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Ein Mädchen wie ein Hurrikan: N.Y.D. – New York Detectives

2020 100 Seiten

Zusammenfassung


„Finden Sie meinen Sohn. Ich mache mir Sorgen um ihn.“ Das hatte Hank Penrose zu Bount Reiniger gesagt, und der Privatdetektiv hatte den Auftrag angenommen. Es dauert auch nicht lange, bis er eine Spur hat. Es hat einen Toten gegeben und Roy Penrose ist, das glaubt Bount jedenfalls, mit Smaragden im Wert von vier Millionen Dollar in Kairo. Steine die nicht Roy, sondern dem Toten gehörten.

Leseprobe

Table of Contents

Ein Mädchen wie ein Hurrikan: N.Y.D. – New York Detectives

Copyright

Die Hauptpersonen des Romans:

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Ein Mädchen wie ein Hurrikan: N.Y.D. – New York Detectives

Krimi von A. F. Morland

 

Der Umfang dieses Buchs entspricht 100 Taschenbuchseiten.

 

„Finden Sie meinen Sohn. Ich mache mir Sorgen um ihn.“ Das hatte Hank Penrose zu Bount Reiniger gesagt, und der Privatdetektiv hatte den Auftrag angenommen. Es dauert auch nicht lange, bis er eine Spur hat. Es hat einen Toten gegeben und Roy Penrose ist, das glaubt Bount jedenfalls, mit Smaragden im Wert von vier Millionen Dollar in Kairo. Steine die nicht Roy, sondern dem Toten gehörten.

 

 

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books, Alfred Bekker, Alfred Bekker präsentiert, Casssiopeia-XXX-press, Alfredbooks, Uksak Sonder-Edition, Cassiopeiapress Extra Edition, Cassiopeiapress/AlfredBooks und BEKKERpublishing sind Imprints von

Alfred Bekker

© Roman by Author

© Cover STEVE MAYER

© dieser Ausgabe 2020 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

Alle Rechte vorbehalten.

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Die Hauptpersonen des Romans:

Brenda Travers - Das hübsche Mädchen begreift sehr schnell, dass Bount Reiniger und sie die gleichen Ziele verfolgen.

Roy Penrose - Er will durch Mord ein Geschäft tätigen, das ihn ein für allemal saniert.

Suria Khang - Sie gehört zum Geheimdienst und versucht im trüben zu fischen.

Timothy Freeman - Er wirkt wie Mister Saubermann, knüpft aber seine Fäden überall dort, wo er einen leichten Gewinn vermutet.

June March - ist Bounts Assistentin und hilft ihm bei seinen Fällen.

Bount Reiniger - ist Privatdetektiv.

 

 

1

„Wie war das?“, fragte Jordan Fee perplex. Er glaubte, sich verhört zu haben. „Sag das noch mal.“

„Du sollst mir die Smaragde geben“, wiederholte Roy Penrose kalt.

Fee lachte blechern. „Aber sonst bist du gesund, wie? Smaragde im Wert von rund vier Millionen Dollar, die möchtest du so mir nichts, dir nichts haben.“

„Nicht so mir nichts, dir nichts, Jordan.“

„Sag mal, soll das ein Scherz sein? Oder hast du einen Sprung in der Schüssel?“, fragte der Edelsteinhändler ärgerlich.

Roy Penrose war sein Freund. Sie gingen häufig zusammen aus. Gute Gesellschafter waren sie, mit beachtlichen Erfolgen beim weiblichen Geschlecht. Sie sahen beide nicht übel aus, und da sie nicht schwach bei Kasse waren, imponierten sie den Mädchen.

Penrose nannte sich Geschäftsmann. Er handelte mit allem und jedem. Dass seine Geschäfte nicht immer sauber waren, störte Jordan Fee nicht. Erstens wusste er nichts davon, zweitens ging es ihn nichts an und drittens bewegte er sich selbst hin und wieder auf dem schmalen Grat der Seriosität, den er ab und zu, wenn es sich lohnte, sogar ohne Gewissensbisse überschritt.

Folglich hätte Jordan Fee dem Freund diesbezüglich nichts vorwerfen können. Wer im Glashaus

sitzt...

Geschäfte tätigte Roy Penrose mit Waren aller Art. Dass sich das auch auf Smaragde bezog, war Jordan Fee allerdings neu. Zum ersten Mal fragte er sich, wie gut er seinen Freund eigentlich kannte. Brachte er Roy bisher nicht zu viel Vertrauen entgegen?

Er hatte heute eine große, prachtvolle Smaragdlieferung aus Lateinamerika erhalten.

Nach Arbeitsschluss, als alle seine Angestellten gegangen waren, hatte er den Koffer mit den Smaragden noch einmal aus dem klotzigen Safe geholt, um sie sich in aller Ruhe anzusehen und sich an ihrem grünen Feuer zu ergötzen.

Obwohl er laufend mit kostbaren Edelsteinen zu tun hatte, genoss er es immer wieder, sie zwischen seinen Fingern zu halten und zu betrachten. Eine gewisse Ehrfurcht erfüllte ihn dann immer vor den Dingen, die die Künstlerin Natur hervorgebracht und der Mensch mit dem richtigen Schliff versehen hatte.

Die Smaragde machten bei Jordan Fee nur Zwischenstation. Er würde sie schon morgen mit Gewinn weitergeben. Doch für vierundzwanzig Stunden gehörten sie ihm, und das rief in ihm ein seltsam prickelndes, berauschendes Gefühl hervor.

Als Roy ihn aufsuchte, sah er keinen Grund, die grüne Pracht vorher in den Safe zu schließen. Roy war sein Freund.

Aber Smaragde im Wert von vier Millionen Dollar sind eine verdammt große Versuchung. Der konnte Roy Penrose nicht widerstehen. Das musste Jordan Fee in diesem Augenblick leider erkennen.

„Es ist weder ein Scherz, noch bin ich verrückt“, sagte Penrose, und die Habgier glitzerte in seinen Augen so intensiv wie die Smaragde, die er in seinen Besitz bringen wollte.

„Junge, sei vernünftig!“, sagte Fee. „Mach dich nicht unglücklich. Ich kann dich ja verstehen. Es muss einen in den Fingern jucken, wenn man diese Pracht sieht. Aber wir sind Freunde. Wenn du mir die Steine wegnimmst, bin ich ruiniert.“

„Quatsch nicht, sie sind doch versichert.“

„Na schön, sie sind versichert, aber die Versicherungsgesellschaft wird vielleicht einen Dreh finden, dass sie nichts zu bezahlen braucht. Wer weiß, vielleicht hängt man mir ’ne Mittäterschaft an. Du denkst doch nicht im Ernst, dass ich es darauf ankommen lasse. Wir sind beide keine Heiligen, Roy, aber das geht entschieden zu weit. Damit belastest du unsere Freundschaft schwer, ist dir das klar?“

„Bei so einer Summe hört jede Freundschaft auf, Jordan.“

„Man sollte das Geld nicht über alles stellen, Roy!“

„Ich tu’s.“

„Roy, lass die Finger davon. Ich bitte dich. Vergessen wir die ganze dumme Geschichte, okay?“

„Her mit den Steinen“, sagte Penrose schneidend und zog einen Revolver aus seinem Jackett.

Jordan Fee schüttelte den Kopf. „Du meinst es ernst. Du meinst es wirklich ernst, Roy! Du musst den Verstand verloren haben! Wie hast du dir den Coup vorgestellt? Willst du mir das verraten? Sowie du durch diese Tür draußen bist, rufe ich die Polizei an. Ich hetze dir die Bullen auf den Hals, Junge, das ist dir doch wohl klar. Oder denkst du, ich zucke mit den Schultern und sage: ,Er ist trotz allem mein Freund, soll er doch mit den Steinen glücklich werden. Glaubst du, dass ich so etwas Idiotisches sagen würde? Du würdest mit den Smaragden nicht weit kommen. Vielleicht nicht mal bis zur nächsten Straßenecke. Auf keinen Fall aber raus aus der Stadt. Vier Millionen Dollar, das ist ein Ansporn für die Bullen, da legen sie sich mächtig ins Zeug. Sie würden dich auf jeden Fall

kriegen. Dann stecken sie dich ins Zuchthaus. Ist es das wert? Vielleicht gehören dir die Steine zehn Minuten lang. Und zehn Jahre sitzt du dann hinter Schwedischen Gardinen. Aber nehmen wir mal an, die Bullen, ich kann es mir zwar nicht vorstellen, aber wir wollen es mal annehmen, erwischen dich nicht. Was dann? Was tust du mit den Smaragden? Ich glaube nicht, dass du sie für dich behalten möchtest. Du wirst sie verkaufen wollen. Weißt du an wen? Die Ware ist heiß. So etwas drückt auf den Preis, Wenn du die Steine loswirst, dann nur mit Verlust. Du wirst ziemlich Haare lassen müssen, mein Junge. Man wird dir statt vier Millionen höchstens zwei geben.“

„Ist immer noch eine hübsche Stange Geld“, sagte Penrose.

„Zwei Millionen! Diese Prachtexemplare willst du so verschleudern?“

„Was kümmert dich das? Die Steine gehören dir nicht mehr. Schieb sie rüber, aber ganz langsam. Ich hab’ ’nen nervösen Zeigefinger.“

„Ich nehme an, du betrachtest unsere Freundschaft hiermit als beendet“, sagte Fee.

Penrose grinste. „So ist es, Kumpel. Wir hatten eine Menge Spaß zusammen, doch nun trennen sich unsere Wege.“

„Du wirst versuchen, ins Ausland zu gelangen.“

„Vielleicht.“

„Es wird dir nicht gelingen.“

„Abwarten. Spiel nicht den Propheten.“

Fee kniff die Augen zusammen. „Du hast nur eine Chance, Roy. Du musst mich umlegen. Damit verschaffst du dir den Vorsprung, den du brauchst. Kannst du das? Bist du fähig, einen Freund, der dir ins Gesicht sieht, zu erschießen?“

„Wir sind keine Freunde mehr.“

„Okay. Kannst du einen Mann, der dir in die Augen blickt, eiskalt abknallen, Roy? Bist du so abgebrüht?“

„Ich würde es an deiner Stelle nicht darauf ankommen lassen“, sagte Penrose.

In der rechten obersten Schublade liegt die Beretta, schoss es Jordan Fee durch den Kopf. Allein dieser Gedanke trieb ihm den Schweiß auf die Stirn. Nie hätte er sich träumen lassen, dass er mal die Waffe gegen seinen Freund richten würde.

Er schob den offenen Koffer langsam über den Schreibtisch. Er musste es versuchen. Er musste den Raub verhindern. Insgeheim hoffte er, dass er Roy Penrose nicht tötete.

Roy rechnete bestimmt nicht damit, dass er zur Waffe griff. Wer ist schon so verrückt, angesichts eines Revolvers dieses hohe Risiko einzugehen? Ich bin es, dachte Fee.

Würde er es zu bereuen haben? Konnte er überhaupt noch etwas bereuen, nachdem es gekracht hatte? Oder würde er dann tot sein? Auch diese Variante war möglich.

Roy durfte diesen Raum nicht mit den Smaragden verlassen. Fee starrte dem Freund grimmig in die Augen:

Du Hyäne! Du Schakal!, dachte er wütend. Wie konnte ich mich in dir nur so sehr täuschen? Ich glaubte, du würdest mit mir durch dick und dünn gehen, doch bei der ersten Versuchung fällst du um! Allmählich fange ich an, dich zu hassen, du mieses Charakterschwein!

Seine Hände lagen schweißnass auf dem Tisch. Wenn Roy den Koffer schloss, wollte er seine Rechte blitzschnell zurückziehen, die Lade aufreißen, sich die Beretta schnappen und schießen, ohne zu zielen, denn dafür würde keine Zeit bleiben.

Danach musste das Schicksal entscheiden. Wer würde Glück haben, wer Pech? Auf wessen Seite würde sich der Erfolg schlagen, wem würde der Misserfolg zufallen?

Aufgeregt hämmerte Fees Herz gegen die Rippen. Wer schafft es?, fragte er sich aufgeregt. Er oder ich? Wenn es gerecht zugehen soll, muss er verlieren, denn er will einen Freund berauben. Aber wann bequemt sich schon mal die Gerechtigkeit, einzugreifen? Die Zeitungen sind täglich voll von Ungerechtigkeiten, die den Menschen widerfuhren.

„Willst du’s dir nicht doch noch mal überlegen, Roy?“, fragte Jordan Fee heiser.

„Mein Entschluss steht fest“, sagte Penrose und schickte sich an, den Koffer zu schließen.

Meiner auch!, dachte in diesem Moment Jordan Fee und handelte. Blitzschnell war er. Die Überraschung gelang ihm. Jedenfalls für den Augenblick. Die Zeit reichte, um die Lade aufzureißen und nach der Beretta zu greifen.

Dann aber war Penroses Schrecksekunde vorbei, und er drückte ab. Fee spürte einen harten Schlag gegen die Brust, sonst nichts, keinen Schmerz. Dennoch stöhnte er auf, und seine Hand wurde kraftlos.

Er konnte die Beretta nicht halten. Sie fiel in die Lade zurück. Fee verzerrte sein Gesicht.

„Du hast es getan! Du gottverdammtes Schwein hast es tatsächlich getan!“

„Du hast mich gezwungen.“

„Dafür ist dir die Hölle sicher!“, röchelte Jordan Fee. Blut sickerte aus seinem Mund. „Die Steine sollen dir kein Glück bringen, Roy! Nimm sie ... Nimm sie mit! Nimm den Tod mit! Ja, Roy, die Steine sollen dir den Tod bringen! Krepieren sollst du! Verrecken wie ein dreckiger Mistköter! Das wünsche ich mir. Gott, wäre ich froh, wenn ich das erleben könnte!“

Fees Augen weiteten sich, als würde er erschrecken. Ein Blutsturz beendete sein Leben. Er kippte nach vorn, schlug mit dem Gesicht auf dem Schreibtisch auf, aber das spürte er schon nicht mehr.

„Und ich hab’ vier Millionen“, sagte Roy Penrose mit einem nervösen, unsicheren Grinsen.

 

 

2

„Du ärgerst dich, ich seh’s dir an“, sagte Bount Reiniger schmunzelnd zu seiner attraktiven Mitarbeiterin June March.

Das blonde Mädchen mit den veilchenblauen Augen winkte ab. „Ach, die Sache ist es nicht wert, dass man darüber redet, Bount.“

„Willst du dein Herz nicht ausschütten? Wenn man alles in sich hineinfrisst, kriegt man eine prachtvolle Neurose, ist dir das klar? An der hat ein Psychiater dann monatelang zu nagen. Außerdem sind schlaflose Nächte die Folge und Magengeschwüre ...“

„Hör auf, ich fühle mich schon ganz krank!“, rief June March klagend. Es blitzte aggressiv in ihren Augen. „Die Galle läuft mir über, wenn ich bloß daran denke.“

„Woran?“, bohrte Bount Reiniger. „Dass manche Menschen nur so schrecklich faul sein können.“

Bount grinste. „Ich hoffe, du meinst jetzt nicht mich. Ich halte mich für den fleißigsten Privatdetektiv von New York und Umgebung.“

„Das bist du. Das ist unbestritten. Ich kann es bezeugen.“

„Und wer ist das Faultier?“

„Mein Briefträger.“

„Was bringt dich zu dieser weisen Erkenntnis?“, fragte Bount grinsend und nahm einen Zug von seiner Pall Mall.

„Gestern Abend fand ich eine Benachrichtigung in meinem Postkasten. Ein eingeschriebener Brief wäre beim Postamt abzuholen. Ich rief heute morgen an und fragte, warum mir der Brief nicht zugestellt worden wäre. Man sagte mir, der Briefträger hätte mich nicht erreicht. Dabei war ich den ganzen Tag zu Hause. So eine Frechheit.“

„Vielleicht warst du unter der Dusche und hast das Klopfen des Postboten nicht gehört.“

„Ich habe um sieben Uhr früh geduscht. Da verlässt der Mann bestenfalls erst das Postamt. Nein, ich sage dir, was los war: Unser Lift funktionierte nicht, und dieser Faulpelz hatte keine Lust zum Treppensteigen. Deshalb steckte er einfach einen Zettel in meinen Postkasten, und damit war für ihn die Sache geritzt, aber das passiert mir kein zweites Mal. Ich mache auf dem Postamt heute einen Wirbel, den die Leutchen so bald nicht vergessen werden.“

„June March, die Furie“, sagte Bount amüsiert. „Das würde ich mir gern ansehen, aber einer von uns beiden muss im Büro bleiben. Vergiss nicht, mir zu erzählen, was du denen alles an den Kopf geworfen hast. So, und nun geh. Auf in den Kampf, Mädchen.“

June verließ das Büro in heißer Kampfstimmung. Die Wände des Postamts würden wackeln, wenn dieses an und für sich sanfte Mädchen loslegte. Sie war sanft, solange man sie nicht ärgerte. Wenn man sie reizte, konnte sie aber auch ganz anders sein.

Sie würde sich auf dem Postamt durchsetzen, das stand für Bount Reiniger außer Frage. Von nun an würde sie jeden Einschreibebrief erhalten. Selbst dann, wenn der Lift außer Betrieb und die Treppe unpassierbar waren.

Bount zog sich in sein Allerheiligstes zurück und rief seinen Freund Captain Toby Rogers bei der Mordkommission Manhattan C/II an. „Warst du dieses Jahr schon mal beim Catchen, Toby?“

„Ich catche selbst. Mit Gangstern“, knurrte der Captain.

„Wie oft verlierst du?“, erkundigte sich Bount Reiniger grinsend.

„Nie, das solltest du eigentlich wissen. Ich würde sogar dich aufs Kreuz legen.“

„Angeber. Das schaffst du nicht einmal mit ’nem Trupp Hilfsarbeiter.“

„Wann soll ich den Wahrheitsbeweis meiner Behauptung antreten?“

„Von mir aus morgen.“

„Okay. Ich hoffe, du kommst mir morgen nicht mit der faulen Ausrede, du wärst indisponiert.“

„Dich schlage ich noch mit ’ner ordentlichen Hongkonggrippe samt Lungenentzündung.“

„Erinnere mich daran, dass ich dir auch noch was auf dein großes Maul gebe. Gewissermaßen als Zugabe“, tönte Toby Rogers.

„Wer verliert, bezahlt die Eintrittskarten für die Catch-Show.“

„Einverstanden. Du kannst sie schon mal besorgen“, sagte der Captain. Sie vereinbarten, wann sie den Kampf im Polizeisportzentrum austragen würden, und legten dann gleichzeitig auf.

Es klopfte.

„Ja, bitte?“, rief Bount Reiniger.

Die Tür öffnete sich, und ein leicht übergewichtiger Mann mit stark gelichtetem Haar trat ein. „Entschuldigen Sie, aber in Ihrem Vorzimmer ist niemand, da dachte ich ...“

„Das geht schon in Ordnung“, sagte Bount. „Ich bin Bount Reiniger. Was kann ich für Sie tun, Mister ...“

„Penrose. Hank Penrose ist mein Name.“

 

 

3

Es war heiß. Die Steine gaben die Hitze der untergegangenen Sonne ab. Eine Weile würde das Land noch ein Backofen bleiben, dann aber empfindlich abkühlen. Das war man in Ägypten gewöhnt. Seit das Land existierte, war das so.

Ägypten ... Das ist Vater Nil, das ist Wüste, das ist Hitze, politisches Pulverfass, Tummelplatz von Agenten aus Ost und West, an zwei Seiten von Meeren begrenzt, vom Roten und vom Mittelländischen Meer.

Ein Volk von 34 Millionen Menschen lebt hier, das sich im Laufe der Geschichte mit Äthiopiern, Assyrern, Persern, Griechen, Römern, Byzantinern, Arabern, Türken, Franzosen und Engländern vermischt hat.

34 Millionen Menschen, dichtgedrängt, hauptsächlich in den Dörfern und Städten am Nil, und ein altes arabisches Sprichwort sagt: „Der Nil ist Ägypten.“

Am Roten Meer, in der Nähe von Port Safaga, unterhielten die Engländer ein Ausbildungslager für ihre Agenten. Nur wenige Personen wussten davon. Kairo schloss die Augen, die Ohren und den Mund. Nur die Hand hielt man auf.

Nichts sehen, nichts hören, nichts reden!

Man schwieg das Camp einfach tot. Es gab keines. Und doch wurden die britischen Geheimdienstleute auf ihre diversen Wüsteneinsätze im gesamten nordafrikanischen Raum vorbereitet.

Manchmal kamen auch „Gäste“. Zum Beispiel Agenten aus den Vereinigten Staaten. Die CIA machte sich die Erfahrung der Briten zunutze, ohne sich den Ärger mit einem eigenen Lager aufzuhalsen.

Wozu noch ein Camp schaffen, wenn die Briten ohnedies eines hatten? Diesmal hatte der amerikanische Geheimdienst ein Mädchen in Marsch gesetzt. Ein Mädchen, das wurde von den Briten belächelt.

Liebe Güte, ein Mädchen in dieser Hölle aus Sand und Hitze, auf der Hindernisbahn, die schon kräftige Männer zum Heulen gebracht hatte, im Nahkampf mit trickreichen Gegnern, ohne Nahrung und Wasser, beim Überlebenstraining.

Ein Mädchen! Wie sollte es die Strapazen, die den Agenten hier zugemutet wurden, aushalten? Man machte sich ein bisschen Sorgen um die Amerikanerin. Unbegründete Sorgen, wie sich jedoch bald herausstellte, denn Brenda Travers vom CIA war eine zähe, gefährliche Wildkatze, die ihre Krallen furchtlos zeigte.

Sie hielt jede Belastung aus, schnitt bei allen Prüfungen überdurchschnittlich gut ab, häufig besser als ihre männlichen Kollegen vom Secret Service, und man witzelte schon bald im Lager, dass es dieses Mädchen sogar mit James Bond aufnehmen könnte.

Brenda Travers, ein Mädchen wie ein Hurrikan, ebenso schön wie gefährlich. Ihr Aufgabengebiet sollte später Nordafrika sein. Darauf wurde sie gedrillt.

Aber sie verlor deswegen nicht ihre weiblichen Reize. Sie behielt ihre makellose schlanke Traumfigur, und selbst die schwersten Anstrengungen vermochten ihre feinen Gesichtszüge nicht zu zerstören.

Brenda war ein Phänomen. Ein wilder Engel, der aber auch unendlich sanft sein konnte. Wie es verlangt wurde. Mal kalt wie ein Eisblock, mal heiß wie ein Lavastrom.

Man war sich im Camp der Briten einig: „Dieses Mädchen wird noch von sich reden machen.“

Sechs Wochen hielt sie sich nun schon in jenem geheimen Camp in der Nähe von Port Safaga auf. Beim letzten Manöver war sie geradezu entfesselt und wirbelte ihre Gegner fürchterlich durcheinander.

Und nun, am Abend des 30. Juni, war es Zeit für Brenda Travers, Abschied zu nehmen.

Sie betrat die Baracke des britischen Lagerkommandanten, trug ein aufreizendes Mini-Khakikleid, die Knöpfe waren größtenteils wegen der Hitze offen, der Einblick war sehenswert.

Das lange, brünette Haar fiel dem bildschönen Mädchen auf die wohlgerundeten Schultern, in ihren rehbraunen Augen befand sich ein Ausdruck, der Männer schwach werden ließ.

Major Austin Lane, grauhaarig und drahtig, erhob sich. „Ah, Miss Travers. Es ist immer eine Freude für mich, Sie zu sehen.“

„Guten Abend, Major“, sagte Brenda mit einem weichen Schmelz in der Stimme.

Lane wies auf die Clubgarnitur. „Nehmen Sie Platz.“

„Ich wollte mich von Ihnen verabschieden.“

Lane nickte. „Nett von Ihnen, dass Sie noch mal bei mir hereinschauen. Ist noch Zeit für einen Abschiedsdrink?“

Brenda lächelte. „Dafür sollte immer Zeit sein.“

Major Lane brachte guten alten schottischen Whisky und füllte zwei Gläser. „Ehrlich gesagt, als Sie hier eintrafen, dachte ich nicht, dass Sie all die Strapazen aushalten würden.“

„Ich bin aus einem besonderen Holz geschnitzt.“

„Oja, das kann ich Ihnen bestätigen. Sie sind ein einmaliges Mädchen. So etwas wie Sie hatten wir hier noch nie. Wenn ich bedenke, wie hart meine Leute Sie manchmal anfassten, ist es erstaunlich, dass das nicht die geringste Spur hinterließ.“

„Ich wurde in einer Familie mit vier Brüdern groß, das macht hart“, sagte Brenda.

„Auf Ihre Brüder“, sagte Major Lane und hob sein Glas. „Sie haben aus Ihnen ein prachtvolles Mädchen gemacht.“

Sie tranken.

Lane schüttelte den Kopf. „Wie schnell die sechs Wochen vergingen. Ich erinnere mich noch, als der amerikanische Geheimdienst Sie avisierte. Ich sagte: ,Hört mal, Jungs, das hier ist nichts für ein Mädchen, das hält kein weibliches Wesen durch.' Aber Ihre Kollegen erwiderten: ,Die schon. Brenda Travers hält alles aus. Dieses Mädchen würde selbst in der Hölle mit dem Teufel kämpfen und gewinnen.' Ich dachte, man würde den Mund ein bisschen zu voll nehmen, doch Sie haben mich eines Besseren belehrt. Haben Sie schon Pläne?“

Brenda blickte in ihr Glas. „Erst mal fahre ich nach Suez. Dort bleibe ich voraussichtlich ein paar Tage. Inzwischen wird sich die CIA überlegen, wo sie mich einsetzen kann. Einige meiner Kollegen halten sich zur Zeit in der Katarra-Senke auf. Vielleicht spannt man mich mit ihnen zusammen. Sollte aus Langley die Weisung kommen, ich solle irgendeinen Auftrag allein übernehmen, ist es mir auch recht.“

Austin Lane schlug ein Bein über das andere. „Gestatten Sie mir eine private Frage?“

„Aber ja.“

„Sind Sie glücklich?“

„Gott, glücklich, Major. Was für ein großes Wort. Es geht mir gut, ich bin topfit, ich reise viel, ich lebe. Beinhaltet Glücklichsein noch mehr?“

„Ihr Job ist gefährlich.“

„Manchmal ist es schon gefährlich, in New York den Broadway zu überqueren, und die Leute tun es trotzdem.“ Brenda lächelte.

„Ich glaube, ich werde Sie nie vergessen“, sagte Austin Lane ehrlich. „Schade, dass ich schon so alt bin, zu alt für ein so heißes Mädchen wie Sie. Zwanzig Jahre jünger müsste ich sein.“

Brenda musterte ihn amüsiert. „Was wäre dann?“

„Nun, vielleicht würde ich in diesem Fall den Kram hier hinschmeißen und mit Ihnen nach Suez gehen.“ Brenda schüttelte den Kopf. „Das würden Sie bestimmt nicht tun. Dafür haben Sie viel zu viel Selbstdisziplin.“

„Genau wie Sie.“

„Ja, darin ähneln wir uns sehr.“

Er seufzte. „Tja, dann kann ich Ihnen nur noch alles Gute für die Zukunft wünschen. Bleiben Sie so, wie Sie sind, dann kann Ihnen nichts passieren.“

Das Mädchen erhob sich. „Ich habe nicht die Absicht, mich zu ändern, Major“, sagte sie und reichte dem Camp-Kommandanten zum Abschied die Hand. „Vielen Dank für den Drink. Vielleicht kann ich mich mal revanchieren.“

 

 

4

Bount Reiniger hielt dem Mann seine Pall Malls hin. Hank Penrose nahm sich ein Stäbchen. Bount Reiniger griff nach dem Tischfeuerzeug und zündete Penroses Zigarette an.

Dann, lehnte er sich zurück, faltete die Hände, blickte den Mann über seine Fingerspitzen an und fragte: „Also, Mister Penrose, was kann ich für Sie tun?“

„Ich arbeite für das Bankhaus Jones, Feggerton & Boyd, Mister Reiniger, bin Leiter der Filiale am Central Park. Das möchte ich nur vorausschicken, damit Sie sehen, dass ich mir einen Mann wie Sie leisten kann.“

„Es scheint eine irrige Annahme vieler Leute zu sein, dass ich überhöhte Honorarforderungen stelle.“ Bount lächelte. „Ich verlange zweihundert Dollar pro Tag, plus Spesen. Das kriegt die Konkurrenz auch, Mister Penrose.“

Der Mann nickte. „Ich wäre mit Ihren Bedingungen einverstanden. Fragt sich nur, ob Sie an meinem Problem interessiert sind.“

„Lassen Sie’s mal hören“, forderte Bount Reiniger den Mann auf.

„Ich habe einen Sohn. Roy ist sein Name. Ich war mal verheiratet. Meine Frau verließ mich wegen eines einfältigen Gigolo ... Aber das gehört nicht hierher. Ich wollte damit nur andeuten, dass mir die Aufgabe zufiel, Roy allein großzuziehen. Eine Weile hatte ich mit ihm keine Schwierigkeiten, aber dann kam er ins pubertäre Alter. Wir verstanden einander nicht mehr, stritten uns fast täglich, er brachte mich mit seinen revolutionären Ansichten auf die Palme und zur Weißglut... Kurz und gut, in diesen Jahren entstand zwischen uns eine unüberbrückbare Kluft. Wir konnten nicht mehr zueinanderfinden, was ich sehr bedauerte, denn ich liebte meinen Sohn, liebe ihn immer noch. Als er achtzehn war, zog er von zu Hause weg, ging seine eigenen Wege. Er war erfolgreich, zeigte Geschäftstüchtigkeit und Verhandlungstalent, und bald hatte er mehr Geld in seinen Taschen als ich. Er besuchte mich hin und wieder, aber wir hatten einander nichts zu sagen. Seit etwa einem Jahr besuchte er mich mit größerer Regelmäßigkeit. Einmal im Monat. Mir kam es so vor, als wollte er die Kluft endlich schließen. Er sprach nie darüber, und ich wusste nicht, ob dieses Gefühl mich nicht trog. Wie auch immer, mir waren Roys Besuche nicht unangenehm. Ich freute mich sogar von einem auf den nächsten. Vor zwei Wochen hätte Roy mich wieder besuchen sollen, aber er kam nicht. Er rief nicht an, schickte kein Telegramm, nichts. Kein Lebenszeichen erhielt ich von ihm. Ich telefonierte in der Gegend herum, fuhr zu seinem Haus. Nichts. Er ist nicht da, niemand weiß, wo er sich befindet. Es hat beinahe den Anschein, als hätte es ihn nie gegeben. Ich denke, zwei Wochen sind genug, Mister Reiniger. Täglich hoffte ich, Roy würde sich doch noch bei mir melden. Doch jeder Tag den ich länger wartete, war ein verlorener Tag.“

„Sie finden, dass nun etwas unternommen werden müsse“, stellte Bount Reiniger fest.

Penrose nickte und blies den Rauch durch die Nasenlöcher aus. „Es geht immerhin um meinen Sohn, Mister Reiniger. Ich kann nicht einfach den Kopf in den Sand stecken und so tun, als wäre alles in Ordnung. Ich bin Realist, kein Träumer. Und ich glaube, mir ernstlich Sorgen um Roy machen zu müssen.“

„Nehmen Sie an, er könnte einem Verbrechen zum Opfer gefallen sein?“, fragte Bount.

Hank Penrose betrachtete angelegentlich seine Hände. „Man sagt, Roys Geschäfte wären nicht immer ganz lupenrein.“

„Wer ist man?“, wollte Bount wissen.

Penrose zuckte die Schultern. „Ich weiß es nicht. Ich hab’s mal irgendwo aufgeschnappt, dem aber keine Bedeutung beigemessen.“

„Sie wollten gegen Ihren Sohn nichts unternehmen müssen, nicht wahr?“

„Ja, wenn Sie so wollen, in diesem Fall steckte ich den Kopf doch in den Sand.“

„Wer unseriöse Geschäfte macht, setzt einiges aufs Spiel. Einmal hat er die Polizei gegen sich, und die Leute, mit denen er verkehrt, sind nicht gerade Engel.“

„Ich glaube, aus diesem Grund bin ich hier. Eine innere Stimme riet mir, nicht zur Polizei zu gehen. Wenn ich die Behörden einschalte, wirble ich eine Menge Staub auf. Vielleicht schadet das meinem Sohn mehr, als es ihm nützt.“

Bount ließ die Hände sinken. „Mister Penrose, ich muss Sie fairerweise darauf aufmerksam machen, dass ich mich streng an die Gesetze halte.“

„Das ist mir bekannt. Sonst wären Sie Ihre Lizenz wahrscheinlich schon längst los.“

„So ist es. Ich weise Sie darauf hin, dass Ihr Sohn von mir keine Schonung zu erwarten hat, falls ich darauf komme, dass er ein krummes Ding drehte. Überlegen Sie sich gut, ob Sie mich unter diesem Aspekt immer noch engagieren wollen.“

Penrose nahm noch einen Zug von der Pall Mall und drückte sie dann im Aschenbecher aus. Er blickte Bount über den großformatigen Schreibtisch hinweg in die Augen.

„Diese zwei Wochen sprechen für Sie, Mister Reiniger. Ich habe mich entschieden. Egal, was es für Folgen für meinen Sohn hat, ich möchte, dass Sie ihn suchen und ... finden.“

„Na schön. Dann erzählen Sie mir ein bisschen mehr über ihn. Was er treibt, wer seine Freunde sind, wo er seine Freizeit verbringt.“

 

 

5

„Wie lief’s auf dem Postamt?“, erkundigte sich Bount Reiniger, während er mit June March in den silbergrauen Mercedes 450 SEL stieg.

An diesem Abend waren die beiden besonders elegant gekleidet. Bount trug einen weinroten Smoking mit dazu passender Fliege. Junes atemberaubende Figur war in einen weißen Traum aus Seide gehüllt. Der Ausschnitt war das Raffinierteste, was Bount je gesehen hatte. Es fiel ihm sehr schwer, nicht ständig seinen Blick darauf zu richten.

June schwang sich graziös auf den Beifahrersitz und legte den Sicherheitsgurt an. „Die kamen ganz schön ins Schleudern, als ich loslegte“, berichtete sie amüsiert. „Bis zum Vorstand schimpfte ich mich durch. Am Ende lagen alle auf dem Bauch und versicherten mir, dass so etwas nie wieder passieren würde.“

Bount grinste. „Das wusste ich. Wenn June March mal so richtig in Fahrt ist, überrollt sie einfach alles.“

Er startete den Motor und fuhr aus der Garage. June March wusste inzwischen, dass sie einen neuen Klienten hatten. Bount informierte sie so gründlich, dass sie in diesem Augenblick über den neuen Fall ebenso gut Bescheid wusste wie er.

„Übrigens du siehst bezaubernd aus“, sagte Bount Reiniger, während er zur Fifth Avenue unterwegs war.

„Du wirkst auch nicht übel“, gab das blonde Mädchen zurück.

Bount lachte. „Tja, Kleider machen eben Leute.“

Sie hatten die Absicht, den feudalen „Tropical-Club“ im Herzen von Manhattan aufzusuchen. Nicht zum privaten Vergnügen, sondern weil Roy Penrose dort Stammgast war, und weil dort ein Mädchen arbeitete, mit dem er befreundet war. Celia Devon hieß sie.

„Sind wir piekfein genug angezogen, Bount?“, fragte June.

„In der Verkleidung kommen wir überall rein“, gab Bount Reiniger schmunzelnd zurück.

Natürlich verfügte der „Tropical Club“ über einen eigenen bewachten Parkplatz, den man nicht einmal selbst aufzusuchen brauchte. Es genügte, am überdachten Eingang vorzufahren, auszusteigen und den Schlüssel stecken zu lassen.

Details

Seiten
100
Jahr
2020
ISBN (eBook)
9783738946963
Sprache
Deutsch
Erscheinungsdatum
2020 (November)
Schlagworte
mädchen hurrikan york detectives

Autor

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Titel: Ein Mädchen wie ein Hurrikan: N.Y.D. – New York Detectives