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Redlight Street #148: Pia macht Karriere

©2020 113 Seiten

Zusammenfassung


Sie ist erst siebzehn, aber ein Rassegeschöpf, nach dem sich die Männern fast den Kopf ausrenken, wenn sie an ihnen vorbeischlendert. Pia van Volen ist das begehrteste Animiermädchen in der Sexy-Bar. Ihr gefällt dieser Job, denn hier verdient sie nicht schlecht – jedoch nicht genug.
Als sie sich mit dem Hauptkellner Werner einlässt, bleibt das nicht ohne Folgen. Doch in Hilde findet Pia eine verständnisvolle Freundin.
Nun sieht sich Pia die Männer, die sie schröpfen will, ganz genau an, denn der kleinen Viola soll es mal an nichts fehlen …

Leseprobe

Table of Contents

Pia macht Karriere

Copyright

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Pia macht Karriere

Redlight Street #148

von G. S. Friebel

 

Der Umfang dieses Buchs entspricht 113 Taschenbuchseiten.

 

Sie ist erst siebzehn, aber ein Rassegeschöpf, nach dem sich die Männern fast den Kopf ausrenken, wenn sie an ihnen vorbeischlendert. Pia van Volen ist das begehrteste Animiermädchen in der Sexy-Bar. Ihr gefällt dieser Job, denn hier verdient sie nicht schlecht – jedoch nicht genug.

Als sie sich mit dem Hauptkellner Werner einlässt, bleibt das nicht ohne Folgen. Doch in Hilde findet Pia eine verständnisvolle Freundin.

Nun sieht sich Pia die Männer, die sie schröpfen will, ganz genau an, denn der kleinen Viola soll es mal an nichts fehlen …

 

 

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books, Alfred Bekker, Alfred Bekker präsentiert, Casssiopeia-XXX-press, Alfredbooks, Uksak Sonder-Edition, Cassiopeiapress Extra Edition, Cassiopeiapress/AlfredBooks und BEKKERpublishing sind Imprints von

Alfred Bekker

© Roman by Author

© dieser Ausgabe 2020 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

Alle Rechte vorbehalten.

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1

Eigentlich hatte sie es gar nicht nötig, als Animiermädchen zu arbeiten. Sie war ein Mädchen, auf das man neidisch sein konnte - und sie wusste das sehr wohl. Der Eigentümer der Cabaret-Sexy-Bar war natürlich jedes Mal glücklich, wenn sie sein Lokal betrat. Brachte sie doch das Geschäft erst so richtig in Schwung. Nein, Pia hatte es wirklich nicht nötig, sich hier ihre Kunden zu suchen. Aber es war eine alte Gewohnheit; und manchmal musste sie einfach wieder etwas erleben. Es genügte ihr nicht, nur reich zu sein. Daran hatte sie sich so gewöhnt, dass es schon alltäglich war.

Sie war ein Rassegeschöpf, und man konnte es den Männern nicht verdenken, dass sie sich fast den Kopf nach ihr ausrenkten, wenn sie vorbeischlenderte. Sie war mittelgroß, sehr schlank, aber mit einem wundervollen Busen und Beinen, die scheinbar bis an die Ohren reichten; dazu eine makellose Haut, kurzes, kastanienbraunes Haar und blaue Augen. Bemerkenswert waren auch der sinnliche Mund, die leichte, lockere Art, wie sie sich gab; das perlende Lachen, die etwas rauchige Stimme.

Ein noch so braver Ehemann erlag ihr, wenn sie es darauf abgesehen hatte. Aber Pia war auch ein gutmütiges Geschöpf. Sie betrachtete sich die Männer, die sie schröpfen wollte, immer sehr genau.

Angefangen hatte alles in dieser Bar, vor ewiger Zeit. Sie konnte sich schon gar nicht mehr daran erinnern. Ganz schwach wusste sie auch noch, dass sie einmal so etwas wie ein Büromädchen gewesen war. Aber sie hatte schon damals gewusst: Dieses Leben mache ich nicht lange mit; das ist zum Auswachsen.

Dass sie dann sogar ziemlich schnell fortging, hatten die Männer auf dem Gewissen. Damals war sie noch ein knuspriger Teenager gewesen, und man hatte sie schon im Betrieb nicht in Ruhe lassen können. Diese zweideutigen Reden! Sie war deren schnell überdrüssig geworden, vor allen Dingen, weil sie damals die Männer noch hasste. Sie wusste um ihre Jugend; und es waren nicht die jungen Burschen, die sie »anmachten« - nein, das waren ältere und dazu noch verheiratete Männer.

Oft war sie furchtbar wütend geworden und hätte dem Chef Bescheid gesagt. Aber sie war damals schon klug und wusste, dass Männer immer zusammenhalten. Von einem anderen weiblichen Lehrling hatte sie Folgendes gehört: Als dieser sich einmal beschwerte, hatte der Chef doch tatsächlich erwidert, sie würde wohl einen großen Teil der Schuld selbst tragen. Heutzutage wäre die Jugend ja so verdorben und würde vor nichts haltmachen.

Pia van Volen hatte darüber sehr lange nachgedacht und war zu dem Entschluss gekommen, fortzugehen. Das macht mich verrückt, hatte sie gedacht. Diese plumpen Annäherungen und recht eindeutigen Angebote halte ich auf die Dauer nicht aus. Die geben ja auch nicht auf.

Sie hatte schon lange keine Eltern mehr. Sie lebte bei einer betagten Tante, und die war immer sehr froh, wenn sie nicht viel von dem Kind hörte. Oben in dem kleinen Haus bewohnte sie eine kleine Stube. Von Liebe war nie die Rede gewesen.

Pia verzehrte sich nach Liebe. Sie war ein liebevolles Geschöpf und konnte ohne Liebe einfach nicht leben. Jetzt hatte sie also die Lehre abgebrochen und wusste, dass sie so schnell keinen anderen Posten bekommen würde. Aber zum Leben braucht man nun einmal Geld. Sie studierte also sämtliche Zeitungen. Man suchte nur ausgebildete Mädchen und Frauen, und das war sie ja noch nicht.

Dann las sie die Anzeige.

»Suche Barmädchen. Muss flott aussehen, gute Umgangssprache haben und so weiter.«

Tolles Gehalt wurde versprochen. Von Vorbildung war hier keine Rede.

Pia hatte noch nie eine Bar von innen gesehen. Sie wusste auch nicht, was von Barmädchen verlangt wurde. Doch da sie kaum noch Geld hatte, dachte sie: Ich geh hin, und wenn ich für die erste Zeit Putzfrau spielen muss. Ich will die Tante nicht um Geld angehen. Die kriegt sonst noch einen Schock. Sie weiß ja noch gar nicht, dass ich die Lehrstelle verlassen habe.

So machte sie sich auf den Weg zur »Sexy-Bar«. Es war morgens, und die Putzfrauen führten das Regiment. In der Morgenstunde sieht eine Bar ziemlich öde und fad aus.

Als sie die Tür öffnete, schoss ihr ein Schwall Wasser entgegen und eine Frau schrie sie an: »Kannst du nicht aufpassen? Was lungerst du hier rum? Du siehst doch, dass hier gearbeitet wird!«

»Ich komme wegen der Anzeige«, stotterte sie.

»Noch eene«, schnauzte die Frau und wischte sich übers Haar. »Also, dann komm rein! Aber pass auf, wo du hintrampelst, verstanden! Ich will den Dreck nicht noch mal wegmachen. Ich hab auch noch was anderes zu tun. Mitten durch den Gang - da hinten ist eine Tür. Stehen schon eine ganze Menge davor. Schließ dich an!«

Sie hatte ein Würgen in der Kehle, nickte nur beklommen und ging weiter. Vor der Tür standen in der Tat schon sieben Mädchen. Die blickten scheel auf Pia herab, als wollten sie sagen: Wir waren zuerst da, also haben wir mehr Anrecht. Hau schon wieder ab!

Das hätte sie vielleicht auch getan, aber sie fürchtete sich vor der Putzfrau. Schließlich war sie erst siebzehn Jahre alt und kannte sich mit dem Leben noch nicht so gut aus.

Da drückten sie sich also in den muffigen Hinterausgang und betrachteten sich gegenseitig verstohlen. Dann ging die Tür auf, und ein Mann betrat den Gang.

»Kommt ihr alle wegen der Anzeige?« Sie nickten. »Na, dann kommt mal rein, damit wir das schnell regeln. Aber ich sage gleich, ich brauch nur eine einzige. Wenn ich eine ausgesucht habe, gehen die anderen gleich wieder, verstanden?«

Der Ton war ziemlich rau. Pia fröstelte und sagte sich: Die sind alle viel älter als ich und verstehen bestimmt eine Menge von diesem Job. Warum bin ich bloß gekommen?

Im Büro war ein großes Fenster. Sie mussten sich alle an der Wand aufstellen. Der Mann ging die Reihe ab und musterte jede einzelne eingehend. Pia war die Letzte, die anderen drängten sich eifrig vor.

Der Mann stellte einige Fragen. Sie hatte keine Ahnung, was er meinte, und schwieg. Wie sie geahnt hatte, wussten die anderen Mädchen viel mehr. Auf einmal bemerkte sie den Blick des Mannes auf sich, und sie kroch ein wenig in sich zusammen.

»Wie alt bist du?«, fragte er sie.

»Sssiebzehn«, stotterte sie.

Er zwirbelte seinen Bart.

»Von daheim abgehauen?«

»Nein, ich lebe bei einer Tante hier in Düsseldorf. Ich suche nur eine Arbeit.«

»Hast du schon mal in einer Bar gearbeitet?«

»Nein.«

Der Mann sah auf den ersten Blick, dass die Kleine genau richtig für seine Bar war. Er hatte eine »goldene« Nase und witterte auf viele Meilen ein gutes Geschäft. Er sah ihr an, dass sie nicht von gestern war und ziemlich schnell lernen würde.

»Ich will es mit dir versuchen«, sagte er laut.

Pia zuckte zusammen und starrte ihn sprachlos an.

»Wie bitte?«, flüsterte sie.

Die anderen wurden wütend.

»Die hat doch keine Ahnung! Noch so jung, das ist ungerecht!«, schimpften sie los.

Die Sexy-Bar war dafür bekannt, dass sie gut bezahlte, deshalb waren sie ärgerlich, dass ausgerechnet diese graue Maus den Job erhalten sollte.

Jetzt wurde der Mann ärgerlich.

»Abhauen, verduften! Ich hab euch gesagt: Wenn ich mich entschieden habe, verschwinden die anderen sofort, verstanden!«

Sie schimpften noch eine Weile herum, aber dann gingen sie doch schweigend davon.

Pia blieb mit dem Mann allein zurück.

 

 

2

»Du willst also Barmieze werden?«

Sie sah ihn mit ihren blauen Augen aufmerksam an.

»Wenn Sie mir sagen, was ich tun soll, dann will ich versuchen, gut zu sein.«

»Das hast du gar nicht nötig«, sagte er lachend. »Ich glaub, ich hab mit dir einen guten Fang gemacht. Komm mit, ich zeig dir die Arbeitskluft! Davon kannst du dir was aussuchen. Deine Arbeit besteht darin, dass du die Männer zum Trinken animieren musst. Von dem, was sie bei uns trinken, erhältst du deine Anteilprozente, verstehst du? Das ist dann dein Geld. Wenn sie also viel trinken, bekommst du auch viel. Natürlich musst du mittrinken; aber keine Sorge, du bekommst immer ein spezielles Glas. Bei uns brauchst du dich nicht zu betrinken, sonst kannst du ja nicht mehr gut arbeiten.«

»Das ist alles, was ich zu tun habe?«, sagte sie erstaunt.

»Ja.«

Sie dachte: Im Betrieb sind mir die Männer schon nachgelaufen - hier soll das also mein Job sein? Du liebe Güte, das soll meine ganze Arbeit sein?

Sie standen jetzt in einem kleinen Raum. An einer langen Stange hingen Flitterkleidchen. »Davon kannst du dir eines aussuchen. Das ist dann dein Arbeitskleid. Die Schuhe musst du selbst stellen. Wir fangen pünktlich abends um zehn Uhr an und hören morgens um fünf Uhr auf. Montags haben wir Ruhetag.« Ihr war, als hätte sich ein Nest Bienen in ihrem Kopf eingenistet. »So, du kannst jetzt gehen.«

Sie drehte sich um und sagte ruhig: »Kann ich nicht bleiben? Ich möchte mir alles gründlich ansehen, damit ich heute keinen Fehler mache.«

»Bist du immer so gewissenhaft?«

»Ja!«

Werner wird da sein, dachte der Mann. Ich schick ihn gleich raus, damit er die Kleine im Auge behält. Man kann nie wissen, vielleicht will sie klauen? So etwas wie die hab ich noch nie getroffen.

»Gut, dann bleib.«

Pia besah sich die Kleider und entschied sich für ein giftgrünes Kleid. Das stand ihr besonders gut. Es war sehr, sehr kurz und hatte einen tiefen Ausschnitt. Als sie sich im Spiegel besah, wurde sie für einen Augenblick rot. Sah das nicht verworfen aus?

Aber das Kleidchen war wirklich schön. Bis jetzt hatte sie sich nur immer einfache Sachen kaufen können. An diesem Tag, vor diesem Spiegel schwor sie sich: Ich will nicht arm bleiben. Eines Tages werde ich so reich sein, dass ich mir alles kaufen kann, was mir Spass macht. Ich will mich immer kostbar kleiden; ich will leben, mich nicht an die Wand drücken lassen. Niemals!

Dann verließ sie den Raum und betrat die Bar. Jetzt waren die Putzfrauen verschwunden. Die Stühle standen an ihren Plätzen. Alles hatte wieder seine Richtigkeit. Die Glasregale erstrahlten in einem tiefen, weichen Licht. Da war die Empore für die Musiker, die vielen Tischchen, die Tanzfläche für die Darbietungen, die kleinen Nischen für Personen, die nicht erkannt werden wollten, und die lange Theke. Alles erschien ihr irgendwie aufregend. Ihr kam es so vor, als wäre sie in eine verwunschene Höhle geraten. Das gedämpfte Licht, die Samtwände, so etwas hatte sie noch nie gesehen. Stumm stand sie in der Mitte und atmete tief durch. Da hörte sie hinter sich eine Stimme. Es war Werner, der Hauptkellner.

»Na, was hältst du von dem Schuppen?«

Pia drehte sich um. Er war sprachlos über ihre Jugend und ihre Schönheit. Es kribbelte in seiner Lendengegend, und er leckte sich einmal schnell über die Lippen.

»Hallo«, sagte sie leise.

»Ich bin Werner, ich arbeite hier hinter der Bar«, sagte er rau.

»Ich arbeite hier jetzt auch. Können Sie mir vielleicht ein paar Tipps geben? Werner?«

»Die brauchste nicht«, lachte er rau auf.

»Das hat der Chef auch schon gesagt. Ich verstehe nicht, wie ihr das meint. Man muss doch in jedem Beruf lernen.«

»Du nicht. Mensch, was die Mädchen wohl sagen werden? Die werden gebügelt sein, besonders Hilde«, kicherte der Mann. Damals vor zehn Jahren war die Sexy-Bar noch nicht so groß gewesen.

»Wieso? Welche Mädchen?«, fragte sie verblüfft.

»Na, die anderen Miezen. Sie werden in ein paar Stunden hier sein. Von denen spielt Hilde die Chefin.«

Sie verstand mal wieder gar nichts und schwieg deshalb. So schlenderte sie zwischen den Tischchen herum und besah sich alles ganz genau.

»Kann man hier auch essen?«

»Kleinigkeiten«, sagte er locker. »Sag mal, hast du eine eigene Bude?«

»Ich lebe bei einer Tante - wieso?«

»Na, wie ich das Leben kenne und wie du aussiehst, wirst du bald eine eigene Wohnung haben müssen, Süße!«

Sie zog die Augenbrauen hoch. Sie hatte es nicht gern, wenn man sie »Süße« nannte. Aber sie wollte es nicht gleich mit dem Mann verderben. Darum sagte sie schnell: »Also, wir müssen die Gäste bedienen? Hoffentlich geht das gut. Das hab ich noch nie gut gekonnt, ein volles Tablett tragen und so. Im Büro hab ich das mal mit Kaffeetassen versucht. Mann, das gab Ärger.«

»Das brauchst du hier nicht, Kleine. Bedienen, das tun wir, verstanden?«

»Was soll ich denn dann machen?« Sie war schon ein wenig unglücklich.

»Schöne Augen machen, mehr nicht.«

Plötzlich ging ihr ein Licht auf.

»Wenn sie denken, ich bin eine Nutte - also, das mach ich nicht, verstanden!«

Er lachte herzhaft.

»Süße, wir sind eine Bar! Meinst du, wir legen uns hier unter die Tische und bumsen drauflos? Nein, hier geht es anständig zu. Was du hinterher machst, ich meine, nach deinem Job, das geht uns alle nichts mehr an. Wenn du dich nachher mit ‘nem Typ triffst und ihn mitnimmst und dann noch fein absahnst - also, das ist dein Privatgeschäft, verstanden?«

Sie machte große Augen.

»Soll das heißen, die anderen ...?«

»Ich hab dir gerade gesagt, das ist nicht unser Bier. Das geht uns nichts an, ist Privatsache. Also, halt die Klappe und frag die Mädchen bloß nicht so blöd, sonst kriegste gleich Ärger mit ihnen!«

Ihre Nasenflügel bebten. Sie dachte: Der Chef mag mich, dieser Werner auch; wieso kann ich dann noch Ärger mit den Mädchen bekommen? Im Betrieb waren es doch immer nur die Männer, die Ärger machten.

Dann klappte eine Tür und eine schwergewichtige Person betrat den Raum. Sie trug ein gelbes Flitterkleidchen, eine Perücke und überlange Wimpern, die lustig aussahen. Pia starrte sie offenen Mundes an. So einen Busen hatte sie noch nie zu Gesicht bekommen. Auch diese Frau war für einen Augenblick sprachlos und starrte zurück.

»Wer ist denn das?«, schnaufte sie und blickte Werner an.

»Das ist die Neue«, sagte dieser genüsslich und verzog sein Gesicht zu einem breiten Grinsen. »Das ist Hilde, die Chefin der Mädchen«, wandte er sich an Pia.

Sie lächelte zaghaft. Ihr Herz flatterte wie ein kleiner Vogel auf und ab. Sie wusste nicht, was sie jetzt tun sollte. Hilde kam näher und blieb dicht vor ihr stehen.

»Du hast es also gehört, Kleine - ich spiele hier die erste Geige, verstanden? Alle haben sich nach mir zu richten.«

»Lass das nicht den Boss hören!«, warnte Werner aus dem Hintergrund.

Hilde ging zum Tresen und sagte wütend: »Wenn du mir in den Rücken fallen willst, dann werd ich mal dem Boss erzählen, wie viele Flaschen immer fehlen!«

Er wurde sofort fügsam.

»Komm her!«, sagte Hilde gebieterisch.

Pia kam näher.

»Du bist noch ein junges Küken, also wirst du auf mich hören.«

Pia war klug genug, sie zu akzeptieren. Das sollte sich noch auszahlen, denn daraus entwickelte sich eine seltsame Freundschaft.

Hilde war ein mütterlicher Typ, viele Männer liebten das an ihr. Die meisten lehnten sich an den riesigen Busen und weinten sich hin und wieder gründlich aus. Hilde hatte nichts dagegen. Aber sie trank gern. Werner behauptete das zumindest. Obwohl sie immer präparierte Gläser erhielt, war sie nach ein paar Stunden betrunken und musste aus dem Verkehr gezogen werden. Bis jetzt hatte der Chef noch nichts davon gemerkt. Das war ihr Glück.

Hilde saß auf ihrem Barhocker und fixierte das zierliche Mädchen.

»Du bist viel zu mager. Die werden sich an dir stoßen, wirklich. Nur Haut und Knochen, dass du das aushalten kannst.«

»Sie können ja nicht alle wie ein überernährtes Schwein aussehen«, sagte Werner brutal.

Sie warf ihm einen gehässigen Blick zu.

»Du brichst dir auch noch mal das Kreuz«, erwiderte sie wütend.

Dann ging abermals im Hintergrund die Tür auf, und herein kamen Wanda und Ursula, die Russin Natascha und die Französin Simone. Man war international. Ob sie wirklich aus diesen Ländern stammten, war eine Frage.

Jedes der Mädchen betrachtete Pia mit schrägen Augen. Dass sie schön war, merkten sie sofort und waren missmutig. Denn je mehr Mädchen vorhanden waren, umso heftiger wurde der Konkurrenzkampf unter ihnen. Jede wollte doch viel verdienen. War aber eine besonders hübsch, konnte es passieren, dass sie viel absahnte und den anderen nur Brotkrumen übrig ließ. Doch sie merkten gleich, dass sie eine Anfängerin war. Und das beruhigte sie ein wenig.

»Willst also auch eine Lustkatze werden?«, grinste Simone sie frech an.

Pia warf Werner einen fragenden Blick zu. Daran erkannte er, dass sie in der Tat noch vollkommen unschuldig war, und er wurde wütend.

»Lasst mir die Kleine in Frieden, verstanden! Hört mit euren dreckigen Reden auf!«

Verblüfft hoben die Barmiezen ihre Köpfe und starrten ihn an.

»He, was ist los? Man darf doch wohl noch einen Scherz machen, wie? Wer in einer Bar arbeitet, das weiß doch jeder ...«

»Ich hab gesagt, die Kleine wird nicht verdorben, kapiert? Sonst gibt es Stunk.«

»Hui!«, lachte Ursula. »Werner hat einen Bock, er ist sauer auf uns. Hättest uns ja gleich sagen können!« Und sie kicherte vor sich hin.

Pia stand hilflos zwischen ihnen und begriff nichts. Sie wollte fragen, worüber man sich eigentlich unterhielt, aber da kamen die Musiker und setzten sich auf das Podium, um zu üben. Sie trugen sehr schicke Kostüme und sahen hinreißend aus. Jetzt flammten auch noch ein paar spärliche Lämpchen auf. Alles war auf einmal aufregend, ein Nervenkitzel. Dann kamen auch die anderen Kellner, in schwarzen Anzügen. Alles sah nobel aus.

Pia dachte: Hoffentlich mache ich keinen Schnitzer, sonst werfen sie mich gleich hinaus.

Dann wurde die Bar geöffnet. Einige Stammkunden hatten schon vor der Tür gewartet. Diese Tür hatte ein Guckloch. Nicht jeder wurde hereingelassen. Eine Garderobenfrau war da und auch ein »Rausschmeißer«. Aber die beiden lernte sie erst später kennen.

Die Stammkunden entdeckten Pia sofort und umringten sie. Jeder wollte sie natürlich für sich gewinnen. Die anderen Mädchen bissen sich auf die Lippen. Pia empfand das als einen riesigen Spass, und ihr perlendes Lachen schwirrte durch den Raum. Wenn die anderen sie auch für ein kleines Naivchen hielten, so war sie doch ein sehr kluges und fixes Köpfchen. Die Männer merkten sofort, dass man sich mit ihr prächtig unterhalten konnte.

Sie saßen in einer Nische; der Sekt »floss« wie noch nie. Pia dachte immer wieder: Jetzt weiß ich gar nicht, wann meine Arbeit anfängt. Das sind alles so nette Männer, und sie sind wirklich lustig. Ich muss doch gleich mal den Werner fragen, was ich jetzt zu tun habe. Aber man ließ sie nicht fort. Natürlich sagten sie ihr alle möglichen Dinge in die kleinen rosa Öhrchen, so dass sie ein paarmal richtig rot wurde und die Männer böse anblitzte. Dann lachten diese nur noch mehr.

Da es drei waren, war keiner auf den anderen böse, und Pia war in dieser Hinsicht vor ihnen geschützt, so grotesk das auch klingen mag. Jeder passte auf den anderen auf, und keiner hatte ein besonderes Recht auf das süße Mädchen.

Nach zwei Stunden dachte sie bestürzt: Jetzt muss ich mich wirklich nach Werner umsehen. Sie sah in die Bar hinein. Diese war schon gefüllt, auch die anderen Mädchen waren beschäftigt.

»Ich komme wirklich gleich wieder«, sagte sie ernsthaft.

»Wir warten auf dich«, rief man ihr fröhlich nach.

Sie floh in den dunklen Gang und stieß mit Werner zusammen.

»Ich suche Sie«, flüsterte sie atemlos.

»Alle Achtung, dein Einstand ist wirklich nicht zu übersehen. Du machst dich prächtig, Kleine! Das sagt auch der Boss.«

Sie sah ihn an.

»Ist das vielleicht alles, was ich zu tun habe?«, fragte sie verblüfft.

»Aber ja doch! Halt sie hübsch an der Leine, lass sie weiter bestellen, dann bist du bald gemacht! Nur so weiter, frisch und fröhlich und munter, das haben sie gern.«

Sie lachte perlend.

»Na, das kann ich ja! Und ich hatte die ganze Zeit schon ein schlechtes Gewissen.«

Werner blickte sie an und meinte dann träge: »Du bist wohl sehr gewissenhaft, wie?«

»Ja!«, sagte sie fröhlich. »O ja!« Dann eilte sie wieder in die Bar zurück und machte so weiter, wie Werner gesagt hatte. Die Männer gingen nach Mitternacht, aber es dauerte nicht lange, da waren schon wieder andere Verehrer um sie herum, die genauso nett waren. Nur wenn einer ihr zuflüsterte, ob man sich nachher nicht noch treffen könnte, dann schaute sie immer so erstaunt, dass es den Mann sehr genierte. Aber er nahm es ihr nicht übel, dazu war sie viel zu süß.

Gleich an diesem Abend hörte sie sehr oft die Frage: »Warum machst du das eigentlich? Dazu bist du doch viel zu schön und zu klug, Piachen. Du bist für höhere Dinge geboren. Du müsstest zum Film, wirklich. Du bist ein rasantes Geschöpf.«

Im Büro war man ihr nachgestiegen, aber solche Komplimente hatte man ihr noch nie gemacht.

Sie stiegen ihr aber nicht zu Kopf. Sie wusste: Diese Männer sind betrunken und wissen gar nicht mehr, was sie reden; und sie lachte nur gutmütig.

Als die Bar endlich schloss, hatte sie in dieser einen Nacht zweihundert Mark verdient. Das wollte für ein so junges Mädchen wirklich viel heißen. Und das war vor zehn Jahren!

Erstaunt blickte sie auf die Scheine, die Werner ihr aushändigte.

»Das hat alles seine Richtigkeit. Das sind die Prozente, meine Liebe. Durch dich werden wir noch ganz bombig aufsteigen. Lass dir das gesagt sein!«

»Ist das wirklich mein Geld?«

»Klar!«, sagte Hilde, die hinter ihr stand. »Komm jetzt, verschwinden wir aus diesem Saftladen!«

»Zieht euch erst um!«

»Das vergessen wir schon nicht«, beruhigte Hilde ihn.

Als sie im Hinterzimmer standen, fragte Hilde, wo sie wohne.

»Du hast keine eigene Wohnung?«

»Nein. Bei meiner Tante ist Platz genug.«

»Und die weiß, wo du arbeitest?«

»Nein, sie kümmert sich nicht sehr viel um mich. Die ist froh, wenn ich mich wenig sehen lasse.«

»Ziemlich dumm, dieses Leben, wie?«

»Jetzt hab ich wieder Geld«, sagte Pia froh. »Jetzt kann ich wieder für mich sorgen. Das ist gut.«

»Du hast es wohl nicht gern, wenn du auf andere angewiesen bist, wie?«

»Nein, das ist einfach scheußlich. Dann wird man so abhängig, weißt du? Man muss sich nach denen richten und so weiter.«

»Du sprichst, als hättest du viel Erfahrung.«

»Hab ich auch!«, sagte sie etwas trotzig.

»Komm, ärgern wir uns nicht mehr! Nehmen wir lieber ein Taxi! Ich wohne in der Nähe, da können wir uns das Geld teilen.«

Hilde war heute noch ziemlich nüchtern, dafür hatte sie auch viel weniger als Pia eingenommen. Ihr Stern sank allmählich. Die speziellen Freunde, die Hilde bevorzugten, wurden immer seltener. Da es sich um ältere Semester handelte, wurde der Kreis immer lichter, entweder wurden sie krank und konnten das aufreibende Nachtleben nicht mehr durchstehen, oder sie waren endlich zur Vernunft gekommen und blieben daheim.

 

 

3

Pia war noch nie so glücklich gewesen wie in ihrer Anfangszeit als Bardame. Das war ein herrliches Leben! Gleich in der nächsten Woche hatte sie so viel verdient, dass sie einkaufen gehen konnte. Endlich konnte sie sich einmal Dinge kaufen, auf die sie immer hatte verzichten müssen. Aber jetzt wusste sie, dass sie jeden Abend viel Geld verdienen würde.

Aber sie war ein einsames Geschöpf und sehnte sich noch immer nach Geborgenheit und Liebe. Das war auch wohl der Grund dafür, warum sie immer mehr auf Werner hörte. Ihr Verstand sagte ihr nach einer Weile: Er ist nicht gut, er meint es nicht so, wie er es sagt. Zum ersten und auch zum einzigen Mal hörte sie nicht auf ihn. Sie betäubte sich selbst.

Bald merkten die Mädchen in der Bar, dass Werner Pia nicht mehr aus dem Auge ließ. Er wusste, dass sie noch unschuldig war, und das reizte ihn ungemein. Er wollte der Erste sein. Nichts ließ er unversucht; ja, er machte ihr sogar Geschenke. Das wollte wirklich etwas heißen, wo er doch so geizig war.

Pia war gerührt und fröhlich zugleich. Sie sah in ihm wohl auch ein wenig eine Vaterfigur; er war ja einiges älter als sie. Er verschmolz mit so vielen ihrer Ideale. Und so wurde sie denn schwach und ging eines Tages mit ihm. Anfangs war auch das eine herrliche Zeit, und sie dachte: Ich habe ein gutes Auskommen, einen Menschen, zu dem ich gehöre und der mich lieb hat. Was kann mir denn schon passieren.

Hilde versuchte, sie zu warnen, aber sie lachte ihr nur ins Gesicht.

»Das Leben ist so schön. Jetzt lebe ich erst wirklich. Es ist einmalig.«

»Ich bin mal gespannt, wann du aus allen Wolken fällst, Pia«, war die trockene Antwort.

»Nie, nie!«, rief sie heiter. »Warum sollte ich denn?«

»Na, ich bin gespannt.«

Hilde brauchte nicht lange zu warten. Das Glück für Pia dauerte ganze drei Monate, dann lag es in Scherben zu ihren Füßen.

Sie sah nicht mehr taufrisch aus, auch war sie nicht mehr so munter und fröhlich. Ja, sie fühlte sich gar nicht wohl. Der Magen machte sich seit einiger Zeit bemerkbar, und wenn sie mit den Kunden der Bar tanzen sollte, wurde ihr oft schwarz vor den Augen.

»Bestimmt ist der Kreislauf an allem schuld«, sagte sie leise zu Hilde.

»Geh mal zum Arzt, sonst brichst du noch zusammen, Mädchen. Wenn der Boss was merkt, dann fliegste.«

»O nein!«, rief sie bestürzt. »Das darf nicht sein! Wo soll ich dann hin?«

»Geh zum Arzt, vielleicht kriegt er dich wieder hin. Hast du Werner schon davon erzählt?«

Pia ließ den Kopf hängen.

»Na«, schnaufte Hilde, »das hab ich mir schon gedacht! Es ist also aus?«

Wie aus es war, merkten sie am nächsten Abend. Werner hatte seine Stelle aufgegeben und war spurlos verschwunden. Hilde lächelte grimmig vor sich hin.

Zwei Stunden später kam Pia vom Arzt zurück. Sie war grau im Gesicht und konnte sich kaum noch auf den Füßen halten. Sie taumelte in die Garderobe. Hilde hatte Mitleid mit ihr, und so verschwieg sie Werners Verschwinden vorläufig.

»Ich hole dir ein Glas Sekt. Das brauchst du jetzt, um wieder munter zu werden.«

Pia lehnte den Kopf an die Wand und stöhnte. Dabei rollten Tränen über ihr Gesicht. Als Hilde mit dem vollen Glas zurückkam, fragte sie leise: »Hast du Werner schon gesehen?«

Sie zuckte für einen Augenblick zusammen.

»Hör zu, Kleine, ich hab es immer gut mit dir gemeint. Ich hab dich auch gewarnt. Ich wollte es erst verschweigen, aber ich sehe, es ist besser, wenn du es gleich erfährst. Dann machste einen dicken Strich unter die Rechnung - und fertig.«

Pias Augen weiteten sich.

»Was willst du mir sagen?«, stammelte sie.

»Werner ist abgehauen. Auf den kannst du nicht mehr setzen. Er hat sich sozusagen in Sicherheit gebracht.«

»Oh, mein Gott«, stammelte das junge Mädchen.

»Jetzt erzähl mal alles, Kleine!«

»Der Arzt sagt, ich sei schwanger«, kam es gebrochen von ihren Lippen.

Hilde blieb ganz ruhig. Sie hatte es schon die ganze Zeit geahnt. Dieses Schwein, dachte sie jetzt nur. Nicht mal aufpassen konnte er! Ich hätte ihn daran hindern sollen, sie zu nehmen.

Pia lief in dem kleinen Zimmer auf und ab.

»Was soll ich nur tun, Hilde? Was soll ich nur tun?«

Hilde trank das Glas leer und sagte dann: »Ich hab da eine Adresse. Also, auf mich kannst du zählen, Mädchen. Ich will dir gern helfen. Geld hast du ja auch, nicht wahr?«

Das junge Mädchen nickte schwach.

»Ein wenig. Ich verdiene ja jeden Abend etwas hinzu. Viel hab ich nicht auf der Bank.«

»Wieviel haste denn?«

Es stellte sich heraus, dass sie in einer Art Einkaufsrausch gelebt hatte und jetzt nur noch ein paar Hunderter auf der Bank hatte.

»Fünftausend Mark musst du schon zusammenkriegen. Unter dem ist nichts zu machen.«

»Wofür?«, stammelte Pia.

»Na, für die Abtreibung!«

Pia fiel auf den Stuhl zurück und starrte Hilde an.

»Was sagst du da?«, keuchte sie. »Was soll ich tun?«

»Aber das sag ich doch die ganze Zeit! Abtreiben! Das Wurm muss weg, verstehst du? Sonst hast du nur Ärger damit. Es geht ganz fix, und der Mann ist auch wirklich gut, ehrlich. Ich habe ihn schon oft vermittelt. Bis jetzt ist immer noch alles gut gegangen. Aber wie gesagt, er hat seine Preise!«

»Ich soll das Kind töten!«, schrie sie auf.

Hilde legte den Kopf schief.

»Weißt du einen besseren Rat? Denkst du vielleicht, du kannst hier mit einem dicken Bauch herumlaufen und die Kunden lustig stimmen?« Sie lachte rau auf. »Sobald der Boss merkt, dass du schwanger bist, fliegst du.«

Pia schauderte zusammen.

»Was soll ich nur tun?«

»Mädchen, wenn du nicht hingehst, dann trägst du das Wurm aus, und es ist ein Klotz an deinem Bein. Verlass dich drauf, damit wirst du nur Ärger haben! Dafür wirst du lange dafür zahlen müssen, Pia. Wirklich, hör auf mich! Schnell fort und damit basta. Beim zweiten Mal bist du dann klüger. Wie ich dich kenne, wird es dann nicht mehr passieren.«

»Und wenn ich es behalte?«

»Dann fliegste bald hier raus, musst mit 'nem dicken Bauch durch die Gegend laufen, bringst es dann zur Welt, gibst es in ein Heim, und dann kannste dafür arbeiten. Die sind nämlich nicht billig, weißt du?«

Der Gong ertönte, das war das Zeichen für die Mädchen, nach vorn zu kommen. Die Bar hatte geöffnet.

»Los, wasch dir rasch das Gesicht! Die anderen brauchen es nicht zu erfahren. Nachher reden wir weiter. Ich lass dich nicht im Stich.«

Pia lernte in dieser Nacht, was es heißt, sich anders zu geben, als man sich fühlt. Den Männern durfte sie nicht zeigen, wie unglücklich sie war.

Ihr Lachen war nicht mehr so leicht und fröhlich. Aber nur Hilde bemerkte den Unterschied. Manchmal wunderte sie sich, wie das Mädchen es schaffte, so prächtig über die Runden zu kommen. Und sie dachte: Schon deswegen muss ihr geholfen werden. Sie darf einfach nicht in den Sumpf absinken. Das hat sie nicht verdient. Niemand kümmert sich um die Kleine, also werde ich es tun. Ich weiß, was es heißt, in der Not einsam und allein zu sein.

Die Nacht hatte sie überstanden. Gegen Morgen torkelte sie nur noch in den Umkleideraum. Erschöpft ließ sie sich auf einen Stuhl fallen. Die anderen Mädchen waren schon gegangen. Wenn man die ganze Nacht hindurch getanzt und geflirtet hatte, war man gegen Morgen rechtschaffen müde. Für die Mädchen war das Schwerarbeit. Dieses Geld war sauer verdient, darum war es auch so viel.

»Na, wie geht es dir?«

»Scheußlich«, murmelte Pia. »Ich weiß nicht mehr, wer ich bin.«

»Komm, zieh dich um! Dann kommst du mit mir, und wir reden in aller Ruhe über dein Problem.«

»Aber du bist doch auch müde, Hilde. Das kann ich wirklich nicht von dir verlangen.«

Details

Seiten
113
Jahr
2020
ISBN (eBook)
9783738945829
Sprache
Deutsch
Erscheinungsdatum
2020 (September)
Schlagworte
redlight street karriere
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Titel: Redlight Street #148: Pia macht Karriere