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Die Raumflotte von Axarabor #167: Fehlsprung in das System Hyra

©2020 77 Seiten

Zusammenfassung


Zehntausend Jahre sind seit den ersten Schritten der Menschheit ins All vergangen. In vielen aufeinanderfolgenden Expansionswellen haben die Menschen den Kosmos besiedelt. Die Erde ist inzwischen nichts weiter als eine Legende. Die neue Hauptwelt der Menschheit ist Axarabor, das Zentrum eines ausgedehnten Sternenreichs und Sitz der Regierung des Gewählten Hochadmirals. Aber von vielen Siedlern und Raumfahrern vergangener Expansionswellen hat man nie wieder etwas gehört. Sie sind in der Unendlichkeit der Raumzeit verschollen. Manche errichteten eigene Zivilisationen, andere gerieten unter die Herrschaft von Aliens oder strandeten im Nichts. Die Raumflotte von Axarabor hat die Aufgabe, diese versprengten Zweige der menschlichen Zivilisation zu finden - und die Menschheit vor den tödlichen Bedrohungen zu schützen, auf die die Verschollenen gestoßen sind.
Bei der Besiedlung des Alls kam es immer wieder zu Unglücken und Fehlern. Den Siedlern, die eigentlich den dritten Planeten des Systems Hyra ansteuern wollten, geschah so ein Unglück. Ihr Schiff havarierte und stürzte auf den vierten Planten ab, der äußerst ungünstige Lebensbedingungen aufwies. In ihrem Überlebenskampf bildeten sich bald zwei Klassen heraus, die Bauern und die Wissensbewahrer. Als ein Scout der ACCOUNT, Jane Deal, den Planeten für das Reich wiederentdeckte, wollten die Wissensbewahrer nicht mehr auf ihre Privilegien verzichten.

Leseprobe

Table of Contents

Fehlsprung in das System Hyra

Copyright

1

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5

6

7

Fehlsprung in das System Hyra

Die Raumflotte von Axarabor - Band 167

von Roland Heller

 

Der Umfang dieses Buchs entspricht 77 Taschenbuchseiten.

 

Zehntausend Jahre sind seit den ersten Schritten der Menschheit ins All vergangen. In vielen aufeinanderfolgenden Expansionswellen haben die Menschen den Kosmos besiedelt. Die Erde ist inzwischen nichts weiter als eine Legende. Die neue Hauptwelt der Menschheit ist Axarabor, das Zentrum eines ausgedehnten Sternenreichs und Sitz der Regierung des Gewählten Hochadmirals. Aber von vielen Siedlern und Raumfahrern vergangener Expansionswellen hat man nie wieder etwas gehört. Sie sind in der Unendlichkeit der Raumzeit verschollen. Manche errichteten eigene Zivilisationen, andere gerieten unter die Herrschaft von Aliens oder strandeten im Nichts. Die Raumflotte von Axarabor hat die Aufgabe, diese versprengten Zweige der menschlichen Zivilisation zu finden - und die Menschheit vor den tödlichen Bedrohungen zu schützen, auf die die Verschollenen gestoßen sind.

Bei der Besiedlung des Alls kam es immer wieder zu Unglücken und Fehlern. Den Siedlern, die eigentlich den dritten Planeten des Systems Hyra ansteuern wollten, geschah so ein Unglück. Ihr Schiff havarierte und stürzte auf den vierten Planten ab, der äußerst ungünstige Lebensbedingungen aufwies. In ihrem Überlebenskampf bildeten sich bald zwei Klassen heraus, die Bauern und die Wissensbewahrer. Als ein Scout der ACCOUNT, Jane Deal, den Planeten für das Reich wiederentdeckte, wollten die Wissensbewahrer nicht mehr auf ihre Privilegien verzichten.

 

 

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books, Alfred Bekker, Alfred Bekker präsentiert, Casssiopeia-XXX-press, Alfredbooks, Uksak Sonder-Edition, Cassiopeiapress Extra Edition, Cassiopeiapress/AlfredBooks und BEKKERpublishing sind Imprints von

Alfred Bekker

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© Serienidee Alfred Bekker und Marten Munsonius

© dieser Ausgabe 2020 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

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1

Das Brechen eines Astes warnte Gand rechtzeitig.

Ohne lange zu überlegen, nahm er seinen Speer in die linke Hand und zog mir der rechten Hand sein Schwert. Ein schneller Blick rundum überzeugte ihn, dass er sich in einer äußerst schlechten Position befand. Die Bäume rings um ihn ragten zu glatt in die Höhe und selbst die untersten Äste befanden sich außerhalb seiner Reichweite, zudem standen sie viel zu weit auseinander. Nicht einmal ein gewagter Sprung hätte ihn auch nur annähernd in eine bessere Lage gebracht.

Ihm blieb nur die Flucht nach vorne.

Solange der Hiller ihm Zeit ließ.

Zwischen den Stämmen rannte Gand geradeaus. Jetzt konnte er es sich nicht mehr leisten, vorsichtig zu sein. Der Hiller hatte seine Spur aufgenommen und würde nicht mehr locker lassen, bis er ihn erreicht hatte.

Vielleicht scheuchte er mit seinem schnellen Lauf aber einen anderen Feind auf. Dann kam es darauf an, auf wen der Hiller mehr Appetit entwickelte: auf einen kleinen Menschen oder eine gewaltige Echse.

Das Geräusch in seinem Rücken wurde immer lauter.

Gand musste sich jetzt bald entscheiden. Entweder er stellte sich zum Kampf oder er fand im letzten Moment doch noch eine Möglichkeit, irgendwo einen sicheren Unterschlupf oder einen Halt in der Höhe zu erreichen, von dem aus er mit seinen Waffen aktiv seine Verteidigung an Angriff nehmen konnte.

Der Hiller hinter ihm zischte laut.

Es war ein gewaltiges Exemplar. Der Hiller war sicherlich sieben Meter lang und sein Körper brachte es im Durchschnitt fast auf einen Meter Umfang. Selbst der Kopf mit den scharfen Reißzähnen brachte es auf nahezu einen halben Meter in der Breite. Der Hiller konnte mit seinen drei Beinpaaren eine beachtliche Geschwindigkeit entwickeln. Er hatte sich beinahe schon nahe genug an sein Opfer herangepirscht, damit abwechselnd sein Kopf und seine Schwanzspitze auf den Gegner zustoßen konnten. Wenn der Kopf Gand zuerst erreichte, würden die Zähne gleich zuschnappen, wenn der Schwanz zuerst das Ziel erreicht, würde die dornenbesetzte Keule, die ganz am Ende des Schwanzes saß, dafür sorgen, dass das Opfer zumindest kampfunfähig geschmettert wurde, wenn es nicht ebenfalls gleich getötet wurde.

Endlich bemerkte Gand eine Stelle, die ihm zumindest eine kleine Chance einräumte. Nicht weit entfernt standen zwei Bäume dicht genug nebeneinander, so dass er sie benutzen konnte. Wenn er Arme und Beine gegen die Stämme stemmte, sollte es ihm gelingen, zumindest soweit in die Höhe zu klettern, dass die Echsenschlange ihn nicht mehr erreichte.

Bei all ihrer Stärke war sie nämlich hilflos, wenn ein Opfer eine gewisse Höhe erklimmen konnte.

Er hastete darauf zu.

Mit einem Satz sprang er zwischen die Stämme, drehte sich herum und blickte auf den heranstürmenden Hiller. Eine halbe Minute blieb ihm noch, schätzte Gand. Zeit genug, um zumindest zwei Meter an Höhe zu gewinnen. Er benützte die Bäume als Kletterhilfen, indem er jeweils abwechselnd links und rechts mit den Armen und Beinen sich abstützend in die Höhe stemmte.

Wenn es etwas gab, das der Hiller nicht mochte, dann war es, dass sich seine Mahlzeit in der Höhe des Waldes versteckte. Auf dem Boden war er der ungekrönte König, aber alles, das sich mehr als zwei Meter in die Höhe retten konnte, blieb für ihn unerreichbar. Das war genau die Strecke, die er seinen Hals und damit auch seinen Kopf in die Höhe brachte. Auch sein Schwanz verlor ab dieser Höhe seine Wirkung. Ein Zufallstreffer war zwar noch jederzeit möglich, aber zielen konnte der Hiller nur ebenerdig.

Einer der Baumstämme besaß an seiner Oberfläche lästige Dornen, die Gands Hand aufritzten, aber der junge Krieger verbiss den Schmerz und achtete nicht weiter darauf. So schnell es ging, versuchte er an Höhe zu gewinnen, denn der Hiller preschte bereits ungestüm heran. Die Echsenschlange, wie die Menschen dieses Raubtier auch nannten, sah ihr Opfer in die Höhe verschwinden und zischte dementsprechend wütend.

Für Gand hieß es jetzt, für einen sicheren Halt zu sorgen, damit er zumindest eine Hand für kurze Zeit frei bekam.

Der Kopf stieß zu ihm vor. Fast vermeinte er, die züngelnde Zunge an seinen nackten Sohlen zu spüren. Dann kam ihm der Schwanz entgegen. Gand spürte den Luftzug, aber auch die Keule verfehlte ihn um mehrere Zentimeter.

Nach zwei vergeblichen Versuchen der Bestie beruhigte sich Gand etwas und kletterte beruhigt etwas weiter in die Höhe. Als er noch einen Meter geschafft hatte, war er sicher, dass der Hiller ihn hier oben nicht erreichen konnte.

Aber gerettet war er deswegen noch lange nicht. Viel weiter hinauf konnte er nicht klettern, denn dort strebten die Stämme der beiden Bäume auseinander. Und seine momentane Lage, mit Armen und Beinen abgestützt an einem Stamm, war alles andere als bequem. Sie war sogar ziemlich kräfteraubend.

Der Hiller saß unten und blickte ihn mit seinen dümmlichen Augen an. Er hatte es aufgegeben, ihn mit Gewalt aus dem Baum herunter zu holen. Aber sein Instinkt sagte ihm vermutlich, dass sein Opfer nicht für immer dort oben bleiben konnte. Er machte sich also berechtigte Hoffnung, doch noch zu seiner Mahlzeit zu gelangen.

Sorgenvoll warf Gand einen Blick in den Himmel und suchte durch das Geäst der Bäume zu eruieren, wo die Sonne bereits stand.

Viel Zeit blieb ihm nicht mehr übrig, denn wenn die Sonne sank, brach auch schnell die eisige Kälte über diese Welt und lähmte jegliches Leben. Die Echsenschlange als eingeborenes Leben hatte sich an die Verhältnisse dieser Welt angepasst, er als Nachkomme von Gestrandeten würde diese Nacht im Freien nicht überleben. Da konnte er sich gleich in den Rachen der Echsenschlange werfen. Dieser Tod ging vielleicht sogar rascher und kam mit weniger Schmerzen daher.

Aber noch blieb ihm etwas Zeit.

Gegen Abend kamen auch die Trapezvögel in den Dschungel zurück. Vielleicht konnte er zwei von ihnen fangen. Die Tiere waren zumeist zutraulich. Sie kannten den Menschen gegenüber keine Fluchtdistanz und ließen sich leicht ergreifen. Wenn er aus ihnen ein Gespinst flechten konnte und wenn es ihm zudem gelang, mit seinem Speer den Schwanz der Bestie am Boden zu fixieren, dann besaß er gute Chancen, aus dieser Situation heil herauszukommen.

So gut es ging, machte er es sich zwischen den beiden Stämmen gemütlich.

Wenig später näherten sich bereits die ersten Trapezvögel. Arglos sanken sie herab.

Die Menschen hatten diesen Tieren ihren Namen aufgrund ihres äußeren Erscheinungsbildes gegeben. Wenn sie in der Höhe schwebten, glichen sie einem Trapez. Sogar ihr winziger Kopf war in dieses geometrische Muster integriert. Da diese Tiere anscheinend keinen äußeren Feind kannten, kamen sie den Menschen äußerst zutraulich vor. Sie ließen sich auf jeden Fall vom ersten Augenblick an greifen. Ihr Fleisch schmeckte jedoch schal, erinnerte die Menschen irgendwie an verwestes Fleisch, so dass sie als Nahrungsquelle von Vorneherein ausgeschlossen werden konnten. Sie blieben auch von den Menschen weiterhin unbehelligt und behielten sich dadurch ihren ungefährlichen Charakter. Ihre Flügel, die sie zur Trapezform in den Lüften spreizten, bestanden aus langen beweglichen streifenförmigen Muskelpartien. Irgendwann einmal war einer der Menschen darauf gekommen, dass man diese Muskeln wie die Haare eines Zopfes verknüpfen konnte. Aus irgendeinem Grund ließen sich die Tiere dies anstandslos gefallen – vor allem, weil die Menschen später entdeckt hatten, dass die Trapezvögel diese Verbindung jederzeit lösen konnten.

Ein auf diese Art geknüpftes Netz hielt jeder Echse dieser Welt stand und konnte sie mühelos töten.

Also auch eine Echsenschlange.

Mit einem heftigen Ruck rammte Gand sowohl Speer wie auch Schwert in den Stamm des Baumes, der seinen Füßen genügend Halt gab. Dann griff er wahllos zwei der Trapezvögel heraus. Es kostete ihn einige Mühe, in seiner Position die Vögel in die für ihn korrekte Position zu bringen, denn auch wenn sie sich nicht direkt gegen ihn wehrten, erleichterten sie ihm seine Aufgabe auch nicht.

Für die ersten beiden Knoten brauchte er fast eine halbe Stunde. Der linke Flügel des einen und der rechte des anderen war damit verbunden.

Die Sonne sank aber unerbittlich dem Horizont entgegen.

Doch ab nun ging es schneller, und das war auch schon höchste Zeit, denn der kühle Wind, der die frostige Nacht ankündigte, war bereits zu spüren.

Eine weitere halbe Stunde arbeitete Gand angestrengt, dann betrachtete er zufrieden sein Werk. Es wurde wirklich Zeit, denn er fühlte, dass er seine Füße nicht sehr viel länger als Stütze benützen würde können. Seine Muskeln verhärteten sich langsam. Damit verloren sie an Kraft.

Zuerst löste er mit der rechten Hand den Speer, den er in den Stamm getrieben hatte. Er brauchte eine Zeitlang, bis er ihn von Stamm gelöst hatte, indem er ihn auf und ab bewegte, um so den Kanal zu erweitern, den er beim Eindringen geschaffen hatte. Zu viel durfte er sich ja nicht bewegen, wenn er nicht von seiner Stellung zwischen den Bäumen einfach herabfallen wollte.

Als er ihn in der Hand hielt, kehrte seine Sicherheit als Kämpfer zurück.

Die Echsenschlange lag unter ihm. Ihr Kopf blickte ihm starr entgegen. Sie wartete darauf, dass er herunter kam. Dass er es auf ihren Schwanz mit der Keule abgesehen hatte, ahnte sie nicht. Dazu fehlte ihr die Intelligenz – oder die Vorstellungskraft. Was Gand vorhatte, ließ sich jedoch leicht erklären. Die Echsenschlange besaß zwei gefährliche Waffen außer ihrer Kraft: ihre Zähne und ihre Keule an ihrem Schwanzende. Wenn es Gand gelang, beide Waffen zu neutralisieren, hatte er gewonnen, wenn es ihm bei einer Waffe gelang, besaß er eine gute Chance. Der Schwanz der Echse war beweglich, das hieß aber gleichzeitig, dass die äußere Panzerung aus lauter winzigen Schuppen bestehen musste. Und in diesen Raum zwischen den einzelnen Schuppen konnte eine Waffe leicht eindringen. Ein Speer zum Beispiel.

Gand hatte nichts anderes vor, als die Schwanzspitze mit der Keule festzunageln. An dieser Stelle war das Tier extrem empfindlich. War der Schwanz einmal fixiert, scheute die Echsenschlange jegliche Bewegung mit diesem Körperteil. Darauf baute er seinen Plan auf.

Auf Schnelligkeit kam es nun an.

Gand machte sich zum Wurf bereit.

Er wog den Speer in der Hand. Seiner Zielsicherheit vertraute er. Nicht umsonst gehörte er zu den erfolgreichsten Jägern des Stammes.

Er holte tief Luft, dann schätzte er die Entfernung ab. Er steckte das Schwert in die Scheide zurück. Wenn er traf, brauchte er seine zweite Waffe. Aber für den Wurf benötigte er die Kraft beider Arme für sein kommendes Vorhaben.

Dann stieß er sich von den Stämmen ab.

Der Kopf des Hiller folgte seinem Flug. Obwohl das Tier augenblicklich handelte, kam seine Reaktion zu spät, denn da landete Gand bereits auf dem Körper der Schlangenechse, eigentlich bereits auf dem Schwanz. Ein schneller Schritt genügte.

Gand spürte noch die Bewegung der Echsenschlange, aber da war es für sie bereits zu spät. Mit aller Kraft trieb er den Speer in den Körper der Bestie. Der Speer durchdrang das weiche Fleisch mühelos. Gleich darauf hängte er sich mit all seinem Gewicht an den Speerschaft und trieb diesen weiter in den Boden hinein.

Die Echsenschlange brüllte schmerzgepeinigt auf.

Ihr Kopf zuckte zurück. Eine Bewegung hatte sie ausführen wollen, doch dann erkannte sie, dass der rückwärtige Teil ihres Körpers gefangen war.

Gand holte das Geflecht der Trapezvögel hervor. Mit beiden Armen breitete er die Flügel der beiden Vögel wie einen Fächer aus. Nun geschah genau das, womit er gerechnet hatte. Der Kopf der Bestie fuhr mitten in das Gebilde hinein. Nach dem ersten Schock, der sie zurückschrecken hatte lassen, stieß ihr Kopf auf den Feind zu.

Die Reißzähne des Echsenschlange zerstörten gewiss einen Teil der Muskelstränge, aber bei Weiten nicht genügend, um für dem breiten Hals ein Durchkommen zu ermöglichen. In einem Reflex zogen sich die Flügel zusammen und hielten den Kopf der Echsenschlange wie mit einem Schraubstock gefangen. Einmal gefangen, gab es für die Echse nicht nur kein Entkommen mehr, sondern sie musste auf die Vollstreckung ihres Todesurteils warten, denn bevor die Trapezvögel die Kraft verließ, mobilisierten sie noch einmal sämtliche Kräfte und zerquetschten alles, was sich innerhalb der gerissenen Wunde befand.

Gand fand es jetzt an der Zeit, sein Schwert erneut zu zücken und den Kopf der Bestie vom übrigen Körper zu trennen. Einen gewaltigen Schlag brachte er an. Ganz schaffte er es nicht beim ersten Mal, aber es reichte, um der Bestie den Garaus zu machen. Vorsichtshalber ließ er einen zweiten gewaltigen Schlag folgen. Er ging lieber auf Nummer sicher, denn er wusste nicht, wie lange die Vögel die Echsenschlange am Leben gelassen hätte.

Gand überlegte jetzt keine Sekunde mehr. Es wurde Zeit für die Rückkehr.

Er spürte bereits die Kälte.

Während die Echsenschlange ihr Leben aushauchte, entflechteten die Trapezvögel ihre Flügel. Ihre Verwundung war nicht so schwerwiegend, dass sie sie stark beeinträchtigte.

Der Turm war mehr als einen Kilometer entfernt.

Mit jedem Meter, den er zurücklegte, fühlte er, wie sich das Leben im Dschungel langsam auf die Nacht einstellte. Die Geräusche erstarben sukzessive. Lediglich der Wind wurde stärker. Er brauste durch die Blätter und ließ diese rascheln, doch auch die rollten sich ein.

Dann sah er den stählernen Turm vor sich.

Gewaltig ragte er in die Höhe, sicherlich hundert Meter. Er ragte über die Spitzen der höchsten Bäume hinaus. Das Unterteil des Turmes hatte sich tief in den Boden eingegraben, aber dieser Teil war bei der Bruchlandung zerstört worden.

Einer der Haupteingänge in den Turm befand sich in einer Höhe von zwei Metern über dem Boden. Die Menschen hatten im Lauf der Zeit eine Rampe aufgeschüttet, damit man den Eingang mühelos erreichen konnte.

Schon von aller Weite bemerkte Gand, dass das Tor geschlossen war.

Das geschlossene Tor sollte die Wärme im Inneren des Schiffes halten.

Die Wächter mussten allerdings festgestellt haben, dass er noch nicht zurückgekehrt war. Das Tor musste demnach noch bemannt sein. Darauf setzte er seine Hoffnung.

Er hastete die Rampe hinauf und griff nach den eisernen Türen. Sie ließen sich nicht mehr bewegen. Wild trommelte er darauf. Das Geräusch musste auch im Inneren zu hören sein. Gleichzeitig rief er lautstark seinen Namen.

Die Kälte griff bereits nach ihm. Gand fühlte, wie jede Wärme ihm entzogen wurde. Die Kälte ließ seine Muskeln hart werden. Bald würde er nicht mehr fähig sein, sich auch nur irgendwie zu bewegen.

Für sein Empfinden dauerte es eine Ewigkeit, bis sich etwas tat.

Schließlich, als er es kaum mehr glaubte, bewegte sich das Tor. Es öffnete sich einen Spalt breit. Gerade weit genug, damit er durchschlüpfen konnte.

Gand stolperte in das Innere. Er spürte eine Hand, die nach ihm griff und ihn in den Innenraum zerrte. Gleichzeitig wurde das Tor wieder zugeschoben.

Es war Serva, die ihn in die Wärme gezogen hatte.

„Wer hat zugelassen, dass das Tor geöffnet wird?“, schrie fast gleichzeitig eine wütende Stimme. „Wir können es uns nicht erlauben, auch nur ein Stück Wärme zu verlieren!“ Es war Boris, der oberste Bewahrer des Wissens, der diesen Ausspruch tat.

„Hättest du ihn erfrieren lassen wollen?“, ereiferte sich Serva. „Noch ist es nicht Nacht. Das Tor hätte nicht geschlossen sein dürfen!“

„Aber die Kälte war bereits da!“, beharrte Boris.

„Wir müssen uns an das Gesetz halten!“

„Eben, wir müssen!“, sagte Boris. „Weshalb ist er nicht eher zurückgekommen?“

Gand hatte den ersten Disput seiner Freundin überlassen. Zu schwach fühlte er sich noch und zu wenig Wärme fühlte er in seinem Körper, doch nun drängte sich ihm eine Antwort auf: „Eine Echsenschlange hat mich aufgehalten. Morgen sollten wir ihr Fleisch noch bergen können, wenn wir einen Trupp hinausschicken.“

„Der Winter steht zwar vor der Tür, aber er ist noch nicht heran“, stellte Boris fest. „Noch darben wir nicht. Also hattest du die Möglichkeit, rechtzeitig zurückzukehren!“

Boris baute sich vor dem zurückgekehrten Jäger zu seiner vollen Größe auf. Er war ein älterer Mann, dessen Haar bereits grau meliert war. Sein Haar umgab mit einer Mischung aus Locken und fetter Strähnen ein knochiges, hageres Gesicht. Als Blickfang saß eine gekrümmte Nase mitten in dem Gesicht. Stechende Augen blickten abwechselnd zu Gand und zu Serva. Er kannte die beiden. Beide waren Unruhestifter, die sich mit der überkommenen Ordnung einfach nicht abfinden wollten.

Gand zählte vielleicht zwanzig Jahre nach der alten Zeitrechnung. Er war stark und gut gewachsen. Eine blonde Mähne umgab seinen Kopf. Seine Augen blickten intelligent und wachsam. Kräftige Muskelpakete zierten sowohl seine Oberarme wie auch seine Oberschenkel.

Die blonde Haarmähne verband ihn mit Serva. Auch sie war etwa gleich alt und hoch gewachsen, allerdings nicht halb so muskulös wie Gand. Als Frau störte sie dies nicht. Dennoch verfügte auch sie über eine enorme Kraft.

Gemeinsam war beiden, dass sie im Gegensatz zu den meisten Bewohnern des Turms über eine hohe Intelligenz verfügten. Das hatte sie vermutlich auch zueinander finden lassen.

Bekleidet waren sie, wie alle Menschen im Turm, lediglich mit dem Nötigsten. Noch herrschte draußen ja kein Winter.

 

*

 

„War außer Gand noch jemand draußen?“, erkundigte sich Boris bei den Torwachen.

Kopfschütteln antwortete ihm.

„Dann verschließt das Tor und auch den Innenraum!“, befahl er, ehe er sich abwandte und würdevoll, wie es seiner Stellung entsprach, davonschritt.

Die beiden Torwachen kamen der Aufforderung nach. Das Tor war ja bereits wieder geschlossen, aber nun öffneten sie die Abdeckung eines Kastens. Dahinter befanden sich eine Reihe von Knöpfen. Drei an der Zahl waren es, die sie nacheinander drückten. Viele Generationen vor ihnen mussten diese drei Knöpfe bereits gedrückt haben, denn die Oberfläche dieser Knöpfe sah abgegriffen aus. Die Knöpfe daneben glänzten teilweise noch metallisch.

Auf jeden Fall begannen mehrere grüne Kontrollleuchten zu blinken.

Danach zogen sich die beiden Wachen schleunigst aus dem Raum zurück. Sie gelangten in einen Gang. Auch dort öffneten sie eine Abdeckung und drückten einen weiteren Knopf. Die grünblinkenden Anzeigen im ersten Raum sprangen auf Rot, dann fuhr aus der Wand ein Schott und verschloss den Eingang.

Die Wachen schlossen die Abdeckung.

Anschließend hielt der ranghöchste Wächter einen Gegenstand an die Abdeckung. Er wusste nicht, dass man diesen Gegenstand früher als elektronischen Schlüssel bezeichnet hatte. Ein leises Klicken ertönte.

Niemand, der nicht ebenfalls über einen solchen magischen Gegenstand verfügte, konnte jetzt die Schleuse betreten und das Außenschott öffnen.

 

 

2

„Wenn die Unterlagen von Millie stimmen, und daran ist nicht zu zweifeln, denn bislang waren sie immer korrekt, überkorrekt sozusagen, muss es dieses System sein.“

Schlauköpfchen legte eine Großaufnahme auf den Hauptbildschirm, so dass Jane Deal auch einen Eindruck davon bekam.

„Wie lange brauchen wir, bis wir dort sind?“

„Eigentlich lange genug, damit wir uns ein wenig vergnügen könnten.“

„Schlauköpfchen, ich habe dir verboten, gewisse Themen anzusprechen!“

„Meines Wissens nach habe ich kein Thema wortwörtlich angesprochen.“

Details

Seiten
77
Jahr
2020
ISBN (eBook)
9783738941524
Sprache
Deutsch
Erscheinungsdatum
2020 (Juni)
Schlagworte
axarabor fehlsprung hyra raumflotte system
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