Lade Inhalt...

Höllentrip nach Acapulco

2020 122 Seiten

Leseprobe

Table of Contents

Höllentrip nach Acapulco

Copyright

Prolog

1

2

3

4

5

6

7

8

9

10

11

12

13

14

15

16

17

18

19

20

21

22

23

24

25

26

27

28

29

30

31

32

33

34

35

36

37

38

39

40

41

42

43

Höllentrip nach Acapulco

Roman von W. K. Giesa

 

Der Umfang dieses Buchs entspricht 122 Taschenbuchseiten.

 

Die mexikanische Regierung will hundert Trucks kaufen und um herauszufinden, welche Fahrzeuge die besten sind, will sie verschiedene ältere Modelle einem Härtetest unterziehen. Dafür gab es eine Ausschreibung, an der sich jeder Trucker beteiligen konnte. Denjenigen Truck, der die mörderische Streckenführung von San Antonio durch die Sierra Madre nach Acapulco, Mexiko, gut übersteht, will die Regierung später zur Produktion in Auftrag geben, was für den entsprechenden Trucker eine fette Prämie bedeuten würde. Nur wenige Trucker trauen sich diesen Höllentrip zu – unter ihnen Jim Sherman und sein Shotgun Bob Washburn mit ihrem Kenworth ›Thunder‹, aber auch die Ryland Truck Company und deren größter Konkurrent: ,The Alamo Trucking' – sie alle erhoffen sich den Sieg und scheuen dafür weder Tod noch Teufel …

 

 

 

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books, Alfred Bekker, Alfred Bekker präsentiert, Casssiopeia-XXX-press, Alfredbooks, Uksak Sonder-Edition, Cassiopeiapress Extra Edition, Cassiopeiapress/AlfredBooks und BEKKERpublishing sind Imprints von

Alfred Bekker

© Roman by Author

© dieser Ausgabe 2020 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

Folge auf Twitter:

https://twitter.com/BekkerAlfred

 

Zum Blog des Verlags geht es hier:

https://cassiopeia.press

Alles rund um Belletristik!

Sei informiert über Neuerscheinungen und Hintergründe!

 

 

Prolog

Die Trucker wussten, dass ihnen nichts erspart bleiben würde. Die Hölle auf Rädern erwartete sie. Ein Härtetest, wie es ihn wahrscheinlich noch nicht gegeben hatte.

Jim Sherman schaute an der langen Reihe Trucks entlang, die von seinem »Thunder« begonnen wurde. Daneben Pete Carduccis »Galling Gun«, ein fünfzehn Jahre alter White Western Star, dann »Smokey's Friend«, ein bulliger Marmon, auch nicht gerade jung. Ein MACK mit dem RTC-Wappen an den Seitentüren, ein Ford CL 9000 Cabover, ein Freightliner Conventional, ein Peterbilt.

Sieben Trucks, deren Fahrer verrückt genug waren, einen Trail durch die Hölle zu wagen. Von San Antonio, Texas, nach Acapulco, Mexiko. Eigentlich eine völlig normale Strecke. Aber diesmal mit eingebauten Schikanen besonderer Art. Nur Verrückte konnten sich darauf einlassen.

Verrückte, denen zwanzigtausend Dollar gerade recht kamen … dafür fuhr man dem Teufel schon mal die Hörner ab!

 

 

1

»Was ist, wenn wir den Truck verlieren?«, fragte Nolan Curtis scharf. »Wer kommt dann für den entstandenen Schaden auf? Ich könnte mir lebhaft vorstellen, dass unsere Versicherung streikt. Die Ryland Trucking Company ist aber nicht daran interessiert, bei der Sache Verlust zu machen. Die Prämie, die MACK herausrückt, ist nur ein Drittel oder Viertel dessen, was uns ein neuer Truck kosten würde.«

»Von den Männern, die das Fahrzeug lenken und eventuell verletzt werden, gar nicht zu reden«, fügte Luke Ryland hinzu. »Also, wie sieht das mit Versicherungen von Ihrer Seite her aus, Señores?«

»Aber ich bitte Sie, Mister Ryland, Mister Curtis«, sagte Federico Sánchez. »Was soll schon geschehen? Die Strecke wird ständig überwacht. Und wir wissen, dass sie nicht halbwegs so gefährlich ist, wie Sie annehmen. Es kann gar nichts passieren.«

»Außer, dass ein Truck von der schmalen Schotterstraße abkommt und in eine Schlucht fällt, oder dass ein paar aufständische Bergbauern versuchen, eine ihrer typischen Mini-Revolutionen anzuzetteln und Straßen und Brücken in die Luft sprengen, gerade wenn unsere Trucks unterwegs sind …«

»Bitte, Mr. Curtis.« Sánchez hob die Schultern. »Treten Sie vom Vertrag zurück. Wir haben noch genug andere Trucker-Firmen, die die Fahrt liebend gern übernehmen würden. Bedenken Sie, dass unsere Regierung immerhin sämtliche anfallenden Kosten übernimmt und die Männer ihres Teams wie alle anderen drei Tage Gratis-Urlaub in Acapulco machen können. Ihre Firma erhält die übliche Frachtrate plus Sonderzuschlag, und wir garantieren Ihrem Team Rückfracht. Was wollen Sie mehr?«

»Sicherheit«, sagte Ryland. »Sicherheit für die Trucker und den Truck. Und ich bin mir nicht sicher, ob diese Sicherheit gewährleistet ist.«

»Treten Sie zurück, Sie verzögern die Aktion um zwei oder drei Tage, aber das wird uns nicht sonderlich stören. Es kommt uns auf eine Woche mehr oder weniger nicht an.«

Der Trucker-King sah Curtis an. Sein Schwiegersohn lehnte sich zurück und verschränkte die Arme vor der Brust. Es fehlte nicht viel, und er hätte die Füße auf den Schreibtisch gelegt, dachte Ryland amüsiert. Aber sein Amüsement verschwand sofort wieder.

Zwei oder drei Tage Verzögerung, während derer die anderen freien Trucker auf glühenden Kohlen sitzen würden. Denn diese Ausfallzeit würde ihnen niemand bezahlen. Es war unfair ihnen gegenüber, diese Verzögerung zu verursachen, nur um selbst einen Rückzieher zu machen.

Nolan Curtis schien dieselben Gedanken zu hegen, nur nicht von Gemeinschaftsgefühl den Truckern gegenüber geprägt, sondern rein logisch denkend. Er zeigte sein Haifischgrinsen.

»Sagen wir mal, die RTC träte tatsächlich zurück. Uns würde dieser Verlust nicht sonderlich schaden«, sagte er. »Denn so lukrativ, dass wir anbeißen müssten um jeden Preis, ist das Angebot nun auch wieder nicht, trotz diverser Prämien und Zuschläge. Aber, Señores, da draußen sind sechs weitere Teams, davon fünf freie Trucker. Die drehen Ihnen beiden und Ihren Begleitern die Hälse um, wenn sie erfahren, dass sie noch ein paar Tage hier stehen und Däumchen drehen dürfen. Es sei denn, Mexico-City bezahlt auch die entstehenden Ausfallzeiten …«

»Daran ist gar nicht zu denken«, wehrte Sánchez ab und brauchte dazu nicht einmal eine Blickverständigung mit Pedro Martínez.

»Ja … unsere Forderung steht. Señores«, sagte Curtis nüchtern lächelnd. »Versicherungen für Crew und Truck. Auf Kosten des Auftraggebers. Ansonsten … treten wir tatsächlich zurück, und Sie dürfen sich mit ein paar wütenden Truckern auseinandersetzen. Vielleicht treten die dann auch zurück, und Sie verlieren nicht nur die Teams, sondern auch den Vertrauenskredit. Was glauben Sie, wie schnell es sich herumspricht, dass die Teams von Ihnen gelinkt werden?«

Jetzt fuhr Martínez auf. Er stand vor dem Schreibtisch, und seine Faust krachte auf die Platte.

»Das ist unfaires Spiel, Mister Curtis«, fauchte er. »Sie haben von Anfang an um das Risiko gewusst, sofern es eins gibt! Warum haben Sie Ihre Bedenken nicht vor Tagen schon vorgetragen? Jetzt damit zu kommen und uns eine Entscheidung abzuzwingen, die weder Señor Sánchez noch ich treffen können, gehört nicht gerade zu den Gepflogenheiten ehrbarer Geschäftsleute! Das ist Erpressung übelster Art!«

»Wir werden den anderen Teams klar und deutlich mitteilen, weshalb es diese Verzögerung gibt«, glaubte Sánchez den Spieß umdrehen zu können. »Der Zorn wird sich gegen Sie richten, gegen Ihre Firma, denn durch Ihren Rücktritt lösen Sie ja erst die Umgruppierung aus …«

Curtis' Haifischgrinsen war nicht zu erschüttern.

»Bitte, Señor … tun Sie sich da keinen Zwang an, aber vergessen Sie auch nicht zu erwähnen, warum die RTC diesen Rückzieher machen würde … und dann reden wir weiter.«

Diesmal brauchten Martinez und Sánchez doch Blickkontakt.

»Wir brauchen Bedenkzeit«, sagte Martinez. »Eine halbe Stunde … dürfen wir auch von Ihrer Firma aus telefonieren?«

»Selbstverständlich«, bot Ryland an. »Unsere Einrichtungen stehen Ihnen jederzeit gern zur Verfügung.«

»Selbstverständlich kostenlos«, murmelte Curtis freundlich. »Wenn Sie weitergehende Wünsche haben … etwa Erfrischungen oder gepflegtes Essen … alles ist machbar.«

»Wir danken«, sagte Sánchez knapp. Ryland erhob sich. »Wir lassen Sie jetzt vorübergehend allein, damit Sie sich untereinander und mit Ihrer Regierungsstelle beraten können. Meine Sekretärin, Mrs. Hayes, ist Ihnen in jeder Beziehung behilflich.«

Auch Curtis erhob sich.

Das zufriedene Grinsen wich nicht aus seinem Gesicht.

Zumal es eines der wenigen Male war, dass Luke Ryland und Nolan Curtis einer Meinung waren.

 

 

2

»Ich möchte wissen, wann wir endlich loskönnen«, maulte Pete Carducci, in Trucker-Kreisen eher als ›Nitro-Pete‹ bekannt. »Allmählich stinkt mir das Warten. Hoffentlich ist das nicht alles nur eine riesige Ente. Ich traue diesen Greasern nicht über den Weg.«

»Du hast doch wie wir alle so einen Zettel gekriegt«, sagte Jim. »Da steht eine Menge drauf. Unter anderem ein paar Stempel der mexikanischen Regierung. Traust du der auch nicht?«

»Ich traue knisternden Geldscheinen, die echt sind, und gedeckten Schecks. Notfalls noch harten Dollarmünzen«, sagte Nitro-Pete. »Alles andere kannst du getrost vergessen. Vielleicht brauchen die Jungs noch ein wenig Bestechungsgeld, ehe sie uns losfahren lassen.«

Draußen brütete die Sonne. Drinnen in der Abfütterungshalle des Truck Stops ließ es sich aushalten. Die Klimaanlage machte Lärm, funktionierte aber. Ein paar Serviergirls huschten geschäftig hin und her. Jim Sherman hatte ein riesiges Glas Coke vor sich stehen, an dem er zuweilen nippte. Ein paar Tische waren zusammengeschoben worden, und die sieben Teams hatten sich hier versammelt. An einem Nebentisch hockte ein halbes Dutzend uniformierter Mexikaner und unterhielt sich.

Carducci sah wieder auf die Uhr.

»Himmel, wenn ich mir vorstelle, wie viel Zeit wir vertrödeln … da lobe ich mir ehrliche Frachten von Küste zu Küste für ehrliches Geld.«

Bob Washburn grinste. »Ja, eigentlich sollten wir tatsächlich schon unterwegs sein. Denkt an die heißblütigen Girls in winzigen Tangas oder noch weniger, die uns in Acapulco erwarten … drei Tage Urlaub auf Kosten der Regierung … ha!«

»Glaubst du im Ernst, dass die alle auf dich warten, schwarzer Mann?«, grinste Jim. »Sie werden laufen, wenn sie dich sehen.«

»Natürlich laufen sie in meine Richtung«, behauptete Bob überzeugt. »Seit dreißig Jahren warten sie darauf, mich kennenzulernen.«

»Ach ja«, murmelte McCoy, der Besitzer des Marmon. »Hast du das wenigstens schriftlich?«

Bob Washburn winkte ab.

Sie alle waren Verrückte. Da machte Mexiko ein Angebot, und sie alle schnappten zu wie die hungrigen Wölfe! Dabei hätten sie es einfacher haben können, Geld zu machen. Aber das Abenteuer lockte.

Die mexikanische Regierung wollte Trucks kaufen. Hundert Stück auf einen Schlag. Und da Mexiko keine eigene Produktion besaß, lag es nahe, sich an die benachbarten USA zu wenden. Nun hatten die Mexikaner die Absicht, die absolut besten und haltbarsten Trucks zu kaufen, ohne Rücksicht auf die Preisgestaltung. Das war zwar einerseits verwunderlich angesichts des schwindsüchtigen mexikanischen Staatshaushaltes, andererseits aber logisch es gab nur wenige Service-Niederlassungen, die einen defekten Truck wirklich nachhaltig reparieren konnten. Also durfte möglichst nichts kaputtgehen.

Wie haltbar ein Truck auf lange Sicht ist, zeigt nur die Praxis. Deshalb hatten die Mexikaner einen Härtetest besonderer Art entworfen. Ein Neufahrzeugtest sagt eigentlich nicht viel aus. Also machten sie eine Ausschreibung, zu der sich Trucker mit Fahrzeugen älteren Baujahres beteiligen konnten. Wenn diese älteren Trucks ohne besondere Vorbereitung den Stress der geplanten Streckenführung durchhielten, so die Ansicht der Mexikaner, waren sie gut. So gut, dass man sie kaufen konnte. Der Truck, der die festgelegte Strecke am schnellsten und besten überwand, ohne größere Probleme technischer Natur zu bekommen, dessen Herstellerfirma sollte den Großauftrag erhalten.

Eine Menge Trucker, die sich ursprünglich für diese Tour interessierten, hatten abgelehnt, nachdem sie die Streckenführung erklärt bekamen. Selbst die großzügigen Prämien konnten sie nicht dazu bewegen, den Job zu übernehmen. Nur wenige waren dabeigeblieben, und unter ihnen hatten die Mexikaner dann eine Auswahl getroffen. Jim Sherman und Bob Washburn mit ihrem ›Thunder‹ waren mit von der Partie, die RTC hatte sich mit einem MACK beworben, und auch der größte Konkurrent der RTC, Jefferson C. Corrigans ,The Alamo Trucking' mit Sitz ebenfalls in San Antonio, stellte einen Freightliner. Die anderen Teams waren freie Trucker, die sich die Prämien erhofften und das Risiko eingingen, mit leichten Blessuren oder stärkeren Defekten heimzukehren.

Die Strecke führte nur zu einem geringen Teil Über die mexikanischen Highways. Abseits der großen Straßen führte die Strecke durch enge Schluchten, serpentinenförmige Supersteigungen in der östlichen Sierra Madre, durch Kiefernwälder und Baumwollplantagen, durch Hitze und dünne Luft. Es war an Gemeinheiten in gedrängter Form alles eingebaut worden, was einem Truck im Laufe eines zehnjährigen Daseins zustoßen konnte. Und da sollten sie durch.

Härtetest! Höchstleistung und Standhaftigkeit waren gefragt, eine Herausforderung für Fahrzeug und Fahrer. Entsprechend wurde dieser Test honoriert. Sämtliche anfallenden Kosten von der normalen Frachtprämie über Treibstoffkosten bis hin zu Reparaturen und möglichen Abschleppaktionen bezahlte die mexikanische Regierung so zumindest stand es in den Verträgen. Dazu kam der Drei-Tage-Urlaub in Luxus-Hotels, die ein einfacher Trucker unter normalen Umständen nur von weitem oder aus Fernsehserien kannte, weil der Aufenthalt dort so viel kostete, wie der Trucker in einem Monat verdiente. Aber das war noch nicht alles.

Die Herstellerfirmen waren natürlich auch interessiert, dass ›ihr‹ Truck den Test als Bester bestand. Serviceleistungen per Begleitfahrzeug oder Hubschrauber waren versprochen worden, und es gab auch von den Firmen Sonderprämien, die sich allesamt um die zwanzigtausend Dollar bewegten bei einem Großauftrag über hundert Trucks war die Gewinnspanne derart groß, dass die Firmen sich eine solche Gratisleistung locker aus dem Ärmel schütteln konnten.

Für zwanzigtausend Dollar fuhr ein Trucker wenigstens ein Jahr lang. Es würde also ein hübsches Polster werden sofern der eigene Truck die Nummer 1 wurde. Andererseits sah Jim auch das Risiko. Die Versicherungen aller Beteiligten hatten einhellig erklärt, dieser Härtetest läge außerhalb der normalen und üblichen Betriebsbedingungen und lehnten jegliche Haftung ab. Wenn es also schiefging, konnte es teuer werden. Das hatte die meisten freien Trucker abgeschreckt. Sie wollten nicht im Extremfall noch draufzahlen müssen. Es konnte geschehen, dass es zum Totalschaden kam und nicht nur Jim war aufgefallen, dass in den Verträgen der Mexikaner nur etwas von ›anfallenden Reparaturkosten‹ und ›Abschleppdiensten‹ stand. Nicht aber vom Totalschaden.

Damit war aber vor allem bei den Gebirgstouren zu rechnen!

Die Strecke war festgelegt, und mexikanische Beobachter würden am Ball bleiben und aufpassen, dass alles mit rechten Dingen zuging, so hieß es. Nun, Jim und Bob kannten die Qualität und Robustheit ihres Kenworth W 900, und sie schätzten ihr fahrerisches Können als gut genug ein, überall durchzukommen. Also beteiligten sie sich an der Aktion. Sonderprämien und zwanzigtausend Dollar lockten. Und Bob schwärmte seit Tagen nur noch von den süßen Tanga-Mädchen in Acapulco und war für kein anderes Thema mehr zu begeistern.

»Hoffentlich bist du überhaupt noch genügend in Form, wenn wir ankommen«, hatte Jim gespöttelt. »Vielleicht bist du total erschöpft, und die Girls lachen dich aus, sofern du überhaupt noch die Kraft hast, ihnen einen müden Blick zuzuwerfen.«

»Bob Washburn ist immer in Topform«, hatte Bob siegessicher erwidert. »Notfalls lasse ich dich die schwersten Etappen fahren.«

 

 

3

Durch die Panoramascheibe von Luke Rylands Büro hatte man einen fantastischen Ausblick auf die Grünanlagen des Freigeländes vor dem Bürokomplex der RTC. Im Zierteich und um ihn herum tummelten sich die Ochsenfrösche und veranstalteten einen Fliegenschnapper-Wettbewerb. Weiter draußen standen.die Werkstatthallen, in denen die Trucks der RTC von Pat O'Neill und seinen Männern gewartet und notfalls repariert wurden.

»Ich bin wirklich gespannt, wie sie sich entscheiden«, sagte Curtis. »Was machen wir, wenn sie bei ihrem Nein bleiben? Steigen wir dann tatsächlich aus?«

»Natürlich«, sagte Ryland. »So leid es mir dann für die anderen, die Freien, tut aber die Sicherheit unserer Leute geht vor.«

»Es ist dir hoffentlich klar, Dad, dass wir den Truck trotzdem verlieren können. Wir bekommen dann nur das Geld.«

»Und wenn dem Team etwas zustößt, lassen sich Verletzungen auch nicht mit Geld allein heilen«, murmelte Ryland. Der Mann, der es vom einfachen Trucker zum Boss einer Firma gebracht hatte, die über zweitausend Trucks auf allen Highways der USA rollen ließ und die größte Trucking-Firma im Süden war, nickte nachdenklich. »Aber mit dem Geld lassen sich dann doch einige Erleichterungen schaffen. Es beruhigt, weißt du?«

Curtis lachte meckernd. Und ob er wusste, wie wunderbar beruhigend Geld sein konnte! Schließlich verdiente er ja selbst genug davon, um sich kleine Extravaganzen leisten zu können. Die Firma stand nicht schlecht da, und die Gewinnbeteiligung war hoch. Nolan ›Sharkey‹ Curtis tat allerdings auch eine Menge dafür, dass es so weiterging. Nur seine Methoden gefielen Ryland nicht immer.

Diesmal aber hatte er sofort mitgezogen, als Curtis sein Pokerspielchen um die Versicherung begann. Curtis war clever genug gewesen, damit bis zum letzten Moment zu warten bis der Start der Teams gerade noch eine Stunde bevorstand. Die Vertragsklauseln ließen es zu, dass die beteiligten Trucker, in diesem Fall also die RTC, jederzeit aus dem Vertrag aussteigen konnte. Aber die Mexikaner hatten wohl nicht einkalkuliert, dass das zu einem so späten Zeitpunkt noch geschehen könnte.

Dabei war gerade Sharkey daran interessiert, dass die Mexiko-Tour stattfand. Denn dies war keine normale Fahrt. Man konnte Werbung für die RTC betreiben. Der Auflieger war eigens großflächig bemalt worden und trug Werbeslogans, die auf die RTC und ihre Schnelligkeit, Zuverlässigkeit und Preiswürdigkeit hinwiesen. Normalerweise war das in dieser aggressiven Form nicht möglich, da die Trucks Auflieger der Auftraggeber übernahmen. Da ließ sich nicht viel machen. Deshalb griff Curtis diesmal sofort zu, um die großen Aufliegerflächen mit einer Länge von vierzig Fuß als Werbefläche zu verwenden. Niemand hatte es vertraglich verboten, also war es auch möglich.

Warum sollte die RTC nicht auch in Mexiko ein wenig bekannter werden? Vielleicht war dies eine Möglichkeit, für ein verstärktes Auftragsvolumen gerade in Mexiko zu sorgen.

Und in diesem Punkt war er sich ebenfalls mit dem King einig.

Sie kehrten in Rylands Büro zurück.

»Nun, Señores wie hat Mexiko entschieden?«, fragte Curtis freundlich.

Sánchez und Martínez, die beiden Vertreter des Transportministeriums, lächelten säuerlich. Vor ihnen standen Getränke, die Rylands Sekretärin besorgt hatte. Die beiden Mexikaner fühlten sich in den schweren Ledersesseln der Besucherecke gar nicht mehr so wohl wie zu Anfang.

»Wir sind mit Rücksicht auf die freien Trucker einverstanden«, sagte Sánchez gepresst. »Wir übernehmen die Versicherung für Personenschäden.«

»Und für den Truck«, sagte Curtis trocken.

»Das geht nicht …«

»Dann tut es mir leid die RTC steigt aus«, sagte Curtis. »Es hat uns gefreut, uns mit Ihnen unterhalten zu können. Und …«

»Warten Sie«, sagte Sánchez. »Vielleicht können wir uns noch einig werden.«

Curtis grinste wieder. Aha, dachte er.

Eine halbe Stunde später waren sie sich endlich einig. Der RTC-Truck konnte starten.

»Ich fahre mit hinüber und verabschiede unsere Jungs«, sagte Ryland. Sein Schwiegersohn nickte.

»Bestell ihnen herzliche Grüße auch wenn sie damit nicht viel anfangen werden«, sagte er.

Kaum war Luke Ryland unterwegs, als Nolan Curtis eine rege, geschäftige Aktivität entwickelte …

 

 

4

Es war so weit. Das Abenteuer begann.

Der Konvoi der Trucks verließ den Truck Stop am Highway 35 und machte sich auf den langen Trail in Richtung Süden. Einer der Kolosse nach dem anderen fädelte sich in den mittäglichen Verkehr ein. Zwischendurch fuhren einige der Jeeps der Beobachter los, die sich zwar nicht ständig unmittelbar bei den Trucks aufhalten sollten, aber hier und da aufkreuzen und den Test unter Kontrolle halten würden. Offiziere des mexikanischen Militärs.

Weder Jim noch Bob hielten viel von militärischen Uniformen ganz gleich, welcher Nationalität. Sie hatten schon ihre trüben Erfahrungen mit Söldnern und anderen Uniformierten gemacht; meist brachte es nur Ärger, wenn Uniformen auftauchten. Aber in diesem Fall sollten die Offiziere ja nur beobachten.

Sie stellten also keine Störung dar.

Bob träumte schon wieder von den Girls in Acapulco, von weißen Stränden und romantischen Felsklippen. Jim hörte schon gar nicht mehr hin. Er schaltete in den siebten Gang weiter und ließ den ›Thunder‹ ruhig dahinrollen. Die Technik war okay, der Truck unterwegs. Im Auflieger steckte Transportgut, das für Acapulco bestimmt war. Denn soweit dachten auch die Mexikaner mit eine Leerfahrt wäre ebenso sinnlos gewesen wie nur Ballast-Transport. Also wurde mit dem Test zugleich eine echte Transportfahrt verbunden. Jim fragte sich, was passieren würde, wenn einer oder mehrere Trucks tatsächlich liegenblieben. Was wurde dann aus der Fracht? Wer sollte sie in dem unwegsamen Gelände der geplanten Teststrecke bergen und ans Ziel bringen?

»Das wäre doch ein Job für uns«, sagte Bob und bewies Jim damit, dass er laut gedacht hatte. Jim tippte sich an die Stirn. Er war sicher, dass ihm die Strecke in einmaliger Durchquerung reichen würde.

»Das sollen die Mexe gefälligst selbst ausbügeln. Vielleicht werden sie den Container dann entleeren und den Inhalt auf Eseln über die Berge transportieren«, schlug er vor.

»Du bist ganz schön gehässig, weißt du das? Die armen Viecher …«

Jim zuckte mit den Schultern. Er sah auf die Instrumente an der Armaturentafel. Bis Laredo an der Grenze waren es rund hundertfünfzig Meilen, vielleicht etwas mehr. In drei Stunden konnte das zu schaffen sein, wenn es keine Staus und sonstige Schwierigkeiten gab.

»Vor Laredo steuern wir den Truck Stop an«, sagte Jim. »Ich möchte noch einmal bis zum Stehkragen nachtanken. Ich traue der Suppe nicht, die es hinter der Grenze gibt, und je weiter wir mit texanischem Diesel kommen, desto besser ist es.«

»Und wenn der Konvoi glatt durchfährt? Unsere Beobachter werden wohl den Grenzübergang wesentlich vereinfachen. Ich schätze, dass sie uns ohne Kontrollen durchschleusen. Das dürfte ja wohl das Mindeste sein, was sie für uns tun können. Und ihnen wird daran gelegen sein, dass wir gnädig gestimmt sind.«

Jim lachte leise.

»Was ändert unsere Stimmung an der verdammten Strecke? Weißt du, was da für Steigungen an den Gebirgsstraßen auf uns zu kommen? Wir werden es schwer haben mit den vierzig Tonnen im Nacken.«

Er schaltete in den achten Gang und erhöhte die Geschwindigkeit auf etwas mehr als 55 Meilen pro Stunde. Der Konvoi fuhr schnell. Im Rückspiegel sah Jim einen der Beobachter-Jeeps. Vor ihnen verlief alles glatt. Nitro-Pete machte mit seinem White die Front-Door des Konvois, die Back-Door, das letzte Fahrzeug, war ein Service-Pickup der Firma Kenworth. Jim war aber ziemlich sicher, dass sie diese Werksunterstützung nicht brauchen würden. Alles, was an einem Kenworth kaputtgehen konnte, konnte er selbst reparieren außer Glas, Achsen und Kardanwellenbruch. Oder Motorschaden. Aber in dem Falle würde möglicherweise auch der Service-Wagen kapitulieren müssen.

Jim griff mit der freien Hand nach dem Mikrofon der CB-Box. Kanal 17 war eingestellt, auf den sie sich im Konvoi geeinigt hatten.

»Hier ist der ›Thunder‹«, sagte Jim. »Was haltet ihr davon, vor der Grenze noch einmal richtig zu tanken?«

»Viel«, kam es von ganz vorn, von Pete Carducci. Sein betagter White war ein Spritfresser erster Güte. Aber Pete konnte sich von seiner ›Gatling Gun‹ beim besten Willen nicht trennen. Wahrscheinlich würde er sogar nach einem Totalschaden noch versuchen, die alte Kiste wieder aufzubauen. Es war unvernünftig, wie viel Geld er da hineinsteckte. Aber was war an Nitro-Pete überhaupt vernünftig?

Er war einer der größten fahrerischen Draufgänger, die Jim kannte, und er übernahm die riskantesten Touren. Vielleicht war er deshalb auch in diesen Job eingestiegen. Immerhin war sein White zwar häufig von Defekten geplagt, aber Nitro-Pete brachte ihn immer wieder selbst auf die Bereifung. Es kam häufiger vor, dass andere Trucker ihn um Reparaturhilfen baten, als dass er selbst mit einem Problem nicht mehr fertig wurde.

»Noch jemand, der tanken will?«, fragte Jim.

»Mann, wir haben doch erst in San Antonio Diesel gebunkert«, meldete sich Stan Bancroft aus dem RTC-Truck. »So viel schlucken die Böcke doch auf den hundertfünfzig Meilen auch nicht, oder?«

»Pete und ich tanken jedenfalls«, sagte Jim.

»Ihr reißt den Konvoi auseinander …«

»Wer hindert euch denn daran, auf uns zu warten?«, wollte Nitro-Pete wissen.

Die Mexikaner äußerten sich nicht zu dem Thema. Aber Jim war sicher, dass die Diskussion mitgehört und im Testbericht bereits protokolliert worden war. Er war gespannt, ob sich das negativ oder positiv für Kenworth und White niederschlagen würde. Immerhin ging es für ihn und Bob um etwa zwanzigtausend Dollar der Firma. Das war auch nicht zu verachten.

Aber noch war Laredo weit entfernt. Noch hatten die eigentlichen Probleme nicht begonnen.

 

 

5

Nolan Curtis riskierte in zweierlei Hinsicht die Flucht nach vorn, als er Percy Waite zu sich in sein Büro kommen ließ.

»Setz dich und unterhalte dich ein wenig über deinen Urlaub mit mir«, sagte Curtis. »Einen Drink?«

»Danke später vielleicht.« Waite ließ sich in einen Sessel sinken und sah sich in Curtis' Büro um. Er war selten hier, aber seit seinem letzten Besuch hatte sich nicht viel geändert.

Waite war Curtis' Mann.

Percy Waite war einst selbständiger Trucker gewesen. Aber er hatte gegen die riesige RTC kapitulieren müssen. Dabei wusste er nicht einmal, dass Curtis die Fäden gezogen hatte, damit Waite keine Aufträge mehr bekam. Curtis hatte ihn dann bei der RTC angestellt und ihm ein äußerst großzügiges Angebot gemacht, hatte den verschuldeten Truck sogar mit angekauft. Als der Truck dann nach einem Jahr bei einem Unfall zum Totalschaden wurde, war Waite als Shotgun auf einen anderen RTC-Truck gesetzt worden. Immerhin war er Curtis für die damalige Übernahme dankbar, in Unkenntnis der wahren Vorgänge im Hintergrund.

Er war dann mit Don Stevens gefahren, der Curtis ebenfalls treu ergeben war. Als vor kurzem in San Antonio das zweijährlich stattfindende Trucker-Rennen lief, waren Stevens und Waite mit ihrem RTC-Truck in den Einsatz gegangen. Stevens war gefahren. Curtis hatte ihm eine Sonderprämie versprochen, wenn er es schaffte, den ebenfalls im Rennen mitfahrenden Jim Sherman so gründlich wie möglich zu deklassieren was Sabotage nicht ausschloss.

Es wäre auch fast gelungen. Aber schließlich war Stevens mit seinem RTC-Truck aus der Bahn geflogen und hatte bei dem Unfall das Gedächtnis verloren. So konnte er zu dem Sabotage-Vorwurf nichts mehr sagen, und Jim schwieg inzwischen ebenfalls über den Vorfall immerhin hatte Bob Stevens bei der Sabotage erkannt. Aber wer wollte über jemanden richten, der sich an nichts mehr erinnern konnte?

Der Einzige, der mit seinem Wissen Curtis nun noch gefährlich werden konnte, war Percy Waite, der Shotgun und Mitwisser. Er könnte, in die Mangel genommen, aussagen, dass Curtis Stevens den Auftrag erteilt hatte. Oder er könnte von sich aus kommen und Curtis erpressen. Denn wenn sich herausstellte, dass Sharkey Curtis hinter der Sabotage steckte, würde es diesen Ansehen und vielleicht auch seinen Einfluss in der RTC kosten. Luke Ryland, Jim Shermans väterlicher Freund, kannte in diesen Dingen keinen Spaß.

Es gab für Curtis deshalb nur zwei Möglichkeiten. Er musste Waite ausschalten oder noch stärker in Unternehmungen auf der anderen Seite der Legalität verstricken, so dass dieser den Mund nicht mehr aufmachen konnte, ohne sich selbst zu belasten. Vor dem ersten schreckte Curtis trotz aller Skrupellosigkeit doch noch zurück, für das zweite war er Spezialist.

»Habe ich dich richtig verstanden, Boss? Sagtest du etwas von Urlaub?«, fragte Waite misstrauisch.

Curtis lächelte wie ein hungriger Raubfisch. »Ich gebe dir Sonderurlaub natürlich bezahlt , wenn du eine Kleinigkeit für mich nebenher erledigst. Während deines Urlaubs.«

»Hm«, machte Waite. »Ist das so eine Kleinigkeit, nach der ich das Gedächtnis verliere wie Stevens?«

Curtis seufzte. »Wie kommst du denn auf so etwas? Nein … es ist wirklich nur eine Kleinigkeit. Ich besorge dir einen geländegängigen Mietwagen, möglicherweise sogar mit mexikanischer Zulassung. Und dann fährst du nach Mexiko.«

»Und was soll ich da?«

»Dieser Test-Konvoi ist doch unterwegs, nicht wahr?«

Waite nickte.

»Ein RTC-Truck ist mit dabei. Ein MACK. Es wäre mir sehr daran gelegen, wenn unser Wagen Acapulco mit der besten Punktwertung erreicht. Du könntest deinen Sonderurlaub damit verbinden, den Konvoi ein wenig im Auge zu behalten, und mir ständig berichten, wie der aktuelle Stand der Dinge ist. Immerhin springt für deine Kollegen, wenn ihr Truck als der beste gewertet wird, eine fette Prämie heraus: die Hälfte dessen, was MACK zahlt. Die andere Hälfte erhält natürlich die RTC.«

»Das Spiel kenne ich doch irgendwoher«, sagte Waite etwas unbehaglich. »Da war doch ein gewisses Rennen, wo die Bedingungen ähnlich waren …«

»Ja? Wie seltsam.« Curtis hob scheinbar erstaunt die Brauen. »Nun, wie dem auch sei, ich möchte ständig unterrichtet werden, und ich würde mich sehr freuen, als Erster zu erfahren, dass unser Truck der beste ist.«

»Ich habe verstanden«, sagte Waite. »Habe ich bei meiner … Berichterstattung Besonderheiten zu beachten?«

»Keine«, sagte Curtis. »Du hast völlig freie Hand, wie du es machst. Über eine frohe Botschaft werde ich mich im Übrigen äußerst erkenntlich zeigen.«

»Schön. Aber warum gerade ich?«, fragte Waite. »Hast du keinen anderen Berichterstatter? Ich bin Trucker und kein Märchenerzähler.«

»Aber dich kann ich im Moment nicht einsetzen«, sagte Curtis. »Stevens ist ausgefallen. Und ich will dich nicht allein in einen Truck setzen, verstehst du? Die RTC hat nur Zweier-Teams. Und im Moment haben wir noch keinen Ersatz für Stevens. Warum also sollst du keinen Sonderurlaub genießen können, bis du wieder fährst?«

»Gut«, sagte Waite. »Wie lange habe ich Urlaub?«

»Sagen wir … eine Woche. Wenn es ein paar Tage mehr werden, ist es auch nicht schlimm. Du meldest dich ja ständig.«

»Natürlich. Heißen Dank, Boss.«

Er erhob sich, nickte Curtis grüßend zu und verließ das Büro.

Curtis lachte leise. Er war sicher, dass Waite sein Bestes geben würde. Und je weiter er ging, desto weniger würde er sich getrauen dürfen, im Ernstfall auszupacken. Er durfte sich nicht einmal erwischen lassen. Und für den äußersten Notfall hatte Curtis auch drüben in Mexiko noch ein paar Freunde. Wenn Waite dort erwischt und ausgequetscht wurde, würden die Freunde schon dafür sorgen, dass er seine Aussagen nie an der richtigen Stelle machen würde.

Curtis war mit seiner zweifachen Flucht nach vorn zufrieden. Zum einen band er Waite stärker, zum anderen mochte Waite dafür sorgen, dass der RTC-Truck tatsächlich vorankam und die anderen … möglicherweise unter Defekten litten. Der Weg durch Mexiko war lang, und es konnte dort viel geschehen.

Curtis beugte sich vor und begann zu telefonieren. Diesmal ließ er die Verbindung nicht wie üblich von seiner Sekretärin herstellen, sondern wählte selbst. Mary Ann Colter brauchte auch nicht alles zu wissen, was hier geschah.

Curtis besorgte einen stark motorisierten Geländewagen mit mexikanischer Zulassung für Percy Waite.

Das Spiel konnte beginnen.

 

 

6

Laredo und Nuevo Laredo ist eigentlich eine Doppelortschaft, nur getrennt durch die Grenze zwischen Texas und Mexiko und durch den Rio Grande. Alle Highways führen hier in die Stadt hinein, und über Grenze und Fluss führt eine breit ausgebaute Brücke mit den jeweiligen Zollstationen hüben und drüben. Vor der Stadt aber befindet sich der Truck Stop.

Der Konvoi bog zu diesem Truck Stop ab. Inzwischen war auch den anderen Fahrern klar geworden, dass sie den Aufenthalt zum Tanken nutzen konnten schaden konnte es zumindest nicht. Jim sah zu, dass der ›Thunder‹ ziemlich schnell aufgefüllt wurde. Er riskierte es sogar, die beiden großen Dreihundert-Liter-Tanks über die Sicherheitsmarkierung hinweg zu befüllen. Sicher bestand die Gefahr, dass der Treibstoff sich in der Hitze noch weiter ausdehnte aber bis dahin waren die Tanks längst nicht mehr so voll wie jetzt …

Die Strecke würde Treibstoff kosten in Hülle und Fülle.

Jim beglich den Betrag noch in US-Dollars und überlegte, dass dieses Tanken doch eigentlich auch die Mexikaner bezahlen müssten. Sie hatten die Tankfüllungen in San Antonio bezahlt, aber die Tankschecks, die sie jedem Truckerteam mitgegeben hatten, galten erst auf mexikanischem Boden.

Jim schlenderte zu den Jeeps der Beobachter hinüber, die Quittung in der Hand, und suchte sich den ranghöchsten Offizier heraus, um mit ihm eine Grundsatzdiskussion zu beginnen. Währenddessen kaufte Bob noch einmal ein. Ein paar Dosen Coke, ein paar Dosen Bier für den Feierabend sowie jede Menge Zigaretten es war ja damit zu rechnen, dass sie ohne Kontrollen durch die Grenze geschleust wurden.

Capitano Bolivar wehrte Jims Ansinnen ab. »Ihr habt die Tanks in San Antonio gefüllt, das reicht eine Weile. Wenn du hier schon einen Stop kommandierst, ist das euer Privatvergnügen, Señor Sherman. Also zahlst du hier noch selbst.«

»Im Vertrag steht, dass Mexiko für alle Unkosten aufkommt«, beharrte Jim. »Also auch für das Nachtanken hier.«

»No, Señor Sherman«, sagte Bolivar energisch. »Es steht nicht im Vertrag, dass ihr hier noch einmal tankt.«

»Das ist doch Haarspalterei«, fuhr Jim auf. »Ich werde mich beschweren! Ihr müsst die Tankkosten auch hier übernehmen! Wir tanken da, wo wir es für richtig halten, und …«

Bolivar hob abwehrend beide Hände.

»Diesel gibt es auch in Mexiko«, sagte er. »Sehr guten sogar. Immerhin fahren auch unsere Trucks damit. Wenn ihr damit nicht zufrieden seid und lieber texanischen Diesel tankt, ist das einzig und allein eure Sache.«

»Wer sagt, dass wir nicht zufrieden sind?« Über Funk hatte er dergleichen nicht geäußert, nur im internen Gespräch mit Bob Bolivar winkte ab.

»Keine Diskussion darüber. Ihr zahlt selber. Basta.« Damit war für ihn die Sache erledigt.

Zusammenfassung


Die mexikanische Regierung will hundert Trucks kaufen und um herauszufinden, welche Fahrzeuge die besten sind, will sie verschiedene ältere Modelle einem Härtetest unterziehen. Dafür gab es eine Ausschreibung, an der sich jeder Trucker beteiligen konnte. Denjenigen Truck, der die mörderische Streckenführung von San Antonio durch die Sierra Madre nach Acapulco, Mexiko, gut übersteht, will die Regierung später zur Produktion in Auftrag geben, was für den entsprechenden Trucker eine fette Prämie bedeuten würde. Nur wenige Trucker trauen sich diesen Höllentrip zu – unter ihnen Jim Sherman und sein Shotgun Bob Washburn mit ihrem Kenworth ›Thunder‹, aber auch die Ryland Truck Company und deren größter Konkurrent: ,The Alamo Trucking' – sie alle erhoffen sich den Sieg und scheuen dafür weder Tod noch Teufel …

Details

Seiten
122
Jahr
2020
ISBN (eBook)
9783738939248
ISBN (Buch)
Sprache
Deutsch
Erscheinungsdatum
2020 (April)
Schlagworte
höllentrip acapulco

Autor

Zurück

Titel: Höllentrip nach Acapulco