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Grainger und der Zugüberfall

2020 111 Seiten

Zusammenfassung


Ein Hilferuf aus Oklahoma fordert Grainger an, doch schon auf dem Weg dorthin wird der Zug überfallen. In Twin Meadows hat der Bürgermeister ein Schreckensregiment errichtet und regiert mit Gewalt und angeheuerten Revolvermännern. Er will um jeden Preis nicht nur die Ranches, sondern auch einige der Frauen in seinen Besitz bringen.

Leseprobe

Table of Contents

Grainger und der Zugüberfall

Copyright

Prolog

1

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3

4

5

6

7

8

9

10

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22

Grainger und der Zugüberfall

Western von Jasper P. Morgan

 

Der Umfang dieses Buchs entspricht 111 Taschenbuchseiten.

 

Ein Hilferuf aus Oklahoma fordert Grainger an, doch schon auf dem Weg dorthin wird der Zug überfallen. In Twin Meadows hat der Bürgermeister ein Schreckensregiment errichtet und regiert mit Gewalt und angeheuerten Revolvermännern. Er will um jeden Preis nicht nur die Ranches, sondern auch einige der Frauen in seinen Besitz bringen.

 

 

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books, Alfred Bekker, Alfred Bekker präsentiert, Casssiopeia-XXX-press, Alfredbooks, Uksak Sonder-Edition, Cassiopeiapress Extra Edition, Cassiopeiapress/AlfredBooks und BEKKERpublishing sind Imprints von

Alfred Bekker

© Roman by Author

© COVER WERNER ÖCKL

© dieser Ausgabe 2020 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

Alle Rechte vorbehalten.

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Prolog

Sandra war in Panik!

Sie hastete den dunklen, schmalen Pfad entlang. Gehetzt schaute sie sich um. Felsen hoben sich von der Dunkelheit ab, wirkten wie drohende Bestien.

Ihr Herz raste. Ihre Lungen brannten. Ein stechender Schmerz zuckte durch ihre Seite, doch sie hetzte keuchend weiter. Verfolgt von der Angst, überfallen zu werden.

Ein heftiger Windstoß ließ Sandra erschauern. Sie glaubte, das leise Klirren von Sporen durch den Wind zu vernehmen, entdeckte den Einschnitt zwischen den Felsen und rannte hindurch.

Da schoss ein Arm aus dem Schatten hervor, und eine Hand presste sich auf ihren Mund. Sandra glaubte, auf der Stelle Sterben zu müssen.

»Still!«, hauchte Grainger und zog sie tiefer in den Schatten.

 

1

Grainger hatte eine lange Bahnfahrt hinter sich.

In den Black Hills von South Dakota hatte er die telegrafische Order erhalten, sich nach Kansas zu begeben. Nur ungern hatte er sich von der üppigen Sally losgerissen, die ihn mit ihren Streicheleinheiten immer wieder aufs Neue erregt hatte. Während der Reise hatte er unentwegt an ihren wunderbaren Körper gedacht und an die Spiele, die sie miteinander getrieben hatten

Er spürte, wie das Blut heiß durch seine Adern rann …

Da riss ihn ein spitzer Schrei in die Wirklichkeit zurück! Eine blonde, elegant gekleidete Lady Anfang zwanzig landete auf seinen Schenkeln, als der Zug unvermittelt abgebremst wurde.

Ihr Gesicht lag dicht vor seinem, und ihre vollen, rosigen Lippen luden zum Küssen ein.

Das Mädchen richtete sich auf. Die geröteten Wangen, der Glanz in ihren strahlend blauen Augen und ein verstörter Gesichtsausdruck verrieten Grainger, dass sie seine Erregung gespürt hatte.

»Es war wirklich keine Absicht, Mister. Es ist mir furchtbar peinlich«, begann das Mädchen.

Wenn du wüsstest, wie sehr ich solche Peinlichkeiten zu schätzen weiß, Süße!

»Es ist überhaupt nicht meine Art, fremden Männern zu nahe zu treten.«

Eigentlich schade.

»Ich komme direkt aus einem Pensionat in St. Paul. Dort hat es mir nicht sehr gefallen. Wir waren eingesperrt wie in einem dieser Paläste, in denen die Herrscher in Afrika ihre Frauen halten. Wie heißen die doch gleich?«

»Harem«, half ihr Grainger auf die Sprünge.

»Genau, das war es! Sie kennen sich wohl mit solchen Dingen aus?«

Sie legte anscheinend keinen gesteigerten Wert auf seine Antwort, denn sie plapperte sofort weiter. »Und die Lehrer erinnerten mich an diese Unichen, die dort auf die Frauen aufpassen. Furchtbar. Denen fehlte nur noch das Schwert, mit dem sie wild um sich schlagen. Darüber hab ich mal in einem Buch gelesen …«

»Die Burschen heißen Eunuchen«, verbesserte Grainger.

»Stimmt! Wie konnte ich nur so vergesslich sein?«

»So schlimm wird es in ihrem Pensionat schon nicht gewesen sein, Miss. Bestimmt übertreiben Sie ein wenig.«

»Wie können Sie so etwas behaupten?«, gab sie empört zurück. »Sie haben ja keine Ahnung. Niemand kann sich vorstellen, wie es dort zugeht! Die Lehrer sind streng! Man darf sich nicht den geringsten Verstoß gegen die Schulordnung erlauben! Oh, Mister, mein Daddy wollte sicherlich nur das Beste für mich, als er mich dorthin schickte, aber es war schrecklich! Grauenhaft!«

»Immerhin werden Sie dort einiges gelernt haben. Dann war es doch keine verlorene Zeit«, gab Grainger zu bedenken.

»Ach was! Rechnen, Lesen und Schreiben konnte ich vorher schon. Ich bin ja nicht auf den Kopf gefallen. Und die Benimmregeln der feinen Gesellschaft zählen hier draußen ohnehin nichts. Oder haben Sie schon mal bei einem Ranchfest erlebt, dass sich ein Cowboy darüber den Kopf zerbricht, ob sein Besteck richtig auf dem Tisch liegt, und mit welchem Löffel er denn nun sein Dessert essen soll?«

»Denken Ihre Mitschülerinnen genauso?«

»Aber sicher! Sie machen sich ja keine Vorstellung davon, wie sehr wir dort gelitten haben. Ich wäre viel lieber auf der Ranch geblieben und hätte den Cowboys geholfen. Einmal bei einem Viehtrieb mitmachen oder Wildpferde jagen, das wäre ein Spaß geworden. Ich heiße übrigens Cordelia Beasley. Meinem Daddy gehört die Double-B-Ranch in der Nähe von Walcott, Oklahoma.«

Ihre Worte waren so bedeutungsschwanger, dass sich Grainger fragte, ob er die Ranch und das Nest denn kennen müsste.

»Sagen Sie bloß, Sie haben noch nie etwas von Walcott gehört?«, meinte Cordelia ungläubig und strich sich eine widerspenstige Strähne ihres blonden Haares aus der Stirn.

»Bedaure, Miss.«

Grainger musste lächeln, als sich ihre Augenbrauen zusammenzogen und ihrem Gesicht einen strengen Ausdruck verliehen. Sie war recht hübsch, und die festen Brüste wölbten sich unter dem spitzenbesetzten Kleid. Da konnte er sich als Mann nur sehr schwer losreißen.

»Daddys Ranch ist die größte im Umkreis«, plapperte Cordelia weiter. »Ich kann gar nicht sagen, wie viele Tausend Rinder auf seinen Weiden stehen.«

»Die Rinderzucht lohnt sich doch kaum noch, Miss. Vielleicht sollte Ihr Vater auf ein anderes Gebiet umsteigen.«

»Unmöglich! Er würde seinen Lebensinhalt verlieren! Daddy war sein ganzes Leben lang ein Rindermann, und er wird es auch bleiben. Und ich trete in seine Fußstapfen!«

»Viel Glück damit, Miss. Ich fürchte jedoch, Ihre Füße sind nicht groß genug.«

Das schrille Kreischen der Dampfpfeife unterbrach die Unterhaltung. Die Räder der Lok blockierten und quietschten ohrenbetäubend.

»Huups!«, machte Cordelia und landete mit den Gesicht zwischen Graingers Beinen.

Das missfiel ihm nun überhaupt nicht, und er hielt Cordelia etwas länger als nötig in dieser Position fest. Als sie jedoch wild mit den Armen ruderte, gab er sie sofort frei.

Sie schien lediglich verlegen zu sein. »Sie müssen ja Böses von mir denken«, hauchte sie und brachte ihre Frisur in Ordnung.

Sehe ich aus wie ein Schuft?

Cordelia erhob sich und strich ihr Kleid glatt. »Liebend gern würde ich nach vorn gehen und dem Lokführer meine Meinung zu sagen!«, rief sie erbost. »Das ist schon das zweite Mal, dass mich dieser Kerl in eine unmögliche Situation bringt … Aaaahhh!«

Der Zug ruckte an und nahm Fahrt auf, und Cordelia wurde völlig überrumpelt. Mit einem lauten Plumpsen setzte sie sich zwischen den Bänken auf den Allerwertesten.

Die Tür am Ende des Wagens flog auf, und ein paar maskierte und bewaffnete Männer stürmten in den Waggon.

»Ruhig bleiben, Freunde! Das ist nur ein netter, kleiner Freundschaftsbesuch. Aber wer den Helden spielen will, wird das Schicksal aller Helden teilen«, rief ein Outlaw und jagte einem milchgesichtigen Jüngling, der sich halb erhoben hatte, eine Kugel durch die Brust.

Und Grainger wusste, dass diese Bahnfahrt mit einem Mal sämtliche Annehmlichkeiten verloren hatte.

 

 

2

»Hier ist er nicht!«, rief einer der Banditen.

»Red keinen Mist, Sonny! Du weißt doch nicht mal, wie er aussieht!«, tadelte ein anderer.

»Er soll eine Aktentasche bei sich haben. Aber hier ist keiner mit solch einer Tasche!«

»Das haben wir gleich.« Der Sprecher baute sich im Mittelgang auf und fuchtelte mit seiner Kanone herum. »Sperrt mal die Lauscher auf, Leute, und horcht gut zu, dann habt ihr es bald hinter euch. Falls einer von euch schwerhörig ist, soll er sich melden, ich puste ihm die Hammelohren durch! Wir suchen einen Mann, einen von euch. Die Männer werden sich deshalb hier aufstellen und laut und deutlich ihren Namen nennen.«

Die männlichen Reisenden bildeten eine Reihe. Auch Grainger erhob sich.

Cordelia ergriff seinen Arm, kam auf die Beine und zeterte: »Sie werden doch hoffentlich nicht tun, was diese Mistkerle von Ihnen verlangen?«

»Bleibt mir eine Wahl?«

Cordelias Blick fiel auf Graingers Revolver. »Wozu schleppen Sie Ihr Schießeisen mit sich ‘rum? Los, knallen Sie diesen Stinktieren ein paar Kugeln um die Ohren!«

Grainger trat schweigend in den Mittelgang.

»Was seid ihr denn nur für Waschlappen?«, wetterte Cordelia zornentbrannt. »Mein Daddy würde diesen feigen Coyoten ein paar Kugeln in den Wanst jagen! Hat denn keiner von euch eine Unze Mumm im Leib?«

»Sie halten jetzt besser die Klappe, Lady, bevor Ihnen mein Freund Otis die zarte Zunge aus dem Schandmaul schneidet«, riet der Bandit und winkte einem hünenhaften Kumpan, der schwerfällig wie ein Grizzly herantappte und ein gewaltiges Bowiemesser zückte. Die lange Klinge funkelte gefährlich.

»Eure Namen!«, bellte der Anführer der Banditen. »Laut und deutlich. Und bei der Gelegenheit könnt ihr schon mal eure Wertsachen ablegen. Ladys, das gilt auch für Sie. Meine Freunde werden Ihren Schmuck einsammeln. Sorgen Sie dafür, dass Sie die Ringe von den Fingern ziehen können. Wir wollen doch nicht, dass eine von Ihnen einen Finger verliert.«

Die Männer, die im Mittelgang standen, riefen ihre Namen. Grainger gab sich gelassen. Gleich würde er an der Reihe sein, und dann …

Die Tür am vorderen Ende des Waggons knallte gegen die Wand. Ein schmaler, geschniegelter Bursche mit wirrem Haar und Nickelbrille sauste in den Waggon.

»Zum Kuckuck!«, entfuhr es ihm, als er der Bewaffneten ansichtig wurde. Er drückte eine Aktenmappe gegen seine Hühnerbrust. »Irrtum. Falscher Wagen. ‘zeihung!«, sprudelte es abgehackt aus dem Bürschlein, bevor es sich inmitten der wirren Haarpracht kratzte und hastig den Rückzug antrat.

Dies wiederum passte den Banditen nicht, die ihm gefolgt waren und ihn in die dunklen Mündungen ihrer Schießeisen blicken ließen.

Das Männchen fasste sich rasch wieder. »Ungehobeltes Betragen!«, gab er entrüstet von sich. »Rücksichtslos! Ladys zu Tode geängstigt! Gentlemen nicht minder! Unverschämtheit. Beschwerde bei Eisenbahngesellschaft unumgänglich!«

»Das wird dir aber verdammt viel nützen, Mister. Du heißt nicht zufällig Cletus Chandler?«, fragte der Bandenführer mit falscher Freundlichkeit.

»Ersuche, mit Professor tituliert zu werden.«

»Donnerwetter, was ist uns denn da für ein komischer Kauz ins Netz gegangen?«

»Kuckuck!«

»Meinetwegen auch das. Ist mir egal, was für ein Vogel du bist, Mister.«

»Wollte sagen: Zum Kuckuck. Ausgesprochen gerupftes – äh – gerissenes Federvieh. Lässt andere für sich arbeiten.«

Cletus Chandler huschte schnurstracks auf Grainger zu. »Hm, Beschreibung sehr dürftig, nur in einigen Punkten Übereinstimmung. Trotzdem Vertrauen erweckend. Ihr Kind, Mr. Grainger. Schaukeln!«

Sprach‘s und drückte Grainger flugs die Aktenmappe an die Brust, bevor es der hinteren Tür entgegen wieselte.

Aber das Männchen kam nicht weit, denn der Riese Otis hielt den Professor jäh auf.

»Nicht so hastig, Professorchen!«, bellte der Bandenführer. »Du wirst uns ‘ne Weile Gesellschaft leisten.«

»Zum Kuckuck!«

»Schafft ihn raus!« Die Banditen zerrten den strampelnden Professor aus dem Waggon.

»Sie haben Glück, Mister, dass ich kein Mann bin, sonst würden Sie Ihr blaues Wunder erleben!«, schrie Cordelia. »Ach, wenn ich doch nur ein Schwert hätte wie diese Uni – Eunu – na, die Kerle im Harem eben, dann würde ich dafür sorgen, dass Sie auch nur noch in Afrika als Haremswächter zu gebrauchen wären!«

Die Augen des Maskierten funkelten. »Nur weiter so, Lady. Otis freut sich schon auf Ihre Zunge!«

Ein Blick auf den Riesen ließ Cordelia verstummen.

»Grainger?«, wandte sich der Maskierte an den Mann der Brigade Sieben. »Da ist uns ja ein Riesenfisch ins Netz gegangen! Ich fürchte, du wirst nicht viel Freude an der Lady haben.«

Grainger antwortete nicht.

»Her mit der Tasche! Und dann darfst du ziehen. Wann immer du willst, Mister.«

Grainger drückte die Aktenmappe weiter an sich.

»Ich hasse es, wenn man uns Schwierigkeiten bereitet. Mister. Schieb die Tasche rüber und nutze deine Chance. Danach verschwinden wir mit dem Mädchen und dem Professor. Was hast du mit dem Klugscheißer überhaupt zu schaffen?«

»Kenn ihn nicht«, war Graingers einsilbige Antwort.

»Aber er kennt dich, Mister. Und das genügt ja wohl. Ist auch egal. Worauf wartest du noch?«

Die Antwort kam nicht von Grainger, sondern von Cordelia, als ein heftiger Ruck den Wagen erschütterte. Cordelia schrie und plumpste wieder auf ihre vier Buchstaben.

Ihr Schrei aber wirkte auf Grainger wie ein Stichwort auf einen Bühnenschauspieler. Er schlug dem Maskierten die Aktenmappe ins Gesicht und sprang zur Tür.

Nur blieb der Wunsch Vater des Gedanken. Der Riese Otis fuchtelte mit seinem Messer vor Grainger herum und stieß zu. Eine blitzschnelle Drehung ließ die Klinge an Grainger vorbeisausen.

Der große Mann rammte seinen gestreckten Fuß zwischen die Beine des Hünen. Aus Otis‘ Kehle entrang sich ein langgezogenes Wimmern, dem Grainger aber keine Beachtung mehr schenkte. Er flitzte bereits zur hinteren Plattform und warf sich nach links.

Keine Sekunde zu spät!

Schüsse krachten. Frauen schrien. Männer warfen sich über die Ladys, um sie zu schützen.

Die Projektile stanzten Löcher in das Holz des Waggons.

Grainger aber trafen sie nicht, weil er bereits die schmale Eisenleiter zum Dach des Waggons emporgeklettert war.

Der Zug beschleunigte. Grainger lag flach auf dem Dach und suchte fieberhaft nach einer Strategie. um gegen die Banditen vorzugehen.

Sein sechster Sinn für Gefahr ließ ihn nach vorn schauen, und seine Nackenhaare sträubten sich.

Die Gleise wurden von zerklüfteten Felswänden eingeengt, die durch steinerne Felsbögen miteinander verbunden waren.

Einer dieser Bögen aus massivem Gletscherfels raste auf Grainger zu, und der große Mann sah sich bereits mit zerschmetterten Knochen neben der Bahnstrecke hegen, inmitten einer trostlosen Umgebung.

 

 

3

Cordelia Beasley brachte ihr Kleid in Ordnung. Sie strafte den Bandenchef mit Verachtung.

»Burgess!«, rief einer der Reisenden in das lastende Schweigen hinein, das nur vom monotonen Rattern der Waggonräder unterbrochen worden war. »Sie sind Hamilton Burgess!«

Das Gesicht des Banditen verzerrte sich. »Habt ihr alle zugehört, Leute? Dann wisst ihr ja, mit wem ihr es zu tun habt. Wir werden noch jede Menge Spaß miteinander haben. Meine Freunde und ich befassen uns liebend gern mit den Ladys, das dürfte euch bekannt sein. Diese Reise werden die meisten von Ihnen wohl nie vergessen.«

»Genau, Boss!«, pflichtete einer seiner Kumpane bei. »Aber sie werden leider keine Gelegenheit haben, sich daran zu erinnern.«

Die Frauen schrien angsterfüllt auf. Sie würden sterben. Diese Halsabschneider schreckten nicht davor zurück, wehrlose Frauen umzubringen.

»Was ist mit Ihnen, Schätzchen? Fürchten Sie sich nicht vor Ham Burgess, dem Peiniger? Oh, Sie sind stolz, Miss! Ich habe mir meinen Beinamen redlich verdient. In dieser Gegend werden Sie so manche Lady finden, die mein Zeichen trägt. Auf ihrem Gesicht, auf ihrem Körper. Sie alle waren einst schön und verdammt stolz. Und heute sind sie schwer gezeichnet.« Er packte Cordelia am Kinn und zog ihren Kopf hoch. »Ich will, dass du vor mir zitterst, Miss!«

Cordelia verabreichte ihm eine schallende Ohrfeige und spuckte ihm ins Gesicht.

Ein brennender Schmerz breitete sich auf seiner Wange aus. Heiß rann der Speichel über sein Gesicht.

Er fetzte Cordelias Kleid entzwei und stieß das Mädchen in die Arme seiner Kumpane.

Fassungslos mussten die Reisenden mit ansehen, wie die Outlaws über die Rancherstochter herfielen. Bald waren schrille Hilfeschreie zu hören.

Mehrere Maskierte bewegten sich im Mittelgang auf und ab; um die vor Entsetzen starren Männer und Frauen von ihren Wertsachen zu befreien.

Den Schatten, der an einem der Fenster entlangglitt, bemerkten die Banditen erst, als es bereits zu spät war.

Einer der Zugräuber stand dicht vor der Scheibe und blickte von einer goldenen Taschenuhr auf. Er starrte Grainger an, der kopfunter vor dem Fenster hing und ihn freundlich anlächelte.

Der Outlaw lächelte verwirrt zurück. Auch dann noch, als sich die Mündung des 38ers auf ihn richtete.

Die Scheibe explodierte, und das Projektil wischte das dümmliche Lächeln vom Gesicht des Banditen!

Ham Burgess fächerte die Schüsse aus dem Colt. Zwei, drei Banditen taten es ihm gleich, doch als sich der beißende Pulverdampf verzogen hatte, war von Grainger nichts mehr zu sehen.

Noch während Burgess und seine Kumpane beratschlagten, ob und wie sie Grainger vom Dach holen sollten, zersplitterte weiter vorn wieder ein Fenster, und ein Bandit schrie kurz auf, als er von Graingers Schuss zurückgetrieben wurde.

Verwirrung machte sich unter den Banditen und den Passagieren breit. Zu allem Überfluss machte sich der Zug nun daran, die Steigung zu nehmen. Ein heftiger Ruck ging durch die Waggons, und Cordelia Beasley setzte sich wieder mal unsanft auf den Boden und erging sich in Schimpftiraden.

Der Peiniger schnappte sich die keifende Rancherstochter, zerrte sie mit sich zur vorderen Tür und stieß sie auf die Plattform hinaus. »Ich hab hier einen süßen, kleinen Käfer, Grainger!«, brüllte er. »Du willst doch bestimmt nicht, dass ich sie aus dem Zug werfe.«

Er erhielt keine Antwort.

Insgeheim gratulierte sich Burgess zu seiner Schläue. Grainger würde sich voll auf das Mädchen konzentrieren.

Nur noch wenige Yards, dann stampfte der Zug unter einem jener niedrigen Gesteinsbögen hindurch, die sich von einer Felswand zur anderen zogen.

Und dann …

Burgess hielt Cordelia im Genick gepackt und schüttelte sie kräftig. »Schrei!«, befahl er.

»Such dir jemand anderen, Aasgeier!«

Der Bandit verlor die Geduld. Er schleuderte Cordelia gegen die Wand. »Du wirst schreien, Schätzchen. Entweder freiwillig, oder Otis wird dich ein wenig kitzeln.«

Der Gedanke, von dem hünenhaften Kerl mit dem Messer verunstaltet zu werden, gefiel Cordelia nun überhaupt nicht. Die Rancherstochter war zwar mutig, aber sich weiter zu widersetzen, hätte nichts mehr mit Mut, eher mit Leichtsinn zu tun gehabt.

»Wird‘s bald?«, herrschte Burgess sie an.

Cordelia schrie.

Ihr gellender Schrei drang zu Grainger empor. Der große Mann knirschte mit den Zähnen. Irgendwie musste er Cordelia aus ihrer Zwangslage befreien und die Banditen dazu bringen, den Zug zu verlassen.

Aber wie?

»Das ist verdammt noch mal nicht laut genug!«, beschwerte sich der Outlaw und stieß Cordelia hart an. Sie schaute auf den unter ihr vorbeisausenden Felsboden. Das zerrissene Kleid flatterte im Wind.

Schweißtropfen glitzerten auf Cordelias Stirn. Der Bandit hielt sie am Kleid fest, aber wenn der Stoff riss, würde sie unweigerlich von der Plattform stürzen und … Sie wollte aber nicht an solch ein Ende denken. Es wäre ein grauenvolles Ende gewesen.

Ratsch!

Ein Riss bildete sich in dem Kleid. Cordelia sackte nach unten weg. Sie warf sich zur Seite, grapschte nach dem Haltegriff an der Seite des Waggons, erreichte ihn jedoch nicht. Ihre Füße verloren den Kontakt zu den Trittstufen und baumelten frei.

Cordelia starrte nach unten und schrie.

Gellend ertönte ihr Schrei.

Der Zug hatte die erste Steigung erklommen, ratterte über eine fast ebene Strecke und nahm wieder Geschwindigkeit auf, um auch die nächste Anhöhe zu schaffen.

Grainger krabbelte auf allen Vieren nach vorn. Die Aktenmappe behinderte ihn. Hier oben konnte er sie nirgends verstauen.

Sie enthielt wohl nur wenige Dokumente und war aus weichem Leder gefertigt. Kurzerhand stopfte Grainger die Mappe unter sein Hemd. Sie wirkte fast wie ein Brustharnisch.

Grainger spähte über den Rand des Wagendaches, sah unten den Felsboden vorbeisausen und entdeckte Cordelias zappelnde Gestalt.

Die junge Frau schloss mit ihrem Leben ab.

Grainger hatte sich entschlossen, sich auf die Plattform zu schwingen und Burgess einen Zweikampf zu liefern. Es musste aber alles blitzschnell gehen.

Der Agent spannte die Muskeln an, richtete sich auf und umklammerte das Begrenzungsgitter am Rand des Wagendaches. Er holte Schwung, sein Kopf ruckte zur Seite, und er sah den grauen, zerklüfteten Felsbogen wie eine Wand auf sich zuschießen!

Dann ließ er das Gitter los und hob abwehrend einen Arm, als ob das etwas genützt hätte. Die Geschwindigkeit des stampfenden Zuges war zu groß. Durch den Aufprall auf der Felsbarriere würde sein Brustkorb eingedrückt werden. Er würde vom Wagendach gefegt und mit zerschmetterten Gliedern zwischen den Felsen liegen bleiben …

»Scheiß Spiel!«, stieß Grainger hervor und handelte.

 

 

4

Der Zug donnerte unter dem Felsbogen hindurch.

Ham Burgess lachte dröhnend. »Grainger ist erledigt! Selbst die Besten ziehen den Kürzeren, wenn sie sich mit dem Peiniger anlegen wollen! Hast du das gesehen, Schätzchen? Zerquetscht habe ich den Bastard wie eine Küchenschabe! Was sich Ham Burgess vornimmt, gelingt immer. Das ist ein wunderbarer Tag, und wir beide werden ihn gebührend feiern, ja?«

Er wollte Cordelia auf die Plattform zurückziehen, doch der Riss im Kleid war schon zu groß. Mit einem letzten Ratschen zerfetzte es völlig.

Burgess stierte ungläubig auf das Stück Stoff in seiner Hand und auf die Stelle, an der Cordelia eben noch gewesen war.

Nun lag sie irgendwo da draußen, halb nackt, der schöne Körper von tiefen Wunden gezeichnet.

Und die Geier warteten schon auf sie.

»Pah! Ich kann alle Weiber haben, die ich will! Auf eine mehr oder weniger kommt es auch nicht mehr an!«, überspielte Burgess seine Enttäuschung und stapfte ins Wageninnere.

»Wir hauen ab, Boys. Chandler wartet vorn bei der Lok. Noch ein paar Steigungen, dann koppeln wir ab. Otis, du weißt, was du zu tun hast.«

Der Riese bahnte sich einen Weg zum Ende des Wagens und schubste dabei Männer und Frauen achtlos beiseite.

Voll Schrecken beobachteten die Reisenden, wie er das Bremsrad an der hinteren Plattform ergriff und daran zerrte.

»Das dürfen Sie nicht, Mister! Wenn Sie die Bremse zerstören und die Wagen abkoppeln, werden wir alle sterben!«, schrie ein jüngerer Mann und warf sich auf den hünenhaften Kerl.

Otis schüttelte ihn ab, spannte die Muskeln an, zerrte mit einem gewaltigen Ruck an dem Rad und hielt es in den Händen. Als der Gegner wieder herankeuchte, rammte ihm Otis das stählerne Bremsrad vor die Brust, packte ihn am Kragen und schleuderte ihn lässig über das Abschlussgitter der Plattform. Der Todesschrei des Mannes verklang rasch.

Die Reisenden verfolgten den Abzug der Banditen in ohnmächtiger Wut und Resignation.

Einige Passagiere begannen leise zu beten. Männer trösteten ihre Frauen. Es gab nichts, was sie tun konnten, um dem drohenden Tod zu entgehen.

Der Peiniger ergötzte sich an der Todesangst seiner Opfer. Die wussten, dass sie ihrem Schicksal nicht entgehen konnten. Und Burgess konnte sich die Hände reiben. Wieder mal ein Beutezug ohne lästige Zeugen. Falls doch der eine oder andere überleben sollte, würde man seinem wirren Gebrabbel nicht glauben.

Ham Burgess war fein raus.

»Warte, bis wir vorne im Gepäckwagen sind, Otis«, sagte er und ließ den Hünen allein zurück.

Otis ging an der Plattform des vordersten Pullman-Waggons in die Knie und streckte seinen langen Arm aus, um die Kupplung zu lösen. Er hatte schon oft Eisenbahnwaggons abgekoppelt. Die kurze Zeitspanne, bevor sich die Wagen von dem vorderen Zugteil lösten, genügte ihm, um sich in Sicherheit zu bringen. Seine dicken, dicht behaarten Finger schlossen sich um eine der Verbindungen und zerrten daran. Mit leisem Klirren löste sich die Kette, und Otis machte sich an der nächsten Kupplung zu schaffen. Es lief alles wie geschmiert!

Das glaubte er jedenfalls, bis er den heiseren Schrei hörte. Er blinzelte und hob lauschend den Kopf. Aber er hörte nichts mehr. Verwundert schüttelte er den kantigen, bärtigen Schädel und beugte sich wieder vor.

Cordelia Beasley, die an der Seite des Waggons baumelte, bemerkte er nicht.

Die Rancherstochter klammerte sich an Graingers Arm fest. Unter ihr war der Boden weggefallen. Ein schwindelnder Abgrund gähnte gierig, um sie zu verschlingen.

Grainger war von dem Felsbogen kaum berührt worden. Im letzten Moment hatte er sich über das Begrenzungsgitter geschwungen und sich an die Seite des Wagens gedrückt. Die rauen Felswände hatten seinen Rücken gestreift und die Haut aufgeschrammt, aber sonst war er unbeschadet geblieben.

Als Cordelias Kleid zerrissen war, hatte Grainger ihre Hand fassen können. Lange hatte sie so in seinem Griff gehangen, und ein schmerzhaftes Ziehen hatte sich von seiner Schulter über den Rücken ausgebreitet.

Das Mädchen senkte den Kopf.

»Nicht nach unten schauen!«, zischte Grainger.

»Ich suche doch nur eine Stelle, wo ich weicher fallen könnte … Aaaahhh!«

Erst jetzt bemerkte sie, dass unter ihr kein Boden mehr war, sondern nur gähnende Leere!

Grainger nahm alle Kraft zusammen und hievte Cordelia hoch. Sie konnte das Gitter am Wagendach berühren. Grainger legte eine Hand auf ihre runde Kehrseite, ließ sie zwischen ihre Schenkel gleiten und zerrte Cordelia in Sicherheit.

»Ooohh!«, entfuhr es ihr. »Sie gehen ja nicht gerade zimperlich mit einer Lady um, Mister.«

»Es muss sein!«

»Ooohhh!«, wiederholte sie spitz, als sie ihre Blöße bemerkte, aber der widerspenstige Stoff machte es ihr sehr schwer.

Grainger hörte das leise Klirren und kroch über das Dach.

Als der Hüne Otis an der zweiten Verbindung zerrte, musste er seine ganze Kraft einsetzen. Das Klopfen, das er über sich hörte, passte nicht zu dem Klirren der Ketten.

Er schaute auf, sah aber niemanden. Doch seine Neugier war geweckt. Er erhob sich, griff zum Revolver und schlich zur linken Seite der Plattform. Vorsichtig linste er um die Ecke, runzelte die Stirn, und gab ein unwilliges Schnauben von sich.

Wie hätte sich auch jemand an der Waggonwand verbergen können?

Niemand würde dieses Risiko eingehen.

Das Klopfen belehrte ihn eines Besseren.

Otis stapfte auf die rechte Seite, den Colt weit vorgestreckt. Er bog den Hammer zurück und schwang sich um die Ecke.

Krachend löste sich der Schuss, wurde aber vom Heulen der Lokomotive übertönt.

 

 

5

Graingers Stiefel zuckten heran und rammten mitten in die bärtige Visage des Riesen. Reflexartig drückte Otis ab, aber sein Schuss ging fehl.

Grainger musste sich mit beiden Händen am Gitter des Wagendaches fest halten und hatte nicht feuern können. So blieb ihm nur, sich auf einen Zweikampf mit diesem Goliath einzulassen.

Der große Mann musste verhindern, dass die Waggons abgekoppelt wurden!

Otis flog über die Plattformbrüstung und prallte hart gegen eine Wagenwand. Grainger setzte nach und schwang einen Fuß hoch. Sein Stiefel traf das Handgelenk des Riesen und prellte ihm den Colt aus den Fingern.

Grainger tastete nach seinem Remington, doch nun bewies Otis, wie behände er sich bewegen konnte. Er stürzte sich Grainger entgegen, brachte ihn aus dem Gleichgewicht, und rang mit ihm um die Waffe.

Grainger merkte sofort, dass er gegen diesen Koloss wenig Chancen hatte. Otis war ihm an Kraft und Ausdauer weit überlegen.

Trotzdem drosch Grainger immer wieder auf das breite Gesicht ein. Er plättete die flache Nase mit den wulstigen Nüstern. Blut spritzte. Graingers Hiebe kosteten Otis einige Zähne und verunstalteten sein Gesicht. Der dichte Bart färbte sich rasch rot.

Aber der Riese gab nicht nach. Grainger hatte das Gefühl, als sei sein gesamter Körper in einen mächtigen Schraubstock geraten. Otis hatte ihm den Revolver abgenommen, aber es wäre ihm sowieso nicht möglich gewesen, die Waffe aus dem Leder zu bringen. Er konnte nur noch einen Arm und den Kopf bewegen.

Otis grinste breit und entblößte blutige und abgebrochene Zähne. Beinahe mühelos verstärkte er seinen Druck. Es würde nicht mehr lange dauern, bis Graingers Knochen unter seinem Griff brachen …

Grainger drückte den Kopf des Hünen in den Nacken, stach ihm die gespreizten Finger in die Augen, hatte damit aber wenig Erfolg. Im Gegenteil, Otis verdoppelte seine Anstrengungen.

Schmerzen rasten durch Graingers Glieder. Er konnte nicht mehr atmen. Ihm war, als würde ein Höllenfeuer in seinen Lungen lodern. Das Blut rauschte in seinen Ohren. Rote Schleier und blitzende Sterne jagten sich vor seinen Augen.

Die Fratze des Hünen erschien ihm riesig, das aufgerissene, blutige Maul schien ihn verschlingen zu wollen.

Aber das heisere, triumphierende Gelächter des Outlaws war es schließlich, was Grainger zu Höchstleistungen anspornte. Er stöhnte laut, verdrehte die Augen und erschlaffte in Otis‘ Griff.

Der Riese blinzelte überrascht, stieß Grainger mehrmals an und erhielt keine Reaktion. Er bewegte Graingers Kopf, um festzustellen, ob er dem großen Mann das Genick gebrochen hatte.

Grainger ließ alles mit sich geschehen.

Otis beugte sich wieder über die Kupplung.

Als er den Kettenverschluss ergriffen hatte, war Grainger neben ihm. Er schnappte sich eine der bereits gelösten Eisenketten und schlang sie um den Hals des Hünen.

Otis brüllte wie am Spieß, warf sich herum und zerrte das Messer aus dem Gürtel.

Grainger konnte der Klinge nicht mehr ausweichen. Otis war ein Meister im Umgang mit dem Messer und stieß aus der Bewegung heraus zu.

Grainger krümmte sich zusammen, als die rasiermesserscharfe Klinge quer über seine Brust glitt und ihr Ziel suchte. Otis zog das Messer zurück, hob es zum alles entscheidenden Stoß, mit dem er Grainger den Rest geben würde, und – stutzte!

Das Sonnenlicht brach sich auf der blanken Klinge.

Und genau das war es, was Otis nicht begreifen konnte.

Er hatte Grainger den Bauch aufgeschlitzt, aber auf dem Stahl war kein Blut!

Bevor Otis seine Verblüffung überwinden konnte, trat ihm Grainger das Messer aus der Hand und rannte gegen den massigen Körper an.

Der gellende Schrei des Hünen wurde abrupt zu einem gequälten Röcheln, als Otis verzweifelt nach einem Halt suchte, ihn nicht fand und von der Plattform ins Leere katapultiert wurde.

Grainger steckte seinen Revolver ein und kletterte auf das Dach, um Cordelia herunter zu helfen. Hastig riss er sie an sich, als ein weiterer Felsbogen heransauste.

Nur knapp entging Cordelia den Felsen.

Sie befand sich bereits auf der schmalen Leiter, als sie erschrocken aufschrie.

Grainger folgte ihrem Blick und entdeckte Otis, der das Unmögliche geschafft hatte. Er befand sich zwischen den Plattformen, hielt sich am Radgestänge fest und zerrte hastig an der Kupplung.

Tatsächlich löste sich der Verschluss!

Schon streckte der Hüne die Pranke nach dem Bolzen aus, der die beiden Wagen miteinander verband, um ihn aus dem Puffergehäuse zu ziehen.

Grainger schwang sich eine Sekunde später über die Brüstung und kam auf dem Puffer zu stehen. Seine Stiefel quetschten die Hand des Riesen.

Otis brüllte schmerzerfüllt und zerrte seine Pranke frei, umklammerte Graingers Stiefel und brachte ihn aus dem Gleichgewicht.

Details

Seiten
111
Jahr
2020
ISBN (eBook)
9783738939378
Sprache
Deutsch
Erscheinungsdatum
2020 (April)
Schlagworte
grainger zugüberfall

Autor

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Titel: Grainger und der Zugüberfall