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Volpe und die Blüten des Todes

©2020 165 Seiten

Zusammenfassung


Diese Buch beinhaltet folgende drei Geschichten:
Volpe und die Blüten des Todes
Die geheimnisvolle Frau aus Deutschland
Der Fall Dolabella

In diesem sechsten Band befasst sich der Privatdetektiv Volpe mit drei lose zusammenhängenden Fällen:
Als er mit einem Burnout-Urlaub im Alpago bei Belluno verbringt, erlebt er Verstörendes: Ein Geschwisterpaar und wenig später der andere Bruder kommen auf grässliche Weise ums Leben, aber kein Täter ist in Sicht, da die jeweilige Wohnung von innen verriegelt war. Der Priester meint, nur Satan stecke dahinter. Volpe hat da seine Zweifel …
Wieder gesund zurück in Venedig, schlittert Volpe in den Fall um eine geheimnisvolle Frau aus Deutschland. Was in und um Venedig wie eine Komödie begann, endet in einer zweifachen Tragödie, die letzte davon eine furchtbare Bluttat im fernen Rom...
Volpe wendet sich zeitgleich einem dritten Fall zu, als der junge Rechtsanwalt Dolabella um Hilfe fleht, bevor er wegen Mordes verhaftet wird. Ist er der Mörder des Unternehmers Gaio Urbano? Fast alles spricht dafür. Volpe muss in der fernen Vergangenheit stöbern, um Licht in die makabre Sache bringen zu können ...

Leseprobe

Table of Contents

Volpe und die Blüten des Todes

Copyright

Die Blüten des Todes

1. Teil: Vorwort des Dr. med. Sergiu Petrescu

2. Teil: Ankunft im Feriendomizil

3. Teil: Ein gruseliges Ereignis

4. Teil: Im Haus des Grauens

5. Teil: Grübeln im Hotel und auf dem Spazierritt

6. Teil: Dottore Medico Anselmu Tigurinu zu Besuch

7. Teil: Ein Morgen-Grauen

8. Teil: Der Tote im Pfarrhaus

9. Teil: Hypothesen und ein praktisches Experiment

10. Teil: Eine Lösung des Knotens – keine Lösung des Knotens

11. Teil: Nachwort des Dr. med. Sergiu Petrescu

Die geheimnisvolle Frau aus Deutschland

Teil 1: Bei Volpe im Eckzimmer

2. Teil: Der Bericht des Sebastian Schmidt

3. Teil: Drama beim Landhaus

4. Teil: Ein Brief aus Rom

Der Fall Dolabella

1. Teil: Dramatisches in Volpes Palazzo

2. Teil: In der anschließenden Nacht und am nächsten Tag

3. Teil: Am übernächsten Tag

4. Teil: Ein dramatisches Nachwort

Volpe und die Blüten des Todes

Drei Novellen von Meinhard-Wilhelm Schulz

 

Der Umfang dieses Buchs entspricht 165 Taschenbuchseiten.

 

Diese Buch beinhaltet folgende drei Geschichten:

Volpe und die Blüten des Todes

Die geheimnisvolle Frau aus Deutschland

Der Fall Dolabella

 

In diesem sechsten Band befasst sich der Privatdetektiv Volpe mit drei lose zusammenhängenden Fällen:

Als er mit einem Burnout-Urlaub im Alpago bei Belluno verbringt, erlebt er Verstörendes: Ein Geschwisterpaar und wenig später der andere Bruder kommen auf grässliche Weise ums Leben, aber kein Täter ist in Sicht, da die jeweilige Wohnung von innen verriegelt war. Der Priester meint, nur Satan stecke dahinter. Volpe hat da seine Zweifel …

Wieder gesund zurück in Venedig, schlittert Volpe in den Fall um eine geheimnisvolle Frau aus Deutschland. Was in und um Venedig wie eine Komödie begann, endet in einer zweifachen Tragödie, die letzte davon eine furchtbare Bluttat im fernen Rom...

Volpe wendet sich zeitgleich einem dritten Fall zu, als der junge Rechtsanwalt Dolabella um Hilfe fleht, bevor er wegen Mordes verhaftet wird. Ist er der Mörder des Unternehmers Gaio Urbano? Fast alles spricht dafür. Volpe muss in der fernen Vergangenheit stöbern, um Licht in die makabre Sache bringen zu können ...

 

 

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books, Alfred Bekker, Alfred Bekker präsentiert, Casssiopeia-XXX-press, Alfredbooks, Uksak Sonder-Edition, Cassiopeiapress Extra Edition, Cassiopeiapress/AlfredBooks und BEKKERpublishing sind Imprints von

Alfred Bekker

© Roman by Author / Cover: Nach Motiven von Pixabay mit Steve Mayer, 2020

© dieser Ausgabe 2020 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

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Die Blüten des Todes

Ort des Geschehens: der Alpago bei Belluno

Personen des Dramas:

Giuseppe Tartini ,Volpe‘: Privatdetektiv aus Venedig

Dr. med. Sergiu Petrescu: Volpes rumänischer Freund

Adolfo Grana: Priester & Schmied von San Martino d‘Alpago

Ruggiero Lupo: Untermieter im Pfarrhaus

Sesto Lupo: sein Bruder

Cecilia Lupo: ihre Schwester

Michele Ferrano: Carabiniere aus Chiesa d‘Alpago

Tito Antonini: sein Assistent; Kommissar-Anwärter

Dr. med. Anselmu Tigurinu: rumänischer Amazonasforscher

 

 

1. Teil: Vorwort des Dr. med. Sergiu Petrescu

Über alles geliebte und geschätzte Leserschaft, mein wunderbarer Freund Giuseppe Tartini, der pfiffige Privatdetektiv, den man hier in Venedig ob seines feurigen Haarschopfes hübsch doppeldeutig »Volpe« (Fuchs und Schlaumeier) nennt, sollte Dir aus meinen früheren Werken bereits bekannt sein.

Er ist und bleibt er einer der gebildetsten und feinsten Männer Italiens. Neben Italienisch spricht er Deutsch und Englisch akzentfrei, hat sich dank meiner Herkunft mühelos ins Rumänische eingearbeitet, und auch das Französische ist ihm durchaus nicht fremd. In der Literatur all dieser Völker ist bewandert. Sein Wissensdurst ist unstillbar.

Andererseits ist er ein hochmusikalischer Mensch. Er streicht die innig geliebte Stradivari, die er für ein Vermögen erworben hat, meisterhaft und hat eine Monographie über Bachs Solosonaten für Violine publiziert, die ihm, soeben beim Verlag Athesia in Bozen publiziert, in der Fachwelt Beifall einträgt, insbesondere, weil er die mathematischen Strukturen der Bach‘schen Musik glänzend herausgearbeitet hat.

Anlässlich der Vorstellung dieses Buches spielte er einige der Partiten einem begeisterten Publikum in der seinem Palazzo am Ende des Calle di Cavallo (Pferdegasse) gegenüber liegenden Chiesa dei Santi Paolo e Giovanni persönlich vor und erläuterte sie fachkundig.

Wenn es nämlich ums logische Denken geht oder darum, die Abgründe der Seele eines Verbrechers auszuloten, ist er einerseits von unerreichbarer Größe, andererseits von fast unglaublichem Verständnis für deren Taten. Wie sein heimliches Vorbild, der detektivische britische Pater Brown, so er des Öfteren, kann er den Gedanken der Verbrecher nur deshalb so gut folgen, weil er alle Teufel auch in sich beherbergt.

Er selbst nämlich, das bekannte er oft, könne so tief mit ihnen fühlen, weil er den Hang dazu verspüre, einer der Ihren zu sein. Er habe sich einst zwischen der Laufbahn des professionellen Geigers, eines Verbrechers und der des Detektivs entscheiden müssen, und bis heute falle es ihm schwer, den Täter zu verurteilen. Gott allein, dem wir unser Dasein verdankten, wüsste, was sie zu ihrem Tun bewogen habe. Volpe hat noch nie den Stab über einen Verbrecher gebrochen.

Was Frauen anbetrifft, ist er von seltener Schüchternheit und Zurückhaltung. Insgesamt betrachtet, ist sein Hang, sich von ausgeflippten Signorine, die ein paar Jahre älter als er sein dürfen, angezogen und bezaubert zu werden, erstaunlich.

Sein Schönheitsideal widerspricht dabei all dem, was uns Hollywood als maßgeblich anpreist, heftig. Warum er ganz im Gegensatz zu mir keine sommersprossigen Donne mag, konnte ich bislang noch nicht herausfinden.

Nicht zuletzt ist er ein begeisterter Anhänger der Commedia del Arte und liebt die Gestalt des Pulcinella (ital. Kasperle oder Hanswurst) so sehr, dass er im berühmten venezianischen Karneval stets als Pulcinella verkleidet durch die Calli streift. (Dieses Mal hat man unseren Karneval wegen des Corona-Virus abgesagt, eine reine Panikreaktion.)

Links und rechts neben dem Portal seines Palazzos hat Volpe zwei ungefähr 40 Zentimeter große bunte Kacheln angebracht. Jede ziert ein Pulcinella, das Gesicht unter der typischen Maske verborgen und mit der Mandoline im Arm. Auf der linken steht:

‚La invidia vostra è mia forza – euer Neid ist meine Stärke.‘

Rechts vom Eingang ist zu lesen:

‚Quando entrate, salutate! Quando uscite, fatevi i cazzi vostri!‘ – ,Wenn ihr eintretet, grüßt! Wenn ihr hinaus geht, packt eure Sachen (macht euch davon)!‘

 

Nachdem mein Freund den Fall der mörderischen Brüder, welche ich Kain und Abel nannte (s. gleichnamiger Band), gelöst und einige weitere nicht so bedeutende abgeschlossen hatte, war der Frühsommer des Jahres 2021 gekommen, und er versank er in den tiefsten Depressionen, die ich jemals bei ihm erlebt hatte.

Angesichts schwerster Arbeit hatte er solchen Raubbau mit seinen Kräften getrieben, dass zu größter Besorgnis Anlass war. Er lebte nämlich, wenn er auf der Jagd war, nur noch von Wasser und Luft, magerte ab und äußerte den Gedanken, diese Welt für immer zu verlassen. Wenn er an den alltäglichen Mord und Totschlag in der Welt denke, sehe er es als sinnlos an, hin und wieder einen venezianischen Mörder zu stellen.

Mich brachte er damit an den Rand der Verzweiflung. Nicht einmal die gelegentliche Dosis Cannabis, die ich ihm verschrieb, konnte ihn aufheitern, und als Medico hütete ich mich davor, es ihm zur Gewohnheit werden zu lassen.

Schließlich, als er nur noch ein Schatten seiner selbst war, und aufgrund der Tatsache, dass er überhaupt keinen Rat mehr annahm, holte ich ihm einen Kollegen ins Haus. Nach einigem Hin und Her ließ sich Volpe endlich untersuchen.

Dr. med. Andreas Melas (Schwarz), ein Grieche, verordnete ihm Tapetenwechsel. Täglich solle er in der Frische und Einsamkeit der Berge lustwandeln, bis ihm die Lebenslust wiederkehrte. Folge er seiner Anordnung nicht, werde er seinen Beruf kaum jemals wieder ausüben können.

Sobald Dottore Melas gegangen war, unternahm ich das Erforderliche. Ein Reisebüro am Rande des Campo dei Santi Giovanni e Paolo hatte alles in Angebot, was nötig war. Als der nächste Abend gekommen war, sagte ich:

»Mein lieber guter Freund, die ersten Boten des Sommers lassen ihre Stimmen ertönen. Warme Lüfte säuseln übers Land. Lasse den Dunst der Stadt zurück und dir frische Luft um die Nase wehen! Ich habe da ein hübsches Gasthaus in der dörflichen Einsamkeit des Alpago ausgemacht. Lass uns in die liebliche Gegend reisen und daselbst aufhalten, bis dir die Lebensgeister wiederkehren. Die Zimmer sind schon gebucht. Als Arzt befehle ich dir, Venedig an meiner Seite zu verlassen.«

Volpe grunzte beifällig und räkelte sich im geliebten Korbsessel. Ich gab Giovanni den Befehl, unsere Siebensachen zu packen, und der Butler machte sich unverdrossen an die Arbeit.

Es war noch frischer Morgen, als wir uns auf den Weg machten, zuerst vom Haltepunkt Ospedale aus mit dem Vaporetto zur Stazione Ferroviari Santa Lucia (Venedigs Bahnhof) und dann mit dem Zug nach Mestre.

Dort hatte ich unseren Fiat Cinquecento Cabrio untergestellt. Wir stiegen ein, und los ging es mit offenem Verdeck, immer stracks nach Norden und der herrlichen Welt der Berge entgegen. Ich saß am Steuer der sanft brummenden Asphaltwanze, Volpe neben mir, mit dem Einschlafen kämpfend.

 

 

2. Teil: Ankunft im Feriendomizil

An diesem frühsommerlichen Tage fuhren wir also von Mestre aus die Staatsstraße nordwärts, immer geradeaus bis nach Belluno am Fuße der Alpen und von dort aus auf dem wunderbar angepassten Hin und Her der schmalen Landstraße ins Herz des mit seinen Bergen über 2.000 Meter aufragenden Alpago, wo wir in der Nähe des Dorfes San Martino d‘Alpago auf einem sanften Hügel unser Quartier der Cinque Querce (5 Eichen) entdeckten: Fünf mächtige, auf einem sanften Hügel in Reih und Glied stehende, in den Himmel ragende Bäume wiesen uns den Weg.

Während ich die bezaubernde Landschaft, von welcher der Frühling Besitz ergriffen hatte, in vollen Zügen genoss, starrte Volpe stumm und aus erloschenen Augen auf seine sehnigen Hände hinab, die da wie große Spinnen über seine Oberschenkel krochen und murrte und knurrte schließlich wunderbar doppeldeutig, »una rondine non fa primavera (eine Schwalbe macht noch keinen Frühling).«

Der Albergo, der sich vor die mächtigen Bäume duckte, auf denen das grelle Licht der Mittagssonne lag, war in freundlichem Weiß gekalkt und gewährte uns den schönsten Blick über Felder und Fluren der lieblichen Landschaft bis hin zu den schroff empor ragenden schneebedeckten Zacken des Alpago, dieser dünn besiedelten und kaum bekannten Gegend Norditaliens.

Ansonsten hatten sich dort Einsamkeit und Melancholie breit gemacht. Hin und wieder reckte sich ein vom Wetter der Jahrhunderte gegerbter Campanile in die Höhe. Abgesehen davon fiel die scheinbar freundliche Gegend in tiefste Stille, und das passte zum Seelenzustand meines Freundes. Wortlos ließ er sich aufs Bett fallen und vergrub das Gesicht in Händen. Die kurze Reise hatte seine Kräfte strapaziert. Er sah bleich und erschöpft aus.

Am nächsten Morgen, als ich erwachte und nach ihm sah, war er verschwunden. Was sollte ich tun? Etwa Däumchen drehen? Nein! Es galt, die Gegend zu erkunden.

Ziellos irrte ich durch Feld und Fluren und gewahrte überall Reste vergangener Zeiten. Der Zauber der Landschaft mit seiner spukhaften Atmosphäre regte meine Phantasie an. Ich versuchte, mir die Personen vorzustellen, die hier vor Jahrtausenden gehaust hatten, Kelten, Griechen, Römer, Germanen, bis der Alpago Teil Italiens wurde.

Volpe verbrachte seine Stunden in den nächsten Tagen in der Einsamkeit der rauen Bergpfade, oft zu Pferde. Die Altertümer der Region hatten es ihm angetan, und er begann damit, eine Schrift über sie zu verfassen. Um die Bahnen des Wissenschaftlichen nicht zu verlassen, ließ er sich aus Belluno Bücher herüberschicken, die er emsig studierte, um dann wieder zu seinen Expeditionen aufzubrechen. Mich mochte er nicht an seiner Seite dulden. Zu Pferde bin ich leider Gottes eine Niete.

(An dieser Stelle sollte ich betonen, dass mein Freund ein geübter Reiter ist. Weil er in der Stadt, in der er zuhause ist, keine Gelegenheit dazu hätte, ließ er es sich nicht nehmen, einmal pro Woche den Vaporetto nach Punta Sabbioni zu nehmen, um von dort aus den Reitstall in Cavallino aufzusuchen und sich daselbst einem harten Training zu unterwerfen.)

So ging das ein paar Tage, bis ich ihn nach geraumer Zeit sogar begleiten durfte. Er hatte mir eine zahme Stute ausgesucht, die ich bald lieben und schätzen lernte, auch wenn mir das Aufsteigen noch einige Mühe machte, während Volpe sich jedes Mal mit einem lässigen Satz auf den Pferderücken schwang. Breit grinsend sah er mir zu, wie ich einen Hocker zu Hilfe nahm.

Doch dann kam der Tag, an welchem wir mit einem Schlag aus dem beschaulichen Landleben herausgerissen wurden. Unser Tagesablauf erfuhr durch ein grausiges Geschehen eine Unterbrechung, das unheimlicher und abscheulicher war als all die Fälle, die Volpe vor seinem Zusammenbruch gelöst hatte.

 

 

3. Teil: Ein gruseliges Ereignis

Ich habe oben schon erwähnt, dass der Alpago von uralten Kirchen geziert ist. Eine davon, noch im byzantinischen Stil erbaut, lag ungefähr eine halbe Meile südwärts unseres Albergo auf einer Anhöhe, an die sich ein paar Hütten schmiegten.

Während wir unsere Blicke über der nach verregneter Nacht im Morgenlicht gleißenden Landschaft schweifen ließen, saßen wir auf der Terrasse und nahmen unser Pranzo (Frühstück) ein, das aus zwei Scheiben Vollkornbrot bestand, die mit Butter und Honig bestrichen waren. Dazu gab es warme Kuhmilch vom nächsten Bauernhof. Es war erst gegen 7.00 am Morgen, denn wir planten eine kräftezehrende Bergtour.

Noch kauten wir auf beiden Backen, da sahen wir zwei ameisenhafte Gestalten den grünen Hügel hinuntereilen und mitten zwischen den armseligen Hütten hindurchrennen.

»Habens eilig, die Menschlein da«, sagte ich kichernd.

»Genau gesagt, Männer«, ergänzte Volpe.

»Unglaublich! Die Entfernung zu groß, das zu erkennen.«

»Frauen rennen anders, zumindest hier auf dem konservativen Lande, wo sie noch lange Kleider tragen, über die sie bei zu großer Eile stolpern, um dann mit dem Gesicht voran in den Dreck zu fallen«, knurrte Volpe.

»Zugegeben! Männer also.«

»Aber keine jungen Männer, wenn ich bitten darf. Der eine ist Priester des tausend Jahre alten Kirchleins.«

»Auch das kann ich nicht erkennen.«

»Er ist aus dem Pfarrhaus herausgestürzt und dann geradewegs den Hügel hinuntergerannt; also ist es der Priester. So früh am Morgen besucht noch keiner das Gotteshaus.

Der andere, der bereits weit hinter ihm zurückgeblieben ist, weil er schon gar keine Kondition hat, muss ihm eine furchtbare Nachricht überbracht haben, und daher hat es der gute Mann jetzt auf mich abgesehen. Gewiss hat sich meine Ankunft herumgesprochen. Aber auch der Geistliche ist es nicht gewohnt, so verrückt durch die Gegend zu fetzen.«

»Woher willst du das wissen?«

»Er ist jetzt nur noch zweihundert Meter von uns entfernt. Siehst du nicht, wie ungeschickt er mit den Armen rudert. Ferner ist er zu korpulent, um unseren Athleten bei den nächsten olympischen Spielen Konkurrenz zu machen, hihihi. Wie die meisten Gottesmänner liebt er herzhafte Hausmannskost und einen guten Tropfen. Das macht sich jetzt bemerkbar.«

»Du hast mich überzeugt«, sagte ich, »und der lange schwarze Mantel verrät den Priester.«

»Hihihi«, kicherte Volpe boshaft, »deine Beobachtungsgabe ist wieder einmal überwältigend. Wo käme ich nur hin, wenn ich dich nicht an meiner Seite hätte?«

Mittlerweile war der Geistliche herangeschnauft und stolperte die Stufen zu unserer Terrasse hinauf. Volpe grinste ihm belustigt entgegen, denn der Übergewichtige war vor Überanstrengung blau angelaufen und bekam kein Wort heraus, während sich allmählich auch der ihm folgende Mann zu uns bemühte.

Ich will die beiden, bevor wir zur Sache kommen, kurz beschreiben: Der Priester war fürchterlich schief in einen bis zu den Waden reichenden Talar gehüllt; von mittlerer Größe und durchaus kräftiger Statur; funkelnde Schweinsäuglein inmitten eines vom schlohweißen Rauschebart umwallten feisten Gesichtes; die Füße strumpflos in Sandalen; darüber stachelige Waden. Noch rang er nach Atem, als Volpe auch schon sagte:

»Ach du liebes Bisschen! Priester und Schmied in einer Person, wenn auch kein besonders geschickter; endlich mal was Neues! Und auch noch Linkshänder; bemerkenswert.«

»Man muss sehen, wie man über die Runden kommt«, ächzte der Priester, »und als Hirte dieser winzigen Gemeinde komme ich ohne Nebenerwerb nicht aus. Aber woher wollen Sie wissen, dass … gewiss haben es unsere alten Waschweiber ausposaunt.«

»Das nicht«, sagte Volpe, »aber man sieht es.«

»Sind Sie Hellseher? Ich stecke in der Alltagskluft des Priesters. Wie könnte man mir den Dorfschmied ansehen?«

»Erstens einmal ist Ihr langer weißer Bart an den Spitzen versengt und Ihr linker Arm, vor allem der Bizeps, deutlich kräftiger als der rechte. Ferner ist die linke Hand größer als die rechte. Einige Fingernägel Ihrer rechten Hand weisen blaue Stellen auf. Also haben Sie sie bei der Arbeit am Amboss gequetscht oder mit dem Hammer getroffen. Ich weiß nicht, ob das Schmiedehandwerk der richtige Beruf für Sie ist.«

»Ach, so ist das«, murmelte der Priester enttäuscht, »so einfach war das zu erkennen; das reinste Kinderspiel! Und ich hatte Sie schon für einen Hexenmeister gehalten.«

Mit diesen Worten ließ er sich auf einen freien Stuhl fallen, der unter seiner Last gefährlich aufstöhnte. Volpe schob ihm einen gefüllten Becher Milch hinüber. Gierig trank er, während ihm der Schweiß nur so herab rann. Das Blaue aus seinem Gesicht war einer feurigen Röte gewichen. Volpe nahm das Wort:

»Omne arcanum mirificum (jedes Geheimnis ist wunderbar), sagen wir alten Lateiner«, murmelte er verärgert, »aber jetzt wäre es an der Zeit, uns Ihren Begleiter vorzustellen. Nicht wahr, Sie kommen in einer Mordangelegenheit zu mir? Und wie ich sehe, ist es keiner der landläufigen Art.«

Mein innig geliebter Leser (m/w/d), bevor ich im Schildern des Geschehens fortfahre, möchte ich Dir den anderen Signore, wie folgt, beschreiben:

Es war ein fürchterlich magerer und bleicher Kerl mit spiegelnder Halbglatze. Er hielt sich so schief, dass man meinen könnte, er hätte eine Rückgratverkrümmung, ganz so, als trüge er eine schwere Last auf dem Buckel. Im Gegensatz zum geschwätzigen Priester schien er vollkommen in sich gekehrt. Trübsinnig starrte er vor sich hin und blickte aus feuchten Augen zu Boden.

Fragend sah ich ihn an. Allmählich wich die bläuliche Farbe aus seinem Gesicht, und er kam wieder zu Atem. Bevor ihn der Priester noch vorstellen konnte, sagte Volpe: »Lieber Freund, Sie sind um die fünfundvierzig Jahre alt und verdienen Ihre Brötchen als Bürokraft. Das genügt, um nicht zu verhungern, aber reich geworden sind Sie davon nicht. Körperliche Arbeit vermeiden Sie tunlichst und sind, wie der Priester, natürlich Junggeselle geblieben. Ferner sind Sie vom Unheil, das ihr zu berichten habt, persönlich betroffen.«

Der Angekommene brachte vor Verblüffung kein Wort heraus, und Volpe war diesmal nicht mehr bereit zu verraten, wie er all das herausgefunden hatte. Ich versuchte, seinen Gedanken zu folgen und wurde fündig:

Der Besucher hatte Arme wie dürre Hölzer. Seine filigranen Finger wiesen Tintenflecke auf. Er trug keinen Ehering. Einige schwarze Spritzer, winzig klein, entdeckte ich auch auf seinem weißen Hemd, das ziemlich ungepflegt war und nach der Hausfrau schrie. Er schien von Entsetzen ergriffen. Es arbeitete in seinem Gesicht. Er war zwar nicht ganz so nervös wie der Geistliche, aber das Zucken seiner mageren Hände und der unruhige Glanz der Augen verrieten, dass er aufs Höchste erregt war.

Zögerlich nahm er Platz und sah misstrauisch zu Volpe hinüber, ganz so, als hielte er nicht viel von dessen Methoden.

»Ich, äh, ich … heiße Adolfo Grana (Korn)«, stotterte der Priester, »und das da ist mein Untermieter, Signore Ruggiero Lupo (Roger Wolf). Er wohnt seit geraumer Zeit bei mir im Pfarrhaus, gleich neben der Kirche. Für zwei Junggesellen ist dort mehr als genug Platz, doch nun zur Sache: In meiner Gemeinde hat sich etwas Grauenvolles ereignet. Was geschehen ist, erscheint mir so unheimlich, dass ich an das widerliche Walten des Satans glaube. Und jetzt danke ich dem Lieben Gott, dass Sie, lieber Signore Tartini, Venedigs berühmtester Detektiv, hier vor Ort weilen, um uns beizustehen.«

Wütend sah ich dem Priester ins Gesicht und rief: »Mein Freund ist krank und zur Erholung hier. Wenden Sie sich gefälligst an die Carabinieri, an die Männer da drüben in Chiesa d‘Alpago. Wenn die nichts herausbringen, dann holt die Bullen aus Belluno zu Hilfe!«

Noch sagte ich das, als meine Blicke vom Priester auf Volpe fielen: Er war wie umgewandelt; keine Spur von Lethargie und Lebensüberdruss mehr. Kerzengerade saß er auf der Kante des Sessels. Sein fuchsiges Gesicht war urplötzlich gestrafft und rosig aufleuchtend. Mir wollte er wie ein Jagdhund vorkommen, den man aus dem Zwinger entlassen hat, um ihn auf eine frische Fährte zu setzen. Ich begriff, dass es zwecklos wäre, ihn in seinem frisch zum Leben erwachten Jagdfieber aufzuhalten.

Die Signori wechselten kurze Blicke, als wolle der eine den anderen zum Reden ermuntern, da sagte Volpe lächelnd: »Verehrter Signore Lupo, Ihr Freund, der Priester, weiß alles nur von dem, was Sie ihm berichtet haben. Daher halte ich es für angebracht, wenn Sie selbst schilderten, was Sie bei Morgengrauen entdeckten. Jedenfalls war es so grässlich, dass Sie wie von Sinnen zurück zum Pfarrhaus rannten, um den Pastor aus dem Schlaf zu reißen. Nicht wahr, das Grauen hat Sie auf dem Morgenspaziergang ereilt?!«

Na, wenn ich nicht die Methoden meines Freundes kannte, wer dann? Herr Wolf war sorgfältig gekleidet, Hemd, Gürtel, alles tadellos sitzend, wenn auch mit den obigen Mängeln behaftet und kräftiges Schuhwerk an den Füßen, während der Priester im zerknautscht wirkenden Talar steckte, Haar und Bart in wirrem irrem Durcheinander.

Ganz gewiss hatte ihn der Untermieter aus dem Bett geholt, um ihm die Mär zu berichten, von der wir nun erfahren sollten. Aber Meister Wolf klappte den Mund nur mehrfach auf und zu, ekelhaft gelbliche Zahnruinen zeigend, und brachte kein Sterbenswörtchen heraus. Er und Signore Grana mussten meinen Freund für einen Hellseher halten, wo doch im Grunde alles so einfach zu erkennen war. Der Priester sah dem Gebaren seine Hausgenossen nicht mehr länger zu und plapperte drauflos.

»Lieber verehrter Signore Tartini, caro Dottore Medico Petrescu, vielleicht sollte ich an seiner Stelle sagen, was ich weiß, denn dann werden Sie verstehen, warum ihm die Worte fehlen. Wenn ich fertig bin, können Sie ihm oder mir beliebige Fragen stellen, falls Sie nicht unmittelbar an den Ort des Dramas eilen wollten. Wir haben nichts angerührt. Alles ist noch so, wie Lupo es entdeckt hat. Die Carabinieri in Chiesa d‘Alpago sind übrigens verständigt, aber wie ich sie kenne, wird es noch eine Weile dauern, bis die Schafmützen vor Ort sind.«

Volpe grunzte zustimmend. Grana nahm wieder das Wort.

»Mein Untermieter hat den gestrigen Abend in der Gesellschaft seines Bruders Sesto sowie seiner Schwester Cecilia zugebracht, beide unverheiratet, und das in ihrem gemeinsamen Haus. Es liegt seitab unseres Dörfchens, mitten in den grünen Feldern, denn es war früher mal ein Bauernhof.

Man trank einen guten Tropfen und ergab sich dem Kartendreschen. Ungefähr eine Stunde vor Mitternacht überließ Ruggiero seine Geschwister dem Spielen und schlenderte nach Hause. Ich war noch auf. Er wünschte mir eine gute Nacht und zog sich in seine Räumlichkeiten zurück. Froh darüber, dass er zu Hause war, legte ich den Riegel vor und haute mich aufs Ohr.

Im Unterschied zu mir Langschläfer ist mein Mieter ein bekennender Frühaufsteher. Ich hörte ihn bei Morgengrauen die Treppe hinunter poltern, den Riegel beiseite schieben und sich singend auf einen Morgenspaziergang begeben, wie das so seine Art ist. Ich gähnte herzhaft und schlief wieder ein.

Bald darauf stürmte er mir wieder die Bude und riss mich aus den Federn, um mir schreckensbleich zu berichten, er habe die Geschwister aufsuchen wollen, aber sein Klopfen sei vergebens gewesen. Da sei er in den Garten gegangen, um von durch das rückwärtige Fenster ins Wohnzimmer zu sehen und habe die beiden in grauenhaftem Zustand entdeckt.

Sie hockten noch so ähnlich am Tisch, wie er sie verlassen hatte; neben ihnen wild verstreut die Karten; halbleere Becher auf dem Tisch und die heruntergebrannte und erloschene Partyleuchte im kleinen roten Blecheimer weiter hinten im Raum.

Sie waren zu Stein erstarrt. Im Tode noch schnitten sie Grimassen; die Gesichter schwarz angelaufen; die Augen weit aufgerissen; die Zungen herausgestreckt; alles so, als wären sie von Satan persönlich zu Tode erschreckt worden.

Gewiss wäre es jetzt das Beste, caro Signore Tartini, wenn Sie zum Ort des Geschehens eilten und sich die Szene des Schreckens ansähen. Mir will es so scheinen, dass ihnen der mächtige und große Herr der Hölle persönlich erschienen ist und sie im Schock erstarrt ums Leben kommen ließ.

Auf jeden Fall habe ich eine Mail ans Revier gesendet und die Carabinieri um Hilfe gebeten. Ich denke, das war meine Pflicht, auch wenn ich mir von den dortigen Männern nicht viel verspreche. Ihre Methoden scheinen veraltet zu sein, und die Spitzbuben unserer Gegend machen sich über sie lustig.«

Der Priester schwieg. Ich schüttelte den Kopf. An Meister Satan und sein unheilvolles Eingreifen in unser Leben mochte ich nicht recht glauben. Volpe starrte eine Zeitlang auf die gegeneinander gepressten Fingerspitzen; dann sagte er zu Signore Lupo: »Sie sind also nicht zu den Toten hineingegangen.«

»Leider war das unmöglich.«

»Besitzen Sie denn keinen Schlüssel zum Haus?«

»Doch, aber das brachte mir nichts. Die Tür hat leider einen Riegel, der nur von innen zu öffnen ist. Er war zugeschoben.«

»Ist Ihnen sonst noch etwas aufgefallen?«

»Nein, nichts. Alles lag in tiefstem Schweigen; niemand weit und breit zu sehen. Ich bin zweimal ums Haus gegangen und habe durch die geschlossenen Fenster hineingeblickt. Es ist alles so, wie ich es gegen Mitternacht verlassen hatte. In meiner Abwesenheit konnte dort niemand eingedrungen sein.«

Der Priester nahm das Wort: »Jetzt, Signore Tartini, sind Sie im Bilde. Wenn Sie uns helfen könnten, das Geheimnis zu lüften, wäre ich Ihnen dankbar.«

All mein Hoffen beruhte nun darauf, Volpe zum Ausruhen bewegen zu können. Aus diesem Grunde waren wir ja aufs stille Land gereist. Aber ein einziger Blick zeigte mir, dass es vergebliche Liebesmüh wäre, ihn jetzt noch aufzuhalten. Sein gespannter Ausdruck sprach Bände. Eine Zeitlang blieb er in tiefem Nachdenken versunken hocken; dann murmelte er: »Eine interessante Sache! Gerne will ich mich an der Lösung beteiligen. Aber Sie, caro Signore Prete (Priester), waren bisher überhaupt noch nicht am Ort des Geschehens?«

»Nein! Als Ruggiero mich mit seinem Bericht aus dem Bett riss, dachte ich gleich an den Besuch aus Venedig und bin mit ihm zusammen hierher geeilt, um Ihren Rat einzuholen.«

»Wie weit ist es vom Pfarrhaus bis zum Landhaus der Signori Lupo?«

»Wie schon gesagt«, antwortete der Priester, »es liegt abseits in der Einsamkeit der Felder und Wiesen, ungefähr einen Kilometer von unserer gemeinsamen Behausung entfernt.«

»Dann schlage ich vor, wir gehen hinüber; zuvor aber noch ein paar Fragen, lieber Signore Lupo.«

Der Angeredete hob seinen Kopf, den er wieder in Händen vergraben hatte. Höchste Erregung hatte von ihm Besitz ergriffen. Mit verhärmtem Gesicht saß er da, während seine Hände sich ineinander krampften. Seine bläulichen Lippen zitterten. Als er nun zu uns aufblickte, gewahrte ich in seinen Augen so etwas wie das Grauen über den Anblick seiner Verwandten.

»Fragen Sie mich, was Sie fragen müssen«, brachte er mühsam hervor, »auch wenn es für mich entsetzlich ist, darüber berichten zu müssen. Ich bin bereit.«

»Gut«, sagte Volpe und legte die Fingerspitzen wieder aufeinander, »wunderbar! Ich wüsste gerne, was gestern Abend geschah, als Sie drei dem Kartenspiel oblagen.«

»Nichts Besonderes! Wie so oft, war ich von ihnen zur Cena (Abendessen) eingeladen. Meine Schwester hatte ein leckeres Mahl auf den Tisch gebracht. Als wir damit fertig waren, machte ich den Vorschlag, die restliche Zeit durch Kartendreschen zu überbrücken. Das war gegen 21.00 Uhr. Ich hatte keinen guten Tag erwischt. Dennoch ließ ich mir die Laune nicht verderben und spielte munter weiter. Gegen 23. 00 Uhr machte ich mich auf den Heimweg. Die Geschwister spielten noch weiter und waren in bester Stimmung. Ich habe sie nicht mehr lebend gesehen.«

»Sind Sie alleine aus dem Hause gegangen?«

»Nein, mein Bruder geleitete mich zur Tür und schob dann den einen der zwei inneren Riegel vor. Er ist rostig. Ich vernahm das unangenehm knirschende Geräusch.«

»Nach welcher Seite des Hofes liegt die Haustür?«

»Auf der Gartenseite.«

»Dann müssten Sie ja, wenn ich nicht irre, unterhalb des Wohnzimmerfensters vorüber gekommen sein, oder? Konnten Sie sehen, was drinnen vor sich ging?«

»Ja, gewiss! Das Fenster war geschlossen. Ich sah sie am Tisch sitzen und mit den Spielkarten hantieren. Ich ging dann nach vorne und über den geschotterten Feldweg nach Hause, wo mir der Priester öffnete. Bald darauf begab ich mich zur Ruhe.

Als ich heute früh wieder hinging, machte mir niemand auf. Ich blickte durchs Fenster und sah meine Schwester leblos im Sessel hängen, das Gesicht verzerrt. Ihr gegenüber hockte mein Bruder, ebenso im Grauen des Todes erstarrt. Auf dem Tisch standen ein leeres und zwei halbvolle Gläser; daneben verstreut die Karten.«

Meister Lupo schwieg. Volpe dachte für einen kurzen Augenblick nach; dann murmelte er:

»Eine ungewöhnliche Sache! Haben Sie eine Erklärung dafür?«

Der Priester mischte sich ein und rief: »Das können nur die bösen Geister der Hölle gewesen sein, die als einzige imstande sind, durch Schlüssellöcher zu schlüpfen; vielleicht der Teufel in Person. Das Haus war und ist verriegelt und verrammelt. Kein Mensch kann sie umgebracht haben. Wir werden ihnen ein feierliches Requiem abhalten.«

Volpe sagte süffisant lächelnd: »Wenn es solch infernalische Wesen waren, dann hätten Sie mich nicht aufsuchen müssen. Doch ehe wir vor ihnen kapitulieren, wollen wir uns auf die Suche nach einer natürlichen Ursache machen. Nicht wahr, lieber Signore Lupo, Sie standen mit den Verwandten nicht immer in einem guten Verhältnis?«

Der Angeredete zuckte merklich zusammen und fragte stotternd, woher Volpe dies denn wissen könne.

»Ganz einfach, mein Lieber«, sagte er, »wenn von drei unverheirateten Geschwistern zwei gemeinsam das Elternhaus bewohnen und der dritte Untermieter beim Dorfpriester ist, dann liegt ein gewisser Streit doch auf der Hand.«

»Das haben Sie richtig erraten«, sagte Lupo, »auch wenn der Grund unserer Unstimmigkeiten weit, weit zurück liegt. Wir haben ihn vor Jahren begraben und lebten in Freundschaft.

Unsere Eltern machten hier den Landwirt. Als sie starben, sah ich mich enterbt. Die Geschwister bekamen das Haus und verpachteten das Land an einen Großbauer. Davon leben, äh, lebten sie. Es gab damals einen kleinen Rechtsstreit, den wir zu aller Zufriedenheit beilegen konnten, indem ich seitdem meinen Anteil an der Pacht erhalte.

Wir drei lebten seitdem in Frieden und Freundschaft mit einander, bis … bis … bis heute früh … oh, du allmächtiger Gott!«

»Gut«, sagte Volpe gedehnt, »das wäre also geklärt. Aber könnten Sie jetzt noch einmal darüber nachdenken, ob Ihnen beim feuchtfröhlichen Beisammensein nicht etwas aufgefallen ist. Vielleicht war da irgendetwas, das Ihre Aufmerksamkeit erregte, und sei es von scheinbar geringster Bedeutung?«

»Nicht, dass ich wüsste«, erwiderte Lupo.

»Ihre Geschwister waren bestens gelaunt?«

»Das kann man so sagen!«

»Und nichts deutete darauf hin, dass sie vor irgend etwas Furcht hatten oder eine Gefahr auf sich zu kommen sahen?«

»Ich wüsste nichts; mir ist nichts aufgefallen.«

»Und das ist alles, was Sie zu sagen haben?«

Lupo schien nachzudenken. Nach einer Weile sagte er:

»Doch, da war noch etwas. Ich saß die gesamte Zeit mit dem Rücken zum Fenster. Die Geschwister hockten mir gegenüber. Einmal kam es mir so vor, als ob der Bruder mir angestrengt über die Schulter nach draußen ins Finstere sähe. Ich drehte mich um und starrte durch das geschlossene Fenster in den Garten. Für die Zeit eines Atemzuges glaubte ich, eine Gestalt sich bewegen gesehen zu haben; vielleicht ein Mensch; vielleicht ein Tier.

Ich fragte Sesto, ob er dasselbe erblickt hätte. Er nickte und meinte, es seien die Sträucher des Gartens gewesen, die sich im wimmernden Wind der verregneten Nacht wiegten. Dann spielten wir weiter.«

»Und keiner ist hinausgegangen, um nachzusehen?«

»Nein! Das Argument von den Büschen war plausibel. Wer sollte auch bei diesem Wetter noch unterwegs sein?«

»Als Sie sich verabschiedeten, haben Sie da irgendwelche Ahnungen oder Vermutungen gehabt?«

»Nicht die geringsten! Cecilia gab mir ihren Ombrello (Schirm) mit, und so gelangte ich einigermaßen trocken nach Hause.«

»Aber warum sind Sie heute kurz vor Sonnenaufgang wieder zu ihnen hingegangen? Hatten Sie eine Vorahnung?«

»Nein, ich bin Frühaufsteher und benötige wenig Schlaf. Mein Morgenspaziergang führt mich stets am Haus der Geschwister vorbei. Außerdem musste ich Cecilia den Schirm zurückbringen. Gewiss hätte ich die beiden nicht geweckt, falls sie noch schliefen und den Ombrello nur an die Haustür gelehnt, aber als ich in den Garten ging, um ins Wohnzimmer zu spähen …«

Erneut schüttelte sich der Ärmste, vom Grauen gepackt.

»Schön, gut, wunderbar«, sagte Volpe trocken, »das war alles, was ich wissen wollte. Jetzt sollten wir zum Ort des Dramas eilen. Sergiu wird den Arztkoffer mitnehmen. Es wäre außerordentlich nett, Signori, wenn Sie uns den Weg wiesen. Wenn ich Sie richtig verstanden habe, müssen wir ungefähr einen Kilometer weit durch die Fluren traben, gut für uns am Morgen.«

Der Priester nickte und erhob sich schwerfällig. Lupo federte aus dem Polster in die Höhe. Ich tat Desgleichen, wenn auch nur mit halbem Elan. Volpe sprühte vor Energie. Wir joggten dann hinter unserem Paar einher. Nebeneinander laufend, eilten sie vor uns über einen grasigen Feldweg von dannen, während mir Volpe böse grinsend ins Ohr flüsterte:

»Dir ist gewiss aufgefallen, mein Lieber, dass Lupo zumindest in einem Punkt gelogen hat, nicht wahr, mein Bester? Wir haben da eine zwielichtige Gestalt vor uns.«

Verblüfft schüttelte ich den Kopf. Wie konnte dieser Meister der Logik denn bei Ruggieros nüchterner Aussage etwas Verlogenes entdeckt haben? Fragend schaute ich ihm ins fuchsige Gesicht. Er lächelte boshaft und legte den Zeigefinger an die Lippen. Ich wusste, was er meinte und schwieg, denn schon näherten wir uns dem Heim der toten Geschwister.

 

 

4. Teil: Im Haus des Grauens

Es handelte sich um ein wettergegerbtes altes Landhaus, das schon bessere Zeiten gesehen hatte. Würfelförmig errichtet und von einem pyramidenförmigen Ziegeldach gekrönt, war es nicht ohne Anmut auf einer flachen Anhöhe zwischen die blühenden Fluren gebaut; rundherum ein Garten, in dem die Blumen bunte Farbtupfer hinterließen. Vögel zwitscherten in den steil ins Blau des Himmels ragenden Kastanienbäumen, welche die vier Ecken des quadratischen Anwesens markierten.

Wir gingen auf dem unter den Schuhsohlen knirschenden Kiesweg zum Gebäude hin, dann nach rechts in den Garten und standen zunächst vor dem großen Wohnzimmerfenster, das aus drei Flügeln bestand, deren jeder in sechs kleinere Scheiben unterteilt war. Einige Meter entfernt davon erblickte ich ein paar Büsche, die sich im Frühsommerwind wiegten.

Hier also, mitten zwischen ihnen, musste die unheimliche Gestalt aufgetaucht sein, welche die Geschwister zu Tode erschreckt hatte. Wenn man unter das oben beschriebene Fenster gelangen wollte, musste man über einen erdigen verunkrauteten Pfad schreiten. Volpe sah sich alles genauestens an, nickte und ging dann zu eben dieser Stelle hin.

Wir folgten ihm und blieben auf seinen Wink hin in angemessener Entfernung stehen. Er warf einen kurzen Blick durch das Fenster und untersuchte dann den Boden zwischen dem Gesträuch aufs Sorgfältigste. Einmal legte er sich dabei längelang auf den Rasen, um schließlich mit zufriedener Miene zu uns zurückzukehren.

Er werde sich jetzt den hinter dem Wohnzimmerfenster befindlichen Hauseingang ansehen, sagte er und machte sich auf den Weg. Schon wollten wir ihm folgen, doch er war dergestalt in Gedanken versunken, dass er über ein kleines Fass stolperte, in dem das Regenwasser gespeichert wurde. Es stürzte um. Sein grünlicher Inhalt ergoss sich über den Gartenweg und flutete uns entgegen. Verärgert sah ich hinter meinem Freund her, denn wir alle bekamen schlammige Füße, nur er nicht.

Und schon standen vor einem Portal, welches von zwei Halbsäulen eingerahmt wurde, überdacht von einem ziegelgedeckten Giebel. Volpe stapfte die drei steinernen Stufen empor, rüttelte vergebens an der Tür und murmelte schließlich:

»Ohne Werkzeug kommen wir nicht hinein. Obwohl ich wüsste, wie man hier einbrechen könnte, will ich es lieber nicht tun. Sagten Sie nicht, Signore Grana, Sie hätten bereits die Wache von Chiesa d‘Alpago benachrichtigt?«

Der Priester nickte.

»So wollen wir uns denn als gesetzestreue Genossen noch eine Weile in Geduld üben. Lange kann es nicht mehr dauern, bis sie da sind. Höre ich nicht schon das Geräusch der Räder eines Jeeps auf dem Schotter des Feldwegs?«

Volpe hatte wieder einmal Recht: In zügiger Fahrt kam ein kleiner grüner Geländewagen gebraust. Auf den Vordersitzen des betagten Lada hockten zwei uniformierte Carabinieri, der jüngere der beiden am Steuer.

Der Wagen kam zum Stehen. Der Beifahrer sprang leichtfüßig heraus und rannte auf uns zu. Als er Volpe gewahrte, strahlte er über das ganze Gesicht.

»Welch eine Freude«, rief er im Näherkommen, »der berühmte Giuseppe Tartini ist hier! Wie oft habe ich meinen venezianischen Kollegen di Fusco beneidet, wenn er mit ihm Seite an Seite einen Fall lösen durfte. Ich bin Commissario Michele Ferrano – und das ist mein Assistent Tito Antonini.«

»Die Freude auf meiner Seite ist ebenso groß«, sagte Volpe, »denn ich habe von etlichen Fällen gehört, die Sie tadellos zum Abschluss brachten. Kommen Sie bitte mit und werfen Sie einen Blick durch das Fenster! Das bringt mehr als alle Worte.«

Die beiden Carabinieri nahmen Volpe in ihre Mitte. Gemeinsam schritt man zum oben beschriebenen Fenster, um hineinzusehen. Der junge Mann, der noch keine große Erfahrung hatte, stieß einen Schrei aus, lief grünlich an, rannte in die Weite des Gartens und erbrach sich.

»Ein tolles Stückchen«, murmelte Ferrano und war aschfahl geworden, »so ziemlich der scheußlichste Anblick meines Lebens, und ich habe schon so manches gesehen, manches erlebt; und was hörte ich vom Priester? Das Haus ist verrammelt und der Riegel von innen vorgeschoben? Das kann nicht mit rechten Dingen zugehen. Aber ich habe für alle Fälle eine Axt mitgebracht.«

»Ausgezeichnet«, sagte Volpe, »Sie sind eine Leuchte unseres Berufes und haben an alles gedacht. Gehen wir ans Werk!«

»Tito«, sagte der Commissario zu seinem Rekruten, der mittlerweile käsebleich zurückgekehrt war, »nimm dieses eiserne Gerät und hacke die Tür vorschriftsgemäß auf!«

»Eine Vorschrift fürs Türaufhacken?«, staunte ich.

»Geübt ist geübt«, sagte Signore Ferrano, »denn wo kämen wir hin, wenn wir es da nicht zu einer gewissen Meisterschaft gebracht hätten? Diese Dickschädel von Bauern verschanzen sich doch bei jeder Gelegenheit in ihren Hütten, und sei es nur, weil sie die Frau Gemahlin windelweich gehauen haben und jetzt die halbe Leiche nicht herausrücken wollen.«

Tito beäugte die Haustüre mittlerweile misstrauisch; dann rüttelte er an ihr und sagte: »Es ist tatsächlich ein Riegel vorgeschoben.«

»Weißt du, wo er zu finden ist?«, fragte Ferrano ihn.

»Das erkennt man meistens daran«, sagte er und zeigte auf die runden Köpfe von vier rostigen Nieten.

»Auf der Außenseite des Türblattes sieht man diese rotbraunen Dinger. Jeweils zwei sind auf der Innenseite miteinander verbunden; und durch die dadurch entstehenden Ösen ist der Riegel geführt, der dann in eine Nische der seitlichen Mauer geschoben werden kann. So gehen fast alle Riegel der sturen Bauern hierzulande im Alpago.«

Mir leuchtete das ein. Tito nahm die Axt zur Hand, holte möglichst weit aus und ließ sie dann mit donnerndem Getöse auf dem Reich der Nietenköpfe hernieder sausen. Als er das einige Male getan hatte, öffnete sich die Haustür wie von selbst und pendelte ächzend in den Angeln. Uns gähnte ein düsterer Korridor entgegen, in dessen Halbdunkel sich auf der rechten Flanke die Umrisse verschiedener Türen abzeichneten. Linksseitig war die Halle an die Außenwand angefügt und endete an einer Treppe ins Obergeschoss. Wir standen starr und lauschten angestrengt; kein Geräusch; alles totenstill.

Signore Ferrano gab Volpe mit einem Zeichen zu erkennen, dass er ihm den Vortritt ließ. Vorsichtig betrat er den Gang und starrte auf die Fliesen. Sie waren ausgetreten, wiesen aber nicht die geringsten Spuren auf.

Üble Luft, die mit ekelhaft-faulig nur unzureichend beschrieben wäre, strömte uns entgegen und zischte an uns vorbei, hinaus in die Frische des Morgens. Sie benahm uns den Atem und ließ uns würgen. Entsetzt blickten wir einander in die Augen, denn dieser Aasgeruch konnte nur aus dem Reich der Toten kommen.

Die Tür zum Wohnzimmer, in dem die Leichen liegen mussten, stand halb offen und bewegte sich, indem sie in die Halle hinein pendelte, knarrend in der Zugluft. Ich vernahm das kratzende Geräusch der in ihr schmarotzenden Holzwürmer. Mir ward unheimlich zumute. Ich wollte, ich wäre in unserem schönen Venedig und nicht hier auf dem Lande. Wie oft hatte mich Volpe schon davor gewarnt, die ländliche Einsamkeit mit einer Idylle des Friedens zu verwechseln.

Wir folgten ihm und tasteten uns bis zur besagten Tür des Wohnzimmers vor. Der Anblick, der sich bot, war grässlicher als alles, was ich jemals gesehen hatte. Die Geschwister hockten einander gegenüber am Tisch, auf dem die Karten in wirrem Durcheinander neben den Gläsern lagen. Der dritte und vierte Stuhl war an der Wand zerschmettert worden. Das Vertiko lag umgestürzt auf dem Estrich. Ich wandte meine Blicke der toten Frau zu.

Cecilia mochte zu Lebzeiten als schöne Frau gegolten haben. Die meisten Frauen hätten sie um ihre Figur beneiden können, wie sie da erstarrt im Lehnstuhl hing, diese Dame von Mitte dreißig, den Leib in ein ärmelloses blaues Kleid gehüllt. Ihr fein geschnittenes, vom Blondhaar umwölktes Gesicht hätte noch im Tode als anziehend gegolten, wenn es nicht schwärzlich angelaufen wäre und samt dunkler, heraushängender Zunge und offen stehender Glotzaugen Ausdruck unerhörten Grauens gewesen wäre.

Ein langes Küchenmesser war ihr in die Brust gerammt worden, aus der aber nur wenig Blut geflossen und dann geronnen war. Ein Schwarm schwarzer Fliegen suchte brausend das Weite. Sie waren zur Eiablage durch das fingerbreit offen stehende Fenster der nebenan liegenden Toilette eingedrungen.

Volpe gab mir ein Zeichen. Ich ging mit schlotternden Beinen hinein, öffnete den einen Fensterflügel, um die eklige Luft hinauszulassen, schritt dann zu Cecilia hin, um sie zu untersuchen, während die anderen stumm auf der Schwelle verharrten.

Sie war kalt und steif. Ich nahm eine feine Schere aus meinem Köfferchen hervor und trennte das Gewand an eben der Stelle auf, wo die Klinge hindurchgestoßen worden war. Der Täter hatte sie der Frau mitten ins Herz hinein gestoßen und stecken lassen. Es war aber kaum Blut hervorgetreten. Mühsam drehte ich mich um und krächzte:

»Der Tod ist nach all meiner Erfahrung gegen 0.30 Uhr eingetreten. Sie muss schon eine Weile tot gewesen sein, als man ihr dieses Messer da durch die Rippen rammte, mitten ins Herz hinein. Warum eine Tote töten wollen, ist hier die Frage.«

»Gut«, sagte der Carabiniere, »dann untersuchen Sie bitte auch noch die Leiche des Mannes!«

Sesto saß krumm auf einem Korbstuhl und hatte beide Hände auf den Tisch gestützt. Im Gesicht ähnelte er seiner Schwester in jeder Hinsicht. Auch er war im Grauen zu Stein erstarrt. Nie zuvor hatte ich eine derart entstellte Miene gesehen. Im Unterschied zur Schwester hing ihm die Zunge nicht so weit heraus. Dafür waren seine Zähne gebleckt und hatten sich ins Fleisch der Zunge verbissen. Die Haare sträubten sich noch im Tode. Seine rechte Hand wies geringe Blutspuren auf.

Ich untersuchte die Leiche nach allen Regeln der Kunst und sagte schließlich, nachdem ich das Zimmer wieder verlassen hatte: »Auch er ist schon stundenlang im Jenseits. Allerdings deuten die Anzeichen darauf hin, dass der Tod nicht vor ca. 3.00 Uhr eingetreten ist. Vermutlich hat er noch eine Zeitlang getobt und im Irrsinn der Schwester das Messer in die Brust gestoßen.«

»Vielleicht; vielleicht auch nicht; nur keine voreiligen Schlüsse«, murmelte Volpe und ging vorsichtig in den Raum hinein, um ihn mit leichten und raschen Schritten zu durchmessen. Ich sah, wie er durch das Fenster in den Garten hinaus blickte, gewiss, um zu sehen, wer oder was dort in der vergangenen Nacht gewesen war.

Details

Seiten
165
Jahr
2020
ISBN (eBook)
9783738938425
Sprache
Deutsch
Erscheinungsdatum
2020 (März)
Schlagworte
volpe blüten todes

Autor

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Titel: Volpe und die Blüten des Todes