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Trevellian und die Schule der Mörder

2020 124 Seiten

Leseprobe

Table of Contents

Trevellian und die Schule der Mörder

Copyright

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Trevellian und die Schule der Mörder

Krimi von Horst Friedrichs

 

Der Umfang dieses Buchs entspricht 124 Taschenbuchseiten.

 

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books, Alfred Bekker, Alfred Bekker präsentiert, Casssiopeia-XXX-press, Alfredbooks, Uksak Sonder-Edition, Cassiopeiapress Extra Edition, Cassiopeiapress/AlfredBooks und BEKKERpublishing sind Imprints von

Alfred Bekker

© Roman by Author

© COVER FIRUZ ASKIN

© dieser Ausgabe 2020 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

Alle Rechte vorbehalten.

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1

Behutsam schob ich das schwere Teleobjektiv durch die Zweige. Am Ende der 2000-Millimeter-Kanone wirkte die Kamera klein wie eine Streichholzschachtel. Ich robbte in meiner Mulde ein Stück vorwärts und ließ das optische Geschütz im Kugelgelenk des flachen Dreibeins einrasten.

Ein letztes Mal überzeugte ich mich, daß alle Einstellungen stimmten. Dann spähte ich durch den Sucher.

Die Visierlinie lag zu hoch. Sie erfaßte noch unscharf bewaldete Berghänge in weiter Ferne. Ich veränderte den Winkel, bis die Neigung des Objektivs nahezu parallel zu dem Hang war, auf dem ich meinen Beobachtungsposten eingerichtet hatte.

Plötzlich hatte ich eine Großstadt im Sucher. Straßen, Bürgersteige, Mülltonnen, Häuserwände mit aufgesprühten Parolen. Tod den Bastarden! Und das mitten im Wald der Alleghany Mountains!

Leute bewegten sich auf der Straße. Jugendliche. Lärmend und herausfordernd. Einer warf einen Stein.

Der Schlag traf mich schmetternd. Er ging mir durch und durch. Fast staunend sah ich, wie Kamera und Dreibein in hohem Bogen davonflogen.

Einen Sekundenbruchteil brauchte ich, um zu begreifen, daß Steinwurf und Schlag in keinem Zusammenhang standen. Die Szene in den dreckigen Straßen spielte sich zwei Meilen entfernt ab. Keiner schleudert einen Stein zwei Meilen weit. Nur im Teleobjektiv schrumpft die Entfernung zusammen.

Ich begriff und rollte mich ruckartig herum. Die Ausrüstung zu meinen Seiten behinderte mich. Mit der linken Hälfte knallte ich auf den Kamerakoffer. Eine harte Kante verursachte stechenden Schmerz. Ich achtete nicht darauf und schaffte es noch, nach meinem Revolver zu greifen.

Eine Stimme stoppte mich. Sie klang schneidend und spöttisch. »Laß es sein, Mann!«

Das war nicht nur dahergeredet. Die Mündung einer Colt Government macht auch die freundlichste Aufforderung zu einem Befehl.

Ich gehorchte und spreizte langsam die Finger der Rechten vom Revolvergriff weg. Den 357er Ruger trug ich in einer Gürtelhalfter unter dem Leinenblouson. Natürlich hatte der andere die Waffe sofort bemerkt. Im Sitzen hob ich die Hände über den Kopf.

Er stand drei Schritte von mir entfernt und nickte zufrieden. Ein breitschultriger Bursche, rötlichblond, höchstens Mitte 20. Seine Kleidung bestand aus einem olivgrünen Kampfanzug und hochgeschnürten Springerstiefeln. Wäre ich nicht sicher gewesen, mich in den Allegheny Mountains zu befinden, ich hätte mich in diesem Moment wie in einem afrikanischen Söldnerstaat gefühlt. Denn der Kampfanzug des Mannes vor mir stammte nicht etwa aus Beständen der US-Army. Er war ein reines Fantasieprodukt, enganliegend, taillenbetont, fast modisch.

»Umdrehen!« befahl er schnarrend. »Auf den Bauch!« Im selben Moment stelzte er schon los. Er kam auf mich zu. Sein Fehler!

Ich wußte, daß er mich durchsuchen wollte. Deshalb tat ich, als folgte ich seiner Aufforderung. Doch aus der Körperdrehung heraus stieß ich mich vom Boden ab. Mein linker Arm wirbelte empor.

Und die Handkante traf auf den Punkt.

Er brüllte wie ein Stier. Vielleicht lag es an der Enttäuschung darüber, daß er seine Automatik in hohem Bogen davonfliegen sah. Denn so schlimm konnte der Schmerz nicht sein. Sein rechter Arm hing einfach nur kraftlos pendelnd herab.

Einen Sekundenbruchteil nach meinem Überraschungsangriff war ich bereits auf den Beinen. Das Gesicht meines Gegners verzerrte sich vor Wut über sein eigenes Versagen, Wut über meine Unverfrorenheit, nicht klein beizugeben.

Ans Aufgeben dachte er noch lange nicht. Er riß die Linke hoch. Sein Uppercut sollte mich bremsen.

Mit einem blitzartigen Sidestep schaffte ich es, ihm auszuweichen. Auch mit nur einem brauchbaren Arm blieb er ein ernstzunehmender Gegner. Der Schwung seines Ansturms ließ ihn ins Leere tappen.

Ich wirbelte herum und setzte nach, noch bevor er sich gesammelt hatte. Meine Handkante traf ihn in die Seite. Ich hatte keine Zeit, Rücksicht zu üben oder mich auf ein Geplänkel einzulassen. Was ich durch das Teleobjektiv gesehen hatte, war mehr als genug. Ich hatte mich auf ein höllisches Spiel eingelassen.

Mein Gegner klappte zusammen wie ein Taschenmesser. Die noch brauchbare Hand in die Nierengegend gepreßt, torkelte er rückwärts.

Ich machte kurzen Prozeß. Mit zwei Schritten war ich bei ihm. Ein trockener Aufwärtshaken brachte ihn wieder in die Senkrechte. Aber nur für eine Sekunde. Dann streckte ich ihn mit zwei blitzschnellen Geraden auf den Waldboden nieder. Er fiel der Länge nach hin und gab keinen Ton mehr von sich.

Ich mußte ihn fesseln. Denn er war nicht allein. Er konnte es nicht gewesen sein, der mir die Kamera aus der Hand geschossen hatte. Ich tastete nach meinem Revolver. Ich wollte mich suchend Umsehen und die nähere Umgebung erkunden.

Es blieb bei dem Gedanken.

Die Büsche bewegten sich plötzlich wie in einem billigen Wildwestfilm. Olivgrüne Anzüge, knitterfrei und taillenbetont, schraubten sich empor. Sechs Kerle waren es, die sich während meiner Auseinandersetzung mit dem Rötlichblonden herangepirscht hatten. Fünf von ihnen hielten schwere Automatiks im Anschlag. Der sechste trug ein Zielfernrohrgewehr. Er hielt es mit beiden Fäusten quer vor der Brust wie ein Dschungelkämpfer.

»Streck sie hoch!« sagte der Anführer, ein untersetzter und rundgesichtiger Mann. Trotz der wenigen Worte hörte ich seinen Akzent deutlich heraus.

Nichts wäre mir mehr aufgefallen. Ich mußte mich bezwingen, um nicht ein wissendes Lächeln aufzusetzen. Ich folgte dem Befehl und hob die Arme.

Der Untersetzte gab zwei Leuten ein Zeichen. Sie halfterten ihre Pistolen und waren mit schnellen, energischen Schritten bei mir. Im Handumdrehen hatten sie mich fachmännisch durchsucht und entwaffnet.

Als der Bewußtlose stöhnend zu sich kam, verpaßten sie mir Handfesseln und eine Augenbinde. Ich hatte noch gesehen, daß sie meine Ausrüstung zusammensuchten. Dann trieben sie mich bergabwärts. Zwei Mann packten mich an den Oberarmen.

Das Ziel war mir bekannt.

Eine nachgebaute, schmutzige Stadt, in der Mord und Totschlag an der Tagesordnung waren.

 

 

2

Milo Tucker ließ das Remington-Gewehr mit dem aufgeschraubten Zielfernrohr sinken. Die unmittelbare Gefahr war vorüber. Doch die nervliche Anspannung hielt noch sekundenlang an.

Länger als fünf Minuten hatte das ganze Geschehen nicht gedauert. Und doch hatte sich jeder einzelne Atemzug scheinbar endlos ausgedehnt. In dieser gesamten Zeitspanne war Milo ständig bereit gewesen, mit einem gezielten Schuß alles zu beenden. Sobald sein Kollege in Lebensgefahr geraten wäre, hätte er zu diesem letzten Mittel gegriffen.

Die Tatsache, daß es nicht dazu gekommen war, betrachtete Milo nicht unbedingt als einen Glücksfall. Wohltuend war es keineswegs, dabei zuzusehen, wie Jesse Trevellian gefesselt und mit einer Augenbinde abgeführt wurde. Denn keiner beim FBI hatte auch nur die leiseste Ahnung, was ihn erwartete.

Milo montierte das Gewehr auseinander und verstaute es zusammen mit dem Zielfernrohr in einer Segeltuchtasche. Dann verließ er sein Versteck, eine Mulde im Unterholz - gut 500 Meter von der Stelle entfernt, an der sie Jesse überrascht hatten.

Mit zügigen Schritten durchquerte der G-man das hüglige Waldgelände. Bis zu dem Jeep, der an einem Weg abgestellt war, hatte er eine gute halbe Meile zurückzulegen.

Er warf die Tasche in den Heckraum des geschlossenen Wagenaufbaus und schwang sich hinter das Lenkrad. Der bullige V8-Motor sprang auf den ersten Schlag wummernd an. Erst während der Fahrt zündete sich Milo eine Zigarette an. Die Reifen des Geländewagens dröhnten über Baumwurzeln, die wie knochige Arme aus dem Waldboden ragten.

In Hopeville hielt Milo vor der ersten Telefonzelle am Ortsrand an. Die kleine Stadt in den Alleghany Mountains lebt vom Fremdenverkehr. In diesen Tagen allerdings wirkte das Nest öde und verlassen. Es war die Zeit nach dem Wintersport und vor dem Beginn des Sommertourismus.

Aber es gab in der Nähe eine andere Art von Fremdenverkehr, die mit Freizeit und Erholung nicht das geringste zu tun hatte. Das Ganze unterlag einer Geheimhaltung, die an militärische Genauigkeit erinnerte.

Milo schloß die Glastür hinter sich und warf einen ausreichenden Münzenvorrat in den Automatenschlitz. Dann tastete er die Nummer des FBI-Distrikts New York ein. Telefonzellen haben den Vorteil, daß sie fast immer abhörsicher sind. In diesem Fall gab es nur Wohnhäuser in der Umgebung. Ein paar Kinder tollten auf einem Rasen. Sonst war die Gegend menschenleer.

»FBI New York«, meldete sich Myrnas unvergleichliche rauchige Altstimme.

»Dies muß ein Glückstag sein«, sagte der G-man im Brustton der Überzeugung. »Wochenlang hört man in New York überhaupt nichts von Ihnen. Und kaum greift man mutterseelenallein in der Einöde zum Telefonhörer…«

»Sie sehen, ich bin wie eine Mutter zu Ihnen, Milo«, unterbrach ihn die bei allen Kollegen so beliebte Telefonistin. Was nicht zuletzt daran lag, daß sie neben ihrer hinreißenden Stimme auch noch andere augenfälligere Vorzüge hatte.

»Seien Sie nicht so gefühllos, Myrna!« sagte Milo vorwurfsvoll. »Sie wissen genau, daß ich Sie mir nicht als Mutter vorstellen kann.«

»Sondern?«

»Sowas kann ich am Telefon nicht erklären. Sagen Sie mal, wo waren Sie die ganze Zeit?«

»In Urlaub. Vier Wochen.«

»Himmel! Jetzt verraten Sie mir nur noch, wer der Glückliche war, der vier Wochen lang mit Ihnen…«

»Keine Auskunft«, unterbrach ihn Myrna spitzbübisch. »Ich nehme an, sie wollen den Chef sprechen. Ich verbinde.« Es knackte in der Leitung, bevor Milo noch etwas einwenden konnte. Myrna war ein prachtvoller Kumpel, für jede Art von Wortgeplänkel zu haben. Aber sie trennte strikt Beruf und Privatleben. Vielleicht wurde sie deshalb von allen Kollegen so geschätzt.

John D. McKee meldete sich gleich darauf. Ausnahmsweise befand er sich in keiner Besprechung.

»Dann ist es also soweit«, sagte er, nachdem Milo Tucker sich gemeldet hatte. Die Stimme des Chefs klang ruhig und ausgeglichen wie immer.

»Ja, Sir. Sie haben Jesse gefangengenommen.« In der unter FBI-Beamten gewohnten knappen Art schilderte Tucker, was er im Wald beobachtet hatte.

»Haben Sie einen der Männer erkannt?« fragte John D. McKee sofort.

Milo wußte, worauf der Chef hinauswollte. »Nein, Sir. Mulligan war nicht dabei. Soviel ist sicher.«

»Gut. Und das Camp selbst? Was können Sie darüber berichten?«

»Mittelpunkt ist eine nachgebaute Stadt. Ein paar Straßenzüge aus Belfast. Da proben sie den Häuserkampf, Terroranschläge und ähnliches. Außerdem gibt es Baracken als Unterkünfte, Wirtschaftsgebäude und einen Sportplatz.«

»Das hört sich nach einer regelrechten militärischen Anlage an.«

»Die Sicherheitsvorkehrungen sind entsprechend, Sir.«

»Und die Geheimhaltung? Hopeville gehört zum Touristengebiet, wenn ich nicht irre.«

»Man kann es kaum glauben, Sir, aber das Camp scheint hier tatsächlich so etwas wie ein offenes Geheimnis zu sein. Genaues weiß allerdings niemand darüber. Die Leute reden von einer Eliteeinheit, die in den Bergen ihr Ausbildungszentrum betreibt. Jeder begreift natürlich, daß über so etwas nichts weiter durchsickert. Die einen halten es für eine Geheimdienstsache, die anderen für einen Stützpunkt der Army. Wie dem auch sei, in Hopeville hat es noch keiner gewagt, den Dingen auf den Grund zu gehen.«

»Dazu ist das Ganze zu geschickt aufgebaut«, sagte John D. McKee. »Wo immer etwas nach militärischer Geheimhaltung klingt, erschauern die Leute vor Ehrfurcht. Ich nehme an, diese Burschen aus dem Camp kaufen sogar ihre Lebensmittel und sonstigen Verbrauchsgüter im Ort ein.«

»Allerdings, Sir. Wie ich gehört habe, gefällt es den Geschäftsinhabern sehr gut. Niemand stellte überflüssige Fragen.«

»Das kann ich mir denken.« Der Chef räusperte sich. »Es bleibt also bei unserem Zeitplan, melden Sie sich wie vorgesehen wieder, Milo!«

Der G-man sagte zu, hängte ein und klaubte das Wechselgeld heraus, das der Automat in eine Klappmulde spuckte. Dann stieg er in den Jeep und fuhr zurück zum Hotel. Dort hatte er als Gast in dieser Jahreszeit Seltenheitswert. Doch niemand sah ihn schief an, da er sich als Beauftragter eines Reisebüros ausgegeben hatte. Sein angeblicher Job war es, Erkundigungen für künftige Gruppenreisen einzuholen. Und sein Fotograf, der die bunten Bildchen für den Reiseprospekt liefern sollte, war kein anderer als Jesse Trevellian gewesen.

Wenn ihn jemand fragte, würde Milo nun allen erzählen, daß der Knisper seine Fotos im Kasten hatte und deshalb abgereist war. In Hopeville hatte jeder Verständnis dafür, daß auch für einen Fotografen Zeit nichts anderes als Geld bedeutete.

 

 

3

Der Weg durch das Bergland war eine Schinderei, die sie in voller Absicht mit mir veranstalteten. Zwar führten sie mich, doch sie hielten mich nicht etwa fest. Ich war wie blind, noch dazu mit auf den Rücken gefesselten Händen. Immer wieder verfing ich mich mit den Füßen im Unterholz, oder ich tappte unverhofft in eine Bodenmulde. Jedesmal schlug ich der Länge nach hin.

Zur Belohnung für meine Ungeschicklichkeit, wie sie es nannten, erhielt ich Fußtritte und Fausthiebe. Unsanft zerrten sie mich dann wieder auf die Beine und trieben mich weiter voran. Sehr bald hörte ich auf, meine Stürze mitzuzählen. Mein Gesicht mußte von Schrammen und Beulen übersät sein. Einmal knallte ich mit der Stirn auf etwas Hartes, eine Baumwurzel vermutlich. Der Schmerz explodierte als grelles Feuer. Ich mußte alle Willenskraft aufbringen, um gegen die drohende Bewußtlosigkeit anzukämpfen.

Irgendwann erreichten wir einen Schotterweg. Meine Bewacher flankierten mich mit rhythmisch knirschenden Stiefelsohlen. Seit sie mich oben im Bergwald überwältigt hatten, war kein Wort mehr gesprochen worden.

Nach einem kurzen Marsch auf dem steinigen Untergrund bremsten mich die Bewacherfäuste.

»Gruppe Delta mit sieben Mann von Patrouille zurück«, schnarrte eine militärische Stimme. Ich identifizierte sie als die des Untersetzten, der vermutlich eine Art Unterführer war.

»Danke, Sir, passieren!« entgegnete eine ebenfalls schneidige Stimme. Es folgte ein metallisches Schaben. Ein Schlagbaum, der geöffnet wurde, vermutete ich.

Ein Stoß zwischen die Schulterblätter brachte mich wieder in Bewegung. Unter meinen Sohlen endete der Schotter. Statt dessen war Asphalt oder Beton zu spüren. Motorengeräusch näherte sich. Ein Fahrzeug brummte vorbei. Durch Fernglas und Teleobjektiv hatte ich bereits beobachtet, daß das gesamte Camp von einem mannshohen Maschendrahtzaun umgeben war. Anzunehmen, daß nur eine Zufahrt existierte.

Kurze Zeit später hörte ich Befehlsstimmen und walzende Marschtritte von Kolonnen. Essenszeit? Ich bekam keine Gelegenheit mehr, darüber nachzudenken. Unvermittelt erreichten wir ein Gebäude. Von Fäusten bugsiert, stolperte ich flache Stufen hinauf. Dann dröhnten die Schritte in einem Korridor mit Holzfußboden. Ich wurde in einen Raum gestoßen. Einer der Kerle riß mir die Augenbinde herunter. Noch während ich gegen die Helligkeit anblinzelte, knallten sie die Tür zu. Das Schloß knirschte.

Es war kein Tageslicht, das mich blendete. Eine kalte Neonröhre färbte den ganzen Raum bläulichweiß. Vor dem einzigen Fenster verwehrte eine Außenjalousie den Blick nach draußen. Sonst gab es nichts. Nur Fußboden und kahle Wände. Nicht einmal eine Sitzgelegenheit.

Ich blieb einfach in der Mitte des Zimmers stehen. Jede Gefängniszelle wäre behaglicher gewesen. Ich horchte, vermochte aber keinen Laut mehr wahrzunehmen.

Die Sekunden und Minuten verrannen immer langsamer. Wegen der Fesseln konnte ich nicht einmal auf meine Armbanduhr sehen. Die Schrammen im Gesicht brannten wie Feuer. Ich wußte, daß sie mich schmoren ließen. Zermürbungstaktik! Auf dem Fußmarsch hatten sie damit angefangen. Jetzt folgte die Fortsetzung unter anderen Vorzeichen.

Ich versuchte, meine Gedanken abzuschalten. Es gelang mir nicht. Innerlich konnte ich große Töne spucken und mir vorgaukeln, ich hätte einen Erfolg errungen. Aber ich mußte ehrlich zu mir selbst sein. Mußte eingestehen, daß sie mich kleinkriegen konnten, wann immer sie wollten. Die Mittel dazu kannten sie. Davon war ich inzwischen überzeugt.

Immerhin war es mir gelungen, in das Camp einzudringen, das wir bisher nur vom Hörensagen kannten. Den Plan dazu hatten John D. McKee, Milo Tucker und ich sorgfältig ausgettiftelt. Nicht ohne besonderen Grund.

Es ging um die Nr. 1 auf der Liste der zehn meistgesuchten Verbrecher in den Vereinigten Staaten.

Shane Mulligan!

Ein berufsmäßiger Killer. Gefahndet wurde nach ihm wegen Mordes in mindestens zehn Fällen. Dem zuständigen Federal Attorney war mittlerweile bekannt, daß Mulligan für die Mafia arbeitete und unliebsam gewordene Leute beseitigte. Eben das hatte sich in den Bundesstaaten Texas, Louisiana und Florida abgespielt. Aber Mulligan leistete sich ein paar kleine Fehler und hinterließ Spuren. Bald lief die Fahndung nach ihm auf Hochtouren.

Fast wäre er unseren Kollegen in den Südstaaten ins Netz gegangen. Dann jedoch war Shane Mulligan spurlos verschwunden. Nur nach und nach gingen wieder Informationen von den V-Leuten ein, die ihr Ohr dicht an der Wand der Unterwelts-Gerüchteküche hatten. Rasch wurde aus diesen Gerüchten Gewißheit.

Mulligan war dank der Beziehungen seiner Bosse in einem geheimen Ausbildungs-Camp der IRA, der Irisch Republikanischen Army, untergebracht worden. Daß es so etwas auf dem Boden der Vereinigten Staaten überhaupt gab, war selbst für uns beim FBI neu. Unerklärlich aber nicht. Die irische Untergrundorganisation hat in den USA eine Menge Förderer. Was wiederum nicht verwunderlich ist, wenn man bedenkt, wie unendlich viele US-Bürger von irischen Einwanderern abstammen.

Dies traf auch auf Shane Mulligan zu. Zweifellos half es ihm, Zugang zu der Geheimorganisation zu erhalten. Für uns stand fest, daß das Camp lediglich ein Kanal sein sollte, um ihn außer Landes zu schleusen.

Unsere Verbindungsleute fanden mit einiger Mühe heraus, wo sich das IRA-Camp befand. Ein Großeinsatz schied für uns von vornherein aus. Wir konnten den Laden nicht unbemerkt dichtmachen, nicht in diesem Gelände. Mulligan wäre verschwunden, bevor wir überhaupt zuschlagen konnten.

Deshalb gelangte die FBI-Spitze in Washington zu der Überzeugung, daß jemand eingeschleust werden müsse. Jemand, den Mulligan nicht kannte. Jemand, der für die Betreiber des Camps interessant war. Der FBI-Distrikt New York hatte den Auftrag erhalten, und Mr. McKee hatte sich für mich entschieden.

Ein Himmelfahrtskommando! Der Ausdruck war wohl angebracht, angesichts der paramilitärischen Gefilde, in die ich mich zu begeben hatte. Und noch etwas fiel ins Gewicht: Wer auch immer dieses Camp betrieb, War offenbar bereit, einem Berufskiller Unterschlupf zu gewähren. Damit stempelte sich der Betreffende selbst zum Verbrecher.

Ein Geräusch unterbrach meinen Gedankenfluß. Ich hob den Kopf Und horchte. Eine Tür wurde irgendwo im Gebäude geöffnet und wieder geschlossen. Dann näherten sich Schritte. Die harten Stiefelsohlen, die hier zur Fantasieuniform gehörten. Vor meinem Zimmer endeten die Schritte. Ich glaubte, das Atmen eines Menschen zu hören. Im nächsten Moment entfernten sich die Schritte wieder. Erneut war die Tür zu hören. Dann Stille.

Ich mußte grinsen. Meine Bezwinger bewiesen, daß sie ebenso mit Wasser kochten wie alle anderen in der Branche. Ich rechnete damit, daß sie das Schrittespiel wiederholen würden.

Ich sollte recht behalten. Noch ein halbes dutzendmal zogen sie es durch. Sie mußten mich für sehr zartbesaitet halten, wenn sie glaubten, meine Nerven auf diese Weise zum Flattern zu bringen.

Dann taten sie so, als hätten sie es sich plötzlich anders überlegt. Der Schlüssel knirschte im Schloß. Krachend flog die Tür auf.

Zwei Männer in Olivgrün stürmten nacheinander herein. Der eine schnellte nach links, der andere nach rechts. Beide verharrten breitbeinig, stupsnasige israelische UZI im Anschlag. Die Maschinenpistolen hatten einklappbare Schulterstützen aus Stahl. Handliche Waffen also, die man sich bequem unter den Arm klemmen konnte, die man aber auch leicht unter einer dicken Jacke oder einem Mantel verstecken konnte.

Als dritter trat der Untersetzte ein. Er verschränkte die Arme vor der Brust, zog geringschätzig die Mundwinkel nach unten und musterte mich von Kopf bis Fuß.

»Leisten Sie keinen Widerstand, Connolly!« sagte er zischelnd. »Der Commander will Sie sprechen. Sie haben ihn mit Sir anzureden. Und Sie tun gut daran, jede Frage sofort zu beantworten.«

»Ich hoffe, Ihr Commander überfordert mich nicht«, antwortete ich höflich und doch mit einem Anflug von Spott.

»Was soll ich machen, wenn ich eine Antwort schuldig bleiben muß?«

Mein Gegenüber tat, als Uberhöre er den Spott. Statt dessen starrte er mich stirnrunzelnd an. Ich wußte, warum. Zum erstenmal hörte er mich in zusammenhängenden Sätzen reden. Wenn ich gut genug gelernt hatte, hielt er mich von diesem Moment an nicht mehr für einen US-Bürger. Doch auf meine Frage ging er nicht ein.

»Vorwärts, marsch!« knurrte er nur und trat beiseite.

Seine beiden Handlanger trieben mich auf den Korridor hinaus. Ein Dutzend Türen weiter wurde ich in einen Raum gestoßen, der mich an vertraute Szenen aus Westernfilmen erinnerte. Ein Offiziersdienstzimmer wie aus der Zeit der Indianerkriege. Dunkelbraune Holztäfelung, Wimpel, Säbel und Karabiner als Zierde an den Wänden.

Die Fensterläden waren geschlossen. Der Mann hinter dem Schreibtisch saß im Lichtkreis einer Messinglampe. Graublaue Augen, kalt wie Gletschereis, musterten mich.

Die beiden Aufpasser bauten sich mit mir vor dem Schreibtisch auf. Drei Schritte Abstand, wie es sich in diesen Kreisen gehörte.

»Gefangener Connolly wie befohlen zur Stelle, Sir«, meldete der Untersetzte schnarrend.

Der Commander nickte und fuhr fort, mich zu betrachten. Da mir nichts anderes übrigblieb, tat ich umgekehrt dasselbe. Ich schätzte ihn auf Mitte 50. Er trug das rötlichblonde Haar kurzgeschoren, im schönsten amerikanischen Army-Stil. Sein kantiges Gesicht war von Sommersprossen gesprenkelt. Er war mittelgroß und durchtrainiert. Mit Übergewicht plagte er sich nicht herum. Wenn er in Hopeville bekannt war, so überlegte ich, dann mußte Milo auch in der Lage sein, etwas über diesen Mann in Erfahrung zu bringen.

»Ich bin Commander O’Keeffe«, sagte er unvermittelt. Seine Stimme klang wie Eisen, das geraspelt wurde. »Brendan O’Keeffe. Aber ich nehme an, das wissen Sie bereits, Connolly. Die Gegenseite kennt mich seit langem.«

Ich blinzelte verwirrt. Dann räusperte ich mich. »Ich muß darauf hinweisen«, sagte ich, »daß es sich hier um einen Irrtum…«

Er schlug mit der flachen Hand auf den Schreibtisch, daß es knallte. Ungewollt zuckte ich zusammen.

»Sie scheinen die Lage noch nicht ernst zu nehmen«, zischte er. »Das habe ich gleich an Ihrem Gesichtsausdruck bemerkt, Connolly… oder wie Sie heißen mögen.« Die Furchen in seinem Gesicht wurden zu dünnen Strichen. »Ausziehen!«

Ich zögerte nur eine Sekunde. Genug für den Kerl, der rechts von mir stand. Er schlug mir den MPi-Kolben in den Rücken. Ich stolperte vorwärts auf den Schreibtisch zu. Kein Schmerzenslaut drang über meine Lippen. Der andere packte rechtzeitig zu und zerrte mich zurück. Ich begann meine Sachen abzustreifen.

»Interessant, interessant«, sagte O’Keeffe mit dünnem Lächeln. Er hatte die Ellbogen aufgestützt und preßte die Fingerspitzen gegeneinander. »Hart im Nehmen, was, Connolly?«

Ich antwortete nicht darauf, sondern ließ das letzte Kleidungsstück zu Boden fallen. Die Bewacher schnappten sich meine Sachen, und der Rundgesichtige durchsuchte sie auf dem Besuchertisch.

O’Keeffe griff plötzlich in ein Behältnis, das neben ihm hinter dem Schreibtisch stehen mußte. Was er zutage förderte, war nichts anderes als meine Kamera mit der 2000-Millimeter-Kanone. Er legte das schwere Geschütz auf die Tischplatte und sah mich an.

»Meine Scharfschützen sind höllisch gut«, sagte er und tippte mit dem Zeigefinger auf das vordere Ende des Objektivs. Die Metallummantelung war dort eingedellt, und ein herausgerissenes Stück ragte hoch wie gefranster Blumenkohl.

Mir wurde alles klar. Sie hatten mich schon belauert, als ich mich noch unentdeckt geglaubt hatte. Auf ihrem Gelände und in seiner Umgebung kannten sie sich eben doch besser aus als jeder Fremde.

»Ein hoher Schaden«, sagte ich. »So ein Objektiv kostet…«

Er unterbrach mich mit einer Handbewegung. »Machen Sie sich doch nicht lächerlich,. Connolly! Hören Sie auf, mir eine Komödie vorzuspielen! Seit Sie sich in Hopeville aufhalten, wissen wir von Ihnen. Konnten Sie sich keine bessere Tarnung einfallen lassen? Den Fotografen kauft Ihnen doch kein Mensch ab! Wissen Sie überhaupt, wie man mit einer Kamera umgeht? Ich wette…«. Er tippte auf die Telekanone. »… sowas ist in Nordirland schwer aufzutreiben. Oder haben Sie’s erst hier in den Staaten besorgt? Könnte ja auch sein, daß Ihr Partner den Kleinkram für Sie erledigt hat. Hören Sie, Connolly, ich will jetzt die ganze Geschichte von Ihnen!«

Aus den Augenwinkeln heraus sah ich, daß der Untersetzte dem Commander Zeichen machte. Ich wußte, worum es ging. In meinen Sachen hatte er nichts gefunden, was Aufschluß über mich gab.' Keine weiteren Waffen, keine Papiere.

O’Keeffe nickte und wandte sich sofort wieder mir zu.

»Also gut«, sagte ich Und ließ meine Handflächen gegen die nackten Beine klatschen. »Meine Geschichte ist beileibe nicht so interessant, wie Sie vielleicht glauben.«

»Sir, heißt das!« bellte der Untersetzte hinter mir.

»Sir«, sagte ich gehorsam. »Mein Name ist James Connolly, und ich trage mit voller Absicht keine Papiere bei mir, weil ich natürlich mit Schwierigkeiten gerechnet habe. Ich bin Fotoreporter und freier Mitarbeiter der britischen Zeitung Observer, Ausgabe Nordirland. Der Kollege, der sich in Hopeville aufhält, ist der zuständige Redakteur.«

»Interessant«, sagte O’Keeffe mit spöttischem Grinsen. »Da haben Sie die ganz große Story ausgegraben, was? Und wie sind Sie drauf gekommen? Etwa durch Beziehungen?«

»So ist es, Sir.« Das letzte Wort betonte ich besonders.

»Aha.« O’Keeffe grinste noch breiter. »Aber Ihren Informanten können Sie natürlich nicht preisgeben. Habe ich recht?«

»Vollkommen, Sir. So verhält es sich tatsächlich.«

Er lehnte sich zurück und faltete die Hände auf der Schreibtischplatte. Sein Grinsen schwand.

»Ich habe verstanden, Connolly. Sie sind nicht zur Zusammenarbeit bereit. Jetzt hören Sie gut zu! Ob Sie sich absichtlich von meinen Leuten gefangennehmen ließen oder nicht — Ihre Rechnung und die Rechnung Ihrer Hintermänner wird in keinem Fall aufgehen. Über kurz oder lang werden Sie die Wahrheit sagen. Und eins schwöre ich Ihnen, Connolly: Sie werden sich wünschen, Nordirland nie verlassen zu haben. Vielleicht wünschen sie sich sogar, nie geboren worden zu sein.« Er hatte sich in Wut geredet. Sein Gesicht war verzerrt. Er preßte die Lippen aufeinander, als er schwieg.

Mit einer Kopfbewegung forderte er seine Leute auf, mich hinauszubringen. Einer von ihnen schnappte meine Sachen. Der andere bohrte mir den Stummellauf der UZI in den Rücken und trieb mich den Korridor entlang.

Der Untersetzte schleuderte die Kleidungsstücke hinter mir her. Dann war ich wieder allein mit der Neonröhre.

 

 

4

Ich fühlte mich wie gerädert, als ich aufwachte. Immer noch brannte dieses verdammte Neonlicht. Ich lag auf dem nackten Fußboden, spürte jeden einzelnen Knochen im Leib und hatte keine Ahnung, ob es Tag oder Nacht war. Vielleicht lief meine Armbanduhr noch. Aber das nützte mir nichts. Ich konnte nicht einmal das Ticken hören, denn meine Arme waren nach wie vor auf den Rücken gefesselt.

Die Erinnerung setzte ein. Ich brauchte mich nicht einmal anzustrengen, um Einzelheiten wachzurufen. Alles war noch taufrisch.

O’Keeffe, der Commander. Er war die zentrale Figur, um die sich alles drehte — zumindest hier im Camp.

Trotz meiner elenden Lage konnte ich mir ein Lächeln nicht verkneifen. Daran, daß ich Ire war, zweifelten weder O’Keeffe noch irgendeiner der anderen. Ich hatte erfolgreich gelernt. Den einstudierten Akzent kauften sie mir unbesehen ab. Ich sprach so, als hätte meine Wiege in Belfast gestanden. Den Lehrer, der mir das beigebracht hatte, hatte Mr. McKee vom CIA ausgeliehen. Die Geheimdienstler haben Spezialisten für alles — auch dafür, aus einem Ostküsten-Amerikaner einen Nordiren zu machen.

Stiefelsohlen dröhnten plötzlich wieder durch den Korridor. Diesmal spürte ich instinktiv, daß sie kein Nervenkitzelspiel mit mir vorhatten. Entschlossenheit klang aus den Schritten. Ich täuschte mich nicht.

Mit der aufschwingenden Tür segelte ein Packen olivgrüner Sachen herein. Ein Paar Stiefel polterte dumpf auf den Fußboden.

»Anziehen!« bellte der Untersetzte. »Du hast drei Minuten Zeit dafür, Connolly.«

Einer seiner Handlanger trat auf mich zu und stieß mich mit einem Fußtritt in Bauchlage. An einem plötzlichen Ruck stellte ich fest, daß er mir die Handfesseln mit einem Messer durchtrennte.

Gleich darauf ließen sie mich wieder allein. Ich wollte noch etwas sagen, wollte ihnen sagen, daß sie mir im Mondschein begegnen könnten, aber ich brachte nur ein heiseres Krächzen hervor. Meine Zunge lag pelzig und ausgedörrt im Mund. Von einem Frühstück konnte ich vorläufig nur träumen.

Ich rappelte mich auf. Das Prickeln in den Handgelenken ließ allmählich nach. Ich sah mir die Sachen an, die sie hereingeworfen hatten. Ein gesprenkelter Kampfanzug, olivgrün in verschiedenen Schattierungen, klobige Stiefel, ein Koppel, ein schwarzes Barett. Was zum Teufel sollte das? Wollten sie ihren Schabernack mit mir treiben? Nein. O’Keeffe war nicht der Mann, der mich aus Spaß in einen englischen Soldaten verwandeln ließ.

Ich streifte meine Sachen ab und zog das grüne Zeug an. Es war besser, es freiwillig zu tun. Denn andernfalls würden sie mich zwangsweise hineinstecken. Meine wiedererwachenden Kräfte wollte ich jedoch nicht gern vergeuden. Ich hatte die dumpfe Ahnung, daß meine Reserven schon sehr bald gefordert würden.

Gerade noch rechtzeitig schaffte ich es, in die Stiefel zu steigen und das Barett auf den Kopf zu stülpen. Wieder flog die Tür auf und krachte gegen die Innenwand. Wieder hatte der Untersetzte zwei Mann mitgebracht, die hereinfegten und mich mit schußbereiten UZI in Schach hielten.

Diesmal nickte er zufrieden. Irgendwie war mir sein Gesicht geläufig. Es muß wohl an meinem bildhaften Gedächtnis liegen, daß ich mir Fahndungsfotos gut einprägen kann. In diesem Fall schaffte ich es nur noch nicht, das Bild mit dem dazugehörigen Namen in Verbindung zu bringen.

»Vorwärts, marsch!« kläffte er und trat beiseite.

Willig ließ ich mich rumkommandieren. Langsam fing ich an zu begreifen. Mein Äußeres mußte in Belfast besondere Anziehungskraft haben — für geschleuderte Steine, für Molotow-Cocktails und für Kugeln von Heckenschützen. Ich erinnerte mich an einen Fernsehbericht über Nordirland und an das, was ich im Schulungsraum des New Yorker FBI mitgekriegt hatte.

Ich hatte diese Bilder von britischen Soldaten gesehen, die ständig in Bewegung waren, wenn sie Patrouille gingen. Nicht einen Sekundenbruchteil lang standen sie still. Ein Ziel, das sich bewegt, ist ein schwieriges Ziel.

Trotzdem gab es immer wieder Kugeln aus dem Hinterhalt, die trafen. Ich erinnerte mich an die Bilder von weinenden Witwen und Kindern auf einem englischen Army-Flugplatz, wo Särge aus einer Militärmaschine geladen wurden.

Eine unerklärliche Wut packte mich plötzlich in dieser Uniform, die ich mir nicht ausgesucht hatte. Aber ich verstand, wie man sich in dieser Uniform fühlte.

Sie führten mich auf einen Appellplatz, Im Karree zwischen den Baracken gelegen. Es war früher Morgen. Über den Baumwipfeln der Berge schwebte der Feuerball der aufgehenden Sonne im Osten. Nebelschwaden umgaben das Camp.

Commander O’Keeffe stand auf der Veranda seiner Baracke. Insgesamt vier Trupps waren vor ihm angetreten, alle einheitlich olivgrün, mit jeweils zwei Schritten Abstand voneinander. Ich schätzte jeden Trupp auf 20 Mann, also 80 insgesamt. Hatten sie sich freiwillig hierher gemeldet? Wurden sie unter Druck gesetzt und zur Ausbildung in diesem Camp gezwungen? Oder handelte es sich um untergetauchte Verbrecher wie Mulligan? Jede Menge Fragen, die ich nicht beantworten konnte. Noch nicht…

Mir blieb auch keine Zeit, unter den vielen Gesichtern Mulligan zu erspähen. Meine Bewacher trieben mich vor die Veranda.

»Nehmen Sie Haltung an, Mann!« brüllte mich der Untersetzte von der Seite an.

»Keine Ahnung, wie man das macht«, sagte ich achselzuckend. »Ich habe nämlich nicht gedient.«

Den Luftzug der Faust, die zuschlagen wollte, spürte ich schon. Aber O’Keeffe schüttelte kaum merklich den Kopf. Er stand breitbeinig dort oben, die Hände in die Hüften gelegt. Gnädig blickte er auf mich herab.

»O’Leary«, sagte er, »machen Sie sich fertig zum Einsatz!« Seine Stimme klang ruhig und beinahe gelangweilt. Er wirkte ganz wie der Offizier, der schon so viel Autorität ausstrahlt, daß er es nicht mehr nötig hat, noch einen schneidigen Ton anzuschlagen.

»Jawohl, Sir«, antwortete der Untersetzte um so zackiger, und nach einer Kehrtwendung stiefelte er los.

O’Leary! Da hatte ich den Namen. Fess O’Leary. Auf der Liste der zehn Meistgesuchten stand er nicht. Mit Mulligans Kaliber konnte er sich nicht messen. Aber wenn ich mich nicht irrte, wurde O’Leary ebenfalls in mehreren Bundesstaaten gesucht. Seine Vorstrafenlatte war lang. Sie reichte vom Diebstahl bis zum Mord. Einmal hatte er einen Tankwart erschossen, der nicht gleich die Tageseinanhme herausgerückt hatte.

Nur mit halbem Ohr hörte ich hin, als O’Keeffe sich von den einzelnen Truppenführern die Vollzähligkeitsmeldungen erstatten ließ. Trupp 1 wurde in den Umkleideraum geschickt, und die anderen erhielten Befehl, Dienst laut Dienstplan durchzuführen. Militärischer ging es kaum noch. Erstaunlich nur, daß Typen wie O’Leary sich in einen so starren Tagesablauf zwängen ließen. Es mußte für sie dabei etwas herausspringen. Und es konnte sich nicht nur darum handeln, daß sie als routinierte Killer nach Nordirland geschickt wurden. Dahinter steckte mehr!

Doch das Vordergründige war erschreckend genug. Dieser O’Keeffe und die Geldgeber, die vermutlich hinter ihm standen, waren skrupellos. Ihr Ziel konnte nichts anderes sein, als den Terror in Nordirland zum Bürgerkrieg anzuheizen. Und als Mittel zum Zweck verwendeten sie Verbrecher, die vom FBI gesucht wurden.

Dies war ein Gesichtspunkt, den wir bei unseren Überlegungen gar nicht berücksichtigt hatten. Wie sollten wir auch? Es war zu ungeheuerlich, was hier vorging. Für uns hatte es sich nur um Mulligan gedreht. Wir hatten geglaubt, daß die anderen fehlgeleitete, doch im Grunde harmlose Patrioten wären. Wir hatten uns getäuscht. Ich hatte das Gefühl, daß ich Milo Tucker und John D. McKee über meine neuen Erkenntnisse informieren mußte.

O’Keeffes spöttische Stimme riß mich in die Wirklichkeit zurück.

»Connolly, Sie haben jetzt die Ehre, einen wesentlichen Bestandteil unseres Trainingsprogramms zu bilden. Wenn Sie allerdings abbrechen möchten, falls Ihnen nach Reden zumute ist, dann müssen Sie es nur laut genug sagen. Ich stehe Ihnen jederzeit für ein Gespräch unter vier Augen zur Verfügung.«

»Danke für die Aufmerksamkeit«, sagte ich mit einer angedeuteten Verbeugung.

Er Uberhörte den Spott in meiner Stimme nicht. Einen Atemzug lang sah es aus, als würde er explodieren. Doch dann blies er nur die Luft durch die Nase und grinste. »Ihre Überheblichkeit wird Ihnen noch vergehen, Connolly. Darauf können Sie Gift nehmen.«

Einer Antwort wurde ich enthoben. Hinter mir knarzten Schritte heran. Ich wandte den Kopf halb nach rechts. Über die Schulter eines meiner Aufpasser hinweg erblickte ich O’Leary. Er trug die gleiche Uniform wie ich. Außerdem hatte er zwei hölzerne Attrappen von Schnellfeuergewehren bei sich.

»Jetzt dürfen Sie Krieg spielen«, sagte O’Keeffe mit sichtlichem Vergnügen. Im nächsten Moment trat ein eisiger Zug in seine Miene. »Was in Nordirland läuft, ist nämlich nichts anderes als Krieg. Es kommt nur darauf an, daß wir ihn gewinnen. Haben Sie verstanden, Connolly? Die Männer, die Ihre Uniform tragen, haben keine Chance. Auch die nicht, die mit Ihresgleichen gemeinsame Sache machen. Sie werden es gleich erleben. Versuchen Sie, sich Ihrer Haut zu wehren!« Ich erwiderte nichts darauf. Das Funkeln in O’Keeffes Augen sagte mir alles. Dieser Mann war ein Fanatiker. Durch nichts und niemanden würde er sich jemals belehren lassen.

O’Leary warf mir eine der Gewehrattrappen zu. Notgedrungen fing ich das Ding auf. Es war federleicht. Irgend eine besondere Holzart, nicht einmal als Knüppel brauchbar, um sich damit zur Wehr zu setzen.

O’Leary verständigte sich mit O’Keeffe durch einen Blick.

»Vorwärts, marsch!« brüllte der Untersetzte und zeigte mit ausgestrecktem Arm auf eine Gasse zwischen zwei Baracken. Dieser Befehl schien seine Lieblingsredewendung zu sein. Vielleicht war es das erste Mal in seinem Leben, daß er andere durch die Gegend scheuchen durfte.

Wir erreichten den Anfang der aus Holz und Pappe nachgebauten Straßenzüge von Belfast. Alles war täuschend echt imitiert. Da schien Putz von den Fassaden zu bröckeln. Da lagen leere Limonaden- und Bierdosen im Rinnstein, als hätte sie eben gerade jemand weggeworfen. Da standen Hydranten, die offenbar nur darauf warteten, von einer übermütigen Horde Halbwüchsiger aufgedreht zu werden. Jemand vom Fach mußte O’Keeffe und seine Freunde unterstützt haben. Kein Bühnenbildner in Hollywood hätte es besser zustandegebracht. »Paß auf, Amigo!« sagte O’Leary mit falscher Freundlichkeit und baute sich vor mir auf. »Das Wichtigste hast du wohl schon kapiert. Wir beide sind Engländer. Soldaten. Und wir laufen Streife in Belfast. Du gehst auf der linken Straßenseite, ich auf der rechten. Wenn einer an einer Ecke stehenbleiben muß, gibt ihm der andere Feuerschutz. Wir sind dauernd in Bewegung. So wie’s die Britenhunde auch machen. Klar?«

»Klar«, nickte ich und spielte den Arglosen. Indessen zweifelte ich nicht daran, daß sie eine Teufelei mit mir vorhatten.

»Dann mal los!« O’Leary grinste in Vorfreude.

Die beiden Männer mit den Maschinenpistolen blieben zurück. Sie wurden nicht mehr benötigt. Wahrscheinlich wurden wir längst aus den Verstecken hinter den Pappmachéwanden belauert. Ich konnte also ohnehin keine falsche Bewegung machen, ohne sofort überwältigt zu werden.

O’Leary, die Gewehrattrappe in der Armbeuge, bewegte sich mit tänzelnden Schritten auf dem Bürgersteig gegenüber. Immer wieder linste er zu mir — lauernd, wie mir schien.

Fünf Schritte schaffte ich unbehelligt. Dann plötzlich hörte ich ein Geräusch von irgendwo hinter der Pappbretterwand. Ich ruckte herum und spähte. Doch die Fenster und Türen, die so echt aussahen, täuschten. Viel weiter links schnellten die Angreifer aus einer Lücke hervor. Wilde Gestalten. Abgerissene Kleidung und wütende Gesichter. Drei Mann waren es.

»Fahr zur Hölle, Bastard!« brüllte einer.

Ich duckte mich. Ich versuchte den Angriff einzuschätzen. Im selben Moment flogen auch schon die Steine. Mauerziegel, die sie in handliche Stücke zerschlagen hatten. Ich schnellte zur Seite weg und wich aus, so gut es ging.

Doch ein Wurfgeschoß traf mich an der rechten Hüfte. Wildes Freudengejohle setzte ein, als ich ins Stolpern geriet. Aber ich fand mein Gleichgewicht in der Straßenmitte wieder.

»Deckung, Connolly!« brüllte O’Leary. »Deckung, Mann! Ich gebe dir Feuerschutz!«

Ich zerbiß einen Fluch auf den Lippen und achtete nicht auf ihn. Von Anfang an hatte O’Keeffe nicht im Traum daran gedacht, die Wirklichkeit nachspielen zu lassen, wie es wahrscheinlich sonst zur sogenannten Ausbildung gehörte. O’Leary hätte die Angreifer längst kampfunfähig schießen müssen, und es hätte ein Schiedsrichter zur Stelle sein müssen, der Übereifrige in die Schranken wies.

Nichts dergleichen.

O’Keeffe ließ die vorhandenen Mittel nutzen, um mir zu beweisen, daß er mich wie eine Laus zerquetschen konnte, wenn er wollte.

Die drei Angreifer sammelten neue Steine.

Ich suchte nun tatsächlich nach Deckung. Ein völlig nutzloses Bemühen. Hauseingänge, die keine waren, Torwege aus schwarzer Pappe und Hydranten aus Styropor boten keinen Schutz.

Neue Schritte wurden laut. Ich wirbelte herum. Ein ganzer Pulk von martialisch aussehenden Untergrund-Iren stürmte heran. Drei gingen zum Schein auf O’Leary los, der nun natürlich alle Hände voll zu tun hatte und mir keinen Feuerschutz geben konnte.

Die anderen, sieben oder acht, bildeten eine Front. Die ersten griffen unter Jacken und Pullover. Ihre Gesichter waren haßverzerrt. Knüppel kamen zum Vorschein. Selstgebastelte Totschläger.

Ich erstarrte. Dies war keine Übung mehr, keine Ausbildung zum Terrorismus. Dies war bitterer Ernst. Was, zum Teufel, hatte O’Keeffe ihnen erklärt? Daß ich ein nordirischer Bastard von der Gegenseite war, dem sie das Fell über die Ohren ziehen sollten?

Ein harter Schlag traf mich in den Rücken. Zwei weitere Steine zischten an mir vorbei. Ich unterdrückte einen Schmerzensschrei, konnte aber nicht verhindern, daß ich mich krümmte. Freudengeheul erscholl.

Ich wich zur Seite weg und ging rückwärts. Aber der Umklammerung konnte ich nicht entgehen. Von rechts nahten die Steinewerfer, jetzt mit bloßen Fäusten. Von links kam die Totschlägermeute. Und O’Leary balgte sich feixend mit den anderen, die vor lauter Vergnügen auch noch Gelächter anstimmten.

Ich wurde das Gefühl nicht los, daß O’Keeffe irgendwo in sicherem Hintergrund stand und das Geschehen genüßlich beobachtete.

Auf dem Weg zur Bordsteinkante hatten sich Wut und Entschlußkraft in mir aufgebaut. Noch machte ich auf Rückzug und spielte den Ängstlichen. Aber unauffällig hatte ich mir bereits einen Kerl herausgesucht. Es war der Vierte von links. Ein grobschlächtiger Bursche, einen halben Kopf größer als ich, rothaarig und mit eingedellter Nase zwischen tückisch funkelnden Augen. Seine Waffe war ein unterarmlanger Hartholzknüppel mit Lederschlaufe. Grinsend ließ er den Knüppel rotieren.

Jäh stoppte ich meinen Rückzug.

Die Steinschleuderer reagierten als erste. Noch drei Schritte entfernt, stürmten sie mit doppeltem Tempo auf mich los.

Ich fegte mit einem Satz nach links auf den rothaarigen Hünen zu. Er hörte auf, den Knüppel zu wirbeln und packte die Schlagwaffe mit klobiger Faust. Gleichzeitig ging ein Ruck durch die Front der anderen. Ein Halbkreis bildete sich um mich.

Noch eine Sekunde, und ich befand mich mitten im Getümmel. Ich ließ meine Beinmuskeln explodieren. Wie von einer Stahlfeder abgefeuert, schnellte ich dem Rothaarigen entgegen.

Er riß den Knüppel hoch. Er hatte jetzt endgültig begriffen, daß er mein Auserwählter war. Aus der rasenden Bewegung heraus tauchte ich vor ihm weg. In der winzigen Zeitspanne sah ich noch die plötzliche Enttäuschung in seinem Gesicht. Denn schon im Zuschlagen erkannte er, daß er mich verfehlen würde.

Ich zog den Kopf ein. Mit der rechten Schulter rammte ich im Fallen gegen seine Schienbeine. Was sich in diesem Sekundenbruchteil abspielte, kriegte ich nicht mit. Jemand brüllte vor Entsetzen. Ob es der Rothaarige war, wußte ich nicht.

Im selben Atemzug war der sausende Hieb zu hören. Ein trockener, dumpfer Laut. Wildes Geschrei. Der Hüne kippte über mich hinweg mitten ins Gedränge hinein. Das Stimmengewirr wollte nicht auf hören.

Ich schlitterte ein Stück über den rauhen Asphalt. Dann rollte ich mich geistesgegenwärtig ab, kam federnd auf die Beine und kreiselte herum.

Erstaunlicherweise interessierten sie sich nicht mehr für mich. Sie beugten sich über jemand, der auf dem Boden lag. Aufgeregtes Gestikulieren. Gebrüllte Vorwürfe. O’Leary und seine Partner hatten ihre Rangelei eingestellt. Der Untersetzte rannte auf mich los.

»Rühr dich nicht vom Fleck, Connolly!« schrie er. »Was zum Teufel geht hier vor?«

Keiner antwortete. Keiner beachtete ihn. Und ich handelte geistesgegenwärtig. Sechs Meter waren wir noch auseinander. Und O’Leary verringerte den Abstand noch. Aus dem Stand sprintete ich auf ihn los.

»Bist du ver…« entfuhr es ihm. Mehr brachte er nicht hervor. Mit einer hastigen Handbewegung griff er unter seine Kampfjacke. Auch das war zu spät.

Im Sprung ließ ich meine rechte Handkante herabsausen. Er schrie gellend, als ich sein Handgelenk traf. Augenblicklich hing der Arm schlaff herab. Noch zweimal blitzschnell hintereinander schlug ich zu. O’Leary sackte in sich zusammen, ohne einen weiteren Laut von sich zu geben.

Die drei anderen hatten ihre Schritte gestoppt. Nur einen Moment lang stutzten sie. Sie zögerten, weil es ihnen unfaßbar schien, was sich abspielte. Dieses Zögern genügte mir. Ruckartig griff ich unter die Jacke des Bewußtlosen und brachte eine schwere Armeepistole zum Vorschein. Modell Colt Government, Kaliber 43 ACP. Es schien die bevorzugte Waffe in diesen Kreisen zu sein. Mit geübtem Griff lud ich durch und entsicherte. Das metallische Kläcken ließ die Kerle zusammenzucken.

Erst jetzt entwirrte sich die Menschentraube nach und nach. Ich sah den Rothaarigen, der sich kreidebleich auf rappelte. Vor ihm lag einer der drei, die mich mit Steinen beworfen hatten. Der Schädel des Mannes war zertrümmert. Der Totschlägerhieb, der mir zugedacht gewesen war, hatte ihn getötet.

Ich zögerte keinen Atemzug lang. Ich schwenkte die Waffe herum und jagte einen Warnschuß über ihre Köpfe hinweg. Dumpf dröhnend hallte er zwischen den Holz- und Pappwänden.

Details

Seiten
124
Jahr
2020
ISBN (eBook)
9783738941661
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v904904
Schlagworte
mörder schule trevellian

Autor

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Titel: Trevellian und die Schule der Mörder