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Es lebe Juarez

2020 124 Seiten

Leseprobe

Table of Contents

Es lebe Juarez

Copyright

Die Hauptpersonen des Romans:

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Es lebe Juarez

Western von John F. Beck

 

Der Umfang dieses Buchs entspricht 124 Taschenbuchseiten.

Für Brent Donovan ist der Krieg, der zwischen den Nord- und Südstaaten herrschte, vorbei. Aber noch brodelt der Hass zwischen den Kontrahenten. Nach dem Verkauf von Fellen ist er auf dem Rückweg zu seiner Blockhütte, die sich in den Bergen von New Mexico befindet und beobachtet, wie ein paar Banditen auf Lauer liegen, um eine Kutsche zu überfallen. Doch es geht ihnen nicht um Geld, sondern um die Consuela Montez. Sie ist die Tochter von Carlos Montez, der sich im Gefängnis von La Cruz befindet ...

 

 

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books, Alfred Bekker, Alfred Bekker präsentiert, Casssiopeia-XXX-press, Alfredbooks, Uksak Sonder-Edition, Cassiopeiapress Extra Edition, Cassiopeiapress/AlfredBooks und BEKKERpublishing sind Imprints von

Alfred Bekker

© Roman by Author

© COVER FIRUZ ASKIN

© dieser Ausgabe 2020 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

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https://twitter.com/BekkerAlfred

 

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Die Hauptpersonen des Romans:

Capitan Delgado - verschanzt sich feige hinter einer Geisel.

Jake Tompkins - interessiert sich als Gringo-Söldner nur für blanke Silberpesos.

Consuela Montez - beweist als Hidalgo-Tochter eine Menge Mut.

Isabel Trujillo - lässt die Freundin nicht im Stich.

Brent Donovan - verabscheut die mörderischen Intrigen und hält es mit den Schwächeren.

 

 

1

Zwei Soldaten zerrten Carlos Montez zum Zellenfenster.

Die Ketten des bärtigen Gefangenen klirrten. Er war barfuß, das Rüschenhemd zerfetzt.

Die Sonne loderte über dem Gefängnishof von La Cruz. Das Erschießungskommando hatte bereits Aufstellung genommen. Ein Offizier der kaiserlichen Truppen befehligte es.

Drei Vaqueros der Montez-Hazienda waren im Hof an Pfähle gefesselt. Sie hatten an der Seite des Hazienderos für den inzwischen gestürzten Präsidenten Juarez gekämpft.

»Du kannst sie retten, Montez.«

Der dicke Kommandant hatte das Verlies betreten. Mit seinen wulstigen Lippen und den hervorquellenden Augen ähnelte Capitan Delgado verzweifelt einer Kröte.

»Ich verrate Juarez nicht.«

»Zur Hölle mit ihm! Wie kann ein Mann deines Standes, ein Hidalgo, zu diesem Pöbelanführer und Rebellenhäuptling halten? Seine Anhänger knüpfen jeden Großgrundbesitzer auf, den sie erwischen. Wie viele deiner früheren Freunde sind ihnen schon zum Opfer gefallen? Trotzdem biete ich dir ’ne Chance. Juarez vertraut dir, seit du ihm auf der Flucht vor den Legionären des Kaisers geholfen hast. Wenn du die Männer dort unten retten willst, dann töte ihn.«

»Niemals!«

Der Offizier des Pelotons hob den Säbel.

»Legt an!«

Die Gewehre funkelten. Montez ballte die Hände zu Fäusten.

»Juarez wird das Volk von euch Blutsaugern befreien.«

Der Verwundete sah zum Zellenfenster.

»Lass dich nicht erpressen, Patron! Viva Mexiko!«

»Viva Juarez!«, antwortete Montez. Ein Kolbenstoß schleuderte ihn gegen die Wand.

»Warte nur, bis wir deine Tochter haben!«

»Feuer!«, gellte es auf dem Hof. Die Salve krachte.

 

 

2

Hufschlag mischte sich in das Rauschen des Wasserfalls. Dann zügelte der ledergekleidete Reiter sein Pferd auf der mit Sträuchern bedeckten Anhöhe. Ein schmaler Wildpfad schlängelte sich zum Tümpel am Fuß der zerklüfteten Felswand. Die Senke war nach Süden offen. Wellige Prärie erstreckte sich am Rand der Black Range. Die Postkutschenstraße nach Deming führte vorbei. Seit Ausbruch des Bürgerkriegs war die Linie jedoch eingestellt. Gras wuchs in den Radfurchen. Zweige wölbten sich über sie.

Mit einem »Go on, Redbird!« wollte Brent Donovan seinen Rotfuchs hinabtreiben.

Da entdeckte er die Sombrerospitze im Gebüsch am Tümpel. Ein Stück weiter glänzte ein Gewehrlauf. Brent nahm die Zügel kurz und duckte sich. Die grauen Augen unter der Stetsonkrempe funkelten. Das scharflinige Gesicht war wettergebeizt. Colt und Bowieknife hingen am Gürtel. Im Sattelfutteral steckte ein mehrschüssiges Henrygewehr.

Brents Blick tastete die Felsen und Sträucher in der Senke ab. Der Schatten verbarg ihn.

Fünf Mexikaner lauerten im Hinterhalt. Sie hatten Brent nicht bemerkt. Ihre Gewehre zielten zur Straße. Eine Kutsche rollte aus einer Hügelkerbe. Zwei Reiter flankierten sie. Ehe der Jäger und Fallensteller mehr Einzelheiten erkannte, verschwand das Fahrzeug hinter einer Reihe Felsen.

Noch war kein Laut zu hören. Nur das Tosen des Wasserfalls füllte die Luft.

Brent war auf dem Rückweg zu seiner Blockhütte. Er hatte in Deming zwei Pumafelle verkauft. Seine Packtaschen waren mit Proviant und Gewehrmunition gefüllt. Der Krieg zwischen den Nord- und Südstaaten hatte ihn in die Einsamkeit der Berge von New Mexico getrieben. Er blieb da auch nach Kriegsschluss. Freunde und Verwandte waren auf beiden Seiten gefallen. In den Siedlungen gärte noch immer der Hass zwischen Siegern und Besiegten. Brent mied sie. Die Wildnis war sein Zuhause.

Brent zog das Gewehr aus dem Scabbard. Die Kutsche tauchte in der letzten Biegung vor dem Wasserfall auf. Fahrer und Begleiter waren mexikanisch gekleidet. Nur ein Schuss konnte sie warnen. Brent richtete den Lauf zum Himmel. Der Wallach schnaubte. Gleichzeitig hörte er ein metallisches Knacken hinter sich.

»Halt dich da lieber raus, Mister! Wenn du abdrückst, blas ich dich zur Hölle!«

Die Stimme klang wie brechendes Glas. Brent schob erst die Henry ins Sattelfutteral zurück, ehe er das Pferd drehte. Augen, die wie Eissplitter glänzten, mustern ihn.

Killeraugen!

Eine doppelläufige Schrotflinte bedrohte ihn.

Breitbeinig stand der Gegner zwischen den Stecheichen und Cottonwoods. Das schnurrbärtige Gesicht war verkniffen. Ein schwarzer Prinz-Albert-Rock umgab die hagere Gestalt. Mit dem ebenfalls schwarzen Zylinder, gleichfarbiger Röhrenhose und Schnürstiefeln sah der Mann wie ein Wanderprediger aus. Im stetigen Rauschen des Wasserfalls hatte Brent ihn nicht gehört. Sonst kam nicht mal ein Apache unbemerkt so dicht an ihn heran.

Die Kutsche näherte sich rasch. Brent versuchte den Hageren abzulenken.

»Haben deine Freunde es auf General Lees verschollene Kriegskasse abgesehen oder was?«

»Gib dir keine Mühe, Lederstrumpf! Ich bin Jake Tompkins. Vor dem Krieg habe ich entflohene Sklaven gejagt. Die Zeiten sind ja nun leider vorbei. Trotzdem kämpfe und jage ich weiter nur für Geld. Zehntausend Pesos sind bei dem Job für mich drin. Auf ’ne Kugel mehr kommt’s mir deswegen nicht an.«

Brent hörte die Kutsche jetzt. Die Peitsche knallte, die Räder ratterten. Er spannte sich, bereit, im nächsten Augenblick vom Pferd zu hechten - trotz der auf ihn gerichteten Parker Gun.

Da tauchten zwei untersetzte Mexikaner neben Tompkins auf. Sie sahen wie Bandoleros aus, zerlumpt, aber mit Revolvern, Gewehren und Haumessern bewaffnet. Patronengurte kreuzten sich über den Oberkörpern.

»Kümmert euch um ihn!«, befahl Tompkins.

Sie rissen Brent aus dem Sattel und drückten ihn an einen Felsen. Die Schneide einer Machete berührte Brents Hals. Der zweite Mexikaner bedrohte ihn mit einer Sharps.

»Ich hab mich heute schon rasiert«, knurrte der Trapper. Blut sickerte in den Kragen des Lederhemds.

Der Schwarzgekleidete schob sich an Brents Bewachern vorbei und bog einen Zweig zur Seite, damit er die Kutsche besser sah. Die hagere Gestalt war leicht gebeugt.

»Legt ihn um, sobald wir die Muchacha haben!«

Brent hatte, seit er nach New Mexico kam, gegen Indianer, Fellräuber und Pferdediebe gekämpft. Doch solche Skrupellosigkeit war ihm noch nicht begegnet.

»He, was ...« Der Druck des Haumessers ließ seinen Protest verstummen. Ein Grinsen flackerte auf den unrasierten braunen Gesichtern.

Die Kutsche bog in die Senke. Der Fahrer lenkte die Braunen zum Wasserfall. Er war wie ein Peon gekleidet. Die Flankenreiter trugen Vaquerotracht.

Brent konnte sie nicht warnen. Sie würden ihn nicht hören, wenn er schrie. Der Wasserfall war lauter. Schweiß perlte auf dem Gesicht des Trappers.

»Verdammt, worauf warten Armijo und seine Leute noch?«, schimpft« Tompkins.

Da blitzte und krachte es am Tümpel.

Die Pferde scheuten. Leblos stürzten die Vaqueros ins Gras. Der Fahrer sank auf dem Kutschbock zusammen. Die Sielen verwickelten sich. Männer mit breitkrempigen Sombreros und langläufigen Gewehren rannten auf das Fahrzeug zu. Einer riss die Tür auf. Er sprang sofort zur Seite, als erwarte er das Aufblitzen einer Waffe im Fahrzeuginneren. Die Kumpane zielten. Doch die Kutsche war leer. Tompkins ließ den Zweig zurückschnellen.

»Sie haben uns reingelegt.«

Brents Bewacher waren abgelenkt. Der Fallensteller schlug die Faust mit der Machete zur Seite und verpasste dem Mexikaner einen Kniestoß. Der Mann krümmte sich. Der Sharpsbesitzer wollte schießen. Da hielt Brent schon den Colt. Sein Hieb mit dem achtzölligen Stahllauf streckte den Mann nieder. Tompkins wirbelte herum. Es war bezeichnend, dass er ohne Rücksicht auf die Kumpane sofort schoss. Die Parker Gun dröhnte wie eine Haubitze.

Brents Wallach wieherte schrill, aber der Bleihagel zerfetzte nur Blätter und Zweige.

Mit einem Hechtsprung verschwand Brent zwischen den Sträuchern. Er rollte ein Stück den Hang hinab, dann kroch er hinter einen Felsen.

Zweige schwankten. Der Rotfuchs wieherte erneut. Brent wartete darauf, dass Tompkins ein Ziel bot. Doch der Menschenjäger blieb in Deckung. Brent pfiff. Gleich darauf brach Redbird schnaubend durchs Gebüsch. Der Trapper schwang sich auf seinen Rücken. Da bogen Reiter um den Hügel. Es waren die Bandoleros, die die Kutsche überfielen. Mündungsfeuer blitzten. Brent duckte sich und schoss zurück.

»Lasst ihn nicht entkommen!«, schrie Tompkins.

 

 

3

Zum ersten Mal seit ihrer Flucht aus dem Tal des Rio Penasco lachte Consuela Montez. Die junge Mexikanerin hielt an der Felsbiegung. Zwanzig Schritte vor ihr überquerte eine Kojotenmutter mit einem fiependen Pelzknäuel im Fang den von Büschen gesäumten Postkutschentrail. Zwei weitere wackelbeinige Jungtiere trippelten hinter ihr.

Nach fünf Tagen und Nächten in der Kutsche, immerzu auf der Flucht vor den Schergen des Kaisers, war es eine Wohltat für die Haziendero-Tochter, wieder auf einem Pferd zu sitzen. Eine Flut schwarzer, seidig schimmernder Haare rahmte das hübsche Gesicht. Zu Rock und Bluse trug Consuela kurze Weichlederstiefel.

»Schau nur, Fernando, wie putzig die Kleinen sind!«

Der sehnige, dunkelhäutige Vaquero schloss zu ihr auf. An den Seitennähten seiner Wildlederhose blinkten Zierknöpfe. Zum roten Hemd trug er eine ärmellose Wildlederweste. Sombrero, Stiefel und Halstuch vervollständigten die Kleidung. Am Sattel hingen Reata – ein Lasso - und Gewehr. Fernando Ortega spannte sich.

»Irgendwas hat sie aufgeschreckt.«

Nur das Rauschen des Wasserfalls hinter der nächsten Biegung war zu hören. Ein Schatten überflog Consuelas Miene.

»Vielleicht ein Puma. Wir sind nicht mehr in Chihuahua. Delgados Leute werden es nicht wagen, uns über die Grenze zu folgen.«

»Da bin ich nicht sicher.«

Die Kojotenfamilie verschwand.

Sonnenschein lag auf den bewaldeten Hängen der Black Range. Ein durchsichtiger Wolkenschleier hing am Mescalero Peak. Ortega tastete nach dem Gewehr.

»Ich hätte nicht auf Sie hören dürfen, Señorita. Wir sind zu weit hinter der Kutsche zurückgeblieben.«

»Du machst dir unnötig Sorgen, Fernando.«

»Ich hab Ihrem Vater versprochen, Sie in Sicherheit zu bringen.«

»Morgen erreichen wir Deming, dann haben wir’s geschafft. Ramon Trujillo, seine Frau und seine Tochter werden uns gern aufnehmen. Wir sind seit vielen Jahren mit ihnen befreundet. Isabel hat mit mir die Schule besucht. Don Ramon besitzt ein großes Frachtunternehmen. Er ist ein einflussreicher Mann und wird mir helfen, Pistoleros anzuheuern, die Vater befreien.«

»Ich hoffe, dass Sie recht haben.« Zögernd setzte Fernando sein Pferd in Bewegung. »Bleiben Sie trotzdem ...«

Das Knattern einer Salve drang über die Kämme. Consuela erschrak.

»Delgados Killer haben die Kutsche erwischt!«, stieß der Vaquero hervor.

Wieder krachte es dumpf, als würde eine Kanone abgefeuert. Da stieß Consuela dem Falben die Fersen gegen die Seiten. Die schmale Rechte umspannte den am Sattel befestigten Revolver.

»Zurück!«, schrie Fernando. »Wir müssen fliehen!«

Doch die Muchacha preschte geduckt die Straße entlang. Die schwarzen Haare flatterten.

Ortega spornte sein Pferd hinterher.

»Kehren Sie um! Wir können nicht mehr helfen!«

Consuela hörte nicht. Ihr sonst eher melancholisches Gesicht glühte, Sträucher und Felsen huschten vorbei. An der Biegung holte Fernando sie ein. Schräg vor ihnen öffnete sich die Senke mit dem Wasserfall. Reiter jagten zur Straße. Ihre Gewehre blitzten.

Consuelas Falbe wieherte. Die Vorderbeine knickten ein.

Keuchend riss Fernando das Mädchen vor sich aufs Pferd. Kugeln schwirrten.

»Wir brauchen sie lebend!«, gellte es.

Ein hagerer, in einen schwarzen Mantel gehüllter Reiter tauchte hinter den wütend feuernden Mexikanern auf. Ein schwarzer Zylinder thronte auf seinem Kopf. Fernando durchbrach die Buschreihe am Trail und spornte den Braunen einen gras, und felsbedeckten Hang hinauf. Er hielt das Gewehr, konnte aber, da er den Arm um Consuela gelegt hatte, nicht auf die Verfolger schießen.

»Tut mir leid, Amigo!«, keuchte das Mädchen.

Fernandos Sombrero hing auf dem Rücken. Kugeln pfiffen vorbei.

»Schießen Sie!«

Consuela wurde bewusst, dass sie den Revolver umklammerte. Die Waffe krachte.

Dann ging’s auf der anderen Kammseite hinab. Felskegel ragten vor den Flüchtenden empor. Dahinter klaffte der Schlund eines Canyons. Der Vaquero wich einem Geröllstreifen aus. Zweige streiften das Pferd. Ein Blick zum Kamm zeigte Ortega die schreienden und waffenschwingenden Verfolger.

Wieder schoss Consuela. Der Braune stolperte, aber Fernandos Zügelruck verhinderte den Sturz.

Dann spürte der Mexikaner einen Schlag am rechten Bein. Er biss die Zähne zusammen. Schon fiel der Schatten der Felskegel auf Consuela und ihn. Er sprang ab.

Schüsse krachten am Hang. Fernandos Karabiner antwortete. Ein Pferd überschlug sich. Kopfüber sauste der Reiter in einen Busch. Auch Consuela wollte sich vom Pferd schwingen.

»Fliehen Sie!«, rief der Vaquero. »Ich halte die Kerle auf!« .

Die nächste Patrone klickte in die Gewehrkammer. Der Schuss dröhnte. Fluchend rissen die Angreifer ihre Gäule zurück. Gleich darauf waren nur mehr Sombrerospitzen und Gewehrläufe zu sehen. Kugeln trafen die Felsen. Querschläger jaulten.

Verkrampft saß Consuela auf dem Braunen. Sie sah das Blut, das am Bein des Vaqueros hinabsickerte. Er bemerkte ihren Blick.

»Nur ein Kratzer. Reiten Sie, sonst war alles umsonst!«

»Wir schaffen es beide.«

»Nicht auf einem Pferd.« Fernando schoss, repetierte und schoss wieder. Ein durchlöcherter Sombrero segelte über die Büsche. Flüche ertönten. »Denken Sie an Ihren Vater! Wenn Delgados Henkerknechte Sie erwischen, bleibt ihm keine Chance.«

Die schmerzliche Gewissheit, dass er recht hatte, spiegelte sich in Consuelas braunen Augen.

»Ich werd nicht vergessen, was du für mich getan hast, Fernando.«

 

 

4

Es war schon dunkel, als Brent Donovan seine Hütte am Rand der einsamen Bergwaldlichtung erreichte. Sterne funkelten über den Fichtenwipfeln. Ein Käuzchen schrie. Im Unterholz raschelte es, aber das konnte ein Nachttier sein. Dann hörte Brent ein leises Klirren. Er stand neben Redbird, die Hand am Sechsschüsser. Die Henry steckte im Sattelfutteral. Der Wallach witterte.

Das Käuzchen rief wieder, weiter entfernt. Es war kein Signal. Das Klirren wiederholte sich zwar nicht, aber Brent war sicher, dass er sich nicht getäuscht hatte.

Ein Bandolero war ihm also doch gefolgt. Wären es mehr, hätte Brent sie bestimmt auf seiner Spur entdeckt. Die Toten hatte er am Wasserfall begraben. Morgen wollte er nach Deming reiten und dem Sheriff Bescheid geben. Hatte Tompkins ihm deswegen einen Killer nachgeschickt? Lauerte er selbst in der Schwärze unter den Bäumen?

Die Erinnerung an die Eisaugen des ehemaligen Sklavenjägers beherrschte Brent. Er führte das Pferd in den Anbau und spähte durch die Ritzen in der Balkenwand. Sternenschimmer lag auf der Lichtung. Am Waldrand rührte sich nichts.

Brent sattelte Redbird ab, warf ihm Heu vor und nahm das Gewehr auf. Sein Schatten fiel an die Hüttenwand. Aber die Helligkeit genügte nicht für einen gezielten Schuss. Im Gebüsch knackte es. Trotzdem beschleunigte Brent seine Schritte nicht. Die Tür war noch genauso angelehnt wie bei seinem Aufbruch.

Ein Keuchen empfing Brent, dann eine gepresste Stimme: »Knarre weg und keine Dummheiten, Hombre! Ich seh dich gut«

Der Mann sprach englisch mit mexikanischem Akzent. Die Dunkelheit im Blockhaus verbarg ihn. Brent hob sich deutlich auf der Schwelle ab.

»Wenn ich die Tür nicht schließe und die Lampe anzünde, weiß der Kerl, der draußen rumschleicht, dass was nicht stimmt«, antwortete er ruhig.

Das Keuchen setzte aus. Brent drückte die Tür zu. Im Finstern ging er zum Tisch, auf dem die Petroleumlampe stand. Er legte das Gewehr daneben, riss ein Schwefelholz an und hielt es an den Docht. Das Keuchen war nun hinter ihm. Brent hielt die Hände vom Körper weg, als er sich umdrehte. Ein Karabiner bedrohte ihn.

Der sehnige Mexikaner kauerte auf Brents Fell und Deckenlager. Schmerz und Anstrengung zeichneten das dunkle Gesicht. Ein blutgetränktes Tuch war um den rechten Oberschenkel gebunden. Der Sombrero lag auf dem Boden. Die Hütte besaß nur ein Fenster. Brent überzeugte sich, dass der Verwundete von dort nicht zu sehen war.

»Gehörst du zur Begleitmannschaft der Kutsche?«

»Was weißt du?«

»Ich war in der Nähe des Wasserfalls und wollte deine Amigos warnen. Tompkins und seine Kumpane verhinderten es. Ich nehme an, du kennst Jake Tompkins.«

»Zur Hölle mit ihm!«

»Ich entkam den Schuften, aber einer ist mir anscheinend gefolgt. Vielleicht führte ihn auch deine Spur her ...«

Brent lauschte, dann machte er dem Verwundeten ein Zeichen, sich still zu verhalten. Als Nächstes stellte er einen bauchigen Krug zwischen sich und die Lampe, so dass er im Schatten war.

Schon flog die Tür auf. Der Untersetzte, der Brent auf dem Hügel beim Wasserfall mit der Machete in Schach gehalten hatte, stand auf der Schwelle. Das Haumesser hing am Gürtel. Die braunen Fäuste umklammerten ein Chassepot-Gewehr. Die französischen Regimenter Maximilian I. waren mit diesem Modell ausgerüstet. Die Waffe zielte auf Brent. Den Verwundeten sah der Untersetzte noch nicht. Seine Zähne blinkten.

»Buenas noches, Gringo. Tompkins möchte keinen Ärger mit dem Gesetz, bevor wir wieder in Chihuahua sind. Deshalb soll ich dich zur Hölle schicken.«

»Warum kommt er nicht selbst?«

Der Kerl lachte. »Er hat Wichtigeres zu tun ...«

Das Rascheln der Decken warnte ihn. Fluchend duckte er sich. Dabei schwenkte er das Gewehr nach links und schoss.

Das Mündungsfeuer des Verwundeten stach ihm entgegen. Ein Dröhnen füllte die Hütte. Der überhastete Schuss streifte den Bandolero nur, aber auch dessen Blei traf nur die Balkenwand.

Brent packte das Henrygewehr. Da verschwand der Gegner mit einem Satz. Der Trapper stürmte zur Tür. Eine Kugel pfiff an ihm vorbei. Ein Schatten rannte zum Wald.

Brent schoss. Er zielte auf die Beine des Flüchtenden. Im selben Moment wechselte der Mexikaner die Richtung. Keuchend und fluchend brach er gleich darauf durchs Unterholz. Brent hörte ein entferntes Wiehern. Er kehrte in die Hütte zurück. Der Verwundete stützte sich mit halb erhobenem Oberkörper auf den Karabiner. Der Verband war verrutscht, die Wunde blutete wieder.

Brent schob den Riegel vor, ehe er zu ihm trat.

»Ich bin Brent Donovan. Wie heißt du?«

»Fernando Ortega. Du darfst keine Zeit verlieren, Donovan. Die Tochter meines Patrons ist allein irgendwo da draußen in den Bergen. Sie braucht Hilfe.«

»Weshalb verfolgen Tompkins und seine Leute sie?«

»Delgado bezahlt sie«, knirschte der Vaquero.

Brent ging in die Hocke.

»Du solltest mit der Geschichte von vorn beginnen.«

»Consuelas Vater war Besitzer der größten Hazienda in Chihuahua. Das ganze Land am Rio Penasco gehörte ihm. Trotzdem entschied er sich für Juarez, als der von den Franzosen und Hidalgos eingesetzte Kaiser an die Macht kam. Die Reformen, die Juarez dem Volk versprach, waren für Carlos Montez ein selbstverständliches Gebot. Ich war Segundo auf der Hazienda. Jeder Vaquero und Peon, der fünf Jahre für ihn arbeitete, hatte Anspruch auf eigenes Land. Wir alle waren bereit, für Don Carlos durchs Feuer zu gehen. Er war einer jener Männer, die dem gestürzten Präsidenten zur Flucht verhalfen. Einige Monate später geriet er selbst in Gefangenschaft.« Ächzend ließ Fernando sich zurücksinken, hielt aber nach wie vor das Gewehr. »Die Hazienda Montez wurde von den Reales, den Truppen des Kaisers, besetzt. Nur wenige Vaqueros und Peones entkamen, aber auch Consuela, Don Carlos’ Tochter. Seine Bewacher wollen ihn zwingen, dass er Juarez verrät. Capitan Delgado, der Gefängniskommandant von La Cruz, will deshalb die Señorita in seine Gewalt bringen. Er bezahlt Tompkins aus eigener Tasche. Er rechnet damit, dass ihm Don Carlos’ Ländereien zugesprochen werden, wenn es ihm gelingt, Consuelas Vater als Werkzeug gegen Juarez zu missbrauchen.«

»Woher weißt du das?«

»Ich war heimlich bei Freunden in La Cruz, Anhängern von El Presidente. Wir wollten Montez befreien, aber es war aussichtslos. Immerhin konnten wir einen seiner Bewacher zum Reden bringen. So erfuhren wir von Delgados Plan. Der Capitan gilt sogar bei den eigenen Leuten als Schlächter und Schinder. Beim Kampf um die Hazienda, als schon feststand, dass wir unterliegen würden, nahm mir Don Carlos das Versprechen ab, die Señorita zu einer befreundeten Familie nach Deming zu bringen. Nachdem ich La Cruz verließ, waren wir fünf Tage und Nächte auf der Flucht. Wir hofften, dass Delgados Meute an der Grenze aufgeben würde.«

»Ich hielt die Kerle für Bandoleros.«

»Es sind welche, auch wenn Delgado sie bezahlt. Du musst ...«

»Ich muss gar nichts.« Brents Miene war ausdruckslos. »Ich hab mein ganzes Leben umgekrempelt und bin Trapper geworden, weil ich mit dem Bürgerkrieg, der vier Jahre lang dieses Land verwüstete, nichts zu tun haben wollte. Erwarte nicht, dass ich mich nun in den Kampf zwischen Juaristas und Kaiserlichen hineinziehen lasse!«

»Es sind Mörder. Wenn Consuela in ihre Hände fällt ...«

»Nun lieg erst einmal still, damit ich dich verbinden kann.«

»Ich erledige das selbst«, schnaufte der Vaquero. »Bring du die Señorita zu Ramon Trujillo nach Deming!«

»Befehle bin ich nicht gewöhnt.«

»Ich hab dir das Leben gerettet, Donovan.«

»Ach ja?« Brent grinste kantig. »Ich hatte den Eindruck, dass es ebenso um deinen Skalp ging.«

 

 

5

Die Nacht war von unheimlichen Geräuschen erfüllt. Fröstelnd schlang Consuela die Arme um die Knie. Sie kauerte unter einem Felsüberhang.

Nachdem der Braune zu lahmen begann, war sie zu Fuß durch dichten Wald und über steinige Halden geflüchtet. Dabei hatte sie den Revolver verloren. Sie besaß weder Wasserflasche, noch Proviant. Düster ragten die Kuppen der Black Range in den Sternenhimmel.

Montez’ Tochter hatte keine Ahnung, wie weit entfernt die Poststraße war. Klar war nur, dass Delgados Häscher nach wie vor Jagd auf sie machten. Bei jedem Rascheln und Knacken im Gebüsch fuhr sie zusammen. Ihr Herz pochte heftig.

Kojoten heulten. Dann tauchte ein Schatten zwischen den Felsen auf. Phosphoreszierende Augen glänzten. Consuela erkannte die Umrisse eines Pumas. Sie presste eine Hand auf die Lippen. Die Raubkatze sah die Bewegung. Ihr Schwanz peitschte.

Consuela wagte keine Bewegung. Sie schwitzte und fror zugleich. Mit einem lautlosen Satz verschwand das Tier.

Consuelas Glieder waren bleischwer, die Füße schmerzten. Sie musste warten, bis es tagte, bevor sie eine Entscheidung traf. Allmählich beruhigte sie sich. Die Sterne verblassten bereits, als sie, die Stirn auf den Knien, einschlief.

Feuersbrünste, Gewehrsalven und Todesschreie spukten in ihren Träumen. Soldaten des Kaisers schleppten ihren Vater in Ketten aus der von Rauchwolken überlagerten Hazienda. Sie selbst trieb hilflos und dem Ertrinken nahe den Rio Penasco hinab, der schaurig rot vom Blut der im Kampf um die Hazienda Gefallenen war.

Sonnenstrahlen weckten sie. Gleißende Helligkeit umflutete die Berge. Geblendet drehte Consuela den Kopf zur Seite. Schreck durchfuhr sie. Zwei Schritte neben ihr duckte sich ein ledergekleideter, breitschultriger Mann hinter einem Felsen. Er hielt ein Henrygewehr. Blonde Strähnen lugten unter dem flachkrempigen Hut hervor. Das Gesicht war wettergegerbt, sein Alter schwer zu schätzen. Der Fremde konnte dreißig, aber auch zehn Jahre älter sein.

»Wenn Sie schreien, Miss, wissen die Kerle, wo wir sind.«

Er wies auf den zehn Yard entfernten buschbewachsenen Hang. Die Fläche davor war ebenfalls mit Sträuchern bedeckt. Felsblöcke lagen dazwischen.

Consuela entdeckte keine verdächtige Bewegung. Misstrauisch rückte sie von dem Ledergekleideten ab.

»Wer sind Sie?«

»Brent Donovan. Ich lebe seit vier Jahren als Jäger und Fallensteller in der Black Range. Ortega schickt mich.«

»Was ist mit ihm?«, fragte die Muchacha hastig.

Brent ließ die Stecheichen, Wacholder und Cottonwoodbüsche nicht aus den Augen.

»Er liegt in meiner Hütte, ein bisschen schwach, aber ich wette, er ist bald wieder fit.«

Brents Mexiko-Spanisch war mit englischen Ausdrücken durchsetzt. Er zeigte mit dem Gewehr zu den Kiefern und Felsen auf dem Kamm.

»Mein Pferd steht da oben. Ich fand Ihre Spur bei Sonnenaufgang am Cibola Creek. Leider waren Tompkins und seine Kumpane mir um ’ne Nasenlänge voraus. Sie sind in der Nähe. Deshalb musste ich Redbird zurücklassen. Können Sie mit ’nem Colt umgehen?«

Consuela schluckte, dann nickte sie. Brent gab ihr den 44er.

»Warum helfen Sie mir?«

»Wir müssen fort. Ihre Bluse wird Sie verraten. Ziehen Sie sie aus.«

Röte übergoss Consuelas Wangen. Sie versteifte sich. Der Fallensteller brummte: »Ich hab zwar meine Spur verwischt, aber die Kerle ahnen bestimmt, dass Sie nicht mehr allein sind. Sie würden sich sonst nicht so viel Zeit lassen.«

Am Hang blinkte es. Neben einem Wacholderbusch tauchte ein Mexikaner mit Sombrero und Gewehr auf. Steine rollten, dann war nichts mehr zu hören und zu sehen.

Schweigend knöpfte Consuela die weiße Bluse auf. Das Mieder umschloss nicht sehr große, aber feste Brüste. Der gelbe Stoff bildete einen reizvollen Kontrast zur bronzegetönten Haut, war aber ebenfalls zu hell.

Brent zupfte Blätter von einigen Zweigen. Er rieb die Bluse damit ein, bis sie in etwa die Farbe seines Lederanzugs besaß. Mit einem »Erkälten Sie sich nicht« gab er sie Consuela zurück, die sie kommentarlos anzog.

»Bleiben Sie dicht hinter mir und möglichst tief am Boden!«

»Werden wir’s schaffen?«

»In einer halben Stunde wissen wir’s.«

Der Trapper kroch voran. Sie gelangten zum Fuß der Anhöhe, ohne dass sich etwas regte.

Consuela hätte nicht geglaubt, dass Gefahr drohte, wenn sie zuvor den Mexikaner nicht gesichtet hätte. Sie war fasziniert, wie lautlos und geschmeidig ihr Helfer sich bewegte. Dabei vergewisserte er sich, dass sie den Anschluss nicht verlor. Hinter einem Quader wartete er auf sie.

Consuela atmete heftig. Das Gesicht war erhitzt.

»Was ...«

Warnend legte Brent einen Finger vor den Mund. Consuela hörte ein Scharren. Dann schimmerte ein heller Fleck im Laubwerk, verschwand und zeigte sich seitlich von ihnen wieder. Brent und das Mädchen warteten reglos. Nach einer Weile schob der Trapper sich um den Felsblock. Consuela folgte. Krampfhaft hielt sie den Colt.

Ein Rascheln kam von rechts. Sie erreichten eine Rinne. Zweige wölbten sich über sie. Plötzlich rollte ein Stein auf sie zu. Brent zog die Muchacha unter die Büsche. Zweige schwankten vor ihnen. Erschrocken hob Consuela den 44er. Brent drückte die Waffe herab.

»Ich bin’s, Amigo!«, rief er leise.

»Felipe?«

»Still!«, zischte Brent. »Sie sind in der Rinne.«

Ein Mexikaner kroch, halb von den Sträuchern verdeckt, heran. Brent warf sich auf ihn und betäubte ihn.

Zum Kamm waren es nur mehr wenige Yards. Ein Schnauben und Stampfen drang zu ihnen. Brent murmelte eine Verwünschung.

»Jemand ist bei meinem Wallach.«

»Sie sind fort!«, schallte es von der überhängenden Felswand. Mexikaner tauchten zwischen den Granitblöcken auf. Im Schutz der Büsche eilten Brent und Consuela auf den Kamm. Der Rotfuchs stand zwanzig Schritte vor ihnen unter einer Gruppe Kiefern. Eine schwarz gekleidete Gestalt lehnte an dem Baum, an den er festgeleint war.

»Tompkins«, hauchte Consuela.

»Lenken Sie ihn ab!«

Bevor Consuela antworten konnte, tauchte Brent in den Schatten.

Zögernd trat sie aus der Deckung. Das Pferd bewegte sich. Die Gestalt bei der Kiefer war nicht mehr zu sehen. Vorsichtig, als hätte sie Angst, der Wallach könnte sie mit einem Wiehern verraten, näherte sie sich ihm. In der Senke rief ein Mexikaner: »Verteilt euch! Sie können noch nicht weit sein.«

Tompkins hielt statt der Parkerflinte ein Wurfseil. Pferd und Bäume verdeckten ihn. Er wartete, bis Montez’ Tochter noch näher kam.

»Diesmal bin ich dran«, meldete sich Brent hinter ihm.

Tompkins brachte noch die Hand an den Sechsschüsser. Brents Hieb warf ihn nach vorn. Schnell band Brent das Pferd los.

Consuela hastete zu ihm. Er hob sie hinauf.

»Da sind sie!«

Ein Schuss krachte am Hang. Auch Brent feuerte.

Im nächsten Moment saß er hinter dem Mädchen. Redbirds Hufe hämmerten.

 

 

6

Erschöpfung zeichnete Consuelas Gesicht. Brent gab ihr die Wasserflasche. Seine grauen Augen prüften die tieferliegenden Einschnitte und Hohlwege hinter ihnen. Es war heiß und windstill, nirgends eine Bewegung zu erkennen. Nur ein Bussard schrie. Der Gipfel des Mescalero Peak schien von flüssigem Gold beglänzt.

Die Muchacha hatte die anfängliche Scheu überwunden und lehnte sich an Brent.

»Wir haben sie abgehängt.«

»Wenn Tompkins der Jäger ist, für den ich ihn halte, dauert es nicht lange, bis uns wieder Kugeln um die Ohren jaulen.«

»Wir sollten die Fährte verwischen.«

»Das wäre Zeitverschwendung.«

Brent kniff die Augen zusammen. Dann entdeckte auch Consuela die Reiter. Hintereinander kamen sie durch eine von roten Klippen gesäumte Kerbe.

Tompkins hielt die Spitze. Die hagere, schwarz gekleidete Gestalt war auch auf die Entfernung unverkennbar. Plötzlich hielt er. Ein Fernglas blinkte.

»Tut mir leid. Ich hätt Sie gern noch ’ne Weile verschnaufen lassen.« Brent trieb den Wallach wieder an.

»Wie weit ist’s noch zu Ihrer Hütte?«

»Wir reiten nach Deming.«

»Aber Fernando ...«

»Ich hab ihm versprochen, dass ich Sie zu Trujillo bringe. Danach ist die Sache für mich gegessen.«

»Ich bedauere, dass ich Ihnen Umstände mache, Señor Donovan«, erwiderte sie kühl. »Ich werde dafür sorgen, dass Don Ramon Sie für die Mühe entschädigt.«

»Sie schulden mir nichts.«

Sie ritten durch ein schmales, mehrfach gewundenes Tal. Bewaldete Hänge, über denen sich zerklüftete Felsbastionen erhoben, rahmten es ein. Blauer Himmel leuchtete. Die Hufe pochten auf weichem Grasboden.

Consuela spähte über Brents Schulter. Die Verfolger waren nicht zu sehen. Sie schienen es nicht eilig zu haben. Schließlich räusperte die Mexikanerin sich.

»Deming liegt doch im Süden.«

»Stimmt.«

»Wir reiten aber nach Westen.«

Brents Mundwinkel deuteten ein Grinsen an.

»Wir werden ’nen kleinen Umweg machen, damit wir Tompkins’ Meute loswerden.« Das Pferd stampfte um eine Biegung. Der Trapper hielt. Ein mächtiges, von Rissen und Kaminen durchzogenes Felsmassiv türmte sich vor ihnen. Der Hang darunter war mit Grasbüscheln und Felsbrocken bedeckt. Consuela sah keinen Durchlass.

»Eine Falle!«

»Wir müssen hinauf.«

»Unmöglich!«

»Sehen Sie das Felsband? Das ist der Pfad. Ich hab da mal ’ne Horde Apachen abgehängt.«

Consuela schauderte. Am Hang stiegen sie ab. Er war steil. Brent zog das Pferd.

»Halten Sie sich am Steigbügel fest«, riet er.

Steine rollten. Die Felsmauer ragte in schwindelnde Höhe empor. Da und dort krallten sich Sträucher in die Spalten. Die Sonne brannte. Die Kleidung klebte an Consuela.

Dem Trapper war keine Erschöpfung anzumerken. Er lotste die Muchacha und den Rotfuchs zu einer Buschgruppe seitlich am Hang. Die Blöcke dahinter standen so dicht, dass Consuela kein Durchkommen sah - bis Brent um einen mannshohen Quader bog.

Die Felsleiste lag vor ihnen. Rechts klaffte ein Abgrund, in den kein Sonnenstrahl drang.

Consuela schloss die Augen.

»Lassen Sie mich zurück, Donovan!«

»Steigen Sie auf Redbird! Er kennt den Weg.« Brent half der Muchacha hinauf. Dann tätschelte er den Hals des Pferdes.

»Du machst das schon, Redbird, nur ruhig.« Er führte den Rotfuchs auf die Leiste. Sie war gerade so breit, dass Brent neben dem Pferd gehen konnte. Das Tier vertraute ihm. Consuela hielt sich am Sattelhorn fest. Manchmal streifte ihr linker Fuß die Felswand. Brent bewegte sich völlig sicher.

»Schauen Sie nicht nach unten, nur geradeaus, oder schließen Sie die Augen!«

Trotzdem riskierte die Mexikanerin einen Blick in die Tiefe. Ihr Atem stockte. Der Pfad führte zu einem Felsvorsprung. Rufe und Hufgetrappel wehten herauf. Reiter jagten durchs Tal. Schüsse krachten. Ruhig schritt Brent weiter.

Erst als die Verfolger den Hang erreichten und von dort das Feuer eröffneten, zielte er ebenfalls. Er setzte die Henry jedoch wieder ab. Die Entfernung war für das kurzläufige Mehrladegewehr zu groß. Einige Bandoleros besaßen weittragende Sharpsgewehre, deren Geschosse den Flüchtenden gefährlich nahe kamen.

Brent ging schneller. Der Rotfuchs war schusssicher.

Auch wenn die Gegner den Felspfad fanden, konnten sie Brent und das Mädchen nicht mehr einholen. Wütend feuerten sie. Doch der Schusswinkel veränderte sich ständig.

Consuela hielt nun tatsächlich die Augen geschlossen. Sie öffnete sie erst, als das gleichmäßige Pochen der Hufe aussetzte. Auf eine Länge von vier Yard war fast das halbe Felsband weggebrochen. Risse durchzogen den übrigen Sims. Wenn der Wallach überhaupt da hinüberkam, dann nicht mit der Reiterin. Schnaubend blähte er die Nüstern. Brent schob die Henry in den Scabbard.

»Damit hab ich nicht gerechnet. Sie müssen absteigen, Lady.«

Consuela war zu keiner Bewegung fähig. Sie zitterte, als er sie herabhob. Die Gewehre schwiegen. Gespannt blickten Tompkins und seine Helfer herauf.

»Wir schaffen es«, versprach Brent.

»Ich bring erst Sie hinüber, danach Redbird.«

»Ich ... kann nicht mehr.«

»Ich hab meine Haut nicht riskiert, damit Sie kurz vor dem Ziel aufgeben.«

Consuela kniff die Lippen zusammen. Brent nahm ihre Hand und zog sie mit. Unter ihren Füßen knirschte es. Wieder krachten die Gewehre. Doch sie befanden sich bereits in solcher Höhe, dass die Schüsse nicht mehr gefährlich waren.

»Donovan ...«

»Nur ruhig! Drehen Sie das Gesicht zur Felswand! Gleich haben wir’s geschafft.« Brent führte sie weiter. Die Beine trugen Consuela kaum mehr, als sie wieder auf der yardbreiten Leiste standen. Sie lehnte sich in eine Nische.

»Ich hol das Pferd.«

»Bleiben Sie! Der Fels trägt das Gewicht nicht.«

»Ich muss es versuchen.«

Redbird wartete geduldig. Brent brachte es nicht über sich, das Tier im Stich zu lassen. Der Fels knirschte, als er zurückging.

»Komm, Alter, bevor du Wurzeln schlägst.«

Der Rotfuchs stemmte die Hufe ein. Brent zog sein fransenverziertes Lederhemd aus und bedeckte den Kopf des Wallachs damit. Dann führte er ihn auf den schmalen Sims. Felsbrocken lösten sich. Der Sockel knirschte. Die Risse verbreiterten sich.

»Donovan, schnell!«

Schon war Brent auf festem Boden. Der Fels brach unter Redbirds Hinterhufen. Das Pferd rettet sich mit einem Satz.

Donnernd stürzte der morsche Sockel in die Tiefe.

 

 

7

Der Untersetzte, der Brent in der Hütte zu überrumpeln versuchte, kam mit zwei Kumpanen zurück. Geduckt ritten sie zur Lichtung. Der Moos und Nadelteppich dämpfte den Hufschlag.

Der Anführer trug einen Verband am rechten Arm. Die Verletzung behinderte ihn jedoch nicht. Gegenüber dem Blockhaus saßen sie ab.

»Bleib bei den Pferden, Jorge! Ich schleich mich rechts an, du links, Diego. Sieh nach, ob der Gaul des Gringos im Anbau steht. Wenn sie zu zweit sind, lenk ich sie ab.«

»Schon gut.« Der Kumpan zeigte ein lückenhaftes Gebiss. »Sie schmoren schon in der Hölle.«

Die Kerle schnallten die Sporen ab, dann trennten sie sich. Der Pferdewächter band die Zügel fest.

Zwanzig Schritte entfernt kauerte Fernando in einer Mulde. Sein Karabiner war mit nur einer Patrone geladen. Er besaß sonst nur das Messer.

Brent hatte die Fleischwunde am Oberschenkel des Mexikaners fachmännisch versorgt. Sie war nicht gefährlich, aber Schmerz und Blutverlust schwächten Fernando. Im Morgengrauen, als er aufwachte, war Brent fort gewesen. Es hatte ihn alle Willenskraft gekostet, das Blockhaus zu verlassen und sich im Wald zu verstecken. Nun wusste er, dass er Tompkins’ Kumpane richtig eingeschätzt hatte. Wenn sie ihn erwischten, würden sie auch den Trapper jagen.

Fernando duckte sich. Eine schemenhafte Gestalt schlich vorbei. Gras raschelte. Ein Wiehern ertönte. Die Sonne beschien die Lichtung. Keine Wolke trübte das Firmament. Der Vaquero wartete, dann kroch er mit zusammengebissenen Zähnen aus dem Versteck. Schmerzwellen durchpulsten ihn. Doch er musste die Pferde haben, den Gegnern zu entkommen. Sie würden Spuren suchen, nachdem sie die Hütte leer fanden.

Fernando versuchte hinter den Pferdewächter zu gelangen. Lichtflecken sprenkelten den Waldboden. Er wich ihnen aus. Seine Atemzüge waren kurz und heftig. Die Pferde bewegten sich jedoch, so dass der Posten nichts hörte. Fernando sah ihn nun. Er stand mit dem Rücken zu ihm hinter einer Fichte und beobachtete die Lichtung. Schräg gegenüber lauerte der Untersetzte.

»He, Ortega!«

Die Stille vertiefte sich. Der dritte Bandolero blieb unsichtbar. Es würde nicht mehr lange dauern, bis die Kerle merkten, dass Donovans Hütte leer war. Fernando kroch zum nächsten Baum. Die Wunde schmerzte, aber er nahm keine Rücksicht darauf. Schweiß sickerte über das dunkle Gesicht. Am Rand der Lichtung peitschte ein Schuss.

»Gib auf, Ortega!«

Die Pferde stampften. Fernando lag sechs Schritte hinter dem Posten. Mühsam richtete er sich auf. Er hielt sich an einem Ast fest.

»Der Anbau ist leer, der Gringo fort«, schallte es.

»Dann kommen wir, Ortega«, drohte der Anführer. Das Gewehr krachte abermals. Auch der Pferdewächter hob die Waffe.

Der Vaquero hangelte sich hinter ihm mit der freien Hand von Ast zu Ast. Der Karabiner war schlagbereit. Die Pferde witterten ihn. Doch der Aufpasser beachtete sie nicht.

Drüben tauchte der dritte Bandolero an der Hüttenecke auf. Mit drei Sätzen erreichte er die Tür. Aufs Geratewohl jagte er einen Schuss ins Innere. Geduckt hastete der Untersetzte zu ihm. Er feuerte durchs Fenster.

»Fahr zur Hölle, Ortega!«

Der andere stieß die Bohlentür auf.

»Caramba! Der Gringo hat Ortega fortgebracht.«

»Wir brauchen die Pferde, Jorge!«

Doch der Posten lag reglos im Gras. Fernandos Kolbenhieb hatte ihn niedergestreckt. Keuchend lehnte der Vaquero an einem Baum.

»Bist du schwerhörig, Jorge?«

Mit zittrigen Händen löste Fernando die Zügel und leinte die Tiere zusammen. Dann tauschte er seinen Karabiner mit dem Gewehr des Bewusstlosen. Er nahm auch den Sechsschüsser. Als er sich in den Sattel ziehen wollte, glitt seine Hand ab. Mit einem Schmerzlaut sank er ins Gras.

»Jorge!«, tönte es zornig. Die beiden Bandoleros kamen über die Lichtung. Der Untersetzte duckte sich plötzlich.

»Pass auf, da stimmt was nicht!«

Auf der Seite liegend, hob Fernando die Waffe und schoss. Fluchend warfen die Gegner sich ins Gras. Mündungsfeuer blitzten. Fernando schoss erneut, dann zog er sich am Steigbügel hoch. Ächzend kam er in den Sattel.

 

 

8

Die Lichter von Deming blinkten am Fuß der bewaldeten Bergausläufer. Noch weiter entfernte Lichtpunkte stammten von den Silberminen, die seit Kriegsende wieder in Betrieb waren. Ein langgestreckter Kamm schob sich dazwischen.

Redbirds Hufe malmten gleichmäßig. Consuela war vor Erschöpfung eingeschlafen. Ihr Kopf ruhte an Brents Schulter. Er spürte die Wärme ihres Leibes. Sein rechter Arm stützte sie. Mit der Linken hielt er die Zügel.

Rädergerassel trieb ihn in Deckung. Ein Fahrzeug jagte auf der Poststraße heran. Consuela wachte auf.

»Was ...« Da stürmte das Vierergespann schon vorbei. Überrascht erkannten Brent und das Mädchen die Kutsche, der die Bandoleros am Wasserfall auflauert hatten.

Tompkins saß auf dem Bock, Zügel und Peitsche in den knochigen Fäusten. Die hagere Gestalt war nach vorn gebeugt. Der Zylinder saß auf dem Kopf. Acht Mexikaner galoppierten hinter dem Gefährt. Neben dem Untersetzten mit dem verbundenen Arm lief Tompkins’ Pferd. Kutsche und Reiter brausten in Richtung Deming. Die Peitsche knallte.

»Hüüyaah!«, rief Tompkins. Das Rumpeln verklang.

Consuela fröstelte.

»Sie wissen, wohin ich will.«

»Vielleicht ein Zufall.« Doch Brent glaubte selbst nicht daran. Er lenkte Redbird auf die Anhöhe vor der Stadt. Gebäude mit knallig bemalten Bretterfassaden säumten die Main Street. Aus den Fenstern fiel Licht. Vordachlaternen brannten. Die Höfe, Anbauten und Seitengassen lagen im Dunkeln.

Brent kannte jeden Winkel, obwohl er nur alle paar Wochen nach Deming kam. Trujillo und seine Familie bewohnten das weiße, im spanischen Stil errichtete Gebäude im Mexikanerviertel. Es überragte die Lehmziegelhäuser wie ein Palast. Der Frachtwagenhof, die Ställe und Remisen lagen daneben. Mauern umschlossen sie.

Ein Fuhrwerk mit lärmenden Minenarbeitern rollte in die Stadt. Cowboys von den umliegenden Ranches tauchten in dem von den Rädern aufgewirbelten Staub auf. Stadtbewohner standen auf den Gehsteigen. Brent entdeckte die Kutsche vor dem Southern Cross Saloon. Die Pferde waren noch angeschirrt. Von Tompkins und den Mexikanern war nichts zu sehen. Im Schutz der Sträucher und vereinzelten Bäume ritt Brent zum Stadtrand. Der Mietstall war sein Ziel.

»Was haben Sie vor?«, fragte Consuela.

»Falls die Kerle auf Sie warten, lenk ich sie ab! Old Pete, der Stallmann, wird Sie zu Trujillo bringen. Er ist mein Freund. Sobald Sie in Sicherheit sind, verlass ich Deming.«

Der Stallmann war ein weißmähniger Alter mit krummem Rücken und zerknittertem Gesicht.

»Da hast du dir ’ne verteufelt hübsche Muchacha angelacht, Junge«, strahlte er. »Wird auch Zeit, dass du unter die Haube kommst.«

»Ich denk nicht dran.«

Consuela wurde rot. Brent berichtete. Old Pete kratzte sich hinter dem Ohr.

»Natürlich bring ich die Lady zu Don Ramon. Ich spann den geschlossenen Wagen an. Niemand wird Verdacht schöpfen. Pass gut auf dich auf! Ich sah die Bande vorbeireiten. Wenn du mich fragst: Jeder von diesen Strolchen ist gefährlicher als ein Nest Klapperschlangen.«

Brent nahm wieder die Zügel. Consuela trat zu ihm.

»Ich danke Ihnen für alles, Donovan.«

»Ich hatte es Ortega versprochen.«

»Ich möchte trotzdem, dass Sie diesen Ring nehmen.« Consuela streifte ihn von der linken Hand. Er war mit winzigen Türkisen besetzt. »Als Andenken«, fügte sie hinzu, als der Fallensteller zögerte. Ihre Blicke trafen sich.

Old Pete hüstelte. Er schien darauf zu warten, dass Brent das Mädchen küsste. Brent nahm den Ring.

»Danke, Miss. Ich werd Sie nicht vergessen.«

»Ich Sie auch nicht, Donovan.«

Brent führte den Rotfuchs durchs hintere Tor und saß auf. Erst einige Häuser weiter lenkte er ihn auf die Main Street. Reiter kamen vorbei. Stimmen schwirrten. Hinter einem halb offenen Fenster keifte eine Frau. Brents Aufmerksamkeit galt den Schattenstellen. Ein Pfiff schrillte, kaum, dass er zehn Yard zurückgelegt hatte. Von weiter entfernt kam Antwort.

Brent grinste. Es war seine Absicht, dass die Bandoleros sich auf ihn konzentrierten. Sie würden es nicht wagen, mitten in Deming über ihn herzufallen.

Langsam ritt er weiter. Ein Frachtwagen überholte ihn. An der Ecke von Jessups Store verharrte eine ponchoumhüllte Gestalt. Sie trat in den Schatten, als Brents Blick sie traf. Neben Wilbums Schmiede glänzte ein Gewehrlauf. Da stieg Brent ab und führte den Wallach. Er hielt die Zügel kurz, so dass er jeden Augenblick hinter dem Pferd in Deckung gehen könnte.

Brents nächste Station war das Sheriffs Office. Tür und Läden waren geschlossen. Kein Licht schimmerte in den Ritzen. Trotzdem band der Trapper Redbird an den Vordachpfosten. Die Tür war unverschlossen. Er trat ein. Eine Zigarette glühte.

»Sheriff?«

Der Glutpunkt beschrieb einen Bogen. Funken sprühten, als die Zigarette auf die Bretter fiel.

Gleichzeitig bemerkte Brent eine Bewegung neben sich. Blitzschnell drehte er sich und zog.

Ein Messer verfehlte ihn knapp. Der Angreifer prallte gegen ihn. Brent lenkte die Klinge ab und schlug den Gegner nieder. Der Raucher sprang auf ihn zu. Brent wich aus. Fluchend drehte der Kerl sich mit. Da packte Brent Sheriff Hayes’ Besucherstuhl. Ein Messer bohrte sich ins Holz. Brents Tritt schleuderte den Gegner an die Wand. Dann betäubte er ihn ebenfalls mit dem Colt. Geduckt glitt er zur Seite.

Kein Angriff erfolgte mehr. Brent schloss erst die Tür, ehe er ein Streichholz anzündete.

Die Messerstecher waren Mexikaner. Ihre brutalen Gesichter hätten gut auf einen Steckbrief gepasst. Der Trapper brannte den Lampendocht an. Dann entwaffnete er die Kerle und sperrte sie in die ans Office grenzende Zelle. Er wollte im Saloon fragen, wo der Sternträger steckte.

Die Kutsche stand noch davor, daneben eine lange Reihe struppiger Cowboypferde. Drinnen herrschte Hochbetrieb. Die Lampen schwammen in einem Nebel aus Tabakqualm und Whiskydunst. Stimmengebraus füllte den Raum. Gläser klirrten, Würfel klapperten. Zwischendurch brandete Gelächter auf. Gäste lungerten an der Theke. Der bärtige Salooner bediente.

Einer war Jake Tompkins. Er fiel unter den Weidereitern und Minenarbeitern sofort auf.

Brent stellte sich neben ihn. Tompkins wandte ihm kurz das verkniffene, schnurrbärtige Gesicht zu, dann widmete er sich wieder seinem Drink.

»Mir auch einen, Mike«, verlangte Brent.

»Hallo, Brent! Ich dachte, ich würde dich erst wieder in sechs Wochen sehen.«

Details

Seiten
124
Jahr
2020
ISBN (eBook)
9783738942910
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v917748
Schlagworte
juarez

Autor

Zurück

Titel: Es lebe Juarez