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Gefährliche Stunts

2020 122 Seiten

Leseprobe

Table of Contents

Gefährliche Stunts

Copyright

Kapitel 1: Sturz ins Verderben

Kapitel 2: Ein ganzer Kerl

Kapitel 3: Anna

Kapitel 4: Uuund … Action!

Kapitel 5: Die Kidnapper

Kapitel 6: Wie vom Erdboden verschluckt

Kapitel 7: Die falsche Geisel

Kapitel 8: Hetzjagd

Kapitel 9: ABGESTÜRZT

Kapitel 10: Späte Warnung

Kapitel 11: Franks Eingebung

Kapitel 12: DIE VILLA AM STRAND

Kapitel 13: Auf der Flucht

Kapitel 14: Das Geheimnis des Maskenmannes

Kapitel 15: Zwei tolle Väter

Gefährliche Stunts

Action-Roman von Jan Gardemann

 

Der Umfang dieses Buchs entspricht 122 Taschenbuchseiten.

 

Der 17-jährige Frank möchte Stuntman werden wie sein Vater. Gleich bei seinem ersten Job soll der Junge den Teenie-Action-Star Josh Gibson doubeln. Auf den haben es allerdings Entführer abgesehen - die versehentlich Frank kidnappen! Nun muss Frank tief in die Stunt-Trickkiste greifen ...

 

 

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books, Alfred Bekker, Alfred Bekker präsentiert, Casssiopeia-XXX-press, Alfredbooks, Uksak Sonder-Edition, Cassiopeiapress Extra Edition, Cassiopeiapress/AlfredBooks und BEKKERpublishing sind Imprints von

Alfred Bekker

© Roman by Author

© dieser Ausgabe 2020 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

Alle Rechte vorbehalten.

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Kapitel 1: Sturz ins Verderben

Keuchend presste Frank Brix den Rücken gegen die kühle Betonfassade des zehnstöckigen Gebäudes. Der Wind, der um die oberen Etagen strich, war warm. Er verfing sich in den verschwitzen Klamotten des Jungen, als wollten die Böen ihn von dem Haus fortreißen, damit er in die Tiefe stürzte.

Der Sims, auf dem sich Frank befand, führte einmal um das Hochhaus herum. Er war gerade mal breit genug, dass er mit seinen ausgelatschten Turnschuhen darauf stehen konnte.

Frank war siebzehn Jahre alt. Er hatte Schuhgröße achtunddreißig, und das entsprach, wie er rasch nachgerechnet hatte, etwas mehr als vierundzwanzig Zentimetern. Breiter war auch der Sims nicht. Bei dem kleinsten Fehltritt würde er in den Abgrund stürzen, der irgendwo in schwindelerregender Tiefe endete.

Frank zwang sich, den Blick nicht nach unten zu richten. Von der Leere vor ihm schien nämlich ein unwiderstehlicher Sog auszugehen, der umso kraftvoller wurde, je länger er auf die winzige Straße mit den ameisenkleinen Menschen hinabstarrte. Deshalb hatte er den Kopf zur Seite gedreht und stierte angestrengt zu dem Fenster hinüber. Es war nur eine Armlänge von ihm entfernt und schien doch unerreichbar.

»Zu spät – sie sind hier!«

Mit diesen Worten hatte der Horror vor wenigen Minuten begonnen. Franks Dad hatte diesen verzweifelten Ausruf voller Panik ausgestoßen. Währenddessen waren von der Wohnungstür her harte Schläge ins Wohnzimmer gedrungen. Holz splitterte, als das Türblatt allmählich unter den Tritten und Schlägen der Männer nachgab, die sich gewaltsam Zutritt zu dem Apartment verschaffen wollten.

»Zum Fenster mit euch!«, schrie Dad ihn und seine Mom an. Als sie nicht schnell genug gehorchten, hatte er sie gepackt und quer durch den Raum gestoßen. Dad riss den Fensterflügel auf und befahl: »Raus – macht schon. Diese Kerle werden euch töten, wenn sie euch hier finden!«

»Spinnst du?«, rief Frank und starrte ungläubig über die Dächer von Los Angeles hinweg. Sie wohnten im obersten Stock eines der wenigen Hochhäuser, die es in dieser flachen Wüste aus Beton und Asphalt gab. »Ich werde doch nicht freiwillig in den Tod springen, nur weil du mal wieder Mist gebaut hast!«

»Dort draußen gibt es einen Mauervorsprung«, erklärte sein Dad mit beherrschter Stimme. »Ihr werdet da rausklettern und euch ein Stück den Sims entlangschieben, bis man euch vom Fenster aus nicht mehr sehen kann. Wenn sich die Lage wieder beruhig hat, kehrt ihr zurück.«

»Das … ist doch Wahnsinn!«, begehrte Frank auf. »Niemals im Leben werde ich aus diesem Fenster klettern. Hast du 'ne Ahnung, wie viele Meter ich falle, ehe ich auf die Straße klatsche? Das kannst du vergessen, Dad!«

»Du wirst jetzt sofort tun, was dein Vater von dir verlangt!«, schrie Franks Mom, die sonst immer diejenige war, die einen kühlen Kopf bewahrte und für Frank Partei ergriff, wenn es zwischen ihm und seinem Dad mal wieder krachte. »Nun mach schon, Junge! Wir haben keine Wahl!«

Als Frank die Furcht im Gesicht seiner Mutter sah, war er so geschockt, dass er wie ein Roboter auf die Fensterbank kletterte. Er griff nach der Fenstereinfassung und richtete sich langsam auf, den Blick voller Entsetzen in den schwindelerregenden Abgrund gerichtet.

Den Sims, auf den er klettern sollte, bemerkte er erst, nachdem er mehrmals hingesehen hatte. Sein Leben diesem Vorsprung anzuvertrauen, der nicht einmal so breit war wie ein gewöhnliches Schullineal, erschien ihm völlig hirnrissig.

Doch als dann wieder das Krachen von der Wohnungstür her und das ängstliche Wimmern seiner Mutter in sein Bewusstsein drangen, streckte er doch den Fuß vor und setzte ihn vorsichtig auf den Sims.

Schweiß trat ihm auf die Stirn. Er ließ seinen anderen Fuß folgen und scharrte vorsichtig mit der Sohle, um besseren Halt zu finden. Sein Brustkorb pumpte Luft in seine Lungen, als würde es hier oben nicht genug Sauerstoff geben. Der Wind peitschte ihm Strähnen seines dunkelblonden Haars quer übers Gesicht.

»Sei bloß vorsichtig, Junge«, schluchzte Mom, die noch immer im Zimmer stand. Dass sie ihn die ganze Zeit über festgehalten hatte, bemerkte er erst, als sie ihn auf einmal losließ. Den Rücken gegen die Hauswand gepresst schob er sich von dem Fenster fort, damit seine Mutter folgen konnte.

In diesem Moment hörte er, wie die Wohnungstür gegen die Wand krachte. Dieses Hindernis hatten die Männer aus dem Weg geräumt. Sie mussten nur noch durch den kurzen Flur, dann wären sie im Wohnzimmer!

Frank glaubte seinen Augen nicht zu trauen, als seine Mutter keine Anstalten traf, auf die Fensterbank zu klettern. Stattdessen drückte sie den Fensterflügel hastig zu und wirbelte zur Wohnzimmertür herum. Kurz darauf erschien eine breite, grobe Männerhand, packte sie am Oberarm und zerrte sie aus Franks Blickfeld …

Seitdem waren etwa fünf Minuten vergangen. Minuten, die Frank wie eine halbe Ewigkeit vorkamen. In Gedanken war er bereits mehrmals in den Tod gestürzt. Doch noch viel schlimmer war, dass er nicht wusste, was in dem Apartment vor sich ging. Hatten die Ganoven seine Eltern etwa verschleppt oder gar umgebracht?

Er würde die Ungewissheit nicht mehr lange aushalten können. Außerdem schrie jede Faser seines Körpers danach, sich endlich in Sicherheit zu bringen, bevor er doch noch abrutschte und zu Tode stürzte.

Frank hielt den Atem an und schob sich ein paar Zentimeter auf das Fenster zu.

Der Bereich, den er daraufhin von dem Wohnzimmer einsehen konnte, war menschenleer. Die Stehlampe und der Fernsehsessel waren umgekippt, Bücher und DVDs lagen auf dem Boden verstreut.

Frank spreizte das Bein leicht zur Seite ab, verlagerte behutsam das Gewicht und kam dem Fenster noch ein Stück näher. Dann spähte er über seine Schulter hinweg durch die Scheibe – und erstarrte.

Einer der Gangster stand direkt vor dem Fenster. Er hatte Frank den Rücken zugekehrt und beobachtete, was seine beiden Kumpane taten.

Der eine von ihnen hatte eine Pistole in der Hand und zielte damit auf Mom und Dad, die auf dem Teppich knieten. Der andere schritt vor ihnen auf und ab und redete wild gestikulierend auf sie ein.

Da hob Mom plötzlich das verweinte Gesicht, und als sie ihren Sohn hinter der Scheibe erblickte, riss sie erschreckt die Augen auf.

Das machte den Mann vor dem Fenster stutzig, und er drehte sich um. Einen Moment lang starrte Frank in das hagere, brutale Gesicht des Ganoven.

Abrupt riss der Mann das Fenster auf – und Frank wich unwillkürlich einen Schritt zurück.

Als er seinen Fehler erkannte, war es zu spät. Sein Fuß stieß ins Leere. Er verlor das Gleichgewicht, kippte nach hinten weg - und fiel!

Der Gangster versuchte noch, Frank zu packen. Doch er konnte den Jungen nicht mehr erreichen.

Einen schrillen Schrei ausstoßend stürzte Frank in die Tiefe. Verzweifelt ruderte er dabei mit den Armen und strampelte mit den Beinen.

Der Wind pfiff ihm um die Ohren, riss und zerrte an seinem Haar und den Klamotten.

Währenddessen raste die Straße wie im Zeitraffer unaufhaltsam auf ihn zu …

 

*

 

Bevor er in den hohen Stapel leerer Pappkartons stürzte, spreizte Frank Arme und Beine weit von seinem Körper ab. Beim Aufprall musste er nämlich so viel Widerstandsfläche wie möglich bieten. Andernfalls würde er wie eine Kanonenkugel zwischen die Kartons rasen, was ziemlich schmerzhaft werden würde.

So aber fingen die Pappkisten seinen Sturz auf, und er durchdrang nur fünf der insgesamt acht Lagen Kartons, die die Spezialisten der Stunt-Crew aufeinander gestapelt hatten.

Noch während Frank versuchte, sich aus den zerdrückten Pappschichten zu befreien, wurden die Kartons um ihn herum zur Seite geräumt. Sein Dad erreichte ihn als Erster. Er grinste zufrieden, und in seinen Augen blitze es – ein untrügliches Zeichen dafür, dass er ungemein stolz auf seinen Sohn war.

»Das hast du großartig gemacht, Junge«, lobte er Frank auch prompt und wuselte mit den Fingern durch dessen zerzaustes Haar. »Du bist ein echtes Naturtalent, genau wie dein Vater.«

Mithilfe eines zweiten Mannes wurde Frank aus dem Kartonstapel hervorgezogen. Als er auf die Beine kam, brandete um ihn herum Applaus auf.

Frank blickte sich verlegen um. Auf dem abgesperrten Platz vor dem Haus tummelte sich eine vielköpfige Filmcrew. Die Männer und Frauen hatten sich ihm zugewandt und klatschten.

Franke lächelte glücklich. Sein erster professioneller Stunt war offenbar gut angekommen. Dabei hatte er noch am Morgen, als sein Vater ihn abgeholt hatte, nichts davon geahnt, dass er an diesem Tag die Gelegenheit erhalten würde, vor der Kamera sein Können zu beweisen.

Sein Sturz war von drei Kameras gleichzeitig aufgenommen worden. Eine der großen Bildaufnahmegeräte war sogar auf einem beweglichen Spezialkran montiert worden und während des Filmens herumgeschwenkt, um der Szene noch mehr Dynamik zu verleihen.

Der Tod des Jungen stellte in dieser Fernsehproduktion ein wichtiges Schlüsselereignis dar. Aufgrund des verhängnisvollen Sturzes ihres Sohnes sollten die Eltern nämlich beschließen, die Verbrecher in Los Angeles auf eigene Faust zu bekämpfen, um so den Tod ihres Kindes zu rächen.

Der Produzent dieses Projekts erwartete, dass der Pilotfilm der neuen Fernsehserie vom Publikum so gut aufgenommen wurde, dass sofort mit der Produktion der ersten Staffel begonnen werden konnte.

Die Rolle des verunglückten Sohns wurde von dem Jungschauspieler Josh Gibson gespielt. Frank hatte für ihn lediglich den Sturz übernommen.

Josh Gibson war mit seinen jungen Jahren bereits ein echter Star. Er war durch die TV-Serie »Beverly Hills Love«, in der er seit seinem vierzehnten Lebensjahr mitspielte, einem Millionenpublikum auf der ganzen Welt bekannt, und damit der Pilotfilm der neuen Actionserie eine entsprechend gute Einschaltquote brachte, trat Josh Gibson darin als Gaststar auf. Auch wenn seine Rolle nicht sehr lange dauerte, würde keiner seiner Fans den Film verpassen wollen.

Da Josh die ersten zehn Minuten des Films nicht überlebte, war auch Franks Betrag an diesem Streifen mit diesem einen Stunt erledigt. Trotzdem war er überglücklich, dass sein Dad ihm diesen Auftritt ermöglicht hatte. Einen Stunt vor laufender Kamera durchzuführen, war schon lange sein Traum gewesen.

Der Regisseur war von seinem Klappstuhl aufgestanden und kam freudestrahlend auf Frank zu. Tim Pickard war ein smart gekleideter, drahtiger Mann mit grau meliertem Haar, das ihm bis auf die Schultern fiel. Sein braun gebranntes Gesicht wirkte ungemein sympathisch.

»Du hast hervorragende Arbeit geleistet, Frank«, sagte er mit seiner tiefen Stimme und tätschelte den Oberarm des Jungen.

»Hattest du etwas anderes erwartet, Tim?«, spöttelte Joe und legte seinem Sohn den Arm um die Schultern. »Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm.«

Pickard ging nicht weiter auf die Bemerkung des Stuntman ein, mit dem er schon seit Jahren zusammenarbeitete und den er daher gut kannte. »Das war wirklich dein erster Stunt?«, fragte er stattdessen Frank.

Der Junge zuckte bescheiden mit den Schultern. »Ja – allerdings übe ich hin und wieder mit meinem Dad. Zum Beispiel, wie man sich nach einem Sturz oder Sprung in die Tiefe richtig abrollt. Zum Teil hab ich das aber auch beim Kung-Fu und Jiu-Jitsu gelernt. Das trainiere ich nämlich regelmäßig.«

Sein Dad lachte rau. »Mit seinen riskanten Action-Einlagen bringt er seine Mom regelmäßig um den Verstand. Du solltest erleben, wie sie sich aufführt, wenn sie Frank bei einem seiner waghalsigen Unternehmen überrascht.«

Frank streifte den Arm seines Dads ab. Er mochte es nicht, wenn Joe abfällig von seiner Mutter sprach. Die beiden lebten seit drei Jahren getrennt. Frank fand, dass Joe kein Recht hatte, schlecht über die Frau zu reden, die er einmal sehr geliebt haben musste.

»Du hast wirklich sehr überzeugend gewirkt, Frank«, setzte der Regisseur noch einmal hinzu. Er schien es mit seinem Lob wirklich ernst zu meinen, was Frank sehr freute.

»Ich habe versucht, mir genau vorzustellen, was dieser Junge empfindet, während er dort oben auf dem Mauervorsprung steht und um sein Leben genauso fürchtet wie um das seiner Eltern«, erklärte Frank.

Er spähte die Fassade empor. In Wahrheit hatte er bloß auf dem Sims des vierten Stockwerks gestanden und nicht ganz oben in der zehnten Etage. Einen Sturz aus dieser Höhe hatte sein Dad als zu gefährlich eingestuft. Darum hatten sie sich auf den vierten Stock geeinigt.

Während der Dreharbeiten hatte Frank die Szene aus dem Drehbuch aber so bildhaft vor Augen gehabt, dass er für einen Moment wirklich geglaubt hatte, ganz oben zu stehen und Todesängste zu erleben.

In dem Film würde es später natürlich so aussehen, als wäre er wirklich vom obersten Stockwerk des Hochhauses gefallen. Dafür würden die Leute von der Ticktechnik und vom Schnitt schon sorgen.

Tim Pickard hatte sich kurz abgewandt und winkte einen Jungen heran. Er war etwa im gleichen Alter wie Frank und sah ihm zum Verwechseln ähnlich. Wie Frank hatte auch er dunkelblondes Haar, war kräftig gebaut und nicht sehr groß.

»Ich möchte dir jemanden vorstellen«, sagte Pickard und legte dem Jungen, der neben ihm aufgetaucht war, kameradschaftlich eine Hand auf die Schulter. »Das ist Josh Gibson, der Schauspieler, den du eben gedoubelt hast.«

Frank hatte den Star aus der Serie »Beverly Hills Love« natürlich sofort erkannt. Er ergriff die dargebotene Hand des Jungen und schüttelte sie. »Freut mich, dich kennenzulernen«, sagte er aufrichtig. »Keins der Mädchen in meiner Klasse verpasst je eine Folge von ›Beverly Hills Love‹. Auch ich guck das hin und wieder.«

Josh grinste verschmitzt. »Du bist echt mutig, Mann. Mir wird schon schwindelig, wenn ich auf einer Eisenbahnbrücke stehe und in die Tiefe sehe.«

»Und mir wird schwindelig, wenn ich mir vorstelle, wie viele Mädchen du vor der Kamera schon abgeknutscht hast«, konterte Frank und grinste breit.

Josh war ihm auf anhieb sympathisch. Und er hatte den Eindruck, dass es Josh genauso erging.

In diesem Moment bemerkte er, dass sein Vater einen Schritt zurückgewichen war. Joe betrachtete den Regisseur prüfend. Offenbar kam es ihm seltsam vor, dass Pickard sich für Frank so viel Zeit nahm.

»Was würdest du davon halten, bei einer echten Kinoproduktion mitzuwirken?«, richtete Pickard in diesem Moment wieder das Wort an Frank.

»Wie bitte?«, fragte dieser perplex, da er glaubte, sich verhört zu haben.

»Nächste Woche beginnen die Dreharbeiten an dem neuen Actionfilm mit Rob Sniper. Josh spielt in diesem Streifen eine wichtige Nebenrolle – und bisher habe ich noch kein Stuntdouble für ihn finden können.«

Frank schluckte trocken. »Ist das wirklich Ihr Ernst?« Er war sich plötzlich nicht sicher, ob er dies alles vielleicht doch nur träumte.

Eine Stuntrolle in einem Kinofilm angeboten zu bekommen, das war einer seiner größten Wünsche. Aber in einem Film seines Lieblingsschauspielers Rob Sniper mitzuwirken, hätte er sich selbst in seinen kühnsten Tagträumen nicht auszumalen gewagt.

»Und ob ich es ernst meine«, versicherte Pickard gut gelaunt. »Ein besseres Stuntdouble als du es bist werde ich für Josh kaum finden.«

Erwartungsvoll sah Frank seinen Vater an. Doch der schien über das Angebot nicht gerade erfreut.

 

*

 

Einige Sekunden lang herrschte auf dem Filmset gespannte Stille, als warteten alle darauf, was Joe Brix sagen würde.

»Verstehe mich nicht falsch, Junge«, sagte er schließlich zögerlich. »Von mir aus kannst du diesen Job machen. Ich gönne ihn dir von ganzem Herzen. Aber deine Mom wird da nicht mitspielen. Du weißt, was sie von meiner Arbeit als Stuntman hält. Sie würde niemals zulassen, dass du in meine Fußstapfen trittst.«

Tim Pickard zog überrascht eine Augenbraue hoch. »Soll das etwa heißen, Lisa weiß nichts von dem Stunt, den Frank gerade durchgeführt hat?«

Joe druckste verlegen herum. »Es wäre wohl besser, sie würde nichts davon erfahren.«

»Sag mal, spinnst du?«, rief Pickard außer sich. »Ohne Einwilligung der Erziehungsberechtigten hätte Frank diesen Stunt nicht machen dürfen. Ich dachte, du hättest das abgeklärt!«

»Das hatte ich ja auch vor«, verteidigte sich Joe lahm. »Doch als ich Frank heute Morgen abgeholt habe, hat Lisa gleich zu meckern angefangen. Ich hatte keine Chance, ihr von unserem Vorhaben zu erzählen.«

Frank wusste, dass diese Aussage nicht ganz zutreffend war. Joe hatte zu dem Streit, der sofort losgebrochen war, kaum dass Lisa ihm die Haustür geöffnet hatte, durchaus seinen Teil beigetragen.

Wenn die beiden aufeinander trafen, flogen immer gleich die Fetzen – das war schon fast ein Naturgesetz. Wie so oft war Frank nichts anderes übrig geblieben, als seinen Vater am Arm zu packen und mit Gewalt von dem Haus wegzuziehen. Erst als sie in Joes Sport-Cabriolet saßen, hatte dieser sich wieder beruhigt.

Pickard schüttelte entnervt den Kopf. »Lisa hat für Frank das Sorgerecht zugesprochen bekommen, Joe. Ich mache mich strafbar, wenn ich diesen Sturz ohne ihre Einwilligung in den Film einfüge. So etwas würde der Produzent niemals zulassen.«

»Bedeutet das, Sie wollen die Szene nicht bringen?«, fragte Frank entgeistert. Eine ganze Welt drohte in ihm zusammenzubrechen.

»Ohne die Zustimmung deiner Mutter ist da nichts zu machen, Junge. Wir können es uns nicht leisten, dass während der Ausstrahlung des Pilotfilms in den Nachrichten über den Prozess berichtet wird, den Lisa vielleicht gegen uns anstrengt, weil wir dich ohne ihr Einverständnis diesen Stunt haben durchführen lassen.«

Enttäuscht ballte Frank die Hände zu Fäusten. Die Uneinigkeit zwischen seinem Dad und seiner Mom drohte mal wieder sein Leben zunichte zu machen.

Es hatte lange gedauert, bis er sich damit abgefunden hatte, dass er auf ein harmonisches Familienleben verzichten musste und seinen Vater nur viermal im Monat sehen durfte. Lisa hatte inzwischen einen neuen Lebenspartner, bei dem sie vor Kurzem sogar eingezogen waren. Aber Frank konnte mit Dan Stanner nicht so recht warm werden. Im Vergleich zu seinem richtigen Dad war sein Stiefvater ein entsetzlicher Langweiler.

Und nun sollte auch noch seine Stuntman-Karriere zu Ende sein, ehe sie überhaupt begonnen hatte, nur weil Joe und Lisa zerstritten waren?

Das durfte doch einfach nicht wahr sein!

»Wollen Sie nicht versuchen, mit Franks Mutter zu reden, Mr Pickard?«, schaltete sich Josh plötzlich in das Gespräch. »Ihnen wird Sie eher zuhören als ihrem Ex-Mann.«

Die Miene des Regisseurs verdüsterte sich. »Für so etwas bin ich eigentlich nicht zuständig«, wehrte er ab.

Josh grinste entwaffnend. »Tun Sie mir den Gefallen, und rufen Sie Franks Mom an, Mr Pickard. Frank hat eine Chance verdient. Schließlich kann er nichts dafür, dass seine Eltern nicht miteinander auskommen können. Er ist verdammt gut in seinem Job, das haben Sie doch selber gesagt. Wir können in dem Spielfilm auf ihn einfach nicht verzichten.«

Tim Pickard sah den jungen Schauspieler einen Moment lang nachdenklich an. Schließlich nickte er zögernd. »Ich werde es versuchen«, stellte er in Aussicht. »Doch versprechen kann ich nichts.«

Mit diesen Worten wandte er sich ab, stapfte davon und rief den Kameraleuten Befehle zu. Eine neue Szene sollte in Angriff genommen werden.

Josh schenkte Frank ein aufmunterndes Lächeln. »Das wird schon noch«, meinte er zuversichtlich. »Pickard ist ein Meister darin, Leute so lange zu bequatschen, bis sie sich mit seinen Vorstellungen einverstanden erklären. Bei deiner Mom wird das bestimmt auch klappen.«

Davon war Frank ganz und gar nicht überzeugt. Lisa war ein Sturkopf, und sie war es ganz besonders dann, wenn es um Frank, ihr einziges Kind, ging. Trotzdem empfand er tiefe Dankbarkeit. Dass Josh sich für ihn eingesetzt hatte, rechnete er ihm hoch an.

»Danke, Mann«, sagte er mit rauer Stimme und lächelte zaghaft. »Du hast etwas gut bei mir.«

Pickards weithin vernehmlicher Bariton hallte zu ihnen herüber: »Josh – wir brauchen dich hier für die nächste Filmeinstellung. Also lass das Gequatsche und komm endlich aufs Set zurück!«

Josh zuckte bedauernd mit den Schultern. »Wir sehen uns dann nächste Woche bei den Dreharbeiten zum Spielfilm«, meinte er lapidar, hob den Daumen und schlenderte dann auf die Filmcrew zu.

Frank wurde wehmütig ums Herz, während er Josh dabei beobachtete, wie dieser sich selbstsicher und völlig ungezwungen zwischen all den Filmleuten und Schauspielern bewegte.

Nur zu gern hätte er auch zu dieser Welt dazugehört. Doch momentan erschien sie ihm genauso unerreichbar wie etwa Alices Zauberland hinter den Spiegeln.

Plötzlich spürte er die Hand seines Dads auf seiner Schulter.

»Es tut mir leid, Junge. Ich wollte dir eine Freude machen. Aber ich fürchte, ich habe es wieder mal vermasselt.«

»Ist schon gut, Dad«, erwiderte Frank gefasst.

Joe tat ihm plötzlich leid. Er war ein prima Kerl und führte genau das abenteuerliche Leben, das auch Frank sich wünschte. Doch wenn es um Lisa ging, verwandelte er sich jedes Mal in einen störrischen, uneinsichtigen Burschen, der lauter idiotische Sachen sagte und tat. Ein vernünftiges Gespräch zwischen den beiden war einfach nicht möglich.

»Helfen wir deiner Crew, die Pappkartons einzuräumen«, schlug Frank vor.

»Das können die ebenso gut auch allein erledigen«, wehrte Joe ab und lächelte aufmunternd. »Was hältst du davon, wenn wir runter zum Strand fahren und ein Eis essen?«

»Klingt nicht schlecht«, erwiderte Frank. Er bemühte sich, seine Enttäuschung abzuschütteln. Schließlich wollte er diesen Tag genießen und die wertvollen Stunden mit seinem Dad nicht mit Trübsalblasen vergeuden.

Joe gab seinen Mitarbeitern noch letzte Anweisungen. Dann ging er mit Frank zu seinem Sport-Cabriolet. Mit einem Sprung setzte er über die geschlossene Fahrertür hinweg und landete zielsicher auf dem Ledersitz.

Frank tat es ihm gleich. Die Stoßdämpfer des Fahrzeuges knarrten protestierend, als er elegant in den weichen Schalensitz plumpste.

Joe startete, und dann rasten sie mit aufheulendem Motor und quietschenden Reifen den Boulevard Richtung Strand entlang, genau der Sonne entgegen, die wie eine glühende Orange über dem glitzernden Meer schwebte.

 

 

Kapitel 2: Ein ganzer Kerl

Die Arme hinter dem Kopf verschränkt lag Frank spät Abends auf seinem Bett und sah sich zum x-ten Mal den Actionfilm »Abgebrüht« an.

Rob Sniper spielte in diesem rasanten Thriller die Hauptrolle. Er mimte einen Ex-Geheimagenten namens John Volt, der bei seinen Vorgesetzten in Ungnade gefallen und daher entlassen worden war. Wie es der Zufall wollte, geriet er jedoch mitten in eine gefährliche Verschwörung. Es blieb John Volt gar nichts anderes übrig, als sein Können und seine Agentenkenntnisse einzusetzen, um unschuldige Menschen zu retten und die Verbrecher zu jagen.

Dass dabei etliche Fahrzeuge zu Schrott gefahren, leerstehende Häuser in die Luft gesprengt und Ganoven haufenweise verprügelt wurden, verstand sich von selbst.

Was Frank an diesem Film begeisterte war jedoch weniger die hauchdünne Geschichte, sondern die aufregenden Stunts, die sehr spektakulär waren.

Diese Szenen ließ Frank für gewöhnlich im Zeitlupentempo ablaufen. Manchmal schaute er sich die aufeinanderfolgenden Standbilder auch minutenlang an, um zu erkennen, welche Tricks die Stunt-Crew verwendet hatte, die für die gefährlichen Actions-Einlagen verantwortlich war.

An diesem Abend war Frank jedoch zu erledigt für ein genaues Studium, und so ließ er sich von dem Film einfach nur berieseln.

Er hatte die Zeit mit seinem Dad bis zur letzten Minute voll ausgekostet und fühlte sich ausgepumpt und müde.

Rob Sniper kämpfte auf dem Bildschirm gerade in einem brennenden Fahrstuhlschacht gegen seinen Erzrivalen Anton Pembton, der auch in den anderen Folgen von »Abgebrüht« immer wieder einen Auftritt hatte.

Bei Pembton handelte sich um einen grobschlächtigen Kerl, der über enorme Kräfte verfügte. Der einfältige Ausdruck im vernarbten Gesicht des Mannes täuschte jedoch. Anton Pembton war ein schlauer, gerissener Ganove. Er vermochte sich die fiesesten Gaunereien auszudenken, trickste die Cops ständig aus und schaffte es immer wieder in letzter Sekunde zu entkommen. Gespielt wurde dieser Bösewicht von dem Schauspieler Ken Haldeman, der durch diese Rolle eine gewisse Berühmtheit erlangt hatte.

Frank hatte das Licht in seinem Zimmer gedämpft und die Lautstärke des Fernsehers voll aufgedreht. Seine Mutter und sein Stiefvater waren nicht zuhause, andernfalls hätte er sich das nicht leisten können. Lisa wäre längst ins Zimmer geplatzt, um ihm Vorhaltungen wegen des ohrenbetäubenden Lärms zu machen, der aus seinem Fernseher dröhnte.

In diesem Moment explodierte auf dem Grund der Liftkabine eine Bombe. Eine Feuerwalze raste auf die beiden Kämpfenden zu, die sich an den Fahrstuhlkabeln festhielten und dabei noch Schläge austeilten oder einsteckten.

Die Zimmerwände um Frank herum erbebten unter dem Donnern, Krachen und Bersten, das aus den Lautsprechern schallte. Zuckendes rotes Licht geisterte über die Filmplakate, mit denen Frank sein Zimmer tapeziert hatte.

Auf den meisten Plakaten war Rob Sniper zu sehen. Er war ein hochgewachsener, kraftstrotzender Typ mit kurzem blondem Haar. Sein markantes Gesicht wurde von hellblauen Augen beherrscht. Das Kinn war kantig, und auf den Lippen lag ein spöttisches Lächeln, das keinen Zweifel darüber aufkommen ließ, dass dieser Mann jeder Situation gewachsen war.

Auf dem Bildschirm schwang Sniper an dem Fahrstuhlseil hängend gerade zu einer Lifttür hinüber, um sich vor der heranrasenden Feuerwand in Sicherheit zu bringen.

Frank seufzte traurig. Er konnte nicht anders: Er musste sich ständig ausmalen, wie toll es gewesen wäre, mit diesem Schauspieler zusammenzuarbeiten. Etwas Aufregenderes und Erstrebenswertes konnte er sich kaum vorstellen.

Es hätte nicht viel gefehlt, und dieser Traum wäre tatsächlich wahr geworden. Doch wie es aussah, war die Seifenblase geplatzt. Nachdem Joe ihm, Frank, ohne Lisas Einwilligung diesen Stunt hatte durchführen lassen, war sie bestimmt nicht mehr dazu zu bewegen, ihm auch noch zu erlauben, das Stuntdouble für Josh Gibson zu geben, da machte sich Frank nichts vor.

In diesem Moment wurde die Tür aufgestoßen, und Lisa erschien in der Türöffnung. Sie trug ein dunkelrotes Abendkleid, stemmte die Fäuste in die schmalen Hüften und starrte Frank unter dem Pony ihrer dunklen Haare wütend an.

Was seine Mom von sich gab, konnte Frank nicht verstehen. Mit ihrer hellen Stimme kam sie gegen den Lärm aus der Glotze nicht an.

Entnervt griff Frank nach der Fernbedienung und schaltete den Ton ab.

»… wie oft soll ich dir noch sagen, dass du bei dieser Lautstärke einen Gehörschaden davontragen wirst, Frank!«, platzte Lisas aufgebrachte Stimme in die plötzliche Stille hinein. »Du solltest wirklich besser auf deine Gesundheit achten, mein Junge!«

»Mom«, sagte Frank, um Geduld bemüht. Er setzte sich auf und schwang die Beine aus dem Bett. »Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass andauernder Lärm den Ohren nicht so viel ausmacht. Anders verhält es sich mit kurzen heftigen Lärmexplosionen, wie sie zum Beispiel durch Feuerwerkskörper hervorgerufen werden. Aus diesem Grund leiden die meisten Chinesen an Schwerhörigkeit, denn bei denen ist es Brauch, bei jeder sich bietenden Gelegenheit Böller knallen zu lassen.«

Lisa schüttelte fassungslos den Kopf. »Du bist wohl nie um eine freche Antwort verlegen, wenn es darum geht, dein verantwortungsloses Verhalten zu rechtfertigen.«

»Aber das ist die Wahrheit, Mom«, begehrte Frank auf. »Vor einer Woche habe ich im Fernsehen einen Bericht über dieses Thema gesehen.«

Als wäre dies ein Stichwort, richtete Lisa ihren Blick auf die Mattscheibe.

Rob Sniper stemmte die Lifttüren gerade mit roher Muskelkraft auseinander, während sich Ken Haldeman an seinen Rücken klammerte und ihn mit Fausthieben traktierte.

»Wie oft willst du dir diesen schrecklichen Film eigentlich noch ansehen?«, fragte sie herausfordernd. »Man sollte annehmen, dass du für diesen albernen Actionkram allmählich zu alt bist.«

Frank schaltete den DVD-Player aus. Es hatte keinen Sinn, mit seiner Mutter über dieses Thema zu streiten. Sie verstand einfach nicht, warum er sich so sehr für Actionfilme begeistern konnte.

Genauso wenig hatte sie begreifen können, warum Joe den gefährlichen Job des Stuntman ihr zuliebe nicht hatte aufgeben wollen. Joe war einfach zu sehr in seine Arbeit vernarrt. Niemals hätte er seine Stunt-Firma verkauft, um dann einen ganz gewöhnlichen Beruf nachzukommen, der zwar weniger nervenaufreibend, aber dafür auch stinklangweilig war.

Stattdessen hatte Joe ihr ständig Vorwürfe gemacht, weil sie so genügsam und wenig risikofreudig war. Noch immer wunderte sich Frank, wie die beiden überhaupt zueinandergefunden hatten. Zwei so grundverschiedene Menschen wie Joe und Lisa waren ihm in seinem ganzen Leben nicht wieder begegnet.

»Wie war denn dein Abend, Mom?«, wechselte er rasch das Thema. Er wusste, wie das Gespräch enden würde, wenn es sich weiterhin in diesen Bahnen bewegte: Lisa würde irgendwann nur noch herumschreien und schließlich in Tränen ausbrechen.

Ein verklärtes Lächeln erschien plötzlich auf ihren Lippen. Mit seiner Frage hatte Frank offenbar genau den richtigen Ton angeschlagen.

»Es war wundervoll«, meinte sie schwärmerisch und seufzte. »Dan ist wirklich ein bezaubernder Mann. Wir waren in Santa Monica bei einer Literaturlesung. Der Charakterdarsteller Rudy Mosak hat Texte von Thomas Mann und Bertolt Brecht gelesen. Wusstest du, dass diese deutschen Schriftsteller vor den Nazis geflohen waren und einige Zeit hier in Los Angeles gelebt haben?«

»Ich habe während des Schulunterrichts nicht bloß geschlafen, Mom«, erwiderte Frank leicht genervt. »Wenn du möchtest, kann ich dir noch weitere Namen deutscher Schriftsteller nennen, die während des Nationalsozialismus in Los Angeles gewohnt haben.«

Lisa legte den Kopf schief und betrachtete ihren Sohn interessiert. »Ich musste bei dieser Lesung an dich denken, Frank. Ich bin der Meinung, du solltest unbedingt versuchen, dich als Drehbuchschreiber ausbilden zu lassen.«

»Ich glaube kaum, dass ich dazu Talent hätte«, wehrte Frank ab. »Meine Stärken liegen ganz woanders.«

Lisas Miene verdüsterte sich. »Wenn dir eine Karriere als Stuntman vorschwebt, kannst du das gleich vergessen. Das ist viel zu gefährlich.«

Frank horchte auf. Lisas Stimme hatte sich leicht verändert. Sie klang wütend und entschlossen, wie immer, wenn sie auf Joe und seine Stunt-Firma zu sprechen kam.

»Nach der Lesung sind Dan und ich noch Essen gegangen«, sagte sie und verschränkte die Arme vor der Brust. »Während des Hauptmenüs erhielt ich dann einen ziemlich lästigen Anruf von einem gewissen Tim Pickard.«

Unwillkürlich hielt Frank den Atem an. Der Regisseur hatte sein Versprechen also wahrgemacht und sich mit Lisa in Verbindung gesetzt.

Aber offenbar hatte er für dieses Unterfangen einen ziemlich ungünstigen Zeitpunkt gewählt.

Prüfend sah Lisa ihren Sohn an. »Du erwartest hoffentlich nicht, dass ich meine Einwilligung gebe. Es kommt überhaupt nicht in Frage, dass du für diesen Josh Gibson das Stuntdouble gibst.«

»Warum denn nicht, Mom?«, rief Frank gequält.

»Weil dein Vater hinter dieser Sache steckt. Er übt einen unheilvollen Einfluss auf dich aus. Ich habe ihm schon tausend Mal gesagt, dass er dich nicht mit auf seine Arbeit nehmen soll. Und nun hat er dich sogar einen Stunt vor laufender Kamera durchführen lassen. Wenn das noch einmal vorkommt, werde ich ihm ganz verbieten, sich mit dir zu treffen!«

»Das kannst du doch nicht machen!«, begehrte Frank auf. »Joe hat ein Recht darauf, seinen Sohn viermal im Monat zu sehen. Und das ist schon viel zu wenig!«

»Ich meine es doch nur gut mit dir!«, wurde nun auch Lisa lauter. »Warum willst du das nicht begreifen? Dein Vater führt ein unsolides, gefährliches Leben. Ich will nicht, dass mein Sohn einmal genauso endet!«

Auf einmal tauchte auch noch Dan hinter Lisa auf. Er trug einen hellen Sakko, dazu eine schwarze Jeanshose und sah genau so adrett und nichtssagend aus wie immer.

Dan arbeitete als Manager in einer Firma, die für Hollywoods Filmindustrie die Produktionskosten errechnete und Voraussagen über die zu erwartenden Gewinne traf. Einen öderen Job konnte sich Frank kaum vorstellen.

Dan war hinter Lisa getreten und legte ihr besänftigend die Hände auf die Schultern. »Hattest du vorhin nicht gemeint, dass du diese Diskussion mit deinem Sohn lieber morgen beim Frühstück führen möchtest?«

Lisa atmete tief durch und zuckte dann hilflos mit den Schultern. »Du hast recht. Eigentlich hatte ich Frank nur sagen wollen, dass er den Fernseher leiser drehen soll. Doch dann …«

Sie brach ab und sah ihren Sohn flehend an. »Bitte, Frank. Schlag dir diesen Job aus dem Kopf. Ich habe Tim Pickard erklärt, dass ich es niemals zulassen werde, dass du dich in Lebensgefahr begibst, nur damit er einen spannenden Film drehen kann.«

»Rob Sniper spielt in diesem Streifen mit, Mom«, unternahm Frank einen letzten Versuch, seine Mutter umzustimmen.

»Noch ein Grund mehr, dir diese Sache zu verbieten, Frank.« Mit einer abfälligen Geste deutete sie auf die Filmplakate. »Sieh dir diesen Kerl doch nur mal an. Ein Mann, der seine Probleme mit Fäusten und nicht mit Köpfchen bewältigt. So einer sollte kein Vorbild für dich sein.«

»Darum geht es doch gar nicht, Mom.«

»Worum geht es denn sonst?«

»Um das Kribbeln, das einen bei den Actionszenen überkommt. Das ist Spannung pur.«

Lisa prustete verächtlich. »Du klingst wie dein Vater!«

»Lisa«, sagte Dan auf einmal mahnend. Sanft massierte er ihre Nackenmuskeln. »Du solltest Frank ausreden lassen. Hör dir an, was er zu sagen hat – und vergiss Joe. Du hast es hier mit deinem Sohn zu tun, nicht mit deinem Ex-Mann. Das solltest du nicht vergessen.«

Lisa presste die Lippen zusammen und sah betreten zu Boden. »Entschuldige, Frank«, murmelte sie. »Ich weiß, es ist nicht richtig, dich mit deinem Vater gleichzusetzen. Du bist ganz anders als Joe. Und darum muss ich dich auch vor ihm beschützen!«

Frank schüttelte erbost den Kopf. »Das Einzige, was du willst, ist doch, dass ich genauso werde, wie du dir einen idealen Sohn vorstellst. Aber ich habe meine eigenen Vorstellungen, wie ich leben will.«

Lisa sah ihren Sohn bestürzt an. Ihr lag eine scharfe Erwiderung auf der Zunge. Doch Dan legte ihr beide Hände auf die Schultern und drückte sie zärtlich.

»Frank wird bald volljährig sein«, erklärte er mit sanfter Stimme. »Er wird dann tun und lassen können, was ihm beliebt. Wenn er zuvor aber nicht gelernt hat, Verantwortung zu übernehmen, weil du ihm die Entscheidungen immer abgenommen hast, wird er es einmal sehr schwer haben, Lisa.«

»Was soll ich deiner Meinung nach denn tun?«, fragte sie gereizt.

»Lass ihn diesen Job machen«, hörte Frank seinen Stiefvater sagen.

Lisa schüttelte seine Hände ab und fuhr wütend zu Dan herum. »Du willst, dass ich meinen Sohn der Gefahr aussetze, bei einem dieser verrückten Stunts verletzt zu werden?«, rief sie ungläubig.

»Soweit ich diesen Tim Pickard verstanden habe, wird Joes Firma die Stunts vorbereiten, die bei dem Filmprojekt anfallen. Du brauchst dir also keine Sorgen zu machen, Lisa. Ich kann deinen Ex-Mann zwar nicht ausstehen, aber eins ist doch wohl sicher: dass er das Leben seines Sohnes nicht leichtsinnig aufs Spiel setzen wird. Die Sicherheitsvorkehrungen für Franks Stunt-Einlagen werden bestimmt besonders sorgfältig getroffen werden und unfangreicher als gewöhnlich ausfallen. Joe will doch genauso wenig wie du, dass eurem Sohn etwas zustößt.«

»Ich … ich kann es nicht fassen, dass du in diesem Punkt für Frank Partei ergreifst«, sagte Lisa mit brüchiger Stimme.

Dan warf Frank einen scheuen Blick zu. »Ich will eben, dass dein Sohn eine Chance bekommt, seinen eigenen Weg zu gehen und glücklich zu werden.«

Lisa schluchzte auf. »Aber das will ich doch auch.«

»Dann sind wir uns ja einig«, fasste Dan gut gelaunt zusammen und nahm Lisa in den Arm. »Frank wird diesen Job machen. Und nun lass uns von etwas Anderem sprechen. Dieser Abend hat so vielversprechend angefangen. Ich möchte nicht, dass Joe ihn uns verdirbt.«

Er zog Lisa von der Tür weg, und Frank starrte den beiden verdattert hinterher. Er konnte noch immer nicht glauben, was da eben geschehen war. Dan, dieser Langweiler, hatte sich doch tatsächlich für ihn stark gemacht. So etwas hätte Frank niemals für möglich gehalten.

Mit einem befreiten Lächeln wandte er sich einem der Filmplakate zu.

»Ich habe den Job!«, rief er verhalten, da er der unverhofften Wendung noch immer nicht ganz traute.

Dann hob er aber doch siegessicher den Daumen und sagte mit voller Überzeugung: »Dein nächster Film wird ganz bestimmt wieder ein Reißer, Rob Sniper. Denn jetzt arbeitet einer der besten Stuntmen von Los Angeles für dich!«

 

 

Kapitel 3: Anna

Dan Stanner stoppte seinen dunkelblauen Wagen vor dem Tor des Studiogeländes. Es gehörte der Produktionsfirma, die den neuen Film mit Rob Sniper herstellen sollte.

Neben Dan saß ein ziemlich nervöser Frank. Sein Herz klopfte ihm bis zum Hals, und die Innenflächen seiner Hände waren feucht vor Schweiß.

Nun, da sich sein sehnlichster Wunsch erfüllen sollte und er kurz davor war, den Action-Star Rob Sniper persönlich kennenzulernen, war er sogar noch viel aufgeregter als vor einem Jahr, als er das erste Mal ein Mädchen richtig geküsst hatte - mit allem Drum und Dran.

Hinter dem hohen Gittertor der Einfahrt erstreckte sich ein weitläufiges Gelände. Die Hitze flirrte auf den Dächern der flachen Häuser, Hallen und Schuppen. Überall waren Menschen zu sehen, die geschäftig zwischen den Gebäuden umherliefen.

Einige der Männer schleppten Scheinwerferstative, Kameras und Kulissensegmente in eine große Halle. Die meisten Frauen hatten irgendwelche Mauskripte, Schnellhefter oder Klemmbrettern unter dem Arm. Kleine Elektroautos, die wichtige Persönlichkeiten zu den Drehorten transportierten, surrten über die breiten Fahrwege.

»Das ist jetzt also dein großer Tag, Frank«, sagte Dan ernst.

Frank riss sich von dem Anblick des belebten Studiogeländes los und wandte sich seinem Stiefvater zu.

Während der zurückliegenden Tage hatte er kaum Gelegenheit gehabt, mit Dan zu sprechen. Die Schule hatte ihn voll in Anspruch genommen, denn vor den Frühjahrsferien hatten noch einige Klausuren und Tests angestanden. Doch nun lag der Schulstress endlich hinter ihm, und er konnte sich den wahren Herausforderungen des Lebens stellen.

Frank nickte kaum merklich und zuckte dann mit den Schultern. Wenn er mit Dan allein war, wusste er immer nicht so recht, wie er sich verhalten sollte.

»Ich … habe mich bei dir noch gar nicht bedankt, Dan«, sagte er schließlich aber doch. »Ohne deinen Zuspruch hätte Mom es mir nie erlaubt, diesen Job zu machen.«

Sein Stiefvater winkte ab. »Deine Mutter braucht hin und wieder jemand, der sie auf den Teppich zurückholt«, meinte er. »Sie hatte es nicht immer leicht im Leben, und sie vergisst hin und wieder, dass die schlimmen Zeiten vorbei sind.«

Frank presste die Lippen zusammen. Er wusste genau, wovon Dan sprach. Er spielte mit seinen Worten auf die Jahre an, die Lisa mit Joe verheiratet gewesen war. Die beiden hatten sich extrem oft gestritten. Frank erinnerte sich nur an einige wenige Momente, da das Familienleben harmonisch oder auch nur halbwegs normal gewesen wäre.

Trotzdem fand er, dass Dan kein Recht hatte, sich darüber ein Urteil zu erlauben. Er musste jedoch zugeben, dass sich sein Stiefvater mit Lisa ausgezeichnet verstanden. Seit sie zusammen waren, hatte Frank kein einziges Mal erlebt, dass sie sich gestritten hätten.

»Wie auch immer«, sagte Dan, der offenbar gemerkt hatte, dass er den Jungen mit seiner Bemerkung verärgert hatte. »Ich wünsche dir viel Erfolg. Und pass gut auf dich auf, okay?«

Frank lächelte. »Das werde ich. Ich mag zwar draufgängerisch sein. Aber leichtsinnig bin ich deswegen noch lange nicht. Mir liegt auch sehr viel an meinem Leben.«

»Das weiß ich«, sagte Dan. »Andernfalls hätte ich mich auch nicht für dich eingesetzt.«

»In Ordnung.« Frank fand, dass er diesem Langweiler mittlerweile genug Aufmerksamkeit geschenkt hatte. Er öffnete den Wagenschlag und stieg aus.

»Deine Mom und ich werden am Nachmittag mal vorbeischauen«, kündigte Dan plötzlich an.

Frank krauste die Stirn und beugte sich nach unten in dem Wagen. »Muss das denn unbedingt sein?«

»Ich werde Lisa nicht davon abhalten können, hier nach dem Rechten zu sehen.« Dan grinste entschuldigend. »So weit reicht mein Einfluss bei ihr denn doch nicht.«

Frank seufzte schicksalsergeben. »Danke, dass du mich vorgewarnt hast, Dan. Bis später dann.«

Mit diesen Worten warf er die Tür zu und wandte sich ab.

Dan wartete noch, bis der Pförtner aus seinem Häuschen hervorgekommen war und Frank in Empfang nahm. Dann erst fuhr er los und überließ seinen Ziehsohn seiner neuen Bestimmung.

 

*

 

»Hallo, Frank. Mein Name ist Anna Karuso. Ich soll dich zum Drehort begleiten.«

Frank hatte im Schatten des Pförtnerhauses gewartet und sah das Mädchen, das vor ihm in der grellen Sonne stand, blinzelnd an.

Sie war ungemein schlank, hatte dunkles, seidiges Haar, hellbraune Augen und ein hübsches Gesicht. Sie trug khakifarbene Shorts und ein rotes Holzfällerhemd, dessen Ärmel sie bis zu den Oberarmen hochgekrempelt hatte. Sie konnte nicht viel älter sein als er selber.

»Hi«, sagte Frank verlegen und spürte, dass seine Aufregung wieder zunahm. Eigentlich hatte er erwartet, dass sein Dad oder einer seiner Mitarbeiter ihn abholen würden. Doch die waren mit den Vorbereitungen offenbar vollauf beschäftigt.

»Ich mache hier gerade meine Ausbildung zur Maskenbildnerin«, erklärte Anna, während sie sich von dem Pförtnerhäuschen entfernten.

Frank nickte beeindruckt. Maskenbildner schminkten die Schauspieler, damit die großen Stars vor der Kamera nicht blass und leblos wirkten. Doch sie waren auch dafür zuständig, die Schauspieler mit hässlichen Narben oder nässenden Wunden zu entstellen, die täuschend echt aussahen, und sie machten auch die Masken für Außerirdische, Zombies und Vampire.

Anna musterte Frank prüfend von der Seite. »Du siehst Josh Gibson tatsächlich sehr ähnlich«, meinte sie. »Ich werde nicht viel Arbeit mit deinem Gesicht und dem Haar haben. Wenn du meine Schminkstube nachher verlässt, wird dich jeder für Josh’ Zwillingsbruder halten.«

Frank ärgerte sich, weil ihm keine Erwiderung einfallen wollte. In seinem Kopf herrschte ein heilloses Durcheinander. Er hätte auf Anna gern locker und cool gewirkt. Doch seine Kehle war wie zugeschnürt. Die hektische Aktivität, die um sie herum herrschte, schüchterte ihn mächtig ein. Ihm kam es vor, als vertrauten all diese Leute darauf, dass er gleich eine professionelle Vorstellung ablieferte.

Dabei wusste er nicht einmal, was ihn überhaupt erwartete. Die Handlung des neuen Action-Streifens war von den Produzenten als streng geheim eingestuft worden. Aus diesem Grund hatte Frank das Drehbuch auch noch nicht zu Gesicht bekommen. Welche Stunts er durchführen sollte, wusste vermutlich nur sein Dad.

Plötzlich spürte er Annas schlanke Hand auf seinem Oberarm.

»Du bist bestimmt sehr aufgeregt.« Sie lächelte ihn aufmunternd an. »Mir ist es bei meinem ersten Tag in diesem Gewusel nicht anders ergangen. Aber man gewöhnt sich schnell daran, glaub mir.«

Frank wollte irgendetwas sagen, um Annas Behauptung, dass er aufgeregt sei, zu entkräften. Doch er brachte nur ein gequältes Lächeln und ein gekrächztes »Danke« zustande.

Frank hatte seinen Dad schon häufiger in einem Filmstudio besucht. Doch selber ein Rädchen in der Traumfabrik Hollywood zu sein, war etwas völlig anderes, als das Ganze nur als Außenstehender zu beobachten.

Inzwischen hatten sie die große Halle fast erreicht, auf die sich die Aktivitäten der umherhastenden Filmleute konzentrierten. Offenbar fanden dort gerade Dreharbeiten statt.

Franks Nerven waren bis zum Zerreißen gespannt. Gleich würde er Rob Sniper leibhaftig gegenüberstehen.

Doch anstatt auf die hohe Hallentür zuzustreben, zog Anna ihn hin zu einer Baracke, die klein und unscheinbar neben der Halle kauerte.

»Das hier ist mein Reich«, verkündete sie stolz und wies einladend in den schummerigen Raum.

Frank trat ein und blickte sich um. Vor der gegenüberliegenden Wand stand ein langer schmaler Tisch, der mit Schminkutensilien übersät war. Den fünf Sesseln gegenüber hingen Spiegel an der Wand. Der hintere Teil des Raums wurde von mehreren Kleiderständern eingenommen, die mit Kostümen vollgehängt waren.

Der Unordnung nach zu urteilen, die auf dem Schminktisch herrschte, waren vor Kurzem mehrere Schauspieler hergerichtet worden.

»Hast du Rob Sniper auch geschminkt?«, wollte Frank beeindruckt wissen.

Anna lachte hell auf und schüttelte den Kopf. »Eine Anfängerin wie mich würde Sniper niemals an sich heranlassen«, erklärte sie. »Ich bin bloß für die Statisten und Komparsen zuständig.«

»Ach so.« Frank konnte nicht verhindern, dass seine Stimme ernüchtert klang. Dass er mit den Schauspielern gleichgesetzt wurde, die in einem Film nur einen stummen Auftritt als Passanten oder Schaulustige hatten, enttäuschte ihn ein wenig.

»Mein Boss ist zurzeit am Set. Darum hat er mich beauftragt, dich zu schminken«, erklärte Anna begütigend, denn ihr war Franks Verstimmung nicht entgangen. »Du musst dich also nicht zurückgesetzt fühlen, weil ich dich herrichten soll.«

»So war das auch gar nicht gemeint«, beeilte sich Frank zu versichern. Es hätte ihm leid getan, wenn er Anna durch sein dummes Verhalten gekränkt hätte. Sie schien nämlich ganz nett zu sein.

Anna ging zu den Kleiderständern hinüber und machte sich an den Kostümen zu schaffen.

Details

Seiten
122
Jahr
2020
ISBN (eBook)
9783738938715
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v539090
Schlagworte
gefährliche stunts

Autor

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Titel: Gefährliche Stunts