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Die besten Geschichten schreibt das Leben selbst

2020 157 Seiten

Leseprobe

Table of Contents

Die besten Geschichten schreibt das Leben selbst

Copyright

Vorwort

1. Kindheit

2. Studienzeit / Lehrzeit

3. Küchenunfälle

4. Tiergeschichten

5. Abenteuer Auto

6. Und das im Urlaub …

7. Dieses und jenes passiert nun mal ...

8. Abenteuer Kinder

Mien allerleevste Oma

Vorwort

Epilog

Die besten Geschichten schreibt das Leben selbst

Kurzgeschichten von Rowena Crane

 

Der Umfang dieses Buchs entspricht 157 Taschenbuchseiten.

 

Wer hat in seiner Kindheit keinen Unsinn gemacht? Na?

Wem ist in der Küche nicht schon einmal ein Malheur passiert?

Jeder von uns hatte doch schon einmal ein besonderes Erlebnis mit einem Tier - oder?

Wer hat sich noch nie über etwas oder über jemand köstlich amüsiert?

Wer verreist, kann auch was erzählen!

Und wer Kinder hat, na – der erlebt so allerhand. Stimmt´s?

Viele lustige, auch traurige und ernste Erlebnisse, die Rosa Klein mit ihrer Familie erlebt hat – hier sind sie niedergeschrieben.

 

Dieses Buch enthält 103 Kurzgeschichten und als Bonus die Geschichte 'Mien allerleevste Oma'.

 

 

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books, Alfred Bekker, Alfred Bekker präsentiert, Casssiopeia-XXX-press, Alfredbooks, Uksak Sonder-Edition, Cassiopeiapress Extra Edition, Cassiopeiapress/AlfredBooks und BEKKERpublishing sind Imprints von

Alfred Bekker

© Roman by Author

© Cover: Roswitha Möller

© dieser Ausgabe 2020 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

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Vorwort

Die besten Geschichten schreibt das Leben selbst.

Jeder von uns erlebt mal dieses und jenes. Manches Erlebnis ist lustig, manches traurig und manches ernst. Über das eine denkt man etwas länger nach, über das andere weniger oder auch gar nicht. An manche Begebenheiten erinnert man sich gern, an andere wiederum möchte man nicht mehr erinnert werden.

Aber alles Erlebte gehört zu uns, ist ein Teil unseres Daseins, ob wir es nun wollen oder nicht.

Und so erzählt Rosa Klein kurze Geschichten aus ihrem Leben; manche sind lustig, manche traurig und manche ernst.

 

Vielleicht stellt nun der Leser fest: Oh, das ist mir auch passiert - oder - das könnte sogar ich gewesen sein.

Dann mag das wohl sein.

Jedoch die Autorin betont hier ausdrücklich, dass es Rosas Erlebnisse sind – nicht die des Lesers oder einer ihm vielleicht bekannten Person.

Und somit ist es ihr und Rosas Wunsch, dass der Leser das auch so sieht.

 

 

 

1. Kindheit

Kleine Ausreißerin

Rosa war erst etwas über vier Jahre alt und schon eine kleine Ausreißerin, denn auf dem Hof war ihr das oft zu langweilig. Da kannte sie bereits alles. Aber hinter dem Zaun, da gab es noch so viel zu entdecken.

Zu ihrem Sandkasten, der ein aufgeschütteter Haufen mit einem Brett davor war, mochte sie nicht gehen, denn dort flogen oft die Bienen, die ihr Vater da schon bewirtschaftete. Rosa hatte höllische Angst vor ihnen, denn sie war schon ein paarmal von diesen Biestern gestochen worden.

(Auch mochte sie nicht die warme Milch, in die ihr Vater immer einen Löffel mit Honig hineinrührte. Sie fand das: „igitt“. Wenn der Papa es nicht mitbekam, schüttete sie die einfach in den Ausguss.)

Rosa hätte auch in der alten Holzlaube im Garten spielen können, doch da hausten viele Spinnen unterschiedlicher Arten und Größen. Mit diesen Krabbeltieren wollte sie nun wirklich nichts zu tun haben.

Also machte sie sich auf den Weg, etwas Interessanteres und ihrer Meinung nach weniger Gefährlicheres zu suchen. Dabei verschwendete sie natürlich keinen Gedanken dahin, dass sich ja jemand Sorgen machen könnte. Wie denn auch – schließlich war Rosa ja erst vier!

Das eine Mal fand ihre Mutter sie etwa dreihundert Meter weiter bei der nahen Durchfahrt zu der Promenade, die an den Bahngleisen grenzte. Dort war ein wirklich schöner großer Sandhaufen. Auf dem hockte Rosa und spielte mutterseelenallein.

Rosas Mutter war erleichtert, die kleine Ausreißerin gefunden zu haben, aber sie schimpfte auch mit ihr. Rosa musste ihr versprechen, nicht wieder wegzulaufen.

An dieses Versprechen hielt sie sich eine Weile, aber dann war es vergessen, und Rosa ging wieder auf Wanderschaft.

Knapp einen halben Kilometer von ihrem Wohnhaus entfernt war ein Teich, auf dem sich zu der damaligen Zeit immer Schwäne befanden. Da ging Rosa hin. Sie marschierte um den Teich herum, der ja nicht allzu groß ist. Dann setzte sie sich dort ans Ufer und beobachtete die großen weißen Vögel.

So fand ihre Mutter sie.

Diesmal setzte es einen Klaps auf den Po. Es tat nicht weh, aber Rosa verstand, dass sie wieder einmal etwas falsch gemacht hatte.

Na, aber auch das hielt nicht lange vor.

Rosa wusste, dass es in der Nähe einen Fluss gab. Dort wollte sie hin und Wäsche waschen. Wäschewaschen bedeutete bei ihr, ein Stofftaschentuch im Wasser hin und her schwenken, auswringen und wieder schwenken …

So machte sich Rosa dorthin auf den Weg, kletterte die kleine Böschung hinunter und kniete auf dem Holzsteg, der am Rand der Flusses entlang gebaut worden war. Mit aller Seelenruhe spülte sie ihr Tuch im Wasser. Dazu musste sie sich dort etwas hinunterbeugen, damit sie das Tuch auch eintauchen konnte. Und es sei angemerkt, dass Rosa erst mit zehn Jahren das Schwimmen erlernte!

Ihre Mutter hatte ihre Tochter nun schon an mehreren Stellen gesucht, doch nicht gefunden. Auch war die Oma unterwegs, um Rosa zu finden.

Aufregung pur!

Dann war die Mutter in die Richtung gelaufen, die auch Rosa eingeschlagen hatte. Sie fragte Passanten, ob sie die Kleine vielleicht irgendwo gesehen hätten.

Und jemand hatte!

Eilig lief die Mutter zu der Stelle. Es musste sie fast der Schlag getroffen haben, als sie ihre kleine Tochter vornübergebeugt sah, wie die ihr Taschentuch in den Fluss tauchte.

Na, und diesmal blieb es nicht bei der Schimpfe und einem Klaps auf den Po …

Von da an unterließ es Rosa, eigenmächtig auf Wanderschaft zu gehen.

Dafür machte es später ihr Bruder, als er im gleichen Alter war. Doch er suchte sich andere Ziele. So zum Beispiel den Spielwarenladen …

Lach!

 

 

 

Der „Deutsche Riese“

Die Vereine des damaligen Kreises, die sich den Kleintieren verschrieben hatten, luden zu einem gemeinsamen Fest ein.

Ein riesiges Zelt mit Tischen und Stühlen war auf dem „Maiplatz“ aufgebaut worden. Auch draußen standen Tische und Stühle. Für die Verpflegung hatte man reichlich gesorgt, ebenso für die Getränke. Die Kinder konnten frei herumtollen, während die Erwachsenen sich unterhielten.

Natürlich waren auch Tiere dort zu sehen. So waren da Tauben, Hühner, Enten, Gänse und Kaninchen verschiedener Rassen. Auch wurde einiges über die Imkerei ausgestellt.

Zu diesem Fest nahmen Rosas Eltern sie mit. Ihr Opa mütterlicherseits ging ebenfalls mit.

Der Opa saß mit Freunden im Zelt an einem Tisch, die Mutter mit ihrer Schwester draußen, und der Vater redete mit Vereinsmitgliedern. Rosa beguckte sich die Tiere und lief dann mal hierhin und mal dahin.

Als sie einmal bei ihrem Opa auftauchte, drückte er ihr etwas Geld in die Hand. Rosa freute sich und lief gleich los, um sich davon ein Los zu kaufen.

Tja, und dieses Los gewann!

Und was?

Einen Deutschen Riesen!

Hurra - sie hatte gewonnen – ein niedliches kleines graues Kaninchen. Rosa war begeistert.

Aber die Mama nicht! Sie war nicht besonders erfreut über diese Überraschung. Hätte ihre Tochter nicht etwas anderes gewinnen können? Was, das nicht lebt?

Aber nun war das Tier da. Ein Stall wurde für das Kaninchen vom Opa gebaut.

Auch Rosa fütterte nun ab und zu das Tier.

Doch ewig sollte das nicht so weitergehen. Das Kaninchen wuchs und wuchs – es wurde ein stattlicher Deutscher Riese. Und zum Schlachten reif.

Doch wer sollte DAS tun?

Keiner wollte sich dieser hässlichen Aufgabe widmen.

So brachte der Opa das Kaninchen zu einem Mann, der da keine Skrupel hatte.

Rosa wurde nicht informiert, erfuhr es aber doch – mehr zufällig. Als sie in den Keller ging, war der Opa gerade dabei, dem Tier das Fell über die Ohren zu ziehen.

Bittere Tränen weinte sie und meinte: Opa ist ein Mörder!

Dann stand der „Hasenbraten“ auf dem Tisch.

Rosa aß nicht einen Bissen davon. Ihre Mutter auch nicht.

 

 

Im Rausch

Rosa war immer gern bei ihrer Oma.

Sie hatte oft ein Stück Schokolade für sie - aus dem Westen, meist war die von ,Sarotti‘. Oder es gab eine Weizenbrotstulle mit Butter und Zucker drauf – mmm ... lecker.

Aber die Oma hatte auch noch etwas anderes, das weit weniger schmeckte, aber Rosas Interesse regte.

Schlaftabletten!

Heimlich probierte sie mal ‘ne halbe.

Joi, was passierte da mit ihr?

Sie wurde nicht müde – dachte sie jedenfalls – sie fühlte sich leicht wie eine Feder. Oh, das gefiel ihr!

Also stibitzte sie von der Oma noch ein paar Tabletten - drei waren es – und erzählte der ein Jahr jüngeren Freundin in der Gartenlaube mit Begeisterung von ihrem Erlebnis. Die war zu Anfang noch skeptisch, aber letztendlich schluckte sie doch eine, denn ihre Neugier siegte.

Und was machte Rosa?

Die, ja, die schluckte die restlichen zwei!

Wie es ihrer Freundin danach ging, daran kann sie sich gar nicht mehr erinnern. Sie weiß nur noch, dass die wenig später nach Hause gegangen sein muss. Ihren Eltern kam es erst nach einiger Zeit spanisch vor, dass sich ihre Tochter bereits am frühen Nachmittag ins Bett packte und fest schlief.

Rosa aber hatte mit sich zu kämpfen. Plötzlich sah sie nur noch alles verschwommen. Ihre Beine fühlte sie kaum noch und sie wankte ein paar Schritte wie eine Betrunkene den Gartenweg entlang – und plumpste in den Stachelbeerstrauch.

Wenn nun jemand meint, dass sie etwas von dem gespürt hat, denn die Pflanze heißt ja nicht umsonst ,Stachelbeerstrauch‘, liegt falsch.

Erst am nächsten Tag entdeckte sie die Kratzer an ihrem Arm und wusste ganz genau, wo sie die her hatte.

Irgendwie kam Rosa von dem Strauch los und hockte für eine Weile auf dem Gartenweg.

Ich hätte nur eine essen sollen, dachte Rosa und stöhnte.

Sie wartete, bis das blöde Gefühl aus ihren Beinen verschwand und sie wieder einigermaßen gehen konnte. Doch der Rausch hielt noch Stunden an.

Im Wohnzimmer machte sie auf dem Teppich vor dem Fernseher eine Rolle vorwärts nach der anderen. Die Rückwärtsrolle gelang auch vollendet.

Bis es ihrem Vater zu bunt wurde und zu ihr sagte, dass sie damit endlich aufhören soll, denn ihr musste doch schon schwindlig von dem Gerolle sein.

Nö, war ihr aber nicht.

Doch Rosa kam nicht mehr dazu, weiter zu rollen. Ihre Mutter kam aufgeregt ins Wohnzimmer und schnappte sich das Kind.

„Was habt ihr beide gegessen?“, fragte sie aufgeregt und erzählte Rosas Vater, dass die Freundin seit Stunden immer noch fest schlief.

Kleinlaut gestand Rosa ihre Missetat.

Sofort machten sich ihre besorgten Eltern mit ihr auf den Weg ins Krankenhaus. Aber der Arzt beruhigte sie. Erst nach drei Pillen hätten sie der Rosa den Magen ausgepumpt.

Glück gehabt! ;)

 

 

 

Die „4“

Als Rosa die vierte Klasse besuchte, bekam sie bereits den dritten Klassenleiter. In der ersten Klasse war‘s ein Mann, dann in der zweiten und dritten eine kleine zierliche Frau, und dann in der vierten war da diese ziemlich korpulente Dame. Und die, na ja, die mochte Rosa nicht so recht. Sie fand, dass die viel zu viel meckerte. Aber egal, lernen musste sie trotzdem: Hausaufgaben machen, sauber schreiben, Gedichte und Lieder lernen und - Matheaufgaben lösen.

Dazu musste sie die aber auch erst einmal verstehen. Das war das Schwierige an der ganzen Sache.

Und dann war mal wieder eine Kontrolle dran.

Irgendwie ahnte Rosa schon, dass die für sie nicht gut ausfallen würde. Genau so war es dann auch.

„Rosa – 4“, sagte die Mathelehrerin, die auch ihre Klassenleiterin war, kurz angebunden.

Vier!

Und nun?

Die musste unterschrieben werden! Schöner Mist!

Und das bedeutete Ärger. Richtig Mecker von ihrer Mutter und ihrem Vater.

Aber da kam ihr eine Idee: Ich kann das doch selbst unterschreiben.

Und schon startete sie den ersten Versuch, als sie allein war.

Es sollte die Unterschrift ihrer Mutter werden, denn die schrieb immer ihren Namen unter alles.

Im Heft fand Rosa eine von ihr und sah sich die genau an. Dann probierte sie es gleich selbst.

Wo?

Na - gleich unter der „4“.

Aber so richtig wollte der Schriftzug der Mutter ihr nicht gelingen.

Was jetzt?

Der Radiergummi musste her, denn Tintenkiller gab es damals noch nicht.

Rosa rubbelte den Namen weg, und probierte es gleich noch einmal.

„Scheiße“, schimpfte sie, denn auch diesmal sah es nicht nach der Unterschrift ihrer Mutter aus. Also noch einmal rubbeln.

Wenn das doch nur nicht so zu sehen wär.

Sie bekam ihren missglückten Versuch nicht ganz weg.

Vielleicht mit ein bisschen Spucke? Man kann‘s ja mal probieren.

Und dann war das Malheur passiert – ein Loch! Genau dort, wo eigentlich die Unterschrift hin sollte.

Nun war guter Rat teuer.

Jetzt würde es noch mehr Mecker geben. Vielleicht sogar noch Schlimmeres.

Rosa blieb nun nichts anderes übrig, als zu beichten.

Ja, sie bekam gehörigen Ärger - und eine Woche Stubenarrest dazu.

Ihre Mutter überklebte das Loch und unterschrieb dann die „4“ mit der Ermahnung: „Mach das ja nicht noch mal!“

 

 

 

Schwanger???

Es gab eine Reihe von Betrieben, aber auch Behörden - wie damals der Rat des Kreises, wo Rosa Mutter arbeitete - die in den Sommerferien für die Kinder ihrer Mitarbeiter Ferienlager ausrichteten. Als Rosa zehn Jahre alt war, nahm sie dort auch teil. Aber irgendwie gefiel es ihr dort nicht so richtig. Mit vielen anderen, vor allem fremden Kindern auf einem Zimmer schlafen, das war nichts für sie.

Zwei Wochen blieb sie dort, gar nicht weit weg von ihrem Zuhause.

Dann endlich waren diese zwei Wochen vorbei und ihr Papa holte sie mit seinem „Sperber“ ab.

Doch wie staunte Rosa, als sie ihre Mutti sah, die sie vor dem Haus erwartete. Sie hatte etwas auf dem Arm, das ein weißes Fell hatte.

Juchhu! Ein Hund!

Es war ein süßer Spitz, der auf den Namen Pfiffi getauft wurde. Rosa war aber auch noch etwas anderes bei ihrer Rückkehr aus dem Ferienlager aufgefallen. Ihre Mutter hatte mächtig an Leibesfülle zugelegt. Sonst war sie doch immer so schlank gewesen und hatte Sachen getragen, die das zeigten. Aber nun trug sie so was wie Schlabberlook. Hm ...!

Ein paar Tage später sortierte die Mutti saubere Wäsche in den Schrank. Und - da sah Rosa etwas, was vorher nicht dort gelegen hatte.

Babywäsche!

„Bekommen wir ein Baby?“, fragte sie.

Komisch - zuerst wollte ihre Mutter das abstreiten. Warum, das weiß Rosa bist heute noch nicht. Schließlich wusste sie, dass der Klapperstorch nicht angeflogen kommt, eine Frau ins Bein zwickt und dann zu ihr sagt: In circa neun Monaten komme ich wieder und bring dir das Baby.

Aber egal!

Im November bekam Rosa zwei süße Brüder - Zwillinge.

Leider starb eines der Babys nach fünf Tagen, denn es hatte Fruchtwasser in der Lunge.

Heute würde so etwas nicht mehr passieren, aber in der damaligen Zeit ...

 

 

Verhängnisvolle Bowle

Es war Silvester. Rosas Mutter hatte sich von dem Kaiserschnitt wieder gut erholt und war auch wieder recht schlank geworden.

Ihr Vater hatte für diesen Tag eine Erdbeerbowle angesetzt.

Abends saß die Familie zusammen, und Vater und Mutter genehmigten sich ab und zu ein Glas von dem Getränk. Rosas Mutti schmeckten die alkoholisierten Erdbeeren sooo lecker, so dass sie davon mehr als genug verputzte und einen anständigen Schwips bekam.

Rosa fand das lustig, denn ihre Mutter lachte nun viel, trällerte Lieder mit, die man im Fernseher zum Besten gab.

Auch ihr Papa amüsierte sich darüber, doch wollte er nun verhindern, dass seine liebe Ehefrau noch mehr als einen Schwips bekam. Also stellte er die Schüssel mit der Bowle und den leckeren Erdbeeren auf den Wohnzimmerschrank, um zu verhindern, dass sie sich noch mehr davon nahm.

Das gefiel Rosas Mutter ja nun gar nicht. Sie wollte mehr!

„Nur noch ein Glas“, bat sie.

Das bekam sie - aber ohne Erdbeeren.

Na, das ging ja nun gar nicht.

Sie wollte sich jetzt selbst bedienen, doch der gute Mann ließ es nicht zu.

„Später“, tröstete er sie. „Du hast erst mal genug.“

Nicht lange, dann verlangte sie Nachschub. Den bekam sie aber erst nach einer Weile - diesmal mit ein paar Erdbeeren.

„Mehr Erdbeeren“, verlangte sie, bekam sie aber nicht.

Also stand sie auf, um sich selbst zu bedienen. Doch der ihr Mann schob die Schüssel aus ihrer Reichweite.

Nun versuchte sie es mit Betteln, aber er blieb hart.

„Um Mitternacht zum Anstoßen bekommst du noch ein Glas“, sagte er.

Es war ja auch nicht mehr lange bis dahin.

Um Mitternacht stießen Rosas Eltern miteinander und mit Rosa auf das neue Jahr an. Dann ging es nach draußen, um die Blitzknaller ihrem Zweck zuzuführen, die Rosas Vater nach mehrstündigem Anstehen erstanden hatte. Für Rosa gab es ein paar Knallerbsen.

Also, die Mutter ging ja mit hinaus, doch das gab ihr wohl den Rest. Nach der Knallerei war Rosas Vater darauf bedacht, gleich den Gehweg von den zerfledderten Knaller zu säubern. Dazu schnappte er sich den Straßenbesen, den ihm seine Frau kurzerhand entwand.

Und was machte sie damit?

Sie tanzte mit dem Besen auf dem Gehweg.

Rosa kam aus dem Lachen nicht mehr heraus. Man, war ihre Mutter besoffen!

Rosas Vater hatte nun sein Tun, um seine Frau ins Haus zu bekommen. Endlich geschafft, wankte sie zum Tisch, wo nun wieder das Gefäß mit der Bowle und den leckeren ,alkoholisierten‘ Erdbeeren stand. Sie schaffte es, sich noch schnell welche herauszufischen und zu vertilgen, bevor ihr Mann ihr die Schüssel vor der Nase wegschnappte und sie sicher vor ihr auf den Schrank stellte.

Aber nun hatte sie wirklich genug, denn sie schaffte es nicht mal mehr, auf eigenen Füßen ins Schlafzimmer zu kommen.

Da war Rosas Vater findig. Er setzte sie einfach auf einen der Läufer, die um das Ehebett lagen, und zog sie so zu ihrem Bett. Einen Eimer bekam sie auch noch hingestellt. Man kann ja nie wissen ... Sicher ist sicher!

 

 

Dummes Federvieh!

Wenn man bei Rosa zu Hause auf den Hof ging, wurde man gleich von zwei Gänsen und einem Ganter begrüßt. Rosa hatte ziemlichen Respekt vor diesen großen Tieren. Besonders vor dem männlichen. Der war nicht ganz ,sauber‘.

Wenn sie den mal aus den Augen ließ, nutzte dieser verrückte Ganter seine Chance und stand plötzlich hinter ihr. Doch dabei blieb es nicht. Das dumme Vieh zwickte ihr dann ins Bein, in den Arm oder auch in den Rücken. Das tat weh, was Rosa den Mitbewohnern des Hauses sogleich kundtat, indem sie laut um Hilfe schrie.

Dann kam meist die Oma angelaufen, packte den frechen Ganter an seinem Hals und zerrte ihn in den Stall. Die beiden Gänse watschelten schnatternd hinterher.

Doch nach ein paar Monaten hatte es sich ausgezwickt. Die Oma schlachtete das Federvieh. Dann gab es Schwarzsauer, was Rosa gar nicht mochte. Nur die Mehlklöße, die fischte sie sich heraus. Oma legte das Fleisch in Salz ein, das dann später geräuchert wurde. Die Herzen und Mägen wurden von ihr sauer eingelegt und eingeweckt. Das mochte Rosa.

Es gab bei ihnen auch einen Hühnerhof. Dort residierten fast vierzig Hühner und ein stolzer Hahn. Aber dieser Hahn, wie auch ein anderer, der später dort für einige Zeit leben durfte, war ziemlich hinterhältig.

Rosa sollte oftmals die Tiere füttern. Das war eigentlich nicht schlimm. Sie machte das sogar sehr gerne – wenn da nicht dieser verrückte Hahn gewesen wär.

Bevor Rosa das Reich der Hühner betrat, suchte sie mit ihren Augen das doofe Federvieh. Wenn das nicht zusehen war, betrat sie eilig den eingezäunten Bereich, schüttete das Korn in den Trog und holte die Eier aus den Nestern.

Manchmal hatte sie Glück, und der Hahn ließ sich nicht sehen. Und manchmal hatte sie Pech. Urplötzlich war der hinter ihr und griff sie an. Meist war es nur ein Picken mit dem Schnabel.

Doch einmal versuchte der blöde Vogel was Neues.

Er flatterte mit seinen Flügeln, hüpfte dabei und versuchte, sie mit seinen Krallen zu treffen.

Au, au … Das gab ein Geschrei!

Aber Rosa war von da an gewappnet, denn das wollte sie sich nicht noch einmal gefallen lassen. Nach dieser Hahnenattacke nahm sie nun immer einen stabilen Stock mit.

Doch die Hähne lernten nicht dazu. Sind eben nur dummes Federvieh!

 

 

Das Horn

Rosa hatte an diesem Tag nur vier Stunden Unterricht. Danach ging sie, wie andere Kinder auch, in den Hort. Vorher hatte sie ihre Klassenleiterin, die korpulente, gefragt, ob sie schnell zu dem kleinen Geschäft, das sich in der gleichen Straße, nur ein paar Meter von der Schule entfernt, befand, gehen durfte. Sie wollte sich nur ein paar Süßigkeiten kaufen.

Sie durfte, sollte aber pünktlich zum Essen im Saal sein.

Mit einer Freundin lief sie los.

Doch plötzlich war ihr da was im Weg.

Und das, was da im Weg stand, war stahlhart, was Rosa total übersehen hatte.

Es knallte an ihren Kopf – dann saß sie auch schon auf ihrem Hintern.

Sterne, Sterne, Sterne – und ein Summen im Hirn.

„Au!“

Zwischen ihren Beinen ragte die Stange eines Verkehrsschildes empor, das den motorisierten Verkehrsteilnehmern sagte, dass sie sich auf der Hauptstraße befanden.

Rosa fasste sich an die Stirn und konnte fühlen, wie das Horn dort wuchs.

Heulend ging Rosa mit ihrer Freundin zurück, diesmal aber langsam. Ihr war nun nicht mehr danach, sich etwas zum Naschen zu kaufen.

Und was geschah im Essensaal?

Die Klassenleiterin hatte an diesem Tag dort die Aufsicht.

„Das passiert, wenn man unerlaubt das Schulgelände verlässt“, sagte sie so laut, dass es alle hören konnten.

Und dabei war sie es doch gewesen, die Rosa erlaubt hatte, zu dem Laden zu gehen.

Wie gemein!

 

 

 

Melonen-Spiel

Rosa aß gerne Melonen. Mmm…, lecker! Wenn es nach ihr gegangen wäre, hätte sie so eine Kugel ganz allein verputzt. Ohne Schale natürlich.

In den Sommermonaten hatte der Obst- und Gemüseladen ab und an mal welche im Angebot. Dann gaben ihre Mutter oder ihre Oma ihr Geld, und sie lief los, um dafür eine saftige Melone zu kaufen.

Weil die so schön rund war, verführte das Rosa, mit ihr zu spielen.

Während sie ging, begann sie, die nicht gerade leichte Melone wie einen Ball vor sich hochzuwerfen und sie dann wieder aufzufangen.

Ein paarmal ging das gut – aber nur ein paarmal!

Einmal, als sie die Melone wieder zweckentfremdete, entglitt sie ihr, knallte auf den Boden und kullerte weiter.

Erschrocken blieb Rosa stehen und sah der rollenden grünen Kugel hinterher.

Hoffentlich ist die noch ganz, dachte sie besorgt und bückte sich, um sie aufzuheben. Sie hatte sie noch gar nicht berührt, das fiel sie schon in zwei Teile auseinander.

Was nun? Nun war guter Rat teuer.

Anstatt die beiden Stücke mitzunehmen, ließ sie sie liegen und lief nach Hause zu ihrer Oma.

Ihr erzählte Rosa von dem ,Missgeschick‘, das ihr widerfahren war.

Und Oma gab ihr noch einmal Geld, mit dem sie wieder zu dem Laden lief, um eine neue Melone zukaufen.

Dieses Mal hielt sie sie fest in den Händen und brachte sie heil nach Hause.

 

 

Fliegende Milch

Neben dem Obst- und Gemüseladen gab es auch einen Milchladen. Dorthin schickte Rosas Mutter sie regelmäßig. Mit einer Milchkanne bewaffnet marschierte sie dorthin und wartete geduldig, bis sie an der Reihe war.

Die Verkäuferin kannte sie schon. Sie nahm ihr dann die Kanne ab und füllte mit einer Art Kelle die Milch in das Gefäß. Dann kam der Deckel drauf, wenn die zwei Liter drin waren.

Rosa bezahlte und marschierte mit der vollen Kanne zurück nach Hause, um sie dort bei der Mutter abzuliefern.

Einmal kam sie auf die Idee – eine ziemlich dumme Idee – die Kanne zu schleudern. Sie drehte sich mit gestrecktem Arm im Kreis und stellte fest, dass die Milch in der Kanne blieb.

Damals verstand sie noch nichts von der Fliehkraft.

Dann probierte sie etwas anderes. Sie fing an, mit dem Arm zu kreisen, dessen Hand die Kanne am Henkel hielt.

Und wieder blieb die Milch in der Kanne – bis … ja ... bis ihr der Henkel durch den Schwung, den sie drauf hatte, aus der Hand rutschte ... und sie die Kanne samt Inhalt fliegen sah.

Dann schlug die Kanne schon auf den Boden auf, der Deckel verselbständigte sich, was zur Folge hatte, dass sich die frische Milch auf der Erde verteilte und in ihr versickerte.

Rosa stand erschrocken da und schaute auf die Bescherung, die sie angerichtet hatte. Sie hob die Kanne und den Deckel wieder auf. Dabei stellte sie fest, dass sich noch ein kläglicher Rest Milch in der Kanne befand. Und – sie hatte eine Beule durch den Aufprall bekommen. Auch das noch!

Nun war wieder einmal guter Rat teuer, denn das gab mit Garantie Ärger.

Zuhause erzählte sie der Mutter, dass sie gestolpert sei.

Kann doch mal passieren, oder?! ;)

 

 

 

Holunderbeeren

Wer hat schon einmal reife Holunderbeeren gegessen? Und nicht nur ein paar, sondern viele, viele …

Rosa!

Diese kleinen Beeren waren fast schwarz und glänzten. Ja, sie lachten Rosa richtig an, denn sie sahen doch so richtig schön reif aus.

Ob die wohl schmecken, fragte Rosa sich. Man kann ja mal eine probieren.

Mmm, schmeckt süß!

Und wenn etwas schmeckt, kann man ruhig mehr davon naschen.

Also futterte sie ‘ne Menge davon.

Hätte sie lieber nicht machen sollen. Nach einiger Zeit, Rosa war wieder zu Hause, fing es an, ihr schlecht zu gehen. Im Bauch begann es gemein an zu kneifen. Dann wurde ihr auch noch mächtig übel. Es dauerte nun auch nicht mehr lange, da musste sie sich beeilen, um es gerade noch so aufs Klo zu schaffen.

Oh je, war ihr schlecht!

Mehrmals musste sie sich übergeben.

Fix und fertig war sie danach.

Ihre Oma schüttelte nur den Kopf, als sie erfuhr, was der Grund der Übelkeit ihrer Enkelin war.

„Deern, wat et du uch den Schiet“, sagte sie und kochte ihr einen Tee, damit sich der Magen wieder beruhigte.

Und was ist das Ende dieser Geschichte?

Seitdem hat Rosa nie wieder etwas gegessen oder getrunken, wo Holunder drin steckt.

 

 

 

Familienausflug - auf dem Eis

Heiligabend!

Geschenke!

Auspacken!

„Hurra!“

Rosa hatte sich riesig über ihr Geschenk gefreut: ein paar Schlittschuhe!

Nicht einfach welche zum Unterschnallen an den Winterstiefeln, nein, es waren richtige wunderschöne weiße und eng anliegende Lederstiefel mit angenieteten Kufen.

Und weil es auch in dem Winter wieder schön frostig war, konnten die auch gleich eingeweiht werden. Also wurde sich in den nächsten Tagen warm angezogen und die Schlittschuhe eingepackt.

Rosas Eltern hatten nicht so tolle wie Rosa. Sie hatten noch die, die man mit einem Vierkantschlüssel an die Winterstiefel festmachen musste.

Rosas Vater wusste eine besondere Stelle, wo die Wiesen überflutet waren. Dort war es auch nicht so tief, höchstens einen halben Meter.

Da Rosa zum ersten Mal Kufen unter den Füßen hatte, eierte sie auf dem Eis, das spiegelglatt war, ziemlich unsicher herum.

Der Papa rief ihr laufend zu, was sie beachten sollte, denn Rosa hielt sich nicht gerade, machte einen auf X-Beine, wackelte mit den Füßen immerzu hin und her - und fiel auch prompt mal auf die Knie und mal auf den Po.

Aber sie war ehrgeizig. Sie wollte das Eislaufen lernen und besonders das Pirouettendrehen. Im Fernsehen konnten die Eiskunstläufer das doch immer so toll.

Ja, und dann passierte es.

Rosas Mutti lief selbst ein Stück und hatte wohl zu viel Schwung drauf.

Plumps!

Da saß sie selbst auf ihrem Hintern.

Aber dem nicht genug - lach!

Unter ihrem Hintern bildete sich langsam eine Pfütze, denn das Eis, das nur eine Stärke von etwa sieben Zentimeter hatte, war dort mehrmals eingerissen. So schnell sie es mit ihren Kufen an den Füßen konnte, stand sie auf und guckte Rosa und ihren Ehemann böse an, denn beide standen da und lachten sich gerade kaputt.

Der Papa gab noch einen obendrauf und meinte, dass die Mutti wohl etwas zu schwer wäre. Fehler, Fehler!

Na, das gefiel der Mutti natürlich noch weniger.

Grins ...

Da die Mutti nun einen etwas feuchten Hintern hatte, war der Ausflug natürlich zu Ende. Doch der Papa versprach Rosa, wieder mit ihr Schlittschuhlaufen zu gehen.

Und die Mutti?

Die blieb zu Hause.

 

 

 

Rollerstürze

Damals hatte wohl fast jedes Kind einen Roller, einen mit Luftbereifung. Damit konnte man wunderbar durch die Gegend flitzen. Rosa hatte auch so einen. Ihre Freundin ebenfalls.

Aber bevor Rosa so einen bekam, musste sie noch ein paar Jahre warten. Dafür hatte sie einen Holzroller.

Okay, der reichte ja auch, denn sie war erst fünf Jahre alt.

Ihre Mutter holte sie manchmal mit dem kleinen Roller vom Kindergarten ab. Als sie auf dem Heimweg an der Straße ankamen, die sehr abschüssig ist, warnte Rosas Mutter noch, sie soll lieber den Roller schieben.

Aber Rosa hörte nicht.

Was soll denn da schon passieren?

Doch das Unglück folgte prompt.

Der kleine Holzroller nahm Fahrt auf.

Das fand Rosa toll.

Noch!

Plötzlich fing das dumme Ding aus Holz mit den kleinen Rädern an zu schlingern, immer mehr ...

Und dann ... ja dann flog die Kleine auch schon über den Lenker.

Au!

Aua!

Ja, ja! So ist das - wer nicht hören kann, der muss fühlen!

*

Als Bodo acht Jahre alt war, erging es ihm weit schlimmer.

Sein Formel-1-Ein-Mann-Roller-Rennen wurde so abrupt gestoppt, das er ziemlich unsanft das Lenkrad seines luftbereiften grünen Rollers knutschte.

Während Rosa sich - nur - ein paar Schürfwunden und ein schöne Beule an ihrer Stirn durch den Sturz eingehandelt hatte, bekam Bodo eine dicke Lippe. Aber dem nicht genug - auch einer seiner Schneidezähne hatte diesen Crash nicht überlebt.

Oh je!

 

 

Oooh Tannenbaum

Jedes Jahr kurz vor dem Weihnachtsfest ging die Sucherei nach einem halbwegs vernünftigen Weihnachtsbaum los.

Keine Kiefer! Die auf keinen Fall!

Eine Fichte musste es sein.

Aber auch die waren nicht so toll gewachsen. Hier und da fehlte ein Ast, so dass der Baum doch ziemlich licht aussah.

Aber man war zu DDR-Zeiten ja findig.

Ein paar schmale Äste aus dem Wald mussten es richten. Mit einem Handbohrer bohrte der Papa Löcher an den Stellen in den Stamm der Fichte, wo dann die Äste hineingeschoben wurden.

Und so wurde der Weihnachtsbaum doch recht ansehnlich.

Doch der Nachteil der ganzen Geschichte - leise rieselten die Fichtennadeln ... fiel zu früh.

 

 

Gewagter Spaziergang

Nach einem langen und strengem Winter wurde es endlich wärmer. Die Sonne hatte schon Kraft, so dass der Schnee bereits gänzlich weggeschmolzen war. Nur die überschwemmten Wiesen und Wege bis zu den Gärten hinein waren noch mit dem Eis bedeckt, auf dem Rosa jeden Tag mit ihren Schlittschuhen gelaufen war, denn sie brauchte nur aus dem Garten zu gehen.

Doch diesmal hatte sie sich ihre Gummistiefel angezogen. Sie wollte etwas probieren. Also marschierte sie los.

Rosa schlitterte auf dem Eis, auf dem sich ein feuchter Film gebildet hatte, bis zu der Stelle, wo es etwa knietief wurde. Und da fing es an, interessant zu werden.

Als Rosa dort das Eis betrat, fühlte es sich an, als würde man auf einer dicken Gummimatte gehen, die auf dem Wasser liegt. Die Eisfläche schwang sich unter ihren Füßen leicht auf und nieder. Das fand Rosa cool.

Noch cooler würde es aber sein, wenn das Eis noch mehr schwingen würde.

Und was tat Rosa dafür?

Sie fing an zu hüpfen!

Toll!

Und sie hüpfte stärker!

Noch toller! Rosa war begeistert.

Und noch ein Hüpfer!

Oh!

Mist!

Nass! Kalt!

Rosa war mit einem Bein eingebrochen. Das kalte Wasser füllte nun in ihrem Stiefel.

Oh je!

Und auch der zweite Stiefel war jetzt voll, denn beim Herausziehen des einen Beins rutschte sie mit dem anderen auch hinein.

Mit etwas Mühe kletterte sie aus dem kalten Nass und brachte sich erst einmal in Sicherheit.

War nicht ganz einfach mit dem vielen Wasser in den Stiefeln.

Dann zog sie ihre Stiefel aus, und kippte das Wasser aus. Ein Stückchen ging sie mit nassen Strümpfen nach Hause. Doch dabei wurde ihr dort noch kälter. Also zog sie die Stiefel wieder an.

Beim Gehen machte das merkwürdige Geräusche, was sie zum Lachen brachte. Doch die Sorge, dass ihre Eltern es mitbekamen, wurde auch größer. Schließlich hatte sie ihr verboten, das Eis zu betreten.

Zu Hause angekommen, schlich sie sich hinein, stellte die nassen Stiefel so hin, dass ihre Eltern sie nicht entdeckten, und zog sich eilig trockene Strümpfe an. Die nassen versteckte sie unter ihrem Bett. Dann musste sie dafür sorgen, dass die Stiefel innen trocken wurden.

Und sie hatte Glück – ihre Eltern hatten von dem „gewagten Spaziergang“ nichts mitbekommen.

Puh!

 

 

Bodo liebt Bockwurst

Schon als kleiner Junge hat Bodo zu gern Bockwurst gegessen.

Als er ungefähr elf oder zwölf Jahre alt gewesen war, hatte er es sogar geschafft, zehn Stück davon zu verschlingen.

Fresssack!

Doch einmal wäre beim Bockwurstfuttern etwas heftig schief gegangen.

Zu gierig war der Bodo gewesen.

Anstatt ordentlich das abgebissene „Stückchen“ Wurst schön zu kauen - was machte der dumme Bengel? - schluckte er das ganze Stück herunter.

Aber ... es rutschte nicht!

Das Stück hing fest.

Bodo schluckte und würgte.

Bodo wollte atmen.

Bodo konnte nicht atmen. Zu groß war das Stückchen Bockwurst, das in der Speiseröhre festhing.

Bodo bekam keine Luft mehr.

Sein Gesicht verfärbte sich bereits bläulich.

Aber Rettung nahte.

Bodos Mutter sah mit Schrecken, dass ihr Sohn die Farbe eines Schlumpfes annahm.

Kurzentschlossen schnappte sie sich den Bengel und steckte ihm ihren Finger so weit wie möglich in den Hals.

Das war seine Rettung - und eine Lehre: Von nun an war Bodo nur noch halb so gierig und kaute sein Essen ordentlich.

 

 

Max und die Bienen

Rosas Opa hatte sich bereits mit der Imkerei beschäftig. Als er zu alt dafür wurde, hatte das dann ihr Vater übernommen.

Im Garten wurde sogar ein Häuschen errichtet, in dem sich dann mindestens sechzehn Völker in den Kästen befanden. Der Papa hatte das Ganze im Laufe der Zeit noch auf zwei Bienenwagen erweitert, mit denen er in den Raps- und in den Kleeschlag zog. Der Verkauf von Bienenhonig war in der DDR ein lohnender Zuverdienst, denn Meißen nahm einem alles mit Freuden ab.

Als der Vater mal wieder an seinen Bienenvölkern arbeitete, die sich in einem Rapsfeld befanden, lungerte der fünfjährige Max am Rand des Feldes herum und stellte allerlei Blödsinn an.

So geriet er mehr zufällig in die Flugbahn der Bienen.

Einer dieser sechsbeinigen Insekten schien das nicht zu passen und startete prompt zum Angriff. Die Landung erfolgte auf seinen Kopf. Dort wühlte sie sich eilig durch seine Haare und - stach zu.

Und das genau ins Schwarze - ähm - in eine Ader.

Huh, da war das Geschrei groß.

Der Papa ließ Bienen Bienen sein und stürmte aus dem Bienenwagen, lief das Ende durch das Rapsfeld und streifte sich dabei die Imkerkleidung ab, an denen noch ein paar nicht gerade freundliche Immen hingen.

Als er bei Maxe ankam, heulte der natürlich immer noch. Sein Vater ließ sich von ihm zeigen, wo er gestochen wurde. Biene und Stachel, der da noch in der Haut feststeckte, wurden entfernt.

Aber was war das?

Der Junge fing an zu niesen und bekam überall rote Flecke!

Das war nicht gut.

Also ab ins Krankenhaus!

Oh, da wurde er auch wieder gestochen. Blut wollte man von dem kleinen Kerl haben. Au, au! Auch das tat sooo weh!

Und nun passt auf!

Was machte der dumme Bengel bereits am nächsten Tag?

Er ging zu den EWK-Häuschen (Einwabenkästen für die Königinnenzucht) und legte munter ein paar Steinchen vor die Fluglöcher ...

Tssss...

 

 

Stich, Stich, Stich ...

Rosa konnte sich für diese kleinen fleißigen Insekten überhaupt nicht begeistern – denn die haben einen Stachel.

Wenn eine Biene böse ist, dann kommt sie wie bei einem Sturzflug angesaust und sticht sofort zu. Und wenn diese Biester zustechen, dann tut das auch noch ordentlich weh.

Aber es tat Rosa nicht nur weh - die Stelle, die der Stachel getroffen hatte, schwoll bei ihr auch noch mächtig an. So hatte sie mal eine dicke fette Hand, einen dicken Arm, auch mal ein dickes abstehendes Ohr.

Wenn sich eine Biene bei ihr in den Haaren verfing, reagierte sie richtig hysterisch. Dann schrie sie laut um Hilfe, rannte ins Haus und ruderte wild mit den Armen. Manchmal schaffte es die Oma, ihr das Vieh aus den Haaren zu holen.

Manchmal!

Bienen lassen sich auch nicht einfach verscheuchen. Sie gehen dann sofort zum Angriff über.

Und so landete einmal eine aufgebrachte Biene genau in Rosas Gesicht. Einmal glücklich weggeschlagen, kam das Biest prompt wieder zurück – und bohrte ihren Stachel doch glatt in Rosas linken Nasenflügel.

Mist! Au!

Da half kein Fluchen und Heulen, es wurde dort dicker und dicker und dicker ...

Rosa bekam ein richtig rundes und geschwollenes Gesicht mit einer Knollennase. Und ... Schlitzaugen!

Nun sah sie nicht mehr aus wie Rosa. ;)

Oh je! Am nächsten Tag war Schule!

So konnte und wollte sie natürlich nicht dahin. Schließlich besuchte sie da schon die neunte Klasse.

Unmöglich, dort so zu erscheinen!

Das Gelächter und der Spott, der noch über Tage gehen würde – nein, das wollte sie sich nicht antun.

Aber ihre Eltern zeigten kein Erbarmen.

Sie musste!

Doch Rosa ging nicht, sie tat nur so.

Das Haus, in dem sie damals wohnte, besaß einen Boden mit mehreren Kammern. Dort wurde im Winter immer die Wäsche getrocknet. Jetzt war aber Sommer. Da trocknete die Wäsche auf dem Hof.

Heimlich schlich sie dorthin und versteckte sich in eine der Kammern. Hier verbrachte sie lesend den ganzen Vormittag. Als der rum war und die Schule aus, schlich sie wieder nach unten, dann nach draußen und tat so, als wäre sie gerade aus der Schule zurück.

Clever, oder?!

 

 

 

Zigarettendieb

Bodo fing bereits mit vierzehn Jahren an zu rauchen. Doch woher nehmen, wenn das Taschengeld nicht reicht.

Ab und zu langte er mal heimlich in die Schürzentasche seiner Mutter, die dort immer ein paar Münzen drin hatte.

Aber er war ja findig. So schnappte er sich eine Rasierklinge, nahm eine der Zigarettenschachteln, die seine Mutter im Schrank für Feierlichkeiten deponiert hatte, und schlitzte sie vorsichtig auf. Dann stibitzte er ein oder zwei Filterzigaretten, verschloss die Schachtel sorgfältig und legte sie in den Schrank zurück.

Tja, und gemerkt hat`s keiner.

 

 

„Doofe“ und die erste Zigarette

Rosa bekam erst sehr spät einen Bruder. Damals war sie schon zehn Jahre und neun Monate alt, als Max geboren wurde.

Sie hatte sich über das Brüderchen gefreut.

Doch als er älter wurde, hätte sie ihn so manches Mal am liebsten in einen Sack gesteckt und da anständig draufgehauen.

Als Rosa ihren Freund, den Bodo, schon hatte, kam der ja auch öfter zu ihr nach Hause. Damals hatte Bodo noch geraucht. Rosa auch, denn die hatte studiert, was natürlich kein Grund zum Rauchen war. Sie tat es eben, nicht viel, aber ...

Sie war im dritten Studienjahr. Vier musste sie insgesamt.

Im Sommer hatten sich Rosa und Bodo dann kurzerhand verlobt. Und das auf einem Zeltplatz.

Aber es sollte noch eine Feier geben, denn die Eltern sollten die Gelegenheit bekommen, sich kennenlernen. Und das bei Bodos Zuhause.

Seine Eltern besaßen damals ein Eigenheim mit einer tollen Terrasse. Dort wurde die Verlobungsfeier nachgeholt.

Der Max war da acht Jahre alt und hatte es faustdick hinter den Ohren.

Und was machte der, als er auf die Terrasse stürmte? Begrüßte alle mit: „Da seid ihr Doofen ja?“

Na, das machte Eindruck!

Peinlich! Peinlich!

Da konnte der sich aber was von seiner Schwester anhören.

Wenn Max mal was ausgefressen hatte, war es Rosa, die ihn oft gedeckt hat. Auch das eine Mal, als der Bengel zwölf Jahre alt war.

Es war an einem Tag im Sommer. Die Eltern waren nicht zu Hause. Max stand auf dem Hof, und Rosa ging auch dahin. Sie fragte ihn etwas. Wie sich das gehört, antwortete er. Dabei sprach er genau in ihre Richtung.

Und was roch Rosa?

„Hauch mich mal an!“, verlangte sie von ihm.

Und der Dussel machte es auch.

Peng!

Die Backpfeife saß.

„Wehe, ich erwisch dich doch einmal, dann sag ich das Mutti und Papa“, drohte Rosa ihm.

Für ein paar Jahre hielt er sich daran. Aber nur für ein paar Jahre ...

 

 

 

2. Studienzeit / Lehrzeit

Schwächeanfall

Mit sechzehn Jahren fing Rosa an zu studieren. Und das fast zweihundert Kilometer von Zuhause weg. Mit drei weiteren Studentinnen teilte sie sich das Arbeitszimmer und mit acht das Schlafzimmer - zwischenzeitlich auch mal mit dreizehn.

Die Zeit dort war nicht gerade ein Zuckerschlecken, und sie denkt auch heute noch nicht mit Freude an die Zeit zurück. Es wurden einem dort zu viele Dinge aufgezwungen. Das einzig Positive des Studiums waren für sie die Fächer, in denen man Methodik vermittelte, die sie während ihres Jobs auf die vielfältigste Weise erweiterte.

Und Rosa hasste Sport, denn immer wieder gab es diese elenden Langläufe.

Eine Runde – und noch eine Runde – und noch eine …

Ätzend!

Und dann gab es diese noch elenderen Waldläufe. Man hatte auch hier eine bestimmte Strecke abzulaufen. Die werte Sportlehrerin wartete während dieser Zeit geduldig auf dem Sportplatz.

Irgendwann hatte Rosa so was von die Schnauze voll, dass sie sich sagte: Heute nicht!

Sie weihte ihre Freundin in ihr Vorhaben ein. Die grinste und war bereit, das Spiel mitzuspielen, denn dann blieb ihr der Ausdauerlauf ebenfalls erspart.

Also liefen beide zusammen ein paar Minuten durch den Wald.

„So, jetzt fall ich um!“, kündigte Rosa an.

Und prompt fiel sie - langsam, aber sicher, schließlich wollte sie sich nicht verletzen – auf den Waldweg, gekonnt einen Schwächeanfall vortäuschend. Die Freundin grinste, doch beeilte sie sich dann, sich besorgt um Rosa zu kümmern. Schon kamen weitere Läufer, die beauftragt wurden, der Lehrkraft Bescheid zu geben.

Nach einer Weile – als es Rosa dann „wieder besser“ ging, machte sie sich mit ihrer Freundin ohne Dauerlauf auf den Weg zum Sportplatz.

An diesem Tag brauchte sie nicht mehr zu laufen – was ihr ausnehmend sehr gut gefiel.

 

 

Ab ins Maisfeld

Wenn Rosa am Wochenende oder den Semesterferien zu Hause war, begleitete sie manchmal ihren Vater mit zu den Bienenwagen, die irgendwo in einem Raps- oder Weißkleefeld standen. Natürlich nicht, um ihm zu helfen. Bienen stechen! Damit wollte sie nichts zu tun haben.

Ihre Absicht war, mit dem „Sperber“ zu fahren, wenn ihr Vater an den Bienen arbeitete. Es machte Spaß, den Feldweg entlangzufahren.

So auch dieses Mal.

Der Mais zu beiden Seiten des Feldweges war bereits hoch gewachsen. So konnte man Rosa nicht bei ihrer „Spazierfahrt“ beobachten. War auch besser so!

Der Weg war eben, so gab Rosa etwas mehr Gas. Doch was war das? Eine scharfe Linkskurve?

Mist!

Rosa war zu schnell!

Sie bremste.

Der Sperber schlingerte.

Rosa sprang ab.

Autsch!

Und der Sperber?

Der fuhr geradeaus weiter ins Maisfeld und kippte dort zur Seite.

Rosa rappelte sich hoch und schaute sich ihre Verletzungen an.

Na, war ja noch mal gutgegangen. Nur ein paar Schürfwunden.

Und der Sperber?

Dem ging‘s gut. Keine Schrammen! Nur von der rechten Fußstütze war der Gummi verzogen. Das war schnell gerichtet.

Und das Resultat dieser Fahrt: Für‘s Erste hatte Rosa die Nase voll von einer Spazierfahrt mit dem Sperber.

 

 

Falsche Richtung

An den Wochenenden fuhr Rosa von ihrem Studienort meist nach Hause. Und das war samstags zur Mittagszeit, denn bis mittags musste noch studiert werden.

Um schneller ihr Ziel zu erreichen, stellte sich Rosa oft an den Straßenrand und hob den Daumen.

Diesmal nicht, denn sie hatte an diesem Abend nichts Besonderes vor.

Also kein Disco-Besuch, kein Kneipenbesuch mit Freunden.

Auf dem Bahnhof musste sie noch etwas warten. Dann kam der Personentriebwagen, der sie circa fünfzig Kilometer weiterbringen sollte. Dort musste sie aus- und dann in den Personenzug einsteigen.

Das tat sie dann auch.

Rosa setzte sich auf einen der freien Plätze am Fenster und stellte ihre Tasche neben sich.

Kurze Zeit später fuhr der Zug los.

Rosa achtete da noch nicht auf die Richtung, in die der Zug unterwegs war. Erst, als er zum zweiten Mal hielt, bemerkte sie, dass etwas nichts stimmte.

Die ganzen Kilometer, die sie schon in Richtung Zuhause gefahren war, fuhr sie nun wieder zurück.

Falsche Richtung!

Wie kann man bloß so bescheuert sein?, fragte sie sich selbst verärgert. Sie hätte sich die Haare raufen können.

Gut an der ganzen Sache war nur, dass zu jeder Stunde ein Zug in Richtung nach Hause fuhr.

Das passierte Rosa von da an nicht noch einmal.

 

 

Sturm- und Drangzeit

Die Disco - ja, das war eine der tollen Treffs der Jugendlichen an den Wochenenden. Jugendkulturhaus nannte man oft diese Einrichtung.

Auch Rosa und Bodo konnte man dort mit ihren Freunden und Kumpeln mit Regelmäßigkeit antreffen.

Wenn es auf Mitternacht zuging, dann waren oftmals von den Jugendlichen einige nicht mehr im Saal, sondern bereits draußen an der frischen Luft - jedoch nicht, um diese zu genießen.

Es hatte sie etwas ganz anderes hinaus gezogen: Streit!

Es war immer ein Kräftemessen - und das mit Fäusten.

Oh ja! Da gab‘s immer wieder eine Massenkeilerei.

Und wer war oft dabei?

Na, wer schon?!

Bodo!

Gut, dass Bodo und Rosa da noch nicht zusammen waren ...

 

 

 

3. Küchenunfälle

Küchenschlacht

Rosa stand in der Küche und war gerade dabei, das Gehackte mit den Eiern und Gewürzen zu vermengen. Zu Mittag sollte es Bratklopse geben.

Bodo kam in die Küche und fing an, sie zu necken. Doch sie hatte für seine Spielchen gerade nichts übrig und gab ihm das deutlich zu verstehen. Aber er hörte nicht auf und stupste sie mit seinem Zeigefinger immerzu an.

Das war etwas, was Rosa auf ihren Tod nicht ausstehen konnte.

Sie warnte ihn, dass er damit aufhörte sollte. Aber wie Männer so sind - Bodo achtete nicht auf ihren Stimmungsumschwung und machte einfach weiter.

Rosa wurde so wütend, dass sie in die Schüssel griff, ihre Hand mit etwas Hackfleisch füllte, sich zu ihm drehte und so tat, als würde sie ihn damit bewerfen wollen.

Daraufhin ging er zur Tür und lachte sie aus.

„Denkst wohl, ich bin feige“, schimpfte sie.

„Ja“, grinste er.

Und schon flog eine Kugel Hackfleisch an seinem Kopf vorbei und klatschte an die Tür.

Eigentlich dachte Rosa, dass Bodo sich jetzt verziehen würde.

Nö!

Er drehte sich um, klaubte das durchgedrehte Fleisch von der Tür und – warf zurück.

Platsch – es landete an dem Küchenschrank.

Das konnte Rosa nicht auf sich sitzenlassen. Schon hatte sie wieder etwas davon in der Hand und warf es auf ihren Mann, der aber rechtzeitig in Deckung ging. Auch das sammelte er wieder zusammen und warf es zu Rosa.

Das ging wirklich so lange, bis die Schüssel leer war.

Da sahen sich beide an – und fingen an zu lachen.

Bodo verzog sich endlich, und Rosa sammelte das verteilte Gehackte zusammen.

Gut, dass kaum etwas auf den Boden gefallen war. Das meiste hing an der Tür und am Küchenschrank.

Später entdeckten sie sogar noch etwas an der Decke.

Als Rosa das Fleisch wieder in der Schüssel hatte, formte sie die Kugeln für die Klopse, rollte sie im Semmelmehl und briet sie später.

Trotz der Tatsache, dass das Hackfleisch als Wurfgeschoss zweckentfremdend genutzt wurde, schmeckten die daraus gemachten Klopse hervorragend.

 

 

Ungenießbar!

Rosa hatte das erste Mal Rouladenscheiben gekauft. Es waren schöne große Teile vom Rind. Sie hatte die Absicht, sie zu schmoren.

Vorher nahm sie den hölzernen Fleischklopfer und hämmerte darauf herum. So sollte das Fleisch mürber werden. Dann streute sie Salz und Pfeffer drauf. Ein Stück Gewürzgurke, etwas Speck und ein Zwiebelstück legte sie auf jede Scheibe, wickelte alles zu einer Rolle auf und dann Band darum herum, damit die Roulade nicht auseinanderfiel.

Etwas Öl in den Topf, schön heiß werden lassen, Rouladen rein, dass es spritzt, dann ein paarmal wenden und danach den Deckel drauf.

Rosa drosselte die Flamme unter dem Schmortopf und ging ins Wohnzimmer …

Die Zeit verging …

Irgendwann verließ sie die Couch, um sich etwas aus der Küche zu holen.

Schon auf dem Flur bemerkte sie den eigentümlichen Geruch nach etwas Verbranntem.

„Oh Gott!“, entglitt es ihr. „Die Rouladen!“

Rosa ahnte Schlimmes.

Kaum hatte sie die Küchentür geöffnet, war ihr klar, was los war. Der Raum war vernebelt, und es stank fürchterlich verbrannt.

Zuerst schaltete sie den Gasherd aus, dann schnappte sie sich die Topflappen und hob den Deckel an.

Entgeistert schaute sie in den Topf.

Vergebens suchte sie die Rouladen. Dafür lagen dort sechs Teile, die mehr an Kohlestückchen erinnerten.

Tja, und auch der Topf war hin.

Ungenießbar!, dachte Rosa, sehr verärgert über ihrer Vergesslichkeit.

Sie schnappte sich den Topf samt Deckel und beförderte alles in den Müll.

 

 

 

4. Tiergeschichten

Hackenbeißer

Als die zwei Wochen im Ferienlager vorbei waren – endlich - holte Rosas Vater sie mit seinem „Sperber“ ab.

Rosa freute sich, endlich wieder Zuhause zu sein, denn Ferienlager - nee, das war ja nicht ihr Ding.

Ihre Mutter stand am Tor und wartete auf die beiden.

Doch was ist denn das? Was hat die Mutti denn da auf dem Arm?

Jetzt erkannte sie, was das für ein weißes flauschiges Fellbündel in ihrem Arm war - ein süßer kleiner Spitz namens Pfiffi.

Der Kleine sollte aber nicht im Haus schlafen. Jedoch nach zwei Nächten, die der Hund mit einer Ausdauer jaulend im Freien verbracht hatte, holte Rosas Mutter den kleinen Kerl doch ins Haus.

Der kleine Pfiffi war ordentlich gewachsen, und Rosa spielte viel mit ihm.

Pfiffi entwickelte sich auch zu einem richtigen Wohnungswachhund. Fremde waren nicht gerade willkommen.

Die Eltern mussten schon aufpassen, denn wenn der Besuch sich umdrehte, konnte es passieren, dass ganz plötzlich der süße Spitz unter dem Tisch hervorflitzte und dem Gast mal fix in die Hacken biss.

Auch Bodo lernte den kleinen Hackenbeißer noch kennen und bekam so des Öfteren seine spitzen Zähne zu spüren.

Grins!

 

 

 

Der Wellensittich

Als Kind hatte Rosa bei sich im Kinderzimmer einen Vogelkäfig, der auf dem Kleiderschrank stand. In dem befand sich ein Wellensittichpärchen, Hansi und Susi.

Doch wie das so ist, keiner lebt ewig.

Als die beiden Zwitschervögel in den „Vogelhimmel“ zogen, wurde der Käfig gesäubert und auf den Boden gebracht. Es könnte ja sein, dass ihn jemand mal braucht.

Und das tat er.

Als Rosa, wie fast an jedem Wochenende, während ihres Studiums vom Institut aus zum Bahnhof ging, um nach Hause zu fahren, hüpfte in der Bahnhofsstraße ein kleiner gelber Wellensittich auf dem Bürgersteig herum.

Rosa beobachtete ihn einen Augenblick. Doch dann näherte sie sich ihm, denn sie wollte prüfen, ob er vor ihr wegflog oder vielleicht sogar zutraulich war. Da der Vogel nicht wegflatterte, sondern sie neugierig beäugte, hielt sie ihm ihre Hand hin.

Und siehe da!

Der kleine Vogel hüpfte auf Rosas Hand.

Aber als sie nach ihm greifen wollte, flatterte er wieder weg.

Da Rosa wusste, dass der Wellensittich in der freien Natur nicht überleben würde, entschloss sie sich, ihn einzufangen.

Kurzentschlossen warf sie im geeigneten Augenblick ihre Jacke über den Vogel.

Hurra! Gefangen!

Aber wohin jetzt mit dem Tier?

In der Straße befand sich ein kleiner Schuhladen. Schnell ging Rosa dorthin und bat um einen kleinen Schuhkarton. Etwas komisch sah die Verkäuferin Rosa schon an, als sie ihr erklärte, wofür sie diesen benötigte. Aber Rosa bekam ihren Karton, so dass sie den Wellensittich mit nach Hause nehmen konnte.

Nun wurde der Vogelkäfig wieder vom Boden geholt und auf den Schrank gestellt.

Der kleine Hansi war ein ganz zutraulicher. Er flog der Rosa immer auf die Schulter, blieb dort eine Weile sitzen und gab ihr zwischendurch auch mal ein Küsschen. Wenn er auf der Gardinenstange saß und Rosa ihm die Hand hinhielt, dann kam er meist und setzte sich auf den ausgestreckten Zeigefinger. Auch dann wollte er Küsschen schenken.

Kleiner Charmeur!

In der Woche musste Rosa wieder zurück zum Institut. Nur am Wochenende konnte sie sich um den süßen Vogel kümmern.

Ein paar Wochen lebte der Wellensittich bei Rosa im Zimmer.

Als sie an einem Wochenende wieder nach Hause kam, war der zahme Vogel weg – ausgeflogen!

Rosas Mutter hatte das Fenster im Nebenraum geöffnet und versehentlich die Tür dahin aufgelassen. Der kleine Schlawiner hatte seine Chance genutzt und schwupps – weg war er!

 

 

 

Moritz

Rosa war mit Katzen groß geworden: schwarzen, weißen, gestreiften, gefleckten. Ihre Oma hatte immer Katzen auf dem Hof gehabt und später ihre Eltern auch.

Rosa liebt Katzen. Sie sind anhänglich, haben aber auch ihren eigenen Willen.

Also hatte sie später auch Katzen auf ihrem Grundstück.

Ein besonderes Tier war ihr Kater mit dem Namen Moritz. Sein Fell war dunkelgrau und getigert. Er hatte ein so schönes, weiches Fell.

Wenn Rosa im Garten war, schnurrte er immer um sie herum. Saß sie in der Hocke oder auf den Knien, dann sprang er auf ihre Schulter und machte es sich dort bequem. Er lag auch gern auf ihrem Schoß und ließ sich kraulen. Dann schnurrte er immer laut und zufrieden.

Bodo jedoch mochte es nicht, dass Tiere in die Wohnung kamen. Aber er arbeitete ja den ganzen Tag, während Rosa die meisten Nachmittage zu Hause war ...

Moritz hatte schnell einen Weg gefunden, auch bei schlechtem Wetter bei seinem geliebten Frauchen zu sein. Er sprang einfach von der Mauer auf die Terrasse, die sich über der Garage befand und an das Wohnzimmer anschloss. Dann kratzte er an die Terrassentür und bat um Einlass. Rosa öffnete diese, und der Kater stolzierte hinein. Sein Platz war dann auf der Couch oder auf Frauchens Schoß. Wenn er wieder hinaus wollte, stand er erneut vor der Tür, kratzte oder miaute.

Auf dem Hof wohnte auch ein Hund. Es war ein schwarzer Cocker namens Aldi.

Moritz und Aldi hatte sich angefreundet. Nachts schliefen beide sogar zusammen in der Hundehütte.

Dann fuhr Rosa mit ihrer Familie für eine Woche in den Urlaub. Sie wusste ihre Tiere gut versorgt. Als sie von ihrer Reise zurückkam, war der Kater weg. Ein paar Tage später tauchte er aber wieder auf, worüber Rosa glücklich war.

Doch dann fing es an, dem Kater schlecht zu gehen. Und dann immer schlechter, trotz des Besuches beim Tierarzt. Einen Tag vor Heiligabend starb Moritz – und Rosa war todunglücklich.

 

 

Bodo und Aldi

Der erste Hund, den Rosa und Bodo sich anschafften, war ein schwarzer Cocker Spaniel. Ein hübscher und anhänglicher Rüde. Er durfte im Haus bleiben, musste dadurch auch am Vormittag allein bleiben, da das Herrchen und das Frauchen arbeiten gingen. Wenn Rosa mittags nach Hause kam, erlebte sie so manche Überraschung. Stuhl- und Tischbeine wurden mit Regelmäßigkeit angenagt, auch fiel der eine und der andere Schuh dem Kautrieb des kleinen, noch jungen Hundes zum Opfer.

Nach knapp zwei Jahren aber starb der Hund an einem besonderen Fall von einem Virus. In dem Jahr sind diesem Virus sehr viele Hunde erlegen. Jetzt gibt es ja Gott sei dank einen Impfstoff, der das verhindert.

Um den Verlust des geliebten Tieres schnell zu vergessen, musste natürlich ein neuer Hund her. Auch der war ein schwarzer Cocker und bekam den Namen Aldi.

Doch dieser durfte nicht mit ins Haus, denn Rosa und Bodo wollten sich nicht schon wieder neue Möbel anschaffen. Der Kleine gewöhnte sich schnell an seine extra für ihn gezimmerte Hundehütte.

Bodo hatte eine besondere Freude daran, den Hund zu reizen, obwohl Rosa immer wieder warnte, es zu lassen. Aber Bodo meinte, dass er, wenn Fremde auf den Hof kommen würden, diese dann in Schach hält.

So, so ...

Und so kam es, dass Rosa jedes Mal ganz genau wusste, wann ihr lieber Mann von der Arbeit nach Hause kam, denn er wurde mit einem Knurren und mit Gebelle von dem ,Wachhund‘ begrüßt.

Details

Seiten
157
Jahr
2020
ISBN (eBook)
9783738940961
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v888878
Schlagworte
geschichten leben

Autor

Zurück

Titel: Die besten Geschichten schreibt das Leben selbst