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Trevellian, Sharon und die Dollar-Haie

2020 125 Seiten

Leseprobe

Table of Contents

Trevellian, Sharon und die Dollar-Haie

Copyright

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Trevellian, Sharon und die Dollar-Haie

Krimi von Horst Friedrichs

 

Der Umfang dieses Buchs entspricht 125 Taschenbuchseiten.

 

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books, Alfred Bekker, Alfred Bekker präsentiert, Casssiopeia-XXX-press, Alfredbooks, Uksak Sonder-Edition, Cassiopeiapress Extra Edition, Cassiopeiapress/AlfredBooks und BEKKERpublishing sind Imprints von

Alfred Bekker

© Roman by Author

© COVER FIRUZ ASKIN

© dieser Ausgabe 2020 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

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1

Ein himmelblauer Pontiac bog auf den Parkplatz ein. Beim Herumschwenken blitzte das Chrom im späten Sonnenlicht.

Raymond Bowers hob den Kopf. Er starrte über die Sprechschlitze der Kassenbox hinweg. Durch die großen Fenster konnte er den gesamten Vorplatz überblicken.

Draußen wurden die Wagentüren aufgestoßen. Bowers kannte das Auto nicht. Kein Bankkunde aus Austinville fuhr einen so alten Schinken.

Sekunden vergingen, ehe sie ausstiegen.

Natürlich, dachte Bowers, erst überzeugen sie sich, daß ich allein bin. Er staunte über sich selbst, wie wenig überrascht er war.

Zwei Männer. Turnschuhe, Jeans, Armyjacken. Die schwarzen Strickstrümpfe mit Augenlöchern hatten sie schon über den Kopf gezogen, als sie ins Freie sprangen.

Wieder staunte Bowers über sich selbst — diesmal, weil er blitzschnell reagierte. Mit wenigen Handgriffen warf er ein paar Packen Dollarbündel in den Papierkorb. Dann zerknüllte er fünf Einzahlungsbelege und ließ sie auf das Geld fallen.

Scheinbar gedankenverloren nahm Bowers einen Schnellhefter und ging hinüber in den Schalterraum.

Die Maskierten erreichten den Eingang, federnd und mit langen Sätzen.

Krachend flog die Schwingtür gegen die Innenwand.

Bowers zuckte zusammen und fuhr herum. Er brauchte das Erschrecken nicht zu spielen. Wie ein brennender Schmerz breitete es sich jäh in seiner Magengegend aus. Augenblicklich traten Schweißperlen auf seine Stirn. Er spürte das Zucken seiner Mundwinkel und konnte doch nichts dagegen tun.

»Überfall!« brüllte einer der Maskierten. Geduckt hastete er auf den Bankschalter zu, als müsse er mit einem Gegenangriff rechnen. Seine Pistole hielt er mit ausgestrecktem Arm im Anschlag.

Der andere war mit einem Satz zur Seite gesprungen und verharrte breitbeinig beim Eingang. Deutlich war zu erkennen, daß sein Zeigefinger am Abzug der Maschinenpistole lag. Eine gedrungene Waffe, kein amerikanisches Fabrikat.

Der mit der Pistole beugte sich über den Schalter.

Nicht mehr als eine Handbreite war die Laufmündung von Bowers’ Gesicht entfernt. Er stand wie gelähmt und wagte nicht, sich zu rühren. Grelle Angst marterte seine Sinne und ließ vor seinem geistigen Auge das grauenhafte Bild entstehen, wie großkalibrige Kugeln aus nächster Nähe seinen Kopf zerschmetterten.

Eine höhnische innere Stimme lachte schadenfroh über ihn, den Mutigen und Eiskalten, der er vor einer Minute noch zu sein geglaubt hatte.

Wildheit und Entschlossenheit lag in den jettschwarzen Augen, die ihn durch die Sehlöcher der Maske anfunkelten. Der Gangster klatschte eine Plastiktüte auf den Schaltertisch.

»Pack ein, Dicker! Los, los, beweg dich! Nur Papiergeld! Keinen Klimperkram!«

Der zischende Klang der Stimme ließ Bowers erneut zusammenzucken. »…ja, so… sofort«, hörte er sich selbst stammeln. Seine Hand zitterte, als er langsam und wie in Trance nach der Plastiktüte griff.

»Beweg dich!« brüllte der Maskierte.

Für Bowers war es, als hätte ihn ein Peitschenhieb getroffen. Mit eingezogenem Kopf eilte er auf die Kassenbox zu. Himmel, wie hatte er sich nur einbilden können, eine solche Sache völlig cool durchzuziehen. In Wirklichkeit in eine Waffenmündung zu blicken, war etwas ganz anderes, als es sich vorzustellen — so, wie man es aus der Flimmerkiste kannte.

Und wenn er jetzt die Tür zur Kassenbox zuknallte? In Sicherheit hinter dem Panzerglas, Alarmknopf drücken…

Seine panikartigen Gedanken wurden durch einen dumpfen Laut abgeschnitten. Im Laufen sah er sich um. Der Gangster war über den Schalter geflankt und folgte ihm.

Aus der Traum! Bowers dachte an den Papierkorb, und sein Herzschlag steigerte sich zu einem Hämmern. Warum, in aller Welt, hatte er bloß diesen Blödsinn gemacht? Wenn der Kerl es sah, riß ihm vielleicht der Faden, und dann…

Mit fahrigen Bewegungen zog Bowers die noch vorhandenen Banknotenbündel aus den Kunststoffächern und stopfte sie in die Tüte. Er zwang sich, nicht zu dem Papierkorb zu blicken, der unauffällig in der Ecke neben der Tür stand.

Das letzte Bündel mit Banderole fiel in die Tüte. Bowers stopfte auch die losen Geldscheine hinein und sah, wie der Maskierte zufrieden nickte.

Bowers konnte es nicht fassen. Waren die Kerle tatsächlich zufrieden mit nur…?

Eine blitzartige Bewegung des Gangsters löschte sein Bewußtsein aus. Bowers’ letzte Wahrnehmung war ein herabsausender Pistolenlauf. Schmerz explodierte und stürzte ihn in eine endlos schwarze Tiefe.

 

 

2

Etwas kitzelte. Und roch nach süßlicher Chemie. Bowers brauchte eine Ewigkeit, um zu begreifen, was es war. Er lag mit der Nase auf dem Teppichboden. Letzte Woche hatten die Reinemachefrauen dieses Reinigungszeug eingebürstet, und die ganze Bank hatte drei Tage lang danach gestunken.

Der Schmerz dröhnte in seinem Schädel. Er brauchte unendliche Willenskraft, um sich auf den Rücken zu wälzen, damit das Kitzeln und der verdammte' Geruch aufhörten. Bowers horchte auf seinen Atem und wartete darauf, daß der Schmerz ausklang.

Erst jetzt setzte die Erinnerung ein — so schlagartig, daß sein Herz in wilden Doppelsprüngen zu hüpfen begann. Gleichzeitig vervielfachte sich der Schmerz. Er hatte das Gefühl, daß sein Kopf jeden Moment zerspringen müßte.

Doch die aufwallende Panik weckte seine Entschlossenheit. Um Himmels willen, wenn jetzt jemand auftauchte und das Geld im Papierkorb fand! Oder hatten die Gangster es doch mitgenommen?

Stöhnend richtete er sich halb auf. -Im Sitzen schob er sich auf den Korb zu und fetzte die zerknüllten Einzahlungsbelege weg. Dann schloß er in freudiger Dankbarkeit sekundenlang die Augen.

Das Geld war noch da.

Raymond Bowers vergaß Schmerzen und Nervenqual. Das Ziel, das ursprüngliche Ziel, war plötzlich wieder zum Greifen nahe. Menschenskind, er hatte eben doch alles richtig überlegt! Jetzt durfte es nicht noch in letzter Minute scheitern.

Er rappelte sich auf. Er überzeugte sich, daß die kleine Schalterhalle und der Parkplatz leer waren. Eile war dennoch geboten. Er packte den Papierkorb, fingerte nach seinen Türschlüsseln und verließ das Gebäude durch den Hinterausgang. Sein Wagen stand an der Rückseite des Flachbaus auf dem einzigen Personal-Parkplatz.

Abermals an diesem Tag mußte Bowers über sein Verhalten staunen. Seine Hände zitterten nicht einmal, als er den Kofferraum öffnete, die Bodenabdeckung hochhob und die Geldbündel durch das Felgenloch des Reserverads stopfte. Auf seine wiedergewonnene Ruhe konnte er wahrhaftig stolz sein.

Nachdem erden Kofferraumdeckel zugeklappt und verriegelt hatte, ging er in die Schalterhalle zurück, stellte den Papierkorb an seinen Platz und betätigte den Alarmknopf. Dann nahm er den Telefonhörer ab und rief die örtliche Polizeidienststelle an, um den Cops Einzelheiten durchzugeben. So brauchten sie nicht mehr damit zu rechnen, daß sie die Bank mit Waffengewalt stürmen mußten.

Bowers betastete die schwellende Beule über seiner Stirn.

Seine Schilderung des Überfalls würde sehr glaubhaft klingen.

 

 

3

Ich unterdrückte das Verlangen, mir eine Zigarette anzustecken. Möglich, daß Bruce Fontana Nichtraucher war. Dann würde er mißtrauisch schnuppern, sobald er seine Wohnungstür öffnete.

Obwohl ich damit kaum noch rechnete.

FBI-Agenten sind geduldige Leute, wie alle anderen Polizeibeamten auch. Aber unsereiner hat auch einen gewissen Instinkt. Das Ergebnis der vielen Berufsjahre. Und nach zweieinhalb Stunden in Fontanas schäbiger Bude an der Eighth Avenue sagte mir der Instinkt, daß es langsam keinen Zweck mehr hatte.

Es ging auf fünf Uhr morgens zu. Wahrscheinlich horchte unser Mann fremde Matratzen ab. Nach den Archivfotos zu urteilen, war er durchaus der Typ, dem ein Girl für eine Nacht Unterschlupf gewährte. Mit Kußhand.

Und ich hockte in einem knarrenden Sessel, den Fontana garantiert aus dem Sperrmüll gefischt hatte. Inzwischen kannte ich sämtliche Eheprobleme der Wohnungsinhaber von nebenan. Die Wand in meinem Rücken mußte dünn wie Pappe sein. Das Gezeter und Gebrüll war mir zur vertrauten Geräuschkulisse geworden. Er und sie hatten offenbar nicht vor, ihren Zwist vor Tagesanbruch zu beenden. Ich gewann die Erkenntnis, daß man in den 30er Jahren auch keine solideren Wände gebaut hatte als heutzutage.

Ich zog das Walkie-talkie aus der Jackentasche und drückte die Sendetaste.

»Alpha von Bravo«, sagte ich halblaut. »Bitte kommen!«

»Bravo von Alpha«, schnarrte es zurück. »Over.«

Mein Freund und Kollege hörte sich kein bißchen müde an. Eher unternehmungslustig. Dabei hatte er es nicht einmal gemütlicher — im neutralen Dienstwagen drüben auf der anderen Straßenseite. FBI-Fahrzeuge haben keine Standheizung, und die Nächte waren noch recht kühl.

»Mir ist nach Abblasen zumute«, sagte ich.

»Im Ernst? Sei nicht so ungeduldig, Alter! Geben wir ihm noch eine halbe Stunde! Wenn sich dann nichts tut, machen wir von Brief und Siegel Gebrauch. Okay?«

»Okay.« Ich atmete tief durch. »Over und Ende.« Ich legte das Funkgerät weg. Draußen würde es bald hell werden. Das erste Grau kroch durch den schmuddligen Fenstervorhang von Fontanas Ein-Zimmer-Bleibe.

Natürlich hatten wir einen Durchsuchungsbefehl. Ohne die richterliche Order hätte uns Fontanas Anwalt aus der nächtlichen Warteaktion kaltlächelnd einen Strick gedreht. Wie die Dinge aber standen, hatte der Hausmeister korrekt gehandelt, als er mich eingelassen und die Tür hinter mir wieder abgeschlossen hatte.

Fontana war ein gewiefter Bursche, trotz seines fast jugendlichen Alters. Ihn in seiner gewohnten Umgebung zu erwischen, war fast unmöglich. Wenn wir einen Instinkt besaßen, dann hatte er eine Antenne. Tauchte in seinen Stammkneipen jemand auf, dessen Nasenspitze auch nur im entferntesten nach Polizei aussah, dann entwickelte er blitzartig das Talent, sich in Luft aufzulösen. Deshalb hatten wir beschlossen, mit Hilfe des Durchsuchungsbefehls einen angemessenen Empfang in die Wege zu leiten.

Kreuzte Fontana nicht auf, mußten wir uns darauf beschränken, seine Bude zu durchstöbern.

Nebenan gab es einen klatschenden Laut und einen spitzen weiblichen Schrei. Im selben Moment flackerte das Lämpchen des Walkie-talkie auf. Ich griff mir das Gerät. Es fehlte noch, daß ich den rettenden Engel spielen mußte, bevor das zankende Paar den letzten Ausweg in Mord und Totschlag suchte!

»Alpha von Bravo«, meldete ich mich.

»Zwei Figuren betreten den Hauseingang«, sagte Milo Tucker. »Keiner von beiden ist unser Mann.«

»Verstanden. Over und Ende.« Ich stopfte das Walkie-talkie in meine Jackentasche und erhob mich aus dem Sessel, der ein erleichtertes Knarren von sich gab. Trotz der Dunkelheit fand ich geräuschlos meinen Weg. Ich kannte Fontanas vier Wände lange genug. Hinter einem Vorhang zu einem engen Nebengelaß bezog ich Stellung.

Schritte waren jetzt aus dem Treppenhaus zu hören. Wenn Milo es für angebracht hielt, die beiden spätnächtlichen Besucher anzukündigen, dann mußte er eine bestimmte Ahnung haben.

Nebenan wurde es still. Versöhnung?

Die Schritte näherten sich eilig und ungedämpft. Heimlichtuerei schienen die beiden Typen nicht im Sinn zu haben. Ein jäher Verdacht keimte in mir auf. Wenn sie es tatsächlich auf Fontanas Bleibe abgesehen hatten — wußten sie, daß sie freie Bahn haben würden?

Die Schritte stoppten. Ein Schlüssel schabte metallisch. Leises Quietschen verriet, daß die Wohnungstür aufschwang.

Ich spannte die Muskeln an.

Licht flammte auf.

»Schließ wieder ab!« sagte eine dumpfe Stimme. »Wollen doch unter uns sein, was?«

Der andere lachte glucksend. Das Schlüsselgeräusch verkündete,'daß er gehorchte.

Ich unterdrückte einen Fluch. Als Eingreifreserve hatte Milo schlechte Karten. Vorsichtig bewegte ich den Kopf nach rechts und spähte durch den Spalt, den der Vorhang freiließ.

Augenblicklich begriff ich Milos Mißtrauen. Die beiden Kerle sahen aus wie aus dem Mülleimer gezogen. Ohne lange zu fackeln, nahmen sie sich Fontanas Mobiliar vor. Es sah fachmännisch aus, wie sie die Schubladen herausrissen und entleerten — so, als hätten sie den profihaften Blick für das Wesentliche.

Der eine war ein Schwarzer. Große Wuschelmähne und drahtiger Körperbau. Seine Jacke leuchtete mit gelben und blauen Streifen. Unter den engen Jeans hatten die hochgeschnürten Sportschuhe das Format von Armeestiefeln.

Sein Kompagnon, breit und untersetzt, wühlte den Inhalt einer Kommode auf den Fußboden. Alles an ihm wirkte fettig — das strähnige Haar, die bleiche Gesichtshaut und die zerknautschte Parka, die ihm bis an die Kniekehlen reichte.

Milo mußte bereits im Anmarsch sein. Zum Zögern hatte ich keine Zeit. Ich griff unter mein Jackett. Das Griff stück des Smith and Wesson war kühl. Leise knarrte das Leder der Schulterhalfter, als ich sie vopi Stahl befreite.

Die beiden Stöberer waren ganz in Fortanas Habseligkeiten vertieft.

Mit der Linken schleuderte ich den Vorhang beiseite, ließ meine Beinmuskeln federn und war mit einem Satz mitten im Raum.

Das Klirren der Vorhangösen traf die Kerle wie ein Hieb aus dem Nichts. Der Wuschelkopf reagierte einen Sekundenbruchteil schneller als sein Komplice. Er faltete sich zusammen und ging in die Waagerechte.

Mein 38er flog hoch. Beidhandanschlag.

»FBI!« brüllte ich. »Keine Be…« Weiter kam ich nicht.

Der Fettige warf sich nach rechts. Noch in der Bewegung zuckte seine Rechte unter die Parka.

Im selben Moment hatte sich der andere auf dem Fußboden herumgerollt. Aus der Bauchlage heraus ruckten seine Arme nach vorn. Der klobige Lauf einer Automatik zeigte schräg zu mir hoch.

Ich hatte keine Wahl. Ich senkte den 38er blitzartig und zog durch. Das scharfe Bellen vervielfachte sich in den vier Wänden und stach schmerzhaft auf die Trommelfelle. Durch den grellen Mündungsblitz sah ich, wie es dem Wuschelkopf den rechten Arm nach hinten riß.

Er schrie auf. Die Automatik fiel aus den Fingern wie ein viel zu schwerer Eisenklumpen.

Mit einem Schritt schnellte ich nach links und schwenkte den 38er in die entgegengesetzte Richtung.

Über der Armlehne der Couch blitzte es auf. Der Schuß krachte dumpf. Automatikpistolen klingen anders als kurzläufige Revolver.

Ich spürte den sirrenden Hauch der Kugel.

Und feuerte in den versiegenden Blitz hinein.

Nichts…

Der Fettige hatte sich schnell genug zurückgezogen.

Im Treppenhaus dröhnten rasante Schritte.

Mit einem erneuten Sprung wechselte ich meine Position. Ein Fußtritt von mir beförderte die Automatik des Wuschelkopfs außer Reichweite. Er wälzte sich stöhnend auf dem Boden und umklammerte den blutenden rechten Oberarm mit der gesunden Linken.

»Gib auf!« rief ich schneidend in Richtung Sofa. Geduckt und breitbeinig hatte ich den Smith and Wesson bereits wieder im Combat-Anschlag.

Die Schritte jagten heran. Ein dumpfer Aufprall! Das Türholz löste sich splitternd und berstend aus dem Rahmen und spie meinen Kollegen als wirbelnden Schatten in den Raum. Wie katapultiert fegte er über das Durcheinander der ausgeräumten Schubladen hinweg und rollte sich ab.

Der Fettige geriet in Panik. Er feuerte in meine Richtung und sprang hinter der Couch auf Er wollte zum Fenster hin weg.

Irgendwo klatschte die Kugel gefahrlos in die Wand.

Aus dem Hochfedern heraus setzte Milo nach. Ein kurzer, trockener Hieb beendete alle Hoffnung des Fettigen. Die Feuerleiter war unerreichbar fern. Er sackte in sich zusammen, ohne noch einen Ton von sich zu geben.

Ich schob den 38er in die Halfter und rief das nächste Polizeirevier an. Die Kollegen wußten über unseren Einsatz Bescheid. Ambulanzwagen, Radio Car und Spurensicherer waren alles, was wir brauchten.

Milo setzte den Bewußtlosen auf die Couch. Dann kümmerten wir uns gemeinsam um den Verwundeten. Wie es aussah .hatte er einen glatten Durchschuß erwischt. Nichts, was ihn umbringen würde.

»Mistbullen!« ächzte er, als sich das Sirenengeheul in den Straßenschluchten näherte. »Fontana kriegt ihr sowieso nicht mehr, ihr Hunde!«

Milo und ich wechselten einen Blick. Den Gedanken an den Feierabend konnten wir aufgeben. Wir mußten uns die beiden im Vernehmungszimmer vorknöpfen. Was sie über Bruce Fontana wußten, durften sie nicht für sich behalten.

 

 

4

Ein sanfter Morgenwind strich durch das Blattwerk. Immer wieder blinzelte die Sonne mit grellen Strahlen hindurch. Bruce Fontana schloß jedesmal geblendet die Augen.

Ein letzter Versuch, sich zu bewegen, war nutzlos. Er schaffte es nicht mehr, die Beine anzuziehen. Und den Oberkörper konnte er schon gar nicht mehr krümmen. Knorrige Äste bohrten sich ihm in den Rücken, in die Beine und verursachten einen schmerzhaften Druck in der Nierengegend. Er hatte sich hoffnungslos verkeilt.

Längst hatte er es aufgegeben, an den Fesseln zu zerren. Die Schweinehunde verstanden ihr Fach, das mußteer neidlos anerkennen. Und mit dem breiten Klebeband hatten sie ihm die untere Kopfhälfte eingehüllt wie eine Mumie. Nicht mal ein Gurgeln konnte er von sich geben.

Ganz in der Nähe rauschten Autos vorbei. Aber das Geräusch war anders als in Manhattan. Keine Betonschluchten mit dröhnendem Nachhall. Ungehindert fiel die Morgensonne auf das dichte Buschwerk, in das die Hurensöhne ihn gestopft hatten.

Auch der Geruch von Brackwasser wehte herüber. New York hatte viele Wasserfronten. Der Teufel mochte wissen, wohin sie ihn verfrachtet hatten — in der Nacht, mit verbundenen Augen.

Etwas nagelte unregelmäßig und stockend, wurde schneller und klang dann gleichmäßig röhrend. Ein Dieselmotor.

Das neue, bisher unbekannte Geräusch wischte Fontanas Gedanken von einem Atemzug zum anderen weg. Die jähe Leere seines Gehirns formte sich zur Angst.

Minutenlang nagelte der Diesel im Leerlauf. Dann, plötzlich, erhöhte sich die Drehzahl. Ein scharfes Schlagen und Rattern setzte ein, steigerte sich zu ohrenbetäubendem Lärm und übertönte den vorbeiflutenden Straßenverkehr.

Bruce Fontana begriff nicht, was es war. Aber die Angst wurde zu einer glühenden Riesenkralle, die sein Inneres umklammerte und durchwalkte.

Es näherte sich unaufhaltsam. Der Erdboden begann zu vibrieren, und es übertrug sich auf die dicken Stämme des Buschwerks. Das Splittern von Holz und das Rascheln von Blättern waren jetzt trotz des urgewaltigen Dröhnens herauszuhören.

Verzweifelt versuchte Fontana, den Kopf zu wenden, nach rechts, in die Richtung, aus der das Diesel-Ungetüm heranwalzte. Ein Zweig stach in seine Wange. Doch er nahm den Schmerz kaum wahr. Nichts konnte jetzt noch stärker sein als seine Angst.

Immerhin, sie waren so gnädig gewesen, ihm die Binde abzunehmen. Er hatte den Tag von der Nacht unterscheiden dürfen.

Jäh riß er die Augen weit auf. Dann wußte er, daß es keine Gnade von ihnen gewesen war. Nein, eine teuflische Tücke! Sie hatten gewollt, daß er dem Tod in die Fratze starrte. Sie hatten ihm weniger Rechte gewährt als jedem Delinquenten, dem der letzte, schlimmste Anblick durch ein Tuch erspart blieb.

In rasendem Rhythmus hieb die Maschine auf das Zweigwerk ein. Rotierende Riesenmesser blitzten wie Schwerter in der Sonne. Sie durchtrennten selbst armdicke Äste, ohne sich aufhalten zu lassen.

In panischem Entsetzen sah Bruce Fontana, wie sich das Buschwerk zu lichten begann. Alles in ihm drängte danach, seine Todesangst hinauszuschreien. Doch er brachte nur ein Gurgeln zustande. Schon erkannte er die Umrisse der Maschine, die mit peitschenden Messerschlägen auf ihn zurollte.

Erneut zerrte Fontana an seinen Fesseln. In wilder Verzweiflung versuchte er, sich doch noch aus den harten, umbarmherzigen Ästen freizustoßen. Er wollte nicht sterben, nicht auf diese grausame Weise! Er wollte nicht von einer seelenlosen Maschine zerfetzt werden, die nicht einmal zur Notiz nahm, daß sie Leben vernichtete.

Schweiß rann ihm in Strömen über das Gesicht. Die Äste gaben ihn nicht frei. Doch er kämpfte weiter. Der Schweiß ließ seine Augen brennen. Schleier wallten vor seinem Blick auf und gaben der durch das Blattwerk erkennbaren Maschine seltsam verschwimmende Umrisse. Der blanke Stahl der Hackmesser verwandelte sich in ein fließendes Flirren.

Noch ein oder zwei Meter…

Fontana sah das Flirren bereits schräg über sich. Er glaubte zu schreien. Nein, um Gottes willen, nein, nein! Seine gepeinigten Sinne ließen ihn nicht mehr erkennen, daß er stumm war. Und die gnadenlosen Messer waren über ihm.

Ein Heulen setzte jetzt ein, als wolle die Maschine seine letzten Sekunden auf besonders eindrucksvolle Weise untermalen.

Fontanas innere Stimme lachte schrill. Ja, zum Teufel, so mußte es wohl sein! Sein Leben war wild gewesen, und die Schmerzensschreie seiner besiegten Gegner hatten ihm oft Genugtuung gegeben. Also ging es wohl nicht anders — er mußte mit Höllengetöse von dieser Welt abtreten.

Das Dröhnen, das Geheul, das Schlagen und Bersten näherten sich dem Höhepunkt. Fontana spürte es, und eine seltsame Ruhe erfüllte ihn plötzlich. Er schloß die Augen. Aus, dachte er.

Wie mit einem Schlag wqr alles zu Ende. Fontana horchte. Er wunderte sich, daß er keinen Schmerz empfand. Nur noch sein Gehör schien zu funktionieren. Es vermittelte ihm einen langgezogenen, ersterbenden Heulton.

Das Ende vollzog sich also nach und nach. Nicht alle Sinne waren sofort ausgeschaltet. Erstaunlich! Und weshalb war er überhaupt noch in der Lage, darüber nachzudenken?

Energische Männerstimmen erschollen. Schritte näherten sich.

Fontana riß die Augen auf. Hoch über ihm schwebte eines dieser Schwertmesser. Bewegungslos. Es erinnerte ihn an einen Kung-Fu-Film. Da war so ein Samurai-Typ mitten im Zuschlägen gestoppt worden. Natürlich von der Handkante des Helden. Jetzt mußte die Maschine mit ihrem Messerschwert eigentlich langsam nach hinten wegkippen.

Himmel, dachte Fontana, du spinnst. Also lebst du!

 

 

5

Ich hatte die Sirene abgeschaltet. Wir sprangen aus meinem Jaguar. Der Maschinenführer hatte bereits auf meine Lichthupe und das Rotlicht reagiert und den Buschtrimmer abgeschaltet.

Er wurde kreidebleich, als wir ihm erklärten, worum es ging. Fassungslos starrte er uns an.

»Hoffentlich ist es nicht schon zu spät«, flüsterte er tonlos. »Ich hab vor ’ner halben Stunde angefangen, und da schafft der Apparat ’ne ganze Ecke. Mein Gott, wenn der Mann jetzt schon…« Er unterbrach sich, wirbelte herum und spähte zu den Kreiselmessern.

Ich legte ihm meine Hand auf die Schulter. Ich wußte, daß er Blut auf den scharfen Stahlklingen zu sehen glaubte. Der Mann war knapp 60, arbeitslos, von der Stadt New York in einer Arbeitsbeschaffungsmaßnahmeeingesetzt. Etwa 15 Tage würde er damit zu tun haben, die verwilderten Hecken hier an der Bay Street in Staten Island in Form zu bringen.

Ein Rascheln drang aus dem Gebüsch, zum Greifen nahe. Dann ein dumpfes Stöhnen. Milo und ich sahen uns an. Einen Atemzug lang standen wir wie erstarrt. Dann stürzten wir auf die Hecke zu.

Der Maschinenführer half uns, den Gefesselten aus seiner verkeilten Lage zu befreien. Vorsichtig zogen wir ihn aus dem Gewirr der Äste und Zweige, trugen ihn zu dritt und betteten ihn auf den unkrautüberwucherten Boden am Rand der Bay Street. Milo sprintete zum Jaguar, um über Funk einen Ambulanzwagen herzubeordern.

Bruce Fontana! Ich brauchte ihn nicht zweimal anzusehen, um ihn zu erkennen.

Das Archivfoto war höchstens ein Jahr alt. Fontana war blond und blauäugig wie ein Skandinavier, 19 Jahre alt und trotzdem schon eine große Nummer in seiner kleinkarierten Unterwelt.

Er blinzelte angestrengt und versuchte einen klaren Blick zu kriegen. Vermutlich sah er mir an der Nasenspitze an, zu welchem Verein ich gehörte.

Die Hände des Maschinenführers zitterten, als er mir helfen wollte, Fontanas Fesseln zu lösen. Ich schickte den Mann weg, und er war dankbar dafür. Immer noch bleich lehnte er sich an das mannshohe Hinterrad seiner Maschine und steckte sich eine Zigarette an.

Ich klappte mein Taschenmesser auf und durchtrennte die Nylonschnüre, mit denen der Fettige und sein wuschelköpfiger Komplice Fontana gefesselt hatten. Anderthalb nervenzerfetzende Verhörstunden hatte es Milo und mich gekostet, die beiden zum Reden zu bringen. Schließlich hatten sie eingesehen, daß wir sie als Mörder vor Gericht stellen würden - und nicht den ahnungslosen Maschinenführer.

Milo kehrte vom Jaguar zurück und nickte mir zu. Fontana stöhnte schmerzerfüllt, als ich ihm die Klebestreifen abzog. Ich fischte das handtellergroße Lederetui aus der Tasche, klappte es auf und ließ den Silberadler in der Sonneiunkeln.

»FBI«, sagte ich rauh. »Special Agent Jesse Trevellian.«

Fontana krächzte zur Bestätigung. »Fehlt mir noch, ausgerechnet von Bullen gerettet zu werden. Aber…« Er wandte den Kopf zur Seite und spie aus. »… ich danke euch trotzdem.«

»Es gibt doch noch anständige Leute«, sagte mein Freund und Kollege grinsend. Er ließ es offen, ob er damit Fontana meinte oder uns ein Selbstlob ausstellte.

Der Ambulanzwagen aus dem Hospital von St. George, Staten Island, fegte mit Konzert und Lichtorgel heran. Wir folgten dem weißen Fahrzeug, nachdem auch die Kollegen von der Spurensicherung eingetroffen waren und sich die Hecke Vornahmen, die fast zur Hinrichtungsstätte geworden wäre.

Im Hospital warteten wir geduldig, bis der zuständige Arzt der Unfall-Ambulanz uns bescheinigte, daß Fontana keinen körperlichen und seelischen Schaden davongetragen hatte. Willig begleitete er uns zum Jaguar. Wir verzichteten darauf, ihm Handschellen anzulegen. Für die Rückfahrt nach Manhattan benutzten wir das Fährschiff von St. George zum Battery Park.

Eine halbe Stunde später saß uns Bruce Fontana in einem Vernehmungszimmer des FBI-Gebäudes an der Federal Plaza gegenüber. Mit Heißhunger stürzte er sich auf die Sandwiches, die wir beim Kantinen-Service bestellt hatten. In Kunststof fbechern dampfte der Kaffee, mit dem auch Milo und ich uns versorgt hatten.

Zwischen zwei Bissen blickte Fontana auf und sah mich zwinkernd an. »So gemütlich wird’s bei euch wohl nicht immer zugehen, was?«

»Damit müssen Sie rechnen.« Ich nippte an meinem Kaffee, lehnte mich zurück und zündete mir eine Zigarette an.

Fontana stopfte den Rest seines Sandwichs in sich hinein. »Was wollt ihr mir eigentlich anhängen?« fragte er kauend. »Habt ihr mir das Leben gerettet, um mich erst richtig fertigzumachen?«

Milo und ich wechselten einen Blick und lächelten. Fontana war nicht auf den Kopf gefallen. Das hatten wir von vornherein gewußt. Auch daß er in seinen Kreisen ziemlich große Töne spuckte. Immerhin war er der Kopf einer Hehlerbande, die gestohlene Autos umfrisierte und verschob. Seine Verbindungen zu Hinterhofwerkstätten funktionierten erstklassig.

Daneben beschäftigte sich Fontana auch mit anderer heißer Ware. In den Augen der großen Syndikatshaie war er ein kleiner Fisch. Aber unter seinesgleichen galt er als große Nummer.

»Sie werden es schnell begreifen«, antwortete Milo. »Auch daß Sie gut daran tun, mit uns zusammenzuarbeiten.«

»Ich?« Er tat, als bliebe ihm der Bissen im Hals stecken. »Mit Bullen? Bei aller Dankbarkeit, aber…«

Ich schnitt ihm mit einer Handbewegung das Wort ab. »Wir haben nicht viel Zeit. Also schenken wir uns das Getue! Passen Sie auf, Fontana! Ich sage Ihnen jetzt, was wir wissen und was bisher gelaufen ist.« Ich beugte mich vor. »Vorweg: Sämtliche Informationen stammen von unseren V-Leuten und wurden von uns gründlich abgeklopft. Kommen Sie uns also nicht mit Gegenbehauptungen! Punkt eins: In den ländlichen Gebieten der Bundesstaaten Pennsylvania und New York läuft seit etwa acht Wochen eine Serie von Banküberfällen. Immer handelt es sich um kleine Bankfilialen, und immer erbeuten die Täter vergleichsweise kleine Summen. Zwischen 10 000 und 30 000 Dollar.«

»Kleinvieh macht auch Mist«, sagte Fontana grinsend. »Und warum erzählt ihr mir das?«

Milo nahm den roten Faden auf. »Insgesamt dürften die besagten Täter schon eine halbe Million zusammenhaben. Wir haben Personenbeschreibungen. In einem Fall war sogar die automatische Kamera erfolgreich. Kurzum, die Täter konnten identifiziert werden. Ruby Gilman und Morris Kewanee, beide aus New York City.« Milo legte eine Pause ein.

Diesmal hatte Fontana keine kaltschnäuzige Bemerkung auf Lager. Er sah uns nur an und bemühte sich, sein Gesicht ausdruckslos zu lassen, was ihm nicht so recht gelang.

»Damit kommen wir zu Punkt zwei«, fuhr ich fort. »Wir haben unsere V-Leute auf Gilman und Kewanee angesetzt. Ahnen Sie das Ergebnis, Fontana?«

Er schüttelte den Kopf. Etwas zu heftig. »Allein drei Informanten haben unabhängig voneinander genau das gleiche gesagt«, erklärte ich. »Gilman und Kewanee arbeiten mit Ihnen zusammen, Fontana. In Ihrem Freundeskreis hat es sich längst herumgesprochen, womit die beiden neuerdings ihr Geld machen. Und es ist auch bekannt, daß Sie Ihren Anteil an den Beute-Dollars erhalten werden, wenn das Geld erst einmal gewaschen ist.«

Sein Kinn war herabgesackt. Sein Mund stand offen.

»Wir hatten einen Durchsuchungsbefehl«, sagte Milo, »weil wir anders nicht an Sie herankommen konnten. Unser Pech war, daß andere schneller am Ball waren als wir. Wissen Sie, für wen die beiden Kerle arbeiten, die Ihnen auflauerten und Sie dann auf Staten Island in die Hecke geworfen haben?«

Fontana schwieg noch immer.

»Lester Pierce«, sagte ich. Mit einem Ruck drückte ich meine Zigarette im Aschenbecher aus. »Pierce ist zehn Nummern größer als Sie, Fontana. Muß ich Ihnen das wirklich erst erklären? Sein Racket ist führend in Prostitution und Glücksspiel. Seine Handlanger hat er überall an der Westside sitzen. Also ist es kein Wunder, daß er die Story von Gilman und Kewanee mitgekriegt hat.«

»Begreifen Sie jetzt endlich!« fügte Milo hinzu. »Ihre beiden Kumpel werden sehr schnell in einer schlimmeren Klemme sitzen als Sie. Für Pierce ist es ein Kinderspiel, ihnen die Beute abzujagen. Oder er läßt sie noch eine Weile weitermachen, um den Gewinn entsprechend zu steigern.«

»Gilman und Kewanee sind in größter Gefahr«, sagte ich fast beschwörend. »Erwischen werden wir sie über kurz oder lang so oder so. Es liegt an Ihnen, Fontana, ob Ihre beiden Freunde am Leben bleiben.«

Minutenlang starrte er uns nur an. »Es gibt noch einen anderen Grund«, murmelte er dann. »Ich gönne es diesem Pierce und seinen Schweinehunden nicht, daß sie sich den Zaster besorgen. Aber wahrscheinlich kommt ihr sowieso zu spät, G-men. Die Hunde haben mich nämlich ausgequetscht.«

Ich zog die Brauen hoch. »Und was haben sie dann noch in Ihrer Wohnung gesucht?«

»Einzelheiten wahrscheinlich.« Er zuckte die Achseln. »Zeichnungen, Briefe oder vielleicht einen Teil von dem Banken-Zaster.«

»Wie auch immer«, sagte Milo. »Sie müssen uns einfach sagen, wo wir Gilman und Kewanee finden.«

Fontana zögerte keinen Augenblick. Seine Bereitwilligkeit war kein bißchen gespielt. »In Ordnung, G-men. Wahrscheinlich wird es das letzte sein, was ich für die beiden tun kann. Ich hoffe, ihr sagt ihnen das - wenn es überhaupt noch was nützen sollte.«

Ich schob einen Notizblock auf den Tisch, um Fontanas Ortsbeschreibungen festzuhalten.

 

 

6

Morris Kewanee beendete seinen Rundgang durch das hüglige Waldgebiet. Unter den dichten Baumkronen stand die Luft still, von der Sonne aufgeheizt. Singvögel trillerten. Irgendwo hämmerte ein Specht.

Rührselige Gedanken befielen Kewanee jedesmal, wenn er allein durch das urwüchsige Gelände streifte. So ungefähr mußten sich seine indianischen Vorfahren vor Jahrhunderten gefühlt haben, als alleinige Herren dieses Landes.

Die moosbewachsenen Betonmauern der Ruinen schoben sich in Kewanees Blickfeld, als er eine letzte Bodenwelle hinter sich brachte. Überall hatten die weißen Eindringlinge das Land verschandelt. Sogar hier in der Stille' des Waldes. Die Überbleibsel der Munitionsfabrik stammten aus dem zweiten Weltkrieg. Zu teuer, den Kram zu sprengen. Also hatte man es einfach vergessen.

Eine Tatsache, von der Ruby und er profitierten. Kewanee grinste. Die Ruinen waren der beste Schlupfwinkel, den man sich wünschen konnte. Auf dem Boden des Nadelwaldes fiel es leicht, die Reifenspuren zu verwischen.

Beide Hände in den Taschen seiner Jeans vergraben, schlenderte Kewanee die Schneise entlang, die früher einmal die Zufahrt zu den Fabrikanlagen gewesen war. Hier und da lugten verwitterte Betonreste aus der von Tannennadeln übersäten Erde.

Das Moos war eine natürliche Tarnung für die flachen Betongebäude mit ihren längst glaslosen Fenstern und den größtenteils eingestürzten Dächern. Wer die Gegend nicht kannte, würde höchstens durch einen Zufall auf die Ruinen stoßen. Und selbst dann nur, wenn er unmittelbar davor stand. Gilman und Kewanee hatten sich das brauchbarste Gebäude herausgesucht.

Der geländegängige Dodge stand in einer Nebenhalle, durch eine olivgrüne Militärplane verdeckt. Ihre vorübergehende Bleibe hatten die beiden Männer im ehemaligen Hauptgebäude aufgeschlagen.

Der kleine Raum im Mitteltrakt der Halle war trocken und noch vollständig überdacht. Durch große Fenster in den Längswänden hatten die Verwalter früher wahrscheinlich die Produktion überwacht.

Der Geruch von Bohnensuppe, mit Chili gewürzt, wehte Kewanee entgegen. Ruby Gilmari kniete vor einem Camping-Gaskocher und rührte in einem Aluminiumtopf, in dem es brodelte und dampfte.

»Weißt du, worauf ich mal wieder Lust hätte?« sagte Kewanee und ließ sich auf einen der Klappstühle fallen.

Gilman wandte den Kopf und grinste breit, ohne mit dem Rühren innezuhalten. Er war schlank und athletisch gebaut. Er trug das schwarze Haar als Bürstenfrisur, wie es in den 50er Jahren Mode gewesen war. »Wenn du so redest, hat es was mit Essen zu tun.«

Morris Kewanee nickte und faltete die Hände über den Knien. »Ein richtiges Steak, halb durchgebraten und mit einem Berg Zwiebeln drauf. Lange halte ich das nicht mehr aus mit diesem Fertig-Fraß.« Naserümpfend blickte er auf den Kochtopf. In seinen jettschwarzen Augen lag ein mißbilligender Ausdruck. Kewanee war untersetzt und bullig gebaut. Sein breites Gesicht mit den hervortretenden Wangenknochen und die schulterlangen blauschwarzen Haare verrieten seine indianische Abstammung deutlich.

»Dann geh doch einen Büffel schießen, Indsman!« Gilman lachte leise und glucksend. Er wußte, daß Kewanee, diese Anspielungen nicht krumm nahm.

»Haben wir das nötig?« Kewanee grinste zurück. »Unsereins läßt sich in Zukunft die feinen Sachen fix und fertig servieren. Ist doch klar, oder?«

»Klar.« Gilman nickte. »In Zukunft. Aber nicht heute und nicht morgen. Du wirst deinen Appetit noch ein bißchen bremsen müssen.«

»Und du kannst den Hals nicht vollkriegen. Fast 600 000 Bucks haben wir jetzt zusammen. Reicht das denn nicht?«

»Ich will die Million. Und Fontana will sie auch. So war es vereinbart. Und dabei bleibt es! Allein können wir mit dem Zaster sowieso nichts anfangen. Oder willst du es riskieren, irgendwann wegen einer läppischen 100-Dollar-Note aufzufliegen, weil die Seriennummer zufällig notiert ist?«

Morris Kewanee streckte beschwichtigend die Arme aus. »Reg dich ab, Mann! Mußt doch nicht immer alles ernstnehmen, was ich so von mir gebe.«

Ruby Gilman lachte beruhigt und nahm den Topf vom Kocher. »Essen fassen, Partner! Träum beim Suppelöffeln von deinem Büffelsteak, und dann geht’s an die nächsten Planungen!«

Kewanee brummte zustimmend und verteilte Teller und Löffel.

Sie aßen schweigend. Ein paarmal warf Kewanee seinem Komplicen forschende Blicke zu. Gilmans Miene war geistesabwesend. Die sonst so unruhigen dunklen Augen waren starr auf den Boden gerichtet.

Kewanee kannte das. Rubys Stimmung konnte von einer Minute zur anderen Umschlagen. Eben noch redselig, wurde er plötzlich stumm wie ein Fisch. In Gedanken war er dann weit weg - irgendwo, wohin ihm kein Mensch folgen konnte.

Morris Kewanee wußte alles über seinen Kumpel. Seit zwei Jahren machten sie in New York gemeinsame Sache. Ruby hatte die Idee mit den Banküberfällen gehabt. Hatte sich an seine lausige Jugendzeit erinnert und war auf diesen Dreh gekommen.

Auf dem Land gingen die Uhren langsamer. Kleine Bankfilialen in abseits gelegenen Nestern waren auch heutzutage schlecht gesichert. Meist waren es nur Ein- oder Zwei-Mann-Betriebe, und die Polizeidienststellen in den Countys hatten riesige Gebiete zu beaufsichtigen. Anders als in New York, wo einem alle zehn Schritte ein Cop in Uniform oder Zivil über den Weg lief.

Kewanee und Fontana waren begeistert gewesen. Sie hatten zugestimmt, die Sache in der Gegend durchzuziehen, in der Ruby Gilman sich auskannte. Angefangen hatten sie denn auch mit der kleinen Bank in Seeley Creek an der Grenze zwischen New York und Pennsylvania.

Ruby war dort aufgewachsen. Er hatte wahrscheinlich verdammt schlechte Erinnerungen an das Kaff. In der Schule hatte er nichts gebracht, nur in der Football-Mannschaft hatte er gute Leistungen gezeigt. Sein Vater war Alkoholiker gewesen, die Mutter schon frühzeitig mit einem anderen Mann abgehauen. Ruby, das Einzelkind, hatte sich als 14jähriger allein mit seinem Säufer-Vater herumplagen müssen. Mit 16 hatte er sich dann abgesetzt, war in New York City gelandet und hatte sich mit kleinen Einbrüchen und Deals über Wasser gehalten.

Kewanee war ihm in einer dieser Dreckskneipen an der Westside von Manhattan begegnet. Altersmäßig und auch sonst paßten sie gut zusammen. Die idealen Geschäftspartner. Ruby war 18, er selbst 20. Seine Eltern hatte Morris Kewanee nie kennengelernt. Mit 14 war er aus dem Kinderheim in der Reservation der Nez-Perce-Indianer bei Lewiston in Idaho ausgerissen. Als Tramp hatte er sich bis zu der Riesenstadt am Hudson River durchgeschlagen, wo er geglaubt hatte, das gelobte Land zu finden.

Und jetzt hockten sie hier, in der Einöde des Bradford County, wo Ruby sich auskannte wie in seiner Westentasche. Und sie waren drauf und dran, die erste Million ihres Lebens zu verdienen. Ja, richtig zu verdienen, denn schließlich arbeiteten sie hart genug dafür…

Kewanee räumte das Geschirr weg und nahm sich die Waffen vor, die Fontana ihnen besorgt hatte. Die israelische Uzi, eine handliche Maschinenpistole, war für den Job wegen ihrer geringen Abmessungen besonders gut geeignet. Man konnte die Puste bestens unter der Kleidung verbergen. Die Beretta, die Ruby benutzte, trug ebenfalls nicht besonders dick auf.

Wortlos begann Kewanee, die Uzi zu zerlegen und zu reinigen.

Gilman warf einen Blick auf seine Armbanduhr. »Zeit für die Lokalnachrichten«, sagte er. »Mal sehen, ob sie jetzt was bringen.« Er schaltete den tragbaren Fernseher ein, der auf einer alten Munitionskiste stand.

In der Provinz dauerte tatsächlich alles etwas länger. In den Abendnachrichten und auch am Morgen dieses Tages war der Bankraub in Austinville nicht erwähnt worden. Gilman und Kewanee kannten das von ihren vorherigen Jobs. Die County Cops gaben Informationen erst dann heraus, wenn die ersten Ermittlungen weit genug gediehen waren. Und die ländlichen Fernsehleute legten mehr Wert auf eine gute Zusammenarbeit mit den Bullen als darauf, sich eine schnelle Sensation zu verschaffen.

In leuchtenden Farben flammte die Bildröhre auf und zeigte den Werbespot irgend eines Möbel-Discounts im Bradford County. In marktschreierischem Ton pries der Sprecher Sonderangebote aus der Küchenabteilung an. Mit einer schmetternden Fanfare endete der Klamauk. Das ovale Emblem der Fernsehstation WNOT erschien. Es folgte die Erkennungsmelodie der Nachrichtensendung. Dann blickte der Redakteur im Studio seine Zuschauer mit bitterernster Miene an.

»Ich begrüße Sie zu den Mittagsnachrichten. Unser erster Bericht befaßt sich mit einem dreisten Überfall, der seit gestern abend die Polizei in Atem hält. Sehen Sie, welche Informationen unsere Reporterin Elda Nesbit am Tatort zusammengetragen hat…«

Gilman und Kewanee sahen sich an und grinsten.

»Mann, wir sind mal wieder das Thema des Tages!« sagte Gilman stolz.

Kewanee nickte nur, legte den Lauf der Uzi weg und beugte sich interessiert vor.

Auf dem Bildschirm erschien eine Außenaufnahme der Tioga and Bradford Counties Savings Bank in Austinville. Der Parkplatz war vollgestopft mit Polizeifahrzeugen. Uniformierte und Zivilisten hasteten hin und her. Die Reporterin, ein ebenfalls bitterernstes Girl mit randloser Brille, schob sich in den Bildvordergrund.

»Nur ein Angestellter arbeitet in dieser Filiale der Savings Bank in Austinville, nahe der Westgrenze unseres Countys. Mr. Bowers, eben dieser eine Angestellte, wurde kurz vor Schalterschluß von zwei Maskierten überrascht. Zu den Einzelheiten soviel vorweg: County Sheriff Forrester ist überzeugt, daß es sich bei den Tätern um die gleichen Männer handelt, die in der jüngsten Vergangenheit bereits eine Reihe von Bankzweigstellen in unserem Gebiet ausgeraubt haben.«

Die Reporterin wandte sich zur Seite. Die Zoom-Optik fuhr zurück. Im Blickfeld tauchte ein Klotz von einem Mann auf, der den breitkrempigen Hut in den Nacken geschoben hatte. Auf seiner Uniformbrust funkelte der Metallstern.

»Glanzleistung«, sagte Kewanee feixend. »Da hat er sein Köpfchen aber angestrengt, der Oberbulle.« .

Gilman winkte unwillig ab, ohne den Blick zur Seite zu wenden. Wie gebannt starrte er auf das Fernsehbild.

Der Sheriff nickte grimmig. »Alles deutet darauf hin«, erklärte er mit dröhnender Baßstimme. »Sowohl die Arbeitsweise als auch die Personenbeschreibungen der Täter stimmen mit den bisherigen Fällen überein. Außerdem…«

»Wir berichteten ausführlich darüber«, fiel ihm die Reporterin mit eifriger Hast ins Wort.

»Außerdem«, fuhr der Sheriff fort, »handelt es sich auch diesmal wieder um eine sehr kleine, abseits gelegene Bankzweigstelle. Der Leiter, Mr. Bowers, hielt sich zur Tatzeit allein in dem Gebäude auf. Weder auf dem Parkplatz, auf dem wir uns jetzt befinden, noch auf der Straße gab es Augenzeugen.«

Die Reporterin nickte angestrengt und mit ernsthafter Miene. »Noch ein Wort über das Fahrzeug, das die Täter benutzten…«

»Ja, richtig.« Sheriff Forrester schob seinen Hut ein Stück weiter in den Nacken und wischte sich mit dem Handrücken über die Stirn. »Es handelte sich um einen Pontiac, Farbe hellblau, Baujahr 78. Wir haben den Wagen heute morgen auf einem Feldweg bei Columbia Cross gefunden, also etwa fünf Meilen von hier.«

»Natürlich war der Wagen gestohlen?«

»Natürlich. Eine entsprechende Anzeige liegt aus Towanda vor. Wenn der Erkennungsdienst damit fertig ist, kriegt der Eigentümer sein Auto zurück.«

»Vielen Dank, Sheriff.« Das Zoom holte die Reporterin wieder in Großaufnahme heran. »Wir führen jetzt ein Gespräch mit Mr. Bowers, der das Ganze hautnah erlebte. Sheriff Forrester war so freundlich, uns die Genehmigung für das Interview zu erteilen.«

Die Kamera blendete auf Totale um und fuhr auf das Bankgebäude zu.

»Lausige Kriecher!« knurrte Ruby Gilman. »Die würden ihrem sehr verehrten Sheriff noch die Stiefel ablecken, wenn’s sein müßte.«

Kewanee blickte ihn von der Seite an. »Kennst du den eigentlich noch von früher? Der muß doch schon ziemlich lange im Job sein.«

Gilman schüttelte den Kopf und grinste. »Damals hatte ich mehr mit Fürsorge und Jugendpflege zu tun. Meinen Alten haben sie ins Heim gesteckt, nicht mich.«

»Du konntest ihnen ja auch noch entwischen. Er war wohl zu benebelt dafür, was?« Kewanee kicherte.

Gilman antwortete nicht. Er deutete mit einer Handbewegung auf den Bildschirm. Die Reporterin befand sich jetzt in der Schalterhalle. Ihr gegenüber stand ein fülliger Mann in dunkelgrauem Anzug. Rundes Gesicht, Halbglatze, dunkler Haarkranz mit grauen Strähnen, randlose Brille. Seine etwas tiefliegenden grauen Augen huschten unstet zwischen dem Girl und der Kamera hin und her.

»Da ist er ja, unser Dicker!« rief Kewanee fröhlich.

»Mr. Bowers«, sagte das Fernseh-Girl in beinahe feierlichem Ton, »wir befinden uns hier unmittelbar am Ort des Geschehens. Sie sind der Leiter dieser Bankfiliale. Würden Sie unseren Zuschauern bitte schildern, was sich gestern kurz vor Schalterschluß abgespielt hat?«

Bowers räusperte sich angestrengt und zerrte an seinem Schlips. Kleine Schweißperlen traten auf seine Stirn. »Jäh, äh… wissen Sie, es ist das erste Mal, daß ich… vor einer Fernsehkamera…«

»Denken Sie einfach, die Kamera wäre überhaupt nicht vorhanden!« Die Reporterin lachte gekünstelt, und Bowers stimmte hüstelnd mit ein.

»Tja, das war so…« Ausführlich schilderte er, wie er den auf den Parkplatz rollenden Pontiac beobachtet hatte und wie die beiden Maskierten den Schalterraum gestürmt hatten.

»Sie hatten also keine Chance mehr, sich in die sichere Kassenbbx zu begeben und den Alarmknopf zu drücken.«

»O nein, diese Burschen waren so verteufelt schnell, daß ich gar keinen klaren Gedanken mehr fassen konnte. Und dann…«

»Danke für das Kompliment!« sagte Gilman feixend. Genüßlich zündete er sich eine Zigarette an.

»… müssen Sie sich vorstellen, daß ich in die Mündung einer Pistole und einer Maschinenpistole blickte. Ich war einfach wie… wie…« Bowers suchte vergeblich nach dem passenden Wort, zog ruckartig die Schulter hoch und sah dabei aus wie ein flügelklatschender Pinguin.

»Sie standen vermutlich unter Schockwirkung«, sprang die Reporterin mitfühlend in die Bresche.

»Ja, natürlich, unter Schock.« Bowers schnaufte. »Der Kerl mit der Pistole sprang über den Schalter und zwang mich, das gesamte Geld in seine Plastiktüte zu packen. Und ehe ich richtig wußte, was los war, hat er mich niedergeschlagen.« Er betastete die Beule über seiner Stirn.

»Und als Sie aus Ihrer Bewußtlosigkeit erwachten, alarmierten Sie sofort die Polizei«, ergänzte die Reporterin. »Selbstverständlich.«

»Und haben Sie inzwischen feststellen können, wie hoch die genaue Summe der Beute ist?«

»Ja. Der Gangster wollte ja nur Papiergeld. Es waren also genau 130 520 Dollar.« Bowers räusperte sich abermals. »Sie werden sich bestimmt über diese hohe Summe wundern. Aber…«

Details

Seiten
125
Jahr
2020
ISBN (eBook)
9783738941654
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v904903
Schlagworte
dollar-haie sharon trevellian

Autor

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Titel: Trevellian, Sharon und die Dollar-Haie