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Friesenmord auf Helgoland

2020 84 Seiten

Leseprobe

Table of Contents

Title Page

Friesenmord auf Helgoland

1.

2.

3.

4.

5.

6.

7.

8.

9.

10.

11.

12.

13.

14.

Regionale Morde – aus dem Braunschweiger Land und der Region Nordfriesische Inseln:

Friesenmord auf Helgoland

 

 

Tomos Forrest

 

 

 

IMPRESSUM

 

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© Roman by Tomos Forrest

© Cover: Pixabay mit Kathrin Peschel, 2020

Lektorat/Korrektorat: Kerstin Peschel

© dieser Ausgabe 2020 by Alfred Bekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

 

 

 

Klappentext:

Professor Peter Petersen, der friesischen Legenden auf der Spur ist, verschwindet unmittelbar nach einer Lesung zu seinem neusten Buch über alte Artefakte spurlos. Kurz zuvor hat er Kriminalrat Dr. Thomas Faust gegenüber erwähnt, dass er das Gefühl habe, verfolgt zu werden. Bald findet Faust Spuren, die darauf hindeuten, dass Petersen einem Gewaltverbrechen zum Opfer gefallen ist. Was hat Petersen entdeckt, für das er sterben musste?

Eine Spur zur Aufklärung des Falls führt nach Helgoland, wo Faust sowieso seine Ferien verbringen wollte. Eines Morgens wird am Fuße des großen Felsens eine Leiche gefunden, bei der allem Anschein nach eine Opferungszeremonie durchgeführt wurde. Der Tote ist für Faust kein Unbekannter, doch passte die Art seines Todes nicht ins Bild. Haben diese beiden Verbrechen dennoch etwas miteinander zu tun? Für Faust eine heikle Angelegenheit, da der oder die Täter des zweiten Mordes sich noch immer auf der Insel befinden …

 

 

***

 

 

Alle Namen, Personen und Taten, Firmen und Unternehmen, sind frei erfunden. Ähnlichkeiten mit lebenden oder verstorbenen Personen wären also rein zufällig.

 

 

***

 

 

1.

 

Der Vorleser sah von seiner eben beendeten Lektüre auf und blickte lächelnd die Zuhörer an, die noch ganz unter dem Bann des Gehörten waren. Dann begann der Erste mit dem Beifall, und das Rauschen der zahlreichen Hände vertrieb zugleich die fast spürbare Spannung, die alle bei der Lesung gefangen gehalten hatte. In der ersten Reihe saß Dr. Thomas Faust neben seiner Frau Maria. Beide hatten sich kurz angesehen und gelächelt, dann nickten sie hinüber zu dem Tisch, an dem Professor Petersen gerade zum Wasserglas griff.

„Da hätte sich mein Urgroßvater Thomas Alexander sicher gefreut“, sagte Faust leise. Petersen hatte sich jetzt erhoben und steuerte auf die beiden zu und machte eine leichte Verbeugung, während der begeisterte Applaus noch immer nicht endete.

„Kommen Sie, Faust, das ist auch Ihr Applaus!“

Die beiden Männer standen nebeneinander und blickten über die Köpfe der hier versammelten Menschen, die noch einmal begeistert für sie den Applaus verstärkten.

„Danke schön, aber jetzt muss es auch gut sein, meine Damen und Herren! Ich bin ja wirklich enthusiasmiert, dass ein so trockenes Thema so begeistert von Ihnen aufgenommen wurde!“

„Na hören Sie!“, sagte lächelnd der Inhaber der Buchhandlung, der sich jetzt zu den beiden gesellte. „Sie haben die Geschichte der vier Wikingeräxte doch so anschaulich geschildert, dass man sich gar nicht langweilen konnte!“

„Auch wir Wissenschaftler müssen neue Wege gehen, wollen wir den Elfenbeinturm verlassen, um die interessierten Zuhörer für Themen zu begeistern!“

„Sind Sie so freundlich und kommen mit hinüber zum Büchertisch, Herr Professor? Die Ersten stehen schon an und wollen Ihr Buch signiert haben!“

„Selbstverständlich, Herr Meier!“, antwortete Professor Petersen freundlich und folgte dem Buchhändler hinüber zu dem Tisch neben der Kasse, an dem sich bereits eine Schlange gebildet hatte. Der Verlag hatte die populärwissenschaftliche Ausgabe in einer wohlfeilen Ausgabe herausgebracht, was in der Praxis bedeutete, dass man auf einen aufwendigen Einband verzichtet hatte und dem Paperback auch eine ansprechende Umschlaggrafik verpasste. Auf dem Titelbild waren die vier Axtblätter und ihre Ziselierungen deutlich zu erkennen, im Hintergrund war schemenhaft die Gestalt eines Wikingers zu sehen, der mit einer Axt ausholte.

‚Peter Petersen: Auf dem Weg zum Schatz König Haralds. Von Skagen nach Braunschweig und Föhr‘, lautete der Buchtitel, und Thomas Faust konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen, als er sein Exemplar ebenfalls über den Tisch schob und Petersen ihm einen raschen Blick zuwarf, dann mit schwungvollen, grafisch sehr eleganten Buchstaben seine Widmung schrieb.

Für Thomas Faust – dem Mann, dessen Urgroßvater einst die erste Axt ausgrub und der selbst einen Mord aufdeckte, der die vier Äxte zusammenbrachte. vivat, crescat, floreat Braunschweig! In großer Dankbarkeit – Peter Petersen.

„Herzlichen Dank, Herr Petersen, das ist mir eine große Ehre!“

„Ehre, wem Ehre gebührt!“, konterte der Professor und erhob sich von seinem Platz, um damit anzudeuten, dass seine Signierstunde dem Ende zuging. Doch so kam er den begeisterten Zuhörern nicht davon, es gab noch zahlreiche Fragen, und da konnte es nicht ausbleiben, dass auch ein jüngerer Zuhörer mit dem gerade signierten Buch in der Hand rief:

„Erst durch den Wikinger-Mord wurde das Thema ja interessant und hat die Medien auf Braunschweig gelenkt!“

„Mit der Mordaufklärung habe ich nichts zu tun!“, antwortete der Professor lächelnd und deutete auf Faust. „Hier steht der Kriminalrat, der den Fall erfolgreich abschließen konnte! (vgl. dazu die Kriminalerzählung: Tod eines Wikingers).

„Was ist eigentlich aus der Gruppe geworden?“, wollte der junge Mann erfahren.

Faust machte eine abwehrende Handbewegung.

„Sie meinen damit Odins Wölfe? Nun, das Klubhaus ist ja bekanntlich abgebrannt, eines der Vorstandmitglieder hatte sich einen größeren Barbetrag angeeignet, nach der Verhaftung des Doppelmörders wurde das restliche Vereinsvermögen eingezogen und der Verein selbst aufgelöst.“

„Eigentlich schade, denn ich interessiere mich für die Wikinger-Zeit und hätte gern Ansprechpartner, die mir bei der Gewandung und der Ausrüstung helfen können!“

Nicht schon wieder!, dachte Faust, nickte aber freundlich und antwortete: „Wenn Sie ernsthaft interessiert sind, kann ich Ihnen die Telefonnummer einer netten, familiären Gruppe aus Braunschweig geben. Die Leute nennen sich die Jomswikinger von der Okeraue und treffen sich regelmäßig im Braunschweiger Land zu gemütlichen Wochenenden für die ganze Familie am Lagerfeuer.“

Der junge Mann schüttelte den Kopf.

„Jomswikinger und Familie? Das war doch eine sehr schlagkräftige Bruderschaft, die nur aus Männern einer bestimmten Altersgruppe bestand. Und die machen in Familie!“

Faust amüsierte sich, wippte auf den Absätzen und sagte lächelnd:

„Ja, aber es ist wirklich nett bei denen. Die Frauen backen und kochen selbst nach alten Rezepten, die Kinder haben ihren Spaß mit Stockbrot, und am Abend geht das Kuhhorn mit Met herum.“

„Brr, vielen Dank!“, antwortete der junge Mann und hob das Buch hoch. „Ich bin da auf einem etwas anderen Weg und möchte es gern so authentisch wie möglich machen, wenn ich in ein solches Hobby einsteige!“

„Tun Sie das, guter Mann, und vor allem: Haben Sie viel Spaß dabei!“, antwortete Faust, hakte seine Frau unter und folgte dem Buchautor, der ihm von hinten schon ein Zeichen gegeben hatte.

Der Buchhändler und seine Frau standen bereit, man hatte alle zusammen zum Abendessen in ein Lokal in der Nachbarschaft eingeladen und wollte den Tag stimmungsvoll ausklingen lassen.

„Nur noch einen Schlummertrunk!“, sagte Faust, als die Teller abgeräumt wurden. Das Essen war gut und reichlich, und der Kriminalrat überlegte sich, ob es wohl eine gute Idee gewesen war, sich um diese späte Stunde noch ein Steak zu bestellen. Aber er konnte dem leckeren Geruch nicht widerstehen, der vom großen Grill durch das Lokal zog, und bevorzugte deshalb jetzt noch einen klaren Schnaps.

„Wirklich nur ordinären Schnaps, Herr Doktor Faust?“, fragte der Buchhändler etwas irritiert und deutete auf die Getränkekarte. „Ich möchte Ihnen mal diesen Grappa empfehlen, schauen Sie doch bitte mal hier: Villa de Varda Grappa Teroldego Stravecchia-Broilet, das ist ein ganz feiner Tropfen und wird nicht einfach im Glas gereicht, sondern regelrecht zelebriert.“

Faust sah kurz auf den Preis und zuckte die Schultern.

„Also, ich weiß nicht, Herr Maier, für mich täte es auch ein einfacher Korn.“

„Nein, ich bin auch für den Grappa!“, ließ sich Petersen vernehmen, man bestellte also kurzerhand und staunte dann tatsächlich, wie Mario, der Wirt aus dem fernen Regio de Calabria, den Grappa persönlich servierte. Ein Kellner musste die Gläser auf einem kleinen Tablett halten, während Mario ein kleines Holzkästchen hochkant auf den Tisch stellte und schließlich mit einer leichten Verbeugung und einer Handbewegung, wie sie ein Zauberkünstler machen würde, wenn er etwas völlig Überraschendes seinen Zuschauern präsentierte, den Deckel öffnete.

Ein Augenblick des andächtigen Schweigens verging, dann griff Mario zu und zog die bauchige Flasche mit der goldgelben Flüssigkeit heraus.

Langsam schenkte er nach und nach den edlen Tropfen in die Gläser, dann musste sie der Kellner wieder auf dem Tablett balancieren, und nun kam Marios großer Auftritt.

„Ah, Professore!“, sprach er nicht etwa Petersen, sondern den Buchhändler Maier an, der sichtlich geschmeichelt war. „Diese gute Tropfen muss atmen! Geben Sie diese Grappa fünfzehn Minute zum Atmen, dann genießen!“

Damit verbeugte sich der freundliche Wirt noch einmal, und nun begann eine Diskussion über die Vorzüge eines guten Grappas, um den nun eigentlich ein richtiger Kult veranstaltet wurde, wie sich Faust ausdrückte.

„Wussten Sie eigentlich, Faust, dass die italienischen Soldaten im Ersten Weltkrieg täglich eine Ration Grappa bekamen, um ihnen den Alltag im Schützengraben zu erleichtern?“, erkundigte sich Petersen, und der Kriminalrat nickte bedächtig dazu.

„War mir bekannt, und es ist wirklich erstaunlich, welche Karriere dieser Bauerntrank in den letzten Jahrzehnten gemacht hat. Nachdem man die Destillationstechnik verfeinerte, entstanden Grappas, die allen Ansprüchen gerecht werden.“

„Während wir darauf warten, möchte ich nach diesem schönen Abend die Frage an unseren Autor stellen, ob es schon ein neues Forschungsprojekt gibt, an dem Sie arbeiten?“, erkundigte sich Maria Faust, und Professor Petersen lächelte geheimnisvoll, beugte sich etwas zu ihr über den Tisch und sagte mit Verschwörerton:

„Ja, das hat sich einfach aus meiner Vorarbeit so ergeben, Frau Kollegin.“

Maria Faust hatte eine Professur an der Leibniz Universität Hannover und kannte Petersen, der als freier Dozent tätig war und sich deshalb seinen Schwerpunkten und Neigungen widmen konnte, von früheren Begegnungen.

„Vorarbeit? Sie meinen also, aus der Arbeit mit den Axtblättern ergab sich ein weiteres Gebiet? Ich glaube, jetzt sind wir alle neugierig geworden, Herr Petersen!“

Der Professor strich sich über sein graumeliertes Haar mit einer Geste, als hätte er sie vor dem Spiegel einstudiert. Maria Faust lächelte, denn sie konnte sich gut vorstellen, wie dieser eloquente Gelehrte auf seine weiblichen Zuhörer wirkte.

„Lassen Sie es mich einmal so ausdrücken, ohne zu viel zu verraten: Ich bin alten, friesischen Legenden auf der Spur und werde demnächst einige Zeit auf Helgoland verbringen, um diese Spuren zu vertiefen.“

„Helgoland?“, echote Thomas Faust. „Nun, ich glaube nicht, dass man dort nach der Bombardierung durch die Engländer und die Sprengung von 1947 noch besondere Funde machen kann!“

Professor Petersen lächelte und schwieg.

Dann griff er eines der bauchigen Grappa-Gläser auf und rief:

„Nun, dann wollen wir einmal dieses edle Getränk probieren!“

Das Tablett wurde herumgereicht, und als die Gäste ihre Nase über das Glas hielten und das Aroma schnupperten, breitete sich ein angenehmes Bouquet aus, und schon ein wenig daran genippt, und alle sahen sich mit leuchtenden Augen an. Das war ein sehr angenehmer, weicher und harmonischer Geschmack.

„Eine ausgezeichnete Wahl, vielen Dank für Ihre Einladung, Herr Maier!“, bedankte sich Petersen artig.

„War mir ein Vergnügen, Herr Professor. Und wenn Sie Ihre neuen Forschungsarbeiten abgeschlossen haben, hoffen wir auf einen weiteren, schönen Bucherfolg. Haben Sie schon einen Titel für Ihr nächstes Werk gefunden?“, erkundigte sich der Buchhändler.

Petersen lachte fröhlich auf.

„Nein, dazu ist es noch viel zu früh, und in diesem Falle heißt das für mich auch: Erst die Arbeit, dann das Vergnügen. In diesem Bereich liegt das Vergnügen überwiegend im Schreiben des Manuskriptes. Aber bis dahin ist das noch ein sehr, sehr weiter und vor allem auch steiniger Weg für mich.“ Petersen hob noch einmal sein Glas und leerte es voller Genuss, bevor man an den Aufbruch dachte. Es war mittlerweile nach dreiundzwanzig Uhr geworden, und Faust hatte schon mehrfach voller Unruhe auf seine Armbanduhr gesehen, während sich seine Frau Maria angeregt mit der Frau des Buchhändlers unterhielt und es überhaupt nicht eilig hatte.

Als sie sich verabschiedeten, beugte sich Professor Petersen kurz zu dem Kriminalbeamten hinüber und raunte ihm zu:

„Hätten Sie morgen gegen zehn Uhr mal etwas Zeit für mich? Ich bin nur noch zwei Tage in Braunschweig und möchte gern noch etwas mit Ihnen besprechen!“

„Natürlich, sehr gern. Wir sehen uns also morgen in meinem Büro.“

„Danke, Faust. Die Sache ist sehr heikel, ich habe das Gefühl, dass mich jemand verfolgt und sich mehr für meine derzeitige Arbeit interessiert, als mir lieb sein kann. Vielleicht ist alles nur Spökenkiekerei, aber ich habe ein ungutes Gefühl.“

„Ich nehme mir Zeit, Herr Petersen, versprochen!“

Die beiden drückten sich herzlich die Hand, dann ging man auseinander.

„Was für ein wundervoller Abend“, sagte Maria Faust mit einem leisen Seufzer, als sie in das wartende Taxi stiegen und zu ihrem Haus fuhren. „Was hat dir denn Petersen da beim Abschied noch Geheimnisvolles zugeraunt?“

„Er verlässt Braunschweig in zwei Tagen und möchte mich vorher noch einmal im Büro sprechen. Wir haben uns zu zehn Uhr verabredet.“

„Nanu? Er könnte doch auch am Abend zu uns herauskommen! Warum denn während deines Dienstes, Thomas?“

„Petersen hat nur angedeutet, dass er sich verfolgt fühlt. Aber sicher war er sich letztlich auch nicht und milderte es schon fast als Spökenkiekerei ab.“

„Vielleicht ist doch etwas dran, ich habe ihn bislang nicht als Phantasten erlebt, Thomas.“

Faust zuckte nur die Schultern und sah gedankenverloren aus dem Fenster.

Seltsam! Sehe ich jetzt auch schon Gespenster oder folgt uns da seit dem Lokal ein Auto? Faust drehte sich um, beobachtete durch die Heckscheibe das dunkle Fahrzeug, das der Taxe ziemlich dicht aufgefahren war.

Auch der Fahrer hatte das Auto wohl bemerkt, fuhr aber im gleichen Tempo weiter, bog dann in die kleine Anliegerstraße ein und hielt gleich darauf vor der bezeichneten Adresse. Ein Blick zurück zeigte Faust, dass das Fahrzeug an der Straße vorübergefahren war.

Als er schließlich im Badezimmer stand und seine Zähne putzte, fiel sein Blick unwillkürlich über die halbe Fensterjalousie nach draußen. Er hätte schwören können, dass gegenüber bei der Laterne das dunkle Auto parkte, allerdings ließ sich nicht erkennen, ob jemand darin saß.

Ärgerlich zog Faust die Außenjalousie herunter und beendete seine Zahnpflege.

Maria sagte er nichts von seiner Beobachtung, er wollte sie nicht vor dem Schlafen unnötig beunruhigen. Es musste ja auch nichts zu bedeuten haben.

 

 

2.

 

Nachdenklich rührte Faust in seiner Kaffeetasse herum, obwohl er gar keinen Zucker genommen hatte. Ein Blick auf die Uhr, es war bereits zehn Uhr fünfunddreißig, und noch immer ließ sich der Professor nicht sehen. Gelangweilt blätterte der Kriminalrat in einer Akte herum, die einen sehr alten Fall betraf. Möglicherweise ergab sich aus diesen Unterlagen ein Hinweis auf einen ähnlichen Fall, bei dem ein fünfundvierzigjähriger Mann vor zehn Jahren unter mysteriösen Umständen ums Leben gekommen war. Nach seiner Vermisstenmeldung durch einen Neffen wurde das alte Fabrikgelände gründlich abgesucht, auf dem der Mann in einer Baubude lebte. Alles blieb ergebnislos, bis man schließlich den Mord ohne Leiche ablegte, denn alle Untersuchungen führten nicht weiter – weder der Vermisste wurde gefunden noch ergaben sich weitere Hinweise auf eine Straftat – sah mal einmal von den wenigen Blutspritzern in seinem Bauwagen neben der Tür ab.

Jetzt hatte das Fachkommissariat 1 seit Wochen einen vergleichbaren Fall. Diesmal war ein alleinstehender Rentner spurlos verschwunden. Auch er lebte in einem Wohnwagen auf einer Industriebrache, die demnächst abgerissen werden sollte, um Platz für neue Wohnungen zu schaffen, denn Braunschweig platzte aus allen Nähten und wies einen Fehlbedarf von rund zehntausend Wohneinheiten auf. Der Mann wurde von dem Investor dafür bezahlt, auf dem Gelände für Ordnung zu sorgen, denn schon seit Jahren hatten sich in den Ruinen einer ehemaligen Fabrikhalle alle möglichen Individuen angesiedelt und sorgten dort auch gelegentlich für Brände, wenn eines ihrer Lagerfeuer außer Kontrolle geriet. Einmal brannten ein paar alte Möbel, ein anderes Mal eine Holzdecke in einem ehemaligen Büroraum.

Dann war der alte Mann verschwunden und mit ihm sein Wachhund. Hier gab es allerdings eine etwas größere Blutlache im Eingang eines verfallenen Gebäudes, und die Untersuchung im Labor der Technischen Universität ließ keinen Zweifel, dass es zu dem Verschwundenen gehörte. Danach verlor sich seine Spur buchstäblich im Nichts.

Das Telefon klingelte und riss Faust aus seinen Gedanken.

„Herr Faust? Ich habe ein Problem und muss Sie dringend sprechen!“

Der Kriminalrat hatte sofort die Stimme identifiziert und antwortete der Museumsdirektorin freundlich: „Aber Frau von Grüneberg, Sie sind ja sehr erregt, was ist denn geschehen? Wieder ein Einbruch?“

„Nein, das zum Glück nicht. Aber ich war gerade im Arbeitszimmer von Petersen, weil er mir heute die Schlüssel und alle Unterlagen übergeben wollte. Dort war jedoch nichts mehr, absolut nichts, verstehen Sie? Also jedenfalls nichts mehr von Wert!“

Faust stutzte.

„Was heißt – absolut nichts? Hatte Professor Petersen dort noch persönliche Dinge, die er heute abholen wollte? Ich bin nämlich auch mit ihm verabredet.“

Faust verschwieg, dass der angekündigte Besuch längst überfällig war.

„Nicht nur persönliche Dinge, Herr Faust. Der Karton mit seinen wenigen Habseligkeiten stand noch auf dem Schreibtisch. Aber alle Unterlagen, die er für seine Arbeiten angefordert hatte – aus unserem Magazin wie aus dem Stadtarchiv – sind verschwunden, und ich kann Petersen nicht auf dem Handy erreichen.“

Faust atmete tief ein.

„Das ist noch kein Grund zur Beunruhigung, Frau von Grüneberg. Vielleicht hat er alles in sein Auto geladen und liefert es heute bei Ihnen oder im Archiv ab.“

„Und seinen privaten Krimskrams lässt er stehen? Nein, Herr Faust, das kann ich mir nicht vorstellen. Da muss etwas passiert sein! Vielleicht steht es im Zusammenhang mit seinem Besuch vor zwei Tagen, ich kann es mir aber nicht erklären!“

„Professor Petersen hatte hier im Museum Besuch?“

„Ja, das war nichts Außergewöhnliches, er traf sich mit vielen, die ihm Informationen oder auch Material brachten. Er erzählte wenig über seine neue Arbeit, deutete aber eine Sensation an.“

„Und wer besuchte ihn vor zwei Tagen?“

„Eine sehr auffallend gekleidete Dame, vielleicht Anfang Fünfzig. Sie habe eine Verabredung mit Petersen, hinterließ sie am Empfang, aber man rief trotzdem vorsichtshalber bei ihm an. Er stimmte zu, dass die Frau ihn aufsuchen durfte, aber als sie nach einer halben Stunde aus dem Haus stürmte, meldete er sich wieder beim Empfang und gab Anweisung, diese Besucherin nie wieder vorzulassen und auch nach seiner Verabschiedung niemand Auskunft über seinen Aufenthaltsort zu geben.“

„Schon etwas merkwürdig, aber vielleicht eine alte Verehrerin, die ihm lästig wurde. Gut, ich warte hier noch bis elf Uhr und wenn er sich bis dahin nicht bei mir gemeldet hat, komme ich kurz im Museum vorbei und fahre dann zu seiner Wohnung.“

„Sie haben die Adresse?“

„Ja, natürlich, er hatte doch ein kleines Apartment in der Helmstedter Straße gemietet.“

„Gut, aber kommen Sie unbedingt bei mir vorbei!“

Damit hatte sie aufgelegt, und der letzte Satz war keineswegs eine Bitte, sondern hörte sich an, wie es vermutlich auch gemeint war: Es war ein Befehl.

Dass sich die Direktorin wirklich Sorgen machte, wurde ihm klar, als er den Empfangsraum betrat und ihm die Mitarbeiterin an der Kasse ein Zeichen gab, dass Frau von Grüneberg gegenüber an einer Vitrine stand und sich jetzt sofort auf ihn stürzte.

„Herr Faust, das ist wirklich eine Katastrophe! So geht es jedenfalls nicht, wenn Petersen seine Zelte hier abbricht, kann ich auch erwarten, dass ich alle Unterlagen von ihm zurückerhalte, oder nicht?“

Der Kriminalrat nickte höflich und blieb distanziert, während die Direktorin ihm vorauseilte, die Fahrstuhltüren öffnete und gleich darauf mit ihm in die oberen Etagen schwebte. Ungeduldig drängelte sie sich zwischen den nur langsam aufgleitenden Fahrstuhltüren hindurch und eilte mit strammem Schritt voraus. Faust musste beim Anblick ihrer Kehrseite schmunzeln. Frau Dr. Mathilde von Grüneberg, eine eher herbe Erscheinung mit männlich tiefer Stimme, trug auch am heutigen Tag wieder einen sehr kurzen Rock, diesmal offenbar aus bunter Wolle gestrickt. Dazu, wie stets, vollkommen unpassende, glitzernde, milchig-weiße Strümpfe und knöchelhohe, braune Stiefeletten. Auch ihr Make-up war ihm sofort aufgefallen, zu der künstlichen Gesichtsbräunung gab es als Kontrast einen besonders grellen, roten Lippenstift.

„Hier ist es!“, rief sie aus, schloss die Tür zu einem geräumigen Büro auf und deutete auf einen Schreibtisch, auf dem nur ein geöffneter Umzugskarton stand. Faust warf einen flüchtigen Blick hinein und sah nur ein paar Aktenordner, ein angebrochenes Paket mit Druckerpapier, Schreibutensilien und ein paar Fotoabzüge, die achtlos hineingeworfen waren.

Der Boden des Büros war mit einem dunklen Teppich ausgelegt, der offenbar der Schallisolierung dienen sollte, denn in der Etage darunter befand sich das Büro der Direktorin, wie sich Faust erinnerte. Er umrundete den Schreibtisch, auf dem nur ein paar Kabel noch verrieten, dass hier ein PC oder Laptop benutzt wurde.

„Petersen hat mit seinem eigenen Laptop gearbeitet?“

„Ja, er legte großen Wert darauf, auch nicht mit unserem Intranet verbunden zu sein, weil er immer fürchtete, dass jemand auf diese Weise Zugang zu seinen Daten erhielt.“

Faust warf ihr einen verwunderten Blick zu.

„Na, so geheim werden doch seine Forschungen nicht gewesen sein, oder?“

Frau von Grüneberg gab ein gekünsteltes Gelächter von sich.

„Sie hätten Petersen einmal erleben müssen. Er war geradezu hysterisch mit seinem Laptop. Als ich einmal bei ihm eintrat, ohne auf mein Anklopfen seine Antwort abzuwarten, klappte er hastig das Gerät zu und machte eine sehr unangenehme Bemerkung, dass hier ja wohl nicht einfach jedermann hereinspazieren könnte, wie es ihm beliebte. Ich bitte Sie, Faust – bin ich jedermann?“

Faust unterdrückte sein Grinsen, wandte sich etwas ab und ging schließlich zu dem leeren Wandregal. Hier hatten etliche Bücher gestanden, wie man noch an den Staubrändern gut erkennen konnte. Petersen hatte diesen Arbeitsplatz etwas länger als ein Jahr für sich nutzen können, und während dieser Zeit wurde mit Sicherheit nicht in den Regalen Staub gewischt. Als sich der Kriminalrat gerade wieder abwenden wollte, fiel sein Blick auf ein winziges Stück Papier zu seinen Füßen. Er bückte sich danach, zog an der Ecke und erhielt ein etwa postkartengroßes Stück, das unter das Regal gerutscht war. Und noch etwas fiel ihm dabei auf. Vor dem leeren Bücherregal gab es einen dunklen Fleck auf dem Teppichboden. Unwillkürlich tastete er ihn ab und stellte Feuchtigkeit fest. Als er beide Finger fest in den Flor drückte und sie dann wieder aufnahm, war es klar, dass es sich um Blut handelte.

„Was haben Sie da gefunden?“, erkundigte sich die Direktorin, die aber nur das Blatt Papier sah.

„Ich muss Sie bitten, das Zimmer zu verlassen, Frau von Grüneberg. Meine Kollegen von der Spurensicherung werden gleich kommen müssen. Bis dahin darf niemand mehr das Zimmer betreten, geben Sie mir bitte den Schlüssel dafür.“

„Wie bitte?“

Frau Dr. von Grüneberg machte ein Gesicht, dem deutlich anzusehen war, dass sie keineswegs gewillt war, in ihrem Haus von irgendeinem Menschen Anweisungen entgegenzunehmen. Auch nicht, wenn derjenige ein Kriminalbeamter war. Naja, immerhin ein promovierter Doctor iurisprudentiae, wie sie in Gedanken hinzufügte.

„Es handelt sich um einen Tatort, Frau von Grüneberg, und ich muss davon ausgehen, dass Professor Petersen etwas zugestoßen ist!“

„Etwas … zugestoßen?“

Während Faust sie mit sanfter Gewalt aus dem Zimmer schob, arbeitete es noch immer heftig im Gesicht der Frau Direktorin.

„Bitte!“, sagte Faust mit der freundlichsten und sanften Stimme, zu der er in der Lage war und hielt seine Hand offen.

Da kam Bewegung in die Museumsdirektorin, mit fliegenden Fingern nestelte sie einen Sicherheitsschlüssel von ihrem Bund und drückte ihn mit einer geradezu empörten Miene Faust in die Hand.

„Meinetwegen, aber nun sagen Sie mir doch endlich, was passiert ist?“

Faust schloss zunächst das Büro ab und wand sich dann an die Direktorin. „Das kann ich noch nicht sagen, wir müssen zunächst einmal die Spuren sichern und den Fleck beim Buchregal untersuchen. Wer hat außer Ihnen noch Zugang zu diesem Raum?“

Das Klingeln eines Handys unterbrach ihr Gespräch.

Verwundert sahen sich die beiden an, denn dieser Klingelton ahmte die Töne von Big Ben nach. Weder die Direktorin noch Faust hätten ein derart peinliches Klingelgeräusch für ihre Mobiltelefone verwendet. Rasch schloss Faust die Bürotür wieder auf, eilte durch den Raum und durchsuchte den Umzugskarton nach dem Gerät. Als er es endlich in der Hand hielt, war der Anruf beendet. Es sprang aber keine Mobilbox an, und das Display zeigte nicht die Rufnummer. Geistesgegenwärtig hatte Faust es mit einem Blatt Papier aus dem Karton ergriffen und hegte nun die Hoffnung, dass es vielleicht noch neben denen von Petersen auch andere Fingerabdrücke aufwies, die sie weiterführten.

„Das ist aber nicht Petersens Handy!“, bemerkte die Direktorin, die Faust gefolgt war. „Der hatte ein Smartphone der neuesten Generation, das er sich hier in Braunschweig erst zugelegt hat und mir stolz vorführte. Er meinte, damit könne er wirklich gute Fotos machen, dieses Modell aus Korea wäre allen anderen herkömmlichen weit überlegen!“

Faust betrachtete das schlichte Gerät, das er wieder auf den Schreibtisch gelegt hatte und nickte. Aber aus welchem Grund hat Petersen zwei verschiedene Handys und lässt bei der Räumung seines Büros dieses schlichte Ding in seinem Umzugskarton?

 

 

3.

 

Petra Lichtner, die sportlich durchtrainierte Kriminalkommissarin, kam in die Dienststelle, als wäre sie gerade von einem Stadtlauf zurückgekehrt. Ihr moderner Jogginganzug, das Stirnband und letztlich das Gerät an ihrem Oberarm sowie die Laufschuhe bestätigten diesen Eindruck auf nachdrückliche Weise.

„Der Stadtlauf ist doch aber erst in einem halben Jahr?“, kommentierte Faust ihren Aufzug, und die Kommissarin lächelte nur freundlich.

„Ich habe die Gelegenheit genutzt und bin zum Labor gelaufen, um dir den Bericht gleich auf den Schreibtisch zu legen. Und das alles, obwohl mein Dienst erst in einer Stunde beginnt. Ich melde mich dann mal zum Duschen ab, Herr Kriminalrat!“

Faust sah der schlanken Gestalt schmunzelnd nach, als sie mit elastischen Schritten sein Büro verließ. Dann öffnete er den Umschlag, der die Ergebnisse der kriminaltechnischen Untersuchung aus dem Labor der TU Braunschweig enthielt.

Rasch überflog er den Bericht und ging dann damit zu den Kollegen Schuchert und Stein hinüber, die beide am PC arbeiteten.

„Habt ihr Neuigkeiten zum Handy? Hier kommt die Bestätigung, dass es sich um Petersens Blut im Teppich des Büros handelt.“

Er legte den Bericht auf den Tisch zu den anderen, aktuellen Unterlagen, die von Stein gesichtet und dann auf der Multivisionswand für alle sichtbar markiert wurden.

„Prepaid, und der Anruf ließ sich nicht zurückverfolgen“, antwortete Schuchert.

„Was machen die anderen?“

Versuchsweise durfte Kriminalkommissaranwärter Jürgens aus dem Fachbereich 2 bei ihnen eingesetzt werden, trotz der dünnen Personallage bei Raub und Erpressungsdelikte war es Faust gelungen, den jungen Polizisten zunächst für den aktuellen Fall, der sich um das Verschwinden Professor Petersens drehte, für seine Abteilung auszuleihen.

„Jürgens ist mit Ingo Meyer und dem Team im Apartment des Profs, nachdem die Spusi durch ist, wollen sie sich noch einmal gründlich umsehen. Der Vermisste hat zumindest dreizehn Monate dort gewohnt, da besteht die Chance, vielleicht noch einen weiterführenden Hinweis zu finden“, erklärte Bernd Schuchert und deutete auf die Karte, die Stein gescannt und an die Wand gebracht hatte. „Was ist davon zu halten?“

Die Karte, die Faust unter dem Regal entdeckt hatte, gab ihnen zunächst noch Rätsel auf. Es handelte sich offenbar um eine Karteikarte aus der Pre-PC-Periode, wie Stein grinsend dazu vermerkt hatte. In der Vergrößerung auf der Multiwand wurde eine Bleistiftskizze deutlich, die schon so verblasst war, dass man sie mit bloßem Auge kaum noch wahrnehmen konnte. Es war Kriminalrat Faust, der die seltsame Form als Erster gedeutet hatte. Kein Zweifel, es handelte sich bei der Skizze um die Umrisse der Insel Helgoland. Und im Gegensatz zu den tausendfach als Autoaufklebern verbreiteten Sylt-Umrissen war die vielleicht an einen gerade leicht schräg stehenden Vogelkörper erinnernde Silhouette nicht auf Anhieb jedem Betrachter erkennbar.

„Da habe ich als Kind und Jugendlicher jeden Sommer verbracht“, vermerkte Faust lächelnd dazu.

„Armes Kind!“, konterte Petra. „Was müssen das für schreckliche Ferien auf dem tristen, roten Felsen gewesen sein!“

„Von wegen!“, protestierte Faust. „Erst einmal hatte ich unter chronischer Bronchitis zu leiden und bekam sogar eine Lungenentzündung, und erst die gute, vollkommen reine Nordseeluft auf Helgoland brachte mir da Linderung. Dann waren wir immer eine tolle Truppe, drüben auf der Düne. In den großen Ferien kam ich da mit dem Sohn des Inselpolizisten zusammen, dann waren da noch die Tochter der Zimmervermietung im Dünenrestaurant und ein paar nette Feriengäste. Ich habe mich damals schon wie ein Helgoländer gefühlt, habe in den Nachmittagsstunden zusammen mit meinem Kumpel beim Einbooten der Gäste geholfen und so manchen Groschen als Taschengeldverbesserung bekommen!“

Das fröhliche Gelächter der Kollegen ignorierte er, denn an diese Sommer erinnerte er sich wirklich gern. Später, als Erwachsener, fuhr er mit seiner Familie lieber auf die grüne Insel Föhr, denn die Fährverbindung war nicht nur erheblich kürzer, sondern auch frei von den schweren Wellen, die seine Fahrten von Cuxhaven mit den großen Seebäderschiffen oft zu einem unangenehmen Erlebnis machten. Jedenfalls bis er das hochwirksame Mittel gegen die Seekrankheit in der Helgoländer Apotheke entdeckte und bei rechtzeitiger Einnahme keine Beschwerden mehr hatte. Aber es blieb dabei, mit den Kindern ging es nach Föhr oder auch mal nach Dänemark, aber der flache Sandstrand bei Nieblum war einfach perfekt, solange die Kinder noch klein waren.

Faust schreckte aus seinen Erinnerungen hoch, als ihn der Kollege Schuchert ansprach.

„Was die Namen und Zahlen zu bedeuten haben, meinte ich mit meiner Frage.“

„Sorry, war gerade abgelenkt.“

Details

Seiten
84
Jahr
2020
ISBN (eBook)
9783738939231
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v542115
Schlagworte
friesenmord helgoland

Autor

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Titel: Friesenmord auf Helgoland