Lade Inhalt...

Ein Jack Braden Thriller #19: Das gnadenlose Syndikat

2020 116 Seiten

Zusammenfassung


Privatdetektiv Jack Braden wird gebeten, die Unschuld von Iva Kenison an einem Mord zu beweisen. Doch er bekommt es mit dem Syndikat zu tun und steht plötzlich selbst unter Mordverdacht. Detective Lieutenant Magaha ist wild entschlossen, den Privatdetektiv einzusperren, weil alle Indizien gegen Braden sprechen.

Leseprobe

Table of Contents

Das gnadenlose Syndikat

Copyright

Die Hauptpersonen des Romans:

1

2

3

4

5

6

7

8

9

10

11

12

13

14

15

16

17

18

19

20

21

22

23

24

25

Das gnadenlose Syndikat

Ein Jack Braden Thriller #19

von Cedric Balmore

 

Der Umfang dieses Buchs entspricht 116 Taschenbuchseiten.

Privatdetektiv Jack Braden wird gebeten, die Unschuld von Iva Kenison an einem Mord zu beweisen. Doch er bekommt es mit dem Syndikat zu tun und steht plötzlich selbst unter Mordverdacht. Detective Lieutenant Magaha ist wild entschlossen, den Privatdetektiv einzusperren, weil alle Indizien gegen Braden sprechen.

 

 

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books, Alfred Bekker, Alfred Bekker präsentiert, Casssiopeia-XXX-press, Alfredbooks, Uksak Sonder-Edition, Cassiopeiapress Extra Edition, Cassiopeiapress/AlfredBooks und BEKKERpublishing sind Imprints von

Alfred Bekker

© by Author

© COVER FIRUZ ASKIN

© dieser Ausgabe 2020 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

Folge auf Twitter

https://twitter.com/BekkerAlfred

 

Zum Blog des Verlags geht es hier

https://cassiopeia.press

Alles rund um Belletristik!

Sei informiert über Neuerscheinungen und Hintergründe!

 

 

Die Hauptpersonen des Romans:

Lionel Ormsby – wirkt nicht lange mit

Dinah Ormsby – ist darüber nicht traurig

Simon Perhach – ist so übel, wie er aussieht

Iva Kenison – wird verdächtigt

Dee Kenison – kämpft vergeblich um ihre Mutter

Mario Carpozi – hat nicht viel von seinem Geld

Lieutenant Magaha – macht Jack Braden das Leben schwer

Louis Thrillbroker – hat sich seine Reportage redlich verdient

Jack Braden und sein Team

 

 

1

New York, 11. November 1963.

Es stürmte. Der Westwind peitschte die Regenschauer vom Hudson her durch die 55. Straße. Es war vier Uhr dreißig morgens. Auch die letzten Nachtbummler waren nach Hause gegangen. Die Nightclubs, Cabarets und Tanzlokale waren dabei zu schließen. Die Neonlichter erloschen eines nach dem anderen.

Eine Frau schritt eilig dicht an den Häusern entlang. Sie hielt den Kopf vorgeneigt. Der Regen drang durch den Stoff des Mantels, unter dem sich ihre nackten Schultern fröstelnd hoben.

Bald würde sie zu Hause sein. An der Kreuzung der Amsterdam Avenue wartete sie, bis die Verkehrsampel auf grün sprang. Grün schimmerten auch die Regentropfen, als das Licht umschaltete. Das Pflaster glänzte nass. Sie rutschte aus, fing sich aber wieder und eilte auf die andere Straßenseite.

Dann bog Iva Kenison rechts ein und dann wieder links in die 54. Street, ein einsamer Schatten im matten Licht der verschleierten Laternen.

Schritte … Unwillkürlich glitt sie schutzsuchend in einen dunklen Torweg. Männer, die man um diese Stunde hier traf, waren meistens betrunken und entsprechend unternehmungslustig. Iva hatte darin Erfahrung. Man ging ihnen besser aus dem Weg.

Sie hörte die näherkommenden Laute und Stimmen. Sie glitt noch tiefer in das schützende Dunkel. Ein Lichtschein fiel einem der Passanten ins Gesicht.

Sie schrak zusammen, und ihr Atem ging schneller. Die Hand, die die Handtasche umfasst hielt, ballte sich zur Faust, Hass blitzte in ihren Augen.

Ein Fluch, ein paar heftige, aber unverständliche Worte, ein gepresster Schrei, dem ein Stöhnen folgte,

Iva wollte rennen. Sie strauchelte und fühlte eine harte Hand im Nacken. Ihr Hilfeschrei wurde von einer zweiten Hand erstickt, die sich auf ihren Mund presste, Sie trat und schlug um sich, aber der Griff lockerte sich nicht. Sie biss in die übelriechende Hand.

Dann war plötzlich nichts mehr. Sie fiel und fiel …

 

 

2

Der Radiostreifenwagen 347 hielt am Columbus Circle, dicht am Broadway, als der Lautsprecher zu quaken begann,

„Hello! Hello! Wagen 347. Mord in der 54. Straße, zwischen Westend und Amsterdam Avenue. Hello! Car 347! Haben Sie verstanden?“

Das Rotlicht flammte auf, die Sirene heulte, und der Wagen stob davon.

Der Tote lag halb auf dem Bürgersteig, halb auf dem Asphalt der Fahrbahn. Aus dem Rücken ragte der Griff eines Fleischermessers. Der Regen vermischte sich mit dem Blut und wusch dieses in den Rinnstein.

Der Polizist, der die Meldung durchgegeben hatte, wies in den finsteren Torweg.

„Da drinnen liegt noch jemand.“

Iva Kenison war besinnungslos zusammengebrochen. Ihr Mantel war geöffnet, das dekolletierte Abendkleid darunter zerfetzt und mit Blut bedeckt, ebenso wie ihre Hände und Unterarme. Der Sergeant des Patrouillenwagens beugte sich nieder.

„Sie lebt“, sagte er. „Ich kann auch keine Verletzung finden. Man könnte meinen, sie sei gestürzt und habe sich den Kopf angeschlagen.“

„Merkwürdig“, wunderte sich sein Kamerad. „Woher kommt denn dann das Blut?“

Er blickte dahin, wo der Ermordete lag, und schüttelte den Kopf.

„Sollte das Blut von ihm rühren?“

Ein paar Neugierige waren stehengeblieben.

„Hat jemand von Ihnen etwas gesehen oder gehört?“, fragte der Sergeant.

Da verschwanden die dunklen Gestalten eine nach der anderen, als hätte der Regen sie geschluckt. Niemand hatte Lust, in einen Mordfall verwickelt zu werden. Die Polizisten machten kurzen Prozess. Sie hielten einige der Leute zurück und zwangen sie, bis zur Ankunft der Mordkommission V unter Detectiv Lieutenant Magaha zu warten.

Dann begann die makabre Routine. Die Blitzlichter des Fotografen zuckten auf, der Polizeiarzt machte eine vorläufige Untersuchung, das Messer wurde sichergestellt und sorgfältig verpackt, obwohl man bestimmt keine Fingerabdrücke darauf feststellen würde. Der Regen hatte alles abgewaschen.

Der Leichenwagen fuhr vor. Der Tote wurde in einen Segeltuchsack geschnürt, auf die Bahre gelegt und in den Wagen geschoben. Die bewusstlose Frau transportierte man ins State Hospital.

 

 

3

Bericht der NEW YORK TIMES.

LIONEL ORMSBY ERMORDET! Mister Lionel Ormsby, prominentes Mitglied der Stadtverwaltung, besuchte während der verflossenen Nacht den GASLIGHT Club in der 55. Straße. Er verließ ihn gegen 4.30 Uhr morgens. Auf dem Weg zum Parkplatz in der 54. Straße wurde er ermordet. Die mutmaßliche Täterin, eine 37 jährige Frau, stürzte bei dem entstehenden Handgemenge und muss mit dem Kopf gegen die Hauswand geschlagen sein. Patrolman O'Brien fand sie, bewusstlos und blutbesudelt, nicht weit von ihrem Opfer entfernt. Vorläufig brachte man sie ins State Hospital, von wo sie schnellstens ins Untersuchungsgefängnis überführt werden wird. Die Mordkommission V unter Detectiv Lieutenant Magaha bearbeitet den Fall und versucht vor allem, das Motiv des Verbrechens zu finden.

Durch diesen Mord verlor die Stadtverwaltung ein prominentes Mitglied und die republikanische Partei einen ihrer klügsten Köpfe. Unsere Leser werden sich noch an die Rolle erinnern, die Ormsby während des letzten Wahlkampfes spielte, ebenso an seinen unerwarteten Übertritt von den Demokraten zu den Republikanern. Mister Simon Perhach, Mitinhaber der Firma Perhach & Ormsby in der Churchstreet, der Lionel Ormsby angehörte, gibt bekannt, dass der Geschäftsbetrieb unverändert weiterläuft.

 

 

4

Gegen neun Uhr morgens des nächsten Tages steuerte der Privatdetektiv Jack Braden seinen grauen Porsche Carrera, vom Broadway her kommend, die 54. Straße West hinauf. Vor dem Gebäude des Stadtgerichts, 4. Distrikt, hielten nicht nur wie gewöhnlich eine Anzahl Polizeifahrzeuge, sondern auch eine ganze Reihe von Wagen mit dem Schild PRESSE. Ein Zeichen, dass irgend etwas Besonderes los sein musste.

Jack Braden wurde neugierig. Er parkte seinen Wagen und trat ein. Ein Schwarm von Reportern drängte sich in den Verhandlungssaal. Er folgte ihnen und fragte: „Hello! Was geht hier vor?“

„Eine dicke Sache“, meinte der Reporter des NEW YORK HERALD. „Vorverhandlung in Sachen des Mordes an Lionel Ormsby. Detectiv Lieutenant Magaha hat uns gerade seine Auffassung davon zum Besten gegeben.“

„Magaha ist ein Genie“, grinste Arton vom DAILY MIRROR. „Er hat die Lösung des Falles bereits fix und fertig in der Tasche.“

„Fix und fertig! Das ist der richtige Ausdruck“, quakte eine Stimme. „Die Citizen Police hat ihre Fälle immer fix und fertig. Die Herren entwickeln in letzter Zeit eine geradezu überwältigende Aktivität.“

Braden drehte sich um und sah ein fadenscheiniges Tweed-Jackett und darauf in Brusthöhe eine schussbereite Leica. Er musste den Kopf heben, um Mr. Louis Thrillbroker, dem Star-Reporter der MORNING NEWS in das gelbe Gesicht mit dem grinsenden Mund und den nikotingebräunten Zähnen zu blicken.

„Warum bist du so bissig, Louis?“, lachte Quinn vom HERALD. „Bist du einmal wieder anderer Ansicht als die hohe Polizei?“

„Ich werde mich schwer hüten! Aber was sehen meine entzündeten Augen? Sie sehen Mister Jack Braden. Wo Braden auftaucht, gibt es Wirbel. Ich bin der Überzeugung, dass er die Meinung der Mordkommission nicht teilt, sonst wäre er nicht hier.“

„Sie werden lachen, Louis!“, meinte Jack Braden. „Vielleicht glauben Sie es nicht, aber es ist ein Zufall, der mich hierher verschlagen hat. Ich sah die Wagen mit den Presseschildern und witterte etwas Besonderes.“

„Also ist es nichts mit einem Exklusivinterview?“, feixte Thrillbroker und warf seine wie immer ungekämmte Mähne zurück.

„Nein. Ich kam heute morgen nach dreitägiger Abwesenheit aus Los Angeles zurück und habe noch nicht einmal Zeitungen gelesen.“

„Und so was nennt sich nun Detektiv“, spöttelte der Reporter. „Sollten Sie infolge Ihrer unvergleichlichen Verbindungen eine interne Information bekommen, so hätte ich mich bestens empfohlen.“

„Ich fürchte, ich muss Sie enttäuschen, Louis. Ich weiß nicht einmal, um was es hier geht.“

In das Knäuel der Wartenden kam Bewegung. Alles strömte in den Raum, in dem die Verhandlung stattfinden sollte. Auf dem Podium stand der Richtertisch, an dem Judge Black Platz genommen hatte. Zur Linken saß ein junger Staatsanwalt, der sich augenscheinlich langweilte. Zur Rechten hatten die Zeugen sich niedergelassen.

Die einzigen, die Jack Braden bekannt waren, waren Detectiv Lieutenant Magaha, Sergeant Fin und der Polizeiarzt Doktor Cooper.

Die Blitzlichter der Pressefotografen flammten zum ersten Male auf. Der Detectiv Lieutenant wurde aufgerufen und verlas ein von Patrolman O'Brien abgefasstes Protokoll folgenden Inhalts:

Er gab an, er sei in der 54. Straße auf den Toten gestoßen und habe nicht weit davon eine Frau gefunden. Sie sei offenbar unverletzt, jedoch mit Blut befleckt gewesen. Er habe Alarm gegeben und bis zur Ankunft des Streifenwagens gewartet.

„Warum sagt Patrolman O'Brien nicht selbst aus?“, fragte der Richter.

„Er wurde gestern nach Cedar Rapids versetzt“, antwortete der Lieutenant.

„Warum?“

„Cedar Rapids brauchte dringend Leute. Die Versetzung war bereits vor einigen Tagen ungeordnet, und es lag kein Grund vor, sie rückgängig zu machen.“

„Das begreife ich nicht“, entgegnete der Richter. „Wie kann man einen Polizeibeamten, der ein Zeuge in einem Mordfall ist, am Tag, bevor dieser zur Verhandlung kommt, versetzen? Ich verlange, dass der Mann schleunigst herbeigeschafft wird.“

Der Lieutenant war offenbar ärgerlich, aber er gab keine Antwort.

Die Besatzung des Streifenwagens konnte nichts aussagen. Sie war nach der Tat und vor Eintreffen der Mordkommission angekommen. Der Polizeiarzt gab einen Bericht. Als Todesursache hatte er einen Messerstich von hinten festgestellt, der das Herz getroffen hatte. Als er eintraf, war Ormsby ungefähr eine Viertelstunde tot.

„Mister Carlo Maloni“, rief der Gerichtsdiener.

Der Mann war ein junger Italiener mit Hakennase, Lockenkopf, rotem Schlips. Er wohnte unmittelbar neben dem Tatort.

„Wir waren beim Spielen“, sagte er in fehlerhaftem Englisch. „Da hörten wir den Krach und gingen hinaus, um zuzusehen.“

„Wo spielten Sie?“

„In meinem Zimmer natürlich.“

Der Richter runzelte die Stirn. „Was spielten Sie?“

Der Mann stotterte: „Ach, es war so ein Spiel, so eine Art Lotterie.“

„So, so, ein Glücksspiel also, und das am frühen Morgen?“

„Wir feierten Verlobung, und außerdem können wir zu Hause spielen, solange wir wollen!“, entgegnete der Italiener pampig.

„Was sahen Sie, als Sie auf die Straße kamen?“

„Ein Mann und eine Frau prügelten sich. Es war ein herrlicher Spaß. Bis der Kerl plötzlich hinfiel und die Frau versuchte zu flüchten. Aber sie fiel auf die Nase und kam nicht mehr hoch.“

„Ist das nicht merkwürdig?“, flüsterte der Reporter der NEWS Braden zu. „Wenn die Frau Ormsby erstechen wollte, so brauchte sie sich nicht mit ihm zu prügeln, und dabei trifft man im Allgemeinen nicht den Rücken.“

Der Richter rief den nächsten Zeugen auf, einen Griechen namens Dimitri Strophoulos, der, wie er sagte, der glückliche Bräutigam war und zusammen mit seiner Verlobten Rita Cofan bei seinem Freund gefeiert hatte.

Es kam noch der Portier des GASLIGHT Clubs, der Mr. Ormsby als guten Gast bezeichnete, und eine Barfrau, die nicht gut auf ihre Kollegin zu sprechen war. Sie nannte die Kenison eine hochnäsige Pute und wusste, dass sie Ormsby gekannt hatte.

Dann ließ Lieutenant Magaha die Bombe platzen. Er beantragte die Vernehmung eines gewissen John Elton, der unweit vom GASLIGHT Club in der 55. Straße ein Haushaltsgeschäft hatte und behauptete, er habe das Fleischermesser am Tag vor dem Mord verkauft.

Jetzt kam es auf die nächste Frage und deren Beantwortung an.

„An wen haben Sie das Messer verkauft?“, fragte der Richter.

„An eine Frau.“

„Wer war diese Frau? Kannten Sie sie?“

„Ich kannte sie von Ansehen, und dann hat man mir ihr Bild gezeigt.“

„Wer hat es Ihnen gezeigt?“

„Die Polizei.“

„Können Sie es auf Ihren Eid nehmen, dass es diese Frau war, der Sie das Messer verkauft haben?“

„Ja!“

Der nächste Zeuge war Mr. Hal White, der Senior-Partner der Anwaltsfirma White & Bren.

„Es liegt schon neunzehn Jahre zurück“, sagte er. „Es handelte sich um die Klage des Vormundschaftsgerichts gegen Mister Ormsby auf Zahlung von Alimenten für ein Kind, ein Mädchen, das die damals noch sehr junge Iva Kenison geboren hatte. Sie behauptete, Mister Ormsby habe sie betrunken gemacht und verführt. Da mehrere Zeugen aussagten, die Frau sei damals schon eine Herumtreiberin gewesen und Ormsby dabei blieb, er habe sie kaum gekannt, wurde die Klage abgewiesen. Ich erinnere mich noch, dass die Kenison einen Wutanfall bekam und maßlos schimpfte.“

„Das ist alles?“

„Das einzige, dessen ich mich noch erinnere, ist, dass Mister Ormsby sagte, das Mädchen tue ihm trotz und allem leid, und er werde sich bemühen, ihr eine Stellung zu beschaffen.“

„Vielleicht als Barfrau im GASLIGHT Club?“, fragte der Richter skeptisch.

„Das weiß ich natürlich nicht.“

Der Geschäftsführer des Clubs wusste nicht, wie lange Iva Kenison dort beschäftigt war. Sie hatte die Stellung bereits vor neun Jahren, als er das Lokal übernahm.

„Und wo ist die Beschuldigte? Wurde sie vernommen?“, fragte der Richter.

„Das war noch nicht möglich. Sie liegt mit einer Gehirnerschütterung im Hospital“, erklärte der Polizeiarzt.

„Und was wurde aus der Tochter?“

Niemand wusste es.

Da hörte Jack Braden hinter sich einen Ton, der wie ein Schluchzen klang. Er drehte sich um und sah ein junges Mädchen, das bitterlich weinte.

Mr. Thrillbroker, der Reporter der NEWS, der dieselbe Beobachtung gemacht hatte, stieß ihn an, aber Braden schüttelte nur den Kopf.

„Hat noch jemand etwas zu sagen?“, fragte der Richter, und als sich niemand meldete, erklärte er: „Die Entscheidung wird bis zur Wiederherstellung der Mrs. Iva Kenison ausgesetzt. Die Verdächtige wird unter Bewachung im Hospital bleiben.“

„So habe ich mir das gedacht , meinte Thrillbroker, als er zusammen mit Jack Braden hinausging. „Eine faule Kiste. Alles ist da, das Motiv, die Gelegenheit, und außerdem kaufte sie die Mordwaffe. Was meinen Sie dazu, Jack?“

Jack Braden meinte gar nichts. Zwar hatte der Reporter recht, aber die Sache kam ihm nicht geheuer vor.

Immer wenn sofort erdrückende Indizienbeweise auftauchten, war er skeptisch. Die Erfahrung hatte ihn gelehrt, dass es nichts Trügerischeres gibt als einen scheinbar lückenlosen Indizienbeweis und die Aussagen von zweifelhaften Zeugen.

„Wo nur das Mädchen geblieben ist?“, sagte der Reporter. „Verdammt, ich hätte besser aufpassen müssen. Ein Interview mit ihr wäre gerade das, was mir fehlt.“

 

 

5

Es war zehn Uhr, als Jack Braden in seinem Office in der 74. Straße ankam.

„Hello, Jack!“, begrüßte ihn seine blondlockige Sekretärin Dawn Barris. „Wo stecken Sie denn? Ich habe oben in der Wohnung geläutet, aber Sie meldeten sich nicht. Waren Sie vielleicht über Nacht bummeln?“

„Nein. Ich kam wider Erwarten anstatt gestern Abend erst heute morgen aus Los Angeles zurück. Ich habe unterwegs Station gemacht, um mir eine Verhandlung beim Stadtgericht anzuhören.“

„Was für eine Verhandlung, Jack?“

„Es ging um einen Mord, und zwar an einem gewissen Lionel Ormsby, der vorgestern erstochen wurde.“

„Darüber haben bereits alle Zeitungen geschrieben. Die Polizei behauptet, die Täterin in Gewahrsam zu haben“, sagte Dawn Barris.

„Sie behauptet es, und die Indizien und Aussagen scheinen es zu bestätigen.“

„Warum sagen Sie scheinen? Sind Sie anderer Meinung, Jack?“

„Vorläufig ist noch nichts entschieden. Die Verhandlung wurde vertagt.“

„Und wie war es in Los Angeles? Haben Sie im BEVERLY HILLS Hotel mit der Taylor Brüderschaft getrunken?“, scherzte Dawn Barris.

„Ich habe mich gehütet. Das wäre ein teurer Spaß geworden, und außerdem – so schön ist sie ja auch wieder nicht. Sie gefallen mir jedenfalls besser, Sunny.“

„Danke für das Kompliment am frühen Morgen!“

„Und was macht unser Freund Anthony Gilford? Hat er Sie während meiner Abwesenheit beschützt?“, grinste Braden.

„Erinnern Sie mich nicht daran, Jack. Er ist ein lieber, guter Mensch, wenn er es sich nur abgewöhnen könnte, mich seiner Liebe zu versichern.“

Bevor Braden antworten konnte, zeigte der Summer an, dass jemand eingetreten war.

Während Sunny einen Blick durch den Schalter warf und diesen zurück schob, ging Jack Braden in sein Office. Es dauerte fast zehn Minuten, bis Dawn Barris ebenfalls den Raum betrat.

„Was meinen Sie, Jack, wer da draußen ist und Sie unbedingt sprechen will?“

„Wie soll ich das wissen? Sagen Sie es schon, Sunny.“

„Miss Dee Kenison. Ist das nicht ein merkwürdiger Zufall? Ich habe bereits mit ihr gesprochen. Sie bittet darum, ihrer Mutter zu helfen. Sie behauptet, diese sei unschuldig. Allerdings hat sie kein Geld oder nur sehr wenig. Was soll ich tun?“

Jack Braden überlegte kurz. Er konnte es sich leisten, einen Fall zu übernehmen, auch wenn er dafür kein oder nur wenig Honorar bekam. Schließlich war er ja von Haus aus wohlhabend und verdiente im Allgemeinen gut. Allerdings musste dieser Fall einwandfrei sein. Er gab sich nicht dazu her, einen Verbrecher oder eine Verbrecherin vor der verdienten Strafe zu bewahren.

Jack Braden stand, wie man so sagt, immer auf der richtigen Seite des Zaunes. Er kämpfte für die Wahrheit und für das Recht. Wenn es sein musste, mit allen gerade noch erlaubten Mitteln.

„Sagen Sie der jungen Dame, sie möge sich ein paar Minuten gedulden, und verbinden Sie mich mit der MORNING NEWS.“

Louis Thrillbroker war bereits wieder in der Redaktion.

„Haben Sie genaue Unterlagen über die Verhandlung von heute morgen?“, fragte Braden.

„Natürlich. Was denken Sie eigentlich von mir? Unser Stenograph hat Wort für Wort mitgeschrieben.“

„Wollen Sie mir einen großen Gefallen erweisen, Louis?“

„Wenn ich kann.“

„Stellen Sie mir eine Abschrift des Verlaufs der Verhandlung zur Verfügung.“

„Also doch! Nun verraten Sie mir bitte eines. Wer ist Ihr Auftraggeber?“

„Vorläufig noch niemand.“

„Was soll das heißen, Jack?“

„Genau das, was ich gesagt habe.“

„Und wer bringt die Mäuse dafür auf?“

„Bis auf Weiteres ich selbst.“

„Ich glaube, Sie hatten mich für blöder, als ich bin. Was meinen Sie, Jack: wollen wir uns zusammentun?“

„Wenn Sie mir versprechen, dichtzuhalten. Sie wissen ganz genau, dass in solchen Fällen die kleinste Indiskretion die verheerendsten Folgen haben kann.“

„Mein großes Ehrenwort darauf, aber Sie müssen mir ein Interview mit dem Töchterchen beschaffen.“

„Vorläufig nicht, aber ich verspreche Ihnen, dass Sie gegebenenfalls der erste sein werden. Bekomme ich nun das Material?“

„Sofort, übrigens, haben Sie einen Tipp für meine Reportage?“

„Keinen besonderen. Sie können durchblicken lassen, dass ich mich für den Fall interessiere, aber bitte werden Sie nicht zu deutlich, ich weiß ja selbst noch keine Einzelheiten.“

„Ich verstehe“, meckerte der Reporter. „Ich soll durch die Blume ausposaunen, dass Sie im Begriff sind, mitzumischen.“

„Aber nur durch die Blume, bitte.“

„Wird bestens besorgt, Jack.“

„Noch etwas. Sie haben doch ein Archiv, und in diesem Archiv muss auch etwas über den Ermordeten Ormsby enthalten sein. Ich möchte alles wissen, was dort verzeichnet ist, alles.“

„Es wird mir ein Vergnügen sein.“ Braden hängte ein.

„Lassen Sie das Mädchen hereinkommen, Sunny“, sagte er.

Dee Kenison war jung und schön. Nicht einmal die Tatsache, dass sie geweint hatte, konnte das beeinträchtigen. Ihr Haar war blond, fast so blond wie Sunnys, und ihre Augen genauso dunkelblau.

„Bitte treten Sie näher, Miss Kenison“, sagte Braden und schob ihr einen Sessel zurecht.

Die Hand, die sie nach der angebotenen Zigarette ausstreckte, zitterte.

„Sie müssen etwas für Mammy tun!“, bat sie. „Eine Freundin hat mir gesagt, Sie könnten alles.“

„Das ist übertrieben. Außerdem kann ich nicht voraussagen, was ich bei meinen Ermittlungen finden werde. Es kann auch sein, dass ich Ihre Mutter belasten muss.“

„Ich weiß, dass sie unschuldig ist“, sagte sie mit Überzeugung, dann: „Aber ich habe fast kein Geld.“ Sie holte ein Postsparbuch aus der Handtasche. „Fünfhundertfünfzig Dollar ist alles, was ich besitze.“

„Behalten Sie die, Miss Kenison. Darüber werden wir später reden. Machen Sie sich keine Sorgen.“

Er nahm den Telefonhörer hoch und wählte. „Verbinden Sie mich mit Detectiv Lieutenant Magaha.“

Es dauerte eine Minute.

„Hier spricht Braden Investigation, Jack Braden. Ich wende mich an Sie, Lieutenant, wegen des Falles Ormsby, den Sie bearbeiten. Mir gegenüber sitzt Miss Kenison, die Tochter der Beschuldigten. Wollen Sie mir Auskünfte über den Stand der Untersuchung geben?“

„Nein“, antwortete der Lieutenant schroff. „Sie wissen ja, was gespielt wird. Ich habe Sie vorhin am Gericht gesehen. Darf ich wissen, ob Sie wieder einmal auf eigene Faust handeln?“

„Nein“, erwiderte Braden in derselben Tonart. „Ich kann Ihnen nur sagen, dass Mrs. Kenison meine Klientin ist. Wenn sie unschuldig ist, so werde ich das beweisen, wenn nicht, werde ich das auch herausfinden.“

„Außerordentlich interessant!“, höhnte der Lieutenant. „Sagen Sie einmal, Braden, ist das Mädel so hübsch?“

„Das hat nichts damit zu tun, und es geht Sie nichts an!“ Braden war ärgerlich, und er zeigte das. „Ich hatte die Absicht, Ihnen einen Vorschlag zu machen. Wenn Ihnen wirklich an einer restlosen Aufklärung gelegen ist, so können wir das Resultat unserer Ermittlungen austauschen.“

„Das könnte Ihnen so passen!“, lachte Detectiv Lieutenant Magaha. „Ich brauche Sie nicht. Für mich ist der Fall erledigt. Heute oder morgen wird die Kenison ja aus ihrer geheuchelten Ohnmacht aufwachen müssen. Das ist alles, was mir noch fehlt. Haben Sie sonst noch Schmerzen?“

„Ich möchte so schnell wie möglich mit Mrs. Kenison sprechen.“

„Sagen Sie das dem Staatsanwalt.“

„Das werde ich. Vergessen Sie nicht, ich habe Ihnen Zusammenarbeit angeboten.“

„Wenn ich Sie brauche, so werde ich mich an Sie wenden, aber das wird wohl niemals geschehen. Denken Sie an mich. Sie werden sich restlos blamieren.“

Jack Braden gab keine Antwort mehr. Er knallte den Hörer auf die Gabel.

„Lieutenant Magaha will nicht, und das ist ein Grund mehr für mich, Ihrer Bitte Folge zu leisten. War Ihre Mutter eigentlich verheiratet?“

„Nein“, antwortete Dee und wurde rot.

„Kennen Sie Ihren Vater?“

Sie schüttelte den Kopf. „Mammy nannte ihn einen Schurken.“

„Wie lange ist Ihre Mutter im GASLIGHT Club angestellt?“

„Immer, so lange ich denken kann. Früher hieß das Lokal BEL AMI. Sie arbeitete dort, um genügend Geld für meine Ausbildung zu verdienen.“

„Haben Sie denn keine Stellung?“

„Doch, seit zwei Jahren.“

„Was verdienen Sie denn?“

„Hundertzwanzig Dollar in der Woche.“

„Das ist recht ordentlich. Was sind Sie denn?“

„Ich bin Privatsekretärin bei Mister Earl Merrit, dem Junior-Partner der Chemical Research Cy.“

„Wieso hat dann Ihre Mutter die Stellung im Club nicht aufgegeben?“

„Das weiß ich nicht. Ich habe sie gefragt, und da meinte sie, sie müsse noch kurze Zeit dableiben.“

„Wem gehört das Lokal?“

„Auch das ist mir unbekannt. Der Geschäftsführer heißt Corsetti …“ Sie runzelte die Stirn. „Ich glaube, Mammy sprach auch einmal von einem Syndikat.“

Jack Braden horchte auf. „Was für ein Syndikat? Wie nannte sie es?“

„Sie sagte nur das Syndikat.“

„So, so!“ Ein ungeheuerlicher Gedanke schoss Braden in diesem Moment durch den Kopf. Aber das konnte warten. „Wissen Sie, ob Ihre Mutter Mister Ormsby kannte?“

„Ich weiß es nicht. Mammy wollte, dass ich ein eigenes Zimmer habe. Sie meinte, ich könnte nicht bei ihr wohnen. Warum, weiß ich nicht.“

„Und sonst noch etwas?“

„Nichts anderes, als dass ich davon überzeugt bin, dass Mammy niemanden ermordet hat, weder diesen Ormsby noch jemand anders.“

„Geben Sie mir Ihre genaue Adresse und, wenn es geht, eine Telefonnummer. Wenn Sie mich brauchen, so rufen Sie mich an. Ich lasse von mir hören.“

Kaum war das Mädchen verschwunden, als der Summer wieder ertönte. Braden, der gerade in Sunnys Arbeitszimmer gekommen war, warf einen Blick nach draußen. Da standen zwei Männer mit umgehängten Werkzeugtaschen und Dienstmützen der Telefongesellschaft auf den Köpfen.

„Wir müssen sämtliche Kabel im Haus nachprüfen“, sagte der eine und tippte mit dem Zeigefinger an seine Kopfbedeckung. „Es sind Beschwerden gekommen, dass irgendwo Kontakte entstanden sind, so dass man anderer Leute Gespräche hört.“

„Wie viele Anschlüsse gibt es denn hier im Haus?“, fragte der Detektiv.

„Dreiunddreißig.“

„Na, dann haben Sie ja allerhand zu tun.“

„Allerdings“, grinste der Monteur.

Während die beiden die an der Wand entlanglaufenden Drähte und Kontakte überprüften, zog sich Braden wieder in sein Office zurück.

Dawn Barris folgte ihm.

„Was halten Sie davon, Sunny? Sie haben doch über die Sprechanlage zugehört.“

„Ich weiß es nicht so recht, Jack. Das Mädchen ist harmlos, aber ihre Mutter arbeitet, seitdem die Kleine denken kann, in einem Nachtclub, und zwar nicht in einem der besten. Das Mädel kann ungefähr achtzehn oder neunzehn Jahre alt sein, das heißt, dass die Mutter seit mindestens zehn oder zwölf Jahren in einem recht anrüchigen Beruf tätig ist. Ich will Sie ja nicht beeinflussen, Jack, aber bei allem Mitleid mit dem netten Mädel …“ Sie hob die Schultern. „Ich würde mich heraushalten.“

„Sie haben ja gehört, was ich gesagt habe. Wenn ihre Mutter schuldig ist, und ich gewinne die Überzeugung, dass sie es ist, so werde ich daraus keinen Hehl machen.“

Das Telefon klingelte.

„Hallo, Jack Braden.“

„Hier ist Perhach, Perhach und Ormsby.“

„Ja, Mister Perhach?“

„Mein Partner wurde, wie Ihnen wahrscheinlich bekannt ist, ermordet. Wollen Sie den Fall übernehmen?“

„Das kommt darauf an. Ich weiß, dass die Polizei der Ansicht ist, er sei geklärt und die Mörderin ermittelt. Was soll ich da noch?“

„Das werde ich Ihnen sagen, wenn ich mit Ihnen spreche. Wann kann ich zu Ihnen kommen?“

„Sobald Sie wollen.“

Zuerst bekam Braden keine Antwort. Dann hörte er unverständliches Stimmengemurmel.

„Sind Sie noch da?“, fragte er.

„Ja, ich glaube, Ihr Apparat ist nicht in Ordnung. Ich kann Sie kaum verstehen. Ich komme also gleich zu Ihnen.“

Jack Braden überlegte, was der Teilhaber des ermordeten Ormsby von ihm wollen könne. War er vielleicht auch der Ansicht, die Polizei habe voreilig gehandelt?

Braden wusste genau, dass die Firma nicht den allerbesten Ruf genoss, sie war bis nach dem Krieg recht unbedeutend gewesen. Nachdem aber der Partner Ormsby seine politische Überzeugung gewechselt hatte, waren die beiden Chefs dem „Komitee zur Verteidigung der freien Welt“ beigetreten, das die Überzeugung propagierte, man müsse den europäischen Staaten helfen, um die USA zu retten.

Damit mache man dann Geschäfte mit den europäischen Staaten, denen man doch helfen wollte. Politik verdirbt nun einmal den Charakter.

Jack Braden wusste auch, dass Ormsby mit einer ehemaligen „Miss Bikini“ verheiratet war. Perhach dagegen war Junggeselle geblieben.

In Gedanken versunken blickte er vor sich hin, als es klopfte. Es war einer der beiden Telefonarbeiter.

„Wir sind fertig“, sagte er.

„In Ordnung“, antwortete Braden, ohne recht hinzuhören.

Kaum waren sie gegangen, als Mr. Simon Perhach ankam. Mr. Perhach war alles andere als ein schöner Mann. Seine Arme waren überlang, und seine Beine kurz und krumm. Das Gesicht erinnerte Braden an den großen Schimpansen im Zoo von Bronx. Er mochte den Kerl nicht.

Der Besucher grüßte und legte Hut und Mantel ab. In diesem Augenblick klingelte das Telefon.

„Hier Dee Kenison.“

„Ja?“

„Man hat mir soeben meine Stellung gekündigt“, sagte sie atemlos.

„Warum?“

„Ich habe keine Ahnung. Mister Merrit ist verreist, sein Partner, Mister Shelby, hat mir meine Papiere und mein Geld ausgehändigt.“

Braden wollte keine lange Unterhaltung führen, weil sein Besucher dabei saß und die Ohren spitzte.

„Es ist jetzt zwölf Uhr. Kommen Sie in einer Stunde zu mir. Unternehmen Sie gar nichts und regen Sie sich nicht auf. Ich habe gerade eine Konferenz. Später reden wir darüber.“

Gerade hatte er aufgelegt, als Louis Thrillbroker am Apparat war.

„Ich rufe zurück, ich habe Besuch“, sagte Jack Braden.

„Sie haben ja allerhand zu tun!“, lächelte Mr. Perhach.

„Es geht so.“

Braden setzte sich bequem zurück und wartete. Perhach förderte eine Pfeife zu Tage, stopfte sie umständlich und brannte sie an. Dann drückte er den Daumen hinein, paffte und räusperte sich. Der Tabak stank unerträglich.

„Ich komme zu Ihnen, um Ihnen einen Vorschlag zu machen“, sagte der Besucher. „Wenn Sie nicht damit einverstanden sind, so bitte ich Sie, unsere Unterredung sofort wieder zu vergessen.“

„Das kann ich Ihnen nicht so ohne Weiteres versprechen. Ich nehme an, dass es um den Mord an Ihrem Partner Ormsby geht. Ich muss Sie darüber aufklären, dass die Tochter von Mrs. Kenison meine Klientin ist. Ich kann also Dinge, die Sie mir in der Mordsache Ormsby mitteilen, nicht in jedem Fall vertraulich behandeln.“

„Das habe ich vorausgesetzt“, entgegnete Perhach mit einem Lächeln, das sein Gesicht dem bewussten Schimpansen noch ähnlicher werden ließ. „Wahrscheinlich könnte ich Ihnen zur Lösung das Falles in Ihrem Sinne verhelfen, aber ich tue es nicht umsonst.“

„Was wollen Sie dafür? Ich muss betonen, dass Miss Kenison über keine nennenswerten Mittel verfügt.“

„Als ob ich das nicht wüsste! Ich verlange kein Geld, ich will etwas ganz anderes.“

„Dann hören Sie bitte auf, wie die Katze um den heißen Brei herumzugehen, und nennen Sie das Kind beim Namen.“

Mr. Perhach nahm wieder einen Zug aus seiner stinkenden Pfeife.

„Meine Bedingung ist, dass mein Name aus dem Spiel bleibt. Zweitens will ich von Miss Dee Kenison eine Bestätigung des Inhalts, dass sie, sobald ihre Mutter außer Verfolgung gesetzt wird, in meine Dienste tritt. Sie erhält ein Minimum von hundertfünfzig Dollar per Woche. Diese Vereinbarung wird für drei Jahre getroffen, das heißt, was Miss Kenison angeht. Ich habe das Recht, auch früher zurückzutreten.“

„Und als was werden Sie sie beschäftigen?“

„Das liegt an Miss Kenison selbst. Ich muss mich dabei nach ihren Fähigkeiten richten. Wahrscheinlich würde ich sie als meine private Sekretärin einstellen.“

Details

Seiten
116
Jahr
2020
ISBN (eBook)
9783738944846
Sprache
Deutsch
Erscheinungsdatum
2020 (September)
Schlagworte
jack braden thriller syndikat

Autor

Zurück

Titel: Ein Jack Braden Thriller #19: Das gnadenlose Syndikat