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Mein Orient-Tagebuch: Der Löwe von Aššur 3

2020 131 Seiten

Leseprobe

Table of Contents

Mein Orient-Tagebuch: Der Löwe von Aššur 3

- Krieg der Löwen -

1.

2.

3.

4.

5.

6.

7.

8.

9.

10.

11.

12.

Epilog

Aus der Feder von Tomos Forrest sind weiterhin erhältlich:

Mein Orient-Tagebuch: Der Löwe von Aššur 3

 

 

von Tomos Forrest

 

eine Trilogie

- Teil 3 -

 

 

 

IMPRESSUM

 

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© Roman by Author

© Cover: Kathrin Peschel nach einem Motiv von Klaus Dill, 2020

Lektorat/Korrektorat: Kerstin Peschel

© dieser Ausgabe 2020 by Alfred Bekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

 

 

 

Klappentext:

 

Kara Ben Nemsi schreibt in seinem Orient-Tagebuch:

Wieder einmal erwies sich ein zunächst harmlos aussehendes Abenteuer als überaus gefährlich …

Was durch Sir David Lindsay auf dem Ausgrabungsfeld im Zweistromland finanziert wurde, sollte eigentlich die Erfüllung seines Lebenstraums werden: Einen geflügelten Löwen, von ihm stets als ‚Fowling Bull‘ bezeichnet, wollte er in seinen Besitz bringen. Doch schon bald sollte es sich herausstellen, dass die freigelegte Figur eine ganz andere, viel höhere Bedeutung aufwies, die durch das einfallende Licht in die Grabungshöhle unmittelbar nach einer Sonnenfinsternis zutage trat. Dieses Ereignis wollte auch Aššur-dān für seine machtergreifenden Machenschaften nutzen und scharte dafür einige gnadenlos mordende Banden um sich.

Auch die geheimnisvolle Perserin Azadeh mischt wieder mit, als sich schließlich die Auseinandersetzungen um die Ausgrabungen gewaltsam zuspitzen …

 

 

 

 

 

 

***

 

 

- Krieg der Löwen -

 

 

1.

 

Eine gewaltige Staubwolke lag über dem nördlichen Teil der Ebene, die sich von unserem Standort aus dem Auge bot. Fast fühlte ich mich in die Savannen Nordamerikas versetzt, wo eine Büffelherde ein ähnliches Bild bieten konnte. Aber die erbarmungslos herunterbrennende Sonne erinnerte rasch daran, wo ich mich befand. Hier, auf diesem Hügel nahe des Palastes des Saragon, hatten wir einen guten Blick in das umliegende Land. In kaum einhundert Metern Entfernung erhob sich auf einer Terrasse der Königspalast, der vermutlich schon einige Jahrhunderte vor Christi Geburt angelegt wurde. Seine unglaubliche Ausdehnung rechtfertigt den Anspruch, den die hier arbeitenden Archäologen erhoben – danach handelte es sich um den größten Palast, der jemals im Orient gebaut wurde. Als ihn Einheimische auf einen Hügel aufmerksam machten, in dem man Steinplatten mit Reliefs gefunden hatten, glaubte der Franzose Paul-Émile Botta, dass er Ninive entdeckt hätte. Ihm folgten der Architekt und Maler Félix Thomas und der Archäologe Victor Place, die Fotografien von den Ausgrabungen anfertigten und Zeichnungen. Als Sir David Lindsay und ich vor Ort eintrafen, hatte das französische Ausgrabungsteam bereits rund hundertachtzig Räume des Palastes freigelegt, außerdem einen großen Teil der Stadtmauer und deren Türme.

„Das versprochene Militär!“, bemerkte mein Freund Halef, nachdem er die große Staubwolke eine Weile kritisch und mit zusammengekniffenen Augen beobachtet hatte. „So reitet kein Beduine, das müssen Soldaten sein.“

Damit mochte er recht haben, denn beim Näherkommen erkannten nun alle die Formation der Reiter. Sie schwenkten ab in das militärische Lager, das wir am Vortag aufgesucht und uns Mert Agha vorgestellt hatten.

Von der neuen Ausgrabungsstätte, in der ein international zusammengesetztes Archäologenteam arbeitete, hatten wir einen Überblick über die Ausdehnung des Königspalastes und der Stadt. Eben war man dort dabei, einen Bereich freizulegen, den die Franzosen als Harem bezeichneten, was sofort Lindsays Widerspruch herausforderte.

„Wenn ich das höre!“, schnaubte er verächtlich. Wir saßen gemeinsam mit dem Ausgrabungsleiter, Dr. Paul Tiemann, einem Landsmann von mir, vor einem recht komfortablen Zelt, das man für Lindsay errichtet hatte. Hier gab es Feldstühle um einen großen Tisch, und alle beugten sich über die Kartenskizze der bisherigen Ausgrabungen.

„Denken Sie nicht, Sir, dass hier ein Palast der Frauen gelegen haben könnte?“, erkundigte sich höflich Dr. Tiemann, der uns an diesem Vormittag mit einem freundlichen Lächeln in Empfang genommen hatte. Die lange Arbeit an der Sonne hatte sein Gesicht gebräunt und seine blonden Haare ausgeblichen. Der Wissenschaftler achtete aber doch bei seiner Arbeit sehr auf Sauberkeit, hatte sich für den Empfang eigens einen leichten, hellen Sommeranzug angezogen und trug dazu einen weißen Panamahut. Sein Lächeln war freundlich, seine ganze, höfliche Art sehr gewinnend. Und auch mein Engländer schien vom ersten Augenblick an Dr. Tiemann zu mögen. Jedenfalls hatte er bei all seiner oft sehr schroffen Art gelegentlich ein Lächeln gezeigt, als ihm der Mann, dessen Arbeit er bezahlte, von den bisherigen Erfolgen berichtete.

„Unmöglich, Doktor!“, antwortete Lindsay auf die Frage des Archäologen. „Habe dort die Ausgrabungen angesehen. Lauter Heiligtümer der Götter Sin, Shamash, und Ningal – nichts für die Damen eines Königs. Werde später mit den Franzosen einmal darüber reden müssen, well.“

„Gut, Sir, ich denke mal, Sie möchten vor allen Dingen einen Blick auf unsere bisherige Arbeit werfen. Was wir in diesem Hügel entdeckt haben, ist schon sehr aufschlussreich, aber doch noch nicht außergewöhnlich. Wenn ich Ihnen vorausgehen darf?“

Damit erhoben wir uns, und während zwei seiner einheimischen Assistenten sich uns anschlossen, schritten Lindsay, Halef und ich hinter Dr. Tiemann her. Ich beobachtete Lindsays Gesicht und musste einmal mehr schmunzeln. Seine gewaltige Nase, die von den Spuren der Aleppo-Beule gezeichnet war, die scharfen Linien um Nase und Mund und die flinken Augen, die alles zugleich zu erfassen schienen – er war schon eine ganz besondere Erscheinung. Aber jetzt zitterte die riesige Nase vor Aufregung förmlich, als wolle sie die Spur zu den verheißungsvollen Ausgrabungen aufnehmen. Wir gingen zu einer in einen weiteren Hügel gegrabenen Vertiefung, aus der uns die Köpfe mehrerer Statuen entgegensahen. Die Wächter der Anlage waren fast alles Fabelwesen, Stiere oder Löwen mit Menschenköpfen, die aufrecht standen und sich dabei auf gewaltige Lanzen stützten.

Bei dieser Ausgrabung gab es aber weit mehr zu sehen. Wir mussten eine Ebene hinuntergehen und erkannten erst jetzt die gewaltigen Maße der zum großen Teil vollständig ausgegrabenen Wächterfiguren. Sie waren nahezu in dreifacher Größe zu einem Menschen ausgeführt und zeigten grimmige Gesichter. Dr. Tiemann steuerte an ihnen vorüber, ohne eine Bemerkung zu machen. Ich sah, wie Lindsay förmlich eilte, um endlich zum Ziel zu kommen. Weder die freigelegten Steinreliefs noch die Wächterfiguren bekamen mehr als einen raschen Blick von ihm. Dann sahen wir das große, steinerne Tor, das nahezu unbeschädigt aus dem Hügel gegraben wurde. Dahinter schien es einen höhlenartigen Bereich zu geben, aus dem sich undeutlich die Umrisse einer riesigen Figur schälten. Hier wurden wir von den einheimischen Arbeitern erwartet, viele hielten Laternen bereit, und jetzt traten wir in ehrfürchtigem Schweigen in den Raum, der die Erwartungen Lindsays erfüllen würde.

Mit den Laternen wurden noch einige zusätzliche Feuerschalen entzündet, und in deren hellen Schein zeigte sich eine gewaltige, steinerne Figur vor uns, deren menschliches Gesicht sehr fein ausgeführt war und in wildem Zorn in unsere Richtung zu blicken schien.

„Mein Fowling Bull!“, stammelte Lindsay bei diesem Anblick, und ich hielt mich zurück, denn diese Figur war keineswegs eine Figur mit einem geflügelten Stierkörper, sondern ein riesiger Löwe, der in jedem Augenblick mithilfe seiner mächtigen Flügel aufspringen und sich auf uns zu stürzen schien.

„By jove, das ist mehr, als ich erwartet habe!“, ließ sich Lindsay mit ehrfurchtsvoller Stimme vernehmen.

„Wir dachten zunächst an Chumbaba, Sir David!“, antwortete ihm Tiemann. „Aber im Gegensatz zu dem Löwenkopfadler hat diese Figur zwar einen Löwenkopf, aber einwandfrei menschliche Gesichtszüge.“

Der Engländer war an die gewaltige Figur herangetreten und berührte sie jetzt behutsam mit einer Hand, als scheue er sich, sie richtig anzufassen.

„Nein, nein, das ist nie und nimmer Chumbaba, Tiemann!“, brummte er dabei vor sich hin. „Bin sicher, Herrscher oder höchster Gott. Vielleicht Sargon selbst? Werden sehen!“

Dr. Tiemann ließ ihn gewähren und schmunzelte nur, während Lindsay langsam um die Figur schritt, die nun fast vollkommen frei im Raum stand. Als er sich einmal umdrehte und zum Kopf hinaufsah, stieß er plötzlich einen leisen Schrei aus und fuhr zurück. Besorgt stand ich gleich darauf neben ihm, denn ich nahm an, dass er möglicherweise etwas entdeckt hatte, das uns alle gefährden konnte. Über der Figur wölbte sich eine Decke, die mir nur aus fester Sandmasse zu bestehen schien. Aber es handelte sich um etwas vollkommen anderes.

Der Kopf der mächtigen Statue schien plötzlich in ein besonderes Licht getaucht, und erstaunt schauten wir in das grimmige Gesicht, das jetzt sehr lebendig wirkte. Ich stand noch neben Dr. Tiemann am rückwärtigen Teil der Figur, während Lindsay neben den mächtigen Vorderbeinen stand und nach oben sah.

„Ein toller Effekt, nicht wahr?“, kommentierte der Archäologe jetzt den gebündelten Sonnenstrahl, der wie aus dem Nichts an der Decke erschienen war und auf den Kopf des geflügelten Löwen fiel. Jetzt konnte ich auch erkennen, dass die Decke keineswegs aus Sand bestand, sondern offenbar aus Steinen gemauert und dann mit einem Mörtel verputzt wurde, der nicht mehr vollständig das Gewölbe bedeckte.

Die Lichter in der Höhle, selbst die Feuerschalen, reichten nicht aus, um uns alle Einzelheiten der Decke und der Wände zu zeigen. Doch der jetzt gebündelte Sonnenstrahl, der auf den Kopf des Löwen fiel, enthüllte Details von atemberaubender Kunstfertigkeit. Jetzt sah es so aus, als würden die Augen des Löwen im Sonnenstrahl aufblitzen, und mit einem seltsamen Gefühl konnte ich mich eines Schauers nicht erwehren. Verständlich, dass bei diesem Anblick die einheimischen Arbeiter alle einen Schritt zurücktraten, bis sie wieder im Dämmerlicht der Höhle standen.

Leise Ausrufe wie Allahu akbar! und auch Mā schā' Allāh! gingen durch ihre Reihen, und ich konnte diese einfachen Menschen durchaus verstehen. Das plötzliche Licht auf dem Kopf der Statue wirkte wie ein Himmelszeichen.

„Das wird aber erst in zwei Tagen besonders interessant werden, Sir David!“, bemerkte Dr. Tiemann schließlich feierlich. „Aber dazu muss ich Ihnen erst noch zur Erläuterung die Abschrift und Übersetzung einer Inschrift in dieser Höhle zeigen. Sie befindet sich zur rechten Seite der Skulptur, von hier aus nicht gut zu sehen. Es dauerte auch deshalb eine längere Zeit, bevor wir sie schließlich entdeckten. Dabei dürfte es sich auch um den Schlüssel zu dieser Entdeckung handeln.“

„Machen mich neugierig, Doktor! Wann ist dieses Licht zu sehen?“

Der deutsche Wissenschaftler zog eine Taschenuhr aus seinem Jackett, klappte den Deckel auf und nickte dann wie zur Bestätigung.

„Exakt um zwölf Uhr, Sir. Allerdings erstmalig am gestrigen Tag. Es wird täglich etwas mehr, weil sich ja der Sonnenstand verändert. Nach der bevorstehenden Sonnenfinsternis wird es interessant, denn nach der Inschrift zu urteilen … Aber schauen Sie doch einmal selbst, ich habe eine starke Lampe eigens für diesen Zweck bereit.“

Damit schritt uns Tiemann voraus, umrundete die große Figur und deutete auf eine Wand im Vordergrund, vor der sich ein dunkler Monolith allmählich abzeichnete, je näher ihm das Licht kam. Er stand in einer natürlichen Nische in der Nähe des Ausgangs, war aber trotz des hellen Sonnenscheins, der bis hierher ein diffuses Licht warf, kaum zu erkennen. Unwillkürlich blieb Lindsay mitten im Schritt stehen, sodass ich beinahe mit ihm zusammengestoßen wäre. Der Archäologe trat jetzt näher an den Stein und ich hatte den Eindruck, als würde der Monolith wie mit einem schwarzen Umhang verhüllt sein, denn auch kurz bevor ihn das Licht der Lampe erfasste, war er noch schwarz und nur sein Umriss erkennbar.

„Das ist ja … seltsam!“, flüsterte ich, als fürchtete ich, dass ein lautes Wort ein unangenehmes Echo verursachen könnte. „Man könnte meinen, dass der … Stein sich nicht im hellen Licht zeigen will!“

„Werden gleich einmal nachhelfen!“, antwortete Lindsay mit seltsam heiserer Stimme.

Dr. Tiemann richtete den Schein seiner Lampe jetzt direkt auf den Monolith, und wir konnten erkennen, dass es sich um eine von Menschenhand behauene Steinplatte handelte, vermutlich aus Kalkstein. Langsam ließ der Wissenschaftler jetzt das Licht darüber gleiten, und wir erkannten zahlreiche Schriftzeichen, aber auch eine Abbildung. Sie befand sich im oberen Teil der Platte und stellte, wie wir jetzt bemerkten, einen geflügelten Löwen dar – fast das genaue Ebenbild der Statue hinter uns. Und noch etwas entdeckten wir. Neben der Keilschrift standen auch Hieroglyphen, von denen ich einige erkannte. Da waren die Zeichen für ‚Leben‘, ‚Gott‘ und ‚König‘ sowie der Begriff ‚Osiriskönig‘ und letztlich noch die Zeichen für ‚smA-tA.wj‘ – ‚Vereiniger der beiden Länder‘, was Ober- und Unterägypten allgemein bedeutet. Rätselhaft war mir der Zusammenhang mit einer Assyrischen Zitadelle, aber ein Blick in Lindsays Gesicht zeigte mir, dass auch er sehr verunsichert war.

„Ich habe alles abgezeichnet und bereits einen großen Teil übersetzt“, erklärte uns Tiemann jetzt, „aber vielleicht möchten Sie einen Einblick in die Unterlagen nehmen, meine Herren?“

Lindsay stimmte sofort zu, und wir begaben uns wieder hinunter vor das Zelt mit dem Kartentisch. Dr. Tiemann ging in sein eigenes Zelt, das sich neben dem seines englischen Auftraggebers befand, um seine Aufzeichnungen zu holen. Wir anderen nahmen Platz am Kartentisch, nur Halef wollte nicht länger unseren Erörterungen zuhören, sondern sich um seine Haddedihn kümmern.

„Sidi, das ist alles ganz wunderbar für Lindsay-Bey, aber mich beunruhigen andere Dinge. Als wir aus dieser Höhle mit der Statue traten, habe ich erneut eine große Staubwolke ausgemacht. Ich möchte doch zu gern wissen, was da in der Ebene eigentlich geschieht.“

Ich musste über den Eifer des kleinen Halef schmunzeln.

„Da wird doch wohl unser Agha mit der angerückten Verstärkung beschäftigt sein, oder aber man exerziert ein wenig. Warum bist du so unruhig?“

„Ich kann es dir nicht sagen, aber ich bin Hadschi Halef Omar Ben Hadschi Abul Abbas Ibn Hadschi Dawuhd al Gossarah, der Beschützer meines Freundes Kara Ben Nemsi, und deshalb ist es meine Pflicht, nach dem Rechten zu sehen.“

„Gut, Halef, dann lass dich in deinem Bemühen nicht weiter aufhalten. Ich denke, wir werden hier eine Weile beschäftigt sein!“

Damit verschwand Halef mit raschem Schritt, was mir erneut ein Schmunzeln abnötigte. Mein guter Freund war offensichtlich sehr erleichtert, den sicher für ihn sehr langweiligen Erörterungen über archäologische Funde nicht weiter zuhören zu müssen. So kannte ich meinen Halef – ein Mann der Tat und nicht gerade durch große Geduld ausgezeichnet.

Lindsay und ich nahmen am Kartentisch wieder Platz und ich wunderte mich bereits über das lange Ausbleiben des Archäologen, als er plötzlich aus seinem Zelt trat und uns mit einer fassungslosen Miene eine kleine, verschließbare Schatulle präsentierte. Sein sonnengebräuntes Gesicht schien plötzlich einen fahlen Schimmer aufzuweisen, und ein einziges Wort sollte alles erklären:

„Verschwunden!“

Eine Ahnung hatte ich sofort, aber trotzdem erkundigte ich mich:

„Aber doch nicht Ihre Aufzeichnungen? Hier aus dem Lager gestohlen?“

„Anders kann ich es mir nicht erklären. Es sind zwar ständig Menschen bei den Zelten, während wir bei den Ausgrabungen sind, aber es gibt keine richtigen Wachen. Wozu auch? Bislang hatten wir nie Probleme, noch nicht einmal Lebensmittel verschwanden hier, geschweige denn Gegenstände von Wert.“

„Zounds!“, ließ sich jetzt Lindsay vernehmen. „Bedeutet das, alle Zeichnungen und Übersetzungen sind verloren?“

Dr. Tiemann hielt sich mit einer Hand am Kartentisch fest, stellte die leere Schatulle ab und fuhr sich dann mit der anderen Hand über das schweißbedeckte Gesicht.

„Im Moment, ja, es ist die Arbeit der vergangenen Wochen. Aber ich habe noch einiges im Gedächtnis. Selbstverständlich kann ich den ungefähren Inhalt der Inschriften erklären, aber …“

Der Archäologe schwieg und starrte mit leerem Gesicht über die hier zusammenstehenden Zelte. Dann ging ein Ruck durch ihn, und er deutete auf einen der Arbeiter, der eben in kurzer Entfernung von uns vorüberschritt und uns dabei freundlich grüßte.

„Ach, Shajan, bitte, komm doch einmal zu uns herüber!“, rief ihm Tiemann zu. „Der Mann ist der Verantwortliche für die einheimischen Arbeiter. Shajan, das ist Lindsay Bey, der unsere Ausgrabungen bezahlt. Hier sitzt Kara Ben Nemsi, der ihn begleitet und für ihn übersetzt.“

Der Mann trat näher und warf uns einen raschen, scharfen Blick zu, bevor er die Augen niederschlug und sich unterwürfig verbeugte. Er gefiel mir überhaupt nicht, denn sein ganzer Auftritt war falsch und sollte von seinem Wesen ablenken. Schon der kurze Blick, mit dem er uns gemustert hatte, das Aufglimmen in seinen Augen, als er mich ansah, dazu sein wenig einnehmendes Gesicht und sein schmutziges Gewand konnten meinen ersten Eindruck nicht mildern. Shajan hatte ein ausgesprochenes Raubvogelgesicht, das hager und von scharfen Linien gezeichnet war. Wie bei den meisten Arabern war sein Bartwuchs eher spärlich, jedoch umso kräftiger waren seine schwarzen Augenbrauen gewachsen. Shajan trug die übliche Dschallabija, die allerdings vor Schmutz starrte, und dazu einfache Sandalen.

Als jetzt Tiemann mit ihm sprach, konnte er nicht seinem Gegenüber frei ins Gesicht sehen, und dabei bemühte er sich, höflich und unterwürfig zu antworten.

„Nein, Effendi, ich kann mir nicht vorstellen, dass einer der Männer es wagen würde, etwas aus deinem Zelt zu nehmen.“

„Leider nutzt mir das wenig, denn meine Aufzeichnungen wurden gestohlen.“

„La ilaha illa Allah, Effendi, es gibt keinen Gott außer Gott, so wahr er mir helfe – ich kann nicht glauben, dass es einer meiner Männer gewesen sein soll!“

Erneut traf mich bei seinen Worten ein rascher, lauernder Blick, bevor er wieder auf den Boden starrte. Was war los mit diesem Burschen? Er schien mich zu kennen oder aber er schätzte mich aufgrund meiner Waffen vielleicht als gefährlich ein. Ich nahm mir jedenfalls vor, ihn nicht mehr aus den Augen zu lassen.

„Höre, Shajan, es soll dein Schaden nicht sein, wenn du mir die Papiere zurückholen kannst. Ich vermute, dass es einer der Ausgräber war, der in der Annahme, die Notizen würden mir sehr viel bedeuten, Geld dafür erpressen will. Sag deinen Männern, dass ich eine hohe Summe an alle auszahlen werde, wenn die Papiere auf die gleiche Weise zurückkommen, wie sie verschwunden sind.“

Da hob sich der Kopf des Mannes, und ein erstaunter Blick musterte den Archäologen.

„Du willst alle belohnen, wenn die Schriften zurückkehren, Effendi? Ist das klug, anstelle dem reumütigen Dieb eine gute Bezahlung zu versprechen?“

Dr. Tiemann wandte sich schon halb von ihm ab und bemerkte abschließend:

„Lass das nur getrost meine Sorge sein, Shajan. Verkünde meine Botschaft den Arbeitern, und wir werden sehen, was geschieht. Jetzt geh hinüber zu ihnen, damit ich keine unnötige Zeit mit der Warterei verliere.“

Erneut verbeugte sich der Mann devot und eilte tatsächlich wieder zu dem Ausgrabungsfeld, während ich darauf wartete, dass der Wissenschaftler nun mit seiner Erörterung für Lindsay fortfuhr. Aber ein erneuter Zwischenfall verhinderte das. In diesem Augenblick erklang in einiger Entfernung eine Gewehrsalve, knatternd und unregelmäßig abgefeuert, wie das der Fall bei einer Begrüßung durch eine Fantasia ist.

„Das ist kein Laâb el-baroud, kein ‚Spiel des Feuers‘. So dicht am Militärposten wird es auch kein Angriff sein. Ich werde einmal nachsehen, wer dort seine Gewehre abfeuert!“, bemerkte ich dazu, und auch Lindsay erhob sich, nahm sein Gewehr, die Lee Metford Rifle Mark I, aus ihrer Hülle, die sie vor Sand und Staub schützte, und warf sie über seine Schulter.

„Well, Master. Wollen einmal sehen, wer hier in der Gegend herumschießt ohne unsere Genehmigung!“

Mir wäre es zwar bedeutend lieber gewesen, wenn ich allein zum Nachsehen gegangen wäre, denn Lindsay, der durchaus ein guter Schütze und wackerer Kämpfer war, war mir doch oft auch ein wenig im Weg – aber jetzt nutzte mir das alles nichts, denn er stiefelte bereits ein ganzes Stück voraus und befand sich offenbar auf dem Weg zum Militärposten.

 

 

2.

 

Schon aus einiger Entfernung war zu erkennen, dass der Militärposten zahlreiche Menschen aufgenommen hatte. Zusätzliche Zelte hatte man außerhalb der Mauer aufgeschlagen, dort hielten Soldaten Wache, und erst, nachdem man uns dem Agha gemeldet hatte, wurden wir von einem Posten begleitet und zu ihm gebracht. Unterwegs fielen uns zahlreiche Beduinen auf, die ebenfalls außerhalb der Mauer auf dem Boden hockten und mit finsteren Mienen zu den Soldaten hinüberstarrten. Ihre langen Flinten hatte man etwas abseits zu Pyramiden aufgestellt, viele der Männer trugen aber sichtbar die Dolche in den Schärpen. Was das zu bedeuten hatte, sollte sich uns gleich erschließen.

Ein sichtlich genervter Mert Agha befand sich in einem erregten Gespräch mit einem hageren und hochgewachsenen Scheikh, und die dritte Person, die mit trotzig untergeschlagenen Armen danebenstand, war uns nur zu gut bekannt. Eben erhob der Hagere erneut die Arme und fuchtelte damit wild in der Luft umher.

„Aber ich sage dir, Agha, dieses Weib ist vom Sheijtan besessen! Schon die Tatsache, wie sie sich in mein Duar geschlichen hat, ist verdammenswert!“

Bei unserem Hinzutreten sah der Agha auf und für einen Moment huschte ein Lächeln über sein Gesicht.

„Na endlich, da bist du ja, Franke!“, rief Azadeh Bayluzi, die Frau in den weiten Pluderhosen und einer wadenlangen Dschallabija darüber, bei unserem Anblick erfreut aus. Mein Blick haftete aber auf dem hageren Scheikh, dessen Gesicht mir bekannt vorkam. Aber ich musste mich getäuscht haben. Der Mann war vielleicht an die dreißig Jahre, aber ich konnte mich nicht erinnern, wo ich ihn zuvor schon gesehen hatte. Ein folgenschwerer Irrtum, wie sich gleich erweisen sollte.

„Kara Ben Nemsi Effendi, du kommst wahrhaftig sehr gelegen!“, empfing uns der Hauptmann. Ich sah, dass bei der Nennung meines Namens der Scheikh zusammenzuckte und unwillkürlich mit der Hand zu seinem Dolch griff, dann aber in der Bewegung verhielt. Um seinem unangenehmen Blick zu entgehen, sah ich den jungen Offizier lächelnd an.

„Du musst für mich bürgen, Franke! Dieser verrückte Scheikh der Abu Hammed behauptet, dass ich in ihr Duar geschlichen bin, um ein Kamel zu stehlen. Sag ihm, wie lächerlich das ist!“, rief Azadeh mit erhobener Stimme, sodass man sie sicher noch bis zu den Ausgrabungen verstehen konnte.

„Nun, ich glaube nicht, dass Azadeh in das Dorf der Abu Hammed gegangen ist, um irgendetwas zu stehlen. Vielleicht war sie einfach nur durstig? Wer klagt sie denn des Diebstahls an, und welche Beweise gibt es?“, erkundigte ich mich mit möglichst freundlicher Stimme und sah, wie sich die Miene des Scheikhs immer mehr verfinsterte.

„Wer ist dieser Giaur, dieser Ungläubige, der es wagt, am Wort Salek Ben Huli zu zweifeln? Ich bin der Scheikh der Abu Hammed, und habe diese Frau dabei erwischt, wie sie einen der Hirten bei den Kamelen betörte, um dann ungestört auf einem meiner Kamele davonzureiten!“

So war das also, und deshalb glaubte ich auch, ihn zu kennen. Salek hatten wir seinerzeit zusammen mit seinem jüngeren Bruder erlebt, als wir mit seinem Vater, Zedar Ben Huli, zu tun hatten. Die beiden Brüder vom Stamme der Abu Hammed hatten uns die Pferde gestohlen und der Stamm sich mit den Dschowari sowie Obeïde gegen die Haddedihn verbündet. Im Kampf erschoss der damalige Diener Lindsays, Bill, den Scheikh Zedar Ben Huli. Diese unerwartete Begegnung konnte schlimme Folgen für uns haben, denn natürlich hatte Salek Lindsay und mich erkannt und würde uns als Mörder seines Vaters künftig verfolgen. Das Schlimmste, was uns passieren konnte, war eingetreten. Wir hatten eine Blutrache zu erwarten.

Bei seiner Anschuldigung lachte jedoch die junge Perserin laut auf.

„Ich soll einen Kamelhirten betört haben? Was für ein Unsinn! Nur, weil dieser Salek Ben Huli ein Mann ist, glaubt er, jede Frau wäre hinter einem seiner schönen Männer her! Ich bin in dieses Duar gegangen, das ist wohl wahr. Ich hatte einen langen Ritt hinter mir, als ich bei den Abu Hammed eintraf. Das Gastrecht hätte es geboten, mir Wasser und Datteln anzubieten. Ich stand neben meinem Reittier und sprach mit einem der Männer, als der Scheikh dazukam und mich gleich auf üble Weise beschimpfte!“

„Das hört sich ein wenig anders an, Scheikh!“, antwortete der Hauptmann ruhig. „Was hast du dazu zu sagen? Und vor allen Dingen: Wo ist der Hirte, der das bezeugen könnte, was du als Anklage vorträgst?“

Salek Ben Huli stand mit finsterer Miene vor dem Agha und starrte uns an. Dann ließ er plötzlich eine ganze Schimpfrede los, die dazu führte, dass Mert Agha ihn brüsk unterbrach und andonnerte:

„Schweig sofort! Ich dulde solche Worte nicht in meiner Gegenwart! Deine Anklage entbehrt offenbar jeglicher Grundlage, und ich könnte dich auf der Stelle festnehmen lassen, weil du hier falsches Zeugnis abgelegt hast. Außerdem wurde bei der Verfolgung dieser Frau geschossen, was ich nicht dulden kann! Scheikh Salek Ben Huli, ich verwarne dich ausdrücklich! Sollte ich dich oder einen deiner Männer noch einmal im Umkreis der Ausgrabungsfelder sehen, werdet ihr festgenommen und nach Mossul gebracht, wo ihr im Gefängnis darüber nachdenken könnt, was ihr falsch gemacht habt!“

„Diese Frau soll zur Dschahannam (Hölle) fahren und Malik und die Zebani (Höllenengel) sollen sie in das größte lazā (loderndes Feuer) werfen, wo sie auf alle Zeiten für ihre Sünden büßen soll! Allah verdamme euch alle!“

Damit drehte er sich auf dem Absatz um und stapfte aus dem Bereich des Militärpostens, gefolgt von seinen Beduinen. Als er ein paar Schritte gemacht hatte, drehte er sich noch einmal zu uns herum und schüttelte beide erhobenen Fäuste.

Noch einmal stieß er einen lästerlichen Fluch aus, aber während Lindsay zu ihm eilen wollte, um ihm eine passende Antwort zu erteilen – obwohl er den Scheikh gar nicht verstanden hatte – legte ich ihm beruhigend die Hand auf den Unterarm und schob ihn ein wenig beiseite.

„Master, warum haltet Ihr mich auf? Werde dem Kerl ein paar Ohrfeigen verpassen, die sich gewaschen haben, yes!“

„Und Euch dafür eine Dolchklinge oder eine Kugel einfangen. Lasst ihn ziehen, Sir David, der Mann hat uns erkannt, ich erzähle Euch gleich, wen wir da jetzt leider auf unserer Spur haben werden.“

„Meine Männer werden das Duar dieses Mannes beobachten!“, versicherte uns Mert Agha. „Und du, Effendi, bürgst für diese Frau?“

„Selbstverständlich. Auch wenn ich nicht weiß, ob sie nicht eine große Dummheit gemacht hat, als sie in das Lager der Abu Hammed ging. Schließlich ist sie eine Frau und hat vermutlich den Ärger des Dorfes mit ihrem mutigen Auftritt heraufbeschworen, aber ich …“

„Du musst dich nicht für mich entschuldigen, Franke!“, fauchte Azadeh. „Diese Beduinen sind eine üble Bande, die rauben und vielleicht sogar morden. Jedenfalls hat mir der Hirte Andeutungen gemacht, denen ich nachgehen werde.“

Das erregte nun wieder die Aufmerksamkeit des Hauptmanns.

„Willst du Anzeige erstatten?“

Aber die junge Perserin machte nur eine abwehrende Handbewegung.

„Nein, dazu reicht es noch nicht. Aber es wird mit diesen Abu Hammed noch viel Ärger geben, Agha, das kann ich dir schon jetzt versprechen. Sie sind ständig mit ihren Männern auf dem Ausgrabungsfeld unterwegs und versuchen, dort wertvolle Funde an sich zu bringen. Das könnte mir eigentlich egal sein, hätten sie es nicht auf ein paar Tontafeln abgesehen, deren Inschriften von einem der Franken gerade gedeutet wurden.“

Jetzt mischte ich mich ein und erkundigte mich:

„Und du kennst den Inhalt dieser Tontafeln?“

Azadeh stieß ein ungeduldiges Schnauben aus.

„Natürlich, was glaubst du wohl, hat mich hierher zu dem alten Königspalast geführt?“

Ich zuckte die Schultern und wartete eine Erklärung ab, aber die junge Frau drehte sich ab und schritt davon.

„Azadeh, wohin willst du gehen? Komm mit uns hinüber zu den Zelten bei dem Hügel, dort bist du in jedem Fall sicherer!“, rief ich ihr hinterher, aber sie tat so, als würde sie mich nicht mehr hören.

„Was macht sie?“, erkundigte sich auch Sir David, aber ich zuckte nur resignierend die Schultern und deutete zu unserem Lager.

„Sie hört nicht auf mich, obwohl ich ihr angeboten habe, zu unserem Lager zu kommen, wo sie sicherer wäre. Wir haben Azadeh erlebt und wissen, wie dickköpfig sie sein kann.“

„Habe erfahren, dass die Franzosen nach Mossul sind!“, ergänzte Sir David. „Scheinen sehr in Sorge um ihre Sicherheit. Na, kann uns nicht passieren, denke ich!“

Damit war das Thema für ihn abgeschlossen, während mich diese Mitteilung nachdenklich machte.

 

 

3.

 

Wir waren kaum in das Lager zurückgekehrt, als Hadschi Halef angeritten kam. Schon von Weitem erkannte ich, dass er eine besondere Mitteilung hatte, denn er zügelte sein Pferd erst im allerletzten Moment, sodass es in einer kleinen Staubwolke dicht vor dem Kartentisch zum Stehen kam. Rasch glitt er aus dem Sattel und rief voller Eifer: „Sidi, Sidi! Die Karawane!“

„Welche Karawane, Halef?“

Halef rang schwer nach Atem, als wäre er selbst gelaufen, dann schluckte er kurz und deutete in die Richtung, aus der er zum Lager geeilt war.

„Dort hinten, in einem Wadi, Sidi. Alle sind tot, aus dem Hinterhalt ermordet!“

Mir kam ein furchtbarer Gedanke, aber das war ja eigentlich gar nicht möglich, redete ich mir sofort ein, als Halef heraussprudelte:

„Wir haben unsere Streifzüge auf einen großen Kreis rund um die ganze Ausgrabungsstätte erweitert, nachdem du mir von der Anwesenheit der Abu Hammed berichtet hast. Dort sind ständig ein paar Haddedihn unterwegs und beobachten das Duar. Aber dort hinten, im Osten, Sidi … schrecklich!“

Der kleine Halef zitterte förmlich vor Erregung, und seine wenigen Schnurrbarthaare standen seitlich ab wie die Schnurrhaare einer Katze, als er hastig fortfuhr:

„Wir haben Aasvögel kreisen sehen und sofort an ein Unglück gedacht. Dann entdeckten wir die Toten im Wadi. Man hat sie erschossen und allen noch zusätzlich die Hälse durchgeschnitten. Die Spuren führen von dort weiter, wir sind ihnen etwas gefolgt, dann aber wieder umgekehrt, damit wir die Soldaten alarmieren können. Es handelt sich schließlich um zehn von ihnen, die Begleitmannschaft der Karawane.“

Jetzt formte sich das Bild für mich deutlich. In nicht allzu großer Entfernung vom Militärposten hatte man es gewagt, die beschlagnahmte Karawane mit den Waffen zu überfallen, die Begleitmannschaft zu ermorden und mit den beladenen Kamelen zu verschwinden.

„Wir müssen Mert Agha sofort davon unterrichten. Ich werde selbst den Spuren folgen, um zu erfahren, ob die Mörder später noch einmal die Richtung gewechselt haben.“

„Der Agha weiß bereits Bescheid, Sidi, einer meiner Haddedihn ritt zu ihm und berichtete. Eine Strafexpedition soll den Mördern folgen, aber noch sind die Soldaten nicht unterwegs.“

„Ich kann mir nicht vorstellen, dass Mert Agha und seine Männer schneller sind als wir, Halef. Sind frische Pferde für uns bereit, damit wir sogleich aufbrechen können?“

Halef nickte mit dem Kopf zu den Zelten der Haddedihn.

„Es gibt gute, ausgeruhte Pferde, Sidi. Und ich bin sicher, dass wir beide den Mördern besser folgen können als die Soldaten, die ja fast alle nur über Kamele verfügen. Aber wenn wir die Karawane eingeholt haben, Sidi, was dann? Wenn zehn Soldaten getötet werden konnten, wird es sich um eine starke Räuberbande handeln!“

„Halef, so kenne ich dich ja gar nicht! Seit wann fürchten sich Kara Ben Nemsi und sein Freund Hadschi Halef vor ein paar räuberischen Beduinen?“

Da straffte der Kleine seine Gestalt, strich sich über die wenigen Barthaare und antwortete im Brustton der Überzeugung:

„Ich bin Hadschi Halef Omar Ben Hadschi Abul Abbas Ibn Hadschi Dawuhd al Gossarah, Scheikh der Haddedihn, und wenn mein Freund Kara Ben Nemsi einer Gefahr entgegengeht, bin ich an der Seite meines Sidi!“

Damit eilten wir nun zu dem Lager der Haddedihn, wobei Halef sein erhitztes Pferd am Zügel führte und sogleich einem der Männer übergab, der es abreiben und tränken sollte. Gleich darauf waren wir beide unterwegs, obwohl uns die Haddedihn nicht allein ziehen lassen wollten. Meine Bitte und Halefs Machtwort hielten die anderen davon ab, uns zu folgen.

Seite an Seite flogen wir über die Ebene und orientierten uns am Verlauf des Wadi, der durch einen ausgetrockneten Seitenarm des Tigris gebildet wurde. Schon bald sahen wir von Weitem die Schar der Aasvögel bei ihrer ekelhaften Arbeit, und nur unwillig hüpften sie ein wenig beiseite, als wir bei den ersten Toten anhielten und aus den Sätteln stiegen. Es handelte sich überwiegend um die ungewöhnlich großen Ohrengeier, eine Aasvogelart, die mehr als einen Meter groß werden und eine Flügelspannweite von bis nahezu drei Metern haben. Diese ekelhaften, kahlköpfigen Burschen schienen auch nur wenig Lust zu verspüren, uns an ihre Beute heranzulassen. Auf dem ersten Körper hockte ein unglaublich großes Exemplar, das uns unwillig zu betrachten schien. Erst, als wir kaum noch eine Armeslänge von ihm entfernt waren, hüpfte es etwas zur Seite und äugte ständig zu uns herüber.

Ich beugte mich über den Toten, dessen Uniform auf dem Rücken unter den scharfen Hieben des Aasvogels aufgerissen war. In dem Augenblick ging der große Vogel auf mich los, und ich hatte keine andere Wahl, als ihn mit dem Revolver zu erschießen. Durch den Knall stoben alle von ihren Plätzen auf, ließen sich aber gleich darauf in kurzer Entfernung erneut nieder. Hier gab es aber auch nichts weiter für uns zu tun. Rasch eilte ich von einem Körper zum anderen und stellte fest, dass es sich, wie Halef schon vermutet hatte, ausschließlich um Soldaten handelte. Hatten sie sich nicht gewehrt oder hatten ihre Mörder die toten Kameraden mitgenommen?

Ich verließ das trockene Flussbett und sah mich am leicht erhöhten Uferrand um.

Die Spuren waren noch nicht vom Wind verweht, sondern zeichneten eine breite und deutlich verfolgbare Linie in östlicher Richtung.

Ich überlegte rasch.

In der Richtung befand sich der Große Zab, ein Nebenfluss des Tigris und dahinter lag Kurdistan. Im Altertum fand einst in dieser Gegend eine große Schlacht zwischen den Abbasiden und den Umayyaden statt. Seltsam, dass die geraubte Karawane nun ausgerechnet diese Richtung eingeschlagen hatte, anstatt sich zum Tigris zu bewegen, wo es Transportmöglichkeiten für die Waffen geben würde. Ich hatte bei Halefs Nachrichten sofort den Gedanken, dass es sich um aufständische Beduinen handeln könnte, die die modernen Gewehre zu ihren Verbündeten bringen wollten.

Allerdings hoffte ich, dass Mert Agha meinem Ratschlag gefolgt war.

Halef und ich waren rasch wieder im Sattel und folgten der Spur, bis sie kaum noch erkennbar war. Der sandige Untergrund wechselte hier ständig mehr mit einem steinigen Untergrund, der schließlich sämtliche Spuren verwischte. Jetzt verstand ich, warum man diesen Weg gewählt hatte – eine Verfolgung würde hier durch das Militär zur Unmöglichkeit.

Allerdings durfte ich mich rühmen, durch meinen Blutsbruder Winnetou eine ganz andere Schule erlebt zu haben, als sie jemals einem hiesigen Soldaten vermittelt werden konnte. Ich konnte noch eine ganze Weile der Karawanenspur folgen, bis ich schließlich auch an einen Punkt gelangte, an dem sich die letzten Spuren verloren. Die geraubte Karawane wurde über einen steinigen Boden geführt, der zwar gelegentlich noch einen unter den Hufen zermalmten Stein aufwies, letztlich aber unsichtbar wurde.

„Lass uns dort hinüberreiten, Halef, möglicherweise können wir von dem ansteigenden Gelände mehr ausmachen. Oder wir reiten gleich hinüber zu den Hügeln dort im Westen, sie sind alle begrünt und werden Wasser aufweisen!“, schlug ich vor, denn mir lag auch daran, unsere Pferde zu tränken. Wenig später wurde ich für meine Ausdauer belohnt.

Am Horizont zeichnete sich ein kleiner, dünner Streifen ab, und das konnte nur eines bedeuten: Entweder befand sich dort eine Oase, deren Pflanzen die Linie bildeten, oder aber es war der reich bewachsene Uferbereich eines weiteren Wasserarmes des Tigris. Wir schlugen sofort diese Richtung ein und behielten sie, bis sich meine Vermutung bestätigt zeigte. Dort in der Ferne befand sich ein erhöhtes und mit Grün bedecktes Flussufer, und mit Sicherheit setzte die Karawane dort ihren Weg bis zur ersten Rast fort. Auch hier gab es mehrere Hügel, und ich wollte mir einen noch besseren Überblick verschaffen, um mögliche Stellen, in denen uns ein Hinterhalt drohen konnte, auszumachen. Hier erhob sich das Gelände ganz allmählich, aber doch auch sehr weit über die anderen Hügel. Die Anhöhe, die wir jetzt mit unseren Pferden erklommen hatten, war auf der abgewandten Seite ebenfalls mit grünem Bewuchs versehen. Hier standen einige Tamarisken, die eine bedeutende Höhe erreichten, und dazwischen auch Dattelpalmen. Dichter Schilfbewuchs am Rand des Baumbestandes deutete auf eine Wasserquelle hin.

„Bevor wir dem Agha entgegenreiten, sollten wir die Pferde noch einmal tränken. Die Sonne brennt heute wieder stark und die Tiere scheinen mir ermattet, Halef. Dann wird es aber auch Zeit, umzukehren und auf den Agha zu warten. Auch deine Haddedihn werden mit Sicherheit benötigt.“

Der Kleine sah mich zweifelnd an, schirmte seine Augen mit der Hand ab und versuchte, etwas in der Ferne zu erkennen. Meine Augen waren schärfer, er hatte meine Beobachtung nicht gemacht und erkundigte sich verwundert:

„Aber Sidi, weshalb reiten wir zurück, wenn du doch der Meinung bist, dass wir die Karawane noch vor uns haben?“

Ich deutete auf den Stand der Sonne und antwortete:

„Wir werden keine Stunde mehr bis zum Abend haben, Halef. Die Kamele der Karawane tragen schwere Lasten und man wird ihnen mit Sicherheit am Wasser eine Nachtruhe gönnen. Das nutzen wir, um gemeinsam die Verbrecher zu umstellen.“

„Und was wird dann geschehen, Sidi? Denkst du nicht an die modernen Gewehre, die sie erbeutet haben?“

„Doch, Halef, an die denke ich natürlich. Und ich hoffe, es trifft alles so ein, wie ich es mir wünsche.“

Damit lenkte ich mein Pferd den Hang hinunter zwischen die Bäume, und ein freudiges Schnauben zeigte mir, dass es bereits das hier vermutete Wasser roch. Halef und ich stiegen ab und führten die Tiere zwischen das dicht zusammenstehende Schilf, damit sie sich vor dem Ritt zurück ausreichend erfrischen konnten. Es gab einen schmalen Pfad zum Wasser, der davon zeugte, dass es hier verschiedene Tiere gab. Auch einen schon durch andere Spuren verwischten Prankenabdruck eines Löwen konnte ich erkennen, machte mir aber deswegen keine Sorgen. Die Pferde brachen durch das Schilf und begannen laut das Wasser in sich zu schlürfen. Bei diesen Geräuschen war es kein Wunder, dass wir beide für einen Moment abgelenkt waren.

Ein unverzeihlicher Fehler in der Wildnis, aber in diesem Augenblick dachten wir nicht an Feinde. Deshalb war es zu spät, als ich den Henry-Stutzen hob. Rings um uns schienen die Gestalten in ihren dunklen Dschallabija förmlich aus dem Boden zu wachsen Vollkommen lautlos hatten sie uns umzingelt und richteten nun ihre langen, arabischen Flinten auf unsere Köpfe. Noch bevor ich die Gelegenheit hatte, meine Hände zu heben, traf mich ein harter Schlag auf den Hinterkopf, und ich brach in die Knie.

 

 

4.

 

Unsere Lage war alles andere als bequem.

Das unangenehme Hin- und Herwerfen auf dem Pferderücken hatte mich schließlich aus meiner tiefen Ohnmacht gerüttelt. Dann bemerkte ich, dass meine Hände und Füße gefesselt waren und man mich einfach bäuchlings über eines der Pferde geworfen hatte. Wohl um eine Flucht oder ein Heruntergleiten zu verhindern, hatte man zusätzlich mit einem weiteren Strick unter dem Pferdebauch dafür gesorgt, dass ich mich kaum bewegen konnte.

Es war bereits dunkel geworden, und an den Geräuschen in meiner Umgebung erkannte ich, dass sich zahlreiche Tiere neben und vor mir bewegten. Pferde schnaubten, Zaumzeug knarrte, und gelegentlich hüstelte auch ein Mensch. Worte wurden zwischen den Reitern nicht gewechselt, und ich machte mir Sorgen um Halef.

Als ich seinen Namen rufen wollte, bekam ich zuerst keinen Ton heraus, so heiser war ich. Dann sammelte ich meinen Speichel, schluckte mehrfach und brachte mit einem krächzenden Laut den Namen Halefs heraus. Gleich darauf erhielt ich einen Schlag auf den Rücken, und eine Stimme neben mir rief warnend:

„Schweig, oder du wirst es büßen!“

Das war Persisch, und ich fürchtete, dass wir in die Hände mächtiger Gegner geraten waren. Es verging noch eine ganze Zeit, in der ich in meiner unbequemen Lage vergeblich versuchte, mich durch das Kopfheben zu orientieren. Was ich in der Dunkelheit erkennen konnte, waren die Leiber der Pferde und die Beine der Reiter. Endlich erklangen Rufe, die das Lager ankündigten.

Unsere Schar wurde mit lautem Jubel begrüßt. Als man mich vom Pferderücken zog, nachdem der Strick kurzerhand durchgeschnitten wurde, und ich gleich darauf mit einem Rückenstoß neben Halef auf dem harten Boden landete, wurde der Jubel noch größer.

Rasch wurden die anderen über unsere Gefangennahme informiert, und man schaffte ein paar Brände von einem nahen Feuer herbei, um uns ins Gesicht zu leuchten.

„Mā schā' Allāh!“, rief plötzlich jemand auf Arabisch aus, und ein paar weitere Beine versammelten sich vor meinem Gesichtsfeld.

„Das ist der Deutsche, der mit dem Engländer unterwegs ist! La ilaha illa Allah – es gibt keinen Gott außer Gott, und der ist mächtig! Er hat uns eine wichtige Geisel in die Hand gegeben, und das werden wir feiern! Bindet die beiden so an die Bäume, dass sie nicht entkommen! Niemand wird mit ihnen sprechen, Wasser und Datteln erhalten sie von mir persönlich nicht vor dem Morgengebet!“

Diese Stimme kannte ich. Allerdings hatte ich nicht erwartet, dem Perser hier zu begegnen. Aber als er sich jetzt erneut mit dem brennenden Zweig in der Hand über mich beugte, um mir mit einem unangenehmen Lachen ins Gesicht zu sehen, war auch der letzte Zweifel beseitigt.

Vor mir stand Arash, der die Jacht Morning Star kommandierte und seit dem Überfall durch die Piraten unter der Führung des persischen Piraten Aššur-dān ebenso wie der Steuermann verschwunden war. Ich hatte schon früher an einen Verrat des Kapitäns gedacht, was mir die beiden Nubier bestätigten, die unsere Mannschaft ergänzten, um Aššur-dān zu finden. Dann erhielt ich die Gewissheit, als die beiden Perser Sir David entführten.

„Ich sehe deinem Gesicht an, dass du nicht erwartet hättest, mich hier am Ufer des Tigris wiederzutreffen, Kara Ben Nemsi. Nun, keine Sorge, es geschieht euch beiden kein Leid, wenn der Engländer tut, was wir von ihm verlangen!“

Damit wandte er sich ab, aber meine Antwort ließ ihn noch einmal verharren.

„Warum sollte Sir David Lindsay etwas für dich tun, Arash? Wenn du hinter den Ausgrabungen her bist, wirst du enttäuscht sein. Die Statue, die er ausgraben lässt, ist ein wenig zu groß, um sie zu rauben!“

Ich hatte bewusst die Figur erwähnt, um den Perser zu provozieren. Natürlich würde kein Mensch auf den Gedanken kommen, eine solche, riesige Figur irgendwohin zu verschleppen – es sei denn, er wäre ein reicher Engländer und besäße die finanziellen Mittel, um einen Transport bis nach England zu organisieren. Meine höhnische Antwort verfehlte nicht ihren Zweck. Überlegen lachte Arash laut auf.

„Du meinst doch nicht den geflügelten Löwen mit dem Menschengesicht? Ich bin enttäuscht, Kara Ben Nemsi, dass du nicht auf die naheliegenden Dinge kommst. Wenn unser Herr in Kürze hier eintrifft und wir alles unternehmen werden, um ihn in sein rechtmäßiges Amt zu versetzen, so werden dir die Augen übergehen, welche Reichtümer sich in Dur Scharrukin, der Zitadelle des Sargon, befinden. Kein Ungläubiger hat sie bislang entdecken können, und doch liegen sie zu ihren Füßen!“

Laut lachend entfernte sich der Perser, und nun wurden wir mit groben Fäusten hochgerissen und gleich darauf an zwei dicht beisammenstehende Palmen gefesselt. Dabei drehte ich meine Hände so geschickt, dass eine wirklich feste Bindung nicht möglich wurde. Kaum waren die Männer wieder zu dem am Flussufer entzündeten Feuer zurückgekehrt, als ich auch schon probierte, meine Handgelenke zu drehen. Es gelang mir, und jetzt fasste ich wieder Mut. Sobald Ruhe im Lager eingekehrt war, würde ich alles daransetzen, mich zu befreien. Sobald es mir gelang, die dünne Messerklinge aus meinem Stiefelschaft zu ziehen, war es nur noch eine Frage der Zeit, und kein Beduine sollte mich mehr aufhalten.

„Sidi?“, raunte da Halef, und freudig antwortete ich ihm.

„Wie fest bist du gebunden?“

„Ich kann eine Hand schon bewegen, Sidi!“

„Sehr gut, unsere Wächter sind nicht sehr aufmerksam. Achte auf die Männer am Feuer, wenn du dich bewegst. Wir wollen keinen Verdacht erregen. Ich habe mein dünnes und sehr scharfes Messer wie stets im Stiefelschaft verborgen. Sobald ich mich befreit habe, durchtrenne ich meine Fußfesseln und helfe dir!“

Voller Ungeduld arbeitete ich daran, meine Handgelenke mehr und mehr drehen und damit die Fesseln lockern zu können. Plötzlich erhob sich ein großer Mann am Feuer, streckte sich und kam zu uns herüber. Es war der Perser Arash, der uns verraten hatte. Wortlos trat er hinter unsere Stämme, um unsere Fesseln zu kontrollieren. Solange ich meine Handgelenke anspannte, konnte er keinerlei Verdacht schöpfen, schon gar nicht bei den herrschenden Sichtverhältnissen. Mit einem zufriedenen Knurrlaut ging er wieder zum Feuer zurück und wir konnten sehen, wie er sich dort auf einer einfachen Matte niederlegte.

Erleichtert stieß ich den angehaltenen Atem aus.

Jetzt kam es nur noch darauf an, den günstigsten Moment für unsere Flucht abzupassen. Den hielt ich für gekommen, als es nach dem Stand der Gestirne Mitternacht sein musste. Das Lager war zur Ruhe gekommen, nur am noch immer brennenden Feuer saßen zwei Männer mit ihren Gewehren und unterhielten sich mit gedämpfter Stimme, neben ihnen lagen unsere Waffen.

Ich hatte gut vorgearbeitet, konnte nun aus den Fesseln schlüpfen und behielt die Männer am Feuer scharf im Auge, während ich mich leicht zur Seite neigte, um mit der rechten Hand die Klinge im Stiefel zu erwischen. Es gelang mir beim ersten Versuch, dann bückte ich mich und durchtrennte rasch die Fußfesseln. Noch einen Augenblick abgewartet, dann war ich bei Halef. Zwei, drei Schritte zu den beiden Männern, mein Jagdhieb schmetterte erst den einen, dann den anderen nieder. Wir griffen zu unseren Gewehren und waren im nächsten Moment mit den Schatten der Dattelpalmen verschmolzen, arbeiteten uns behutsam zu der Stelle vor, von der das Schnaufen der Tiere uns ihren Lagerplatz verriet.

Es wäre zu gefährlich gewesen, nach unseren eigenen Tieren zu suchen. Deshalb löste ich die Halteleine des ersten Pferdes, das sich aber leider als sehr unruhig erweisen sollte. Als ich mich auf seinen Rücken schwang, ließ es ein Wiehern ertönen, und auch, als ich ihm mit der Hand die Nüstern bedeckte, wehrte es sich dagegen, schüttelte unwillig den Kopf und wieherte erneut.

Details

Seiten
131
Jahr
2020
ISBN (eBook)
9783738939682
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v550867
Schlagworte
aššur löwe mein orient-tagebuch

Autor

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Titel: Mein Orient-Tagebuch: Der Löwe von Aššur 3