Lade Inhalt...

Ein Jack Braden Thriller #25: Windiger Reporter und schmutzige Geschäfte

2020 116 Seiten

Zusammenfassung


Der Reporter Lemmy Roadster scheint mehr über den Fall Holborn zu wissen, den Privatdetektiv Jack Braden gerade bearbeitet. Ein scheinbar sinnloser Mord, gefolgt von weiteren Toten. Die Spuren führen zunächst ins Leere, bis wiederum Roadster Hinweise liefert. Aber was hat dieser windige Reporter wirklich mit der Sache zu tun?

Leseprobe

Table of Contents

Windiger Reporter und schmutzige Geschäfte

Copyright

Die Hauptpersonen des Romans:

1

2

3

4

5

6

7

8

9

10

11

12

13

14

15

16

17

18

19

20

21

22

23

24

25

26

27

28

29

30

31

32

33

34

Windiger Reporter und schmutzige Geschäfte

Ein Jack Braden Thriller #25

von Cedric Balmore

 

Der Umfang dieses Buchs entspricht 116 Taschenbuchseiten.

 

Der Reporter Lemmy Roadster scheint mehr über den Fall Holborn zu wissen, den Privatdetektiv Jack Braden gerade bearbeitet. Ein scheinbar sinnloser Mord, gefolgt von weiteren Toten. Die Spuren führen zunächst ins Leere, bis wiederum Roadster Hinweise liefert. Aber was hat dieser windige Reporter wirklich mit der Sache zu tun?

 

 

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books, Alfred Bekker, Alfred Bekker präsentiert, Casssiopeia-XXX-press, Alfredbooks, Uksak Sonder-Edition, Cassiopeiapress Extra Edition, Cassiopeiapress/AlfredBooks und BEKKERpublishing sind Imprints von

Alfred Bekker

© by Author

© COVER FIRUZ ASKIN

© dieser Ausgabe 2020 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

Folge auf Twitter

https://twitter.com/BekkerAlfred

 

Zum Blog des Verlags geht es hier

https://cassiopeia.press

Alles rund um Belletristik!

Sei informiert über Neuerscheinungen und Hintergründe!

 

 

Die Hauptpersonen des Romans:

William Holborn – Fachmann für chemische Kampfstoffe und alsbald tot.

Dick Walker – der erste für seine Stellvertretung, und das geht dann zu weit.

Mady Stone – Mädchen für gewisse Liebschaften – und das nicht freiwillig.

Morgan – Besitzer eines Clubs für allerlei Vergnügungen – und nicht nur das.

Ted Fleming – Spezialist für schmutzige Arbeit und nicht immer erfolgreich.

Lemmy Roadster – Journalist für Kriminalstorys und erstaunlich gut informiert.

Louis Thrillbroker – Konkurrent für Lemmy und am längeren Hebel.

Jack Braden und sein Team – sorgen für harte Runden und einen Sieg.

 

 

 

1

Er war blond, knapp fünfzig Jahre alt und verheiratet. Er sollte sterben. Noch in dieser Nacht. Es war an einem Freitag.

Im ersten Gang fuhr er die 74. Street entlang und blickte suchend nach den Hausnummern. Er bemerkte den dunklen Thunderbird nicht, der hinter ihm her glitt.

Die Uhr auf dem Armaturenbrett zeigte wenige Minuten nach zwei. An der Ecke der Columbus Avenue stoppte er den Wagen und stieg aus. Er steuerte geradewegs auf das große Haus auf der anderen Straßenseite zu.

Als er den Eingang erreicht hatte, blieb er verblüfft stehen. Mit kurzsichtigen Augen starrte er auf die Namensschilder neben den Klingelknöpfen. Dann trat er einen Schritt zurück und blickte verwundert an dem Haus empor.

Der dunkle Thunderbird war jetzt mit dem Mann auf gleicher Höhe.

Der Mann zog ein kleines Notizbuch aus der Tasche und blätterte darin herum.

Der Thunderbird hielt, und über der heruntergekurbelten Scheibe erschien der Lauf eines Colts Woodsman.

Der Mann lachte auf und schlug sich mit der Hand gegen die Stirn. Er steckte das Notizbuch ein und wandte sich um.

Das heißt, er wollte sich umwenden. Er kam nicht mehr dazu. Wie von einer mächtigen Riesenfaust getroffen, wurde er zurückgeschleudert.

Es hatte einen Knall gegeben, nicht sehr laut. Und das letzte, was der Mann in seinem Leben empfand, war Verwunderung, ja, maßlose Überraschung. Er fasste mit der Hand an den Rücken. Die Hand wurde feucht.

Als er fiel, spürte er den harten Aufschlag auf das Straßenpflaster schon nicht mehr.

Der Motor des Thunderbird brüllte auf. Der schwere Wagen schoss die Straße hinunter und verschwand mit quietschenden Reifen um die Ecke.

 

 

2

Roundsman 403, Phil Wade, tippte mit der Zehenspitze gegen die Bordschwelle. Sein Gesicht war hart und verschlossen. Mit schmalen Augen starrte er eine Weile auf den Leichnam zu seinen Füßen.

Ein Toter war hier in dieser Gegend immerhin eine Seltenheit.

Roundsman Phil Wade hob seine Trillerpfeife an die Lippen. Grell schrillte das Signal durch die Nacht.

Die tappenden Schritte schwerer Stiefel bogen um die Ecke und kamen rasch näher. Die Uniform eines Polizisten tauchte im Schein der Straßenlaterne auf.

„Hello, Phil, was ist …“ Dann entdeckte der Cop den Mann im Rinnstein. Mit einem kleinen Japser blickte er auf. „Wie ist das passiert?“, fragte er.

Phil Wade zuckte mit den Schultern.

„War nicht dabei“, murmelte er. „Hau ab und ruf die Mordkommission.“

Der Cop jagte davon.

Phil Wade klopfte sich eine Camel aus seinem Päckchen und zündete sie an. Er war in South Brooklyn groß geworden. Dort ließ sich niemand wegen eines Mordes graue Haare wachsen.

Er wartete.

Bald klang das Heulen einer Polizeisirene in der Ferne auf und kam rasch näher. Der warnende Ton des Martinshorns wehte einige verspätete Passanten an den Rand der Straße.

Reifen kreischten, als der Bereitschaftswagen der Mordkommission in mörderischem Tempo in die 74. Street einbog. Die grellen Scheinwerferbündel flogen über die Häuserwände, griffen gespenstisch in die Dunkelheit. Sekunden später stoppte der Wagen ruckartig am Bürgersteig. Die Türen flogen auf. Das mächtige Gefährt spuckte ein halbes Dutzend Männer in Zivil und Uniform aus.

Allen voran war Captain Allan Rutherford, der Leiter des Morddezernats im Major Crime Bureau, ein lang aufgeschossener, sympathischer Bursche mit einem harten Gesicht.

Rutherford ging auf Phil Wade zu. Der Roundsman schnarrte seine Meldung herunter. Der Captain blickte auf den Toten im Rinnstein.

Plötzlich tauchte ein kleiner, sommersprossiger Bursche aus der Nacht auf. Eine schrille Stimme klang aus seiner Brust. „War es Mord, Cap‘n?“

„Scher dich zur Hölle, Lemmy“, herrschte Rutherford den Reporter an. „Du siehst doch, dass ich gerade erst ankomme.“

Lemmy verdrückte sich seitwärts.

Die Mordkommission begann mit ihrer traurigen Routinearbeit. Blitzlichter zuckten durch die Finsternis. Fußspuren wurden vermessen.

„Na, Doc?“, fragte Rutherford den Polizeiarzt, der sich eben ächzend von dem Toten aufrichtete.

„Treten Sie mir doch nicht die Hacken ab“, knurrte Dr. Ellis unwirsch. „Höchstens ‘ne halbe Stunde tot. Schuss in den Rücken. Traf das Herz.“ Er schob seinen Kaugummi von einer Backe in die andere. Jegliches Pietätsgefühl ging ihm ab. In vierzigjährigem Polizeidienst war er ziemlich abgestumpft.

„Ist das alles?“

Der Doc nahm seinen Kneifer ab und blinzelte durch die Gläser zum Mond hinauf, der wolkenverhüllt über der Stadt hing. Dann putzte er das Glas umständlich mit einem großkarierten Taschentuch.

„Alles!“, schnarrte er. Er machte kehrt und ging zu dem wartenden Bereitschaftswagen zurück.

„Was gefunden?“, erkundigte sich Rutherford.

„Raubmord scheidet aus“, meldete Detektiv-Sergeant Finch. „Er hatte eine Brieftasche bei sich mit über hundert Dollar.“

Rutherford nahm die Brieftasche entgegen und blätterte darin herum.

Geld, das Foto einer nicht mehr ganz jungen Frau, eine unbezahlte Arztrechnung, ein Führerschein und ein Pass kamen zum Vorschein.

„William Holborn“, las der Captain halblaut. „Sagt Ihnen der Name etwas?“

Finch schüttelte den Kopf.

„Nein. Müsste er?“

„Ich weiß nicht. Mir kommt er irgendwie bekannt vor. Ich habe ihn in der letzten Zeit gehört oder gelesen.“

Der Tote war inzwischen auf eine Segeltuchbahre gelegt und in den Bereitschaftswagen geschoben worden. Dann fuhren sie zurück zum Stadthaus.

Schon unterwegs setzte sich Captain Rutherford mit seiner Dienststelle in Verbindung.

„Sehen Sie nach, ob etwas gegen den Mann vorliegt“, ordnete er an.

Fünf Minuten später wusste Captain Rutherford, wo er den Namen William Holborn schon einmal gehört hatte.

Er hatte in einem Funkspruch gestanden, den sämtliche Polizeistationen der USA erhalten hatten.

Dr. William Holborn, ein bekannter Wissenschaftler, war Leiter der Forschungsabteilung der Eastern Chemical Corp. gewesen. Vor genau drei Tagen war er spurlos von der Bildfläche verschwunden. Da sich Dr. Holborn mit der Entwicklung eines neuen chemischen Kampfstoffes befasst hatte, lag die Möglichkeit nahe, dass ein Verbrechen, eine gewaltsame Entführung oder dergleichen vorlag.

„Wir werden den Fall an das FBI übergeben müssen“, sagte Rutherford.

Sergeant Finch zog ein saures Gesicht. Er machte seine Arbeit am liebsten selbst.

„Holborn wohnte drüben in New Jersey, und auch die Eastern Chemical ist drüben auf der anderen Seite des Hudson“, erklärte ihm Rutherford. „Der Fall spielt über die Grenzen zweier Bundesländer hinweg.

 

 

3

Alles, was in New York Rang und Namen hat, wohnt in der Fifth Avenue; vom blaublütigen Aristokraten bis hinab zum maßgeschneiderten Gangster.

Der Mann, der in jener Freitagnacht das Haus 869 Fifth Avenue betrat, sah nicht so aus, als hätte er darin etwas zu suchen. Wäre er zufällig einem Cop in die Arme gelaufen, hätte ihn dieser bestimmt auf die nächste Station mitgenommen.

„Wer ist da?“, klang es aus der Muschel der Sprechfunkanlage, als der Fremde zweimal geklingelt hatte.

„Ted.“

Ein Summer ertönte, und die Tür schwang auf.

Ted betrat eine luxuriös eingerichtete Diele. Er strebte, ohne sich umzublicken, auf die dem Eingang gegenüberliegende Tür zu. Dort klopfte er.

„Come in!“

Ted stieß die Tür auf und trat ein.

Er konnte nichts sehen. Gleißende Helle brannte in seine Augen. Eine Barriere aus Licht schnitt den Raum in zwei Hälften.

„Erledigt!“, erkundigte sich eine raue, tiefe, hörbar verstellte Stimme.

„Erledigt!“, bestätigte Ted. Er war kein Freund vieler Worte. Vergebens versuchten seine Augen die Lichtschranke zu überwinden. Er konnte nichts, was hinter diesem gleißenden Licht lag, erkennen. „Holborn ist tot!“

„Er hat es sich selbst zuzuschreiben“, murmelte die Stimme kalt und gefühllos. „Hat dich jemand beobachtet? Ging alles glatt?“

„Ich bin doch kein Anfänger!“, knurrte Ted ärgerlich. „Wie ist es hiermit?“ Daumen und Zeigefinger seiner Rechten machten die Bewegung des Geldzählens.

„Hier!“

Ein Bündel Banknoten flog aus der Finsternis, landete auf dem Boden und schlitterte bis vor Teds Füße. Der Gangster bückte sich und hob die Noten auf. Rasch zählte er sie durch, ehe er sie zufrieden schmunzelnd in die Tasche seines schäbigen Mantels schob.

„Verschwinde!“

Ted zuckte mit den Schultern und machte kehrt. Er hatte kein Verlangen nach einer langen Unterredung. Rasche Arbeit und prompte Bezahlung, das war das, wonach ihm das Herz stand.

Er verließ die Wohnung. Die Tür schnappte hinter ihm ins Schloss. Er wandte sich nochmals um und las den Namen, der auf dem breiten Messingschild stand: DONALD REED

Ted lächelte vor sich hin. Er wusste, dass dieser Name so falsch war wie der Busen seiner Zimmerwirtin. Aber das kümmerte ihn wenig. Er arbeitete für jeden, der ihn anständig bezahlte; und darüber konnte er bei Mister Reed nicht klagen. Lebensgefährliche Fragen zu stellen, hatte sich Ted längst abgewöhnt.

Ted verließ das Haus und schlenderte zu seinem Thunderbird, den er am Central Park stehen hatte.

 

 

4

Der Mann, der seinen cremefarbenen Buick blitzschnell in eine freiwerdende Parklücke in der East 74. Street schob, atmete auf, als das Manöver geglückt war. In Manhattan einen Parkplatz zu finden, ist ein Kunststück.

Der Mann stieg aus und schloss seinen Wagen ab. Er trug einen dunklen Ulster und einen grauen Stetson. Er mochte ungefähr vierzig Jahre alt sein und machte den Eindruck eines harmlosen Buchhalters.

Der Mann steuerte auf das Haus mit der Nummer 241 zu. Sein Blick glitt an dem Gebäude empor, als wolle er vorher abschätzen, was ihn hier erwartete.

Es war ein achtstöckiges Appartementhaus. In der dritten Etage befand sich das Office der Braden-Detektei.

Der Mann bestieg den Lift in der Halle und surrte lautlos empor.

Er war nervös. Auf seiner Oberlippe bildeten sich feine Schweißperlen. Seine Hände, die in schweinsledernen Handschuhen steckten, krampften sich ineinander. In seinen Augen glomm ein schwer deutbares Feuer.

Der Lift hielt mit einem kaum merklichen Ruck an.

Der Mann zögerte.

Dann stieß er die Tür des Lifts auf und trat auf den Korridor. Mit leisem Klappen fiel die Tür hinter ihm wieder ins Schloss.

Als er aus dem Aufzug trat, stand er einer Tür gegenüber.

Braden Detectiv-Agency stand an dieser Tür.

Der Mann stieß die Tür auf und betrat eine Diele, von der aus mehrere andere Türen abgingen.

Er steuerte auf die Tür zu, die die Aufschrift Sekretariat Dawn Barris trug.

Der Mann klopfte an und trat ein.

Hinter einem Schreibtisch saß eine junge Dame. Sie warf ihr weizenblondes Haar aus der Stirn und blickte den Besucher an.

„Stan Holborn“, stellte sich der Mann vor. „Ich möchte mit Mister Braden sprechen.“

„Worum handelt es sich, Mister Holborn?“, erkundigte sich Sunny.

Holborn zögerte. Endlich meinte er: „Ich möchte es Mister Braden persönlich sagen.“

„Ich kann Mister Braden im Augenblick nicht stören. Jedenfalls nicht, ohne zu wissen, worum es geht.“

„Es handelt sich um meinen Bruder. Er wurde ermordet.“

„Warten Sie.“ Sunny stand auf und schritt durch die Verbindungstür hinüber zu Jack Braden. Nach zwei Minuten war sie wieder zurück und führte den Besucher durch die Verbindungstür hinüber zu Jack Braden.

Braden reichte Holborn die Hand und deutete auf einen Sessel. Auch er selbst setzte sich. „Was kann ich für Sie tun?“

„Mein Bruder wurde ermordet. Ich möchte, dass Sie seinen Mörder suchen.“

„Es ist Sache der Polizei, einen Mörder zu suchen. Warum kommen Sie zu mir?“

„Ich habe verschiedene Gründe. Einmal haben Sie auch den McComey-Fall geklärt, und zum anderen war mein Bruder auf dem Weg zu Ihnen, als er ermordet wurde.“

„Wer bearbeitet den Fall?“

„Das FBI hat ihn in die Hand genommen. – Wollen Sie den Auftrag annehmen? Ich stelle Ihnen einen Scheck aus.“

„Ich übernehme nie einen Fall, den ich nicht genau kenne“, erwiderte Braden. „Woher wissen Sie, dass Ihr Bruder zu mir wollte, als man ihn ermordete?“

„Er wurde vor dem Haus mit der Nummer 241 in der 74. Street West erschossen. Das Haus ist bisher noch niemanden aufgefallen. Sie wohnen in demselben Haus, aber auf der East Side.“

„Das ist eine Vermutung von Ihnen.“ Jack schätzte den Mann ab. Er machte einen durchaus soliden Eindruck und man sah ihm an, dass ihm der Tod seines Bruders nahe ging.

„Und wer hat Ihren Bruder umgebracht?“, fragte Braden plötzlich.

William Holborn zuckte mit keiner Wimper. Nur seine schlanken Finger verkrampften sich ineinander, so dass das Weiße der Knöchel hervortrat.

„Das sollen Sie eben herausfinden, Mister Braden“, sagte Holborn.

„Erzählen Sie mir etwas von Ihrem Bruder.“

„Bill war eine Kanone auf seinem Gebiet. Er arbeitete in Jersey City bei der Eastern Chemical Corp. Er leitete dort die Forschungsabteilung. Sie experimentierten mit irgendwelchen Kampfstoffen. Ich verstehe davon überhaupt nichts, kann Ihnen deshalb nichts Näheres erklären.“

„War Ihr Bruder verheiratet?“

„Ja. Meine Schwägerin wohnt in Jersey City, 256 Armory Street. Die Ehe war gut. – Wenigstens bis auf die letzte Zeit.“

„Wer könnte ein Interesse am Tod Ihres Bruders haben?“

„Er wurde erpresst.“

„Von wem?“

Stan Holborn zuckte die Schultern.

„Ich weiß es nicht.“

„Also wieder nur eine Vermutung von Ihnen?“

„Mehr als eine Vermutung.“ Stan Holborn zog seine Brieftasche hervor und suchte darin herum. Dann reichte er Braden eine Fotografie. „Sehen Sie sich das an.“

Jack stieß einen leisen Pfiff durch die Zähne. Das Bild zeigte einen Mann und ein junges Mädchen. Das Mädchen war lediglich mit einem Lächeln bekleidet. Jack Braden drehte das Bild herum. Auf der Rückseite stand: Wollen Sie, dass wir diese Bilder veröffentlichen? Sie kennen ja unseren Preis. „Woher haben Sie das Bild?“

„Ich fand es im Nachlass meines Bruders.“

„Kennen Sie das Mädel?“

„Ich weiß nur, dass Sie in der OASE arbeitet.“

„Ah ja!“, sagte Jack trocken. Er kannte die OASE. Es war ein ziemlich anrüchiger Privatclub in Richmond. Er war schon ein oder zweimal dort gewesen.

„Glauben Sie mir jetzt, dass Bill erpresst wurde? Vor ein paar Tagen verschwand er. Er wusste keinen Ausweg mehr, deshalb wollte er zu Ihnen. Sie sollten ihm helfen. Nehmen Sie jetzt an?“

Braden nickte.

„Wie viel verlangen Sie?“

„Darüber werden wir uns später einig werden“, meinte Jack abwinkend. „Sie hören wieder von mir.“

Holborn verschwand.

Jack Braden ging hinaus ins Vorzimmer. „Haben Sie‘s gehört, Sunny?“

Das Mädchen nickte und blickte ihren Boss mit großen Augen an.

„Was halten Sie von der Sache, Jack?“

„Es ist möglich, dass Holborn zu mir wollte. Es kann aber auch ein Zufall sein, dass er vor dem Haus 241 in der 74. Street West erschossen wurde. – Ich möchte wissen, womit man ihn erpressen wollte.“

„Er war Leiter der wissenschaftlichen Abteilung der Eastern Chemical.“

Jack Braden blickte Sunny einen Moment verblüfft an. Dann sagte er: „Sie sind ein schlaues Kind, Sunny. Und nun stellen Sie eine Verbindung zum FBI her. Verlangen Sie Gilford und sagen Sie ihm, dass ich ihn sprechen muss.“

 

 

5

Anthony Gilford kam nach Bradens Anruf persönlich. Niemand, der seine Verehrung für Dawn Barris kannte, würde sich darüber wundern.

„Guten Tag, Miss Dawn“, sagte er steif, mit einer genau abgezirkelten Verbeugung.

Sunny nahm mit einem kleinen Lächeln den Strauss leuchtend gelber Rosen entgegen. Sie hatte sich allmählich an Gilford gewöhnt; es war ihr fast selbstverständlich geworden, dass dieser Mann, der den landläufigen Vorstellungen von einem FBI-Agenten in keiner Weise entsprach, bei jedem Besuch Blumen mitbrachte.

Gilford legte seinen Homburg und den korrekt gerollten Regenschirm ab.

Sein Haar ist an der Schläfe um eine Nuance grauer geworden, stellte Sunny fest. Aber ehe sie in ihren Betrachtungen fortfahren konnte, tauchte Jack Braden auf. Er kam von nebenan.

„Hello, Tony!“

Anthony Gilford zuckte zusammen. Er konnte sich nie daran gewöhnen, seinen Namen in einer derartigen Verstümmelung zu hören.

„Kommen Sie mit rüber in mein Zimmer“, meinte Braden. „Sunny kann uns inzwischen eine Tasse Tee machen.“

Gilford folgte Braden. Er nahm Platz, wobei er sorgfältig auf die messerscharfen Bügelfalten in seinen Beinkleidern achtete.

„Sie haben mir ja schon am Telefon gesagt, dass Sie für den Fall Holborn zuständig sind, Tony.“

„Ja. Deswegen bin ich hier.“

„Es steht nicht viel davon in den Zeitungen, also, weiß ich auch nicht viel“, gab Braden offen zu. „Aber wozu habe ich Sie?“

„So?“ Gilford musterte Braden abwartend. „Ich interessiere mich für den Fall, Tony. Wie Sie schon wissen, habe ich einen Klienten, für den ich den Mörder William Holborns suchen soll.“

„Wer ist es? Warum kommt er ausgerechnet zu Ihnen?“

„Das kann ich Ihnen nicht verraten, Tony. Aber ich habe einige interessante Informationen von seinem Bruder bekommen.“

„Stan Holborn? – Was ist faul an der Geschichte? Wenn die Sache klar wäre, bräuchten Sie mich doch nicht.“

Jack Braden rieb sich die Hände. Gilford lächelte dünn. Sie verstanden sich, ohne dass einer etwas zu sagen brauchte.

Gilford nippte an seiner Teetasse.

„Miss Dawn ist die einzige Frau in Gottes eigenem Land, die es versteht, trinkbaren Tee zuzubereiten“, schmunzelte er.

Dann, völlig unvermittelt, begann er zu dozieren: „William Holborn war als Chef der Forschungsabteilung Eastern Chemical ein großes Tier. Er war seit zwanzig Jahren verheiratet. Mit ein und derselben Frau. Das will heute schon was heißen. Die Ehe blieb kinderlos, aber sie war harmonisch und gut. Holborn kannte nur seine Arbeit und seine Frau. Er vernachlässigte weder das eine noch die andere. Bis vor ungefähr acht Wochen die Sache ins Rollen kam.“

„Welche Sache?“, fragte Braden, als Gilford eine lange Pause machte.

„Man feierte den Geburtstag eines Kollegen. Holborn nahm nur notgedrungen an dieser Feier teil. Aber irgend etwas muss auf dieser Party passiert sein, denn Holborns Wesen veränderte sich schlagartig. Es kam mehrmals vor, dass er ganze Nächte außer Haus blieb. Bei seiner Frau entschuldigte er sich mit zunehmender Arbeit. Aber wir haben festgestellt, dass er nie, oder wenigstens fast nie, länger als bis zehn Uhr zu arbeiten hatte. Wo war er also, wenn er ganze Nächte lang ausblieb?“

„Bei einer Frau“, sagte Braden trocken.

Gilford blickte auf. Er fixierte den Detektiv mit scharfem Blick. Dann fuhr er fort: „Es ist meistens eine Frau im Spiel, wenn ein Mann seiner Gattin vorlügt, er habe länger zu arbeiten. Leider wissen wir noch nicht, wo Holborn diese Nächte verbrachte. Fest steht, dass er von Tag zu Tag nervöser und reizbarer wurde. Und dann kam die Nacht vom Dienstag auf Mittwoch vergangener Woche. Holborn bekam abends gegen neun Besuch. Seine Frau hat uns eine ausgezeichnete Beschreibung dieses Besuchers gegeben. Als besonderes Kennzeichen abstehende Ohren und eine Hasenscharte. Dieser Mann ist deshalb so wichtig, weil Holborn mit ihm Krach hatte. Holborn hat getobt und den Mann anschließend aus dem Haus gejagt. Eine halbe Stunde später verließ auch William Holborn das Haus. Danach hat man von ihm nichts mehr gesehen oder gehört – bis Freitag. Und da war er tot.“

„Haben Sie eine Ahnung, wer der Mann mit der Hasenscharte ist?“

„Nein.“

Jack Braden überlegte, wieweit er den G-man einweihen solle. Endlich sagt er: „Ich habe eine Spur, die in die OASE führt.“

„Seien Sie vorsichtig, Jack. Die OASE ist kein Kindergarten. Wir sind verdammt scharf auf diesen Laden. Leider ist unsere Vermutung, dass in der OASE wieder einmal Rauschgift gehandelt wird, eben nur eine Vermutung.“

„Glauben Sie eigentlich diesen ganzen Schmus?“

„Warum nicht?“

„Ich finde es komisch, dass ein Mann wie Holborn von zu Hause wegrennt und sich dann tagelang nicht mehr sehen lässt.“

„Vielleicht hatte er Angst“, warf Sunny schüchtern ein.

„Angst? Vor wem?“

„Vor seinem Mörder!“

Braden stand auf. Er wandte sich Anthony Gilford zu.

„Ich möchte die Leiche sehen. Wollen Sie mitkommen, oder können Sie sich nicht von

Sunnys Anblick losreißen?“

Dawn Barris warf ihrem Chef einen beinahe wütenden Blick zu. Aber Braden lächelte nur. Er fand Sunny besonders hübsch, wenn sie wütend war.

 

 

6

Der Besuch im Schauhaus hatte Jack Braden nicht weitergebracht. Nun galt es, die Spur in der OASE aufzunehmen.

Die OASE lag im New Springville Park, direkt am Main Creek.

Jack Braden stoppte seinen Porsche. Ein Mann in Uniform, mit einer Pistole in der ledernen Revolvertasche, schlenderte langsam auf den Wagen zu.

„‘n Abend. Ihr Wagen steht nicht auf der Liste. Dies ist ein Privatgrundstück. Wollen Sie jemanden besuchen?“

Braden lächelte. Er kannte solche Burschen, die mit den Befugnissen eines Hilfspolizisten

ausgerüstet waren, zur Genüge. Wahrscheinlich spielte der Kerl dieses Theater nur, damit sein Kumpan in dem kleinen Wachhäuschen Zeit genug fand, den Boss zu verständigen.

Braden hielt dem Mann seinen Ausweis unter die Nase. „Braden von Bradens Detektiv-Agentur“, stellte er sich vor. „Ich hätte gern Mister Morgan gesprochen.“

„Ich weiß nicht, ob Mister Morgan anwesend ist“, log der Mann. „Warten Sie!“

Mister Morgan war der Boss dieses Clubs. Braden gab sich keiner Hoffnung hin, mit Morgan selbst sprechen zu können. Aber er würde seinen Zweck schon erreichen, wenn er wenigstens hier durchgelassen würde.

Der Mann schlenderte zu dem Häuschen am Straßenrand zurück, sprach dort mit jemanden und rief dann zu Braden herüber: „Sie können reinfahren!“

Jack Braden gab Gas. Er hatte es sich längst abgewöhnt, sich über solche Randfiguren zu ärgern.

Mit Vollgas schoss er in eine Kurve. Es war inzwischen dunkel geworden. Die Scheinwerfer des Wagens stachen in die Nacht wie Geisterfinger.

In violettem Neonlicht strahlte der Club seinen Namen in die Dunkelheit. Ein paar Wagen standen vor dem Eingang, von einem schläfrigen Wärter in blauer Uniform bewacht.

Braden stieg aus. Ein Portier in weinroter Uniform mit goldenen Epauletten riss die Tür vor ihm auf. Ein Garderobenmädchen in engem, malvenfarbenem Kleid nahm ihm Hut und Mantel ab. Dabei lächelte sie vielversprechend, mit Augen, die wie fremdartige Sünden waren.

Rechts vom Eingang war die Bar. Es war dämmrig und still hier. Hinter der Bar bewegte sich der Keeper vor einem matten Geglitzer von Glas und Kristall. Gedämpftes rotes Licht, gedämpftes Gläserklirren, gedämpftes Geflüster von Liebe oder Geld oder von was sonst.

Es war alles ganz so, wie es sich für ein Nachtlokal gehörte.

Braden rutschte auf einen freien Barhocker. Barkeeper sind meist ebenso geschwätzige Leute wie Friseure, dachte er. Dieser hier sollte sich als Ausnahme entpuppen.

Braden bestellte Scotch.

„Nettes Lokal. Sind Sie schon lange hier?“

Der Mixer machte eine Bewegung mit dem Kopf, die ebenso gut ja wie nein heißen konnte.

„Ist es bei euch immer so leer? Oder ist hier auch mal was los?“

Als der Mann wieder keine Antwort gab, trank Braden sein Glas aus.

„Noch einen?“

Jack blickte den Mixer fast ehrfürchtig an: Er konnte also doch sprechen.

Er machte einen neuen Versuch.

„Kennen Sie das Girl?“, fragte er und schob dem Mann einen Ausschnitt hin, den er sich nach der Fotografie aus dem Besitz Holborns hatte machen lassen.

Der Mixer schielte nur mit einem Auge auf das Bild.

„Was wollen Sie eigentlich?“

„Oh, fast nichts.“ Braden schob eine zusammengefaltete Zwanzig-Dollar-Note über die Theke. „Kennen Sie dieses Girl?“, wiederholte er.

Der Mixer nahm das Geld ohne aufzublicken.

Also doch, dachte Braden. Schließlich sind Barkeeper keine Krösusse. – Als der Mixer zurückkam, legte er achtzehn Dollar und ein paar Cent auf die Theke.

Das Wechselgeld!

„Wollen wir tanzen?“

Jetzt erst bemerkte Braden das Mädchen neben sich. Die Reflexe der Lichter spielten in ihren kupfernen Haaren. Ihr Gesicht war hübsch, und auch sonst war sie auf das Beste ausgestattet.

Braden zögerte.

„Sie werden es bestimmt nicht bereuen“, sagte das Mädchen. Und leise flüsterte sie: „Ich könnte Ihnen Ihre Frage beantworten.“

Das gab den Ausschlag. Braden ging mit.

Eine südamerikanische Kapelle spielte eben einen schmelzenden Tango. Das Mädchen schmiegte ihren Körper eng an den Detektiv.

Nach dem Tanz suchten sie eine der versteckt liegenden Nischen auf.

„Nun?“, fragte Braden.

„Sie sind sehr neugierig“, lachte das Mädchen. „Ich heiße übrigens Merlin Parker. Meine Freunde nennen mich Merlin.“

„Freut mich, Miss Parker“, antwortete Braden kühl. „Ich bin Jack Braden. Von Beruf Bluthund und neugierig.“

Sie blickte ihn mit ihren nachtschwarzen Augen nachdenklich an.

Irgendwer hämmerte wie ein Verrückter auf ein Klavier los. Eine Frau, die aus ihrem Abendkleid fast herausquoll, sang dazu. Nicht schön, aber laut.

„Ich kenne das Mädchen. Sie war oft hier.“

„Allein?“

„Meist in Begleitung.“

Ein Zigarettenmädchen trat an den Tisch. Ihr Kostüm hätte unschwer in Bradens Jackentasche Platz gefunden. Um sie loszuwerden, kaufte er eine Packung.

„Haben Sie etwas gegen das Mädel?“

„Ich habe grundsätzlich nichts gegen Leute, die nichts gegen mich haben“, philosophierte Braden.

„Sie sind ziemlich frech. Wissen Sie das?“

„Ich weiß. Nur kann ich es nickt ändern. Ich bin mit diesem Fehler zur Welt gekommen“, gab Jack schlagfertig zurück. „Also, den Namen?“

„Welchen Namen?“

„Den Namen von dem Mädel“, zischte Jack Braden ungeduldig. Er war nicht in der OASE, um zu flirten.

„Mady Stone. Sie hat …“

Mit einem leisen, spitzen Schrei brach Merlin Parker ab. Ehe Braden noch kapiert hatte, was passierte, bohrte sich der harte Lauf einer Pistole in seine Seite.

 

 

7

„Hopp!“, kommandierte der Bursche mit dem Revolver. „Komm mit!“

„Wer ist der Affe?“, wandte sich Braden gelassen an Merlin Parker. Sein Blick glitt über den Revolverhelden. Es war ein schlanker, junger Mann. In seinem bleichen, verlebten Gesicht flackerten ein paar harte, unruhige Augen. Das ölige Haar war glatt nach hinten gekämmt.

Der Druck des Revolvers verstärkte sich.

Braden erhob sich. Obwohl er wusste, dass dieser Kanonenjüngling hier nicht schießen würde, ging er mit.

Der Italiener bugsierte ihn durch eine Tür im Hintergrund in einen büroartig eingerichteten Raum.

In einem tiefen Sessel saß Morgan. Neben ihm, rechts und links, stand seine Leibwache, zwei riesige, herkulisch gebaute Männer mit Gesichtern, die sich auf einem Steckbrief gut ausgemacht hätten.

„Was schnüffeln Sie hier herum?“, bellte Morgan. Seine Augen glitzerten wie Eis.

„Einen netten Club haben Sie, Morgan.“

„Er wird Ihnen noch besser gefallen, wenn wir Sie hier beerdigt haben.“

„Wie freundlich von Ihnen.“

„Das Lachen wird Ihnen vergehen, Braden!“

„Sie kennen mich?“, fragte Jack verblüfft.

„Leider.“

„Dann werden Sie auch wissen, dass Sie die Feds auf den Hals bekommen, wenn Sie mich umlegen, Morgan.“

„Sie reden zu viel. – Los, Boys, schafft ihn in den Keller, und verpasst ihm eine Kugel.“

Die Sache sah schlecht für ihn aus. Es waren drei gegen einen – Morgan nicht eingerechnet.

Jack Braden sah seine einzige Chance im Angriff. Hinter ihm stand noch immer der Italiener mit der 38er im Anschlag. Er war im Augenblick der einzige, der seine Waffe in der Hand hielt.

Braden schnellte herum. Seine glasharte Rechte knallte gegen das Kinn des Gegners. Der Italiener sperrte den Mund auf, ließ die Pistole fallen und legte sich dann daneben.

Morgan lachte dröhnend.

„Zeigt‘s ihm!“, schrie er.

Die beiden Gorillas setzten Braden hart zu. Mit zwei geschmeidigen Sprüngen zog er sich bis zur Wand zurück. So hatte er wenigstens den Rücken frei.

Die Gorillas warfen sich gleichzeitig auf ihn. Der eine, ein riesiger Bulle mit einer übel zugerichteten Gesichtshälfte, war als erster heran. Seine harte Rechte kam gefegt. Jack duckte sich, und der Schlag sauste über ihn hinweg. Ein Ellbogen bohrte sich in seinen Hals. Für ein paar Sekunden wurde es schwarz vor seinen Augen.

Aber die stechenden Schmerzen von einigen gut gezielten Hieben brachten ihn schnell wieder zu sich. Seine Rechte sank in den Leib eines Gangsters. Die Luft wurde förmlich aus ihm herausgepresst. Wie ein geplatzter Mehlsack knickte der Kerl in sich zusammen.

Mit zwei, drei kurzen Haken trieb Braden den anderen Angreifer vor sich her.

Morgan war inzwischen das Lachen vergangen. Wie ein Panther lauerte er hinter dem Schreibtisch.

Braden wich einem Schemel aus und rannte dem Bullen seinen Kopf in den Bauch. Der Gangster kippte um. Er flog durch die große Glastür zum Nebenzimmer, mit einem Klirren und Klingeln, wie auf einer Kirmes. Und doch war absolut nichts Lustiges dabei – denn er blieb draußen wie tot liegen.

Jetzt schien endlich Morgan mobil zu werden.

„Verdammte Bande!“, kollerte er los. „Jetzt reicht‘s mir aber! Macht diesen Schnüffler fertig!“

Jack Braden war weder ein brutaler Schläger noch ein Supermann. Er hielt viel zu sehr auf sein Äußeres, um sich unbedacht in eine Schlägerei einzulassen. Aber hier ging es um mehr, als mit ein paar Ganoven fertigzuwerden. Dabei hätte er gegen drei Experten im Faustkampf nicht die Spur einer Chance gehabt. Aber was diese Amateure vom Faustkampf verstanden, hatten sie bestenfalls im Kino gesehen.

Und das war einfach zu wenig.

Jack hatte sich noch nicht erholt, als die zweite Garnitur gegen ihn vorging. Diesmal waren die Gangster bewaffnet mit Schlagringen, Stahlruten und Totschlägern.

„Jetzt ist es aus, Jack Braden!“, verkündete Morgan.

Jack bedauerte, dass er seine 7,65er FN-Automatic nicht mitgenommen hatte. Die Waffe, die er nur selten bei sich trug, wäre hier notwendig gewesen.

So stand Jack Braden von Anfang an auf verlorenem Posten. Er wehrte sich, aber er hatte keine Chance.

Ein Schlag mit der Stahlrute traf ihn von hinten über den Schädel, er sackte zusammen. Ein Brillantfeuerwerk sprühte vor seinen Augen. Dann wurde es Nacht um ihn.

Jack Braden fiel tiefer und tiefer. Es war ein Sturz in einen unermesslichen Schacht. Er glaubte zu fliegen, während er fortwährend gegen imaginäre Hindernisse rannte.

Als Jack Braden wieder zu sich kam, spürte er, wie ihn zwei Gangster an den Armen durch einen langen Gang schleiften.

Eine Tür wurde aufgestoßen. Die Gorillas schleppten ihn in einen Keller, unter dessen Decke eine nackte Glühbirne baumelte. Sie rissen ihn hoch und stellten ihn gegen die Wand.

Aus!, dachte Jack Braden. Der Keller drehte sich um ihn. Er war unfähig, einen vernünftigen Gedanken zu fassen.

Braden hörte das Klicken, mit dem der Sicherungsbügel einer schweren Waffe zurückgelegt wurde. Geduldig wartete er auf den Schuss. Komischerweise fragte er sich, ob er wohl den Knall hören würde oder nicht.

 

 

8

Er hörte den Knall.

Aber die Wirkung blieb aus. Keine Kugel traf ihn. Nichts passierte.

„Hands up!“, hörte Jack eine harte, kalte Stimme in seinem Rücken. „Wer sich bewegt, bekommt eine Kugel!“

Diese Stimme kenne ich doch, sagte sich Jack Braden. Das ist doch … Aber nein, Anthony Gilford konnte unmöglich hierherkommen. Oder war er vielleicht doch schon im Himmel? Komisch, er hatte es sich ganz anders vorgestellt. Er …

„Sie können sich rumdrehen, Braden!“

Jack wandte ich um.

In der Tür stand tatsächlich Anthony Gilford. Er hielt einen schweren Dienstrevolver in der Rechten.

Braden zwinkerte mit den Augen. Aber das Bild blieb.

Von den drei Gangstern im Keller streckten zwei die Arme zur Decke. Der dritte hielt stöhnend sein zerschossenes Handgelenk.

Braden ging langsam auf Gilford zu. „Wie kommen Sie denn hierher, Tony?“

Details

Seiten
116
Jahr
2020
ISBN (eBook)
9783738946741
Sprache
Deutsch
Erscheinungsdatum
2020 (November)
Schlagworte
jack braden thriller windiger reporter geschäfte

Autor

Zurück

Titel: Ein Jack Braden Thriller #25: Windiger Reporter und schmutzige Geschäfte