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Texas-Tom

©2020 123 Seiten

Zusammenfassung


Da es nicht mehr so viele Büffel zu töten gibt, um mit den Fellen das große Geld zu machen, spezialisiert sich Jeff Scrant mit seiner Bande darauf, den Cheyenne die Lebensgrundlage zu nehmen. Aber er ist auch scharf darauf, das Gold in seine Hände zu bekommen, das Stonehand dem Rancher Lorrimer als Bezahlung für eine Herde Rinder gab.
Bei dem Handel mit dem Chief und Lorrimer kommt es jedoch zu einem Zwischenfall, den Roy, der Ranchersohn, heraufbeschwört. Sein Vater ist nun eine Geisel der Indianer – und das solange, bis Tom Jayson, der Vormann der Lorrimer Ranch, die Rinderherde zu den Cheyenne getrieben hat ...

Leseprobe

Table of Contents

Texas-Tom

Copyright

Die Hauptpersonen des Romans:

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Texas-Tom

Western von John F. Beck

 

Der Umfang dieses Buchs entspricht 123 Taschenbuchseiten.

 

Da es nicht mehr so viele Büffel zu töten gibt, um mit den Fellen das große Geld zu machen, spezialisiert sich Jeff Scrant mit seiner Bande darauf, den Cheyenne die Lebensgrundlage zu nehmen. Aber er ist auch scharf darauf, das Gold in seine Hände zu bekommen, das Stonehand dem Rancher Lorrimer als Bezahlung für eine Herde Rinder gab.

Bei dem Handel mit dem Chief und Lorrimer kommt es jedoch zu einem Zwischenfall, den Roy, der Ranchersohn, heraufbeschwört. Sein Vater ist nun eine Geisel der Indianer – und das solange, bis Tom Jayson, der Vormann der Lorrimer Ranch, die Rinderherde zu den Cheyenne getrieben hat ...

 

 

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books, Alfred Bekker, Alfred Bekker präsentiert, Casssiopeia-XXX-press, Alfredbooks, Uksak Sonder-Edition, Cassiopeiapress Extra Edition, Cassiopeiapress/AlfredBooks und BEKKERpublishing sind Imprints von

Alfred Bekker

© Roman by Author

© Cover Firuz Askin

© dieser Ausgabe 2020 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

Alle Rechte vorbehalten.

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Die Hauptpersonen des Romans:

Jeff Scrant - führt die Büffeltöter gegen die Cheyenne.

Roy Lorrimer - profiliert sich als Indianerfresser und Leuteschinder.

Red Wolf - hält nichts von einem Kuhhandel mit den Weißaugen.

Janice Fleming alias Morning Cloud - betrachtet die Cheyenne als ihr Volk.

Texas-Tom Jayson - bringt die rettende Herde auf Trab.

 

 

1

Die Gewehre waren heißgeschossen. Immer mehr tote Büffel trieben im Fluss. Eine Flut schwarzbrauner, zottiger Leiber wälzte sich von Norden zur Niobrara-River-Furt.

Die Männer auf der grasbewachsenen Anhöhe feuerten verbissen. An der nahen Biegung standen die Wagen der Abhäuter. Die Sandbank lag voller dampfender Kadaver. Der Anführer der Büffelschlächter spürte eine derbe Hand am Arm.

»Da sind sie, Jeff!«

Acht federgeschmückte Reiter hielten auf einem langgestreckten Kamm. Die bronzefarbenen Oberkörper glänzten in der Sonne.

Scrant spuckte aus.

»Schießt weiter, bis die verdammte Herde abdreht. Lasst keinen Büffel ins Cheyennegebiet!«

Das Dröhnen der Gewehre hallte übers Land. Ein Krieger ritt den Hang herab. An seiner Lanze war ein weißes Tuch befestigt. Ansonsten hing nur ein Messer an seinem Gurt. Der Mann neben Scrant lachte.

»Sie schicken ’nen Unterhändler. Feiges Pack!«

»Rankin, Webb, ihr begleitet mich.«

Scrant stiefelte zu seinem Pferd, ein stämmiger Mann mit buschigen blonden Koteletten. Kalte Augen, eine leicht gebogene Nase und ein übers Kinn hängender blonder Schnurrbart beherrschten das kantige Gesicht.

Die drei Büffeltöter erwarteten den Indianer am Fuß der Anhöhe. Jeder hielt die Winchester quer über dem Sattel. Es war ein junger, kräftiger Krieger. Eine Adlerfeder steckte in dem zu Zöpfen geflochtenen Haar. Zehn Schritte vor den Weißen hielt er.

»Was willst du?«, lauerte Scrant.

»Mein Stamm hungert. Ihr schlachtet die Büffel, von denen wir leben, für die Bussarde und Kojoten. Stonehand, der Häuptling, befiehlt: Verlasst das Land!«

Der blonde Büffeljäger-Boss grinste.

»Nicht, bevor wir die letzten Büffel abgeknallt haben. Wenn die Army euch nicht aus den Breaks treiben konnte, dann tun wir’s.«

»Die Krieger vom Blauschlangen-Clan werden kämpfen.«

»Auch gut. Dann fang mal gleich an.«

Scrant hob die Winchester. Das Grinsen lag wie eingefroren auf seinem Gesicht. Der junge Cheyenne packte die Lanze fester. Ein kehliger Ruf schallte vom Kamm. Da wendete er.

»Legt ihn um!«

 

 

2

Die Sonne trocknete die Wassertropfen auf dem geschmeidigen Körper der jungen Frau. Sie besaß feste Brüste, eine schmale Taille und kräftige Schenkel. Das lange, blonde Haar klebte am Kopf. Blaugraue Augen, Sommersprossen und ein sinnlicher Mund verliehen dem Gesicht einen herben Reiz. Während sie in das fransenverzierte Lederkleid schlüpfte und die mit Glasperlen bestickten Mokassins anzog, summte sie ein indianisches Lied. Weidenbäume und -büsche säumten den kleinen See. Blauer Himmel spiegelte sich in ihm. Die Kämme der Niobrara Breaks umschlossen das Tal. Vögel jubilierten.

Janice Fleming, die bei den Cheyennes Morning Cloud hieß, setzte sich auf einen Stein am Ufer und flocht Zöpfe.

Plötzlich, ohne dass ein Geräusch sie warnte, fühlte sie sich beobachtet. Langsam wandte sie sich um. Nur zwanzig Schritte entfernt verharrte ein Reiter unter einer Trauerweide.

Die Squaw sprang auf. Mit einem Zungenschnalzen lenkte der hochgewachsene Cheyenne das Pferd auf sie zu. Zwei Adlerfedern waren über dem linken Ohr befestigt. Die Spitzen berührten die bronzefarbene Schulter. Röte übergoss Janice’ Gesicht.

»Wie lange bist du schon hier, Red Wolf?«

»Lange genug, um zu erkennen, wie schön du bist.« Die Augen des Kriegers funkelten. Geschmeidig saß er ab. Seine Rechte umfasste Janice’ Handgelenk. »Bald wirst du in meinem Tipi leben.«

»Niemals.«

»Stonehand wird das entscheiden. Ich biete ihm einen guten Preis. Vergiss nicht, dass du eine Cheyenne bist.«

»Die Adoptivtochter des Häuptlings.«

»Wenn Stonehand sich nicht bald für den Kampf entscheidet, werde ich die Krieger der Blauschlangen führen.«

»Noch ist es nicht soweit.«

Hufe stampften. Ein weiterer Reiter löste sich aus dem Schatten. Er war ebenso groß und kräftig wie Red Wolf, aber wesentlich älter. Graue Strähnen durchzogen das dichte, schwarze Haar. Er trug einen hell gegerbten, mit Fransen und Stickereien verzierten Lederanzug. Ein zweites Sattelpferd stampfte neben ihm. Es war mit Deckenbündeln, Lederbeuteln und Wasserflaschen bepackt.

»Stonehand!«, rief Janice.

Red Wolf und der Chief starrten einander an. Dann nahm der Jüngere wieder die Zügel.

»Seit der Schneeschmelze kam kein Büffel in die Breaks. Es gibt kaum noch Wild. Die Krieger wollen lieber kämpfen, statt verhungern, bevor der Winter kommt.«

»Die Langmesser warten darauf.«

»Kein Blauschlangenkrieger fürchtet den Tod.«

»Wer sorgt dann für die Alten, Kinder und Squaws?«

»Wer sorgt jetzt für sie?«

Mit einem Satz landete Red Wolf auf dem Mustang. Der Sattel besaß keine Steigbügel. Im Galopp sprengte er unter den Uferbäumen davon.

Stonehands breitflächiges Gesicht blieb unbewegt. Er gab der jungen Frau die Zügel.

»Es ist an der Zeit, dass du zu deinem Volk zurückkehrst, Morning Cloud.«

»Mein Volk sind die Cheyenne.«

Bitterkeit schwang in Stonehands Stimme.

»Red Wolfs Worte sind wahr. Die Tage des Blauschlangen-Clans sind gezählt. Die weißen Büffeltöter schlachten die letzten Herden. Wenn wir vor dem Winter kein Fleisch bekommen, müssen wir kämpfen. Es wird unser Untergang sein. Ich will nicht, dass auch du stirbst. Zwar ist dein Herz rot, deine Haut aber weiß. - Nimm dies! Es wird dir helfen, in die Welt zurückzukehren, aus der du gekommen bist.«

Janice nahm den Lederbeutel und öffnete ihn. Ihre Hände zitterten leicht.

»Gold ...«

»Es stammt aus den Black Hills, als diese noch den Sioux und Cheyennes gehörten. Ich wollte damals Waffen kaufen. Nun sind wir noch nur eine Handvoll Krieger und brauchen keine mehr.«

»Keine Waffen, Vater!«, rief Janice. »Fleisch! Eine ganze Rinderherde, wenn du noch mehr Nuggets besitzt. Wir werden den Blauschlangen-Clan retten - ohne Krieg!«

 

 

3

Tom Jayson nahm die Zügel kurz. Die hitzegesättigte Stille um ihn verdichtete sich. Seine Kopfhaut kribbelte.

Es war Jahre her, dass er auf dem Land der Lorrimer Ranch die Spur von Indianern fand. Doch die Abdrücke am halb ausgetrockneten Creek stammten zweifellos von unbeschlagenen Hufen. Sie stießen zur Fährte des entlaufenen Rinderrudels, auf der der Vormann ritt.

Tom zog die siebenschüssige Spencer aus dem Scabbard, ehe er den Falben am yardbreiten Rinnsal weitertrieb. Nur das Stampfen der Hufe und das Knarren des Sattelleders begleiteten ihn. Kein Lufthauch bewegte die Sträucher an der Böschung.

Lorrimers Vormann war ein hagerer Mann schwer bestimmbaren Alters. Er mochte Mitte Dreißig, aber auch zehn Jahre älter sein. Sandfarbene Strähnen lugten unter dem Stetson hervor. Das knochige Gesicht war wettergebeizt. Er trug einfache Reitertracht. Am Gürtel hingen Colt und Bowieknife. Texas-Tom nannten ihn die Cowboys. Es war allerdings schon zehn Jahre her, seit er Texas verließ.

Dave Lorrimer hatte damals eine Herde Longhorns aus dem Süden geholt. Die Rinder hatten sich seitdem auf der Weide am Loup River in Nebraska prächtig vermehrt. Nach dem letzten großen Indianerkrieg strömten zwar immer mehr Siedler über den Big Muddy, aber sie ließen sich hauptsächlich entlang der Eisenbahnlinie nieder. Die Prärie nördlich und westlich der Lorrimer Ranch war bis hinauf zum Niobrara River offenes Land.

Das Creekbett verengte sich. Steil ragte die Böschung neben dem Reiter empor. Der Rabbit Creek plätscherte über mehrfarbige Kiesel. Grasbüschel wuchsen auf dem Sandstreifen daneben. Die Ränder der Trittsiegel wirkten wie gestanzt.

Tom schätzte, dass die Fährte noch keine halbe Stunde alt war. An der Biegung hielt er. Ein zorniges Brüllen ertönte vor ihm. Es war unverkennbar das Röhren von Old Broken Horn, der bei den Lorrimer-Cowboys als gefährlicher Einzelgänger galt.

Tom spannte sich. Da rollten hinter ihm mehrere Steine die Böschung herab. Tom fuhr herum. Die Sträucher an der Kante schwankten. Ein Gewehrlauf blinkte. Da stürmte der Longhornbulle mit gesenktem Schädel aus der Biegung. Das rechte, dolchspitze Horn zeigte auf den Reiter. Das linke war abgebrochen, der schartige Stumpf endete im halben Bogen. Tom riss den Falben zur Seite. Die Hufe rutschten ab. Der Texaner brachte noch die Füße aus den Bügeln. Beim Aufprall verlor er das Gewehr. Brüllend fegte Old Broken Horn vorbei.

Der Falbe wälzte sich im Creek. Tom wollte aufspringen, aber sein rechter Stiefelabsatz war zwischen den Steinen festgeklemmt.

Der Bulle wendete und stürmte, den Schädel knapp überm Kies- und Sandboden, wieder auf ihn los. Toms Rechte zuckte zum Holster. Leer. Der Sechsschüsser lag seitlich von ihm.

Da sauste ein Schatten von der Creekbettkante.

Dann traute Texas-Tom Jayson seinen Augen nicht: Eine kräftige, bronzehäutige Gestalt hing auf dem Rücken des Bullen, umklammerte mit einer Hand den Hornstumpf und stieß dem massigen Tier, weit nach vorn gebeugt, das breitklingige Bowiemesser ins Herz. Röhrend brach Old Broken Horn zusammen.

Der Indianer kam katzenhaft auf die Füße, knappe drei Schritte vor Tom. Seine Zähne blitzten. Das blutbesudelte Messer lag fest in seiner Faust.

»Heho, Bleichgesicht!«

»Heho!«, keuchend befreite Tom den Fuß und streckte die Hand nach dem 44er aus. Ein Pfeil bohrte sich daneben in den Sand. Toms Blick schnellte zur Kante.

Drei mit Leggings, Lendenschurz und Mokassins bekleidete Reiter hoben sich vor dem wolkenlosen Nebraska-Himmel ab. Der Krieger mit der Büffelhornhaube hatte das Pferd des Bullentöters am eigenen Sattel festgeleint. Er zielte mit dem Gewehr auf Texas-Tom. Die Gefährten waren mit Pfeil und Bogen bewaffnet. Jeder trug eine Adlerfeder im zu Zöpfen geflochtenen Haar.

»Ich bin Red Wolf vom Blauschlangen-Clan der Cheyenne.«

Herausfordernd setzte der Indianer einen Fuß auf Toms Gewehr. Der Vormann stand auf. Der Stetson hing an der Windschnur auf seinem Rücken.

»Du hast mir das Leben gerettet.«

»Ich hab Fleisch für meine Gefährten besorgt.« Der Krieger deutete mit dem Messer auf den halb im Wasser liegenden Stier. »Ich tötete ihn, damit er nicht entkam.«

»Er gehört euch.«

»Ein Cheyenne nimmt sich, was er braucht.«

Red Wolf hob das Spencergewehr auf. Er ließ den Texaner dabei nicht aus den Augen. Dann trat er zwei Schritte zurück und ergriff die Zügel von Toms Hengst, der unverletzt auf die Beine gekommen war. Die Pfeilspitzen und das Gewehr der Reiter auf der Böschung bewegten sich mit, als Tom sich nach dem Colt bückte. Furchtlos ging er auf Red Wolf zu.

»Ihr könnt den Stier haben, auch die übrigen Rinder, die ihr im Arroyo findet, aber nicht mein Pferd und Gewehr.«

Die Reiter duckten sich. Drohrufe erklangen. Der Sechsschüsser berührte Red Wolf fast. Eine Mischung aus Wut und Respekt brannte in den Augen des Indianers, als Tom ihm Gewehr und Zügel abnahm.

Dann schob Tom die Spencer ins Sattelfutteral, zog sich auf den Falben und ritt, ohne sich umzuschauen, am Rabbit Creek davon.

 

 

4

Das Krachen der Schüsse lockte Texas-Tom auf die nächste Bodenwelle. So weit der Blick reichte, dehnte sich ein Meer aus Gras. In der Ferne glitzerte das Band des Loup River. Der Rabbit Creek lag zehn Meilen hinter Tom. Alles Land ringsum gehörte Dave Lorrimer.

Wieder krachten die Gewehre. Hufe trommelten. Dann fegte ein Planwagen aus einer Senke. Vier stämmige Braune zogen ihn. Eine blonde Frau schwang die Peitsche. Mit dem hochgeschlossenen hellen Kleid und der nach hinten gerutschten Schutenhaube sah sie wie eine Siedlersfrau aus. Der Wagen jagte Richtung Ranch.

Tom erwartete nach seiner Begegnung am Rabbit Creek, dass ein Indianertrupp das Fahrzeug verfolgte. Die fünf Reiter, die auf der Spur des schwankenden Gefährts aus der Senke preschten, waren jedoch Weiße. Ihre Mäntel und Jacken flatterten. Der Reitwind verbog die Krempen der breitrandigen Hüte. Mündungsfeuer glühten. Dann verschwand das Fahrzeug hinter einem grasbewachsenen Kamm.

Das Bild der peitschenschwingenden Frau blieb vor Toms Augen.

Die Spencer lag wieder in seinen lassonarbigen Händen, als er die Bodenwelle verließ. Der Falbe war noch gut in Form. Geschmeidig passte der Texaner sich dem Rhythmus der Hufe an. Im spitzen Winkel zur Fluchtrichtung des Prärieschoners galoppierte er über die deckungslose Fläche. Inzwischen ritten auch die Verfolger hinter dem Kamm. Als Tom sie wiedersah, stand das Fahrzeug.

Das rechte Vorderrad war in eine vom Präriegras verborgene Rinne gesackt. Vergeblich stemmten die Pferde sich in die Sielen.

Die Frau kletterte vom Bock. Sie hielt jetzt ein langläufiges Gewehr. Die Haube lag im Gras. Weizenfarbene Strähnen umgaben das Gesicht.

Schießend brausten die Angreifer heran. Kugellöcher klafften in der Plane. Die Blonde duckte sich hinter dem Fahrzeug, schoss, traf aber nicht.

Grimmig presste Tom die Lippen zusammen. Der Falbe schien über den Grasteppich dahinzufliegen. Die Verfolger bemerkten ihn erst, als Tom nur mehr fünfzig Yard seitlich vom Wagen war.

Die Spencer krachte. Das Pferd eines Verfolgers knickte ein. Fluchend riss der Reiter die Füße aus den Bügeln. Schon hob es ihn aus. Der Kolben der Spencer lag an Toms Schulter. Die Zügel waren ums linke Handgelenk gewickelt. Der Kinnriemen hielt den Stetson. Ein Stakkato von Schüssen zwang die Angreifer zurück?

Überrascht ließ die Frau das Gewehr sinken. Tom schätzte sie auf fünfundzwanzig. Sommersprossen sprenkelten das erhitzte Gesicht. Die vollen Lippen waren leicht geöffnet. Die runden Brüste hoben und senkten sich unter dem grobfaserigen Kleid.

Tom brachte den Hengst zum Stehen. Rasch füllte er Patronen ins Röhrenmagazin.

»Steigen Sie hinter mir auf! Ich bring Sie weg.«

»Wer sind Sie?«

»Tom Jayson, der Vormann der Lorrimer Ranch.«

»Ich heiße Janice Fleming. Wie weit ist es noch zur Ranch?«

»Acht Meilen. Kommen Sie! Die Kerle versuchen es gleich wieder.«

»Ich bin nicht allein.«

Tom senkte das wieder zum Schuss erhobene Gewehr. Die Gegner sprachen miteinander. Der Gestürzte zog sich hinter einem Kumpan aufs Pferd. Der Wagen ragte zwischen Tom, der Frau und ihnen empor. Misstrauisch zog der Vormann die Plane. Er blickte in ein maskenstarres, dunkles Gesicht. Ein Gewehr drohte. Der breitschultrige Indianer ruhte auf einem Gras- und Deckenlager. Ein Verband umgab den Oberkörper. Die Augen glühten. Tom schluckte, dann ließ er die Plane wieder los.

»Scrants Killer reiten seit zwei Tagen auf unserer Spur«, hörte er die noch halb atemlose Stimme der Blonden. »Sie überraschten uns am North Loup. Stonehands Verletzung ist zwar nicht lebensgefährlich, aber er hat viel Blut verloren.«

»Steckt die Kugel?«

»Durchschuss unter der linken Schulter.«

»Wer ist Scrant?«

»Der Anführer einer üblen Horde Büffeljäger. Sie wollen Stonehands Stamm zwingen, die Niobrara Breaks zu verlassen. Deshalb schießen sie die letzten Büffelherden ab, die von Kanada und Dakota herüber wandern. Ohne die Büffel gibt’s kein Überleben für die Cheyenne. In den Breaks konnten sie sich bisher dem Zugriff der Army entziehen. Freiwillig wollen sie nicht ins Reservat. Doch ein Kampf ist ihr Untergang. Es sind nur mehr sechzig Krieger, dazu zweihundert Squaws, Kinder und Alte. Scrant will ihren Tod.«

Tom spähte am Wagen vorbei, ehe er sich wieder der jungen Frau zuwandte.

»Sie reden, als gehören Sie zu ihnen.«

»Ich wurde von Stonehand adoptiert, als ich zwölf Jahre alt war. Meine Eltern starben auf dem Trail nach Oregon. Ogellala-Sioux überfielen uns. Ich wurde entführt und an die Blauschlangen-Cheyenne verkauft. Es war eine schlimme Zeit - bis Stonehand sich meiner annahm. Nie hab ich aufgehört, wie eine Weiße zu denken. Trotzdem fühl ich mich seit langem den Indianern zugehörig. Sie nennen mich Morning Cloud.«

»Weshalb habt ihr die Breaks verlassen?«

»Wir brauchen Fleisch für den Winter. Stonehands Späher berichteten, dass mehrere tausend Rinder auf Lorrimers Weide stehen - ehemaligem Cheyenneland.« Janice schüttelte den Kopf, als der Texaner sich spannte. »Das war eine Feststellung, keine Drohung. Wir wollen ...«

Ein Schuss krachte. Die Kugel traf den Planwagen.

»He, Kuhtreiber, lass dich von der blonden Hexe nicht einwickeln!« Lauernd kamen die Reiter bis auf halbe Gewehrschussweite. »Wenn du klug bist, verdienst du dir das Kopfgeld, das die Army für Stonehand ausschrieb.«

Mit der Spencer auf dem Oberschenkel ritt Tom aus der Deckung.

»Verschwindet! Ihr befindet euch auf Lorrimer-Land. Ich bin der Vormann. Stonehand und seine Tochter stehen unter meinem Schutz.«

 

 

5

Die fünf Reiter hatten den Wagen eingekreist, hielten aber einen Abstand von achtzig Yard. Tom brachte das Fahrzeug aus der Rinne, indem er die Pferde ans Heck spannte. Die Büffeljäger lauerten.

Tom fiel auf, dass sie nicht die üblichen schwerkalibrigen und weittragenden Büffelflinten, sondern Winchestergewehre besaßen. Dann leinte der Vormann den Falben fest und übernahm Zügel und Peitsche.

Janice saß, die Springfield Rifle zwischen den Knien, neben ihm. Reglos ruhte der Verwundete unter der Plane. Beim ersten Peitschenknall preschten die Büffeljäger los. Sie überholten den Prärieschoner und versperrten ihm zwischen schilfumstandenen Tümpeln den Weg. Der von Huf- und Radspuren markierte Trail zur Ranch verlief dort. Gleichmäßig rollte der Wagen auf sie zu.

»Welcher von den Kerlen ist Scrant?«

»Er ist nicht dabei. Seine Crew besteht aus etwa fünfzehn Mann. Keine Ahnung, wo die übrigen stecken.«

Die Reiter warteten nebeneinander, die Gewehre lässig über den Sätteln. Toms Spencer hing am Falben. Das Holster mit dem 44er lag zwar auf Toms Oberschenkel, aber er musste erst die Peitsche fallen lassen, wenn er ziehen wollte. Ein Seitenblick zeigte ihm Janice’ Profil. Er konnte sie sich, jetzt, da er sie aus der Nähe sah, gut auf einem Indianermustang vorstellen.

Wenige Yards vor den Büffeljägern hielt er. Der Zottelhaarige mit dem Kinnbart und dem vom offenen Staubmantel war der Anführer. Die Sonne vergoldete die Messingteile seiner Winchester. Außerdem besaß er zwei schwere Sechsschüsser. Die Kolben ragten nach vorn. Patronengurte kreuzten den Oberkörper. Raubvogelaugen musterten Tom. Dann verzog ein Grinsen das hagere Gesicht.

»Schön, dass du vernünftig bist, Kuhtreiber. Damit hast du gute Aussichten, alt zu werden. Wär auch gelacht, wenn du für die verdammte Rothaut und die Squaw den Skalp riskiertest.«

»Das Risiko liegt bei euch.«

Das Grinsen des Zottelhaarigen schwand.

»Ich hab dich wohl nicht richtig verstanden, Kuhtreiber.«

»Mein Name ist Tom Jayson. Wer von euch den ersten Schuss abfeuert, ist ein toter Mann.«

»Ein Verrückter!«, knurrte der Stiernackige neben dem Anführer.

Der grinste wieder verkniffen.

»Du hast, scheint mir, ein Talent für dumme Witze, Kuhtreiber.«

»Dann pass auf, dass du dich nicht totlachst, wenn Stonehand schießt.« Tom rückte zur Seite, so dass die Büffeljäger die Gewehrmündung im Spalt der Plane sahen. Es war nicht erkennbar, dass die Waffe mit Lederschnüren festgebunden war. »Einen erwisch ich. Miss Janice ist auch noch mit von der Partie.«

Die Kerle schwiegen. Für einige Sekunden war das Klirren der Gebissketten, als die Pferde die Köpfe bewegten, das einzige Geräusch. Dann trieb der Zottelhaarige den Schecken zum Wagen. Die Winchester deutete auf Texas-Toms Brust.

»Blade hat recht, Kuhtreiber. Du bist verrückt, wenn du glaubst, dass ihr damit durchkommt.«

»Dann bin ich eben verrückt.«

»Du bluffst nur.«

»Worauf wartest du dann?«

Im Gesicht des Zottelhaarigen arbeitete es.

»Was haben die beiden dir versprochen, damit du ihnen hilfst?«

»Ich brauch keine Bezahlung.«

»Dann bist du noch dümmer, als ich dachte.« Der Anführer spuckte aus. »Ist dir eigentlich klar, dass du nichts weiter als ’ne läppische Frist gewinnst?«

»Wenn ich euch Waffen und Pferde ließe, hättest du recht.«

Toms Rechte zuckte. Die Peitschenschnur riss dem Zottelkopf das Gewehr aus der Hand. Der Fluch blieb dem Kerl im Hals stecken, als einen Augenblick später Toms Colt auf ihn zielte.

»Weg mit den Bleispritzen!«

Der Büffeljäger, der hinter dem Stiernackigen auf dem Pferd saß, stieß die Winchester nach vorn.

Toms Colt krachte, ein Schrei antwortete. Das Gewehr wirbelte weg. Ächzend presste der Büffeltöter die Hand auf die Streifwunde am Arm. Gleichzeitig hob Janice die Springfield.

»Wir haben Blei für euch alle!«, drohte Tom. Da landeten auch die übrigen Gewehre im Gras. Zähneknirschend schnallten die Reiter danach die Revolvergurte ab. Toms Sechsschüsser zielte abwechselnd auf jeden von ihnen. »Steigt ab!«

Sie gehorchten.

Der Anführer zischte: »Das bereust du, Kuhtreiber! Nächstes Mal ziehen wir dir das Fell ab!«

»Ihr könnt’s gern versuchen.«

 

 

6

Lorrimer vergaß den Drink, den er hielt. Die Nuggets auf dem Wohnzimmertisch bannten ihn. Ein Sonnenstrahl traf sie. Schweigend schüttete Janice den Inhalt des fünften Lederbeutels dazu. Im Ranchhaus war es still. Nur die Standuhr tickte. Schweißperlen glänzten auf Lorrimers Stirn. Die Stimme der jungen Frau klang kehlig.

»Das ist alles Gold, das die Cheyenne besitzen. Wir kaufen tausend Longhorns dafür.«

Der Blick des Ranchers glitt zu Stonehand, der aufrecht im Sessel saß. Die Verletzung war ihm nicht anzumerken. Das mit Fransen und Stickereien verzierte Lederhemd verdeckte den Verband. Der Chief trug keinen Federschmuck. Tiefe Runen furchten das Bronzegesicht.

Tom stand mit einem Drink am Kamin. Gläser funkelten auch vor Stonehand und Janice, aber sie rührten sie nicht an. Lorrimer stellte seines ab und erhob sich. Mit wuchtigen Schritten ging er zum Fenster. Reglos starrte er hinaus.

Die Luft über den Gebäuden flimmerte. Mit hängenden Köpfen standen die Pferde unter dem strohgedeckten Schutzdach. Ringsum dehnte sich baum- und strauchlose Prärie. In der Ferne weideten Rinder.

Ruckartig drehte der untersetzte, grauhaarige Rancher sich um. Ein buschiger grauer Schnurrbart betonte die kantigen Gesichtszüge. Zum hellbraunen Cordanzug trug er ein schwarzes Hemd mit beiger Kragenschleife und hochschäftige Stiefel.

»Meine beiden ältesten Söhne starben mit Custers Siebenter Kavallerie am Little Bighorn. Verdammt will ich sein, wenn ich der Army in den Rücken falle.«

»Stonehands Stamm besteht zum größten Teil aus Squaws, Kindern und Alten, die weder für die Soldaten noch sonst jemanden eine Gefahr bedeuten«, erwiderte Janice.

»Wenn sie kein Jagdwild mehr finden, brauchen sie doch nur ins Reservat umzusiedeln.«

»Sie kennen die Zustände dort nicht, Lorrimer.« Die Stimme der Frau klang bitter. »Außerdem sind die Niobrara Breaks für die Cheyenne heiliges Land, ähnlich wie die Black Hills für die Sioux. Kampflos werden sie es nicht verlassen.«

»Also doch!« Lorrimers Augen funkelten. »Wie friedlich sind diese Rothäute eigentlich, für die Sie sich so einsetzen?«

»Wie friedlich wären Sie, wenn Ihre Familie verhungern müsste, weil man Ihre Rinder abknallt und Sie zwingt, sich auf Ihrer Ranch zu verschanzen?«

»Das ist kein Vergleich.« Lorrimer kehrte an den Tisch zurück und trank den Whisky. »Sie verschwenden Ihre Zeit, Miss Fleming. Ich schließe keinen Handel mit Rothäuten, gleich von welchem Stamm. Nehmen Sie das Gold wieder mit!«

Janice erhob sich. Ihr hübsches Gesicht war ausdruckslos.

»Wie lange steht Ihre Ranch schon, Lorrimer? Zehn Jahre, wenn ich richtig informiert bin, stimmt’s? Das Loup-River-Land war damals noch Cheyennegebiet. Haben Sie sich nie gewundert, dass die Indianer Sie in Ruhe ließen?«

»Genug!« Stonehand winkte ab. »Wir sind gekommen, Rinder zu kaufen, wir betteln nicht.«

Janice wollte ihm aufhelfen, da stieß Tom sich vom Kamin ab.

»Wartet noch! Boss, vielleicht sollten Sie wissen ...«

Hufgetrappel unterbrach ihn. Ein Reiterpulk stob auf die Ranch, Lorrimer-Cowboys. Staub umwogte sie. Pferde wieherten, Rufe schallten. Gleich darauf betrat Roy Lorrimer sporenklirrend das Haus. Der drahtige, dunkelhaarige Ranchersohn besaß bernsteinfarbene Augen. Das schmale Gesicht war erhitzt. Der Colt hing tief am rechten Oberschenkel. Das Holster war mit zusätzlichen Riemen festgebunden. Roys Zähne blitzten.

»Hallo! Ich ahnte nicht, dass du so hübschen Besuch hast, Pa. Ma’am, es ist lange her, dass sich ’ne Lady zu uns verirrte. Ich bin Roy Lorrimer. Mein ...« Da sah er Stonehand. Mit der Hand am Sechsschüsser fuhr er zurück. »Was will die Rothaut hier?«

»Keine Dummheiten!«, befahl Lorrimer. »Stonehand und Miss Fleming waren eben im Begriff, die Ranch zu verlassen. Ich bin kein Indianerfreund. Doch niemand wird mir nachsagen, dass ich mich nicht ans Gastrecht halte.«

»Keiner von den roten Teufeln, die Dan und Cliff am Little Bighorn skalpierten, hat Anspruch darauf.«

Der Chief stemmte sich hoch. Seine Rechte umschloss den Knauf des breitklingigen Messers, seiner einzigen Waffe. Das Gewehr lag auf dem Planwagen, der vor dem Ranchhaus stand. Auch Janice war unbewaffnet. Rasch umrundete der Vormann den Tisch.

»Ich hab sie hergebracht.«

»Wozu?«

»Sie wollten Rinder für das Gold«, berichtete der Rancher.

Roy sah die Nuggets. Er lachte rissig.

»Hoffentlich hast du ihnen gesagt, sie sollen sich damit zum Teufel scheren! Das Ganze ist nur ein fauler Trick, Pa. Sie wären garantiert mit dem Gold und den Rindern verschwunden.«

Janice’ Augen flammten.

»Mein Vater ist ein Häuptling, kein Betrüger und Rinderdieb.«

»Wie können Sie den Kerl Ihren Vater nennen?! Sie sind, verdammt noch mal, so weiß wie ich!«

»Ich bin stolz darauf, dass ich zu den Cheyenne gehöre.«

»Nicht zu fassen!«

»Lass sie gehen, Roy!«

»Vielleicht interessiert's dich, Pa, dass wir vier von den Hundesöhnen am Rabbit Creek erwischten, nachdem sie einen unserer Stiere schlachteten, Old Broken Horn. Außerdem fingen sie drei Kühe. Wenn wir da draußen ’nen Baum gefunden hätten, würden sie bereits baumeln. Doch das lässt sich nachholen.«

Janice hastete zum Fenster.

»Red Wolf!«, keuchte sie. Dann blickte auch Tom hinaus. Der Staub beim Corral verzog sich. Gefesselt standen die vier Indianer am Zaun. Colts bedrohten sie. Die Cowboys waren abgesessen. Die Pferde warteten mit schleifenden Zügeln in der prallen Hitze. Furchtlos hielten die Krieger die Köpfe erhoben. Ihre Waffen hingen an den Mustangs.

»Wie viele von deinen Leuten sind noch auf unserm Land?«, fuhr Roy den Chief an. »Spuck’s aus!«

»Wir wussten nicht, dass Red Wolf und die Krieger uns folgten«, antwortete Janice an Stonehands Stelle. »Wir bezahlen den Stier.«

»Er ist bereits bezahlt.« Tom trat neben sie. »Der Bulle hätte mich ohne Red Wolfs Eingreifen getötet. Ich überließ ihn und das übrige Rudel den Cheyenne.«

»Dazu hattest du kein Recht.«

»Ich denke, mein Leben ist dem Boss einige Rinder wert. Wenn nicht, ersetz ich sie vom nächsten Lohn.«

»Darum geht’s nicht!«, schnappte Roy. »Mir passt es schon lange nicht, Jayson, dass du dich aufspielst, als gehörte die Ranch dir.«

»Ohne Tom hätt ich’s nicht geschafft, sie aufzubauen«, mischte Lorrimer sich ein. »Ich will keinen Streit zwischen dir und ihm, nicht wegen ’ner Bande Cheyenne.«

»Wo bleibst du, Roy?«, tönte es auf dem Hof. »Ist der Boss nicht da? Was fangen wir mit den Halunken an?«

»Schick sie fort!«

Roy zog die Unterlippe zwischen die Zähne, dann schüttelte er den Kopf.

»Nein, Pa! Ich hab bisher immer getan, was du wolltest - diesmal nicht. Die Army ist hinter den Schuften her. Jeder bewaffnete Indianer außerhalb des Reservats gilt als vogelfrei. Bestimmt waren die Kerle am Little Bighorn dabei.«

»Wenn die Cheyenne uns angreifen, kämpfen wir. Doch ich dulde keine Lynchpartie.«

»Dann bring ich die Burschen mit nach Fort McPherson.« Als Tom zur Tür wollte, zog er. »Hast du vielleicht was dagegen, Jayson?«

»Allerdings.«

Roy grinste verkniffen.

»Du bist Texaner und magst nach dem verlorenen Krieg die Blauröcke nicht. Mich wundert’s trotzdem, dass du zu den Rothäuten hältst. Wieviel Gold hast du kassiert?«

Eine Eisschicht schien Toms Miene zu überziehen. Mit kurzen, festen Schritten ging er auf den Ranchersohn zu. Der duckte sich.

»Bleib stehen, Jayson!« Als der Vormann weiterging, wich er zurück. Dann schwang er die Waffe.

Tom wich aus. Seine geballte Rechte traf. Roy taumelte. Stumm setzte der Texaner nach und traf wieder. Dann wandte er sich ab. Der junge Mann kniete. In seinen Augen flackerte Hass. Keuchend hob er den Colt.

»Du verdammter ...«

»Tu’s nicht!«, rief Lorrimer.

Zähneknirschend stemmte Roy sich hoch. Die Waffe blieb auf Tom gerichtet. Plötzlich stand Stonehand hinter dem Ranchersohn. Sein Messer berührte Roys Hals.

»Revolver weg!«

Erschrocken presste Janice die Hände zusammen. Roy krächzte eine Verwünschung. Der Druck der Klinge verstärkte sich. Da fiel der Sechsschüsser auf den Teppich. Stonehand hielt Roy fest. Nur seine Stimme verriet die Anstrengung.

»Meine Krieger werden mit Morning Cloud und mir in die Breaks zurückkehren. Dein Sohn, Lorrimer, begleitet uns. Wenn du ihn wiedersehen willst, lass tausend Longhorns zum Willow Lake treiben. Ich kam in Frieden. Nun bleibt mir keine Wahl.«

 

 

7

Die Cowboys wagten keine Bewegung. Ihre Revolver lagen im Sand. Schweratmend lehnte Roy am Wagen. Stonehands Messer bedrohte ihn, während Janice die Gefangenen befreite. Schweiß bedeckte das Gesicht des Häuptlings.

Tom und der Rancher standen auf dem überdachten Vorbau, Lorrimer mit verkrampften Fäusten. Red Wolf war der Erste, der wieder auf dem Mustang saß. Mit dem Gewehr ritt er zum Ranchhaus. Sein Blick war am Texaner festgebannt. Er zeigte auf die Männer beim Corral.

»Hast du sie zum Arroyo geschickt?«

»Du traust keinem Weißen, wie?«

Red Wolfs Augen blitzten. Da veranlasste ihn Stonehands Ruf, den Schecken zum Wagen zu lenken. Janice stützte den Häuptling jetzt. Die Waffen der Krieger waren auf Lorrimers Sohn gerichtet. Böse sah Roy sie an.

»Lass dich nicht erpressen, Pa! Jag sie zum Teufel!«

Red Wolf gab den Gefährten einen Befehl. Zwei stiegen ab, Roy zu fesseln. Er hob die Fäuste.

»Fasst mich nicht an, sonst kommt ihr nicht lebend hier weg!«

Sie packten ihn. Doch Roy riss sich los, schlug den einen nieder und verpasste dem anderen einen Kniestoß. Sein durchtrainierter Körper glich einer Stahlfeder. Da schlug Red Wolf mit dem Gewehr zu. Roy stürzte. Die Krieger schleiften ihn zum Fahrzeug. Lorrimer gab sich einen Ruck.

»Nehmt mich an seiner Stelle!«

Sie starrten ihn an. Langsam stieg der Rancher die Stufen hinab. Tom folgte ihm, blieb aber stehen, als Red Wolf drohend das Gewehr hob. Der Indianer zog dabei die Oberlippe hoch. Seine Muskeln spannten sich. Er erinnerte Tom an einen zähnefletschenden Wolf.

Lorrimer trat zu Stonehand.

»Roy ist ein Hitzkopf. Auch wenn ihr ihn fesselt und bewacht, wird er irgendwann durchdrehen. Deine Krieger müssten ihn töten. Dann bekommt ihr keine Rinder, sondern Blei. Ich würde den Soldaten und Büffeljägern helfen, euch zu vernichten.«

»Du würdest den Skalp verlieren, weißer Mann!«, stieß Red Wolf hervor.

Lorrimer blickte nur Stonehand an.

»Du willst deinen Stamm retten, ich meinen Sohn.«

»How! So mag es sein.« Der Chief hielt sich aufrecht, obwohl ein dunkler Fleck auf seinem Lederhemd verriet, dass die Wunde wieder aufgebrochen war. »Dein Leben und das Gold für die Herde. Meine Krieger warten am Willow Lake.«

Lorrimer drehte sich halb. »Dein Job, Tom.«

»Kannst dich auf mich verlassen, Boss.«

»Curly, bring mein Pferd!«, befahl der Rancher.

Ächzend rappelte Roy sich auf.

»Pa, das ist nicht dein Ernst!«

»Halt dich da jetzt gefälligst raus! Curly, was ist?«

Ein junger Cowboy mit rotblondem Kraushaar löste sich aus der Gruppe beim Corral. Wenige Minuten später führte er Lorrimers gesattelten Braunen über den Hof. Die Indianer verzichteten darauf, den Rancher zu fesseln. Er stieg auf. Sein Grinsen überraschte alle.

»Ich hab nicht versprochen, keinen Fluchtversuch zu unternehmen.«

»Du würdest nicht weit kommen, Wasicun.« Es war das Sioux- und Cheyennewort für »Weißer Mann«. Red Wolf grinste.

Roy ballte die Hände. Sofort zielte wieder Red Wolfs Gewehr auf ihn. Die Cowboys bewegten sich nicht.

Janice half dem Chief auf den Wagen. Ihr Blick traf Tom, bevor sie sich ebenfalls hinaufschwang. Es schien, als wollte sie etwas sagen, dann nahm sie die Zügel. Gleich darauf rollte das Fahrzeug an.

»Pa!«, krächzte der Ranchersohn.

Lorrimer wandte nicht den Kopf. Die Krieger flankierten ihn. Red Wolf jagte seinen Schecken mit einem Triumphschrei um den Vormann herum, ehe er den Prärieschoner überholte. Bald war der Planwagen nur mehr ein heller Fleck auf der Ebene.

»Zu den Pferden!«, stieß Roy hervor. »Wir fangen sie an der Loup-River-Furt ab!«

Tom hob die Hand. »Bleibt!«

Roy fauchte: »Ich geb die Befehle!«

Details

Seiten
123
Jahr
2020
ISBN (eBook)
9783738943788
Sprache
Deutsch
Erscheinungsdatum
2020 (August)
Schlagworte
texas-tom
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Titel: Texas-Tom