Lade Inhalt...

Der Mann, der für Bount Reiniger starb: N.Y.D. – New York Detectives

2020 94 Seiten

Leseprobe

Table of Contents

Der Mann, der für Bount Reiniger starb: N.Y.D. – New York Detectives

Copyright

Die Hauptpersonen des Romans:

1

2

3

4

5

6

7

8

9

10

11

12

13

14

15

16

17

18

19

20

21

Der Mann, der für Bount Reiniger starb: N.Y.D. – New York Detectives

Krimi von A. F. Morland

 

Der Umfang dieses Buchs entspricht 94 Taschenbuchseiten.

 

Sieben Jahre lang hat Walt Moses nur einen Gedanken, sich an zwei Menschen zu rächen, die dafür gesorgt hatten, dass er im Knast landete. Diese zwei Menschen sind der Privatdetektiv Bount Reiniger und Jeff Christie.

Kaum ist Moses raus aus dem Gefängnis, besorgt er sich eine Waffe und erschießt Reiniger. Glaubt er. Doch er hat den Falschen erwischt, denn Gene Pollock, der TV-Regisseur, sieht aus wie Reiniger ...

 

 

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books, Alfred Bekker, Alfred Bekker präsentiert, Casssiopeia-XXX-press, Alfredbooks, Uksak Sonder-Edition, Cassiopeiapress Extra Edition, Cassiopeiapress/AlfredBooks und BEKKERpublishing sind Imprints von

Alfred Bekker

© Roman by Author

© COVER: STEVE MAYER

© dieser Ausgabe 2020 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

Folge auf Twitter

https://twitter.com/BekkerAlfred

 

Zum Blog des Verlags geht es hier

https://cassiopeia.press

Alles rund um Belletristik!

Sei informiert über Neuerscheinungen und Hintergründe!

 

Die Hauptpersonen des Romans:

Walt Moses - Nach sieben Jahren kommt er aus dem Zuchthaus und nimmt schon am ersten Tag eiskalt Rache.

Constance Cunningham - Ihre Vergangenheit holt sie ein und wird für sie zur Hölle.

Ken Moro - Er sieht keinen anderen Ausweg, als selbst zur Waffe zu greifen, und das wird ihm zum Verhängnis.

Gene Pollock - Seine Ähnlichkeit mit Bount Reiniger kostet den TV-Regisseur das Leben.

June March - ist Bounts Assistentin und hilft ihm bei seinen Fällen.

Bount Reiniger - ist Privatdetektiv.

 

 

1

Als Gene Pollock die Rechnung verlangte, ahnte er nicht, dass es die letzte Rechnung sein würde, die er je bezahlte.

„Fahren wir noch zu mir?“, fragte Pollock sein attraktives Gegenüber.

Sie war zweiundzwanzig, naturblond und von Beruf Schauspielerin. Eine Superfrau mit einem Luxuskörper. Die Männerwelt lag ihr zu Füßen. Ihr Name war Maryvonne Gold, und der TV-Regisseur Gene Pollock prophezeite ihr eine steil nach oben führende Karriere.

Er hatte versprochen, sie unter seine Fittiche zu nehmen und einen Star aus ihr zu machen. Dass er das konnte, hatte er bereits einige Male unter Beweis gestellt.

Drei Girls, die in der Branche völlig unbekannt gewesen waren, als sie Gene Pollock kennengelernt hatten, standen heute ganz oben und sie verdienten Traumgagen. Gene Pollock machte es Spass, neue Talente zu entdecken, und er erachtete es für selbstverständlich, dass man ihn für seine Mühe entsprechend belohnte.

Diesmal ging das Ganze für Pollock zum ersten Mal tiefer. Er hatte sich in Maryvonne verliebt, und es freute ihn, dass seine Gefühle nicht ohne Echo blieben.

Die hübsche Schauspielerin lächelte sphinxenhaft.

„Zu dir, du alter Schwerenöter? Was hast du denn noch vor?“

„Ich kenne ein paar nette Gesellschaftsspiele für zwei. Du darfst wählen.“

„Einverstanden.“

Der Kellner brachte die Rechnung in einer kleinen Holzschatulle, die mit Eisen beschlagen war. Ein Gag des Hauses.

„Ich hoffe, Sie waren mit dem Essen zufrieden, Mr. Pollock.“

„Es war hervorragend wie immer, George“, erwiderte der Regisseur. Er bezahlte mit Scheck und bat den Kellner, seinen Wagen vorfahren zu lassen. Wenig später verließen Maryvonne Gold und Gene Pollock das Nobelrestaurant auf dem Broadway.

Pollocks Straßenkreuzer stand bereits mit offenem Wagenschlag vor dem Lokal. Der Regisseur nahm hinter dem Steuer Platz. Maryvonne glitt auf den Beifahrersitz. Pollock warf ihr einen verschmitzten Blick zu. Er freute sich auf die bevorstehende Nacht. Maryvonne würde ihn gewiss nicht enttäuschen.

Ihre Augen verrieten ihm, dass sie sich einig waren. Maryvonne schien nicht die Absicht zu haben, nein zu sagen.

Hundert Yards vom Restauranteingang entfernt löste sich in diesem Augenblick ein schwarzer Wagen von der Gehsteigkante. Geduckt wie ein Panther vor dem Sprung wirkte das Fahrzeug. Lautlos schob es sich an Pollocks Wagen heran. Die Seitenfenster waren links und rechts nach unten gedreht. Der kühle Abendwind strich über das harte Gesicht des Fahrers.

Der Mann hatte brutale Züge. Seine Augen waren so seelenlos wie Glaskugeln. Neben ihm, auf dem Beifahrersitz, lag ein langläufiger Colt Peacemaker. Bereits entsichert! Einsatzbereit!

Jetzt warf Maryvonne den Wagenschlag zu. Gleich würde sich der Straßenkreuzer in Bewegung setzen ...

Doch dazu wollte es der Killer nicht kommen lassen. Obwohl Passanten unterwegs waren, war er entschlossen, eiskalt einen Mord zu begehen. Niemand würde ihn jetzt noch daran hindern können, die tödlichen Schüsse abzugeben. Und nach der Tat würden die Leute so sehr durcheinander sein, dass sie der Polizei garantiert falsche Beobachtungen mitteilen würden. Sie würden den Bullen keine Hilfe sein, sondern die Ermittlungen erschweren. Darauf baute der Killer.

Als Gene Pollock seinen Straßenkreuzer in Gang setzen wollte, war der schwarze Wagen heran.

Der Killer lenkte sein Fahrzeug nur noch mit einer Hand. Die andere griff nach dem Peacemaker.

Mit großer Gelassenheit schritt der Mörder zur Ausführung der Tat. Er hob die Revolverhand und wartete, bis er mit seinem Opfer auf gleicher Höhe war.

Einen Lidschlag später war es soweit!

Im selben Moment schien Gene Pollock aus den Augenwinkeln etwas wahrzunehmen, was ihn irritierte. Er wandte den Kopf und ...

Der Regisseur riss entsetzt die Augen auf. Sein Gesicht verzerrte sich in Todesangst. Verblüffung und Ratlosigkeit drückten seine Augen aus. Er kam nicht mehr dazu, zu reagieren.

Bevor er den Schock verkraftet hatte, fielen die Schüsse. Insgesamt viermal drückte der Mörder ab - und ein Treffer war so tödlich wie der andere.

Gene Pollock kippte zur Seite.

Und Maryvonne Gold fing hysterisch zu schreien an ...

 

 

2

Patrolcars sperrten die Straße ab. Der Verkehr wurde umgeleitet, damit die Polizei ungestört ihrer Arbeit nachgehen konnte. Zuckende Rotlichter warfen ihren nervösen Schein auf die zahlreichen Leute, die neugierig verfolgten, was die Cops taten.

Fünfzehn Minuten nach der Tat traf der Kastenwagen der Mordkommission ein. Hinter diesem stoppte Lieutenant Ron Myers den Dienst-Chevrolet. Neben Myers saß der gewichtige Leiter der Mordkommission Manhattan C/II, Captain Toby Rogers.

„Mord auf offener Straße!“, stellte der Captain fest, während er ausstieg. „Das lässt immer auf einen besonders kaltschnäuzigen Killer schließen, der sich wenig darum schert, wie viele Leute dabei zusehen.“

„Ein Mann, der sich seiner Sache ziemlich sicher war“, gab der Stellvertreter des Captain zurück. Auch er verließ den Wagen. „Ein Kerl, eiskalt bis unter die Haarwurzeln, dem nichts so wichtig war wie der Mord.“

Toby Rogers und Ron Myers drängelten sich durch die Menge. Ein Uniformierter wollte sie zunächst nicht durchlassen, als er dann aber den Captain erkannte, trat er blitzschnell zur Seite, um Rogers nicht zu verärgern.

Vor dem Restauranteingang herrschte das übliche Treiben, wie es sich immer abspielt, wenn ein Mensch ermordet worden ist.

Der sommersprossige, schlaksige Lieutenant trennte sich vom Captain, um sich erste Informationen bei einem Cop zu holen.

Captain Rogers zündete sich eine Zigarette an. Während er den Rauch langsam einatmete, ließ er die Szene auf sich einwirken. Der Straßenkreuzer des Opfers stand immer noch da, wo er zum Zeitpunkt der Tat gestanden hatte. Das Fahrzeug schien leer zu sein. Weder auf dem Fahrer noch auf dem Beifahrersitz saß jemand. Dennoch trog der Schein, denn in diesem Moment tauchte im Wagen ein schmaler Kopf auf: der Kopf des Polizeiarztes.

Toby nahm noch einen kräftigen Zug von der Zigarette, ließ sie dann auf den Gehsteig fallen und trat sie mit dem Absatz aus.

Der Polizeiarzt stieg aus dem Wagen des Ermordeten. Toby trat zu dem Mann, der einen Kopf kleiner war als er.

„Nun, Doc?“

„Vier Schüsse in den Kopf, Captain. An Präzision kaum zu überbieten.“

„Ein Profi?“

„Einer, der mit ’ner Kanone umzugehen versteht. Das auf jeden Fall.“

„War gleich der erste Treffer tödlich?“

„Ja. Die drei anderen hätte er sich sparen können.“

„Vielen Dank, Doc. Ich kriege Ihren Bericht morgen.“

„Natürlich.“

Captain Rogers ging an dem Arzt vorbei. Er stieg auf der Beifahrerseite in den Straßenkreuzer, um sich den Erschossenen anzusehen. Ein flaues Gefühl machte sich in seiner Magengrube bemerkbar.

Ich bin schon so lange in diesem Job, dachte er, und habe mich daran noch immer nicht gewöhnt.

Er beugte sich über den Toten. Plötzlich zog sich seine Kopfhaut zusammen. Ein heftiger Ruck ging durch seinen Körper. Hastig verließ er das Fahrzeug.

Ron Myers kam zu ihm. Der Lieutenant bemerkte die Erregung seines Freundes und Vorgesetzten sofort.

„Was ist los mit dir, Toby? Was hast du?“

„Der Killer hat den falschen Mann erwischt!“

„Woher ...?“

„Die Kugeln waren nicht für den da bestimmt“, behauptete Captain Rogers.

„Für wen denn sonst?“, fragte Ron Myers.

Als es ihm der Captain sagte, fiel auch der Lieutenant aus allen Wolken ...

 

 

3

Der Privatdetektiv Bount Reiniger saß mit seinen Mitarbeitern in Musi’s Bar & Grill. June March, blond, blauäugig und wie immer eine Augenweide, löffelte zum Nachtisch Vanilleeis mit heißen Kirschen, während Wilkie Lenning und Bount sich einen Veuve Cliquot Kognak hinter die Binde gossen.

Der schlanke, beinahe hagere Wilkie war nicht nur für Bount Reiniger eine wertvolle Hilfe. Der Junge konnte außerdem so gut Gitarre spielen, dass man häufig auf ihn zurückgriff, wenn in einem New Yorker Studio mal ein Musiker ausfiel.

Vor zwei Wochen war eine Konzertagentur an Wilkie Lenning herangetreten, um ihn zu bitten, einen Gitarristen, der bei einem Autounfall erheblich verletzt worden war, zu ersetzen. Konkret hieß das, Wilkie sollte mit einem bekannten Country Star auf Tournee gehen. Der Junge hatte nicht sofort zugesagt, sondern zuerst Rücksprache mit Bount Reiniger gehalten.

Erst als Bount Reiniger gemeint hatte, er solle dieses Angebot ruhig annehmen, hatte Wilkie Lenning zugesagt.

„Wann geht’s los?“, erkundigte sich Bount.

„Morgen“, antwortete Wilkie. „Sechs Uhr früh.“

„Du freust dich schon darauf, nicht wahr?“

„Ich verehre Johnnie Ruggles. Er ist für mich die absolute Spitze. Es ist mir ein Vergnügen, ihn auf seiner Tournee zu begleiten. Dass ich dafür auch noch Geld kriege, finde ich fast überflüssig. Aber lass das die Agentur nicht wissen.“

June war mit ihrem Eis fertig.

Musi - ein Armeniertürke mit wildem Dschingis-Khan-Bart - servierte ab. Bount schob sich eine Pall Mall zwischen die Lippen. Musi gab ihm Feuer.

„Ich hoffe, Sie waren zufrieden.“

Bount war Stammgast in dem Lokal, das sich gegenüber dem Bürohaus befand, in dem das Büro-Apartment des Detektivs untergebracht war.

„Wenn ich es mir leisten könnte, würde ich Sie als Koch bei mir zu Hause anstellen, Musi“, sagte Bount schmunzelnd.

„Das ehrt mich.“

Der Privatdetektiv und seine Mitarbeiter blieben noch eine Zigarettenlänge. Dann verließen sie das Lokal, in dem sich jedermann sofort wohlfühlte, weil es das gewisse Flair besaß, das nicht jedes Lokal hat.

Der Abendverkehr rollte durch die 7th Avenue. Wilkie bot June an, sie nach Hause zu fahren.

Das hübsche Girl lachte.

„Sieh einer an, der Junge kann sogar galant sein!“

„Damit du ihn in guter Erinnerung behältst“, sagte Bount. „Hat er’s nicht schlau eingefädelt? Während er zu seinem ganz privaten Vergnügen ein bisschen auf der Gitarre zupft, können wir mal wieder seine Arbeit mit erledigen.“

„Du warst damit einverstanden, Bount.“

„Es ist schon in Ordnung. Amüsier’ dich gut und ruf zwischendurch mal an, damit wir wissen, wie’s dir geht!“

„Mach’ ich“, sagte Wilkie.

Bount wandte sich an June.

„Wir sehen uns morgen.“

„Wenn nichts dazwischenkommt.“

„Was sollte denn ...“

„Kann man’s wissen?“, sagte June mit hochgehobenen Schultern. Dann hakte sie sich bei Wilkie unter und ging mit ihm zu seinem Wagen.

Bount Reiniger überquerte die 7th Avenue. Als Wilkie abfuhr, betrat er das Haus Nummer 1133, und fuhr mit dem Lift zur 14. Etage hoch. Gleich darauf betrat er sein Büro-Apartment.

Es kam ihm leer und nüchtern vor. Selten hatte er so empfunden. Bount Reiniger begab sich zu June Marchs sorgfältig aufgeräumtem Schreibtisch. Diesmal störte ihn diese peinliche Ordnung, die er sonst stets begrüßte. Es schien ihm, als habe June so gründlich Ordnung geschaffen, als habe sie tatsächlich die Absicht, ihrem Arbeitsplatz morgen fernzubleiben.

Bount schüttelte unwillig den Kopf und murmelte: „Blödsinn.“

Er nahm im Vorzimmer hinter dem Schreibtisch seiner Mitarbeiterin Platz, ließ das Band des automatischen Anrufbeantworters zurücklaufen und hörte sich an, welche Anrufe es während seiner Abwesenheit gegeben hatte.

Zunächst meldete sich Du Ensing, der Besitzer der Reinigungsanstalt in der 54th Street. Bount hatte vor kurzem ein Jackett mit Blutflecken hingebracht. Es war gereinigt worden und konnte abgeholt werden.

Der nächste Anrufer war Captain Toby Rogers, mit dem Bount Reiniger eine seit vielen Jahren bestehende feste Freundschaft verband.

„Typisch Bount!“, knurrte der Captain. „Wenn man etwas Dringendes mit ihm zu bereden hätte, ist er nicht erreichbar und lässt sich von ’nem dämlichen Automaten vertreten! Pass auf, Bount! Ich habe dir etwas Wichtiges mitzuteilen! Ich kann natürlich nicht riechen, wann du nach Hause kommst und das Band abhörst, aber sollte es irgendwann zwischen einundzwanzig und zweiundzwanzig Uhr sein, dann setz dich’ in deine Silberschwalbe und komm ins Leichenschauhaus!“

Klick. Aus. Toby hatte aufgelegt.

Bount blickte auf seine Armbanduhr. Es war kurz nach einundzwanzig Uhr. In zehn Minuten konnte er beim Leichenschauhaus sein.

„Okay, Toby“, sagte Bount Reiniger vor sich hin. „Ich komme. Aber wenn es nicht wirklich etwas Wichtiges ist, was du mir zu sagen hast, kriegst du mich nie wieder dran.“

Bount verließ sein Büro-Apartment. Der Lift brachte ihn zur Tiefgarage hinunter. Bount setzte sich in seinen silbermetallicfarbenen Mercedes 450 SEL und brauste ab. Zehn Minuten später ließ er seinen Flitzer auf dem Parkplatz hinter dem Leichenschauhaus ausrollen.

Neugierig betrat Bount Reiniger das schmucklose Gebäude. Er sagte dem Pförtner, wer er sei, wies sich aus und teilte dem Mann anschließend mit, dass er von Captain Rogers erwartet würde.

Der Pförtner beschrieb ihm den Weg, den er gehen solle.

Bount hörte das mächtige Organ des Captain schon viel früher, als er den bulligen Freund sehen konnte. Toby Rogers und Ron Myers standen in einem saalähnlichen Raum. Bount stieß einen Flügel der gläsernen Tür auf und trat ein.

„Hallo, Toby. Hallo, Ron.“

„Ach, da bist du ja. Hätte nicht gedacht, dass das so prima klappen würde“, sagte der Captain.

„Was habt ihr auf dem Herzen?“, fragte Bount Reiniger.

„Es hat einen Toten gegeben“, sagte Toby.

Bount hob unwillig eine Braue.

„Habt ihr etwa die Absicht, mich in Zukunft zu jeder Leiche zu holen ...“

„Sieh dir den Mann erst mal an, Bount, bevor du meckerst!“, fiel der Captain dem Freund ins Wort. „Wo warst du? Wieso warst du nicht zu Hause?“

„Ich habe mir erlaubt, meine Mitarbeiter zum Essen einzuladen.“

„Donnerwetter. Die Detektei scheint eine Menge Gewinn abzuwerfen. Ron und ich dachten, du wärst in den roten Zahlen.“

„Hast du mich deshalb schon so lange nicht mehr angepumpt?“

„Was soll das?“, sagte Toby ungehalten. „Als wenn ich Geld nötig hätte!“

Bount winkte ab. „Vergiss es, Toby! Sag mir lieber, was ich hier soll!“

„Komm mit!“

Toby, Ron und Bount begaben sich in einen Raum, in dem die Kühlboxen untergebracht waren.

„Bereite dich auf einen Schock vor!“, sagte der Captain. Ein kleiner Mann mit abstehenden Ohren kam auf sie zu. „Zeigen Sie ihn uns!“, verlangte Toby Rogers.

Der Mann nickte, steuerte eine bestimmte Box an und drückte auf den Knopf, der die Automatik in Betrieb setzte. Toby nickte dem Mann, der das Boxfach geöffnet hatte, stumm zu. Ebenfalls, ohne etwas zu sagen, winkte er Bount Reiniger zu sich und machte Platz. Der kleine Mann griff mit seinen schlanken Fingern nach dem Laken. Er hob es hoch.

Und Bount Reiniger fuhr ein Eissplitter ins Herz, denn vor ihm lag ... Bount Reiniger!

 

 

4

„Wer ist das?“, fragte Bount. Seine Stimme klang heiser.

„Dein Doppelgänger“, sagte Toby.

„Wie heißt er?“

„Gene Pollock, TV-Regisseur.“

Bount sah sich den Mann genauer an. Pollocks Aussehen wich hier und da geringfügig von Bounts Aussehen ab. Aber dennoch musste man die Ähnlichkeit als frappierend bezeichnen.

„Steckt Absicht dahinter, dass dieser Mann so große Ähnlichkeit mit mir hat?“, wollte Bount Reiniger wissen.

„Wie meinst du das?“, fragte Toby.

„Hat irgendein Gesichtschirurg nachgeholfen?“

„Nein. Es scheint sich bloß um eine Laune der Natur zu handeln. Dieser Umstand hat dir das Leben gerettet. Und ihn hat es das Leben gekostet.“

„Wieso?“

Toby Rogers machte dem kleinen Mann mit den abstehenden Ohren ein Zeichen, worauf dieser das Laken wieder über Gene Pollocks Gesicht legte und den Leichnam wieder in der Kühlwand unterbrachte. Auf diesen Tiefschlag musste Bount eine Zigarette haben. Er holte die Pall Mall-Packung hervor und ließ sie kreisen. Sie rauchten aber erst auf dem Korridor draußen.

„Ich glaube nicht an den Zufall, dass ein eiskalter Killer einen Mann auf offener Straße abknallt, der haargenau aussieht wie du, Bount. Ich bin felsenfest davon überzeugt, dass die Kugeln nicht Gene Pollock, sondern den Privatdetektiv Bount Reiniger treffen sollten.“

„Auch Pollock kann Feinde gehabt haben“, erwiderte Bount Reiniger.

„Natürlich kann er das, und wir werden uns selbstverständlich auch darum kümmern, damit uns der District Attorney hinterher nicht den Vorwurf machen kann, wir hätten irgendetwas ausgelassen. Aber für mich steht jetzt schon fest, dass wir den Mörder nicht in Pollocks, sondern in deinem Feindeskreis finden werden.“

„Das Schlimme ist nur“, warf Ron Myers ein, „dass ein Mann wie du ziemlich viele Feinde hat.“

„Ich gebe zu, ich bin nicht allseits beliebt“, sagte Bount. „Aber nicht alle trachten mir deshalb gleich nach dem Leben.“

„Kannst du uns bis morgen eine Liste deiner schlimmsten Feinde liefern?“, fragte Toby.

„Ich werd’ mal darüber nachdenken“, meinte Bount. „Wo hat es Gene Pollock erwischt?“

Der Captain sagte es ihm und fügte hinzu: „Er war in Gesellschaft einer jungen Schauspielerin namens Maryvonne Gold. Sie saß neben ihm im Wagen, als ihn die Kugeln trafen. Du kannst dir vorstellen, in was für einer Verfassung sie war, als ich mich mit ihr unterhielt. Der Schock war ziemlich schlimm für sie.“

„Wo wohnt sie?“, fragte Bount.

Ron Myers nannte die Adresse.

Toby sagte: „Gene Pollock hatte einen Bruder: Earl Pollock - Schallplattenproduzent. Wir holten den Mann an den Tatort. Er war erschüttert. Als er hörte, was ich vermute, fasste er den Entschluss, dich zu engagieren. Er ist der Meinung, dass - wenn die Kugeln tatsächlich dir gegolten hatten - niemand besser hinter das Motiv kommen könne als du.“

Bount hob die Schultern. „Ich habe keine Ahnung.“

„Noch nicht. Aber vielleicht ändert sich das schon sehr bald. Earl Pollock wird jedenfalls morgen zu dir kommen, und ich begrüße das. Wenigstens brauche ich mich nicht allein mit diesem verdammten Fall herumzuschlagen.“

„Eigentlich wäre es nicht nötig, dass Earl Pollock mich engagiert. Es ist auch so mein Fall“, sagte Bount. „Schließlich muss ich bestrebt sein, herauszufinden, wer mir an den Kragen will, bevor er merkt, dass er einen Fehler gemacht hat und das Ganze noch mal versucht.“

„Pollock kann es sich leisten, dich für deine Arbeit zu bezahlen“, sagte Toby. „Du musst an deine alten Tage denken ...“

„... die ich nur erleben werde, wenn es mir gelingt, den Burschen zu erwischen, der irrtümlich den falschen Bount Reiniger getötet hat.“

„Vorläufig wirst du Ruhe haben“, vermutete Toby. „Der Killer meint, den Richtigen erwischt zu haben. Bount Reiniger ist tot.“

„Ja“, knurrte Bount Reiniger. „Aber für einen Toten werde ich noch eine beachtliche Lebendigkeit an den Tag legen, das schwöre ich dir!“

„Viel Glück, Bount!“

„Danke.“

„Und vergiss die Liste nicht, um die ich dich gebeten habe!“

„Du kriegst sie morgen“, versprach Bount Reiniger.

 

 

5

Das bildhübsche Mädchen mit den flammendroten Haaren hieß Constance Cunningham, doch alle Welt nannte sie nur C.C. Sie besaß einen makellosen Körper, der so biegsam wie eine Gerte war.

Die neue Strip-Nummer, die sie mit Geschick und Raffinesse darbot, ging den Gästen prickelnd unter die Haut.

Seit acht Jahren verstand C.C. es, ihr Publikum zu fesseln und mit immer neuen erotischen Tricks in ihren Bann zu schlagen. Mit neunzehn hatte sie damit angefangen, sich auszuziehen. Heute war sie siebenundzwanzig, und alle, die sie kannten, waren sich darin einig, dass C.C. heute schöner war als damals.

Damals war sie ein kokettes Ding mit naivem Augenaufschlag gewesen, das die Baby-Doll-Masche mit großem Erfolg gehäkelt hatte. Heute war sie eine reife Frau, die mehr denn je wusste, worauf es ankam, und deren Körper es in jeder Beziehung mit jenem jüngeren Mädchen aufnehmen konnte.

Als C.C. die letzte Hülle fallenließ, tobte das Publikum vor Begeisterung. Die temperamentvolle Rothaarige nahm die Ovationen dankbar lächelnd entgegen. Das war es, was sie brauchte. Eine Bestätigung, dass sie gut war, dass sie aus der Masse weit herausragte.

Der Nightclub wäre nie so voll gewesen, wenn C.C. hier nicht allabendlich auf der Bühne gestanden und ihre einmalige erotische Show abgezogen hätte.

Die Scheinwerfer erloschen.

C.C. verließ die Bühne. Jemand hängte ihr einen weichen Frotteemantel um die nackten Schultern.

„Danke, Bill“, sagte sie, ohne sich umzudrehen. Sie schlüpfte in die Ärmel und knüpfte den Bindegürtel. Um ihr Kostüm brauchte sie sich nicht zu kümmern. Das sammelte Bill ein, um es später in ihre Garderobe zu bringen.

C.C. schlüpfte in hochhackige Pumps und trippelte dann ein paar Stufen hinunter. Kurz darauf betrat sie das Büro des Nightclubbesitzers.

C.C. gab ihren Hüften einen leicht rotierenden Schwung, während sie auf Ken Moro zuging.

„Na, wie war ich?“

„Großartig“, sagte Moro. „Aber muss ich dir das wirklich sagen? Du hast den Applaus des Publikums gehört. Die Leute waren noch nie so begeistert wie heute. Du wirst von Mal zu Mal besser.“

Es gab an der Wand einen Einwegspiegel. Durch ihn hatte Ken Moro den Auftritt des Mädchens verfolgt. Nun zog er einen Vorhang vor das Glas.

Die Gäste hätten ihn und C.C. zwar nicht sehen können, aber sie störten Moro, wenn er das Mädchen in seine Arme nahm. Er sah verdammt gut aus, war das, was man als einen schönen Mann bezeichnen konnte. Deshalb ließ sich C.C. ganz gern in seiner Gesellschaft sehen. Zwei schöne Menschen, die gut zueinander passten.

Ken küsste das Mädchen.

„Wir müssen auf deinen Erfolg anstoßen“, sagte er dann. „Setz dich!“

C.C. nahm auf der lederbezogenen Couch Platz. Jetzt erst sah sie den Sektkübel auf Ken Moros Schreibtisch. Daneben standen zwei funkelnde Gläser. Die Eiswürfel knirschten, als Ken die Flasche aus dem Kübel nahm.

C.C. lächelte. Sie trank gern Sekt. Das prickelte so herrlich in der Nase. Sie hätte viel öfter Sekt getrunken, wenn sie sich nicht darüber im Klaren gewesen wäre, dass sie auf ihre atemberaubende Figur achten musste.

Ken Moro schlang das weiße Tuch fester um die Flasche und öffnete den Verschluss. Als der Korken zur Decke sauste, gab es einen Knall, der sich wie ein Schuss anhörte.

C.C. lachte.

Ken war geschickt. Kein Tropfen des überschäumenden Sekts ging verloren.

Plötzlich öffnete sich die Tür.

Ein Mann stand im Rahmen. Er war groß und grobknochig. Seine Züge hatten nichts Anziehendes an sich. Kalt und seelenlos wirkten seine Augen.

Constance Cunningham stieß einen spitzen Schrei aus und sprang auf. Erschrocken starrte sie den Mann an, als hätte sie einen Geist vor sich.

 

 

6

„Walt!“, presste Ken Moro verblüfft hervor. „Walt Moses!“

Der Angesprochene bleckte die Zähne. Er trat ein, versetzte der Tür einen Stoß, sie fiel hinter ihm ins Schloss.

„Wie ich sehe,, komme ich gerade im richtigen Augenblick. Hier wird gefeiert. Ich darf doch wohl ein Glas mittrinken. Schließlich sind wir alte Freunde, nicht wahr?“

Moro holte ein drittes Glas und goss es voll. Walt Moses warf einen Blick auf die Sektmarke und wiegte beeindruckt den Kopf.

„Ihr versteht es, zu genießen.“

C.C. schaute Ken nervös an. Ihre Augen drückten Furcht und Besorgnis aus. Walt Moses entging dieser Blick nicht, aber er tat so, als würde er ihn nicht bemerken.

„Du warst großartig, Baby“, sagte er zu C.C. „Ich habe mir deine Show angesehen, und ich muss gestehen, dass mir dabei verdammt heiß wurde. Du weißt, worauf es ankommt. Spielst mit den Gefühlen der Männer wie mit Harfensaiten. Seit wir uns zum letzten Mal gesehen haben, bist du noch schöner geworden. Ich hätte nicht geglaubt, dass so etwas noch möglich sein könnte.“

Das Mädchen versuchte sich hinter einer abweisenden Maske zu verbergen.

Ken Moro reichte ihnen die Gläser.

Walt Moses hob das seine und sagte: „Ich trinke auf das schönste Girl, das ich kenne.“ Er leerte das Glas auf einen Zug. „Ah“, sagte er dann und rollte die Augen. „Wunderbar! Kann ich noch was von dem edlen Tropfen haben?“

„Dort steht die Flasche“, sagte Ken.

Details

Seiten
94
Jahr
2020
ISBN (eBook)
9783738946710
Sprache
Deutsch
Erscheinungsdatum
2020 (November)
Schlagworte
mann bount reiniger york detectives

Autor

Zurück

Titel: Der Mann, der für Bount Reiniger starb: N.Y.D. – New York Detectives