Lade Inhalt...

Der Herrgottsschnitzer

2020 91 Seiten

Leseprobe

Table of Contents

Der Herrgottsschnitzer

Copyright

Die Hauptpersonen des Romans:

1

2

3

4

5

6

7

8

9

10

11

12

13

14

15

Der Herrgottsschnitzer

Bergroman von G. S. Friebel

 

Der Umfang dieses Buchs entspricht 91 Taschenbuchseiten.

 

Nora Tengler ist über beide Ohren in Anton Obermoser verliebt. Doch der hat es nur auf ihre Mitgift abgesehen. Als ihr Bruder ihm bei seinem Besuch erklärt, dass sie nur 5000 Mark bei einer Heirat mitbekommt, will er Nora nicht mehr. Das hübsche Mädchen fühlt sich verraten und will nun nichts mehr mit Männern zu tun haben.

Auch Urban Reisch ereilt ein schweres Schicksal, denn er wird - zu Unrecht - beschuldigt, ein Mädchen vergewaltigt zu haben …

 

 

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books, Alfred Bekker, Alfred Bekker präsentiert, Casssiopeia-XXX-press, Alfredbooks, Uksak Sonder-Edition, Cassiopeiapress Extra Edition, Cassiopeiapress/AlfredBooks und BEKKERpublishing sind Imprints von

Alfred Bekker

© Roman by Author

© COVER STEVE MAYER

© dieser Ausgabe 2020 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

Folge auf Twitter

https://twitter.com/BekkerAlfred

 

Zum Blog des Verlags geht es hier

https://cassiopeia.press

Alles rund um Belletristik!

Sei informiert über Neuerscheinungen und Hintergründe!

 

Die Hauptpersonen des Romans:

Nora Tengler - Vinzenz’ hübsche Schwester, schenkt ihre Liebe einem Unwürdigen.

Anton Obermoser - fauler, verschuldeter Bauernsohn, der es auf Noras Mitgift abgesehen hat.

Urban Reisch - unschuldig verurteilter Holzschnitzer, liebt Nora.

 

 

1

Nora Tengler stand am Fenster und wand ihr schönes, dichtes Haar zu einem Knoten. Ihre klaren hellen Augen strahlten. Sie freute sich, denn bald würde sie Anton, ihren Liebsten, wiedersehen. Gestern hatte sie ihm versprochen, sich gleich in der Frühe mit ihm in der Schlucht zutreffen. Sie war nicht für diese Heimlichkeit. Nora verstand nicht, warum Anton nicht offen zeigen wollte, dass sie sich liebten. Immer, wenn sie ihn darauf ansprach, sagte er nur: »Bald, Nora. Ich glaub, dein Bruder sieht das nicht gern. Darum.«

Vielleicht hat er recht, dachte Nora. Er sah manchmal so finster aus. Früher hatte er auch immer gelacht und gescherzt. Aber seit er mit der Marie verheiratet war, war alles anders geworden. Sie war ein zänkisches Weib und konnte einem das Leben schon schwermachen.

Als Nora mit dem Haar fertig war, nahm sie ihr Brusttuch und verließ auf Zehenspitzen ihr Zimmer. Zum Frühstück wollte sie wieder zurück sein. So würde Marie nichts merken. Ein wenig fürchtete sie die spitze Zunge der Schwägerin.

Marie haßte Nora, weil sie umso vieles schöner war. Marie hatte nur viel Geld mit in die Ehe gebracht, ansonsten sah sie nur leidlich aus. Nora hingegen war ein großes, stattliches Geschöpf. Wenn man sie einmal gesehen hatte, konnte man sie nicht mehr so leicht vergessen. Ihr liefen die Burschen nach, kein Wunder, stammte sie doch vom reichsten Hof der Umgebung ab. Alle wollten sie Nora zur Frau haben, schon wegen der großen Mitgift, die man sich durch eine Heirat mit ihr versprach.

Aber Nora kümmerte das alles nicht. Sie liebte nur einen, den Anton. Das war auch ein Mannsbild, der konnte den Mädchen schon den Kopf verdrehen. Zu Anfang hatte man im Dorf gemunkelt, er habe etwas mit der tollen Renzi, aber Nora glaubte das einfach nicht. Sagte ihr Anton nicht immerzu, dass er nur sie liebe?

Sie schlüpfte aus dem Haus, überquerte den weiten Platz und war wenig später in den Hochwald eingebogen. Hier konnte man sie vom Dorf aus nicht mehr sehen.

Ihr Herz klopfte stürmisch. Ach, dachte sie, ich will mich nicht mehr versteckt mit dem Anton treffen, er soll endlich mit dem Bruder reden. Und wenn Vinzenz es nicht will, so brauchen wir doch nur noch ein knappes Jahr zu warten, dann kann ich über mich bestimmen. Ich werde zu ihm halten. Ein Leben ohne Anton kann ich mir gar nicht mehr vorstellen.

Leichtfüßig wie ein Reh sprang sie über Steine und Wurzeln und hatte bald den Platz erreicht. Die Schlucht wurde von vielen aus dem Dorf gemieden, glaubte man doch, es spuke hier drinnen. Nora konnte darüber nur lachen. Sie mochte sie gern, sie war so anders, so verwunschen, geheimnisvoll. Von oben herunter kam ein kleiner Wasserfall. Wie oft hatte sie von dem Wasser getrunken und sich das Gesicht gekühlt.

Anton war noch nicht da. Sie lächelte ein wenig vor sich hin.

»Diese Schlafmütze«, sagte sie leise. »An einem so schönen Tag noch in den Federn zu liegen.«

Nora setzte sich auf einen Stein, legte die Arme um die Knie und sah sinnend ins Tal. Hie und da sah sie Rauch aus den Schornsteinen aufsteigen. So lag das Dörfchen Schwendberg friedlich in der frühen Morgensonne. Hierher verirrten sich nur selten ein paar Touristen. Und wenn, dann waren es nur Bergsteiger. Sie kamen, kraxelten ein wenig in ihren Bergen herum und verschwanden dann wieder. Vielleicht nahmen sie noch ein Mittagessen im Dorfkrug ein, mehr gaben sie hier aber nicht aus. Viele Dörfler hätten es sehr gern gesehen, wenn sie mehr Gäste im Jahr hätten beköstigen können.

Komisch, dachte Nora, so viele Freundinnen wollen fort, sie hassen das Dorf. Ich habe es sehr lieb. Nie werde ich es verlassen, nie und nimmer. Und bald, ja bald werde ich Bäuerin auf dem Obermoserhof sein. Er ist zwar nicht so groß wie unserer.

Seit dort die Bäuerin nicht mehr war, verkam vieles. Anton und der Vater machten nur noch das Nötigste. Nora ahnte nicht, dass die beiden immer sehr faul gewesen waren. Solange die Bäuerin noch gelebt hatte, hatte sie die Mannsbilder angetrieben und zum Arbeiten angehalten, aber sie selbst hatte auch wie ein Mannsbild schaffen müssen.

Das war schon fünf Jahre her. Seit der Zeit lebte man lustig und fidel. Ging das Geld aus, nahm man eben etwas auf Grund und Boden auf. Im nächsten Jahr würde man alles zurückzahlen. Aber bei diesem Vorsatz blieb es, und so verschuldeten sie immer mehr. Davon hatte Nora aber keine Ahnung.

Anton war noch immer nicht gekommen, und so träumte sie weiter. Noch brannte die Sonne nicht so heiß, und das Blätterwerk hielt auch die Strahlen zurück.

Die eigenen Eltern lebten auch schon nicht mehr. Die Mutter war kurz nach ihrer Geburt gestorben. Einige alte Frauen im Dorf erzählten ihr mal, sie solle genauso ausgesehen haben wie sie.

»Du bist ihr Ebenbild, Nora. Wenn ich dich so sehe, dann glaub ich tatsächlich, die Luise stehe vor mir.«

»Krämerin, erzähl mir doch ein wenig von meiner Mutter. Ich weiß gar nix«, hatte sie gebettelt.

»Schön war sie und jung«, sagte die Alte. »So jung, und dann war sie tot. Wie ein Engel hat sie ausgeschaut, als sie im Sarg lag.«

Nora war es kalt über den Rücken gelaufen. Vielleicht sprach der Vater deswegen nie von der Mutter, weil er ihren Tod nicht vergessen konnte. Vielleicht hasste er auch seine Tochter, weil sie ihn immer wieder an sie erinnerte. So klein sie damals auch gewesen war, hatte sie doch deutlich gespürt, dass sie nicht mit ihm darüber reden durfte. So hatte sie sich dann zu Vinzenz geflüchtet und ihn ausgefragt. Er war damals zehn Jahre alt gewesen, als die Mutter gestorben war. Musste er sich nicht alles in Erinnerung zurückrufen können?

Vinzenz wusste, dass es seine zweite Mutter gewesen war. Die richtige Mutter war bei seiner Geburt gestorben. Aber er hatte die zweite Mutter liebgehabt, denn sie hatte sich um ihn gekümmert und ihn gern gehabt. An so vieles konnte er sich erinnern. Die vielen schönen Geschichten, die sie ihm erzählt hatte, die Lieder, die er mit ihr gesungen hatte.

Warum nur musste sie jetzt daran denken? Nora hatte feucht schimmernde Augen. O ja, dachte sie inbrünstig, wenn ich erst einmal Kinder habe, dann werde ich sie auch liebhaben und mit ihnen singen und scherzen.

Warum hat der Bruder nur die Marie heiraten müssen? Warum nur? Ich begreife das nicht. Kann Liebe so blind machen? Ich seh doch auch all die kleinen Fehler bei Anton. Mich macht die Liebe nicht blind.

Hinter ihrem Rücken begann es zu rascheln. Sie drehte sich um. Eine Männergestalt stand an einen Baum gelehnt.

»O Anton«, rief das Mädchen selig und warf sich in seine Arme.

Anton legte die Arme um die schlanke Gestalt, hielt sie einen Augenblick lang fest, dann schob er sie von sich.

»Ich warte schon so lange«, seufzte sie und drohte ihm.

»Du bist immer so pünktlich«, sagte er. »Kannst du es nicht verstehen, dass man gern schläft?«

»Bei dem herrlichen Wetter? Geh Anton, wenn ich dich so reden höre, muss man denken, du bist ein Stadtkind und kein Bergbauer. Seit Jahrhunderten müssen wir doch schon früh aus den Federn, um unser Tagwerk zu schaffen.«

»Ich weiß, ich weiß ...«, sagte er träge. »Aber trotzdem schlafe ich gern, Nora.«

Sie zerrubbelte ihm das Haar.

»Du bist mir einer.«

Der junge Mann ließ sich neben sie ins Gras fallen. Flüchtig streifte er ihr Gesicht mit einem Blick, hinter ihr sah er im Geist ein anderes Gesicht. Es war das von Renzi. Von ihr konnte er alles haben, wonach ein Mann in seiner Liebesglut lechzte. Bei Nora wurde man ja zu einem Eiszapfen, so kühl wirkte sie auf ihn. Und doch musste er ein süßes Gesicht machen, ihr schöne Worte ins Ohr flüstern, ihre Liebe zu ihm entfachen. Du meine Güte, was das anstrengend.

Wäre es nach ihm gegangen, so wäre er mit Renzi schon längst auf und davongelaufen und hätte sich in der Stadt ein lustiges Leben gemacht. Aber vor einiger Zeit hatte er mit dem Vater eine ernste Unterredung gehabt. Da hatten sie in der guten Stube vor dem Papierberg gehockt und sich verblüfft angestarrt,

»So viel Schulden haben wir? Aber das gibt es doch gar nicht! Sooo viel Geld!«

Vater und Sohn begriffen, wenn sie nicht bald etwas unternahmen, würde man ihnen den Hof wegpfänden. Der Obermoserhof war schon seit vielen Generationen in ihrer Familie. Wenn sie den Hof nicht mehr hatten, wovon sollten sie dann leben?

»Musst halt eine reiche Erbin heiraten, Anton. Uns steht das Wasser bis zum Hals.«

Anton starrte seinen Vater entgeistert an.

»Bist narrisch«, keuchte er. »Die Renzi hat doch gar kein Geld.«

»Eben«, erwiderte der Bauer. »musst eine andere nehmen. Die was an die Füß hat.«

»Die Renzi will ich, ich kann ohne sie nicht mehr leben. Wie eine kleine wilde Hexe, so ist sie, Vater. Weißt ja gar nicht, wie die Liebe wirklich schön sein kann.«

»Das ist deine Sache, Bub. Geld muss ins Haus! Alles andere ist doch Nebensache. Merkst denn nicht, wie es um uns steht?«

»Und wenn wir alles verkaufen? Dann können wir in die Stadt ziehen und uns ein lustiges Leben machen, Vater. Hast doch selbst nicht viel Lust zur Landwirtschaft. Solange die Mutter noch lebte, da mussten wir uns fügen - aber jetzt?«

»Verkaufen, du meine Güte, dann haben wir ja gar nix mehr, Bub. Zuerst einmal müssen wir unsere Schulden und die Zinsen bezahlen, und wenn wir uns dann noch eine Fahrkarte kaufen können, dann haben wir noch viel Geld.«

»So schlimm ist es mit uns?«, flüsterte Anton.

»Ja, so schlimm.«

Lange Zeit hatten sie beide geschwiegen. Und dann hatte Anton gefragt: »Was soll ich tun?«

»Musst dich an die Nora Tengler machen. Sie wird mal eine schöne Mitgift bekommen. Dann sind wir alle Sorgen los.«

»Und was sag ich der Renzi?«

»Die Wahrheit!«, fluchte der Vater.

Anton schluckte. Der Vater sagte das so einfach, aber der wusste nicht, was es hieß, hörig zu sein. Und die Renzi hatte eben Feuer im Blut. Er sollte von ihr lassen? Nie und nimmer.

»Ich verstehe dich nicht«, sagte der Vater. »Sie ist doch nicht mal hässlich, im Gegenteil, ein wirklich feines Frauenzimmer. Mit der wirst dein Glück machen, Anton. Also, mir sollte man das sagen, sofort würde ich mich aufmachen und um sie freien.«

»So geh doch hin«, sagte der Sohn ätzend. »Von mir hast den Segen.«

Der Vater kicherte. »Sie will aber nicht mich, sondern dich.«

»Mich?«, staunte Anton.

»Ja, hast du denn deine Augen verschlossen, wenn du ins Dorf gehst? Das sieht ja ein Blinder mit Krückstock, wie sie dir lange Augen macht. Mit der hast dein leichtes Spiel, Anton. Und dann denk mal an das viele Geld, mein Junge.«

Anton war nachdenklich geworden. Anderntags hatte er erst mal eine Unterredung mit der Renzi. Davor hatte ihm besonders gegraut. Aber Renzi hatte nur gelacht und gemeint: »Na und? Deswegen braucht unsere Freundschaft doch nicht in die Brüche zu gehen, Anton. Stell dir mal vor, wenn du erst mal wieder ein reicher Bauer bist, was für feine Geschenke du mir machen kannst!«

Er starrte das Mädchen entgeistert an.

»Geh«, lachte Renzi. »Das ist doch nicht so schlimm. Und wer weiß, vielleicht stirbt sie im Kindbett und dann ist die Stelle der Bäuerin wieder frei.«

Anton starrte sie noch immer entgeistert an.

»Das ist doch nicht dein Ernst, Renzi.«

»Und ob«, sagte diese kaltblütig.

Ging der Anton auf ihren Vorschlag ein, hatte sie ihn für alle Zeiten in der Hand. Sie würde schon dafür sorgen, dass seine Liebe zu ihr nicht kalt wurde. Und Anton selbst? Kannte er denn keine Gewissensbisse dem unschuldigen Mädchen gegenüber? Nein, nicht einen Augenblick dachte er darüber nach, welch schändliches Tun er beabsichtigte. Er war zudem noch überglücklich, dass Renzi nicht böse war. Was wollte er denn mehr? Er würde in Zukunft alles haben. Einen feinen Hof, Geld und eine Frau, die für ihn schuften würde, so wie es die Mutter seinerzeit getan hatte. Und zu seiner Lust hatte er die Renzi. Die würde ihm schon über den Kummer hinweghelfen, dass er eine ungeliebte Frau nehmen musste.

Von dem Augenblick an warb er also um Nora, dies aber erst in aller Heimlichkeit. Der schlaue Fuchs sagte sich, zuerst muss ich das Mädchen fest im Griff haben, wissen, dass sie nicht mehr von mir lassen will, dann geh ich zum Bruder. Vor dem Vinzenz hatte er nämlich eine Heidenangst. Dem Großbauern war die missliche Lage auf dem Obermoserhof nicht entgangen. Bestimmt würde er die Schwester davon abhalten, ihn zum Mann zu nehmen. Aber Nora würde ihn lieben und den Bruder so lange bitten, bis dieser dann nachgeben musste. Außerdem war es ja nur noch kurze Zeit, bis Nora volljährig wurde, und dann musste er ihr Erbteil auszahlen.

»Warum sprichst du nicht mit meinem Bruder?«, fragte Nora, nachdem sie eine ganze Weile geschwiegen hatten.

»Hm«, sagte Anton.

»Bitte«, flehte das Mädchen. »Ich mag das nicht mehr, dieses Heimliche, du weißt schon. Dabei komme ich mir richtig verworfen vor, als hätten wir etwas zu verbergen, Anton. Und das haben wir doch gar nicht.«

»Ich treff mich doch nur heimlich mit dir, weil ich Angst habe, dass dein Bruder mich nicht will, Nora.«

»Aber warum denn?«, rief sie erstaunt. »Wir wollen doch heiraten. Und wenn ich ihm sage, wie lieb ich dich habe, dann wird er nix dagegen haben.«

»Und wenn er doch nein sagt?«, forschte der Jungbauer.

»Oh«, lächelte Nora, »da kennst du mich schlecht. Wenn ich mal etwas will, dann krieg ich es auch. Und Vinzenz«, sie lächelte leicht, »will bestimmt nicht, dass ich unglücklich werde. Weißt, er hat mich immer bemuttert, als ich ein kleines Mädchen war. Wir mögen uns sehr, nur ...« Sie zögerte kurz.

»Was ist nur?«, forschte Anton.

»Die Marie«, sagte sie leise, »seine Frau. Seither ist er nicht mehr der Alte. Sie sind nicht glücklich, weißt du. Und das ist auch ein Grund mehr, warum ich so schnell wie möglich fort möchte. Ich möchte meinen eigenen Hausstand, und du wirst schon sehen, schaffen kann ich für drei. Ach Anton, lass uns doch bald heiraten! Worauf warten wir denn noch?«

»Wenn du mich gar so sehr bittest, kann ich wohl nicht nein sagen.«

»O Anton«, jubelte sie auf und warf ihre Arme um seinen Hals. »Du machst mich überglücklich, wirklich. Und nicht wahr, wir werden immer glücklich bleiben, unser ganzes Leben lang werden wir uns liebhaben.«

Dass sie so zärtlich zu ihm war, war ihm nicht unangenehm, nein, es war ihm nur gleichgültig. Kannte er doch eine ganz andere glutvolle Liebe. Dagegen verblasste Nora vollkommen.

Er erhob sich.

»Ich muss jetzt wieder fort, die Arbeit ruft«, sagte er ausweichend.

»Wann kommst du und sprichst mit Vinzenz?«, drängte sie ihn nochmals.

Anton tat so, als müsse er überlegen.

»Gut«, meinte er, »weil du es willst, komme ich heute Abend zu euch und spreche mit deinem Bruder.«

Nora war überglücklich und hätte sich wieder an seinen Hals geworfen, doch er ging einen Schritt zurück und sagte hastig: »Ich muss jetzt wirklich gehen. Der Vater wird schon auf mich warten.«

»Ja, die Arbeit geht vor«, meinte das Mädchen. »Jetzt haben wir ja unser ganzes Leben vor uns.«

»Nun muss ich aber gehen«, und fort war er.

Nora fiel es jetzt erst auf, dass Anton sie noch nicht mal geküsst hatte. Ein wenig traurig war sie schon. Sie hatte sich so sehr auf dieses Wiedersehen gefreut. Aber dann dachte sie wieder daran, dass er ja heute endlich mit Vinzenz sprechen wollte. Da fühlte sie sich wieder restlos glücklich. Und so leichtfüßig wie sie gekommen war, so hurtig lief sie auch wieder zurück.

 

 

2

Marie stand unten in der Küche und sah die Schwägerin über die Wiese laufen. Als sie in die Küche kam, hatte sie ganz rote Wangen.

»Wo warst du denn schon am frühen Morgen?«

Nora wusste im ersten Augenblick keine Antwort. Aber dann erklärte sie mit fester Stimme: »Das ist doch wohl meine Sache, nicht wahr? Ich bin dir keine Rechenschaft schuldig und kann tun und lassen, was ich will.«

Marie biss die Zähne zusammen. Sie war wütend wie immer, wenn sie Nora sah. Instinktiv spürte sie auch, dass Vinzenz sie mehr liebte. Dass die unglückliche Ehe auf ihr Verhalten zurückzuführen war, darauf kam sie nicht. Marie war ein Mensch, der immer und mit allem unzufrieden war, der nie lachte und wirklich froh sein konnte. Sie wollte ihr eine scharfe Antwort geben, aber da kam Vinzenz in die Küche und wünschte einen guten Morgen. Schweigend nahmen sie das Mahl zu sich. Nora dachte dabei, wenn ich erst mal verheiratet bin, dann wird alles anders, so wie damals, als Vinzenz und ich noch allein waren. Wir hatten furchtbar viel Arbeit, aber wir waren immer glücklich und heiter.

»Kommst du mit Heu umwenden?«, wandte sich der Bruder an die Schwester.

»Ja freilich«, sagte Nora. »Ich hole nur schnell meinen großen Strohhut.«

Marie war für den Haushalt zuständig. Aber liebend gern überließ sie diesen Nora, wenn es eben ging. Doch oft setzte der Bruder einen Riegel davor und nahm Nora mit in die Wirtschaft.

Als Marie die beiden mit dem Rechen über den Hof gehen sah, da dachte sie grimmig, jetzt werden sie wieder lachen und scherzen. Das tun sie ja immer, wenn ich nicht in der Nähe bin.

Nora fühlte sich von Herzen froh und glücklich. Weil das so war, wollte sie auch, dass andere Menschen in ihrer Umgebung froh und glücklich waren. Während sie also zu den oberen Wiesen hinaufstiegen, fragte sie den Bruder: »Bist du eigentlich glücklich mit der Marie?«

Er sah sie von der Seite her an.

»Warum willst du das wissen, Nora?«

»Nun, du hast oft so traurige Augen, Vinzenz. Warum lachst du nicht mehr? Auf der Zither hast du auch schon lange nicht mehr gespielt.«

»Ach weißt du, Marie ist eben so schwermütig. Damals ist mir das gar nicht aufgefallen. Man muss ihr Zeit lassen, sie wird schon. Wenn erst mal Kinder da sind, vielleicht taut sie dann schneller auf.«

»Ist sie denn schwanger?«, fragte Nora eifrig.

»Nein, nein«, lachte der Bruder. »Ich hab ja gesagt, wenn ...« Nora schritt weiter und seufzte. »Was ist? Du hast doch etwas!«

»Ja«, sagte sie leise, »weißt, ich denk halt daran, wie es ist, wenn ich mal fortgehe, dann hast du niemanden mehr, mit dem du lachen kannst, Vinzenz.«

»Du willst fort? Bei anderen dienen?«, rief er erschrocken. »Hat dir Marie etwas getan, dass du jetzt fort willst?«

»Aber nein«, lachte Nora. »So doch nicht, ich denk doch daran, wenn ich mal heirate.«

»Ja«, sagte da der Bruder zögernd. »Aber das hat doch noch sehr viel Zeit, Schwesterherz.«

Nora blickte auf die gezackten Spitzen der Berge. Anton hatte nicht gesagt, ob sie etwas verraten durfte, und so schwieg sie noch. Als sie oben angekommen waren, schafften sie den ganzen Morgen. Erst gegen Mittag machten sie eine Pause und gingen wieder zum Hof hinunter.

Gegen seine sonstige Art war Vinzenz sehr schweigsam. Er grübelte nach. Noras Worte hatten ihn aufgeschreckt. Ja sicher, dachte er bei sich, sie ist ja im Alter, wo andere Mädchen zum Altar geführt werden. Dass ich das nicht bemerkt habe. Du liebe Güte, wie doch die Zeit schnell vergeht!

Marie hatte ein schmackhaftes Essen auf den Tisch gebracht. Nora hatte großen Hunger und langte herzhaft zu. Dabei sah sie flüchtig auf die Schwägerin, und spontan, so wie es ihre Art war, sagte sie herzlich: »Du hast vorzüglich gekocht, Marie. Es schmeckt wunderbar.«

Zu ihrer größten Verwunderung sah sie, dass Marie rot wurde und keine Antwort wusste. Aber sie schien sich wirklich über das Lob zu freuen. Auch Vinzenz bemerkte es, schwieg aber.

Nach dem Essen setzte er sich mit dem Pfeifchen in den Laubengang, während die beiden das Spülen besorgten. Jetzt fing Marie an zu reden.

»Ich bin das nicht gewöhnt«, sagte sie mit herber Stimme.

»Was?«, fragte Nora.

»Vorhin, was du bei Tisch gesagt hast, und auch das Lachen und Scherzen. Bei uns daheim waren sie alle schweigsam, und keiner lachte oder lobte mal. Man musste nur immerzu arbeiten und schuften. Wenn man die Arbeit nicht tat, dann wurde man ausgeschimpft.«

»Aber das ist doch schrecklich«, erwiderte Nora. »Dann macht das Leben doch überhaupt keinen Spaß.«

»Wenn man es nicht gewöhnt ist, weiß man nicht, was man vermisst«, antwortete sie ruhig.

Das junge Mädchen dachte, vielleicht ist das der Schlüssel zu ihrem Herzen. Vinzenz muss es wissen. Sobald ich allein bin, werde ich ihm sagen, dass Marie gar nicht anders kann, dass sie so ist. Ach, ich wünsche mir so von Herzen, dass sie auch so glücklich werden, wie ich und Anton es sind.

Aber am Nachmittag kam sie nicht mehr dazu. Nora blieb zu Hause und half Marie bei der Wäsche. Sie in die Sonne zu hängen, machte ihr großen Spaß.

»Man kann dabei stehenbleiben, so schnell wird sie trocken«, rief sie lachend.

Wenn man so viel zu tun hat, dann vergeht die Zeit im Nu, und Nora war erstaunt, als sie das Glöckchen im Dorf vernahm. Es war schon Abend. In diesem Augenblick fiel ihr erst ein, dass sie ganz vergessen hatte, Anton zu fragen, wann er kommen wollte.

Nach dem Abendbrot ging sie in ihre Kammer und zog eines ihrer schönsten Dirndl an. Richtig aufgeregt war sie, und das Herz klopfte, als wolle es zerspringen.

 

 

3

Marie stand unten im Laubengang und sah Anton Obermoser zuerst. Er kam quer über die Wiese, das war eine große Abkürzung. Vinzenz trat aus dem Haus.

Marie fragte: »Hast du ihn bestellt? «

»Wen?«

»Den Anton Obermoser, er kommt direkt auf das Haus zu.«

Es war nichts Ungewöhnliches, wenn ein Bauer zum anderen kam und um dessen Hilfe bat. Im Gebirge war man aufeinander angewiesen. Mit dem Obermoser hatte er aber noch nie etwas zu schaffen gehabt. Außerdem lag sein Hof genau entgegengesetzt von Schwendberg. Man holte Hilfe immer von den nächstliegenden Höfen. Vinzenz aber sollte noch mehr staunen, als er den Anton in seinem Sonntagsjanker gewahrte.

»Grüß Gott, Bauer Tengler«, sagte Anton und lüftete seinen Hut.

Vinzenz erwiderte den Gruß und wunderte sich noch immer. Dem Anton war auch nicht ganz wohl in seiner Haut, er war nur gekommen, weil ihm das Wasser wirklich bis zum Hals stand.

Vinzenz wusste um die Misslichkeiten des Hofes. Er kam oft in die Kreisstadt, und da munkelte man so einiges. Im Herzen weh tat es ihm, besaß der Obermoserhof doch die besten Äcker und Wiesen. Alles hatten sie in ihrer Faulheit verschludert.

»Ich muss mit dir reden, Vinzenz«, sagte Anton.

»Aha, hast deswegen deinen Sonntagsjanker angezogen?«

»Freilich«, lachte Anton etwas gekünstelt auf. »Ich weiß doch, was sich gehört.«

Obwohl nur noch Marie im Laubengang stand und sie eigentlich ein Anrecht hatte, alles zu wissen, was auf dem Hof vorging, so machte Anton doch keine Anstalten, von seinem Anliegen zu sprechen. Vinzenz ahnte, er wollte ihm unter vier Augen etwas sagen.

»Ja, gehen wir in die gute Stube«, sagte er daher, drehte sich um und ging voran. Bei sich dachte er, wenn der Anton gekommen ist, um mich anzupumpen, dann ist sein Weg vergebens gewesen. Ich bin doch kein Narr.

Nora hatte ihn auch kommen sehen. Nun stand sie oben in ihrer Kammer und hatte arges Herzklopfen. Sie sagte sich, gleich wird der Anton alles gesagt haben, und dann wird der Vinzenz mich rufen und wir werden eine Flasche Wein aufmachen und meine Verlobung feiern.

Vinzenz wusste, was er einem Gast schuldig war und stellte die Enzianflasche auf den Tisch. Dazu holte er zwei Gläser. Anton leckte sich über die Lippen. Dem Alkohol war er auch zugetan. Eben alles was das Leben so lustig machte und nicht nach Arbeit roch, davon konnte er nie genug bekommen.

Man trank sich schweigend zu, dann lehnte sich Vinzenz zurück und wartete auf die Dinge, die da kommen sollten. Anton druckste ein wenig herum und sagte dann lachend: »Tja, Vinzenz, so vergehen die Zeiten. Und das hast du dir auch wohl nicht gedacht, dass ich mal als Brautwerber zu dir komme, was? Zusammen haben wir die Schulbank gedrückt und uns oft gerauft. Aber nun sind wir erwachsene Mannsbilder, Vinzenz. Du hast ja schon eine Frau, und ich will mir jetzt auch eine zulegen.«

»Ich hab gar nicht gewusst, dass wir so gut Freund miteinander sind, dass du zu mir kommst, um mir das zu sagen, Anton.«

Dieser stutzte einen Augenblick.

»Wieso?«, fragte er verdattert.

»Es gehört sich doch so. Wenn der Vater nicht mehr lebt, so geht man zum Bruder. Ich kenne mich in den Sitten aus, Vinzenz.«

Dieser machte zuerst sehr große Augen, dann öffnete sich sein Mund. Aber im Augenblick war er so sprachlos, dass er noch immer keine Worte fand.

»Prost«, sagte Anton dreist und goss sich selbst nach.

Vinzenz war wieder zu sich gekommen. Er keuchte: »Das ist doch wohl nicht dein Ernst! Machst dir einen Spaß mit mir, Anton Obermoser.«

»Ich soll damit spaßen, indem ich sag, ich will die Nora zur Frau?«

Vinzenz lief blutrot an. Die Adern an der Stirn schwollen.

»Du bist verrückt«, keuchte er entgeistert. »Nie und nimmer willst du die Nora. Dazu kenne ich dich zu gut.«

»Natürlich will ich sie«, sagte Anton wütend. »Deswegen bin ich ja hier. Ich bitt dich in aller Form um die Hand deiner Schwester.«

»Nein!« Donnernd fiel die Hand des Bauern auf den Tisch. »Nein und nochmals nein, das schlag dir ruhig aus dem Kopf, Anton Obermoser!«

»So«, sagte dieser wütend. »So einer bist du also! Spielst dich als feinen Herrn auf. Aber die Zeiten sind vorbei, Vinzenz Tengler. Kannst nicht mehr übers Gesinde herrschen, und wir müssen dir auch nicht katzbuckeln. Wenn ich sag, dass ich die Nora haben will, dann krieg ich sie auch. Und wenn es gegen deinen Willen sein sollte.«

Vinzenz war aufgestanden. In der niedrigen Stube wirkte er so groß und stark wie ein Bär.

»Ich kenne dich, Anton«, knirschte er zwischen den Zähnen hervor. »Ich kenne deine Gesinnung, weiß, warum du um die Nora anhalten willst. Aber ich mach dir einen Strich durch die Rechnung, mein Lieber.«

Anton lachte höhnisch auf. Es freute ihn maßlos, dass er den Vinzenz so ärgern konnte, das hatte er sich schon immer gewünscht. Vinzenz war nicht nur stärker, sondern auch schlauer gewesen. Immer! Aber jetzt würde er ihm alles heimzahlen. Durch die Schwester sollte er eine Erniedrigung erfahren.

»Du kannst uns nicht trennen«, lachte er ihm mitten ins Gesicht. »Du nicht, Vinzenz.«

»Du, du«, keuchte der Bauer. »Du bist verschuldet und weißt nicht mehr ein und aus, und jetzt glaubst du, so aus allem rauszukommen. Ich kenne die wirklichen Hintergründe, und darum sage ich noch einmal, du kriegst meine Schwester nicht. Dazu ist sie mir viel zu schade.«

Für einen Augenblick erschrak Anton nun doch. Er sagte sich, wenn der Bruder es weiß, dann wird auch die Nora es wissen - aber pah, sie liebt mich doch. Auf die kann ich mich verlassen.

Anton stand auf.

»Ist das dein letztes Wort?«, fragte er kalt. '

»Ja!«

»Willst es dir nicht überlegen?«

»Da gibt es nichts zu überlegen. Ich bin der Bruder und bin für das Glück meiner Schwester verantwortlich.«

»Tja«, grinste Anton ihn an. »Das ist wohl noch nicht das letzte Wort, das wir gewechselt haben. Aber ich sehe, du musst dich erst mit diesem Gedanken vertraut machen. Sollen wir wetten, dass du mich bald rufen lässt?«

»Raus!«, schrie Vinzenz ihn an und riss die Tür auf. »Wenn du nicht auf der Stelle verschwindest, schick ich dir den Hofhund auf den Hals.«

Anton machte eine Verbeugung, die nichts als Spott anzeigen sollten. Er blieb im Laubengang stehen, zündete sich eine Zigarette an und entfernte sich pfeifend.

Derweil ließ sich Vinzenz schwer atmend auf den Stuhl zurückfallen und stöhnte vor sich hin. Marie war in die Küche gegangen. Sie hatte den Gast fortgehen sehen und wunderte sich jetzt, dass ihr Mann gar nicht zum Vorschein kam. Langsam wurde es ihr unheimlich, und sie ging nachschauen. Da saß er ganz still und gebeugt am Tisch und blickte mit müden Augen ins Tal.

»Vinzenz, was ist denn? Warum kommst du nicht in die Küche?« Er wandte sich um und blickte seine Frau an. »Was hat er gewollt? Oder soll ich es nicht wissen?«

»Doch«, sagte er müde. »Doch, natürlich kannst du es wissen. Er ist gekommen, weil er Nora heiraten will.«

»Und warum machst du ein so böses Gesicht? Einmal muss sie heiraten.«

»Du weißt nicht, was du sagst.«

Marie setzte sich.

»Ist es vielleicht, weil sie dann nicht mehr für dich schaffen kann? Willst du sie deswegen nicht dem Anton geben?«

»Marie«, schrie er sie an. »Wie kannst du nur so etwas denken! Das ist ja fürchterlich. Nie und nimmer würd ich aus Eigennutz meine eigene Schwester behalten. Nein, ich will nicht, dass sie unglücklich wird.«

»Und warum bist du so davon überzeugt, dass sie es wird?«, wunderte sich seine Frau.

»Weil ich es weiß«, murmelte er leise. »Bitte frag mich nicht weiter! Ich flehe dich an, frag jetzt nicht.« Vinzenz war tief aufgewühlt. Das spürte sie ganz deutlich.

»Na schön«, sagte sie ruhig. »Das ist nicht meine Angelegenheit. Damit musst du fertig werden, Vinzenz. Aber wie willst du das Nora beibringen?«

»Das weiß ich auch nicht«, meinte er leise.

 

 

4

Nora hatte sehr lange oben gewartet. Zuerst hatte sie die lauten Stimmen vernommen, aber dann gedacht, so sind nun die Männer, immer müssen sie laut werden. Nach einer Weile war es dann ganz still geworden. Sie hatte auch nicht gesehen, wie Anton fortgegangen war.

»Jetzt halte ich es nicht mehr aus«, flüsterte sie. »Ich gehe nach unten und will wissen, was sie so lange zu bereden haben, der Vinzenz und der Anton.«

Hurtig lief sie die Treppe herunter. Marie kam gerade aus der guten Stube und sah sie mit recht eigenartigen Augen an.

»Ist Vinzenz drinnen?«, fragte Nora hastig.

»Ja«, sagte sie.

»Darf man reingehen?«

»Geh nur!«

Marie ging in die Küche. Lauschen war nicht ihre Art. Das war eine Sache, die Bruder und Schwester abzumachen hatten. Nora öffnete leise die Tür. Als sie aber mitten in der Stube stand und nirgends den Anton sah, da machte sie ganz große Augen.

»Was hast du mit ihm gemacht?«, rief sie laut.

Vinzenz hob den Kopf und sah sie an.

»Du hast also gewusst, dass er heute zu mir kommen wollte?«

»Aber ja doch, Vinzenz, ich hab es ihm doch gesagt. Ich bin nicht für das Heimliche.«

»Trefft ihr euch schon lange, Nora?«

Sie lächelte weich.

Details

Seiten
91
Jahr
2020
ISBN (eBook)
9783738938043
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v537448
Schlagworte
herrgottsschnitzer

Autor

Zurück

Titel: Der Herrgottsschnitzer