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Sheng #30: Sheng und die Maskenteufel

2020 129 Seiten

Leseprobe

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Sheng und die Maskenteufel

Copyright

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Sheng und die Maskenteufel

Sheng 30

Western von Uwe Erichsen

 

Der Umfang dieses Buchs entspricht 129 Taschenbuchseiten.

 

Sheng, ein Meister des Kung Fu und Mönch des Orden vom Weißen Lotus, wird beschuldigt, Muriel Warners Großvater getötet zu haben und soll gehängt werden. Doch Sheng ist kein Mörder.

Er will beweisen, dass ein anderer Chinese den Mann getötet hat, denn er ahnt, dass der Geheimbund des Schwarzen Drachens dahintersteckt. Dieser Geheimbund will in den Besitz der Teile einer Schriftrolle kommen. Sheng besitzt ein Teil davon …

 

 

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books, Alfred Bekker, Alfred Bekker präsentiert, Casssiopeia-XXX-press, Alfredbooks, Uksak Sonder-Edition, Cassiopeiapress Extra Edition, Cassiopeiapress/AlfredBooks und BEKKERpublishing sind Imprints von

Alfred Bekker

© Roman by Author / Cover: Steve Mayer, 2020

© dieser Ausgabe 2020 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

Alle Rechte vorbehalten.

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1

Sheng lief scheinbar locker und entspannt. Sein Atem ging trotz der Anstrengung ruhig und gleichmäßig. Nichts vermochte ihn in die Knie zu zwingen. Sein Wille triumphierte über den geschundenen Leib. Er hielt das Tempo der beiden struppigen Indianerponies. Seit zwei Stunden! In glühender Hitze! Längst hatte der Strick um seinen Hals Shengs Haut durchgescheuert. Die Hände, auf dem Rücken zusammengeschnürt, wurden nicht mehr durchblutet. Seine Füße mussten aussehen wie rohe Steaks. Er aber rief sein Chi an, Quelle der inneren Kraft. Und er hielt durch.

Allen Voraussagen seiner beiden Peiniger zum Trotz.

„Hast du schon mal so etwas Verrücktes gesehen wie diesen Chinesen, Hai?“, lachte Titus Miller, der Marshal von Spanish Wells und nahm einen Schluck aus der Feldflasche.

„In meinem Leben nicht“, grinste der vereidigte Helfer, dessen Stern frisch und neu aussah. „Wenn man bedenkt, dass er hängen wird, fragt man sich, warum er sich so viel Mühe gibt.“ Deputy Hai Rank gab dem Mädchen Wasser, das er vor sich in den Sattel genommen hatte. Die Kleine mochte etwa zehn Jahre alt sein. Sie trug ein blaues Kattunkleid und hatte kurze blonde Zöpfe.

„Er hat auch Durst“, meinte Muriel Warner und zeigte auf Sheng.

„Der Kerl bekommt nichts“, entschied Marshal Titus Miller. „Er hat deinen Großvater getötet.“

„Das ist nicht wahr“, widersprach das Mädchen. „Er hat Großvater verbunden und gepflegt und als er tot war, hat er ihn begraben. Dann wollte er mit mir nach Gran Junction. Dort lebt meine große Schwester mit ihrem Mann. Mir hat er nichts getan.“

„Das verstehst du nicht, Muriel“, tadelte Hai Rank. „Wenn du erwachsen bist, wirst du begreifen, wie dieser Teufel euch alle hereingelegt hat. Nicht jeder Mensch ist so gut wie dein Großvater. Es gibt viele Schurken auf Gottes Erde. Und dieser Sheng ist einer der übelsten. Wenn ich daran denke, dass er den alten Warner kaltblütig erledigt hat, möchte ich mich im Sattel umdrehen und ihm die Kugel verpassen.“

„Er bekommt seinen Prozess. Und dann hängt er. Basta!“, entschied Titus Miller und zwirbelte die Enden seines eisgrauen Schnurrbarts. Sein Gesicht schien nur aus Falten und Runzeln zu bestehen. Die Haut hatte Farbe und Zähigkeit alten Leders angenommen.

„Wollen wir nicht ’ne Abkürzung durch die Kakteen nehmen?“, schlug der Deputy vor. „Ich möchte den Kerl mal jammern hören. Die Dornen schaffen jeden. Auch diesen schweigsamen gelben Buddha.“

„Wir haben das Kind dabei“, schüttelte Titus Miller den Kopf. „Sonst würde ich es versuchen. Es beunruhigt mich, was ich da erlebe. Unsere Gäule schwitzen sich tot und schnaufen und prusten — aber dieses verdammte Schlitzauge benimmt sich, als seien wir gerade erst aufgebrochen. Das verstehe, wer will.“

„Vielleicht verrät er es uns“, meinte Hai Rank, ein großer, schwerer Mann von etwa dreißig Jahren mit hellblauen Augen und kastanienbraunen gekräuselten Haaren unter dem verschwitzten Stetson. Hai Rank ritt näher an den Marshal heran, beugte sich zurück und ruckte an dem Strick, der am Sattelhorn befestigt war.

„Reiß die Augen auf, Chink!“, rief der Deputy gehässig. „Der Marshal will wissen, woher du diese Ausdauer nimmst. Wir meinen, nach menschlichem Ermessen müsstest du längst krepiert sein.“

Wenn Sheng die Worte verstanden hatte, so zeigte er es nicht. Weder öffneten sich die halb geschlossenen Lider, zwischen denen dunkel die Pupillen blitzten, noch öffnete er den Mund.

„Der Bursche macht mich rasend“, stöhnte Hai Rank.

Wütend riss er am Führungsseil. Diesmal aber hatte Sheng einfach eine Spur beschleunigt. Es gab keinen Ruck. Einen Augenblick schien es Hai Rank, als lächle der Gefangene mit dem markanten Gesicht und den leicht geschlitzten Augen, dessen Arme tätowiert waren. Rechts ein Tiger, links eine Schlange. Das Khakihemd hatte kurze Ärmel.

„Jetzt knöpfe ich mir den Kerl mal vor“, drohte der Deputy. „Du kannst dich mit Muriel solange in den Schatten verkriechen. Eine Pause täte uns allen gut. Und ehe wir weiterreiten, habe ich den Chink so zahm, dass er mir aus der Hand frisst.“

„Daraus wird nichts, Hai“, lehnte Titus Miller ab. „Ich meine auch, dass ein Mörder kein angenehmer Zeitgenosse ist. Aber wir müssen uns an die Gesetze des Staates Arizona halten und haben keinerlei Recht, uns wie Outlaws aufzuführen oder blutrünstige Comanchen.“

„Dann nimm du jetzt das Kind für eine Weile“, verlangte Hai Rank hitzig. „Gib mir das Seil und den Chinesen! Ich rühre ihn nicht an. Ich mache ihn ganz legal fertig, verstehst du?“

„Schleife ihn nicht zu Tode, Hai!“, warnte der Marshal. „Ich müsste dir eine Kugel verpassen, wenn du versuchst, ihn umzubringen. Er hat ein Recht auf einen fairen Prozess, ehe er baumelt.“

„Schon gut. Ich fresse ihn nicht. Ich möchte ihn nur mal an der Erde liegen sehen, nach Luft schnappen hören und sehen, ob sein Hochmut ihm auch dann noch weiterhilft.“

Hai Rank hob das Mädchen mit Leichtigkeit an und reichte es dem Marshal, der es vor sich in den Sattel setzte.

„Wir haben es bald geschafft, Muriel“, meinte Titus Miller mitleidig. Dann wandte er neugierig das von der Hitze gerötete Gesicht. Er wollte sich den Anblick eines Sheng nicht entgehen lassen, der langsam, aber sicher in die Knie ging und um Gnade betteln musste.

Hai Rank spornte seinen Gaul mächtig an. Er holte das Letzte aus dem Tier heraus. Er achtete darauf, dass der Strick, der um Shengs muskulösen Hals lag, immer straff gespannt blieb. Hai Rank verließ den ausgefahrenen Weg, dem sie bislang folgten und der von den abgelegeneren Ranchen nach Spanish Wells führte. Die wilde Jagd ging über Stock und Stein.

Sheng glaubte, er müsse aufgeben. Er keuchte. Sein Hemd zeigte riesige Schwitzflecke. Hartstängeliges Gras peitschte seine Beine. Der graue Alkalistaub, der träge aufwirbelte, legte sich schwer auf seine Brust. Die Sonne schwamm wie geschmolzenes Blei im Blau des Himmels. Farbige Kreise flimmerten vor Shengs Augen, während er die letzten Kräfte mobilisierte, entschlossen, lieber tot zusammenzubrechen als aufzustecken.

Er überwand den toten Punkt. Er schaltete völlig ab. Er geriet in den gefährlichen Zustand, der Qualen und Strapazen nicht mehr spüren ließ. Zudem die Erschöpfung, die ihn bedrängte, abfiel. Schmerzen, Warnsignale des gemarterten Körpers, nicht mehr in sein Bewusstsein drangen. Er lief wie eine Maschine.

Hai Rank stellte wütend fest, dass sein Gaul eher auf der Strecke bleiben würde als dieser rätselhafte Chinese. Und er dachte sich eine neue Folter aus. Von Zeit zu Zeit zerrte er mit einem heftigen Ruck an dem Seil. Er zog die Schlinge enger, schnürte seinem Opfer die Luft ab. Hoffte, der Asiate werde stürzen ...

Es war, als tauche Sheng in diesem Augenblick äußerster Gefahr aus einem tiefen See auf. Mühsam besann er sich auf die Wirklichkeit. Sein Atem ging röchelnd. Sheng beschleunigte. In panthergleichen Sätzen holte er auf.

Hai Rank drehte sich längst nicht mehr um. Er musste sein Pferd pausenlos mit Peitsche und Sporen bearbeiten. Außerdem galt es, ein Auge auf das Gelände zu haben. Es gab versteckte Fallen: Löcher, von Wildkaninchen und Präriehunden, die einem Pferd leicht zum Verhängnis werden konnten.

Muriel Warner und Titus Miller waren weit zurückgeblieben. Der Warnruf des Marshals erreichte seinen Deputy nicht. Dann ging alles sehr schnell.

Wie ein Raubtier sprang Sheng den Reiter an. Er stieß ihm den gestreckten Fuß in den Rücken. Hai Rank stürzte schwer aus dem Sattel. Der Gaul stoppte erschöpft. Blieb mit zitternden gespreizten Vorderbeinen stehen, zwischen denen tief der Kopf hing. Weiße Flocken fielen von den Nüstern.

„Verfluchter Hund!“, gellte Hai Rank. Seine Hand flitzte zum 45er.

Sheng stand breitbeinig vor seinem Peiniger und starrte ihn an. Wie kein anderer beherrschte er die Schlangenhaltung, dieses Abwarten vor dem Angriff und das urplötzliche Zustoßen.

Shengs rechter Fuß zuckte nach vorn. In einer Art Schnappbewegung. Die Zehen bog der Kämpfer dabei nach oben. Der Stoß erfolgte nur mit dem Fußballen und erwischte den Deputy mit mörderischer Wucht am Brustbein, katapultierte ihn rückwärts. Der Colt entglitt Hai Ranks Händen.

Der Hüne starrte entgeistert auf die Waffe, die eher in Shengs Reichweite lag als in seiner. Trotz der Schmerzen stand der Deputy langsam auf. Hohn verzerrte sein Gesicht. Lauernd bewegte er sich vorwärts, zückte sein Bowieknife. Die Klinge funkelte in der Sonne.

„Warum willst du mich fertigmachen?“, fragte Sheng. „Was habe ich dir getan?“

Shengs Stimme klang rau und verriet den Durst, den er litt. Sein pechschwarzes Haar klebte verschwitzt am Kopf. Das Gesicht war eine Maske aus Schweiß und Staub.

„Du hast getötet und wirst getötet. So einfach ist das“, gurgelte Hai Rank, machte einen blitzschnellen Ausfall. Das Messer zuckte durch die Luft. Der Stoß wurde schräg von unten gegen Shengs Bauchdecke geführt und erfolgte so rasend schnell, dass das Auge kaum folgen konnte. Der Angriff ging ins Leere. Sheng hatte einen Ausweichschritt getan, in einer merkwürdig fließenden Bewegung brachte er sich aus der Gefahrenzone, rückte vor, stand seitlich von dem Deputy, den der eigene Schwung nach vorn taumeln ließ.

Wieder ein Fußtritt. Diesmal schräg zur Seite.

Die Außenkante, bretthart, knallte gegen den Kinnwinkel des Messerhelden. Es gab einen kurzen knackenden Ton. Hai Rank heulte auf. Er lag wehrlos am Boden. Seine Augen bettelten vor Angst um Gnade, während er die getroffene Stelle hielt und unfähig war, vor Schmerzen ein klares Wort herauszubringen.

Hinter Sheng knallte ein Colt.

„Bleib stehen, gelber Halunke!“, schrie der Marshal von Spanish Wells. „Eine falsche Bewegung, und ich jage dir eine Unze Blei in den Kopf. Dann werden dir deine Kunststücke schon vergehen.“

Sheng wandte sich nicht einmal um. Er stand gefesselt in der Sonne, die Hände auf dem Rücken. Aber seine Ohren verrieten ihm, was hinter ihm geschah.

Titus Miller zügelte seinen Gaul und sprang aus dem Sattel. Sein Schatten verriet, dass er den 45er schussbereit in der Faust hielt.

„Sie dürfen Sheng nicht erschießen!“, jammerte Muriel Warner.

Niemand antwortete ihr.

„Was ist passiert, Hai?“, fragte der Marshal.

„Er hat mich aus dem Sattel geholt und zusammengetreten, dieser verdammte Chink. Er ist ein Teufel!“, stammelte Rank entnervt. Er betastete den Kieferknochen, von dem er nicht wusste, ob er gebrochen war und erhob sich steifbeinig.

In diesem Augenblick wirbelte Sheng herum. Er trat dem grauhaarigen Marshal gegen das Handgelenk. Der Getroffene ließ mit einem gellenden Schrei die Waffe fallen.

„Ich könnte euch töten“, sagte Sheng sanft. „Aber ich bin kein Mörder. Ich habe Muriels Großvater nicht ermordet, und auch ihr habt nichts zu befürchten. Ich gehe freiwillig mit nach Spanish Wells, um meine Unschuld zu beweisen. Wie ich es euch versprochen habe. Ihr braucht mich nicht zu fesseln. Aber quält mich nicht mehr. Ich komme aus freien Stücken mit.“

Titus Miller massierte sein Handgelenk. Weder er noch sein Deputy wagten es, sich noch einmal in die Reichweite einer so mörderischen Waffe zu wagen, wie Shengs Füße sie darstellten. Die beiden hatten noch nie etwas von der asiatischen Kunst des Kung Fu gehört. Zum ersten Mal in ihrem Leben hatten sie erlebt, dass zwei Bewaffnete von einem gefesselten Gefangenen überwältigt werden konnten wie hilflose Kinder.

„Ich traue ihm“, meinte der Marshal nach einer Weile zögernd.

 

 

2

Melvin Scott, wortkarg und verschlossen, wusste seine Geheimnisse zu hüten. Im Saloon sprach er allenfalls über das Wetter. Niemand vermochte zu sagen, was dieser Mann in Spanish Wells suchte. Da kein Steckbrief vorlag, er keinen Streit vom Zaun brach und seine Rechnungen mehr als pünktlich zahlte, wurde der Fremde geduldet. Er fiel nicht mehr auf als andere. Einzelgänger gab es in diesem harten öden Land mehr als genug.

An jenem Tag schlenderte Melvin Scott die Main Street hinunter wie jemand, der fast umkommt vor Langeweile. Seine rechte Hand spielte wie üblich mit drei Silberdollars. Die Münzen klirrten leise. Die Töne galten förmlich als Erkennungsmelodie. Manchmal hörte man sie, lange bevor der schlanke hochgewachsene Mann im Blickfeld der Müßiggänger und Neugierigen auftauchte.

Melvin Scott blieb vor den Auslagen des Büchsenmachers stehen. Der Fremde war gekleidet wie ein Stutzer. Seinen Stiefeln sah niemand mehr den Vierzig-Meilen-Ritt an. Und sein mausgrauer Wallach stand längst wieder im Mietstall, wurde trocken gerieben, getränkt und gefüttert.

Wiederholt schon war Melvin Scott zu solchen Ausflügen aufgebrochen. Fragen hatte er stets abgewimmelt. Gold gab es in der Gegend nicht. Wertvolles Weideland auch nicht. So blieb ein Rätsel mehr, was diesen Sonderling betraf.

Melvin Scott baute sich so auf, dass er in den spiegelnden Scheiben das gegenüberliegende Haus sehen konnte, ohne allzu auffällig sein Interesse zu bekunden. Nach einer Weile drehte sich Melvin Scott plötzlich um, überquerte die Straße und sperrte die Haustür auf. Dass er einen Schlüssel für das Gebäude besaß, konnte nicht verwundern. Der Immobilienhändler Harper versuchte seit Monaten im Auftrag irgendwelcher Erben, die im Osten lebten, das ehemalige Domizil der verstorbenen Pfarrerswitwe Baker an den Mann zu bringen, verteilte großzügig Schlüssel, macht Lockangebote und blieb doch auf dem Haus sitzen. Es war reparaturbedürftig und unmodern, ein rechter Schuppen aus der Pionierzeit, der nicht einmal mehr in das Bild eines rückständigen Ortes wie Spanish Wells passen wollte.

Melvin Scott jedenfalls blieb lange in dem Haus. Er stieg in den ersten Stock. Der Duft von Räucherkerzen schlug ihm schon auf der Treppe entgegen. Er klopfte an, wartete auf eine Aufforderung, hereinzukommen und öffnete erst dann die Tür. Er nahm den Hut ab.

„Was ist?“, fragte eine feine Falsettstimme.

„Ich habe alles ausgeführt, Ma’am“, versicherte Melvin Scott.

„Ist uns der Marshal auf den Leim gegangen?“

Die Frau saß auf einem Sofa und kehrte dem Besucher den Rücken zu. Melvin Scott sah nur lackschwarzes, kunstvoll aufgetürmtes Haar und eine Unzahl von Schildpattkämmen. Zwei Ziernadeln krönten das Ganze.

„Titus Miller und sein Deputy kamen gerade zurecht, als Sheng den alten Mann bestattet hatte und mit dem Mädchen wegreiten wollte“, berichtete Melvin Scott. „Sie hielten ihn an und befragten das Mädchen. Muriel Warner konnte nur aussagen, dass ein Chinese auftauchte, bettelte und, als er nichts bekam, über den alten Warner herfiel. Sie habe sich vor Angst versteckt. Später habe sie — in das Wohnzimmer zurückgekehrt — den Großvater tot vorgefunden. Der Chinese habe ihn dann bestattet und sie mitgenommen.“

„Hat der Marshal das geglaubt?“, fragte die Chinesin.

„Kein Wort, Ma’am. Er meinte, Chinesen gäbe es selten genug. Der angebliche Helfer müsse auch der Mörder sein. Er nahm Sheng fest, nachdem sich herausstellte, dass Warner senior nicht eine einzige Schusswunde aufwies, sondern durch einen Karateschlag ums Leben gekommen sein musste. Für Miller und Rank scheint der Fall klar. Sie bringen Sheng, um ihn aburteilen zu lassen.“

„Damit wäre Ihre Aufgabe erfüllt, Scott. Hier ist der Rest des Geldes. Wenn alles läuft wie geplant, wird Sheng morgen früh hängen. Sie besorgen mir für den Abend dann die Kutsche. Ich möchte unbemerkt abreisen. Natürlich nicht, ohne Shengs Tod vom Fenster aus miterlebt zu haben. Und nicht ohne den Teil der Weisheitsrolle, die er in seinem Gepäck mit sich führt.“

„Soll ich mich darum kümmern? Der Marshal wird der Schriftrolle keine Bedeutung beimessen. Für ein paar Dollars verramscht er mit Sicherheit den persönlichen Besitz des Verurteilten. Um die Hinrichtungskosten wieder hereinzubekommen. Das ist so üblich.“

„Sehr gut. Weder ich noch mein Diener Pao Tui Mei können sich in Spanish Wells sehen lassen. Daher würde ich es begrüßen, wenn Sie die Angelegenheit auch weiterhin verfolgen. Sie waren mir sehr nützlich. Es soll Ihr Schaden nicht sein.“

 

 

3

Das Eintreffen des Marshals erregte in Spanish Wells einiges Aufsehen. Nicht immer durfte er einen Erfolg verzeichnen, wenn er auszog um einen Viehdieb zu fangen, der die Rancher der Umgegend beunruhigte.

„Irrtum, Leute!“, korrigierte Titus Miller erschöpft. „Den Kerl, der eure Rinder klaut, habe ich überhaupt nicht zu Gesicht bekommen.“

Die Köter des Ortes umtanzten kläffend die Fesseln der Pferde. Hai Rank war wieder in den Sattel gestiegen. Es schien unter seiner Würde, wie ein Tramp, zu Fuß nämlich, in Spanish Wells einzuziehen.

„Er hat den alten Warner umgebracht“, klärte der Deputy die Neugierigen auf, die den Trupp zum Jail begleiteten.

Unterwegs stießen sich Müßiggänger von den Pfosten der Vorbauten ab, gegen die sie sich gelehnt hatten, rauchten und verfolgten schweigend den Weg des Marshals und des ungewöhnlichen Gefangenen.

Titus Miller warf seinem Deputy einen strafenden Blick zu. Die Nachricht, dass der allseits beliebte Rancher Warner getötet worden war, ließ die Volksseele kochen. Drohrufe wurden laut. Und genau das hatte Miller vermeiden wollen.

„Es wird nichts so heiß gegessen, wie gekocht wird“, wiegelte er ab und trieb seinen Gaul an. Vor dem Office stieg er steifbeinig aus dem Sattel, packte Sheng am Oberarm und führte ihn in das Adobegebäude mit den gekalkten Wänden. Er sperrte eine Zelle auf und wartete stumm, bis Sheng den Käfig betreten hatte. Dann sperrte er aufatmend ab und kehrte an seinen Schreibtisch zurück.

Hai Rank ließ sich in einen Schaukelstuhl fallen, fächelte sich mit dem Hut Kühlung zu und knurrte: „Was ist mit meiner Entschädigung? Ich bin nicht freiwillig Deputy geworden und habe nicht vor, den Stern länger als unbedingt notwendig zu tragen.“

„Das nächste Mal schnappe ich mir das erste Rindvieh, das ich entdecke. Mit jedem Ochsen hätte ich einen besseren Deputy erwischt als mit dir. Du hast die Stimmung angeheizt. Im Saloon werden sie uns mit Fragen löchern“, schimpfte der Marshal.

„Sie werden höchstens mich ausquetschen“, grinste Hai Rank, der gerne erzählte und es im Geiste schon genoss, Mittelpunkt der Runde im Saloon zu sein. „Du musst dich um das Kind kümmern.“

„Niemand braucht mir zu sagen, was ich zu tun habe“, empörte sich Titus Miller. „Ich bringe Muriel Warner zu meiner Frau und schicke ein Telegramm an die Schwester der Kleinen. Sie soll herkommen und das Kind abholen.“

Hai Rank nickte gleichgültig. Er hatte seinen Job hinter sich. Was weiter passierte, ging ihn nichts an. Er nahm weder wirklich Anteil an dem Schicksal des Mädchens noch an dem des Chinesen.'

„Ich lass’ im Saloon anschreiben“, entschied Rank, „bis der Stadtrat meine Entschädigung bewilligt hat.“

„Einen Dollar pro Tag für einen vereidigten Hilfsdeputy“, warnte Titus Miller. „Überzieh’ ja nicht dein Konto!“ Er erhob sich und schnappte sich das Bündel, das sie Sheng abgenommen hatten. Er schnürte es auf. Ratlos betrachtete er das Drachengewand, den kleinen Vorrat an Tee und den Teil einer Schriftrolle, die mit fremden Zeichen bedeckt war. Es gab viele arme Hunde im Westen, aber keinen, der mit so wenig auskam wie dieser Sheng.

Sheng erhob sich und bat: „Geben Sie mir die Schriftrolle, Marshal!“ Titus Miller zögerte. „Es ist den anderen Gefangenen sicher nicht verboten, die Heilige Schrift zu lesen, wenn sie es wünschen“, sagte Sheng sanft. „Nun, dies ist mein Tao te king, mein Buch der Bücher. Geben Sie es mir!“

Der Marshal tat es. Er rechnete eine Schriftrolle nicht zu den Waffen. Er ahnte nicht im geringsten, welche Macht der besaß, in dessen Besitz sich alle sieben Teile der Weisheitslehre befanden. Er wusste nichts von den blutigen Kämpfen zwischen dem Geheimbund des Schwarzen Drachen und den in alle Welt versprengten Mönchen des Weißen Lotus, den Hütern der Weisheitsrolle, deren Kloster bereits vom Schwarzen Drachen überrannt und zerstört worden war, dessen Mönche wie Sheng ständig auf der Flucht waren und die lieber starben, als dieses Heiligtum in die Hände der Verbrecher vom Schwarzen Drachen fallen zu lassen.

„Danke, Marshal!“, sagte Sheng und zog sich zurück.

Zuerst splitterte die Scheibe. Ein faustgroßer Stein knallte gegen die Wand. Dann folgten brennende, in Petroleum getauchte Lappen. Sie fielen in der Zelle zu Boden und verbreiteten einen infernalischen Gestank. Ruhig erhob sich Sheng.

Er säuberte das Gefängnis. Und er hatte Erfolg, ehe die Matratze Feuer fing. Sein Erfolg löste ein Wutgeheul aus.

„Lyncht das Schlitzauge!“, gellte ein junger Hitzkopf. „Hank Warner war unser Freund. Er hat keiner Fliege etwas zuleide getan, bis dieser verdammte Chink ihn ermordete.“

„Die Beweise sind klar. Wozu brauchen wir eine Gerichtsverhandlung?“, hetzte Melvin Scott. „Machen wir es wie in der guten alten Zeit: ein Mann, ein Ast, ein Strick. Fertig!“

Die Stimmen der Vernunft gingen unter im Chaos. Die Offiziellen der Stadt vermochten sich nicht durchzusetzen. Vor dem Jail hatte sich eine wüste Horde angetrunkener Männer versammelt. Frauen kreischten. Niemand verteidigte Sheng.

Bis auf Marshal Miller, der ziemlich spät eintraf. Er hielt eine Schrotbüchse in der schwieligen Faust, boxte sich durch die Menge und stellte sich vor die Tür.

„Chinese oder nicht: der Mann bekommt seinen fairen Prozess!“, donnerte er. „Ihr kommt vorher nur über meine Leiche an ihn heran!“

Der Lauf der Shotgun wanderte. Einige der Aufgebrachten wichen zurück. Andere drängten nach vorn. Einer ergriff die Initiative. Er sprang vor, seitlich von Titus Miller. Ein Holzknüppel pfiff durch die Luft. Wie vom Blitz gefällt brach der Marshal zusammen. Sein Stetson rollte über den Sidewalk.

„Wer nicht hören will, muss fühlen“, giftete Melvin Scott. Er legte zuerst Hand an die Tür. Er hieb die Zimmermannsaxt in das Holz, dass die Späne fetzten. Als er ermüdete, setzten andere sein Werk fort. In Windeseile schafften sie sich freie Bahn. Die erste Woge von Leibern schwappte in das Jail.

„Holt den Hund heraus!“

Jemand nahm dem Marshal den Zellenschlüssel ab. Er wurde über die Köpfe nach vorn gereicht.

Colts richteten sich auf den Gefangenen. Sheng stand hoch aufgerichtet vor der wütenden Menge. Er hielt die Arme gekreuzt. Langsam hob er die Hand.

„Hört mich an, Leute!“, bat er gelassen.

Aber er wurde niedergeschrien.

„Ihr lasst mir keine Wahl“, bedauerte Sheng. „Kein Mensch hat das Recht, mich zu hängen. Ich kann mich nicht anders verteidigen. Die Schuld müsst ihr bei euch suchen, Freunde.“

„Du hast hier keinen Freund, Chink!“, grölte Melvin Scott, der sich wohlweislich in der zweiten Reihe hielt.

„So ist es. Ein verdammter Mörder, der du bist!“, geiferte ein zahnloser Oldtimer, der einen mexikanischen Hut trug.

„Bringt ihn heraus! Wir wollen ihn hängen sehen!“, forderten die, die keinen Platz mehr in dem kleinen Office gefunden hatten.

„Steckt die Colts weg!“, mahnte der Oldtimer. „Ein voreiliger Schuss könnte uns den ganzen Spaß verderben. Wir alle werden doch mit einem einzelnen Mann fertig werden, oder?“

Daran zweifelte niemand.

Drei Cowboys sprangen nach vorn. Später konnten sie nicht erklären, wie es passiert war. Jedenfalls lag der Chinese plötzlich waagerecht in der Luft. Er grätschte die Beine. Seine Füße zuckten nach vorn. Zwei Angreifer fielen um. Sheng legte einen Salto hin, kam wie von selbst wieder auf die Beine. Seine Fäuste zuckten heraus. Der Mann in der Mitte kippte stumm nach hinten.

Sheng blieb in Kampfstellung.

Noch begriffen seine Gegner nicht. Neue Angreifen drängten nach vorn. Darunter der Schmied des Ortes, der sich über Mangel an Bizeps wahrlich nicht beklagen konnte. Wenn er jemanden mit seinen Pranken hielt, musste er aufpassen, dass er nicht zu fest zudrückte, sonst wäre ein Unglück geschehen. Und der Grobschmied erwischte tatsächlich den widerspenstigen Gefangenen an der Kehle.

Sheng schlug mit Leichtigkeit die Hand nach oben weg, trat seitlich neben den Kontrahenten, Sein Ellenbogen zuckte heraus. Der Hüne heulte auf wie ein getretener Hund.

Mitten im Ton brach er ab. Sheng hatte ihm einen Handkantenschlag versetzt. Der Schmied sackte zusammen. Er rutschte mit dem Rücken an der Mauer entlang. Sein Gesicht verfärbte sich bläulich. Er schnappte nach Luft. Dann wirbelte Sheng los. Schleuderte einen Angreifer in die zurückweichende Menge. Seine Hände und Füße zuckten durch die Luft. Eine Aktion wechselte mit der anderen. Die Gruppe schmolz zusammen.

Mitten im Gewühl krachte ein Revolver. Der Schuss verfehlte Sheng knapp. Sheng stieg in die Luft. Über die Köpfe zweier sich duckender Gegner hinweg flog der Kung Fu-Fighter. Er erwischte Melvin Scott voll. Der Mann klappte zusammen wie ein Taschenmesser und blieb liegen. Der 45er schlitterte über den gestampften Lehmboden.

„Ich werde hierbleiben und mich vor eurem Gericht verantworten“, bot Sheng an. „Aber versucht nicht, mich zu lynchen. Dazu habt ihr kein Recht.“

„Warum knallen wir ihn nicht einfach ab?“, fragte ein leicht lädierter Angreifer und liebäugelte mit den Waffen, die Sheng blitzschnell an sich gebracht und unter die Pritsche seiner Zelle geschleudert hatte.

Aber niemand wollte den Anfang machen. Sie waren keine kaltblütigen Mörder. Die Geschichte über den Tod ihres Freundes Hank Warner hatte sie aufgestachelt. Jetzt, als Sheng nahe daran war, sie in Verlegenheit zu bringen, gaben sie lieber auf und traten den Rückzug an, als ihn erbarmungslos über den Haufen zu knallen.

Marshal Miller gab den Ausschlag. Er wachte aus seiner Betäubung auf. Er feuerte einen Warnschuss in die Decke.

„Schluss mit dem Theater, Leute! Die Jury tritt heute Abend im Gemeindehaus zusammen. Und wenn er schuldig ist, baumelt er morgen früh bei Sonnenaufgang.“

Titus Miller blutete leicht aus einer Kopfwunde. Er hatte den Niederschlag noch nicht restlos überwunden. Er hielt sich mühsam auf den Beinen. Die Waffe in seiner Hand schwankte bedenklich. Aber da Melvin Scott noch immer am Boden lag und die Leute nicht anfeuern konnte, hatte der Marshal Erfolg. Nur der großmäulige Rank schimpfte, als seine Verbündeten das Feld räumten.

„Der Teufel mag wissen, warum Titus einen Narren an diesem Schlitzauge gefressen hat“, brummte er. „Gut, dass der Marshal nicht zur Jury gehören wird. Sonst gäbe es am Ende noch einen Freispruch.“

Die Leute strömten wieder in den Saloon. Es schien an einem Tage mehr zu geschehen als gewöhnlich sonst in einem ganzen Jahr vorkam. Dieser Sheng lieferte Gesprächsstoff für Monate. Und noch war das Drama offensichtlich nicht beendet.

Marshal Miller schöpfte mit einer Kelle Wasser und klatschte es Melvin Scott ins Gesicht. Aber der Ausgeknockte brauchte drei Duschen, ehe er zu blinzeln begann und sich stöhnend an den Nacken griff. Er wälzte sich herum. Dann bemerkte er die offene Zellentür und Sheng, der ihn aufmerksam betrachtete. Niemand stand mehr zwischen Melvin Scott und dem Kung Fu-Fighter. Das belebte Scotts Lebensgeister merklich. Er rappelte sich auf und wollte die Flucht antreten. Dabei prallte er gegen Marshal Miller, den er nicht bemerkt hatte. Die hagere Hand des alten Marshals schnellte vor.

„Keine Hetztiraden mehr im Saloon, Freundchen!“, warnte Titus Miller. „Ich habe Leute nicht gern, die andere aufwiegeln.“

„Fragen Sie ihn, was er damit bezweckt, Marshal!“, forderte Sheng.

„Ich?“, jammerte Melvin Scott. „Ich meine nur, die Beweise sind erdrückend. Warner wurde durch Handkantenschläge getötet — so, wie dieser Mann sie meisterhaft beherrscht. Er hatte das Kind bei sich, um womöglich ein Lösegeld zu erpressen. Und er besaß sechstausend Dollars, genau die Summe, die Hank Warner gerade für den Verkauf einer Herde Zuchtstiere eingenommen hatte. Dafür gibt es Zeugen.“

„Ich bestreite nichts davon“, nickte Sheng. „Aber ihre Deutung verbiegt die Tatsachen. Ich fand den sterbenden Hank Warner. Er bat mich, die Kleine zu ihrer Schwester nach Gran Junction zu bringen. Er vertraute mir sein Geld an. Ich hätte es abgeliefert. Er versuchte, den Mörder zu beschreiben, der ein Chinese war wie ich und offenbar die Kunst des waffenlosen Kampfes ebenfalls beherrschte. Warner war nur eins aufgefallen: der Täter trägt eine Tätowierung auf dem Unterarm und eine blaue Nummer.

„Sind Ihre Arme etwa nicht tätowiert?“, höhnte Melvin Scott.

„Ich trage nicht das Zeichen des Schwarzen Drachen“, erklärte Sheng ruhig. „Und davon sprach Hank Warner.“

„Alles Lüge, Marshal“, giftete Scott. „Nun gut, die Geschworenen mögen entscheiden. „Aber es gibt nur einen Urteilsspruch: Schuldig!“

„Es sieht so aus“, räumte Titus Miller ein. „Aber bis dahin lasse ich niemanden an den Gefangenen heran.“

„Über seinen Besitz können Sie jedenfalls schon jetzt verfügen“, meinte Melvin Scott und zückte ein Bündel Greenbacks. „Ich trage sämtliche Unkosten, die der Stadt durch den Delinquenten entstehen. Und das ist für Sie, Marshal.“ Er zweigte einen ansehnlichen Packen ab.

Sheng lachte rau.

„Jetzt lässt er die Maske fallen“, meinte der Kung Fu-Kämpfer.

„Ich verstehe kein Wort“, brummte Titus Miller.

„Er will den Teil der Schriftrolle, die sich in meinem Besitz befindet. Er arbeitet für den Schwarzen Drachen.“

„Ich sammle chinesische Kunst. Das ist alles. Ich möchte das Drachengewand haben“, widersprach Melvin Scott.

„Schluss jetzt“, entschied Titus Miller ärgerlich. „Sheng ist noch nicht verurteilt. Und ich bin nicht bestechlich. Merken Sie sich das!“ Er packte seinen ungebetenen Besucher am Kragen und bugsierte ihn auf die Straße. Mit einem Knall schloss er die Tür.

„Das ist alles sehr verwirrend“, räumte er ein, während er die Zellentür schloss.

Sheng hatte gewartet. Er ließ sich widerspruchslos einschließen. Er begann, seine Zelle von den Glasresten zu säubern. Eine Mahlzeit lehnte er ab.

„Wenn Sie mir einen großen Gefallen tun wollen, Marshal“, sagte er, „kochen Sie mir eine Tasse echten chinesischen Tees.“

 

 

4

„... am Halse gehängt werden, bis er tot ist. Gott sei seiner armen Seele gnädig.“

Der Friedensrichter setzte sich. Ein Schreiber verlas die Urteilsbegründung. Er verhaspelte sich ein paarmal. Wenn Beifall aufbrauste, schlug der Vorsitzende auf den Tisch. Es gab keinen freien Platz. Ganz Spanish Wells war der Verhandlung gefolgt.

„Tut mir leid. Ich bringe dich jetzt zurück. Ich hoffe, dass du mir keine Schwierigkeiten machst“, murmelte Marshal Miller und packte Sheng vorsichtig am Arm.

Sheng ging schnell, mit gesenktem Haupt.

„Ich habe diesen Leuten vertraut“, klagte Sheng. „Ich habe gehofft, sie würden sich bemühen, gerecht zu bleiben. Aber sie haben in erster Linie den Chinesen gesehen in mir, dann den Fremden, aber nicht den Menschen. So sind sie mit Vorurteilen an alles herangegangen, was ich zu meiner Entlastung bringen konnte.“

„Das hätte ich dir gleich sagen können“, knurrte der Marshal.

Unwillig wehrte er zwei Frauen ab, die sich nahe an den Gefangenen drängten und ihm auffällig ins Gesicht starrten. Natürlich konnten sie keine Reaktion auf das Todesurteil in diesen Zügen lesen. Ihre Sensationsgier blieb unbefriedigt. Das verwirrte sie. Sie hatten erwartet, dass der Delinquent, wenn schon nicht Reue, dann wenigstens Angst signalisieren würde.

„Ich musste den Männern von Spanish Wells eine Chance geben“, erklärte Sheng entschlossen.

„Was meinst du?“

„Jeder Mensch ist frei. Er kann sich für das Böse entscheiden oder für das Gute. Für die Lüge oder die Wahrheit. Es wäre ungerecht, ihm diese Möglichkeit vorzuenthalten. Jetzt aber werde ich handeln.“

„Um Himmels willen“, erschrak Titus Miller. „Du wirst mir doch keine Schwierigkeiten bereiten?“

Sie überquerten die staubige Fahrbahn. Kein Gesicht, das sich ihnen zuwandte, das nicht Schadenfreude zeigte. Sie traten in den Schatten des Vordaches. Sheng wartete, dass der Marshal die Tür aufsperrte. Sein Blick wanderte die Straße entlang. Es war, als hielte Spanish Wells den Atem an.

Für den Bruchteil einer Sekunde erkannte Sheng hinter den verstaubten Scheiben eines Fensters ein asiatisches Gesicht. Da wusste er endlich, wo der Feind steckte. Das Gebäude wirkte verkommen und wurde sicher seit geraumer Zeit nicht mehr bewohnt. Es bedurfte keines weiteren Beweises, dass sich jener geheimnisvolle Chinese, der auch den alten Warner auf dem Gewissen hatte, sich heimlich in Spanish Wells aufhielt. Möglicherweise nicht allein. Und die Bande steckte dort in dem alten Holzhaus.

Melvin Scott verschwand ebenfalls in dem Haus, nachdem er sich vergewissert hatte, dass er nicht beobachtet wurde. Die Tatsache, dass sich die Aufmerksamkeit auf den Todeskandidaten Sheng richtete, kam dem Mann zustatten. Wahrscheinlich erstattete er jetzt seinen Auftraggebern Bericht und meldete, dass der heimtückische Plan erste Früchte zeigte. Sheng würde hängen!

Marshal Miller atmete auf, als er den Gefangenen wieder sicher in der Zelle wusste.

„Wenn du irgendwelche Wünsche hast ...“, seufzte Titus Miller.

Sheng lächelte.

„Mehrere“, sagte er. „Erstens möchte ich nicht sterben. Zweitens würde ich gern allen meine Unschuld beweisen. Aber dazu müsste ich hier heraus. Jedenfalls für ein paar ...“

„Daraus wird nichts“, winkte Miller erschrocken ab. „Ich habe mehr als fünfundzwanzig Jahre meine Pflicht getan. Ich werde am Ende nicht noch gegen das Gesetz verstoßen.“

„Vergiss es!“, nickte Sheng freundlich.

Er hockte sich mit gekreuzten Beinen auf die Pritsche.

„Was würdest du machen, wenn ich dich gehen ließe?“, fragte der Marshal. Er vermied es, Sheng anzusehen. Sheng erriet Miller’s Gedanken trotzdem.

„Du kannst nichts machen“, meinte er. „Ich werde dich nicht in den Tod schicken. Die Männer des Schwarzen Drachen würden dich umbringen. Ich allein könnte sie aufsuchen.“

Sheng erzählte vom ewigen Kampf der Mönche des Weißen Lotus gegen die Satansbrut des Schwarzen Drachen. Titus Miller kratzte sich verlegen hinter dem Ohr.

„Wenn ich beweisen könnte, dass ein paar deiner gelben Freunde in Spanish Wells herumgeistern, würde die Geschichte glaubwürdiger klingen, dass ein anderer Chink den alten Warner umgebracht hat“, überlegte er. „Dazu brauche ich Beweise.“

„Sie würden dich auf der Stelle töten. Melvin Scott läuft für sie als Kundschafter und Zuträger umher. Daher habt ihr sie nie zu Gesicht bekommen. Scott versorgt sie auch mit Lebensmitteln. Er tut das so geschickt, dass nicht ein einziger Geschworener mir glaubte, als ich behauptete, ich sei nicht der einzige Chinese in Spanish Wells.“

„Und du wüsstest, wo ich diese Kerle finde?“

„Ich habe etwas beobachtet“, nickte Sheng.

„Wann? Was hast du gesehen und ich nicht? Seit deiner Ankunft in Spanish Wells sitzt du im Gefängnis. Ich aber bewege mich frei. Und trotzdem willst du ...“

„Darauf kommt es nicht an. Ich kann meine Augen gebrauchen. Ich weiß, was ich gesehen habe.“

„Dann rücke damit heraus, verdammt! Es ist deine letzte Chance. Oder du baumelst. Ist das etwa dein Wunsch?“

„Warum sollte ich dich mitnehmen in den Tod? Du kennst nicht die Tücke deiner Gegner. Unter ihnen befinden sich Karatekämpfer, die deinen Colt zu einem lächerlichen Spielzeug werden lassen. Darunter eine Frau die Tui Mei heißt. Sie ist zur Zeit verantwortlich für die Sektion Amerika. Sie leitet die Jagd auf die Mönche des Weißen Lotus in diesem Teil der Erde. Ihre Geldmittel sind unbeschränkt.“

„Und sie hat diesen Melvin Scott gekauft?“

„Sie oder ein Beauftragter.“

„Spanish Wells ist nicht groß. Bei einigem Nachdenken müsste ich herausfinden, wo diese gelbe Brut sich versteckt hält“, sagte Titus Miller. „Und dann müsste der Prozess neu aufgerollt werden.“

„Du würdest deinen ersten Besuch nicht überleben. Es gibt nur eins: Lass mich heraus! Ich bringe dir die Leute“, schlug Sheng vor.

Abwehrend hob Titus Miller die Hände.

„Dafür hätte nun wirklich niemand Verständnis.“ Er entfernte sich kopfschüttelnd.

Die Postkutsche aus Gran Junction musste jeden Augenblick eintreffen. Und mit ihr Muriel Warners ältere Schwester. Es wurde Zeit, dass die Kleine in den Schoß der Familie zurückkehrte.

Titus Miller setzte sich in den Schaukelstuhl vor seinem Office.

 

5

Er beobachtete den Fortschritt des Baues. Mehr als zwölf Männer arbeiteten angestrengt daran, ein Schafott zu errichten. Sie sägten Bretter, rammten Pfähle in die Erde und niemand brauchte sie anzutreiben. Es brannten Fackeln. Die Hitze des Tages war sehr schnell der angenehmen Temperatur des Abends gewichen. Damit erwachte das Leben wieder in Spanish Wells.

Rinderhirten löschten ihren Durst im Saloon. Einheimische flanierten über die Plaza, in deren Mitte das Galgengerüst errichtet wurde. Und wenig später fegte die Postkutsche mit der üblichen Verspätung in den Ort. Der Kutscher parierte das Gespann, dass die Stangenpferde sich auf die Hinterhand setzten. Staub verdunkelte für einen Augenblick die Lampen, die vor der Poststation brannten. Aber die Schwaden hatten sich noch nicht gelichtet, da warf der Fahrer bereits das Gepäck vom Wagendach. Sein Begleiter fing Koffer, Taschen und Schachteln auf, die zweifellos einer Dame gehörten.

Der Kutscher klappte eine Trittleiter herunter und half der Reisenden aus dem engen Gefährt.

Brenda Thomson, die ältere Schwester Muriel Warners, entpuppte sich als junge elegante Dame in einem Kleid, wie es die Einwohner von Spanish Wells nur selten zu Gesicht bekamen und wie es höchstens in den großen Städten des Ostens üblich sein mochte. Es war ein Gedicht aus jadegrüner Seide. Über allem thronte ein kleiner kecker Federhut, der den Neid der staunenden weiblichen Bewohner von Spanish Wells erweckte.

Der letzte Müßiggänger sperrte Mund und Nase auf, während Brenda Thomson mit kurzen Trippelschritten den Sidewalk erreichte. Hüte wurden höflich gelüftet. Jeder drängte sich heran, um der Dame Auskunft zu geben. Freiwillige trugen ihr das Gepäck nach.

Brenda Thomson mochte etwa zwanzig Jahre alt sein. Sie hatte kastanienbraunes Haar, das jetzt zu einer kunstvollen Frisur verschlungen war, gelöst, aber besonders vorteilhaft wirken musste. Die Figur war es, die alle männlichen Betrachter in Raserei versetzte. Selbst der ungeschickteste Schneider hätte diesen wohlgeformten Busen nicht beeinträchtigen oder diese Wespentaille zerstören können. Tatsächlich aber betonte das raffinierte Kleid alle körperlichen Vorzüge der Trägerin. Es war, als kehre die große Welt in diesem verschlafenen Nest ein.

Marshal Miller spritzte hoch. Er eilte über die Straße, um die Lady zu begrüßen ...

 

 

6

Geisterhaft bleiches Mondlicht überschüttete das Galgengerüst. Spanish Wells schlief. Die Lampen waren gelöscht. Selbst im Saloon waren die Vorhänge zugezogen. Sheng stand am vergitterten Fenster seiner Zelle und starrte in die mondhelle Nacht.

Vom Office her, durch die offene Tür, drang das Schnarchen des Marshals. Titus Miller hatte es sich auf einem abgewetzten Sofa bequem gemacht. Sein Colt hing samt Revolvergürtel über einer Stuhllehne. In Griffweite. Obgleich nicht mehr zu befürchten stand, dass die aufgebrachten Bürger den Gefangenen lynchen wollten. Den Mann, der ohnehin im Morgengrauen sterben würde.

Sheng hörte ein leises Geräusch. Ein Knarren der Tür, die vorsichtig geöffnet wurde. Er gab Alarm.

Dann hörte er einen unterdrückten Schrei und einen schweren Fall. Titus Miller hatte den 45er nicht mehr aus der Halfter bekommen. Eine bullige Gestalt erschien in der Verbindungstür, füllte fast den Rahmen aus. Nur die rechte Hand, die Shengs Deckenbündel umkrallte, lag im Licht des Mondes. Langsam trat der Unbekannte näher.

„Pao, Tui Mei!“, rief Sheng. Er ging sofort in Grundstellung.

Der Chinese lachte höhnisch.

„Ich bin nicht gekommen, um mit dir zu kämpfen, Sheng“, erklärte er. „Meine Frau hat mir sogar verboten, dich zu töten. Und du weißt, ich bekleide in der Organisation einen niederen Rang. Ich muss ihr gehorchen. Ich bin ihr Diener.“

„Wenn du kein Feigling bist, nimmst du dem Marshal den Zellenschlüssel ab, und wir messen unsere Kräfte. Oder ist es zu viel verlangt, von einem Mitglied des Schwarzen Drachen Fairness zu erwarten?“

Hochaufgerichtet stand Sheng in seiner Zelle. Die Gitterstäbe warfen dunkle Streifen auf Paos Körper. Sheng hatte den Mond, der seine Zelle voll ausleuchtete, im Rücken.

Hasserfüllt starrte Pao Tui Mei auf den Mönch vom Weißen Lotus.

„Du stirbst ohnehin. Warum sollte ich dein Ende beschleunigen?“, keuchte Tui Mei und trat näher.

Sheng lachte geringschätzig.

„Du weißt genau, dass die Lehre des Tao Chi Gelassenheit verleiht und Distanz zu den Dingen. Nichts kann mich erschüttern. Selbst den Tod habe ich einbezogen in die Rechnung meines Lebens. Und der Tod kommt dem Menschen immer ungelegen. Du kennst das.“

„Wir werden bald wissen, wie ihr zu dieser Abgeklärtheit gelangt. Wir werden euch das Geheimnis entreißen. Gerade werden die Mönche benachrichtigt, die sich in den Staaten versteckt halten. Wir beordern sie in deinem Namen nach Spanish Wells. Wenn wir alle sieben Teile der Heiligen Schrift in unserem Besitz haben, ist das Ziel erreicht. Der Schwarze Drache wird triumphierend sein Haupt erheben. Schade, dass du das nicht miterlebst. Du wirst bereits tot sein. Morgen hängst du, Sheng.“

Pao wandte sich um und verschwand lautlos, wie er gekommen war. Er zog leise die Tür hinter sich ins Schloss.

Sheng lauschte angestrengt. Erst, als er den schweren Atem des Marshals hörte, atmete er auf. Titus Miller musste bewusstlos sein, aber er war nicht getötet worden.

Sheng verwarf den Gedanken, dass es sinnvoll sein könne, Alarm zu schlagen. Möglicherweise gaben ihm die verblendeten Bürger von Spanish Wells wiederum die Schuld an diesem Zwischenfall und diesmal war niemand da, der ihnen in den Weg trat, wenn sie den Gefangenen lynchen wollten.

Sheng entschloss sich, endlich zu handeln. Er schaute sich um, suchte den leichtesten Weg für seinen Ausbruchsversuch. Unmöglich fast, diese soliden Gitterstäbe zu beseitigen. Rund um das Fenster war das Adobemauerwerk verstärkt. Aber die Wand musste zu bezwingen sein. Sheng konzentrierte sich.

Sein Wille ergriff die Herrschaft über den Körper. Seine seelischen Kräfte wurden mobilisiert. Er rief sein Chi an. Dann zuckten die geballten Fäuste heraus. Die Fußkante erweiterte die Bresche. Die luftgetrockneten Ziegel gaben nach. Das Mattengeflecht dazwischen zerfaserte. Nach der dritten Schlagkombination entstand ein kleines Loch. Blitzschnell erweiterte Sheng die Bresche. Ihm genügte eine winzige Lücke, gerade groß genug anscheinend für den Körper eines Kindes. Er zwängte sich mit einer einzigen aalgleichen Bewegung ins Freie.

Er rannte um das Jail herum. Ihm gelang es genau wie vorher Pao, das primitive Schloss mit einem Trick zu öffnen.

Stöhnend lag Marshal Miller am Boden neben dem Sofa. Er war paralysiert von dem Karateschlag seines Gegners, unfähig, sich zu bewegen. Sheng betrachtete voller Mitleid die blutunterlaufene Stelle, die von der brettharten Handkante Paos getroffen worden war.

Sheng kniete nieder und massierte Miller behutsam. Er übte Druck aus auf ganz bestimmte Knotenpunkte. Der Marshal verspürte Erleichterung, aber er fand die Herrschaft über seine Glieder noch nicht. Er mochte sich nicht rühren. Aber er atmete tiefer. Erstes Zeichen der Besserung. Sheng arbeitete konzentriert weiter.

Da krachte draußen ein Colt. Hai Rank brüllte die Neuigkeit in alle vier Himmelsrichtungen.

Die Einwohner liefen zusammen.

Sheng nahm den Zellenschlüssel an sich, sperrte auf und benutzte abermals die Bresche in der Mauer, die er mit bloßen Händen geschlagen hatte. Kaum jedoch gelangte er ins Freie, auf der Seite, die der Hauptmacht der zusammenströmenden Belagerer abgewandt war, da knallte es seitlich von ihm. Der Schuss kam aus dem Haus, in dem sich die Abgesandten des Schwarzen Drachen versteckten. Sie hatten inzwischen bemerkt, dass nicht mehr alles nach Wunsch lief.

Die Kugel zischte glühend heiß an Shengs Nacken entlang. Er lief halbgebückt, hechtete hinter einen Leiterwagen, kegelte herum und kam wieder auf die Füße. Die Horde tobte hinter ihm her.

„Wir wollen ihm das Hängen nicht ersparen!“, warnte Hai Rank. „Verwundet ihn nur, aber tötet ihn nicht!“

Sheng rettete sich in eine Scheune. Er kletterte behände eine Leiter hinauf, bahnte sich einen Weg durch Heu und Stroh. Mit der Schulter deckte er einen Teil des Daches ab. Er zog sich hoch, schlüpfte durch die Lücke und stand auf dem Dach. Es blieb ihm nicht viel Zeit. Ständig versuchten die Verfolger, ihn einzukesseln. Schüsse krachten.

Fackeln verbreiteten ihr unruhiges Licht. Stimmen schrieen durcheinander. Spanish Wells geriet in helle Aufregung.

Sheng sprang ins Leere. Gestreckt lag er in der Luft. Blitzschnell rollte sich vor der harten Landung sein Körper zusammen. Er vermied die Wirkung eines so ungestümen Aufpralls, indem er gekonnt abrollte. Dann rannte er weiter. Nur die Dunkelheit rettete ihn.

Er flitzte unter eine Veranda, robbte flach über den Boden, während unzählige Stiefel den Staub aufrührten. Der Mob tobte durch die Straße.

Sheng lauerte auf eine Chance, ungesehen seinen Zufluchtsort zu verlassen. Er visierte das Haus des Marshals an. Er brauchte ein Asyl. Er konnte Spanish Wells nicht verlassen. Nicht, nachdem Pao ihm den teuflischen Plan verraten hatte, die Mönche des Weißen Lotus nach Spanish Wells zu locken, um ihnen ihre Schriftrollen zu rauben.

„Tun Sie etwas, Mr. Scott!“, fauchte die Chinesin.

Zum ersten Mal seit ihrem Pakt mit dem Amerikaner zeigte sie sich ihm. Das Gebrüll Hai Ranks hatte sie aus ihrer Ruhe aufgescheucht.

Scott nahm mit fliegenden Händen die Winchester und feuerte aus dem Fenster. Er verfehlte die Gestalt, die durch die Rückwand des Stadtgefängnisses zu hechten schien, knapp. Sheng verschwand in der Dunkelheit.

„Idiot!“, zischte Lin Tui Mei.

Details

Seiten
129
Jahr
2020
ISBN (eBook)
9783738945997
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v940721
Schlagworte
sheng maskenteufel

Autor

Zurück

Titel: Sheng #30: Sheng und die Maskenteufel