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Abserviert mit heißem Blei: N.Y.D. – New York Detectives

2020 98 Seiten

Zusammenfassung


Sieben Jahre musste Howard Mitchell im Gefängnis verbringen, nachdem der Privatdetektiv Bount Reiniger ihn auf der Flucht nach einem Banküberfall angeschossen hatte. Nach diesen sieben Jahren wird Mitchell entlassen und macht sich daran, seinen damaligen Schwur in die Tat umzusetzen: Rache an seinen ehemaligen Kumpanen und an Bount Reiniger. Alle müssen sterben!

Leseprobe

Table of Contents

Abserviert mit heißem Blei: N.Y.D. – New York Detectives

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Die Hauptpersonen des Romans:

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Abserviert mit heißem Blei: N.Y.D. – New York Detectives

Krimi von A. F. Morland

 

Der Umfang dieses Buchs entspricht 98 Taschenbuchseiten.

 

Sieben Jahre musste Howard Mitchell im Gefängnis verbringen, nachdem der Privatdetektiv Bount Reiniger ihn auf der Flucht nach einem Banküberfall angeschossen hatte. Nach diesen sieben Jahren wird Mitchell entlassen und macht sich daran, seinen damaligen Schwur in die Tat umzusetzen: Rache an seinen ehemaligen Kumpanen und an Bount Reiniger. Alle müssen sterben!

 

 

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books, Alfred Bekker, Alfred Bekker präsentiert, Casssiopeia-XXX-press, Alfredbooks, Uksak Sonder-Edition, Cassiopeiapress Extra Edition, Cassiopeiapress/AlfredBooks und BEKKERpublishing sind Imprints von

Alfred Bekker

© Roman by Author

© Cover Firuz Askin

© dieser Ausgabe 2020 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

Alle Rechte vorbehalten.

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Die Hauptpersonen des Romans:

Howard Mitchell – Als ihn seine Freunde bei einem Banküberfall im Stich lassen, schwört er ihnen blutige Rache.

Bart Hartong – Er fungiert als Doppelgänger, aber Bount Reiniger kann er nicht täuschen.

Polly Tanara – Als Mitchells einstige Freundin versucht sie, wieder auf der Seite des Gewinners zu landen.

Larry Bellamy, Lon Massey, Warren Waggner – Die einstigen Komplizen Mitchells müssen um ihr Leben zittern, als dieser nach sieben Jahren aus dem Gefängnis kommt.

June March – ist Bounts Assistentin und hilft ihm bei seinen Fällen.

Bount Reiniger – ist Privatdetektiv.

 

 

1

Der gestohlene Pontiac mit der falschen Zulassungsnummer stoppte vor der CRANSTON BANK. Drei Männer mit Fantomas-Masken stiegen aus dem Fahrzeug. Sie trugen unter ihren Trenchcoats Tommy-Guns. Während sie sich hastig umsahen, eilten sie auf die kleine Privatbank zu.

Der Fahrer blieb im Wagen sitzen und ließ den Motor laufen. Der ganze Zauber sollte nur wenige Minuten in Anspruch nehmen. Nervös trommelte der Mann im Pontiac auf das Lenkrad, während er sich bemühte, die Straße vor und hinter sich im Auge zu behalten.

Indessen stürmten die Maskierten in den Kassenraum. Der Graukopf, der über die Sicherheit des Geldes und der Bankangestellten sowie der Kunden wachen sollte, gähnte gerade herzhaft, als die Gangster erschienen.

Noch nie war die CRANSTON BANK überfallen worden. Obwohl man einen Wachtposten aufgestellt hatte, dachte niemand im Ernst daran, dass hier einmal Verbrecher auftauchen würden. Am allerwenigsten der Wächter selbst.

Als er nun die graugrünen Gummi-Kahlschädel erblickte, wurde er blass. Es dauerte eine Weile, bis er reagierte. Mittlerweile erreichte ihn schon einer der Gangster, und als er seinen Revolver aus dem Leder reißen wollte, schlug der Maskierte mit der Tommy-Gun zu.

Ächzend brach der Wächter zusammen.

Einer der Verbrecher ließ seine Maschinenpistole hämmern. Die Kugeln ratterten über die Köpfe der Anwesenden hinweg, bohrten sich in die Decke und schrammten über das Eichenfurnier der Hochbauschränke im Hintergrund.

„Falls es einer noch nicht gemerkt haben sollte!“, schrie der Schütze. „Dies ist ein Überfall!“

Kunden und Bankangestellte hoben automatisch die Hände.

„Hinlegen! Los! Los! Los! Auf den Boden mit euch! Und zwar mit dem Gesicht nach unten. Wer in drei Sekunden noch steht, den nieten wir um! Eins – zwei – drei …“

Alle lagen flach.

„So ist‘s richtig!“, lobte der Gangster. Er flankte über das Pult, das Kunden und Angestellte trennte, stieß mit dem Fuß eine flache Reiseschreibmaschine herunter, kümmerte sich nicht darum, sondern eilte zur Kasse, um sich zu bedienen.

Während einer seiner Komplizen mit schussbereiter Waffe darauf achtete, dass alle Anwesenden liegen blieben, sprang der andere gleichfalls über das Pult und verschwand im Tresorraum, dessen dicke Stahltür nicht geschlossen war. In großer Hast stopften die Gangster das gesamte Papiergeld, dessen sie habhaft werden konnten, in große schwarze Plastiktüten.

Der Mann im Kundenraum blickte auf seine Uhr. „Jungs, es ist Zeit, zu verduften!“

Seine Freunde griffen noch ein letztes Mal zu, dann kehrten sie zurück. Im Krebsgang begaben sich die Gangster zur Tür.

„Wenn einer die Nase zu früh aus der Bank steckt, pusten wir sie ihm weg. Ihr bleibt alle liegen und zählt bis hundert. Wer bei neunundneunzig aufspringt, muss damit rechnen, dass wir mit ihm kurzen Prozess machen!“

Einer der drei Maskierten stieß die Tür auf. Draußen öffnete der Fahrer die Wagenschläge. Der Blitzaktion schien ein voller Erfolg beschieden zu sein. So sah es im Moment noch aus.

Aber den Gangstern sollte ein Mann in die Quere kommen, und das war Bount Reiniger.

 

 

2

Der Privatdetektiv Bount Reiniger erfreute sich an diesem Tag bester Laune, und das hatte seinen besonderen Grund. Jill Jones, die reizende Reporterin, die es sich in den Kopf gesetzt hatte, einen Bericht über ihn zu schreiben, hatte seine Einladung zum Lunch angenommen.

Es hatte Lammkeulen vom Holzkohlengrill gegeben, dazu Rotwein. Und Bount hatte sich angeregt mit Jill unterhalten. Er spürte, dass da mehr als berufliches Interesse im Spiel war, und da Jill ein besonders hübscher Käfer mit langem schwarzem Haar, üppigen Brüsten und attraktiv geschwungenen Augenbrauen war, schmeichelte ihm das.

Nach dem Essen musste sie in die Redaktion. Bount brachte sie hin. Vor dem hohen Glas-Beton-Palast verabschiedete er sich von ihr. „Wann sehen wir uns wieder?“, fragte er.

„Darf ich Sie morgen anrufen?“

„Wann immer Sie wollen.“

„Ich habe noch eine Menge Fragen an Sie.“

„Die ich nach bestem Wissen und Gewissen beantworten werde“, sagte Bount Reiniger.

„Sie sind ein sehr interessanter Mann, Mister Reiniger.“

„Warum nennen Sie mich nicht Bount?“

„Gern, Bount.“

„Ich muss Ihnen das Kompliment zurückgeben. Sie sind ein sehr interessantes Mädchen. Wir müssen uns noch sehr oft treffen.“

„Ich habe nichts dagegen.“

„Fein. Also dann bis morgen“, sagte Bount, und Jill Jones betrat das Gebäude, in dem sich ihre Zeitungsredaktion befand. Bount sah ihr durch die breite Glastür nach. Sie traf vor dem Fahrstuhl eine Kollegin, die sie sofort in ein Gespräch verwickelte. Lächelnd wandte sich Bount um und wollte sich wieder in seinen Wagen setzen.

Da vernahm er die Schüsse.

Sie waren in der CRANSTON BANK abgefeuert worden. Etwa zweihundert Yards entfernt. Bount startete sofort. Vor der Bank stand ein Wagen, in dem ein Mann saß. Kragen hochgestellt. Hutkrempe tief ins Gesicht gezogen. Vom Antlitz war nichts zu sehen.

Bount zog seine Automatic aus der Schulterhalfter und entsicherte sie. Seit Jahren jagte er Verbrecher. Zumeist über Auftrag. Diesmal kam er durch Zufall zum Zug, und er war entschlossen, die Bankräuber nicht entkommen zu lassen.

Da tauchten sie schon auf.

Sie trugen Fantomas-Masken. Passanten wichen entsetzt vor ihnen zurück und ergriffen die Flucht, als sie die Maschinenpistolen erblickten. Bount Reiniger fehlten noch dreißig Yards bis zu ihnen.

Zwei Tommy-Guns richteten sich auf ihn. Die Gangster erkannten, was er im Sinn hatte. Die Waffen spien Feuer, und Bount hechtete nach rechts hinter einen parkenden Wagen.

Die Verbrecher warfen ihre Beute in den Pontiac. Bount Reiniger erwiderte das Feuer. Drei Kugeln verfehlten die Maskierten nur knapp.

Die vierte Kugel aber riss einen der Kerle nieder.

Die beiden anderen sprangen in den Pontiac, ohne sich um ihren Komplizen zu kümmern. Es war ihnen wichtiger, die eigene Haut zu retten, als dem Freund zu helfen.

Der Motor heulte auf.

Der Angeschossene bemühte sich verbissen, auf die Beine zu kommen. „Wartet!“, schrie er. „So wartet doch!“

Aber die Komplizen dachten nicht daran. Der Fahrer gab Vollgas, die Türen knallten zu, der Pontiac raste mit pfeifenden Pneus los.

Bount wagte sich hinter dem Fahrzeug, hinter dem er Deckung gesucht hatte, vorsichtig hervor. „Fantomas“ lag auf dem Gehsteig, die MP immer noch in den Händen.

„Waffe weg!“, rief Bount Reiniger.

„Komm her, du Schwein!“, schrie der Bankräuber. „Damit ich dich mit heißem Blei vollpumpen kann!“ Er richtete die Tommy-Gun auf den Detektiv.

„Waffe weg!“, rief in diesem Moment vom Bankeingang her der uniformierte Wachtposten. Der Graukopf war soeben zur Besinnung gekommen und hatte sich seiner Pflicht besonnen.

Nach zwei Richtungen gleichzeitig konnte der Gangster nicht feuern. Wenn er auf den einen Gegner schoss, machte ihn der andere fertig. Er saß in der Klemme, deshalb trennte er sich schweren Herzens von der MP. Er schob sie mit beiden Händen von sich und griff anschließend ächzend nach seinem blutenden Bein.

Bount näherte sich dem Mann mit der nötigen Vorsicht. „Fantomas“ konnte jederzeit einen Revolver hervorzaubern.

„Verständigen Sie die Polizei!“, rief Bount Reiniger dem Wachmann zu. Er setzte dem Maskierten die Pistole an die Brust und durchsuchte ihn. Eine Walther PPK kam zum Vorschein. Und ein Springmesser. Beides nahm Bount Reiniger an sich. Danach sagte er: „Dir muss unter dieser lächerlichen Maske doch schrecklich heiß sein. Wir werden sie abnehmen.“

Mit diesen Worten riss er dem Verbrecher das Gummigesicht vom Kopf und erlebte dabei eine kleine Überraschung. Er kannte den Mann, der unter der Fantomas-Maske zum Vorschein kam. Das war Howard Mitchell, ein Bursche, der in seinem Leben noch nie eine weiße Weste gehabt hatte.

„Sieh einer an“, sagte Bount Reiniger grinsend.

„Ach, geh zum Teufel, Bount Reiniger!“, knurrte Mitchell. Er starrte Bount hasserfüllt an. Schaulustige umringten sie.

„War nicht nett von deinen Freunden, dich im Stich zu lassen“, meinte Bount spöttisch.

„Dafür werde ich mich revanchieren.“

„Aber erst in sieben Jahren, denn so lange wirst du wohl ins Gefängnis müssen.“

„Ich habe ein Gedächtnis wie ein Elefant, Reiniger. Ich vergesse nichts. Ich vergesse ganz bestimmt auch nicht, wem ich es verdanke, dass ich hier liege.“

Bount grinste. „Hört sich beinahe wie eine gefährliche Drohung an.“

„Kannst du halten wie‘n Dachdecker.“

Polizei und Rettung trafen ein. Howard Mitchell wurde abtransportiert. Bount gab auf dem zuständigen Revier seine Aussage zu Protokoll. Er hatte sich das Kennzeichen des Pontiac gemerkt. Ein Anruf beim Verkehrsamt genügte, um festzustellen, dass diese Nummer nicht registriert war.

Der Pontiac wurde eine halbe Stunde später auf einem öffentlichen Parkplatz mit offenen Türen gefunden. Es stellte sich heraus, dass das Fahrzeug gestohlen worden war. Fingerabdrücke konnten keine sichergestellt werden.

Zwei Tage später begannen die Verhöre, aber Howard Mitchell blieb stumm wie ein Fisch. Verbittert starrte er die weiße Wand an. Mittlerweile stand es in allen Zeitungen, dass den Räubern bei ihrem Blitz Fischzug fast eine halbe Million Dollar in die Hände gefallen war.

Natürlich wurmte es Mitchell, dass er nichts von der Beute zu sehen bekam, und dass er im Untersuchungsgefängnis saß, während seine Freunde frei herumliefen, aber er gab ihre Namen nicht preis. Er wollte sich selbst um sie kümmern. Später, wenn auch er wieder frei war.

Es gab zwar Mutmaßungen, und man verdächtigte bestimmte Leute der Komplizenschaft, aber man konnte ihnen nichts anhaben. Jeder der Betroffenen konnte mit einem hieb- und stichfesten Alibi aufwarten.

Sogar Howard Mitchell hätte für die Tatzeit ein Alibi gehabt, aber das war in Anbetracht der herrschenden Situation hinfällig.

Die Gerichtsverhandlung fand drei Monate später statt. Bount erschien im Zeugenstand und machte seine Aussage.

Es kam, wie es Bount Reiniger vorhersah: Howard Mitchell wurde zu einer Haftstrafe von sieben Jahren verurteilt.

Als er auf dem Gang an Bount Reiniger gefesselt vorbeigeführt wurde, blieb er kurz stehen. Er schaute Bount Reiniger hasserfüllt in die Augen und brummte: „Erinnerst du dich noch an meine Worte, Schnüffler? Ich sagte, ich vergesse nichts. Wir sehen uns wieder. In sieben Jahren.“

Dann ging er gelassen weiter.

Das alles hatte sich 1975 zugetragen …

 

 

3

Nun schrieb man das Jahr 1982.

Bount Reiniger dachte nicht mehr an Howard Mitchell. Was damals passierte, war in Vergessenheit geraten. Viele Dinge, die sich später ereignet hatten, waren ebenfalls in der Versenkung verschwunden. Andere Ereignisse deckten die Vergangenheit zu.

Auch Jill Jones hatte sich nur als kurzes Intermezzo in Bount Reinigers Leben entpuppt. Es stellte sich heraus, dass sie doch nicht so gut zueinander passten, wie es anfangs den Anschein gehabt hatte. Jill nahm einen Job in Washington an, und Bount Reiniger hörte nie wieder von ihr.

Das Leben ging weiter.

Howard Mitchells Komplizen legten ihr erbeutetes Geld gut an.

Larry Bellamy, der Fahrer des Pontiac, war ins Spielautomatengeschäft eingestiegen, verdiente gut und verwöhnte Polly Tanara, die Freundin Mitchells, die er kurz nach der Gerichtsverhandlung übernommen hatte.

Lon Massey produzierte Pornofilme.

Warren Waggner betrieb eine Diskothek, die jeden Abend voll mit jungen Leuten war. Der Coup hatte sich für sie alle ausgezahlt.

Sie wussten, weshalb Mitchell sie nicht verpfiffen hatte. Er wollte sich persönlich rächen. Aber sie verdrängten diesen Gedanken. Sieben Jahre sind eine lange Zeit. Ein Mensch kann sich ändern. Vielleicht dachte Howard Mitchell nicht mehr an Rache, wenn er aus dem Knast kam. Möglicherweise konnte man sich mit ihm arrangieren.

Doch je näher der Tag von Mitchells Entlassung kam, desto unruhiger wurden Bellamy, Massey und Waggner.

Wenn sie sich trafen, sprachen sie zwar nicht über das, was sie bedrückte, aber es war ihnen anzusehen, dass sie sich nicht mehr wohl in ihrer Haut fühlten.

Lon Massey trank im letzten Monat häufig einen über den Durst. Waggner legte sich ein kleines Waffenarsenal zu. Bellamy überlegte ernsthaft, ob er die Stadt verlassen sollte.

Im Großen und Ganzen aber unternahmen sie nichts gemeinsam, um sich rechtzeitig vor Mitchells Rache zu schützen.

Da sich Howard Mitchell während seiner Haftzeit renitent benahm und sogar eine Häftlingsrevolte anführte, musste er seine Haftstrafe bis zur letzten Sekunde absitzen. Es wäre unverantwortlich gewesen, einen Mann wie ihn wegen guter Führung früher zu entlassen. Er blieb unleidlich und unbeugsam bis zum Schluss.

Eines Tages öffnete sich das Gefängnistor dann aber doch für ihn, und er war wieder frei!

 

 

4

Grelle Scheinwerfer strahlten auf eine breite französische Liege. Zwei nackte Mädchen agierten nach Lon Masseys Regieanweisungen. Er drehte soeben die letzte Szene seines derzeit heißesten Streifens. Die Girls – Süchtige, die bereit waren, für Geld alles zu tun – bemühten sich, es Massey recht zu machen, und er war in der Tat zufrieden mit ihnen.

„So, das reicht“, rief Massey, als die Szene im Kasten war. „Ich habe gesehen, dass euch die Arbeit Spaß gemacht hat“, fügte er grinsend hinzu.

Alba, eine langbeinige Schwarzhaarige, lächelte hintergründig. „Man muss immer versuchen, das Angenehme mit dem Nützlichen zu verbinden.“

Massey klatschte in die Hände. „Ab mit euch.“

Rebecca, ein Girl mit schwellenden Kurven, warf Massey unter ihren seidigen Wimpern einen vielversprechenden Blick zu.

„Für hundert Dollar würden wir dir noch eine Privatvorstellung geben, in die du dich jederzeit einschalten könntest.“

„Vielen Dank, kein Interesse. Wenn man ständig mit diesen Dingen zu tun hat, erreicht man bald einen gewissen Sättigungsgrad. Man stumpft ab.“

„Wetten, dass Alba und ich dich sehr schnell auf Touren bringen würden?“

„Kann sein, aber ich bin nicht gewöhnt, dafür zu bezahlen.“

Lon Massey schaltete die Scheinwerfer aus. Die Mädchen zogen sich an. Er gab ihnen die vereinbarte Gage, und sie verließen das Studio, das an Masseys Wohnung grenzte.

Er begab sich in sein Arbeitszimmer, stellte die Bourbonflasche auf den Tisch, ein Glas daneben, goss ein und zündete sich eine Zigarette an. Er war ein mittelgroßer Mann mit Halbglatze und angegrauten Schläfen. In letzter Zeit kämpfte er mit dem Gewicht. Das kam vom Bourbon. Der Alkohol schwemmte ihn auf. Aber er hatte Sorgen, und er glaubte, sein Gewissen mit Schnaps betäuben zu können.

Nachdenklich trat er ans Fenster. Es war Abend.

Massey dachte an Howard Mitchell. Er tat dies in letzter Zeit ziemlich oft. Wann genau der einstige Komplize entlassen werden würde, wusste er nicht. Vielleicht wussten es Warren oder Larry. Er überlegte, ob er die Freunde anrufen sollte, entschied sich dann aber dagegen.

Aus der Ferne hatte er damals verfolgt, was mit Howard Mitchell geschah. Er kaufte sich sämtliche Zeitungen, die über die Gerichtsverhandlung berichteten, und er wusste auch, wer Howard niedergeschossen hatte: Bount Reiniger.

Somit stand der Privatdetektiv ebenso auf Howard Mitchells schwarzer Liste wie seine „Freunde“. Gewissermaßen saßen sie alle im selben Boot. Eine neue Idee kam Massey. Sollte er Bount Reiniger anrufen und ihn fragen, wie er sich gegen Howard Mitchells Rache zu schützen gedachte?

Lon Massey nahm einen tiefen Zug.

Er drehte den Kopf und blickte zum Telefon.

Aber sein Kopf ruckte sofort wieder zurück, denn eine Bewegung im Streulicht der Straßenlaterne weckte seine Aufmerksamkeit. Dort unten stand ein Mann. Dunkelblond, männliche Züge, kräftig gebaut.

Das war Howard Mitchell!

Lon Massey hatte das Gefühl, ein Eissplitter würde ihm ins Herz fahren.

 

 

5

Bount Reiniger trat mit June March, seiner reizenden blonden Mitarbeiterin, aus dem Kino und zündete sich eine Pall Mall an.

„Wie hat dir der Film gefallen?“, fragte das blauäugige Mädchen, während es sich bei ihm unterhakte.

„Ich würde sagen, ich verlasse das Kino unbeeindruckt. Keine einzige Szene ging in die Tiefe. Die Geräusche waren miserabel. Es gab zu viel Action und keine Handlung. Aber trotz all diesem Negativen kann ich nicht behaupten, es wäre ein durch und durch schlechter Film gewesen“, antwortete Bount Reiniger. „Hat er dich denn begeistert?“

„Nein. Mein Urteil lautet genauso, Chef.“ June seufzte. „Schade. Es kommt ohnedies ganz selten vor, dass wir mal zusammen ins Kino gehen. Und dann setzt man uns so etwas vor.“

„Der Vorschlag kam von dir.“

„Weiß ich, und es tut mir leid, dir deine wertvolle Zeit gestohlen zu haben. Aber die Zeitungen waren voll von Berichten …“

„Das beweist, dass die Filmfirma einen hervorragenden Public-Relations-Manager hat. Essen wir noch zusammen?“

June lächelte dünn. „Bitte sei mir nicht böse, aber ich habe Kopfschmerzen und möchte nach Hause.“

„Du wirst doch nicht krank?“

„Ich glaube, ich spüre nur das Wetter.“

„In deinem Alter?“

„Wetterfühlig können schon Babys sein.“

Bount brachte seine Assistentin nach Hause. „Ich hoffe, ich sehe dich morgen in gesunder Frische wieder.“

„Darauf kannst du dich verlassen. Wann habe ich das letzte mal krank gefeiert?“

„Ich kann mich nicht mehr daran erinnern.“

„Na also. Ich schleppe mich noch halb tot ins Büro. Was tut man nicht alles für seinen Chef – obwohl er‘s einem kaum dankt.“

„Das darfst du nicht sagen“, protestierte Bount Reiniger. „War ich nicht eben erst mit dir im Kino?“

„Ich bin von dieser Gunstbezeigung tief bewegt“, sagte June sarkastisch, küsste Bount auf die Wange und stieg aus.

Bount fuhr nach Hause, ließ den silbermetallic-farbenen Mercedes 450 SEL in die Tiefgarage hinunterrollen und fuhr mit dem Lift zur 14. Etage hoch. Im Büro-Apartment hörte er sich zunächst an, was der automatische Anrufbeantworter aufgenommen hatte. Nichts von Bedeutung.

Bount begab sich nach nebenan in seine Junggesellenbude, öffnete den Kühlschrank und überlegte, was er essen sollte. Er kam zu keinem Ergebnis, denn das Telefon schlug an. Bount versetzte der Kühlschranktür einen leichten Schubs und ging an den Apparat.

„Detektei Reiniger. Büro für private Ermittlungen …“

„Spreche ich mit Mister Reiniger persönlich?“, hörte er eine aufgeregte Männerstimme.

„Ja“, antwortete Bount Reiniger.

„Um Himmels willen, kommen Sie schnell! Ich habe entsetzliche Angst! Howard ist gekommen. Er will mich …“

„Howard?“

„Howard Mitchell!“

Bount Reiniger war wie elektrisiert. „Mit wem spreche ich?“

„Lon Massey! Ich wohne Forest Hills, hundertvierunddreißig Juno Street! Herrje, Sie wissen, was Howard vorhat!“

„Ich komme sofort“, versprach Bount und legte auf. Er hastete aus dem Büro. Wenige Minuten später saß er wieder in seinem Mercedes und war nach Forest Hills unterwegs. Die Zeit brannte ihm unter den Fingernägeln.

 

 

6

Howard Mitchell sah sich seinem Ziel nahe. Sieben Jahre lang hatte er nur an seine Rache gedacht. Er hatte Pläne geschmiedet und wieder verworfen. Eines Tages schließlich hatte er die Top-Idee gehabt. Er würde die ganze Welt auf diese Weise zum Narren halten können. Das gefiel ihm. Man sollte sehen, dass er gerissener war, als es auf Grund seiner Verurteilung den Anschein hatte. Damals war das Schicksal gegen ihn gewesen. Er hatte Pech gehabt. Aber so etwas würde sich nicht wiederholen.

Ohne Hast betrat der Mann, der kam, um Lon Massey zu töten, das Haus, in dem sein Opfer wohnte.

Er stieg langsam die Stufen hinauf. In seinem Gürtel steckte ein großkalibriger Revolver. Eiseskälte lag auf den Zügen des Mörders.

Er erreichte die Tür, die in Masseys Studio-Wohnung führte, und schellte. Er wusste, dass Lon Massey zu Hause war, aber das Opfer öffnete nicht.

Er hat dich gesehen, dachte der Killer. Recht so. Vielleicht ruft er in diesem Moment die Bullen an. Sie werden zu spät kommen.

Aus seiner Jacketttasche holte der Mörder einen Drahtbürstenschlüssel. Er bückte sich, stocherte im Schloss herum, es klackte zweimal, und dann ließ sich die Tür öffnen.

Der Killer trat ein.

 

 

7

Lon Massey fiel aus allen Wolken, als er sah, wie die Tür aufschwang. Kleine Schweißtröpfchen perlten auf seiner Stirn. „Howard!“, stieß er heiser hervor. „Meine Güte, Howard, du bist wieder draußen.“

„Muss das eine Freude für dich sein“, knurrte der Killer.

„Das ist es. Das ist es wirklich“, beeilte sich Massey zu sagen.

„Warum hast du mich nicht eingelassen?“, fragte der Rächer.

„Ich … ich wusste ja nicht, dass du es bist. Da ich niemanden erwartete, dachte ich, es wäre ein Hausierer, und ich mach doch nicht jedem auf. Neulich hat mich ein Vertreterpärchen eine halbe Stunde lang beschwatzt. Ich dachte schon, ich würde die beiden überhaupt nicht mehr los. Sie wollten mir unbedingt eine Schönheitscreme einreden.“ Er lachte heiser. „Als ob das bei mir was nützen würde. Warst du schon bei Larry und Warren?“

„Nein, noch nicht. Ich werde sie später aufsuchen.“

„Seit wann bist du wieder frei?“

„Seit heute Mittag.“

„Wie geht es dir, alter Junge? Ich freue mich ehrlich, dich wiederzusehen. Du hast dich kaum verändert. Hast du schon Pläne? Was wirst du nun tun? Larry, Warren und ich sind dir sehr dankbar, dass du uns damals nicht verpfiffen hast. Es hätte wenig Sinn gehabt, wenn wir alle vier ins Kittchen gegangen wären. Wir können dir nun helfen. Dein Anteil liegt auf der Bank. Das Geld hat in diesen sieben Jahren beachtliche Zinsen getragen.“

Es stimmte nicht, was Massey sagte, aber Howard Mitchell hatte keine Möglichkeit, es nachzuprüfen. Sollte Howard auf seine Rache verzichten, dann würde man in aller Eile das Geld zusammenkratzen und es ihm aushändigen.

Masseys Blick huschte gehetzt hin und her.

„Wieso bist du denn so nervös?“, fragte Howard Mitchell grinsend. „Ich … ich weiß nicht.“

„Und du schwitzt wie im türkischen Bad. Hast du etwa Angst vor mir, Lon?“

„Nun ja, wir haben uns damals nicht gerade sehr kollegial dir gegenüber benommen, Howard. Du hattest allen Grund, wütend auf uns zu sein. Aber wir sind bereit, unseren Fehler wiedergutzumachen.“

Mitchells Züge wurden hart. „Ihr habt mich eiskalt im Stich gelassen!“

„Wir hatten Reiniger im Nacken. Es blieb uns keine Zeit zum Überlegen. Wir handelten instinktiv. Warren schrie: Gib Gas, Larry! Und schon zischte der Pontiac ab.“

Mitchell zog den Revolver aus dem Gürtel.

Lon Massey riss die Augen erschrocken auf. „Howard! Das … das kannst du doch nicht tun! Nach so vielen Jahren! Wir waren Freunde! Wir sind bereit, dich für den Gefängnisaufenthalt zu entschädigen! Du kannst die Summe nennen, die du haben möchtest! Wir werden sie anstandslos bezahlen! Ich bitte dich, Howard, sei vernünftig! Wenn du mich jetzt umbringst, landest du wieder im Gefängnis, dann aber für immer.“

Der Killer grinste frostig. „Diesmal kriegen mich die Bullen nicht. Ich habe herausgefunden, wie man den perfekten Mord begeht.“ Er hob die Waffe und zielte auf Lon Massey.

Das Opfer zitterte wie Espenlaub. „Howard, ich flehe dich an, tu‘s nicht!“

Der Mörder ließ sich davon nicht beeindrucken. Emotionslos krümmte er den Finger. Der Schuss krachte, und Lon Massey brach zusammen.

 

 

8

Bount Reiniger stoppte den Mercedes in der Juno Street vor dem Haus Nummer 134. Er hatte das lästige Gefühl, zu spät zu kommen, nichts mehr für Lon Massey tun zu können. Er war zwar wie die Feuerwehr gerast, und möglicherweise brachte ihm das nachträglich noch eine Geldstrafe ein, aber er hatte dennoch zwanzig Minuten bis hierher gebraucht.

Nun sprang er aus dem Fahrzeug und hastete in das Haus, in dem Lon Massey wohnte.

Eine Vielzahl von Gedanken gingen ihm durch den Kopf. Vielleicht hatte Massey den einstigen Komplizen nicht eingelassen und Howard Mitchell war unverrichteter Dinge wieder abgezogen.

Oder die beiden hatten sich arrangiert, waren nun ein Herz und eine Seele – und von Rache konnte nicht mehr die Rede sein.

Aber Bount glaubte Howard Mitchell gut zu kennen. Dieser Mann war nachtragend. Wer sich mit ihm verfeindete, der hatte ihn für immer zum Todfeind. Ein Vergeben, ein Vergessen, das gab es für Mitchell nicht.

Immer zwei Stufen auf einmal nehmend, rannte Bount Reiniger die Treppen hinauf. Als er sah, dass Masseys Wohnungstür offen stand, spannte sich seine Kopfhaut. Von zehntausend New Yorker Haushalten ließ bestimmt nur einer die Tür offen – und das nur aus Versehen.

Bount angelte die Automatic aus der Schulterhalfter, obwohl er nicht damit rechnete, sie benutzen zu müssen. Vorsichtig näherte er sich der Tür. Sobald er eintrat, stieg ihm der beißende Geruch von verbranntem Kordit in die Nase. In dieser Wohnung war geschossen worden.

Bount konnte sich vorstellen, auf wen.

Er ging drei Schritte vor – und entdeckte Lon Massey.

Dem Mann war nicht mehr zu helfen. Die Killerkugel hatte Masseys Herz getroffen. Bount presste die Kiefer zusammen. Zorn stieg in ihm hoch. Mitchell hatte kaum das Gefängnis verlassen, da befand er sich bereits auf der Jagd. Er hatte sein erstes Opfer gefunden. Wen würde er sich als nächsten holen? Unter starkem Verdacht, bei dem Coup damals mitgemacht zu haben, hatten außer Lon Massey auch Larry Bellamy und Warren Waggner gestanden.

Details

Seiten
98
Jahr
2020
ISBN (eBook)
9783738942828
Sprache
Deutsch
Erscheinungsdatum
2020 (Juli)
Schlagworte
abserviert blei detectives york

Autor

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Titel: Abserviert mit heißem Blei: N.Y.D. – New York Detectives