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Benedetta, die Bezaubernde, Volpe und der reißende Wolf

2020 221 Seiten

Leseprobe

Table of Contents

Benedetta, die Bezaubernde, Volpe und der reißende Wolf

Copyright

1. Teil: Bei Volpe am 23. Dezember 2020

2. Teil: Giulias Tod und Benedettas Killer (2014)

3. Teil: Schlusswort des Dr. Sergiu Petrescu

4. Teil: Kleines Nachwort

Benedetta, die Bezaubernde, Volpe und der reißende Wolf

Ein Venedig-Krimi

von Meinhard-Wilhelm Schulz

 

Der Umfang dieses Buchs entspricht 221 Taschenbuchseiten.

 

Benedetta aus Belluno ist ein ungewöhnliches Mädchen, eine besondere Frau, weil Jahrzehnte ihres Lebens von mysteriösen Todesfällen überschattet sind: Aus dem Versteck heraus musste sie als Dreijährige miterleben, wie ihre Mutter umgebracht wurde. Seitdem verfolgt sie der Alptraum eines reißenden Wolfes. Als sie elf ist, fällt ihre Pflegemutter einem Gewaltverbrechen zum Opfer. Als Erwachsene wird sie Boxmeisterin und unterhält eine eigene Boxschule mit Sportboutique in Belluno. Dort wird eines Tages Giulia, ihre beste Kundin und Freundin, ermordet - kurz nach dem Tod der Freundin wird sie von einem Killer verfolgt.

Kein geringerer als Volpe hilft ihr bei der Aufklärung der Mordserie und sorgt dafür, dass diese tapfere Frau wieder Tritt im Leben fasst. Sein Butler Giovanni fasst es überzeugend zusammen: „Es ist das Wunder der Liebe.“

 

 

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books, Alfred Bekker, Alfred Bekker präsentiert, Casssiopeia-XXX-press, Alfredbooks, Uksak Sonder-Edition, Cassiopeiapress Extra Edition, Cassiopeiapress/AlfredBooks und BEKKERpublishing sind Imprints von

Alfred Bekker

© Roman by Author / Cover: Steve Mayer, 2020

© dieser Ausgabe 2020 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

Alle Rechte vorbehalten.

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1. Teil: Bei Volpe am 23. Dezember 2020

Personen des 1. Teiles

• Dr. med. Sergiu Petrescu: Redakteur des Buches

• Giuseppe Tartini ,Volpe‘: venezianischer Privatdetektiv

• Benedetta Giacometti (mindestens 42): Ich-Erzählerin

• Maria Leoncavallo (48): ihre Freundin; Maklerin

• Angela Giacometti: ihre Mutter

• Gino Giacometti: ihr Vater

• Dr. Antonio Napolitano: ihr Pflegevater; Kripochef

• Brigitta Napolitano: ihre Pflegemutter

• Amanda Moro: ihre Klassenkameradin

• Dr. Enzo Chigi: Onkel Enzo; Brigittas & Angelas Kommilitone

 

 

1. a: Vorwort des Dr. Petrescu

Mein innig geliebtes Lesepublikum, dass ich, Dr. med. Sergiu Petrescu, gebürtiger Rumäne bin, aber aufgrund meiner Studienorte ebenso dem Deutschen wie dem Italienischen zugetan bin und seit einigen Jahren eine Praxis für Allgemeinmedizin in Jesolo betreibe, sollte Dir vielleicht schon bekannt sein.

Wenn sich die Badegäste verzogen haben, pflege ich die Praxis zu schließen und die verbliebenen Patienten einem jungen Kollegen anzuvertrauen, um zu Punta Sabbioni den Vaporetto nach Venedig zu besteigen und dort bei meinem Freund, dem Privatdetektiv Giuseppe Tartini, zu überwintern, den man in hübscher Doppeldeutigkeit ob seines schulterlangen roten Haares Volpe (Rotfuchs/Schlaumeier) zu nennen pflegt.

Diesmal war ich später dran, weil ich mich noch mit einem Aufflackern des idiotischen Corona-Virus herumschlagen musste und gelangte erst am 23. Dezember zu ihm in seinen kleinen feinen Palazzo am Calle di Cavallo (Pferdegasse) mit freiem Blick über den Campo dei Santi Giovanni e Paolo samt dem herrlichen Reitermonument des Colleoni, das der begnadete Bildhauer Andrea del Verocchio entworfen hat.

Giovanni, der Butler, hatte heute seinen freien Tag. So betrat ich das Haus, zu dem ich einen eigenen Schlüssel besitze, ohne anzuklopfen, hängte Mantel und Hut an die Garderobe und steckte die Füße in bereitstehende Pantoffel, während sich Zornesfalten auf meiner Stirn kräuselten, denn aus dem Kaminzimmer drangen Gläserklingen, Lachen und fröhliches Stimmengewirr in meine Ohren. Welche Donna oder Signorina wagte es, Volpe ohne meine Zustimmung zu besuchen? Verdrossen musterte ich den überlangen dick wattierten grünen Mantel mit fellbesetzter Kapuze, aus dem sie sich geschält hatte; darunter hohe Stiefel.

»Dottore Medico Petrescu, so komme doch endlich herein! Avanti! Subito, subito!«, rief mir Volpe entgegen.

Am liebsten hätte ich kehrt gemacht, so wütend war ich, denn wenn er sich jetzt ein Weib zugelegt hatte, war ich in seinem Hause nichts als ein Störenfried. Mürrisch öffnete ich die Tür. Warme Luft wehte mir entgegen. Im Kamin prasselte munter das Feuer. Volpe hockte auf seinem ledernen Zweisitzer, den er dicht davor gerückt hatte, eine Mieze rechts neben ihm, an ihn geschmiegt, die er gerade umarmte und abküsste.

Sie hatte das langärmelige Baumwollkleid über die Lehne geworfen, streckte die Gazellen-Beine aus dem Höschen, war barfuß, alle zehn Nägel rot angemalt, hatte ihren Oberkörper in ein von hellblauen Blumen gemustertes trägerloses Mieder gezwängt, das mithilfe einer Tüllborte die Spitzen der Brüste beschattete, während es im Bereich des von rötlichem Kraushaar umgebenen Nabels herum einen flachen festen Bauch sichtbar werden ließ. Das dunkelblonde, auffällig wellige Haar ließ sie frei bis weit über die Mitte des Rückens hinab fließen.

Ihr Gesicht war fein und oval; dunkle Augen mit dunklen Augenbrauen; Nase afrikanisch angehaucht; Lippen breit und üppig, rosa gehalten; sanft gerundetes Kinn über einem schlanken Hals. Wo ihr Körper unbedeckt war, schimmerte er ockerfarben und war überall von feinstem Flaumhaar bedeckt. Auf Schminke und Schmuck verzichtete sie, während Volpe in seinem grünen Morgenrock steckte, das feurige Haar lose über dem Kragen.

Ich war sprachlos, als ich zusehen musste, wie sich ihre Lippen trafen. Volpe deutete auf einen gläsernen Stiefel, der mit einer heißen Mischung aus rotem Wein und stillem Mineralwasser gefüllt war. Vor ihm und seiner Süßen stand ein bis auf den feurigen Bodensatz leeres ebenso großes Gefäß.

Ohne seine linke Hand von ihrem rechten Hügel zu nehmen, säuselte er: »Mein Gott, wie schön, dass du da bist, Sergiu. Sehnsüchtig haben wir auf dich gewartet, meine Benedetta, die Entzückende und ich. Während du die Zeit an der Garderobe vertrödeltest, um Mantel und Stiefel zu mustern, ist sie zum Herd gerannt, um dir den glühheißen Willkommenstrunk einzuschenken.«

»Woher erkanntest du, dass ich es war?«

»An deinem Schritt, mein Lieber. Du hast eine besonders markante Art, den Absatz aufs Parkett zu setzen, den linken ein wenig stärker als den rechten, verursacht durch einen Ansatz von Skoliose, wie du wissen solltest. Ferner hast du deinen echt Schweizer Markenschuh mit nagelneuen Absätzen versehen lassen; das verrät der etwas festere Klang.«

»Gut, schön, du weißt eben alles«, sagte ich mürrisch, ließ mich in den Korbsessel fallen und begann, das heiße Getränk zu süffeln, wohltuend nach den Unbilden der Witterung; dann maulte ich, neidisch seine Puppe von oben bis unten musternd: »Und wie ich sehen muss, Giuseppe, hast du dir auf deine alten Tage noch ein knackiges Weib zugelegt. Gewiss hattest du ihr in einem Kriminalfall zur Seite gestanden. Leitest du daraus ab, dass sie dir gehört? Falls ihr noch in den Flitterwochen seid, will ich nicht weiter stören. Ich möchte nur rasch den Stiefel leeren; dann haue ich ab. Ansonsten herzlichen Glückwunsch!«

»Amico mio, sei nicht so garstig, denn das Mädchen da, Signorina Benedetta Giacometti, ist seit diesem Dezember zur Kommissarin der Carabinieri von Venedig befördert worden, dank Ambrosio und mir, und das muss begossen werden.«

»Aha«, sagte ich erbost, »und darum hockt sie halbnackt auf deinem Sofa und ist dabei, dich zu vernaschen. Das also sind die neuesten Methoden unserer Carabinieri; na denn prost!«

»Warum nicht?«, sagte Volpe kichernd, »alle Wege führen nach Rom. Aber Benny und ich sind nur Freunde und kein Paar, schon gar kein eheliches. Sie ist übrigens mit Debora befreundet, der wir mal das Leben gerettet haben und meckert mir die Ohren voll, dass du deren Sohn, den sie der Paduaner Cousine zur Adoption gegeben hat, so lange nicht mehr besucht hast. Heißt er nicht nach uns beiden Giuseppe Sergio? Ist er nicht das Kind des berüchtigten Strandmörders?«

»Ich hatte keine Zeit, nach Padua zu fahren, um nach dem Winzling zu schauen; zu viele Viren in der Luft; Corona und Influenza und jede Menge grippaler Infekte; Patientenstress; und merke dir eines: Wer bei der Kripo schuftet, ist mir gleichgültig.«

Noch wütete ich, als sich der Glühwein, den ich hinuntergespült hatte, bemerkbar machte. Benedetta, die Bestie, hatte ihm einen Schuss Grappa beigemengt, mit böser Absicht, wie man sich denken kann, und ich war ihr auf den Leim gegangen.

Während sich die Gegenstände verdoppelten, löste sie sich irre kichernd aus Volpes Armen, die beiden leeren Stiefel in Händen, tänzelte auf Zehenspitzen in die Küche, während ihr mein Kumpel mit glasigen Augen hinterherstarrte und irgendetwas von blutsaugendem Vampir radebrechte.

Kurz darauf erschien sie wieder mit den zwei randvoll gefüllten Eimern und setzte sie klirrend auf das Mäuerchen vor den glühenden Holzscheiten. Dann aber, ehe ich auf drei zählen konnte, saß sie auf meinem Schoß und verlangte, dass ich Brüderschaft mit ihr trank. Diese Gelegenheit ließ ich mir nicht entgehen, umschlang sie und leerte abwechselnd mit ihr die feurig rot schäumenden zwei Literchen. Während ich triumphierend zu Volpe hinüber blickte, die linke Hand auf ihrem rechten Hügel, begann sie mit ihrer zauberhaften Stimme zu erzählen, was unten in unvollkommener Wiedergabe folgt.

Wie auch könnte ich die süßen Versprecher ihrer schweren Zunge wiedergeben, wie ihr helles Kichern? Ihr berückendes Lallen, das mich an den Rand des Wahnsinns trieb? Und wie oft unterbrach sie den Vortrag, um mich abzuschlecken, nachdem sie mir das Hemd von unten bis oben aufgeknöpft und samt Unterhemd abgestreift hatte. Sie gab sich als Achtunddreißigjährige aus, war in Wirklichkeit aber ein Weib von mindestens Zweiundvierzig.

Kichernd schüttelte sie meine Pfote ab und hüpfte auf Zehenspitzen nach draußen, um nach dem Rauschen der Toilettenspülung zurückzutänzeln und mit hoch gestreckten Armen eine Pirouette zu drehen, bei der sie so rasend schnell um die eigene Achse wirbelte, dass ihr Leib vor meine Augen verschwamm.

Volpe schleuderte nun den Morgenrock über die Lehne des Zweisitzers und gab seinen gestählten Oberkörper ihren schmachtenden Blicken preisgab. Mit einem wilden Aufschrei lag sie ihm in Armen. Mit ihm schmusend und in seinem Rotschopf wühlend, setzte sie ihre Erzählung fort, von der ich sagen muss, se non è vero, è ben trovato (wenn nicht wahr, dann gut erfunden).

 

 

1. b: Ich, Benedetta La Bella, stelle mich vor.

Mein lieber Sergiu, ich bin Benedetta Giacometti, entfernt verwandt mit der Künstlerfamilie aus dem Bergell, erst 38 Jahre alt (das war schamlos gelogen), wohnhaft im Calle della Stella (Sterngasse), ungefähr 500 Meter östlich der Rialtobrücke, auf halber Strecke zu den Stationen Fondamente Nove und Rialto. Wenn es nach mir geht, werde ich eines Tages Chefin der Kriminalpolizei von Padua oder Venedig. Tenente di Fusco und Capitano Marcello haben mir eine große Zukunft prophezeit.

Meine beste Freundin war vor Kurzem noch eine Maria Leoncavallo, die in Marghera eine Suite in einem achtstöckigen Bunker hauste. Trotz recht großer Unterschiede (ich erst 38, Commissaria der Kripo; sie Investmentberaterin und schon 48) waren wir ein Herz und eine Seele und übernachteten am Wochenende wechselseitig im kuscheligen Schlafzimmer der anderen.

Dazu kleideten wir uns dermaßen ähnlich, meistens sogar gleich, dass uns manche, wenn wir uns blicken ließen, für Schwestern hielten, obwohl wir gar nicht verwandt waren; und so will ich uns denn auch in einem einzigen Aufwasch schildern.

Beide sind wir 1, 70 m. groß; schlank und sportlich; durchaus weibliche Figur; fein geschnittenes Gesicht mit ein paar Sommersprossen; Augen dunkelgrau bis braun und mandelförmig; das krause dunkelblonde Haar schulterlang getragen. Mit unseren langen Schenkeln könnten wir zufrieden sein; unsere Oberweite ist mittelmäßig und von keinen grapschenden Pfoten verdorben. Was Männer anbetrifft, sind wir eine Tabula Rasa.

Unsere Taille bringen wir gerne zur Geltung, indem wir enge kurze Kleider tragen. Hüften und Gesäß sind für Leute, die es gerne allzu weiblich wünschen, zu schmal. Mit Schmuck behängen wir uns nur zu besonderen Anlässen. Silber ist uns lieber als Gold.

Bei angenehmem Wetter trafen wir uns am Strand der Insel Lido, um dort fünf Kilometer Jogging hinter uns zu bringen, bevor wir uns in die Fluten stürzten. Jedes Mal staunten wir über die Zahl der fetten Mädchen, die da, im Bikini steckend, ihre Wülste zur Schau stellten und wunderten uns, dass sie einen Kerl fanden, der sie sogar geschwängert hatte, denn das war genau der Mann, vor dem wir uns ekelten.

Neben Laufen und Schwimmen war die klassische Musik unsere Leidenschaft. Wir gingen ins Konzert, um großer wie kleiner Besetzung im Teatro La Fenice zu lauschen. In unserer kärglichen Freizeit sind wir die reinsten Leseratten.

Bei der Garderobe bevorzugte Maria die Farben blau und rosa und trug am liebsten Hot Pants, die Füße mit den rosarot gehaltenen Nägeln in grünen Sportsandalen, falls wir nicht bei Wind und Wetter barfuß flanierten.

Wenn wir im gleichen Bikini unterwegs waren, konnten wir uns der missbilligenden Blicke der Passanten sicher sein. Um keine falschen Vorstellungen aufkommen zu lassen, Dottore, will ich gleich zu Beginn betonen, dass weder sie noch ich zur Gilde der Lesben gehörte. Wir waren aber in einem Alter, in dem andere Frauen längst Mutter geworden sind, hatten aber keinen Mann gefunden. Erst vor drei Jahren entdeckten wir einander für uns und lernten uns und unsere Zärtlichkeit lieben.

Die meisten Männer hielten uns dennoch für Lesben, und so gerieten wir in einen Teufelskreis. Einerseits waren wir darauf erpicht, uns zwar spät, aber nicht zu spät, einen Mann zu erobern, was bei uns höchste Zeit war, andererseits konnten wir es nicht lassen, händchenhaltend aufzukreuzen.

Schließlich gab ich ihr den Laufpass. Das ging nicht ohne Tränen über die Bühne und kostete mich unendliche Mühe, aber ich war ihrer Reize, wenn ich das so sagen darf, überdrüssig und begann meinen neuen Lebensabschnitt, indem ich meine Eva mit dem Augen eines interessierten Mannes (!) vor dem Badezimmerspiegel musterte, der vom Fußboden bis zur Decke reicht.

 

 

1. c: Meine Gedanken vor dem Spiegel

Lieber Sergiu, bevor ich dir über meine Gedanken berichte, die ich dort hegte, möchte ich mich dafür entschuldigen, dass mein Bericht verworren erscheint, denn ich habe einen zu viel in der Krone und bringe alles Mögliche durcheinander.

Ich stamme aus Farra d‘Alpago am Lago di Santa Croce, aus eben der Gegend, in der ihr beiden das Abenteuer mit den Blumen des Todes bestanden habt, ein paar Kilometer nur von Belluno entfernt. Obwohl gelernte Bankkauffrau, habe ich mich nach dem Tod des Mannes, den ich Vati nannte, auf der Polizeiakademie gemeldet und mein Examen mit sehr gut gemacht. Giuseppe und Tenente di Fusco waren meine Förderer. Ich war und bin Amateurboxerin sowie Inhaberin einer Frauenboxschule samt angegliederter Boutique mitten in Belluno.

Höchstwahrscheinlich bin ich wahnsinnig, Sergiu. Worin mein Wahnsinn besteht, fragst Du mich? Nun, seit ich vier Jahre alt geworden bin, foltert mich ein bestimmter Alptraum. Er mag die Ursache dafür sein, dass ich bis heute Jungfrau geblieben bin. Mein Leben, das unten folgt, ist also das Geständnis einer Wahnsinnigen; doch jetzt zu meinem Gespenst der Nacht.

Mich träumt jedes Mal, ich wäre das eines der sieben Geißlein aus dem deutschen Märchen, das der Wolf nicht verschlingen konnte, weil es sich in der Standuhr versteckte, aus der es nun hervor lugt, um zu erfahren, was vor sich geht.

Immer nämlich, wenn mein Vater in Geschäften unterwegs war, erschien der Fremde bei dieser fremden Frau, in der ich meine Mutter Angela zu erkennen glaube, die ich nicht lieben kann. Er kommt zu Fuß, den Kopf in eine Kapuze gehüllt. Ich habe Angst vor ihm, und Abscheu davor, von ihm angefasst zu werden. Weil er das weiß, berührt er mich bei jeder Gelegenheit oder fingert am Obst oder süßen Kuchenstück herum, nach dem ich schmachte, um es für mich ungenießbar zu machen.

Wenn er es dann so weit gebracht hat, dass ich vor Furcht und Ekel weine, lacht er meckernd mit gefletschten Zähen, sagt mir, ich sei eine kleine Bestie und er werde mich umbringen, falls ich dem Vater verrate, dass er hier eingetroffen sei. Dann sperrt er mich ins Kinderzimmer und lässt mich allein.

Ich höre ihn kichernd mit Mutter ins Elternschlafzimmer gehen und die Tür zuschließen. Was sie dort tun, weiß ich nicht und kann es mir auch nicht vorstellen, denn dazu bin ich noch viel zu klein. Doch gerade dadurch steigert sich meine Neugier ins Unermesslich, und ich beschließe, das Geheimnis zu lüften.

Einmal, als Vater wieder auf Reisen ist, ahne ich, dass er kommen wird, denn Mutter ist emsig mit Vorbereitungen beschäftigt und hat die Betten frisch überzogen. Kaum hat sie das Schlafzimmer verlassen, schleiche ich mich ein, klettere in die Standuhr und klappe die Tür hinter mir zu. Das Pendel hänge ich ab und luge durch das herzförmige Loch nach draußen.

Schon ist er mit Gepolter gekommen und geht mit schlurfenden Schritten über die knarrenden Dielen des Korridors. Ich höre vergnügtes Schnattern der Mutter und das heisere Knurren der Bestie. Mehrfach nennt er meinen Namen. Doch nachdem man mich vergebens gesucht hat, zieht sich das Pärchen ins Gemach zurück, in das graues Licht hereinsickert, und der Fremde dreht den Schlüssel um.

Ich bin jetzt im selben Raum und weiß, dass ich sterben werde, sollte er mich entdecken. Daher halte ich die Luft an und starre hinaus. Alles ist still bis auf das Stöhnen der Mutter, deren Mund sich an seinem Wolfsrachen festgesaugt hat. Dann zieht er sie und sich nackend aus und schleudert Angela aufs Bett.

Was ich nun sehen muss, ist abscheulich, denn sie umschlingend einander Brust an Brust und rollen hin und her, als bestritten sie einen Ringkampf. Zuletzt liegt Angela hilflos auf dem Rücken und das schwarz behaarte Tier lässt sich auf sie fallen, als wollte es sie erdrücken und zermalmen. Seine Krallen schließen sich um ihre Kehle. Sie schlägt eine Weile mit den Armen und erschlafft dann. Die Augen quellen aus den Höhlen. Schlapp wie eine hässliche rosa Schlenkerpuppe bleibt sie liegen. Der Wolf springt aus dem Bett, schlüpft in die Kleider, dreht den Schlüssel herum und schleicht davon.

Ich warte noch eine Zeitlang, um dann aus der Standuhr hinauszuklettern und nach der fremden Frau zu sehen, die da verrenkt auf dem Bett liegt. Ihr Anblick ist so entsetzlich, dass ich mir schrill kreischend die Seele aus dem Leib schreie, bis ich die Besinnung verliere und neben der Leiche zu Boden stürze.

Als ich zu mir komme, bin ich in der Psychiatrie. Mir will es so vorkommen, als wären Jahre vergangen. Ein Mann im weißen Kittel, hinter dem ein ausdruckslos vor sich hin starrender zweiter steht, fragt mich, was geschehen sei, aber ich weiß nichts. Ich kann mich an nichts erinnern und stammele nur dummes Zeug über einen stark behaarten Mann daher, der sich in einen Wolf verwandelte, aber niemand will mir glauben.

Dies ist der Traum, den ich nicht mehr loswerden kann. Er blieb mir erhalten, ohne dass ich hätte sagen können, ob es ein Traum oder ein Stück Wirklichkeit war, denn es ist eine Tatsache, dass ich meine leibliche Mutter durch ein Verbrechen verlor, als Vorbote für die weiteren Verluste, die ich hinnehmen musste, bis sich in meinem Hirn der Gedanke festsetzte, ich müsse ein vom Satan besessenes Wesen sein, in dessen Umgebung es kein Glück geben könne, eine Frau, die man früher lebendigen Leibes verbrannt hätte, diese widerliche Hexe, die den bösen Blick hat.

Mein Vater, der mich nach Angelas Tod zu Pflegeeltern gab, sprach kein einziges Mal darüber, wie sie gestorben war. Wie ich später erfuhr, war er es, der mich neben der Leiche entdeckte. Einmal nur, als er mich zum Segeln abgeholt hatte, wagte ich es, ihn zu fragen, und er prügelte mich dafür fast zu Tode.

Ein Grab, vor dem ich hätte weinen können, gab es nicht, denn er ordnete für sie die Einäscherung und anschließende Bestattung in der hohen Adria an. Nicht einmal Fotos existieren von ihr, weil er sie vernichtete. Von daher kommt es, dass ich kaum eine Vorstellung von ihr besitze. Sie ist zu einer Gestalt geworden, die in manch einer Nacht wie ein Schatten am Kopfende meines Bettes steht und mir das Blut in den Adern gefrieren macht, wenn sie ihre Knochenhände nach mir ausstreckt.

Zur Pflegemutter erkor Vater eine Studienkollegin meiner Mutter, eine Signora Napolitano, die ich Brigitta nennen sollte.

Hier nun, wie versprochen, der erste Teil meines Berichtes, der die Gedanken enthält, welche mir damals durch den Kopf schossen, als ich im Badezimmer vor dem Wandspiegel stand, um mich zu begutachten; doch gemach, lieber Sergiu, ich will von vorne anfangen. Wie ich aus deiner Novelle Das Sterben im Dunklen weiß (im Band: Nichts als Knochen), kennst Du die schmucken Dörfer am Ufer des kleinen Sees am Alpago.

In Farra d‘Alpago erblickte ich das Licht der Welt und wuchs dort als einziges Kind der Eheleute Gino und Angela Giacometti auf. Anfangs war es eine glückliche Zeit, solange wenigstens, bis ich meine Eltern verlor, erst die Mutter, später den Vater.

Nachdem Angela umgekommen war und ich in den Haushalt der Brigitta und Antonio Napolitano geraten war, verlor ich auch die Pflegemutter. Ich war damals elf. Sie war genau wie meine richtige Mama Diplomingenieurin. Beide kannten sich vom Studium her und arbeiteten zu Belluno im selben Büro, das von ihrem ehemaligen Kommilitonen, Dottore Enzo Chigi, betrieben wurde, der es dank einer Erfindung zu Reichtum gebracht hatte.

Dies führte dazu, dass er nicht selten bei meinen Pflegeeltern zu Besuch weilte. Immer brachte er mir etwas mit. Immer war er nett zu mir. So kam es, dass aus ihm Zio Enzo (Onkel Heinz) wurde. Antonio, den ich Vati oder Tony nannte, hatte mit ihm die Schulbank gedrückt, und die beiden mochten sich, auch wenn Tony nichts von Maschinenbau verstand. Er war, als er mich aufnahm, Chef der Polizeistation von Belluno und erweckte in mir den Wunsch, eines Tages auf seinen Spuren zu wandeln.

Für mich war er der richtige Vater, da sich der leibliche nicht um mich kümmern konnte, ständig auf Reisen war und darum keine Zeit für mich hatte, einmal abgesehen von unseren Ausflügen mit der Segelboot. Dennoch war es ein Schock für mich, als ich erfuhr, dass er sich umgebracht hatte. Die Staatsanwaltschaft hatte den Tod meiner Mutter neu aufgerollt. Man beschuldigte ihn, der Mörder zu sein. Eines Nachts erhängte er sich im Gefängnis.

Seit er tot war, machte ich an seiner Stelle den Lago di Santa Croce mit dem nun mir gehörenden Boot unsicher. Wenn möglich, nahm ich Tony mit, denn er hatte Brigitta, meine Pflegemutter, bereits fünf Jahre zuvor verloren. Mir ward so auch die zweite Mutter genommen, diese unterkühlte Physikerin und Mitarbeiterin des Mannes, den ich Onkel Enzo nannte.

Manchmal hatten wir es dem Lieben Gott zu danken, dass wir nicht untergingen. Nach solchen Abenteuern schwor Vati regelmäßig, nie wieder mit mir hinauszufahren, hat seinen Schwur aber gebrochen, denn auch er liebte Wind und Wellen, ja, er liebte auch mich, und das mehr als ein Vater. Nun aber stehe ich in der Backofenhitze des Badezimmers vor dem die Wand einnehmenden Spiegel, den ich mir samt winziger Wohnung in Venedig erworben habe.

Verbiestert starre ich hinein, aus dem heraus mich der an der Decke angebrachte Leuchter blendet, um Musterung meiner Gliedmaßen zu halten, während sich der Stab des Stockmaßes sanft auf meinen Scheitel herabsenkt. Mitten in der Glasfläche leuchtet eine Skala auf, neben der eine blaue Säule emporsteigt, um neben der Ziffer 169,55 stehen zu bleiben, womit meine Größe in Zentimetern und Millimetern angegeben wäre, der emporkragende Schwamm der Haare nicht mitgerechnet, und das ist für meine Gefühle zu wenig. Da ich inmitten einer in den Fußboden eingelassenen Glasplatte stehe, leuchtet nun in Rot mein Körpergewicht auf. Ich wiege 65,29 Kilo und darf von mir behaupten, einigermaßen schlank geblieben zu sein. In meinem Alter sind die meisten Donne nämlich so fett geworden, dass sie bei einer Rauferei gegen mich keine Chance hätten; zugegeben, ich bin der reinste Weiberfeind und hasse sie alle außer meiner früheren Freundin Maria, von der ich immer noch träume.

Tag für Tag trainiere ich mit Hanteln, Gewichten, Expandern und dem Sandsack, auf den ich mit Boxhandschuhen eindresche, um trotz meines Alters den heiß geliebten Sport noch ausüben zu können, denn für mich gibt es nichts Schöneres als die Gegnerinnen im Ring zu stellen und auf die Bretter zu schicken.

Boxen ist meine Leidenschaft; kein Leben ohne zu boxen, während mein alter Wunschtraum, Geigerin zu werden, eine Virtuosin, so gut wie Giuseppe, schon in jungen Jahren zerplatzte wie eine Seifenblase. Doch Schluss jetzt mit diesen philosophischen Betrachtungen; zurück zu trivialen Dingen!

Ich gehe zur Bewertung meiner sonstigen Figur über. Mein langgestreckter Leib wird von einem langen Haupt gekrönt, das die Gestalt eines auf der Spitze stehenden Dreieckes besitzt und über dem Kinn aufwärts immer breiter wird. Die Lippen sind üppig, Erbe meines afrikanischen Ururgroßvaters sowie der dadurch afrikanisch angehauchten Mama, ferner so rot, als wären sie nur zum Küssen da. Sie gefallen den Männern und entlocken ihnen Komplimente, die mich kalt lassen. Dazu passend ist meine von Natur aus hellbraune Hautfarbe. Die meisten Leute denken, ich wäre eine Sonnenanbeterin.

Mein Ururgroßvater mütterlicherseits, so will es die Familientradition, stammte aus Südafrika und war ein kleiner Fisch in der britischen Botschaft zu Rom. Wie man sagt, hatte er dort für Sauberkeit zu sorgen und die Spucknäpfe zu leeren. Ebenda soll meine Ururgroßmutter die ehrenwerte Aufgabe gehabt haben, einmal in der Woche die Fenster zu putzen, und dabei kam dann, was kommen musste. Wie mein Ahnherr hieß, konnte ich nicht herausfinden. Als er begriff, dass er sie geschwängert hatte, verduftete er in seine Heimat und verabschiedete sich für immer aus der Familiengeschichte.

Das erste Mal war ich mit zwölf Jahren verliebt. Der Junge, für den ich schwärmte, war groß und athletisch gebaut. Er hatte schwarze Haare und dunkle Augen. Achille hieß er, wie Homers Held, und war noch achtzehn. Obwohl er Schwarm aller Mädchen war, galt sein Interesse allein mir, und das machte mich stolz. Er war sprachbegabt und beherrschte neben Italienisch auch Englisch und sogar mein geliebtes Deutsch.

Warum er seine Augen auf mich, dieses staksige Mädchen von wenig über zwölf Jahren, geworfen hatte, ist mir unerklärlich. Es ist eine schmerzlich süße Erinnerung. Daran allein, dass er ebenso wie ich den größten Teil des Jahres barfuß lief, kann es nicht gelegen haben. Er sagte mir bei jeder Gelegenheit, er wolle Seemann werden und um den Globus schippern.

Im Sommer des Jahres 1993 war es, als er mich regelmäßig abholte, um mit mir den Küstenpfad des Lago di Santa Croce entlangzustürmen, er in seiner kraftvollen Art des Rennens, ich mit meinen Giraffenbeinen in eckigen Sprüngen neben ihm her, und das so leicht, so schwerelos, als wäre ich dazu geboren. Ich hatte es mir nämlich angewöhnt, nur auf den Ballen daher zu fetzen und mache es bis heute so; es hat etwas Federndes.

Achille trug seine Badehose unter der Windjacke. Ich war in Jungenbadeshorts geschlüpft und hatte außer dem im Wind flatternden Umhang sonst nichts an. Ich sei kein Mädchen, betonte er bei jeder Gelegenheit, wenn wir die Oberbekleidung ablegten und uns ins Wasser stürzten. Ich musste ihm recht geben, denn Brüste hatten sich bei mir nicht entwickelt. Außerdem trug ich das Haar kurz und wie einen Schwamm auf dem Scheitel, während sich auf Beinen, Brust und Bauch allmählich ein feiner rötlicher Flaum breit machte. Ortsfremde ahnten nicht, dass ich ein Mädchen war. Achille nannte mich Benedetto.

Gelegentlich machten wir einen Ausflug nach Venedig und rannten über den Sandstrand hinunter zum blauen Meer, um uns wie verrückt in die Wogen zu stürzen. Wenn wir müde vom Schwimmen waren, legten wir uns in die Sonne und hielten Händchen. Die wenigen Male, die es mir vergönnt war, betrachte ich bis heute als die glücklichsten Tage meines Lebens. Ja, mein Sergiu, wir lagen einander kein einziges Mal in den Armen. Selten genug, dass wir wie Schwesterlein und Brüderlein flanierten, denn die alte Leute runzelten die Augenbrauen, wenn sie Solches sahen. Einmal rief ein Mann mit langem weißem Backenbart erbost: He, Krauskopf, lass die Pfoten von deinem Kumpel!

Dann kam der Herbst, und Achille beging seinen neunzehnten Geburtstag. Ich war als einziges Mädchen eingeladen und trug ein langes Kleid, das in der Taille durch eine Lederband mit silberner Schnalle gegürtet war; darunter eine Art lederner Strümpfe, mit denen ich auf den Ballen stolzieren konnte. Mit Vatis Hilfe hatte ich mich aufgeputzt: Lippen rot; Augenbrauen nachgezogen; Wimpern getuscht. Dazu hatte ich mich mit Rosenwasser parfümiert, erstmals und danach nie wieder.

Achille hob mich in die Höhe, leicht wie eine Flaumfeder, ließ sich rücklings in einen Sessel fallen, setzte mich quietschendes Ding auf seinen Schoß und sagte, ich sei seine Frau. Die Feier über blieb ich auf seinem Schoß sitzen und war wie benommen vor Liebe. Dann kam der Abend. Er brachte mich nach Hause. Vor unserer Tür nahm er mich in die Arme und drückte seine Lippen auf meine Lippen; der erste Kuss meines Lebens. Dann machte ich mich los und ging hinein, während er in der Dämmerung verschwand. Ich drehte mich noch einmal um und rief in die Nacht hinein, »bis morgen, Schatz«, aber er antwortete nicht.

Ja, diese Lebenssekunde bleibt mir in Erinnerung, ein Stück Sehnsucht, denn als ich am nächsten Tag bei seinen Eltern klingelte, öffnete mir die Mutter. Sie war verheult und sagte, ihr Junge sei verschwunden. Da fragte ich sie, ob sie wüsste, wo er sei. Sie antwortete, aus dem Abschiedsbrief ginge hervor, dass er mit der Bahn nach Trieste gefahren sei und dort auf einem Schiff angeheuert habe. Er sei volljährig. Niemand könne ihm diesen Wunsch verwehren. Nun warte sie auf ein Lebenszeichen. Mein Schatz hatte mich verlassen, frei nach dem deutschen Seemannslied: »Vergangen, vergessen, vorüber; vergangen, vergessen, vorbei; die Zeit deckt den Mantel darüber; vergangen, vergessen, vorbei.«

Mit ihm war das Glück gegangen. Irgendetwas war in mir erstorben. Ich konnte nicht einmal heulen. Es kam mir vor, als ob alles aus und vorbei, als ob alles in mir zerbrochen und leer wäre.

Achille hatte sich bei einem alten Überseedampfer verdingt und kehrte nie wieder zurück. Wie die Kameraden mir zuflüsterten, sei sein Schiff in einen Sturm geraten und mit Mann und Maus untergegangen. Ich trug wochenlang nichts als ein bodenlanges schwarzes Gewand: Addio, Achille! Immer und ewig werde ich deiner in Liebe gedenken.

Im nächsten Jahr erwärmte sich ein anderer Junge für mich. Vincenzo war sechzehn, fast drei Jahre älter als ich, und warf mir bei jeder Gelegenheit Blicke zu. Hals über Kopf verliebte ich mich in den Neuen, traute mich aber nicht, es ihn merken zu lassen.

Inzwischen hatte ich mich zur Frau weiterentwickelt und das Haar vom Coiffeur bändigen lassen. Dazu trug ich enganliegende Kleider samt Sandaletten und versuchte, meine keimende Weiblichkeit durch gepolsterte Mieder hervorzuheben. Eines Tages sagte er, es kribbele ihn in den Lippen, wenn er mich sähe.

Von da an erblickte man uns gemeinsam durch die Straßen gehen, und wenn niemand in der Nähe war, übten wir uns im Küssen. Zu mehr kam es nicht, weil ich einen inneren Abscheu vor dem hatte, das da kommen könnte, da der alte Alptraum mit dem reißenden Wolf wieder zurückgekehrt war.

Dann kam der Sommer mit Macht. Vinzenco lud mich ein, mit ihm nach Venedig zu fahren und den Vaporetto zum Lido zu nehmen. Mir ward seltsam beim Gedanken an den bezaubernden Ort, an dem ich mit Achille gewesen war. Sonder Ahnung, dass Vincenco es tat, um mich zu begutachten, sagte ich zu und kaufte mir einen Tanga-Bikini, ein rotes Ding, das nur aus vier Dreiecken bestand, die auf Schnüre gefädelt waren, denn ich war stolz auf meine schlanke sportliche Figur.

Am nächsten Morgen zwängte ich mich hinein und hatte das Gefühl, es mit jeder Diva aufnehmen zu können. Drüber streifte ich ein Flatterkleid und federte barfuß zum Bus, der zum Bahnhof von Belluno ging, wo ich auf den Freund wartete.

Lässig in Bermudas, Baumwollpulli mit roter Werbeschrift drauf und bunten Turnschuhen kam er dahergeschlendert. Ein vergoldetes Kettchen, das unten in einem Herz samt der eingravierten Aufschrift I love you endete, klimperte ihm am Hals.

An der Fahrt war alles schön, nur nicht die Beklemmung, die mich folterte. Vom venezianischen Bahnhof aus fuhren wir mit dem Vaporetto gen Lido und landeten an der Station Santa Maria Elisabetta. Von dort aus durchquerten wir die Insel zu Fuß, fühlten bald den Sand des Strandes der Zona Comunale unter den Sohlen und standen schließlich unmittelbar vor der rauschenden Brandung, wo wir die harmlosen Brecher schaumig den Lido hinauf zischen und wieder hinab gleiten sahen; hinter uns das Reich der Sonnensegel, unter denen die Badegäste lagen, um sich vom Schwimmen zu erholen.

Mir ward heiß und kalt beim Gedanken an das, was nun kommen sollte, denn es kostete Überwindung, mich vor ihm auszuziehen und im Bikini zu zeigen. Jetzt bereute ich es, nicht in den alten inwendig gepanzerten Sportbadeanzug geschlüpft zu sein.

Doch als er mir freundlich zunickte, war es um meinen Widerstandsgeist geschehen. Ich zerrte das Kleid über den Kopf, ließ es auf den Sand gleiten und drehte auf Zehenspitzen eine Pirouette, die Arme in tänzerischer Pose angewinkelt, während die frische Brise von meinem krausen Haar Besitz ergriff und es fröhlich flattern ließ. Verliebt und selbstverliebt wie ich war, dachte ich, Vincenzo müsse jetzt in Begeisterungsrufe ausbrechen und mich stürmisch umarmen, doch das Gegenteil war der Fall.

Kaum hatte er seine Blicke an mir auf und ab gleiten lassen, erlosch sein Interesse. Wortlos drehte er sich um, ließ mich stehen und stapfte kopfschüttelnd davon. Ich kreischte ihm hinterher, warum er mich denn stehen ließe. Er drehte den Kopf und knurrte auflachend, ich sei flach wie eine Flunder und haarig wie ein Affe. Er habe keine Lust, sich mit mir zu blamieren.

Weg war er, der Schuft. Manche schmunzelten. Manche bedauerten mich. Ich beachtete das Getuschel nicht und starrte ihm hinterher, wie er in der Pose eines Western-Helds aus der Hüfte heraus davonstapfte, um sich zu einer Badenixe in den Sand hocken und das T-Shirt über den Kopf ziehen, wobei er seinen gestählten Körper zeigte. Wenig später ging er mit ihr schwimmen.

Entgeistert sah ich, wie sie sich in Wasser und Wellen tummelten, bevor er sie zu ihrer Liege geleitete und sich neben sie legte, um ein Sonnenbad zu nehmen. Sie trug einen Bikini, der eine Nummer zu klein war und dessen Träger sich ins Weiche eingruben. Gewiss war sie schon Neunzehn, drei Jahre älter als er, üppig mit Bauchansatz; Oberschenkel mächtig und voller Dellen; kurz: Sie war das Gegenteil von mir, diese Vorstadtnutte.

Eine Zeitlang stand ich schluchzend am Strand. Es muss herzzerreißend gewesen sein, denn ein älterer Herr, dem der Sommer einen Sonnenbrand auf der Glatze beschert hatte, versuchte, mich zu trösten, indem er sagte, ich sei im Grunde ein recht hübsches Mädchen und würde schon noch den Richtigen finden. Was wusste dieser Opa schon von den Wünschen und Sehnsüchten eines dreizehnjährigen Kükens?

Wütend fischte ich das Kleid aus dem Sand, streifte mir das von scharfen Körnchen durchsetzte Ding über und zerrte den kneifenden Bikini drunter hervor, um ihn in den erstbesten Mülleimer zu schleudern. Ich nenne das Stunde der Wahrheit.

Anschließend rannte ich den Strand südwärts. Dabei federte ich auf den Ballen einher. Als ich die Terrazza al Mare erreicht hatte, bog ich nach rechts ab, hetzte heulend den Gran Viale Santa Maria Elisabetta entlang bis zur obigen Vaporetto-Station; von dort zum Bahnhof und dann mit dem IC nach Hause, immer noch Rotz und Wasser heulend, um mich von keinem anderen als Vati trösten zu lassen. Auf seinem Schoß sitzend und liebevoll übers struppige Haar gestreichelt, kam ich allmählich wieder zu mir und fiel ihm um den Hals.

Ohne den lieben Tony hätte ich mir damals vielleicht das Leben genommen, und seit diesem Tag weiß ich, wie nahe Liebe und Hass beieinander wohnen. Ich hasse Vincenzo bis heute, obwohl er längst vor die Hunde gegangen ist.

Er blieb sitzen und musste das Gymnasium verlassen. Seine Kuh hatte er geschwängert, ohne sie heiraten zu können, diese neunzehnjährige Fleischverkäuferin aus dem großen Supermarkt in Belluno, der noch eine Rolle spielen wird, weil dort ein ehemaliger Sträfling arbeitete, der mich umbringen wollte; zurück zu seiner Flamme: Wie ich später erfuhr, gesellte sich die werdende Mutti einem 37-jährigen Witwer mit zwei Kindern zu, um von nun an zu dieser demnächst sechsköpfigen Familie zu gehören.

Vincenzo hingegen säuft seitdem wie ein Loch und frisst wie ein Scheunendrescher. Er ist kahlköpfig und feist geworden. Eine Zeitlang war er Lagerarbeiter und schlug sich damit durch, solange es ging. Auf Alimente wartet seine Süße ebenso vergebens wie er auf ein Weib. Jetzt ist er untergetaucht. Vielleicht hat er sich ja umgebracht oder zu Tode gesoffen. Verdammtes Schwein hatte ich, als er mir den Laufpass gab.

Vor zehn Jahren begegnete ich ihm und forderte ihn auf, mit mir in den Boxring zu steigen, aber er lehnte ab. Das sei eines Mannes nicht würdig, sagte er grinsend. Ich nannte ihn Feigling. Er verpasste mir eine Ohrfeige. Ich konterte mit einem Kinnhaken. Er ging zu Boden und sah Sternchen. Ich ließ ihn liegen und schlenderte davon. Seitdem machte er einen Bogen um mich. Zurück zu der Zeit, als er mir den Laufpass gab:

Als ich begriffen hatte, dass meine Träume Schäume waren, änderte ich meine Kleiderordnung, verzichtete endgültig auf Schuhe und zeigte mich, wie ich war. Nie wieder sollte es eine Strandszene geben. Jeder Junge, der auf mich aus war, hatte von vorn herein zu wissen, welch hässliches Mädchen ich war. Vor die Wahl gestellt, den Rest des Lebens als heulendes Elend zu verbringen oder aus mir herauszugehen, fiel mir die Entscheidung leicht, auch wenn ich mich oft genug in den Schlaf weinte, denn mit dreizehn hatte ich noch das ganze Leben vor mir. Doch nach dieser Abschweifung, lieber Sergiu, zur Szene, in der ich vor dem Spiegel stehe und mich gnadenlos begutachte.

Oberhalb meines sinnlichen Mundes, den ich gerne leicht geöffnet halte, um die Perlenschnur meiner elfenbeinernen Hauer zu zeigen, teilt eine afrikanisch anmutende Nase, über der ein paar Sommersprossen verteilt sind, das Gesicht in zwei Hälften. Unter buschigen Augenbrauen blicke ich aus mandelförmigen braunen Augen in die Welt; drüber die Stirn, überwuchert vom Schwamm des Kraushaares, Erbe der leiblichen Mutter, einer rothaarigen sommersprossigen Keltin mit afrikanischem Einschlag. Links und rechts lugen meine abstehenden Ohren hervor. Der zweite Vati, gelernter Arzt, dann Tenente der Carabinieri, machte mir den Vorschlag, sie chirurgisch anlegen zu lassen, aber ich dachte und denke nicht dran, meine Natur zu verleugnen.

»Wenn schon hübsch-hässlich, dann hübsch-auffällig«, dachte ich im Badezimmer, um mich als Nächstes meinen prächtig entwickelten Schenkeln zu widmen. Sie sind so lang und dünn, dass man mir den Spitznamen Giraffe verpasste, insbesondere, da ich stets im Höschen über den Schulhof stakste. Seit ich die Pubertät hinter mir gelassen habe, wirken meine Beine eher männlich als weiblich. Als ich siebzehn war, wuchs mir endlich ein Busen; kein großer, aber ein ansehnlicher. Seit dieser Zeit trage ich gerne Mieder. Meine Taille ist sichtbar. Allzu breite Hüften sucht man freilich vergebens. Aus meinem hohen Gesäß heraus wächst ein Oberkörper, der die Gestalt eines Trapezes besitzt und in geraden Schultern endet, an denen muskelstrotzende Arme samt zupackenden Händen baumeln, die ich jetzt zornig zu Fäusten balle, als wäre ich im Frauenboxklub.

Auf Zehenspitzen stehend, ärgere ich mich über die inzwischen herunterhängenden Brüste und recke die Hände nach oben, aber es bringt nichts mehr. Dabei kriege ich immerhin die Haarpracht der Achselhöhlen zu Gesicht, die mich an den Bart des Schimpansen erinnern. Zweifellos bin ich eine Wilde und fühle mich auch als Wilde, denn einer meiner acht Ur-Urgroßväter war ein Schwarzer. Das ist es, was in meinem Blut rumort. Ich bleibe auf den Ballen stehen, lasse die Arme wieder fallen, winkle sie an und streichele meine oberen Wölbungen. Schließlich nehme ich die knorrigen Spitzen zwischen Daumen und Zeigefinger, um sie darin zu drehen, der Beweis dafür, dass ich eine richtige Frau bin, wenn auch eine andere.

Damals, als ich siebzehn war, änderten die Kameradinnen, die mich boshaft musterten, wenn wir unter der Sammeldusche standen, meinen Spitznamen von »Giraffe« in »Milchmann« ab. Nur eine machte da nicht mit, Amanda Moro.

Dieses fade Mädchen von 1,60 m war das Gegenteil von mir: Eine nur angedeutete Figur; kaum Schultern; Haut und Knochen, was die Knie als dickste Stelle ihrer hölzernen Beine hervortreten ließ; oben herum flach wie ein frisch gehobeltes Brett; filigrane Arme und Händchen; nicht ein Härchen zu viel am Leib; ob von Natur aus oder gewollt, blieb bis zuletzt ungewiss.

Dies alles ließ ihren Kopf übergroß erschien; dazu das niemals geschminkte Gesicht mit den heraustretenden Wangenknochen; bleicher Teint; Stupsnase; schmale Stirn; wässrig blaue Augen unter weißblonden Brauen; das schüttere Haar platinfarbig und zum Pagenkopf gestutzt; der Mund zu breit. Sollte sie einmal lächeln, zeigte sie makellose Zähne, aber die wulstigen Lippen zogen sich dabei dergestalt zurück, dass sie das rosa Zahnfleisch entblößten. Gewöhnlich nannte man sie Twiggy, nach dem dürren einst berühmten Fotomodell. Aber es war auch noch ein zweiter Spitzname im Umlauf, ein besonders übler, denke ich, dachte ich vor dem Spiegel, nämlich unterentwickeltes Land.

Sie schloss sich mir auf scheue Art und Weise an, und suchte nach der Sportstunde die Dusche rechts neben mir auf, dabei schüchtern, ja, rührend hilflos und auch verliebt zu mir aufblickend, was mütterliche Gefühle in mir weckte. Schließlich nahm ich sie unter die Fittiche.

Nachdem ich einer Spötterin die Fresse poliert hatte, weil sie die Kleine, wie oben geschildert, bezeichnet hatte, sprach es sich herum, dass es besser sei, sie in Ruhe zu lassen. Man ärgerte sie von da an nur in meiner Abwesenheit, dann aber umso gründlicher. Doch auch mir wollte man zeigen, wer da das Sagen habe. Eines Tages wagte es eine alberne Tussi, mich erstmals öffentlich Milchmann zu nennen, darauf anspielend, dass ich die Merkmale beider Geschlechter in mir vereinigte. Dafür passte ich sie am nächsten Morgen ab und verprügelte sie so weidlich, dass sie es nie wieder vergessen wird.

Ihre Eltern riefen zuerst bei Vati an, um sich über das Veilchen des Töchterleins zu beschweren, aber er lachte sie nur aus. Da suchten sie den Schulleiter auf, und das hatte Folgen: Meine Untat führte nämlich dazu, dass man mir folgenden Eintrag im Zeugnis verpasste: »Benedettas Verhalten auf dem Schulweg muss erheblich besser werden.«

Einmal jedoch, als ich zum Unterricht zu spät kam, barfuß dahertänzelnd, schallte mir wieherndes Gelächter entgegen, das bei meinem Eintreten abebbte, während mich, Amanda abgezogen, die bleich zu Boden sah, 24 Mädchen erwartungsfroh anstierten, unter ihnen der halb demente Mathematiklehrer, der gleichzeitig mit mir in den Raum meiner Leiden gelangt war.

Irgendjemand hatte mit farbiger Kreide einen rotbärtigen Westernhelden an die Tafel gekritzelt, dessen Gesicht dem meinigen ähnelte, wie er da breitbeinig nach den Colts langte. Am Oberkörper trug er nichts. Dort neben dem roten Haarbewuchs kamen üppige weibliche Rundungen zum Vorschein. In der Sprechblase stand: »Wer hat hier Milchmann gesagt?«

Wortlos betrachtete ich das Gemälde, wirbelte um die eigene Achse, drehte mich mit dem Gesicht zur Klasse, spuckte verächtlich aus, zog den schweißnassen Pulli über den Kopf, um ihn an die graue Wand zu klatschen, hakte beide Daumen in den gesmokten Saum der Boxershorts, die nach unten rutschten, so dass das krause Fell hervorquoll. Darauf lehnte ich mich an die Tafel und sah herausfordernd in die Runde, die Lippen gekräuselt, den Mund leicht geöffnet, ganz so, als wollte ich sagen: »Na, wer von euch hat diesen Mist da angefertigt?«

Aber die Malerin meldete sich nicht, während der Pauker fluchtartig den Raum verließ, wozu die Ziegenherde der Mädchen so schrill quietschte, dass die Glasscheiben der Fenster kurz davor waren, in Stücke zu bersten. Isolda aber, die eine Sehr Gut im Zeichnen hatte, lief rotweiß an. Am nächsten Tag hinkte sie mit einem blau umrandeten Auge zum Unterricht und konnte nicht am Sportunterricht teilnehmen. Sie hatte sich mit mir auf einen netten kleinen Boxkampf eingelassen.

Tags darauf lud mich Alfonso d‘Este, unser Schuldirektor, vor und tobte so laut mit mir, dass es nur so über die Gänge hallte, während ich schlank und rank vor ihm stand, ihn um eine halbe Haupteslänge überragend, und mir die Gardinenpredigt gelassen anhörte. Nachdem er genügend Theater gespielt hatte, schloss er die gepolsterte Tür, nahm mich in die Arme, streichelte mir über das nicht zu bändigende Kraushaar und flüsterte: »Das hast du gut gemacht, mein Mädchen; jetzt werden sie das Mobbing hoffentlich einstellen.«

»Das ist nett von Ihnen, Herr Direktor«, sagte ich, »aber haben sie denn nicht recht, die anderen? Bin ich denn kein hässliches Mädchen, ich Achtelnigger? Ich haariger Affe?«

»So ein Unsinn! Lass dir von einem Mann wie mir sagen, dass du eine Hübsche bist. Mein Liebes, ich gehe bald in den Ruhestand und könnte dein Großvater sein. Die Frau ist mir vor zwanzig Jahren weggestorben. Meine Tochter ist 42 und hat drei Kinder, die mir regelmäßig die Bude stürmen, um alles zu verwüsten, und darum kann ich es mir erlauben, folgendes zu sagen:

Nach Hollywoodkriterien bist du keine Schönheit, aber wer sagt denn, dass die Filmfritzen recht haben? Du bist mittelgroß und schlank, hast lange Beine und Oberschenkel ohne jeden Ansatz der gefürchteten Zellulitis. Dein dunkelblondes Kraushaar samt den Sommersprossen auf der Nase gibt dir Seltenheitswert. Weiß du, dass deine roten Lippen reizend ausgefallen sind?«

»Ach, die Lippen! Ich habe afrikanisches Blut in den Adern. Neulich hat ein Biest gesagt, ich hätte ein Nigger-Maul.«

Der Direttore ging gar nicht darauf ein und sagte: »Wenn du noch keinen Freund gefunden hast, kommt das davon, dass die dummen Jungs sich um genau diese Mädchen reißen, die sie später nicht mehr ertragen können. Meine Tochter Caterina war eine der vorgeblich Schönen, die von den Jungs nicht genug kriegen konnte. Doch heute hält sie die Klappe. Ihre vermeintlichen Reize sind dahin. Ihre Kurven, die einst als sexy galten, sind jetzt nur noch eine Masse aus der Form geratenen Fettes. Die jungen Männer lachen über sie und sagen Oma zu ihr. Du hingegen wirst dir die Figur bewahren, und der Mann, der dich angelt, wird dir treu bleiben, weil er dich nicht stellvertretend für ein angebetetes Idol geheiratet hat, das so schnell wie die Blume der Sommerwiese verblüht.«

»Aber meine Schenkel sind zu dünn, und überall wächst rötlicher Flaum auf meiner getönten Haut. Dazu der krause Wildwuchs, der da, äh, unten zwischen den Beinen gedeiht, um dann aufwärts bis zum Brustbein zu wuchern. Wenn wir Mädchen nach dem Sport unter der Dusche stehen, kichern die Kameradinnen und sagen, ich sei ein halber Mann.«

»Sie lachen, weil du keine Wachsstreifen verwendest, um sie auszureißen. Was glaubst du, wie viele Mädchen ähnliche Probleme haben, aber nicht reden sondern handeln?«

»Mich wurmt aber auch meine geringe Oberweite.«

»Deine damit üppig ausgestatteten Kameradinnen werden dich um die Figur beneiden, wenn sie demnächst aus dem Leim geraten sind. Außerdem darf ich dir verraten, dass ich schon einige Muttis in der Sprechstunde hatte, deren Töchter keine Ruhe gaben, bis man ihnen den erträumten Silikoneuter bezahlte. Damit provozierend laufen sie dann herum und leimen die Jungs, obwohl sie doch wissen müssten, dass der Betrug schneller herauskommt, als sie sich das in ihrer Dummheit vorstellen können.«

»Darf ich Ihnen einen Kuss geben, Signore Dottore?«

»Natürlich, mein Kind; aber bitte nur auf die Wange. Ich bin ein paar Jährchen zu alt für dich, leider! Sonst wäre ich hier und heute dein Boyfriend, Heirat erwünscht, hihihi; aber stell dich auf die Sohlen, sonst bist du mir zu hoch gewachsen, auch wenn ich es bezaubernd finde, wie du auf den Ballen federn kannst.«

Ich tat, was er wünschte, schlang ihm die Hände um den Hals und küsste ihn auf beide Wangen, während sich seine Arme um mich schlossen, doch dann presste ich ihm die Lippen auf den Mund, den feinen Gegendruck spürend. Nach dieser sekundenkurzen Unendlichkeit machte er sich los, schmunzelte vergnügt und geleitete mich, nunmehr wieder über mein Benehmen auf dem Schulweg tobend, zur Tür, die er schimpfend, aufriss.

Ich stieg in das Spektakel ein, dankte ihm, mimte Zerknirschung, versprach Besserung und ging dann wunderbar getröstet und seinen Kuss immer noch fühlend auf Zehenspitzen in den Hof, um mich desto trotziger zu zeigen, so, wie ich war.

Als ich eines Sommertages einer Einladung der ehemaligen Klassensprecherin folgte und zur Feier des zehnjährigen Abiturs ging, stellte sich rasch heraus, wie recht der inzwischen leider verstorbene Freund gehabt hatte. All die süßen Mädchen von damals, die mir vorgeschwärmt hatten, wie herrlich es sei, sich mit einem Mann im Bett zu wälzen, wollten mir erloschen vorkommen, leer, ausgebrannt und erstorben.

Sie waren kaum wiederzuerkennen, die Hälfte schon geschieden, und die Mundwinkel wollten nicht mehr nach oben streben. Früher konnten die Kleider nicht kurz genug und die Absätze nicht hoch genug sein. Man trug Modeschmuck, zeigte Dekolleté bis zur Schamgrenze und war Gast in der Diskothek; doch nun kleidete man sich dezent, denn die kurzen stämmigen Schenkel wiesen inzwischen jede Menge Dellen und Wellen auf, und der geliebte Busen war zur unförmigen Masse verkommen.

Die Unterhaltung drehte sich um den Stress in Beruf und Haushalt sowie den Ärger mit den Kindern. Ferner jammerte man über den Gatten und äffte ihn nach, wie er dermaßen röhrend schnarchte, dass man ihm die Nase zuhalten müsse, oder dass er der reinste Idiot sei, der jetzt nur noch drauf aus sei, seine Freizeit mit dem Bierkrug in der Hand vor der Glotze zu verbringen und sich mit Chips zu mästen, dieser uralte Glatzkopf.

Zwei oder drei hatten bereits das erste Facelifting hinter sich, ohne dadurch hübscher geworden zu sein. Mir kam die Frage auf die Lippen, ob sie nicht daran dächten, sich ein paar Kilo Fett absaugen zu lassen, aber ich hielt sie eisern im Gehege der Zähne zurück, wie der alte Homer gesagt hätte. Seltsam fremd unter ihnen wirkte die kleine Amanda, die sich nicht vom Minirock hatte trennen können: Sie war in den vergangenen Jahren unverändert geblieben, im Unterschied zu all den anderen.

»Deren Zeit ist abgelaufen. Sie haben ihre Möglichkeiten erschöpft, und der Rest ist Schweigen«, dachte ich verächtlich.

Neben Amanda war ich der zweite Außenseiter, mit dem Unterschied, dass sich jetzt keine mehr über mich lustig machte: Ich war ich geblieben, mittelgroß, schlank und athletisch; man durfte in den lokalen Sportnachrichten über meine Triumphe lesen, und jede konnte mir das ansehen, denn der Sport-Pulli mit dem weiten Armausschnitt zeigte oberhalb des Ledergürtels, der meine Shorts hielt, eine Handbreit meines flachen Bauches samt dem krausen Fell um den Nabel herum. Wie in alten Zeiten, war ich barfuß gekommen, in eben den Kleidungstücken, die man von mir gewohnt war, und hatte das Gehen auf Zehenspitzen nicht verlernt. Hätte ich etwa in Abendkleid und Stöckelschuhe steigen sollen? Ja, ich hatte es bislang mit keinem Mann gehabt, trotz meiner neunundzwanzig, und war ihrer Meinung nach in diesen Dingen hinter dem Mond; na und!

Als man mich zu Wort kommen ließen, sagte ich, es ginge mir so prächtig, dass ich noch keinen Arzt bereichert hätte, nicht einmal den Zahnklempner und bleckte frech die Zähne. Dazu ließ ich Fotos kreisen, die mich als siegreiche Athletin zeigten.

Sie sahen einander in die Gesichter, als wollten sie sagen, dass ich verrückt geworden sei und kicherten, denn das Kichern ist ihre wahre Natur, dachte ich beim Abendessen anlässlich des zehnten Jahrestages unseres unrühmlich bestandenen Abiturs und fühlte mich dem Sauhaufen turmhoch überlegen. Als ich dann berichtete, dass ich nach Freiburg gegangen sei, um dort Betriebswirtschaftsehre zu studieren und mit sechsundzwanzig meinen Doktor gemacht hätte, um neben dem Trainerjob an der eigenen Boxschule mit angegliederter Sportboutique einen tollen Posten bei der Sparkasse zu ergattern, war ich mir ihres Neides sicher. Doch seitdem weiß ich auch, dass ich eine elende Angeberin bin und mich hemmungslose Rachegelüste befallen hatten.

Da ich mal musste, stapfte ich auf Ballen, das schmale hohen Gesäß schwingend, zur Toilette hinaus, wohl wissend, dass zwei Dutzend Augenpaare auf meinen vor Muskeln berstenden Schenkeln ruhten, und da folgte mir Amanda mit winzigen Trippelschritten, ohne dass ich mich ein einziges Mal nach ihr umgedreht hätte. Nachdem ich die Blase erleichtert, gespült und die Enge der Kabine verlassen hatte, fiel sie mir um den Hals, stellte sich auf Zehenspitzen und drückte ihre Lippen so fest auf meine, als wäre dies die größte Selbstverständlichkeit. Zuerst war ich wie von den Socken. Dann erwiderte ich den Kuss, den ersten seit damals mit dem Verräter.

Sie flüsterte in einer atemlosen Pause: »Benedetta, Süße, ich liebe dich.«

»Ich dich auch, mein Kleines«, sagte ich lahm.

»Das ist schön, und es ist an der Zeit, dass ich Dankeschön sage, Danke für alles. Ich werde dich mein Lebtag lang lieben.«

Das flüsterte sie und küsste mich erneut. Wir sind Freunde geblieben, ja, wir liebten uns auf unsere Weise, tief und innig. Immer wieder trafen wir uns und lagen uns in den Armen, wir beiden, denen das Schicksal den Mann versagte: In den kommenden drei Sommermonaten trafen wir uns wöchentlich in der Zona Comunale des Strandes der Insel Lido. Dabei bildeten wir für ein Paar zum Schmunzeln. Ich trug nämlich, das Haar zur Krone hochgesteckt, einen Tangabikini, der meine Figur zur Geltung brachte, ohne den allgegenwärtigen Flaum zu verbergen, während Amanda mit kurzgeschorenem Haar in Badeshorts aus der Herrenabteilung daher kam und wie ein Junge aussah, den ich, sein Weib, um einen Kopf überragte und Amando nannte. Bald kannte man uns und schien schon auf uns zu warten, denn wir waren das Pärchen, von dem man spricht, der bleiche Junge und ich, die tief gebräunte Frau; kurz gesagt: In diesen Wochen lächelte uns das holde Glück zu, aber Glück und Glas …

Eines Tages sagte sie ab. Ich fuhr alleine zum Lido. Mit gemischten Gefühlen federte ich meine fünf Kilometer auf Zehenspitzen im schaumigen Bereich der hinauf rollenden Wogen den Strand entlang und steckte dabei in einem giftgrünen Minihöschen aus Samt sowie dem zugehörigen gesmokten Band um die Brust, das sich nach Belieben auf die Hüften hinunter schieben ließ. Mein Urahn hatte sich bemerkbar gemacht, und ich war in Italiens Sonne fast so schwarz wie ein Afrikaner geworden, während meine breiten Lippen geradezu aufblühten.

Mein damals (und nach Amandas Tod nie mehr) knallrot gefärbtes Haar strömte mir in krausem Fluss über Brust und Rücken. Wenn mich nicht alles täuschte, war ich Blickfang, nicht nur der geilen Kerle, die mir nachliefen, sondern gefiel auch den anders veranlagter Damen, ich, das verrückte Huhn!

Amanda hatte sich einen Manager geangelt und war ihm Hals über Kopf nach Milano gefolgt, um sich dem Kerl ohne Trauschein hinzugeben. Im nächsten Sommer traf ich sie wieder. Ich machte gerade, das Band auf den Hüften, mit wehendem Feuerhaar mein übliches Jogging am Strand, als mir eine männermordende Bestie mit ausgebreiteten Armen entgegenkam; eine Dame, die ihre Oberweite wie ein mächtiges Gesäß aus dem Bikini-Oberteil heraus zwängte; ich erstarrte und schrie: »Hol‘s der Teufel! Bist du das, Amanda?«

»Ja, ich bin‘s wirklich«, antwortete sie und umarmte mich, aber es war nicht die Umarmung von damals, denn zwei federnde Kürbisse trennten uns.

»Ich weiß schon, was du denkst«, sagte sie und heulte los.

»Aha«, sagte ich trocken, »er hat dir den Laufpass gegeben.«

»Von heute auf morgen, obwohl ich mich ihm zuliebe total hatte umarbeiten lassen. Er hat alles bezahlt.«

Ich nickte nur und murmelte: »Was Kleines unterwegs?«

»Nein, ich hab die Pille genommen; er wollte es so.«

»Zahlt er wenigstens was?«

»Nicht einen Cent. Wir waren nicht verheiratet. Ich hab keine Ansprüche. Er hat mich vor die Tür gesetzt. Ich bin pleite.«

»Aha! Und wo wohnst du jetzt?«

»Wieder bei Mama in der baufälligen Bude.«

»Besser als nichts, und so übel ist das Gemäuer gar nicht, so gut wie kein Schwamm in den Wänden«, sagte ich grimmig.

Dann flanierten wir wie früher, jetzt allerdings schweigend und in gewissem Abstand zueinander, nicht mehr Händchen haltend, von Küsschen ganz zu schweigen. Sie wusste, was sie tat, als sie mich voriges Jahr dem Trennungsschmerz überließ. Ferner wäre es ein lächerlicher Anblick gewesen, wir als lesbisches Paar.

Seitdem weiß ich, dass man alten Zeiten nicht nachtrauern darf, denn sie kommen nie wieder. Galle stieg mir in die Kehle. Wir hatten uns nichts zu sagen. Kaum hielt ich die Tränen zurück, als wir für immer auseinandergingen. Vielleicht war ich zu abweisend gewesen, denn ich mache mir heute noch Vorwürfe, sie im Stich gelassen zu haben. Ein paar Tage später erfuhr ich nämlich, dass sie sich aufgehängt hatte. Ihre Mama, die sie auf dem Dachboden baumelnd fand, musste sie herunterschneiden. Anschließend rief sie die Polizei. Amanda hinterließ mir einen Abschiedsbrief, in dem sie mich um Vergebung bat.

Der Schuft, der sie in den Tod trieb, ist jetzt mit einem ehemaligen Model verheiratet. Sie ist Ende dreißig und sieht keinen Tag jünger aus, trotz aller Bemühung der Chirurgie. Ihr achtundfünfzigjähriger Produzent hatte sie verlassen und sich eine junge genommen, eine neunzehnjährige Gans, die er in den goldenen Käfig gesperrt hat. Doch jetzt genug davon!

Im Schulchor, um wieder auf die uralten Zeiten zurückzukommen, übernahm ich den Part des Baritons, was meinem Ruf, eher ein Mann denn ein Weib zu sein, förderlich war. Im Orchester brachte ich es bis in die Zweite Geige. Immerhin war ich gut genug, Beethovens Romanze F-Dur zu spielen, wozu mich Tony auf dem Piano begleitete. Geblieben ist mir bis heute die Liebe zur Musik. Besonders liebe ich Beethovens Streichquartette. Wer sie kennt, kennt den ganzen Künstler.

Wäre noch mein Abiturzeugnis zu erwähnen: In Kunst und den Naturwissenschaften schnitt ich mit Befriedigend ab, in allen anderen Fächern mit Sehr Gut; der Schnitt reichte daher zu Tonys Enttäuschung nicht fürs Medizinstudium. Ich hatte ja auch keine Lust dazu und studierte, wie gesagt, lieber BWL in Freiburg im Breisgau, wobei mir meine Deutschkenntnisse halfen. Die Professoren prophezeiten mir eine steile Karriere, insbesondere aufgrund der Sprachen, die ich beherrsche, aber ich bevorzugte den Boxsport und meine Boutique. Soweit und so viel zu meiner Erinnerungskultur; jetzt wieder zur Badezimmerszene.

Ich machte kehrt, um mithilfe des Handspiegels die Rückseite zu mustern und stellte fest, dass ich auch in dieser Hinsicht zufrieden sein kann. Dann stellte ich mich unter die Brause und drehte sie zu voller Kraft auf. Mein bisheriges Leben, so dachte ich dabei, könnte man in vier Abschnitte einteilen, deren erster von der Ödnis des Schulalltags erfüllt war. Ich möchte ihn als »Teil Null« bezeichnen, obwohl es ein Glücksfall war, ein Elternpaar wie Antonio und Brigitta zu gewinnen. Im neuen Zuhause war ich solange ein glückliches Kind, bis auch Brigitta starb. Als ich siebzehn wurde, sagte ich trotzig, als Tony mir gratulierte, es erstaune mich, dass er sich eines Mädchens wie meiner erbarmt hätte.

»Mein Kind«, erwiderte er, nahm mich auf den Schoß und küsste mich ab, »Schönheit ist ein vergängliches Ding. Was man einst als süßes Püppchen bezeichnet hat, ist mit dreißig oder vierzig eine alternde Frau. Du hingegen wirst einen anderen Weg als diese Haus-Schlampen gehen. Dein Dasein wird so abenteuerlich bleiben, wie es begonnen hat. Eines Tages wirst du den Mann des Lebens finden, einen, der dich liebt, davon bin ich überzeugt; denke daran: besser keinen als den falschen!«

Mein Pflegevater war halber Jude, stammte aber aus einer wenig religiösen Familie. Mensch sei Mensch, pflegte er zu sagen. Einmal im Monat besuchte er die Synagoge. Sonntags ging er mit mir in die Kirche. Bevor er zur Kripo wechselte, betrieb er eine Arzt-Praxis in Belluno, wo er besonders bei der ärmeren Bevölkerung beliebt war. Nicht glücklich damit, wurde er Kripobeamter und heiratete Brigitta. Nach ihrem Tod wurde er der leidenschaftlichste Kriminalkommissar, den Italien je gesehen hatte. Er könne keine Ruhe finden, sagte er oft, bevor er nicht ihren Mörder gefasst hätte. Die Ehe war kinderlos geblieben, so dass ich leider ohne Geschwister aufwuchs.

Deutsch lernte ich schon im Kindergarten. Auf dem Gymnasium erhielt ich dann Englisch- und Lateinunterricht. In der Synagogen-Schule brachte man mir Hebräisch bei. Ich bin eine Art Sprachgenie. Dafür hapert es in Mathematik, Chemie und Physik umso mehr, vielleicht, weil ich diese Fächer hasse.

Als ich das Studium abgeschlossen und meinen Doktor gemacht hatte, verlor ich den geliebten Ziehvater. Damit will ich meinen Bericht beginnen, dachte ich, als ich das Badezimmer verließ, um, in den Gymnastikraum zu tänzeln, wo ich mich den Übungen unterzog. Ich stemmte Gewichte, bog die Bodybuilding-Feder, hing in und an den Ringen, begab mich aufs Laufband, fuhr ein paar Kilometer weit mit dem Zimmerfahrrad, machte Klimmzüge an der Reckstange und streifte mir die Boxhandschuhe über, um den an einem Seil hängenden Sandsack zu verprügeln.

Bevor ich, lieber Sergiu, fortfahre, möchte ich Dich auf zwei Dinge aufmerksam machen, die Du beachten musst, solltest Du gesteigerte Lust haben, den Faden nicht zu verlieren:

Zum ersten pflege ich in meinem Stammlokal Scimmia Azzurra (Zum Blauen Affen) am Stammtisch Platz zu nehmen, der nur für Jäger, Angler und andere Lügner reserviert ist. Zweitens liebe ich das Lachen über alles: leise lächelnd; beglückt lachen; lachen über einen geistreichen Witz; lachen vor Freude; böses Lachen; hinterhältiges Lächeln; gemeines und sadistisches Lachen; hämisches Lachen; giftiges, übles, verlogenes, dreckiges Auflachen; Lachen vor allem über mich selbst. In den tollen Tagen verkleide ich mich und tauche ich im Carnevale Veneziano unter.

Meine süße Orsolina Cellino, von der noch die Rede sein wird, hat mir dazu ein Kostüm auf den Leib geschneidert, eine Art Overall samt Stiefeletten. Es ist gelblich mit schwarzen Flecken drauf. Wenn ich mir dann die mit zwei stumpfen Hörnern und hochstehenden Ohren bewehrte Kapuze über den Kopf stülpe und die entsprechende Maske aufsetze, verwandele ich mich in das, was ich schon bin: eine wahnsinnig gewordene Giraffe; doch nun will ich über das Los meiner besten Freundin berichten.

 

 

2. Teil: Giulias Tod und Benedettas Killer (2014)

Personen des 2. Teiles, erzählt von Benedetta

• Orsolina Molinari: meine Schneiderin; Lesbe; Boxerin

• Gerardo Kaminsky: mein Designer-Konkurrent

• Giulia di Forza: meine Kundin; Journalistin; Boxerin

• Andrea di Forza (Andy): Giulias Cousin ersten Grades

• Luigi Cima: Giulias früherer Ehemann

• Susanna Cima (Susie): Luigis liebestolle zweite Frau

• Lea Albini (alias Lee White): Giulias Putzfrau mit Starallüren

• Mister X: namenloser Mörder; Giulias letzter Lover?

• Normanno Ferro: Radsportler; entdeckt eine Leiche

• Corrado Respighi: Kommissar; Vatis Kollege und Freund

Zusammenfassung


Benedetta aus Belluno ist ein ungewöhnliches Mädchen, eine besondere Frau, weil Jahrzehnte ihres Lebens von mysteriösen Todesfällen überschattet sind: Aus dem Versteck heraus musste sie als Dreijährige miterleben, wie ihre Mutter umgebracht wurde. Seitdem verfolgt sie der Alptraum eines reißenden Wolfes. Als sie elf ist, fällt ihre Pflegemutter einem Gewaltverbrechen zum Opfer. Als Erwachsene wird sie Boxmeisterin und unterhält eine eigene Boxschule mit Sportboutique in Belluno. Dort wird eines Tages Giulia, ihre beste Kundin und Freundin, ermordet - kurz nach dem Tod der Freundin wird sie von einem Killer verfolgt.
Kein geringerer als Volpe hilft ihr bei der Aufklärung der Mordserie und sorgt dafür, dass diese tapfere Frau wieder Tritt im Leben fasst. Sein Butler Giovanni fasst es überzeugend zusammen: „Es ist das Wunder der Liebe.“

Details

Seiten
221
Jahr
2020
ISBN (eBook)
9783738942514
ISBN (Buch)
Sprache
Deutsch
Erscheinungsdatum
2020 (Juli)
Schlagworte
benedetta bezaubernde volpe wolf

Autor

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Titel: Benedetta, die Bezaubernde, Volpe und der reißende Wolf