Lade Inhalt...

Lasst mir mein Kind!

2020 170 Seiten

Leseprobe

Table of Contents

Lasst mir mein Kind!

Copyright

1

2

3

4

5

6

7

8

9

10

11

12

13

14

15

16

17

18

19

Lasst mir mein Kind!

Arztroman von Glenn Stirling

 

Der Umfang dieses Buchs entspricht 170 Taschenbuchseiten.

 

Es ist der schlimmste Albtraum: zu Unrecht beschuldigt, inhaftiert, wie ein Verbrecher behandelt und schließlich von der Boulevardpresse vorverurteilt zu werden. Und dass einem mit Gewalt die kleine Tochter weggenommen wird … Das muss auch Dr. Renato Vallone, erfolgreicher Arzt der Paul-Ehrlich-Klinik, erfahren. Er und seine Frau Marlies sollen Rauschgift geschmuggelt haben und obwohl die Unschuldsvermutung gilt, ist auch die Polizei nicht gerade zimperlich. Nur gut, dass die Leidgeprüften einen Freund wie Dr. Winter haben, der sich vorbehaltlos für sie einsetzt. Aber wenn der Ruf einmal ruiniert ist, kann man sich kaum gegen Verleumdungen wehren ...

 

 

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books, Alfred Bekker, Alfred Bekker präsentiert, Casssiopeia-XXX-press, Alfredbooks, Uksak Sonder-Edition, Cassiopeiapress Extra Edition, Cassiopeiapress/AlfredBooks und BEKKERpublishing sind Imprints von

Alfred Bekker

© Roman by Author

© dieser Ausgabe 2020 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

Folge auf Twitter

https://twitter.com/BekkerAlfred

 

Zum Blog des Verlags geht es hier

https://cassiopeia.press

Alles rund um Belletristik!

Sei informiert über Neuerscheinungen und Hintergründe!

 

 

1

Es war ein traumhaft schöner Urlaub gewesen. Aber die drei freuten sich auch wieder auf zu Hause. Ihr Wagen näherte sich dem deutschen Schlagbaum. Keiner von ihnen ahnte, dass in wenigen Sekunden eine böse Überraschung auf sie wartete.

„Sind wir heute Abend zu Haus?“, fragte Ulrike, die im Fond sitzende Sechsjährige.

„Ja, mein Schatz“, erwiderte ihre Mutter, die vorn auf dem Beifahrersitz saß. „Wenn nichts dazwischenkommt ...“

Es sollte etwas dazwischenkommen!

Am Grenzübergang staute sich der Verkehr. Es ging nur noch schrittweise vorwärts. Etwa hundert Meter trennten den Wagen des jungen Arztes und seiner Familie vom deutschen Schlagbaum. Hundert Meter, und das Unglück, das diese junge Familie treffen sollte, würde zuschlagen.

Dabei hatte es bis jetzt ausgesehen, als hätten sie das Glück für alle Zeiten gepachtet. Begonnen hatte es vor acht Jahren, als Marlies den damaligen Medizinalassistenten Dr. Renato Vallone in der Paul-Ehrlich-Klinik kennengelernt hatte. Es war Liebe auf den ersten Blick gewesen. Ein halbes Jahr später heirateten sie. Vor sechs Jahren war Ulrike auf die Welt gekommen. Und die drei waren rundum das, was man eine glückliche Familie nennt. Renato war inzwischen längst Assistenzarzt geworden, arbeitete noch immer in der Paul-Ehrlich-Klinik, und dies zur Zufriedenheit von Chefarzt Prof. Frenzel und Oberarzt Dr. Winter. Seine Kollegen betrachteten Dr. Vallone als sympathisches Mitglied der Abteilung, respektierten sein Können, und die Patienten schätzten den Arzt, der immer freundlich war, der sich mühte, trotz der knappen Zeit auf jede Patientin einzugehen.

Zu Hause, in der hübschen 3-Zimmer-Wohnung, war Dr. Renato Vallone ein zärtlicher Liebhaber seiner Frau und ein rührender Vater seiner hübschen kleinen Tochter.

Zweimal im Jahr fuhren die drei nach Italien in Renatos Elternhaus.

Prof. Carlo Vallone, einer der führenden Frauenärzte Italiens, besaß am Lido di Ostia eine traumhafte Villa, wo die junge Familie ihren Sommerurlaub mit Renatos Eltern zusammen verbrachte.

Marlies verstand sich hervorragend mit ihren Schwiegereltern, denn sie selbst war Waise. Besonders Renatos Mutter und sie waren ein Herz und eine Seele. Renato und sein Vater ließen keine Gelegenheit aus, um zu fachsimpeln. Beide waren leidenschaftlich gerne Arzt. Beide hatte nie damit aufgehört dazuzulernen, wo sich die Möglichkeit bot.

Längst schon hatte Prof. Vallone seinen talentierten Sohn ans eigene Krankenhaus nach Rom holen wollen. Aber Renato gefiel es in Deutschland. Er wollte wenigstens noch einige Jahre da bleiben, ehe er vielleicht die Stellung eines Oberarztes im Krankenhaus des Vaters einnahm. Er meinte immer, sein Erfahrungsschatz müsste noch viel größer werden. Es kam noch etwas hinzu, was Renato Vallone an die Paul-Ehrlich-Klinik band: sein harmonisches Verhältnis zu seinem Oberarzt Dr. Winter. Ebenso aber die Verehrung, die er gegenüber Prof. Frenzel empfand. Im Übrigen war Prof. Frenzel ein Freund von Renatos Vater, dem großen Kollegen in Rom.

An Renatos Seite hatte Marlies bisher eine sehr, sehr glückliche Ehe geführt. Und ihr gemeinsames Kind Ulrike war in dieser harmonischen Atmosphäre aufgewachsen. Ein Kind, das viel lachte und das von der Unbill des Daseins bisher noch nichts erfahren hatte.

Im Urlaub hatten sie am Lido di Ostia ein nettes Ehepaar kennengelernt, Deutsche aus Frankfurt, die jetzt mit ihnen die Heimreise angetreten hatten.

„Wo sind eigentlich die Gillmeyers?“, fragte Renato.

Marlies wandte sich um, konnte aber nur die Wagen sehen, die sich hinter ihnen befanden.

„Ich sehe den Käfer nirgendwo“, meinte Marlies, und Ulrike, die sich jetzt umdrehte und ebenfalls suchte, sagte: „Es sind so viele Autos hinter uns. Aber sie sind nicht da. Tante Beate und Onkel Horst haben uns vielleicht verloren.“

„Ach was“, sagte Marlies, „die sind doch vom Brenner aus durch ganz Österreich immer unentwegt hinter uns gewesen. In Kufstein habe ich sie noch gesehen. Die können nicht weit hinter uns sein.“

„Ich seh sie auch nicht“, meinte Renato. „Und wir haben die beiden Koffer im Wagen. Nun ja, wenn wir durch den Zoll sind, werden wir warten, bis sie da sind.“

Sie fuhren wieder ein Stück vor. Dann mussten sie erneut anhalten.

„Das ist aber doch eigenartig. Ich glaube, ich steige einmal aus und sehe nach“, meinte Marlies.

„Bleib doch sitzen!“, mahnte Renato. „Es geht vielleicht gleich weiter.“

„Moment mal“, sagte sie, öffnete die Tür und stieg rasch aus, blickte nach hinten die Autoschlange entlang.

„Nichts zu sehen“, sagte sie. „Komisch, die haben doch hoffentlich keine Panne, ohne dass wir es gemerkt haben.“

„Aber sie waren doch in Kufstein noch hinter uns“, meinte Renato.

„Vielleicht hast du recht“, erwiderte Marlies und setzte sich wieder in den Wagen, denn sie mussten weiterfahren. „Da hinten steht ein Wohnmobil. Möglich, dass sie dahinter stehen, und ich sie nur nicht sehe.“

„Wir müssen wirklich hinter dem Zoll warten“, erklärte Renato. „Wir haben ja die beiden Koffer von den Gillmeyers, die sie nicht mehr in ihren Käfer quetschen konnten.“

„Die haben ja auch Andenken gekauft. Mein Gott, hoffentlich kriegen sie die durch den Zoll“, meinte Marlies.

„Das wissen die doch. Das ist ihr Risiko.“

„Weißt du eigentlich, was in den Koffern ist?“, fragte Marlies.

Renato zuckte die Schultern. „Schmutzige Wäsche hat Beate gesagt.“

„Hoffentlich haben sie da keine Andenken reingepackt Wir haben ja selbst welche.“

„Mach dir mal keine Gedanken. Na, endlich geht’s wieder ein Stück vorwärts!“

Der Zollbeamte an der Grenzabfertigung winkte die nächsten Wagen durch. Renato glaubte schon weiterfahren zu können, da wurde er gestoppt.

Er hielt die Pässe, die er schon in der Hand hatte, zum Fenster hinaus, der Zollbeamte blätterte darin, stutzte, als er Renatos Pass sah, beugte sich dann nach unten, um Renatos Gesicht anzusehen und sagte etwas zu seinem Kollegen vom Zoll. Der stand neben ihm, beugte sich jetzt ebenfalls herab, und während Renato vom ersten Beamten seine Pässe wiederbekam, fragte der Zöllner jetzt: „Haben Sie etwas anzumelden?“

„Nein, hab ich nicht!“, erwiderte Renato.

Obgleich er perfekt deutsch sprach, hatte er den italienischen Akzent nie ablegen können. Der Zollbeamte stutzte einen Moment, wie das schon bei seinem Kollegen gewesen war, der den Pass durchgeblättert hatte, und dann sagte er: „Fahren Sie mal da rüber!“

Renato tat, was von ihm verlangt wurde, fuhr auf die Seite, und der Zollbeamte folgte ihm.

„Steigen Sie bitte aus und öffnen Sie den Kofferraum!“

Renato gehorchte auf der Stelle, und als der Kofferraumdeckel aufschwang, verlangte der Zöllner, dass er einen der beiden Koffer öffnen sollte, die obenauf lagen.

„Das ist etwas schwierig“, sagte Renato. „Diese beiden Koffer hier oben gehören uns nicht. Die sind von Bekannten. Die haben einen Käfer und konnten nicht alles unterbringen. Da hatten wir uns angeboten, die beiden Koffer mitzunehmen.“

„Sind sie verschlossen?“

„Ich weiß nicht.“ Renato zuckte die Schulter. „Probieren Sie!“

Der Zöllner öffnete auf Anhieb die Schlösser. Sie waren nicht abgeschlossen. Obenauf lag schmutzige Wäsche. Aber das irritierte den Zollbeamten nicht. Er wühlte im Koffer und förderte plötzlich drei in Leinen vernähte Päckchen zutage.

„Was haben wir denn hier?“, fragte er und sah Renato an, wandte sich um und rief seinem Kollegen zu, der auf der anderen Seite stand: „Florian, Stufe zwei!“

Wie hingezaubert tauchten plötzlich zwei Zollbeamte in der Fahrbahn auf, und beide hatten Maschinenpistolen. Es ging ganz schnell. Weitere drei Beamte kamen aus dem Zollgebäude heraus, und ein paar Sekunden später sah sich. Renato von ihnen regelrecht umringt. Indessen öffnete der Zollbeamte den zweiten Koffer.

Renato hatte noch gar nicht richtig erfasst, was da geschah. Aber als der zweite Koffer geöffnet wurde und dann weitere von diesen in Leinen eingenähten merkwürdigen Päckchen auftauchten, begann er etwas zu ahnen.

Auch Marlies war aus dem Wagen gestiegen, erfasste die Situation noch früher als ihr Mann und sagte: „Es sind nicht unsere Koffer. Die sind da hinten mit einem orangefarbenen Käfer, denen die Koffer gehören ...“

Zwei der Zollbeamten wollten diesen Käfer gezeigt bekommen. Sie blickten mit Marlies zusammen die Autoschlange entlang, aber da war nirgendwo ein orangefarbener Käfer.

„Er hat ein Frankfurter Kennzeichen, ich könnte es Ihnen aufschreiben. Ich habe zufällig die Nummer da.“

„Sagen Sie uns die Nummer“, sagte ein neu hinzugekommener Zollbeamter, der aussah wie ein Offizier.

Marlies nannte diese Nummer, und die Beamten sprachen über Sprechfunk. Aber weder Marlies noch Renato wussten, mit wem sie sprachen.

Kurz darauf sagte dieser ältere Zollbeamte, der wie ein Offizier aussah, zu Renato: „Ihr Komplize ist abgehauen. Er hat den Wagen gedreht, und das noch vor dem österreichischen Zoll. Sie wissen, dass sich das österreichische Zollamt ein gutes Stück vom deutschen Zoll entfernt befindet. Er ist aber noch vorher umgekehrt. Würden Sie bitte mitkommen? Sie auch!“

„Aber ich kann doch mein Kind nicht hierlassen?“, rief Marlies. „Was wollen Sie denn von uns?“

Der ältere Zollbeamte hielt eins dieser in Leinen genähten Päckchen in der Hand und sagte: „Schon mal was von Rauschgift gehört? Nun tun Sie bloß nicht so.“

„Aber wir haben Ihnen doch erklärt, dass es nicht unsere Koffer sind.“

„Das wird sich alles aufklären. Kommen Sie mal mit! Wenn Sie wollen, nehmen Sie ihre Tochter auch mit. Der Wagen ist beschlagnahmt!“ Marlies verschlug es die Sprache. Renato protestierte. Und nun machten sich die Folgen der anstrengenden langen Fahrt bemerkbar. Vielleicht wäre alles viel besser ausgegangen, hätte er jetzt die Nerven behalten und Ruhe bewahrt So aber ging ihm sein südländisches Temperament durch. Er protestierte lautstark und verlangte den Leiter der Zollstelle zu sprechen. Und nun gab ein Wort das andere.

Der ältere Beamte gab sich als diensthabender Leiter zu erkennen, verbat sich den Ton Renatos, und daraufhin gerieten sie regelrecht aneinander.

Für die Zollbeamten war Renato ein Rauschgiftschmuggler und Marlies seine Komplizin.

Die lautstarke Debatte ging im Zollhaus weiter. Ein Beamter, der dort saß und telefonierte, war weder von Renato noch von Marlies und der mittlerweile weinenden Ulrike beachtet worden. Dieser Beamte stand plötzlich auf, legte den Hörer auf die Gabel, trat vor Renato hin und sagte:

„Sie sind vorläufig festgenommen! Stellen Sie sich da drüben an die Wand, Hände an die Wand, Gesicht zur Wand!“ Und dann befahl dieser Beamte einem jüngeren Grenzpolizisten, Renato nach Waffen abzusuchen.

Marlies drehte nun völlig durch. Sie beschimpfte die Beamten und behauptete, sie wollten ihrem Manne nur etwas anhängen, weil er Italiener sei.

Als hätten die Beamten nur auf diesen Ausbruch gewartet, traten jetzt zwei von ihnen auf Marlies zu und erklärten: „Sie sind ebenfalls festgenommen!“

Und damit wurde sie schon gepackt und von Ulrike weggezogen.

Aber Marlies riss sich wieder los, sprang auf Ulrike zu und umschlang sie mit ihren Armen. „Ihr könnt mich doch nicht von meinem Kind trennen!“, fauchte sie die Beamten an. „Lasst mir mein Kind! Wehe dem, ihr nehmt mir Ulrike! Sie bleibt bei mir!“

„Um das Kind wird sich schon jemand kümmern! Das ist ja schließlich kein Baby mehr!“, sagte der Leiter der Zollstelle. „Sie sind die Komplizin Ihres Mannes! Das haben Sie sich selbst zu verdanken, wenn Sie solche Sachen machen. Soll ich Ihnen mal zeigen, welche Wirkung dieses Rauschgift hat? Der Staat wendet Millionen auf, um Drogensüchtige zu retten. Und hier wird immer wieder Rauschgift eingeschleppt. So verantwortungslos wie Sie ...“

„Wir haben nichts eingeschleppt! Es sind nicht unsere Koffer! Sie gehören Gillmeyers!“

„Wir werden das alles in Ruhe klären. Jedenfalls sind Sie erst mal festgenommen. Sie haben das Rauschgift im Wagen gehabt! Erzählen Sie uns keine Märchen, von wegen anderen Leuten gehörte der Koffer. Das haben uns schon so viele erzählt. Glauben Sie, wir fallen auf diesen Quatsch herein?“ Der Beamte lachte. Aber Marlies begriff nun, dass ein bösartiger Zufall sie in die gefährlichen Mühlen der Behörden geraten ließ. Wie schlimm es noch kommen sollte, ahnte sie nicht einmal.

Wieder sollte Ulrike weggezogen werden. Aber Marlies hätte sonst etwas getan, wenn man versucht haben würde, Ulrike von ihr zu trennen.

Die Zollbeamten gaben scheinbar nach. Sie ließen Ulrike bei Marlies, und alle drei kamen zusammen mit zwei sie bewachenden Beamten in einen gesonderten Raum.

Wenig später war eine weibliche Beamtin da, und nach einer weiteren Viertelstunde tauchte dann eine Frau in Zivil auf, die zunächst einen mütterlichen Eindruck machte. Sie kam sofort zu Marlies und sagte: „Ich bin Frau Roth.“ Sie begrüßte auch Ulrike und fuhr dann fort: „Wir wollen nur das Beste für Sie. Ich kümmere mich um Sie und das Kind.“

„Wer sind Sie?“, fragte Renato aggressiv.

Frau Roth war eine ältere Frau. Missbilligend blickte sie auf Renato, ging gar nicht auf das ein, was er sagte, und erklärte, an Marlies gewandt: „Ich komme vom Jugendamt!“

„Sie wollen mir Ulrike wegnehmen, nicht wahr?“, fauchte Marlies, die das Schlimmste befürchtete.

„Wir wollen Ihnen überhaupt nichts wegnehmen. Wir wollen uns nur um Ulrike kümmern.“

„Um sie kümmern? Was soll das heißen?“

„Sie muss ja irgendwo bleiben. Schließlich sind Sie festgenommen. Aber seien Sie doch beruhigt. Es wird sich alles aufklären. Wenn Sie wirklich unschuldig sind, ist es doch nur für ein paar Stunden. Aber inzwischen muss sich doch jemand um das Kind kümmern. Sie können sie doch nicht einfach hier auf der Straße stehenlassen. Wir müssen nach Kiefersfelden fahren in den Ort. Hier an der Autobahn ...“

„Ich gebe Ulrike nicht her!“, schrie Marlies mit überschnappender Stimme und umschlang mit beiden Armen ihre weinende Tochter.

In diesem Augenblick tat Frau Roth etwas, das für die Familie des jungen Arztes weitreichende Folgen haben sollte und die unglückliche Situation verschärfte.

Sie packte Ulrike und versuchte, sie von ihrer Mutter wegzureißen. Gleichzeitig schrie sie einem der beiden Beamten zu: „Nun helfen Sie mir doch!“

Bis dahin hatte sich Dr. Renato Vallone noch mühsam insofern beherrschen können, als er diesem Hin und Her um Ulrike noch zugesehen hatte. Zu seiner allgemeinen Erregung, unschuldig verdächtigt zu sein, kam zudem noch die sprichwörtliche Kinderliebe der Italiener. Als er sah, wie nun auch noch der Grenzpolizist zupackte, mit seinen Händen Ulrikes Arm wie einen Schraubstock umklammerte und dann mit Brachialgewalt versuchte, sie von Marlies wegzureißen, da platzte bei ihm der Knoten.

Zu spät versuchte der zweite Polizist Dr. Vallone festzuhalten. Der sprang mit einem Satz dazwischen, stieß Frau Roth beiseite, packte den Grenzpolizisten, der Ulrike gefasst hielt und schlug ihm mit einem Handkantenschlag auf den Arm. Der Polizist schrie auf, taumelte bis an die Wand zurück und starrte entsetzt auf seine rechte Hand.

Dr. Vallone wollte sich schützend vor sein Kind stellen, aber so weit kam es gar nicht mehr. Der zweite Grenzpolizist hatte seinen Schlagstock gelöst und in dem Moment, als sich Dr. Vallone umdrehen wollte, zugeschlagen.

Während er zu Boden sank und die Besinnung verlor, hörte Dr. Vallone noch den schrillen Schrei seiner Frau. Dann wurde es dunkel vor seinen Augen.

Der Grenzpolizist an der Wand hielt sich mit schmerzverzerrtem Gesicht sein rechtes Handgelenk und starrte auf den zu Boden gesunkenen jungen Arzt.

Der andere Grenzpolizist aber, der Dr. Vallone niedergeschlagen hatte, hängte sich den Gummistock wieder ein und sagte, als Marlies neben ihrem bewusstlosen Mann auf die Knie ging und sich über ihn beugte:

„Dieser verdammte Spaghettifresser, was der sich hier einbildet. Was ist mit deiner Hand?“ Er wandte sich seinem Kollegen zu.

„Ich weiß nicht Es tut saumäßig weh.“

In diesem Augenblick stürmten drei weitere Beamte in den Raum. Einer davon war ein Streifenführer, und er fragte: „Was ist denn passiert was ist mit dem los?“

Statt einer Antwort sagte der, durch dessen Schlag der junge Arzt niedergeschlagen worden war: „Handschellen! Habt ihr keine Handschellen? Der wird rabiat.“

„Sie wollten mir das Kind nicht geben!“, rief Frau Roth empört, als wäre es ihr eigenes Kind, das ihr jemand weggenommen hatte. Und wiederum versuchte sie, Ulrike zu fassen.

Marlies schoss wie von der Sehne geschnellt hoch, wollte Ulrike festhalten, aber diesmal packten die Beamten zu.

Ulrike kreischte wie am Spieß. Marlies, von zwei Polizisten gehalten, versuchte sich loszureißen. Ein anderer Grenzpolizist und Frau Roth schleiften Ulrike förmlich nach draußen. Ein anderer Polizist legte dem noch immer bewusstlosen Dr. Vallone Handschellen an.

In ihrer Wut beschimpfte Marlies die Beamten, und das trug auch nicht dazu bei, dass die freundlicher wurden.

Wenig später wurde der junge Arzt, als er das Bewusstsein wiedererlangt hatte, aus dem Zollamt geführt und sollte einen inzwischen herbeigerufenen Streifenwagen der Polizei besteigen. Als er auf den Wagen zuging, eskortiert von zwei Beamten und durch Handschellen gefesselt, stand plötzlich jemand neben diesem Polizeiwagen mit einer Kamera und Dr. Vallone sah auch noch ins Objektiv, als das Blitzlicht aufzuckte.

Er dachte sich nichts dabei. Aber welche Folgen dieses Foto haben sollte, konnte er sich nicht einmal vorstellen.

Wenig später wurde auch seine Frau weggebracht. Marlies tobte noch immer. Dass man ihr Ulrike genommen hatte, ging über ihren Verstand. Sie beschimpfte die Beamten auch draußen, bevor sie das Fahrzeug besteigen musste, und nannte sie dabei mit Namen, von denen jeder einzelne eine schwere Beleidigung darstellte.

Als im Zollamt wieder Ruhe eingekehrt war, sagte der diensthabende Leiter der Grenzpolizei zu seinem Stellvertreter:

„Ich bin ja nicht sicher, dass die dazugehören. Vielleicht stimmt die Geschichte sogar. Sie wissen ja, wie oft vollkommen harmlose Reisende dazu ausgenutzt wurden.“

„Aber die Beschreibung stimmt doch genau, Herr Sallinger. Der Mann ist Italiener, eine deutsche Frau. Von dem Kind ist zwar keine Rede, aber solche Tricks lassen sie sich ja mitunter einfallen. Und dann der Quatsch mit dem Käfer. Wir wissen ja inzwischen von den Österreichern, dass der Käfer gestellt und alles durchsucht worden ist. Kein einziges Gramm ist da gefunden worden. Und hier sind es vierundzwanzig Kilo. So etwas muss denen doch auch aufgefallen sein.“

„Wieso eigentlich?“, fragte Oberinspektor Sallinger. Es sind zwei Koffer gewesen. In ihnen waren die Päckchen verteilt. Zwölf Kilo pro Koffer. Man kann nicht ausschließen, dass es stimmt, was sie sagen. Ich verstehe bloß eins nicht, wieso dieser Bursche so rabiat geworden ist.“

„Dafür gibt es eine Erklärung, Herr Sallinger. Frau Roth wollte ja das Kind wegnehmen.“

„Hat denn einer von unseren Leuten zugefasst, Brettschneider?“

„Ich habe sie gefragt. Huber hat nur ganz leicht das Mädchen am Arm gegriffen.“

„Ganz leicht? Hoffentlich stimmt das, Brettschneider! Sie wissen ja, wie die Presse reagiert, wenn’s sich um Kinder handelt.“

„Keine Sorge, Herr Sallinger. Da kommt nichts nach.“

„Ich frage mich nur, warum der Mann so durchgedreht hat. Ich habe die Papiere ja gesehen. Das ist ein Arzt.“

„Das stimmt ja auch. Nach der Beschreibung ist es ein Italiener mit einer deutschen Frau, und er ist Arzt. Er fährt hier laufend raus und rein.“

„Hoffentlich haben wir den richtigen Mann, Brettschneider.“

„Ich denke schon. Es passt ja alles zusammen, Herr Sallinger. Einmal, dass er Italiener ist und Arzt mit einer deutschen Frau, und dann, wie er vorhin losgelegt hat. Genauso ist es doch vor einem halben Jahr gewesen, als er Bichlmoser umgefahren hat. Und Bichlmoser sitzt noch immer im Rollstuhl. Sie sagen, er wird nie mehr laufen können. Daran muss ich immer denken, wenn ich von diesen Brüdern höre, die hier Rauschgift ins Land schleppen und mehr als das. Diese Dealer und Pusher, die sind ja so gewissenlos. Denen ist es vollkommen egal, ob Tausende von jungen Menschen an ihrem Dreck kaputtgehen.“

„Alles richtig, Brettschneider“, meinte der ältere Dienststellenleiter, „aber wir müssen korrekt vorgehen. Noch ist nicht erwiesen, dass dieser Mann in Frage kommt.“

„Für mich gibt es da kaum noch Zweifel“, erklärte Inspektor Brettschneider.

Der Oberinspektor blickte gedankenverloren. „Hoffentlich haben Sie recht, Brettschneider. Ich wäre froh, wenn uns dieser Fisch endlich mal ins Netz gegangen wäre. Was mich stutzig macht, ist nur, dass die Koffer so ganz frech obenauf lagen.“

„Herr Sallinger, denken Sie doch an den Fisch, den wir vorigen Monat gefangen haben. Die hatten es einfach auf dem Rücksitz liegen, in Zigarrenschachteln. Dreist und unverschämt. Frechheit siegt, verstehen Sie.“

„Das ist natürlich auch eine Erklärung. Trotzdem, wir müssen sehr gründlich vorgehen. Ich habe immerhin die Personenbeschreibung der beiden, die von den Österreichern in dem VW-Käfer untersucht worden sind. Wenn sie auch nichts haben, die österreichischen Kollegen waren so anständig, sie genau durchzuchecken.“

„Hinweise?“, fragte Brettschneider.

„Ich habe es jedenfalls ans Bundeskriminalamt übermittelt. Die können ja ihren sensationellen Computer mal in Bewegung setzen.“

„Übrigens wollte dieser Italiener telefonieren. Ich habe das natürlich nicht zugelassen. Der könnte ja seine Komplizen da in Bonn, wo er hinwollte, warnen.“

„Das ist richtig. Aber wir müssen ihm die Möglichkeit einräumen, einen Anwalt zu bestellen. Da geht nun kein Weg dran vorbei.“

„Das sollen die auf der Wache tun. Die Kripo ist ja auch verständigt. Was sollen wir uns die Köpfe heiß reden ...“

Der Oberinspektor blickte seinen Untergebenen nachdenklich an. „Wissen Sie, Brettschneider“, meinte er, „im Laufe von vielen Jahren, die ich schon bei der Grenzpolizei bin, bekommt man eine Nase für bestimmte Dinge, ein Gefühl, verstehen Sie. Und ich habe hier in dieser Geschichte ein sehr ungutes Gefühl. Ich glaube, die Sache ist für uns gar nicht gelaufen.“

„Da sehen Sie aber schwarz, Herr Sallinger.“

„Ich weiß nicht. Irgendwie ist das nicht so, wie wir uns das vorstellen. Aber ich wünsche mir natürlich, dass ich mich irre und Sie recht haben.“

„Da irren Sie sich wirklich, Herr Sallinger. Die Sache geht klar. Den Fisch haben wir jetzt. Das ist genau der Kerl, den die anderen beschrieben haben. Ein Italiener, Arzt und eine deutsche Frau. Alles in allem haben die doch mindestens einen Lastwagen voll ins Land geschleppt. Und jetzt wieder vierundzwanzig Kilo. Überlegen Sie mal, wie viele Menschen sie damit umbringen könnten, wenn sie wollten. Aber schlimmer noch, wie viele davon süchtig werden. Und vor allen Dingen muss ich immer an Bichlmoser denken. Jedes Mal, wenn ich ihn in seinem Rollstuhl sehe, da fällt mir die Szene ein damals, als dieser Lumpenkerl mit seinem Wagen Bichlmoser über den Haufen gefahren hat, nur um durchzubrechen. Und die Beschreibung passt auf den Italiener ja. Ich wette mit Ihnen, Herr Sallinger, der war’s, nur der!“

„Wir wollen nicht wetten, Brettschneider, wir wollen beweisen. Aber das tun die Kollegen von der Kripo. Ich glaube nicht, dass wir denen dazu Ratschläge erteilen müssen.“

 

 

2

Dr. Winter hatte die Untersuchung seiner Patientin beendet, richtete sich auf und sagte: „Sie können sich jetzt wieder anziehen. Es ist alles in bester Ordnung. Von der Entzündung ist nichts mehr zu sehen, Frau Mehner.“

Die ältere Frau lachte erleichtert. „Da bin ich aber froh, Herr Doktor.“

„Ich auch, Frau Mehner. Aber ich hatte Ihnen ja gleich gesagt: das bekommen wir schon hin.“ Dr. Winter ging nach nebenan und ließ sich an seinem Schreibtisch nieder. Frau Mehner schaute dem hochgewachsenen, vierzigjährigen Arzt nach und fragte mit lauter, ein wenig schriller Stimme: „Fahren Sie dieses Jahr nicht in den Urlaub, Herr Doktor?“ Von nebenan antwortete Dr. Winter, ohne von seiner Schreibarbeit aufzusehen: „Das überlass ich meiner Sprechstundenhilfe. Fräulein Angern hat mir aus dem Urlaub eine Karte geschickt, aus Spanien.“

„Oh, in Spanien waren wir voriges Jahr. Da ist es ziemlich teuer geworden. Dieses Jahr wollen wir nach Griechenland, sobald die Ferien anfangen.“

Sie wollte vielleicht noch viel mehr sagen in ihrer Freude und Erleichterung, dass die Entzündung abgeheilt war. Denn das war eine der Voraussetzungen für einen unbeschwerten Urlaub. Aber Dr. Winter konnte ihr nicht mehr zuhören. Die Sprechstundenhilfe von Prof. Frenzel, dessen Urlaubsvertretung er als Oberarzt auch übernommen hatte, sagte gerade:

„Herr Oberarzt, da ist ein Anruf aus Rosenheim, ein Rechtsanwaltsbüro. Die wollten den Chef sprechen. Aber der ist ja nicht da. Würden Sie das übernehmen?“

„Rosenheim? Rechtsanwalt? Ist das nicht eine Privatsache?“, fragte Dr. Winter.

„Ich glaube nicht. Wenn ich richtig verstanden habe, sagten die irgendetwas, dass sie Doktor Vallone vertreten.“

„Rosenheim? Der ist doch nicht in Rosenheim. Der macht doch Urlaub bei seinen Eltern. Also gut, schalten Sie mal durch.“

Kurz darauf meldete sich ein Rechtsanwalt Dr. Spengler.

Dr. Winter nannte ebenfalls seinen Namen, aber auch seine Stellung hier im Hause und erklärte: „Ich vertrete Herrn Professor Frenzel. Der befindet sich in Urlaub. Ich weiß natürlich nicht, ob ich Ihnen helfen kann.“

„O ja, Sie können mir helfen“, sagte die Stimme am anderen Ende. „Ihr Name ist mir auch genannt worden. Ich vertrete die Interessen von Doktor Renato Vallone und seiner Frau. Beide sind in Rosenheim inhaftiert. Man hat sie vorläufig festgenommen. Sie werden verdächtigt, vierundzwanzig Kilo Rohopium illegal in die Bundesrepublik eingeführt zu haben. Gleichzeitig wirft man Doktor Renato Vallone vor, zu einem früheren Zeitpunkt eine Polizeisperre durchbrochen und dabei einen Polizeibeamten schwer verletzt zu haben. Außerdem lautet die Anschuldigung gegen beide wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt und vielfache Beamtenbeleidigung.“

Dr. Winter hatte es die Sprache verschlagen. Der Rechtsanwalt in Rosenheim meinte wohl, ihr Gespräch sei getrennt, und er rief mehrmals: „Hallo!“

„Ja, ja, ich bin noch da“, meldete sich Dr. Winter. „Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll. Das ist doch nicht möglich. Das ist doch völlig ausgeschlossen. Ich kenne Doktor Vallone nun schon jahrelang. Außerdem kommt er aus einem Milieu, wo man dergleichen Dinge niemals im Leben tut Im übrigen kenne ich auch seine Einstellung, was Rauschgift und dergleichen betrifft. Er würde so etwas, so meine ich, niemals tun. Ist denn das alles bewiesen?“

„Bewiesen ist nur“, erklärte der Rechtsanwalt in Rosenheim, „dass bei ihm im Fahrzeug die von mir schon genannte Menge Rohopium gefunden wurde. Herr Doktor Winter, es geht jetzt um Folgendes: Hier in der Bundesrepublik hat Herr Doktor Vallone genaugenommen niemanden, außer Herrn Professor Frenzel und Ihnen. Frau Vallone hat, wie sie mir selbst sagte, nur eine sehr alte Tante in Berlin. Sie selbst ist ja Waise. Ich habe auch Herrn Professor Vallone in Rom verständigt. Der ist natürlich auch völlig aufgebracht und hat schon die italienische Botschaft in Bonn alarmiert. Was wir tun können in rechtlichen Dingen, kann geschehen. Ich hatte den Vorschlag machen wollen, dass Herr Professor Frenzel oder Sie vor einem Amtsrichter unter Eid aussagen. Aussagen machen zur Person von Doktor Vallone und seiner Frau. Aber da ist noch etwas. Das betrifft das Kind. Die Behörden haben hier, gegen den Willen der Eltern selbstverständlich, das Kind in Verwahrung genommen, das heißt, es befindet sich in einem von Schwestern geleiteten Kinderheim. Obgleich das Kind es dort nicht schlecht hat, ist die Trennung ein ungeheurer psychischer Schock für die Kleine. Ich habe den Antrag gestellt, dieses Kind an eine befreundete Familie zu geben. Aber dazu müsste ich erst einmal eine Familie haben, deren Adresse und Situation ich angeben kann. Sie können sich vorstellen, dass die Behörden sehr misstrauisch sind. Hier in Rosenheim ist die Polizei der Meinung, einen Rauschgiftring gesprengt zu haben und sieht in Doktor Vallone einen der Hauptdrahtzieher.“

„Aber das ist doch barer Unsinn!“

„Sie müssen Folgendes wissen, Herr Doktor Winter“, erklärte der Anwalt: „Seit Jahren haben die Grenzpolizei und der Zoll Jagd auf einen bestimmten Dealer und Pusherring gemacht, vor allen Dingen aber auf Leute, die immer wieder große Mengen von Rauschgift einschleppen. Die arbeiten rücksichtslos, und wie ich Ihnen schon andeutete, beschuldigt man Doktor Vallone, einen Grenzpolizisten beim Durchbrechen einer Sperre überfahren zu haben. Doktor Vallone bestreitet das natürlich. Doch die Polizei hat einen ganz konkreten Verdacht, hat Hinweise. Ich kann Ihnen das am Telefon nicht alles erklären. Das ist völlig ausgeschlossen.“

„Ich würde ja sofort nach Rosenheim kommen, wenn ich eine Möglichkeit hätte, aber ich vertrete selbst schon den Chefarzt hier, also Herr Professor Frenzel, und jetzt im Sommer ist das ein echtes Problem, Ersatz zu finden. Sagen Sie mir, was ich tun kann!“

„Sie könnten eine Familie ausfindig machen, die den Eltern genehm ist und gegen die seitens der Behörden nichts einzuwenden wäre, damit die das Kind Ulrike aufnimmt.“

„Ich hätte sofort jemanden. Aber das ist keine Familie. Das ist eine alleinstehende Frau, eine Pädagogin, eine Studienrätin.“

„Das wäre natürlich auch eine Möglichkeit. Kennt das Kind diese Dame?“

„Ja, es handelt sich um Frau Helga Störmann, hier in Bonn.“

„Ist den Eltern diese Dame bekannt?“

„Ja, die kennen sie beide. Die sind auch befreundet mit ihr.“

„Und Sie sind sicher, dass seitens der Behörden da keine Einwände gemacht werden könnten?“

„Absolut sicher. Die Frau ist über jeden Verdacht der Beteiligung völlig erhaben.“

„Können Sie mir die Adresse geben?“

Dr. Winter gab dem Anwalt die Adresse seiner Freundin Helga Störmann. Und der Anwalt sagte:

„Ich werde sehen, ob sich das Jugendamt hier darauf einlässt. Es ist eine verfahrene Sache. Verfahren deshalb, weil die Behörden von irgendwoher einen Hinweis haben, dass ein Italiener zusammen mit seiner deutschen Frau diese illegalen Rauschgiftimporte durchführt. Die Beschreibung passt ziemlich genau zu Doktor Vallone. Ich kann natürlich zunächst nur meinem Mandanten glauben. Und er bestreitet das ganz energisch, auch seine Frau. Die Genehmigung, das Kind zu verhören, ist zwar erteilt worden, aber ausgerechnet das Jugendamt, das dieses Kind seiner Mutter entrissen hat, macht da Schwierigkeiten. Die wollen, mit Rücksicht auf die Psyche des Kindes, die ohnehin aufs äußerste strapaziert worden ist, jetzt keine Aussagegenehmigung erteilen. Das Jugendamt hat voll die Verantwortung für das Kind übernommen. Sie können sich vorstellen, dass ich alles daransetze, das Kind so schnell wie möglich den Behörden wieder abziehen zu können. Denn was da geschieht, das entzieht sich völlig meiner Kenntnis.“

„Aber Sie sagten doch, die Schwestern böten dem Kind kein schlechtes Zuhause.“

„Das ist richtig. Aber das Kind ist abrupt von seinen Eltern weggerissen worden. Es hat ganz sicher seelischen Schaden genommen. Die Mutter befindet sich am Rande eines Nervenzusammenbruchs. Unter normalen Umständen würde hier ärztliche Hilfe eingeschaltet. Ich habe die beantragt. Aber ein Polizeiarzt hat nach einer in meiner Vorstellung nicht sehr eingehenden Untersuchung diese Begutachtung durch einen Psychiater abgelehnt. Nichtsdestotrotz habe ich Beschwerde gegen diese Anordnung erlassen. Das alles dauert seine Zeit. Die Geschichte ist noch sehr jung, das ist erst gestern passiert, aber zu allem Unglück werden Sie wahrscheinlich bald schon in der Presse davon lesen können. Im bayrischen Rundfunk hat man jedenfalls schon in den Mittagsmeldungen von einem kapitalen Fang berichtet und nicht unterschlagen, dass es sich dabei um einen italienischen Arzt handelt, der zusammen mit seiner deutschen Frau an der Grenze gefasst worden sei, und obgleich überhaupt keine Beweise dafür vorliegen, hat man noch hinzugefügt, es handelt sich mutmaßlich bei diesem Gefassten um jenen Mann, der vor einiger Zeit eine Grenzsperre durchbrochen und einen bayrischen Grenzpolizisten so schwer verletzt habe, dass der jetzt noch, und wohl Zeit seines Lebens, im Rollstuhl säße.“

„Das ist ja unerhört! Das ist ja vollkommen ausgeschlossen!“

„Herr Doktor Vallone hat sich auch durch die Umstände seiner Festnahme und wohl auch auf Grund der Tatsache, dass man ihnen beiden das Kind weggenommen hat, zu Tätlichkeiten hinreißen lassen. Er ist dabei selbst verletzt worden, und dieser Hickhack hat natürlich keinesfalls dazu beigetragen, die Behörden besonders objektiv sein zu lassen. Die Voreingenommenheit könnte natürlich noch Kreise ziehen. Aus diesem Grunde wollte ich Sie bitten, dass Sie ein Gutachten über die Person von Doktor Vallone abgeben. Es wäre natürlich noch besser gewesen, wenn auch Herr Professor Frenzel in dieser Richtung etwas sagen könnte. Sie wissen ja, auch ein Richter lässt sich von dem Vorspann Professor beeindrucken.“

„Wenn ich wüsste, wo sich Herr Professor Frenzel befindet, würde ich sofort etwas unternehmen. Aber er ist mit seiner Jacht irgendwo im Atlantik.“

„Nun ja, bis eine Verhandlung stattfindet, ist er sicher wieder zurück. Ich möchte es aber gar nicht erst zu einer Verhandlung kommen lassen, sondern bin bestrebt, den Verdacht der Behörden auszuräumen, zumal Doktor Vallone seine Unschuld aufs heftigste beteuert, und dasselbe tut seine Frau völlig unabhängig von ihm. Aber dies alles müsste schon in einem persönlichen Gespräch erörtert werden. Hier am Telefon ist das wohl nicht der richtige Ort. Kann ich denn auf Sie zählen, wenn an Sie die Aufforderung ergeht, sich vielleicht bei Ihrem Amtsrichter zu melden, oder gegebenenfalls sogar hier nach Rosenheim zu kommen?“

„Mit Rosenheim ist es so eine Sache. Wir sind wirklich im Augenblick äußerst knapp an Personal, und Sie wissen ja, dass an einer Klinik der Arzt ganz und gar für seine Patienten da ist. Wenn hier noch ein Mann fehlt, würde das nicht ohne Folgen bleiben. Aber wenn es sich halbwegs machen lässt und ich einen Ersatz finde, komme ich natürlich. Und was die Tochter angeht, die könnte von Frau Störmann sicher sofort aufgenommen werden.“

„Ich mache Ihnen einen Vorschlag, Herr Doktor Winter, rufen Sie mich doch in einer halben Stunde noch mal an und geben Sie mir einen endgültigen Bescheid, aber erfragen Sie die Zustimmung zunächst von Frau Störmann. Nicht, dass es da plötzlich Probleme gibt.“

„Das ist richtig. Ich hatte das ohnehin vor, aber ich kann für Frau Störmann jetzt schon sagen, dass sie einverstanden ist. Da bin ich absolut sicher. Im Übrigen hätte ich dann auch andere, die Ulrike aufnehmen könnten.“

„Ich bedanke mich, Herr Doktor Winter.“ Sie verabschiedeten sich voneinander. Dr. Winter legte auf und starrte dann noch immer fassungslos von dem, was er gehört hatte, auf den Apparat.

Frau Busch, eine ältere Dame, die schon seit zwei Jahrzehnten Sprechstundenhilfe von Prof. Frenzel war, räusperte sich und sagte: „Kann Frau Mehner jetzt gehen?“

„Natürlich“, sagte Dr. Winter, der aus seinen Gedanken fuhr. „Selbstverständlich.“ Er quälte sich zu einem Lächeln, sah Frau Mehner an, die ein wenig ratlos herumstand, und sagte: „Bei Ihnen ist ja alles in Ordnung, Gott sei Dank. Sie können Ihre Urlaubsreise unbeschwert antreten. Ich wünsche Ihnen gute Hinfahrt, aber auch eine glückliche Heimkehr. Ich glaube, das muss man wohl jedem wünschen.“

Frau Mehner, die die Zusammenhänge nicht kannte, warum Dr. Winter das sagte, blickte ihn ein wenig verwirrt an und ging dann. Als sie weg war, sagte Dr. Winter zu Frau Busch: „Und Sie haben nicht die mindeste Ahnung, wo wir den Chef auftreiben könnten?“

„Ich habe natürlich von dem, was Sie gesagt haben, etwas mitbekommen“, meinte Frau Busch. „Es geht um Doktor Vallone, nicht wahr? Was ist denn da passiert?“

„Frau Busch, ich würde es Ihnen alles erzählen, aber erst möchte ich mal wissen, ob wir nicht den Chef irgendwo auftreiben. Ist er nicht wenigstens über Funk zu erreichen oder dergleichen? Er könnte nämlich Doktor Vallone sehr, sehr helfen.“

„Soviel ich weiß, wollte er übermorgen in Cherbourg sein.“

„In Cherbourg? Da müsste man doch anrufen können.“

„Seine Tochter ist ja in Bonn. Ob ich mal mit ihr spreche?“

„Nein. Versuchen Sie eine Verbindung herzustellen, eine Verbindung zwischen ihr und mir. Ich will dann gerne mit ihr reden.“

Fünf Minuten später hatte Dr. Winter diese Verbindung. Er schilderte Jutta Frenzel die Umstände. Die Tochter des Chefarztes war selbst Ärztin und arbeitete im Bonner Kinderkrankenhaus. Als sie von Ulrikes Schicksal hörte, bot sie sich sofort an, das Kind bei sich aufzunehmen.

Dr. Winter dankte für das Angebot, wollte aber, wie er sagte, zuerst einmal mit Helga Störmann sprechen.

Jutta Frenzel berichtete, dass sie am nächsten Tag Kontakt mit ihrem Vater haben würde. Er wollte von Cherbourg aus anrufen, und sie erbot sich, mit ihm über den Fall zu sprechen. Vielleicht konnte er auch von Cherbourg aus in irgendeiner Form helfen. Und auf diese Hilfe kam es ja Dr. Winter an.

Nach diesem Telefongespräch unterhielt sich Dr. Florian Winter mit seiner langjährigen Freundin Helga Störmann. Er brauchte sie gar nicht zu fragen, ob sie Ulrike haben wollte. Als sie in etwa von der Geschichte gehört hatte, sagte sie sofort: „Es sind zwar noch keine Ferien, aber ich werde mir sicher ein paar Tage freinehmen können, und dann fangen die Ferien ohnehin an. Ich fahre auf der Stelle hinunter. Jemand muss sich um Ulrike kümmern. Ich hole sie her.“

„Ich würde ja auch hinunterfahren, um Vallone zu helfen. Er sitzt ja übel drin.“

„Sag mal, Florian, glaubst du an diese Geschichte?“

„Nein“, entgegnete er sofort. „Ich glaube keine Silbe von dem, was sie ihm vorwerfen und erst recht hat seine Frau nichts damit zu tun, da bin ich absolut sicher. Schließlich kenne ich die beiden auch schon eine ganze Zeit. Es muss sich um eine Verwechslung handeln.“

„Ich finde es unerhört wie die losgegangen sind. Was fällt den Behörden überhaupt ein, unschuldige Leute einfach anzugreifen?“

„Die Sache hat eine Vorgeschichte. Man muss beide Seiten sehen“, erklärte er Helga. „Vergiss nicht, dass da vorher ein Grenzpolizist von einem Manne, der offensichtlich Vallone ähnlich sieht, einfach brutal niedergefahren worden ist. Dieser Mann ist querschnittsgelähmt und bleibt also Zeit seines Lebens im Rollstuhl. Und wie ich über Rauschgift und dergleichen Dinge denke, weißt du ja. Es ist fast ein Treppenwitz, aber Renato ist ein ebenso fanatischer Gegner aller Rauschgiftdealer. Und ausgerechnet ihn halten sie dafür.“

„Ich glaube, alles wird sich aufklären“, meinte Helga.

„Das denke ich auch. Aber bis dahin kann noch eine Menge passieren. Offensichtlich hat Vallone auch die Nerven verloren. Ich kann das ja begreifen. Aber ich weiß noch zu wenig. Man müsste wirklich einmal hinunterfahren. Aber wie soll ich das nur machen. Ich habe niemanden, der mich hier vertreten könnte.“

„Und dein Chef kommt ewig nicht wieder, nicht wahr?“

„Ich bin froh, dass wir den morgen eventuell in Cherbourg erreichen, telefonisch. Ich kann mir nicht vorstellen, dass er seinen Urlaub abbricht. Er wollte die Küste entlangsegeln und dann den Rhein heraufkommen. Es hätte genau geklappt. In zwölf Tagen wäre er hier.“

„Vielleicht macht er es doch anders. Es ist schließlich einer von seinen Leuten, der da in Schwierigkeiten ist.“

„Ich weiß nicht, ob die Liebe so weit geht“, meinte Dr. Winter. „Wir werden sehen. Es tut mir leid, Helga, ich muss unser Gespräch beenden, ich habe noch wahnsinnig viel zu tun.“

„Kommst du heute Abend?“

„Ich glaube nicht. Du weißt ja nicht, was hier los ist“

„Doch, ich kann’s mir vorstellen. Du meldest dich sicher. Vielleicht kannst du doch weg. Ich rufe dich heute Abend noch mal an. Bist du in der Klinik?“

„Ganz sicher bis wenigstens zweiundzwanzig Uhr.“

„Mein Gott. So kann es doch nicht weitergehen! Du musst auch mal schlafen. Letzte Nacht hast du dreieinhalb Stunden geschlafen.“

„Woher weißt du das?“

„Doktor Schimanski hat mir es erzählt.“

„Der hat gut reden. Meinst du, der hätte mehr geschlafen als ich? Ich sagte doch, Helga, was hier los ist, da kannst du dir kein Bild machen. Überall fehlen Ärzte. Urlaubszeit. Auch in der Stadt sind viele weg. Und das wird noch schlimmer, wenn die Schulferien erst einmal begonnen haben. Dann ist es ganz vorbei. Schimanski fährt auch weg.“

„Ich weiß; er hat es mir erzählt. Aber in zwölf Tagen ist ja dein Chef wieder da. Dann müsstest du ja weg können.“

„Helga“, sagte Dr. Winter eindringlich, „Vallone braucht mich jetzt und nicht in zwölf Tagen. Ich will mal sehen, was ich tun kann. Wenn nicht, dann wirst du da unten, da bin ich sicher, das Notwendige veranlassen. Was du auch tust, du hast meine volle Unterstützung. Aber am liebsten wäre mir, wir könnten zusammen fahren. Ob das möglich ist, kann ich heute noch nicht mal sagen. Frühestens morgen früh wüsste ich da mehr.“

„Also gibt es doch eine Möglichkeit!“

„Ja, vielleicht gibt es die“, erklärte er. „Aber wie gesagt, das weiß ich erst morgen früh. Und jetzt muss ich wirklich Schluss machen ...“

 

 

3

In einer der weit verbreitetsten Boulevardzeitungen stand auf der ersten Seite die Schlagzeile:

„Blockadebrecher endlich gefasst.“

„Der bayrischen Grenzpolizei ist ein dicker Fang gelungen. Jener Schmuggler, der mutmaßlich seit Jahren Rauschgift in die Bundesrepublik einschleppt und vor einem halben Jahr beim Durchbruch durch eine Polizeisperre einen Polizisten zusammenfuhr und dabei lebensgefährlich verletzte, ist gestern an der deutschösterreichischen Grenze in Kiefersfelden von der bayrischen Grenzpolizei gefasst worden. Im Kofferraum seines Fahrzeuges befanden sich nicht weniger als vierundzwanzig Kilo Rauschgift. Wie ein Sprecher der Polizei von Rosenheim dazu mitteilt, besteht ein ganz erheblicher Verdacht, dass es sich bei dem Festgenommenen um den schon seit langem gesuchten Verbrecher handelt, der in der Tarnkappe eines Biedermannes irgendwo in der Bundesrepublik bisher ein angesehenes Dasein geführt hat, in Wirklichkeit aber dazu mithalf, Tausende von Süchtigen mit Drogen zu beliefern. Wie wir weiter erfahren konnten, hat der Festgenommene seinen Wohnsitz in Bonn. Es handelt sich dabei um einen Arzt, der in einem Bonner Krankenhaus arbeitet.

Ob damit der Polizei mit diesem Fang auch die Aufdeckung eines gewaltigen Rauschgiftschmuggelringes gelungen ist, bleibt, nach Mitteilung des Polizeisprechers, noch abzuwarten. Die Kriminalpolizei in Bonn ist indessen in die Untersuchung eingeschaltet worden und führt in ihrem Bereich Nachforschungen durch.“

Neben diesem Artikel befand sich ein Bild, das Dr. Vallone zeigte, als er gerade aus dem Zollamt aus Kiefersfelden herausgeführt wurde. Es war ein sehr deutliches Bild, und jeder, der Dr. Vallone kannte, musste ihn wiedererkennen.

Dr. Winter hielt diese Zeitung in der Hand. Er saß neben Helga Störmann in seinem Wagen, und beide schauten fassungslos auf Text und Bild.

„Das ist ja unerhört“, meinte Helga Störmann. „Der ist ja völlig erledigt. Den kennt doch jeder wieder.“

„Und dann in einer solchen Zeitung, die in der ganzen Bundesrepublik verbreitet ist und solch gewaltige Auflage hat“, erwiderte Dr. Winter. „So kann ein Mensch vernichtet werden. Stell dir vor, der ist unschuldig, und ich bin sicher, dass er es ist, wie will der das je wieder wegbekommen. Es wird ihm ewig anhängen. Du weißt doch, wie die Leute sind. Die sagen glatt: Etwas wird schon dran wahr sein. So denken die meisten.“

„Du“, meinte Helga, „ich bin ehrlich genug zuzugeben, dass ich das früher auch immer gesagt habe.“

„Siehst du! Da müssen wir uns nicht wundern.“

Dr. Winter sah Helga an und lächelte. Aber es war nicht ihr modisches dunkelgrünes Kleid, das er bewunderte, und auch nicht die neue Frisur, die ihr blondes Haar noch mehr zur Geltung kommen ließ. Sondern er lächelte aus einem anderen Grunde.

„Ich habe es geschafft. Ich habe einen Vertreter gefunden.“

„Florian!“, rief Helga. „Heißt das, wir können zusammen nach München fahren?“

„Es heißt, dass wir nicht nur zusammen nach München fahren können, sondern dass ich die Möglichkeit habe, Vallone zu helfen. Vor allen Dingen müssen wir zuerst mal seine Frau herausbekommen. Es ist ja ein Unding, dass die immer noch in Haft ist. Die ist ja nun wirklich total unschuldig.“

„Du redest, als wüsstest du das ganz genau“, meinte Helga nachdenklich. „Ich sage mir ja auch, dass sie unschuldig sind. Aber vielleicht irren wir uns. Die Polizei kann doch nicht einfach jemanden festnehmen und behaupten, dass er schuldig ist. Das müssen sie doch beweisen.“

„Es gibt manchmal im Leben komische Zufälle. Ich bin ja auch sicher, dass die sich das nicht so leicht machen. Aber wie gesagt, das Rauschgift haben sie in seinem Wagen gefunden.“

„Eben, das meine ich ja. Wie soll es denn hineingekommen sein.“

„Ich habe nochmal mit dem Anwalt telefoniert. Der hat mir gesagt, dass irgendwelche Bekannten vom Urlaub mit ihm zusammen gefahren sind. Und die hatten einen Käfer. Da haben sie gefragt, ob sie nicht in Vallones Wagen ein oder zwei Koffer hineintun könnten, zumal sie ja denselben Weg hätten, zumindest bis Frankfurt. Aber dieser Käfer ist dann vor der Grenze umgedreht. Und zwar vor der österreichischen, vor Kufstein also. Die Österreicher haben diesen Wagen auf Wunsch der deutschen Grenzpolizei aufgehalten, untersucht, aber nichts gefunden. Die Insassen werden nicht steckbrieflich verfolgt. Es gab also für die österreichische Polizei überhaupt keinen Anlass, die beiden festzuhalten. Man hat nach der Überprüfung lediglich die Personalien registriert und die beiden dann fahren lassen.“

„Das begreif ich nicht.“

„Ich habe es auch noch nicht richtig verstanden. Aber ich bin sicher, man wird in Rosenheim mehr erfahren. Morgen früh, wenn es dir recht ist, können wir losfahren. Was meinst du?“

„Ich würde am liebsten jetzt schon fahren, aber das ist natürlich Unsinn. Ich muss auch noch einiges besorgen und verschiedene Dinge umdisponieren. Und dir geht es sicher auch so.“

„Ich muss nochmal in die Klinik. Wie gesagt, vor zehn komme ich da nicht weg. Und ich dachte, dass wir morgen früh so gegen neun dann losfahren.“

„Wenn ich mir vorstelle“, meinte Helga nachdenklich, „wie es den beiden wohl zumute ist ... und das Kind erst! Meine Güte! Hoffentlich gibt es da nicht Schwierigkeiten. Ich nehme Ulrike natürlich sofort mit und werde versuchen, ihr so etwas wie ein Ersatzheim zu bieten.“

„Die bessere Lösung wäre, wenn es uns gelänge, Marlies Vallone aus der Haft herauszuholen, sie freizubekommen. Dann könnte Ulrike bei der Mutter sein! Das wäre wohl die bessere Lösung.“

„Da hast du recht“, stimmte Helga zu. „Warum sie nur die Koffer mitgenommen haben? Von diesen fremden Leuten.“

„Sag doch nicht 'fremde Leute'. Sieh mal, wir haben Simons im letzten Urlaub kennengelernt. Wir schreiben uns noch heute mit ihnen. Wollen uns sogar nächstes Jahr wieder mit ihnen treffen. Dieses Jahr sind sie ja früher in Urlaub gefahren als wir. Da sprechen wir doch auch nicht von Fremden. Die Vallones haben jene beiden irgendwie kennengelernt. Man hat sich gut verstanden, ist zusammen abends ausgegangen. Und das mit den Koffern war eine Gefälligkeit. Mehr doch nicht.“ „Glaubst du, dass jemand irgendwo bleibt, um wen kennenzulernen, damit der ihnen zwei Koffer über die Grenze bringt?“

„Der Wert dieses Rohopiums ist so hoch, dass sich das in jedem Falle lohnt. Vielleicht sind auch noch andere, die etwas befördert haben.“

„Ich begreife es trotzdem nicht Manchmal denke ich, die müssen doch etwas gewusst haben.“

„Das ist doch Unsinn. Die haben nichts gewusst“, widersprach Dr. Winter. „Helga, du weißt, aus welchem Elternhaus Renato Vallone stammt. Die haben doch Geld wie Heu. Der Vater könnte Renato jeden Wunsch erfüllen. Dass der Sohn das nicht will und auf eigenen Füßen steht, ist eine ganz andere Sache. Warum sollte er solche Dinge machen? Darüber hinaus wäre es für ihn als Arzt ja sehr viel einfacher an Opiate zu kommen, wenn er das wollte. Er brauchte kein Rohopium zu schmuggeln. Und ich bin, weil ich das so sehe, etwas beruhigt, weil ich mir sage, dass früher oder später die Polizei ebenso denken wird und erst recht die Gerichte, falls es überhaupt vor ein Gericht kommt. Daran glaube ich natürlich nicht.“

„Hoffentlich hast du recht“, entgegnete Helga. „Ich nehme an, dass wir morgen mehr wissen.“

„Ich rufe heute Abend noch mal von der Klinik aus diesen Rechtsanwalt an.“

„Und da hat man“, fragte Helga, „die Vallones beide einfach eingesperrt?“

„Genau so ist es. Beide sind in Untersuchungshaft. Und mittlerweile gibt es auch einen Haftbefehl.“

„Gegen Marlies Vallone auch?“, fragte Helga entrüstet.

„Zumindest im Augenblick. Vielleicht wird sie von der Haft verschont, muss sich nur zur Verfügung halten. Aber er wird schon, wie der Anwalt sagte, wegen seiner Tätlichkeiten gegen einen der Grenzpolizisten festgehalten. Der Grenzbeamte kann angeblich wegen seines malträtierten Armes vorerst keinen Dienst leisten.“

„Es ist mir unfasslich“, meinte Helga. „Doktor Vallone ist doch so ein umgänglicher und freundlicher Mensch.“

„Der Anwalt meinte, die Polizisten und eine Frau vom Jugendamt hätten Ulrike brutal angefasst, da hat Vallone durchgedreht. Wie das so kommt. Und du weißt ja, manchmal braucht man einen, der etwas daraus machen will, bloß anzutippen, und er tut so, als hätte er einen Hammer auf den Kopf bekommen. Du weißt doch, wie es beim Fußballspiel ist. Die werden manchmal bloß angetippt, da fallen sie um, als lägen sie im Sterben, wälzen sich am Boden, bis der Schiedsrichter den Freistoß gepfiffen hat. Danach springen die eben noch so Schwerverletzten auf und hüpfen herum, als wäre nie etwas gewesen. Ich glaube, hier wartet jemand noch auf den Freistoß.“

„Du bist ja heute ziemlich giftig“, meinte Helga lachend.

„Habe ich dazu keinen Grund? Sieh mal, Helga, Vallone ist ein hervorragender Arzt. Ein wirkliches Talent. Wir haben nur sehr wenige Assistenten hier in der Klinik, die nur annähernd die Kenntnisse, aber auch das Talent von Renato Vallone auf die Beine bringen. Darüber hinaus ist er ein fabelhafter Mensch. Ein Kollege, wie man ihn sich besser nicht wünschen kann. Die Patientinnen singen Lobeshymnen auf ihn. Aber das tun sie mitunter auch bei Kollegen, von deren Qualifikation ich nicht so überzeugt bin. Vallone ist aber wer. Er ist ein wirklich guter Arzt, und vor allen Dingen ist er sehr gewissenhaft und korrekt Dass er darüber hinaus ein guter Ehemann ist wie ich glaube, und ganz sicher ein fantastischer Vater seiner Tochter, das sei nur am Rande bemerkt Ich persönlich habe ihn von Anfang an gern gehabt. Ich brauch dir also nicht zu sagen, Helga, dass ich sonst etwas tue, um ihn aus der Bredouille zu holen.“

„Ich aber auch“, erklärte Helga entschieden. „Wie du von ihm denkst, denke ich von seiner Frau. Aber zuerst einmal müssen wir Ulrike helfen.“

„Wir wissen jedenfalls“, meinte Dr. Winter mit bitterem Lächeln, „was wir morgen und auch vielleicht die nächsten Tage zu tun haben.“

„Wie lange kannst du dich vertreten lassen?“

„Drei Tage habe ich Zeit. Was ich in diesen drei Tagen nicht geregelt bekomme, lässt sich hinterher vorläufig auch nicht regeln. Also nutzen wir die Zeit ...“

 

 

4

Hauptkommissar Haslinger war ein Mann Ende fünfzig, untersetzt und ein wenig zur Korpulenz neigend. Über seine silberne Lesebrille hinweg schaute er auf Dr. Renato Vallone, der ihm gegenübersaß. Es war Abend, und die Schreibtischlampe brannte, warf einen warmen Schein auf das Gesicht des Hauptkommissars, aber auch auf Renato Vallone. Links, im Halbdunkel, hatte der junge Kriminalobermeister Bulgert Platz genommen.

„Sehen Sie, Herr Doktor Vallone“, sagte Hauptkommissar Haslinger,. „Sie müssen doch zugeben, dass es eine ziemlich plattgewalzte Geschichte ist, die Sie da ausbreiten. Sie sagen, dieses Ehepaar Gillmeyer ist mit Ihnen am Lido di Ostia in Urlaub gewesen und das ganze drei Wochen lang.“

„Das habe ich nicht gesagt“, widersprach Dr. Vallone. „Sie sind etwas über zwei Wochen dort gewesen. Sie waren später da als wir.“

„Nun gut. Sagen wir also zweieinhalb Wochen. Erzählen Sie mir doch noch einmal ganz genau alles der Reihe nach. Fangen wir damit an, wie es war, als sie losgefahren sind. Hatten Sie da die Koffer schon im Wagen?“ Hauptkommissar Haslinger blickte Dr. Vallone prüfend an. „Sie haben doch die Koffer nicht einfach so eingeladen? Da muss es doch eine Vorgeschichte gegeben haben.“

„Das habe ich doch schon erzählt. Und sie standen vor ihrem Hotel. Und eigentlich wollten wir schon losgefahren sein“, berichtete Dr. Vallone. „Aber sie waren noch nicht fertig. Sie hatten eine große Vase. Die wollten sie unbedingt mitnehmen. Und die beiden Koffer und noch eine Tasche standen neben dem Auto. Und da meinte Herr Gillmeyer: 'Jetzt haben wir zu viel. Wo lass ich nur die Vase? Eins können wir nur mitnehmen, die Koffer oder die Vase'.“

„Haben Sie sich angeboten, die Koffer mitzunehmen?“

„Meine Frau hat gesagt“, berichtete Dr. Vallone, „wir könnten ja die Koffer nehmen. Die gehen bei uns noch rein. Aber die Vase? Ich weiß nicht, ob wir da Platz haben?“

„Und dann haben Sie die Koffer einfach eingeladen.“

„Nein. Ich hab sie gar nicht eingeladen. Ich hab nur den Kofferraum aufgemacht, und Herr Gillmeyer hat die Koffer gebracht und sie hinten, wo noch Platz war, hingestellt.“

„Sie haben auch nicht gefragt, was in den Koffern ist.“

„Er hat es von sich aus gesagt: 'Da ist nur dreckige Wäsche drin'. Sie hatten auch die Vase voll dreckige Wäsche gestopft.“

„Und wann sind Sie das letzte Mal mit Gillmeyer und seiner Frau zusammen gewesen?“

„Auf dem ersten Parkplatz hinter dem Brenner. Da ist eine Geldwechselstelle. Da haben wir gehalten. Gillmeyer hatte keine Schillinge, aber auch keine Mark, und er wollte wechseln. Und deswegen haben wir dort gestanden.“

„Haben Sie die beiden in Ihrem Wagen hinter sich gesehen?“

„Ja. Eigentlich die ganze Zeit, bis kurz vor Kufstein. Ja, in Kufstein sogar noch an der Abfahrt. Und dann wurde der Verkehr so dicht, dass ich mich auf die Straße konzentrieren musste und auf den Wagen, der vor mir fuhr. An der Grenze habe ich noch nach ihnen Ausschau gehalten, meine Frau ist sogar ausgestiegen, aber sie hat sie nicht gesehen und glaubte, die beiden wären mit ihrem orangefarbenen Käfer hinter einem Wohnwagen, der ein Stückchen hinter uns war.“

„Wie erklären Sie es sich eigentlich, dass die beiden nun gar nichts bei sich hatten, denn die österreichische Polizei hat den Wagen ja gefunden und angehalten.“

„Da sehen Sie doch, Herr Kommissar. Ich hatte gesagt, welche Nummer es ist, ich hatte gesagt, wie die Leute heißen, die drin sitzen, und sie haben den Wagen in Österreich gefunden. Es stimmt doch alles, was ich sage.“

„Das glauben Sie, oder sagen wir mal, Sie möchten uns das weismachen. Aber vergessen Sie doch nicht, Herr Doktor Vallone, dass wir auch einen ganz starken Verdacht haben. Sehen Sie mal, wir saugen uns das ja nicht aus den Fingern. Wir haben vor kurzer Zeit auch schon mal einen Fang gemacht. Und dieser Bursche hat zugegeben, dass er den Mann kennt, der seinerzeit den Kollegen von der bayrischen Grenzpolizei niedergefahren hat. Er hat ihn uns beschrieben, wusste aber seinen Namen nicht. Die Beschreibung passt auf Sie. Und der Mann hat uns sogar erzählt, der Gesuchte sei ein Arzt, mehr wüsste er nicht. Sehen Sie, und Sie sind auch Arzt, haben eine deutsche Frau. Das war übrigens auch ein Hinweis. Und nun warte ich, dass im Laufe des morgigen Tages jener Gefangene von Stadelheim hierher überstellt wird, und man wird Sie ihm gegenüberstellen. Ich werde noch ein Weiteres tun. Ich werde den Polizisten Bichlmoser, der seinerzeit niedergefahren wurde, ebenfalls kommen lassen, denn der hat jenen Mann, der ihn fast umgebracht hätte, aus nächster Nähe gesehen. Den werde ich Ihnen auch gegenüberstellen.“

„Ich weiß, dass ich unschuldig bin. Es ist so, wie ich Ihnen gesagt habe“, beteuerte Dr. Vallone. „Sie können sich bei meinem Chefarzt erkundigen, bei meinem Oberarzt, und die werden ein Zeugnis für mich ausstellen. Mein Rechtsanwalt hat mir erzählt, dass er mit den beiden Verbindung aufnimmt.“

„Das hat er mir auch erzählt“, erklärte der Hauptkommissar. „Aber das ist noch kein Beweis.“

„Sie müssen beweisen, dass ich schuldig bin“, erklärte Dr. Vallone scharf. „Sie haben meiner Frau mit Gewalt das Kind weggenommen. Ihre Leute sind brutal vorgegangen.“

„Die bestreiten das aber, Herr Doktor Vallone“, meinte der Hauptkommissar. „Ich war nicht dabei.“ Er blätterte in seinen Unterlagen. „Ich habe hier eine Stellungnahme des Dienststellenleiters, das ist ein Oberinspektor Sallinger, und der hat zusätzlich noch die Unterschrift seines Stellvertreters, eines Inspektors Brettschneider, hinzufügen lassen. Und nach dieser Stellungnahme ist keinerlei Gewalt seitens der Polizei angewandt worden. Gewalttätig sind nur Sie geworden. Allerdings musste man, um Sie zu bändigen, dann ebenfalls zu einer gewissen Gewalt greifen.“

Dr. Vallone lachte böse. „Zu einer gewissen Gewalt. Man hat mich niedergeschlagen. Hat denn jemand bei Ulrike den Arm untersucht? Die haben angepackt, als wollten sie ihr den Arm ausreißen. Und diese Frau vom Jugendamt. Dass man solchen Leuten Kinder anvertraut. Der gehörte es verboten, mit Kindern umzugehen.“

„Reden Sie doch nicht solche Sachen. Herr Doktor Vallone, Sie sind doch ein gebildeter Mensch. Wir wollen uns doch nicht mit solchen Dingen aufhalten. Das ist doch alles Unsinn. Sie reiten ja wie Don Quichotte gegen die Windmühlenflügel. Seien Sie doch vernünftig. Sie kommen doch nicht gegen solche Aussagen an.“

„Aber es ist einfach nicht wahr. Dann lügen Ihre Leute! Sie sind gewalttätig geworden und wie! Und jetzt streiten sie es ab?“

„Also lassen wir das mal beiseite“, meinte der Hauptkommissar. „Reden wir noch mal von dem, worauf es uns am meisten ankommt. Reden wir vom Rauschgift. Ich versuche mir ja immer vorzustellen, was ein Arzt, und Sie sind ja ein Arzt, mit solchen Sachen macht. Hatten Sie vor, es bis nach Bonn weiterzutransportieren? Und wie verteilen Sie es dann. Oder sind Sie wirklich nur das Opfer eines Tricks geworden. Ich gebe ja zu, dass solche Tricks angewendet werden. Das ist uns natürlich bekannt. Aber noch mehr versuchen sich Dealer mit solchen faulen Ausreden herauszureden.“

„Es ist keine faule Ausrede!“, empörte sich Dr. Vallone. „Es ist wahr! So wie ich es sage, ist’s wahr. Wir sind hereingelegt worden. Aber ich hätte es niemals den Gillmeyers zugetraut. Es sind so nette Leute gewesen. Vielleicht ... vielleicht sind die selbst hereingelegt worden?“

„Ach, Sie meinen, sie hätten gar nicht gewusst, was in ihrem Koffer ist? Das ist doch Unsinn. Wenn Ihre Version stimmen sollte, dann wussten die ganz genau, was sie tun. Und deshalb sind sie auch umgekehrt. Das ist ja die Geschichte, die mich hier nachdenklich stimmt. Zu Ihren Gunsten nachdenklich stimmt, Herr Doktor Vallone. Deshalb sollten Sie mir helfen, die Sache aufzuklären und nicht querzuschießen. Wenn Sie immer auf dieser Geschichte mit den Grenzpolizisten herumhämmern, die Gewalt gegen Ihre Tochter angewandt haben, da muss ich Ihnen sagen, kommen wir nicht weiter. Das verschärft die Situation nur. Das sind ja auch Menschen. Herr Doktor Vallone, denken Sie doch mal nach, was hier passiert ist. Ständig wird hier Rauschgift hereingeschleppt. Und wir versuchen, das zu verhindern. Als es uns einmal fast gelungen ist, durchbricht einer von diesen Burschen die Polizeisperre und fährt einen der Polizisten nieder. Der Mann ist so schwer verletzt, dass er aus dem Polizeidienst ausscheiden muss, ein junger Mann wohlbemerkt, Sie werden ihn morgen kennenlernen. Seitdem sitzt er im Rollstuhl Herr Doktor Vallone, die Leute, die da an der Grenze stehen, die von früh bis spät und von spät bis früh, von Autoabgasen eingehüllt, Pässe kontrollieren und Waren prüfen müssen, ob die nicht zollpflichtig sind. Die immer damit zu rechnen haben, dass unter den Tausenden Unschuldiger plötzlich einer kommt, der die Großzügigkeit an der Grenze missbrauchen möchte. Und der dann möglicherweise noch um sich schießt. Sehen Sie, von dieser Seite aus müssen Sie das auch mal sehen, und wenn dann einer von den Polizisten mal niedergefahren wurde, und die andern haben das angesehen, dann lädt sich die Stimmung dieser Beamten auf. Und bei Ihnen traf nun einiges zusammen: Italiener, Arzt, deutsche Frau. Und dann findet man bei Ihnen das Rauschgift. Überlegen Sie doch! Sie waren schon verdächtig, weil Sie Italiener und Arzt sind. Daraufhin die Kontrolle. Und dann wird man fündig. Versetzen Sie sich doch mal in die Lage dieser Beamten!“

Details

Seiten
170
Jahr
2020
ISBN (eBook)
9783738938210
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v537846
Schlagworte
lasst kind

Autor

Zurück

Titel: Lasst mir mein Kind!