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Dr. Härtling und das Inselmädchen

©2020 108 Seiten

Zusammenfassung


An der Paracelsus-Klinik in München hat Dr. Christian Bach seine Ausbildung als Chirurg abgeschlossen, jetzt arbeitet er auf Jamaika als plastischer Chirurg. Er ist beliebt, berühmt, viele Stars zählen zu seinen Patienten. Für Dr. Bach jedoch gibt es nur eine Frau: Das Inselmädchen Alexis, das ihn zwar leidenschaftlich liebt, aber dennoch ein großes Geheimnis vor ihm verbirgt. Und eines Tages wird dieses Geheimnis beiden zum Verhängnis ...

Leseprobe

Table of Contents

Dr. Härtling und das Inselmädchen

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Dr. Härtling und das Inselmädchen

Arztroman von A. F. Morland

 

Der Umfang dieses Buchs entspricht 108 Taschenbuchseiten.

 

An der Paracelsus-Klinik in München hat Dr. Christian Bach seine Ausbildung als Chirurg abgeschlossen, jetzt arbeitet er auf Jamaika als plastischer Chirurg. Er ist beliebt, berühmt, viele Stars zählen zu seinen Patienten. Für Dr. Bach jedoch gibt es nur eine Frau: Das Inselmädchen Alexis, das ihn zwar leidenschaftlich liebt, aber dennoch ein großes Geheimnis vor ihm verbirgt. Und eines Tages wird dieses Geheimnis beiden zum Verhängnis ...

 

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books, Alfred Bekker, Alfred Bekker präsentiert, Casssiopeia-XXX-press, Alfredbooks, Uksak Sonder-Edition, Cassiopeiapress Extra Edition, Cassiopeiapress/AlfredBooks und BEKKERpublishing sind Imprints von

Alfred Bekker

© Roman by Author

© dieser Ausgabe 2020 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

Alle Rechte vorbehalten.

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1

Dr. Sören Härtling wusch sich die Hände und Schwester Annegret reichte ihm aufmerksam ein Handtuch an. „Danke, Annchen“, sagte der Chefarzt der Paracelsus-Klinik.

„Da wäre noch etwas ...“ Die siebenundvierzigjährige Patientin, die der Gynäkologe soeben untersucht hatte, sah ihren Arzt verlegen an. „Ja, Frau Wagner?“

Hannelore Wagner war seit drei Jahren geschieden. Ihr Mann hatte sie wegen einer jüngeren, besser aussehenden Frau verlassen. Bestimmt kein Einzelschicksal, aber Frau Wagner litt ganz besonders unter diesem Tiefschlag, den ihr das Schicksal verpasst hatte. Sie war darauf nicht vorbereitet gewesen. Wie ein Blitz aus heiterem Himmel hatte er sie getroffen, und sie war darüber noch immer nicht ganz hinweg.

„Es ist wegen meiner ...“ Die Patientin räusperte sich verlegen. „Na ja, Sie wissen, wie alt ich bin ...“ Schwester Annegret verließ den Raum.

,,Ich fühle mich noch relativ jung“, sagte Hannelore Wagner. „Ich sehne mich nach Liebe, Zärtlichkeit und Geborgenheit ... Mein Mann ..., dass er sich schäbig benommen hat, wissen Sie, nicht wahr. Aber deshalb werfe ich nicht alle Männer in einen Topf. Ich bin davon überzeugt, dass es auch brave, anständige Männer gibt, und so einen hätte ich gern ...“

„Es kann doch kein Problem für Sie sein, wieder einen Mann zu finden“, gab Sören Härtling zurück. „Sie sind eine sehr attraktive Frau.“

„Danke, Herr Doktor. Ich hätte einem Mann noch so viel zu geben.“

„Davon bin ich überzeugt.“ Hannelore Wagner blickte deprimiert auf ihre Hände. „Und ich habe das Alleinsein so satt ...“

„Sie sind eine Frau, der es eigentlich nicht schwerfallen sollte, wieder einen Lebenspartner zu finden.“

Die Patientin seufzte schwer. „Wenn nur diese verflixten Hemmungen nicht wären!“

„Was hemmt Sie denn, Frau Wagner?“, wollte Dr. Sören Härtling wissen.

Die Patientin sah ihn verzweifelt an. „Das Aussehen meiner Haut. Ich habe ihretwegen schon richtige Komplexe. Hier, die Haut an meinen Oberschenkeln ... Sieht sie nicht furchtbar aus? Sie ist nicht nur handtellergroß verfärbt, die Stellen sind auch noch verdickt und schmerzen sogar ein wenig.“

„Seit wann haben Sie diese Veränderungen?“

„Seit ungefähr drei Jahren. Kurz nach meiner Scheidung habe ich acht Kilo zugenommen. Ich hielt das für Fettpolster. Nach und nach hungerte ich die acht Kilo wieder runter, und meine Haut fühlte sich wieder wie früher an. Doch seit einem Jahr sind die Veränderungen wieder da, obwohl ich mein Gewicht gehalten habe.“

„Und wie lange schmerzen sie schon?“

„Seit einem halben Jahr. Und die verdickten Hautpartien wurden zunehmend heller.“ Sie schob die Haut mit Daumen und Zeigefinger zusammen. Die Oberfläche war voller Runzeln und Eindellungen und sah aus wie eine Apfelsine. „Beim Hochheben schmerzt die Haut“, sagte die Patientin. „Ich habe diese Veränderungen auch an Bauch und Hüften. Das kann doch keinem Mann gefallen!“

Die Frau litt an Cellulite im Volksmund auch Orangenhaut genannt. Sie wollte wissen, ob man dagegen nichts machen könne.

„Eine Freundin von mir ist noch schlimmer dran“, sagte Hannelore Wagner betrübt. „Sie hat schon ein kleines Vermögen für allerlei Mittelchen ausgegeben, doch nichts hat geholfen. Ist der Kampf gegen dieses Leiden denn nicht zu gewinnen, Herr Doktor? Muss man sich einfach damit abfinden?“

Sören Härtling lächelte ermutigend. „Nein, Frau Wagner, das muss man nicht.“

Die Augen der Patientin weiteten sich hoffnungsvoll. „Es gibt Hilfe?“

„In letzter Zeit hat man bei der Erforschung und Behandlung von Cellulite große Fortschritte gemacht“, sagte Dr. Härtling.

Hannelore Wagners Blick hing gespannt an den Lippen des Chefarztes.

„Die Krankheit entsteht zunächst durch eine enorme Vergrößerung von Fettzellen im Unterhautgewebe“, erklärte Dr. Härtling. „Diese Zellen drücken dabei auf kleine Blutgefäße. Deshalb sieht die Haut so blass aus.“

„Und woher kommen die Schmerzen?“

„In der Haut befinden sich nicht nur kleine Blutgefäße, sondern auch unzählige Nervenfasern, und die leiten den Druck der Fettzellen als Schmerz an das Gehirn weiter“, dozierte Sören Härtling.

„Wie kompliziert der menschliche Körper doch ist! Da greift eins ins andere. Womit kann man dieser Krankheit denn nun zu Leibe rücken, Herr Doktor?“

„Experten haben eine Elektrotherapie entwickelt ...“

Die Patientin erschrak. „Strom? Ist das nicht gefährlich?“

„Ist bloß Schwachstrom, Frau Wagner“, lächelte Sören. „Davor brauchen Sie sich wirklich nicht zu fürchten.“

„Und wie funktioniert die Behandlung?“

„In die betroffenen Partien werden feine, weiche Nadeln geschoben ...“ Hannelore Wagner zog die Luft scharf ein. „Nadeln.“

„Das ist auszuhalten“, beruhigte Dr. Härtling die Frau.

„Und dann?“

„Die Nadeln sind an einen Schwachstromgenerator angeschlossen“, führte Dr. Härtling weiter aus. „Man baut ein elektrisches Feld in der Haut auf ...“

„Und was bewirkt dieses Feld?“

„Es fördert die Durchblutung und den Stoffwechsel“, sagte Sören Härtling, „wirkt aber auch direkt an den Fettzellen, zwingt sie, mehr Energie zu verbrauchen und dadurch schrumpfen sie.“

„Das hört sich recht einfach an.“

„Es ist verhältnismäßig einfach“, nickte Sören.

„Und wie viele Behandlungen braucht man im Durchschnitt bis eine gravierende Besserung eintritt?“

„In Ihrem Fall reichen mit Sicherheit sechs Sitzungen von jeweils einer Stunde“, antwortete Dr. Härtling „Wenn Sie auch noch ein bisschen abnehmen und Gymnastik machen, brauchen Sie bald keine Komplexe mehr zu haben.“ Er schnippte mit dem Finger. „Apropos abnehmen. Wissen Sie, wie es am leichtesten geht? Man lässt die Vorspeise weg und isst statt der Hauptspeise keinen Nachtisch.“

„Das muss ich mir merken“, lachte die Patientin. „Wann kann ich wiederkommen?“

„Schwester Annegret wird Ihnen einen Termin geben“, sagte Dr. Härtling freundlich.

 

 

2

Das Telefon läutete. Dr. Härtling saß in seinem Büro an seinem Schreibtisch, hatte das umstrittene medizinische Gutachten eines Kollegen vor sich liegen und griff nach dem Hörer, ohne von dem Schriftstück aufzusehen. „Ja?“

„Ihre Frau, Chef“, meldete Moni Wolfram, seine Sekretärin.

„Hier?“, fragte Sören überrascht. „Nein, am Telefon.“

„Stellen Sie durch, Moni.“

Es klickte kurz, dann hörte Sören Janas Stimme: „Du, ich schaff’s nicht, bis Mittag zu Hause zu sein.“

Sören hörte Straßenlärm im Hintergrund. „Wo bist du?“, erkundigte er sich.

„Mit deiner Schwester unterwegs. Trix hat mich vor einer Stunde angerufen und mich gebeten, ihr zu helfen, ein hübsches Geschenk für ihren Mann auszusuchen.“

„Ein Geschenk? Zu welchem Anlass? Geburtstag hat Axel doch erst kürzlich gehabt.“

„Scharf beobachtet“, sagte Jana Härtling. „Es geht um ein Hochzeitstagsgeschenk.“

„Ist Trixis und Axels Hochzeitstag nicht schon morgen?“

„Richtig“, bestätigte Jana.

„Das sieht meiner Schwester ähnlich. Sie erledigt solche Dinge immer in der allerletzten Minute und dann logischerweise mit entsprechender Hektik.“

„Und natürlich hat sie wie jedes Jahr keine Ahnung, was sie ihrem Mann schenken soll“, meinte Jana. „Es wird aber auch wirklich von Mal zu Mal schwieriger. Axel hat ja schon so gut wie alles.“

„Eine Yacht hat er noch nicht.“

Jana lachte. „Du bist gut ...“

„Wenn ein Mann seiner Frau nicht mal eine Yacht wert ist ...“, scherzte Sören. „Ich bin sicher, ihr werdet auch diesmal wieder etwas Schönes für Axel finden.“

„Tut mir leid, dass ich nicht da bin, wenn du heimkommst, Liebling.“

„Ist nicht so schlimm. Ich werd’s schon irgendwie verkraften“, gab Sören zurück. „Ein Glück, dass unsere Familie aus sechs Personen besteht.“

„Es wird auch von den übrigen Köpfen keiner da sein.“

„Ach, nicht?“, sagte Sören enttäuscht.

„Hast du das heute Morgen beim Frühstück denn nicht mitgekriegt?“

„Nein. Was denn?“ Er schüttelte den Kopf. „Ach, ist ja egal. Es ist also niemand zu Hause.“

„Nur Ottilie.“

„Von den Kindern, meine ich“, sagte Sören Härtling.

„Zwei unserer ‘Kinder’ sind bereits großjährig“, erinnerte Jana ihren Mann.

„Wie die Zeit vergeht“, sagte Sören. „Wie ist es möglich, dass ich dich nach so vielen Jahren immer noch liebe?“

„Ich weiß es nicht.“

„Es ist wohl eines der vielen Mysterien, die es im Leben gibt“, meinte Sören schmunzelnd. „Kauft was Hübsches für Axel und grüß Trix von mir.“ Er unterbrach das Gespräch und bat Moni Wolfram dann, Ottilie anzurufen und ihr mitzuteilen, dass er heute ebenfalls nicht heimkommen würde.

Anschließend vertiefte er sich wieder in die Lektüre des medizinischen Gutachtens, mit dem auch er wie einige andere Gynäkologen, mit denen er gesprochen hatte, nicht einverstanden war. Sobald er das Schriftstück durchgearbeitet hatte, vervollständigte er seine Notizen, legte sie mit in den Schnellhefter, schloss diesen und deponierte ihn in der linken oberen Schreibtischlade.

Wieder läutete das Telefon. „Ja?“, meldete sich Dr. Härtling.

„Dr. Bach, Chef“, meldete Moni.

Ein freudiges Leuchten trat in Sörens Augen. „Stellen Sie durch.“

„Nicht am Telefon. Er ist hier.“

„Hier?“, fragte Sören verblüfft. „Draußen bei Ihnen?“

Moni lachte. „Ja.“

„Das gibt’s doch nicht!“

„Er steht in voller Lebensgröße vor mir“, sagte Sörens Sekretärin.

„Gott, Kindchen, warum schicken Sie ihn denn nicht rein?“

 

 

3

„Guten Tag, Frau Wagner.“

„Hallo, Frau Bach“, gab Hannelore Wagner zurück. Sie war in Gedanken versunken gewesen, hätte Ellen Bach übersehen, wenn diese sie nicht in dem kleinen, staubigen Park den sie, jede in entgegengesetzter Richtung, durchquerten angesprochen hätte. „Geht’s gut?“

„Blendend“, strahlte Ellen Bach, eine gepflegte Frau von fünfzig Jahren. Sie und Hannelore Wagner waren seit vielen Jahren Nachbarinnen.

„Das sieht man Ihnen an.“ Hannelore Wagner lächelte. „Haben Sie irgendwo ein paar Millionen gewonnen?“

„Über Geld würde ich mich nicht so freuen.“

„Was macht Sie denn so happy?“, erkundigte sich Hannelore Wagner. Sie kam gerade von der Paracelsus-Klinik nach Hause.

„Mein Sohn ist da.“

Frau Wagner staunte. „Er ist zurückgekommen?“

Frau Bach schüttelte den Kopf. „Er ist nur zu Besuch hier.“ Sie atmete laut aus. „Ach, ich freue mich ja so, den Jungen mal wieder eine Weile bemuttern zu dürfen! Das hat mir schon richtig gefehlt.“

Eine düstere Falte entstand über Hannelore Wagners Nasenwurzel. „Sie haben wenigstens einen Sohn und noch dazu einen, auf den Sie stolz sein können. Ich habe niemanden.“

Ellen Bach wiegte den Kopf und erwiderte, um die Nachbarin zu trösten: „Wenn das einzige Kind auf der anderen Seite des Erdballs wohnt, hat man auch nicht viel von ihm.“

„Man kann telefonieren, kann sich gegenseitig Briefe schreiben, kann Anteil nehmen am Leben des ändern.“

„Na ja, das schon, aber Briefe und Telefonate können die körperliche Nähe eines geliebten Menschen nicht ersetzen“, sagte Ellen Bach.

In der Nähe der beiden Frauen saß ein alter Mann auf einer Bank und fütterte Tauben und Spatzen mit Brotkrümeln.

„Hoffen Sie noch immer, dass Ihr Sohn sich eines Tages entschließt, in die Heimat zurückzukehren?“, fragte Hannelore Wagner.

„Seine Wurzeln sind hier, nicht auf Jamaika.“

„Das stimmt schon“, gab Frau Wagner zu, „aber Christian hat sich nun mal entschlossen, in der Karibik zu leben.“

„Er könnte diesen Entschluss jederzeit rückgängig machen.“

„Warum sollte er? Ihretwegen?“, fragte Hannelore Wagner.

„Ich würde ein solches Opfer nie von ihm verlangen“, wehrte Ellen Bach ab. „Es gibt andere Gründe, deretwegen ein junger Mann all seine Pläne neu überdenken und völlig anders ordnen könnte.“

„Sie meinen, wenn Christian zum richtigen Zeitpunkt die richtige Frau über den Weg läuft ...“

Ellen Bach schmunzelte. „Eigenartig. Wir Frauen denken doch alle irgendwie in den gleichen Bahnen. Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag, Frau Wagner.“

„Wünsche ich Ihnen auch, Frau Bach. Und was immer Sie vorhaben ...“

Ellen Bach hob mit Unschuldsmiene beide Hände. „Ich habe nichts vor.“

„Wie auch immer ich drücke Ihnen auf jeden Fall die Daumen.“

 

 

4

Die Tür ging auf, und ein großer, dunkelhaariger, sonnengebräunter und gutaussehender Mann trat ein. Er trug helle Jeans und einen bunten Windbreaker, war zweiunddreißig, sah aber höchstens wie achtundzwanzig aus.

Dr. Härtling stand auf und ging ihm entgegen. „Christian, was für eine Freude, Sie zu sehen!“

„Hallo, Sören, wie geht’s?“

„Sehr gut. Und Ihnen?“

„Wie kann’s einem schon gehen, wenn man Urlaub hat?“, grinste Dr. Christian Bach.

„Fantastisch.“

„Sie sagen es“, nickte der Besucher. „Sie sehen großartig aus“, stellte Sören Härtling fest.

„Danke.“

„Setzen Sie sich. Was darf ich Ihnen anbieten?“, fragte Sören. „Tee? Kaffee? Saft? Sprudel? Einen Cognac?“

„Kaffee wäre nicht schlecht.“

„Kommt sofort.“ Sören deponierte eine entsprechende Bitte bei Moni Wolfram und setzte sich dann zu seinem Kollegen.

Dr. Christian Bach war Schönheitschirurg, ein begnadeter Künstler mit dem Skalpell. Er hatte kurze Zeit in der Paracelsus-Klinik gearbeitet, und Sören hatte diese Arbeit sehr geschätzt. Er hätte es gern gesehen, wenn Dr. Bach geblieben wäre, aber mit der Karibik kann München natürlich nicht konkurrieren. Man hatte Dr. Bach mit viel Geld und mit offenen Armen auf Jamaika empfangen, und seither nahm er in einer neu erbauten Superklinik die reichsten der Reichen unters Messer.

Zumeist Frauen, aber auch Männer, die aus irgendeinem Grund mit ihrem Aussehen nicht oder nicht mehr zufrieden waren, zählten zu seinen Patienten.

Moni Wolfram brachte den Kaffee.

„Sie werden als Schönheitschirurg immer bekannter“, sagte Sören Härtling.

„Ach was.“ Dr. Bach winkte bescheiden ab.

„Ich habe in diesem Jahr bereits zweimal über Sie in der Zeitung gelesen. Sie haben Gesicht, Busen und Po der britischen Filmschauspielerin Jenny St. Clair geliftet und dem amerikanischen Popstar Paul Colorado zu einer ansehnlicheren Nase verholfen.“

„Ich finde, man sollte das nicht so in der Öffentlichkeit breittreten, aber ich habe darauf leider keinen Einfluss.“ Dr. Bach seufzte. „Manche Stars vermarkten sich so total, dass sie sogar die an ihnen vorgenommenen Operationen publicitywirksam ausschlachten.“ Er lächelte. „Da war mal eine, die kam mit ihrem eigenen Reporterteam angereist, und diese Leute verschickten dann jeden Tag ihre Berichte in alle Welt.“

„Wie lange sind Sie schon in München?“ Sören trank einen Schluck Kaffee.

„Ich bin vorgestern angekommen.“

„Und heute erscheinen Sie bereits in der Paracelsus-Klinik, das finde ich sehr schmeichelhaft“, sagte der Chefarzt.

„Ich habe mich hier sehr wohl gefühlt, und Sie waren der beste Chef, den man sich wünschen kann.“

„Wie lange werden Sie in München bleiben?“, erkundigte sich Dr. Härtling, ohne auf die letzte Bemerkung einzugehen.

„Drei Wochen.“

„Wohnen Sie bei Ihrer Mutter?“, fragte Sören.

„Ja, und sie freut sich riesig darüber.“

„Das kann ich mir denken.“

Dr. Christian Bach lächelte. „Ich werde von morgens bis abends so sehr verwöhnt, dass ich zwischendurch mal weg muss, damit es mir nicht zu viel wird.“

„Mutterliebe“, lächelte Dr. Härtling verständnisvoll.

Dr. Bach wiegte bedenklich den Kopf. „Man kann’s damit auch übertreiben.“

„Ihre Frau Mama meint es gut.“ Der junge Kollege lachte. „Sie versucht noch perfekter zu sein als früher, damit ich erkenne, was mir drüben alles fehlt.“

„Sie machen einen sehr zufriedenen Eindruck, Christian.“

„Ich bin zufrieden. Ich habe eine Arbeit, die mir Spaß macht, lebe in der traumhaften Karibik, habe ein schönes Haus in Montego Bay ...“

„Was tun Sie, wenn Sie nicht arbeiten?“, fragte Dr. Härtling.

„Ich sehe mir die Insel an, spiele Tennis und Golf. Auch das Hochseefischen fasziniert mich sehr.“

„Wissen Sie, wie sich das anhört, Christian?“

„Wie?“

„Als wären Sie unter anderem auch nach Hause gekommen, um sich hier nach einer passenden Gefährtin für drüben umzusehen“, sagte Sören.

Christian Bach lachte herzlich. „Um Himmels willen, weit gefehlt!“

„Genießen Sie das Alleinsein denn so sehr?“

„Ich bin nicht allein.“

Sören Härtling hob die Augenbrauen. „Oh!“

„Ich habe eine ganz bezaubernde Frau kennengelernt. Sie ist Künstlerin. Sängerin. Sie ist gerade im Begriff, Karriere zu machen. Hat bereits einen Plattenvertrag, und im Fernsehen war sie auch schon einige Male zu bewundern. Ihre Beliebtheit wächst mit jedem Auftritt.“

„Kann man ihre Platten auch hier kaufen?“, erkundigte sich Dr. Härtling.

„Ich glaube ja, aber ich bin nicht sicher.“

„Wie ist ihr Name?“, fragte der Chefarzt der Paracelsus-Klinik.

„Sie nennt sich Alexis.“

„Und wie noch?“, wollte Sören wissen.

„Nur Alexis. Geboren in Kingston Town, aufgewachsen in Montego Bay. Sie liebt die Insel und das Meer über alles.“

„Ich werde mal meine Jugend daheim fragen, ob sie sie kennt“, sagte Dr. Härtling.

„Sie singt Reggae, aber sie ist keine Farbige. Ihre Eltern haben England vor fünfundzwanzig Jahren verlassen.“

„Ist sie hübsch?“ Sören Härtling nahm wieder einen Schluck vom Kaffee.

„Sie ist eine wunderschöne, geheimnisvolle Frau.“

Sören hob die rechte Augenbraue. „Geheimnisvoll?“

„Ich weiß nicht viel mehr über sie, als ich Ihnen gerade erzählt habe.“

„Warum hält sie sich so bedeckt?“, fragte Dr. Härtling. „Hat sie kein Vertrauen zu Ihnen?“

„Ich weiß es nicht. Sie gibt mir immer wieder Rätsel auf und gerade das ist es, was mich so besonders an ihr fasziniert.“

„Hätten Sie Lust, uns in den nächsten Tagen mal zu besuchen?“, fragte Sören, „Meine Frau würde sich freuen.“

„Ich komme sehr gem.“

„Fein. Wann?“, fragte der Gynäkologe.

„Darf ich Sie anrufen?“

„Aber bitte mindestens einen Tag vor Ihrem Besuch, damit unsere Wirtschafterin sich darauf vorbereiten kann“, erwiderte Sören. „Sie mögen Fisch, soviel ich mich erinnere.“

„In jeder Form.“

„Forelle blau ist Ihr Lieblingsgericht“, sagte der Leiter der Paracelsus-Klinik.

Dr. Christian Bach sah ihn verwundert an. „Dass Sie sich das gemerkt haben!“

Sören Härtling schmunzelte. „Da sehen Sie, was für einen guten Eindruck Sie hinterlassen haben.“

Dr. Bach leerte seine Tasse. „Dann will ich Sie nicht länger stören, wir sehen uns demnächst.“

„Je früher, desto besser“, gab Dr. Härtling lächelnd zurück.

Die Männer erhoben sich und gaben sich zum Abschied die Hand.

„Auf bald“, sagte Dr. Härtling.

„Ich melde mich noch in dieser Woche“, versprach Christian Bach.

 

 

5

Der junge Schönheitschirurg stieg aus dem Taxi. „Hallo, Frau Wagner!“, rief er über den Zaun des Nachbargrundstücks.

Hannelore Wagner war gerade dabei, ein paar Rosen abzuschneiden. Sie drehte sich um und winkte mit der Gartenschere. „Christian, Sie schlimmer Ausreißer!“

„Ich bin wie ein Bumerang, ich komme immer wieder zurück.“

„Wenn Sie mal Appetit auf eine deftige Brotzeit haben, schauen Sie bei mir rein.“

„Ich werde sehen, ob sich’s einrichten lässt.“

„Und kommen Sie nicht ohne Ihre Mutter!“

„Vielen Dank für die Einladung. Ich wünsche Ihnen noch einen schönen Tag.“

„Wünsche ich Ihnen auch.“ Sie winkte wieder mit der Gartenschere, und er betrat das Haus seiner Mutter.

„Na, warst du bei Dr. Härtling in der Paracelsus-Klinik?“, fragte Ellen Bach, während sie ihrem Sohn die Wange zum Kuss hinhielt.

„Ja“, antwortete er.

„Hat dein ehemaliger Chef sich gefreut, dich wiederzusehen?“

„Sören Härtling war für mich schon immer mehr als nur mein Chef“, gab Christian zurück. „Ich sehe in ihm schon fast einen guten Freund.“

„Er ist sehr nett.“

„Er hat mich zu sich nach Hause eingeladen“, erzählte Christian. „Frau Wagner hat das übrigens auch getan.“

„Du bist sehr beliebt. Man reißt sich um dich. Ich bin wirklich sehr stolz auf dich, mein Junge. Schade, dass du dich entschieden hast, so weit weg von München zu leben.“

„Es ist da, wo ich wohne, wunderschön, Mama.“

„Das glaube ich dir“, sagte Ellen Bach.

„Du kannst mich jederzeit auf Jamaika besuchen.“

„Ach, Junge ...“ Sie lächelte matt.

„Und du kannst bleiben, solange du willst. Am liebsten wäre es mir, wenn du überhaupt ganz mit mir nach drüben kommen würdest.“

„Nach Jamaika?“

„Warum nicht?“, fragte Christian Bach.

„Ach, Christian, du weißt doch, dass ich so schreckliche Angst vorm Fliegen habe!“

„Dieses eine Mal.“

„Außerdem bin ich ein alter Baum und alte Bäume darf man nicht verpflanzen, das tut ihnen nicht gut“, erklärte Ellen Bach.

„Ich höre immer alt. Wer ist denn hier alt?“

„Ich bin fünfzig“, gab Ellen Bach zu bedenken.

„Das ist doch heutzutage, wo die Menschen hundert Jahre und länger leben, kein Alter mehr.“

Ellen Bach seufzte. Jamaika ... Sie wäre mit ihrem Sohn wieder zusammen gewesen, aber alle anderen Menschen dort wären ihr fremd gewesen.

Hier hatte sie ihren Freundeskreis, und es wäre ihr sehr schwergefallen, den aufzugeben. Fünfzig ... Sicher, früher hatten fünfzigjährige Frauen anders ausgesehen, aber um in der Karibik gewissermaßen noch mal von vorn anzufangen, dafür war es, fand sie, zu spät.

Sie setzten sich auf die Terrasse. Ellen Bach holte Eistee. „Rat mal, wer heute zum Abendessen kommt“, sagte sie lächelnd.

„Wer denn?“, fragte Christian.

„Iris und Violetta Martensen.“ Christian schüttelte grinsend den Kopf. „Mutter! Mutter!“

„Ja, Junge?“, tat sie sehr scheinheilig.

„Du kannst es einfach nicht lassen“, meinte Christian mit amüsiertem Lächeln.

Sie gab sich den Anschein, als wüsste sie nicht, wovon die Rede war. „Was kann ich nicht lassen?“

„Mich mit irgendwelchen Frauen verkuppeln zu wollen.“

„Erstens ist Violetta nicht irgendeine Frau ...“

„Du hast schon mal versucht, mich mit ihr zusammenzubringen es hat nicht funktioniert“, erinnerte Christian seine Mutter. Er griff nach seinem Glas. Der Eistee mit Pfirsichgeschmack schmeckte vorzüglich.

„Sie ist eine liebe, nette Person ...“

„Das bestreite ich nicht“, erwiderte Christian.

„Und ihr habt euch schon vor Jahren großartig verstanden.“

„Auch das ist richtig, und ich habe Violetta auch sehr, sehr gern, aber ...“

„Aber?“, fragte Ellen Bach interessiert.

„Na ja, wenn ein Mann und eine Frau zusammenkommen sollen, muss es ‘Klick!’ machen und das hat es bei Violetta und mir eben nie gemacht. Tut mir leid.“

„Tut es dir wirklich leid?“

„Ein bisschen schon“, gab Christian zu. „Vor allem für Violetta, weil sie sich in mich verliebt hatte. Es war nicht leicht für sie, damit fertigzuwerden, dass ich sie nicht liebte.“

„Vielleicht warst du damals noch nicht reif für die Liebe.“

„Wenn du denkst, dass ich inzwischen reif geworden bin, muss ich dich enttäuschen, Mama“, sagte Christian. „An meinen Gefühlen für Violetta Martensen hat sich nichts geändert.“

„Du musst sie erst wiedergesehen haben, um dir dessen gewiss sein zu können.“

„Mutter“, sagte Christian Bach eindringlich. „Violetta Martensen ist eine bildhübsche Frau. Denkst du, die sitzt jahrelang zu Hause und wartet darauf, dass ich vielleicht irgendwann mal reif für eine Beziehung mit ihr werde? Sie hat mit Sicherheit eine Menge Verehrer ...“

„Hat sie, aber keiner hat bei ihr eine echte Chance“, erwiderte Ellen Bach zuversichtlich. Sie schwieg kurz. Dann sagte sie: „Zu Violettas Schönheit kommt auch noch ein beträchtliches Vermögen.“

„Mich interessiert Violettas Geld nicht.“

„Es ist immer beruhigend, Geld zu haben“, entgegnete Ellen Bach. „Die Glashütte der Martensens macht Millionenumsätze.“

Der junge Schönheitschirurg schüttelte den Kopf. „Das beeindruckt mich nicht.“

„Mit dem Martensen-Vermögen könntest du dir deine eigene Klinik bauen.“

„Mutter!“, sagte Christian, jetzt schon in rügendem Ton.

„Ich würde nicht so reden, wenn ich nicht ganz genau wüsste, dass Violetta Martensen dich immer noch liebt“, rechtfertigte sich Ellen Bach.

Drinnen im Haus läutete das Telefon.

Frau Bach stand auf und sagte zu ihrem Sohn: „Entschuldige mich.“ Dann verließ sie die Terrasse.

Christian drehte das Glas zwischen seinen Handflächen. Wie schnell Gedanken fliegen konnten! Er war plötzlich nicht mehr hier in Mutters Haus, sondern auf Jamaika, bei Alexis. Bei seinem Inselmädchen. Bei seiner Sphinx. Wieso wusste er so wenig von ihr? Wieso verschwieg sie ihm so viel? Er kannte noch nicht einmal, ihren richtigen Namen.

Er verglich Alexis unwillkürlich mit Violetta, die immer offen und ehrlich zu ihm gewesen war. Von Violetta wusste er alles, und das, was er nicht wusste, hätte er jederzeit erfragen können.

Violetta war ihm noch nie eine Antwort schuldig geblieben. Bei Alexis hingegen waren schon sehr viele Fragen offengeblieben. Entweder sie überhörte sie geflissentlich, oder sie sagte einfach: „Lieber Himmel, warum willst du denn gar so viel wissen?“ Er fand keine Ähnlichkeiten zwischen den beiden Frauen. Alexis war dunkelhaarig, Violetta blond. Alexis war eine sensible Künstlerin, Violetta eine gewiefte Geschäftsfrau. Alexis konnte ohne Sonne, Sand und Meer nicht sein. Violetta war ein Stadtmensch durch und durch. Violetta liebte ihn. Und Alexis ... Nicht einmal das wusste er.

Ellen Bach kehrte auf die Terrasse zurück und setzte sich wieder zu ihrem Sohn.

„Ein Anruf von den Martensens?“, fragte Christian schmunzelnd. „Haben sie abgesagt?“

„Denkst du, Violetta lässt es sich entgehen, dich wiederzusehen?“, erwiderte seine Mutter. „Nein, das war meine Masseuse. Sie ist krank und kann heute nicht kommen.“

 

 

6

„Weißt du, wer wieder im Lande ist?“, fragte am Abend Dr. Härtling seine Frau. Jana sah ihn abwartend an.

„Dr. Christian Bach.“

„Na, so was! Woher weißt du das? Hat er dich angerufen?“

„Er war bei mir in der Paracelsus-Klinik“, berichtete der Chefarzt.

Jana schmunzelte. „Möchte er seinen früheren Job wiederhaben?“

„Er macht Urlaub in München“, erzählte Sören.

„Andere fliegen im Urlaub in die Karibik, er kommt von der Karibik zu uns.“

„Um seine Mutter wiederzusehen“, erklärte Sören.

Jana wurde ernst und senkte den Blick. „Hoffentlich verstreut es unsere Kinder nicht auch eines Tages in alle Winde“, sagte sie leise.

Sören strich mit dem Handrücken zärtlich über ihre Wange. „Wir dürften sie nicht daran hindern zu gehen, wohin sie wollen.“

„Aber es wäre sehr schmerzlich für mich, sie auf diese Weise zu verlieren.“

„Es ist eher unwahrscheinlich, dass uns alle vier verlassen“, meinte Sören mit einem zuversichtlichen Lächeln.

„Wie gefällt es Dr. Bach auf Jamaika?“

„Sehr gut“, antwortete Sören.

„Hat er manchmal Heimweh?“

„Darüber haben wir nicht gesprochen“, gab Sören zurück. „Ich habe ihn übrigens eingeladen, und er hat zugesagt zu kommen.“

„Großartig. Wann?“

„Das wird er uns noch telefonisch mitteilen“, sagte Sören Härtling. Dann wechselte er das Thema: „Habt ihr ein Hochzeitstagsgeschenk für Axel gefunden?“

„Ja.“

„Was wird Trix ihrem Mann morgen schenken?“

„Eine tolle Golfausrüstung.“

„Er spielt doch nur zweimal im Jahr.“

„Muss er deshalb auf dem schönen, weichen, gepflegten Rasen wie ein Penner herumlaufen?“

„Ist seine alte Ausrüstung denn schon so schäbig?“

„Das weiß ich nicht. Ich habe sie nicht gesehen.“

Dana und Ben betraten eifrig diskutierend das Wohnzimmer. In letzter Zeit politisierten sie ein bisschen zu gern, und Sören konnte nur hoffen, dass die Meinungsverschiedenheit der Zwillinge nicht wieder in einen handfesten Streit mündete, bei dem er dann als Schiedsrichter zu einem salomonischen Urteil aufgerufen war. Ein Glück, dass Ottilie die Familie rechtzeitig zum Abendessen zu Tisch bat, denn während des Essens waren Diskussionen jedweder Art untersagt.

 

 

7

Sonderbarerweise war Dr. Christian Bach etwas nervös, als es Abend wurde. Er würde Violetta wiedersehen. Ob sie sich verändert hatte?

Bei Frauen konnte das sehr schnell gehen. Ein anderes Outfit, eine andere Frisur, ein anderes Make-up und der andere Mensch war fertig.

Dr. Bach stand in seinem Zimmer vor dem Spiegel und band seine Krawatte nun schon zum dritten Mal. Nie wollte ihm der Knoten so gelingen, wie er ihn haben wollte.

Beim vierten Versuch kam der Knoten annähernd hin. Der junge Schönheitschirurg gab sich damit zufrieden, schlüpfte in sein Jackett und verließ den Raum.

„Du siehst wie ein Hollywoodstar aus“, stellte Ellen Bach zufrieden fest, als er das Wohnzimmer betrat.

„Boris Karloff war auch ein Hollywoodstar“, lächelte Christian. „Eine ganze Generation von Kinobesuchern hat sich vor ihm gefürchtet.“

Im Speisezimmer war für vier Personen gedeckt. Poliertes Silber, teures Porzellan, glänzende Stoffservietten, die von kunstvoll ziselierten Silberringen gehalten wurden. Schlanke flamingofarbene Kerzen warteten darauf, angezündet zu werden und weiches, warmes Licht zu spenden. Christian nahm sich zum Aufwärmen einen Drink.

Ellen Bach beobachtete ihren Sohn. „Nervös?“, fragte sie amüsiert.

„Ein bisschen.“

„Violetta lässt dich also nicht völlig kalt“, stellte Ellen zufrieden fest.

„Das habe ich nie behauptet.“

„Das freut mich.“ Zufriedenheit funkelte in den Augen der immer noch attraktiven Frau.

„Ich habe lediglich gesagt ...“

Ellen Bach winkte ab. „Ja, ja, schon gut. Ich denke, ich weiß Bescheid.“

Christian holte tief Luft. „Mama, bevor die Martensens erscheinen, möchte ich klarstellen ...“

Draußen hielt ein Wagen.

„Zu spät“, schmunzelte Ellen. „Sie sind schon da. Es ist keine Zeit mehr für lange Erklärungen.“ Sie tätschelte zärtlich seine Wange. „Mach mir die Freude, sei lieb zu den Martensens. Vor allem zu Violetta. Lass sie spüren, dass sie in diesem Haus willkommen ist.“

Es läutete. Das Hausmädchen ließ Iris und Violetta Martensen ein und führte sie ins Wohnzimmer. Eine freundliche Begrüßung folgte.

„Ellen, du siehst großartig aus.“ Die mollige Iris Martensen umarmte die Freundin innig.

„Du auch, Iris“, gab Ellen Bach lächelnd zurück.

„Ich habe schon wieder ein paar Pfunde zugelegt“, klagte Iris Martensen.

„Sie stehen dir“, behauptete Ellen Bach.

Details

Seiten
108
Jahr
2020
ISBN (eBook)
9783738938067
Sprache
Deutsch
Erscheinungsdatum
2020 (März)
Schlagworte
härtling inselmädchen
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Titel: Dr. Härtling und das Inselmädchen