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320-PS-JIM #98: Expressfahrt nach Yucatan

2020 127 Seiten

Leseprobe

Table of Contents

Expressfahrt nach Yucatan

Copyright

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Expressfahrt nach Yucatan

320-PS-JIM

Band 98

von Glenn Stirling

 

Der Umfang dieses Buchs entspricht 127 Taschenbuchseiten.

 

Chris und Jim sind Trucker und fahren irgendwelche Waren von A nach B. Auch diesmal sind es nur einige Sachen, die eine Filmcrew braucht. Doch unter den Filmleuten gibt es einen Konkurrenzkampf und die beiden Trucker geraten zwischen die Schusslinien. Erst als Jim eine Handgranate unter dem Truck findet, wird ihm klar, worauf sie sich eingelassen haben.

 

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books, Alfred Bekker, Alfred Bekker präsentiert, Casssiopeia-XXX-press, Alfredbooks, Uksak Sonder-Edition, Cassiopeiapress Extra Edition, Cassiopeiapress/AlfredBooks und BEKKERpublishing sind Imprints von

Alfred Bekker

© Roman by Author

© dieser Ausgabe 2020 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

Alle Rechte vorbehalten.

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1

„Tret drauf!“, brüllte Barry. „Mensch, hau mal drauf, Morris! Schneller, schneller!“

Chris warf einen kurzen Blick nach rechts auf den Polizisten, dem die Schweißperlen auf der Stirn standen. Chris sah, dass er in den Spiegel schaute, nach hinten.

„Nur die Ruhe!“, sagte Chris.

„Die nächste rechts, verdammt, die nächste rechts! Er klebt schon hinten dran! Nun mach schon!“

Morris bremste den Siebentonner kurz ab, riss das Steuer des Lastwagens herum und trat wieder aufs Pedal. Der Diesel reagierte ziemlich rasch, und Morris schenkte ihm nichts. Der Motor ließ seine zweihundert Pferde aufbrüllen, die Reifen schrien, und der Wagen donnerte in eine enge Gasse hinein, an deren Hauswänden das Schmettern des Motors mit infernalischem Getöse widerhallte.

Freihafengebiet San Francisco. Nur ein kleiner Gefallen sollte es sein, dachte Morris. Aber ich hätte mir schon einiges denken können, wenn sie einen Bullen mitschicken.

Er sah, wie Barry wieder in den Spiegel spähte. So konnte er den Wagen sehen, der hinter ihnen fuhr. Ein Dodge war es, und er war offensichtlich gerade um die Ecke gebogen.

„Los, Barry, nun nimm schon deine Kanone und jag ihm eins vor seine freche Schnauze!“, brüllte Morris.

„Bist du verrückt, Morris! Wir sind in bewohntem Gebiet! In diesen Lagerhäusern sind Menschen!“

Von hinten ratterte eine Salve. Chris sah das Aufblitzen des Mündungsfeuers. Maschinenpistole, vermutete er.

„Die ballern doch auch! Nun schieß doch!“

Der Wagen, der hinter ihnen folgte, war dunkelgrün. Ein Dodge, mehr hatte Chris nicht davon erkannt.

Hinten beugte sich jemand aus dem Seitenfenster, er sah es im Spiegel, während er durch die enge Gasse dahinschoss.

Barry hatte es ebenfalls gesehen und brüllte: „Sie holen die verdammte Bazooka wieder heraus!“

In diesem Augenblick wurde von einem Schuss der linke Außenspiegel zerschmettert. Morris konnte nicht sehen, was hinten war. Und die Gasse schien auch immer enger zu werden.

„Wie nahe ist er?“, brüllte er Barry zu.

„Sechs, sieben Schritt, er ist ganz dicht dran!“

„Halt dich fest!“, brüllte Morris. Dann sprang er voll auf die Bremse.

Der Lastwagen radierte mit brüllenden Pneus über das Pflaster. Hinten kreischten ebenfalls Reifen. Dann kam der Schlag.

„Na bitte!“, keuchte Morris. Aber sein Triumph währte nur eine knappe Sekunde. Als er wieder nach vorn blickte, sah er den Lieferwagen, und der stand gut fünfzig Meter vorn in der Gasse, und oben auf dem Dach befand sich ein Dreibeingestell. Ein Mann stand dahinter wie ein Fotograf mit seinem Stativ. Hier war aber keine Kamera darauf, sondern ein ganz simples Maschinengewehr. Und gerade als Morris den Mann, sein Auto und seine Waffe erkannt hatte, blitzte es dort schon auf.

„Runter!“, brüllte Morris und riss Barry, diesen rotschopfigen Polizisten, vom Sitz. Sie rannten sich beide die Köpfe ein, aber sie spürten es nur im Unterbewusstsein, denn über ihnen wurde jetzt

die Windschutzscheibe zersiebt.

Wieder ratterte eine Salve in den Wagen, diesmal tiefer, und gleichzeitig hörte Morris jemanden rennen.

Die Schritte, die das Pflaster hämmerten, kamen näher.

Der Motor des Lastwagens lief unbeschadet der Schüsse, aber irgendwo zischte Dampf. Der Kühler!, dachte Morris, dann handelte er.

Ohne sich aufzurichten, trat er die Kupplung herunter, schob den Gang ein, gab Gas und fuhr blindlings los, so schien es jedenfalls. Aber er sah doch etwas, wenn auch nur einen Spalt von der Straße und den Wagen, auf dem der MG-Schütze mit seiner Waffe stand.

Morris spähte durch die Lüftungsklappe, die geöffnet war. Und jetzt wollte der Mann auf dem Lieferwagen verzweifelt eine neue Schussserie abgeben, doch der Lastwagen raste so schnell heran, dass dem Burschen angst und bange wurde. Er sprang vom Lieferwagendach, ließ das MG, wo es war, und rannte weg.

Da rammte der Lastwagen schon den Lieferwagen, stieß mit ihm zusammen, und Chris Morris gab noch immer Gas, richtete sich jetzt auf, sah einen Mann im rechten Rückspiegel, der direkt neben der Bracke des Lastwagens herlief und etwas zwischen Bracke und Plane auf den Wagen stecken wollte. Ein dunkelhaariger Mann in Schlosserkleidung.

Chris riss den Lkw nach rechts an die Hauswand heran. Der Mann sprang entsetzt zurück. Und gleichzeitig hatte Chris den Lieferwagen nicht mehr vor der Stoßstange. Er war ihn losgeworden. Der zusammengequetschte Wagen blieb linker Hand zurück.

Dampf zischte vorn aus dem Lkw, das Kühlerthermometer stieg zum roten Strich, das Wasser kochte. Aber Chris hatte gar keine Wahl. Er jagte den Lkw die Gasse entlang, zog ihn auf eine größere Straße nach rechts, und da riskierte er zum ersten Male nach der Schießerei einen Blick auf Barry.

Der saß mit blutüberströmtem Gesicht neben ihm.

„Verdammt, was hast du, Schussverletzung?“, fragte Chris erschrocken.

Barry grinste schief und tastete nach seiner Stirn, wo ein Riss klaffte. „Das verdammte Armaturenbrett, weiter nichts. Da vorn, der Schlagbaum, da sind wir aus dem Freihafen heraus. Sind sie noch hinter uns?“

„Kein Schwein zu sehen. Komisch, dass hier überhaupt kein Aas herumläuft. In der Karre hier steckt nicht mehr viel Mumm.“

„Am Schlagbaum ist keiner, fahr durch!“

Chris fuhr weiter. Der Schlagbaum war offen. Merkwürdig genug, aber für lange Betrachtungen reichte die Zeit nicht.

„Dort vorne ist eine Telefonzelle, ruf an, Barry!“, sagte Chris, als sie auf die Hauptstraße eingebogen waren. Hier fuhren Autos, kaum Lastwagen und Busse. Und keine fünfhundert Meter weiter hatte sich eben noch im Freihafen eine solche Schießerei abgespielt, als befände man sich irgendwo in der Wildnis und nicht in San Francisco.

Barry stieg aus, ging in die Zelle. Er winkte nach einer Weile durch die Scheibe, zum Zeichen, dass alles funktionierte. Chris sah Ihn sprechen, und schließlich kam Barry zurück, das Taschentuch auf seinen Kopfriss gepresst.

„Sie sind unterwegs, auch mein Boss. Und natürlich der Filmfritze, ich meine Jackfield. Er hatte die Ladung schon aufgegeben. Mensch, hatten wir Massel. Wenn du ...“

Da sagte eine Stimme von der Wagenrückseite her: „Steh ganz still, Bulle! Keine Bewegung, sonst machen wir deine Frau zur Witwe. Der andere soll aussteigen! Sag ihm, dass er aussteigen soll!“

Chris sah, wie Barry wie erstarrt stehengeblieben war und nach hinten blickte. Er sah aber auch, dass der Mann dahinten ganz offenbar allein war, obgleich er in der Mehrzahl gesprochen hatte. Es schien ein Bluff zu sein.

Chris drückte die Tür lautlos auf, dann war er draußen. Seine Segeltuchschuhe verursachten keinen Laut.

Barry sagte gerade: „Steig aus, Morris, er hat mich vor seiner Pistole!“

Da war Chris schon auf dem Dach des Fahrerhauses, machte einen Schritt nach vorn, sah den einzelnen Mann neben dem Hinterreifen, dann sprang er schon mit einem artistischen Hechtsprung von oben her auf den Mann herab.

Die Rechnung ging glatt auf. Er riss den völlig überraschten Mann zu Boden, und der rammte mit dem Schädel in der Weise aufs Pflaster, dass er augenblicklich bewusstlos wurde.

Chris richtete sich auf, sah auf den Mann, aus dessen Schädelwunde Blut auf den Asphalt rann, trat die Pistole zur Seite und sagte:

„Woher ist dieser Salzknabe denn gekommen?“

„Ich glaube, der hat sich hinten festgeklammert“, meinte Barry.

Chris blickte auf den Wagen. Hinten war die Plane hochgebunden. Die kofferartigen Kisten lagen wie zuvor. Filme. Kisten mit Filmmaterial.

Chris lehnte sich an die hintere Bracke, blickte Barry an, der noch immer das Taschentuch auf seine Stirnwunde hielt, und sagte:

„Jackfield hat von einer kleinen Gefälligkeit gesprochen. Aber dieser Misthund hat gewusst, was uns blüht! Hast du es gewusst, Barry?“

Barry grinste schief. „Ein bisschen schon, Morris, Schließlich schickt jemand doch einen wie mich nur mit, wenn er fürchtet, dass es haarig wird. Wenn man nur wüsste, wer dahintersteckt!“

„Es ist doch nicht irgendwas Besonderes, diese Filme. Ein Spielfilm oder mehrere davon, ich weiß es nicht“, meinte Chris. „So jedenfalls hat Jackfield gesagt. Oder stimmt das etwa nicht?“ „Doch, es stimmt. Aber er hat irgend wen als Feind. Das ist jetzt schon der vierte Anschlag auf Jackfield und Maerzberger.“

„Also Maerzberger auch. Wer will denn was von denen? Kriegt jemand Geld?“

„Wenn ich das wüsste!“, meinte Barry. „Mein Captain hat mich hergeschickt, damit ich so ein bisschen auf die Sicherheit achte. Es sind ja auch noch zwei von uns in den Studios. Man kann schon befürchten, dass da ein Brand gelegt wird oder so etwas. Aber dass sie direkt auf uns schießen!“

„Die Jungs, die wir da aufgegabelt haben, müssten wir mal unter die Lupe nehmen, auch wenn das ein Stück zurück ist“, meinte Chris.

„Darum brauchst du dich nicht mehr zu kümmern, Morris“, erklärte Barry und hob die Hand. „Hörst du’s?“

Das Sirenengeheul näherkommender Streifenwagen war nicht zu überhören. Natürlich hörte es auch Chris. „Also gut", meinte er, „dann kann ich jetzt anrufen, um einen Ersatzwagen zu bestellen. Mit der Mühle kommen wir nicht weiter. Ein Glück nur, dass es eine Karre von Jackfield war und nicht etwa unser RED BARON.“

„Ihr bekommt ja eine viel bessere Fracht“, meinte Barry.

„Da weißt du mehr als ich“, erwiderte Chris. „Was ist das denn für eine Fracht?“

„Ich nehme an, es geht um den verschwundenen Lastwagen.“

„Was ist denn das schon wieder? Wirkst du etwa in einem von Maerzbergers Filmen mit? Da geht es auch so wild durch den Garten.“

„Aber nicht doch“, meinte Barry, „es ist kalte Wirklichkeit. Die drehen einen Film da unten in Yucatan, irgendeinen Abenteuerfilm, so ähnlich wie Lohn der Angst. Ein Lastwagen ist unterwegs mit Nitroglyzerin, zu einer brennenden Ölquelle, durch den Dschungel natürlich. Wo gibt es einen besseren Dschungel als auf der Halbinsel Yucatan? Naja, und im tiefen Mexiko ist der Lastwagen verschwunden. Der Lastwagen von Maerzbergers Gesellschaft von der Corrida-Film. Das ganze Zeug, was sie zu solchen Außenaufnahmen brauchen, die Strommaschine und was weiß ich alles. Weg und verschwunden für immer. Die haben es mit Flugzeugen gesucht, mit Hubschraubern, nichts! Einfach weg!“

„Aber so ein ganzer Zug kann doch nicht verschwinden“, meinte Chris. „Was hat das nur mit uns zu tun?“

„Ich vermute, dass Maerzberger euch da runterschickt, mit eurem Zug natürlich. Strommaschine, Scheinwerfer, Spiegel und was sie alles brauchen zum Filmen, Kameras natürlich, Filmmaterial und die Kostüme und was sonst noch nötig ist, eben alles für so einen verdammten Film, das sollt ihr aufladen und hinunterfahren. Sie brauchen es dringend. Die ganzen Schauspieler sind da unten, das kostet ein Schweinegeld, habe ich jedenfalls gehört. Aber mich kann’s nicht kratzen. Da sind unsere Jungs schon.“ Er blickte an Chris vorbei auf die Streifenwagen, die jetzt herangefahren waren und anhielten.

„Na, da bin ich mal gespannt“, murmelte Chris, „was Jim zu dieser Überraschung sagen wird!“

 

 

2

Jackfield lag in seinem Stuhl, die Beine auf der Schreibtischkante, ein Zigarillo im Mundwinkel, den weißen Hut ins Genick geschoben, die Sonnenbrille auch hier in seinem Arbeitszimmer vor den Augen. Das schwarze Bärtchen auf der Oberlippe ließ ihn genauso erscheinen, wie in den Humphrey-Bogart-Filmen die Bösewichte aussehen. Jackfield gefiel sich in dieser Rolle, auch wenn er selbst nie in seinen Filmen mitgespielt hatte. Es machte ihm Spaß, in Anzügen herumzulaufen wie die Leute in Humphrey-Bogarts-Filmen.

Er hatte den Telefonhörer am Ohr, als Jim Stonewall eintrat.

Jim war ein Typ, den Jackfield am liebsten in einem seiner Filme gehabt hätte. Er sah gut aus mit seinem dunkelblonden Haar und den stahlblauen Augen. Genau der Schlag, auf den die Frauen abfuhren. Jedenfalls sagte sich das Jackfield. Jim war von ihm auch darauf angesprochen worden, aber die Begabung, in einem Abenteuerfilm mitzuwirken, spürte Jim beim besten Willen nicht in sich.

Jetzt hatten sie ein anderes Problem. Jackfield knallte den Hörer auf die Gabel und wandte sich Jim zu. „Der Captain hat mir eben alles erzählt. Dein Kumpel war große Klasse. Lass dich auf dem Stuhl nieder, Bruder!“ Er griff in ein Seitenfach des Schreibtischs und brachte eine Flasche zum Vorschein, angelte zwei Gläser heraus, füllte sie zur Hälfte voll mit erstklassigem Kentucky-Whisky und schob dann ein Glas in Jims Richtung. „Da, der ist nicht von schlechten Eltern! Nur für die besseren Besucher.“ Er selbst hob das Glas. „Auf deinen Partner! Der hat die Sache geritzt. Weißt du schon Bescheid?“

„Er hat es mir erzählt“, sagte Jim. „Und du, Jackfield, hast gewusst, in was er da reingerät. Du hast ihn da regelrecht verschaukelt, verdammt!“

„Was willst du denn? Er hat es großartig gemacht! An die Filme ist nichts drangekommen!“

„Und was ist mit der Ladung, die du mir versprochen hast?“

„Nicht nur ein Versprechen. Ich halte meine Versprechen, du wirst die Ladung bekommen“, erklärte Jackfield und nahm die Beine vom Schreibtisch, setzte sich im Sessel zurecht und wurde ernst. „Ich habe dir die Geschichte doch erzählt, was uns da passiert ist. Wir können doch diesen verdammten Truck nicht finden! Er ist spurlos verschwunden!“ Er wurde dunkel im Gesicht. „Einfach weg, wie weggeblasen!“

„Was habe ich damit zu tun?“, wollte Jim wissen.

„Wir laden den ganzen Rotz auf deinen Truck, noch mal alles, was wir da unten brauchen, und du fährst es hin.“

„Wäre das nicht mit einem Flugzeug einfacher?“

„Mit einem Flugzeug?“ Jackfield schüttelte den Kopf. „Abgesehen davon, dass es ein Schweinegeld kostet, landet die Maschine dann in Mexiko City. Solche großen Maschinen, die soviel Zeug schleppen, können dahinten gar nicht landen. Und wenn überhaupt, müssen wir es dann wieder von Mexiko City hinschleppen, dann die hohen Frachtkosten. Selbst wenn wir es mit kleinen Maschinen fliegen lassen, brauchen wir mehrere. Ihr ladet den ganzen Mist auf euren Zug und fahrt ihn hin. Wie lange wirst du brauchen?“

Jim wollte keine Rallye daraus machen. „Sagen wir vier Tage“, erklärte er.

„Gut, ist gebongt. Sprecht noch mit Maerzberger. Er weiß auch etwas mehr als ich. Am besten, du machst es gleich. Er ist drüben im Atelier. Ein paar von den Leuten sind da, aus Mexiko wieder zurückgekommen. Wir machen die Innenaufnahmen hier. Aber du weißt ja, er dreht auch Sexfilme, mit den Pornos halten wir uns über Wasser. So ein Projekt wie das auf Yucatan verschlingt sehr viel Geld, das muss erst einmal wieder hereinkommen. Bei den Sexfilmen haben wir wenig Aufwand. Na ja, du kennst das ja.“

Wie Sexfilme gemacht werden, davon hatte Jim keine Ahnung, aber er wollte es auch gar nicht so genau wissen. Ihn interessierte die Fracht, und deshalb trank er seinen Whisky aus und machte sich in dem gemieteten Chevy auf den Weg zu Maerzberger, der in den Studios drehte. Eine halbe Stunde später stand er im Allerheiligsten von Maerzberger.

 

 

3

„Was, zum Teufel, wollen Sie hier?“, schrie Joe Maerzberger, nahm den Hörer vom zweiten Telefon und klemmte ihn sich zwischen Schulter und Ohr, während er den Hörer des ersten Telefons auflegte, dann Jim ansah und in die Muschel des Telefons bellte: „Was schert mich ihr Gesicht! In einem Sexfilm interessiert sich kein Schwein für das Gesicht dieser Puppe! Was sagen Sie, eine rote Nase? Verheulte Augen? Ja, zum Teufel, ist denn sonst nichts an ihr geschwollen! Lassen Sie Ihr Prunkstück doch einmal durch den Puder steigen, dann wird die verdammte Nase schon wieder hell. Was ist noch? Nun hören Sie aber auf! Ich drehe keinen Kulturfilm, Sie Tasse! Entweder macht ihr jetzt die Aufnahme, oder ich schmeiße euch reihenweise in die Gosse, aus der ihr alle gestiegen seid!“ Und damit legte er auf, dass es sich anhörte, als sei ein Schuss gefallen.

Maerzbergers Seehundgesicht wandte sich Jim zu. „Wer sind Sie denn?“, fragte er im selben bellenden Tonfall, griff nach seiner erloschenen Zigarre und ließ sich die Asche auf den dunklen Nadel-Streifenanzug fallen, als er sie wieder anzündete. Während er bemüht war, die Asche richtig über Hemd und Anzug zu verteilen, meinte Jim: „Schon mal den Namen Jim Stonewall gehört?“

Die Kugelaugen des massiven Mannes hinter dem Schreibtisch verengten sich jäh. „Aha, und warum, Sie Komiker, kommt er nicht selbst? Ich hatte ihn um einen Gefallen gebeten und nicht irgendein Würstchen!“

Jim blieb ganz ruhig. Er lächelte eisig und sagte: „Ich bin Jim Stonewall, und Sie sind offensichtlich ein Freund von Krankenhausatmosphäre.“

Maerzberger sah Jim mit einem zweiten Blick an und brummte etwas zurückhaltender: „Nun machen Sie sich mal nicht gleich in die Hosen! Es war schließlich nicht so gemeint.“

Jim gehörte nicht zu den Typen, denen man ansah, dass man sie in die Tasche stecken konnte. Maerzberger hatte sich da wohl nicht genug Zeit für einen Blick gegönnt, der ihm das verraten hätte. Aber jetzt wurde es ihm klar.

„Sie hatten von einem Gefallen gesprochen, Maerzberger, also, was ist los?“

Maerzberger wollte gerade etwas sagen, da wurde er unterbrochen. Ein blondes Kind, kurvenreich und reif wie eine vom Baum gefallene Orange, tänzelte ins Büro von Maerzberger. Ihr Gesicht war eine einzige Palette der Spektralfarben, und von ihr selbst stammte davon nur das Wenigste.

Maerzberger hob die Brauen, sah das blonde Gift an, und in seinen runden Augen war alle Skepsis, die ein Produzent von Sexfilmen nur aufbringen konnte.

„Wo brennt es, Schätzchen?“, fragte er lauernd.

„Maezi, jetzt soll ich mich von diesem Kerl...“

„Raus!“, bellte Maerzberger los.

Das blonde Gift ließ den Umhang fallen, der wie Batmans Cape wehte. Und das war, als ginge der Vorhang einer Bühne auf. Schätzchen stand auf einmal in einem winzigen Slip und noch winzigerem BH im Raum, und alles an ihr war so schön, so makellos, dass Jim schlucken musste.

Weniger beeindruckt polterte Maerzberger: „Wickle deine Gänsehaut wieder in die Verpackung, Schätzchen! Und wenn du in einer Sekunde nicht raus bist, besetze ich die Rolle um! Erst riecht dir Polley zu sehr aus dem Mund, dann behauptest du, er hätte Pickel, und nun willst du mir ankreiden, dass er den Vorzug hat, ein Mann zu sein. Liebchen, du sollst nicht mit ihm schlafen, das tust du nur mit mir, sonst beziehst du Prügel! Du sollst mit ihm eine Liebesszene spielen, die echt wirkt. Und du sollst sie noch nicht mal im Bett spielen. Du musst also nur das tun, was du als einziges zu tun überhaupt imstande bist. Mehr verlange ich nicht. Wenn du das nicht kannst, nehme ich zu. Und nun überlege es dir!“

Sie fauchte wie eine gereizte Katze, sprach von üblem Dank für soviel innige Liebe, aber Maerzberger hatte längst auf seinen Knopf unter dem Schreibtisch gedrückt, und auf einmal kamen zwei stämmige Damen, die sich gewiss ganz gut als Catcherinnen verkaufen ließen. Die sehen und Rückzug antreten war eins.

Maerzberger brannte erneut seine Zigarre an und blies den Rauch mitten in Jims Gesicht. Jim revanchierte sich, indem er wie zufällig das Bein ausstreckte und mit seinem spitzen Schuh unter dem Schreibtisch hinweg einen gezielten Stoß auf Maerzbergers Schienbein abgab, das im Gegensatz zu anderen Körperteilen des Dicken keine schützende Fettumhüllung aufwies.

Maerzberger verlor vor Schreck die Zigarre aus dem Mund und rutschte fast vom Stuhl. Er brüllte auf, verschluckte sich am eigenen Rauch, und Jim sagte strahlend: „Verzeihung! Und ich dachte, es wäre das Tischbein...“

Maerzberger kam wieder hoch wie Neptun aus der Grotte, schnaufte voller Rachedurst und sah Jim an wie einer jener bösen alten Männer, die in Maerzbergers Filmen sehr häufig vorkommen. Dieser Blick hätte Orson Welles vor Neid erblassen lassen. Jim lächelte nur.

„Also, wie gesagt, ich bin Jim Stonewall. Freunde dürfen mich Jimmy nennen. Worum geht es also?“

Maerzberger schnaufte noch einmal, dann sagte er barsch: „Sie haben am Telefon versprochen, mir zu helfen. Also, dann wissen Sie Bescheid. Bringen Sie diesen ganzen Mist nach Yucatan hinunter!“

„Das hatten wir schon. Wo liegt das Zeug?“

„Halle neun, auf dem Gelände der Warner Brothers“, schnaubte Maerzberger.

„Gut. Und nun müssen wir über Geld reden.“

Maerzberger verzog das Gesicht, als hätte er Salzsäure geschluckt. Um ein Haar wäre ihm die Zigarre abermals aus dem Mund gefallen. „Geld!“, japste er, als sei das ein exotisches Fremdwort.

„Natürlich, Flocken, Kohle, Mäuse, Moos, Sie können sich selbst aussuchen, wie Sie es nennen wollen. Aber ich möchte, dass Sie damit rüberkommen. Vorneweg eine Anzahlung, die Hälfte. Die zweite Hälfte, wenn wir das Zeug dort an Land bringen.“

„Wie an Land bringen! Ihr sollt nicht mit dem Schiff...“

„Sie haben schon verstanden“, meinte Jim, „wie ich es meine.“

„Ich hatte gedacht, fünftausend müssten reichen.“

Jim musterte Maerzberger wie ein Kind, das sich eben die Welt als Weihnachtsgeschenk gewünscht hatte. Er schüttelte den Kopf wie über einen armen Irren und wandte sich ab.

„Na ja“, brüllte Maerzberger, als Jim schon zwei Schritte in Richtung Tür getan hatte, „sagen wir sieben, ich bin großzügig. Ich bringe mich noch um den Verstand. Aber sieben sind ein Geschenk, mehr als das. Niemand hat verdient, von mir sieben für diese...“

„Hören Sie, Maerzberger“, sagte Jim und wandte sich um, sah Maerzberger an, und das eben noch spöttische Gesicht wirkte wie das eines Pokerspielers, der haarscharf am Sieg ist, kalt und berechnend. „Ich gebe Ihnen zwei Dollar, dafür kaufen Sie sich eine Landkarte. Und dann will ich von Ihnen eine Anzahlung von sechs, und der zweite Teil sind nochmal sechs. Wenn Sie eine Landkarte haben, Maerzberger, werden Sie erkennen, wo Yucatan liegt und wo wir sind. Und dann werden Sie auch wissen, wie der Rest der Strecke aussieht. Darüber bin ich nämlich schon einigermaßen im Bilde. Ich mache mir da keine Illusionen.“

Maerzberger biss sich auf die Unterlippe. Als Jim sich wieder abwenden wollte, um zu gehen, rief Maerzberger: „Warten Sie, warten Sie!“

Jim, der den Türgriff schon in der Hand hatte, wandte sich ihm wieder zu.

Maerzberger kraulte sich am Kinn. „Na ja, die Szene, die Ihr Partner abgerissen hat, war nicht schlecht. Könnte bei mir in einem Film vorkommen, hätten wir aufnehmen sollen. Die besten Sachen gehen einem immer durch die Lappen. Wie ist es, wenn Sie mir Gingers wiederbringen, dann zahle ich Ihnen fünfzehn. Fünfzehn für die Fracht, und Sie bringen mir Gingers wieder.“ „Kenne ich nicht, wer ist das?“ Maerzberger sah Jim an, als habe der eben gefragt, wer der amerikanische Präsident sei. „Sie wissen nicht, wer Heli Gingers ist?“

Jim überlegte. Er dachte dabei an eine Frau. Und so konnte er gar nicht darauf kommen, zumal er auch noch meinte, diese Heli Gingers müsste ein Filmstar sein.

„Tut mir leid, ich kenne keine Heli.“

„Verdammt“, brüllte Maerzberger, „Heli ist ein schlapper Typ, ein Softy, aber ein Weib, zum Teufel, ein Weib ist er nun auch wieder nicht! Im Gegenteil!“ Maerzberger schüttelte den Kopf, so verwundert, wie das jemand tut, der sich mit Analphabeten auseinandersetzen muss. „Heli Gingers ist der zur Zeit begabteste Drehbuchautor, den Fernsehen und Film haben. In den ganzen USA. Und den kennen Sie nicht?“

„Ich sehe mir keine Sexfilme an, Mister Maerzberger.“

Maerzberger drohte zu bersten wie eine Mehltüte. „Sexfilme“, schrie er, „Heli ist ein Mann der neuen Welle! Ein Meister! Ein Genie! Der dreht mir den besten Film dieses Jahrzehnts, und er ist weg!“

„Der Film?“, fragte Jim trocken, weil er sah, wie es den andern aufblähte.

„Der Mann, Sie Komiker!“, ereiferte sich Maerzberger heiser. Er trank einen Schluck aus seinem Glas, das er dann wieder irgendwo hinter seinen Schreibtisch stellte, wischte sich den Mund ab und plärrte schrill: „Schaffen Sie mir den her! Ich habe zwanzig Millionen in diesen Film investiert, und nun ist Heli weg. Heli weg, der Truck weg, und ...“

„Mit dem Drehbuch?“, wollte Jim wissen.

„Ja, das Drehbuch ist mit dem Truck verschwunden, und Gingers auch. Er sollte es ändern. Die Finanzleute haben das so gewollt. Und dann mussten wir auch noch eine Rolle für Doris hineinschreiben.“

„Ist Doris die Blonde von eben?“, fragte Jim.

„Mann, Sie hauen auch alles durcheinander! Doris ist doch Doris Flowers, und die werden Sie ja wohl kennen.“

„Gehört habe ich von ihr. Ihr Profil soll für die Breitwand nicht klein genug sein, habe ich mir sagen lassen. Wenn die schläft, meint man vor einem doppelten Kilimandscharo zu stehen.“

„Hören Sie, Stonewall, für neckische Einfälle habe ich meine Autoren. Bleiben wir also bei der Sache. Die Flowers ist auch weg, mit ihm zusammen und mit dem Truck. Verstehen Sie das?“

„Aha!“

Maerzberger knetete die Hände vor Verzweiflung. „Menschenskind, nun lallen Sie nicht immerzu ein Aha nach dem anderen heraus, tun Sie was! Bringen Sie mir den Truck, bringen Sie mir Heli, bringen Sie mir die Flowers! Die Flowers kann sich ja zur Not noch sauer kochen, aber Heli! Ich muss ihn haben, oder ich muss die zwanzig Millionen an die Geldgeber zurückzahlen.“

„Und das für fünfzehn Mille? Wo Sie zwanzig Millionen in die Sache gesteckt haben?“, meinte Jim kalt. „Also von jetzt an, würde ich sagen, sollten wir nur noch über zwanzig Mille reden.“

„Sie sind wahnsinnig! Fünfzehn, und dabei bleibt es!“, brüllte Maerzberger. Dabei fiel ihm die Zigarre nun endgültig aus der Hand und schnippte irgendwo in den Raum hinein. Maerzberger kümmerte es nicht, die Zigarre war ohnehin erloschen.

„Von jetzt an kostet es fünfundzwanzig“, erklärte Jim, und er fragte sich, ob er sich da nicht auf etwas Wahnwitziges einließ. Sollte er hier auch noch Polizei spielen und einen übergeschnappten Drehbuchautor suchen, der sich mit der Hauptdarstellerin verzogen hatte? Was heißt überhaupt Hauptdarstellerin? Die Flowers hatte noch nie eine Hauptrolle gehabt.

„Fünfzehn, und dabei bleibt es!“, kreischte Maerzberger.

Jim wandte sich um, öffnete die Tür, da brüllte Maerzberger:

„Also, mit zwanzig bin ich einverstanden!“

Jim wandte sich ihm erneut zu, die Tür war noch immer offen. „Hören Sie, Maerzberger“, sagte er. „Ich hatte gesagt, fünfundzwanzig, und in dreißig Sekunden wird es dreißig kosten. Dreißig Mille. Überlegen Sie es sich jetzt gut, ob sie bei fünfundzwanzig ja sagen oder die dreißig Sekunden vergehen lassen. Eins...“

„Das ist reiner Wucher! Erpressung ist das!“, brüllte Maerzberger mit überschnappender Stimme.

„Zwei...“

„Das lasse ich mir nicht bieten, verdammt noch mal! Sie sind ein Halsabschneider, Sie sind ...“

Jim hatte den Mund geöffnet, um drei zu sagen, da kreischte Maerzberger:

„Okay, okay, okay, Sie bekommen ihre gottverdammten fünfundzwanzig Mille! Und jetzt kommen Sie rein und machen gefälligst die Tür hinter sich zu, Sie Spaßvogel!“

„Für freundliche Randbemerkungen nehme ich in der Regel noch ein Sonderhonorar“, sagte Jim bissig.

Maerzberger schluckte es wie Kräuteressig.

„Was wollen Sie wissen?“, knautschte er hervor.

„Wo hat dieser Heli zuletzt gesteckt? Wie sieht dieser Bursche überhaupt aus? Ich habe da irgendwie in der Schule gefehlt, als über ihn gesprochen wurde, tut mir leid. Gibt es ein Foto von ihm oder ein Denkmal?“

„Meine Sekretärin hat, was Sie brauchen. Fragen Sie meine Sekretärin. Zuletzt hat sie mit Heli gesprochen, am Telefon. Er hatte irgendwo auf Yucatan gehockt in einem dieser stinkenden Restaurants dort unten. Aber der liebte das ja. Der ist ja verrückt auf so etwas. Folklore, da dreht er voll auf. Das macht ihn an. Er liebt es spanisch, verstehst du? Auch im Bett liebt er es spanisch, der gottverdammte Bock!“

„Sie schätzen ihn offenbar weitaus geringer ein als die zwei Millionen“, meinte Jim gehässig. „Da liege ich offenbar richtig, wie?“

Ohne darauf einzugehen, fuhr Maerzberger fort: „Sie sollten mit Mabel sprechen. Mabel ist die Schwester von Doris. Sieht ganz nett aus, ist aber gemeingefährlich intelligent und auch sonst eine ziemliche Spinatwachtel. Mabel ist hier in Frisco. Also entweder ist die scharf wie ein Rasiermesser, oder sie hat’s mit ihresgleichen. Aber sie weiß bestimmt, wo Doris steckt. Und wenn Sie das haben, finden Sie auch Heli. Der ist ja prächtig auf Doris abgefahren. Haben Sie das begriffen, Stonewall?“

„Sehe ich aus wie einer, der eine Betonmauer vor dem Kopf hat?“, fragte Jim. „Denken Sie an die Sonderprämie für liebenswürdige Bemerkungen.“

„Okay, okay, okay, es war nicht so gemeint!“, schwächte Maerzberger ab und fuhr fort: „Also, reden Sie mit Doris. Die wird natürlich nicht reden wollen, aber es ist Ihre Sache, etwas aus ihr herauszubekommen. Und wenn Sie das wissen, bringen Sie mir Heli her. Wenn der Truck verloren ist, dann bekommen wir etwas von der Versicherung. Aber, verdammt, machen Sie wenigstens ein Foto, wenn Sie das Ding irgendwo kaputt herumliegen sehen. Die Versicherung gibt uns sonst nichts. Wenn einer einfach verschwunden ist, dafür müssen wir Beweise haben. Heli ist damit losgesteuert.“

„Aha“, meinte Jim, „jetzt kommen wir der Sache näher. Der Truck ist also nicht geklaut worden, Heli ist losgefahren damit.“

„Das ist es ja, deswegen will die verdammte Versicherung das Zeug nicht bezahlen. Und wir kommen da unten mit den Dreharbeiten nicht weiter. Jeder Tag kostet mich ein Vermögen, jeder Tag, den da unten die Leute herumsitzen und keinen Schlag tun! Ein Vermögen, ein Vermögen!“, schrie er, und Jim hatte schon Angst, er werde vom Stuhl fallen und womöglich in noch lauteres Wehgeschrei ausbrechen.

„Also schaffen Sie mir Heli wieder her!“, jammerte Maerzberger. „Wenn es sein muss, in Vollnarkose, aber bringen Sie ihn lebend. Ich muss ihn haben. Um Himmels willen, lebend!“

„Ich begreife eins nicht. Für solche Aufgaben gibt es, wenn Sie die Polizei nicht wollen, ja immerhin noch Privatdetektive. Das sind Profis. Und gerade hier in Frisco gibt es da einige, die eine Menge für Sie aufreißen könnten. Warum nehmen Sie die nicht?“

„Hören Sie, Stonewall, Ihr Partner hat da eine tolle Schau abgezogen. Das hat mir gefallen. Außerdem will ich keinen Wirbel, kein Aufsehen.“

„In anderen Worten, Sie kochen auf Sparflamme, Mister. Einem Detektiv müssten Sie eine Menge mehr zahlen als uns.“

„Es bleibt bei den Fünfundzwanzigtausend, das ist ein Wahnsinnspreis. Es bleibt dabei!“

Jim lächelte nur. Und dann schrie Maerzberger: „Diese Privatdetektive sind doch in der Regel Hornochsen! Fragen überall die Leute, bis ein ganzer Stadtteil erfährt, worum es geht. Das spricht sich bis nach Yucatan herum. Ich will, dass Sie es astrein machen. Und außerdem geht es mir um Heli. Der kann sich doch mit dem ganzen Truck nicht total verpisst haben! So was gibt’s doch nicht!“

„Okay“, meinte Jim, „ich bespreche das mit meinem Partner und...“

Maerzberger wischte mit der Hand durch die Luft. „Nächste Woche, in acht Tagen, sitzen die Finanzleute bei mir. Dann muss ich ihnen Heli mitsamt den Änderungen auf den Tisch legen. Ist das bei Ihnen angekommen, Stonewall? Heute in acht Tagen. Sie haben eine ganze endlos lange Woche Zeit, ihn mir heranzuschaffen. Ich wünsche Ihnen nette Tage, Mister Stonewall! Schade, dass Sie jetzt gehen müssen.“

„Wirklich zu schade“, murmelte Jim und ging.

 

 

4

Der feuerrote Sattelschlepper stand an Halle neun und wurde mit Filmmaterial beladen. Die Strommaschine war schon von einem Kran aufgesetzt worden. Jetzt kamen die Scheinwerfer, die Kisten mit den Kameras, mit den Filmen, eben all das Material, das man notwendig hatte, um Außenaufnahmen im Dschungel zu machen. Die Kisten mit den Kameras wurden vom Stapellader aufgesetzt.

Chris Morris stand dabei und überwachte das Laden, sagte, wo dieses oder jenes abgesetzt werden sollte.

„Mensch, Jungs“, rief er den Männern zu, „bei euch reißt einen ja glatt der Fahrtwind mit, so schnell seid ihr! Ich möchte wetten, euer Boss hat euch eine Prämie gegeben, weil ihr so unheimlich loslegt.“

Die Männer, überwiegend ohne Arbeitsgenehmigung beschäftigte Mexikaner, grinsten ihn an. Aber sie wurden auch dann nicht viel schneller.

Jim hatte von Jackfield ein paar Zigarillos mitgebracht, ohne dass der davon wusste. Er hielt Chris eines hin und sagte:

„Fünfundzwanzig Riesen sind ja eine Menge Geld. Auf der anderen Seite möchte ich mal wissen, wie wir herausbekommen wollen, wo dieser Heli und das Mädchen stecken.“

„Hat er dir nicht einen einzigen Tipp gegeben?“

„Hat er. Eine Mabel, Schwester von dieser Doris. Ich glaube, darum kümmerst du dich besser. Er meint, sie wäre ganz attraktiv, aber nicht unbedingt redselig. Vielleicht kannst du aus ihr herauskitzeln, wo dieser Heli und die Schwester von Mabel stecken. Im übrigen wissen wir noch immer nicht, wer auf diese Filmkamera scharf ist.“

„Hat er es dir nicht gesagt?“, fragte Chris.

Jim schüttelte den Kopf. „Er tat, als wüsste er nichts. Und du?“

„Ich weiß etwas mehr", meinte Chris. „Der Captain von den Bullen ist dahintergestiegen, tut jedenfalls so, kommt sich überhaupt mächtig wichtig vor. Na ja, jeder redet von dem, was er nicht hat. Aber immerhin hat er sich eine Theorie aufgebaut. Er meint, Maerzberger und Jackfield hätten vor einem Monat ihren dritten Teilhaber herausgeschmissen, und der hätte ihnen blutige Rache geschworen.“

„Und wer ist dieses Glückskind?“, fragte Jim.

„Halt dich nur gut fest, sonst fällst du glatt aus den Stiefeln. Das ist der Bruder von diesem Heli, und deswegen ist der wohl mit dem Truck auf und davon. Und diese Doris hat er gleich mitgenommen.“

„Du kennst die Geschichte also auch. Hört sich bei dir aber anders an“, stellte Jim fest. „Es ist immer gut, wenn man so nach und nach alles tröpfchenweise gesagt bekommt. Verdammt noch mal!“, er wurde wütend. „Ich hole da fünfundzwanzig Riesen raus und weiß überhaupt nicht, um was es geht. Vielleicht sind fünfundzwanzig viel zu wenig. Vielleicht machen wir beide uns noch in

die Hosen, verdammt noch mal!“

„Könnte so aussehen. Der Bulle jedenfalls ist der Meinung, wir sollten gestern die Finger aus der Sache herausnehmen und vorgestern machen, dass wir aus Frisco verschwinden.“

„Schlauer Mann, dein Bulle. Dieser Barry?"

Chris schüttelte den Kopf. „Nein, der Häuptling von ihm, der Captain. Ganz umgänglicher Bursche. Macht sich Sorgen um uns, wenn wir den Job annehmen. Er meint, wir kämen nur so weit, wie es in Mexiko Zivilisation gibt. Wenn wir erst in den Dschungel kämen, also Yucatan, dann wäre für uns der Ofen aus. Dann würde man nach zwei Trucks suchen können, nicht nur nach dem von den Filmfritzen.“

„Rosige Aussichten! Hast du die Hose jetzt schon voll, oder wartest du damit, bis wir in Yucatan sind?“

„Ich werde Pampers mitnehmen, dann wird mir nicht viel passieren, was meinst du?“

„Okay“, meinte Jim, „besuch diese Mabel und bring die Pampers auf dem Rückweg mit. Ich will mal sehen, ob diese lahmarschigen Enten endlich diesen Auflieger vollgeladen bekommen, oder ob das noch ein paar Jahrzehnte dauert.“

„Übrigens", meinte Chris, „wäre es nicht besser, du zischst schon mal los? Ich meine, wenn du hier die Kiste voll hast, kannst du dich doch schon mal auf den Weg machen.“

„Und du, suchst du dir ein Heim für Penner und kommst erst, wenn ich wieder zurück bin?“

Chris grinste. „Keine schlechte Idee. Allerdings, das Heim mit den Pennern würde ich mit einer anderen stolzen Liege tauschen. Wenn diese Mabel was taugt...“ Er grinste schief.

„Hör zu, Sportsfreund, deine Fähigkeiten bei Weibern kenne ich. Aber dreh jetzt mal eine Nummer zurück. Spaß beiseite, es geht nicht nur um die fünfundzwanzig Riesen. Damit ist ein Abkommen verbunden. Ich weiß nicht, ob wir diesen Heli, oder wie dieser Affe heißt, finden. Die Frau interessiert ihn schon nicht mehr, ich meine Maerzberger. Er würde sie sausen lassen, wenn er nur seinen Heli hat. Und auch nur deshalb, weil er den seinen Finanzleuten präsentieren muss, damit er die zwanzig Millionen bekommt.“

„Was schlägst du also vor?“

„Deine Idee ist gut. Ich werde also schon mal vorauszischen. In Mexiko City sehen wir uns wieder. Ich ziehe mit dem ganzen Kram bis zum Flughafen und warte dort auf dich. Du nimmst die Maschine dahin, das dürfte in fünfundzwanzig Riesen drin sein.“

Chris lächelte. „Naja, dann habe ich ja noch etwas Zeit.“

„Zwei Tage, mein Freund, nur zwei Tage. Aber dann bist du dort. In genau achtundvierzig Stunden sehe ich dich dort wieder. Und bis dahin wirst du sicher wissen, was aus dieser Mabel herauszubekommen ist. Das traue ich dir zu. An sich hast du Schlag bei diesen Typen.“

„Ich habe bei allen Frauen Schlag“, behauptete Chris, und wieder grinste er schief. „Hast du je daran gezweifelt?“

„Manchmal etwas zuviel Schlag, nach meinem Geschmack“, meinte Jim. Dann schnippte er den Stummel seines Zigarillos gekonnt in einen Wassertrog, der neben der Hauswand stand.

„Nicht schlecht, Herr Specht!“, meinte Chris und tat es Jim nach. Auch er schaffte es, die Wassertonne zu treffen.

„Na ja, da kann man sehen, zu was es ein guter Lehrling bringen kann“, meinte Jim und wandte sich wieder den Männern zu, die den Auflieger beluden. Sie waren bald fertig.

„Dann mache ich mich jetzt mal auf die Schuhsohlen. Wiedersehen in Mexiko City! Stell mir dort ein paar Senoritas kalt, wenn ich komme!“

Jim sagte nichts mehr, er schüttelte nur die Faust. Aber Chris sah es gar nicht mehr. Er stieg in den geliehenen Wagen, den sie hatten, diesen Chevy, und dann donnerte er los.

 

 

5

Chris hatte für Frisco noch nie viel übrig gehabt. Schon den Nebel, den es hier sehr oft gab, den hasste er wie die Pest. Und außerdem lag die ganze Stadt an einem Berghang, ein ewiges Rauf und Runter. Auch das konnte Chris nicht ausstehen. Dabei war die Stadt heute wie vergoldet, die Sonne strahlte. Alle Bäume wetteiferten damit, noch grüner als andere zu sein. Die Leute machten Gesichter, als hätten sie im Pferdetoto auf Sieg gewonnen. Überhaupt kein Nebel, kein düsterer Asphalt, alles bunt in bunt. Die vielen gelackten Blechschachteln, die zwischen dem Hafen und der Oberstadt hin und her fuhren, die riesigen Plakate leuchteten von den Wänden und den Dächern, und über allem ein strahlendblauer Himmel, ohne eine einzige Wolke.

Aber er machte sich trotzdem nichts aus Frisco. Dennoch musste er Mabel finden. Und er fand sie. Die Adresse hatte er ja. Es war trotzdem verwirrend, zwischen diesen Apartmenthäusern herumzumarschieren, denn mit dem Wagen konnte man nur von vorn bis an die Straße fahren.

In einem dieser neuen Apartmenthäusern wohnte sie. Sie sahen aus wie Bunker in einem japanischen Park. Mabel Hunter bewohnte eines dieser Apartments im neunten Stock. Der Lift baggerte Chris nach oben.

Was dann die Tür öffnete, nachdem Chris geklingelt hatte, sah aus wie zwanzig, war sicher aber älter, hatte die Figur, deren Anblick einen Autofahrer jäh auf die Bremse steigen lässt. Das Haar wogte ihr nur so in leuchtendem Rotbraun über die weißen Schultern. Chris stellte sich vor und fügte hinzu: „Sind Sie vielleicht Miss Hunter?“

Sie musterte ihn von oben nach unten, dann wieder umgekehrt. In ihrem Blick lag die Erfahrung einer Frau, die ein belegtes Brot von einer trockenen Schnitte unterscheiden kann. Nachdem sie damit fertig war, ihn zu mustern, blickte sie Chris in die Augen. Sie trug übrigens eine Brille mit dunklem Gestell.

„Ja“, sagte sie mit einer Stimme, auf die mancher dieser quäkenden Sänger im Fernsehen stolz gewesen wäre, so tief war die Stimme nämlich. „Ja, ich bin Mrs. Hunter, nicht Miss. Und was wollen Sie?“

„Maerzberger möchte seinen goldenen Fisch wiederhaben. Ich nehme an, Sie wissen, wo Ihre Schwester ihn gerade frühstückt.“

Sie sah ihn an wie ein Küken, das gerade aus dem Ei gekrochen war. „Sonst noch was?“

„Nein, sonst nur noch eine Winzigkeit.“ Jetzt war er es, der sie betrachtete, und zwar vom Hals an abwärts. Da trug sie ein Silberkleidchen, das im Grunde weniger war als nichts, denn es verbarg praktisch nichts, sondern hob nur den Reiz. Bis auf die idiotische Brille war die Kleine ausgesprochene Markenware. Und Chris fragte sich, wie Maerzberger auf den blödsinnigen Einfall gekommen sein mochte, dieses Herzchen eine Spinatwachtel zu nennen. Aber er war gerade bei dieser Überlegung, da erfuhr er schon die Antwort auf seine insgeheime Frage.

„Hören Sie mal, Sie Spaßvogel, meinen Sie nicht auch, er hätte es durchs Telefon von mir hören können, was er wissen will?“

„Ja, das ist eine Idee. Von dieser Erfindung wusste ich bis heute gar nichts. Danke, dass Sie mich vorbeigelassen haben“, meinte Chris und schob sie, bevor sie begriff, zur Seite und war im Korridor. Er schubste mit dem Fuß die Tür zu, und da fauchte sie ihn schon an:

„Sagen Sie mal, sind Sie vielleicht in einem überheizten Backofen aufgewachsen, Sie abgebrochener Riese? Gegen Ihr Hirn hat ja eine Grasmücke geradezu Maxiformat. Oder hat Ihnen noch niemand gesagt, dass es Hausfriedensbruch ist, was Sie hier tun?“

„Nie gehört“, meinte Chris grinsend. „Was ist das? Übrigens habe ich in der Hitze draußen unverschämten Durst bekommen. Nichts zu trinken in diesem stinkfeinen Schuppen hier?“ Er marschierte aus dem Korridor ins große Wohnzimmer. Da roch es nach Chanel No. 5 und so ein bisschen auch nach... na ja, nach Mrs. Mabel Hunter eben. Und für Chris war das im Grunde ein noch angenehmerer Duft als Chanel No. 5. Er betrachtete die recht anmutig aufgestellten Habseligkeiten, die nicht nur geschmackvoll wirkten, sondern auch Persönlichkeit ausstrahlen sollten. Das taten sie sogar. Und Bilder gab es, gute Bilder. Im Glasschrank standen Bücher, die offenbar auch gelesen wurden, jedenfalls sahen sie abgegriffen aus und nicht nach zehn Metern Shakespeare, um Intelligenz vorzuspiegeln.

Chris drehte sich um. Mabel lehnte am Türpfosten und sah ihn an wie jemand, den man gewähren lassen muss, um ihn nicht zu reizen.

„Haben Sie das öfter?“, fragte sie.

Er ging zum Schrank, wo die Flaschen standen. Eine richtige Bar war es zwar nicht, aber die Flaschen verrieten gute Flüssigkeiten. „Einen Honolulu-Flip?“, fragte er. „Es ist ja alles dazu da.“ „Stirbt man dann unter Schmerzen, oder geht es schnell?“, fragte sie.

„Sie werden nach dem Genuss dieses einmaligen Drinks feststellen, dass es nichts gibt, was schöner ist, als Chris Morris zu lieben.“

„Aha, und wer ist dieser Chris Morris?“, fragte sie interessiert.

„Habe ich Ihnen doch vorhin gesagt, ich natürlich.“

Sie musste schlucken und meinte dann trocken: „Ihr Arzt scheint auch nicht viel zu taugen. Dass er dagegen noch nichts gefunden hat...“

Er sah sie an. Mein Gott, dachte er, mit diesem wunderbar geformten Stück Fleisch leben, lieben und an nichts weiter denken, und das für eine Woche, statt nach ihrer Schwester und nach diesem Heli zu suchen und nach diesem gottverdammten Truck. Und dann noch die ganze Fahrt da runter. Na, wenigstens muss ich bloß bis Mexiko City.

Dem Foto nach, das er von Heli besaß, schien das ein ganz schönes Früchtchen zu sein. Er blickte Mabel wieder an und meinte:

„Ich habe keinen Arzt. Ich gehe nur zu Ärztinnen, schon wegen der Dankschreiben. Ich sammle welche. Außerdem kostet es hinterher nie was. Um von Doris Flowers zu sprechen und von diesem Heli-Boy, wo ziehe ich mir die beiden an Land?“

Sie nahm den Drink, den er für sie gemixt hatte, und roch daran. „Hmm, nicht übel. Weil Sie gerade von Heli reden, schwer zu erklären.“ Sie warf ihm einen Blick zu, als könnte sie ihm schwierige Denkvorgänge unmöglich zumuten. „Sind Sie ein Bulle oder ein Detektiv?“

„Amateur, aber das nur auf Zeit. Also, wo steckt der liebe Junge?“

„Ziemlich schwierig.“

Chris nickte sachverständig. „Schwierig? So, als wenn man sich in einem Fiat 500 liebt, oder wie?“

„Sie sind ziemlich gemein“, meinte Mabel. „Steigert das Ihr Wertgefühl?“

„Unwahrscheinlich“, gab Chris zu. „Denken Sie eigentlich ab und zu etwas anderes als daran, mit einer Frau ins Bett zu gehen?“

Chris grinste breit. „Warum denn. Sie denken doch auch dran, Mabel. Aber erst die Arbeit, dann die Liebe. Wo haben wir also unseren Heli-Boy?“

Sie ging zum Schrank, öffnete ihn und nahm eine Landkarte heraus, breitete sie auf dem Tisch aus. Es war eine Karte von Mexiko. Sie deutete mit dem Finger auf die Halbinsel Yucatan. „Hier steckt er.“

„Da drehen die doch den Film“, meinte Chris.

„ Ja, das tun sie. Er ist irgendwo auf der Insel.“

„Hat er Ihnen eine Brieftaube geschickt, oder woher wissen Sie es?“

„Ich weiß es, das genügt. Er ist allerdings nicht dort, wo sie den Film drehen wollen. Diese Halbinsel ist ziemlich groß. Nur auf der Karte sieht sie so klein aus.“

„Sagenhaft!“, tat Chris staunend. „Und ich hätte mir glatt eingebildet, sie ist so winzig. Können Sie da etwas genauer werden? Ich meine, Sie wissen doch bei sich selbst auch, wo der Bauchnabel ist. Wo stecken die beiden?“

Sie zog einen Kreis um einen bestimmten Punkt. „In diesem Bereich. Mehr kann ich Ihnen nicht sagen. Suchen müssen Sie sie selbst. Ich nehme an, Sie haben so eine blasse Ahnung davon, um was für eine Landschaft es sich da handelt.“

„So ziemlich. Und Sie sind ganz sicher, dass die beiden da stecken?“

Details

Seiten
127
Jahr
2020
ISBN (eBook)
9783738942323
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v912266
Schlagworte
expressfahrt yucatan

Autor

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Titel: 320-PS-JIM #98: Expressfahrt nach Yucatan