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Blut für den Waldfürsten

2020 85 Seiten

Zusammenfassung


„Sanft und zärtlich küsste er sie. Svenja flüsterte ihm ins Ohr: „Es tut mir leid, dass ich mit dir Schluss gemacht habe. Kannst du mir verzeihen? Nimmst du mich zurück?“
Thomas wollte ihr antworten, aber er konnte nicht. Plötzlich erkannte er, dass das nicht Svenja war, die ihn geküsst hatte.
Svenja küsste anders.
Er wich zurück und sah hinunter zu dem Gesicht. Leere Augenhöhlen starrten ihn blicklos an. Reste von schwarzem Haar hingen wirr um den Kopf. Die Gestalt war in zerschlissene, vermoderte Lumpen gekleidet. Die Hände, teilweise aus weißem, nackten Gebein bestehend, das nur noch von Sehnen und Muskelsträngen zusammengehalten wurde, hoben sich und tasteten in der Luft herum, als wollten sie nach Thomas greifen ...“

Fünf Jungen nehmen an einem mysteriösen Spiel teil. Sie fordern den Waldfürsten heraus und haben eine Nacht Zeit, sich vor seinen Dienern in Sicherheit zu bringen. Sollte ihnen das gelingen, erwartet sie großer Reichtum. Was als harmloser Spaß beginnt, verwandelt sich jedoch bald in einen blutigen Überlebenskampf.

Leseprobe

Table of Contents

Blut für den Waldfürsten

Copyright

1

2

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4

5

6

7

8

Blut für den Waldfürsten

Nur ein Spiel im Wald – doch vielleicht wird keiner Überleben

von Bernd Teuber

 

Der Umfang dieses Buchs entspricht 85 Taschenbuchseiten.

 

„Sanft und zärtlich küsste er sie. Svenja flüsterte ihm ins Ohr: „Es tut mir leid, dass ich mit dir Schluss gemacht habe. Kannst du mir verzeihen? Nimmst du mich zurück?“

Thomas wollte ihr antworten, aber er konnte nicht. Plötzlich erkannte er, dass das nicht Svenja war, die ihn geküsst hatte.

Svenja küsste anders.

Er wich zurück und sah hinunter zu dem Gesicht. Leere Augenhöhlen starrten ihn blicklos an. Reste von schwarzem Haar hingen wirr um den Kopf. Die Gestalt war in zerschlissene, vermoderte Lumpen gekleidet. Die Hände, teilweise aus weißem, nackten Gebein bestehend, das nur noch von Sehnen und Muskelsträngen zusammengehalten wurde, hoben sich und tasteten in der Luft herum, als wollten sie nach Thomas greifen ...“

 

Fünf Jungen nehmen an einem mysteriösen Spiel teil. Sie fordern den Waldfürsten heraus und haben eine Nacht Zeit, sich vor seinen Dienern in Sicherheit zu bringen. Sollte ihnen das gelingen, erwartet sie großer Reichtum. Was als harmloser Spaß beginnt, verwandelt sich jedoch bald in einen blutigen Überlebenskampf.

 

 

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books, Alfred Bekker, Alfred Bekker präsentiert, Casssiopeia-XXX-press, Alfredbooks, Uksak Sonder-Edition, Cassiopeiapress Extra Edition, Cassiopeiapress/AlfredBooks und BEKKERpublishing sind Imprints von

Alfred Bekker

© Roman by Author / Cover: Steve Mayer, nach Motiven, 2020

© dieser Ausgabe 2020 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

Alle Rechte vorbehalten.

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Wir laufen für die Freude und den Sieg.

Der Waldfürst lässt seine Diener von der Kette.

Es tost der Sturm vor so viel Freude.

Er löscht das schützende Feuer in der Nacht.

Und der Waldfürst nährt sich von dem Fleisch der Narren.

 

 

1

Fünf Jungen schoben ihre Fahrräder den Steilweg hinauf. Sie schwitzten, obwohl es nicht besonders heiß war. Der Vorderste blieb stehen und wischte sich den Schweiß von der Stirn.

„Ich kann nicht mehr“, jammerte es von hinten. „Wenn ich noch weiter muss, falle ich tot um.“

„Reiß dich zusammen, Oliver“, sagte der Anführer der Jungen. „Wir haben‘s ja gleich geschafft. Dann schlagen wir das Zelt auf.“

„Na, hoffentlich“, sagte Oliver Schrader. „Ich komme um vor Hunger.“

Er war wie die anderen fünfzehn Jahre alt. Die Jungen hatten diesen beschwerlichen Marsch auf sich genommen, weil sie hier im Wald ein Ritual durchführen wollten. Insbesondere der übergewichtige Oliver bereute diesen Entschluss inzwischen.

„Du denkst immer nur ans Essen“, sagte Lucas Beck vorwurfsvoll. Er war der Anführer der Gruppe. Von ihm stammte auch die Idee für dieses Unternehmen. „Sieh dir doch mal diesen Wald an! Und atmete diese frische Luft!“

„Ein Hamburger mit Pommes wäre mir jetzt lieber“, maulte Oliver. „Mir hängt der Magen bis in die Kniekehlen. Außerdem ist es schon verdammt spät.“

Lucas schob sein Fahrrad wieder an. Er keuchte die letzten zweihundert Meter der Steigung hinauf. Die anderen folgten ihm. Oben auf dem Pass wurden sie von hochragenden, dunklen Felswänden eingeengt. Eine Aussicht gab es hier nicht. Auf dem gewundenen Bergweg ging es nun abwärts. Das war schon eher nach dem Geschmack der Jungen. Sie stiegen auf ihre Fahrräder und fuhren los. Sie brauchten nicht einmal in die Pedale zu treten, sondern mussten nur die Rücktrittbremse betätigen.

Die Jungen gelangten in ein langgestrecktes, bewaldetes Tal. Zwischen den Bäumen war es schon dämmrig und dunkel. Lucas sah sich nach einen geeigneten Platz um, wo man das Zelt aufschlagen konnte.

„Hier bleiben wir!“, rief der blonde Junge. „Jeder weiß, was er zu tun hat.“

Die Arbeitseinteilung war schon am Nachmittag erfolgt, als sie von zu Hause aufgebrochen waren. Bald stand das Zelt, das Lagerfeuer brannte und auf dem Propangaskocher wurde das Wasser für die Suppe heiß. Die Fahrräder standen neben einem Baum. Lucas schaute zum Himmel, wo bereits die Sterne funkelten. Regen würde es wenigstens nicht geben. Aber mit Einbruch der Dunkelheit war es kühl geworden.

Oliver hatte das Päckchen mit den Bohnen und den Brühwürsten bereitgelegt. Er schaute auf das sprudelnde Wasser im Kochtopf.

„Worauf wartest du noch?“, fragte Alexander Reinke. „Bis es rot wird?“

Oliver hob die Hand.

„Immer langsam, Leute. Erst muss ich das Wasser zehn Minuten abkochen lassen. Oder wollt ihr die Ruhr oder wer weiß was haben? Aber dann werde ich euch ein Menü herzaubern, nach dem sich sogar die Gäste eines First-Class-Hotels die Finger bis zum Ellbogen ablecken würden.“

„Rede nicht so viel, du Quatschkopf! Sieh lieber zu, dass du mit dem Essen zurande kommst, sonst brennt noch das Wasser an.“

„Jetzt ist es so weit.“

Oliver gab erst die Bohnen und dann die Brühwürste in den Topf. Er grinste. Wenn es ums Essen ging, dann war er einer der ersten. Doch ansonsten drückte er sich um sämtliche Arbeit, wo er nur konnte. Thomas Höffgen sah sich um. Unterbewusst spürte er, dass etwas nicht so war, wie es sein sollte. Während die anderen Jungen nur ihr Abendessen im Kopf hatten, fiel ihm auf, dass es völlig ruhig war, vom fernen Rauschen eines Baches abgesehen.

Die Stille bedrückte ihn. Das ganze Tal und die Berghänge waren bewaldet. Man hätte Tierstimmen hören müssen, das Knacken von Ästen oder ein gelegentliches Rascheln im Unterholz.

Irgendetwas.

Stattdessen herrschte Schweigen. Fast kam es ihm so vor, als seien die Büsche näher an die kleine Gruppe herangerückt, aber das konnte natürlich auch eine Sinnestäuschung sein, die durch das flackernde Lagerfeuer hervorgerufen wurde. Gerne hätte er mit den anderen darüber gesprochen, doch das getraute er sich nicht. Sie würden ihn unweigerlich auslachen. Thomas sagte sich, dass er irgendwie in eine merkwürdige Stimmung hineingeraten war. Vielleicht hatte er etwas Verkehrtes gegessen. Vielleicht lag es auch daran, dass er an ein Leben in der Stadt gewöhnt war. Der Wald hatte für ihn schon immer etwas Bedrohliches an sich. Wenn es nach ihm gegangen wäre, hätten sie auch in der Stadt bleiben können.

Zehn Minuten später war die Bohnensuppe fertig. Die Jungen aßen schweigend. Jeder dachte daran, weshalb sie hierhergekommen waren. Lucas hatte nur vage Andeutungen gemacht. Angeblich ging es um etwas sehr Wertvolles. Mehr wollte er erst sagen, wenn sie im Wald angekommen waren, aber er versprach, dass es sich für sie lohnen würde. Oliver hatte seinen Teller als Erster leergegessen.

„Also, nun sag schon!“, forderte er Lucas auf. „Worum geht‘s?“

„Das habe ich euch doch neulich schon mal erklärt.“

„Ja, aber die Hälfte habe ich schon wieder vergessen.“

„Ich auch“, sagte Jürgen. „Das einzige, was ich mir gemerkt habe, war die Sache mit der Belohnung. Also, worum geht‘s?“

„Um eine Herausforderung“, antwortete Lucas, während er seinen Teller beiseite stellte.

„Aha“, sagte Alexander. „Und wen fordern wir heraus?“

„Den Waldfürsten.“

Verwirrt blickten die übrigen Jungen einander an.

„Den Waldfürsten?“, fragte Oliver. „Davon hast du aber neulich nichts gesagt. Wer soll denn das sein?“

„Na, wer schon?“, entgegnete Lucas. „Der Fürst des Waldes natürlich. Das sagt doch schon der Name.“

„So jemanden gibt es doch gar nicht“, meinte Jürgen Steinwedel.

„Woher willst du das wissen?“, erkundigte sich Lucas.

„Bist du ihm etwa schon begegnet?“, wollte Jürgen wissen.

„Nein“, gab Lucas zu.

„Na, siehst du. Also existiert er auch nicht.“

„Worin besteht denn diese Herausforderung?“, wollte Oliver wissen.

„Wir müssen ein Ritual durchführen und den Waldfürsten anrufen. Dann wird er seine Diener losschicken, damit sie uns jagen. Wir müssen vor ihnen fliehen. Aber wir dürfen niemanden aus der Gruppe zurücklassen. Das ist sehr wichtig. Wir müssen das gesamte Spiel über zusammenbleiben. Klar? Vor allem dürfen wir uns nicht nach den Dienern des Waldfürsten umdrehen und sie nicht ansehen. Bis zum nächsten Morgen müssen wir im Wald bleiben. Und wir dürfen nicht um Gnade betteln.“

„Das klingt aber ziemlich bescheuert“, sagte Alexander. „Was soll denn das für ein Spiel sein?“

„Das sagte ich doch“, erwiderte Lucas. „Es ist eine Herausforderung.“

„Und wo hast du diesen Quatsch her?“, wollte Thomas wissen.

„Aus dem Internet. Da gibt es eine detaillierte Anleitung.“

„Das ist doch Scheiße“, sagte Jürgen. „So etwas Blödes habe ich noch nie gehört.“

„Du hast ja bloß Angst“, meinte Lucas.

„Habe ich nicht. Aber glaubst du ernsthaft, dass ich stundenlang hier im Wald herumrenne und vor irgendwelchen Typen fliehe, die es gar nicht gibt?“

„Wenn du keine Angst hast, kannst du ja mitmachen.“

„Warum sollte ich? Du glaubst wohl jeden Mist, den du im Web liest, was?“

„Natürlich nicht. Aber auf der Seite gab es eine Menge Kommentare von Leuten, die dieses Spiel schon gespielt haben.“

„Worin besteht eigentlich der Sinn?“, wollte Oliver wissen.

„Was meinst du?“, fragte Lucas.

„Na, wenn wir es bis zum nächsten Morgen schaffen, den Dienern zu entkommen, was passiert dann?“

„Wir verlassen den Wald. Dann begegnen wir dem Waldfürsten. Er wird uns fragen, ob wir würdig sind, und wir müssen antworten: ‚Bin ich‘. Dann wird er uns eine Holzkiste überreichen, die wir aber erst zu Hause öffnen dürfen.“

„Und was befindet sich in der Kiste?“, erkundigte sich Alexander.

„Unsere Belohnung. Vielleicht ein wertvoller Schatz oder Geld.“

„Das klingt ganz schön bescheuert“, sagte Jürgen. „Ich habe ja schon eine Menge Blödsinn gehört, aber diese Geschichte übertrifft wirklich alles.“

„Lass es uns doch ausprobieren!“, meinte Thomas. „Was haben wir schon zu verlieren?“

„Eine ganze Menge“, erwiderte Jürgen. „Wenn die anderen das erfahren, sind wir das Gespött der gesamten Schule.“

„Wer soll es ihnen denn erzählen? Du vielleicht?“

„Ich bin doch nicht blöd.“

„Na, also. Weshalb regst du dich dann so auf?“

„Weil das Spiel Scheiße ist.“

„Woher willst du das wissen? Du hast es doch noch niemals gespielt.“

„Und das werde ich auch nicht“, sagte Jürgen.

„Ach, nun stell dich nicht so an“, erwiderte Thomas. „Wir können es doch wenigstens mal ausprobieren.“

„Ein wertvoller Schatz“, sagte Jürgen und rülpste. „Mann, du erstaunst mich, Lucas. Du glaubst wirklich daran, nicht wahr?“

„Du etwa nicht?“

„An den Waldfürsten? An eine Belohnung?“

„Wenn du mir nicht glaubst, kannst du ja wieder nach Hause gehen.“

„Warum sollte ich?“, fragte er in einem gespreizten, nachlässigen Stimmfall.

„Du hältst dich für unglaublich cool, hä? Selbst, wenn es um solch ein Thema geht. Dabei hast du überhaupt keine Ahnung.“

Jürgen antwortete nicht, sondern starrte in die Flammen des Lagerfeuers.

„Also, was ist jetzt?“, erkundigte sich Lucas. „Machst du nun mit?“

„Na gut, wenn es unbedingt sein muss.“

Thomas klopfte ihm auf die Schulter.

„Wirst sehen, das macht bestimmt Spaß.“

„Na hoffentlich. Ich habe wegen der Sache hier eine Verabredung mit Michelle sausen lassen.“

„Ach, mit der kannst du immer noch ausgehen. Die läuft dir nicht weg.“

„Woher willst du wissen, dass wir ausgehen wollten?“, fragte Jürgen. „Vielleicht hatten wir etwas ganz anderes vor.“

„Ja, erzähl‘ doch mal“, forderte Oliver. „Ich wüsste gerne, was du mit ihr treibst, aber du schweigst ja wie ein Grab.“

„Das bleibt auch so“, konterte Jürgen bockig.

„Na klar, junge Liebe braucht Geheimniskrämerei. Dadurch wird sie für die Liebenden etwas Besonderes“, erwiderte Oliver lachend.

„Woher hast du denn diesen Scheiß? Liest du etwa Frauenzeitschriften?“, wollte Alexander wissen.

Oliver grinste.

„Klar, beim Arzt. Ich muss mich doch informieren, wie die Weiber drauf sind. Damit ich weiß, wie ich bei der nächsten Eroberung strategisch vorgehe.“

„Bei der nächsten Eroberung?“, fragte Jürgen skeptisch. „Wann soll das denn sein? Ich habe dich noch nie mit einem Mädchen gesehen.“

„Ich hatte aber schon mal eine Freundin.“ Er zögerte einen Moment. „Nein, eigentlich waren es sogar drei.“

„In deinen Träumen vielleicht“, entgegnete Jürgen.

„Du glaubst mir wohl nicht?“

„Allerdings.“

„Du bist ein Arschloch“, sagte Oliver wütend. „Hältst dich wohl für den Größten, was? Nur weil du mit Michelle befreundet bist.“

„Klar“, meinte Jürgen grinsend.

„Was ist eigentlich aus Melanie geworden?“, mischte Lucas sich ein. „Oder hieß sie Mandy?“

„Was weiß ich?“, erwiderte Jürgen schulterzuckend. „Ich habe ihr den Laufpass gegeben. Die hat zu viel Stress gemacht. Ich stehe eher auf unkomplizierten Spaß. Und den hatte ich mit ihr nicht. Ich suche mir nur Weiber aus, die wie ich Spaß haben wollen und nicht mehr.“

„Und was war mit Andrea?“, bohrte Lucas weiter.

„Diese Schlampe?“, entgegnete Jürgen verächtlich. „Die ging zur gleichen Zeit mit mir und drei anderen Typen. Da habe ich sie abserviert.“

„Du und deine Weibergeschichten“, meinte Thomas. „Das wird noch mal ein böses Ende nehmen.“

„Sagt meine Mutter auch immer. Aber was kann ich dafür, das ich so gut aussehe?“, sagte Jürgen lachend.

„Du bist ein Angeber, weiter nichts“, rief Oliver wütend.

„Na und? Wenigstens habe ich schon ein paar Weiber flachgelegt. Und wie ist das mit dir? Wie viele Muschis hattest du denn schon?“

„Das geht dich gar nichts an.“

„Oder bist du etwa schwul?“

Oliver sprang auf.

„Sag das noch mal, und ich hau dir ‘nen paar auf‘s Maul!“

„Versuch‘s doch! Dabei ziehst du garantiert den Kürzeren.“

„Nun hört schon auf, ihr beiden!“, sagte Lucas. „Wir sind nicht hier, um uns zu prügeln.“

„Dann soll er es gefälligst zurücknehmen!“, forderte Oliver. „Ich bin nicht schwul.“

„Das hat ja auch niemand behauptet“, versuchte Lucas zu beschwichtigen.

„Doch, er!“ Sein ausgestreckter Arm wies genau auf Jürgen. „Wer sagt denn, dass du nicht schwul bist? Vielleicht ist das mit den Mädchen bloß ‘ne Masche, damit niemand etwas merkt.“

„Das fehlt mir noch!“ Jürgen lachte schallend. „Kerle sind doch kein bisschen besser als Weiber, sondern genauso zickig und nachtragend. Nur halten wir die Klappe, agieren im Hintergrund und lassen uns nicht so schnell erwischen. Also würde ich mit einem Kerl keinen besseren Schnitt machen. Außerdem können Typen mir gar nicht gefallen. Sie haben keine Titten.“

Für einen Augenblick herrschte Schweigen. Oliver ließ sich wieder auf dem Baumstamm nieder. Die Jungen starrten in das prasselnde Feuer.

„Was müssen wir denn jetzt genau machen?“, wollte Oliver nach einiger Zeit wissen.

Lucas hob den Kopf.

„Wir bilden einen Kreis“, sagte er zögernd. „Dann fassen wir uns an den Händen und rufen den Waldfürsten.“

„An den Händen?“, fragte Jürgen. „Das kannst du vergessen. Ich spiele hier doch nicht Händchenhalten mit euch.“

„Warum nicht?“, erkundigte sich Alexander. „Das machst du mit Michelle doch auch.“

„Das ist etwas vollkommen anderes.“

„Ach, nun komm schon“, sagte Alexander. „Stell dich nicht so an.“

„Aber Gnade euch Gott, wenn ihr das irgendwo herumerzählt.“

„Natürlich nicht“, versicherte ihm Thomas. „Hältst du uns für so dämlich?“

„Na, los, lasst uns endlich anfangen“, drängte Oliver.

Die Jungen fassten sich an den Händen. Lucas erklärte ihnen, welche Worte sie sprechen sollten.

„Wir sind Verbündete“, sagten sie im Chor. „Wir wünschen uns einen würdigen Gegner. Wird uns keine Herausforderung erwarten?“

Details

Seiten
85
Jahr
2020
ISBN (eBook)
9783738940664
Sprache
Deutsch
Erscheinungsdatum
2020 (Mai)
Schlagworte
blut waldfürsten

Autor

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Titel: Blut für den Waldfürsten