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Ein Roberto Tardelli Thriller #55: Tardelli und die Diamanten

©2020 102 Seiten

Zusammenfassung


Sergio Tanarra glaubt, endlich den großen Coup gelandet zu haben. Diamanten im Wert von acht Millionen Dollar jagt er dem Kurier ab, der diese wertvolle Ware der Mafia überbringen sollte. Doch die setzt Sergios Bruder Vado Tanarra, die Viper, auf den dreisten Dieb an, während Sergio Freunde bittet, bei ihnen eine Weile untertauchen zu können.
Aber auch Roberto Tardelli, der Mann, der gegen die Mafia kämpft, ist hinter dem Diamantendieb her, um die Hehlerware den rechtmäßigen Besitzern zurückgeben zu können ...

Leseprobe

Table of Contents

Tardelli und die Diamanten

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Die Hauptpersonen des Romans:

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Tardelli und die Diamanten

Ein Roberto Tardelli Thriller #55

von A. F. Morland

 

Der Umfang dieses Buchs entspricht 102 Taschenbuchseiten.

 

Sergio Tanarra glaubt, endlich den großen Coup gelandet zu haben. Diamanten im Wert von acht Millionen Dollar jagt er dem Kurier ab, der diese wertvolle Ware der Mafia überbringen sollte. Doch die setzt Sergios Bruder Vado Tanarra, die Viper, auf den dreisten Dieb an, während Sergio Freunde bittet, bei ihnen eine Weile untertauchen zu können.

Aber auch Roberto Tardelli, der Mann, der gegen die Mafia kämpft, ist hinter dem Diamantendieb her, um die Hehlerware den rechtmäßigen Besitzern zurückgeben zu können ...

 

 

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books, Alfred Bekker, Alfred Bekker präsentiert, Casssiopeia-XXX-press, Alfredbooks, Uksak Sonder-Edition, Cassiopeiapress Extra Edition, Cassiopeiapress/AlfredBooks und BEKKERpublishing sind Imprints von

Alfred Bekker

© Roman by Author

© COVER FIRUZ ASKIN

© dieser Ausgabe 2020 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

Alle Rechte vorbehalten.

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Die Hauptpersonen des Romans:

Sergio Tanarra — Er legt sich mit der ,Ehrenwerten Familie’ an und bezahlt das mit seinem Leben.

Vado Tanarra — Man nennt ihn die ,Viper‘, und er jagt seinen Bruder gnadenlos, der der Mafia die kostbaren Diamanten geraubt hat.

Mario de Levantis — Er spielt mit gezinkten Karten, und als Roberto Tardelli das erkennt, hat er schon fast keine Chance mehr.

Moro Tinti — Er eignet sich die Diamanten an, und das wird ihm zum Verhängnis.

Juanita Gomez — Sie hilft Roberto Tardelli, aber nicht einmal er kann verhindern, dass der Killer sie sich vor die Mündung seiner Waffe holt.

Roberto Tardelli — Der Mann, der unerbittlich gegen die Mafia kämpft und der niemals aufgibt.

 

 

1

Als der Jet Bodenkontakt hatte, spannte sich in Roberto Tardellis sportgestähltem Körper jeder Muskel. Er griff nach dem japanischen Fernglas, das an einem schwarzen Lederriemen vor seiner breiten Brust baumelte.

Sobald der Vogel stand, verstummten die brüllenden Düsen. Dicke Klötze wurden unter die Räder geschoben. Das Flughafenpersonal kümmerte sich um das Gepäck der Reisenden. Die Gangway wurde an die Maschine gerollt. Und dann erschienen die ersten Passagiere im gleißenden Licht der heißen texanischen Sonne.

Es war 12.30 Uhr Central Standard Time.

Roberto konzentrierte sich auf die Personen, die über die Stufen der Gangway schritten.

Plötzlich ging ein kaum merklicher Ruck durch seinen Körper. Er hatte den Mann entdeckt, auf den er von COUNTER CRIME angesetzt worden war: Kowalski, den Boten der Mafia. Der Mann trug einen schmalen schwarzen Attachekoffer in der Rechten. Niemand wäre auf die Idee gekommen, dass sich in diesem unscheinbaren Handgepäck von der Mafia geraubte Industriediamanten im Wert von acht Millionen Dollar befanden.

Um sie ging es COUNTER CRIME.

Roberto Tardelli sollte sie dem Kurier der Cosa Nostra hier in Dallas abjagen.

Kowalski wirkte wie ein professioneller Urlauber. Er war braungebrannt. Sein schwarzes Seidenhemd stand bis zum Gürtel offen und zeigte die trainierten Brustmuskeln. Die Jeans saßen hauteng. Dazu trug er handgefertigte, glänzende Wildweststiefel. Er hatte Pomade im Haar, und seine Augen streiften wie Suchscheinwerfer umher.

Roberto Tardelli ließ den Mann nicht mehr aus den Augen. Er folgte dem Boten der Ehrenwerten Gesellschaft überallhin, ohne den gebotenen Sicherheitsabstand zu vergessen.

Kowalski holte sich am AVIS-Schalter die Schlüssel für einen rehbraunen Chevrolet Camaro. Als er damit losfuhr, schwang sich Roberto in seinen ebenfalls gemieteten Maserati Ghilbi. Es gelang dem Mafiajäger mühelos, am Ball zu bleiben. Er wechselte hinter dem Camaro ständig die Fahrposition, so dass Kowalski niemals auf die Idee kommen konnte, der Mann im Maserati wäre hinter ihm her. Die Fahrt ging ins Zentrum von Dallas. Überall herrschte rege Bautätigkeit.

Dallas, die Stadt, in der Präsident Kennedy erschossen wurde. Viele Menschen hatten hier nach ihm schon ein gewaltsames Ende gefunden ... Roberto kannte einige Namen. Vier davon waren COUNTER CRIME-Agenten gewesen. Vier wagemutige Männer! In den letzten achtzehn Monaten. Eine alarmierende Bilanz. Die Mafia breitete sich in dieser Stadt mit der verderblichen Hartnäckigkeit eines Krebsgeschwürs aus. Immer mehr verästelten sich ihre Wurzeln in Dallas. Immer tiefer gruben sie sich hier in den Boden, und eine Finanzinjektion von acht Millionen Dollar würde sie noch schneller als bisher wachsen lassen.

Die Ampel in der Houston Street sprang auf Rot. Kowalski brachte seinen Wagen zum Stehen.

Roberto stoppte den Maserati sechs Fahrzeuge hinter dem Kurier. Er hatte beide Seitenfenster nach unten gedreht. Die heiße Luft flimmerte über der Motorhaube. Links rollte ein Buick bis knapp an die Stoßstange des vorderen Wagens. Roberto hörte peitschende Gitarrenklänge und wandte den Kopf. Die niedliche Wasserstoffblondine mit den üppigen Kurven wippte im Takt der Musik, die aus ihrem Autoradio schallte. Sie trug einen tief ausgeschnittenen weißen Pulli - mindestens zwei Nummern zu klein und schnippte unentwegt mit den Fingern. Die Kleine war so heiß, dass sich Roberto gern an ihr die Finger verbrannt hätte. Sie schob ihren Kaugummi von links nach rechts und blinzelte ihm lustig zu. Da wäre allerhand zu machen gewesen.

Aber leider. Dort vorn war Kowalski. Und der hatte im Augenblick Vorrang.

Der Wagenpulk rollte weiter. Kowalski änderte zweimal die Richtung. Roberto ließ den Maserati Ghilbi gewissermaßen an der langen Leine hinterhertraben.

Vor einer knappen Stunde erst hatte in seinem Hotelzimmer das Telefon geläutet. Colonel Myer, der Chef von COUNTER CRIME, war am Apparat gewesen. Er hatte von der CC-Zentrale in Washington aus angerufen.

„Hören Sie zu, Roberto, ich habe da für Sie einen brandeiligen Job.“

„Ich habe einen Job“, hatte Roberto erwidert. Er war wegen eines Mannes namens Fabiano Memo nach Dallas gekommen. Memo sollte im Auftrag der Cosa Nostra zwei einflussreiche Raumfahrtexperten liquidiert haben. Roberto sollte ihn aufstöbern und kassieren.

„Vergessen Sie Memo, Roberto! Um den wird sich einer Ihrer Kollegen kümmern.“

„Und was haben Sie mir zugedacht?“

„Eine äußerst heikle Sache.“

„Wie immer“, bemerkte Roberto gleichmütig. Er war es gewöhnt, für den Colonel die Kastanien aus dem Feuer zu holen. Diesmal sollten es Kastanien im Wert von acht Millionen Dollar sein.

„Der Mob von L.A. hat ein cleveres Ding gedreht und sich dabei eine beachtliche Anzahl von Industriediamanten unter den Nagel gerissen“, berichtete Myer. „Da der Boden für die Steine in Los Angeles zu heiß ist, hat die Ehrenwerte Gesellschaft die Absicht, die ganze Hehlerware nach Dallas abzuschieben. Kowalski wird der Bote sein. Seine Maschine landet um 12.30 Uhr Central Standard Time auf dem Airport von Dallas. Er darf sein Handgepäck auf keinen Fall bei der Mafia abliefern. Nehmen Sie ihm die Steine ab und bringen Sie sie unverzüglich nach Washington! Wie Sie's anstellen, bleibt wie immer Ihnen überlassen. Ich verlasse mich auf Sie. Viel Glück, Roberto.“

„Angenommen, Kowalski lässt sich von mir nicht überreden, sich von den Diamanten zu trennen“, wandte Roberto ein.

„Sie haben doch sicher eine Waffe bei sich, oder?“

„Natürlich.“

„Dann verstehe ich Ihren Einwand nicht“, sagte der Colonel und legte auf.

Roberto drückte nun etwas mehr auf die Tube. Die Gegend, durch die sein Wagen rollte, war für die Aktion, die er vorhatte, bestens geeignet. Eine Menge Fabriken. Hohe trostlose Mauern zu beiden Seiten der Straße. Keine Menschen auf den Gehsteigen. Kaum ein Wagen unterwegs. Wenn Roberto den Maserati Ghilbi jetzt rasch vorzog und dann blitzschnell in Kowalskis Fahrspur schnitt, würde der Mafiakurier erst einmal auf die Bremse steigen, und erst nach einer angemessenen Schrecksekunde reagieren. Bis dahin konnte der Film längst gelaufen sein.

Roberto gab noch mehr Gas. Der Camaro bog rechts ab.

Roberto verlor das Fahrzeug für zwanzig Sekunden aus den Augen. Als er die Querstraße, in die der Chevrolet verschwunden war, erreichte, weiteten sich seine Augen.

Da wandte soeben einer seinen Trick an!

Genau das, was er vorgehabt hatte, passierte soeben: Kowalski wurde überfallen!

Der Kerl trug eine giftgrüne Wollmaske mit Sehlöchern, in seiner Linken lag ein langläufiger Colt Peacemaker. Sein muskulöser Oberkörper steckte in einem himmelblauen Hemd, dessen Kragen hochgeschlagen war. Dennoch war die feuerrote Narbe zu sehen, die um seinen kräftigen Hals lief.

„Los, Mann! Her mit den Steinen!“, blaffte der Maskierte nervös.

Der Attachekoffer lag neben Kowalski auf dem Beifahrersitz.

„Für einen wie dich rühr’ ich keinen Finger!“, sagte der Mafiakurier frostig.

„Verdammt, mach keine Schwierigkeiten!“, schrie der Maskierte aufgeregt. „Gib mir den Koffer, aber ein bisschen plötzlich!“

„Wenn du ihn haben willst, nimm ihn dir!“

Der Maskierte rannte um die Motorhaube herum. Er zielte mit dem Peacemaker die ganze Zeit auf den Kopf des Mafiaboten. Dennoch gelang es Kowalski, unbemerkt an die Wadenholster zu langen, in der seine kleine Derringer Pistole steckte. Als der Bursche sich zum Fenster auf der Beifahrerseite hereinbeugte, zuckte die Derringer in seiner Rechten hoch. Doch ehe Kowalski den Finger am Abzug krümmen konnte, drückte der Maskierte kaltschnäuzig ab. Der Colt brüllte. Er spie eine glutrote Feuerblume aus. Der Getroffene wurde gegen die Wagentür geschleudert. Auf seinem Gesicht erstarrte der Ausdruck furchtbaren Schmerzes. Die Derringer entfiel seinen kraftlosen Fingern und klapperte zwischen den beiden Vordersitzen auf den Wagenboden. Aus der großen, hässlichen Brustwunde quoll Blut.

Dies alles nahm nur wenige Sekunden in Anspruch.

Der Maskierte griff sich hastig den Attachekoffer, riss ihn an sich und hetzte zu seinem schräg auf der Fahrbahn stehenden Wagen.

Doch es kam anders.

„Stop!“, rief eine harte, peitschende Männerstimme. „Keine Bewegung!“

Der Maskierte zuckte herum und sah einen Mann, der mit seiner Luger im Beidhandanschlag auf ihn zielte.

 

 

2

Roberto Tardelli hatte die kritische Situation blitzschnell erfasst. Er zog den Maserati Ghilbi rechts heran und federte mit einem kraftvollen Sprung aus dem Fahrzeug. Gleichzeitig angelte er seine 38er Luger aus dem Schulterholster. Er entsicherte die Waffe in dem Augenblick, wo der Peacemaker des Maskierten losbrüllte. Roberto sah, wie Kowalski gegen die Wagentür geworfen wurde. Der linke Arm des Mafiakuriers hing aus dem Fenster. Roberto jagte mit langen Sätzen vorwärts. Der Maskierte hatte den Attachekoffer bereits an sich gebracht und war zu seinem quergestellten Wagen unterwegs.

Als er ihn erreichte, blieb Roberto Tardelli mit leicht gegrätschten Beinen stehen. Er zwang sich, ruhig zu atmen. Seine beiden Hände umfassten die Luger.

„Stop!“, rief er glashart. „Keine Bewegung!“

Der Unbekannte fuhr wie von der Natter gebissen herum.

Roberto wusste sofort, dass dieser Mann niemals aufgeben würde. Mit Donnergetöse spie der Colt erneut Feuer. Robertos 38er entlud sich zur gleichen Zeit. Der Maskierte rettete sich mit einem wilden Satz zur Seite. Robertos Kugel zerfetzte ihm das himmelblaue Hemd und riß ihm eine dünne Schramme in den rechten Oberarm. Das machte den Burschen nervös. Er warf sich in Deckung, ballerte wie verrückt und setzte sich dann hastig ab, indem er im Zickzack auf eine enge Straße zuwieselte, in der er gleich darauf verschwand. Mit ihm verschwanden auch die Diamanten, die Roberto nach Washington bringen sollte.

Der CC-Agent nahm augenblicklich die Verfolgung des Maskierten auf. Die wilde Jagd ging über Mülltonnen und dreckige Ziegelmauern und endete vorläufig auf einem weitflächigen Autoreifenfriedhof. Rings um Roberto Tardelli herum türmten sich mächtige schwarze Gummiberge. Die heiße Sonne brannte auf die abgefahrenen Pneus. Es stank penetrant in den tiefen Tälern zwischen den Reifenbergen. Hier schien die Luft dicker zu sein als anderswo.

Roberto lauschte mit angehaltenem Atem. Sein Herz klopfte laut gegen die Rippen und in seinen Ohren rauschte das aufgepeitschte Blut. Seine Nerven waren bis zum Zerreißen gespannt. Er kannte die Gefahr in allen erdenklichen Varianten. Er hatte lernen müssen, mit ihr zu leben. Es verging kaum ein Tag, an dem er sich nicht seiner Haut wehren musste. Er war Jäger und Gejagter zugleich. Seine Jobs brachten ihn immer wieder in Situationen, die manchmal so ausweglos erschienen, dass ein Pessimist das Handtuch geworfen hätte.

Roberto suchte den Maskierten mit schmalen Augen. Der Kerl hatte keinen allzu großen Vorsprung. Er konnte nicht weiter als bis hierher gekommen sein. Irgendwo hinter einem dieser hohen Gummiberge war der Mann verborgen, der Kowalski niedergeschossen und beraubt hatte.

Ein Mann, um dessen Hals eine knallrote Narbe lief! Roberto Tardellis Scharfblick war das nicht entgangen. Auch nicht, dass der Bursche Linkshänder war. Eine Kombination, die für Roberto nur einen einzigen Schluss zuließ: Der Maskierte musste Sergio Tanarra sein. Tanarra war Linkshänder, und die Geschichte von seiner Narbe machte heute noch in Los Angeles die Runde.

Er hatte eine kleine Kneipe in L.A. besessen. Eines Tages - etwa vor einem halben Jahr - war er mit einer Rockerbande kollidiert. Die Lederjacken hatten aus der Kneipeneinrichtung Kleinholz gemacht, hatten die Kasse geplündert und sämtliche Flaschen zerschlagen. Und zu guter Letzt hatten sie Sergio Tanarra an seinem eigenen Hosenriemen aufgehängt. Daher stammte seine knallrote Halsnarbe. Es grenzte an ein Wunder, dass Tanarra seine Hinrichtung überlebte. Er löste auf der Stelle seinen Hausstand in Los Angeles auf und verduftete aus seiner Heimatstadt. Wohin sich Tanarra damals abgesetzt hatte, wusste niemand zu sagen. Die einen vermuteten, er wäre nach New York gegangen. Die anderen wollten gehört haben, dass er sich in St. Louis niedergelassen hatte. Genaues wusste keiner. Und niemand sprach in diesem Zusammenhang von Dallas.

Mochte der Teufel wissen, von wem Sergio Tanarra erfahren hatte, dass die Industriediamanten hierher unterwegs waren. Es gibt so viele undichte Stellen. Auch bei der Mafia. Woher hätte sonst Colonel Myer immer wieder seine wertvollen Tipps bekommen.

Sergio Tanarra in Dallas. Die grüne Maske hätte er sich sparen können. Was nützte es, wenn er sein Gesicht versteckte, die rote Halsnarbe aber offen zur Schau trug. Dieser Fehler hätte ihm nicht unterlaufen dürfen.

Roberto hörte ein knirschendes Geräusch. Er ging augenblicklich in die Hocke. Das Knirschen wiederholte sich. Roberto verhielt sich vollkommen still. Er wartete auf den Moment, wo Sergio Tanarra aus seiner Deckung hervortrat. Dann würde die Luger ein entscheidendes Wort sprechen.

Zwischen zwei dicken Caterpillarreifen tauchte die grüne Maske kurz auf. Roberto hob die 38er. Er zog sich zurück und wartete.

Tanarra versuchte es mit einem Trick. Er warf einen bis auf die Karkasse abgefahrenen Sportwagenreifen drei Meter weit. Der Pneu fiel auf den Boden, schraubte sich in einer torkelnden Drehung hoch und rollte auf Roberto Tardelli zu. Wenn Roberto einen nervösen Zeigefinger gehabt hätte, wäre jetzt ein Schuss gefallen, und Tanarra hätte gewusst, wo sich sein Gegner im Augenblick befand. Aber der Schuss blieb aus.

Roberto rechnete damit, dass der Maskierte jetzt gleich in seinem Schussfeld auftauchen würde.

Doch nichts dergleichen geschah. Tanarra schien umdisponiert zu haben. Roberto spürte ein unangenehmes Prickeln im Nacken. Wenn es Tanarra gelang, sich mit den Diamanten abzusetzen, würde das eine Menge Ärger und sehr viel harte Arbeit nach sich ziehen.

Okay, wenn der Maskierte nicht aus seiner Deckung hervorkam, dann wollte ihn Roberto dazu zwingen, sie zu verlassen. Der Mafiajäger war der Ansicht, dass er genügend Geduld gezeigt hatte. Nun erschien es ihm hoch an der Zeit zu sein, zu handeln.

Er glitt geduckt auf die beiden Caterpillarreifen zu. Die Luger lag schussbereit in seiner Hand. Sergio Tanarra konnte ihn unmöglich überraschen. Es würde keine Verzögerung durch eine Schrecksekunde geben. Roberto würde augenblicklich abdrücken, falls dies unumgänglich sein sollte.

Ein schwerer Truck brummte die Straße entlang, die an dem Autoreifenfriedhof vorbeiführte. Er zog eine schwarze Rußwolke hinter sich her, die träge zum strahlend blauen Himmel emporstieg.

Roberto erreichte die gewaltigen Reifen, hinter denen er Sergio Tanarra vermutete. Er zögerte keinen Augenblick, sondern katapultierte sich kraftvoll vorwärts. Er federte in Combatstellung und stieß seine Waffe in die Richtung, in der er den Maskierten glaubte, doch der Platz war leer. Tanarra musste sich im Krebsgang abgesetzt haben, ohne das geringste Geräusch zu verursachen.

Enttäuscht entspannte sich Roberto Tardelli.

Auf der Straße hielt der Truck an. Roberto warf einen verdrossenen Blick hinüber, und plötzlich zog sich seine Kopfhaut zusammen.

Er sah Tanarra. Der verdammte Kerl stand breitbeinig auf der Straße und zielte mit seiner langläufigen Kanone auf den Truckfahrer. Es gibt viele Arten, ein Fahrzeug zu stoppen. Diese war die wirksamste. Sobald der Truck hielt, kletterte der Maskierte in das Fahrergehäuse. Das schwere Fahrzeug setzte sich dröhnend in Bewegung - und Roberto Tardelli hatte das Nachsehen.

Der Fluch, der ihm danach über die Lippen kam, war eine Art Ventil, das er unbedingt öffnen musste, sonst hätte ihn seine Wut in Stücke gerissen.

 

 

3

Irgendjemand musste die Schüsse gehört und die Polizei verständigt haben. Ein Radiocar stand neben dem von Sergio Tanarra zurückgelassenen Wagen. Ein Ambulanzfahrzeug stand hinter Kowalskis Camaro. Der Mafiabote wurde soeben auf eine Trage gelegt. Er lebte noch. Sein Gesicht war schmerzverzerrt, und sein schwarzes Hemd war nass vom Blut und klebte an seinem Brustkorb. Die Cops taten mit kühler Routine ihre Arbeit. Auf den Gehsteigen standen einige wenige Neugierige, zu denen sich Roberto Tardelli gesellte.

Ein verschwitzter Lieutenant wischte sich immer wieder mit einem weißen Taschentuch über das rote Gesicht. Er hatte Plattfüße und schleppte sich mit einem schweren Bauch ab.

Als der Rettungsarzt sich in den Wagen setzen wollte, rief der Lieutenant: „Doc! He, Doc! Auf ein Wort noch!“

Der Arzt, ein drahtiger Mann mit weizenfarbenem Haar, ließ die Tür wieder zufallen und drehte sich um.

Roberto stand in ihrer Nähe, deshalb konnte er hören, was sie sprachen.

„Wie sieht's mit dem Jungen aus?“, wollte der Lieutenant wissen. Er wies auf den Ambulanzwagen, dessen Hecktüren bereits geschlossen waren.

„Nicht sehr gut“, antwortete der Doc.

„Wird er durchkommen?“

„Das Herz scheint glücklicherweise nichts abbekommen zu haben, aber er hat sehr viel Blut verloren.“

„Geben Sie ihm eine Chance?“

„Er scheint mir robust genug zu sein, um's durchzustehen, Lieutenant.“

„Mehr wollte ich nicht wissen. Wir hören noch voneinander, Doc.“

Der Arzt nickte und stieg in den Krankenwagen.

Die Cops fanden die Patronenhülse, die Roberto Tardellis Luger ausgeworfen hatte. Sie steckten sie in ein Nylonsäckchen und hefteten einen Zettel daran. Der Mafiajäger machte auf den Hacken kehrt, ging zu seinem Maserati, schwang sich hinter das Lenkrad und zündete die Maschine. Kein Mensch kümmerte sich um den abfahrenden Ghilbi. Roberto konnte das nur recht sein.

 

 

4

Colonel Myers Wunsch war wenigstens teilweise in Erfüllung gegangen: Kowalski hatte die Diamanten nicht bei der Mafia von Dallas abgeliefert. Trotzdem brach der Chef von COUNTER CRIME in kein Freudengeheul aus, als Roberto ihm seinen telefonischen Bericht übermittelte.

„Weg!“, stöhnte Myer. „Diamanten im Wert von acht Millionen Dollar verschwunden! Mein lieber Roberto, das war nicht gerade eine Glanzleistung, die Sie da vollbracht haben.“

„Ich werde die Scharte auswetzen, Chef.“

„Das erwarte ich auch von Ihnen. Haben Sie schon eine Idee, wie Sie dieses Kunststück fertigbringen wollen?“

„Ich weiß, dass Sergio Tanarra das Ding gedreht hat.“

„Herzlich wenig, finden Sie nicht? Tanarra hat Dallas garantiert bereits verlassen, und wir haben nicht die leiseste Ahnung, wo wir ihn suchen sollen.“

„Mit einer Hehlerware, die acht Millionen wert ist, kann er sich nur bei guten Freunden blicken lassen. Jeder andere würde versuchen, ihn aufs Kreuz zu legen. Ich nehme an, dass er nicht die Absicht hat, die heißen Steine sofort auf den schwarzen Markt zu bringen. Er wird erst abwarten, bis sich die hochschlagenden Wellen geglättet haben. Erst wenn Gras über die Sache gewachsen ist, kann er das Wagnis eingehen, die Steine an den Mann zu bringen. Das heißt, dass er ein Versteck für die Diamanten braucht, und zwar ein verdammt gutes Versteck. Entweder hier in den Staaten, oder besser noch im Ausland, wo man nicht so schnell erfährt, was er getan hat.“

„Glauben Sie, dass Kowalski ihn erkannt hat?“

„Genau wie ich“, erwiderte Roberto fest. „Davon bin ich überzeugt.“

„Dann kann der Steinmetz bereits mit der Arbeit an Sergio Tanarras Grabstein beginnen, denn wenn Kowalski durchkommt, erfährt die Commissione innerhalb weniger Stunden, wer so wahnwitzig war, ihren Boten zu überfallen und zu berauben. Dann gibt es für Sergio Tanarra keinen Platz mehr auf dieser Welt, an dem er seines Lebens sicher sein kann.“

Sergio Tanarra gehörte nicht der Mafia an. Die Ehrenwerte Gesellschaft hatte ihm zwar mehrmals an geboten, für sie zu arbeiten, doch es war ihm stets geglückt, sich elegant aus der Affäre zu ziehen, ohne seine Gesprächspartner zu verärgern. Dafür hing Sergios Bruder Vado - den sie die Viper nannten - umso mehr bei der Cosa Nostra drin. Er war einer ihrer fleißigsten Revolverschwinger, und es konnte ihm ganz und gar nicht schmecken, dass ausgerechnet sein Bruder einen Coup gelandet hatte, der dem Mob einen ungeheuren Schaden zufügte.

Roberto sprach davon, und Colonel Myer erwiderte: „Vado Tanarra wird diese Schande nicht auf sich sitzenlassen. Ich bin davon überzeugt, dass er der Commissione das Angebot machen wird, seinen beschmutzten Familiennamen wieder reinzuwaschen. Das muss er tun, sonst fällt am Ende noch der Verdacht auf ihn, Sergio hätte den wertvollen Tipp von ihm bekommen. Wenn Sie Sergio Tanarra nicht schneller finden als die Viper, können wir die Diamanten abschreiben. Roberto. Ich hoffe, das ist Ihnen klar.“

„Vollkommen, Chef.“

„Ihr Auftrag lautet nach wie vor: Wiederbeschaffung der geraubten Industriediamanten ... und wenn es sich einrichten lässt, tun Sie was für Sergio Tanarra. Es kann nicht genug Leute geben, die COUNTER CRIME zu Dank verpflichtet sind.“

„Wenn ich abschließend noch eine Bitte äußern dürfte, Chef ...“

„Welche?“

„Fragen Sie den CC-Computer, wie viele gute Freunde er von Sergio Tanarra kennt, und übermitteln Sie mir die Liste umgehend.“

„Okay, Roberto, Sie haben die Liste spätestens morgen Nachmittag“, sagte Colonel Myer in Washington.

„Vielen Dank, Sir“, erwiderte Roberto und ließ den Hörer in die Gabel klappern. Danach schwang er die Beine aufs Bett, ließ sich zurückfallen und betrachtete nachdenklich die weiße Decke seines Hotelzimmers.

 

 

5

Los Angeles.

Vierundzwanzig Stunden nach dem Überfall.

Vado Tanarra lag am Strand von Long Beach unter einem bunt gemusterten Sonnenschirm. Ab und zu griff er nach seinem kühlen Glas und nahm einen Schluck vom erfrischenden Peppermint frappe. Auf dem Tisch stand ein kleines Transistorgerät, das quakend die Börsenberichte bekanntgab. Tanarra interessierte sich dafür, denn er hatte vor einigen Jahren angefangen, das Blutgeld, das er von der Mafia bekam, in Aktien und Investmentzertifikaten anzulegen. Der Mensch muss schließlich was auf der hohen Kante haben, sagte er sich. Er war Realist genug, um zu wissen, dass er den Job, mit dem er jetzt eine Menge Mäuse machte, nicht ewig würde ausüben können. Gerade hierbei war es äußerst wichtig, den richtigen Zeitpunkt für den Absprung nicht zu verpassen, sonst landete man schneller als man denken konnte auf der Schnauze und gleich danach im Leichenschauhaus.

Nach den Börsenberichten kam Soulmusik.

Tanarra drehte das Radio etwas leiser. Er dehnte seine Glieder. Die angespannten Muskeln traten hart und respekteinflößend unter der bronzefarbenen Haut hervor.

Vado Tanarra war eins achtzig groß, breitschultrig und dunkelhaarig. Er hatte eine kleine Narbe über dem linken Auge, die man jedoch nur bemerkte, wenn man genau hinsah. Seine Züge waren scharf geschnitten, das Kinn breit und markant. Die Viper war ein unerschrockener Draufgänger. Tanarra fürchtete weder die Hölle noch den Teufel persönlich. Er hatte grenzenloses Vertrauen in seine außergewöhnlichen Fähigkeiten, die es ihm möglich machten, mit jeder noch so schwierigen Situation fertigzuwerden. Er trug eine gestreifte Badehose. Kein Gramm Fett war an seinem Bauch.

Schuhe klopften über die Bretter, auf denen Tanarras Liegestuhl stand. Hinter ihm befand sich die kleine Badekabine, die er für die ganze Saison gemietet hatte.

Die Viper hob träge den Kopf. Im nächsten Augenblick spannten sich seine Backenmuskeln. Er setzte sich mit einem jähen Ruck auf.

Zwei Männer in maßgeschneiderten Sommeranzügen bauten sich vor ihm auf. Sie schienen Sorgen zu haben. Jedenfalls wirkten ihre Gesichter kummervoll. Vado Tanarra kannte ihre Namen. Der eine hieß Carlo Faccello und der andere Ettore Cirandoli.

„Vado“, sagte Faccello ernst.

„Wie geht's, Carlo?“

Faccello wiegte bedenklich den Kopf. „Schlecht. Sehr schlecht.“

Vado Tanarra brannte sich eine Zigarette an.

„Gibt es etwas, das ich für euch tun kann?“

„Wir müssen mit dir reden, Vado.“

„Redet!“

„Nicht hier. Hier sind zu viele Leute. Es gibt neugierige Ohren. Es gibt Richtmikrophone.“ Faccello rümpfte die Nase und schüttelte den Kopf.

„Nicht hier.“

Die Viper stellte keine überflüssigen Fragen. Carlo Faccello sah nicht so aus, als wollte er mit ihm an einem anderen Ort lediglich über das Wetter sprechen. Der Killer stemmte sich aus dem Liegestuhl und verschwand in seiner Badehütte. Fünf Minuten später trug er Sandalen an den nackten Füßen, schwarze Jeans und ein weißes Hemd.

„Wir können gehen“, sagte er mit düsterer Miene.

Ettore Cirandoli nahm die Worte nickend zur Kenntnis.

„Unser Wagen steht dort drüben. Wir fahren dich kurz spazieren und setzen dich anschließend hier wieder ab, wenn’s dir recht ist.“

Die Männer trabten auf die an der Long Beach vorbeiführende Straße zu und stiegen in einen weißen Pontiac. Sämtliche Fenster blieben geschlossen. Die Klimaanlage sorgte für eine angenehme Temperatur von zwanzig Grad Celsius. Cirandoli übernahm das Steuer. Es wurde eine lange, ausgedehnte Spazierfahrt. Sie führte über Palos Verdes nach Santa Monica, Beverly Hills, Maywood, La Habra, Los Alamitos und endete, wie versprochen, wieder vor der Long Beach.

Während der ganzen Zeit hatte Carlo Faccello fast pausenlos gesprochen. Schon nach den ersten Worten war die Viper vor Wut und Hass leichenblass geworden. Der Killer hatte seine Hände zu harten Fäusten zusammengekrampft, so dass sich die Knöchel weiß und spitz durch die Haut abzeichneten. Sein Atem ging stoßweise. Seine Nasenflügel stellten sich auf. An seiner Schläfe zuckte ununterbrochen eine dicke Ader.

Sergio musste den Verstand verloren haben. Wie hatte er es wagen können, sich mit der Mafia anzulegen? Wie hatte er so irrwitzig sein können, sich an ihrem Eigentum zu vergreifen? Wie stand er, Vado Tanarra, nun da?

Der Killer schwor sich, seinen Bruder für diese verrückte Tat mit aller ihm zu Gebote stehenden Härte zu bestrafen. Keine Gnade für Sergio. Ohne Mitleid wollte ihm Vado den Tod bringen, den er mit dieser Tat mehrfach verdient hatte. Wo auch immer Sergio nun steckte, Vado würde ihn finden. Es verband ihn nichts mit seinem dämlichen Bruder. Nicht das Geringste. Er fühlte nichts für Sergio. Von Kindheit an war das so. Sergio war für Vado Tanarra ein Fremder. Ein Fremder, der schwere Schuld auf sich geladen hatte. Eine Schuld, die nur mit dem Tod gesühnt werden konnte.

Ettore Cirandoli ließ den weißen Pontiac ausrollen. Vado öffnete den Wagenschlag. Sein Gesicht war grau und hart, wie aus Granit gemeißelt. Carlo Faccello legte ihm die Hand auf den Arm und blickte ihm durchdringend in die Augen.

„Was kann ich der Commissione berichten, Vado?“

„Sag der Commissione, dass ich meinen gottverdammten Bruder finden und wie einen räudigen Köter abknallen werde. Er verdient es nicht, den Namen Tanarra zu tragen. Ich werde ihn auslöschen!“

„Und die Diamanten …?“

„Ich werde sie dorthin bringen, wo sie hingehören“, versprach die Viper. Es klang wie ein heiliger Schwur, den er niemals brechen würde.

Faccello ließ Tanarras Arm los.

„Vergiss nicht, deinen Bruder zu fragen, wer ihm den heißen Tipp gegeben hat! Wir brauchen den Namen, damit wir die undichte Stelle zustopfen können.“

„Sergio wird mir den Namen nennen. Ich weiß, wie ich diesen Bastard zum Reden bringe.“ Die Viper stieg aus.

„Ciao, Vado“, sagte Faccello. Er quälte sich ein Lächeln ab.

Details

Seiten
102
Jahr
2020
ISBN (eBook)
9783738944822
Sprache
Deutsch
Erscheinungsdatum
2020 (September)
Schlagworte
roberto tardelli thriller diamanten

Autor

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Titel: Ein Roberto Tardelli Thriller #55: Tardelli und die Diamanten