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Sun Koh – Neue Abenteuer #1: Sun Koh und die Rettung in letzter Sekunde

2020 84 Seiten

Leseprobe

Table of Contents

Sun Koh und die Rettung in letzter Sekunde

Copyright

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Sun Koh und die Rettung in letzter Sekunde

Sun Koh – Neue Abenteuer #1

von Tomos Forrest

 

Der Umfang dieses Buchs entspricht 84 Taschenbuchseiten.

 

Henry Logan ist Spezialagent des Institutes für kosmologische Konstante (IKK) an der Gödel-Universität, Wien. Nach der Auffassung von Kurt Gödel sind Zeitreisen auch in die Vergangenheit möglich, da es sich um eine Reise in ein Paralelluniversum handelt, das eine Veränderung der Zukunft unmöglich macht. Die Universität hat bei Forschungen in den vergangenen siebzig Jahren nach Aufstellung der Gödel’schen Thesen (1949) entdeckt, dass es möglicherweise bei den Zeitsprüngen einen Wechsel zwischen den Universen geben kann, die nicht zu steuern sind. Träfe das zu, wären die Folgen für die Gegenwart und die Zukunft nicht auszudenken.

Aus diesem Grund soll Professor Henry Logan selbst Zeitreisen unternehmen, um die Forschungen voranzutreiben. Was er dabei erlebte, wurde von ihm aufgezeichnet und hier in Auszügen wiedergegeben. Wo es erforderlich erschien, wurden bestimmte Dinge so verändert, dass sich keine weiteren Rückschlüsse ziehen lassen, die ebenfalls nachteilige Folgen für unsere Zeit haben könnten….

Die Beobachtung der brütenden Lummen auf Helgoland alarmiert die Wissenschaftler. Es sind seismografische Bewegungen vor der Nordsee-Insel, die von den Vögeln schon sehr frühzeitig wahr genommen werden. Alles deutet auf ein gewaltiges Seebeben hin, und als Professor Logan den Meeresgrund untersucht, stellt er fest, dass der verschollene Kontinent Atlantis in Kürze hier auftauchen wird und eine gewaltige Katastrophe droht.

Nur einer könnte dieses Szenario noch stoppen: Sun Koh, der Prinz von Atlantis. Aber der ist offenbar in der Hand von Verbrechern, die seine Einrichtungen auf der Halbinsel Yukatan übernommen haben.

Nur eine Reise in das Jahr 1927 könnte Sun Koh retten, und Henry Logan bricht auf, um ihn zu befreien und das Schlimmste zu verhindern …

 

 

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books, Alfred Bekker, Alfred Bekker präsentiert, Casssiopeia-XXX-press, Alfredbooks, Uksak Sonder-Edition, Cassiopeiapress Extra Edition, Cassiopeiapress/AlfredBooks und BEKKERpublishing sind Imprints von

Alfred Bekker

© Roman by Author

© Cover: WERNER ÖCKL

© dieser Ausgabe 2020 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

Alle Rechte vorbehalten.

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1

Der Rat der Elf tagte, und das war sehr ungewöhnlich.

Ebenso ungewöhnlich war die Multivisionsschau, die im großen Sitzungsaal des Wiener Institutes vor uns ablief. In einem dreidimensionalen Bild stand im Raum zunächst unser guter, alter Planet, dann schien eine Kamera aus dem Weltraum darauf zuzustürzen, und die Ansicht wechselte zu einem riesigen Kahlschlag inmitten eines südamerikanischen Urwaldes, gefolgt von beeindruckenden Aufnahmen eines alles zerstörenden Hurrikans, der über eine Südseeinsel hinwegfegte und dabei Bäume, Häuser und kleine Boote herumwirbelte. Es folgten Unterwasseraufnahmen von einem ungewöhnlichen Seebeben, bei dem sich ein tiefer Riss unter dem Meer öffnete und Geröllmassen wie bei einem Vulkanausbruch hochgeschleudert wurden.

Weitere Bilder von einem Tsunami, ungeheuren Regenmassen irgendwo in Europa, sowie vom zusammenhängenden Plastikteppich im Meer folgten, bis ich ein unwilliges Räuspern vernahm.

„Professor Logan, Sie wollen doch nicht allen Ernstes unsere Zeit vergeuden, indem Sie uns die bedrohliche Lage der Welt mit eindrucksvollen Bildern vermitteln? Ich glaube, jeder hier im Raum weiß, was die Klimaveränderung mit sich bringt. Übrigens vermisse ich die Bilder von einsamen Eisbären auf geschmolzenen Schollen.“

Ich lächelte den Sprecher freundlich an.

„Mein lieber Doktor Inuksuk Toman Frederiksen, Sie haben vollkommen Recht mit Ihrer Vermutung. Aber herzlichen Dank für den Hinweis auf die Eisbären, die werde ich bei der Unterrichtung der Agenten natürlich mit einbeziehen.“

Allgemeine Heiterkeit machte sich breit, und Inuksuk strahlte über sein etwas breites Gesicht, bei dem selbst einem Laien sofort die Abstammung von den Inuit auffiel. Der Wissenschaftler war seit zwei Jahren am Institut für kosmologische Konstante und hatte bereits einige bemerkenswerte Ergebnisse beim Bau einer Vorrichtung geleistet, die uns bei zukünftigen Zeitreisen unterstützen konnte. Er war auch der einzige Teilnehmer des Rates, der ahnen mochte, was der Grund für meine Einberufung der Gruppe war.

Mit meiner Fingerkuppe löste ich die nächste Projektion aus, und nun beugten sich die Frauen und Männer des Rates der Elf doch gespannt vor, als im scheinbar völlig friedlichen Bild vor ihnen im Wasser der Nordsee ein roter Felsen auftauchte und die Kamera einen eleganten Bogen beschrieb, um das grüne Oberland zu überfliegen und so dicht heranzuzoomen, dass man das Vogelschutzgebiet erkennen konnte. Noch ein Stück weiter, und die Anwesenden verfolgten in einer atemberaubenden Kamerafahrt die rote Steilküste, die übersät mit den brütenden Lummen war, einer Vogelart, die in Deutschland nur auf Helgoland brütet.

„Diese Bilder von brütenden Trottellummen (Uria aalge) wurden vor acht Tagen aufgenommen. Jetzt folgen Bilder, die am gestrigen Tag entstanden sind.“

Ein leichter Druck auf die Tastatur, das Bild änderte sich und zeigte nun in Großaufnahme einen dieser seltsamen Vögel, die aus der Ferne aufgrund ihrer schwarz-weißen Erscheinung für kleine Pinguine gehalten werden konnten.

Jemand stöhnte leise, als das Weibchen sein einziges Ei mit dem Schnabel zur Felsenkante stieß und es gleich darauf in das Wasser fiel.

Dann hatte die Kamera ein anderes Weibchen bei dem gleichen Verhalten gefilmt und schwenkte zu einem dritten über.

„Was bahnt sich da an, Professor Logan?“

Ich sah zu der Sprecherin, unserer aus Ghana stammenden Wissenschaftlerin mit dem Forschungsgebiet der biologischen Veränderungen aufgrund der Umweltveränderungen in Wechselwirkungen zwischen den vergangenen Jahrhunderten und dem 21. Jahrhundert. Dr. Makeda Fisher war eine ausgesprochene Schönheit mit der Figur eines Models, aber stets sehr nachlässig gekleidet und allen Flirtversuchen abgeneigt. Ich kannte sie erst seit knapp acht Monaten und wusste natürlich alles über ihre Herkunft und ihre Familie. Makeda hatte vor fünf Jahren geheiratet, offenbar überstürzt. Als sie zu uns nach Wien kam, lebte sie schon längere Zeit von ihrem Mann getrennt und schien sich nur noch ihrer Forschung zu widmen.

Ich fuhr fort: „Das sind unsere Frühwarnsysteme, und dass wir in der letzten Zeit vermehrt auf das Verhalten von Tieren achten, verdanken wir auch der Forschung von Doktor Makeda Fisher. Es ist sicher allgemein bekannt, dass derzeit das Verhalten von Ziegen am Ätna wissenschaftlich untersucht wird, weil uns Langzeitbeobachtungen fehlen. Nun – es sind ihre Arbeiten aus dem vergangenen Jahr, die uns hier erhebliche Vorteile gegenüber allen anderen Wissenschaftlern verschafft haben. Sie reiste in ihre Heimat in verschiedenen Zeitsprüngen zurück und beobachtete das Verhalten von Insekten und Froschlurchen sowie einiger anderer Tiere. Dabei bestätigte sich, was andere derzeit noch mühselig erforschen. Es gibt eindeutige Warnungen vor Katastrophen aus dem Tierreich. Der Mensch ignoriert sie nur leider überwiegend.“

Die junge Wissenschaftlerin zeigte kurz ein angedeutetes Lächeln, bevor sie angestrengt das Geschehen auf dem Helgoländer Lummenfelsen beobachtete.

Dann sagte sie in die eingetretene Stille:

„Die Lummenweibchen vernichten ihre Brut, und das ist besonders tragisch, weil jedes Weibchen nur ein einziges Ei legt. Bis zum Erwachsenwerden hat es auf dem kargen, engen Felsen ohnehin zu kämpfen. Aber wenn Professor Logan sagt, dass es sich hier um ein Frühwarnsystem der Natur handelt, frage ich mich, was es ausgelöst hat. Ein Tsunami wird ja wohl in der Nordsee nicht zu erwarten sein?“

„Den könnten wir nach der eigentlichen Naturkatastrophe erwarten“, antwortete ich und leitete über zur nächsten Projektion, mit der ich sofort die Aufmerksamkeit aller Beteiligten hatte.

Im Raum stand das dreidimensionale Bild der Nordsee, Helgoland verschwand etwas im Dunst am Bildrand, die See war nicht sonderlich aufgewühlt. Die Sonne schien kräftig darauf und zauberte bunt-schillernde Spiegelungen auf dem grün-blauen Wasser der Nordsee.

„Eine Idylle“, sagte jemand leise, aber dann wuchs die Spannung bei meinen Zuschauern, denn nun veränderte sich die Meeresoberfläche plötzlich. Obwohl kein Wind zu erkennen war, kräuselte sich das Wasser, und die Kamera stieg etwas, um einen sich jetzt bildenden Strudel zu zeigen, der immer größer wurde und sich schnell drehte.

Dann wich das Wasser plötzlich zur Seite, und aus der Nordsee stieg etwas herauf, breitete sich aus und nahm schließlich das gesamte Bild ein. Ohne vulkanische Tätigkeit schien sich hier plötzlich eine gewaltige Landmasse aus der Nordsee zu erheben. Man erkannte das typische, rote Gestein der Insel Helgoland, die vor diesem stets wachsenden Ungetüm aussah wie eine Erbse neben einem Kürbis.

Dann tauchte die Kamera tief in die Nordsee ein.

Die Farben veränderten mit zunehmender Tiefe, aber ein sehr starkes Licht kam hinzu und durchdrang die Finsternis noch über lange Zeit. Der Rat der Elf konnte staunend verfolgen, was die Simulation schon vorweg genommen hatte. Der Meeresuntergrund vor Helgoland war offensichtlich in Bewegung geraten, und als die Kamera entlang eines riesigen Steinwalles fuhr und die beeindruckenden Bilder in dreidimensionaler Darstellung in den Versammlungsraum trug, war es dort sehr still geworden.

„Das ist, wovor uns die beobachteten Tiere warnen wollen. Ich präsentiere dem Rat der Elf einen versunkenen Kontinent, der in meiner Animation aufsteigt. In bestimmten Kreisen nennt man diesen Teil, der bislang unter dem Meeresspiegel lag, Atlantis, den verlorenen Kontinent. Ich glaube, jedem von uns dürfte wohl klar sein, welche Folgen der Aufstieg einer solchen Gesteinsmasse für die Nordseeküste und ihre Anlieger bedeuten würde. Die letzten Tsunami-Bilder, die wir ebenfalls alle vor Augen haben, werden dagegen eher bescheiden ausfallen.“

Als ich die Projektion damit beendete, hörte ich ein Geräusch, als würde jemand scharf die Luft einziehen. Dann sagte Dr. Makeda Fisher fast tonlos: „Atlantis? In der Nordsee? Sind wir da nicht schon ein Stückchen weiter, Professor Logan?“

Ich hatte natürlich mit solchen Einwänden gerechnet, aber zunächst einmal galt es, dem Rat der Elf meinen Plan vorzustellen und sie dafür zu gewinnen.

„Verehrte Ratsmitglieder, ich bitte noch um etwas Geduld. Lassen Sie mich die Theorien um das sagenhafte Atlantis einmal für kurze Zeit ausblenden. Wir gehen alle davon aus, dass eine der frühesten Quellen der griechische Philosoph Plato ist.

Folgen wir ihm, dann ist die einstige Seemacht auf der Insel des Atlas um 9.600 v. Chr. an einem Tag und einer Nacht untergegangen.“

„Sie wollen doch aber jetzt etwa 9.600 Jahre in der Geschichte zurückreisen, um sich davon zu überzeugen, Herr Professor!“, kam eine etwas näselnde Stimme von Mitch B. Lorne, einem Mann, der aussah wie ein großer, amerikanischer Cowboy. Der Mann, der seit Jahren für uns arbeitete, hatte großartige Leistungen auf dem Gebiet der Relativitätstheorie erbracht und war damit bemüht, Albert Einstein mit seinen eigenen Schlüssen zu widerlegen. Wer ihm in das große, lächelnde Gesicht sah, dachte an einen Jungen wie Huckleberry Finn von Mark Twain. Das leicht gebräunte Gesicht mit den zahlreichen Lachfalten wirkte tatsächlich noch immer wie das eines Lausbuben – wenn man ihn nicht reizte. Dann jedoch konnte Mitch in Sekundenschnelle zu einem harten Gegner werden, und das nicht nur bei verbalen Auseinandersetzungen.

„Und was spricht dagegen, Mitch? Gerade du solltest mich bei einem solchen Zeitsprung unterstützen können, würde doch damit dein großes Vorbild Einstein endgültig widerlegt.“

„Es gibt keine Zeitreisen in die Vergangenheit, bestenfalls in die Zukunft!“, antwortete der Amerikaner mit breitem Grinsen, und die anderen lachten fröhlich. Aber gleich darauf waren alle wieder dem Ernst der Situation entsprechend bei der Sache, und ich konnte meine Ausführungen verdeutlichen. Nach einem raschen Blick in die Runde stellte ich dem Rat der Elf eine provokante Frage.

„Kennt jemand der hier Anwesenden die Theorien von Jürgen Spanuth? Der Mann war Pastor und hat schon 1952 nachweisen wollen, dass das sagenhafte Atlantis nicht im Mittelmeer oder im Atlantik, sondern vor Helgoland lag.“

„Hmm, habe ich gehört!“, meldete sich Mitch. „Der Mann hat sogar einen Taucher engagiert, der einen riesigen Steinwall unter Wasser gefilmt hat. Waren das etwa die Bilder, die wir gerade gesehen haben, Professor?“

„Nein, die Steine, die ich eben gezeigt habe, wurden erst vor zwei Tagen mit einem Mini-U-Boot gefilmt. Aber ich behaupte jetzt, dass dieser Mann nicht nur spekuliert hat, sondern richtig lag. Schauen Sie bitte, was beim Übereinanderlegen des Filmmaterials deutlich wird.“

Leicht berührte ich das nächste Tastenfeld, das dreidimensionale Modell nahm wieder Form an, und wir sahen kurz noch einmal die Unterwasserfahrt der Kamera mit der seltsamen Steinformation. Dann aktivierte ich den nächsten Film, und nun wurde das rekonstruierte Material von 1952 mit dem aktuellen Material gezeigt.

„Unglaublich!“, meldete sich Dr. Inuksuk. „Wie ist es Ihnen gelungen, innerhalb so kurzer Zeit an die Aufnahmen zu kommen, Professor?“

„Ich war dabei und hatte meinen Spaß.“

„Sie haben dafür eine Zeitreise unternommen?“

„Natürlich, und ich muss sagen, es war ein beeindruckendes Erlebnis, zumal wohl noch niemand von uns das Vergnügen hatte, in einem Taucheranzug aus dickem Gummi und einem Panzerhelm bei einem solchen Unternehmen dabei sein zu können. Ich habe darauf verzichtet, mich frei wie ein Kampfschwimmer zu bewegen und deshalb einen Marine-Tauchanzug gewählt, der von einem Boot die Atemluft zugeführt bekam.“

„Was genau haben Sie bei diesen angeblichen Wällen festgestellt?“, wollte jetzt Chefingenieur Andreas Braun von mir wissen. Der Neffe Wernher von Brauns hatte auf seinen Adelstitel verzichtet, obwohl der nun in Österreich noch immer gern verwendet wurde.

„Es handelt sich bei den Steinen des gefilmten Walles durchgängig um Steine von einem Meter Breite und zwei Metern Länge. Der gesamte, gefilmte Wall weist eine Länge von 927 Metern auf.“ Ich unterbrach mich kurz, um eine Büste von Plato einzublenden. „Diese Länge entspricht einer Seemeile und übrigens auch exakt dem Maß von fünf Stadien, wie es Plato in seinem Werk Kritias als Mauerlänge für den Palast des Königs von Atlantis vermerkt hat.“

Mein Blick wanderte von einem zum anderen, und ich erkannte, dass ich die Ratsmitglieder beeindruckt hatte. Doch noch waren nicht alle Zweifel ausgeräumt, und jetzt war es der Physiker Dr. Daiki Kaname, der sich zu Wort meldete.

„Professor Logan, Sie sagten zu Beginn, wir wollen nicht über die Theorien streiten, die es zu dem sagenhaften Atlantis gibt. Ich gehe auch nicht weiter darauf ein, dass es durchaus glaubwürdige Hinweise für den Untergang des Reiches im südchinesischen Meer gibt. Aber was ist nun der Grund für Ihre eindrucksvolle Vorführung all dieser Bilder und Filme? Sie behaupten, in Kürze würde Atlantis aus der Nordsee auftauchen und damit eine Katastrophe heraufbeschwören. Das mag stimmen oder nicht, in jedem Falle kann man sich wohl ausmalen, dass damit nicht nur die Küste betroffen sein wird, sondern – ähnlich wie bei Vulkanausbrüchen – sich langfristige Folgen für ganz Europa oder darüber hinaus ergeben. Das alles werden Sie doch aber nicht mit einer Zeitreise aufhalten oder möglicherweise verhindern können! Was ist Ihre Absicht?“

Ich verbeugte mich höflich vor meinem japanischen Kollegen, der diese Gesprächsrunde abkürzte. Mit einer Berührung meines Gerätes, von dem aus alles im Raum gesteuert wurde – angefangen von der dreidimensionalen Vorführung bis zur Verdunkelung und der Klimaanlage – und anstelle von Plato erschien das Gesicht eines jungen Mannes. Man hätte es als schön bezeichnen können, wären da nicht ein paar scharfe Züge in dem fast klassischen Gesicht zu erkennen, und die bronzefarbene Haut zu den blonden Haaren erweckte den Eindruck, hier würde ein junger Wikinger gezeigt, der durch Wind und Wetter gebräunt schon einiges in seinem Leben erlebt hatte.

„Bolthar, der Wikingerfürst!“, sagte Andreas Braun, der mit Vorliebe Wikingergeschichten las und bei verschiedenen Plattformen Abonnements für eBooks hatte.

„Die ethnologische Zuordnung ist vollständig missglückt, Herr Braun!“, antwortete ich im tadelnden Ton eines Klassenlehrers des 19. Jahrhunderts und erreichte damit erneut Heiterkeit in der Runde.

„Nordisch aber in jedem Falle“, warf Dr. Inuksuk Toman Frederiksen ein.

„Ich bin schwer enttäuscht“, sagte ich mit süffisantem Lächeln und musterte erneut die Gesichter. Täuschte ich mich, oder lächelte mir da jemand wissend zu?

„Kann es sein, Professor, dass Sie auf eine uralte Legende meines Volkes zurückgehen und deshalb das Thema Atlantis für uns inszenieren?“, erkundigte sich mit einem fröhlichen Lächeln im leicht braunen Gesicht unsere Anthropologin Lool Beh aus Yukatan.

„Hervorragend, Sie sind auf dem richtigen Pfad!“, bestätigte ich, und die Frau aus dem Land der Maya, deren Name Blume des Weges in ihrer Sprache bedeutete, fuhr fort.

„Ich nehme mal an, die Sagen der Maya sind nicht allen hier im Raum vollständig vertraut. In den alten Überlieferungen meines Volkes ist die Rede von Mu, das einst ein mächtiges Reich gewesen sein soll und wie das sagenhafte Atlantis untergegangen ist. Viele glauben aber auch, dass Mu und Atlantis identisch sind, viele Forscher haben sich seit Jahrhunderten damit beschäftigt und glauben, das belegen zu können.“

„Ein Blick in unser Archiv zeigt zum Thema Atlantis mehr als 50.000 Werke, vom Roman bis zur wissenschaftlichen Abhandlung!“, warf Braun ein und wollte damit demonstrieren, dass er weit mehr als nur eBook-Ausgaben las.

„Das ist wohl richtig“, fuhr Lool Beh fort. „Aber der Personenkreis, der die Sage um das Wiederaufsteigen des sagenhaften Mu oder Atlantis vollständig kennt, ist doch sehr klein.“

„Würden Sie uns mehr darüber erzählen?“, warf ich ein, und Lool Beh fuhr fort:

„In einer alten Maya-Schrift heißt es, dass einst das versunkene Reich wieder aus dem Meer auftauchen wird und der Prinz von Atlantis sein altes Erbe dann antritt. Bis zu diesem Tag arbeitet er zusammen mit zahlreichen Wissenschaftlern in der ganzen Welt und einigen wirklich genialen Erfindern zusammen, um das jahrhundertealte Festungswerk als Zentrum seiner Macht wieder aufzubauen und alles für den großen Augenblick vorzubereiten.“

„Das bedeutet, sollte es tatsächlich diesen Mann geben, müsste er zumindest eine Basis gehabt haben, in der alles zusammenläuft. Wo soll dieser Ort sein?“, wollte Dr. Daiki Kaname wissen.

„Diese Basis hat es zumindest bis etwa 1935 gegeben. Sie befand sich auf der Halbinsel Yukatan und soll durch feindliche Mächte zerstört worden sein“, antwortete ich.

„Professor Logan, wenn das zutrifft, muss es ja wohl einen Prinzen oder Herrscher der Maya gegeben haben, der alles steuerte und lenkte, einmal abgesehen von den sicherlich hohen Finanzierungskosten. Das kommt mir alles sehr … mysteriös vor. Aber, wie ich Sie kenne, enthalten Sie uns noch immer die wichtigsten Informationen vor!“, ergänzte der japanische Wissenschaftler, und ich antwortete lächelnd:

„Sie haben wieder einmal den Nagel auf den Kopf getroffen, Dr. Kaname. Dieses Bild zeigt den Prinzen, und wenn Sie es auf Ihren Bildschirm einer HSM-Kamera holen, werden Sie feststellen, dass es sich tatsächlich um ein Foto handelt. Zugegeben, das Farbbild aus dem Jahre 1927 musste von mir etwas bearbeitet werden, weil die Farben verblasst und die Körnung nicht sonderlich gut war. Aber dafür habe ich kein Hilfsmittel wie etwa Photoshop oder ein ähnliches Programm verwendet, sondern nur die Möglichkeiten der HSM-Kamera, die Sie durch alle bisherigen Einsätze kennen und immer wieder verbessert haben. Da ich wusste, dass dieser Prinz seit etwa 1927 verschollen ist und wir durch geradezu abenteuerliche Berichte den Eindruck bekommen mussten, dass er etwa zehn Jahre später aktiv wurde, konnte ich eine Drohne mit der HSM-Kamera gezielt einsetzen. Das nächste Bild zeigt die Stätte, in der sich der Prinz damals aufgehalten hatte.“

Ich wechselte das Bild, und Lool Beh rief verwundert aus: „Aber das ist doch die Pyramide des Zauberers!“

„Wundert mich gar nicht mehr!“, antwortete Mitch und grinste breit zu seiner Nachbarin herüber. „Jetzt aber mal heraus mit der Sprache, Professor! Warum halten Sie eine Zeitreise in das Jahr 1927 zur Pyramide auf Yukatan für unbedingt erforderlich? Ich denke dabei gewiss nicht an die Kosten sondern bin eher besorgt um Ihre Gesundheit! Sie haben in den letzten Monaten mehrere Zeitreisen in sehr kurzem Abstand getätigt, und ich an Ihrer Stelle würde mir Gedanken machen, ob das meinem Organismus so zuträglich ist!“

„Die Stimme eines Mediziners werde ich nicht so ohne Weiteres bei meinen Planungen übergehen, Mitch. Aber ein Blick auf die letzten Untersuchungswerte zeigen, dass ich mich bei bester Gesundheit befinde. Wenn ich jetzt um die Abstimmung bitten dürfte?“

„Einen Augenblick bitte, Professor Logan!“, vernahm ich eine tiefe, dröhnende Stimme. Es war Artjom Gussew, der bislang schweigend zugehört hatte. „Ich wüsste gern, warum Sie nach Yukatan wollen und dort einen vielleicht gar nicht existenten Nachfolger der Mayas suchen, von dem bislang kaum jemand gehört hat. Wenn ich in unsere Suchmaschine allerdings die Begriffe Prinz und Maya eingebe, dann finde ich neben der Entdeckung eines Grabes in Uxul im Jahr 2012 zahlreiche Hinweise auf einen gewissen Sun Koh. Allerdings beziehen sich alle diese Hinweise auf eine Heftromanserie der Vorkriegszeit, verfasst von einem Deutschen mit dem schönen Namen Paul Alfred Müller. Wollen Sie uns im Ernst erklären, dass Sie eine Zeitreise machen wollen, um einen Papierhelden eines deutschen Schriftstellers zu finden?“

Ich spürte elf Augenpaare auf mich gerichtet und straffte meine Figur, als ich antwortete.

„Tatsächlich bin ich auf der Suche nach dem Prinzen von Atlantis mit dem Namen Sun Koh. Sie haben ganz recht, mein lieber Artjom, wenn Sie da auf die Werke eines Schriftstellers verweisen. Meine Ergänzung, dass es sich seinerzeit um eine sehr erfolgreiche Heftromanserie handelte, soll nur die zahlreichen Eintragungen in Suchmaschinen erklären. Tatsächlich ist Müller einer der ganz wenigen Zeitgenossen Sun Kohs, der durch einen Zufall auf dessen Geschichte stieß und sie zu seiner eigenen Abenteuerserie machte. Schauen Sie einmal auf dieses Pergament, das uns sicher Lool Beh sofort übersetzen könnte, sollten Zweifel an meiner Erklärung auftauchen.“

Damit wechselte erneut das Bild, und zugleich sorgte ich dafür, dass dieses uralte Pergament nicht nur als dreidimensionale Darstellung im Raum stand, sondern auf jeder Folie der HSM-Kameras erschien, die die Ratsmitglieder vor sich hatten.

Es war unsere Nachfahrin der alten Maya-Stämme, die schon beim Lesen der ersten Zeilen aufsprang und rief: „Das ist echt, so wahr ich hier stehe! Professor Logan führt uns hier die Abbildung einer lange Zeit verschollenen Schrift vor Augen, in der es tatsächlich um den letzten Nachkommen des alten Herrschergeschlechts geht, dessen Name Sie in der fünften Zeile von oben finden können: Sun Koh.“

„Und wir brauchen ihn, um das aufzuhalten, was gerade vor Helgoland auf dem Meeresgrund geschieht. 1927 wurde das Werk des Mannes gestoppt, vermutlich von einer Verbrecherbande, die seine Erfindungen für ihre eigenen Zwecke nutzen wollte. Doch was auch immer in der Zwischenzeit geschehen ist – die Maschinerie ist aus unbekannten Gründen angelaufen und sorgt dafür, dass Atlantis aufsteigen wird. Wenn es mir nicht gelingt, die Leute vor Ort aufzuhalten, kommt es unweigerlich zur Katastrophe.“

„Sollten Sie da wirklich allein reisen, Professor?“, erkundigte sich mit seiner tiefen, grollenden Stimme Artjom Gussew. „Mir wäre es sehr viel lieber, Sie würden ein Agententeam auswählen, das in der Lage ist, Sie bei Ihrem Vorhaben zu unterstützen.“

Zustimmendes Nicken der übrigen Anwesenden, aber ich warf rasch ein: „Auch bei früheren Einsätzen hat es sich gezeigt, dass das Vorgehen eines einzelnen Agenten sinnvoller erscheint. Doch will ich gern einräumen, dass eine Unterstützung vor Ort erforderlich sein kann. In diesem Falle würde mein Transponder ein Hilfesignal aussenden. Und innerhalb kürzester Zeit wäre ein Team vor Ort, um mich zu unterstützen.“

Ein Blick in die Runde, alle hatten sich mir offen zugewandt.

„Dann bitte ich um Ihre Abstimmung!“

Elf Arme schossen nach oben, und ich bedankte mich.

 

 

2

Der Vorteil für den Zeitreisenden des Institutes für kosmologische Konstante bestand darin, eine lästige Anreise mit den Verkehrsmitteln der Zeit zu vermeiden. Der Nachteil bestand in dem Fehlen eines von uns so genannten QRV-Zugangs. Das bedeutete, dass unter Eingabe der Koordinaten von Wien aus im Gebiet der Pyramide des Zauberers ein solches Zeittor eingerichtet werden musste, um meine Rückkehr in das 21. Jahrhundert zu ermöglichen. Diese Zeittore waren nur temporäre Einrichtungen, die allerdings unter bestimmten Voraussetzungen wieder aktiviert werden konnten. Während des Einsatzes eines Agenten bestand das Tor für einen vereinbarten Zeitraum zuzüglich einer eingeräumten Karenzzeit.

Im Jahre 1927 war der Zugang zu den Maya-Stätten bei Uxmal äußerst beschwerlich. Hier gab es noch keine Ausgrabungen, sondern bislang lediglich kartographisch und bildlich festgehaltene Darstellungen der Anlage. Nur mit der Restaurierung der Adivino-Pyramide in Uxmal hatte man bereits begonnen.

1886 erforschte Theobert Maler die Halbinsel Yukatan und fertigte zahlreiche Fotos in Uxmal an. Der deutsche Eduard Seler verwendete für eine Publikation die Zeichnungen von William H. Holmes, und Sylvanus G. Morley nahm 1907 umfangreiche Vermessungen vor. Diese Unterlagen hatte ich für meinen Zweck ausgewertet, dazu die Daten dieses Maya-Prinzen erfasst und die HSM-Kamera eingesetzt. In dem riesigen Gebiet mit der viereckigen Pyramide, die man so nach einer alten Maya-Sage benannt hatte, danach sollte sie der Gott Itzamná in einer einzigen Nacht geschaffen haben. Allerdings war es bei all den wissenschaftlichen Informationen keineswegs klar, wo ich mit meiner Suche nach dem letzten Aufenthaltsort Sun Kohs beginnen sollte. Ich vertraute da unserer Technik, die mir beim Aufspüren seiner sicher noch vorhandenen Geräte und Konstruktionen helfen sollte.

Ich stand vor der Pyramide am 23. September des Jahres 1927, und es war bereits früher Nachmittag, die Sonne hatte ihren Zenit längst überschritten, stach aber noch immer unbarmherzig auf mich herunter.

Meine Kleidung bestand aus dem üblichen Tropenanzug aus Khaki, dazu trug ich einen Tropenhelm aus Kork, als ich meinen Rucksack mit den Hilfsmitteln des 21. Jahrhunderts abstellte. Da ich nicht befürchten musste, hier von einem Zeitgenossen überrascht zu werden, sah ich mich zwar nach einem geeigneten Versteck meiner Utensilien um, nahm dann aber die Teile der Drohne heraus und setzte sie zusammen. Das Gerät war kaum größer als ein Smartphone, startete nach Aktivieren einer App problemlos und surrte über die Pyramide, um mit seinen empfindlichen Sensoren Spuren zu finden.

Nach einem ersten Überflug landete die Drohne wieder bei mir, und ich sah mir das Ergebnis in Videos und Einzelbildern an. Es gab keine Hinweise auf die Anwesenheit von Menschen im gesamten, überflogenen Gebiet. Allerdings irritierte mich die Wärmebildkamera, die seltsame Aufzeichnungen lieferte. Danach befand sich eine Wärmequelle offenbar tief verborgen im Inneren der Pyramide.

Der Sache musste ich nachgehen, aber jetzt bereitete ich zwischen mehreren gewaltigen Steinbrocken mein Quartier vor, spannte eine Hängematte und ein Moskitonetz auf, durchsuchte das Gebiet ringsum nach Schlangen und war schließlich zufrieden, als mein kleines Camp fertig war und ich stillvergnügt der ersten Nacht in der Anlage der Mayas entgegensehen konnte.

Ich machte kurz vor Einbruch der Dunkelheit noch einen kleinen Streifzug durch das Gelände, bevor ich mich unter mein Moskitonetz legte, einen sechsschüssigen Revolver an meiner Seite, die kombinierte Laser- und Pistolenmunition verschießende Hurricane jedoch verborgen in einem Versteck in der Nähe. Da ich sie nur für den äußersten Notfall verwenden wollte, war es besser, sie unter einem markanten Stein zu belassen, das schützende Kräftefeld einzuschalten und lieber mit einer herkömmlichen Waffe in der Hängematte zu schlafen.

Was auch immer mich mitten in der Nacht geweckt hatte – es war zu spät für eine Gegenwehr. Irgendetwas schien sich unter meinem Moskitonetz durchzuschieben und mich sanft zu umschließen, ganz seltsam und weich fühlte es sich an, aber ich konnte mich nicht dagegen wehren. Vom Moment des Erwachens an hatte ich keine Möglichkeit mehr, mich zu bewegen. Durch das Moskitonetz nahm ich die Umrisse von Menschen wahr, die sich dicht um mich drängten – dann überkam mich erneut dumpfe Müdigkeit.

Ich spürte noch, wie ich sanft von meiner Hängematte aufgenommen wurde – es war fast wie ein Gleiten durch die Nacht – und dann verwischte sich alles wieder in wohltätiger Dunkelheit, ein paar seltsame Laute drangen noch an mein Ohr wie die Geräusche des nächtlichen Urwaldes, dann umgab mich tiefe Stille.

Als ich erneut erwachte, geschah das keineswegs mit einem Schrecken.

Nach und nach drangen leise, entfernte Laute an mein Ohr, und ich bemühte mich, die Augen zu öffnen, die auf seltsame Weise schwer und wie verklebt waren. Dann nahm ich die Umwelt erst allmählich wieder über meine Sinne wahr. Die Geräusche wurden etwas lauter und entpuppten sich schließlich als Laute einer fremden Sprache, in der man sich in unmittelbarer Umgebung gedämpft unterhielt. Dazwischen gab es ein gelegentliches, seltsames Knacken, das ich nicht zuordnen konnte. Es erinnerte mich an das Anschalten einer uralten Lautsprecheranlage, und ich hatte sofort ein Bild dazu vor meinen geschlossenen Augen.

Das war vor einer Ewigkeit, als ich in Südamerika unterwegs war. Durchsagen auf einem winzigen Provinzbahnhof waren es, die mich aus meinem Schlaf geweckt hatten, und immer, wenn eine neue Durchsage kam, knackte es im Lautsprecher.

Moment! Da war das Knacken erneut!

Jetzt kamen in einer seltsamen Sprache Laute an mein Ohr, die sich wirklich wie eine Durchsage anhörten!

Erstaunt schlug ich die Augen auf, konnte aber zunächst nur ganz verschwommen eine gemauerte Wand vor mir erkennen. Dann fühlte ich meine Unterlage und stellte fest, dass ich auf einer weichen Matratze lag, allerdings an Händen und Füßen gefesselt. Nicht sonderlich straff, aber doch mit Stricken gefesselt. Sie würden keinen ernsthaften Widerstand bieten, aber man hatte mir natürlich die Waffen abgenommen. Doch als ich mich etwas aufrichtete, spürte ich das kleine, dünne und sehr scharfe Messer in der Innentasche meiner Hose und musste unwillkürlich schmunzeln. Offenbar hatte man mich nicht sehr sorgfältig durchsucht.

Schritte näherten sich, und die große Eingangstür wurde geöffnet.

Von den nun herein marschierenden Kriegern und ihrer Bekleidung war ich beeindruckt. Die hellbraunen, kräftigen Männer schienen für diese Tätigkeit eigens ausgesucht zu sein, denn sie hatten alle die gleiche Größe, einen durchtrainierten Oberkörper und trugen auf dem Kopf Federbüsche, wie ich sie von den alten Darstellungen aus der Zeit der Konquistadoren kannte. Um die Hüften ein Lendentuch, in den Händen kurze Speere, umstanden sie mich mit grimmiger Miene, bis ihr Anführer ebenfalls eintrat und mich kurz musterte.

Dann befahl er den Kriegern etwas in einer gutturalen Sprache, die ich nicht verstand, zwei Mann griffen zu und stellten mich auf die Beine. Dann löste einer von ihnen meine Fußfesseln, und ich wurde von den Männern in die Mitte genommen. Wir gingen durch einen schier endlosen, fensterlosen Gang, in dem ich die lückenlos aufeinander getürmten, sorgfältig behauenen Steine bewunderte. Nach dem Verlassen meines Raumes gab es kein Tageslicht mehr. Der Gang wurde mit Schalen beleuchtet, die Öl enthielten. Vermutlich befanden wir uns in der Pyramide des Zauberers, und damit im Zentrum des Reiches von Sun Koh, wie ich es erhofft hatte.

Details

Seiten
84
Jahr
2020
ISBN (eBook)
9783738940695
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v703988
Schlagworte
abenteuer neue rettung sekunde

Autor

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Titel: Sun Koh – Neue Abenteuer #1: Sun Koh und die Rettung in letzter Sekunde