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Ein Jack Braden Thriller #20: Und niemand wusste davon

2020 117 Seiten

Zusammenfassung


Eine offene Tür in einem erleuchteten Haus bringt Privatdetektiv Jack Braden in eine unangenehme Lage. Eigentlich wollte er nur nachsehen, ob ein Unglück passiert sei, doch plötzlich steckt er mitten in einem Mordfall und versucht verzweifelt, eine unschuldige Frau vor der Todesstrafe zu bewahren.

Leseprobe

Table of Contents

Und niemand wusste davon

Copyright

Die Hauptpersonen des Romans:

1

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Und niemand wusste davon

Ein Jack Braden Thriller #20

von Cedric Balmore

 

Der Umfang dieses Buchs entspricht 117 Taschenbuchseiten.

Eine offene Tür in einem erleuchteten Haus bringt Privatdetektiv Jack Braden in eine unangenehme Lage. Eigentlich wollte er nur nachsehen, ob ein Unglück passiert sei, doch plötzlich steckt er mitten in einem Mordfall und versucht verzweifelt, eine unschuldige Frau vor der Todesstrafe zu bewahren.

 

 

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books, Alfred Bekker, Alfred Bekker präsentiert, Casssiopeia-XXX-press, Alfredbooks, Uksak Sonder-Edition, Cassiopeiapress Extra Edition, Cassiopeiapress/AlfredBooks und BEKKERpublishing sind Imprints von

Alfred Bekker

© by Author

© COVER STEVE MAYER

© dieser Ausgabe 2020 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

Alle Rechte vorbehalten.

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Die Hauptpersonen des Romans:

Edgar Harty – wurde erschossen

Angela Gordon, seine erste Frau – hat etwas gegen:

Claudia, seine zweite Frau – Aber ist sie es denn?

Stephan Green – Hartys ungetreuer Prokurist

Merle Freeburg – Hartys Schwester

Roger, deren Sohn – ein Tunichtgut

… und weitere unangenehme Verwandtschaft

Dagmar Nicholsen – Angelas Kollegin, eine hübsche Walküre

Detectiv-Lieutenant Bill Irving – mit zu dickem Schädel

Judge Power – tut für das Recht, was er nur kann

Lord, Edgar Hartys weißer Pekinese – und doch beinahe die Hauptperson

Jack Braden und sein Team – geraten unversehens in diesen Fall, aber was machen

sie daraus!

 

 

1

Am späten Abend des 12. Dezembers hatte Jack Braden nach einem fröhlichen Beisammensein mit Freunden den Entschluss gefasst, sich noch etwas die Beine zu vertreten.

Es war kalt, und der Schnee stob in schweren Flocken vom Winterhimmel. Seine Schritte knirschten auf der weißen Decke, die wie ein Teppich den Bürgersteig der 70. Street East bedeckte. Die 70. Straße ist eine vornehme Straße, die immer nobler wird, je mehr man sich der Fifth Avenue und dem Central Park näherte.

Es war sehr ruhig. Irgendwo erklang gedämpfte Radiomusik und von Zeit zu Zeit das Geräusch des von den Ästen der Bäume abgleitenden Schnees.

Plötzlich blickte Jack Braden auf und blieb stehen. Ein Lichtkeil fiel aus einer halb geöffneten Haustür und ließ die Schneekristalle wie Diamanten aufblitzen. Hinter dieser Haustür strahlte ein Kandelaber: eine breite Flügeltür, die in irgendeinen Raum führen musste, klaffte, aber kein Mensch war zu sehen.

Was geht mich das an?, dachte er, aber er ging nicht weiter. Ein unklares Gefühl – später behauptete er, es sei sein sechster Sinn gewesen – zwang ihn, die drei Stufen hinaufzusteigen und einzutreten.

Alles deutete darauf hin, dass er sich im Haus eines reichen Mannes befand. Um so verwunderlicher war es, dass kein dienstbarer Geist zu sehen war.

„Hallo?“, rief er.

Er erhielt keine Antwort. Die Stille war bedrückend und unheimlich.

Mit schnellem Entschluss durchschritt er die Halle und warf einen Blick in den erleuchteten Raum. Es war ein Wohnzimmer mit bequemen Sesseln, ein paar echten Perserbrücken, einigen guten Gemälden an den Wänden, und einem runden, mit kostbarem Porzellan und Silber gedeckten Tisch, in dessen Mitte eine verschwenderisch angerichtete kalte Platte prangte. Diese Platte war bestimmt das Meisterwerk eines erstklassigen Kochs gewesen … gewesen, bevor der kleine weiße Pekinese sich darüber hergemacht hatte.

Jetzt waren der Hummersalat, die Gänseleberpastete und die übrigen Leckerbissen durcheinander geworfen und überall verstreut. Der kleine langhaarige Hund blickte sich mit seinen runden Knopfaugen entrüstet nach dem Eindringling um, knurrte, ließ sich aber nicht stören.

Erst als Braden näherkam und ihn mit einer unwilligen Handbewegung weg scheuchte, blaffte er hell, sprang herunter und verkroch sich unter der Couch.

„Hallo!“, rief Jack Braden zum zweiten Mal, obwohl er sicher zu sein glaubte, dass der kleine Hund das einzig anwesende Lebewesen war.

Er betrachtete den Schreibtisch mit den geschnitzten Drachenköpfen. Darauf lag eine Ledermappe mit goldenen Initialen E. H. und daneben ein Bogen, der mit steilen, großen Buchstaben bedeckt war. Der Brief trug das Datum des vorigen Tages und lautete:

Lieber Edgar,

Du wolltest doch von Dir hören lassen. Wir waren uns darüber klar geworden, dass sich einiges zwischen uns grundlegend geändert hat, und Du wirst nicht anders können, als daraus die Konsequenzen zu ziehen. Ich bin Deine Frau, und ich gedenke, es zu bleiben. Zwar warst Du seinerzeit sehr großzügig, aber Du weißt ja, dass ich nicht mit Geld umgehen kann, und eigentlich hast Du die Pflicht, mir zu hellen. Das ist schließlich das wenigste, das ich verlangen kann.

Solltest Du, was ich nicht glaube, dazu nicht bereit sein, so müsste ich Maßnahmen ergreifen, die Dir bestimmt sehr unangenehm wären. Meinst Du nicht, es wäre das Beste, wenn wir uns einmal aussprechen könnten?

Ich bin immer noch Deine Angela.

Jack Braden stand und blickte auf den Brief, von dem ihm ein zarter Maiglöckchenduft in die Nase stieg. Sein Blick streifte den für zwei Personen gedeckten Tisch und kehrte zu dem Briefbogen zurück.

Draußen erklangen schwere Schritte. Irgendwelche Leute kamen. Auf keinen Fall wollte sich Braden in einem fremden Haus erwischen lassen. Er sah sich um, riss die nächste Tür auf. Dahinter war eine Art Abstellraum, und dann zog er die Tür hinter sich zu.

Das geschah keinen Augenblick zu früh.

Es mussten zwei Personen sein, die den Raum betraten. So sehr er sich bemühte, er konnte kein Wort hören. Auch die Schritte wurden durch den dicken Teppich verschluckt. Etwas scharrte und klirrte. Dann war wieder Stille.

In diese Stille klaffte der Pekinese.

Er kläffte so wütend, wie nur Hunde dieser Rasse bellen können.

„Verdammtes Vieh!“, sagte ein Mann unterdrückt.

Das Tier heulte laut auf, wimmerte und war still.

Ein paar Minuten lang vernahm Braden nur ein Rascheln und ein paar Worte, die er nicht verstand.

Die Schritte verklangen wieder in der Diele. Er öffnete die Tür einen winzigen Spalt. Jetzt war das Zimmer pechschwarz. Jemand musste das Licht ausgeschaltet haben. Ein Schlüssel wurde im Schloss gedreht, ein Riegel klirrte …

Eine Klingel gellte, zuerst kurz, dann lang anhaltend und fordernd.

Die beiden Personen mussten noch im Haus sein, aber sie machten keine Anstalten zu öffnen. Es dauerte lange, bis Braden die Schritte wieder hörte. Er zog die Tür so weit heran, dass er gerade noch hindurchspähen konnte. Ein Fenster klirrte, ein dunkler Schatten verschwand nach draußen. Ein zweiter folgte. Jack Braden wartete ein paar Minuten und verschwand dann auf demselben Weg.

Er atmete auf, als er genau um ein Uhr fünfundvierzig wieder auf der Straße stand. Jetzt war kein Licht mehr, die Haustür geschlossen.

Er blieb stehen, und ein Schauder lief ihm über den Rücken. Er hätte wissen mögen, was da, ein paar Meter von ihm entfernt, geschehen war.

Immer noch klang das Heulen und Wimmern des Hundes in seinen Ohren. Er blickte auf seine Hände. Gott sei Dank hatte er die Handschuhe nicht abgelegt. Niemand würde seine Fingerabdrücke finden.

Wieso eigentlich Fingerabdrücke?

Wenn die beiden Männer Einbrecher gewesen waren, so mussten sie das, was sie gesucht hatten, sehr schnell gefunden haben. Er dachte daran, die Polizei zu benachrichtigen. Aber was konnte er schon aussagen? Er war unberechtigterweise in ein fremdes Haus eingedrungen, hatte zwei Personen gehört, die offenbar dasselbe getan hatten, die von innen zuschlossen und durch das Fenster verschwanden. Waren es überhaupt Einbrecher?

Wahrscheinlich würde er sich nur blamieren.

Der kleine drollige Hund hatte geheult, das war alles.

Braden hatte nicht einmal nach der Hausnummer gesehen. Er steckte die Hände in die Manteltaschen und fühlte das Knistern von Papier.

Er zog es heraus und sah, dass er in der Überraschung den Brief mit der Unterschrift „Deine Angela“ eingesteckt hatte.

Er fühlte sich erleichtert, als er die Park Avenue erreicht hatte, bog links ein und war zwanzig Minuten danach in seiner Wohnung in der 74. Straße.

Ein Blick auf die Uhr belehrte ihn, dass es zwei Uhr fünfzehn war.

Es dauerte lange, bis Jack Braden einschlief. Seine Nerven vibrierten. Er hatte das untrügliche Gefühl, dass die Erlebnisse, die mit dieser Nacht begonnen hatten, noch lange nicht zu Ende seien.

 

 

2

Als am nächsten Morgen um acht Uhr Mrs. Amanda Hamilton, die zweimal in der Woche die Wohnung überholte, klingelte und Jack Braden aus einem schweren Traum aufschreckte, schneite es noch immer.

Draußen bellte ein Hund, und in diesem Augenblick dachte er an das jämmerliche Heulen und Wimmern des keinen Pekinesen.

Die vollbusige und mütterliche Mrs. Hamilton, die Jack Braden gewissermaßen aus den Windeln geholt hatte, legte die Morgenausgabe des HERALD auf den Tisch und sagte kopfschüttelnd: „Schon wieder ein Mord! Es kommt noch soweit, dass kein Mensch mehr seines Lebens sicher ist.“

Jack Braden sprang aus dem Bett und verschwand im Badezimmer. Als er zehn Minuten später, frisch gewaschen und rasiert, gehüllt in seinen bordeauxroten Morgenrock, am Frühstückstisch saß und an der Tasse Kaffee genippt hatte, griff er nach der Zeitung.

MORD IN DER 70. STRASSE!

In seiner Wohnung in der 70. Straße 142 wurde heute Nacht Mr. Edgar Harty, der bekannte Millionär erschossen.

Jack Braden erschrak, aber dann sagte er sich, die Übereinstimmung der Straßennamen müsse ein Zufall sein. Wenn jemand erschossen worden wäre, so hätte er das hören müssen. Zwar gab es Schalldämpfer, aber die waren nicht so vollkommen, als dass man die Detonation überhaupt nicht gehört hätte.

Der Bericht besagte, Mr. Harty habe am Vorabend seinem gesamten Personal, Diener, Köchin und Hausmädchen, Urlaub gegeben. Die Polizei behauptete, er sei zwischen zwölf und halb zwei Uhr in seinem Wohnzimmer ermordet worden. Der Diener hatte, als er gegen fünf Uhr morgens nach Hause kam, bemerkt, dass ein Fenster geöffnet war. Er hatte nachgesehen, den Toten gefunden und die Polizei alarmiert.

Ob etwas geraubt worden war, stand noch nicht fest.

Jack Braden ging hinunter, ein Stockwerk tiefer, wo sich sein Office befand. Um neun Uhr kam seine blondhaarige Sekretärin, Dawn Barris. Sie war 27 Jahre alt, bildhübsch, mit klugen, blauen Augen und dem zarten Teint der Blondinen. Sie war ein gescheites und liebes Mädchen, so gescheit und so lieb, dass sie sich sogar der Gunst der Mrs. Hamilton erfreute, die im Allgemeinen keine anderen Götter neben sich duldete.

„Guten Morgen, Jack“, lächelte sie. „Gibt es etwas Besonderes, oder kann ich alte Akten sortieren?

„Machen Sie, was Sie wollen. Ich glaube, dass Sie bald wieder interessante Arbeit bekommen. Es liegt etwas in der Luft.“

„Und darf ich fragen, was?“

„Das weiß ich selbst noch nicht, Sunny. Wenn ich mich nicht sehr täusche, so ist es ein ganz außergewöhnlicher Fall. Ich muss sofort einmal weg. Entweder ich rufe an, oder ich hole Sie zum Lunch ab. Dann kann ich Ihnen vielleicht sagen, ob ich mich getäuscht habe oder nicht.“

Mr. Braden fuhr hinunter, nickte dem Pförtner des Apartmenthauses zu, holte seinen grauen Porsche Carrera aus der Garage und fuhr los.

Er wollte doch lieber einmal nachsehen, was in der 70. Straße passiert war.

Es war vor allem die Tatsache, dass die Dienerschaft des Ermordeten den Abend frei gehabt hatte, und das Fenster, durch das der Mörder geflüchtet war, was ihm zu schaffen machte.

Er fuhr die Park Avenue hinauf und bog rechts in die 70. ein.

Er brauchte nicht lange zu suchen. Vor dem Haus Nummer 142 stand die große schwarze Limousine der Mordkommission.

Drei Stufen führten hinauf zum Portal, vor dem ein Polizist Posten stand.

„Wer ist in Charge?“, fragte Braden und legte zwei Finger an die Hutkrempe.

Bevor der Cop antworten konnte, flog die Tür auf, und Louis Thrillbroker, der Reporter der MORNING NEWS, kam heraus.

„Hallo, alter Knabe!“, lachte er und warf die dunkle strähnige Mähne zurück. „Sind Sie auch schon wieder auf dem Kriegspfad?“

„Ja, und ich habe sogar besondere Gründe dafür“, entgegnete Braden und wiederholte seine Frage nach dem Offizier, der die Untersuchung leitete.

„Leutnant Bill Irving“, grinste der Reporter. „Leutnant Temper ist ja leider in Urlaub, übrigens hat Irving keine besondere Nuss zu knacken. Es sieht nicht so aus, als ob der Fall verwickelt wäre.“

Braden hatte keine Antwort gegeben. Er starrte auf das noch immer geöffnete Fenster, auf die Haustür und die drei Stufen.

„Was haben Sie denn, Braden?“, fragte Thrillbroker, der schon eine Sensation witterte. „Sie machen ja so ein merkwürdiges Gesicht.“

„Halten Sie den Mund! Sagen Sie kein Wort! Nachher erkläre ich es Ihnen.“

Es war dieselbe Halle, die der Privatdetektiv während der Nacht durchschritten hatte. Diese Erkenntnis verwirrte und schockierte ihn.

„Haben Sie auch den weißen Pekinesen gesehen?“, fragte er unvermittelt.

„Was für einen Pekinesen?“

Thrillbroker bildete Braden verständnislos an, aber der Detektiv hörte schon nicht mehr darauf.

Mit ein paar Schritten war er an der Zimmertür, die jetzt geschlossen war.

Er drückte sie auf und sah sich dem so wohlvertrauten Bild gegenüber.

Leutnant Irving, 40-jährig, untersetzt und mit einem Gesicht, das keinen Zweifel an seinem Beruf aufkommen ließ, saß hinter dem Schreibtisch mit der Ledermappe. Die Detektive der Mordkommission waren mit den Untersuchungen beschäftigt. Zwei von ihnen stäubten Graphitpuder auf die blankpolierten Möbel, bliesen ihn wieder ab und betrachteten das Resultat durch Vergrößerungsgläser.

Von Zeit zu Zeit fixierten sie einen Fingerabdruck auf Spezialpapier und legten dieses in einen kleinen Cellophanumschlag.

Andere krochen auf dem Fußboden umher oder waren mit der Durchsicht von Papieren beschäftigt, die sie aus den Laden des Schreibtisches genommen hatten.

Der Leutnant blickte auf, zog die Brauen zusammen und lächelte etwas gezwungen.

„Hello, Mister Braden! Was bringt Sie hierher? Haben Sie schon einen Klienten in der Sache?“

„Ich kam nur zufällig vorbei und wollte sehen, was los ist – das heißt, wenn Sie nichts dagegen haben, Leutnant.“

„Tun Sie Ihren Gefühlen keinen Zwang an“, grinste Irving. „Leider kommen Sie zu spät. Die Leiche ist weggeschafft. Sie lag dort drüben neben dem Tisch, da, wo der Blutfleck auf dem Teppich ist. Harty hat einen Kopf- und einen Brustschuss abbekommen. Beide waren tödlich. Offenbar hat es einen Kampf gegeben. Dabei ist der gedeckte Tisch durcheinander geraten. Es sieht so aus, als habe Harty die Person, die ihn ermordete, zum Essen eingeladen. Der ganzen Aufmachung nach und angesichts des Umstandes, dass er das Personal weggeschickt hatte, dürfte es eine Frau gewesen sein. Mrs. Harty befindet sich zur Zeit in Santa Monica, und da hat der Herr Gemahl die Gelegenheit wohl benutzt.“

„In den Morgenblättern stand, der Mord sei zwischen zwölf und ungefähr halb zwei Uhr nachts verübt worden“, sagte Braden mit erzwungener Ruhe. „Stimmt das?“

„Es stimmt. Doktor Turner hat es festgestellt. Warum interessiert Sie denn das so besonders?“

Braden drückte sich vor einer Antwort. Er war viel zu sehr mit seinen eigenen Gedanken beschäftigt, als dass er sich noch länger mit Leutnant Irving hätte unterhalten mögen.

Jedenfalls befand sich die Polizei auf dem Holzweg.

Der Tisch war keineswegs durch einen Kampf zwischen dem Mörder und seinem Opfer durcheinander gebracht worden. Er bot noch genau dasselbe Bild wie in der Nacht, als der kleine Pekinese im Genuss der Leckerbissen geschwelgt hatte.

Da war aber noch etwas anderes. Braden war überzeugt davon, die Zeit, die der Polizeiarzt angegeben hatte, könne nicht stimmen.

Um ein Uhr fünfundvierzig hatte er das Haus verlassen, nachdem er es um ein Uhr oder etwas früher betreten hatte. Während dieser Zeit war kein Schuss gefallen, geschweige denn ein Mord verübt worden.

Als er ankam, hatte er weder einen Toten noch Blut auf dem Teppich gesehen. Nur der Hund war da gewesen.

Dann waren zwei Personen hereingekommen, die er nicht hatte sehen oder erkennen können. Er wusste nur, dass sie mit langsamen, schweren Schritten durchs Zimmer gegangen waren. Man hätte glauben können, sie trügen eine Last. Was sie in der kurzen Zeit, die sie geblieben waren, getan hatten, wusste er nicht. Der eine hatte auf den bellenden Hund geflucht und ihm wohl einen Schlag oder Tritt versetzt, so dass er heulte.

Sie hatten Haus- und Zimmertür verschlossen und verriegelt. Dann klingelte jemand und musste unverrichteter Sache wieder gegangen sein. Dann erst flüchteten die beiden Eindringlinge durchs Fenster.

Warum hatten sie die Tür nicht benutzt und warum diese verschlossen? Sie wollten verhindern, dass jemand hereinkommen könnte.

„Wie ist denn der Mörder oder, wie Sie meinen, die Mörderin, überhaupt hier hereingekommen?“, fragte Braden.

„Merkwürdig neugierig sind Sie heute“, sagte der Leutnant. „Selbstverständlich muss Harty sie eingelassen haben, dann schloss er wieder ab. Er hatte die Schlüssel in der Tasche. Als er, von den Schüssen getroffen, hinfiel, verlor er sie. Sie lagen neben ihm. Entweder sein Mörder fand sie nicht, oder der war so in Panik, dass er gar nicht danach suchte. Darum die Flucht durchs Fenster.“

Jack Braden wusste es besser.

„Wie kam denn der Diener um fünf Uhr herein?“, fragte er.

„Durch den Personaleingang an der Seite des Hauses. Das Portal war von innen verriegelt, und so benutzte er seine Schlüssel für den Nebeneingang.“

„Besaß auch Mister Harty diesen Schlüssel?“

Der Leutnant schüttelte den Kopf, aber dann rief er doch: „Alph! Lassen Sie den Diener noch mal kommen.“

Der Detektiv eilte hinaus und kam mit einem ungefähr 40-jährigen Mann in Dienerlivree zurück.

„Kommen Sie einmal her, Dello!“, bellte der Leutnant in der Tonart, die er für Vernehmungen als geeignet erachtete. „Wem gehört dieser Schlüsselbund?“

„Mister Harty. Ich kenne ihn genau.“

„Befindet sich daran auch ein Schlüssel für den Personaleingang?“

„Nein, den benutzte er niemals.“

„Es ist gut. Sie können gehen.“ Dann wandte sich Irving wieder an Jack Braden. „Die Sache ist ganz klar. Harty hatte ein kaltes Abendessen für zwei Personen bestellt und servieren lassen. Der Diener besorgte das um elf Uhr dreißig. Dann ging er. Die Köchin und das Hausmädchen waren schon früher weg. Ferner hatte Harty zwei Flaschen Sekt kaltstellen lassen. Er erwartete also Damenbesuch. Was sich dann im Einzelnen abspielte, wissen wir nicht. Die Frau erschoss ihn und flüchtete durchs Fenster. Es ist gar nicht anders möglich.“

„Wurde etwas gestohlen?“

„Ich weiß es nicht genau. Der Ermordete hatte über zweihundert Dollar in der Tasche. Wenn jemand einen umbringt, um ihn zu berauben, so leert er zuerst die Taschen aus.“

„Gibt es hier irgendwo ein Safe?“

„Ja, im Schlafzimmer, aber darin befinden sich nur Papiere, und man kann sehen, dass sie unberührt sind.“

„Danke schön, Leutnant. Sie sind sehr freundlich“, sagte Braden, und dann fragte er plötzlich: „Wer erbt eigentlich?“

„In erster Linie wohl die Frau, und außerdem hatte Harty eine Schwester, einen Bruder, zwei Nichten, einen Neffen und eine Tante.“

„Testament?“

„Was Sie alles wissen wollen! Aber zu Ihrer Beruhigung kann ich Ihnen die Versicherung geben, dass er keines gemacht hat. Er war zweiundvierzig Jahre alt und gesund. Sein Anwalt, mit dem ich gesprochen habe, riet ihm erst vor ein paar Tagen dazu, aber da lachte Harty und meinte, er habe seine Gründe, warum er keine letztwillige Verfügung getroffen habe. Er müsse sich da vorher noch etwas überlegen.“

„Wer ist der Anwalt?“

„Eigentlich dürfte ich Ihnen das gar nicht sagen, aber wenn es Sie besonders interessiert, dann meinetwegen. Es ist Vincent Strout, von der Firma Allison, Strout and Sons in der Wallstreet.“

„Dann also auf Wiedersehen, Leutnant. Wir sprechen uns noch.“

Detectiv-Lieutenant Irving runzelte die Stirn und sagte: „Ihr Tonfall gefällt mir nicht, Mister Braden. Weshalb sollten wir uns noch sprechen?“

„Das war nichts anderes als ein freundlicher Gruß!“, lächelte Braden. „Misstrauen gehört bei Ihnen zum Beruf, aber man darf es nicht übertreiben.“

„Hören Sie, Braden. Ich kenne Sie doch. Sie wissen, dass es strafbar ist, Beweismaterial zurückzuhalten“, rief ihm der Leutnant nach.

„Es fehlte nur noch, dass Sie mich als den Mörder verhaften“, lachte der Privatdetektiv, fasste Mister Thrillbroker von der MORNING NEWS am Ärmel und zog ihn mit nach draußen.

Auf der Straße ließ er die Maske von Sorglosigkeit und Ironie fallen.

„Hören Sie, Louis. Ich muss sofort mit Ihnen sprechen, aber nicht mit dem Reporter. Geben Sie mir Ihr Ehrenwort, dass Sie das, was ich Ihnen anvertraue, nicht an die große Glocke hängen. Ich brauche jemanden, auf den ich mich verlassen kann. Ich habe mich da selbst in die Tinte geritten und weiß nicht, wie ich wieder herauskommen soll.“

„Also wissen Sie doch etwas, was Sie dem guten Irving nicht gesagt haben?“

„Ich weiß sogar mehr, als gut für mich ist. Wenn ich hätte ahnen können, wie die Sache sich entwickelt, wäre ich vorsichtiger gewesen. Jetzt habe ich mich festgefahren und kann nicht mehr zurück. Irving würde eine Staatsaktion daraus machen.“

„Komplize nach der Tat, wie es im Gesetz so schön heißt. Sie sind doch hoffentlich nicht so dumm, aus falsch verstandener Freundschaft oder Mitleid jemanden zu decken?“

„Ich denke gar nicht daran, es sei denn, ich decke mich selbst.“

„Das sieht ja herrlich aus!“, grinste der Reporter und zeigte seine gelben Pferdezähne. „Aber auf der Straße möchte ich mich nicht darüber unterhalten. Erstens ist es mir zu kalt. Zweitens haben kleine Mäuschen spitze Ohren. Und drittens habe ich Durst.“

Mister Braden wusste, dass Louis Thrillbrokers Durst eine chronische Krankheit war, chronisch und unheilbar.

„Okay! Wohin also?“

„Zum Hauptbahnhof. Genau gegenüber liegt meine Stammkneipe ZUR SCHNELLEN SCHIENE. Da sind wir ungestört.“

Zehn Minuten später stoppten sie vor dem Lokal, das sich eines regen Zuspruchs von Männern aller Berufe und Altersklassen erfreute. Die einzige Frau war die mollige Wirtin.

„Hallo, Anita!“, winkte der Reporter.

Anita unterbrach ihre lukrative Tätigkeit hinter der Theke, stellte die Ginflasche weg, mit der sie gerade jongliert hatte, und lächelte freundlich durch die Brille über dem neckischen Stupsnäschen.

„Hello, Louis! Du warst ja schon eine Ewigkeit nicht mehr hier!“

„Wenn du vierundzwanzig Stunden eine Ewigkeit nennst, meine Süße, so soll es mir recht sein. Länger halte ich es ja doch nicht ohne dich aus.“

Die beiden Männer suchten sich einen leeren kleinen Tisch in der Ecke, Braden bestellte einen doppelten Scotch on the rocks für den Reporter und einen einfachen mit Soda für sich selbst.

Louis Thrillbroker nahm einen langen Zug, wischte sich mit dem Handrücken den Mund ab und sagte: „Und nun, mein Lieber, schießen Sie los, beichten Sie dem guten Onkel, was Sie ausgefressen haben.“

„Hören Sie auf zu frotzeln“, entgegnete der Detektiv. „Mir ist die Sache verdammt ernst. – Ich war nämlich heute Nacht zwischen ein und zwei Uhr in Hartys Haus.“

„Sie … waren … in … Hartys Haus? Ja, sind Sie denn des Teufels? Warum haben Sie dann den Mord nicht sofort gemeldet?“

„Weil ich nichts von einem Mord wusste. Die Haustür stand offen, und es war niemand zu sehen. Eigentlich war ich nur neugierig. Ich war auch in dem Zimmer, in dem der Tote gefunden wurde, aber ich kann es auf meinen Eid nehmen, dass dort weder eine Leiche noch Blut zu sehen waren. Nur der Tisch war durcheinandergebracht, und daran war der kleine Pekinese schuld.“

Dann erzählte er im Einzelnen, was vorgegangen war.

„Good Lord! Wenn Irving das erfährt, lässt er Sie ohne Weiteres einbuchten. Warum wenden Sie sich eigentlich nicht sofort an Ihren Freund beim FBI? Wenn einer Sie noch retten kann, so der es.“

„Mister Gilford ist nicht da. Er ist über Weihnachten nach Europa geflogen. Er hat mir etwas von Tannenbäumen, Lichtern, Glaskugeln und einem verdorbenen Magen vorphantasiert. Ich glaube, er hat eine Großtante in Germany.“

„Eine schöne Bescherung! Stellen Sie sich bloß vor, was für eine große Nummer ich mir bei meinem Boss machen könnte, wenn ich dieses Interview mit dem bekannten Privatdetektiv zu Papier brächte.“

„Sie würden sich nicht lange in Ihrer Glorie sonnen können, Louis!“, grinste Jack Braden. „Ich würde Sie nämlich bei erster Gelegenheit jämmerlich verprügeln.“

„Angenehme Aussichten sind das. Aber um Business zu reden! Haben Sie wenigstens den Brief noch?“

„Da ist er, aber wie gesagt, Louis, Sie beziehen Prügel, wenn …“

„Angela! Es müsste doch herauszubekommen sein, wer diese Angela ist. Der Haken ist nur der, dass seine Angetraute mit Vornamen Claudia heißt. Er müsste sich also mit einer anderen verabredet haben. Sollte der Idiot vielleicht eine Jugendeselei begangen und vergessen haben, sich scheiden zu lassen? – Feixen Sie nicht, Jack. So was kommt vor, und es würde auch den Inhalt des Briefes erklären.“

„Aber es erklärt nicht, wie ein zwischen zwölf und zwei Uhr in diesem Zimmer Ermordeter dorthin kam, ohne dass ich etwas gesehen und vor allem, ohne dass ich einen Schuss gehört habe. Es gibt nur eine Möglichkeit: Man hat ihn später dorthin geschafft.“

„Und wie stellen Sie sich das vor? Durch die Haustür konnte niemand. Die war verschlossen. Man hätte ihn durchs Fenster hereinheben müssen. Außerdem vergessen Sie die Blutlache, in der er

lag, und die beweist, dass der Mord an Ort und Stelle erfolgt ist.“

„Da ist noch etwas anderes!“, überlegte Braden. „Ich hörte die beiden Leute hereinkommen, und ich wunderte mich über ihre schweren Schritte. Ich könnte mir sehr gut vorstellen, dass sie eine Last trugen, nämlich die Leiche.“

„Schön und gut! Woher aber kommt das Blut? Entweder Sie schwindeln, was ich Ihnen nicht zutraue, oder Sie irren sich in der Zeit.“

„Keines von beiden, aber ich bin überzeugt davon, dass sich eine Erklärung finden lassen wird. Sie, Louis, bitte ich, in der Redaktion alles auszugraben, was Sie über Harty finden können. Die meisten Morde haben ihren Ursprung in der Vergangenheit, und ich bin fast sicher, dass dies auch jetzt zutrifft. Die Einbruchs- und Diebstahltheorie des guten Leutnant Irving leuchtet mir nicht ein.“

Sie trennten sich. Braden bestieg seinen Porsche und Louis Thrillbroker seinen uralten Ford, und beide fuhren ab.

 

 

3

„Na, Jack, ist Ihnen eine Laus über die Leber gelaufen?“, empfing ihn Dawn Barris. „Was macht der Pekinese?“

„Der Teufel soll ihn holen, wenn er ihn nicht schon geholt hat. Jedenfalls sitze ich in der Tinte.“

Und dann redete sich Jack Braden – was sonst gar nicht seine Angewohnheit war – zum zweiten Mal an diesem Morgen seine Sorgen von der Seele.

„Die Geschichte ist unmöglich!“, sagte Dawn Barris. „Ich werde mir die Sache einmal durch den Kopf gehen lassen. Ich bin zwar nur ein blindes Huhn, aber …“ Sie lachte. „Wie ist es eigentlich mit dem versprochenen Lunch? Wollen Sie mich verhungern lassen?“

Das konnte Braden allerdings nicht verantworten. Während des Essens gab Sunny sich alle Mühe, ihn auf andere Gedanken zu bringen, aber er blieb misslaunig und grübelte, bis sie es endlich aufgab.

Kaum waren sie wieder in Bradens Office angekommen, als das Telefon rasselte. Sunny nahm das Gespräch an und stellte es dann zu Braden durch.

„MORNING NEWS! Ich verbinde.“

Dann war Louis Thrillbroker am Apparat.

„Die Bombe ist geplatzt. Ich habe Folgendes herausgefunden: Harty heiratete vor fünf Jahren eine hübsche kleine Schauspielerin namens Angela Gordon. Zuerst war die Ehe so glücklich wie möglich, aber dann lernte er seine jetzige Frau Claudia kennen, einen rothaarigen Teufel, der sich in den Kopf setzte, ihn oder besser, seine Dollars einzukassieren. Angela weigerte sich, in eine Scheidung zu willigen. Er konnte ihr beim besten Willen nichts nachweisen. Dann fuhr er plötzlich nach Mexiko und kam als geschiedener Mann zurück. Sie kennen ja den Dreh. Wenn man genug bezahlt, ist die Scheidung nur noch eine Formsache.“

„Tja, aber…“, versuchte Jack Braden zu unterbrechen. aber er kam nicht dazu.

„Ich weiß, was Sie sagen wollen, Jack. Vor drei Monaten hat das mexikanische Bundesgericht ein Grundsatzurteil gefällt, nach dem alle in den einzelnen Staaten ausgesprochenen Scheidungen für ungültig erklärt worden. Das Urteil ist unanfechtbar, und so war Mr. Harty immer noch rechtskräftig mit seiner ersten Frau verheiratet. Nicht nur, dass die zweite Ehe ungültig war; Angela hätte ihn der Bigamie beschuldigen können, und er wäre mit Pauken und Trompeten hineingefallen.“

„Das erklärt natürlich ihren Brief. Aber warum, um Himmels willen, sollte sie ihn ermordet haben? Sie hatte doch kein Motiv.“

„Leutnant Irving, der unabhängig von mir dasselbe herausgefunden hat, ist gegenteiliger Ansicht“, meinte Thrillbroker. „Er sagt, sie habe ihn ermordet, um zu erben. Wenn sie noch seine rechtmäßige Frau ist, so ist sie auch seine Erbin.“

„Das will mir nicht einleuchten“, widersprach Braden. „Einen lebenden Harty konnte sie wahrscheinlich um den Finger wickeln. Er hätte alles tun müssen, was sie wollte. Im Augenblick seines Todes aber muss sie mit einem Rattenschwanz von Prozessen rechnen, ganz abgesehen davon, dass der Durchschnittspolizeibeamte genauso kalkulieren würde wie Irving.“

„Geben Sie sich keine Mühe, Braden, sie ist bereits so gut wie überführt. Sie war heute Nacht bis zwölf Uhr im Theater und kam um zwei Uhr nach Hause. Für die Zwischenzeit hat sie kein Alibi. Sie gibt sogar zu, Harty habe sie eingeladen, behauptet jedoch, sie habe um ein Uhr fünfunddreißig wiederholt an seiner Tür geklingelt, ohne dass ihr jemand geöffnet hätte.“

„Das war das Klingeln, das ich gehört habe, während die beiden Einbrecher im Haus waren“, behauptete Braden.

„Es könnte natürlich sein, aber Sie können es nicht beweisen.“

„Ich werde es beweisen.“ Jack Braden fing an, sich in diesen Fall zu verbohren. „In erster Linie muss ich mit Angela Gordon sprechen.“

„Da werden Sie sich sehr beeilen müssen, mein lieber Jack“, kicherte Thrillbroker. „Irving ist im Begriff, sie zu verhaften. Als ich ihn vor zwanzig Minuten zuletzt sah, war er gerade in einer Konferenz mit Staatsanwalt Thimble.“

„Ich rufe später wieder an, sagte Braden und legte auf.

Er holte Angela Gordons Brief aus der Tasche. Sein Gedächtnis hatte ihn nicht getrogen. Rechts oben unter dem Datum stand eine Telefonnummer: CP 3 16 94. Er wählte hastig.

Es meldete sich eine Pension Ward.

„Wohnt bei Ihnen Miss Angela Gordon?“, fragte er.

„Was wünschen Sie von ihr?

„Ich muss sie unbedingt sofort sprechen. Mein Name ist Braden. Sagen Sie ihr, es sei dringend.“

Es dauerte eine endlose Minute, bis sich eine helle Stimme meldete.

„Angela Gordon. Mit wem spreche ich?

„Sie kennen mich nicht, aber ich weiß, in welcher Lage Sie sich befinden. Ich bin Privatdetektiv und möchte Ihnen helfen. Ich möchte auch Ihren formellen Auftrag, aber vorläufig weder einen Vorschuss noch Spesen. Darüber können wir später reden.“

„Denken Sie denn, dass ich einen Privatdetektiv brauche?“

„Die Citizen Police wird Sie innerhalb der nächsten Stunde unter Mordverdacht festnehmen. Ich glaube nicht daran, dass Sie Harty erschossen haben. Ich habe sehr triftige Gründe dafür. Ich kenne Sie nicht, und persönlich sind Sie mir höchst gleichgültig. Es geht mir einfach um das Recht.“

„Sind Sie Anwalt?“

„Nein. Ich sagte Ihnen schon, ich heiße Jack Braden und bin Privatdetektiv. Sie haben nicht lange Zeit zum Überlegen. Packen Sie das Nötigste in einen kleinen Koffer, nehmen Sie eine Taxe, und fahren Sie zur nächsten U-Bahnstation. Kaufen Sie eine Fahrkarte für die IRT Subway West bis Trinity Church, aber steigen Sie bereits an der Hudson Bridge aus. Dort werde ich auf Sie warten. Ich fahre einen grauen Porsche Carrera, der gar nicht zu übersehen ist. Unterwegs überzeugen Sie sich davon, dass Ihnen niemand folgt. Sollte das der Fall sein, so versuchen Sie, Ihren Schalten abzuschütteln. Wenn Ihnen das nicht glückt, dürfen Sie keinesfalls zu dem Treffpunkt kommen. Rufen Sie mich dann von unterwegs an. Ich habe Telefon im Wagen, die Nummer ist UN 23 57.“

Details

Seiten
117
Jahr
2020
ISBN (eBook)
9783738943733
Sprache
Deutsch
Erscheinungsdatum
2020 (August)
Schlagworte
jack braden thriller

Autor

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Titel: Ein Jack Braden Thriller #20: Und niemand wusste davon