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Das Zeitalter des Kometen #23: Lennox und das Geheimnis der Kristalle

2020 117 Seiten

Leseprobe

Table of Contents

Lennox und das Geheimnis der Kristalle

Copyright

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Lennox und das Geheimnis der Kristalle

Das Zeitalter des Kometen #23

Teil 1 von 2

von Jo Zybell

 

Der Umfang dieses Buchs entspricht 117 Taschenbuchseiten.

 

Eine kosmische Katastrophe hat die Erde heimgesucht. Die Welt ist nicht mehr so, wie sie einmal war. Die Überlebenden müssen um ihre Existenz kämpfen, bizarre Geschöpfe sind durch die Launen der Evolution entstanden oder von den Sternen gekommen, und das dunkle Zeitalter hat begonnen.

In dieser finsteren Zukunft bricht Timothy Lennox zu einer Odyssee auf …

Tim Lennox und die Fischmenschen Lotraque und Lorem wollen mit der Qualle als Transportmittel in dem Kratersee nach den Überresten des Kometen und den rätselhaften Kristallen suchen. Die schwangere Marrela macht sich Sorgen um Lennox, lässt ihn aber ziehen. Die Expedition findet einen großen Kristall, von dem mentale Impulse auszugehen scheinen, und nehmen ihn mit an Land.

 

Dieser Roman wird mit dem Titel Lennox und das Ende der Unschuld Das Zeitalter des Kometen #24 fortgesetzt.

 

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books, Alfred Bekker, Alfred Bekker präsentiert, Casssiopeia-XXX-press, Alfredbooks, Uksak Sonder-Edition, Cassiopeiapress Extra Edition, Cassiopeiapress/AlfredBooks und BEKKERpublishing sind Imprints von

Alfred Bekker

© Roman by Author

© COVER LUDGER OTTEN

© dieser Ausgabe 2020 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

Alle Rechte vorbehalten.

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1

Das Ziel.

Alle raunten sie davon. Einer fing an, andere stimmten ein, und bald pulsierte es ihr von überall her entgegen: (Das Ziel! Das Ziel! Noch ein Schritt, nur noch ein kleiner Schritt bis zum Ziel!)

Bilderwogen und Empfindungsströme nie erlebter Intensität brandeten gegen ihre Aura. Ora‘leq‘murana wusste nicht, worum genau es ging – sie war ja noch eine Leq –, aber sie ließ sich davon anstecken. Ihre Aura war noch so durchlässig, so empfänglich und so wenig widerstandsfähig. Die intensivsten Emotionen entstanden, wenn der Schwarm biotischer Einheiten erster Ordnung wieder einen der Berufenen abholte. Dann konnte sie nicht anders, als mit einzustimmen.

(Nur noch ein kleiner Schritt zum Ziel!)

 

 

2

Doch mehr als eine vage Ahnung ertastete Ora‘leq‘murana im Grunde nie aus all dem Pulsieren um sie herum. Das Ziel? Was genau war das Ziel? Wusste das überhaupt jemand?

Doch – die Lun und die Sil, die mochten es vielleicht wissen.

Und der Sol natürlich, der wusste es sogar ganz bestimmt.

Könnte sie ihn doch fragen! Aber die biotischen Einheiten erster Ordnung hatten ihn schon vor vielen Planetentagen weggebracht; dorthin, wo der letzte Schritt zum Ziel vorbereitet wurde. So viel hatte Ora‘leq‘murana dem Geraune der anderen Auren immerhin entnehmen können.

Fast eine halbe Gestirnumkreisung war es her, dass sie den Sol geholt hatten. Nur selten noch berührte seine Aura die symbiotischen Einheiten am Landeplatz. Und nun, seit einigen Planetentagen, holten die biotischen Einheiten erster Ordnung die Berufenen ab, einen nach dem anderen; hin und wieder auch zwei oder drei an einem Tag.

Manchmal, wenn der für sie zuständige Sil aus ihrer biotischen Einheit sie berührte – Ora‘leq‘murana vertraute ihm vorbehaltlos –, sandte sie ihm ihr Erstaunen über die Euphorie der anderen. (Immer sehnen sie sich nach dem Ziel, Ora‘sil‘gagaru. Jedes Mal, wenn ein Berufener geholt wird, kochen Emotionen auf wie einst die Wogen unseres heißen Meeres Quar‘bool‘wiut. Geht es denn wieder nach Hause? Oder was hat es auf sich mit dem Ziel?)

Die Aura des Sil schmiegte sich an sie in solchen Momenten, und es war, als würde ein warmer Strom sie durchdringen. (Du weißt nicht, was das Ziel ist?), raunte es aus Ora‘sil‘gagarus Aura. (Ja, nach Hause, wenn du so willst, Ora‘leq‘murana. Es geht in unser neues Zuhause.)

(Wir werden also wie einst im Lava-Ozean schwimmen und jagen?)

(In unser neues Zuhause, Ora‘leq‘murana – hast du verstanden? Alles wird anders sein, neu eben. Wir werden andere Dinge tun als einst. Aber sie werden uns genauso befriedigend erscheinen. Und befreiend.)

(Befreiend?)

Unzählbare Gestirnumkreisungen war Ora‘leq‘murana nun schon eingepfercht in ihre Speichereinheit, als eine von Millionen Leq in einer von Milliarden Speichereinheiten. Und nie hatte sich einer von dem Ort fortbewegt, an dem sie auf dem Zielplaneten gelandet waren. Jedenfalls hatte Ora‘leq‘murana nichts dergleichen je beobachtet. Nur in jüngster Zeit hatte sich der Sol bewegt. Und die ersten Berufenen waren bewegt worden.

(Schwimmen und jagen also, oder nicht?) Sie begriff nicht ganz. (Werden wir denn wieder einen Körper haben, Ora‘sil‘gagaru?)

(Warte es ab.) Heiterkeit perlte aus der Berührung des Sil. Als würde er sich an ihrer Unwissenheit ergötzen. (Warte es ab, kleine Ora‘leq‘murana.)

 

 

3

»Marrela!«

Die Stimme klang so deutlich, so nahe, als würde ihr Urheber neben ihrem Lager sitzen. Doch als die Barbarin hochschreckte, war der Platz leer, und niemand rief sie mehr.

Still war es, ganz still.

Sie war nackt und fröstelte ein wenig, obwohl es nicht wirklich kühl war. Nein, selbst in den Nächten hier am Kratersee herrschten Temperaturen wie im eureeischen Hochsommer. Dort, in Euree, ging jetzt gerade der Winter zu Ende.

Marrela konnte sich nicht an das feuchtwarme Klima hier, am Ende der Welt, gewöhnen. Sie stammte von den Dreizehn Inseln, also aus raueren Breitengraden, und in den wenigen Erinnerungsbildern, die ihr aus ihrer Kindheit geblieben waren, breiteten sich weite Schneeflächen aus und türmte sich Eis.

Felle waren damals so lebensnotwendig wie Fisch und Wasser gewesen. Hier am Kratersee pflegte sie sich nachts mit einer leichten Decke zu begnügen.

Jetzt aber tastete sie hinter sich, bis sie ein zusammengerolltes Fell erwischte. Sie entfaltete es, zog es sich über Rücken und Schultern und hüllte auch noch die angewinkelten Beine damit ein.

Unwirkliches Dämmerlicht erfüllte den Raum – weder richtig dunkel, noch richtig hell war es hier. Die Kristalltrümmer, aus denen ein fremdes Volk die Festung einst errichtet hatte, leiteten das Mondlicht vielfach gebrochen in den kleinen aber hohen Raum hinein.

Marrela presste die Handballen gegen die Schläfen, senkte die Stirn auf die angezogenen Knie. Die Traumbilder – sie versuchte sie wieder heraufzubeschwören. Vergeblich; sie hatten sich in Nichts aufgelöst wie Morgendunst im ersten Sonnenlicht. Auch an den, der sie gerufen hatte, erinnerte sie sich nicht. Ein Mann, so viel wusste sie noch. Etwas vom Klang seiner Stimme schwang in ihren Empfindungen nach; ein angenehmer, ein vertrauter Klang. Ja, sie musste von jemandem geträumt haben, den sie schon lange und sehr gut kannte.

Von ihrem Geliebten vielleicht?

»Tinnox?« Sie tastete das Lager zu ihrer Linken ab. »Wo bist du, Tinnox?« Marrela hob den Kopf und sah zur Seite.

Seine Fellunterlage fühlte sich noch warm an, seine Decke lag achtlos zusammengeknüllt am Fußende. Lange konnte er noch nicht weg sein. Wahrscheinlich löste er Pieroo als Wachposten bei der Qualle ab.

Marrela stand auf und zog das Fell über ihren Brüsten zusammen. Übelkeit stieg aus ihrem Magen herauf und legte sich als galliger Geschmack auf Zunge und Gaumen. Tief in ihrem Bauch regte sich etwas, berührte sie, als würde ihr jemand von innen über das Bauchfell streicheln. Ganz kurz nur und nicht etwa heftig – eher wie ein Zucken oder ein Kitzeln.

Das Kind.

Marrela legte die Rechte auf ihren Bauch, massierte ihn sanft und mit kreisenden Handbewegungen, während sie zur Öffnung in der Außenwand schlurfte. »Ist ja gut«, murmelte sie. »Alles ist gut …«

Das sagte sie sich oft, sich und dem heranwachsenden Wesen in ihrem Leib: Alles ist gut. Und jedes Mal widersprach eine unterschwellige Furcht tief in ihrer Brust. Nichts ist gut.

Hatte sie womöglich von ihrem Kind geträumt?

Durch die asymmetrische Maueröffnung blickte sie hinaus in die Nacht und hinunter zum Kratersee. Die zersplitterten Ränder der Kristalltrümmer ragten teilweise fingerlang von der Seite in die Öffnung hinein. Schroff, ja, bizarr wirkte das, unheimlich geradezu – so wie das ganze, bei Tageslicht grünlich schimmernde Bauwerk. »Kristallfestung« nannten sie es, ein wirklich hässliches Ding wie aus einem bösen Traum.

Hier an der Öffnung ins Freie war es nicht mehr ganz so still.

Marrela lauschte. Etwa sechs Speerlängen unter sich und zehn Längen östlich hörte sie Wasser plätschern und gurgeln: das kleine Flüsschen, das an der Kristallfestung vorbei zum See floss. Die Schatten der Baumwipfel bewegten sich im Nachtwind, und als die Brise sich für einen Atemzug legte, mischte sich ein leises Brausen in das abebbende Rauschen von Wind und Laub: die Brandung unten am Seeufer. Oder der kleine Wasserfall, über den das Flüsschen ein paar Speerwürfe weiter südlich in den Kratersee stürzte?

Ein Schatten bewegte sich durch die Grasfläche zwischen Festung und Uferwald, ein Mensch. Ziemlich weit weg, anderthalb Speerwürfe mindestens, und doch erkannte sie ihn: Tinnox. Seine zielstrebige, federnde Art, sich zu bewegen, würde sie unter Tausenden erkennen.

Wachwechsel also. War es schon wieder so spät? Die Männer wachten in vier Schichten. Sogar Pieroo hatte darauf bestanden, einen Posten zu übernehmen. Seit Kaio eine Medizin für ihn gefunden hatte, ging es dem Barbaren besser.

Eine trügerische Besserung, denn Kaio hatte klar gemacht, dass das Mittel nur den Schmerz unterdrückte, aber die Krankheit nicht heilen konnte.

Marrela hatte noch immer nicht ganz begriffen, was »strahlenkrank« bedeutete. Tinnox hatte ihr erklärt, dass dadurch ein gefräßiges Ding namens »Tumor« in Pieroos Körper entstanden war, das ihn von innen her auffraß, wenn man es nicht stoppte. Dafür aber fehlten ihnen hier am Kratersee die Mittel. Das Labor des ARET, des russischen Expeditionspanzers, genügte nicht für diese Art von Dämon.

Marrela selbst und Honeybutt Hardy schoben keine Nachtwache bei der Qualle. Tinnox hatte als Grund genannt, dass vier Schichten vollauf genügten, aber Marrela tippte eher darauf, dass er sie schonen wollte, weil sie schwanger war.

Schwanger …

Warum spürte sie so wenig davon?

Wieder strich sie sich über den Bauch. Warum fiel es ihr so schwer, das Kind zu spüren? Sie war nie schwanger gewesen, konnte auf keine Erfahrungswerte zurückgreifen. Aber nach allem, an das sie erinnerte, vermochten die Frauen von den Dreizehn Inseln sehr früh und sehr intensiv Kontakt mit ihrer Leibesfrucht aufzunehmen. Ihr Instinkt bestätigte diese blasse Erinnerung: Stetig drängte er sie, in sich hineinzulauschen, es zu fühlen, zu spüren, was da in ihr wuchs.

Wuchs es überhaupt?

Da stand sie wieder vor ihr, die bange Frage! Und mit ihr Beklemmung und Sorge. Wie hatte Kaio sich ausgedrückt?

Das Kind würde sich abkapseln in ihrem Bauch wie in einer Schote.

Und was hatte er in ihrem Blut entdeckt? Wie hieß das Wort noch gleich? Aus schmalen Augen fixierte Marrela die Stelle, wo Tinnox‘ Gestalt eben mit der dunklen Wand des Waldes verschmolz. Wie hatte Kaio es genannt?

Sie mochte grübeln, wie sie wollte – das Wort fiel ihr nicht ein. Aus drei Buchstaben bestand es, irgendeine Abkürzung.

Jedenfalls behauptete der Cyborg mit den schräg gestellten Augen, in ihrem Blut schwämmen Dinge herum, die dort nicht sein duften und die eigentlich zu einer Pflanze gehörten; Dinge, so klein, dass man sie mit bloßem Auge nicht wahrnehmen konnte.

Marrela seufzte, schloss die Augen und konzentrierte sich auf das Kind in ihrem Bauch. Wie fremd es ihr vorkam! Und wie vertraut zugleich! Wie sie es liebte – und wie sie zugleich die Stunde fürchtete, in der sie es entbinden würde …

»Matjunis«, murmelte sie. »Hörst du mich? Ich bin es, deine Mutter …« Ja, sie hatte ihm einen Namen gegeben – einen Männernamen natürlich, und einen Namen, der dem seines Vaters ähnelte. Seltsam, aber Marrela zweifelte nicht daran, dass es ein Junge war, der in ihr wuchs.

Wieder dieses Kitzeln tief im Bauch. Bewegte sich das Kind? Ja, es bewegte sich, es hatte sie gehört in seiner Schote – oder was auch immer Kaio da gesehen haben mochte. Marrela schloss die Augen und konzentrierte sich auf das fremde, vertraute Leben in ihr. Sie glaubte es zu spüren. Ein Gedanke blitzte in ihr auf: War es das Kind, das im Traum nach ihr gerufen hat? Versuchte es Kontakt mit ihr aufzunehmen?

Je länger Marrelas Gedanken und Gefühle um das Ungeborene in ihrem Leib kreisten, desto gewisser schien es ihr: Sie hatte von ihrem Kind geträumt. Ihr Kind war der Mann, der sie im Traum gerufen hatte!

Beklemmung und Sorge wichen, ein Glücksgefühl durchperlte sie plötzlich. Sie genoss es einige Atemzüge lang.

Als sie die Augen wieder öffnete, stand der Halbmond über dem See und spiegelte sich mit seinem Lichthof in den Wellen.

Schön sah das aus.

Doch sofort stellte sich wieder Sorge ein. Keine Sorge um das Kind diesmal, sondern um Tinnox. Tauchen wollte er, dort hinein, wo der Mond sich jetzt so friedlich betrachtete: in den Kratersee. Deswegen bewachten sie die Transportqualle der Fischmenschen selbst während der Nacht. Mit ihr wollte er tauchen, er und einige andere. Mit der Qualle und mit etwas, das aus ihr wuchs. Fanlur hatte von Tauchanzügen gesprochen.

Wenn es nur ein See gewesen wäre – es war aber ein Meer.

Stand man tagsüber am Ufer und blickte über die Wogen, verschwamm das Wasser am Horizont mit dem Himmel. Kein Küstenstreifen war dort drüben zu erkennen. Ein Meer, kein See; jedenfalls was die Größe betraf.

Marrela drehte sich um und schlurfte zurück zu ihrem Lager, die Rechte noch immer auf ihrem Bauch. Warum, bei Wudan, musste er in dieses warme Meer hinuntertauchen? Etwas strahlte an seinem Grund, ja, sicher etwas, das mit Alxanatan zu tun hatte – mit dem Kometen, wie Tinnox ihn nannte –, die rätselhaften Kristalle wahrscheinlich. Wenn sie es doch schon wussten, warum dann noch diese gefährliche Taucherei?

Warum Alxanatan nicht sein Geheimnis lassen? Musste man denn wirklich alles wissen wollen?

Marrela ließ das Fell von ihren Schultern gleiten und legte sich wieder auf ihr Lager. Sollte doch Orguudoo diese verfluchten Kristalle holen! Es gab Wichtigeres, oder?

Sie rollte sich in ihre Decke, streichelte ihren Bauch, rief ihr Kind. Rasch schlief sie ein.

Und wieder der Traum, und wieder der seltsame Mann.

»Komm!«, rief er. »Komm zu mir!«

 

 

4

»Es ruft!«

Der Gefangene kauerte zwischen der Bordwand und Kisten voll mit geräuchertem Fisch. Se‘raan hieß er. An Füßen und allen vier Händen gebunden lehnte er mit Schulter und Kopf gegen die Innenplanken des Seglers. Es sah aus, als würde er Stimmen lauschen, die er auf der anderen Seite der Bordwand reden hörte.

Doch auf der anderen Seite der Bordwand schäumte nur die Gischt und leckten die Wogen den Schiffsrumpf.

»Es ruft«, wiederholte er.

»Es ruft? Was ruft!?« To‘rish und ein Teil der Besatzung standen über ihm, am Rande der geöffneten Frachtraumluke.

Einer hatte den aus der Art Geschlagenen stöhnen und rufen gehört; jetzt lag keiner mehr in der Koje. Denn obwohl er gefesselt war, fürchteten sie ihn. So wie sie alle fürchteten, die jene besonderen Fähigkeiten entwickelten. So sehr, dass sie sich ihrer entledigten. Besonders nachdem es in einem Dorf ganz in der Nähe zu rätselhaften Todesfällen gekommen war, die, so munkelte man, auf das Konto der Macht im See gingen.

»Was soll rufen?« To‘rish blickte über die Reling auf den See hinaus. Das Spiegelbild des zunehmenden Mondes schaukelte auf den Wogen. »Der Mond? Das Wasser? Die Nacht?« Der Kapitän stampfte ungeduldig mit dem Fuß auf die Deckplanken. »Was ruft, frag ich dich? Schnappst du über, oder was?«

»Es ruft, ich kann‘s hören.« Dumpf drang Se‘raans Stimme aus dem Frachtraum. »Etwas soll kommen.«

»Etwas soll kommen? Klar doch: Mir kommt gleich die Galle hoch! Gib Ruhe, sonst lass ich dir das Maul stopfen!«

Mit einer Kopfbewegung bedeutete er den Männern die Luke zu schließen und lief nach Backbord zur Reling, zu der Schiffsseite also, an die der Gefangene wie lauschend sein Ohr gedrückt hatte. Mit zwei Händen hielt er sich an der Reling fest, mit einer wischte er sich die Nase ab, mit der vierten kratzte er sich nachdenklich den Schädel. Hinter ihm knallte der Lukenverschlag in die Fassung, während To‘rish auf den nächtlichen See hinausspähte.

»Schon komisch, oder?« Lar‘sjew, der Steuermann tauchte neben ihm auf. »Ich meine – mitten in der Nacht wacht er auf und hört etwas rufen.«

»Was soll daran komisch sein?« Der Kapitän reagierte heftiger, als er wollte. Ließ er sich jetzt auch schon anstecken von der Nervosität seiner Besatzung? »Er ist halt aus der Art geschlagen«, sagte er in etwas gemäßigterem Tonfall. »Warum bringen wir ihn wohl ins Bergwerk? He?«

Sie waren unterwegs nach Ma‘an‘tschech. Dort in der größten Siedlung der Rriba‘low wurde an jedem zweiten Vollmond nach dem Schöpfungsfest Markt abgehalten. Neben dem Räucherfisch wollte To‘rish dort auch den Gefangenen verkaufen; als Sklaven. Und Sklaven, männliche Sklaven zumal, landeten eben mehr oder weniger zwangsläufig in den Erzbergwerken der Narod‘kratow, der Maulwurfmenschen. So war das nun einmal.

»Meinst du, er könnte uns noch gefährlich werden?«, fragte Lar‘sjew.

»Ach was.« Der Kapitän machte eine wegwerfende Handbewegung. »Dass er Stimmen hört, wo keine sind, ist an sich noch nicht gefährlich. Wir sollten ihn nur loswerden, bevor die Macht im See uns zürnt.«

Dass er die Gedanken anderer lesen konnte, war der Grund für Se‘raans harte Strafe. Lange hatte er die schändliche Gabe verbergen können, aber irgendwann war ihm seine Frau auf die Schliche gekommen. Jetzt war er ein aus der Art Geschlagener, und seine Frau konnte ohne Heimlichtuerei beim Nachbarn schlafen.

Selbst die Rriba‘low, die friedlichen Fischerfänger, verkauften Ausgestoßene ihres Volkes auf den Sklavenmärkten des Seeufers.

Lar‘sjew verschränkte zwei Arme vor der Brust, während die Finger seiner beiden anderen Hände einen unregelmäßigen Takt auf die schmale Balustrade der Reling trommelten.

»Denkst du, er hat bei einem von uns … Aber wer von uns sollte irgend jemanden rufen?«

»Einer, der wirres Zeug träumt!« Der Kapitän unterbrach seinen Steuermann schroff. »Wahrscheinlich warst du es! Geh jetzt wieder schlafen.«

Lar‘sjew zog den Kopf ein und trollte sich.

Auch die meisten anderen verkrochen sich nach und nach wieder in die Mannschaftskajüte. Nur die Wachen am Bug und im Ausguck hielten die Stellung. Und To‘rish selbst – der Kapitän tat die zweite Nachthälfte Dienst am Steuer. Er wollte die leichte Brise ausnutzen. Ma‘an‘tschech war noch mehr als drei Tagesreisen entfernt, und der Räucherfisch musste unter die Leute.

Eine halbe Stunde verging, To‘rish hörte sie schon wieder schnarchen in der Mannschafts-Kajüte, und der Gefangene gab tatsächlich Ruhe. Sein Glück!

Über ihm im Ausguck knarrte das Flechtwerk und der Wächter rief: »Schiff von Backbord, fünfzig Kiellängen entfernt!«

Der Kapitän stellte das Steuerruder fest, schlüpfte aus dem Unterstand am Heck des Seglers und beugte sich über die Backbordreling. Tatsächlich: Am Rande der Mondlichtspiegelung entdeckte er einen länglichen Schatten.

»Ein Schiff?«, rief er missmutig. »Ein jämmerliches Holzkistchen, würd ich sagen!«

Es war ein Ruderboot, wie sich bald herausstellte. Seine Länge erreichte kaum ein Viertel von To‘rishs Segler.

Erstaunlich rasch schob es sich heran, dabei konnte To‘rish nur vier Ruderholme erkennen und im Boot nur vier Umrisse von Ruderern.

»Wieso sind die so schnell?«, brummte sein Steuermann neben ihm. Lar‘sjew und der größte Teil der Besatzung waren schon wieder aus ihren Kojen gekrochen und hatten sich auf Deck eingefunden.

»Weiß ich‘s?« Alle vier Hände um die Reling geklammert, die hohe schmale Gestalt weit vorgebeugt und mit dickem Faltenwulst zwischen den Brauen spähte To‘rish in die Mondnacht hinaus. Das Boot kam näher, man konnte schon die Weiten Umhänge und Kapuzen der Ruderer im Wind flattern sehen, und hinter ihrem kleinen Kahn schimmerte es weißlich im Mondlicht.

»Es sind Woiin‘metcha«, sagte Lar‘sjew. »Was rudern die mitten in der Nacht auf dem See herum?«

»Weiß ich‘s?« Der Kapitän hatte längst erkannt, dass Schwertkrieger auf den Ruderbänken arbeiteten. Wer sonst am Ufer des Sees trug diese lächerlichen Kapuzenmäntel?

Schwertkrieger also – Woiin‘metcha –, nichts, was den Kapitän eines Rriba‘low-Seglers beunruhigen musste. Doch was da am Heck ihres Ruderbootes das Mondlicht reflektierte, was da auf und ab tauchte, das Wasser teilte, Schaum schlug und Blasen warf, das machte To‘rish nervös.

»Wahrscheinlich wollen sie auch nach Ma‘an‘tschech«, sagte einer der anderen Männer. Fast die gesamte Besatzung lehnte inzwischen rechts und links des Steuermanns und des Kapitäns über der Reling. Selbst To‘rish, seit achtzehn Sommern Kapitän eines eigenen Seglers, abgebrüht und trocken bis in die Knochen, konnte sich des gespenstischen Eindrucks nicht erwehren, den die im Mondlicht heranrudernden Schwertkrieger und ihr Boot machten.

»Nachts?«, knurrte To‘rish. »Mit einem Ruderboot? Denk nach, bevor du das Maul aufmachst.«

»Vielleicht sind sie es, die Se‘raan hat rufen hören«, sagte ein anderer, und es entging To‘rish nicht, dass seine Stimme vibrierte.

»Hohlkopf!«, schnauzte er. »Seine eigenen Phantome hat er husten gehört! Alles klar?« Er wurde wieder laut, versuchte seine eigene Unruhe niederzuschreien.

»Was ziehen sie da hinter sich her?« Einer der Fischfänger deutete aufgeregt auf das Ruderboot. Bis auf drei, höchstens vier Schiffslängen war es inzwischen heran. Seine Geschwindigkeit erstaunte den Kapitän.

»Ein Fisch«, sagte ein anderer. »Ein mächtiger Brocken, alle Achtung!«

Der Mann sprach aus, was To‘rish dachte: Tatsächlich sah es aus wie der Rücken eines Fisches, was da hinter dem Heck des Ruderboots das Wasser teilte und aufschäumte. »Ist noch Platz im Laderaum?« Sofort sprangen seine Gedanken von den fremden Ruderern und ihrer beachtlichen Beute zum Markt von Ma‘an‘tschech.

»Für den Brocken müsste es noch reichen«, kam es von rechts.

»Sie ziehen den Fisch nicht.« Lar‘sjew sagte das seltsam leise und mit belegter Stimme. »Er schiebt sie!«

Keiner antwortete, keiner außer dem Kapitän. »Was für einen Blödsinn du wieder redest, Steuermann …« Er stieß den Fischer links von sich mit dem Ellenbogen in die Rippen.

»Mach eine Harpune fertig und bring sie her.« Der Mann stieß sich von der Reling ab und huschte zum Bug. »Oder hol vorsichtshalber gleich zwei!«, rief der Kapitän ihm hinterher.

Das Ruderboot war nicht mal mehr eine Schiffslänge entfernt. To‘rish winkte mit allen vier Armen. »Kann man das essen, was euch da am Heck klebt?«, rief er. Die Kapuzenmänner ruderten unbeirrt weiter. Über ihre Schultern ragten die Knäufe ihrer Schwerter. »Bisschen viel Fleisch für ein Schiffchen wie eures!« Wieder keine Reaktion. »Lebt wohl noch, he?«, rief der Kapitän. »Kommt an Bord! Wir helfen euch! Teilen das Biest und nehmen euch dafür ein Stück mit!«

Die Woiin‘metcha sahen nicht einmal auf. Bis nahe an die Bordwand ruderten sie heran. Die Fläche brodelnden Schaums hinter dem Heck war doppelt so groß wie das Ruderboot selbst, die auf und ab tauchende Fleischwölbung dazwischen nicht wesentlich kleiner. Jetzt sah die Besatzung des Rriba‘low-Seglers deutlich, dass es sich um den Rücken eines grauweißen Wassertiers handelte. Aber ein Fisch …

»Lass sie ziehen«, raunte der Lar‘sjew seinem Kapitän zu. »Kümmer dich nicht um sie.«

Einer der Schwertkrieger hob den Kopf und blickte zu den Männern an der Reling herauf. Das Gesicht unter seiner Kapuze sah grau und knochig aus. »Lasst eine Leiter herunter! Die Macht im See braucht euer Schiff!«

 

 

5

Unheimlich, so ein See bei Nacht. Besonders dieser See hier, da mochte der Mond noch so idyllisch am Sternenhimmel stehen und sich darin spiegeln – dieser verdammte See war gefährlich. Pieroo nahm den Driller in die Linke und wischte sich die Feuchtigkeit der Rechten am nackten Knie ab.

Er kauerte zwischen einem Baumstrunk und einem Birkenstamm auf dem nur spärlich mit Bäumen bewachsenen Hang zwischen Waldrand und Seeufer.

Der zunehmende Mond erhellte die Nacht immerhin so weit, dass Pieroo die bis zu halber Höhe von Wasser umspülte Qualle einen Steinwurf entfernt am Ufer der kleinen Bucht sehen konnte. Ihretwegen wechselten sie sich im Dreistunden-Rhythmus mit der Wache ab. Drei Stunden – eine Ewigkeit, wenn man an so einem unheimlichen See herumsitzen musste.

Aber er hatte ja darauf bestanden, als Tinnox ihn vom Wachdienst hatte freistellen wollen. Die Medizin, die sie ihm seit zwei Händen (10 Tage) gaben, zähmte den Dämon in seinen Eingeweiden. Er hatte aufgehört, ihn von innen aufzufressen – jedenfalls spürte Pieroo kaum noch Schmerzen.

Und er war es Leid, dass alle ihn behandelten wie ein hilfloses Kind. Er wollte ihnen – und vor allem sich selbst – beweisen, dass er noch immer seinen Mann stehen konnte.

Wieder glitt sein Blick über die Bucht und blieb bei der Qualle hängen. Seit dem letzten Neumond lag der unförmige Körper dort unten im Wasser und wuchs von Tag zu Tag. Ja, es wuchs, das Wesen, das sie Transportqualle nannten.

Mannsgroße Wucherungen stülpten sich aus seinem Fleisch, und ständig versammelten sie sich am Ufer und betrachteten diese Wucherungen, als hinge ihr Glück davon ab – Tinnox, Dave Mulroney, dieser Fischmann namens Lotraque und die anderen.

Pieroo schüttelte sich, weil er fror, und zog sich den Fellmantel um die Schultern zusammen. Alle schwitzten sie hier in dieser Gegend am Rande von Orguudoos Finsternis, und ihn fröstelte ständig. »Eine Atmosphäre wie in der Sauna«, pflegte Dave Mulroney zu sagen. Der eureeische Barbar hatte keine Ahnung, was das war, eine Sauna. Irgendwas Heißes, Feuchtes schätzte er. Gleichgültig – er jedenfalls fror. Und er fühlte sich schwach dabei. Von seiner alten Form, da machte er sich nichts vor, war er weit entfernt.

Tauchen? Noch dazu in diesem Zustand? Pieroo hatte schon Mühe sich vorzustellen, in so einer Qualle unter Wasser zu schwimmen – das hatten sie nämlich getan, Lotraque, Lorem, Mulroney, Fanlur und dessen Lupa –, aber der Gedanke, sich in einen dieser Auswüchse zu hüllen und bis auf den Grund dieses gottlosen Sees zu tauchen, dieser Gedanke schnürte ihm schier den Hals zu.

Aber genau das hatten sie vor, hinuntertauchen. Verrückt!

Als hätte er nicht schon genug verschlungen, dieser verdammte See, ja, bereits die endlose Reise zu seinen Ufern.

Seinen Freund Ru‘alay, die nette Ärztin Helena Lewis, den schreckliche Jazz Garrett, die Anführer Crow und Blythe, und so viele andere – wo waren sie geblieben? Tot waren sie, ja, tot.

Ein Fluch lag auf dem See, ein Fluch hatte auf der Reise zu ihm gelegen; davon war Pieroo überzeugt. Und jetzt auch noch in ihn hineintauchen? »Was ‘ne Quatsch«, murmelte der bärtige Barbar. »Was ‘ne Riesenquatsch!«

Was ihn betraf – ob er nun der Alte war oder nicht –, keine zehn Frekkeuscher würden ihn in so eine Qualle hinein bringen, und schon gar nicht in eine dieser schleimigen Wucherungen. So viel war klar.

Über ihm im Wald brach ein Zweig. Er lauschte: Schritte.

Die Wachablösung, endlich. Pieroo gähnte. Drei Stunden, eine Ewigkeit! Er blickte auf den Halbmond über dem See. Für einen Moment standen da zwei Mondsicheln im Nachthimmel.

Auch so etwas – immer häufiger sah er doppelt. Fühlte sich müde, fröstelte, sah doppelt; nein, er war nicht mehr der Alte.

Die Schritte näherten sich, Pieroo stand auf. Wie der Geruch von Aas, in das man versehentlich getreten war, klebte die missmutige Stimmung an ihm. Schon seit er von der Lüge wusste.

Ja, die anderen hatten ihn lange belogen, hatten ihm verheimlicht, wie es wirklich um ihn stand. Und das nahm er ihnen übel. Nachdem er ein Gespräch belauscht und endlich die Wahrheit erfahren hatte, erklärte ihm Tinnox, was passiert war. Wegen dieses Lichtblitzes über den Ruinen der Riesenstadt damals – wie hieß sie gleich? Nuu‘ork, richtig – sei er verstrahlt worden, behauptete Tinnox, er und seine Frau Yuli – und Samtha, Ru‘alays Witwe.

Verstrahlt … Pieroo hatte keine klare Vorstellung, was das bedeutete, aber er hatte eine sehr konkrete Vorstellung davon, wie seine Yuli sich jetzt fühlen musste, wenn es ihr ähnlich ging wie ihm.

In den See tauchen? Taratzendreck! Er wollte nach Hause, er wollte zu Yuli, so schnell wie möglich!

Die Umrisse zweier menschlicher Gestalten schälten sich aus der Dunkelheit. Zwischen Büschen und jungen Bäumen liefen sie ihm durch kniehohes Gras entgegen. »Ich bin‘s, Pieroo«, sagte eine Männerstimme. »Alles klar hier unten?«

Doch nur eine Gestalt. »Alles klar, Tinnox.«

Zwei, drei Bilder blitzten in Pieroos Schädel auf – Situationen, in denen er dem blonden Krieger aus der Vergangenheit begegnet war. Tinnox auf den Palisaden von Laabsisch – damals hatte er ihn kennengelernt – Tinnox auf dem Sklavenmarkt von Plymeth, Tinnox in der Riesenstadt unter dem Eis, als der Lichtblitz den Himmel verbrannte, und schließlich Tinnox wie von Wudan geschickt, als Pieroo vor dem wahnsinnigen Blythe floh. Erst einen Mond etwa lag das zurück.

Hatte er den blonden Mann schon einmal in einer Situation getroffen, in der alles klar war?

Das schoss dem bärtigen Hünen durch den Kopf, während Timothy Lennox vor ihm stand und ihn musterte. Pieroo gähnte.

»Ich tu mich inne Decken verkrieche.«

»Schlaf gut.« Tinnox setzte sich auf den Baumstumpf, legte sein Gewehr über die Schenkel und spähte zur Bucht hinunter. Das Gewehr sah aus wie ein Rohr mit einer Kugel und einem Bügel daran, aber es konnte Blitze spucken. Ein gefährliches Gerät. Pieroo kam manchmal aus dem Staunen nicht mehr heraus, was sie so alles bauten und ausbrüteten, die Technos unter der Erde.

Er machte ein paar Schritte hangaufwärts, blieb stehen und blickte sich noch einmal nach dem Gefährten um. Aufrecht saß Tinnox, den Kopf leicht nach vorn gebeugt. Ruhe und Konzentration gingen von ihm aus.

Als spürte er die Blicke des anderen, fuhr er plötzlich herum und sah zu Pieroo herauf. »Was ist los? Warum gehst du nicht hoch zur Festung?«

»Bin schon unnewegs.« Mit einer Kopfbewegung deutete Pieroo auf den nächtlichen See. »Wann geht‘s los?«

»In zwei oder drei Tagen.« Timothy Lennox wandte den Kopf wieder der Bucht zu. »Lotraque wird die bionetischen Anzüge morgen überprüfen.«

Bionetisch – das Wort sagte dem eureeischen Barbaren nicht viel, doch er wusste, was gemeint war. »Wie viele … Tauchsachen wachsen anner Qualle?«

»Drei«, sagte Tim. »Drei Tauchanzüge. Mehr Kapazität konnte Lotraque seiner Transportqualle nicht abringen.«

Die Auskunft erleichterte Pieroo. Nur drei konnten also an der Tauchexpedition teilnehmen. Und sieben waren sie, die Fischmenschen nicht mitgezählt, seitdem sich Jed und Majela abgesetzt hatten. Das senkte die Wahrscheinlichkeit, dass er teilnehmen musste, beträchtlich. Und wenn sie ihn fragten, würde er einfach nein sagen. Schließlich war er krank.

»Du wills also immenoch innen See?«

»O ja«, sagte der blonde Mann aus der Vergangenheit, ohne sich nach ihm umzudrehen. »Ich muss sehen, was da unten vorgeht. Ich will wissen, was die Erde heimgesucht hat vor fünfhundert Jahren.«

Pieroo nickte langsam und brummte einen Seufzer in seinen Bart hinein. »Na dann gute Nacht.« Er drehte sich um und stapfte den Hang hinauf.

 

 

Details

Seiten
117
Jahr
2020
ISBN (eBook)
9783738942545
Sprache
Deutsch
Erscheinungsdatum
2020 (Juli)
Schlagworte
geheimnis kometen kristalle lennox zeitalter

Autor

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Titel: Das Zeitalter des Kometen #23: Lennox und das Geheimnis der Kristalle