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Die Kansas-Remuda

2020 123 Seiten

Leseprobe

Table of Contents

Die Kansas-Remuda

Copyright

Die Hauptpersonen des Romans:

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Die Kansas-Remuda

Western von John F. Beck

 

Der Umfang dieses Buchs entspricht 123 Taschenbuchseiten.

 

Hawk Jamison schart eine Bande um sich, mit der er Pferde stiehlt, um sie gewinnbringend zu verkaufen. Doch diesmal stößt er auf Jim Kelso und Millie, die nicht gewillt sind, ihre Remuda der Bande zu überlassen. Eine wilde und gefährliche Jagd beginnt ...

 

 

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books, Alfred Bekker, Alfred Bekker präsentiert, Casssiopeia-XXX-press, Alfredbooks, Uksak Sonder-Edition, Cassiopeiapress Extra Edition, Cassiopeiapress/AlfredBooks und BEKKERpublishing sind Imprints von

Alfred Bekker

© Roman by Author

© Cover Firuz Askin

© dieser Ausgabe 2020 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

Alle Rechte vorbehalten.

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Die Hauptpersonen des Romans:

Hawk Jamison - besorgt sich am liebsten Pferde, die nichts kosten.

Roy Meritt - merkt zu spät, dass er auf der falschen Seite kämpft.

Loreen - hält dennoch zu ihm.

Paco - kennt nur ein Ziel: Rache für den Brudermord.

Millie - tarnt als Kratzbürste ihre Sanftmut - lange Zeit mit Erfolg.

Jim Kelso - gibt die Remuda nicht auf.

 

 

1

Gewehrläufe ragten über die Mauerreste des spanischen Forts. Die bärtigen Gesichter der Goldgräber waren angespannt.

Roy Meritt, der Spieler, legte den Arm um seine dunkelhaarige Begleiterin. Der Sonnenaufgang tauchte die Wolf Mountains in Colorado in gleißendes Licht.

Vor fünf Tagen hatten die Digger sich auf dem Plateau verschanzt. Auf der Flucht vor den aufständischen Ute-Indianern hatten sie zwar das Gold, nicht aber die Pferde retten können.

»Sie sind fort!« Ein rotbärtiger Goldsucher, der Fellmütze und Fransenjacke trug, richtete sich auf. »Geschafft, Jungs!«

»Bleib hier, Bradford!«

Der Junge neben Meritt wollte ihn zurückhalten, doch Meritts Faust umschloss seinen Arm.

»Wir müssen wissen, woran wir sind.«

Rick Fletcher riss sich los. Da schwang Bradford sich schon über die Mauer.

»Worauf wartet ihr?«

An einem der mit Gras und Felsbrocken bedeckten Hänge stand plötzlich ein Pulverrauchwölkchen. Dann erreichte der Knall die Männer auf dem Plateau.

Bradford ließ die Rifle fallen und krümmte sich.

»Tom!«, schrie Osborne, der Anführer. Ein zweiter Schuss blitzte. Da fiel der Digger in einen Wacholderbusch. Sonst rührte sich nichts.

Fletcher sah den breitschultrigen Spieler aus brennenden Augen an.

»Wir sind verloren«, flüsterte die junge Frau.

 

 

2

Der Schatten des einzigen erhaltenen Lehmziegelgebäudes lag auf der Versammlung. Osbornes Pfeife qualmte. Graue Zotteln umrahmten das zerfurchte Gesicht. Meritt lehnte mit verschränkten Armen hinter ihm. Die anderen saßen.

Loreen Dawson kauerte einige Schritte abseits, den Kopf an die Mauer gelehnt, die Augen geschlossen. Erschöpfung zeichnete ihr bleiches Gesicht. Der Mund wirkte herb, die Wangenknochen waren hoch angesetzt. Die dunklen Haare glänzten. Ein Kettchen mit einem goldenen Medaillon schmückte den Hals. Unter neunzehn Männern war sie die einzige Frau.

Ein Goldgräber hielt Wache. Nach Osten reichte der Blick über die Ausläufer der Wolf Mountains bis auf das Grasmeer, das sich nach Kansas hinein erstreckte. Ein zerklüftetes Felsmassiv schützte die Rückseite des Plateaus.

Hüstelnd nahm Osborne die Pfeife aus dem Mund.

»Sie wollen uns aushungern. Zwei Dutzend Scharfschützen genügen, uns festzunageln. Die Kerle, die Bradford erschossen, sind welche. Gewiss ist der Haupttrupp unterwegs, noch andere Weiße abzufangen, die die Goldfelder am Pikes Peak verließen.«

Der Bullige neben ihm brummte: »Wenn’s nur ein paar Scharfschützen sind, werden sie uns nicht hindern, nachts durchzubrechen.«

»Was glaubst du, wie weit wir zu Fuß kommen, Cumberland?«

»Dann könnte wenigstens einer Hilfe holen.«

»Von wo?« Der Grauhaarige schüttelte den Kopf. »Die Camps am Pikes Peak sind ebenfalls von den Roten eingeschlossen. Fort Morgan und Fort Hollister kannst du abschreiben. Die Blauröcke zogen alle Truppen ab, seit der Krieg zwischen den Nord- und Südstaaten immer erbitterter wird.«

»Es muss doch irgendwo ’ne Siedlung geben.«

»Drüben in Kansas, acht oder neun Tagesritte entfernt. Rechne dir mal aus, wie lange ein Mann zu Fuß dorthin braucht! Außerdem bezweifle ich, dass die Bewohner bereit wären, in ’nen ausgewachsenen Indianeraufstand zu reiten. Machen wir uns nichts vor. Wir brauchen Pferde.«

»Wenn du vorhast, den Utes die Mustangs zu klauen, kannst du dir ebensogut ’ne Kugel in den Kopf schießen.«

»Das ist mir klar.« Osborne paffte. »Well, einer oder besser zwei von uns sollten sich nach Kansas durchschlagen. Auf dem Trail zum Pikes Peak übernachtete ich auf Jim Kelsos Pferderanch. Sie liegt näher als die Siedlung, von der ich sprach, fünf Tagesritte, etwa zwanzig Meilen südlich vom Smoky Hill River und zehn Meilen nördlich vom Beaver Creek. Kelso besitzt kräftige, ausdauernde Renner. Er selbst ist genau der richtige Mann, sie herzubringen.«

Keiner bemerkte Loreens zusammenzucken. Auch Meritt spannte sich. Als er Loreen ansah, wandte sie den Kopf ab. Osborne hüstelte wieder.

»Ich schlage vor, dass wir uns nicht lumpen lassen. Gold haben wir genug. Ich bin für tausend Dollar pro Pferd.«

»Ein Vermögen!«, schnappte Cumberland.

»Jeder muss selbst wissen, was ihm sein Skalp wert ist. Kelso braucht Treiber. Es wird kein Spazierritt.«

»Aber die Strecke!«, warf ein anderer ein. »Zu Fuß bedeutet sie die doppelte, wenn nicht dreifache Zeit.«

»Unser Proviant reicht noch ’ne Weile. Und zum Glück haben die Spanier das Fort um ’ne Quelle gebaut. An Munition mangelt es auch nicht. Doch ich nehm’ jeden besseren Vorschlag gern an.«

»Auch tausend Bucks pro Pferd garantieren nicht, dass dieser Kelso wirklich mit ’ner Remuda kommt.«

»Er wird kommen, wenn er erfährt, dass Loreen hier ist«, mischte sich Meritt ein. Er ging zu der Frau und sprach leise mit ihr. Nach einigem Zögern gab sie ihm das Medaillon. Der Spieler trat wieder zu den Diggern.

»Dieser Schmuck wird Jim Kelso rascher herbringen als alles Gold.«

Osborne nahm den Anhänger. Er ließ sich öffnen. Das Bild darin zeigte eine schwarze Rose. Ein Name war auf die Rückseite graviert: Jim.

»Demnach ist Kelso ein Freund oder Verwandter von Miss Dawson?«

»Das tut nichts zur Sache.«

»Vielleicht doch.« Osborne sah Meritt kalt an. »Wenn ich ein Verwandter der Lady wäre, würd’ ich mit dem Colt Rechenschaft von Ihnen dafür fordern, dass Sie sie mitnahmen.«

»Der Verdruss, den wir am Hals haben, genügt Ihnen wohl nicht?« Meritt schob die Anzugsjacke hinter den mit Elfenbeinschalen ausgelegten Revolvergriff. Die Frau schob sich neben ihn. Ihr Gesicht war starr.

»Es war mein Wunsch, Roy zu begleiten.«

»Schon gut, Ma’am. Ich will keinen Streit mit Ihrem Verlobten. Also, Leute: Wer meldet sich?«

»Ich gehe.« Fletcher stand auf. Er war knapp über zwanzig, hochgewachsen und kräftig. Ein dünner, blonder Bart bedeckte die Oberlippe. »Ich bin’s Bradford schuldig!«, stieß er hervor, als Osborne zögerte. »Er war mein Freund.«

»In Ordnung. Wer noch?«

Die Digger schwiegen.

»Losen wir’s aus!«, schlug Cumberland vor. »Die Karten, Meritt.«

Der Spieler setzte sich zu ihnen, nahm ein Päckchen abgegriffene Karten aus der Tasche und mischte.

»Wer Pik As zieht, begleitet Fletcher. Ich beteilige mich.«

Er nahm die oberste Karte - Herz Zehn. Dann zog Osborne die Karo Sieben. Die dritte Karte war Pik As. Der bullige Cumberland hielt sie. Schweiß perlte auf seiner Stirn. Er sah Osborne an. »Wann?«

»Heute Nacht.«

 

 

3

Ein Zittern überlief den rotbraunen Hengst, als Jim Kelso ihm den Sattel auflegte. Der Pferderancher redete ihm gut zu. Dann zog er den Gurt fest und streifte ihm die indianische Hackamore über. Das Kopfseil besaß kein Gebissstück. Der Hengst bleckte die Zähne, hielt aber still.

»Nur ruhig, Muchacho, dir passiert schon nichts. Wir werden noch gute Freunde, denke ich.«

»Sei vorsichtig, Jefe«, warnte der hagere Mexikaner auf der anderen Zaunseite. »Das ist ein Killer. Gestern hätte er Ramon beinahe die Rippen gebrochen. Mir wollte er den Schädel einschlagen.«

»Er kennt mich inzwischen.«

Paco Mendez’ Zähne blitzten im schwarzen Bartgestrüpp.

»Wart ab, bis du auf ihm sitzt!«

Vorsorglich hielt er das Lasso bereit. Er und sein Bruder Ramon waren Jim Kelsos Helfer auf der Pferderanch. Die Sonne stand über den mit Erdschollen gedeckten Gebäuden. Eine Weißeiche, der einzige Baum in zehn Meilen Umkreis, streckte die dicht belaubten Zweige über den Corral. Rings um die Senke dehnte sich das Grasmeer der Kansas-Prärie. Im Norden dämmerten die Ausläufer der Smoky Hills, blaue Schatten am Horizont.

Jim lachte.

»Wie wär’s mit ’ner Wette?«

»Ich schulde dir vom letzten Mal noch zehn Dollar, Jefe.«

»Wenn ich oben bleibe, gehören sie dir.«

Geschmeidig schwang Jim sich auf den Hengst. Die Stuten im Corral nebenan schnaubten. Ein Schauer lief wieder über das Fell des Rotbraunen. Zum ersten Mal saß ein Mensch auf seinem Rücken. Jim nahm die Zügel kurz.

»Zeig, was du kannst, Muchacho.«

Seine Fersen berührten die Flanken. Das Pferd ging ein paar Schritte so friedlich, dass Paco den Augen nicht traute. Plötzlich stieß der Hengst sich mit allen Vieren ab. Gleichzeitig krümmte er den Rücken. Er sprang einen Yard hoch. Jims Stetson rutschte nach hinten. Das rote Halstuch flatterte. Der Aufprall, als der Rotbraune wieder auf die Hufe kam, riss Jim nach vorn. Der Hengst kreiselte, stieg, bockte, aber der Reiter blieb auf dem Rücken. Der Hengst warf die Hinterhufe in die Luft, dann stob er auf den Corralzaun los. Erschrocken fuhr der Mexikaner zurück.

»Spring ab, Jefe!«

Staub umhüllte den Reiter. Knapp vor dem Zaun bog der Rotbraune ab. Im nächsten Moment warf er sich seitwärts gegen die Stangen. Jims linkes Bein wäre zerquetscht worden, hätte er es nicht rechtzeitig über den Sattel gebracht.

Schon preschte das Pferd weiter. Jim schob den Fuß in den Bügel zurück. Ein Dröhnen füllte seine Ohren. Der Hengst bockte wieder und drehte sich dabei. Jims Gesicht schimmerte grau. Sein Blick war glasig.

»Gib auf, Jefe!«, schrie Paco. »Er bringt dich sonst um.«

Jim hörte nicht. Er saß wie festgeklebt auf dem Pferd. Der Hengst verdrehte die Augen, Schaum tropfte von den Nüstern. Wieder jagte er auf den Zaun zu. Zwei Yard davor hielt er und schaute sich wiehernd nach dem Mann auf seinem Rücken um.

»Ich bin noch da, Muchacho«, grinste Jim mühsam.

Der Rotbraune ließ den Kopf sinken. Als Jim am Zügel ruckte und die Fersen andrückte, stampfte er durch den Corral. Jim lenkte ihn im Kreis zu Mendez.

»Die zehn Dollar gehören dir, Amigo.« Er glitt herab. Einige Sekunden musste er sich knieweich am Sattel festhalten, dann kletterte er zwischen den Stangen heraus.

»Ein Prachtkerl, was meinst du?«

»Zwei Prachtkerle, Jefe.« Paco reichte dem schwarzhaarigen Pferderancher eine Flasche.

Jim trank nicht. Starr sah er an dem Mexikaner vorbei. Paco drehte sich. Seine Rechte kroch zum Colt.

Ein Reiter war unbemerkt bis auf zehn Schritte herangekommen. Der massige, ganz in abgewetztes Leder gekleidete Fremde verschränkte die Hände auf dem Sattelhorn. Die rotblonden, schulterlangen Haare wurden von einem perlenbestickten Stirnband gehalten. Sie erinnerten an eine Löwenmähne. Am Gürtel hingen ein langläufiger Sechsschüsser und ein schweres Büffeljägermesser. Im Scabbard steckte ein Repetiergewehr. Weitere Reiter hielten am Senkenrand. Ihre Kleidung war bunt zusammengewürfelt: Lederzeug, Cowboyhemden, Stetsons, Stiefel und Mokassins. Gewehre lagen über den hochbordigen Sätteln. Jims Coltgurt hing an einem Corralpfosten.

Der Massige grinste.

»Du verstehst was von Pferden, Kelso - genau wie ich. Der Rotbraune ist zugeritten etliche hundert Dollar wert.«

»Ich verkauf ihn nicht.«

»Kommt auf den Preis an, meine ich.«

»Wer ist der Hombre?«, fragte Paco auf spanisch.

»Ich bin Hawkins Jamison, auch Hawk genannt«, antwortete der Reiter in derselben Sprache. »Vielleicht habt ihr von mir gehört.«

»Ich sah deinen Steckbrief in Fort Larned.« Jim trat näher zu dem Pfosten, an dem sein Sechsschüsser hing. »Ist dir der Boden im östlichen Kansas zu heiß geworden, Jamison? Du bist hier ziemlich weit weg vom Schuss. Hier gibt’s nichts zu holen.«

»Ich seh’ ’ne Menge prächtige Pferde.« Jamisons gelbgraue Augen glitzerten. »Es ist Krieg. Die Blauröcke und Rebellen brauchen Nachschub. Mir ist es gleich, wer gewinnt. Ich beliefere beide Seiten, solange ich kassiere. Das Geschäft blüht.«

»Nicht bei mir. Verschwinde!«

»Nur keine Hektik, Kelso. Wir haben uns auf deiner Südweide bereits bedient, wollen aber auf den Rotbraunen und die Stuten nicht verzichten. Wenn ihr Schwierigkeiten macht, beißt der Mex, der die Remuda bewacht, ins Gras.« Er drehte sich und winkte.

In die Reiterreihe am Senkenrand kam Bewegung.

»Ramon!«, keuchte Paco. Zusammengesunken saß der Gefangene auf seinem Pinto. Die Hände waren ans Sattelhorn gefesselt. Ein Gewehr bedrohte ihn. Die Ähnlichkeit der Brüder war unverkennbar. Auch Ramon war groß, hager und besaß einen schwarzen Bart. Beide trugen Vaquerotracht. Pacos Miene verzerrte sich.

»Perro maldito!« Er wollte ziehen. Jim hinderte ihn daran. Jamisons Hände ruhten wieder auf dem Sattelknauf.

»Du hast es kapiert, Kelso. Ich bluffe und feilsche nicht.«

»Wenn ihr Pacos Bruder auch nur ein Haar krümmt, seid ihr nirgendwo sicher.«

»Ich will deine Pferde, Kelso. Wenn ich sie bekomme, behält der Graser den Skalp. Ich sagte doch, es kommt auf den Preis an.« Jamison ritt zum Nachbarcorral und öffnete das Gatter. »Holt sie!«

Die Banditen galoppierten den langabfallenden Hang herab. Zwei blieben bei Ramon. Einer bewachte die Stuten und Hengste, die sie von der südlich gelegenen Weide holten. Alle Tiere trugen das Broken-Arrow-Brandzeichen, einen in der Mitte geknickten Pfeil. Die Kumpane hatten die Gewehre mit Peitschen und Lassos vertauscht. Es waren hartgesichtige Burschen, zwischen zwanzig und vierzig Jahre alt. Lärmend trieben sie die Stuten heraus. Dann holten drei den rotbraunen Hengst. Er versuchte auszubrechen, aber sie keilten ihn ein. Einer hielt das Zügelseil. Hawk Jamison lenkte seinen Falben wieder zu Jim.

»Das war’s, Kelso. Meine Abnehmer werden sich um die Gäule reißen. Eigentlich sind sie zu schade für die Army, aber was soll’s. Geschäft ist Geschäft. Hauptsache, der Dollar rollt.«

»Gib Ramon frei!«

»Er wird uns ein Stück begleiten.« Jamison wendete. Die Remuda war bereits am Senkenrand. »Treibt sie!«

 

 

4

Der Rotbraune trug noch Sattel und Zaum. Er wieherte.

Jim und Paco waren darauf gefasst, dass er in wilder Flucht davonstürmte. Doch als sie stehenblieben, trottete er langsam auf sie zu. Sein rassiger Kopf war halb zur Seite gewendet, die Nüstern gebläht. Das Seil schleifte nach. Einige Schritte vor den beiden Männern verhielt er und beäugte sie misstrauisch.

Sie befanden sich fünf Meilen nördlich der Ranch. Jeder trug Colt, Bowieknife und Wasserflasche am Gürtel, sonst kein Gepäck.

Die Fährte der geraubten Pferdeherde führte in die Smoky Hills. Die Höhenrücken waren nur als Schatten am Horizont erkennbar. Es war heiß und windstill. Blauer Himmel strahlte über dem Büffelgrasland.

Jim, Paco und der Hengst waren die einzigen Lebewesen, so weit der Blick reichte.

»Bist ihnen abgehauen, Muchacho, was?« Der Hengst bewegte die Ohren, als er Jims vertraute Stimme hörte. »Gut gemacht. Nur ruhig, mein Junge!«

Jim ging zu ihm. Der Rotbraune stampfte und prustete, ließ ihn aber herankommen. Vorsichtig nahm Jim das Seil. Dann streichelte er das Tier.

»Ich wusste ja, dass du ein kluger Bursche bist. Wir brauchen dich.«

Jim schwang sich auf den Hengst. Es schien, als würde das Pferd wieder zu bocken beginnen, dann beschnupperte es Jims rechten Stiefel. Nun kam auch Paco heran.

»Ich würd’s nicht glauben, wenn ich es nicht mit eigenen Augen sähe. Der rote Teufel mag dich, Jefe.«

»Er wird uns beide tragen.« Jim tätschelte den Pferdehals. Der Mexikaner riskierte es und schwang sich hinter ihm hinauf. Sofort legte der Hengst die Ohren zurück, aber Jims Stimme und die streichelnde Hand beruhigten ihn. Dann gehorchte er dem Fersendruck.

»Weiß der Henker, wie weit sie Ramon noch mitschleppen«, murmelte der Mexikaner. »Wenn Jamison ...«

Jim straffte die Zügel. Bussarde kreisten über einer entfernten Bodenwelle. Die Fährte lief dran vorbei. Paco verkrampfte sich.

»Lauf, Muchacho!«, feuerte Jim den Hengst an.

Hinter der Bodenwelle lag eine Gestalt im Gras.

»Ramon!«, schrie Mendez. Vorsichtig drehte er ihn auf den Rücken. Die Augen waren blicklos. Zerrissene Riemen hingen an den Handgelenken. Der Schuss war aus nächster Nähe abgefeuert worden. Die Mündungsflamme hatte das Hemd versengt.

»Ramon«, wiederholte Paco ächzend.

 

 

5

Keuchend blickte Sam Cumberland zu seinem jungen Begleiter empor. Das breitflächige Gesicht war schmerzverzerrt. Der abgebrochene Pfeil steckte noch in seiner Brust, zwei Handbreit unter der linken Schulter. Neben ihm lag das einschüssige Sharpsgewehr.

Rick Fletcher war mit Colt und Bowieknife bewaffnet. Schweißverklebte Strähnen hingen ihm in die Stirn. Er horchte gespannt.

»Sie haben die Spur wiedergefunden. Wir brauchen Deckung, Sam.«

Grasbewachsene Hügel umgaben sie. Da und dort standen Cottonwoodbüsche. Die Mondsichel lugte über eine Kuppe. Sterne glitzerten. Cumberland hörte nur den eigenen stoßweisen Atem. Acht Tage waren verstrichen, seit er und Fletcher das alte spanische Fort verließen.

»Ich bleibe. Ich schaff‘s nicht weiter.«

Fletcher kniete neben ihm. »Versuch’s!«

»Ich werde sie ablenken. Schnapp dir ein Pferd ...«

»Pferde für uns beide, Sam.«

»Junge, ich weiß, wann ich erledigt bin.« Mühsam zog Cumberland die Sharps auf die Oberschenkel. Er lehnte an einem Stein. Schweißrinnsale sickerten in den Bart. »Verschwinde!«

Der junge Goldgräber schluckte. Dann sog die Dunkelheit ihn auf.

Cumberlands schwielige Hände krampften sich um die Waffe. Er hatte nur den einen Schuss. Zum Laden fehlte ihm die Kraft, und wenn sie ihn zu dritt oder viert angriffen, würde er den Colt nicht mehr ziehen können. Er hatte zu viel Blut verloren. Mit jeder Minute fühlte er sich schwächer.

Dann hörte er Reiter in der Hügelkerbe. Er biss die Zähne zusammen. Die Sharps erschien ihm bleischwer. Das Hufgetrappel setzte aus. Der Mond stieg. Bleiche Helligkeit umfloss die Kuppen. Von weit her kam Kojotengeheul.

Ein kehliges Lachen schreckte den Verwundeten plötzlich auf. Die Augen waren ihm zugefallen. Er sah den Reiter wie durch einen Schleier. Der Indianer saß auf einem stämmigen Mustang, nur mit Lendenschurz, Mokassins und ärmelloser Lederweste bekleidet. Er trug eine Kette aus Raubtierkrallen und einen schwarzen Topfhut, an dem eine Krähenfeder steckte. Über dem Sattel lag ein Gewehr. Die Augen funkelten. Dann rief er etwas. Die Worte klangen abgehackt.

Ein Schatten bewegte sich seitlich von ihm. Der Goldgräber erkannte Fletcher. Gleichzeitig sah er die Umrisse eines zweiten Reiters bei den Cottonwoods.

»Eine Falle, Rick!«

Ächzend schwang er die Waffe nach rechts. Ein Pfeil verfehlte ihn. Beide Reiter trieben die Pferde an. Fletcher rannte auf den Krieger mit dem Topfhut zu. Sein Colt blitzte. Auch der Indianer schoss. Dann donnerte Cumberlands Sharps.

Der zweite Angreifer stürzte. Sein Mustang schleifte ihn mit. Das Gewehr entglitt Cumberland. Er war erneut getroffen. Fletcher wich dem Kolbenhieb aus und riss den Krieger herab. Das Pferd stieg, doch Fletcher erwischte Zügel und Sattelhorn.

Da jagte ein weiterer Indianer aus der Hügelkerbe. Der Ute-Kriegsschrei gellte. Ein Schuss streifte das Tier. Fletchers Colt steckte im Holster. Verzweifelt klammerte er sich fest.

Der Schecke stürmte um den Hügel. Endlich gelang es Fletcher, sich hinaufzuziehen.

In der folgenden Nacht wachte der junge Goldgräber jäh auf. Eine Eule schrie. Die schwarzen Umrisse der Büsche, die den Lagerplatz umstanden, wirkten drohend. Das Pferd bewegte sich. Die Zügel waren um Fletchers linkes Handgelenk gewickelt. Die Erschöpfung hatte ihn überwältigt, nachdem er von Sonnenaufgang bis Untergang ununterbrochen im Sattel saß. Die Coloradogrenze lag weit hinter ihm. Längst waren die Wolf Mountains am Horizont verblasst.

Fletcher verharrte reglos. Ein Rascheln erreichte ihn, dann ein metallisches Knacken. Seine Kopfhaut zog sich zusammen. Sie waren da. Wie Wölfe umkreisten sie ihn. Der Eulenruf ertönte wieder. Aber Fletcher wusste, dass es keine Eule war. Der Schecke prustete. Fletcher zog den Colt. Seine Handflächen waren feucht. Er blieb am Boden, die Zügel in der linken, den Sechsschüsser in der rechten Faust. Eine Sternschnuppe sprühte am südlichen Firmament. Wieder raschelte es. Jede Faser in dem Goldgräber fieberte danach, aufs Pferd zu springen und davonzujagen.

Doch sie warteten darauf. Sie verursachten die Geräusche absichtlich. Sobald er auf dem Mustang saß, bot er vor dem Sternenhimmel ein deutliches Ziel.

Fletcher band die Zügel fest und kroch um den Busch. Er war jeden Augenblick auf das Krachen der Gewehre und gellendes Kriegsgeschrei gefasst. Nichts rührte sich. Nur der Mustang stampfte.

Fletcher dachte an Cumberland, dessen Skalp wahrscheinlich am Gürtel eines der Krieger hing. Seine Kehle war trocken. Plötzlich bewegte sich ein Schatten vor ihm.

Fletcher erstarrte. Grashalme berührten sein Gesicht. Der Schatten verschwand. Fletchers Augen brannten. Er war auf einmal nicht mehr sicher, ob er sich nicht getäuscht hatte. Vorsichtig kroch er weiter. Da hörte er ein Geräusch hinter sich. Er warf sich auf den Rücken und stieß den Sechsschüsser empor. Gespenstisch stand der Krieger vor dem gelben Schimmer des aufgehenden Mondes. Sein Gesicht lag im Schatten. Trotzdem erkannte Fletcher die beiden senkrechten weißen Farbstreifen. Ein Tomahawk blinkte. Der Anblick lähmte den Digger für einen Moment. Dann wollte er schießen. Ein Tritt prellte ihm die Waffe aus der Faust.

Da prallte eine aus dem Dunkel schnellende Gestalt gegen den Indianer. Ein dumpfer Schrei ertönte. Kämpfend wälzten sich die beiden Männer im Gras.

Fletcher erkannte, dass sein Retter ein Weißer war. Benommen tastete er nach seinem Colt.

Schüsse jenseits des Lagerplatzes trieben ihn hoch. Ein Pferd wieherte, dann war schon alles vorbei. Fletchers Helfer erhob sich. Reglos lag der Krieger am Boden. Der Weiße hatte ihn mit dem Coltlauf betäubt. Er war groß, schlank und schwarzhaarig. Das Halstuch war verrutscht, der Stetson hing an der Windschnur auf dem Rücken.

»Wie viele sind es?«, raunte er.

Fletcher musste erst schlucken. »Zwei oder drei.«

Ein Stampfen und Rauschen näherten sich. Ein hagerer, schwarzbärtiger Mexikaner führte zwei Indianerpferde auf den Lagerplatz.

»Keine Gefahr mehr, Jefe.«

Der Schlanke halfterte den 44er.

»Dein Glück, mein Junge, dass wir in der Nähe waren. Das ist Paco Mendez. Ich bin Jim Kelso, Besitzer der Broken Arrow Ranch.«

»Ich hab’ Sie gesucht, Mister Kelso.«

 

 

6

Feuerschein erhellte die angespannten Gesichter. Fletcher, vom Erzählen heiser, hob die Sattelflasche. Paco warf dürre Zweige auf die Glut. Die Flammen prasselten. Der Lichtkreis erfasste die angepflockten Pferde.

Jims Hengst hielt, soweit das Seil es zuließ, Abstand zu den Mustangs. Das Camp lag zwei Meilen vom Kampfplatz entfernt. Die Buschstreifen und Bodenwellen verrieten die Nähe der Smoky Hills. Jim wartete, bis der Junge getrunken hatte.

»Ich würde deinen Kameraden gern helfen, Fletcher - auch ohne das versprochene Gold. Doch der Rotbraune ist das einzige Pferd, das Paco und mir blieb. Hawk Jamisons Bande raubte meine Remuda. Die Schufte benutzten Pacos Bruder als Geisel. Nachdem sie mit den Pferden entkamen, ermordeten sie ihn. Wahrscheinlich bringen sie die Tiere in die Smoky Hills, bis Jamison gutzahlende Abnehmer findet. Es wird nicht leicht sein, sie ihm abzujagen.«

»Ich bin dabei - vorausgesetzt, dass Sie die Remuda anschließend nach Colorado treiben.«

»Mit sechsunddreißig Pferden kommen wir zu dritt nicht durchs Indianergebiet. Die Cheyenne, von denen ich mein Brachland erwarb, halten zwar Frieden mit Paco und mir, aber das gilt nicht für die Arapahos, Utes und Kiowas, deren Jagdgründe südlich und westlich davon beginnen. Seit Ausbruch des Bürgerkriegs gärt es unter den Stämmen. Wären sie untereinander nicht so zerstritten, hätten sie alle Weißen längst zum Old Man River zurückgedrängt.«

»Sie könnten Treiber anheuern.« Fletcher beugte sich mit funkelnden Augen vor. »Für tausend Dollar pro Pferd, die meine Partner Ihnen zahlen, Mister Kelso, ist es ’ne Kleinigkeit für Sie, jedem Treiber Spitzenlohn zu bieten.«

»Ihr habt droben am Pikes Peak ganz schön abgesahnt, wie? Doch mancher raue Pilger würde es sich trotz tausend Bucks doppelt und dreifach überlegen, in einen Indianeraufstand zu reiten.«

»Sie lehnen ab?« Betroffenheit malte sich auf Fletchers Miene. Sein Blick schnellte zu Paco, der düster ins Feuer starrte. Er schien mit seinen Gedanken woanders.

»Ich zähle Tatsachen auf. Dazu gehört, dass Simpsonville, die nächste Siedlung, zwei Tagesritte entfernt liegt. Ich war zuletzt vor fünf Wochen dort. Wir brauchten Proviant und Werkzeuge auf der Ranch. Alle kampftüchtigen Männer haben sich zur Army gemeldet, in den Siedlungen weiter östlich ist es ebenso.«

»Dann müssen wir ...«

Jim hob die Schultern.

»Es nützt nichts, Pläne zu schmieden, solange wir die Pferde nicht haben.«

Fletcher wühlte in den Taschen, bis er das Medaillon fand.

»Beinahe hätt’ ich’s vergessen: Meritt, der Spieler, wollte, dass ich’s Ihnen gebe.«

Jim zuckte zusammen. Seine Faust schloss sich um das Medaillon.

»Meritt und Miss Dawson schlossen sich uns an, als wir die Goldfelder verließen«, berichtete der Junge. »Meritt hatte in den Camps beim Poker, Blackjack und Faro nicht schlecht verdient. Doch keiner von uns verstand, dass er die Lady in die Wildnis mitnahm.«

Er schwieg, als er den harten Zug um Jims Mund bemerkte. Der Pferderancher verließ den Lichtkreis. Pacos kehlige Stimme hielt Fletcher zurück.

»Er möchte allein sein.«

»Woher kennt er Meritt und die Frau?«

»Er wird’s dir selbst sagen, wenn er das für richtig hält.«

Kojoten heulten. Das Feuer erlosch. Paco und der junge Goldsucher lagen bereits in den Decken, als Jim zurückkam. Schweigend bereitete er sein Lager. Der Sattel diente als Kopfkissen. Fletcher dachte schon, dass Jim schlief, da begann er zu sprechen: »Ich war vor dem Krieg mit Loreen verlobt. Ihre Eltern besaßen in Kansas City einen Store. Ich war Vormann auf ’ner Ranch. Roy war unser gemeinsamer Freund. Ich hatte schon damals den Plan, mich selbständig zu machen und Pferde zu züchten. Roy begleitete mich, als ich am Smoky Hill River auf Wildpferdjagd ritt. Er lebte zwar von den Karten, war aber auf ’ner Ranch aufgewachsen und ein hervorragender Reiter und Lassowerfer. Wir gerieten in ’nen Arapaho-Hinterhalt. Ich wurde verwundet, Roy verlor sein Pferd. Da schnappte er sich meinen Gaul und floh, überzeugt, dass ich den Indianern nicht entkommen würde.«

»Verdammt!«, entfuhr es Fletcher.

Jim blickte zu den Sternen empor. Seine Stimme klang leidenschaftslos.

»Ich brauchte Wochen, bis ich mich nach Kansas City durchschlug. Loreens Eltern fielen aus allen Wolken. Roy hatte berichtet, die Arapahos hätten mich getötet. Weiß der Teufel, wie er Loreen überreden konnte, die Stadt mit ihm zu verlassen. Wir hatten bei meiner Rückkehr heiraten wollen. Sie muss völlig durcheinander gewesen sein. Ich verfolgte ihre Spur bis nach New Mexico. Aber meine Suche blieb vergeblich. Der Krieg brach aus. Ich kehrte mit Paco und seinem Bruder nach Kansas zurück.«

Eine Weile blieb es still. Dann heulte in der Ferne wieder ein Kojote. Fletcher räusperte sich. »Lieben Sie Loreen noch?«

»Ich werde verhindern, dass sie den Utes in die Hände fällt.«

 

 

7

Eine Hand berührte Jim. Er war sofort wach, die Rechte am 44erKolben. Pacos bärtiges Gesicht neigte sich über ihn.

»Zwei von Jamisons Banditen warten auf uns.«

»Wo?«

»Zwei Meilen nördlich am Rand der Smoky Hills. Sie bewachen die Spur. Ich kam nicht nahe genug heran, sie zu überrumpeln. Sie hätten mich entdeckt.«

Jim und Fletcher waren im Nu auf den Beinen. Dämmerung umgab sie. Nebelfetzen hingen über den Sträuchern. Paco hatte die Vaquerostiefel mit Mokassins vertauscht, die er in den Satteltaschen an einem der erbeuteten Mustangs fand. Er war zu Fuß unterwegs gewesen. Keine Müdigkeit war ihm anzumerken.

»Es dürfte kein Problem sein, unbemerkt an den Kerlen vorbeizukommen«, meinte Fletcher.

»Ich möcht’ sie nicht im Rücken haben. Aber es darf kein Schuss fallen. Vielleicht ist das Camp der Bande in der Nähe. Lenkt sie ab! Ich versuche, an sie ranzukommen.«

»Mein Job!«, widersprach der junge Digger. »Sie rechnen nicht mit mir.«

Jim sah Paco an. Der Mexikaner hob skeptisch die Schultern. Fletcher drängte: »Ich bin kein Greenhorn.«

»Deine Kameraden hätten dich sonst nicht geschickt. Well, Paco wird dir beschreiben, wo du die Kerle findest.«

»Auf dem ersten Hügel rechts von der Spur. Sie haben sich hinter ’nem verwurzelten Baum verschanzt. Von der Ebene sind sie nicht zu sehen. Ihre Pferde stehen auf der gegenüberliegenden Seite.«

»Gebt mir ’ne halbe Stunde Vorsprung.« Fletcher wickelte Deckenstreifen um die Hufe seines Mustangs. Sein Gesicht glühte vor Eifer, als er sich in den Sattel schwang. »Pass auf, dass ihre Pferde dich nicht verraten«, mahnte ihn Jim noch, dann ritt er davon.

Ein schmaler Lichtstreifen kündigte den Tag an. Jim und Paco traten zu den Pferden.

»Bist du sicher, Jefe, dass er’s schafft?«

»Nachdem die Utes ihn beinahe erwischten, muss er beweisen, dass wir auf ihn zählen können.«

Es wurde allmählich hell, als sie wieder auf der Spur der geraubten Remuda ritten. Nebelstreifen lagen über der Prärie. Düster ragten die Kuppen vor ihnen aus dem Dunst. In einem Gebüsch erklang die erste Vogelstimme. Jim lenkte den Hengst mit der Hackamore. Die Schleier an den mit Sträuchern und Bäumen bestandenen Hängen lichteten sich. Paco hantierte am Steigbügel.

»Sie müssen uns bereits sehen.«

»Je ahnungsloser wir wirken, desto näher werden sie uns rankommen lassen.« Jim spähte unauffällig zur Kuppe mit dem umgestürzten Baum. Der Hang war grasbedeckt. Jims und Pacos Sechsschüsser steckten im Leder.

»Sie besitzen Gewehre«, raunte der Mexikaner. »Wenn Fletcher zu lange wartet, müssen wir um unser Leben reiten.«

Ein goldener Schimmer kroch über den Horizont. Auf dem Hügel rührte sich nichts. Die Reiter trieben die Pferde zu schnellerer Gangart. Kein Schuss fiel. Die Sonne ging auf. Am Fuß der Anhöhe hörten sie ein Stampfen, dann das Brechen von Zweigen. Paco zog.

»Der Junge scheint Schwierigkeiten zu haben.«

Jim hastete den Hang hinauf, Paco leinte die Pferde an. Der Baum verdeckte eine flache Mulde. Fletcher kniete. Sein Revolver lag im zertrampelten Gras. Ein bärtiger Bandit bedrohte ihn mit dem Colt. Der zweite, ein hagerer, pockennarbiger Kerl, rappelte sich fluchend hoch.

»Leg ihn um, Joe!«

Fletcher hechtete nach vorn und riss den Bärtigen um. Schon lag er auf ihm, entriss ihm den Colt und schlug damit zu. Keuchend sprang er auf. Der Pockennarbige bückte sich nach der Rifle. Da schwang Jim sich auf den von Gras umwucherten Baum.

»Nicht schlecht, Amigo. Aber ganz hat es wohl nicht geklappt.«

Der Pockennarbige fuhr herum.

»Knarre weg!«, befahl Jim. Der Bandit gehorchte. Im nächsten Moment fuhr seine klauenartig gekrümmte Linke jedoch zum Colt. Paco stieß ihn um. Sein Messer blitzte.

»Töte ihn nicht!«, warnte Jim. »Vielleicht brauchen wir ihn noch.«

 

 

8

Bewaldete Hänge umschlossen das Banditencamp. Wieder war es Nacht, in der Ferne heulten Kojoten. Zwei Feuer flackerten. Raue Stimmen schallten durch das kleine Tal. Brandyflaschen glänzten. Einige Banditen hockten im Kreis, eine Decke zwischen sich, und würfelten. Die anderen rauchten, tranken und unterhielten sich. Reit und Beutepferde waren in gesonderten Lassocorrals untergebracht. Bei Jims Stuten und Hengsten standen noch einige andere Tiere.

Jim, Paco und der junge Goldgräber duckten sich auf einer strauchbewachsenen Bodenwelle. Sie hatten die Gefangenen gefesselt und geknebelt bei den Pferden gelassen. Der Mond war noch nicht aufgegangen. Die schwarzen Kuppen und Kämme sahen wie die Rücken schlafender Ungeheuer aus.

»Bisschen viele Gegner auf einmal.« Fletchers Stimme kratzte. »Wer von den Burschen ist Jamison?«

»Da kommt er.«

Der ledergekleidete Anführer löste sich aus dem Schatten bei den Pferden. Die Glasperlen am Stirnband glitzerten. Trotz seiner massigen Figur bewegte er sich geschmeidig.

Unwillkürlich hob Paco die Rifle des Pockennarbigen, eine mehrschüssige Volcanic. Die Gefährten wussten inzwischen, dass Hawk Jamison der Mörder von Pacos Bruder war. Die Gefangenen hatten berichtet, dass Jamison den Mexikaner bei einem Fluchtversuch erschoss.

Jim und Paco waren überzeugt, dass Ramon nur zu fliehen versuchte, nachdem feststand, dass Jamison ihn töten wollte.

»Ich versteh’ dich, Amigo. Doch du verdirbst alles«, raunte Jim. Der Mexikaner senkte das Gewehr.

»Bueno. Jamison soll mich sehen, wenn ich mit ihm abrechne.«

»Sobald die Feuer herabgebrannt sind ...«

»Mister Kelso, dort!« Fletcher deutete.

Jamison stand nun bei den Würfelspielern. Sie waren dichter zusammengerückt, so dass auch Jim und Paco das gefesselte Mädchen sahen. Zerzauste rote Haare umrahmten das bleiche Gesicht. Stricke pressten Hand und Fußgelenke zusammen. Die Gefangene lag im Gras. Sie trug Bluse, Wildlederrock und Stiefel. Jim ballte die Hände.

»Das hat uns noch gefehlt.«

Jamison sagte etwas zu den Spielern, dann ging er zum anderen Feuer. Lachend schauten sie auf das Girl. Die Würfel rollten wieder. Ein Bandit fluchte.'

»Sie würfeln um sie!«, stieß Fletcher hervor.

Ein breitschultriger Kerl warf plötzlich mit triumphierendem »Yahuu!« den Stetson in die Luft. Neidisch beobachteten die Kumpane, wie er zur Gefangenen trat und die Fußfesseln löste. Das Mädchen stieß ihn zurück. Gelächter brandete auf. Da sprang die Rothaarige auf und versuchte zu fliehen. Doch nach der langen Fesselung gehorchten ihr die Beine nicht. Der Mann holte sie ein.

»Wartet!«, knirschte Jim. Geduckt verließ er die Bodenwelle, schlug einen Bogen und erreichte den Waldrand seitlich der Würfelspieler. Sie hielten sich an einer Flasche schadlos. Der Breitschultrige hatte sich das zappelnde Girl auf die Schulter gewuchtet und stiefelte auf die Bäume zu.

»Das ist ’ne Wildkatze, Mike!«, grölte einer der Burschen am Feuer. »Ruf uns, wenn du Hilfe brauchst!«

Jim huschte von Baum zu Baum. Ein Zweig knackte, die Banditen lärmten jedoch. Sie fühlten sich im Tal sicher.

Jim versuchte, dem Breitschultrigen den Weg abzuschneiden, hörte aber nur mehr seine Schritte. Unter den Bäumen war es finster. Dann kam ein Keuchen und Scharren von einem Gebüsch. Er schlich darauf zu. Die Gefangene lag am Boden. Trotz der Fesseln wehrte sie sich heftig. Die Bluse riss.

»Na warte, du Biest!«, verstand Jim. Lautlos trat er hinter den Bandit. Das Girl sah ihn. Ihr Zusammenzucken warnte den Breitschultrigen.

»Was, zum Teufel ...«

Er hielt Jim für einen Kumpan. Jim schlug zu. Der Mann rollte zur Seite.

»Liegenbleiben«, raunte Jim. Er spähte zum Camp. Feuerschein leuchtete zwischen den Büschen. Als er sich dem Girl zuwandte, hielt es keuchend den Revolver des Breitschultrigen.

»Bleib mir von der Wäsche, Mann!«

Im Dunkeln sah sie nur Jims Umrisse. Er schob den Colt in das Holster.

»Mein Name ist Jim Kelso. Die Pferde, die Jamisons Banditen raubten, gehören mir.«

»Ich will dich sehen, Mister, bevor ich dir traue.«

Der Revolverhahn knackte. Jim riskierte es und riss ein Schwefelholz an. Die Flamme beleuchtete auch die kleine Rothaarige. Jim schätzte sie auf zweiundzwanzig, zehn Jahre jünger als er selbst. Grüne Augen sprühten in dem von Sommersprossen übersäten hübschen Gesicht. Die üppige Figur wirkte durchtrainiert. Große, feste Brüste wölbten sich unter der zerrissenen Bluse.

»In Ordnung, Kelso. Dem Aussehen nach könnten Sie zwar gut zur Bande passen, aber die Hundesöhne kenn’ ich mittlerweile alle.«

»Danke für das Kompliment.«

»Ich bin Millie McLane. Die Schufte haben mich auf dem Trail nach Fort Larned geschnappt. Die fünf Stuten mit dem Circle-Cross-Brand im Corral gehören meinem Vater. Ich wollte sie den Blauröcken verkaufen. Pa steckt ziemlich in der Tinte, seit er nicht mehr aus dem Rollstuhl kommt. Onkel Jube begleitete mich. Die Jamison-Banditen ließen ihm keine Chance. Zur Hölle mit ihnen. Ich hoffe, Sie sind nicht allein, Kelso, sonst müssen wir die Gäule abschreiben.«

»Zwei Freunde warten.« Jim fesselte und knebelte den Bewusstlosen. »Wir dürfen keine Zeit verlieren. Seine Kumpane werden ihn bald vermissen. Trauen Sie sich zu, die Schurken abzulenken?«

»Ich kann reiten und schießen. Was soll’s sein?«

Die Dunkelheit verbarg Jims Grinsen.

»Beziehen Sie Stellung auf dem Hügel dort, Miss McLane! Unsere Pferde stehen dahinter. Zwei Gefangene sind bei ihnen. Wenn die ...«

»Ich heiße Millie.«

»In Ordnung, Millie. Wenn Sie ’nen Käuzchenruf hören ...« '

»Das Käuzchen sind Sie, stimmt’s?«

»Genau. Ich werde ...«

»Wenn nun tatsächlich eins schreit?«

»Nicht bei dem Lärm, den die Banditen machen.«

»Dann weiß auch Jamison sofort Bescheid. Da wir nun mal Partner sind, Kelso, mach’ ich Ihnen ’nen besseren Vorschlag. Sie holen jetzt schleunigst Ihre Freunde ...«

Am gegenüberliegenden Talrand gellte ein Alarmschrei, dann peitschte ein Gewehr. Das dumpfe Dröhnen eines Colts folgte. Doch ein Wachtposten, durchfuhr es Jim. Die Banditen sausten hoch.

»Deckung!«

Schüsse hämmerten, Blei fetzte die Lagerfeuer auseinander. Rauch umwogte die zu den Pferden rennenden Banditen.

»Kelso und der Mex!«, brüllte Jamison. »Lasst sie nicht entkommen! Stoneface, Dogfish, Drover, bewacht die Remuda!«

 

 

9

Ein glatzköpfiger Bandit warf Reisig auf die Glut. Flammen züngelten. Die Schüsse und das Hufgetrappel waren noch zu hören.

»Verdammt, wo bleibt Mike mit dem Girl?«

»Ich hol’ ihn.«

Der Bandit erstarrte.

Jim und Millie verharrten am Rand des Lichtkreises. Die Sechsschüsser glänzten. In Millies zerzaustem Haar schienen Funken zu sprühen. Sie stand genauso entschlossen da wie der schwarzhaarige Pferderancher.

»Waffen weg, Hände hoch!«, befahl Jim.

Die Kumpane des Glatzköpfigen zogen. Jeder schnellte dabei in eine andere Richtung. Ein Krachen toste durchs Tal. Pulverrauch umwallte Jim und das Girl. Bewusstlos stürzten die Banditen zu Boden. Jims 44er bedrohte den stämmigen Glatzkopf, der beide Hände vom Körper abspreizte.

»Ich bin nicht lebensmüde.«

»Dann schnall ab!«

Der Bandit gehorchte. Mechanisch kaute er seinen Priem. In der Ferne fielen wieder Schüsse. Besorgt zog Jim die Unterlippe zwischen die Zähne. Millie folgte ihm zum Feuer.

»Wir müssen fort, ehe sie zurückkommen.«

Der Glatzkopf spuckte Tabaksaft.

»Ihr könnt vielleicht eure Haut, aber nicht die Pferde retten.«

»Ich verschwinde nicht ohne Pas Stuten«, fauchte das Girl.

Hufe pochten. Zweige knackten. Millie fuhr herum und schoss sofort, als sie den Reiter unter den Bäumen sah. Im letzten Moment schlug Jim die Waffe hoch.

»Das ist Fletcher.«

Mit bleichem Gesicht ritt der junge Digger heran. Die Gefangenen gingen vor ihm. Ihre Pferde und Jims Hengst waren an Fletchers Sattel festgeleint. Verlegen schob Millie den Revolver in den Rockbund.

»Tut mir leid.«

»Mir würd’s auch leidtun, wenn die Bleibohne ’nen halben Yard tiefer geflogen wäre.« Fletcher gab Jim die Zügel des Rotbraunen. Er musste aufpassen, dass der Hengst nicht nach ihm schnappte.

»Mendez lockt die Bande auf die Prärie. Eine gute Gelegenheit, mit der Remuda abzuhauen, Mister Kelso.«

»Weit werdet ihr nicht kommen«, brummte der Glatzkopf.

Jim zerschnitt die Fesseln der Gefangenen.

»Wie heißt ihr?«

»Ich bin Red River Joe«, antwortete der Bärtige mißtrauisch. »Das ist Lefthand Smith.«

»Und du?«

»Dogfish.« Ein Tabaksaftstrahl spritzte Jim vor die Füße.

»Ihr wisst, dass euch der Strick droht.«

»Verflucht, es war Jamison, der den Mexikaner erschoss!«, stieß der Pockennarbige hervor. »Wir dachten, er würde ihn laufen lassen, nachdem wir die Gäule hatten.«

»Auch auf Pferdediebstahl steht hier draußen die Todesstrafe.«

»Willst du uns aufknüpfen?«

»Ich will euch klarmachen, was euch bevorsteht, wenn wir euch nach Simpsonville oder Fort Larned bringen. Doch ich zahl’ jedem dreitausend Bucks, wenn ihr die Remuda nach Colorado treibt.«

Joes Kinnlade klappte herab. Dogfish verschluckte fast den Priem. Auch Millie und der Digger sahen Jim ungläubig an.

»Willst du uns verschaukeln, Kelso?«, krächzte Lefthand Smith.

»Mit dreitausend Dollar könnt ihr in Kalifornien oder Mexiko ein neues Leben anfangen.«

»Ich würde keinem von diesen Kerlen auch nur ’ne Sekunde lang den Rücken zukehren«, schnappte Millie.

Dogfish kniff die Augen zusammen.

»Wo ist der Haken, Kelso?«

»Aufständische Utes belagern eine Gruppe Goldgräber im alten spanischen Fort in den Wolf Mountains. Fletcher gehört zu ihnen. Sie brauchen Pferde, nachdem sie bei dem Überfall der Utes die eigenen verloren. Sie zahlen tausend Dollar pro Tier.«

Millie hörte mit offenem Mund zu. Die Jamison-Banditen brauchten eine Weile, das Gehörte zu verarbeiten. Dann lachte Smith krächzend.

»Du hast dich an den Falschen gewandt, Fletcher. Jamison wird das Geschäft machen.«

Jim schwang sich auf den Hengst.

»Nehmen wir das mal an. Was springt dann für euch raus?«

Die Mienen verfinsterten sich. Die Banditen tauschten Blicke. Stöhnend kamen die Verwundeten zu sich. Sie waren nur leicht angekratzt, konnten sich gegenseitig helfen.

Dogfish massierte das Kinn.

»Welche Garantie bietest du?«

»Mein Wort.«

»Ich trau’ ihnen nicht«, warnte Fletcher.

»Ich bin mit den Circle-Cross-Pferden dabei«, verkündete Millie.

»Ich dachte, Sie wollten mit den Stuten nach Fort Larned?«

»Ich bin doch nicht bescheuert. Das Geld, das die Blauröcke für die Stuten blechen, reicht nur für ’nen Teil von Pas Schulden. Seine Krankheit hat ihn schwer reingerissen. Mit fünftausend Bucks wären wir aus der Patsche.«

»Wir werden Jamison und die Indianer am Hals haben.«

»Hab’ ich nicht gesagt, dass ich reiten und schießen kann? Wenn Sie mich loswerden wollen, kaufen Sie mir die Stuten für fünftausend ab. Sonst machen Sie sich mit dem Gedanken vertraut, dass wir Partner bleiben.« Mit funkelnden Augen stützte das Girl die Fäuste in die ausladenden Hüften. Dogfish grinste.

»Wenn du nicht fürchtest, dass dir irgendwann mein Messer zwischen den Rippen steckt, Kelso, reite ich auch mit.«

»Ich kann auf mich aufpassen.«

»Was ist mit euch, Amigos?«

»Wie ich Jamison kenne, wird der wieder mal den Löwenanteil kassieren und jeden von uns mit tausend Bucks abspeisen«, überlegte Red River Joe.

»Nicht für die doppelte Summe leg’ ich mich mit Jamison und den Rothäuten an«, giftete Smith.

»Dann mach’s gut, Lefthand.«

Achselzuckend ging Dogfish zu den Pferden. Joe schloss sich an. Gemeinsam mit Kelso, Fletcher und Millie bauten sie den Lassocorral ab und trieben die Remuda zum Talausgang.

»He, wartet, ich hab’s mir überlegt!«, rief Smith.

 

 

10

Paco wartete am Rand der Hügel auf die Verfolger. Der Mond tauchte die Ebene in bleiches Licht. Der Schatten einer Buschgruppe lag auf dem Mexikaner. Die Hufe grollten wie ein rasch heraufziehendes Gewitter. Der Mustang tänzelte. Paco war wie verwachsen mit ihm, die Zügel zwischen den Zähnen, den Colt in der linken, die Volcanic in der rechten Faust.

Als der Pulk vierzig Schritte vor ihm um den Hügel bog, hielt er einfach drauf.

Schreie gellten, Reiter und Pferde wälzten sich im Gras. Feuerstöße antworteten. Jamison schrie Befehle. Aufs Geratewohl jagte der hagere Mexikaner nochmals sein Blei in das Durcheinander. Dann warf er den Mustang herum und floh.

Erst nach einer Meile entdeckte er weit hinter sich eine Bewegung auf der silbrig schimmernden Fläche. Paco ritt nach Südosten. Der Mustang hinterließ eine deutliche Spur, aber die Verfolger blieben immer weiter zurück. Im Morgengrauen rastete Paco eine Stunde. Er lag auf dem Rücken, schlief aber nicht. Sein Gesicht wirkte versteinert. Der wilde Ritt hatte dem Schecken nicht viel ausgemacht. Bei Sonnenaufgang war er wieder fit.

Pacos Frühstück bestand aus einem Dörrfleischstreifen und einem Schluck aus der Sattelflasche. Er versorgte auch das Pferd. Als er aufstieg, sah er wieder die Verfolger. Sie waren nur mehr zu dritt, daumengroße Gestalten in der Weite des Büffelgrasmeers. Paco erkannte lediglich, dass sie langläufige Gewehre hielten. Seine Augen funkelten.

Jamison war mit dem Rest der Meute umgekehrt. Wenn er die drei Kerle und die Toten und Verwundeten abrechnete, blieb dem Anführer nur mehr eine Handvoll Reiter, Jim und Fletcher die Remuda wieder abzujagen. Der Mexikaner prüfte das Magazin seines Beutegewehrs. Es enthielt nur mehr zwei Schuss. Mit dem Colt besaß er gegen die weittragenden Rifles keine Chance.

Details

Seiten
123
Jahr
2020
ISBN (eBook)
9783738944778
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v931423
Schlagworte
kansas-remuda

Autor

Zurück

Titel: Die Kansas-Remuda