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Ein viel zu gut bezahlter Auftrag

2020 117 Seiten

Leseprobe

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Ein viel zu gut bezahlter Auftrag

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Ein viel zu gut bezahlter Auftrag

Roman von W. K. Giesa

 

Der Umfang dieses Buchs entspricht 117 Taschenbuchseiten.

 

Fünfzehntausend Dollar zahlt ein Kunde für den Transport eines Aufliegers von Atlanta nach Phoenix – ein Wahnsinnspreis. Jim Sherman, einer der beiden Partner der Trucker-Firma ›Sherman und Washburn‹, wittert eine faule Sache, aber Bob Washburn willigt kurzerhand ein. Leider hatte er das Kleingedruckte nicht gelesen: eine Begleitperson wird auf dem Transport dabei sein … Als dann der zwielichtige ›Mr. Smith‹ erscheint, ahnen die beiden Trucker, dass sie sich hier eine Laus in den Pelz gesetzt haben …

 

 

 

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books, Alfred Bekker, Alfred Bekker präsentiert, Casssiopeia-XXX-press, Alfredbooks, Uksak Sonder-Edition, Cassiopeiapress Extra Edition, Cassiopeiapress/AlfredBooks und BEKKERpublishing sind Imprints von

Alfred Bekker

© Roman by Author

© dieser Ausgabe 2020 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

Alle Rechte vorbehalten.

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1

»Das Ei ist doch faul«, behauptete Jim Sherman. »Von Atlanta nach Phoenix für zehntausend Dollar? Wer das für eine ehrliche Tour hinblättert, ist ein Idiot.«

»Oder jemand, der sich die Sache viel kosten lässt, weil er weiß, wie wertvoll die Fracht ist«, sagte der Mann hinter dem Schreibtisch.

Jim schüttelte den Kopf. »No, Mister. Das ist eine krumme Tour, da bin ich sicher. Suchen Sie sich einen anderen Dummen.« Er erhob sich, griff nach dem breitrandigen Stetson, den er auf die Schreibtischplatte gelegt hatte, und stülpte ihn sich auf den Kopf. Er marschierte zur Tür. »Warte mal, Partner«, sagte Bob Washburn gedehnt. Er fixierte den Mann hinter dem Schreibtisch. »Wie mein Partner glaube ich auch, dass da was nicht stimmt«, fuhr er fort. »Aber wir könnten ins Geschäft kommen — notfalls macht er Urlaub, und ich fahre allein. Aber nicht für zehntausend, sondern für fünfzehntausend Dollar!«

Jim, schon an der Tür, hielt den Atem an. War Bob noch verrückter als der andere?

Der grinste plötzlich. »Einverstanden!«, sagte er.

Mit allem hatte Jim gerechnet, aber nicht damit. Der Typ im Maßanzug akzeptierte, ohne auch nur eine Sekunde zu überlegen! Das durfte doch einfach nicht wahr sein.

Jim war dagegen, diese Fracht zu übernehmen. Aber nun hatte Bob noch einen Köder ausgeworfen, und der Auftraggeber hatte angebissen.

»Hier, bitte … die Unterlagen!« Der Mann hinter dem Schreibtisch öffnete einen Schnellhefter, drehte ihn herum und schob ihn vor Bob. »Wo Sie unterschreiben müssen, wissen Sie ja. Von unserer Seite aus ist der Vertrag bereits unterzeichnet.«

Jim kam von der Tür zurück. Der breitschultrige Texaner ließ sich auf den Stuhl neben Bob Washburn fallen. Er bedachte seinen Partner mit einem mörderischen Blick, der mehr sagte als alle Worte. Aber sie konnten jetzt schlecht wieder aussteigen, nachdem Bob’s maßlose Forderung vorbehaltlos akzeptiert worden war.

»Vertrag in dreifacher Ausfertigung — eine für Sie, zwei für uns, wegen der Buchhaltung; Versicherungsschein, Frachtbrief — und Scheck. Warten Sie … ich muss nur noch die Zahl eintragen.«

»Fünfzehn, nicht wahr?«, erinnerte Bob. Der Virginier blätterte die Papiere durch. Er fand nichts daran auszusetzen. Ein Container sollte in Atlanta aufgesattelt werden und in Phoenix an ein anderes Transportunternehmen übergeben werden, das für den Weitertransport sorgte. »Sagen Sie mal … kriegen die anderen auch noch mal fünfzehntausend?«

Der Mann im grauen Maßanzug spielte Auster und schwieg sich aus.

»Den Weitertransport könnten wir nämlich auch noch mit übernehmen«, bot Bob an. »Dann brauchten wir nicht in Phoenix nach einem Anschlussauftrag zu suchen …«

Der Graue sah auf. Ein durchdringender Blick traf den ehemaligen Box-Champion.

»Geldgierig sind Sie wohl gar nicht, Mister? Bei fünfzehntausend Dollar können Sie gelassen über einen Monat lang vergeblich nach Anschlussaufträgen suchen und verlieren keinen Cent dabei. Sie übergeben in Phoenix, das ist alles.«

»Komm, Bob, es reicht«, sagte Jim rau.

Der Schwarzhäutige griff nach dem Füllfederhalter und brachte schwungvoll sein Bob Washburn nebst Ort und Datum auf die Vertragsformulare. Umständlich schraubte er den Füller wieder zu, der dem Grauen gehörte. Der reichte ihm jetzt den Scheck — mit einfachem Kugelschreiber ausgefüllt.

»Wenn der nicht gedeckt ist, Mister«, sagte Jim langsam, »zeige ich Ihnen, wie man ein Kamel durch ein Nadelöhr bekommt. Wir satteln erst auf, wenn die Bankbestätigung vorliegt.«

»Natürlich, Mister Sherman.«

Jim zog Bob förmlich vom Stuhl hoch. »Komm endlich, oder hast du Atomkleber am anatomischen Südpol? Wenn wir noch lange bleiben, haben wir die Anschlussfracht trotzdem, und ich traue dem Braten immer noch nicht.«

»Das ist der Lauf der Welt«, seufzte der Mann hinter dem Schreibtisch. »Alles drängt sich nach den Billig-Frachten. Bezahlt man ausnahmsweise überragend gut, will keiner den Job machen! Warum bloß?«

 

 

2

Draußen versuchte sich die Nachmittagssonne hinter ein paar weißen Wölkchen zu verstecken, dabei schien sie so warm, dass sie das eigentlich gar nicht nötig hatte. Jim zog sich den Stetson tief in die Stirn und stiefelte zum ›Thunder‹ hinüber, der vor dem Agenturgebäude stand. Washburn folgte ihm etwas langsamer. Jim kletterte ins Fahrerhaus und startete den Motor.

»He, wo willst du hin? Was ist los?«, schrie Washburn und wedelte mit den Papieren. Er schaffte es gerade noch einzusteigen, als Jim auch schon anfuhr.

»Ich will wissen, ob der Scheck gedeckt ist. Was ist das für 'ne Bank? Lass mal kurz sehen das Ding, das vertrackte.«

»Du tust gerade so, als klebte Blut daran«, protestierte Bob.

»Möglich. Auf jeden Fall ist die Sache faul und stinkt bis zum Himmel und wieder zurück. Mann, für jede Meile zehn Dollar oder sogar mehr. Schon von den zehntausend, die der Weihnachtsmann zuerst geboten hat, könnten wir drei Monate zurechtkommen! Kein vernünftiger Mensch zahlt so viel für eine Fracht. Und warum ausgerechnet wir? Er sagte, sie hätten uns überprüft, wir wären zuverlässig, und deshalb kämen wir in Frage. Das ist doch vollendeter Blödsinn! Tausende andere Trucker sind ebenfalls zuverlässig.«

»Ich an deiner Stelle würde es als Kompliment ansehen«, gab Bob zu bedenken. »Immerhin können wir das Geld durchaus gebrauchen. Die Zeiten sind nicht immer so gut. Rücklagen bilden, eine Woche Urlaub in der Sonne Floridas oder in Kalifornien, hübsche Bikini-Girls … vielleicht ein neues Auto oder ganz einfach nur Baumaterial für dein Haus, an dem du doch ständig herumrenovierst. Auch wenn du alles selbst machst, kostet es doch einen Haufen Geld. Und da sagst du noch nein?«

»Mein lieber Bob Washburn«, murmelte Jim, während er den Bobtail in den Stadtverkehr von Atlanta hineinlenkte. »Ich habe bisher die Erfahrung gemacht, dass immer dann höhere Prämien bezahlt werden, wenn auch das Risiko höher ist. Und das hier — das ist nicht nur hoch, das ist unwahrscheinlich hoch. Also auch das Risiko. Mit der Fracht stimmt was nicht.«

»Himmel, es ist noch nicht mal eine Terminfracht«, fauchte der Preisboxer. »Keine Konventionalstrafe, wenn wir einen bestimmten Termin nicht halten, nichts! Nur die Bemerkung: So schnell wie möglich.«

»Genau das gibt mir ebenfalls zu denken«, sagte Jim. »Und den Typen im Office habe ich hier auch noch nie gesehen.«

Und immerhin war er schon einige Male bei der ›Peterson’s Freightlines Agency‹ gewesen. Da hatte er immer mit anderen Leuten zu tun gehabt. Diesmal war das Großraumbüro verflixt leer gewesen. Nicht einmal eine Sekretärin war da. Es war, als habe man alle hinausgeschickt, um ungestört mit den beiden Truckern reden zu können.

Ob der Bursche im grauen Anzug das Office mal eben dafür gemietet hatte? Wer fünfzehntausend Dollar hinblättern konnte, dem war das zuzutrauen.

Nun, Bob hatte unterschrieben, und Bob war gleichberechtigter Partner der Firma ›Sherman und Washburn‹. Es gab jetzt nur noch eine Möglichkeit auszusteigen: Der Scheck platzte.

Er platzte nicht. Zwei Stunden später lag die Bestätigung der Bank vor, dass ein entsprechendes Guthaben verfügbar sei. Jim ließ den Scheck dem Firmenkonto bei seiner Bank gutschreiben, die in Atlanta eine Filiale unterhielt.

»Na, dann wollen wir mal«, brummte er unbehaglich. »Was steht in den Papieren? Wo nehmen wir den Auflieger entgegen?«

 

 

3

Der Auflieger stand auf einem ziemlich heruntergekommen aussehenden Firmenhof am anderen Ende der Stadt. Jim hatte es riskiert, den ›Thunder‹ quer durch die City zu fahren, die zwar 1864 von General Shermans Truppen auf seinem Marsch südwärts zu neunzig Prozent zerstört worden war, sich aber jetzt trotzdem zu einer der größten Industriestädte des amerikanischen Südens gemausert hatte. Von industrieller Größe war bei der Firma, bei der sie aufsatteln sollten, allerdings nicht viel zu sehen.

»Ich möchte wetten, dass der Betrieb schon seit wenigstens einem Jahr stillliegt«, brummte Jim verdrossen. »Überall Dreck und Gerümpel, die Fensterscheiben verstaubt, das Tor angerostet … Sind wir hier überhaupt richtig?«

Anscheinend waren sie es, denn halb hinter dem Firmengebäude war ein Containerauflieger ohne Beschriftung zu sehen. Aber von Arbeitern, die vielleicht beim Aufsatteln helfen sollten, war keine Spur. Das Firmengelände lag völlig tot da.

Jim wendete den roten Kenworth W 900 mit der charakteristischen Blitzbemalung an den Seiten der Motorhaube und rangierte ihn rückwärts an den Auflieger heran. »Ich lach mir ’n Ast, wenn wir hier doch falsch sind und der Auflieger für sonst wen bestimmt ist«, grinste Bob.

Er sprang aus dem Truck und lief nach hinten, wo Jim den Kenworth unter den Auflieger fuhr. Er stand um ein paar Zentimeter zu weit seitlich, aber das war kein Beinbruch. Die Sattelkupplung ließ sich elektrisch etwas verstellen, der Zapfen rastete ein, und Bob sperrte und schloss dann Elektrik und Druckluft an. Zufrieden klatschte er in die Hände. Er ging wieder nach vorn und wollte einsteigen, als er einen Blick zum Tor warf.

Das Firmengelände war nicht mehr leer.

Ein weinroter Cadillac rollte fast geräuschlos auf den Hof, stoppte in der Nähe des ›Thunder‹ und spie drei Männer in grauen und schwarzen Anzügen aus, von denen zwei Sonnenbrillen trugen.

Au backe!, dachte Bob. Deshalb also kostet die Tour fünfzehntausend Dollar …

Die drei Männer kamen langsam auf den ›Thunder‹ zu.

 

 

4

Niemand achtete auf Bart Mackenzie. Er hockte, vom dichten Laub verborgen, auf dem Ast eines großen Baumes und beobachtete. Das kleine Fernglas besaß eine hervorragende Optik und die Kamera ein kaum schlechteres Teleobjektiv.

Als der Cadillac auf den Platz rollte, beobachtete Mackenzie noch etwas genauer. Er griff zur Kamera, machte sie schussfertig.

Drei Männer stiegen aus. Sahen sich sichernd um. Da klickte die Kamera. Das Teleobjektiv holte sie klar und deutlich heran. Mackenzie war sicher, dass er den Mann erkannte, den er suchte.

Sein Warten hatte sich gelohnt.

Drüben konnte niemand das leise Summen des Kameramotors hören, der den Film weitertransportierte. Die Entfernung war zu groß.

Vorsichtshalber knipste Mackenzie auch den Cadillac und den Truck und die beiden Trucker. Dann war der Film verbraucht. Jetzt musste er nur noch warten, bis die Luft wieder rein war und er seinen Beobachtungsposten auf dem Baum verlassen konnte.

Das Labor wartete schon darauf, den Film so schnell wie möglich entwickeln zu können und Abzüge zu machen.

 

 

5

Jim war drauf und dran loszufahren. Leute wie diese, die so überraschend auftauchten, gefielen ihm nicht. Aber Bob war noch draußen, und die ganze Situation war undurchsichtig. Also wartete er ab. Der Motor des ›Thunder‹ lief.

Die drei Männer kamen heran. Einer betrachtete die Aufschrift an der Seitentür des Trucks. Dann hob er die Hand.

»Mister Washburn?«

»Der bin ich«, sagte Bob und kam von der anderen Seite um den Kenworth herum. Seine Haltung war gespannt. Wer ihn genau kannte, wusste, dass der Schwarze jetzt wie eine gespannte Stahlfeder war, bereit, blitzschnell loszuschlagen. Weder Jim noch Bob konnten sagen, was die drei Männer hier auf dem verlassenen Firmenhof wollten. Es roch nach einer Falle. Aber wozu? Weshalb zahlte man ihnen erst fünfzehntausend Dollar, um sie dann in einer Falle fertigzumachen?

»Sie haben mit Mister Delaine einen Transportvertrag abgeschlossen, nicht wahr?«, fragte der Sprecher der drei in Anzüge gekleideten Männer.

»Ich schließe des öfteren Transportverträge ab«, sagte der Virginier gedehnt. »Und ich merke mir selten die Namen der Frachtagenten. Es sei denn, ich habe ständig mit ihnen zu tun.«

»Wir sprechen von dem Fünfzehntausend-Dollar-Job«, sagte der Mann in Schwarz mit der Sonnenbrille.

»Ja«, sagte Bob gespannt.

Oben öffnete Jim lautlos die Fahrertür, um notfalls mit einem Sprung unten sein zu können, falls es ernsthaften Ärger gab.

»Gut«, sagte der Mann mit der Sonnenbrille. »Wie ich sehe, haben Sie schon aufgesattelt, können also sofort losfahren. Ich nehme an, Sie haben noch ein wenig Platz, ja?«

Bob stutzte. Oben im Fahrerhaus wunderte sich Jim. Platz? Wofür? Und wo? Im Auflieger? Was sollte denn jetzt wieder für ein Ding gedreht werden? Plötzlich ahnte Jim, dass das der Pferdefuß an der Geschichte sein konnte. Platz … sollten sie etwas schmuggeln?

Es war noch gar nicht lange her, da hatten sie mit Schmugglern zu tun gehabt. Genauer gesagt, mit Rauschgiftdealern. Zwei Trucker der Ryland Trucking Company hatten sich als schwarze Schafe erwiesen, die in ihren Trucks Rauschgift von Floridas Küste ins Inland brachten und dabei verdammt gut verdient hatten. So lange, bis Jim und Bob ihnen das Handwerk legten. Aber diese beiden Männer hatten ihr schmutziges Geschäft freiwillig betrieben. Sollten Jim und Bob hier zu etwas gezwungen werden?

Jim öffnete oben die Tür.

»Wofür sollten wir Platz haben? Ist die Ladung unvollständig?«, fragte er misstrauisch.

»Sie sind Sherman?«

»Für Sie immer noch Mister Sherman … Was soll das Theater, das Sie hier aufführen? In uns haben Sie ein recht undankbares Publikum.«

»Aber bitte, Mister Sherman … nun regen Sie sich nicht auf. Haben Sie Platz in der Kabine oder nicht?«

»Nein.« Jim hielt es für besser, erst mal einen Riegel vorzuschieben. Lockern konnte er ihn immer noch.

»Mister Smith muss den Transport begleiten«, sagte der Mann in Schwarz.

Jim seufzte.

»Ich sagte schon, wir haben keinen Platz. Die Fahrerkabine ist ziemlich eng. Wenn Sie jemals einen Truck von innen gesehen hätten, müssten Sie das wissen, Mister. Wo sollen wir Ihren Mister Smith denn hinstecken? Hinten in den Container?«

»Nun, Sie werden sich schon irgendwie einigen müssen«, sagte der Sonnenbrillenträger. »Es geht nicht anders. Mister Smith wird Sie begleiten, so oder so.«

Bob schob sich näher herum. »Ich wüsste nicht, wieso. Davon steht nichts im Vertrag. Außerdem haben wir wirklich keinen Platz.«

»Oh, Sie haben einen großen Sleeper«, sagte der Mann im grauen Anzug. »Ich bin Smith. Guten Tag, Mister Washburn.«

»Gut ist was anderes«, brummte Bob. »Wollen Sie etwa die ganzen dreizehnhundert oder mehr Meilen hinten im Sleeper zubringen?«

»Wir könnten uns abwechseln«, schlug Smith vor.

Bob tippte sich an die Stirn. »Kommt nicht in Frage«, sagte er.

»Sehen Sie«, begann Smith. »Sie erhalten satte fünfzehntausend Dollar dafür, dass Sie diesen Auflieger nach Phoenix, Arizona, bringen. Für fünfzehntausend Dollar fährt ein Trucker normalerweise weit länger als ein Vierteljahr. Sie schaffen das in zwei Tagen. Ich denke, dafür kann man schon einige Unannehmlichkeiten in Kauf nehmen, oder? Außerdem steht es doch im Vertrag.«

»Unmöglich«, stieß Jim oben hervor.

»Sehen Sie nach. Im Kleingedruckten ist von einer Begleitperson die Rede. Ich bin die Begleitperson«, sagte Smith.

Jim kramte nach dem Schnellhefter. Er betrachtete den Vertrag. Der sah doch völlig normal aus.

»Rückseite, Mister Sherman«, empfahl Smith.

Da fand Jim die Falle.

»Die Ladung, die Sie transportieren, ist außerordentlich wertvoll. Sie erhalten nicht umsonst so viel Geld dafür, dass Sie sie sicher ans Ziel bringen«, erklärte Smith das, was Jim in etwas geschraubterer Form im Formular fand.

»Ich war schon immer dafür, dass das Kleingedruckte in Verträgen entscheidend größer gedruckt werden sollte«, sagte er. »Ich mag diese kleinen Fallen nicht.«

»Das ist keine Falle, Mister Sherman«, sagte Smith. »Nun, Sie sind verpflichtet, mich mitzunehmen, und wir werden uns schon irgendwie einigen. Die dreizehnhundert Meilen werden wir es schon schaffen, nicht wahr? Danach sind Sie mich wieder los. Nun sollten wir allmählich vorwärts kommen…«

Bob seufzte. »Jim, müssen wir den wirklich mitnehmen?«

»Ich bitte darum«, sagte Smith höflich.

»Wir würden Sie nur ungern wegen Vertragsbruch belangen«, fügte der mit der Sonnenbrille hinzu.

Jim seufzte.

»Also gut«, sagte er. »Steigen Sie ein und verschwinden Sie nach hinten. Haben Sie Gepäck mit?«

»Etwas. Warten Sie einen Augenblick.«

Smith ging zum Cadillac und nahm einen flachen Aluminiumkoffer heraus. Dann kehrte er zurück. Er schaffte es auf Anhieb einzusteigen und zwängte sich nach hinten in den Sleeper, wo er sich auf der unteren Koje niederließ.

»Wir wünschen Ihnen gute Fahrt. Kommen Sie heil an, Gentlemen«, rief der Sonnenbrillenträger draußen.

Bob stieg ebenfalls ein. Die beiden Männer in Schwarz kehrten zum Cadillac zurück und stiegen ein. Die Limousine wendete.

Jim fuhr im dritten Gang bequem an und wunderte sich. »Teufel auch«, sagte er. »Das geht aber los … Ist der verdammte Auflieger leer?«

In der Tat ruckte der ›Thunder‹ an, als führe er fast ohne Last. Der Auflieger machte sich bei der Kraftentfaltung des Motors kaum bemerkbar.

»Nein«, sagte Smith einsilbig aus dem Sleeper.

»Fährt sich aber, als sei er leer.«

»Vielleicht eine Ladung Styropor oder ähnliches Plastikzeugs«, vermutete Bob. »Was steht denn in den Papieren?«

»Versiegelte Fracht. Kannst du nicht mehr lesen? Hast du doch selbst unterschrieben. Versiegelte Kisten, nicht feuergefährlich, nicht explosiv, nichts, was unter die Gefahrgutverordnung fällt. Nichts Verderbliches … Wahrscheinlich ein paar Gramm Luft oder so etwas.«

Smith sagte nichts.

Jim lenkte den Truck vom Firmengelände. Der Rückspiegel zeigte ihm, dass der Cadillac in geringem Abstand folgte. Jim orientierte sich nach der Straßenbeschilderung und versuchte den einfachsten Weg zum Interstate Highway 20 zu finden, der schnurgerade aus Atlanta heraus nach Westen führte.

Bob wandte sich nach hinten um. »Was sind Sie eigentlich, Mister Smith?«, fragte er. »Ein Privatpolizist oder so etwas?«

»Ich arbeite für die Firma, deren Container Sie transportieren«, sagte Smith. »Sehen Sie mich als Sicherheitsbeauftragten. Die Fracht muss auf jeden Fall heil ankommen.«

»Das klingt ja sehr ermutigend«, sagte Bob. »Sie gehen also davon aus, dass es Schwierigkeiten gibt? Will uns jemand die Fracht abjagen?«

»Möglich«, sagte Smith. Vorhin, draußen vor dem Truck, war er wesentlich redseliger gewesen.

Bob griff wieder nach dem Schnellhefter. Er begann jetzt eingehender zu lesen. Die Art der Ladung war nicht näher beschrieben — nur Gewicht und Anzahl der versiegelten Kisten, dazu Bescheinigungen, dass nichts daran gefährlich, verderblich oder seuchenerregend war.

»Jetzt weiß ich es«, sagte Bob. »In einer der Kisten steckt ein wertvoller Superdiamant, die anderen sind Attrappen. Und hinter dem Diamanten ist eine Räuberbande her. So ist’s doch, Mister Smith, oder?«

»Unsinn. Wollen Sie mich auf den Arm nehmen?«

Bob seufzte. Aus dem Mann war anscheinend nichts herauszubringen.

»Also dann. Wir werden gut dafür bezahlt, dass wir fahren. Fahren wir also. Was machen wir, wenn es wirklich Schwierigkeiten gibt?«

»Kommt drauf an«, brummelte Smith hinten. Er streckte sich auf der Koje aus. »Wie lange brauchen Sie konkret für die Strecke?«

»Gehen wir von dreizehnhundert Meilen aus — bei 55 Meilen pro Stunde Höchstgeschwindigkeit sind das rund vierundzwanzig Stunden reine Fahrtzeit. Dazu kommen Pausen, Tankstopp, Behinderungen wie Staus oder Unfälle, an denen wir nicht vorbeikommen, Umleitungen, wetterbedingte Schwierigkeiten, Polizeikontrollen … Zwei satte Tage werden es schon, wie vorhin geschätzt.«

»Fahren Sie schneller«, empfahl Smith. »Durch Ihre langwierigen Nachprüfungen in Sachen Scheck und durch unseren Endlos-Dialog haben wir Zeit verloren. Die Pausen verkürzen Sie bitte auf das absolute Minimum. Da Sie sich abwechseln können, können Sie im Grunde bis auf die Tankstopps durchfahren.«

»Moment mal«, sagte Jim. »Was soll denn das jetzt heißen?«

»Von einem Dringlichkeitstermin steht auch hinten im Kleingedruckten nichts«, knurrte Bob.

»Wir bezahlen, Sie fahren«, sagte Smith ruhig. »Fahren Sie zwischen 75 und 80 Meilen. Im Vertrag steht: So schnell wie möglich. Der Truck, der den Container übernehmen soll, ist in dreißig Stunden in Phoenix und möchte sofort weiterfahren.«

»Das ist nicht zu schaffen, unter den besten Bedingungen nicht«, sagte Bob.

»Außerdem sind nur 55 Meilen erlaubt. Und 80 … das ist schon so ziemlich die Höchstgeschwindigkeit unseres ›Thunder‹ bei Rückenwind. Höchstens mit Mexican Overdrive macht er noch mehr, bloß sind wir keine Selbstmörder.«

»Fahren Sie, so schnell Sie können. Strafgebühren übernehme ich«, sagte Smith.

Jim und Bob sahen sich an.

Langsam schüttelte Jim den Kopf.

Mochte Smith sich hinten im Doghouse anstellen wie der erste Mensch — sie würden weder das Risiko eingehen, den Highway-Streifen unangenehm aufzufallen, noch ihre Maschine ruinieren. Ein neuer Caterpillar-Motor würde so ziemlich genau die fünfzehntausend Dollar verschlingen.

Der Vertrag war nicht nur eine Falle, sondern stellenweise auch wie Gummi. So schnell wie möglich, das hieß für die beiden Trucker, im Rahmen der gesetzlichen und technischen Vorschriften zu fahren.

Sie erreichten die Interstate 20. Der Weg nach Westen begann.

 

 

6

Die ersten hundert Meilen verliefen relativ ereignislos. Der Grenzübergang nach Alabama bot keine Schwierigkeiten. Es gab keine Kontrollen, und sie konnten ungehindert weiterfahren. Bald näherten sie sich dem Logan Martin Reservoir, einem langgestreckten, vielfach gewundenen Stausee, der bei Riverside von der Interstate 20 und dem parallel verlaufenden alten Highway 78 überquert wurde. Sie konnten das Wasser fast schon riechen, als Bob, der Jim am Lenkrad abgelöst hatte, den Fuß vom Gas nahm. Der Truck wurde langsamer.

Jim hatte ein wenig vor sich hin gedöst und der aus dem Radio kommenden Musik gelauscht. Jetzt, da sich Motorengeräusch und Geschwindigkeit kaum merklich veränderten, schreckte er auf.

»Was ist …«

Da sah er es auch.

Der Highway war an dieser Stelle auf gut zwei Meilen Länge kerzengerade und leicht zu überblicken. Und da, weit vorn, stand ein Patrol Car auf dem breiten Grünstreifen zwischen den beiden Fahrbahnen. Gerade schaltete er die Rotlichter ein und rollte auf den Highway hinaus, genau auf die Fahrtrichtung, die der ›Thunder‹ benutzte.

»Was, zum Teufel, soll das?«, murmelte Bob verbiestert.

Je näher sie herankamen, umso deutlicher wurde die Sache. Dort wurde eine Straßensperre aufgebaut.

Auch die anderen Fahrzeuge, die vor und hinter dem ›Thunder‹ unterwegs waren, wurden langsamer. Aber wie es den Anschein hatte, wurden sie an der Sperre vorbeigeleitet.

»Die suchen einen bestimmten Wagen«, presste Bob hervor.

»Uns«, behauptete Jim. »Weiß der Teufel, aber ich habe Magendrücken. Hier stimmt etwas nicht. Smith …«

Der beugte sich leicht vor, spähte zwischen den beiden Truckern hindurch.

»Sieht nach einer ganz normalen Kontrolle aus«, sagte er. »Sie haben nichts zu befürchten.«

»Dann möchte ich bloß wissen, woher dieses komische Gefühl kommt«, sagte Jim. Er hörte, wie hinter ihm Smith den Vorhang zuzog, der Sleeper und Fahrerkabine voneinander trennte. Smith schien kein Interesse daran zu haben, mit der Kontrolle konfrontiert zu werden.

Vier Smokeys warteten. Zwei lehnten am Wagen, einer an der provisorisch errichteten Absperrung, die die halbe Fahrbahnbreite blockierte, und der vierte winkte die Fahrzeuge daran vorbei. Bob beobachtete, dass alle Fahrzeuge vorbeigeleitet wurden, ganz gleich, ob es sich um Personenwagen oder Trucks handelte.

»Möchte wissen, was das soll«, knurrte er.

Wenig später wusste er es.

Sie hatten in der Tat auf den ›Thunder‹ gewartet. Er wurde genau vor die Absperrung gelotst. Der dort wartende Smokey näherte sich dem Truck.

»Stellen Sie den Motor ab und steigen Sie aus, Trucker«, forderte er auf.

»Wir haben’s eilig«, sagte Bob. »Terminfracht, Officer. Ich sehe, dass Sie speziell uns aufhalten. Was bedeutet das?«

»Ja, dass ihr’s eilig habt, hat man gemerkt. Ihr seid ziemlich tief geflogen die letzten Meilen, nicht wahr, besonders, seit ihr die Grenze überquert habt. Wir mögen das nicht besonders, wenn in unserem schönen Staat gerast wird.«

»Das darf doch nicht wahr sein«, sagte Bob kopfschüttelnd. »Ich habe mich immer schön brav an den Double Nickle gehalten!«

»Dann wärt ihr uns ja kaum aufgefallen, wie?«, schnarrte der Smokey. »Steig mal ganz bedächtig aus, Freundchen. Die Frachtpapiere und deine Lizenz kannst du sofort mitbringen. Die sehen wir uns erst mal näher an.«

Bob blieb immer noch höflich.

»Das ist ein Irrtum, Officer. So locker habe ich das Geld doch nicht, dass ich zu schnell fahre … Außerdem …«

»Ich habe keine Lust, hier stundenlang zu stehen und zu dir raufzustarren, Mann!«, fauchte der Smokey. »Raus mit dir, Nigger, oder ich hole dich.«

Bob wurde grau.

»Sag das Wort noch einmal«, stieß er rau hervor. »Sag das noch mal, und du erlebst ganz persönlich für dich den Bürgerkrieg noch einmal!«

»Okay, dann Mister Nigger. Aber du steigst jetzt ganz ruhig aus und bringst deine Papierchen mit.« Übergangslos sah Bob in die Mündung einer Waffe.

Es zuckte ihm in den Fäusten.

Aber gegen die Waffe kam er nicht an.

Vorsichtig und langsam, um keinen Schuss zu provozieren, griff er nach dem Schnellhefter und stieg dann noch vorsichtiger aus. Auf der anderen Seite wurde gerade Jim ebenso unhöflich, aber bestimmt nach draußen komplimentiert.

Bob streckte die Hand mit dem Schnellhefter aus — und ließ ihn auf die Straße fallen, als der Smokey danach griff.

»Oh, Verzeihung, Sir«, sagte er und trat ein paar Schritte zurück.

Das Gesicht des Smokeys verzerrte sich. »Das hast du absichtlich getan, Nigger«, zischte er. »Aufheben!«

»Was?«, fragte Bob arglos.

Drüben auf der anderen Seite wurde Jim aufgefordert, zum Patrol Car zu gehen, während der Mann, der ihn aus dem Truck befohlen hatte, Anstalten machte einzusteigen.

»He, was soll das?«, rief Jim protestierend.

»Durchsuchung. Vielleicht gibt es einen Grund, weshalb ihr zu schnell wart …«

»Mann, wir waren nicht zu schnell!«, protestierte Jim. »Das ist vollkommen unmöglich!«

»Du sollst den Hefter aufheben, Nigger«, befahl Bobs Smokey.

»Erst, wenn Sie sich entschuldigen und mir Ihren Dienstausweis zeigen«, sagte Bob. »So eine Uniform kriege ich nämlich auch im Kostümverleih.«

Der Unterkiefer des Smokeys klappte nach unten.

Für ein paar Sekunden zeigte seine Waffenmündung in die falsche Richtung. Als er dann abdrückte, war Bob schon bei ihm. Ein einziger Schlag reichte, den Schießwütigen ins Land der Träume zu schicken. Er verdrehte schon die Augen und kippte um wie ein Baum, als die Kugel noch am verchromten Auspuffrohr des›Thunder‹ entlangschrammte.

»Die sind nicht echt!«, schrie Bob.

Jim reagierte sofort. Er war erst ein paar Meter vom ›Thunder‹ entfernt. Die legte er in zwei weiten Sprüngen zurück. Sein Mann hatte sich gerade ins Innere des Trucks schwingen wollen, verharrte, weil er den Schuss hörte, und da hatte Jim ihn bereits am Bein und zog mit einem kräftigen Ruck. Der Mann ließ die Haltestange los, stürzte halb an Jim vorbei und kassierte dabei einen Schwinger, der ihn auf den Schotterstreifen neben den Highway torkeln ließ. Jim, kein Freund von halben Sachen, setzte sofort nach und machte dem Drama ein Ende.

Die beiden anderen falschen Smokeys sahen in die Mündung der Dienstwaffe ihres von Bob mattgesetzten ›Kollegen‹.

Automatisch hoben sie die Hände.

»So, Guys, und jetzt möcht ich gern wissen, wer ihr seid und was dieses Possenspiel soll«, verlangte Bob. »Los, spuckt’s aus!«

»Sie unterliegen einem folgenschweren Irrtum, Mister«, krächzte einer von ihnen. Im nächsten Moment riskierte er eine ganze Menge und rannte auf den offenstehenden Patrol Car zu. Mit einem Sprung war er drinnen. Er startete, tief geduckt. Bob war einen Moment abgelenkt. Er wusste, dass er nicht schießen konnte, wollte die falschen Polizisten aber auch nicht so einfach flüchten lassen, zögerte ein paar Sekundenbruchteile zu lange. Da war der andere Mann schon dem Beispiel seines Komplizen gefolgt, erreichte den Wagen, und schon starteten sie. Im Rückwärtsgang jagte der Fahrer den Buick mit den zuckenden Rotlichtern den Highway entlang, in Fahrtrichtung vom ›Thunder‹ fort, und wendete dann mit kreischenden Reifen und schleuderndem Heck. Mit hoher Geschwindigkeit und jaulender Sirene raste er davon.

Bob ließ die Pistole fallen, als sei sie glühend heiß.

Von der anderen Seite kam Jim kopfschüttelnd heran. Er rieb sich die Knöchel der rechten Faust.

»Meiner schläft«, sagte er. »Sag mal, was ist denn jetzt los? Nicht echt, sagtest du?«

Bob nickte. Er begann die Taschen der Uniform seines speziellen ›Freundes‹ zu durchsuchen. »Kein Dienstausweis, nichts … nicht mal eine normale ID-Card. Wetten, dass du bei dem anderen Galgenvogel auch nicht fündig wirst?«

Jim hielt nicht dagegen. Wenn Bob Wetten anbot, gewann er immer.

Der Verkehr flutete inzwischen an der halben Barriere vorbei. Jim spuckte in die Hände und räumte das zerlegbare Ding zur Seite, während Bob dafür sorgte, dass sein ›Negerfreund‹ sich zu seinem Komplizen auf den Schotterstreifen gesellte.

»Sag mal, wie bist du denn auf den Dreh gekommen?«, wollte Jim wissen. »Die Uniformen zumindest sehen verflixt echt aus, und der Wagen war auch richtig lackiert.«

Bob grinste.

»Der Junge hat den Fehler gemacht, seinen Privatkrieg gegen mich zu eröffnen. Okay, wir sind hier in Alabama, dem weißesten aller Südstaaten, aber dass ein Polizist dermaßen ausfällig wird, das gibt’s nun doch nicht. Sie mögen uns manchmal schikanieren, bloß halten sie sich so ans Gesetz, wie sie es von uns auch verlangen. Dass ein uniformierter Polizist einen Schwarzen ›Nigger‹ schimpft, das gibt’s nicht.«

»Und das hat dich stutzig gemacht? Junge, du hast Nerven«, brummte Jim.

»Na ja, dazu kam dann noch sein kurzes, nervöses Lidzucken, als ich nach dem Dienstausweis fragte. Und das reichte mir.«

»Er hätte trotzdem echt sein können«, sagte Jim.

»Na schön, dann hätten sie uns eben mit Verstärkung ein bisschen gejagt und ein bisschen eingesperrt«, sagte Bob. »Aber das Risiko erschien mir zu gering.«

Er bückte sich und hob den Schnellhefter wieder auf. »Alles muss man selber machen …«

Drinnen im ›Thunder‹ zeigte Smith anscheinend nicht das geringste Interesse am Geschehen. Der Vorhang des Sleeper-Durchstiegs war immer noch geschlossen. Jim zog ihn auf.

»Ihre Freunde sind verschwunden«, sagte er. »Ich bin sicher, da wollte uns jemand stilllegen. Was ist wirklich in dem Auflieger?«

Smith zuckte mit den Schultern. »Ich soll ihn nur begleiten«, sagte er.

»Eine schöne Begleitung … Wir machen die Dreckarbeit, prügeln uns mit gefälschten Smokeys herum, und Sie liegen hier bequem auf der Pritsche.«

»Sie haben’s doch allein geschafft, oder?«, fragte Smith gelassen.

»Eines Tages drehe ich Ihnen den Hals um«, drohte Bob.

»Langsam, Sportsfreund, wir sind hier nicht im Boxring. — Wann geht’s weiter?«

»Sobald einer der beiden bewusstlosen Burschen wieder fit ist und wir ihm ein paar Fragen gestellt haben«, sagte Jim. »Ich will wenigstens wissen, wofür wir hier unsere hübschen Köpfe hinhalten sollen. Oder möchten Sie, dass wir Ihnen diese Fragen stellen?« Jim massierte nachdenklich seine Faust.

»Für fünfzehntausend Dollar, Mister Sherman, kann man mit seinem hübschen Köpfchen schon mal mehr anstellen, als es als Hutständer zu benutzen«, sagte Smith. »Es eilt. Vielleicht kommen die Burschen bald mit Verstärkung wieder. Wir sollten von hier verschwinden. Wer weiß, was die noch auf der Pfanne haben. Verzichten Sie auf die Befragung der beiden falschen Polizisten. Ich bin nicht daran interessiert.«

Zusammenfassung


Fünfzehntausend Dollar zahlt ein Kunde für den Transport eines Aufliegers von Atlanta nach Phoenix – ein Wahnsinnspreis. Jim Sherman, einer der beiden Partner der Trucker-Firma ›Sherman und Washburn‹, wittert eine faule Sache, aber Bob Washburn willigt kurzerhand ein. Leider hatte er das Kleingedruckte nicht gelesen: eine Begleitperson wird auf dem Transport dabei sein … Als dann der zwielichtige ›Mr. Smith‹ erscheint, ahnen die beiden Trucker, dass sie sich hier eine Laus in den Pelz gesetzt haben …

Details

Seiten
117
Jahr
2020
ISBN (eBook)
9783738939217
Sprache
Deutsch
Erscheinungsdatum
2020 (April)
Schlagworte
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Autor

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Titel: Ein viel zu gut bezahlter Auftrag