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Der Peso-Söldner

2020 131 Seiten

Leseprobe

Table of Contents

Der Peso-Söldner

Copyright

Die Hauptpersonen des Romans:

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Der Peso-Söldner

Western von John F. Beck

 

Der Umfang dieses Buchs entspricht 131 Taschenbuchseiten.

 

Clint Hagarty ist nach dem Krieg ziellos. Als er Romero und seiner Verlobten Janice begegnet, bietet ihm der Mexikaner Geld an, wenn er seinen Neffen aufspürt. Um das zu tun, muss Hagarty Kontakt zu den Rebellen unter dem geheimnisvollen Capitan Lobo aufnehmen. Und plötzlich ändert sich die ganze Sachlage, denn Clint steht plötzlich zwischen allen Fronten.

 

 

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books, Alfred Bekker, Alfred Bekker präsentiert, Casssiopeia-XXX-press, Alfredbooks, Uksak Sonder-Edition, Cassiopeiapress Extra Edition, Cassiopeiapress/AlfredBooks und BEKKERpublishing sind Imprints von

Alfred Bekker

© Roman by Author

© COVER FIRUZ ASKIN

© dieser Ausgabe 2020 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

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Die Hauptpersonen des Romans:

Coronel Mendenez – gibt sich kaisertreu und ist ein Blutsäufer.

Janice Lansford – hält wenig von Treue, dafür viel von Geld.

Capitan Lobo – glaubt an seine Mission und gibt wohl deshalb nie auf.

Carmelita – geht für ihn durch die Hölle – und zurück.

Clint Hagarty – hat sich nach dem Bürgerkrieg alle Illusionen abgeschminkt und bleibt trotzdem fair.

 

 

 

1

Die Verfolger galoppierten aus der Schneise im Kakteenwald. Ihre Ponchos flatterten. Schüsse krachten.

In einer Staubwolke fegte die Kutsche ins Arroyo. Die Räder flirrten. Steine spritzten unter den Hufen.

»Schneller!« Der mexikanische Fahrer schwang die Peitsche, da riss eine Kugel ihn vom Bock.

Die Frau in der Kutsche stieß einen Schrei aus.

Juan Romero fluchte. Sein Revolver qualmte. Das Fahrzeug schlingerte. Dann prallte das rechte Vorderrad gegen einen Felsen. Das Heck wurde angehoben. Die Deichsel splitterte, die Pferde verhedderten sich in den Sielen.

Romero sprang aus der Stagecoach. Sein Revolver blitzte wieder. Die Verfolger waren bereits am Hang. Einer stürzte. Seine Kumpane feuerten wütend. »Flieh, Janice!«, rief der schnurrbärtige Mexikaner.

Die Frau kroch an der von ihm abgewandten Seite aus dem Gefährt. Blonde Strähnen fielen in ihr Gesicht. Der Saum des grünen Kleids war zerrissen. Janice Lansford war Anfang dreißig, schlank, aber mit vollen Brüsten und üppigen Hüften. Schwankend richtete sie sich auf und hastete um die Felsen. Romero folgte ihr.

Blei schwirrte. An der Böschung rutschte Janice aus. Romero zog sie hoch, drehte sich halb und traf das Pferd eines Gegners.

Keuchend erreichten sie die Kante. Einen Steinwurf entfernt lagen die Gebäude eines halb zerstörten Ranchos. Der Bürgerkrieg, der Mexiko durchtobte, hatte seine Spuren hinterlassen: rußgeschwärzte Mauern, eingestürzte Dächer, geknickte Corralpfosten.

Romero und Janice rannten darauf zu. Hufschlag dröhnte im ausgetrockneten Flussbett. Der Schnurrbärtige gab wieder einen Schuss ab, obwohl er nur Sombrerospitzen sah. Die mittlere Hütte war am wenigsten beschädigt. Ein steingemauerter Kamin durchbrach das mit Erdschollen gedeckte Dach. Die Tür hing schief in den Angeln.

Romero schob seine Begleiterin ins Innere. Sie versteifte sich.

Er wurde von den krachenden Gewehren der Mexikaner abgelenkt, die nun aus dem Arroyo stoben. Seine Schüsse trieben sie auseinander.

Dann veranlasste ein Schnauben ihn, sich umzudrehen. An der fensterlosen Rückwand stand ein Pferd. Lasso und Wasserflasche hingen am Sattel. Aus dem Scabbard ragte der Kolben einer einschüssigen Lee-Enfield-Rifle. Ein kurzläufiges Henry-Repetiergewehr lehnte neben dem Mann, der am Tisch seelenruhig Speck, Bohnen und Maisbrot kaute.

Es war dämmrig in der Hütte. Romero erkannte anfangs nur Umrisse. Das Spanisch des Fremden war fehlerlos. Sein Aussehen verriet jedoch, dass er aus dem Norden stammte.

»Ich hätt‘ nach dem Essen eigentlich gern ein Stündchen geschlafen. Daraus wird wohl nun nichts.«

 

 

2

Kugeln trafen das Gebäude. Trotzdem beendete der Gringo ruhig die Mahlzeit, spülte dem letzten Bissen einen Schluck Kaffee nach und lehnte sich zurück.

Romeros Sechsschüsser bedrohte ihn. Reglos stand der Blonde neben ihm. Der Fremde war groß und sehnig. Kühle Augen beherrschten das sonnengebräunte Gesicht. Ein halb spöttischer, halb bitterer Zug kerbte die Mundwinkel. Er trug Cowboykluft. Außer den beiden Gewehren besaß er Bowiemesser und Revolver.

»Sie zielen in die falsche Richtung, Señor. Der Name ist Clint Hagarty. Ich bin Texaner. Wenn ich zu den Kerlen dort draußen gehörte, wären Sie längst tot.«

Romero zögerte. Die Schüsse verstummten. Hufe pochten. Die Reiter kreisten den Rancho ein. Sie verständigten sich mit lauten Rufen.

»Bandoleros!«, stieß Janice hervor. »Sie werden keinen Unterschied machen zwischen Ihnen und uns.«

Der Texaner erhob sich, setzte den Stetson auf und schulterte die Henry.

»Wenn sie mein Pferd und die Waffen wollen, werden sie sich die Zähne ausbeißen. Ich hab im Bürgerkrieg gelernt, mich meiner Haut zu wehren. Gewöhnlich halte ich mich aus fremdem Verdruss heraus.«

Romero gab ihm einen schiefen Blick, ehe er ins Freie spähte. Die Luft über dem Arroyo flimmerte. Der schwarzbärtige, bullige Anführer der Bandoleros hielt am Rand der Böschung. Zwanzig Schritte rechts von ihm entdeckte Romero einen weiteren Reiter unter einem stacheligen Joshuabaum. Ein Wiehern trieb von außerhalb Romeros Sichtfeld.

»Sie werden nicht weit kommen, Hagarty.«

»Mal sehen.« Clint nahm die Zügel. Da traf ein Schuss den Türpfosten. Romero duckte sich. Der Schwarzbart ließ das rauchende Gewehr sinken.

»Schick die Frau raus, Romero, dann verschwinden wir. Für zehntausend Pesos bekommst du sie wieder.«

»Geh zum Teufel, El Toro!« Romero schoss.

Der Schwarzbart lachte nur.

»Er scheint Sie und Ihre finanziellen Verhältnisse gut zu kennen«, bemerkte der Texaner. »Zehntausend Pesos sind kein Pappenstiel.«

»El Toro ritt als Vaquero für Juan«, berichtete die Frau. »Das war vor der Revolution. Ich bin Janice Lansford, Juans Braut. Er besaß ‘ne Hazienda nördlich von Parrita. Die Soldaten des Kaisers und die Anhänger des ehemaligen Präsidenten Juarez versuchten sie als Stützpunkt in ihre Gewalt zu bringen. Das Ergebnis waren Trümmer. Doch Juan besitzt noch Häuser in Parrita. Die Reales, die Truppen des Kaisers, beherrschen die Stadt. In den Bergen lauern Capitan Lobos Aufständische. Außerdem durchstreifen Plündererbanden das Land. El Toros Meute gehört dazu. Kaum ein Tag vergeht ohne Schießerei. Deshalb wollten Juan und ich mit der Kutsche nach Ciudad Chihuahua. Dort soll es sicherer sein. Weiß der Henker, wie El Toro davon erfuhr. Vielleicht ist die Begegnung nur ein Zufall.«

»Was ist, Romero?«, schallte die Stimme des Schwarzbarts. »Wie lange, glaubst du, warten wir noch?«

»Kommt nur!« Der Haziendero hatte nachgeladen. Seine Kugel schleuderte Staub vor den Hufen von El Toros Schecken empor. »Wir sind nicht allein. Ein Gringo ist hier. Er besitzt zwei Gewehre. Ihr werdet euch blutige Köpfe holen.« Er schoss abermals.

Ein Bleihagel antwortete. Clints Miene blieb unbewegt.

»Caramba, worauf warten Sie?«, zischte Romero.

»Sie irren sich, wenn Sie glauben, dass mir nun keine Wahl bleibt.« Clint wartete, bis das Krachen aussetzte. Dann führte er den Rotbraunen neben die Tür.

»Sie sollen nicht für mich kämpfen, Hagarty, sondern für Janice. Sie stammt ebenfalls aus Texas.«

»Schön. Für tausend Pesos bring ich Sie und Ihre Braut nach Parrita. Ich bin völlig abgebrannt und könnt mir sonst nicht mal ‘nen Drink leisten.« Clint hob die Hand, als Romero mit funkelnden Augen herumfuhr. »Hören Sie mich an, bevor Sie mir an die Kehle springen. Vier Jahre lang haben meine Partner und ich für Ideale gekämpft, an die wir felsenfest glaubten – bis sich rausstellte, dass wir im Grunde fremde Interessen verteidigten. Meinen Amigos kam die Erkenntnis zu spät. Nur ich blieb übrig. Die Sieger besetzten Texas. Ich hatte ihnen mit meiner Einheit empfindliche Schlappen zugefügt. Seitdem steht mein Name auf den Fahndungslisten. Meine Ranch wurde konfisziert. Pferd, Waffen und zehn Dollar waren mein ganzer Besitz, als ich nach Mexiko kam, entschlossen, meine Schießkünste dem Meistbietenden zu vermieten.«

Er hob die Schultern.

»Inzwischen bin ich die letzten Bucks los. Sie sind noch ein reicher Mann, Romero, auch wenn Sie die Hazienda verloren. Ich dagegen bin ein Satteltramp, der nichts zu verschenken hat. Tausend Pesos sind ein annehmbarer Preis, wenn ich meinen Skalp für Sie und Miss Lansford riskiere.«

»Zur Hölle mit Ihnen!«

»Ich zwing Sie zu nichts.« Der Texaner wandte sich zur Tür. »He, El Toro! Ich bin Clint Hagarty, der Gringo, von dem Romero sprach. Ich hab keine Lust, mich mit dir und deinen Amigos rumzuschießen, sondern möchte Siesta halten.«

»Tut mir leid, Gringo, wenn‘s dir zu laut wird.« Der Bandolero-Jefe lachte. »Beschwer dich bei Romero.«

»Wenn du keinen Verdruss mit mir willst, verschwinde ich und suche mir ‘nen Platz, wo die Luft weniger bleihaltig ist.«

»Verräter!«, knirschte Romero.

Janice trat zu ihm. »Ich kenne Männer wie ihn, Juan – Söldner, Pistoleros.«

»Ich lass mich nicht erpressen.«

»Bueno, Gringo!«, rief El Toro. »Komm raus, aber ohne Waffen.«

Clint führte das Pferd vor die Tür und schwang sich hinauf. Romeros Revolverhahn knackte.

Leise sprach Janice auf den Haziendero ein. Die Bandoleros waren zu fünft. Der Abstand zwischen ihnen betrug zwanzig bis dreißig Schritte. Die beiden, die hinter der Hütte gewartet hatten, tauchten links und rechts von Clint auf. Der eine an der Ecke des eingestürzten Stalls, der andere neben dem umgestürzten Karren. Sie trugen breitrandige Sombreros, bunt gemusterte Ponchos und hochhackige Vaquerostiefel. Die Karabiner funkelten. Es war heiß wie in einer Backstube.

Drohend hob der Anführer das Gewehr.

»Ich hab gesagt, Gringo, dass du Waffen im Haus lassen sollst.«

»Nichts für ungut, Compadre, aber ohne sie fühl ich mich nackt.« Die Hufe malmten. Die Karabiner bewegten sich mit.

»Ich glaube, Gringo, du schätzt die Lage falsch ein.«

»Ich weiß, wie gut ich schieße. Du wärst der Erste, der im Sand liegt, wenn deine Amigos ‘ne Dummheit machen.« Clint hielt. Die Henry deutete am Pferdehals vorbei. »Es wäre gut, wenn sie‘s auch wüssten – für dich.«

El Toros grobes, bartumrahmtes Gesicht verzerrte sich. Da rief Romero: »Hagarty, ich hab‘s mir überlegt. Ich zahl fünfhundert.«

»Was will er?«, schnappte El Toro.

Clint grinste. »Dass ich dich und deine Amigos zur Hölle schicke. Bloß, fünfhundert Pesos sind dafür nicht genug.«

»Die Pest an Ihren Hals, Hagarty!«, schimpfte Romero. »Meinetwegen kriegen sie tausend.«

»Das ist natürlich was andres.«

El Toros Kinnlade klappte herab.

»He! Du bist doch nicht wirklich so verrückt …«

»Doch«, grinste Clint. Er schoss.

Der Schecke des Mexikaners brach zusammen. El Toro überschlug sich und verlor das Gewehr.

Clints Waffe schwang nach rechts und spuckte wieder einen Feuerstrahl. Mit einem Aufschrei stürzte der Mann an der Stallecke vom Pferd.

Dann traf Clint den Bandolero unterm Joshuabaum. Der Repetierbügel zuckte. Die Detonationen verschmolzen zu einem Dröhnen. Fluchend warfen die beiden übrigen Mexikaner sich in Deckung. Ihre Kugeln verfehlten Clint. Pulverrauch wogte.

Clint preschte zum Stall, schnappte sich die Zügel des Bandoleropferdes und galoppierte mit ihm über den Hof zurück.

»Knallt ihn ab!«, tobte El Toro. Er lag hinter einem Steinhaufen, den krachenden Colt in der Faust.

Jetzt flammte auch Romeros Waffe. Der Jefe duckte sich. Gleichzeitig feuerte Clint auf El Toros Kumpane.

Vor der Hütte drehte er die Pferde.

Wieder peitschte das Henrygewehr. Die Einschläge zwangen die Gegner in Deckung.

»Brauchen Sie ‘ne Einladung, Romero?«

Clint warf dem Haziendero die Zügel zu. Schon saß Romero im Sattel. Janice trat auf die Schwelle.

»Sie haben die Wahl, Lady«, grinste Clint. Sie gab ihm einen halb zornigen, halb faszinierten Blick. Romero zog sie zu sich hinauf.

»Hey, hey!« Mit harten Fersenstößen trieb er den Falben an der Hütte vorbei. Der Schatten der Hügel nahm ihn auf.

El Toros Colt war leer gefeuert.

»Wir sehen uns wieder, Gringo maldito! Dann frisst dich die Hölle!«

»Na denn, Mahlzeit.«

 

 

3

Bodenwellen durchzogen die Ebene vor der Stadt. Im Norden, Westen und Süden ragten die zerklüfteten Flanken der Sierra Madre in den glühenden Himmel. Östlich von Parrita erstreckten sich Kakteenfelder. Kiesstreifen ausgetrockneter Flussläufe durchzogen sie. Die Straße zur Provinzhauptstadt schlängelte sich südwärts zum Einschnitt des Paso del Spirito Santo.

Der im Hitzeglast verschwimmende Pass lag hinter den Reitern. Gleichmäßig malmten die Hufe. Fettholzstauden und Mesquitesträucher säumten den Straßenrand. Romero blickte zurück.

»Wir haben sie abgehängt.«

»Das ist ein Irrtum.«

Clint wies auf die drei Reiter auf der Anhöhe rechts von ihnen. Zwei trugen Ponchos. Der Schwarzbart in der Mitte hatte ein rotes Hemd, eine ärmellose Lederweste und eine an den Seitennähten mit Silberknöpfen verzierte Hirschlederhose an.

»El Toro!«, stieß Janice hervor.

Der Bandolero-Jefe saß auf dem Pferd des zweiten Mexikaners, den Clint getroffen hatte. Er zielte mit dem Gewehr, aber die Entfernung war zu groß. Da verschwand das Trio.

»Ziemlich hartnäckig, die Burschen.« Clint vertauschte die Henry mit der einschüssigen, aber weitertragenden Enfield-Rifle. Romero umklammerte den Revolver.

Clint deutete mit der Rifle auf die Bodenwelle schräg vor ihnen. »Sie werden da vorn auf uns lauern. Bleiben Sie trotzdem auf der Straße.«

Die Entfernung zur Stadt betrug drei Meilen. Im Weiterreiten schob die Bodenwelle sich vor sie. Grasbüschel und Chollakakteen wuchsen dort.

Clint ritt einige Schritte voraus. Der Schatten der Stetsonkrempe bedeckte sein sonnengebräuntes Gesicht. Das Schaufeln der Hufe und das Knarren des Sattelleders waren die einzigen Geräusche. Plötzlich hoben El Toro und seine Gefährten sich auf dem Höhenrücken ab, zur Hälfte näher als zuvor.

Eine Salve schmetterte. Staubfontänen spritzten um Clints Wallach. Der Texaner hielt, die Füße in die Bügel gestemmt, den Kolben der Rifle an der Schulter. Während die Angreifer repetierten und Janice sich an Romero festhielt, glich er dem Standbild eines berittenen Scharfschützen. Dann krachte es, und der Mann rechts von El Toro stürzte aus dem Sattel.

Ruhig ersetzte Clint die abgeschossene Patrone. Die Gewehre der Gegner dröhnten.

»Reiten Sie weiter und zählen Sie schon mal die Pesos ab«, rief Clint dem Haziendero zu.

Dann lenkte er das Pferd von der Straße auf die Bodenwelle zu, hielt nach zehn Schritten, zielte und schoss erneut. Die Kugel streifte El Toros Braunen. Wiehernd stieg das Tier. Der Schuss des Schwarzbarts peitschte zum Himmel. Fluchend drohte er mit dem Gewehr. Auch der zweite Mexikaner verfehlte Clint. Inzwischen entfernte sich das eilige Hufgetrappel von Romeros Pferd.

Clint lud und ritt noch ein Stück weiter. Als er wieder die Enfield hob, warfen El Toro und sein Begleiter die Gäule herum. Der Texaner verzichtete darauf, ihnen eine Kugel nachzuschicken. Dann hing nur mehr eine Staubfahne über dem Kamm. Clint verstaute die Rifle im Scabbard und kehrte zur Straße zurück.

Romero und die Frau waren hinter der Biegung verschwunden. Sie warteten eine halbe Meile vor der Stadt im Schatten des Mesquitedickichts. Gemächlich näherte sich Clint.

Plötzlich preschten Reiter aus einer Senke. Sie trugen die Uniformen der kaiserlichen Kavallerie, dazu hohe Mützen und hochschaftige Stiefel. An den Koppeln hingen Säbel und Revolver. Die braunen Fäuste umklammerten nordamerikanische Sharpskarabiner. Im Nu waren Clint, Janice und Romero umringt.

Clint hütete sich, die Hand in die Nähe der Waffen zu bringen. Ein halbes Dutzend Karabiner bedrohte ihn. Der Anführer war ein hagerer Mexikaner, dessen dunkles Gesicht von stechenden Augen und einer Geiernase beherrscht wurde. Er zügelte sein Pferd vor dem Haziendero und der Frau. Er trug die Rangabzeichen eines Coronel. Die Uniform war mit goldenen Knöpfen, Tressen und Litzen verziert. Die behandschuhte Rechte berührte den Mützenrand.

»Buenas Tardes, Señorita Lansford, Señor Romero. Scheint, dass Sie Verdruss hatten. Wir hörten Schüsse.«

»Ich freue mich, Sie zu sehen, Coronel Mendenez.« Janice, die abgestiegen war, lächelte erleichtert. Clint bezweifelte jedoch, dass sie es tatsächlich war. »Bandoleros verfolgten uns.«

»Ich hatte Sie gewarnt. Die Bandoleros stecken mit Capitan Lobos Aufständischen unter einer Decke. Zur Hölle mit ihnen! Aber solange ich Stadtkommandant bin, werden sie es nicht wagen, Parrita anzugreifen. Señor Romero, ich verstehe nicht, dass Sie und Ihre Braut sich dieser Gefahr aussetzten.«

»In Ciudad Chihuahua warten dringende Geschäfte auf mich. Nun werde ich allerdings vorerst verzichten müssen.«

»Sobald Verstärkung eintrifft, räum ich unter dem Gesindel auf.« Mendenez‘ Raubvogelaugen hefteten sich unvermittelt auf Clint. »Wer ist der Gringo?«

»Fragen Sie mich doch selbst, Comandante. Ich beherrsche Ihre Sprache leidlich. Mein Name ist Clint Hagarty.«

»Ein Bekannter von Ihnen, Señor Romero?«

»Wir trafen ihn zufällig auf ‘nem verlassenen Rancho.« Romeros Stimme wurde ätzend. »Er verlangte tausend Pesos, dass er uns gegen die wilde Meute half.«

»Ein Pistolero also.« Der Ton war beleidigend.

Clints Miene blieb unbewegt. »Ich bevorzuge meine Gewehre.«

»Es ist allgemein bekannt, dass immer mehr Gringo-Söldner in die Dienste der Juaristas treten.«

»Vielleicht liegt‘s daran, dass der Franzosen-Kaiser nicht genug bezahlt.«

Janice hob unwillkürlich die Hand an die Kehle und trat einen Schritt zurück. Mendenez‘ dunkles Gesicht bekam einen verkniffenen Zug.

»Durchsucht ihn!«

Clint musste sich gefallen lassen, dass schmutzige Hände seine Taschen durchwühlten, auch die Ledertasche am Sattel. Ein Soldat reichte dem Anführer einen zerknitterten Brief. Er war in englischer Sprache verfasst. Eine Falte erschien zwischen Mendenez‘ Brauen.

»Was steht drin?«

»‘ne Einladung.« Clint verwünschte sich dafür, dass er den Brief, der in Laredo für ihn hinterlegt worden war, nach Mexiko mitgenommen hatte – als Ausweis, falls er an die richtigen Leute geriet. Coronel Mendenez und seine Reiter waren das freilich nicht.

Der Stadtkommandant von Parrita gab Janice das Papier.

»Lesen Sie bitte vor, Señorita Lansford.«

Die Frau zögerte. Doch so höflich sich Mendenez auch gab, sein Ton duldete keinen Widerspruch.

»Hallo Clint«, begann Janice. »Ich hoffe, dass dich der Brief erreicht, bevor dir die Yanks ‘ne Hanfkrawatte verpassen. Mir ist der Boden in Texas jedenfalls zu heiß geworden, seit die Blauröcke da bestimmen, was Recht und Ordnung ist. Hab mich nach Mexiko abgesetzt. Du weißt, dass ich im Krieg auch alles verlor. Behalten hab ich meine Eisen und die Entschlossenheit, mich nicht unterkriegen zu lassen. Bin bei den Juaristas gelandet, den Anhängern des Präsidenten Juarez, den die Großgrundbesitzer und Bankiers im Verein mit den Franzosen abgesetzt haben. Die Burschen zahlen gut. Wenn du ‘nen Job suchst, bei dem du anwenden kannst, was du im Krieg gelernt hast, komm her. Du findest mich in den Bergen um Parrita bei Capitan Lobos Einheit, die den Kaiserlichen mächtig Dampf macht. Würd‘ gern wieder mal Bügel an Bügel mit dir reiten, alter Feuerspucker. Also, überleg dir‘s. Bis bald?«

Janice vermied es, die Männer anzusehen. Mendenez‘ Augen funkelten.

»Von wem ist der Brief?«

»Der Mann heißt Jefferson O'Neal.«

»Nun, Gringo?«

»Ich sagte, dass es ‘ne Einladung ist, aber nicht, dass ich sie annehme.«

»Weshalb kommst du dann nach Parrita?«

»Vielleicht, um ‘nen Kriegskameraden wiederzusehen.«

»Wir werden verhindern, dass du zu Capitan Lobos Leuten stößt.« Mendenez‘ Stimme klirrte. »Wir haben auch so schon genug Verdruss mit der Rebellenbande.«

»Bueno, Comandante, ich bin gespannt, was Sie mir bieten.«

Der hagere Offizier grinste plötzlich.

»Eine Zelle im Stadtgefängnis mit einer Mahlzeit am Tag, Wasser und Brot.«

»Hab ich mir fast gedacht.«

Clint riss sein Pferd nach rechts. Es prallte gegen das Tier eines Mexikaners.

Clint schlug mit dem Revolver zu, und der Soldat stürzte zwischen die stampfenden Hufe. Schon erwischte Clint den nächsten. Die anderen konnten nicht schießen, ohne sich gegenseitig zu gefährden. Clint durchbrach den Kreis.

Plötzlich war Romero neben ihm. Sein Hieb schleuderte Clint aus dem Sattel.

 

 

4

Das Verlies war zweimal zwei Yard groß, die Decke so niedrig, dass Clint nicht aufrecht stehen konnte. Eine Strohschütte mit einer löchrigen Decke und ein Latrinenkübel bildeten das gesamte Mobiliar. Das Wasser im Tonkrug war abgestanden, das Brot schimmelig. Durch ein kleines, vergittertes Fenster sah Clint den von hohen Mauern umschlossenen Hof. Eine Reihe von Pfählen ragte aus dem Sand.

Dunkle Flecken waren an ihnen – Blut. Die Nähe des Todes war Clint von Jugend an vertraut. Damals hatte er geholfen, die elterliche Ranch gegen Comanchen zu verteidigen. Seine Mutter war dabei umgekommen. Später hatten die Jahre des Bürgerkriegs alles in ihm zu illusionsloser Härte gebrannt. Trotzdem überlief ihn nun ein Frösteln.

Dann erschien das runde Gesicht des Kerkermeisters in der Türluke. Ein Grinsen dehnte die dicken Lippen.

»Wenn du irgendwelche Wünsche hast, Gringo, vergiss sie. Falls du Glück hast, vergisst der Comandante dich ebenfalls. Einige von deinen Nachbarn sitzen schon Monate im Loch. Andere werden hier keine drei Tage alt.«

»Nette Aussichten«, brummte Clint.

Die Klappe fiel zu. Clint hörte noch ein Kichern, dann war er allein. Die Zelle befand sich im ersten Stock eines mehrgeschossigen Gebäudes. Kein Geräusch drang durch die dicken Mauern. Clint presste das Gesicht ans Fenstergitter. Aber der Hof blieb leer. Die Schatten wurden länger. Lärmfetzen wehten aus der Stadt.

Clint probierte die Festigkeit des Gitters, dann untersuchte er die Tür. Es gab kein Entkommen. Er ballte die Fäuste.

»Morgen ist auch noch ein Tag.«

Er streckte sich aufs Lager. Seine Glieder waren bleischwer. Der Kopf schmerzte noch von dem Hieb, den Romero ihm verpasst hatte. Dunkelheit breitete sich allmählich in der Zelle aus. Clint schlief.

Trommelwirbel weckte ihn. Es war Tag. Auf dem Gefängnishof ertönten Kommandos. Clint stand im Nu wieder am Fenster. Vier Männer in zerschlissener weißer Baumwollkleidung wurden von Uniformierten an die Pfähle gefesselt. Vor jedem Delinquenten nahmen je fünf Soldaten Aufstellung. Ein schnurrbärtiger Offizier befehligte sie. Zwei Schritte hinter ihm stand der Trommler. Die ersten Sonnenstrahlen lugten über die Mauern. Der Säbel in der Rechten des Offiziers funkelte. Ein Gefangener war verwundet, aber alle hielten sich aufrecht, die Köpfe erhoben. Während die Trommel dröhnte, verbanden die Reales ihnen die Augen.

Der Capitan hob den Säbel.

»Legt an und zielt!«

Es waren Sharpskarabiner, die nach jedem Schuss geladen werden mussten.

Die Soldaten standen mit dem Rücken zu Clint. Seine Fäuste umkrampften die Eisenstäbe. Vielleicht stand er morgen schon ebenfalls dort unten. Die Kaiserlichen hatten das Kriegsrecht über Parrita verhängt. Jederzeit konnte Coronel Mendenez das Todesurteil über ihn verhängen.

»Viva Mexiko! Viva Juarez!«, schrien die Gefangenen.

Der Säbel sauste herab. »Feuer!«

Ohrenbetäubendes Krachen füllte den Hof. Die Mexikaner an den Pfählen sackten in die Fesseln.

Doch nicht nur die Waffen der Soldaten entluden sich. Die Mauerkrone rechts war plötzlich in eine Pulverrauchwolke gehüllt. Clint erkannte Gestalten in buntgestreiften Ponchos, weißen Baumwollhosen und Strohsandalen. Der Offizier und mehrere Soldaten fielen.

»Viva Mexiko! Viva Capitan Lobo!«, gellte die Stimme einer jungen Frau. Sie kniete zwischen den Männern, die sich auf die Mauer geschwungen hatten, einen langläufigen Revolver in beiden ausgestreckten Händen. Rabenschwarze Haare umzüngelten das braune Gesicht. Zum schwarzen Rock trug sie eine rote Bluse.

Wieder donnerten die Waffen. Wieder ertönten die Schreie Getroffener. Die Uniformierten suchten Deckung. Sie mussten erst die Karabiner laden. Da peitschten auch Schüsse von jenseits der Mauer. Drei, vier Juaristas stürzten herab. Nur die Muchacha und zwei Männer waren noch übrig. Sie schwangen die Waffen herum und feuerten.

»Lasst sie nicht entkommen!«, hörte Clint die Stimme von Coronel Mendenez. Pferde wieherten, Hufe hämmerten. Dann waren die Juaristas verschwunden. Jenseits der Gefängnismauer wurde wieder geschossen. Mendenez schrie Befehle. Hufgetrappel brauste davon.

Dann knarrte die Zellentür. Clint traute seinen Augen nicht, als er Janice neben dem kleinen, dicken Kerkermeister sah. Der Mexikaner hielt einen Revolver. An seinem Koppel hing ein Schlüsselbund. Die Frau gab ihm einen Geldschein.

»Lass uns allein, Panfilo.«

Der Dicke zögerte.

»Fünf Minuten, Señorita.«

»Zehn.« Janice betrat die Zelle. Das grüne Kleid spannte über den vollen Brüsten. Der Ausschnitt war mit Rüschen verziert. Locker umrahmte das blonde Haar Janice‘ Gesicht.

»Geh!«, winkte sie. »Ich hab mit ihm zu reden. Er wird mir nichts tun.«

Die Tür schloss sich. Clint grinste.

»Ich kann Ihnen leider keinen Stuhl anbieten, Lady.«

Die Frau zeigte keine Unsicherheit.

»Juan blieb keine Wahl. Er musste Partei ergreifen – gegen Sie. Mendenez beherrscht die Stadt mit eiserner Faust. Er hasst alle Nordamerikaner, weil er glaubt, dass sie Juarez unterstützen. Und er misstraut Juan, weil ich Texanerin bin. Wer nicht für ihn ist, den betrachtet er als Feind. Und wie er mit seinen Feinden verfährt, haben Sie eben erlebt.«

»Es scheint Ihnen nicht viel auszumachen.«

»Ich hab Schlimmeres gesehen.«

»Sind Sie gekommen, mich auszuzahlen?«, fragte Clint spöttisch.

»Ich hab‘ nen Job für Sie.«

»Schon wieder?«

»Bevor Sie ablehnen, Hagarty, sollten Sie bedenken, dass ich Sie hier rausholen kann. Panfilo ist kein Held, aber für die entsprechende Summe riskiert er schon mal ein bisschen was. Sein Sold ist nicht besonders hoch.«

»Wahrscheinlich lauscht er.«

»Deshalb spreche ich englisch. Er versteht es nicht.« Janice lächelte, aber ihre graugrünen Augen blieben abschätzend kühl.

»Sie befinden sich in der besseren Position. Was springt für mich dabei raus?«

»Zehntausend Pesos.«

Clint starrte sie an, dann pfiff er leise.

»Teufel, Sie geh‘n aber ran, Lady! Ihr Geld?«

»Das Angebot stammt von Juan. Doch wir dachten, es ist besser, ich rede mit Ihnen. Ursprünglich wollten wir ‘ne Revolvermannschaft anheuern. Das ist der wahre Grund, weshalb wir Parrita verließen und zur Hauptstadt durchzukommen versuchten.«

»Es ehrt mich, dass Sie mir zutrauen, ‘ne Pistolero-Crew zu ersetzen.«

»Die Tatsache, dass Sie der ehemalige Sattelpartner eines Mannes sind, der für Capitan Lobo reitet, wiegt ein halbes Dutzend Revolverschwinger auf«, entgegnete Janice. »Juans Neffe, für den er die Hazienda del Cruz verwaltete, wurde von den Juaristas entführt.«

»Ich dachte, die Hazienda gehörte Ihrem Verlobten.«

»Toribio war vierzehn, als seine Eltern bei ‘nem Unfall umkamen. Sein Vater war Juans Bruder. Juan wurde zur Hälfte am Erbe beteiligt. Bis Toribios Volljährigkeit führte er alle Geschäfte. Inzwischen ist Toribio vierundzwanzig, aber die Hazienda ist nur mehr ein Trümmerhaufen, die Felder verwüstet, die Herden von Aufständischen und Bandoleros geraubt.«

»Doch es ist noch genug Geld da, ‘nen Zehntausend-Peso-Söldner anzuheuern.«

»Eine Menge mehr«, stieß Janice hervor. Dann klang ihre Stimme wieder geschäftsmäßig. »Wahrscheinlich weiß Capitan Lobo das auch. Er wird Lösegeld verlangen.«

»Mehr als zehntausend, nehm ich an.«

»Der Haken ist, dass Juan nur gemeinsam mit Toribio Bankvollmacht besitzt. Allein kommt er nicht an das Geld ran, und im Falle von Toribios Tod ist das gesamte Romero-Vermögen für ihn verloren.«

Clint grinste wieder.

»Jetzt versteh ich Ihre Besorgnis.«

»Denken Sie von Juan und mir, was Sie wollen, Hagarty, aber finden Sie Toribio. Bringen Sie ihn nach Parrita. Dann können Sie mit zehntausend Pesos nach Kalifornien reiten und sich ein Haus am Meer kaufen. Wie ich Toribio kenne, legt er noch ‘nen Tausender drauf.«

»Vorausgesetzt, dass er noch lebt.«

»Wenn nicht, haben wir alle drei Pech gehabt.«

»Alle vier«, verbesserte Clint. »Toribio eingeschlossen. Ich fürchte nur, dass an der Geschichte ein weiterer Haken ist, den Sie mir geflissentlich verschweigen.«

Die Miene der Frau verhärtete sich.

»Wenn Sie nicht als Juaristenfreund am Pfahl sterben wollen, bleibt Ihnen keine Wahl.«

»Es sei denn, ich spaziere in Ihrer Begleitung hier raus.« Clint hielt plötzlich ein schmales Messer. Es war in seinem rechten Stiefel verborgen gewesen. Mendenez‘ Soldaten hatten ihn zwar gefilzt, es jedoch übersehen. Er machte einen Schritt auf Janice zu, da lag genauso überraschend ein kleiner, doppelläufiger Derringer in ihrer Rechten. »Ich bin überzeugt, dass wir beide nicht weit kommen würden, Hagarty.«

Sie wartete, bis Clint die Klinge ins Stiefelfutteral zurückschob, dann ließ sie auch den Derringer verschwinden. Der Texaner richtete sich auf.

»Ich schätze erfahrene Geschäftspartner, vor allem, wenn sie weiblich und hübsch sind.«

»Rechnen Sie sich nichts aus, Hagarty. Juan würde Sie töten, sollten Sie mich belästigen.«

»Keine Angst. Meine Ma hat mich als Gentleman erzogen. Doch haben Sie jemals dran gedacht, dass Toribio der wichtigere Mann für Sie sein könnte? «

Janice verharrte steif. Ihre Augen glitzerten, aber ihre Stimme blieb beherrscht.

»Juans Neffe ist zehn Jahre jünger, ein Feuerkopf und Traumtänzer. Ohne Juan wäre er aufgeschmissen. Ich hab Juan in El Paso kennengelernt. Wir verstehen uns, und das ist schon viel nach meinen Erfahrungen mit Männern. Außerdem hab ich in den Jahren, in denen ich mich in den verschiedensten Saloons durchschlug, zupacken gelernt, wenn sich mir ‘ne Chance bot. Verstehen wir uns?«

»Werd‘s mir überlegen.«

»Brauchen Sie nicht zu lange. Mendenez ist unberechenbar. Morgen stehen Sie vielleicht schon vor dem Erschießungskommando.« Sie pochte an die Tür. »Panfilo, mach auf! – Geben Sie ihm Bescheid, Hagarty.«

 

 

5

Stiefel dröhnten, Säbel rasselten. Dann flog die Zellentür auf. Gewehrläufe glänzten. Im ersten Moment erwartete Clint, dass die Soldaten ihn holten. Das Bild der leblos an den Pfählen hängenden Juaristas stand vor seinen Augen.

Dann wurde die junge, schwarzhaarige Mexikanerin hereingestoßen, die er mit feuerspuckendem Revolver auf der Gefängnismauer gesehen hatte. Ihre Bluse war zerrissen, der Rock staubbedeckt und zerknittert. Sie trug Sandalen. Keuchend, aber mit funkelnden Augen taumelte sie an die Wand.

»Ich will, verdammt noch mal, ‘ne Zelle für mich allein.«

Der Offizier der Wachmannschaft lachte.

»Bedaure. Alle anderen Zellen sind schon überbelegt. Nur bei dem Gringo ist noch ein Platz frei.« Und mit drohender Gebärde gegen Clint: »Behandle sie wie ‘ne Señorita. Sie ist das Liebchen von Capitan Lobo. Zehntausend Pesos sind auf seinen Kopf ausgesetzt.«

»Die Summe kommt mir bekannt vor.«

Der Teniente beachtete Clint schon nicht mehr.

»Schrei, wenn er dich belästigt oder zerkratz ihm das Gesicht«, wandte er sich grinsend an die Muchacha.

»Hau ab, verdammter Schwätzer!«

Einen Augenblick schien es, als würde er sie schlagen. Dann gab er seinen Leuten einen Wink. Schon knallte die Tür zu.

Clint drehte sich zu der noch heftig atmenden Mexikanerin um. Sie war mittelgroß, fast knabenhaft schlank, jedoch durchtrainiert, mit nicht sehr großen, aber festen und spitzen Brüsten. Die Haut schimmerte bronzefarben. Die dunklen Augen glühten.

»Ich tu‘ dir nichts.«

»Würd‘ ich dir auch nicht raten.«

Sie hob den Rock bis zum Knie. Clint sah die am rechten Unterschenkel befestigte Messerscheide. Dann zielte die Stahlspitze bereits auf ihn. Er dachte an die eigene Klinge im Stiefel und grinste.

»Ich glaub nicht, Muchacha, dass du mir damit gefährlich wirst.«

»Probier‘s aus.«

»Nicht jetzt. Irgendwann musst du auch mal schlafen.«

»Dann töte ich dich zuvor.«

Clint lachte.

»Nicht doch. Ich wette, du hast auch so schon genug Verdruss. Wie heißt du?«

»Carmelita.«

Clint wartete vergeblich darauf, dass sie das Messer sinken ließ. Ihre Brüste hoben und senkten sich jetzt langsamer. Das Gesicht war schmal mit hoch angesetzten Wangenknochen, einer kleinen, geraden Nase und vollen, weich geschwungenen Lippen.

»Bist du wirklich Capitan Lobos Geliebte?«

»Gib dir keine Mühe, mich auszuhorchen, Gringo. Schon viele versuchten vergeblich, sich das Kopfgeld für Capitan Lobo zu verdienen.«

»Ich pfeif drauf. Ich will bloß hier raus.«

»Vielleicht haben sie mich mit dir zusammengesperrt, weil du beauftragt bist, Capitan Lobo zu töten. Das wäre typisch für diesen Tyrann und Ausbeuter Mendenez.«

»Du traust wohl niemand, was?« Achselzuckend wandte der Texaner sich ab. Mitten in der Bewegung schnellte er herum und entwand der Muchacha das Messer. Stumm stürzte sie sich auf ihn.

Er bog den Kopf weg, erwischte ihre Handgelenke und presste sie an die Wand. Ihr schmaler Körper war kräftig und biegsam. In den dunklen Augen erschien ein Anflug von Furcht.

»Ich mag‘s nicht, wenn man mich bedroht. Denk dran, bevor du wieder ‘ne Waffe auf mich richtest.« Clint gab ihr das Messer zurück. »Verstecks. Panfilo sieht es sonst.«

Sie war überrascht. Clint hockte sich aufs Strohlager. Da ließ sie sich erschöpft niedersinken. Sie spannte sich aber sofort, als die Klappe in der Bohlentür geöffnet wurde. Panfilos Vollmondgesicht grinste.

»Na, ihr beiden?«

»Sag der blonden Lady, dass ich den Job annehme«, brummte Clint.

 

 

6

Die schwankende Laterne warf die Schatten der Gefangenen verzerrt an die Wand. Panfilo schwitzte. Statt der abgetragenen Kerkermeister-Uniform trug er einen weißen Baumwollkittel, ebensolche Hosen und Sandalen. Im Gürtel steckte ein schwerkalibriger Colt.

Er brachte Clint die fünfzehnschüssige Henry. Kalte Ruhe durchströmte den Texaner, als er die vertraute Waffe wieder in den Händen hielt. Dann trat er auf den Korridor. Neben der Zelle kauerte ein Uniformierter, ein Mann des Wachpersonals. Er hatte Panfilo begleitet. Nun steckte ein Messer in seiner Brust.

»Das kann dich den Kopf kosten, Compadre.«

»Ich weiß«, ächzte der Dicke. »Ich hatte keine Wahl. Die Señorita wollte sowieso, dass ich mit dir die Stadt verlasse.«

»Als mein Aufpasser?«

»Es könnte sein, dass du jemand brauchst, der dir den Rücken freihält oder ‘ne Botschaft übermittelt.«

»Wenn ihr ohne mich verschwindet, schlag ich Alarm«, drohte das Girl. Panfilo grinste. »Niemand wird dich hören. Wenn du uns Verdruss machst, fesseln wir dich.«

»Versuch‘s!«

»Verdammtes Biest!«, krächzte der Kerkermeister, als er das Messer in Carmelitas Hand sah. Seine Rechte umschloss den Coltgriff. Clint hielt ihn fest.

»Wir nehmen sie mit. Sie ist die Freundin von Capitan Lobo. Sie wird uns zu ihm bringen.«

Panfilo zögerte.

»Einverstanden«, tönte eine kühle Stimme durch den Gang. Janice Lansford löste sich aus dem Schatten. Eine fransenverzierte Mantilla lag um ihre Schultern. Die dichten Haare schimmerten goldfarben.

Carmelita spannte sich.

»Wer ist die Frau?«

»Eine treue Anhängerin von Juarez«, grinste Clint.

»Eine Gringa. Ich trau‘ ihr nicht.«

»Hätt mich auch gewundert.« Clint blickte Janice an. Er vermied es absichtlich, ihren Namen zu nennen. »Sie riskieren viel. Wenn Mendenez dahinterkommt, dass Sie im Gefängnis waren, wird er Sie an meiner Stelle einlochen.«

»Ich wollte mich überzeugen, dass alles klappt. Die Pferde stehen bereit, aber nur zwei, für Sie und Panfilo.«

Clint schwang das Gewehr auf die Schulter.

»Die Chica ist keine nennenswerte zusätzliche Belastung für ‘nen einigermaßen kräftigen Gaul. – Panfilo, zeig uns, wo‘s lang geht.«

»Bei allen Heiligen, nicht so laut, Gringo. In jedem Stockwerk patrouillieren Posten. Außerdem müssen wir am Wachlokal vorbei.«

»Lass die Heiligen aus dem Spiel, Compadre, und mach dir nicht in die Hosen. Wirf schon die Hufe.«

Panfilo hastete voraus. An der Ecke blieb er abrupt stehen. Clint, Janice und Carmelita pressten sich vier Schritte hinter ihm an die Wand. Der Zeigefinger des Texaners lag am Abzug. Aber sie würden das Gebäude nicht lebend verlassen, wenn es zum Kampf kam. Schritte waren auf der Treppe.

»He, Panfilo, was machst du so spät noch hier?«

»Hab meinen verdammten Hausschlüssel verloren. Wenn du Ramon ablöst, frag ihn, ob er ihn gefunden hat. Ich schau inzwischen noch mal im Hof nach.«

»‘ne Nacht im Bau würde dir nicht schaden, Panfilo.« Ein Lachen erklang. Die Schritte entfernten sich. Panfilo wartete, bis Clint und die Frauen aufschlossen. »Ich muss verrückt gewesen sein, als ich mich darauf einließ.«

»Wenn du abspringst, Amigo, hüpfst du in die Hölle«, mahnte Clint. Der Dicke führte sie die Treppe hinab. Der Wachraum war offen. Stimmen und Würfelgeklapper drangen heraus. Eine Lichtbahn fiel über den Korridor.

»Lenk sie ab!«, raunte Clint.

Der Mexikaner watschelte zur Tür. Das Würfeln setzte aus.

»Na, Panfilo, hast du den Schlüssel?«

»Es ist zum Verzweifeln. Ich werd‘ in ‘ner Zelle schlafen müssen.« Panfilos Gestalt fing das Licht ab. Clint, Janice und Carmelita huschten hinter ihm vorbei.

»Sei froh, dass es nicht der Jailschlüssel ist. Der Coronel würde dich erschießen lassen.«

»Die Madonna möge es verhüten.« Der Dicke bekreuzigte sich, ehe er weiter hastete. Gleich darauf schloss er eine eisenbeschlagene Tür auf. Sie führte auf eine Seitengasse. Mondlicht glänzte auf den Dächern. Der Duft blühender Sträucher erfüllte die Luft. Die Stadt schlief. Aus der Ferne wehte Kojotengeheul.

Janice übernahm jetzt die Führung. Sie hielt sich im Schatten. Ein Gewirr weißer Mauern umgab die Flüchtenden. Die Straßen und Gassen waren gepflastert. Ein Springbrunnen plätscherte. Dann näherte sich Hufgeklapper.

Clint, Janice, Carmelita und Panfilo duckten sich in eine Toreinfahrt. Fünf Reiter trabten vorbei. Die Knöpfe und Spangen an ihren Uniformen glänzten. Gewehre steckten in den Scabbards. Dünnschäftige Lanzen ragten über die Köpfe.

»Mendenez befehligt unter anderem eine Schwadron der berüchtigten Lanzenreiter«, flüsterte Janice. »Ein Dutzend Patrouillen durchstreifen jede Nacht die Stadt.«

Der Hufschlag verklang. Sie eilten weiter. Die Pferde standen an einer dunklen Mauer. Der Mond beschien den Platz davor. Ein Schatten bewegte sich. Clint hob die Henry.

»Da ist jemand.«

»Juan.« Janice winkte, dann lief sie zu ihm. Der Haziendero ließ den Revolver sinken, halfterte ihn aber nicht, als Clint, Carmelita und Panfilo herankamen. Sein schnurrbärtiges Gesicht war finster.

»Ich fürchtete schon, die Soldados hätten euch geschnappt. Wer, zum Teufel, ist die Muchacha?«

»Sie wird Hagarty und Panfilo zu Capitan Lobo bringen.«

Clint ging auf den Mexikaner zu.

»Das trifft sich gut, dass Sie gekommen sind, uns Lebewohl zu sagen.«

Romero wich zurück.

»Keine Dummheiten!« Er wollte die Waffe heben, da schlug Clint zu. Romero stürzte. Sein Sechsschüsser rutschte vor Carmelitas Füße. Sie bückte sich schnell.

»Ich bleib nicht gern was schuldig«, erklärte Clint gelassen.

Janice hielt wieder den Derringer. Zorn brannte in Romeros Augen.

»Leg ihn um!« Mit maskenstarrer Miene schob Janice die Waffe zurück.

»Was wird hier eigentlich, gespielt?«, schnappte Carmelita.

»Nur ‘ne kleine Meinungsverschiedenheit«, beschwichtigte der Texaner. »Wir sind alle gute Freunde von Capitan Lobo, oder wollen es werden.«

»Ich zieh es trotzdem vor, allein zu reiten.« Die Mexikanerin hob Romeros Revolver. Gleichzeitig ergriff sie die Zügel von Clints Rotbraunem. Die Lee-Enfield-Rifle hing am Sattel, daneben Lasso und Wasserflasche. Panfilos Pferd war ein stämmiger Grauer, wie geschaffen dafür, das Gewicht des Dicken zu tragen.

»Mach keinen Fehler, Muchacha!«

Das Knacken des Revolverhahns ließ Clint verstummen. Carmelita schwang sich aufs Pferd. Romero fluchte.

»Wir hätten sie im Gefängnis lassen sollen«, krächzte Panfilo schwitzend.

»Sie wird nicht schießen.« Entschlossen ging Janice auf die Reiterin zu. »Sie hätte sonst in fünf Minuten Mendenez‘ Horde am Hals.« Ihre Stimme klirrte.

»Wer da?«, schallte es drohend über den Platz.

Romero, der aufgesprungen war, zog Janice an die Mauer. Clint drehte sich.

»Nicht schießen, Amigos!«, rief Panfilo.

An der Ecke gegenüber bewegten sich Schatten. Die Umrisse mehrerer Tschakos, der hohen Uniformmützen, wurden erkennbar. Da riss Carmelita das Pferd herum und schoss. Ein Schrei antwortete.

»Juaristas!«, schrie ein Soldat.

Fluchend drückte auch Clint ab. Romero und Janice rannten an der Mauer entlang. Schüsse peitschten. Die Hufe wirbelten Staub auf. Wieder blitzte Carmelitas Waffe. Clint schwang sich hinter ihr hinauf, repetierte und feuerte ebenfalls.

»Heb deinen fetten Hintern in den Sattel, Panfilo, sonst schluckst du Blei. Danach bist du für jeden Gaul zu schwer.«

 

 

7

Felsen, Dornbüsche und Kakteen glühten im Sonnenfeuer. Die von den Verfolgern aufgewirbelte Staubwolke trieb Clint, Carmelita und Panfilo nach Nordwesten. Dichter und steiler reihten sich die Kämme aneinander. Die Dächer von Parrita versanken hinter ihnen. Die Hitze nahm zu.

Als die Sonne im Zenit stand, waren nicht nur die Pferde erschöpft, auch Mendenez‘ ehemaliger Kerkermeister. Der Ritt bedeutete eine ungewohnte Anstrengung.

»Rasten wir«, entschied Clint.

Zerklüftete Hänge umschlossen die Senke. Die Gipfel der Sierra schienen zum Anfassen nahe. Gleißende Helligkeit umfloss sie. Panfilo plumpste wie ein Mehlsack in den Schatten. Kopfschüttelnd beobachtete er Carmelita, die einen Felskamm erklomm, um nach den Verfolgern Ausschau zu halten.

»Sie ist ‘ne Wildkatze, Hagarty. Bestimmt haben wir nur Ärger mit ihr. Reiten wir ohne sie weiter.«

Clint warf ihm die Sattelflasche zu, dann versorgte er die Pferde. Plötzlich stand Carmelita wieder bei ihnen. Ihre Augen funkelten. Keine Müdigkeit war ihr anzumerken. Sie trug Romeros Revolver im Rockbund.

»Es sind nur acht Mann. Sie rasten bei den Piedras Biancas. Was hältst du davon, Gringo, wenn wir uns ihre Pferde holen?«

»Keine schlechte Idee.«

»Ihr seid verrückt!«, schnaufte Panfilo. Er saß an einem Felsblock, die kurzen, dicken Beine ausgestreckt. Die schwarzen Haare klebten am Kopf. Der spitzkronige Sombrero lag neben ihm. Clint grinste.

»Du brauchst nur auf die Gäule aufzupassen und auf uns zu warten. Das schaffst du ja wohl noch.«

»Und wenn sie euch erwischen?«

»Dann bestell‘ Capitan Lobo freundliche Grüße, falls du ihn triffst. Komm, Muchacha.«

»Ich heiße Carmelita.«

»Ich bin Clint.«

Ihre Blicke verkrallten sich, dann nickte die Mexikanerin.

»Bueno, Clint.« Der Texaner war überzeugt, dass sie den Vorschlag nur gebracht hatte, um ihn auf die Probe zu stellen. Sie verließen die Senke. Außer Hörweite berührte Carmelita Clints Arm.

»Panfilo ist ein schlapper Bastard. Bestimmt haben wir nur Ärger mit ihm. Reiten wir ohne ihn weiter.«

Clint verkniff sich ein Lachen. »Schnappen wir uns erst die Pferde.«

Die Piedras Biancas waren eine Ansammlung weißer Felsen an einem Wasserloch, eine halbe Meile von der Senke entfernt, in der Panfilo mit den beiden Pferden blieb.

Clint und die Mexikanerin schlugen einen Bogen und näherten sich ihnen von Süden. Bodenerhebungen, Felsen und Kakteen boten Deckung. Die Sonne loderte.

Clint trug Stiefel mit flachen Absätzen, so dass er mühelos mit Carmelita Schritt hielt. Im Schutz einer Rinne gelangten sie nahe an den Lagerplatz. Die Reales lagen wie hingeschmettert im Schatten um das Wasserloch herum, jeder Feldflasche und Karabiner neben sich.

Die Hitze und die Verfolgungsjagd hatten sie fertiggemacht. Offenbar waren sie nicht sparsam genug mit ihrem Wasser umgegangen, im Vertrauen darauf, hier welches vorzufinden. Doch der Tümpel war ausgetrocknet. Die Pferde ließen die Köpfe hängen. Sie waren nicht angepflockt. Die Zügel schleiften im Sand.

Verächtlich verzog Carmelita den Mund.

»Tontos, Dummköpfe!«

Clint schätzte die Entfernung auf zehn Yard. Er stand auf und ging mit der Henry im Hüftanschlag ruhig auf die Soldaten zu. Erschrocken hob Carmelita die Hand, dann aber sprang sie auf und lief seitwärts zu den Pferden. Der Sand knirschte unter Clints Sohlen. Doch die Reales dachten, dass es einer von ihnen war. Der Anführer war jener Teniente, der Carmelita ins Gefängnis brachte.

»Was …«

»Liegenbleiben und keine Bewegung, dann geschieht euch nichts!« Clints Waffe beschrieb einen Halbkreis. Der Teniente riss die Augen auf. Sein Mund blieb offen. Carmelita erreichte die Pferde.

»Hinter dir, Gringo!«

Clint drehte sich. Zwei Mexikaner hoben die Karabiner.

Die Henry peitschte, der Repetierbügel zuckte. Ächzend sanken die Soldados zurück.

»Danke, Carmelita, aber merk dir meinen Namen.«

Mit zwei Schritten war Clint bei dem Offizier, der sich aufsetzte und den 45er aus dem am Koppel befestigten Holster riss. Clints Hieb betäubte ihn.

»Wenn dir einfallen sollte, ohne mich zu verschwinden, Amiga, müsste ich auch auf dich schießen.«

Das Mädchen saß bereits auf einem Soldatenpferd. Clint blieb in Bewegung, erfasste aus den Augenwinkeln ein Blinken und schoss abermals. Der Mexikaner, der eben ein Messer werfen wollte, stieß einen Schrei aus und presste die verletzte Hand gegen die Brust. Die übrigen erstarrten.

»El Diablo«, flüsterte einer.

Details

Seiten
131
Jahr
2020
ISBN (eBook)
9783738941746
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v906314
Schlagworte
peso-söldner

Autor

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Titel: Der Peso-Söldner