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Ein Jack Braden Thriller #29: Mordfall Shriber

2020 117 Seiten

Zusammenfassung


Am einem frühen Nachmittag wird das Office der Metropolitan Life Insurance überfallen und dabei eine Angestellte erschossen. Kurze Zeit später meldet sich ein Mr. Shriber bei Privatdetektiv Jack Braden, um ihn zu bitten, nach den Bankräubern zu suchen. Während des Gesprächs taucht seine Frau Ira auf, und es kommt zu einem unschönen Streit zwischen beiden.
Noch am gleichen Tag wird Shriber im Nachtclub ,Arabian Night‘ erstochen. Verdächtigt wird seine Frau Ira, die sich kurz dort aufgehalten hat …

Leseprobe

Table of Contents

Mordfall Shriber

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Die Hauptpersonen des Romans:

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Mordfall Shriber

Ein Jack Braden Thriller #29

von Cedric Balmore

 

Der Umfang dieses Buchs entspricht 117 Taschenbuchseiten.

 

Am einem frühen Nachmittag wird das Office der Metropolitan Life Insurance überfallen und dabei eine Angestellte erschossen. Kurze Zeit später meldet sich ein Mr. Shriber bei Privatdetektiv Jack Braden, um ihn zu bitten, nach den Bankräubern zu suchen. Während des Gesprächs taucht seine Frau Ira auf, und es kommt zu einem unschönen Streit zwischen beiden.

Noch am gleichen Tag wird Shriber im Nachtclub ,Arabian Night‘ erstochen. Verdächtigt wird seine Frau Ira, die sich kurz dort aufgehalten hat …

 

 

 

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books, Alfred Bekker, Alfred Bekker präsentiert, Casssiopeia-XXX-press, Alfredbooks, Uksak Sonder-Edition, Cassiopeiapress Extra Edition, Cassiopeiapress/AlfredBooks und BEKKERpublishing sind Imprints von

Alfred Bekker

© by Author

© Cover STEVE MAYER

© dieser Ausgabe 2020 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

Alle Rechte vorbehalten.

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Die Hauptpersonen des Romans:

Abe Shriber - bekommt tödlich gefährliche Konkurrenz

Chester Row - fällt schmerzlos eine Kellertreppe hinunter

Pete Schaub - wird gefürchtet

Alia - fürchtet sich

Ira Lorton - wird abwechselnd verdächtigt und entlastet

Jack Braden und sein Team - revanchieren sich für kostenlosen Champagner

 

 

1

Der Barmann in der Kneipe mit dem poetischen Namen „Cat and Dog“ in der Frontstreet in New York’s Eastend nahm die Ginflasche zur Hand und fragte: „Noch einen?“

„Klar, noch einen!“

Der Gast nickte nachdrücklich. Sein Hocker kam ins Schwanken, und er musste sich mit beiden Händen an der Theke festhalten.

Der Barkeeper grinste und schenkte ein. Von einem Häufchen kleiner Scheine und Hartgeld vor dem Gast nahm er den Betrag für den Drink weg. Die Registrierkasse klingelte, und er gab das Wechselgeld heraus.

Der Angetrunkene war ein Mann Mitte der Dreißig. Er trug eine weiße Schirmmütze und Overalls, die mit Farbe bekleckst waren. Offensichtlich war er ein Maler. Er wollte nach dem Glas greifen, als eine Hand ihm zuvorkam. Ein anderer, der neben ihm saß, nahm es weg und leerte es auf einen Zug. Dann schmatzte er und wischte sich mit dem Handrücken über die Lippen.

„Hey! Das war mein Schnaps!“

„Was für’n Schnaps?“, fragte der junge Bursche.

„Der, den du mir geklaut hast.“

„Geklaut? Du sagst, ich hätte deinen Drink geklaut?“, war die entrüstete Antwort.

„Natürlich, genau unter meiner Nase.“

Der Bengel richtete sich mit Mühe auf und warf sich in die Brust.

„Das heißt also, du sagst, ich sei ein Dieb?“

„Du bist ein Dieb! Es war mein Drink, und ich habe ihn bezahlt!“

„Warum hast du’n dann nicht getrunken, wenn du’n bezahlt hast?“

„Weil du’n gestohlen hast. Du hast meinen Drink gestohlen! Für so was kommt man ins Gefängnis!“

„Oho, und wie willst du das beweisen?“

„Den Beweis hast du gesoffen. Dagegen muss es ein Gesetz geben. Man darf keine Beweise saufen.“

„Zeig mir das Gesetz! So zeige es mir doch!“

„Kann ich nicht. Ich bin kein Rechtsanwalt ... Aber was anderes kann ich dir zeigen.“ Er ballte die Fäuste, aber da lehnte der Barmann sich über die Theke und beschwichtigte.

„Keine Aufregung, Leute! Das war alles nur ein Missverständnis. Joe nahm deinen Drink versehentlich. Hier hast du einen neuen, und damit ist die Sache erledigt.“

Joe grinste und meinte: „Well, war also’n Versehen. Nimm mir’s nicht übel, Bruder! Es war meine Schuld.“

„Nein“, antwortete der andere. „Ich war schuld.“

„Halt’ den Mund! Ich war schuld!“, schrie Joe. „Entweder du hältst die Schnauze oder ich klebe dir eine!“

„Wer klebt wem eine? So was hat mir noch niemand gesagt. Und ich lasse mir so etwas nicht gefallen!“

Beide Männer glitten von den Hockern und schwangen die Fäuste, aber sie waren zu betrunken, als dass sie einander getroffen hätten.

Joe gab seinem Gegner einen Stoß, und der taumelte rückwärts in Richtung der Tür. Obwohl er reichlich voll war, erfasste Joe seinen Vorteil. Ein zweiter Stoß und sein Widersacher flog auf die Straße. Dort blieb er wie ein Häufchen Lumpen liegen. Dann schüttelte er den Kopf, als wollte er die Alkoholdünste daraus vertreiben, kroch bis zum Laternenpfahl, hangelte sich hoch und schwankte dann im Zickzack die Straße entlang. An der Peckstreet ging er um die Ecke, und plötzlich schwankte er gar nicht mehr. Mit festen, schnellen Schritten ging er hundert Fuß bis zur nächsten Telefonzelle und wählte die Nummer des Polizeihauptquartiers.

Als fünf Minuten später ein Radiostreifenwagen vor der Bar zur „Cat and Dog“ stoppte, war Joe gegangen. Der Wirt schwor heilige Eide, er kenne ihn nicht, und warf einen schiefen, misstrauischen Blick auf den Mann, der vor wenigen Minuten noch betrunken gewesen war und jetzt offensichtlich ganz nüchtern mit dem Sergeanten des Streifenwagens flüsterte.

 

 

2

Am frühen Nachmittag des folgenden Tages war in dem Office der Metropolitan Life Insurance in der 30. Straße nicht viel los. Es war ein warmer Sommertag. Die Mädchen hinter den Schaltern waren müde, ebenso wie Mr. Jack Samuel, der Distrikt-Manager. Er sah die drei Männer mit Pistolen erst, als sie vor ihm standen.

„Hände auf den Tisch und keine Bewegung! Wer sich rührt, wird umgelegt.“

Der Manager gehorchte. Die Mädchen waren starr vor Schreck. Einer der drei, ein dicker, kleiner Mann, befahl Miss Jenny Cress, der Kassiererin: „Mach die Kasse auf! Wir wollen alles, was drinnen ist, und kein Theater bitte!“

Miss Cress nahm mit zitternden Händen das Geld heraus und wollte es hinüberreichen.

„Steck es in eine Tasche!“

Sie stopfte Scheine und Silberdollars in ein leinenes Geldsäckchen und gab es ihm.

„Danke schön!“, grinste er. „Und jetzt rührt euch nicht, bevor wir draußen sind.“

Die beiden anderen machten kehrt und liefen auf die Tür zu. Der Dicke ging rückwärts. Diesen Augenblick benutzte eines der Mädchen, Virginia Loss, und drückte auf den Alarmknopf. Im gleichen Augenblick, in dem die Sirene zu heulen begann, krachte ein Schuss. Virginia Loss schlug schwer hintenüber.

Ein paar Passanten, die das Alarmzeichen hörten und die drei Gangster aus der Tür rennen sahen, versuchten sie aufzuhalten, aber als wieder Schüsse knallten, warfen sie sich zu Boden oder sprangen irgendwo in Deckung. Die drei Räuber bestiegen einen weißen Chevy. Der Motor heulte auf, die Reifen quietschten, als der Wagen in die Seventh Avenue einbog und im Handumdrehen außer Sicht war.

Ein Streifenwagen stoppte, und die Mordkommission wurde alarmiert. Inzwischen ließ sich der Sergeant die Beschreibung der drei Gangster geben. Der dicke Mann war etwas über fünf Fuß groß, mit rundem Gesicht und einer Schiebermütze. Der zweite war nicht größer, aber mager und trug einen braunen Filzhut. Der dritte war lang und ebenfalls dünn. Er hatte eine große, gebogene Nase und eine Baskenmütze auf dem Kopf. Die Nummer des weißen Chevrolets hatte niemand erkannt oder nicht daran gedacht, danach zu sehen.

Die Beschreibung der drei Kerle und des weißen Wagens wurden sofort über Funk durchgegeben.

 

 

3

Patrolman Alex Swayer fuhr mit seinem Patrouillenwagen die Greenwich Avenue entlang, als der Alarm über Sprechfunk durchkam. Fast gleichzeitig erblickte er einen weißen Chevy, der, von der Seventh Avenue herkommend, in die Greenwich einbog. Am Steuer saß ein blondes Mädchen. Im Übrigen schien der Wagen leer zu sein. An der Kreuzung Janestreet sprang die Verkehrsampel auf Rot, aber das Mädchen kümmerte sich nicht darum und fuhr weiter.

Patrolman Swayer gab Gas. Zwei Blocks westlich davon hatte er den Chevy überholt und drückte ihn gegen den Kantstein. Das Mädchen stoppte.

„Sie haben das rote Licht überfahren“, sagte Swayer.

„Tut mir leid, aber ...“

Bevor sie ausreden konnte, erschienen zwei Männer, die scheinbar im Fond geschlafen hatten und gähnend die Arme reckten. Einer war lang und dünn, der zweite klein und dick.

„Was ist los, Officer?“, fragte der Dicke.

Swayer sagte es ihm. Der Dicke lächelte liebenswürdig, fuhr in die Tasche, holte drei Zehndollarnoten heraus.

„Hier!“, sagte er. „Und richten Sie Ihrem Mädel einen schönen Gruß von mir aus.“

Swayer zog die Pistole, ging drei Schritte zurück und sagte: „Keine Bewegung!“

Dann schaltete er das Mikrophon seines Wagens ein und bat um Unterstützung.

„Legt die Hände vor euch auf die Lehne des Fahrersitzes und versucht keine Scherze!“, befahl er.

„Wir machen keine Scherze. Wir meinen es ernst“, lächelte der Dicke. „Sie sehen aus wie ein vernünftiger Mensch, Sergeant. Vielleicht haben wir etwas ausgefressen. Vielleicht können wir einig werden.“

„Über was einig werden?“, fragte Swayer.

„Well, Ihr Cops seid keine reichen Leute. Vielleicht können Sie etwas Geld brauchen?“

„Das haben Sie eben schon probiert. Nichts da!“

„Auch nicht, wenn es viel mehr ist?“

„Wieviel?“

„Dreitausend Dollar.“

„So’n Glück haben Sie bestimmt nicht alle Tage, Sergeant“, fügte der Lange hinzu.

Neben ihm lag ein prall gefüllter Leinenbeutel. Er nahm ihn hoch und reichte ihn dem Sergeanten.

„Ausgezeichnet“, sagte der. „Steigt aus und nehmt die Hände hoch!“

„Aber ...“

„Aussteigen, habe ich gesagt! Sie sind verhaftet wegen Raubes, Mordes und versuchter Bestechung eines Polizeibeamten.“

Ein leiser Knall peitschte. Der Sergeant hatte das blonde Mädchen außer Acht gelassen. Sie warf ihre kleine Pistole neben sich auf den Sitz, und der weiße Chevy raste davon.

Als zwei andere Streifenwagen herangebraust kamen, war alles vorüber. Sergeant Swayer war tot, und die Zeugen des Mordes hatten genau wie vorher nicht auf die Nummer des weißen Chevrolet geachtet. Es stellte sich sehr schnell heraus, dass dieser Chevrolet am Morgen gestohlen worden war. Er wurde am North River in der Nähe von Pier 52 verlassen und ohne Fingerabdrücke gefunden.

Am selben Abend wurde im Hauptquartier der Stadtpolizei in der Centerstreet unter der Bezeichnung Criminal Intelligence Unit unter dem Vorsitz des Chief of Detectivs Horder, eine Sonderkommission aufgestellt. Sie verfügte über dreißig ausgesuchte Kriminalbeamte.

Der Überfall auf die Life Insurance war bereits der dritte, der innerhalb von zehn Tagen auf Geldinstitute stattgefunden hatte. Es musste also eine gut organisierte Gang am Werk sein, von der man bisher nur ein Mitglied kannte, nämlich Joe Topper, der dem Detektiv in der „Cat and Dog“ durch die Lappen gegangen war.

Die Nachforschungen konzentrierten sich auf das Eastend und die Waterfront, an der die meisten Verbrecherorganisationen ihre Schlupfwinkel haben. Bis spät in die Nacht hinein wurden Pläne gemacht und Rollen verteilt.

 

 

4

Am Morgen des folgenden Tages, es war Dienstag, den 17. Juni, klingelte im Office des Privatdetektivs Jack Braden der Fernsprecher.

„Hello! Braden Detektiv-Agentur“, meldete sich Dawn Barris, die Sekretärin.

„Hier spricht Abe Shriber. Wann kann ich zu Mr. Braden kommen? Ich habe einen Auftrag für ihn.“

„Einen Augenblick, Mr. Shriber. Ich werde nachfragen.“

Braden legte die Zeitung, die er studiert hatte, weg und fragte: „Shriber? Was will der Mann?“

„Das hat er mir nicht gesagt, Jack. Er will Ihnen einen Auftrag geben.“

„Dann soll er in einer halben Stunde antanzen. Ein Auftrag bedeutet ein Honorar, und das können wir immer brauchen.“

„Wir ist gut!“, lachte die blonde Dawn. „Ich bin ja leider nicht beteiligt.“

„Was nicht ist, kann noch werden“, grinste Braden. „Wenn Sie mit ihm fertig sind, so tun Sie das Übliche, um vielleicht herauszubekommen, wer dieser Abe Shriber ist.“

„Okay, Jack.“

Dawn Barris tat, was ihr aufgetragen worden war. Im Telefonbuch fand sie 27 Leute namens Shriber, aber keiner davon hieß mit Vornamen Abe. Auch die Handelskammer wusste nichts und ebensowenig der Erkennungsdienst der Stadtpolizei. Dieser Shriber schien im wahrsten Sinne des Wortes ein unbeschriebenes Blatt zu sein.

„Eigentlich ist das verdächtig“, meinte Jack Braden. „Leute, von denen niemand etwas weiß, haben des Öfteren einen Grund, unbekannt zu bleiben.“

Dann ließ er sich mit der Redaktion der MORNING NEWS verbinden und verlangte Mr. Louis Thrillbroker. Louis Thrillbroker war der Starreporter dieser Zeitung. Er hörte das Gras wachsen und die Flöhe husten. Außerdem verfügte er nicht nur über einen sechsten, sondern sogar über einen siebten Sinn und witterte Sensationen wie die Katze das Mäuschen.

„Hello, Louis. Kennen Sie einen gewissen Abe Shriber?“

„Was kann der?“'

„Das ist es, was ich wissen möchte. Vielleicht will er sich scheiden lassen und sucht Material. Vielleicht klaut in seinem Betrieb jemand, und er möchte wissen, wer. Vielleicht ist er’n alter Knabe und hat eine junge Freundin, der er nicht ganz vertraut.“

„Und vielleicht sollen Sie ihm die Gelegenheit ausbaldowern, wie er am besten und risikolos seine Erbtante umbringt“, lachte Thrillbroker. „Warten Sie einen Augenblick! Ich sehe im Archiv nach.“

Jack Braden wartete. Er wusste, dass im Archiv der MORNING NEWS mehr und vertraulichere Akten lagen, als in den Kellern der GPU. Ein Einbruch in dieses Archiv hätte jedem Erpresser unbezahlbares Material geliefert. Es dauerte fast zehn Minuten, bis Louis zurückkam.

„Es tut mir leid, Jack. Einen Shriber haben wir nicht auf der Latte, aber schließlich kann er ja auch anders heißen. Gibt es sonst etwas Neues? Wir haben im Augenblick eine Saure-Gurken-Zeit, wie sie im Buch steht.“

„Wenn ich etwas für Sie habe, Louis, so lasse ich es Ihnen zukommen“, versprach Jack Braden.

„Und denken Sie daran, Jack. ,Morning News‘ zahlt die besten Honorare, bessere als Ihre Klienten, und außerdem ist ein Interview ungefährlicher als Ihre gewohnte Beschäftigung.“

Jetzt blieb nur noch eines übrig. Braden setzte sich mit George Patterson in Verbindung. Aber der ehemalige Sergeant wusste genauso wenig wie Louis Thrillbroker.

Über alledem war die halbe Stunde vergangen. Der Summer ertönte, und Dawn Barris blickte durch die Glastür ihres Büros in die Diele. Dieser Mr. Abe Shriber sah ganz anders aus, als sie ihn sich vorgestellt hatte. Sie hatte einen behäbigen, älteren Herrn erwartet und sah sich nun einem smarten und eleganten Kavalier gegenüber. Sein energisches, gutgeschnittenes Gesicht war von der Sonne gebräunt, das dunkelblonde Haar sorgfältig gescheitelt, die Schultern breit und die Hüften schmal wie die einer griechischen Götterfigur. Er trug einen tadellosen, maßgeschneiderten Anzug aus Shantungseide und dazu eine dezente, hellblaue Krawatte. Er lächelte ein bestrickendes Lächeln.

„Ich bin Abe Shriber. Ich habe mich vorhin bei Ihnen angemeldet.“

Dawn Barris wurde rot und wusste nicht recht, warum. Wahrscheinlich war der anerkennende Blick aus den blauen Augen des Besuchers daran schuld. Unter diesem Blick kam sie sich vor, als ob sie in einem Mini-Bikini auf der Fifth Avenue spazieren ginge.

„Gewiss, Mr. Shriber“, antwortete sie und flüchtete in Bradens Zimmer. Sie hatte sogar vergessen, Mr. Shriber in den Besucherraum zu führen.

„Na, was für ein Zeitgenosse ist das?“, fragte Braden. „Sie sehen ja ganz verwirrt aus, Sunny.“

„Ein gut aussehender, eleganter Mann, ungefähr fünfunddreißig Jahre, der sich des Eindrucks bewusst ist, den er macht.“

„Na, die Figur, die es fertigbringt! Sie, Sunny, aus dem Konzept zu bringen, muss ich mir ansehen.“ Er stand auf und ging nach nebenan, während Dawn Barris im Eiltempo verschwand, um Ihr Versäumnis zu reparieren.

„Good morning, Mr. Shriber.“ Jack Braden machte eine einladende Handbewegung nach einem der Sessel hin.

„Freut mich, Sie kennenzulernen, Mr. Braden. Wie ich schon sagte, habe ich einen Auftrag für Sie, der allerdings sehr delikat und nicht ganz ungefährlich ist.“

„An beides bin ich gewöhnt, Mr. Shriber“, lächelte der Detektiv.

„Außerdem ist dieser Auftrag streng vertraulich.“

„Auch das ist mir nichts Neues. Sie können mit mir reden wie mit Ihrem Beichtvater.“

Mr. Shriber nahm eine Zigarette aus der ihm angebotenen Dose, steckte sie an und räusperte sich.

„Es handelt sich um den Raubüberfall auf die Metropolitan Life Insurance, über den Sie ja wahrscheinlich gelesen haben. Es handelt sich außerdem um die Räubereien bei der Filiale der Central Savings Bank in Webster Avenue und die West Side Savings Bank in der 130. Straße. Diese sämtlichen Überfälle sind, soweit ich orientiert bin, von derselben Gang ausgeführt worden. Ich möchte, dass Sie diese Gang, die, wie mir gesagt wurde, aus Chicago herüber gewechselt ist, ausfindig machen und dafür sorgen, dass sie ausgehoben wird.“

„Jedenfalls eine interessante Aufgabe“, lächelte Jack Braden. „Darf ich mir die bescheidene Frage erlauben, was für ein Interesse Sie daran haben? Gehören Sie vielleicht zu den Leidtragenden bei den Raubüberfällen?“

„In gewisser Hinsicht ja, aber ich möchte mich nicht darüber äußern. Darum sagte ich sofort, mein Auftrag sei delikater Natur und vertraulich.“

Jack Braden überlegte kurz. Schließlich konnte es ihm gleichgültig sein, warum ihm Mr. Shriber diesen Auftrag erteilte. Es war nichts Gesetzwidriges dabei, ganz im Gegenteil.

„Schön!“, sagte er. „Es bliebe also nur noch die Honorarfrage zu regeln.“

„Sehr einfach!“ Mr. Shriber griff in die Tasche und holte ein Bündel Banknoten heraus. „Ich gebe Ihnen jetzt zweitausend Dollar als Honorar und Spesenvorschuss. Das dürfte für eine Woche genug sein. Nach Ablauf dieser Woche werde ich mich entscheiden, ob ich Sie weiter beschäftigen will. Sollten Sie jedoch Erfolg haben, so zahle ich weitere fünftausend Dollar, zuzüglich Spesen.“

Braden drückte auf den Klingelknopf, und als Dawn Barris den Kopf durch die Tür steckte, sagte er: „Schreiben Sie eine kurze Bestätigung über die soeben getroffene Abmachung.“

Mr. Shriber war überrascht.

„Sie haben ihr ja gar nichts diktiert“, sagte er.

„Nicht nötig. Meine Sekretärin hört jedes hier geführte Gespräch mit. Das sind die Vorteile der heutigen Technik.“

„Ein Glück, dass ich Ihnen keinen Mordauftrag erteilt habe“, lächelte Mr. Shriber. „Ich glaube, man muss sich vor Ihnen höllisch in Acht nehmen.“

„Das haben auch schon andere Leute gesagt und einige davon, als es bereits zu spät war.“

Das Klappern der Schreibmaschine im Nebenraum wurde vom Summer der Eingangstür unterbrochen. Gleich darauf meldete Sunny: „Mrs. Shriber lässt fragen, ob Mr. Shriber noch lange zu tun habe.“

„Oh, meine Frau! Sie kann es wieder einmal nicht erwarten, bis ich fertig bin.“

„Ich habe nichts dagegen, wenn Mrs. Shriber uns Gesellschaft leistet. Der geschäftliche Teil ist ja wohl erledigt“, lächelte Braden.

Ira Shriber war eine recht bemerkenswerte Frau. Sie hatte brandrote Haare und eine Figur wie die der Hayworth in ihren besten Tagen. Trotz des heißem Sommertages war ihre Haut weiß und kühl wie Perlmutt.

„Hello, Darling! Verzeihen Sie, Mr. Braden! Ich konnte es vor Neugierde einfach nicht mehr aushalten. Ich wollte Sie unbedingt einmal kennenlernen und außerdem, Honey, hast du mir versprochen mich zu Cartier zu begleiten.“

„Wobei es weniger auf mich als auf mein Scheckbuch ankommt“, lachte er.

Cartier ist einer der größten und teuersten Juweliere von New York, so dass Shribers Bemerkung wegen des Scheckbuchs nicht ganz abwegig war. Aber der temperamentvolle Rotkopf nahm das übel.

„Pfui!“, brauste sie auf. „Du hast es gerade nötig, mit deinem Scheckbuch zu renommieren. Du weißt ganz genau, dass ich es war, die dich auf die Füße gestellt hat. Ohne mich wärest du in der Gosse verkommen oder in Sing Sing gelandet.“

Shriber hob beschwichtigend die Hand. Der Ausbruch seiner besseren Hälfte schien ihm alles andere als angenehm zu sein.

„Ira!“

„Lass das Getue! Du spielst den treuen Ehemann, und dabei betrügst du mich von hinten und vorn.“

Mr. Shriber war schockiert.

„Entschuldigen Sie, Mr. Braden. Meine Frau leidet an einem Überschuss von Temperament. Sie meint es nicht so.“

„Markiere nicht den feinen Mann, der du nicht bist! Du bist nichts weiter als ein widerlicher Patron!“

Jetzt verlor Abe Shriber die Geduld.

„Halt’s Maul!“, schrie er und hob diesmal drohend die Hand.

„Aber nur wenn ich will. Vorher habe ich noch einiges zu sagen. Kennst du das?“ Sie riss mit fliegenden Fingern ein Päckchen Papiere aus dem Ausschnitt ihres Kleides. „Wer ist diese Alia, die dir da Liebesbriefe schreibt? Glaubst du vielleicht, du kannst mich für dumm verkaufen? Du Lump!“

Jetzt verlor der Mann die Beherrschung. Er lief rot an wie eine Tomate, und im nächsten Augenblick klatschte es. Er hatte, bevor Braden es verhindern konnte, seiner Frau eine heruntergehauen. Die stand ein paar Sekunden sprachlos. Mit den Fingerspitzen berührte sie die Wange, die der Schlag getroffen hatte.

„Das wirst du mir büßen!“, sagte sie gefährlich leise, drehte sich um und ging. Shriber schüttelte den Kopf.

„Ja, ja, die Weiber!“, brummte er. Dann brannte er sich eine Zigarette an. „Das ist alles für heute. Der letzte Akt war allerdings unprogrammmäßig.“

Er versuchte zu grinsen, aber es gelang ihm nicht so recht.

„Wo kann ich Sie erreichen, Mr. Shriber?“, fragte Jack Braden. „Ich brauche natürlich Ihre Adresse und Telefonnummer.“

„Nicht nötig, Mr. Braden. Ich werde Sie jeden Tag anrufen.“ Er verabschiedete sich und ging.

Braden sah ihm versonnen nach. Er hätte die Frau für eine hysterische Person gehalten, wenn Shriber sich nicht geweigert hätte, seine Adresse zu hinterlassen. Das war verdächtig. Immerhin hatte er den erheblichen Vorschuss von zweitausend Dollar bezahlt, und was er dafür verlangt hatte, war legal. Der Familienkrach ging Jack Braden nichts an.

Dawn Barris kam herein. Sie hielt einen Briefumschlag in der Hand.

„Ein herrlicher Krach war das“, lachte sie. „Ob der Rotkopf die Ohrfeige wohl verdient hat? Ich möchte behaupten, ihr Verdacht sei nicht unbegründet. In ihrer Wut hat sie draußen etwas verloren. Eigentlich ist das recht vielsagend.“

Braden griff nach dem leeren Umschlag, der als Adresse den Namen Abe Shriber trug. Aber er fand weder eine Straße noch eine Hausnummer. Der Brief war „Hauptpostlagernd“ adressiert. Dagegen war ein Absender angegeben. Dieser Absender lautete: Alia, „Arabian Nights“ 50th Street East 126.

„Das dürfte die Frau sein, mit der Shriber seine Ehehälfte betrügt“, meinte Braden. „Vielleicht wäre es der Mühe wert, wenn ich sie mir einmal ansehe. Irgendwie ist mir bei Shribers Auftrag unbehaglich.“

„Nehmen Sie mich mit, Jack?“, fragte Sunny.

„Lieber nicht. Erstens kenne ich den Laden nicht, und zweitens könnte es Verwicklungen geben.“

 

 

5

Mr. Shriber fuhr einen knallroten Bentley. Ob er es besonders eilig hatte oder die überhöhte Geschwindigkeit ein Ausfluss des Ärgers war, den er mit seiner Frau gehabt hatte, muss dahingestellt bleiben. An der Kreuzung Houstonstreet und Second Avenue, wo das berüchtigte Eastend von New York beginnt, stoppte er an Roosevelt Parkway, stieg aus und betrat die Horsefly-Bar.

Es war eigentlich kein Lokal, von dem man vorausgesetzt hätte, dass ein eleganter Mann wie Mr. Shriber es betreten werde. Er blickte sich suchend um, setzte sich an die Theke und bestellte einen Drink. Dabei sah er ungeduldig auf die Uhr. Eine Viertelstunde später zahlte er und ging nach hinten zum Waschraum.

Viele Blicke folgten ihm, die der männlichen und noch mehr die der weiblichen Gäste, die nicht sicher waren, ob eine von ihnen Gnade vor den Augen dieses vielversprechenden Freiers finden würde.

„Kennst du den?“, fragte ein noch junges Mädchen, dessen Züge bereits vom Laster gezeichnet waren, eine Alte mit grauhaarigen Zotteln, die mit schwimmenden Augen hinter ihrem Gin saß.

„Klar kenne ich ihn, aber ich werde mich schwer hüten, dir zu erzählen, woher. Lass die Finger davon! Der Bursche ist nicht hasenrein.“

„Hast du in der Horsefly schon einmal einen Mann gesehen, der das ist? Trotzdem, er könnte mir gefallen!“, sagte die jüngere Frau träumerisch.

Die Tür öffnete sich, und eine Dame, eine wirkliche Dame, kam herein. Es war eine Frau, die ebensowenig hierher passte wie Mr. Shriber. Sie hatte brandrotes Haar, eine blendende Figur und elegante Kleidung. Jetzt waren es die Männer, denen fast die Augen aus dem Kopf fielen. Ihr schien das nichts aus zumachen. Sie setzte sich auf einen Hocker und ließ sich einen Brandy einschenken, so als ob sie hier Stammgast sei. Dann ging auch sie nach hinten, wo die Waschräume lagen.

Es verging keine halbe Minute, bevor sie wieder zum Vorschein kam. Sie zahlte und ließ die Hälfte des Brandys stehen. Dann ging sie eilig nach draußen.

Die Alte stand auf, schnappte sich das noch halb volle Glas und leerte es genusssüchtig. Ein gedämpfter Schrei erscholl, und zwei Sekunden später erschien Mr. Shriber wieder auf der Bildfläche. Er sah noch genauso elegant aus wie vorher, aber er taumelte, und die linke Seite des makellosen Seidenanzugs färbte sich rot. Dann fiel er schwer aufs Gesicht. Die Gespräche verstummten. Der Wirt beugte sich über den Mann und stellte fest, dass dieser tot war.

Joe, der Eigentümer der Horsefly, hatte schon mehr als einen Menschen gesehen, der eines gewaltsamen Todes gestorben war. Er zuckte die Achseln und griff zum Telefon.

„Hello! Police! Bei mir wurde soeben ein Mann erstochen ... Ja, in der Horsefly am Roosevelt Parkway.“

Als wenige Minuten später ein Streifenwagen stoppte und zwei Cops hereinkamen, war das Lokal leer. Die Mordkommission unter Detektiv Leutnant Temper rückte an.

„Kennen Sie den Mann?“, fragte der Leutnant.

„Nur vom Ansehen. Er traf sich manchmal mit anderen, die auch nur selten hierher kamen.“

„Und wie heißt er?“

„Ich weiß es nicht. Ich hörte, dass man ihn Jeff nannte.“

„Und wie kam es zu dem Mord?“

„Da fragen Sie mich zu viel, Leutnant. Er war gute fünf Minuten im Waschraum, vielleicht auch etwas länger. Dann hörte ich etwas, das wie ein Schrei klang. Er kam heraus und klappte um.“

„Das würde also bedeuten, dass er im Waschraum ermordet wurde und es mit letzter Kraft schaffte, ins Lokal zurückzukommen.“

„Es sieht so aus.“

„Und wer war gleichzeitig mit ihm dahinten?“

„Ich weiß es nicht. Man achtet ja nicht darauf. Nur die Frau fiel mir auf, die, als er schon in der Toilette war, hereinkam, einen Brandy bestellte, zur Hälfte trank und ebenfalls nach hinten ging. Sie kam sofort wieder zurück, zahlte und ließ die Hälfte ihres Brandys stehen.“

„So dass es nicht ausgeschlossen wäre, dass diese Frau den Mord begangen hat?“

„Das ist möglich, aber beschwören kann ich es nicht.“

„Keine Papiere, nichts wodurch man ihn identifizieren könnte“, sagte Sergeant Bruns, der die Taschen des Toten geleert hatte. „Nur zwölfhundert und einige Dollars, Zigaretten, Feuerzeug, Taschentuch und einen zweiundzwanziger Derringer in der Hüfttasche.“

„Wie sah die Frau aus, von der Sie sprachen?“, fragte der Leutnant.

„Ein bildhübscher Rotkopf, ungefähr dreißig Jahre alt.“

„Und weiter?“

„Hören Sie, Leutnant, ich hätte viel zu tun, wenn ich mir jedes Mädel, das hierherkommt, so genau ansehen würde, dass ich es der Polizei beschreiben kann.“

„War die Frau zum ersten Mal hier?“

„Nein. Ich sah sie innerhalb der letzten vierzehn Tage zwei- oder dreimal. Sie trank jedes Mal einen Brandy ... Ja, und dann ging sie nach hinten zur Toilette und haute wieder ab.“

„Ist das nicht auffällig?“

Der Wirt grinste.

„Wissen Sie nicht, dass viele Girls nur darum einen trinken gehen, weil sie etwas anderes, und zwar Dringenderes zu erledigen haben?“

„Wo ist das Glas, aus dem die Frau getrunken hat?“

„Hier steht es noch, aber ich fürchte, Sie werden mit Fingerabdrücken kein Glück haben. Ich sagte vorhin schon, sie hat ihren Brandy nur zur Hälfte ausgetrunken; tja, und dann kam die alte Jenny und führte sich den Rest zu Gemüte. Ihre Spuren werden Sie sicher darauf finden.“

Der Ermordete war beim Erkennungsdienst der Stadtpolizei nicht registriert. Dagegen ergab eine Anfrage beim FBI, dass er Jeff Lorton hieß und von der Polizei von Philadelphia wegen bewaffneten Raubüberfalls gesucht wurde.

Es war Mr. Anthony Gilford, der First Agent des Federal Bureau of Investigation, New York District und Jack Bradens Freund, der der Stadtpolizei diese Auskunft gab. Er konnte natürlich nicht wissen, dass auch Jack Braden sehr daran interessiert gewesen wäre, Näheres über Jeff Lorton und über die Tatsache, dass dieser nicht verheiratet sei, zu hören.

Also erfuhr der Detektiv nichts davon, dass der Klient, der ihm am Morgen 2.000 Dollar Vorschuss ausbezahlte, inzwischen das Zeitliche gesegnet hatte.

 

 

6

Der Nachtclub mit dem Namen ,Arabian Nights‘ war so eingerichtet, wie sich der kleine Moritz ein orientalisches Freudenhaus vorstellt. Die „Perserteppiche“ waren unecht, ebenso wie die verstaubten Palmen und die riesigen Lederkissen, auf denen man anstelle von Stühlen oder Sesseln Platz zu nehmen gezwungen war. Auf die verräucherten Wände hatte einer, der noch niemals etwas Derartiges gesehen hatte, Minaretts und dergleichen gemalt.

Die Kellner trugen farbige Pluderhosen und die Barmädchen sehr wenig. Nur die Drinks waren amerikanisch, wenn sie auch arabische Fantasienamen hatten. Und die Preise waren so hoch, dass kein Araber daran gedacht hätte, sie zu bezahlen.

Jack Braden ließ sich vorsichtig auf eine der nicht gerade Vertrauen erweckenden Sitzgelegenheiten nieder und konzentrierte seine Aufmerksamkeit zuerst einmal auf die Bühne, wo eine braun geschminkte Araberin aus Brooklyn mit dem Bauch wackelte. Als sie damit fertig war, tanzte das Publikum Hully Gully, was natürlich stilwidrig, aber amüsant war. Dann verkündete der Ansager den Auftritt von Alia, der Königin der Nacht.

Die Kapelle fing an zu fiepsen, und dann erschien Alia. Sie hatte eine olivfarbene Haut, mandelförmige, große, dunkelbraune Augen und schweres, schwarzes Haar, das ihr in dauergewellten Locken bis weit über die Schultern fiel. Sie trug eine kurze, rot seidene, ärmellose Weste, die über der Brust von einer großen, goldenen Nadel zusammengehalten wurde, und ein Paar weiße, weite Seidenhosen mit goldenen Spangen über den Knöcheln der bloßen Füße. Am Zeigefinger der rechten Hand leuchtete ein großer, moosgrüner Jadestein.

So ungefähr hätte Braden sich Salome, die Tochter des Herodes, vorgestellt. Nur der Kopf des Johannes auf der goldenen Platte fehlte.

Im Gegensatz zu ihren Vorgängerinnen konnte sie wirklich tanzen, wenn auch dieser Tanz mehr erotisch als exotisch war. Jack Braden, der einen Tisch unmittelbar an der Bühne erwischt hatte, glaubte zu bemerken, dass sie ihm ein paarmal verstohlen zulächelte.

Als sie dann zum Schluss mit weit ausgebreiteten Armen einige Sekunden regungslos stehenblieb und diese dann über der Brust kreuzte, und sich zum Dank für den Applaus verneigte, hob er sein Glas, um ihr zuzutrinken, aber da streckte sie ihre schmale, braune Hand mit den langen, gelackten Nägeln aus, so dass er nicht anders konnte, als ihr den Drink hinüberzureichen. Sie leerte ihn, wirbelte herum und verschwand hinter dem roten Plüschvorhang.

Er winkte dem Kellner.

„Noch einen Drink?“, fragte der.

„Vorläufig nicht. Können Sie mich in Alias Garderobe bringen, ohne dass es jemand merkt?“

„Das ist verboten“, grinste er.

„Tatsächlich?“ Braden drehte einen Zehndollarschein um den Finger.

„Man könnte es probieren,, aber zehn Bucks sind für diese Gunst nicht gerade viel.“

Es war bestimmt nicht das erste Mal, dass ein Gast dieses Ansinnen stellte, und der Kellner hatte dafür seine bestimmte Taxe.

„Wenn wir da sind, bekommen Sie noch so einen.“

Details

Seiten
117
Jahr
2020
ISBN (eBook)
9783738946956
Sprache
Deutsch
Erscheinungsdatum
2020 (November)
Schlagworte
jack braden thriller mordfall shriber

Autor

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Titel: Ein Jack Braden Thriller #29: Mordfall Shriber