Lade Inhalt...

Um Philine raufen sich die Männer

©2020 112 Seiten

Zusammenfassung

Philine ist das schönste Mädchen im Dorf und ihrem Vater gehört der »Alpenhof«, das größte Hotel im Tal. Da es ein reiner Familienbetrieb ist, müssen alle mit anpacken, so auch Philine, die fast jeden Tag im Schankraum die Gäste bedient. Dort finden sich zudem stets die heiratsfähigen Burschen des Dorfes ein, die alle der Meinung sind, ein persönliches Anrecht auf Philine zu haben, was stets zu derben Diskussionen, manchmal aber auch zu handgreiflichen Auseinandersetzungen führt.
Doch die junge Frau kümmert das nicht, denn sie hat nur Augen für den jungen, schüchternen Lehrer, den es nicht ganz freiwillig dorthin verschlagen hat und der seit einigen Wochen bei ihnen im Tal lebt. Das ruft Neid und Ungunst der anderen jungen Männer hervor, die überlegen, wie sie das junge Glück auseinanderbringen können, dabei nicht unbedingt zimperlich vorgehen und auch schon mal am Rand des Gesetzes handeln …

Leseprobe

Table of Contents

Um Philine raufen sich die Männer

1.

2.

3.

4.

5.

6.

7.

8.

9.

10.

11.

12.

13.

14.

15.

Um Philine raufen sich die Männer

 

 

Roman von G. S. Friebel

 

 

 

IMPRESSUM

 

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© Roman by G.S. Friebel

© Cover: Pixabay mit Kerstin Peschel, 2020

Korrektorat: Kerstin Peschel

© dieser Ausgabe 2020 by Alfred Bekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

 

 

 

Klappentext:

 

Philine ist das schönste Mädchen im Dorf und ihrem Vater gehört der »Alpenhof«, das größte Hotel im Tal. Da es ein reiner Familienbetrieb ist, müssen alle mit anpacken, so auch Philine, die fast jeden Tag im Schankraum die Gäste bedient. Dort finden sich zudem stets die heiratsfähigen Burschen des Dorfes ein, die alle der Meinung sind, ein persönliches Anrecht auf Philine zu haben, was stets zu derben Diskussionen, manchmal aber auch zu handgreiflichen Auseinandersetzungen führt.

Doch die junge Frau kümmert das nicht, denn sie hat nur Augen für den jungen, schüchternen Lehrer, den es nicht ganz freiwillig dorthin verschlagen hat und der seit einigen Wochen bei ihnen im Tal lebt. Das ruft Neid und Ungunst der anderen jungen Männer hervor, die überlegen, wie sie das junge Glück auseinanderbringen können, dabei nicht unbedingt zimperlich vorgehen und auch schon mal am Rand des Gesetzes handeln …

 

 

***

 

 

1.

 

Der Schankraum lag wie ausgestorben da. So würde es bestimmt auch noch eine Weile bleiben, wenn man mal von den lästigen Fliegen absah, die brummend gegen die blanken Fensterscheiben flogen und die Lampen bekleckerten, was Philine missmutig zur Kenntnis nahm. Obwohl niemand kam, um ein Bier oder eine Cola zu verlangen, denn bei dem schönen Wetter waren die Gäste alle draußen, hatte sie Dienst. Der Vater war darin unerbittlich. Sie konnte noch so viel murren und widersprechen, sie musste bleiben.

Wenn man achtzehn Jahre alt war und das Leben vor der Tür so herrlich lockte, wenn man wusste, was da alles geboten wurde, da konnte man wirklich so etwas wie grantig werden. Nicht nur, dass sie im Winter Skilifte besaßen, nein, man musste ja auch den Gästen im Sommer etwas bieten, also hatte man im Tal Pferde, die man mieten konnte.

Jetzt hatten sie sogar auf dem Dorfanger eine Minigolf Anlage errichtet. Und das neue Schwimmbad lockte einfach bei diesem schönen Wetter. Die Cafés hatten jetzt lustige Musik, Philine konnte sie ganz deutlich hören.

Es war wirklich zum Auswachsen langweilig hier in der Gaststube. Wenn sie noch einen Gast hätte ärgern können, nun ja, das durfte sie nur so nebenbei, dass er es nicht bemerkte. Also Spaß gab es schon, aber nicht mal dieses Vergnügen hatte sie.

Sie lehnte an der Theke und studierte das Käsblatt, wie sie verächtlich die Bauernzeitung bei sich nannte. Mein Gott, dachte sie trübsinnig, andere haben es viel leichter als ich, die dürfen ins Büro gehen und lernen dort fesche Männer kennen, und überhaupt, die führen bestimmt nicht so ein langweiliges Leben wie ich daheim. Aber die Eltern, na ja, man kann es ihnen einfach nicht erklären. In Philines Augen waren die Eltern schon fast so etwas wie Greise, die man nachsichtig behandeln musste.

Dabei waren sie wirklich großzügig. Hatte sie sich doch gestern dieses fesche Dirndl kaufen dürfen. Sie betrachtete sich mit wohlgefälligen Augen und fand sich sehr hübsch. Eitel war sie natürlich nicht, nein, nur stolz, dass ihr das Kleid so gut stand. Jetzt wollte sie doch unbedingt sehen, ob auch die Schürze hinten gut gebunden war. Vorhin war sie so schnell aus der Stube gestürzt, da hatte sie nicht mehr darauf achten können. Sie blickte sich suchend um. Der einzige Spiegel, der im Gastraum vorhanden war, war ein sehr kunstvoll geschnitzter runder Spiegel, aber nicht geschaffen, um sich ganz darin zu betrachten. Das würde vielleicht gehen, wenn sie sich dazu auf einen Stuhl stellte.

Nun, warum nicht, es war ja niemand zugegen, der sich darüber hätte lustig machen können. Schnell holte sie also einen Stuhl, bestieg ihn und zupfte wenig später an dem Schößchen vom Leibchen herum. Es saß alles, wie es sitzen musste. Sie leckte sich über die Lippen und lächelte sich zu. Doch dann verdüsterten sich doch noch die hübschen Augen.

Philines ganz großer Kummer war nämlich, dass sie nicht genug Holz vor den Hütten hatte, wie man es hier ausdrückte, wenn man von den weiblichen Reizen obenherum sprach. Sie nagte an ihrer Unterlippe.

Zuerst versuchte sie diesen Missstand damit zu beheben, dass sie ihr Brusttuch hineindrückte und es so zupfte, als sähe es jetzt üppig aus.

Bei dieser Hitze und dazu noch im Gastraum, nein, das ging einfach nicht, da würde sie ja wie ein Eis in der Sonne schmelzen und feuchtes Haar bekommen. Wo sie doch so stolz auf ihre Naturlocken war. Die Mutter sah es ja lieber, wenn sie es hinten zu einem Zopf band, aber der Vater meinte lachend: »Lass sie doch, wenn wir schon so a fesches Madl haben, dann sollen die Leut’ es auch ruhig sehen. Ich weiß doch, dass viele Gäste die Philine mögen und deswegen immer wiederkommen.«

Nein, das mit dem rosa Brusttuch ging auch nicht. Das war was für die kalten Tage.

»Hm«, murmelte sie nachdenklich vor sich hin. »Aber fescher sieht es aus, wenn ich hier oben herum dicker wäre. Ob ich wohl noch was bekomme? Darauf kann ich jetzt aber nicht warten.«

Sie blickte sich um.

Dann lächelte sie.

»Bis es so weit ist, muss man der Natur halt ein wenig nachhelfen«, murmelte sie vergnügt vor sich hin, sprang vom Stuhl, ging hinter die Theke.

Dort waren in einer Schublade immer Tempotaschentücher. Davon holte sie sich jetzt ein paar und stieg damit wieder auf den Stuhl.

Sie war so vertieft in ihre Arbeit, dass sie gar nicht bemerkte, wie im Hintergrund sich die Tür öffnete und jemand herein gehuscht kam.

Dieser Jemand blieb eine Weile lautlos stehen. Der Schabernack saß ihm im Nacken. Weil er sich just in diesem Augenblick auch langweilte, fand er in Philine ein günstiges Opfer.

In die absolute Stille hinein trompetete plötzlich eine schrille Stimme: »Hab ich dich endlich ertappt!«

Philine war so starr und steif vor Schreck, dass sie fast vom Stuhl gefallen wäre. Dafür taten es aber die Tempotücher, die noch nicht ihre Bestimmung zugewiesen bekommen hatten.

Das junge Mädchen hatte sich aber flugs von dem Schock erholt und fuhr blitzschnell herum und sah den Sünder!

»Oh, du Scheusal«, kreischte sie auf.

Vom Stuhl springend und hinter ihm her hetzend war eins, denn sie war ja auch flink auf den Beinen.

Damit hatte der kleine Sünder nun wiederum nicht gerechnet. Um seine Haut zu retten, suchte er nun eiligst das Weite. Aber der Racheengel war ihm dicht auf den Fersen, und Phil, wie sie auch oft gerufen wurde, war ja deswegen so fuchsteufelswild auf den Sünder, weil sie annehmen musste, dass er alles mitbekommen hatte. Es war nicht auszudenken, wenn er jetzt im Dorf alles herumtratschen würde. Damit dieses nicht geschähe, gab es nur ein Allheilmittel für ihn, ihn gründlichst zu verprügeln.

Auf dem Hof erwischte sie ihn auch endlich und packte ihn und warf ihn zu Boden. Sie landeten beide auf dem Misthaufen, unterhalb von dem stolzen Hahn Leopold und glücklichen Besitzer von zehn Hühnern. Dieser war in der Mittagssonne ein wenig eingenickt und wurde jetzt durch das Geschrei brutal aufgeschreckt und flog zur Sicherheit erst einmal auf das Scheunendach.

Der Racheengel hatte den jüngeren Bruder nun endgültig am Schlafittchen und walkte ihn gehörig durch. Um ihn besser halten zu können, griffen ihre Hände hinter die Träger seiner Lederhose. Leider hielten die Hirschhornknöpfe diesen Strapazen nicht mehr stand und sprangen dem Mädchen um die Ohren. Aber nicht mal das hielt sie davon ab, ihm das Fell zu gerben. Jakob, der um sein letztes Stündlein bangen musste und nicht so große Kräfte entwickeln konnte, wusste sich, anderweitig zu helfen, indem er sein Mundwerk wie ein Scheunentor aufriss und zu brüllen anfing. Die Schläge waren es nicht, nein, der Fall und der Misthaufen, das war einfach zu viel für eine Bubenseele.

Da es, wie schon mal erwähnt, sehr still im Dorf war, denn es war die Stunde nach dem Essen, wo man entweder im Schatten oder im Schwimmbecken lag und nur ein paar alte Leute sich auf ihre Zimmer zu einem Mittagsschläfchen zurückgezogen hatten, erschreckten diese in ihrem Nickerchen. Das hatten sie gar nicht gerne. Es war also noch keine Minute der Qual vergangen, da öffneten sich auch schon ein paar Fenster, und man schimpfte in den Hof.

Das Mädchen ließ sich nicht beirren. Diese günstige Gelegenheit, um den Bruder mal gehörig zu verprügeln, war sowieso sehr selten, also nutzte sie es gründlichst aus. Für das Ärgernis, für die Schandtaten in der Vergangenheit und weil sie nun mal so schön im Zug war, auch gleich für die Zukunft.

Doch dann donnerte eine Stimme über den Hof, und sie hielt sofort inne.

Der Vater!

Marius Niederegger kannte kein Pardon, wenn es um die Gäste ging. Und dass man sich lauthals beschwerte, war sogar in seine Stube gedrungen.

»Lass sofort den Bub los! Und was treibst dich da auf dem Hof herum! Marsch in die Gaststub!«

Schon wollte Philine dem Vater bitter ihr Leid klagen, als sie zu ihrem grenzenlosen Entsetzen bemerkte, dass ihr schönes neues Dirndl verdorben war. Jakob hatte sich längst losgerissen und stand im gebührenden Abstand am Scheunentor und griente ihr zu: »Pechmarie, Stinkmarie, olle Stinkmarie!«

Marius Niederegger hatte auch oft Lust, dem jüngsten Sprössling das Fell über die Ohren zu ziehen. Aber das ging nun wirklich nicht, wenn zahlende Gäste im Haus weilten, und das wiederum wusste auch der pfiffige Jakob und nutzte es weidlich aus.

Am liebsten hätte auch Philine zu plärren angefangen, so entsetzt war sie über das verschmutzte Dirndl, aber noch rechtzeitig fiel ihr ein, dass sie ja nun schon eine junge Dame war.

Der Vater sah ein, dass sie in diesem Zustand unmöglich ihren Dienst weiterführen konnte.

»Geh nach oben! Bevor du dich umziehst, dusch dich aber gründlichst! Meine Güte, muss das denn sein?«

Als sie im Haus war und die Treppe hinaufstieg, jammerte und wehklagte sie in einem fort: »Kleine Brüder müssten von der Polizei verboten werden! Eine Sünde und Schande ist das, mit so einem Unhold unter einem Dach leben zu müssen.«

Sie war so sehr mit ihren Drohungen beschäftigt, dass sie gar nicht bemerkte, wie oben jemand an der Treppe stand und sie beobachtete.

»Jakobs Werk?«

Das junge Mädchen blickte auf und entdeckte die Großmutter.

»Ja«, sagte sie düster.

»Hab ich mir gedacht.«

Die Alte stützte sich schwer auf ihren Krückstock.

»Großmutter, hab ich dich vielleicht auch in deinem Mittagsschläfchen gestört?«

»Ach, ich arme, alte und zerbrechliche Frau brauche nicht mehr so viel Schlaf.«

Die Enkelin zwinkerte ihr zu.

»Die Platte brauchst du bei mir nicht aufzulegen.«

Goda sah die Enkelin entrüstet an.

»Was soll das heißen?«

»Dass du noch wieselflink bist, Großmutter, wenn du glaubst, es sieht niemand!«

Die Alte war verblüfft, doch dann lachte sie leise auf.

»Da weißt du wohl eine ganze Menge von mir, wie?«

»Natürlich.«

»Komm mit in mein Zimmer, ich helfe dir.«

Die Enkelin folgte ihr.

»Ich verstehe dich ja, aber warum machst du es?«

»Weißt, Kind, ich hab mein ganzes Leben schuften müssen und hab nie viel Muße gefunden, und jetzt im Alter, da will ich sie gründlich genießen. Aber hier in den Bergen, da heißt es ja, solange man noch schaffen kann, dürfen die Hände nicht ruhen, also damit ich mich möglicherweise nicht zu schämen brauche, bin ich halt schwächlich und von schlechter Gesundheit.«

»Du bist mir aber wirklich eine Listige. Die Eltern glauben es wirklich!«

Goda legte den Kopf schief.

»Ich kenne aber auch ein Geheimnis von dir, mein liebes Kind!«

Philine runzelte die Stirn.

»Wirklich?«

»Ich meine den jungen Lehrer!«

Ein sanftes Rot kroch über das hübsche Gesicht.

»Geh«, sagte sie ein wenig brüsk, »das ist nun wirklich kein Geheimnis.«

»Nun, Frau Lehrer zu werden, das ist doch nun wirklich etwas. Er scheint dich doch wirklich zu lieben, mein Kind!«

»Lieben«, erwiderte Philine aufgebracht, »nein, er hat mir gesagt, er könne mich dann auch von der Steuer absetzen, und von meiner Mitgift würden wir uns ein hübsches Haus bauen. Weißt, Großmutter, ich bin wirklich nicht scharf darauf, nur wegen meiner Mitgift geheiratet zu werden. Und außerdem, noch vor ein paar Tagen hat der Vater mir erklärt, das könne ich vorläufig vergessen, er habe so viele Hypotheken aufgenommen, dass er meine Mitgift einfach nicht auszahlen könne. Überhaupt brauchte er mich noch und könne mich gut von der Steuer absetzen.«

Goda lachte herzlich auf.

»Das ist ja wirklich ein schlimmes Leben, was du da führen musst, du armes Kind!«

»Ich will um meiner selbst willen geheiratet werden«, sagte sie eifrig.

»Vielleicht hat er sich nur ein wenig dumm ausgedrückt, der junge Herr Lehrer.«

»Möglich, aber weißt du, Großmutter, ich möchte etwas erleben, bevor ich heirate, dann hat man doch wieder einen Klotz am Bein, nicht nur einen Ehemann, sondern auch noch die Schwiegereltern und gar bald auch die Kinder.«

»Du bist ja wirklich ein recht kluges Kind.«

Philine bekam ganz rote Wangen.

»Weißt, ich möchte auch mal so leben wie unsere Gäste. Mein Gott, muss das schön sein. Vor lauter Langeweile fangen sie jetzt auch noch zu spinnen an. Ich hab wirklich nie Langeweile.«

»Wie bitte?«, fragte Goda verdutzt. »Was tun sie?«

»Spinnen«, lachte das junge Mädchen. »Nun, spinnert sind sie ja alle ein wenig, ich meine hier oben unterm Pony, aber jetzt fangen sie richtig zu spinnen an, im Hinterstübl von dem Fachgeschäft drunten am Brunnen, das Lädl der Luise. Und weißt, die Frau Geheimrätin, die kennst doch auch recht gut?«

»Meinst die mit der spitzen Nase, die sie immer so hoch trägt, und dem schwarzen Kleid?«

»Ganz recht, die meine ich, da kommt sie also in die Gaststube und was sagt die Spinatwachtel zu mir, ich war ja schon. mächtig erschrocken, dass sie überhaupt ein Wort an mich gerichtet hat. Also sagt sie: ›Meine Liebe, ich verstehe einfach nicht, warum Ihre Schafe keine schwarzen Beine haben, also daheim in der Heide, da haben die Schafe alle schwarze Beine und so Schnecken als Gehörn‹.«

Goda bekam verräterisch glitzernde Augen.

»Und was hast ihr geantwortet?«

Philine lachte die Großmutter herzlich an.

»Was ich geantwortet hab, willst wissen?«

»Freilich.«

»Also, ich hab ein ganz ernstes Gesicht gemacht und ihr gesagt: ›Gnädige Frau, es tut mir furchtbar leid, dass unsere Schafe keine schwarzen Beine haben und keine Wolle und keine Schnecken, das haben sie deswegen nicht, weil unsere Schafe nämlich in Wirklichkeit Ziegen sind‹.«

Die Großmutter lachte schallend und konnte damit eine Weile lang gar nicht aufhören.

»Das war gut!«

»Nicht?«, zwinkerte ihr Philine zu. »Ich habe schon so lange darauf gewartet, ihr mal eins zu verpassen.«

»Und was hat sie geantwortet?«

»Merkwürdig«, hat sie nur immer wieder gesagt, »das ist ja wirklich merkwürdig, ich verstehe es immer noch nicht.«

Großmutter und Enkelin lachten im Duett.

»Geh, Phil, wir dürfen uns nicht über zahlende Gäste lustig machen. Das gehört sich einfach nicht.«

»Aber du lachst ja auch!«

Sie zwinkerten sich zu, dann meinte das junge Mädchen nach einer Weile. »Ich wünschte, ich könnte auch in Kufstein eine Anstellung haben.«

»Kind, denke bloß nicht, das wäre schön. Im Gegenteil: Die Freundinnen erzählen dir bestimmt nicht, wie grantig der Chef oft ist. Hier kannst noch deine Arbeit einteilen, und es sind deine Eltern, die befehlen.«

»Aber ich käme mal von hier fort!«

»Alles hat seine Vor- und Nachteile, mein Kind. Aber jetzt geh, sonst kommt dich gleich der Vater suchen.«

Philine erhob sich.

»Ja, ich muss ja auch noch die Tische eindecken.«

»Vielleicht ist er doch nicht so schlecht?«

»Wer?«

»Der junge Herr Lehrer!«

»Hat er sich vielleicht bei dir schon eingeschmeichelt, Großmutter?«

»Hör mal!«

Goda sah mit Stolz auf die hübsche Enkelin.

»Ja, so wie du ausschaust, hast bestimmt genug Bewerber, nicht wahr?«

»Ich kann sogar wählen!«

»Und? Hast schon gewählt?«

»Nein!«

»Wenn es so weit ist, wirst es mir dann sagen?«

»Sicher, dir zuerst!«

»Geh mit Gott!«

»Danke, Großmutter.«

Sie tänzelte aus dem Zimmer.

 

 

2.

 

Als Philine wieder in die Gaststube trat, trug sie einen hellen weiten Rock und eine weiße Bluse dazu, auch damit sah sie sehr niedlich aus. Doch sie trauerte noch dem feschen Dirndl nach. Das musste jetzt erst in die Reinigung gebracht werden.

»Da bist du ja endlich«, brummte der Vater. »Aber jetzt keinen Ärger mehr, verstanden.«

»Warum sollt ich?«

Er ging hinaus, und da erst sah die Schwester den Bruder. Dieser hockte am kalten Kachelofen und versuchte die Knöpfe an seiner Hose anzunähen.

Die Mutter hatte keine Lust, sich die Hände an dem wilden Buben wund zu klopfen, zumal sie genau wusste, er besaß ein dickes Fell, und es würde gar nichts nützen, also ersann sie andere Strafen. Er musste jetzt nicht nur die Knöpfe an der lädierten Hose annähen, nein, Strümpfe zum Stopfen lagen auch parat. Jakob war sehr zornig, denn in seinen Augen war das Weiberkram. Nur man gut, dachte er, dass die Freunde das nicht sehen. Die kommen ja zum Glück nicht hierher. Das ist ihnen verboten. Müssen sie halt unten am Bach warten, bis ich komm.

Er warf der Schwester einen bösen Blick zu: »Musst denn auch so narrisch reißen?«, fragte er wütend.

Philine konnte sich vor lauter Freude gar nicht halten.

»Das geschieht dir recht«, sagte sie fröhlich und lehnte sich an die Theke und schaute ihm zu.

Jakob stocherte und stocherte und zerstach sich fast die Finger, nur die Knöpfe traf er nicht.

»Sakra, ich kann’s net!«

»Macht nichts, man lernt alles.«

Jakob besaß einen gescheiten Kopf, jetzt kam es nur darauf an. Philine mit einer List dazu zu bekommen, dass sie für ihn die Arbeit tat. Aber im Augenblick wollte ihm rein gar nichts einfallen.

Dann klappte auch noch die Tür, und zwei gestandene Mannsbilder kamen in die Gaststube. Philine eilte sofort hinter die Theke und machte ein geschäftstüchtiges Gesicht. Doch als sie die Besucher erkannte, sagte sie gedehnt: »Ach, ihr seid es!«

Der Doppelhofer-Poldi und der Halsegger-Jürn nahmen auf den Barhockern vor der Theke Platz.

»Seit wann sind wir keine guten Gäste?«

Philine zog es vor zu schweigen.

»Wir haben grade das Langholz runter geschafft, und jetzt ist unsere Kehle trocken, schenk uns schnell mal ein Krüglein ein, Philine.«

Die beiden jungen Burschen zwinkerten ihr zu. Sie waren natürlich auch in Philine verschossen.

Philine hatte die Großmutter wirklich nicht angelogen, als sie vorhin sagte, die

Burschen seien hinter ihr her. Damit meinte sie natürlich die heiratsfähigen Burschen, die für sie in Frage kamen, und das waren im Augenblick sechs. Für so ein Dorf war das in der Tat eine ganze Menge.

Der Doppelhofer, der Halsegger, Königshofer, Pircher und der Rathmayr. Alles gestandene Mannsbilder und Söhne von großen Höfen, also konnten sie sich in der Tat eine Chance ausrechnen. Es war nur so, alle sechs konnte sie ja unmöglich nehmen, also würde einer nur das Rennen machen.

So hatte es bis vor einiger Zeit noch ausgesehen. Den jungen Burschen war überhaupt nicht der Gedanke gekommen, dass Philine auch einen anderen Burschen nehmen tat. Wenn sie auch Hofsöhne waren und demnach also Ausschau nach einer zukünftigen Bäuerin halten mussten, kam doch die Philine in Frage. Besaßen sie denn nicht auch mal einen schönen Hof? Bis der Niederegger die Plage leid war und ihn umbauen ließ. Zuerst war es nur eine kleine Pension gewesen. Doch mit den Jahren hatte sich der Alpenhof daraus entwickelt. Ein prachtvolles Hotel im Ort, direkt neben der Kirche und der Schule. Er war der größte Steuerzahler des Dorfes geworden. Philine würde also mal eine gute Mitgift bekommen, so genau konnte man sich das natürlich nicht ausrechnen, aber reichen würde es. Dazu war sie noch blitzsauber und wieselflink und würde halt mal frischen Wind daheim machen. Darauf freute man sich ganz besonders. Selbst die Eltern hatten ja nichts gegen Philine, wenn sie ihnen auch ein wenig spillerig vorkam, aber schaffen konnte sie, davon konnte man sich allemal am Sonntag nach dem Kirchgang überzeugen. Da ging man auf ein Krüglein stets in den Alpenhof.

Bis jetzt hatten die Burschen auch noch so eine Art Burgfrieden gehalten. Einmal hatten sie sich zusammengesetzt und gemeint: »Deswegen schlagen wir uns doch nicht die Köpfe ein, nicht wahr!«

Flori meinte listig: »Machen wir es doch so, dass der Älteste unter uns einen Anspruch auf sie hat und sich um sie bewirbt.«

Er war zufällig der Älteste.

»Das hast dir ja fein ausgedacht«, knurrte Emmo und stieß ihn in die Seite. »Das kommt net infrage, jeder hat eine Chance, die Philine wird entscheiden.«

»So dürfen wir uns also alle um sie bewerben?«

»Freilich!«

Jürn war der Bedächtigere.

»Da wird dem Dirndl aber gewaltig der Kamm zu schwellen anfangen. Wenn das nur gut ist.«

»Sie ist ja nun auch blitzsauber, ich könnt’ gleich zu ihr gehen und sie fragen«, meinte Basti.

»Dann wissen wir jetzt, wo wir dran sind. Wenn sich Philine entschieden hat, dann geben die anderen sogleich Ruh, verstanden?«

Die fünf Köpfe nickten bedächtig.

»So soll es sein!«

Wie gesagt, das war vor einigen Wochen der Fall gewesen, aber jetzt hatte sich die Lage zugespitzt. Durch einen Ausländer! Für den Bergler waren alle die Ausländer, die nicht im Tal geboren worden waren. Dazu gehörte auch der junge Lehrer, er kam aus der Steiermark und war also ein Ausländer. Welches Schicksal ihn grad hierher verschlagen hatte, darüber schwieg er sich aus. Nun war er hier und hatte sich auch sogleich bis über beide Ohren in die schöne Wirtstochter verliebt. Seitdem lief er ein wenig spinnert herum zur Gaudi der sechs gestandenen Mannsbilder.

Sie waren sich ihrer Sache so sicher gewesen, denn schließlich hatten sie ja was aufzuweisen und sahen auch ganz anders aus als der spinnerte Lehrer, dass sie diesen in Gegenwart von Philine mächtig aufzogen. Das wiederum konnte das Mädchen nicht vertragen und hatte den Burschen aus dem Dorf ordentlich den Kopf gewaschen.

Das war an einem Sonntagmorgen gewesen, und sie hatten alle in der Gaststube gestanden. Und nicht nur sie, sondern das halbe Dorf. Also hörten sie Philine schimpfen: »Schämen solltet ihr euch, was hat euch der Lehrer getan, dass ihr so hämisch seid. Ich kann euch nicht mehr sehen. Das ist ja eine Sünd und Schand, wie ihr mit dem Fremden rumspringen tut. Er ist viel gebildeter als ihr alle zusammen. Das schreibt euch mal hinter eure Löffel!«

Über diese Standpauke waren sie zuerst so erbost gewesen, dass sie beschlossen, sich an dem Mädchen zu rächen. Eine andere aus dem Dorf hätte den Krieg nicht anfangen dürfen, sie wäre für ihr Leben gezeichnet gewesen. Aber Philine hatte eine lose Zunge, und Angst kannte sie nimmer. Sie hatte wohl viel von der alten Goda geerbt, die hatte auch immer gesagt, was sie dachte.

»Sakra«, hatte der Emmo gewürgt und seinen Krug hart auf die Theke gestellt. »Müssen wir uns das gefallen lassen?«

»Nein!«

Also spazierten sie zusammen nach draußen.

Eine Woche lang mieden sie den Alpenhof und damit auch die Philine. Sie dachten doch tatsächlich, diese würde jetzt erschrecken und irgendwie zu erkennen geben, dass es ihr leid täte.

Vielleicht hätten sie noch eine ganze Weile weiter geschmollt, wenn Jakob nicht gegen ein Sündengeld geplaudert hätte. Den hatte man nämlich abgepasst und nach der Schwester ausgefragt.

»Die?«, hatte er lustig geantwortet.

»Ja, was macht die denn? Das weiß ich auch nicht so genau!«

Nachdem aber jeder der Burschen ihm einen Schilling in die Hand gedrückt hatte, konnte er sich merkwürdigerweise recht gut daran erinnern, was sie tat.

»Nun, sie ist viel mit dem Lehrer zusammen, der kommt jetzt alle Tag zu uns, die Mutter bildet sich schon mächtig viel ein.«

»Was?«, schrie der Jürn auf.

»Ja freilich, weil die Philine ihn doch vor euch in Schutz genommen hat, glaubt der jetzt, sie würde ihn nehmen.«

»Das ist ein starkes Stück, das geht nicht an, die Philine gehört uns.«

Darin waren sie sich alle einig.

»Dieser Würstlsepp kann sich woanders ein Dirndl suchen, doch nicht unser feschestes Madl.«

»Tja, da wird wohl nix mehr gehen«, lachte Jakob listig.

Also waren sie wieder in den Alpenhof gepilgert, grad so, als wäre nichts gewesen.

Poldi und Jürn tranken ihren Krug leer. Weil es gar so heiß war, verlangten sie einen zweiten. Gerade hatte Philine eingeschenkt, da kamen auch die anderen vier Freier aus dem Dorf. Sie hatten den Langwagen draußen gesehen. Und. da ihre Höfe alle im Ort selbst lagen, konnten sie den Alpenhof gut überwachen. So sah sich Philine bald von der Garde umringt.

Jakob musste es sich gefallen lassen, sich von den jungen Burschen foppen zu lassen. Einen Augenblick lang dachte er daran, die Schwester unter Druck zu setzen. Natürlich hatte er gesehen, wohin sie die Taschentücher gesteckt hatte. Wenn er jetzt vielleicht nur eine kleine Andeutung machen würde, da würde Philine bestimmt hastig sagen: Geh hinaus, ich mach den Kram schon für dich weiter. Zur Vorsicht warf er einen Blick auf die große Schwester. Diese schien aber seine Gedanken lesen zu können. In ihrem Blick lag nämlich etwas Gewisses, das für den Buben nichts Gutes verhieß. Mit einem Wort, wenn er auch nur ein Sterbenswörtlein über die Sache über die Lippen brachte, dann konnte er für viele Wochen nicht mehr auf Phil rechnen. Er seufzte. Nun ja, so schlecht war sie ja auch wieder nicht. Ehrlich gesagt richtig gutmütig, und wenn die Eltern es mal gerade nicht sahen, schenkte sie ihm ein paar Groschen für ein Eis. Hin und wieder übernahm sie auch seine Aufgaben, damit er mit den Buben schwimmen gehen konnte. Nein, das durfte er jetzt wohl nicht riskieren.

Philine musste an das Gespräch mit der Großmutter denken und hörte nur halb hin, was die Burschen ihr vorsäuselten.

Sie dachte in der Tat jetzt an den jungen Lehrer.

 

 

3.

 

Stephan Simmet stand vor dem Spiegel und musterte sich, dabei seufzte er leise auf. Er fühlte sich einsam und unglücklich, und er wusste auch, dass er vieles falsch gemacht hatte, besonders seine Bewerbung um die Hand der schönen Philine. Er konnte sich selbst noch immer nicht ganz erklären, wieso er so vorgegangen war.

Er liebte sie wirklich!

Er liebte sie so sehr, dass es fast wehtat, wenn er nur an sie dachte!!

Er presste die Zähne zusammen und starrte sein Spiegelbild böse an.

»Ich kann es ihr ja noch nicht mal verdenken, dass sie mich nicht mag«, knurrte er böse. »Wer und was bin ich denn schon? Ein Nichts, ein Niemand!

Und gegen die Burschen aus dem Dorf sehe ich in der Tat sogar mickrig aus. Ich bin nun mal kein Muskelprotz und auch kein gestandenes Mannsbild, wie sie sich hier auszudrücken pflegen. Ich bin ein Lehrer!«

Dabei fiel ihm wieder ein, dass er sich bisher alles im Leben hatte erkämpfen müssen. Die reichen Bauernsöhne konnten gut und gerne spotten, sie hatten es immer leicht gehabt und begriffen nicht, dass man anders wurde, wenn man immer am Rand der Gesellschaft leben musste.

Weil er nicht so kräftig war wie die anderen Kinder, war er frühzeitig zum Lesen gekommen und hatte einen klugen Kopf sich buchstäblich erlesen und später erarbeitet. Er ging immer gern zur Schule, und der alte Lehrer hatte dann mit den Eltern gesprochen. Wie hatte er später arbeiten müssen, um sein Studium bezahlen zu können. Nichts hatte er sich gegönnt, keiner war da, der ihm beigestanden hatte. Die Zähne hatte er zusammen gebissen und war im Herzen auch so etwas wie kalt und herbe geworden. Mädchen? Ach nein, das konnte er sich nicht leisten, denn dazu brauchte man Zeit und auch Geld!

Er stand jetzt am Fenster und blickte hinunter. Wie friedlich und still es jetzt auf der Dorfstraße war.

Manchmal fühlte er noch den alten Stolz in sich, er hatte es geschafft, ja, er hatte es wirklich geschafft! Wie froh und stolz war er gewesen, als man ihm das Diplom überreichte!

Ich bin jetzt Lehrer!

Damals hatten die Eltern schon nicht mehr gelebt. Sie waren sehr schnell hintereinander gestorben, und die Geschwister hatten sich in alle Winde zerstreut. Zwei waren nach Amerika gegangen. Wo die jüngste Schwester sich im Augenblick aufhielt, konnte er nicht mal sagen.

Mit dem studierten Bruder hatten sie nie viel anfangen können. Linkisch und dumm waren sie sich vorgekommen. Stephan hatte das damals nicht so recht begriffen, doch jetzt, wo er hier lebte und sich dumm vorkam, wenn die Burschen sich brüsteten, da verstand er sie recht gut.

Er war Lehrer und verdiente ja auch nicht schlecht. Und er war jung, und durch das zähe Ringen um sein Studium war er auch in gewisser Weise innerlich besonders stark geworden.

Wieder ging er zum Spiegel zurück und musterte sich selbstkritisch.

Er trug ein bunt kariertes Hemd wie alle hier und eine schlichte Hose. Das war es nicht, nach außen hin fiel er wirklich nicht auf. Aber er wirkte schmal und sehr dünn. Er besaß welliges braunes Haar und auch ebensolche Augen. Sie wirkten ein wenig hilflos und verloren.

Dass er sehr still war und nicht viel sprach, kam daher, weil man ihn kaum etwas fragte.

Als er sein Studium beendet hatte, glaubte er fest daran, in einer Stadt angestellt zu werden. Aber dann hatte man ihn ausgerechnet in dieses Dorf verfrachtet. Er war sehr unglücklich darüber gewesen.

Es hielt so lange an, bis er Philine kennenlernte. Das war an einem Samstag gewesen, er war aus der Schule gekommen, und sie war leichtfüßig und flink über den Dorfplatz gelaufen. Ach, war sie schön. Für ihn war sie das schönste Mädchen weit und breit.

Sie hatte ihm flüchtig zugelächelt.

Damals hatte sie angenommen, er sei ein Feriengast. Aber wenig später hatten sie sich in der Gastwirtschaft wiedergetroffen, und da hatte er sich vorgestellt. Vom ersten Augenblick an hatte er sein Herz an Philine verloren. Es flatterte in seiner Brust, und jetzt fühlte er sich todunglücklich. Sie hatte ihn abgewiesen!

Und das Schlimmste war, es war ja noch ein heimlicher Kampf um die Gunst des Mädchens ausgebrochen.

»Sechs Feinde«, murmelte er betreten vor sich hin.

Sie alle hatten was zu bieten!

Anfangs hatte er vor lauter Schüchternheit gar nicht gewagt, Philine direkt in die kornblumenblauen Augen zu blicken, aber als sie ihn dann so verteidigte, da war sein Herz in Flammen aufgegangen. Liebe macht nun mal mutig.

Er hatte in so einer Wahnsinnsminute sich ihr erklärt, dabei vieles heruntergestottert. Ihm selbst war sogar bis jetzt noch nicht aufgegangen, dass er nicht mal einen Augenblick von Liebe gesprochen hatte. Sie hatte ihn nur groß angesehen und war dann wütend geworden. Das hatte ihn zutiefst verletzt, und er war für viele Tage unsichtbar geblieben. Doch das Band der Liebe war nun mal stärker. Er hielt es in dem einfachen Zimmer einfach nicht aus, und so war er wieder in den Alpenhof gekommen. Nur um still in der Ecke sitzen zu dürfen, dafür war er. ihr ja schon so dankbar. Sie ließ ihn auch gewähren.

Stephan war nur hier glücklich, denn sobald er sein Stüblein, das er bei der alten Schratten gemietet hatte, betrat, kam diese auch bald nach oben. Sie hatte nämlich auch eine Tochter, die Evi. Sie schielte und war sechs Jahre älter als er. Diese bot sie ihm nun pausenlos an. Für den schüchternen Lehrer war es wirklich eine Qual. Auf der einen Seite verging er fast wegen der unerfüllten Liebe, und auf der anderen grauste es ihm, das Mädel, das ihn liebend gern genommen hätte, auch nur anzuschauen, denn sie hatte schon jetzt sehr viele Züge von der Mutter angenommen.

Nur aus diesem Grund hatte die Schratten es auch geschafft, die oberen Stuben an den Herrn Lehrer zu vermieten. Man besaß auch so etwas wie ein Lehrerhaus, aber darin wohnte noch der alte Lehrer, und der Simmet hatte ja selbst gesagt, er wolle es nicht.

So blieb es auch nicht aus, dass das ganze Dorf von seiner Leidenschaft erfuhr, denn dieser frönte er jetzt auch in der Gaststube, hier war er nämlich sicher vor Evi und ihrer Mutter.

Der junge Lehrer löste nämlich mit Leidenschaft jedes Rätsel und beteiligte sich an allen Preisausschreiben. Es war schon zum Lachen. Seit die sechs Nebenbuhler davon wussten, ärgerten sie ihn mächtig und machten ihn vor Philine wieder lächerlich. Aber diesmal gingen sie geschickter ans Werk. Und wenn das junge Mädchen ehrlich sein wollte, so musste sie den Burschen recht geben. Manchmal zweifelte sie selbst daran, ob Stephan ein rechtes Mannsbild war.

Details

Seiten
112
Jahr
2020
ISBN (eBook)
9783738941425
Sprache
Deutsch
Erscheinungsdatum
2020 (Juni)
Schlagworte
männer philine
Zurück

Titel: Um Philine raufen sich die Männer