wo ist es?“

Die Augen des alten Mannes weiteten sich.

Forster hielt ihm den Revolver vor das Gesicht. „Mach dein Maul auf, verdammt!“, bellte er.

„Nimm’s Messen. Pinky!“, rief Hackett.

„Quatsch!“, fauchte Forster. „Der weiß auch so, was es geschlagen hat. — Habe ich recht. Alter? Rede, oder es wird dir leid tun! Es ist doch nicht dein Geld, verdammt noch einmal!“

„Oben!“, krächzte der Oldtimer. „Das Geld liegt oben in Mrs. O’Hagans Zimmer.“

Hackett und Forster sahen sich an, packten den alten Mann und schoben ihn zur Treppe, lauschten einen Moment gebannt und stießen ihn die Stufen empor. Als sie mit ihm den Flur im oberen Stockwerk entlang gingen, knarrte unten eine Tür, und jemand rief laut nach einem Alcoy.

Sie hielten an, packten den Oldtimer fester, und Hackett hielt ihm die Coltmündung direkt an den Mund. Der alte Mexikaner seufzte und verdrehte vor Schreck die Augen.

Die Tür krachte ins Schloss. Danach war es wieder still in dem großen Haus. Sie lauschten noch eine Weile.

„Alcoy!“, flüsterte Forster. „Bist du das?“

Der alte Mann nickte.

„Weiter!“, raunte Hackett.

Der alte Mexikaner wies auf eine der Türen. Hackett ging drauf zu.

„Abgeschlossen!“, schimpfte er.

Forster lächelte dünn und spannte den Revolver. Der Alte schluckte. Er musste vor Angst husten, griff aber in die Tasche und nahm den Schlüssel heraus.

Hackett riss ihm den Schlüssel aus der Hand, schloss auf und öffnete die Tür. Sie traten ein. Forster machte die Tür zu und drückte dem Mexikaner den Colt in den Rücken.

„Da drüben!“, schnaufte der alte Mann und wies auf einen Rollschrank.

Es war ein kleines Zimmer, das den O’Hagans vermutlich als Büro diente. Schränke standen an der einen Wand. Vor dem Fenster befand sich ein Tisch, auf dem Akten lagen. Es roch muffig und nach kaltem Rauch.

Hackett trat an den Rollschrank und versuchte ihn zu öffnen; schlug dann kurzerhand mit der Faust auf die Platte, so dass die Rollwand hinabsauste, so schnell, dass er sie nicht mehr auffangen konnte. Es krachte laut.

„Idiot!“, zischte Forster und trat an die Tür, um zu lauschen.

Hackett ging ein Stück in die Knie, um in die Fächer schauen zu können, erspähte eine Kassette und holte sie heraus. Er stellte sie auf den Schrank, zog das Fangmesser aus dem Stiefelschaft und öffnete das Schloss mit Gewalt.

Er pfiff, als der Deckel aufsprang. Forster trat mit dem Alten näher. Die Kassette war voller Geldscheine. Gepresst voll!

„Da sieht man, wer’s hat“, grinste Hackett. „Ich habe dir doch gleich gesagt, dass wir in dem Laden etwas finden, Pinky!“

Forster lachte. „Gut, Pinky! Das sind mindestens achttausend.“

Hackett begann sich die Taschen vollzustopfen. Forster zog indessen den Stuhl vom Tisch und gebot dem Alten, Platz zu nehmen.

„Was machen wir mit ihm?“, raunte Hackett, nachdem er die leere Kassette zurückgestellt hatte.

„Ich sage kein Wort!“, krächzte der weißhaarige Mann. „Ich rühre mich überhaupt nicht vom Fleck.“ Voll Todesangst schaute er von einem zum anderen. „Ich schwöre es euch!“

Forster verzog das Gesicht. Dann schlug er zu. Als der alte Mann nach vorn kippte, versetzte ihm auch Hackett einen Hieb mit dem Colt. Sie fingen den Bewusstlosen auf und ließen ihn zu Boden gleiten.

„So, und jetzt nichts wie weg von hier, Pinky!“, grinste Hackett.

Forster warf noch einen Blick auf Hacketts prallgefüllte Jackentaschen, dann ging er zur Tür. Hackett stieg über den Oldtimer hinweg und folgte ihm.

Sie traten hinaus in den Flur, lauschten und gingen zur Treppe. Dort warteten sie abermals. Doch nicht einmal der Hauch von einem Luftzug schien durch das Haus zu streifen. Sie nickten sich zu und stiegen vorsichtig, und ohne das geringste Geräusch zu verursachen, die Stufen hinab, durchquerten rasch die Halle und liefen auf die Straße hinaus. Draußen sahen sie sich noch einmal um, stiegen dann gelassen auf die Pferde und ritten langsam weg.

„Wache ich, oder träume ich?“, grinste Hackett, als sie die letzten Mexikanerhütten von Tucson passiert hatten und der Straße folgten. „Ich habe die Taschen voller Geld, und dabei ist überhaupt nichts passiert, Pinky!“

Forster lachte und fasste sich an den Kopf. „Aber jetzt sollten wir den Pferden die Sporen geben, Pinky! Der Alte wird in dem Zimmer nicht lange träumen. Wir bleiben am besten auf der Straße. Da werden sie es schwer haben, unseren Spuren zu folgen.“

„Führt die Straße nicht zu weit nach Süden?“, meinte Hackett.

„Ja!“, erwiderte Forster. „Aber die Marek-Ranch dürfte gut und gern noch zwei Tagesritte von hier entfernt sein. Wenn wir morgen früh einschwenken, müssten wir genau auf den richtigen Weg kommen.“

Sie brachten die Pferde in Galopp und jagten auf dem staubigen Band der alten Poststraße südwärts, bis sie Tucson nicht mehr sehen konnten. Sie ließen die Pferde bald wieder im Schritt gehen, hielten sie aber scharf in Gang.

Nach zwei Stunden sahen sie plötzlich eine Ranch. Forster hielt sofort an. Auch Hackett straffte die Zügel.

„Die Straße führt genau zu dem Anwesen“, meinte Forster verblüfft.

Hackett grinste. „Das muss doch nicht heißen, dass wir wie die Hammel in den Stall dort hineinreiten müssen.“

„Nein!“, brummte Forster. „Aber könnte das nicht schon die Marek-Ranch sein?“

Hackett verzog das Gesicht und stützte sich auf das Sattelhorn.

Forster brachte das Pferd wieder in Gang. „Weißt du, was das für uns hieße, Pinky? Hier können wir unmöglich bleiben!“

„Ach was!“, rief Hackett und schloss zu ihm auf. „Wenn ich meiner Mutter die frischen Pfannkuchen vom Herd geklaut habe, war mein sicherster Platz unter dem Tisch neben dem Ofen. Da konnte ich sogar weiterstehlen, während sie mich im Hof und in der Scheune suchte.“

„In Tucson sitzt ein US-Marshal, Pinky!“, knurrte Forster verdrossen. „Wenn der die Sache in die Hand nimmt, wird er kaum wie deine gute alte Mutter reagieren. Verlass dich darauf!“

Die Straße führte auf eine Brücke zu. Forster schwenkte dort prompt ein.

„Willst du die Leute vielleicht fragen, ob sie die Mareks sind?“, fragte Hackett finster.

„So dusslig werde ich mich schon nicht anstellen“, versetzte Forster.

Als die Hufe der Pferde auf die Brückenbohlen donnerten, kam ein Cowboy aus dem Pferdestall gelaufen. Er hielt eine Mistgabel in den Fäusten. Er war klein und untersetzt und hatte ein schiefes Gesicht.

„Hallo, Nachbar!“, begrüßte Forster den Cowboy, als sie bei ihm hielten und von den Pferden stiegen. „Dein Job scheint dir aber keine besondere Freude zu bereiten“, sagte er, auf die Mistgabel und das schiefe Gesicht des Cowboys anspielend.

Der Cowboy winkte resignierend ab und feuerte die Mistgabel in den Stall hinein. „Reden wir nicht von meinem Job, sonst muss ich gleich kotzen. Seid ihr auf der Durchreise, Jungs? Kann ich euch nützlich sein?“

Die beiden grinsten. Forster nahm den Hut ab und fächelte sich Kühlung zu. „Ein verdammt heißer Tag heute. Unsere Pferde hätten Wasser nötig.“

„Natürlich!“, griente der Cowboy verschmitzt. „Das habe ich euch doch angesehen. Noch eine Stunde Sonnenschein, und ihr beiden seht auch wie vertrocknete Zitronen aus. — Kommt zum Brunnen. Ich hieve euch den Kübel hoch. Wohin geht die Reise?“

„Nach Süden!“, sagte Hackett, während sie, die Pferde am Zügel, mit ihm zum Brunnen liefen. „Sonero oder Sonora oder wie das Nest heißt.“

„Ach! Sonoita!“, rief der Cowboy. „Drüben in Mexiko.“

„Genau!“, nickte Forster.

Der Cowboy trat an die Winde, ließ den Kübel hinabsausen und drehte ihn wieder herauf. „Na, das ist aber noch ein Stück, Jungs! Da deckt euch mal mit Wasser ein.“

„Wieso?“, fragte Forster und gab sich verwundert. „Wir haben die Absicht, westwärts zu reiten. Es soll da Anwesen geben, auf denen sich unsereins immer versorgen kann.“

Der Cowboy lachte und hob den Eimer vom Haken. „Das wäre mal etwas Neues. Nein, Jungs! Wir hier, die Circle C-Ranch, wir sind der letzte Fetzen Zivilisation vor der Wüste. Deshalb bläst die uns auch ständig ihren Dreck ins Gesicht. Tagaus und tagein.“

„Ihr habt keine Nachbarn?“, meinte Hackett, während er ihm den Eimer abnahm und vor sein Pferd stellte.

„Oha!“, meinte der Cowboy. „Im Norden haben wir die Mareks. Na, und dann die Stadt. Ihr habt wohl in Tucson nicht Station gemacht, he? Da ist euch aber etwas entgangen. In Rip O’Hagans Laden gibt es ein feines Bier.“

Forster wischte sich den Mund. „Mach mich nicht wild, Amigo!“, lachte er. „Da seid ihr wohl alle mehr in Tucson als auf der Ranch zu finden?“

Der Cowboy seufzte. „Bevor man hier mal weg kann, da schmeißt man eher siebenmal hintereinander drei Sechser.“

„Na, dann wünsch’ ich dir Glück, Amigo!“, grinste Forster.

„Danke!“, versetzte der Cowboy trocken.

Sie sprachen noch über belanglose Dinge, bis sich die Pferde satt getrunken hatten. Hackett und Forster verabschiedeten sich danach und ritten nach Westen weiter.

„Die Marek-Ranch im Norden!“, meinte Hackett, als sie außer Hörweite waren. „Verdammt, Pinky! Wir können doch nicht so nah bei Tucson unterkriechen wollen.“

„Denk an deine Mutter!“, erwiderte Forster gelassen.

Sie ritten über den ersten Höhenrücken hinweg und schlugen in seinem Schutz den Weg nach Norden ein. Eine Stunde später waren sie schon am Ziel.

Die Marek-Ranch lag in einem kleinen grünen Kessel. Die Gebäude, das gesamte Anwesen, ja selbst das Gras machten einen etwas verkommenen Eindruck. Auf der Weide waren nur wenige Rinder zu sehen. Aber für das alles hatten die beiden Männer keine Augen. Als sie einritten, sahen sie eine junge, vollbusige Frau zwei Eimer Wasser ins Haus tragen.

Hackett grinste. „Hier sind wir richtig, Pinky!“

Forster wischte sich den Mund. „Da bin ich wirklich froh, dass wir noch etwas Geld gemacht haben.“

Sie hielten vor dem Ranchhaus und stiegen von den Pferden. Die junge Frau hatte die Tür offengelassen. Ein Mann von knapp dreißig Jahren kam heraus, lehnte sich gegen einen Türpfosten, schob die Hände in die Hosentaschen und sah ihnen zu, wie sie die Pferde festbanden.

„Hallo!“, grüßte Hackett und rieb sich die Hände. „Bist du John Marek?“

Der Mann schüttelte den Kopf. „Nein! Was wollt ihr?“

Forster nahm wieder den Hut ab und fächelte sich Luft zu. „Mit John Marek sprechen“, sagte er.

„Weshalb?“

Forster ließ den Hut sinken. „Wir suchen Quartier. Wir haben im Norden gehört, dass wir hier so etwas finden könnten. Für mehrere Wochen.“

„Das sind so Gerüchte“, sagte der Mann und spie gelangweilt aus.

Forster und Hackett sahen sich kurz an. „Wir können bezahlen“, erklärte Hackett. „Stimmt’s, Pinky?“

Forster nickte. „Ja! Wir können für alles bezahlen. Zeig ihm ein paar Scheine, Pinky!“

Hackett griff in die Tasche, hielt dem Mann zwei Hunderter hin und steckte sie wieder ein.

Der Mann nahm eine Hand aus der Tasche und schob den Hut in den Nacken. „Dann könnte es gehen. — Wie dicht sind sie hinter euch her?“

„Wieso?“, fragte Forster und schloss die Augen zu schmalen Schlitzen.

„Das ist für unsere Sicherheit wichtig“, erklärte der Mann. „Wenn eure Verfolger schon dort hinten in den Hügeln stecken, wäre nichts zu machen.“ Hackett winkte ab. „Wir haben sie bereits oben im Norden abgehängt. Wir sind die letzten Tage in aller Ruhe geritten. Wie die Pilger.“

„Unterkriechen wäre auch nicht das richtige Wort“, sagte Forster. „Wir wollen uns nur ein paar Wochen ausruhen. An einem sicheren Ort natürlich. Aber wir bezahlen auch das.“

„Könnt ihr zusammenrücken?“ Forster und Hackett sahen sich verständnislos an.

„Es sind schon Männer da, die sich ausruhen“, grinste der Mann.

„Das macht uns nichts aus“, erwiderte Forster.

„Well, dann seid ihr hier richtig“, sagte der Mann. „Mein Bruder wird alles mit euch besprechen.“ Er wandte sich um und rief in das Haus hinein: „John, die beiden Pinkys sind hier! Sie suchen Quartier.“

„Ich komme!“, polterte es im Haus. „Sattelt ab“, sagte der Mann. „Macht es euch hier bequem. Ich bin Jack. Johns Bruder.“

„Sehr erfreut“, sagte Hackett, lüftete den Hut und nannte ihre Namen.

 

 

2

„Hep!“, schrie Matt Jackson, der Vormann der Circle C-Ranch. Er stand in der Sonne, sah sich spähend um und lauschte gebannt. Sein Blick fiel auf das Stalltor. „Hep!“, brüllte er noch einmal, erhielt aber wiederum keine Antwort, zog sich den Hut in die Stirn und stiefelte verärgert los.

Als er den Stall betrat, sah er Hep hinten auf der Futterkiste sitzen. „He!“, rief er wütend. „Ich brülle mir da draußen die Lunge aus dem Hals, und du rührst dich nicht. Bist du endlich fertig mit dem Ausmisten? Warum meldest du dich denn nicht, wenn ich dich rufe?“

Hep sah erst auf, als er vor ihm stehenblieb. „Ich wollte, dass du zu mir hereinkommst, Matt.“

Matt Jackson sah sich um. „Ja, jetzt bin ich hier, und ich sehe nur, dass du mit dem Misten immer noch nicht fertig bist. Bei dir piept es wohl! Du hast doch nicht etwa gedacht, ich schreie mir da draußen die Lunge aus dem Hals und reite wieder weg.“

Hep stand auf und griff nach der Mistgabel. „Im Gegenteil, Matt! Es war meine Absicht, dass du hier hereinkommst. Ich stehe seit heute morgen hier drin. Warum soll ich den Gestank allein einatmen? Wenn du die Nase ordentlich vollgenommen hast, kannst du wieder gehen.“

Matt Jackson stemmte die Fäuste ein und starrte ihn wütend an.

Hep ging an ihm vorbei, betrat eine leere Box und gabelte weiter. „Ich bin in einer Zeit von Null Komma nichts fertig“, sagte er. „Es kam mir wirklich nur darauf an, dass außer mir noch jemand den Gestank einatmet.“

Matt Jackson spie angewidert aus, machte kehrt und rannte wieder hinaus.

Hep grinste zufrieden, stellte die Forke an die Trennwand und lief ihm nach: „Ich reite nachher in die Stadt, wenn mich jemand suchen sollte.“

Matt Jackson hielt ein und wirbelte herum. „Der Gestank hat dich wohl besoffen gemacht, he? Wir sind alle auf der Kälberweide, und ich brauche da draußen jeden Mann. Auf dich warte ich schon seit Stunden.“ Er ging auf sein Pferd zu, das er mitten im Hof in der Sonne hatte stehen lassen und führte es in den Schatten. „Jetzt will ich noch wissen, wo Jimmy steckt. Dem muss ich

die Flötentöne wohl auch wieder einmal beibringen.“

Hep stemmte die Fäuste ein. „Bist du fertig? Hast du mir deinen Kummer jetzt ausgeschüttet?“

Matt Jackson sah ihn verständnislos an.

„Wenn ich dich so reden höre, bist du der einzige, der den Laden hier in Schwung hält!“ brummte Hep gereizt. „Wir sind alle auf der Kälberweide! Das muss ja dort ein Gedränge sein! Im vorigen Sommer habe ich mit Jimmy die Arbeit da draußen ganz allein gemacht, und das ist ein verdammt gemütlicher Job gewesen. Ihr aber seid schon sechs oder sieben, und du schreist immer noch nach Helfern. Macht Feierabend! Setzt euch in den Schatten. Ich komme nachher mit Jimmy hinaus, und da zeigen wir euch mal, wie’s gemacht wird. Du solltest dir einen besonders hochgelegenen Platz ...“

Er schaute zur Brücke. Ein Reiter kam im gestreckten Galopp den Fahrweg entlanggeritten. Augenblicke später trommelten die Pferdehufe schon auf der Brücke.

„Jimmy!“, sagte Matt Jackson und nahm den Hut ab. „Wo kommt er her? Wo hat er sich herumgetrieben?“

„Du verlierst Zeit“, sagte Hep bissig. „Schwing dich in den Sattel und reite zurück. Jimmy und ich, wir sind in einer halben Stunde draußen.“

Jimmy Copper, der jüngste Sohn des Circle C-Ranchers, sprang vom Pferd, während das Tier noch die letzten Galoppsprünge machte, ging in die Knie und hielt es am Zügel fest, dass es ein Stück um ihn herumtanzte, bevor es zum Stehen kam.

„Wo ist mein Vater?“, rief er. „Wir müssen sofort alles stehen und liegenlassen. Banditen haben Rip O'Hagan fast neuntausend Dollar gestohlen und dabei den alten Alcoy erschlagen.“ Matt Jackson und Hep sahen ihn betroffen an.

„Der alte Alcoy!“, murmelte Matt Jackson. „Wer ist denn das?“

Jimmy führte den Pinto ans Stalltor und begann, ihn abzusatteln.

„Alcoy ist ein alter Mexikaner, der seit einigen Wochen Julie O’Hagan im Hotel zur Hand geht“, erklärte Jimmy. „Er ist in Julie O’Hagans Büro erschlagen worden. Aus einer Geldkassette fehlen achteinhalbtausend Dollar.“

„Und wer ist es gewesen?“, fragte Matt Jackson gespannt.

„Das weiß kein Mensch“, erklärte Jimmy schnaufend. „Jedenfalls nicht genau. Bisher steht nur fest, dass zwei Fremde vor dem Hotel gesehen worden sind, die jetzt keiner mehr finden kann. Rip O’Hagan ist mit ein paar Männern sofort aufgebrochen und sucht sie im Norden und Osten. Ich habe ihm versprochen, dass wir die Gegend im Westen und Süden absuchen.“

„Ich benachrichtige den Boss“, sagte Matt Jackson und wollte kehrtmachen. Doch Hep hielt ihn fest.

„Warte noch, Matt!“, sagte er. „Was sagtest du, Jimmy? Zwei Fremde? Ist das denn sicher?“

Jimmy hob den Sattel herunter und ließ ihn zu Boden gleiten. „Sicher nicht! Aber sie waren da, sind in das Hotel hineingegangen, und jetzt sind sie weg.“

„Wie sahen sie aus?“

Jimmy richtete sich auf. „Hast du zwei Fremde gesehen?“

„Vor zwei Stunden!“, antwortete Hep und berichtete von den beiden Männern, die auf die Ranch gekommen waren, die Pferde getränkt hatten und nach Sonoita wollten. „Sie waren beide sehr groß. Der eine war dick und der andere recht hager“, sagte er zum Schluss. „Aber zum Teufel, wie zwei, die einen alten Mann totschlagen können, sahen sie mir weiß Gott nicht aus.“

„Die Pferde, Hep!“, krächzte Jimmy. „Hast du dir ihre Pferde angesehen?“

Hep zuckte die Schultern. „Zwei staubbedeckte Braune“, sagte er. „Sie waren sehr durstig. Wallache! — Ja! Moment mal! Einer war wie ein Rind gebrannt. Er besaß keine Kinnmarke. Er hatte den Brand auf der Kruppe. Ein großes W im Kreis. Ja genau! Ein großes W im Kreis hinten auf der rechten Seite.“

„Verdammt! Das sind sie gewesen“, sagte Jimmy. „Wohin sind sie geritten?“

„Nach Westen!“

Nun ging Matt Jackson zu seinem Pferd und saß auf. „Die werden wir bald haben“, sagte er. „Ich rufe alle zusammen.“ Er zog das Pferd um die Hand und galoppierte aus dem Stand heraus vorwärts.

Jimmy und Hep sahen ihm nach. Eine halbe Minute später waren sie schon auf dem Weg zum Corral, da Hep die Pferde aus dem Stall getrieben hatte. Der Vormann war freilich längst nicht mehr zu sehen, als sie kurz darauf ebenfalls im gestreckten Galopp losjagten.

In der Nähe der Gebäude gab es zu viele Fährten und Spuren. Doch Hep wusste ziemlich genau den Fleck, an dem die Fremden hinter der Hügelkette verschwunden waren. Dort fanden sie deren Spuren. Bereits nach einer Viertelstunde erreichten sie die Stelle, an der die beiden nach Norden eingeschwenkt waren.

Hep hielt sofort an. „Jimmy, sieh dir das mal an!“

Jimmy hielt neben ihm und blickte zu Boden. „Der Weg nach Sonoita ist das aber nicht“, meinte er.

„Ich denke, das sieht ein Blinder!“, schimpfte Hep. „Diese Hundesöhne haben mir mit ihrer Freundlichkeit doch glatt das Fell über die Ohren gezogen. Und ich Idiot habe ihnen auch noch den Kübel aus dem Brunnen gehievt.“ Jimmy blickte auf die Fährte. „Sie haben keinen großen Vorsprung, Hep.“

„Stimmt!“, erwiderte Hep. „Wie es aussieht, sind sie direkt zu den Mareks geritten. Vielleicht wollen sie auch dort die Pferde tränken und sich nach dem Weg nach Sonoita erkundigen.“

„Sobald sie die Ranch sehen, werden sie schon einen Bogen machen“, sagte Jimmy.

Sie ritten weiter, galoppierten ein Stück und ließen die Pferde dann wieder Schritt gehen, um sie nicht zu sehr zu ermüden.

Nach einer Stunde erreichten sie den Kessel, in dem die Marek-Ranch lag. Doch die beiden Reiter hatten die Richtung nicht geändert. Jimmy und Hep beschleunigten das Tempo. Beide hofften, die Fremden auf der Marek-Ranch anzutreffen.

Als sie über den letzten Höhenkamm ritten, konnten sie sehen, dass die Spuren direkt auf die Ranch zuführten.

Vor der Ranch verlor sich die Fährte jedoch in dem von Hufen, Klauen und Wagenrädern zerfurchten Boden.

Jimmy und Hep ritten in den Hof und saßen ab. John Marek kam aus dem Haus, um sie zu begrüßen.

Die Mareks waren mit den Coppers auf freundschaftliche Weise verbunden. Waren es doch schließlich die Männer der Circle C-Ranch gewesen, die vor Jahren dafür gekämpft hatten, dass sich die Mareks in diesem Kessel niederlassen konnten.

„Nett, euch zu sehen!“, rief John Marek, als er aus dem Haus trat. „Wie geht es Buster, Tom?“

Jimmy lächelte. Er und Hep gaben dem ältesten Marek-Sohn die Hand. „Danke!“, erwiderte Jimmy. „Und wie geht es deinem Vater? Wir hörten, er sei krank.“

John Marek winkte ab. „Er rappelt sich schon wieder hoch, der Alte. — Was führt euch her, Jimmy?“

„Wir suchen zwei Männer, John, die hier bei euch Station gemacht haben könnten“, erklärte Jimmy. „Fremde — nicht aus dieser Gegend.“

John Marek verzog das Gesicht und lehnte sich auf den Haltebalken. „Fremde? Hier bei uns?“ Er lachte auf. „Hier ist seit Jahr und Tag keiner mehr vorbeigekommen.“

„Aber die Spuren führen direkt zu euch“, warf Hep ein.

John Marek zuckte die Schultern. „Vielleicht sind sie in der Nacht vorbeigeritten!“

„Nein!“, erwiderte Jimmy. „Sie können höchstens zwei Stunden Vorsprung haben.“

John Mareks Augen schlossen sich zu schmalen Strichen. „Vorsprung? Haben die Burschen etwas ausgefressen?“

„Vielleicht ja, vielleicht nein“, sagte Jimmy. „Den O’Hagans sind achteinhalbtausend Dollar gestohlen worden. Die Diebe haben dabei den Hausknecht umgebracht. Noch kann natürlich keiner behaupten, dass es die beiden Fremden gewesen sind. Aber es gibt Leute, die haben sie vor dem Hotel gesehen, auch, dass sie hineingegangen sind.“

John Marek schüttelte den Kopf. „Wir haben hier niemanden gesehen.“ Er wies über den Hof. „Ich habe die ganze Zeit da drüben gearbeitet. Vor fünf Minuten habe ich den Kram erst liegengelassen und bin ins Haus gegangen. Wieweit habt ihr die Spur denn verfolgen können?“

Hep wies nach Süden. „Da zwischen den Hügeln sind sie herausgekommen. Aber dann ist ja nichts mehr zu sehen. Der Boden ist wie umgepflügt.“

John Marek lachte. „Du wirst wohl gestatten, dass wir uns hier bewegen. — Aber das ist doch klar. Die sind da aus den Hügeln gekommen, haben die Ranch gesehen und sind abgeschwenkt.“ Er richtete sich auf und sah entschlossen von einem zum anderen. „Wenn diese Hundesöhne den Raubmord begingen, haben sie auch gut daran getan, diese Ranch zu meiden. — Wartet, ich rufe Jack! Wir reiten mit. Da will ich doch verdammt sein, wenn wir die Bastarde nicht finden.“

„Einverstanden“, erklärte Jimmy, obwohl er wusste, dass Matt Jackson mit seinem Vater und der Mannschaft bald erscheinen würde. Doch er wollte den Mareks eine Chance geben, sich in ein besseres Licht zu rücken. Morrison, der frühere Besitzer der Wagenrad-Ranch, der damals mit allen Mitteln der Gewalt verhindern wollte, dass sich die Mareks in diesem Gebiet ansiedeln, hatte bis zuletzt gegen diese Familie gehetzt und gestichelt. Die Mareks wurden in Tucson wohl geduldet, weil jedermann wusste, dass Buster Tom, der Boss der Red Rode-Ranch, für sie einstand. Doch wie in den ersten Tagen sahen die Leute in Tucson einen Marek lieber davonreiten als ankommen.

Kurz darauf verließen Jimmy und Hep mit den Marek-Brüdern die Ranch. Sie ritten nach Süden in die Hügelkette hinein, trafen dort auf Buster Tom und die Circle C-Mannschaft. Buster Tom teilte die Männer in Trupps ein. Doch am Abend musste er das Unternehmen abbrechen. Die Mareks verabschiedeten sich von den Männern der Circle C-Ranch und ritten heimwärts.

 

 

3

„Es ist dir doch klar, dass die Pinkys verschwinden müssen“, sagte John Marek zu seinem Bruder, als sie kurz nach Einbruch der Dunkelheit die Ranch erreichten und vor dem Corral absattelten.

„Diese Idioten!“, schnaufte Jack. „Sie sind imstande, uns das ganze Geschäft kaputtzumachen. Kommen hierher, suchen eine Bleibe und haben dabei einen Mann umgebracht, keine fünf Meilen von hier entfernt! Das wird noch einen mächtigen Wirbel geben. Die Spuren verschwinden genau vor unserer Ranch. Du glaubst doch nicht, dass die Coppers aufgeben. Cliff Copper, der Marshal, wird uns bestimmt als nächster einen Besuch abstatten. Die Kerle müssen weg, John.“ Er starrte seinem Bruder zwingend in die Augen. „Aber vorher sollen sie bezahlen!“

„Reg dich nicht auf“, versetzte John und schob ihn zur Seite. „Ich habe das alles schon bedacht. Lass mich nur machen! Aber sei auf der Hut, hörst du?“

„Alle müssen verschwinden!“, krächzte Jack. „Wir sind in Gefahr, John!“ John hob den Sattel auf den Balken und trieb die Pferde in den Corral. Dann ging er mit Jack zum Haus.

Ihr Vater war noch wach. Auch Marie, die mit John zusammenlebte, war aufgeblieben. Der alte Mann, der halbseitig gelähmt war, saß in dem alten Lehnstuhl und schaute seinen Söhnen missmutig entgegen. Marie stand auf und musterte sie gespannt.

„Warum hast du Vater nicht zu Bett gebracht?“, fragte John ungehalten, als er die beiden sah.

„Er wollte nicht schlafen gehen“, erwiderte Marie.

„Ich hatte euch gewarnt“, sagte der alte Mann. „Nun ist es soweit.“

„Rede nicht, Vater“, sagte John gereizt. „Nichts ist soweit. Gar nichts!“ Der alte Mann hob warnend die Hand. „Wir haben den Coppers soviel zu verdanken. Ihr aber verbündet euch mit den Schurken, die sich verkriechen müssen. Nur, weil sie euch ein bisschen Geld geben.“

„Aber das Essen, das wir mit dem Geld bezahlen, das schmeckt dir“, sagte John mitleidlos.

„Wie redest du mit deinem Vater?“, rief Marie erzürnt.

John sah sie verwundert an. Jack grinste. „He, Marie!“, gab er sich verblüfft. „In was mischst du dich ein? Hast du keine Angst, dass dir John den Koffer vor die Tür stellt?“

„Halt dein Maul!“, knurrte John gereizt. „Marie, bring ihn ins Bett! Wir sehen uns dann noch.“

Er legte Jack die Hand auf die Schulter und zog ihn mit. Sie verließen den Raum, liefen den schmalen Flur entlang und betraten das letzte Zimmer, in dem die vier Outlaws hausten. Eine Kerze brannte auf dem Tisch. Es roch nach Tabakqualm und Essen, nach Pferdeschweiß und Lederzeug. Die beiden Pinkys hockten mit den anderen um den Tisch und spielten mit ihnen Siebzehn und vier.

Die Männer unterbrachen das Spiel und sahen auf.

John und Jack traten ein. „Ihr Pinkys seid ziemliche Idioten“, erklärte Jack gereizt. „Wisst ihr, dass das ganze County hinter euch her ist?“

Die beiden lehnten sich zurück. Forster grinste breit. Hackett tat, als hätte er nicht ein Wort verstanden. Die anderen beiden blickten von einem zum anderen.

Jack streckte die Hand vor. „Ich hatte euch extra gefragt, ob ihr gesucht werdet, ob sie hinter euch her sind. Ihr müsst doch verrückt geworden sein. Wir alle sind in Gefahr.“

„Nicht einmal eure Spuren habt ihr verwischt, ihr Anfänger!“, polterte John. „Wir sind einen halben Tag mit den Leuten umhergeritten, um deren Interesse von der Ranch abzulenken. Aber ich sage euch jetzt schon, dass es ein nutzloser Versuch von uns gewesen ist. Eure Fährte endet schließlich dicht vor unserem Anwesen und ist nirgends mehr zu finden. Spätestens morgen früh haben wir den US-Marshal auf dem Hals.“

Forster sah seinen Gefährten kurz an und warf die Karten auf den Tisch. „All right, wir werden eure Gastlichkeit nicht länger in Anspruch nehmen. Wir haben zwar im voraus bezahlt. Geschenkt! Wir verschwinden.“

Die Pinkys erhoben sich.

„Halt!“, sagte John Marek und wies auf die beiden anderen. „Was wird aus Siffert und McLaud, wenn ihr verschwindet und die Burschen darauf bestehen, die Ranch zu durchsuchen? Das kann ich dem Marshal nicht verwehren, und er weiß nur, dass er zwei Fremde sucht. Sollen also Siffert und McLaud in eure Stiefel treten?“

„Also gut“, ließ sich da Siffert vernehmen. „Dann hauen McLaud und ich eben auch ab.“ McLaud nickte sofort.

John blickte eisig von einem zum anderen. „So!“, sagte er dann mit schnarrender Stimme. „Und mein Bruder und ich, wir tragen es dann aus, wie? Oder habt ihr vielleicht gedacht, dass die Pinkys von einer Herde Affen gejagt werden. die nichts als Pferdemist im Kopf haben, die sich zufriedengeben und dann wieder heim reiten, wenn sie hier die leeren Betten sehen? Von euren Spuren gar nicht zu reden. — Die sind doch nicht blind, verdammt!“

Forster lächelte kantig. „Ist das nicht euer Geschäftsrisiko, John? Als es um den Preis ging, hast du mir da nicht etwas von eurem großen Risiko vorgeleiert? Und habe ich das nicht bezahlt, verdammt noch einmal?“

„Das stimmt!“, meinte McLaud. „Wir haben doch auch draufgelegt, um euch das Risiko ein bisschen zu verzuckern. Nun ist so ein Fall eben eingetreten.“

„Was hast du bis jetzt bezahlt, McLaud?“, fragt John wütend.

„Wieso? Fünfzig Dollar!“, antwortete McLaud.

„Du, Siffert!“, schnarrte John. „Was haben dich die vier Wochen gekostet?“ Siffert zuckte die Achseln. „Aber das weißt du doch.“

„Ich habe es vergessen!“, brüllte John wütend.

„Na, ebenfalls fünfzig Dollar“, sagte Siffert. „McLaud und ich, wir besaßen nicht mehr. Aber damit bist du doch einverstanden gewesen.“

„Forster!“, rief John. „Von dir haben wir bis jetzt dreißig Dollar kassiert. Von Hackett auch! Für die nächsten zwei Wochen. — Praktisch gesehen, müssen wir Mareks jetzt für sechzig Dollar den Hals hinhalten, oder stimmt das vielleicht nicht?“

Hackett kniff ein Auge zu. „Suchst du eine Auseinandersetzung, John?“

„Du wirst uns doch nicht aufhalten wollen, John“, meinte auch Siffert. „Wenn wir bleiben und hier geschnappt werden, hängst du doch auch mit drin.“

„Ihr könnt verschwinden“, sagte John.

Forster grinste. „Sprich weiter, John!“

John nickte wild. „Ja, ich habe noch mehr zu sagen!“, bellte er und sah Siffert und McLaud an. „Wisst ihr, weshalb die Pinkys gesucht werden, he?“ Siffert und McLaud kniffen die Lider zusammen.

„Die Pinkys haben in Tucson einen alten Mann umgebracht!“, zischte John.

Die Gesichter der Pinkys verhärteten sich. Siffert zuckte die Schultern.

„Vielleicht hat sie der Alte aufhalten wollen“, meinte McLaud. „Was regst du dich auf? Das tun doch schon die anderen, denke ich.“

Die Marek-Brüder, Siffert und McLaud sahen die Pinkys an.

„Die Pinkys sind steinreich“, sagte da Jack zu Siffert und McLaud. „Sie haben in Tucson nicht nur einen alten Mann umgebracht, sondern auch noch neuntausend Dollar geraubt. Und wir, wir sitzen da jetzt alle mit drin.“

Forster starrte John in die Augen. „Ich warne dich!“

John hielt seinem Blick stand. „Neuntausend Dollar in den Taschen und andere schwitzen lassen. — Das nenne ich Manieren!“

Jack nickte. „Ja, die einen das Geld, die anderen den Strick um den Hals. Da haben wir uns vielleicht etwas aufgepackt.“

„Was wollt ihr?“, fragte Hackett. Seine Stimme rasselte förmlich.

„McLaud, was wollen wir wohl?“, fragte John, um sich zu vergewissern, auf welche Seite sich Siffert und er schlagen würden.

Doch die Pinkys ließen es nicht mehr zu einer Antwort kommen. Sie griffen beide zu den Revolvern. Ihre Fäuste zuckten hinab und schwangen mit den Waffen wieder empor.

Die Mareks waren darauf vorbereitet. Auch ihre Fäuste flogen an die Waffen. Aber sie waren den Pinkys nicht gewachsen. Nicht einmal John kam zum Schuss, obwohl er eine ganze Portion erfahrener, rücksichtsloser und härter als sein jüngerer Bruder war.

Es krachte und knallte. Die Pinkys schossen jeder einmal, und beide trafen sie John. Als sie auf Jack schießen wollten, riss dieser die Hand blitzschnell vom Eisen und ließ es zurückgleiten.

John hielt den Colt in der Faust und starrte auf die Pinkys. Aber er konnte nicht mehr schießen. Er schaute an sich hinab, blickte auf die Hemdbrust, die sich schnell rot färbte, als könnte er selbst kaum begreifen, wieso sein Colt nicht losging. Dann ließ er die Waffe fallen und brach im nächsten Augenblick tot zusammen. Er riss dabei den Tisch und einen Stuhl mit.

Forster legte auf Siffert und McLaud an, während das Dröhnen der Schüsse noch in ihren Ohren klang.

„Bist du verrückt?“, schnaufte McLaud. „Wir sind doch auf deiner Seite.“ Forster grinste säuerlich und ließ den Colt sinken. „Das wollte ich ja nur wissen. Aber hütet euch, es euch noch anders zu überlegen!“

Rufe und hastige Tritte klangen aus dem Flur ins Zimmer. Da flog die Tür schon auf. Marie verharrte voller Entsetzen auf der Schwelle.

„Ihr habt ihn umgebracht!“, schrie sie, als sie die Revolver der Pinkys auf sich gerichtet sah.

„John wollte das so!“, antwortete Hackett gelassen. „Stimmt’s, Pinky?“ Forster nickte. „Wir sind Leute, die sich höchst ungern von ihrem Eigentum trennen, Marie. Wusste er das nicht?“ Marie sah Jack an. „Jack!“, schluchzte sie auf. Dann trat sie in den Raum und sank über John Marek zusammen, der lang auf dem Bauch lag und sich nicht mehr rührte.

„John! Jack!“, dröhnte die Stimme des alten Mareks durch das Haus.

Hackett schob Jack zur Seite und ging zur Tür.

Details

Seiten
108
Jahr
2020
ISBN (eBook)
9783738947199
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v961014
Schlagworte
circle c-ranch panther-jimmy

Autor

Zurück

Titel: Circle C-Ranch #41: Panther-Jimmy