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Die Männer von Fort Ross

2020 113 Seiten

Leseprobe

Table of Contents

Die Männer von Fort Ross

Copyright

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Die Männer von Fort Ross

Western von Heinz Squarra

 

Der Umfang dieses Buchs entspricht 113 Taschenbuchseiten.

 

Lieutenant Jeff Ryan erhält den Auftrag unter dem Befehl von Captain Hutton zu reiten, um den Deserteuren nachzujagen und diese lebend nach Fort Ross zurückzubringen.

Doch der Captain hat anderes im Sinn. Er vergnügt sich mit ein paar Soldaten in der Handelsstation mit Whisky und Frauen. Der Lieutenant soll allein mit dem Sergeanten Sam Hadley und einigen Männern die Suche fortsetzen …

 

 

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books, Alfred Bekker, Alfred Bekker präsentiert, Casssiopeia-XXX-press, Alfredbooks, Uksak Sonder-Edition, Cassiopeiapress Extra Edition, Cassiopeiapress/AlfredBooks und BEKKERpublishing sind Imprints von

Alfred Bekker

© Roman by Author

© COVER STEVE MAYER

© dieser Ausgabe 2020 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

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1

Jeff Ryan blieb abrupt stehen und griff zum Revolver, als er die ausgestreckte Gestalt des Soldaten hinter dem Tor liegen sah. Zugleich bemerkte er trotz der tiefen Dunkelheit, dass das Tor einen Spalt offen stand. Er vernahm das Heulen der Wölfe draußen in der Prärie, und hörte plötzlich hinter sich ein dumpfes Knallen, als irgendwo im Fort eine Tür zugeschlagen wurde. Er blickte noch immer zu der reglosen Gestalt hinunter, die Hand auf dem Revolverkolben. Dann kniete er sich und berührte den Soldaten an der Schulter. Er rüttelte den Mann heftiger, hörte dessen Stöhnen und griff nach dem Kopf des Mannes. Als er die Feuchtigkeit an der Hand spürte, wusste er, dass es Blut war.

Jeff Ryan richtete sich auf und rief: „Wachen, hierher!“

Sein Ruf weckte ein verzerrtes Echo am Palisadenzaun. Aber es kam niemand.

„Wachen!“, schrie er. Eine Tür knarrte. Jeff Ryan blickte zu den geduckten Schatten der Unterkünfte hinüber, sah Lichter hinter einer offenen Tür aufspringen.

„Was ist los, Lieutenant?“, fragte eine barsche Stimme,

„Der Torposten ist niedergeschlagen worden, Sir!“

Die Gestalt vor dem Licht bewegte sich. Dann hob sie die Hand, und Jeff Ryan sah eine Feuerzunge in den schwarzen Himmel stechen, während das Krachen des Schusses über das Fort wehte.

„Alarm!“, schrie die schwarze Gestalt und feuerte wieder aus dem Revolver.

Türen wurden geöffnet und Gestalten stürzten ins Freie. Jeff Ryan erkannte den großen Captain erst, als der dicht vor ihm stand, obwohl er gewusst hatte, wer es war, der rief und aus dem Revolver schoss. Stimmen schrien durcheinander. Soldaten mit brennenden Lampen kamen über den freien Platz zwischen dem Palisadenzaun und den Unterkünften. Dann brüllte die tiefe Stimme des Colonels: „Was ist denn los, zum Teufel?“

„Mein Onkel“, knurrte der große Captain, als er sich umwandte. „Der hat es gar nicht gern, wenn er nachts gestört wird.“ Dann rief der Captain mit erhobener Stimme: „Der Torposten ist überfallen worden!“

Die Soldaten hatten das Tor erreicht. Lampen wurden in die Höhe gehalten.

Jeff Ryan blickte wieder zu dem Mann hinunter, der sich bewegte und die Augen öffnete. Neben dem Mann lag seine Mütze, und ein Stück entfernt sein Gewehr.

„Platz da!“, schrie der Colonel hinter den Soldaten.

Jeff Ryan kniete sich, als er sah, dass sich die Lippen des Liegenden bewegten, und er hörte ihn abgerissen sagen: „Russel und ... Blane. Er hat mich einfach ... niedergeschlagen.“

„Wo sind sie?“, fragte Jeff Ryan drängend.

Der Soldat wandte ihm das Gesicht zu, verzog es aber im Schmerz, und er murmelte einen Fluch, vielleicht, um nicht schreien zu müssen.

„Platz da!“, schrie der Colonel.

Jeff hörte das Schnaufen des Mannes, sah seine Pantoffeln und den breiten Schatten, der über den Liegenden fiel. Colonel Hutton kniete sich auf den Boden.

„Los, alles absuchen!“, kommandierte der Captain.

Licht und Schatten sprangen auf dem Boden hin und her. Jeff blickte dem fünfzigjährigen Colonel ins weißbärtige Gesicht.

„Sie hatten Pferde ... bei sich“, murmelte der Liegende abgerissen. „Pferde, Sir!“

„Sie sind desertiert“, sagte der Colonel. „Das Gold in den Bergen lockt!“ Die Augen des Mannes glitzerten im Lampenlicht wie geschliffener Stahl. „Wer war es?“

„Russel und Blane“, sagte Jeff Ryan.

„Und Bänder“, sagte der liegende Soldat. „Und noch ... noch einer, Sir ...“

Der Colonel stand auf und rief: „Erste Abteilung die Pferde satteln! Zweite Abteilung draußen Spuren suchen! Captain Hutton, Lieutenant Ryan, fertigmachen!“

Jeff Ryan richtete sich auf und zog seine blaue Uniformjacke gerade. Sein Blick fiel auf den hoch aufgewachsenen Captain, dessen mattschwarzes Haar im Lampenlicht leuchtete, und in dessen dunklen Augen ein Hauch von Resignation schimmerte.

Männer hatten das Tor aufgestoßen und hasteten hinaus.

Eine brummige Stimme meldete: „Hier ist die Spur von vier Pferden, Sir!“

Captain Gary Hutton wandte sich ab und schob sich aus dem Kreis der noch herumstehenden Soldaten. Sein Onkel, der weißbärtige Colonel, starrte Jeff Ryan an und schrie: „Worauf warten Sie noch, Lieutenant? — Die Kerle können keinen großen Vorsprung haben!“

Jeff nickte und wandte sich ab. Zehn Minuten später saß er wie die anderen Soldaten seiner Abteilung auf seinem Pferd, ritt auf das Tor zu und hielt dort.

Der niedergeschlagene Soldat war indessen aufgestanden und lehnte an der Bastion, und neben ihm stand die gedrungene Gestalt des Colonels in Pantoffeln und Unterhosen, einen langen Nachtmantel umgehängt.

Captain Hutton kam neben Jeff Ryan an und sagte: „Wir sind soweit, Onkel.“

„Du bist im Dienst, verdammt!“, zischte der Colonel.

Gary Hutton grinste und legte die Hand an den Hutrand. „In Ordnung, Sir.“

„Ich will die Kerle lebend haben, ist das klar?“, zischte der Colonel.

„Natürlich, Sir.“ Captain Hutton grinste seinen Onkel immer noch wild an. „Lebend, Lieutenant, haben Sie das gehört?“

„Ja“, entgegnete Jeff Ryan.

„Dann los!“, kommandierte der Kommandant.

Captain Hutton salutierte, dann schnalzte er mit der Zunge und ritt auf seinem großen Rappen durch das aufgeschwungene Tor. Draußen hielten schon zwei Soldaten mit brennenden Fackeln, die ihre Pferde in Bewegung setzten und auf dem Boden nach Spuren suchten. Captain Hutton lachte, als sie durch das Tor waren.

Jeff Ryan blickte ihn an. Hutton war mit seinen achtundzwanzig Jahren noch zwei Jahre jünger als er selbst, aber er war Captain, und das allein war wichtig.

Als sie sich ein Stück vom Fort entfernt hatten, sagte Captain Hutton: „Na, jetzt lernen Sie unser schönes Land ganz genau kennen, Lieutenant. Natürlich wird sich der Vorsprung der Halunken während der Nacht noch vergrößern.“

„Ich kenne dieses Land“, gab Jeff kühl zurück. „Es ist hier nicht anders als in Idaho.“

Hutton stellte sich in den Steigbügeln und schrie: „Nicht so müde da vorn! Ihr schlaft ja gleich ein!“

„Wir verlieren die Spur, wenn wir schneller reiten, Sir!“, sagte einer der beiden Reiter.

„Dann eben nicht.“ Captain Hutton blickte über die Schulter. „Sergeant Hadley!“

„Sir?“

„Kommen Sie her!“

Jeff sah den fünfundvierzigjährigen Sergeanten neben sich auftauchen. Sam Hadley war von kleiner, breiter Gestalt, hatte ein lederhäutiges Gesicht voller Falten und Runzeln und graues Haar, das überall unter seiner Mütze hervorquoll. Die beiden goldenen Winkel an seiner blauen Jacke funkelten im Licht der Fackeln.

„Sir?“, fragte der Sergeant.

Hutton leckte sich über die schmalen Lippen.

„Ich habe Durst, Sergeant!“

„Ich habe nichts. Es sei denn, Sie sind mit Wasser zufrieden, Sir.“

Captain Gary Huttons Gesicht verfinsterte sich.

„Was? — Haben Sie vergessen, was ich Ihnen aufgetragen habe, für jeden Ritt zu besorgen?“

„Nein, Sir. Aber es ging alles zu schnell. Und den Wirt wollte ich auch nicht munter machen. In Ihrer Unterkunft war kein Whisky. Ich habe nachgesehen.“

„Sie sind ein Scheißkerl, Hadley!“ zischte der Captain.

„Ja, Sir.“ Hadley tippte an den Schirm seiner Mütze.

„Verschwinden Sie, Mann!“

Hadley hielt sein Pferd an.

„Gefällt Ihnen was nicht, Lieutenant?“

Jeff schaute den Mann neben sich an.

„Wie kommen Sie denn darauf, Mister Hutton?“

„Sie machen so ein saures Gesicht, Lieutenant. Ist es was Neues für Sie, dass Soldaten unterwegs Whisky trinken?“

„Ja, Captain.“

„Ich fürchte, Sie werden sich bei uns noch an manches gewöhnen müssen!“

„Das fürchte ich auch, Mister Hutton.“

 

 

2

Als das Morgengrauen über die Prärie kroch, hielten sie an einem Creek, an dem die Pferde getränkt wurden. Ein alter Soldat verteilte Zwieback und fragte den Captain, ob Kaffee gekocht werden sollte. Hutton schüttelte den Kopf, während er knurrte: „Könnt ihr denn vom Kaffee leben, ihr Narren?“

Der alte Soldat ging schweigend weiter.

Jeff Ryan blickte nach Westen, wo die grauen Felsen der Bighorn Mountains langsam deutlicher wurden. Dort, wo die Höhenzüge bewaldet waren, bildeten sich dunstige Nebelfelder, die schnell tiefer ins Tal fielen.

Zwei Soldaten kamen von der anderen Seite durch den nur drei Zoll tiefen Creek.

„Und?“, rief der Captain ihnen entgegen.

„Ungefähr drei Stunden Vorsprung, Sir!“, meldete der eine. „Sie reiten immer noch nach Süden. Wahrscheinlich wollen sie versuchen, in Hickmans Station frische Pferde zu bekommen.“

Jeff Ryan ging zu den Pferden und strich seinem Palomino durch das nasse Fell. Hinter dem nächsten Tier standen ein paar Soldaten, und Jeff hörte einen von ihnen sagen: „Ist es ein Wunder, Ol? Das Gold in den Bergen lockt, ist doch ganz klar.“

Jeff Ryan lehnte sich gegen das Fell seines Pferdes und blickte zu den sich bewegenden Mützen der Soldaten hinüber, die er sehen konnte.

„Natürlich ist es kein Wunder“, sagte eine brummige Stimme. „Denkst du, mich lockt das Gold nicht? Russel und Blane haben öfter darüber gesprochen. Blane sagte mal, wenn man die Wache hat, wäre es ganz einfach. Es müssten sich nur alle einig sein.“

„Einer war jedenfalls dagegen“, knurrte die Stimme, die vorher zu hören gewesen war. „Würdest du es denn auch versuchen?“

„Ich habe zu viel Angst. Aber locken kann mich das Gold auch. Dich nicht?“

„Ich will nicht darüber reden.“

„Lieutenant?“, schrie Captain Hutton.

Jeff sah eine der Mützen höher wandern, dann blickte das Gesicht eines Soldaten über den Sattel des Pferdes, und Jeff Ryan bemerkte das Erschrecken in den Augen des Mannes. Er wandte sich ab, schob die Pferde auseinander und blickte zu dem Captain hinüber, der fünfzig Yards entfernt am Creek stand.

„Verdammt, der neue Lieutenant“, sagte eine flüsternde Stimme.

Jeff ging auf den Captain zu.

„Geben Sie den Befehl zum Aufsitzen!“, kommandierte der Captain. „Wir wollen keine Zeit verlieren.“

Jeff nickte und rief: „Abteilung aufsitzen!“

Ein paar Minuten später waren sie wieder unterwegs. Der Creek blieb hinter ihnen zurück. Deutlich sahen sie die Spuren der vier Pferde im Büffelgras, denen sie nun schnell folgen konnten.

Nach einer Stunde hob der Captain die Hand. Sie hielten wieder an. Hutton winkte einem Mann. Der stieg ab, untersuchte die Spur und meldete: „Zwei bis drei Stunden, Sir! Ist hier nicht so genau festzustellen.“

„Weiter!“, kommandierte der Captain. Das Land vor ihnen wurde wellig. Dichte Buschgruppen und Bäume tauchten auf, aber nach wie vor konnten sie der Spur gut folgen. Die Pferde wurden bald langsamer. Ein paar der Tiere schwankten schon, und Hadley rief: „Wenn wir die Handelsstation ohne Rast erreichen wollen, müssen wir langsamer reiten, Sir!“

Hutton fluchte, schien aber nicht daran zu denken, eine langsamere Gangart anzuschlagen. Aber schon nach ein paar Minuten blieben die ersten Soldaten zurück.

„Aufschließen!“, schrie Captain Hutton und winkte. „Los, aufschließen!“

Die Männer trieben die Pferde mit Schlägen und Zurufen an. Unwillig schnaubten die Tiere. Inzwischen war die Sonne aufgegangen und die Sommerhitze nahm ständig zu. Hutton schickte einen Reiter voraus, ließ die anderen absitzen und die Pferde ein Stück führen. Als sie den Vorausreiter einholten, kniete der am Boden und untersuchte die Eindrücke. Hutton blieb stehen und blickte abwartend auf den Mann. Der Soldat stand auf.

„Vielleicht knapp zwei Stunden, Sir.“

„Aufsitzen!“, kommandierte Hutton. „Dort hinter dem Hügel liegt die Station. Dort machen wir Rast.“

 

 

3

Vor dem geduckten, breiten Stationshaus, das aus Stämmen errichtet war, standen drei gesattelte Pferde.

Captain Hutton hielt an und hob die Hand. Die anderen hielten ebenfalls.

Staub wehte gegen das Stationshaus und über das flache Dach hinweg. Das helle, perlende Lachen eines Mädchens schallte heraus, und Hutton stellte sich in den Steigbügeln. Dann war raues Männerlachen zu hören. Andere Mädchen lachten ebenfalls. Ein Mann schrie: „Habt ihr noch nicht genug bekommen? Jetzt sind wir erst mal an der Reihe! Los, Vera, du fängst an!“

Wieder war das perlende Lachen zu hören, das in ein Kreischen überging, dann aber abermals zu einem Lachen wurde.

Hutton war mit einem Satz aus dem Sattel, sprang zu der kurzen Veranda hinauf und stieß die Schwingtür auf, die hinter einem offen stehenden, massiven Tor lag.

Das wilde Lachen der Männer wurde leiser und ebbte ganz ab. Dann rief die Mädchenstimme: „Gary! Was machst du denn hier?“

„Los, absitzen!“, brummte Hadley. „Das verschafft den Pferden wirklich eine längere Pause. Reibt die Tiere ab!“

Jeff Ryan stieg aus dem Sattel und lockerte den breiten Sattelgurt. Als er vor den Palomino trat, stand Hadley vor ihm und sagte: „Hier kann es Tage dauern, wenn es dem Captain nicht sehr wichtig ist. Mal sehen, wie wichtig ihm die Deserteure sind.“

Jeff blickte weiter und sah die scharfen Blicke einiger Soldaten, die ihm galten. Einer der Männer war derjenige, der am Creek über den Sattel geblickt hatte.

„Hallo, Vera!“, rief Hutton in der Station. „Was wollt ihr Tagediebe denn hier, he? — Lasst das Mädchen los! Na, hört ihr nicht!“

„Wird bestimmt heiter“, knurrte der alte Sergeant, nahm die Mütze ab und wischte sich mit dem verstaubten Uniformärmel über die Stirn. „Dann wollen wir mal gehen, Lieutenant, was?“

Jeff wandte sich um und ging auf das Haus zu.

„Hört ihr nicht?“, fragte Hutton in der Station.

Dann war Jeff Ryan an der Schwingtür und sah Huttons große Gestalt dahinter. Er schob die Schwingflügel auf und ging hinein. Am Knarren der Bodenbretter hörte er, dass Hadley ihm folgte.

Jeff ging zur Seite, sah eine lange Theke, an der zwei bleiche Mädchen standen, die dünne Flitterkleider trugen, hellblond gefärbte Haare hatten und große Gläser in den Händen hielten. Neben der Theke war ein breiter Gang. Auf der anderen Seite standen Tische. Auf einem davon war das dritte Mädchen zu sehen. Es war von schlanker Gestalt, trug ebenfalls ein dünnes Flitterkleid und hatte das lange Haar rot gefärbt. Der grell geschminkte Mund des Mädchens bewegte sich, und das Lächeln seiner Augen schien Hutton zu gelten.

Zwischen den Tischen und der rückwärtigen Wand standen drei abgerissene Männer, in deren Kleidern der graue Alkalistaub aus den Bighorn Mountains hing. Sie hatten vom Schweiß durchtränkte Hüte auf den Köpfen, raue, stoppelbärtige Gesichter, und aus ihren Augen leuchtete die Trunkenheit.

„Was wollt ihr denn hier?“, zischte einer von ihnen. „Wir haben für die Mädchen bezahlt, verstanden? — Sie gehören uns!“

„Verschwindet!“, sagte Hutton, ging zur Theke, schob die beiden Mädchen auseinander und winkte dem Mann, der hinter dem Tresen stand.

Ben Hickman war ein kleiner, unscheinbarer Mann, an dem nichts weiter als seine spiegelnde Glatze auffiel.

„Whisky!“, sagte Hutton und winkte mit dem Finger, ohne den langen Handschuh auszuziehen. „Willst du nicht herunterkommen, Vera?“

„Ich freue mich, dass du mal wieder vorbeikommst, Gary“, sagte das Mädchen auf dem Tisch unsicher.

„Nun komm schon herunter! Oder soll ich dich holen?“

Das Mädchen lächelte und legte den Kopf schief.

„Tu es, Gary!“

Hutton war mit zwei Schritten am Tisch, nahm das Mädchen bei den Hüften und hob es vom Tisch herunter.

Vera Segal lachte schrill und legte die weißen Arme um Huttons Hals, und als er sie auf den Boden stellte, küsste sie ihn und rief: „Ich freue mich, Gary! — Kinder, das gibt ein Fest!“

„Verdammt, die Mädchen gehören uns!“, schrie einer der Männer und wollte auf Hutton zu. Aber der hatte das Mädchen schon losgelassen und warf dem Mann einen Stuhl entgegen. Der Goldsucher stürzte darüber und rollte über den Boden. Die Mädchen an der Theke grinsten hinterhältig. Vera Segal lachte schrill.

„Los, verschwindet!“, kommandierte Hutton. „Jetzt sind wir da.“

„Die Mädchen gehören uns!“, protestierte ein anderer, während der am Tisch aufstand.

„Sergeant, unsere Leute sollen hereinkommen!“, befahl der Captain.

„Ja, Sir.“

Jeff sah das verzogene Gesicht des alten Sergeanten. Hadley zuckte noch die Schultern, als er sich umwandte und zur Tür zurückging.

„Kommt alle herein!“

Die Goldsucher bewegten sich nicht. Der Mann, der gestürzt war, rieb sich mit dem Handrücken über den Mund. Dann sagte er: „Wir haben seit Mitternacht für sie bezahlt. Sie gehören heute uns!“

„Verschwindet“, murmelte Hutton gepresst. „Hickman, sag ihnen, sie sollen verschwinden!“

„Es ist besser, ihr geht jetzt“, sagte der Stationer und zuckte, wie vorher Hadley, die Schultern.

„Sag ihm, wieviel wir bezahlt haben!“, schrie einer der Goldsucher.

„Sie haben Goldstaub für fünfzig Dollar gegeben“, meinte Hickman kleinlaut.

Die Soldaten kamen herein. Hutton blickte auf die Männer, dann grinste er die Goldsucher an.

„Für fünfzig Dollar könnt ihr euren Spaß verlangen, das ist klar. — Na los, Leute!“

Jeff sah, wie die Soldaten von der Tür näher kamen. Ein paar schoben die Ärmel in die Höhe, aber der steife, verstaubte Stoff rutschte wieder herunter. Hadley ging mit den Männern und schob den Tisch zur Seite, auf dem das Mädchen gestanden hatte. Die Goldsucher gingen rückwärts und stießen gegen den nächsten Tisch.

Hutton lachte böse.

„Na los, damit sie zu ihrem Spaß kommen!“

Ein paar Soldaten sprangen vorwärts, und Jeff sah Fäuste durch die Luft wirbeln, hörte das Hallen der Schläge und die Flüche der Goldsucher. Einer der Männer wurde aus dem Kreis der Soldaten geschleudert. Kreischend flohen die Mädchen von der Theke weg. Der Goldsucher taumelte rückwärts gegen Hutton, der ihn packte, herumwirbelte und ihm die Faust mitten ins Gesicht schlug, dass es knallte. Zugleich ließ der Captain den Mann los. Der Goldsucher flog rückwärts über den Tisch und krachte auf den Boden.

„Los, helft ihm!“, schrie Hutton.

Zwei Soldaten zerrten den Goldsucher auf die Füße und transportierten ihn unter Schlägen bis zur Tür. Dann warfen sie ihn hinaus.

Indessen war der zweite Mann aus dem Kreis der Soldaten geflogen. Aber ein paar Soldaten hoben ihn auf und schleppten ihn ebenfalls zur Tür, wo er wie der andere hinausgeworfen wurde.

Der dritte war ein herkulischer Mann, dessen ganzes Gesicht ein schwarzer Stoppelbart bedeckte. Er schlug wie besessen um sich. Zwei Soldaten lagen schon auf dem Boden, und ein dritter wurde eben von einem hallenden Kinnhaken getroffen, rannte ein Stück rückwärts und fiel mit solcher Wucht auf einen Stuhl, dass der unter ihm zerbarst und der Soldat mit den Trümmern auf dem Boden landete.

Die Soldaten hingen sich an die Arme des Mannes. Andere schlugen auf ihn ein. Er wehrte sich verzweifelt, bekam aber die Hände nicht mehr frei, stolperte schließlich und stürzte.

„Werft ihn hinaus!“, kommandierte Hutton barsch.

Sie zerrten den Mann durch die Station und hinaus. Hutton folgte seinen Leuten bis zur Tür, deren Flügel er anhielt. Er stützte die Arme darauf und sagte: „Lasst euch hier nicht mehr sehen! Verstanden? — Los, helft ihnen auf die Pferde!“

Hutton kam zurück. Er grinste überlegen und selbstsicher, griff nach Vera, die wieder vor die Theke kam, zog sie an sich und küsste sie.

„Kinder, jetzt wird gefeiert!“, rief Vera.

„Los, Whisky!“, schrie Hutton und schlug mit der Faust auf die Theke, dass Gläser und Flaschen klirrten und zu tanzen begannen. Draußen wieherten Pferde, dann schallte Hufschlag in die Station herein. Die Reiter waren flüchtig vor einem Fenster zu sehen.

Hadley kam herein und salutierte. „Befehl ausgeführt, Sir!“

„Los, Hadley, nehmen Sie sich ein Mädchen, wenn Sie wollen. Ryan, Ihnen gehört auch eins!“

Jeff bewegte sich nicht.

Hutton riss dem Stationer die Flasche aus der Hand, weil es ihm anscheinend nicht schnell genug ging. Er setzte die Flasche an die Lippen und trank, und die Mädchen lachten begeistert. Dann kam eines der Geschöpfe um Hutton und Hadley herum und blieb mit einem Lächeln vor Jeff stehen. Das Mädchen hatte schwarze Augen und hochgeschwungene Brauen, die aber nur aus einem dicken Farbstrich bestanden.

„Hallo, Lieutenant!“, sagte das Mädchen. „Heute blüht ja das Geschäft. Bleiben Sie lange?“

„Kaum, Miss.“

„Ich bin Rose, Lieutenant. Und Sie?“

„Jeff.“

„Los, trinkt!“, rief der Captain und schob die inzwischen gefüllten Gläser auseinander. Dann zog er die Handschuhe von den Fingern und stopfte sie hinter den Gürtel. Die Mädchen lachten und griffen nach den Gläsern, und sie tranken den scharfen Schnaps, als wäre es Wasser.

Hutton schob die Flaschen auseinander.

„Wieviel steht denn von den Goldsuchern noch, Hickman?“ Das Gesicht des Stationers verzog sich. „Na, lassen wir das“, beruhigte Hutton ihn. „Das hier bezahle ich! — Los, schenkt euch selbst ein. Prost! — He, Lieutenant, wie gefällt Ihnen das?“

„Ich erkenne Sie nicht wieder, Captain!“, sagte Jeff Ryan.

Hutton lachte nur polternd. Ein paar Soldaten kamen wieder herein. Hadley warf ihnen zwei Flaschen zu, und einer der Männer schlug den Flaschenhals einfach an einer Tischkante ab.

 

 

4

Das wilde Lachen schallte aus dem Haus. Die Mädchen kreischten schrill. Hutton brüllte etwas, aber Jeff Ryan, der am Corral neben dem Haus stand, verstand ihn nicht. Er blickte auf die Sonne, die sich schon beträchtlich nach Westen zu neigen begann.

Als der Sand hinter ihm knirschte, blickte Jeff Ryan über die Schulter und sah den alten Sergeanten auf sich zu kommen. Er blickte wieder in den Corral hinein. Hadley lehnte sich neben ihn.

„Jetzt hat er Hickman endlich nach den Deserteuren gefragt, Sir.“

„So?“

„Ja. Sie waren hier und haben erzählt, sie wären hinter einer kleinen Indianerbande her. Hickman hat ihnen Pferde gegeben.“

„Aha.“

„Lange sollen sie sich nicht aufgehalten haben.“ Hadley zog eine Maiskolbenpfeife aus der Tasche und begann sie umständlich zu stopfen. „Fünf bis sechs Stunden dürfte ihr Vorsprung jetzt betragen.“

In der Station begannen ein paar Männer ein Lied zu grölen.

„Waren Sie schon oft hier, Sergeant?“

„Ja, oft, Sir. Wenn Hutton — entschuldigen Sie —, wenn der Captain dabei war, hat es mitunter Tage gedauert.“

„Und was hat er dann seinem Onkel erzählt?“

Jeff blickte den alten Mann an, der sich die Pfeife in den Mund geschoben hatte. Hadley nahm die Pfeife wieder in die Hand und machte eine sinnlose Bewegung damit.

„Er hat von Indianern und Verfolgung erzählt, Sir. — Hier draußen zählen die einzelnen Tage kaum. — Es ist der Whisky. Ein Mann kann zum Sklaven des Whiskys werden. Der Colonel muss nicht daran gedacht haben, als er seinen Neffen mitschickte, Sir.“

„Wieso? Weiß er denn davon?“

„Von den Gelagen hier weiß er nichts. Aber von dem Whisky, das weiß er schon.“

„Es macht Spaß, was?“

„Die Männer haben Abwechslung bitter nötig, Sir, falls Sie das meinen. Die Goldsucher in den Bergen taugen doch nichts. Ihretwegen haben wir doch andauernd Ärger mit den Indianern.“

„Aber als Soldat schlägt man sich doch nicht, Sergeant!“

Hadley grinste dünn, schob die Maiskolbenpfeife wieder in den Mund und rieb am nächsten Pickettpfahl ein Schwefelholz an. Er hielt die kleine Flamme auf den Tabak und paffte blaue Wolken in den Corral hinein, in dem die Pferde standen.

„Oder?“, fragte Jeff Ryan.

„Wir machen, was der Captain will, wenn er dabei ist, Sir. Und wer etwas anderes tut, ist ein Narr.“

„Ist der Colonel seinem Neffen sehr zugetan?“

Hadley zuckte die Schultern.

„Der Captain ist sein Neffe. Genügt das nicht? — Ob er ihm besonders zugetan ist oder nicht, recht bekommt gegen den Captain ganz sicher keiner. Ein Soldat muss auch tun, was sein Offizier ihm befiehlt, Lieutenant.“

„Kommen wir heute noch hier fort?“

„Keine Ahnung, Sir. — Wollen Sie meinen Rat hören? — Versuchen Sie nicht, sich selbst ein Bein zu stellen! Der Captain führt unser Kommando und wird dem Colonel erklären, warum er der Deserteure nicht habhaft werden konnte. Und wenn der Colonel Sie dann noch etwas fragt, brauchen Sie nur zu sagen, so wie der Captain sagt, wäre es gewesen. Ganz einfach, Sir.“

„Sie sind froh, wenn die vier Männer entkommen, nicht wahr?“

Hadley nahm die Pfeife aus dem Mund, stellte sich gerade und starrte Jeff Ryan an.

„Wie kommen Sie denn darauf?“

„Stimmt es etwa nicht?“

„Ich tue meine Pflicht, Sir!“

„Sie wünschen den vier Männern trotzdem, dass sie entkommen, Sergeant, jeder wünscht das. Und vielleicht feiert man deswegen diesmal kräftiger mit.“

Hadley grinste.

„Die Soldaten feiern immer mit, Sir. Es klappt selten genug. Und sie führen nur den Befehl des Captains aus.“ Der Sergeant schob die Pfeife wieder in den Mund und lehnte sich auf das Gatter. „Es wird im Fort zu viel von dem Gold in den Bergen geredet. Und zu wenig von den Toten, die man immer wieder findet. Es sollen Männer, die nach Osten fuhren, steinreich aus den Bergen gekommen sein. Das ist es, Sir. Jeder denkt, ausgerechnet er könnte auch solches Glück haben.“

Jeff Ryan blickte wieder auf die Sonne.

„Warum sind die Männer nach Süden, wenn sie Cold suchen wollen? Sie hätten doch nach Westen reiten müssen.“

„Die wollen erst mal ihre Spur verwischen. Sir. Nicht hier. Weiter unten im Süden. Dann reiten sie durch die Berge zurück und tauchen in irgendeinem Camp unter. Die Armee hat in den Bergen nichts zu suchen. Aber wären die Männer direkt in die Bighorn Mountains geritten, wären sie doch verfolgt worden.“

„Ja, ich verstehe.“ Jeff wandte sich ab, ging an Hadley vorbei und auf das Stationshaus zu. Der Krach hatte noch zugenommen. Als Jeff die Schwingtür erreichte, sah er Hutton an der Theke, der in dem einen Arm Rose hielt und im anderen Vera. Die beiden Mädchen lachten und schwenkten die Schnapsflaschen, die sie in den Händen hatten.

Jeff schob die Schwingflügel auseinander und ging hinein. Ein paar Soldaten saßen trinkend an den Tischen, andere schliefen. Leere Flaschen standen herum, und Jeff fragte sich, wie Hutton das bezahlen wollte. Aber da fiel ihm ein, dass ein anderer Offizier ihm vor Tagen schon erzählt hatte, dass die Huttons alles andere als arme Leute waren. Vielleicht hielten Onkel und Neffe auch deswegen zusammen, obschon ihre Dienstauffassung grundverschieden war.

„Hallo, Jeff!“, rief Rose, machte sich von Hutton frei und kam mit unsicheren Schritten und einem schrillen Lachen auf Ryan zu.

Rose ließ die halb volle Schnapsflasche unterwegs fallen, breitete beide Arme aus und ließ sich gegen Jeff Ryan fallen. Er musste sie auffangen, wollte er sie nicht zu Boden stürzen lassen. Aber er stellte sie wieder auf die Füße und ließ sie los. Ihr Lachen brach ab.

„Reißen Sie sich zusammen!“, sagte Jeff schroff.

„Hast du was gegen mich, Jeff? Ich kann ... kann sehr nett sein. Wirklich, das ... das kannst du mir glauben!“ Sie strich ihm mit der Hand am Kinn entlang. „Und mir gefallen so große blonde Männer! ... Gary hat zu Vera schon gesagt, ihr würdet die Nacht über bleiben.“ Rose lächelte ihn lockend an und schien auf einmal nicht mehr so betrunken zu sein. „Er hat sie gefragt, ob sie noch Platz in ihrem Bett hätte. Und Vera sagte zu ihm, das wüsste er doch.“ Rose lachte schallend. „In meinem Bett ist auch noch Platz, Jeff!“

Jeff Ryan stieß das Mädchen so hart zur Seite, dass es auf einen Stuhl fiel und aufschrie. Ein paar Soldaten hoben träge die Köpfe, senkten sie aber wieder.

Hutton riss Vera die Flasche aus der Hand und trank sie auf einen Zug aus. Danach schluckte er, lachte wild und warf die Flasche an die Wand. Die Flasche zerschellte. Scherben spritzten durch den Stationsraum. Die Soldaten zogen die Köpfe ein, und der Stationer duckte sich hinter der Theke. Vera Segal lachte, als würde sie das besonders schön finden.

„Noch mehr Whisky!“, schrie Hutton, die eine Hand über den Kopf gehoben. Er wandte sich dabei um, schien Jeff Ryan jetzt erst zu sehen, blieb stehen und ließ die Hand sinken.

Jeff sah in den schwarzen Augen des Captains die Trunkenheit, und er wunderte sich, dass Hutton trotzdem noch so sicher auf den Füßen stand.

„Lieutenant, Sie werden die Kerle jetzt verfolgen und hierher zurückholen!“, stieß Hutton gepresst hervor. „Verstanden?“ Jeff blickte den Mann nur an. „Ob Sie verstanden haben?“, zischte Hutton. „Sie nehmen alle Leute und reiten sofort los! — Halt, zwei Mann bleiben zu meiner persönlichen Verfügung! Los, ihr Mädchen, sucht euch zwei Burschen aus!“ Hutton lachte wieder, machte den einen Schritt bis zur Theke und schlug, noch immer lachend, mit beiden Fäusten auf die Platte. Jeff wusste nicht, woher Hadley so plötzlich gekommen war, aber der alte Sergeant stand auf einmal neben ihm und flüsterte: „Tun Sie, was er sagt, sonst geht ein Mordszirkus los, Sir! Er lässt Sie von mir glatt wegen Befehlsverweigerung verhaften.“

„Und Sie würden mich verhaften?“, fragte Jeff Ryan, während Hutton wieder auf die Theke schlug und nach Whisky schrie.

„Natürlich, Sir. Ich führe jeden Befehl aus. Mit fünfundvierzig versucht keiner mehr, schlauer als ein Captain zu sein.“

Der Stationer stellte drei volle Flaschen auf die Theke. Hutton nahm zwei davon.

„Auffangen!“, schrie er und warf die Flaschen hinter sich.

Die Soldaten waren aufgesprungen, aber es war zu spät. Beide Flaschen landeten auf dem Boden. Die eine zerschellte, und um die Scherben breitete sich eine Schnapslache aus. Die andere blieb unbeschädigt, rollte bis an die Wand und wurde dort aufgehoben.

„Für unterwegs!“, rief Hutton und wandte Jeff das Gesicht zu. „Ist noch etwas?“

„Nein, Mister Hutton“, erwiderte Jeff. Hutton grinste ihn dreckig an.

„Rose, habt ihr euch zwei ausgesucht? Los, schneller!“

„Mir gefallen so große, blonde Männer, Gary!“, rief Rose. „Solche wie der Lieutenant. Können es die anderen denn nicht allein machen?“

„Ausgeschlossen, Rose! Der Lieutenant ist ein tüchtiger Offizier und außerdem ehrgeizig. Schließlich will er mal befördert werden. Wenn man mit dreißig noch immer Lieutenant ist, muss man sich beeilen. — Du musst dir einen anderen aussuchen. — Wie ist es denn mit dem da?“ Hutton zeigte auf einen jungen Soldaten, der höchstens dreiundzwanzig sein konnte. Der Mann stand hinter dem Tisch auf und grinste unsicher.

„Er ist nicht blond“, meinte Rose.

„Dann färbst du ihm das Haar. Wie das gemacht wird, weißt du ja.“

Die beiden anderen Mädchen lachten kreischend. Hutton stimmte polternd ein und schlug sich auf die Oberschenkel. Das andere Mädchen schob sich in den Vordergrund und rief: „Ich will Jolan, Gary!“

„Jolan, nehmen Sie Haltung an!“, kommandierte Hutton, der wieder gerade stand. Ein zweiter Soldat stand auf und salutierte grinsend. „Sie halten sich zu Coras Verfügung, Jolan!“

„Zu Befehl, Sir!“

„Los, Lieutenant!“, knurrte Hadley. „Machen wir, dass wir fortkommen!“ Er schob sich vor Jeff und rief: „Wir reiten jetzt, Männer!“

Jeff wandte sich ab und ging hinaus.

„Aber ich will keinen gefärbten Jungen!“, rief Rose in der Station. „Ich will einen blonden! Und so einen großen, wie der Lieutenant einer ist, Gary!“

„Du nimmst, was du bekommst! Verstanden?“

Jeff erreichte den Corral und blickte auf die Pferde. Es dauerte noch eine Weile, bis die anderen kamen. Jeff erkannte an ihren mürrischen Gesichtern, dass sie lieber hiergeblieben wären. Er hob die Fenz aus und ging in den Corral hinein.

„Verdammter Dreck!“, schimpfte hinter ihm ein Mann. „Konnte ich nicht den angemalten Puten gefallen?“

„Du hättest vor zwanzig Jahren hier sein müssen, Ol.“

Ein paar der Soldaten lachten.

Details

Seiten
113
Jahr
2020
ISBN (eBook)
9783738946994
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v956345
Schlagworte
männer fort ross

Autor

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Titel: Die Männer von Fort Ross