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Trevellian und das letzte aller Mittel

2020 125 Seiten

Leseprobe

Table of Contents

Trevellian und das letzte aller Mittel

Copyright

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Trevellian und das letzte aller Mittel

Krimi von Horst Friedrichs

 

Der Umfang dieses Buchs entspricht 125 Taschenbuchseiten.

 

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books, Alfred Bekker, Alfred Bekker präsentiert, Casssiopeia-XXX-press, Alfredbooks, Uksak Sonder-Edition, Cassiopeiapress Extra Edition, Cassiopeiapress/AlfredBooks und BEKKERpublishing sind Imprints von

Alfred Bekker

© Roman by Author

© COVER FIRUZ ASKIN

© dieser Ausgabe 2020 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

Alle Rechte vorbehalten.

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1

Trotz des vielen Neonlichts gab es im Busbahnhof an der Eighth Avenue einige dunkle Ecken, die uns nicht gefielen. Zwischen den Reihen der Greyhound-Busse roch es nach Benzin und Motoröl. Ich schlenderte an einem der silbergrauen Überlandriesen entlang, dessen Maschine röhrend warmlief. Als ich die offene Vordertür erreichte, hörte ich den Fahrer brüllen. »Verschwinde hier, du Drecklappen! Los, los, beweg dich! Oder ich stopfe dich eigenhändig in den Mülleimer!«

Ich sah, daß der Driver sich aus seinem Cockpit beugte. Mit zwei schnellen Schritten war ich vor der mächtigen Stumpfschnauze des Busses.

Was da neben einem Abfallkübel auf dem gegenüberliegenden Bussteig hockte, benahm mir den Atem.

Es war ein Stadt-Tramp von der erbärmlichsten Sorte. Eine löchrige Decke hüllte ihn ein. Nur seine Hände mit der Rotweinflasche lugten hervor. Als er mich sah, zog er den Kopf ein - Abwehrhaltung.

Ich ging auf den Tramp zu. »Du hast hier nichts zu suchen«, sagte ich ruhig.

In seinen Augen zuckte es nervös. Bevor ich den nächsten Gedanken fassen konnte, flog seine Decke auseinander. Die Flasche ging zu Bruch.

Ich starrte in die klobige Mündung einer Schalldämpferpistole.

»Du bist ein Schnüffler«, zischte er. Es klang bösartig und haßerfüllt. »Das sehe ich dir an der Nasenspitze an, du Hund.«

Ich verharrte regungslos. Daß er trotz meiner Verkleidung den Nagel auf den Kopf getroffen hatte, wunderte mich nicht. Die speckige alte Steppjacke, die weißschimmernden Jeans und die ausgetretenen Joggingschuhe nützten mir nichts. Leute seines Schlages wittern jede Art von Polizeibeamten auf zehn Meilen gegen den Wind.

Der Greyhound-Fahrer war aus dem Fenster verschwunden. Wahrscheinlich lag er auf dem Bodenteppich'neben seinem Sitz. Etwas besseres konnte er nicht tun.

»Und du bist kein Tramp«, sagte ich zu dem Zerlumpten.

»Eins zu eins«, entgegnete er mit einem tückischen Grinsen, »nur bist du die längste Zeit Schnüffler gewesen.«

Er fühlte sich in die Enge getrieben. Und er konnte nicht mehr klar überlegen. Deshalb gab es nur zwei Möglichkeiten: Entweder schoß er mich kampfunfähig, oder er verpaßte mir eine tödliche Kugel. In jedem Fall würde er versuchen, so schnell wie möglich zu verschwinden. Auch er kannte garantiert die dunklen Ecken und Winkel, die für ihn günstig waren. All dies zuckte mir in einem Sekundenbruchteil durch den Kopf. Mehr Zeit blieb mir nicht.

Sein Zeigefinger begann sich zu krümmen. Ich sah das verräterische Flackern in seinen Pupillen.

Ich schnellte zur Seite weg. Nach rechts.

Es klatschte, als schlage jemand zwei Bretter gegeneinander.

Ich glaubte, den Luftzug des Projektils an meiner linken Schulter zu spüren. Weit hinter mir bohrte sich das Vollmantelblei ins Karosserieblech eines anderen Greyhound.

Rasant rollte ich mich ab, federte hoch und wirbelte herum. Ich hörte den falschen Tramp fluchen. Er wollte hochkommen und die Waffe herumschwenken. Beides gleichzeitig war zuviel.

Ich erwischte ihn mit einem flachen Sprung. Mit der Handkante schmetterte ich ihm die Pistole weg. Er schaffte es nicht mehr, ein zweites Mal abzudrücken. Die Waffe schlitterte über den ölverschmierten Asphalt. Unter meinem Anprall stürzten der Zerlumpte und der Müllkübel. Abfälle ergossen sich auf den Bussteig, schwappten darüber hinweg und begruben die Pistole unter sich.

Ich schnellte hoch. Ein kurzer, brettharter Hieb genügte. Der Mann streckte alle viere von sich.

»Alle Achtung«, sagte der Busfahrer von der Höhe seines Fensters herab. »Wie einer von der harten Sorte sehen Sie gar nicht aus.«

»Liegt an meiner Verkleidung«, antwortete ich lächelnd. »Helfen Sie mir?«

»Meinem Lebensretter immer. Ich hab’ mich schon als Kugelfang gesehen.«

Ich brauchte nicht viel zu erklären. Wir verfrachteten den Bewußtlosen in den Gepäck-Stauraum des Busses. Nur vorübergehend. Zwischen leeren Bierdosen und ketchupverschmierten Plastikbechern fand ich die Pistole. Über Walkie-talkie rief ich die Kollegen. Sie versprachen, den Schießer mit einem Frachtkarren des Port Authority Bus Terminal unauffällig abzuholen.

Wir hatten allen Grund, unauffällig zu bleiben.

 

 

2

Alan Shaftes blieb für einen Moment im Hauseingang stehen und schob die Hände tief in die Hosentaschen. Ihn fröstelte trotz der schwülen Luft, die noch immer in den Straßenschluchten Manhattans lastete. Etwas ließ ihn zögern. Vielleicht war es das Gefühl, die Geborgenheit der Gruppe verlassen zu müssen und wieder auf sich allein gestellt zu sein.

Er gab sich einen Ruck und verließ den Lichtschein, der von den mattgelb leuchtenden Buchstaben über dem Eingang herrührte. »Tadj Mahal« stand dort in schnörkeligen Lettern, die wohl an indische Schriftzeichen erinnern sollten.

Alan Shaftes dachte an den Tag, an dem er zum ersten Mal den Fuß über die Schwelle dieses Hauses gesetzt hatte. Klein und hilflos war er damals gewesen, restlos fertig, ein Drogenwrack. Vieles hatte sich seitdem geändert. Es erfüllte ihn mit Stolz, daß Marge, die Leiterin, ihm einen Job als Berater in der Selbsthilfegruppe gegeben hatte.

Alan war allein auf dem Bürgersteig der 41st Street. Um diese Zeit, kurz vor Mitternacht, hatten sich die Leute längst in ihre Behausungen zurückgezogen. Die Gegend zwischen Seventh und Eighth Avenue war für späte Spaziergänge nicht geeignet.

Zwischen dem Tadj Mahal und dem benachbarten Billy Rose Theatre gab es einen Parkplatz, den Theaterbesucher oft noch zu später Stunde verließen, wenn sie nach der Vorstellung in einem der Restaurants an der Seventh Avenue essen gegangen waren.

Deshalb hing Alan Shaftes weiter seinen Gedanken nach, als er einen Motor anspringen hörte. Die aufflammenden Scheinwerfer sah er nur aus den Augenwinkeln.

Sekunden später zuckte er zusammen und wollte herumwirbeln.

Der Wagen jagte auf die Ausfahrt zu. Bremsen kreischten. Reifen radierten über Beton.

Alan verspürte einen Schlag gegen das rechte Schienbein. Riesengroß sah er die nachfedernde Motorhaube vor sich. Er taumelte, schaffte es aber, das Gleichgewicht zu behalten.

Die Fahrertür der großen Limousine flog auf. Ein Mann im dunklen Abendanzug sprang heraus und eilte mit ausgestreckten Armen auf Alan zu.

»Um Himmels willen! Mister, haben Sie sich verletzt? Menschenskind, ich habe Sie überhaput nicht gesehen. Diese Straßenbeleuchtung ist ein Witz. Warten Sie…« Er bückte sich, stemmte die Hände auf die Knie und starrte Alans Hosenbeine an. »… auf den ersten Blick ist ja nichts zu sehen. Aber darauf soll man sich nicht verlassen. Ich würde Vorschlägen…«

»Schon gut, Mister, schon gut«, unterbrach Alan den elegant Gekleideten ungeduldig. »Ich bin okay. Keine Probleme. Sie haben noch rechtzeitig gebremst. Fahren Sie nach Hause, und machen Sie sich keine Sorgen!«

Der Mann richtete sich auf. Sein schmales Gesicht sah gepflegt und gut rasiert aus. Er schüttelte energisch den Kopf. »So einfach geht das nicht, junger Mann. Sie müssen mindestens eine Prellung von der Stoßstange abgekriegt haben. Ich merke sowas. Die Außenhaut des Autos ist wie eine Verlängerung meiner Nerven, falls Sie verstehen, was ich meine.«

»Klar, Mister.« Alan gähnte. »Hören Sie, ich sag’s Ihnen noch mal: Ich bin okay. Ich merke schon nichts mehr von dem Bums. Also steigen Sie schon in Ihren Schlitten und…«

»Kommt nicht in Frage.« Der Fremde wurde energischer. Er wedelte abwehrend mit der rechten Hand. »Sie haben ja keine Ahnung, junger Freund, was aus solchen Vorfällen entstehen kann. Wie schlimm die Prellung ist, können Sie selber noch gar nicht beurteilen. Stellt sich später heraus, daß es tatsächlich etwas Ernsteres ist, bin ich dran. Erstens wegen unterlassener Hilfeleistung, und zweitens verliere ich meinen Versicherungsrabatt.«

Alan Shaftes schloß entnervt die Augen. »Himmel! Hauen Sie doch einfach ab! Ich weiß ja nicht mal Ihren Namen, und Ihre Autonummer werde ich mir auch nicht merken.«

Der Elegante blies die Luft durch die Nase. »Halten Sie mich nicht für einen Einfaltspinsel, Junge! Hier haben die Wände Augen und Ohren. Was glauben Sie, wie viele Leute in ihren Fenstern hängen und alles beobachten, was sich bewegt.« Er deutete mit einer ausladenden Bewegung auf die Fassaden der umliegenden Wohnhäuser.

»Also gut«, sagte Alan seufzend, »haben Sie einen Zettel und einen Kugelschreiber? Ich geb’s Ihnen schriftlich, daß ich keine Ansprüche stellen werde.«

»Wird nicht anerkannt.« Wieder schüttelte der Fremde entschieden den Kopf. »Es könnte sein, daß Sie unter Schock stehen. Jeder clevere Anwalt wird so eine Erklärung anfechten. Es gibt nur zwei Möglichkeiten: Entweder, wir rufen die Cops und lassen die ganze Geschichte im amtlichen Protokoll festhalten. Oder ich fahre Sie zum Bellevue Hospital, und wir lassen Ihr Bein in der Unfallambulanz untersuchen. Der Arztbericht gilt dann als Beweismittel.«

»Keine Polizei«, entgegnete Alan. Als ehemaliger Drogenabhängiger hatte er einen Horror vor den Cops. »Sagen Sie mal, sind Sie etwa selber Rechtsanwalt?«

»Nein«, grinste der Elegante, »Versicherungsvertreter. Also, was ist? Fahren wir zum Hospital?«

»Okay, okay, dann hat die liebe Seele Ruh. Ich glaube, Sie würden sogar einem kinderlosen Rentnerehepaar eine Aussteuerversicherung für die nicht vorhandene Tochter aufschwatzen.«

»Ein wirklich nettes Kompliment.« Das Grinsen des anderen verbreiterte sich bis zu den Ohrläppchen. Er wandte sich ab, ging zur offenen Fahrertür und winkte Alan Shaftes, ihm zu folgen.

Alan schlurfte auf die Beifahrerseite zu und stieg ein. Das Schienbein schmerzte überhaupt nicht mehr. Es war wirklich nicht der Rede wert. Aber er konnte es sich nicht leisten aufzufallen. Sobald auch nur irgendeine Behörde auf ihn aufmerksam wurde, konnte er nie wissen, welchen Strick man ihm drehte. Die Jugendstrafe, die sie ihm damals wegen Drogenmißbrauchs aufgebrummt hatten, hing ihm wahrscheinlich noch bis ans Ende seiner Tage nach.

Erst der silberne Schriftzug über dem Handschuhfach verriet Alan, daß es sich um einen Chevrolet Impala handele, in dem er nun durch Manhattan-Midtown kutschiert wurde. Vorher hatte er in der Tat nicht daran gedacht, sich auch nur den Fahrzeugtyp einzuprägen.

Hinter dem Lenkrad erwies sich der Mann im Abendanzug als unerwartet schweigsam. Er umrundete den Häuserblock in der Eighth Avenue und bog in die 42nd Street ein, Richtung Eastside. Alan Shaf ters lehnte sich zurück und schloß die Augen. Er wußte, daß sich das Bellevue Hospital am Ufer des East River befand. Sein menschenfreundlicher Driver hatte also keine krummen Touren im Sinn.

In der 42nd Street herrschte der übliche nächtliche Trubel. Es war alles vertreten, von Rockern und Punks bis zu kahlköpfigen Hare-Krishna-Mönchen, die in ihren orangefarbenen Flattergewändern rasselnd und trommelnd durch die Gegend hüpften. Uniformierte Cops patrouillierten in Doppelstreifen. Lichtreklamen überboten sich gegenseitig mit ihren grellen Farben. An einer Bude wurden Steaks Über offenem Feuer gebraten. Der Geruch drang durch die Belüftungsanlage des Chevrolet. Alan verspürte ein plötzliches Hungergefühl. Er richtete sich auf.

»He, Mister. Wie wäre es, wenn Sie mal kurz anhalten, damit…«

»Keine Zeit«, unterbrach ihn der Elegante, ohne den Wunsch seines Fahrgasts auch nur anzuhören. »Die Sache muß schnellstens erledigt werden.«

Alan runzelte die Stirn und musterte den Mann forschend von der Seite. Etwas in seinem Tonfall wollte ihm nicht mehr gefallen. Aber sie hatten die Lexington Avenue bereits überquert. Es konnte sich also nur noch um ein paar Minuten handeln. Die Gegend wurde ruhiger.

Wie erwartet, bog der Elegante nach rechts in die Second Avenue ab. Mit den Einbahnstraßenregelungen in den Avenues und Straßen Manhattans kannte Alan sich aus. Und sein unbekannter Chauffeur ebenfalls, das mußte man ihm lassen.

Sie waren noch zwei Häuserblocks vom Hospital entfernt. Vor einer Reihe von Wohngebäuden, deren Fenster größtenteils bereits dunkel waren, zog der Chevy-Fahrer den Wagen unvermittelt nach rechts auf den Parkstreifen. Wie es der Zufall wollte, gab es dort eine freie Bucht.

Alan schraubte sich aus dem Sitz empor. »Nicht solche Zicken, Mann!« knurrte er wütend und packte den Türöffner.

»Wir steigen um«, sagte der Elegante gelassen. Dennoch klang es wie ein Be fehl.

Alans Sinne schrillten Alarm. Er stieß die Tür auf. Im selben Moment fiel sein Blick auf das Heck des silbergrauen Ply mouth Reliant, der vor ihnen parkte. In erlöschenden Scheinwerferlicht des Chevrolet war noch zu erkennen, daß die Scheiben des Plymouth beschlagen wa ren. Entschlossen schwang Alan die Beine ins Freie und stieß sich vom Sitz ab Seltsamerweise hinderte ihn der Elegante nicht daran.

Den Grund erkannte Alan im nächsten Atemzug. Die beiden Türen an der rech ten Seite des Plymouth flogen auf und spien zwei Kerle aus, die auf leisen Segel tuchschuhen heranschnellten.

Alan erschrak. Die Angst lähmte ihn eine endlose Sekunde lang. Er schaffte es nicht mehr, sich herumzuwerfen und die Flucht zu ergreifen. Die beiden Männer packten ihn an den Oberarmen und zerr ten ihn zum Fond des wartenden Wagens.

Der Mann im Abendanzug war bereits umgestiegen. Er hatte den Platz am Lenk rad des Plymouth übernommen.

Das höhnische Gesicht, das er auf der hinteren Sitzbank sah, ließ Alan stutzen

»Du?« entfuhr es ihm. »Du verdamm ter…«

Ein Schlag traf seinen Hinterkopf. Den Schmerz, der ihn durchzuckte, spürte es nur für einen winzigen Moment. Die Schwärze der Bewußtlosigkeit nahm ihn auf. Erbekam nichts mehr davon mit, wie sie ihn auf den Sitz bugsierten und den Wagen mit aufheulendem Motor davonjagte.

Eine sonderbare Stille umgab ihn, als er erwachte. Außer dem Dröhnen und Stechen in seinem Schädel war da nichts. Die nie versiegenden Geräusche Manhattans fehlten. Er horchte angestrengt, noch bevor er die Augen öffnete. Ein leises Plätschern drang an sein Ohr, als seine Sinne wacher wurden.

Wasser!

Schlagartig setzte auch seine Erinnerung ein. Wohin, zum Teufel, hatten sie ihn gebracht? Er riß die Augen weit auf, wollte sich aufrichten und mußte im selben Moment einsehen, daß er zu nichts mehr fähig war. Sie hatten ihm die Arme auf den llücken gefesselt. Auch die Fußgelenke waren verschnürt. Nun spürte er auch die Kälte. Er lag auf feuchtem Beton. Die Luft roch nach brackigem Wasser.

Die Stimme, die er hörte, war so höhnisch wie die verdammte Visage. »Unser Freund hat sich entschlossen aufzuwachen. Hab’ schon befürchtet, wir müßten uns die Beine in den Bauch stehen.« Die anderen Männer lachten halblaut und glucksend.

»Williams«, keuchte Alan. Er bog den Kopf nach beiden Seiten, aber er konnte die Männer nicht sehen. Sie standen hinter ihm. »Ich weiß, daß du es bist, du elender Hurensohn.«

»Rede dir nur alles von der Seele!« sagte Williams gönnerhaft aus der Dunkelheit. »Das erleichtert, mein Junge. Wir wollen es dir sowieso nicht schwerer, machen als unbedingt nötig.« Wieder folgte dieses glucksende Lachen.

Alan Shaftes begriff den Doppelsinn der Worte nicht. Viel zu sehr hatte er das Gefühl, daß sein Kopf zerspringen wollte, als daß er noch einen klaren Gedanken fassen konnte.

»Verdammt noch mal, was soll der ganze Zirkus?« ächzte er. »Was habt ihr mit mir vor?«

»Eine sehr geistreiche Frage«, antwortete Williams spöttisch. »Wenn du deinen Grips ein bißchen anstrengst, kommst du von selber drauf. Aber ich helfe dir gern auf die Sprünge: Hatten wir dir ein Angebot unterbreitet oder nicht?«

Die Erkenntnis durchzuckte Alan wie ein jäher Schmerz. Von einem Atemzug zum anderen begriff er. Todesangst griff mit einer eisigen Faust nach seinem Herz. Sie ließen nicht mit sich spaßen!

Er hatte es nicht wahrhaben wollen. Er hatte ihre Geschäfte an dem Maßstab gemessen, den er als jugendlicher Klein-Dealer gewohnt gewesen war. Aber in ihrer Branche ging es um die ganz großen Jobs. Da kostete es mehr als eine Tracht Prügel, wenn man nicht parierte. Schweißperlen traten auf seine Stirn, trotz der kühlen Nacht.

»Ich habe alles versucht«, beteuerte er, »wirklich alles. Aber sie hat ihre Grundsätze. Bevor Marge Huffman zu einer krummen Sache bereit ist, müßt ihr sie völlig umkrempeln.«

»Das war dein Job«, sagte Williams kalt. »Ich habe es dir vorher gesagt, und du hast es gewußt. Komm mir jetzt nicht damit, daß dir das alles erst hinterher eingefallen ist!«

»Aber was sollte ich denn machen!« schrie Alan verzweifelt. »Ich bin von Marge abhängig. Ich kann doch nicht alles aufs Spiel setzen.«

»Sie schätzt dich. Du warst ein Erfolgserlebnis für sie. Du hättest es nur richtig anpacken müssen, dann hättest du sie auch überzeugen können. Wenn sie richtig begriffen hätte, daß du unter Druck stehst, wäre sie sofort bereit gewesen, dir aus der Klemme zu helfen. Aber wozu rede ich noch! Ich hab’s dir einmal erklärt, und ein zweites Mal gibt’s nicht.«

»Was soll das heißen?« Alan heulte es fast. Er zerrte an seinen Fesseln. Doch vergeblich. Die Stricke schnitten nur tiefer in seine Gelenke, und die Kraftanstrengung verstärkte das Dröhnen in seinem Schädel.

»Was das heißt?« tönte Williams zurück. »Sag mal, bist du von gestern? Du Idiot hast dir alles selber zuzuschreiben. Schluß. Aus.«

Abermals, heftiger jetzt, spürte Alan Shaftes diesen Schmerz, der sein Herz wie mit eiskalter Faust zusammenpreßte. »Nein!« stieß er hervor. »Um Himmels willen, ihr könnt doch nicht… nur weil ich nicht…«

»Redest du neuerdings in unvollendeten Sätzen?« sagte Williams belustigt. Wieder lachten die anderen.

Dieses heisere Lachen erfüllte Alans Bewußtsein mit nicht endendem Nachhall. Panik packte ihn. Er begann zu schreien, warf sich von einer Seite zur anderen und versuchte, sich von den Kerle wegzurollen.

Ein Tritt traf ihn in die Seite. Der Schmerz war wie ein Stich und raubte ihm fast das Bewußtsein. Dunkelrote Schleier wallten vor seinen Augen auf. Er verstummte, stöhnte nur noch leise und mit zusammengepreßten Lippen.

Williams’ Stimme klirrte wie Frost, als er weitersprach. »Wir müssen ein Zeichen setzen, Junge. Ein Exempel statuieren. So nennt man das wohl. Und es tut mir überhaupt nicht leid, daß du dieses Exempel bist.«

Die endgültige, furchtbare Gewißheit war für Alan wie ein alles vernichtender Schlag. Wieder schrie er. Der Hieb, mit dem sie ihn diesmal zum Schweigen brachten, war schlimmer als alles, was er bisher eingesteckt hatte.

Dann nahm er nur noch wie durch einen Nebel wahr, daß sie etwas an seine Fußgelenke banden. Es mußte höllisch schwer sein, denn sie konnten ihn anschließend nicht mehr tragen. Zu dritt schleifen sie ihn über den rissigen Beton. Das schwere Ding an seinen Füßen gab dabei ein scharrendes Geräusch von sich.

Sein Bewußtsein war noch nicht vollends zurückgekehrt, als sie ihn über die Betonkante stießen. Er fiel in eine düstere Tiefe, hörte beinahe erstaunt den klatschenden Aufschlag, und dann umgab ihn diese Eiseskälte, die er zuvor nur an seinem Herzen gespürt hatte, mit allumfassender tödlicher Macht.

 

 

3

Die kurze Aufregung war für unsere Einsatzgruppe vorüber. Der falsche Tramp befand sich auf Nummer Sicher. Was jetzt folgte, war aber nur die Ruhe vor dem Sturm.

Ich stieg in einen leeren Greyhound, der an Steig 6 abgestellt war. Die vordere Seitentür blieb offen. Das war wichtig für meine Bewegungsfreiheit. Ich trug noch immer mein Räuberzivil und in der Schulterhalfter den 357er Magnum. Bei Sondereinsätzen ist dieser bullige Smith & Wesson unsere Dienstwaffe. Waffenexperten behaupten, daß die Magnum-Geschosse notfalls einen Elefantenbullen in vollem Galopp stoppen.

Ich ließ mich auf dem Sitz hinter dem Fahrerplatz nieder, zog das Walkie-talkie aus der Tasche und hielt es so, daß es von der Rückenlehne verdeckt wurde.

Am Heck meines Busses hatten zwei Techniker in ölverschmierten Overalls die Abdeckplatten gelöst. Mit umständlicher Sorgfalt begannen sie, den Ölstand des Motors zu prüfen, die Bremsflüssigkeit, das Kühlwasser und sonstige Kleinigkeiten, die notfalls die Zeit verlängerten. Die Techniker waren meine Kollegen Steve Tardelli und Blackfeather.

Den Funkverkehr hatten wir von vornherein auf das Notwendigste beschränkt. Wir verwendeten einen Code, der eigens für diesen Einsatz entwickelt worden war. Mit Abhörern mußen wir auf jeden Fall rechnen. Wir waren überzeugt, daß sie zur Stelle waren. Ebenso war anzunehmen, daß sie unsere Anwesenheit zumindest ahnten.

Ich schaltete auf Senden.

»Zero an 52«, sagte ich, »bitte 78!« Das bedeutete nichts weiter als, Trevellian an alle, bitte Positionsbestätigung’.

Nacheinander meldeten sich die einzelnen Kollegen, die an verschiedenen Punkten in der riesigen Halle des Busbahnhofs verteilt waren. Unterstützt wurden wir durch zivile Cops von der Anti Crime Unit des Reviers Midtown-South. Diese Kollegen waren in der Wartehalle und an den Gates postiert.

Ich wollte den Einsatzleiter der Anti Crime Cops ru.fen, als plötzlich Les Morells Stimme dazwischenfunkte.

»11 an Zero! 11 an Zero!« Es klang alarmierend.

Ich meldete mich sofort.

»65 an 23. Bitte Bestätigung.«

Ich wiederholte die Zahlen und gab die Meldung sofort durch Rundruf an alle Einsatzbeteiligten weiter. Dann schaltete ich ab und tastete unwillkürlich nach dem kühlen Griff meines Smith & Wesson. Les Morells Meldung hieß im Klartext, daß der Linien-Überlandbus aus New Orleas soeben den Lincoln Tunnel erreicht hatte. Die Fahrzeit durch den Tunnel hing von der Verkehrsdichte ab. Um diesen Unsicherheitsfaktor auszuschalten, hatten wir einen zweiten Beobachtungsposten.

Ich schätzte, daß uns nicht mehr als zehn Minuten blieben.

Die Vorgeschichte war so verrückt wie der ganze Einsatz. Daß wir aber zur richtigen Zeit am richtigen Ort waren, bewies der Bursche in seiner Verkleidung als Stadt-Tramp.

Unabhängig voneinander hatten wir zwei Hinweise von V-Männern erhalten. Beide Tips stimmten 100prozentig überein, und sie hatten uns im FBI-Gebäude buchstäblich von den Stühlen gerissen.

Joseph Jouet hatte beschlossen, seinen Heimatort New Orleans zu verlassen. Ausgerechnet im Greyhound-Bus machte er sich auf den Weg zu seinen neuen Geschäftspartnern in New York City.

Joseph Jouet, der Fachmann für den neuen Rauschgift-Handelsweg im Golf von Mexiko! Was die Patrouillenboote der Coast Guard da unten im Süden aufbrachten, war nicht mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein. Ganze Flotten von Küstenmotorschiffen gingen zwischen den Golfstaaten mit illegaler Fracht auf geheimen Kurs. Jouet und seine Verbündeten hatten die Fäden in der Hand.

Jetzt tauchte er hier bei uns auf, um die Verteilerorganisation an der Ostküste auf die neuen Handelswege umzutrimmen.

So weit war alles einleuchtend. Weshalb ein gerissener Mann wie Jouet aber einen Greyhound-Bus für seine Reise ausgesucht hatte, war uns anfangs ein Rätsel gewesen. Je mehr wir darüber nachgedacht hatten, desto mehr waren wir allerdings zu der Überzeugung gelangt, daß jede andere Fortbewegungsart für ihn etwa das gleiche Risiko barg. Sicher war er weder im Flugzeug noch im privten Auto oder in der Hochseejacht.

Also baute er darauf, in der Masse der Greyhound-Fahrgäste auszusteigen und heimlich, still und leise im Gewühl des Port Authority Bus Terminal zu verschwinden. Ob er eine Begleitmannschaft bei sich hatte, wußten wir nicht. Ebensowenig war uns bekannt, wie groß sein Empfangskomitee sein würde.

Im Busbahnhof an der Eighth Avenue herrscht Tag und Nacht Betrieb. In der Wartehalle gibt es mehrere Läden und auch einen großen Supermarkt, der rund um die Uhr geöffnet ist. Entsprechend unüberschaubar ist die Zahl der Menschen. Es läßt sich denken, daß nicht nur Reisende aus den Überland-Greyhounds die Halle bevölkern. Unmöglich also, dieses Durcheinander unter Kontrolle zu halten.

Die Geschichte wäre indessen weniger nervenaufreibend gewesen, wenn es nicht noch einen Zusatzhinweis von unseren beiden V-Männern gegeben hätte. Ebenfalls übereinstimmend.

Joseph Jouet wurde nicht nur von seinen Freunden erwartet. Es gab Konkurrenten, die ihre Felle davonschwimmen sahen. Jouets Anwesenheit in New York City bedeutete für sie, geschäftlich an die Wand gedrückt zu werden. Deshalb sollte Jouet ausgeschaltet werden, sobald er seinen Fuß auf New Yorker Boden setzte. Alles stimmte von vom bis hinten. Für mich gab es keinen Zweifel an den vertraulichen Informationen unserer Verbindungsleute.

Der als Tramp getarnte Schießer gehörte nicht zu Jouets Freunden. Denn eine Schalldämpferpistole verwendet man normalerweise kaum für einen Begrüßungssalut. Die Konkurrenz war also zur Stelle.

Unsere Aufgabe war es, einen Mord zu verhindern - und vielleicht den Auftakt zu einem blutigen Bandenkrieg.

Das leise Schnarren des Walkie-talkie riß mich aus meinen Gedanken. Ich schaltete auf Empfang. Leon Eisners Funkstimme war es, unser Mann, der am diesseitigen Ausgang des Lincoln Tunnels postiert war.

»12 an Zero! 12 an Zero! 65 in 24! Bitte Bestätigung!«

Es war so weit. Der Greyhound aus New Orleans hatte soeben den Tunnel verlassen und die Auffahrtsrampe zum Bus Terminal erreicht. Ich schaltete auf Senden, bestätigte die Meldung und gab sie durch Rundruf an alle Kollegen weiter. Les Morell und Leon Eisner schwangen sich zu diesem Zeitpunkt bereits in ihre Dienstwagen und jagten zum Portal des Busbahnhofs an der Eighth Avenue. Die beiden waren unsere Eingreifreserve.

Ich verstaute das Funkgerät in meiner Jackentasche und zog den Dienstrevolver. Gewohnheitsgemäß schwenkte ich die Trommel aus und vergewisserte mich, daß alle sechs Kammern geladen waren.

Zweieinhalb Minuten brauchte der Greyhound, um die Auffahrtsrampe hinter sich zu bringen und in den Terminal zu rollen. Seine Endstation war Bussteig 7, direkt neben mir. Wir hatten die Zeitabläufe genau überprüft.

Ich sah mich um. Was jetzt noch an Wartungspersonal in orangefarbenen Overalls herumlief, trug samt und sonders die FBI-Dienstmarke in der Tasche. Reisende und Wartende hielten sich im Eingangsbereich zwischen Halle und Terminal auf. Einige waren aber bereits in die abfahrbereiten Busse gestiegen.

Etwas stach mir ins Auge, weit links, am Rand meines Blickwinkell.

Ich ruckte herum. Das Ding war knallrot mit weißen Streifen. Es rollte aus einem Tor am südlichen Ende der Terminals, ungefähr 100 Meter von mir entfernt. Eine Kehrmaschine! Noch drehten sich die Bürsten nicht, die die Fahrspuren zu fegen hatten.

Ich zerbiß einen Fluch auf den Lippen. Eine innere Stimme schrie Alarm. Ich kannte so was schon.

Die Maschine fuhr in meine Richtung. Hinter den getönten Scheiben des Führerhauses war der Fahrer kaum zu erkennen. Erst im nächsten Moment, als das Ding einen leichten Schwenker machte, sah ich den Rest. Sechs Männer mit geschulterten Straßenbesen marschierten neben einem einachsigen Anhänger hinter der Maschine. Das Begleitkommando trug die rot-weiße Arbeitskluft des Reinigungspersonals.

Unwillkürlich wollte ich aufspringen. Doch ich zwang mich zu verharren. Es war sinnlos. Uns blieb nicht mehr als eine Minute. Wir konnten die Kerle dort drüben nicht mehr überprüfen.

Und wir durften jetzt nicht die Pferde scheu machen. Ich versuchte, mich zu beruhigen. Auch die Kollegen sahen den heranwalzenden Reinigungstrupp. Jeder von uns war über die Gefahr im Bilde.

Ein schwacher Trost.

Sekunden später überschlug sich das Geschehen.

In der Einfahrt erschien der silbergraue Greyhound, dreckverschmiert von der mehrtägigen Fahrt. Das Dröhnen der gedrosselten Maschine erfüllte den Terminal.

Die Rot-Weißen und ihre rumpelnde Kehrmaschine waren jetzt noch 50 Meter entfernt.

Ich spannte die Muskeln an. Der schwere Revolver ruhte auf meinen Knien.

Der Greyhound fuhr eine Kurve und steuerte seine Fahrspur an. Bus und Kehrmaschine bewegten sich nun in spitzem Winkel aufeinander zu. Lärmend rauschte das Überland-Ungetüm heran.

Rechter Hand schoben zwei Männer in orangefarbenen Overalls einen Werkzeugkarren in Richtung Bussteig 7. Joe Kronberg und Hyram Wolfe, meine Kollegen. Ein letztes Mal blickte ich zum Eingangsbereich der Wartehalle hinüber. Dort drängten sich inzwischen die Leute und warteten darauf, daß das Gate freigegeben wurde.

Mit nachlassendem Motorengeräusch rollte der Greyhound aus New Orleans aus. Er war jetzt schon zum Greifen nahe. Die Druckluftbremsen begannen zu fauchen.

Ich zögerte keine Sekunde lang. Die Waffe unter dem Jackenaufschlag verborgen, richtete ich mich auf. Ich zwang mich, langsam und scheinbar gelassen zu bleiben, während ich ausstieg. Jede Hast mußte auffallen. Wer auch immer sich darüber wundern mochte, daß ich mich in dem leeren Bus aufgehalten hatte — sollte er. Es spielte keine Rolle mehr. Die Dinge ließen sich nicht mehr zurückschrauben.

Ich überquerte die Fahrspur von Bussteig 6, als der Greyhound aus dem Süden mit einem letzten Fauchen zum Stehen kam. Hinter den verschmutzten Scheiben waren die Leute nur als Schatten zu erkennen. Der Fahrer hob die Arme hinter den Kopf und reckte sich auf seinem Sitz.

Vor Steig 9 hatte das rot-weiße Rumpelding begonnen, seine Bürsten kreisen zu lassen, als könne es kein Wässerchen trüben. Die sechs Begleiter schwärmten aus und senkten ihre Besen. Irgendwie erinnerte mich der Anblick verteufelt an einen Schützenpanzer, dessen Infanteristen abgesessen waren und zum Angriff übergingen.

Mit zügigen Schritten bewegte ich mich auf den New Orleans-Bus zu. Die Seitentüren waren geöffnet worden. Die ersten Fahrgäste stiegen aus. Links hinter mir sah ich Steve und Blacky noch immer mit Schraubenziehern und Putzlappen hantieren. Joe und Hyram rollten ihren Werkzeugkarren heran. Milo Tucker, meinen Freund und Kollegen, konnte ich nirgendwo erblicken.

Ich selbst'fühlte mich wie auf dem Präsentierteller.

Als ich die mächtige Frontpartie des Greyhound erreichte, erstarb dessen Motor. Der Fahrer stieg aus, um den Leuten ihr Gepäck auszuhändigen. Ich erreichte den Bussteig und sah, daß schon mehr als die Hälfte der Reisenden ausgestiegen waren.

Ich wußte, wie Jouet aussah. Unmöglich aber, ihn in dem Gedränge auf Anhieb zu entdecken. Ich wandte mich nach rechts. Ich tat, als wollte ich jemand abholen. Vom Eingangsbereich her war das Getrappel von Schritten zu hören. Sie hatten das Gate geöffnet. Ich spürte, wie meine Kopfhaut zu kribbeln begann.

In diesem Momemt geschah es.

Etwas klatschte hell und knirschend.

Die Gespräche der Leute brachen ab. Verwunderung entstand in ihren Gesichtern. Die wenigsten begriffen sofort.

Für mich war es wie eine Momentaufnahme. Dicht neben der mittleren Tür war ein daumengroßes Loch in der Aluminiumhaut des Greyhound entstanden.

Einen Sekundenbruchteil später klatschte es erneut. Sicherheitsglas zersprang in tausend Krümel. Schreie gellten. Die Leute begriffen endlich. Gewühl entstand, der Beginn der Panik.

Ich sprintete los, weg von dem Greyhound. Jetzt verbarg ich den Smith & Wesson nicht mehr. Aus den Augenwinkeln heraus sah ich meine Kollegen heranstürmen.

Etwas zischte laut und vernehmlich. Ich konnte mich nicht mehr darum kümmern.

Es wunderte mich nicht, als die sechs rot-weißen Straßenfeger erst jetzt ihre Besen wegwarfen und zu dem einachsigen Hänger rannten. Ihre wichtigste Aufgabe war das Ablenkungsmanöver gewesen. Aber der Heckenschütze hatte gefehlt. Jetzt lag es an ihnen, die Schlappe auszubügeln. Aus dem Führerhaus der Kehrmaschine schwang sich der siebente Rot-Weiße und hastete ebenfalls zum Anhänger.

Noch sechs Meter trennten mich von den Kerlen. Ich mußte an ihnen vorbei. Daran gab es nichts zu rütteln.

Der erste von ihnen riß seine Tommygun aus dem Anhänger, schnellte mit einem Sprung zur Seite und ging breitbeinig in Anschlag.

Mit beiden Händen riß ich den 357er im Laufen hoch. Ich feuerte, ohne mein Tempo zu verringern. Der schwere Revolver ruckte empor, spie Feuer und Teilmantelblei.

Den Mann mit der Maschinenpistole traf es an der Schulter. Die Wucht des Einschusses riß ihn herum wie einen Kreisel. Seine Arme flogen hoch, und die Tommy-gun jagte einen unkontrollierten Feuerstoß in Richtung Hallendach.

Das Gellen der Schreie nahm zu. Die Panik ließ sich nicht mehr auf halten.

Immer noch dieses Zischen…

Die Magnum-Revolver meiner Kollegen begannen zu wummern.

Vor mir wischten die Rot-Weißen auseinander. Nicht alle schafften es noch, ihre Waffen aus dem Hänger an sich zu reißen.

Ich rannte weiter. Der Feuerschutz meiner Kollegen funktionierte.

Etwas sirrte haarscharf an meinem Kopf vorbei.

Reaktionsschnell begann ich, Haken zu schlagen. Und im selben Moment sah ich die Bewegung.

Der Heckenschütze hatte sich auf einem Querträger knapp unter der Überdachung verborgen, ganz nahe bei dem Tor, aus dem die Kehrmaschine aufgetaucht war. Jetzt turnte er abwärts. Das Schnellfeuergewehr mit dem Zielfernrohr behinderte ihn. Er ließ es fallen. Es mußte ihm höllisch in den Knochen stecken, daß er weder Jouet noch mich erwischt hatte.

Ich schlug meine Haken schneller. Noch 20 Meter bis zu dem rotlackierten Tor! An der Kehrmaschine war ich schon vorbei.

Eine Maschinenpistole ratterte gegen die wummernden Revolver meiner Kollegen an.

Im Laufen wirbelte ich herum, bereit, mich zur Wehr zu setzen, falls sie es doch noch auf mich abgesehen hatten. Aber Steve, Blacky und die anderen waren auf Draht. Einer der Rot-Weißen schraubte sich empor, verlor die Waffe aus den Händen und schlug der Länge nach hin.

Flüchtig erkannte ich noch, was das laute Zischen zu bedeuten hatte. Die rechte Seite des Greyhound aus New Orleans war in dichte milchig-graue Nebelschwaden gehüllt. Jouet war auf alle denkbaren Zwischenfälle vorbereitet gewesen.

Ich hatte meine ursprüngliche Richtung wieder und setzte meinen Spurt fort.

Noch zehn Meter.

Der Heckenschütze hatte die letzte Stützstrebe erreicht und ließ sich aus drei Metern Höhe auf den Betonboden fallen. Er trug einen dunklen Trainingsanzug und Turnschuhe. Federnd landete er dicht vor dem Tor.

»Stehenbleiben!« brüllte ich und brachte gleichzeitig den Smith & Wesson hoch.

Der Mann dachte nicht daran, auf mich zu hören. Mit einem wilden Sprung warf er sich gegen den linken der nur angelehnten Torflügel.

Ich jagte eine Kugel über seinen Kopf hinweg. Das Geschoß pilzte sich auf und schlug eine faustgroße Beule in den Stahl des Tores.

Den Heckenschützen beeindruckte es nicht. Sein Fluchtweg war frei, als das Tor weit aufschwang. Er stürmte in eine hell erleuchtete Nebenhalle, in der an beiden Seiten Maschinen und Gerätschaften aufgereiht waren.

Ich legte einen Zahn zu und Verzichtete darauf, noch einmal zu feuern. Der Vorsprung des Fliehenden schmolz auf fünf Meter zusammen.

Einen Atemzug später stockte mir das Blut in den Adern.

Links hinten in der Halle tauchte plötzlich ein orangefarbener Overall auf. Milo Tucker! Ahnungslos und ohne jeden Schutz rannte er in das helle Licht. Den Revolver hatte er gezogen, aber noch nicht im Anschlag. Wie von einer unsichtbaren Mauer gestoppt, prallte er zurück, als er die jähe Gefahr erkannte.

Ich sah nicht, daß der Heckenschütze blitzschnell unter seine Trainingsjacke gegriffen hatte. Ich sah nur, daß er schneller war als Milo. Ein vernickelter Revolver schimmerte in der Rechten des Gangsters.

Mein Freund versuchte noch, den Smith & Wesson hochzureißen. Alles spielte sich innerhalb von einem winzigen Sekundenbruchteil ab.

Kalte Wut packte mich. Milo hatte keine Chance. Ich weiß nicht mehr, wie ich es schaffte, schnell genug zu sein. Anschlägen, Anvisieren und Durchziehen waren ein einziger blitzartiger Bewegungsablauf.

Mein 357er brüllte die Wut hinaus, die ich empfand. Das Donnern des Smith & Wesson vereinte sich mit dem trockenen Bellen des vernickelten Revolvers.

Entnervt schloß ich die Augen. Einen Moment lang hatte ich das Gefühl, nicht hinsehen zu können.

Dann hörte ich Milos Dienstrevolver wummern. Ich riß die Augen weit auf und merkte erst jetzt, daß ich den 357er immer noch weitausgestreckt im Beidhandanschlag hielt.

Den Mann im Trainingsanzug schüttelte es durch wie von wechselseitigen Sturmböen. Er hatte die Arme hochgeworfen, und seine Nickelwaffe flog in hohem Bogen durch die Luft. Dann sank der Mann in sich zusammen. Ich sah Milo in voller Größe und unversehrt.

Ich ließ den Smith & Wesson sinken, atmete tief durch und spürte, wie das Gewicht eines Felsbrockens von meinem Herzen wich.

Milo deutete zum Hallendach, als ich ihn fragend ansah. Die Revolverkugel des Heckenschützen hatte ein spinnennetzartiges Loch in das Plexiglas einer Lichtkuppel gerissen. Wortlos klopfte ich meinem Freund auf die Schulter.

»Das war knapp«, sagte er schweratmend. »Du warst einen Sekundenbruchteil schneller.«

Ich nickte nur. Dem Mann war nicht mehr zu helfen. Reglos lag er auf dem Beton. Auch Milos Kugel hatte ihn noch getroffen. Mein Freund war nicht mehr in der Lage gewesen, seinen Zeigefinger noch zu entspannen. Mehr als eine Zehntelsekunde konnte es nicht gewesen sein, in der es um Leben und Tod gegangen war. Wir hatten in Notwehr gehandelt.

Trotzdem würde es lange Zeit dauern, dies zu überwinden. Auch in Notwehr tötet man nicht, ohne mit der Wimper zu zucken — selbst wenn der andere ein Verbrecher war.

Einen Moment lang hatten wir schweigend dagestanden. Dann erst wurde uns bewußt, daß es im Terminal still geworden war. Keine Schreie mehr, kein Hämmern von Maschinenpistolen, kein Krachen von Revolvern.

Wir wandten uns um und gingen hinüber. Auf dem Weg schoben wir die Dienstrevolver in die Schulterhalfter zurück. Es war ausgestanden.

Unsere Kollegen hatten die Gangster zusammengetrieben. Drei waren schwerverletzt. Die übrigen vier standen mit hocherhobenen Armen schräg an die Kehrmaschine gestützt. Steve und Blackfeather durchsuchten sie, während Joe und Hyram ihre Waffen in Anschlag hielten.

Wir sahen, daß alle Unbeteiligten hinter das Gate dirigiert worden waren.

»Und?« fragte ich.

Joe Kronberg sah mich an. Er blies die Luft durch die Nase und schüttelte den Kopf. »Jouet können wir in den Wind schreiben«, sagte er niedergeschlagen. »Er hat verdammt genau gewußt, wozu er die Nebelkerzen bei sich hatte. Gleich drei Stück. Das Durcheinander war gut genug für ihn, heimlich von der Bildfläche zu verschwinden.«

Ich winkte ab. Den Rest konnte ich mir denken. Die Anti Crime Cops traf keine Schuld. Sie hatten im Augenblick der Gefahr nichts anderes tun können, als alle Fahrgäste schleunigst in Sicherheit zu bringen. Drüben in der Wartehalle hatte es dann keine Möglichkeit gegeben, Jouet noch herauszupicken.

Wir bliesen den Einsatz ab. Wie sich herausstellte, hatten die Gangster die Kehrmaschine erst kurz vor dem Eintreffen des Busses in ihre Gewalt gebracht. Milo, der die Nebenräume kontrollierte, war zu spät gekommen. Und als er die Schüsse aus dem Terminal hörte, war er fast ins Verderben gelaufen.

Immerhin hatten wir einen Mord verhindert. Und wir hatten Jouets Konkurrenz-Organisation einen Schlag versetzt, von der sie sich so schnell nicht erholen würde. Daß das FBI auf den Plan treten würde, hatte niemand vorausgesehen. Die gegnerischen Rauschgift-Ringe hatten geglaubt, es im Bus Terminal unter sich ausschießen zu können.

Was wir nicht geschafft hatten, war, Joseph Jouet aus dem Verkehr zu ziehen, bevor er Unheil stiften konnte.

 

 

4

Marge Huffman lenkte ihren silberfarbenen Buick Regal auf den Parkplatz gleich neben dem Haus. Sie zog die Einkaufstüten vom hinteren Sitz, legte sie auf die Heckklappe und verriegelte die Wagentüren.

»Oh, guten Morgen, Miß Huffman!« Die Stimme war zerbrechlich wie Herbstlaub, doch voller Freude.

Marge wandte sich um und lächelte. Mrs. Lambert aus dem Haus schräg gegenüber war eine nette alte Lady, die viel Verständnis für jüngere Leute hatte. Eine von den wenigen, die sich nicht am Tadj Mahal störten. Die meisten Nachbarn glaubten, daß dort die Jugendlichen zum Rauschgiftkonsum verführt wurden, obwohl genau das Gegenteil der Fall war.

»Hallo, Mrs. Lambert, guten Morgen!« Marge strich sich das lange schwarze Haar aus dem Gesicht und blieb vor der Heckstoßstange ihres sportlichen Wagens stehen.

Die zierliche grauhaarige Frau war bereits auf den Parkplatz eingebogen. Sie wußte, daß Marge Huffman immer für ein paar Plauderminuten Zeit hatte.

»So früh schon auf den Beinen?« rief Mrs. Lambert redselig. Sie führte einen überfütterten Cockerspaniel an der Leine, der sich nur schwerfällig watschelnd bewegen konnte.

Marge lachte und zeigte auf die Einkaufstüten. »Das will auch erledigt werden. Und wenn man ein eigenes Geschäft hat, dann muß man zu den unmöglichsten Zeiten selbst einkaufen gehen.«

Mrs. Lambert nickte und strahlte die schlanke junge Frau an. »Ich weiß, Sie haben es nicht leicht, Miß Huffman. Aber ich glaube auch, Sie führen ein zufriedenes Leben. So etwas sieht man einem Menschen an, wissen Sie. Ihre Boutique geht doch gut, nicht wahr?«

»Ja, sicher«, antwortete Marge bereitwillig. Sie wußte, daß die alte Lady nicht neugierig war. »Im ersten Jahr war es schwierig, aber jetzt bin ich mit dem Umsatz über den Berg. Und Sie sehen…« Sie klopfte auf das Blech des Buick Regal, den sie erst vor einem halben Jahr gekauft hatte. »… die äußeren Zeichen des Erfolgs sind auch schon vorhanden.«

»Das ist schön«, sagte Mrs. Lambert, »wirklich schön. Es ist wunderbar mitzuerleben, wie Sie zurechtkommen. Wenn junge Menschen etwas riskieren, sich eine eigene Existenz aufbauen und dann Erfolg haben, sollte man sie nicht beneiden. Zu viele Leute sind mißgünstig. Ich meine, wer hart arbeitet, muß auch einen anständigen Lohn dafür erhalten. Ach, übrigens…« Sie unterbrach ihren Redefluß. »… da fällt mir ein: Haben Sie schon etwas von dem jungen Mann gehört? Wie geht es ihm?«

Marge runzelte die Stirn. »Wovon reden Sie? Welcher junge Mann?«

»Ach, ich dachte, er hätte schon bei Ihnen angerufen. Na, dann können Sie es wohl noch gar nicht wissen.«

»Mrs. Lambert«, sagte Marge drängend und mit einem gequälten Lächeln. »Ist irgend etwas passiert? Welchen jungen Mann meinen Sie überhaupt?«

»Na, diesen netten Jungen, der fast jeden Tag bei Ihnen ist. Arbeitet er nicht in dieser… dieser Gruppe? Gestern abend hat er Ihr Haus verlassen, als es schon fast Mitternacht war. Wissen Sie, ich bin abends lange wach. Mit dem Einschlafen klappt es nicht mehr so recht, und fernsehen kann man auch nicht dauernd. Da sitze ich dann oft am Fenster und…«

»Mrs. Lambert! Was wollen Sie mir denn nun sagen?«

»Oh, entschuldigen Sie. Manchmal rede und rede ich und komme einfach nicht zur Sache. Glauben Sie mir, ich kenne meine eigenen Fehler, Miß Huffman.« Marge mußte wieder lächeln. »Und unsereins ist manchmal zu gehetzt«, nickte sie, »auch unsere Generation kennt ihre Fehler. Was den jungen Mann anbetrifft… ich glaube, Sie sprechen von Alan Shaftes. Er ging gestern abend als letzter. Wir hatten eine lange Diskussion.«

»Alan Shaftes! Richtig! Nun, er war doch gerade aus dem Haus, als hier vom Parkplatz ein Wagen kam und ihn anfuhr.«

»Was?« rief Marge bestürzt.

»Nein, nein, nicht was Sie denken. Es ist überhaupt nichts passiert. Der Fahrer hat noch rechtzeitig gebremst, und Mr. Shaftes kriegte nur einen kleinen Stoß ans Bein. Er wollte gleich weitergehen, aber dieser Autofahrer war ein wirklich netter Mensch. So etwas trifft man heutzutage nur noch selten. Er hat einfach darauf bestanden, Mr. Shaftes ins Bellevue Hospital zu fahren, damit sie dort nachsehen, ob wirklich alles in Ordnung ist.«

Marge Huffman sah die alte Lady schweigend an. Ihr Blick verlor sich ins Leere.

Ehe Mrs. Lambert mit einem neuen Redefluß beginnen konnte, rollte ein betagter Volkswagen Käfer klappernd und rumpelnd auf den Parkplatz. Der Mann, der ausstieg, war groß, schlank und sportlich. Die Tür schepperte, als er sie mit Schwung zuschlug. Dunkelhaarig, mit gepflegten Jeans und einer eleganten hellen Lederjacke hätte er auf jedes Werbefoto gepaßt, das den selbstbewußten und erfolgreichen Zigarettenraucher von heute darstellt. Er lief auf Marge zu und nahm sie in die Arme.

»Oh, Mr. Mahon! Ich freue mich immer, wenn ich Sie und Miß Huffman zusammen sehe!« Mrs. Lambert hob die Arme und klatschte begeistert die Handflächen gegeneinander. Dabei straffte sich die Hundeleine, und das vierbeinige Übergewicht an ihrer Seite erlitt für eine Minute heftige Atemnot.

Rod Mahon wandte sich um und nahm auch Mrs. Lambert in die Arme. »Über Sie freue ich mich auch immer, Nachbarin! Wenn alle so wären wie Sie!« Er ließ sie los und sah sie strahlend an.

Mrs. Lambert errötete, schmunzelte und senkte verlegen wie ein Schulmädchen den Kopf.

»Gehen wir hinein, Rod!« sagte Marge mit plötzlichem Ernst. »Mrs. Lambert, vielen Dank für den Hinweis. Ich werde gleich bei Alan anrufen.«

»O ja, tun Sie das!« sagte die alte Lady mit eifrigem Nicken. »Er wird sich bestimmt darüber freuen, wenn sich jemand um ihn kümmert. Einen schönen Tag wünsche ich Ihnen noch.« Sie bückte sich und streichelte ihren Hund. »Komm, Churchill! Jetzt müssen wir aber gehen. Wir können nicht immer alle Leute mit unserem Gerede aufhalten.«

Rod Mahon sah Mrs. Lambert mit versonnenem Lächeln nach. Dann griff er sich die Einkaufstüten, und mit langen Schritten holte er Marge ein, die bereits auf dem Weg zum Hauseingang war.

Rods Gesicht war ernst geworden. »Was ist mit Alan?« fragte er knapp.

Marge erklärte es ihm, als sie die Tür aufschloß. Rod schob sich mit den Einkaufstüten herein und legte sie auf den Jugendstil-Tisch neben dem Garderobenständer aus massivem Messing. Er wartete, bis seine Verlobte die Tür von innen verriegelt hatte.

»Du denkst dasselbe wie ich.« Er sah Marge mit starrem Blick an. »Das war kein Zufall.«

Details

Seiten
125
Jahr
2020
ISBN (eBook)
9783738941432
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v903495
Schlagworte
mittel trevellian

Autor

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Titel: Trevellian und das letzte aller Mittel