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Moonhawk

2020 124 Seiten

Leseprobe

Table of Contents

Moonhawk

Copyright

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Moonhawk

Western von John F. Beck

 

Der Umfang dieses Buchs entspricht 124 Taschenbuchseiten.

 

Verfolgt von Indianern und schwer verletzt rettet sich ein Mann zur Farm von Clay und Nakima Wheeler. Er hat Goldnuggets bei sich und löst dadurch einen Run auf die vermeintliche Fundstelle aus. Die ganze Bevölkerung der kleinen Stadt macht sich auf den Weg ins Indianerland, um Gold zu finden, Clay soll sie führen – sonst muss seine Frau sterben.

 

 

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books, Alfred Bekker, Alfred Bekker präsentiert, Casssiopeia-XXX-press, Alfredbooks, Uksak Sonder-Edition, Cassiopeiapress Extra Edition, Cassiopeiapress/AlfredBooks und BEKKERpublishing sind Imprints von

Alfred Bekker

© Roman by Author

© COVER FIRUZ ASKIN

© dieser Ausgabe 2020 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

Alle Rechte vorbehalten.

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1

Regenwasser perlte über Gien Randalls Gesicht. Nasse Halme klatschten gegen seine Stiefel. Der abgebrochene Pfeil steckte noch in seiner Brust, zwei Handbreit unter der linken Schulter. Er wusste nicht, wie viele Meilen er bereits gelaufen war. Sein Pferd lag von einer Lanze durchbohrt auf der Prärie westlich des Neosho River.

Keuchend er reichte er die Sträucher am Fluss. Dunstschleier um gaben ihn. Die Sicht reichte nur wenige Yard weit.

Ein Wiehern ertönte. Sofort ließ Randall sich zu Boden sinken. Die Rechte umklammerte den langläufigen Paterson-Colt. Der Regen trommelte auf die Weidenbüsche. Randall kam aus der Weite des Büffellandes. Er wusste nun, dass er die Ansiedlungen am Neosho nicht mehr erreichen würde.

Ein Schatten näherte sich, Hufe stampften. Die Todesschreie der beiden Gefährten, die den Pfeilen der Arapahoe-Krieger zum Opfer gefallen waren, gellten dem bärtigen Mann wieder in den Ohren.

Er duckte sich tiefer. Der Regen wusch das Blut von seinem zerfetzten Hemd.

Randall konnte kaum mehr den Sechsschüsser heben. Schmerz zuckte an seinen Mundwinkeln. Eine in Felle gehüllte Gestalt ritt nur wenige Yard vorbei. Zweige knackten, kehlige Rufe schallten. Der Regen verwischte Randalls Spur, aber die Indianer wussten, dass er in der Nähe war. Randalls Faust mit der Waffe zitterte. Wie Blei kroch ihm die Schwäche durch die Glieder.

Plötzlich fühlte er sich beobachtet. Mühsam wandte er den Kopf. Der Krieger stand nur drei Schritte vor ihm. Sein bronzefarbener Oberkörper glänzte. Die über dem rechten Ohr befestigte Adlerfeder hing auf die Schulter. Am Gürtel baumelte ein blonder Skalp.

Der Indianer grinste.

»Heho, Bleichgesicht!«

Randall schwang den Paterson herum und drückte ab. Kein Schuss löste sich. Ein Tritt prellte dem Verwundeten die Waffe aus der Hand. Ächzend fiel er auf den Rücken. Das bemalte Gesicht des Arapahoe tauchte über ihm auf. Eine Messerspitze zielte auf Randalls Kehle.

Da ertönte ein Ruf, Zweige brachen.

Der Krieger zuckte herum.

Eine in Leder gekleidete Gestalt hechtete aus dem Regen und warf ihn um. Randall erkannte einen schwarzen Haarschopf, dann eine Faust mit einem Bowieknife.

Kämpfend wälzten sich die beiden Männer am Boden. Randall dachte, dass es zwei Indianer waren. Er wollte fortkriechen, konnte sich aber nicht bewegen.

Ein Wiehern kam von irgendwoher. Dann sah Randall den Leder-bekleideten mit halb erhobenem Oberkörper über dem Gegner. Er hielt ihm den Mund zu. Das Bowiemesser stieß herab. Schon federte der Leder-bekleidete hoch, und Randall merkte, dass es ein Weißer war. Kühle graue Augen beherrschten das gebräunte, scharflinige Gesicht.

Der Mann wischte die Klinge an den Leggins des Toten ab und schob sie in die fransenverzierte Gürtelscheide zurück. Randall entdeckte sonst keine Waffe bei ihm. Der Schwarzhaarige kauerte sich neben ihn.

»Ich bin Clay Wheeler. Meine Farm liegt ganz in der Nähe, nur hundert Yards weiter unten am Fluss. Sind Sie allein, Mister?«

»Meine Partner sind tot. Die Rothäute überraschten uns heute früh beim Satteln. Ich schaffte noch ein Dutzend Meilen, dann töteten sie mein Pferd …« Die Stimme des Verwundeten wurde schwächer. »Wir dachten, wir hätten sie abgeschüttelt. Sie hetzten uns durch halb Kansas. Well, mein Name ist Randall. Osborne, Hendrick und ich wollten …«

Ein Stampfen kam näher. Der Leder-bekleidete duckte sich.

»Wie viele sind es?«

»Weiß nicht genau. Vielleicht noch vier oder fünf. Alles ging so schnell. Osborne kam nicht mehr zum Schuss. Hendrick traf einen, ich zwei. Der verdammte Pfeil …«

»Weshalb jagen die Krieger Sie?«

Clay Wheeler erhielt keine Antwort mehr. Randall hatte die Besinnung verloren. Neben ihm lag ein kieselgroßes Nugget im Gras.

 

 

2

Der Schein einer Petroleumlampe fiel auf das bärtige Gesicht des Bewusstlosen.

Nakima, Clay Wheelers indianische Frau, kühlte seine Stirn mit einem feuchten Tuch.

Ein Luftzug kam von der Tür. Der große, lederbekleidete Farmer betrat den einfach, aber behaglich möblierten Raum. Eine mehrschüssige Volcanic Rifle, Vorläufer der später bekannten Winchester, lag in seiner Armbeuge. Am Gürtel hing das Bowieknife.

Der ehemalige Mountain Man trug keinen Colt. Die Füße steckten in weichsohligen, von Nakima gefertigten Mokassins. Ein paar graue Fäden schimmerten in Clays schwarzem Haar. Er war Mitte Dreißig, Nakima zehn Jahre jünger.

Regendunst umgab das Blockhaus. Die Läden waren geschlossen. Randall lag da wie tot. Sein Atem war nur zu ahnen. Clay beugte sich über ihn.

»Wir müssen ihn zum Doc nach Three Oaks bringen. Ich hab‘ den Braunen vor den Schleppschlitten gespannt.«

Das täuschend nachgeahmte Geheul eines Kojoten drang durch den aufs Dach prasselnden Regen. Nakima lauschte. Das zu Zöpfen geflochtene blauschwarze Haar umrahmte ein hübsches Gesicht. Sie war schlank und rehäugig. Zum schlichten Kattunkleid trug sie mit Glasperlen bestickte Mokassins.

Der »Kojote« heulte wieder, näher als zuvor. Ein kurzes Flackern zeigte sich in Nakimas Augen.

»Sie wollen seinen Skalp. Sind es Cheyenne?«

»Arapahoes«, murmelte Clay. »Sie kommen aus den Bergen von Colorado von Bullfaces Stamm.«

Die Squaw zuckte zusammen.

»Bist du sicher, Clay?« Der Mann zögerte. »Clay!«, beschwor sie ihn.

Seine Antwort klang gepresst: »Ich musste einen von ihnen töten. Es war Bear-walking-along-the-River.«

Nakima schloss die Augen. Da lehnte Clay die Volcanic an die Wand und nahm sie in die Arme.

»Ich glaube nicht, dass Bullface bei ihnen ist. Doch wenn dein Bruder erfährt, dass wir eine Farm am Neosho River besitzen, wird er mit allen Kriegern kommen, um dich zurückzuholen und mich zu töten.« Er wies auf den Verwundeten. »Du musst ihn allein nach Three Oaks bringen. Ich darf die Verfolger nicht entkommen lassen.«

»Es sind Männer von meinem Volk, von meinem Blut.«

»Du kennst Bullfaces Schwur.«

Die Frau klammerte sich an ihn, dann hob sie den Kopf. Ihre Stimme klang gepresst. »Du kannst dich auf mich verlassen, Clay.«

»Ich habe nie daran gezweifelt.« Clay küsste sie, dann gab er ihr die Rifle. »Sie suchen am Fluss. Noch wissen sie nicht, mit wem sie es zu tun haben. Schieß, wenn sie angreifen. Sie werden keine Rücksicht auf dich nehmen.«

Er löschte die Lampe und hob den Bewusstlosen auf. Nakima öffnete die Tür. Der Regen prasselte. Die Umrisse der Pappeln und Weiden, die die Gebäude und Felder umstanden, verschwammen im Dunst. Clay trug den Verwundeten zur Scheune. Mit schussbereitem Gewehr blieb Nakima neben ihm.

Kein Kojotenruf war mehr zu hören. Der Braune empfing sie mit einem Wiehern. Das zweite Pferd, ein Schecke, stand gesattelt im Hintergrund. Clay bettete den Verwundeten auf die Schleppbahre, band ihn fest und deckte ihn zu. Randalls Lider flatterten. Stöhnend drehte er den Kopf.

»Nimm das Gold mit, Jim!«, phantasierte er. »Um Himmels willen, beeil dich! Sie wollen uns den Weg abschneiden.«

Clays und Nakimas Blicke trafen sich.

»Vielleicht erfahren wir nie, was in den Bergen von Colorado geschah«, meinte Clay. »Warte, bis du Schüsse hörst. Ich werde die Krieger ablenken. Reite dann zuerst nach Osten, später am Fluss entlang. Ich werde nachkommen.«

»Wenn Bullfaces Krieger dich nicht töten.«

Im Haus schepperte es.

Mit wenigen Schritten war Clay am Tor. Im dichten Regen war das Blockhaus nur ein Schatten. Kojotengekläff wehte vom Fluss her, dann blieb nur das Rauschen des Regens.

»Sie sind da«, flüsterte Clay. »Ich muss hinaus, Mach‘s gut, Nakima!«

»Ich warte in der Stadt auf dich. Pass auf dich auf.«

Ihre Lippen berührten seine regenfeuchte Wange. Dann ergriff sie das Kopfgeschirr des Braunen und legte eine Hand auf die Nüstern, damit kein neuerliches Wiehern sie verriet. Als sie zum Tor sah, war Clay verschwunden.

Randall stöhnte. Das Pferd bewegte sich unruhig. Nakima wartete. Ihr Herz pochte heftig. Minuten verstrichen. Einmal war ihr, als husche ein Schatten am offenen Tor vorbei. Unwillkürlich hielt sie den Atem an. Doch nichts geschah.

Plötzlich bäumte er sich auf. »Jim!«, schrie er.

Der Ruf versank im Krachen der Schüsse. Es war das Hämmern der Volcanic.

Kriegsgeschrei antwortete. Rasch führte die Indianerin das Pferd hinaus, schwang sich auf den ungesattelten Rücken und trabte mit der Bahre davon.

 

 

3

Der Regen ließ nach, die Erde dampfte. Tropfen glänzten am Lauf des Mehrladegewehrs.

Reglos kauerte Clay hinter einem Corralpfosten. Stille herrschte. Aber Clay wusste, dass seine Gegner nach wie vor da waren. Er spürte ihre Nähe mit dem Instinkt des Mannes, der sein halbes Leben in der Wildnis verbracht hatte. Die Jahre hinter dem Pflug hatten diesen sechsten Sinn nicht verkümmern lassen. Immer wieder hatte Clay wochenlange Jagd und Erkundungsritte in die Prärie von West-Kansas und in die Wälder am Big Muddy unternommen. In dieser Zeit um 1855 war das Land westlich von Three Oaks, Council Grove und Independence, von wenigen Armeestützpunkten und Handelsposten abgesehen, noch unbesiedelt.

Nordwestwärts verlief der Trail ins ferne Oregon. Nach Südwesten markierten Gräber und Ochsenskelette die Planwagenpiste, die Missouri und das östliche Kansas mit Santa Fe verband. Die Schluchten und Täler des viele Meilen entfernten Felsengebirges waren noch das unbeschränkte Reich des Roten Mannes und einiger verwegener weißer Fallensteller und Abenteurer. Clay war einer von ihnen gewesen, bis er Nakima zur Frau nahm und sich auf der Farm am Neosho River niederließ.

Vorsichtig kroch Clay nun zum Rand des Weidendickichts, das seine Farm wie eine dunkelgrüne Mauer umschloss. Eine Lederfranse hing an einem Zweig. Dann stieß Clay auf Mokassinabdrücke. Sie folgten einem schmalen Wildpfad, der auf eine Lichtung in der Nähe der Farm führte. Gleich hinter der ersten Biegung verschwand die Spur. Wenige Schritte weiter wies ein abgebrochener Zweig in die von Clay eingeschlagene Richtung.

Er grinste gallig. Bullfaces Krieger hatten ihn noch nicht erkannt. Sie hätten sonst nicht versucht, ihn mit so auffälligen Hinweisen in die Falle zu locken. Gewiss erwarteten sie ihn. Ebenso gewiss war einer von ihnen hinter ihm, den Fluchtweg abzuschneiden. Es nieselte nur mehr. Absichtlich hinterließ Clay ebenfalls eine deutliche Spur.

An der nächsten Biegung duckte er sich hinter einen Weidenstamm. Die Volcanic lag schussbereit in seinen Fäusten. Er verdrängte den Gedanken daran, dass seine Feinde Nakimas ehemalige Stammesbrüder waren, Krieger, mit denen er vor nicht allzu langer Zeit gejagt und gefeiert hatte und mit denen gemeinsam er auf dem Kriegspfad gegen die Shoshonen und Yampa-Utes geritten war. Damals war Bullface sein Freund gewesen. Der Schecke war ein Geschenk des Häuptlings.

Katzenhafte Schritte näherten sich. Eine vom Dunst und Regen verwischte Gestalt tauchte auf. Nasse Wolfsfelle glänzten, eine Pfeilspitze blinkte. Ruhig trat der ehemalige Trapper auf den Pfad. Mit dem fransenverzierten Hirschlederanzug und dem schwarzen Haar sah er selbst wie ein Indianer aus.

»Suchst du mich, Howling Wolf?«

Der Krieger starrte ihn wie ein Gespenst an, dann ließ er sich jäh auf ein Knie sinken. Haarscharf schwirrte der Pfeil an Clays Gesicht vorbei. Schon lag der nächste befiederte Todesbote auf der Sehne.

Da schoss Clay. Die Kugel riss den Arapahoe von den Beinen. Er stürzte rücklings in einen Weidenstrauch.

Clay repetierte.

Dann verschwand er mit einem Panthersatz im Gebüsch. Kein Rascheln verriet ihn, kein Zweig schwankte. Aber auch die Krieger aus den Coloradobergen blieben wie vom Erdboden verschluckt.

Zehn Minuten später erreichte Clay die Lichtung. Schenkelhohes Gras bedeckte sie. Die Einmündung des Pfads lag schräg gegenüber. Milchige Schwaden trieben an Clay vorbei. Das Tropfen von den Zweigen war das einzige Geräusch.

Clay wartete. Er besaß die Geduld des Jägers. Doch die Krieger waren gewarnt. Nichts rührte sich. Clay dachte an Nakima. Wenn einer von den Arapahoes auf die Idee kam, zur Farm zurückzuschleichen, würde er ihre Spur finden.

Entschlossen trat Clay auf die Lichtung. Kein Kriegsruf ertönte, kein Pfeil schwirrte. Immer dichtere Nebelschwaden kamen vom Fluss. Mit der Volcanic im Hüftanschlag bewegte sich Clay vorwärts. Immer wieder schnellten seine Blicke in die Runde.

»Ich bin Moonhawk«, rief Clay. Mondfalke war der Name, den die Arapahoes ihm gegeben hatten. »Ich habe Bear-walking-along-the-River und Howling Wolf getötet. Sind die Krieger, die Bullface zum Neosho River schickte, feige Hunde, dass sie sich im Dickicht verkriechen? Ich warte auf sie!«

Clays Ruf verhallte. Die kalte Nässe legte sich wie ein Panzer auf ihn. Der Lauf der Volcanic bewegte sich von links nach rechts, fand aber kein Ziel. Die Lichtung dampfte wie eine Waschküche.

Dann knackte und rauschte es. Hufe durchbrachen das Dickicht hinter Clay. Geduckt wirbelte er herum.

Er sah den Angreifer zuerst nur als Schemen, der riesenhaft vor ihm emporwuchs. Der Krieger trug einen Büffelhorn-Kopfputz, an dem federgeschmückte Bänder flatterten. Die auf Clay gerichtete Lanze ragte am Pferdehals vorbei. Der vertraute Arapahoe-Kriegsruf gellte in Clays Ohren.

Er warf sich zur Seite, schoss und spürte einen Schlag an der Schulter, der ihn ins nasse Gras warf. Das Pferd hatte ihn gerammt. Clay hielt das Gewehr fest, rollte sich ab und war im nächsten Moment wieder auf den Beinen. Der Mustang stürmte mit leerem Fellsattel ins Gebüsch. Sein Reiter lag fünf Schritte von Clay entfernt im zertrampelten Gras.

Clay blieb gerade noch Zeit, sich zu drehen und erneut abzudrücken. Ein zweiter, tief aufs Pferd geduckter Krieger preschte auf ihn zu. Clays Kugel fällte das Tier. Der Indianer stieß sich ab. Sein Tomahawk blinkte.

»Stirb, Moonhawk!«

Der Hieb prellte Clay die Rifle aus den Fäusten. Sein rechter Fuß verfing sich. Er stürzte, riss das Messer heraus und stach blindlings zu. Das Kriegsbeil fuhr neben ihm in die Erde. Der auf ihm liegende Krieger erschlaffte. Clay wälzte sich unter ihm hervor. Der Indianer lag mit aufgerissenen Augen leblos auf dem Rücken. Clay erkannte auch ihn.

»Running Horse«, murmelte er bitter.

Der andere, den Clays Blei vom Mustang geworfen hatte, kniete, beide Hände auf die blutende Wunde gepresst. Mühsam stimmte er den Sterbegesang an. Nach den ersten Tönen sank er vornüber und regte sich nicht mehr.

Clay Wheeler blieb wachsam. Randall hatte von vier oder fünf Verfolgern gesprochen. Doch kein Angriff erfolgte mehr.

Am Rand des Buschgürtels setzte Hufschlag ein, der sich rasch auf die regenverschleierte Prärie entfernte.

Clay stand reglos. Er fühlte sich ausgebrannt.

 

 

4

Dunstschwaden umgaben die Brettergebäude von Three Oaks. In den Traufen gluckerte es. Pfützen glänzten auf der schlammigen Fahrbahn. Die Town bestand aus einem halben Dutzend Wohnhäusern mit den dazugehörigen Anbauten, Werkstätten und Schuppen. Dazu kam Big Janes Saloon, Kimberleys Store und Wingates Mietstall. Der von Weiden und Pappeln gesäumte Neosho River floss einen Steinwurf entfernt vorbei.

Im Süden, wo der Pawnee Creek in den Neosho mündete, lag Jim Hagartys Circle-Star-Ranch. Es war die einzige Ranch im Umkreis von zwanzig Meilen. Die Ansiedlung lebte von ihr. Nur einmal in der Woche kam die Postkutsche durch. Fremde zeigten sich in Three Oaks fast nie. Die drei riesigen Weißeichen, nach denen die Town benannt war, umstanden das einzige doppelgeschossige Gebäude, Big Janes Saloon. Licht schimmerte in den Fenstern. Die anderen Häuser schienen ausgestorben.

Der erste Bewohner, dem Clay begegnete, war der ziegenbärtige Totengräber. Mit dem zerknautschten Zylinder und dem zerknitterten, die dürre Gestalt umschlotternden Prinz-Albert-Rock glich er einer wandelnden Vogelscheuche. Ohne den Reiter zu beachten, zog er mühsam seinen zweirädrigen Karren die aufgeweichte Main Street entlang.

Randall lag auf der Pritsche. Clays Hände krampften sich um die Zügel. Dann lenkte er den Schecken zu Doc Rutlands Haus. Vom Sattel aus betätigte er die Türglocke.

Drinnen bimmelte es. Dann wurde die Klappe in der Tür geöffnet. Die Haushälterin des Doc lugte heraus.

»Der Doc ist im Saloon«, keifte sie unfreundlich.

»Wo ist Nakima?«

»Fort.«

Clay blieb hartnäckig.

»Wohin?«

»Fragen Sie den Doc, Wheeler. Er hat sie mit Eames, Fetterson und McCall aus der Stadt geschickt.«

Clay spürte den Kloß im Hals. Die drei Männer waren Büffeljäger, raue Gesellen, die die Siedlungen im Osten mieden und sich alle paar Wochen für zwei, drei Tage in Big Janes Saloon einquartierten, wo sie sich dann volllaufen ließen.

Einige Sekunden starrte Clay auf die verschlossene Tür, dann warf er das Pferd herum und jagte zum Saloon. Eine Wolke von Whiskydunst und Tabakqualm füllte den von Petroleumlampen erhellten Raum. Das Stimmengewirr brach ab, als Clay plötzlich auf der Schwelle stand. Angespannte Mienen wandten sich ihm zu. Ein Schwall kalter Feuchtigkeit strömte mit Clay herein.

Die Männer von Three Oaks saßen um einen großen, runden Tisch, auf dem Flaschen, Gläser und mit Kippen gefüllte Aschenbecher standen. Sie waren alle da, Kimberley, dem der Store gehörte, Wingate, der Mietstallbesitzer, Lintock, der Schmied, und wie sie alle hießen.

Doc Rutland lehnte an der Theke. Big Jane füllte eben sein Glas nach.

Ob Rutland wirklich Arzt war, wusste niemand. Es zählte allein, dass er sich auf Schuss- und Stichverletzungen, Knochenbrüche und Pferdekrankheiten wie kein anderer verstand. Er war verhältnismäßig jung, um die Dreißig, ein schlanker, städtisch gekleideter Mann mit energischem Gesicht und hellen, intelligenten, aber auch kalten Augen.

Die Saloonbesitzerin war mindestens doppelt so breit und einen halben Kopf größer, eine Zweieinhalb-Zentner-Walküre mit einem Busen, der das Flitterkleid zu sprengen drohte. Schminkstift und Puder bewirkten eine Art Kriegsbemalung. Eine Kette mit falschen Perlen lag um den Hals, und an den überraschend feingliedrigen Fingern funkelten Ringe in allen Regenbogenfarben.

Big Jane war mit dem Schmied befreundet. Es hieß, dass sie bereits zwei Heiratsanträge von ihm abgelehnt hatte. Aber Ben Lintock war nicht der Mann, der so rasch die Flinte ins Korn warf. Der massige Fünfziger mit dem struppigen, schwarzen Vollbart erhob sich. Rußflecken bedeckten die klobigen Fäuste.

»Da bist du ja, Clay. Wir sprachen gerade von dir.«

Clay ging an ihm vorbei. Knisternde Spannung breitete sich aus. Nur der Doc stützte sich lässig mit den Ellbogen auf. Clay blieb vor ihm stehen.

»Wo ist Nakima?«

»Es ist alles in Ordnung, Wheeler. Ihrer Frau geschieht nichts, wenn Sie vernünftig sind.«

»Zum Teufel, was soll das heißen?« Clay packte Rutlands Rockaufschläge. Da schob Lintock sich dazwischen.

»Ruhig, Clay! Wir werden dir alles erklären. Jane, gib ihm erst mal ‘nen Drink.«

Die Zweieinhalb-Zentner-Lady grinste.

»Echter Kentucky Bourbon, Clay. Auf Kosten des Hauses.«

Clay trat einen Schritt zurück. Er bereute es, dass er die Volcanic im Sattelfutteral gelassen hatte. Der Schecke stand unter dem Vordach. Die Männer am Tisch starrten Clay an. Ein Gefühl der Unwirklichkeit überkam Clay.

»Seid ihr betrunken, oder was ist los? Was wollt ihr von mir?«

»Nichts weiter, Wheeler, als dass Sie uns nach Colorado führen.«

Clays Kopf ruckte zu Rutland herum. Das glattrasierte Gesicht des Doc blieb ausdruckslos. Clays Blick glitt über die Sitzenden, dann heftete er sich auf Ben Lintock. Der Schmied grinste angestrengt.

»Wir stellen ‘nen Treck zusammen, Clay. Du bist der einzige, der sich in Colorado auskennt.«

»Wie viel hast du getrunken, Ben?«

»Schluss mit den Mätzchen!« Doc Rutlands Stimme klirrte. Er zog einen kleinen Lederbeutel hervor, öffnete die Verschnürung und warf ihn auf die Theke. Mehrere gelblich schimmernde »Kiesel« rollten heraus, Nuggets.

»Randalls Erbe.« Rutlands Stimme blieb kalt und geschäftsmäßig. »Ich konnte ihm nicht mehr helfen. Bevor er starb, kam er zu sich. Er und seine Partner haben in den Bergen von Colorado Gold gefunden. So viel Gold, dass sie ein Dutzend Fuhrwerke benötigt hätten, es fortzuschaffen. Die Indianer nennen die Gegend Bearpaw Valley. Ich bin sicher, Wheeler, Sie kennen das Tal.«

Der Doc verstaute die Goldklümpchen wieder im Lederbeutel und steckte ihn ein. Lintock, der sonst ein Mann war, den nichts so leicht aus der Fassung brachte, atmete gepresst. Clays Stimme kratzte.

»Deshalb also waren die Arapahoes hinter Randall her. Das Bearpaw Valley liegt in ihrem Gebiet.«

»Das wird uns nicht hindern, das Gold zu bergen.« Rutland trank. Seine hellen, kalten Augen musterten Clay über den Glasrand. »Wir brechen so bald wie möglich auf. Auch die Frauen kommen mit.«

Big Jane verdrehte die Augen.

»Ich halte das Ganze zwar für Wahnsinn, aber was soll ich machen? Meinen Whisky allein vertilgen? Außerdem braucht dieser Büffel von Schmied jemanden, der seine Hemdknöpfe annäht und auch sonst darauf achtet, dass er halbwegs zivilisiert aussieht.«

Niemand lachte. Clay schüttelte den Kopf.

»Sie unterschätzen die Schwierigkeiten, Doc. Ich denke da an Bullface und seine Arapahoe-Krieger.«

»Wir haben Sie, Wheeler? Ihre Frau ist Bullfaces Schwester.«

»Das wird ihn nicht hindern, jeden Eindringling zu töten.«

Rutland stellte das Glas ab. »Nicht, wenn wir Nakima als Faustpfand benutzen.«

Clays Faust zuckte hoch. Der Hieb riss Rutlands Kopf nach hinten. Ehe Clay erneut zuschlagen konnte, traf ihn Lintocks behaarte Pranke. Clay riss zwei Stühle um und landete auf dem Bretterboden.

Kimberley, Wingate, Sanders, Roskin, Blackman, Jessup und Filmore sprangen auf. Eine leere Flasche rollte über die Tischkante und zerschellte.

»Tut mir leid, Junge«, brummte Lintock. »Aber wenn du Stunk machst, lässt du mir keine Wahl. Das Gold gehört uns allen.«

»Ihr seid verrückt!«

Clay stemmte sich hoch. Mehrere Revolver bedrohten ihn. Der schwarzbärtige Schmied brachte Clay den Drink.

»Sei vernünftig, Amigo. Wir brauchen dich. Wenn du freiwillig mitkommst, werde ich durchsetzen …«

Clays Blick ließ ihn verstummen. Clay rührte das Glas nicht an.

»Wohin reiten die Büffeljäger mit Nakima?«

»Zum verlassenen Armeeposten am Smokey Hill River«, antwortete der Doc. »Sie warten da auf uns. Ich weiß von Randall, dass das Camp am Weg zum Bearpaw Valley liegt.«

»Zehn Tagesritte westlich von Three Oaks, mitten im Indianergebiet«, knirschte Clay.

»Eames, Fetterson und McCall waren schon öfter dort. Diese Burschen sind mit allen Wassern gewaschen. Die Cheyenne, Kiowas und Pawnees werden sie nicht erwischen. Ich hab‘ ihnen eingeschärft, Nakima wie eine Lady zu behandeln. Es hängt von Ihnen ab, Wheeler, wie lange Ihre Frau mit den dreien da draußen ist.«

Clay spürte wieder ein Kribbeln in den Fäusten.

»Ich nehme an, das alles ist Ihre Idee, Doc.«

Rutland grinste.

»Ich konnte ja schließlich nicht allein losreiten, um zwölf Wagenladungen Gold aus den Coloradobergen zu holen. Auf die Dauer werden wir natürlich nicht die einzigen sein, die im Bearpaw Valley Gold schürfen, aber die ersten. Wir gründen eine neue Stadt. Und Sie werden uns die Rothäute vom Leib halten.«

»Wie stellen Sie sich das vor? Als ich Nakima zur Frau nahm, mussten wir vor Bullface und seinen Kriegern flüchten. Es ist wahr, ich war Bullfaces Freund. Ich lebte eine Weile bei seinem Stamm. Doch Nakima war einem Krieger versprochen. Er hatte bereits den üblichen Brautpreis entrichtet. Als Bullface dahinterkam, dass Nakima und ich uns liebten, war mein Leben keinen rostigen Hufnagel mehr wert. Well, auf der Flucht wurden wir von einem indianischen Rivalen überrascht. Ich musste ihn töten. Da schwor Bullface, dass ich sterben würde, wenn Nakima nicht zurückkehrte. Seitdem meide ich das Arapahoe-Land.«

»Nakima bleibt trotzdem Bullfaces Schwester. Er wird nicht dulden, dass ihr was zustößt.«

»Ich fürchte, er wird keine Rücksicht auf sie nehmen.«

»Darauf lass ich‘s ankommen.«

»Sie sind nicht allein, Doc.« Clay sah die anderen an. In ihren Gesichtern arbeitete es, aber sie schwiegen. Das Goldfieber brannte in ihnen, eine Krankheit, die Rutland schürte. Lintock kippte den für Clay bestimmten Drink.

»Es ist eine Chance, Amigo, für die es sich zu kämpfen lohnt. Endlich können wir Hagartys Joch abschütteln. Stell dir vor, Clay: Eine Stadt, in der wir bestimmen und nicht Hagarty, was geschieht! Mann, du hattest doch selbst genug Verdruss mit Hagartys Revolverreitern. Die verdammten Burschen, die keine andere Ranch am Neosho dulden, lassen auch uns nie hochkommen. Das ist der eigentliche Grund, weshalb ich auf Doc Rutlands Seite bin. Kimberley, Roskin und die anderen denken genauso.«

Zustimmung erklang. Rutland lächelte spöttisch. Da wandte Clay sich zur Tür.

»Macht, was ihr wollt, aber ohne mich.«

»Wheeler, denken Sie an Ihre Frau!«, rief Rutland.

Clay sah ihn durchdringend an.

»Ich hole Nakima zurück. Wenn Eames, Fetterson und McCall sie nicht freigeben, töte ich sie.«

»Sie kommen nicht lebend aus dem Saloon.«

»Es wäre Mord, wenn die Männer schießen, Doc. Aber ich glaube nicht, dass sie das riskieren.«

Doch das Flackern in den Augen der Stadtbewohner warnte Clay. Da kam ein Poltern von der Treppe. Eine wütende Stimme erklang.

»Außerdem hab‘ ich da auch ein Wörtchen mitzureden, Leute – wenn‘s sein muss, mit der Kanone! Wheeler, warte, ich komme mit!«

»Himmel!«, ächzte Jessup, der schmächtige Barbier. Einer von Hagartys Cowboys kam mit schussbereitem Colt die Stufen herab. Seine Haare waren zerzaust, das Hemd hing ihm aus der Hose. Der Gurt mit dem Holster baumelte von der linken Schulter. Eines der beiden Girls, die für Big Jane arbeiteten, stand mit erschrockenem Gesicht halbnackt am Geländer.

»Verdammt, Jane, warum hast du nicht gesagt, dass Tilburn im Haus ist?«, fauchte Rutland.

Der Cowboy lachte.

»Sie wusste nicht, dass Millie mich mit aufs Zimmer nahm. Ich kam, als sie ihren Mittagsschlaf hielt. Kanonen weg, Leute, sonst geht‘s hier rund! Wheeler, wir beide sind zwar schon mal zusammen gerasselt, aber wenn einer von diesen Dummköpfen auf dich schießt, fällt er auf die Nase. Der Boss wird ihnen die Flausen schon austreiben.«

Er erreichte den Fuß der Treppe, selbstbewusst und herausfordernd wie fast alle Burschen, die für Jim Hagarty im Sattel saßen. Sein schwerer Whitneyville-Walker-Colt zwang Kimberley, Roskin und Blackman, die Waffen wegzustecken. Schweiß perlte auf ihren Gesichtern. Rutland hob die Hand.

»Warte, Tilburn! Wenn du alles gehört hast, dann weißt du auch, dass in dem Goldtal in Colorado genug Nuggets für uns alle liegen. Wir haben nichts dagegen, wenn du mitkommst. Hagarty …«

»Für wie närrisch hältst du mich, Doc?« Der knochige Cowboy schüttelte grinsend den Kopf. »Ich kenne Hagarty. Ich weiß, was geschieht, wenn er euch auf die Schliche kommt.«

»Das hängt von dir ab.«

»Eben. Wenn die Geschichte mit dem Gold wirklich stimmt, dann wird Hagarty kassieren – nicht ihr. Klammheimlich abhauen, ‘ne neue Stadt gründen, mit Gold gefüllten Taschen eure Wänste mästen – das könnte euch so passen, ihr lausigen Pfeffersäcke! Daraus wird nichts. Wheeler und ich werden euch ‘nen hübschen dicken Strich durch die Rechnung machen. Stimmt‘s, Wheeler?«

Sporenklirrend durchquerte er den verräucherten Raum.

Clay schwieg. Die Blicke der Städter hingen an ihm. Lintock, mit dem er sich bisher immer am besten verstanden hatte, machte ihm verstohlen ein Zeichen.

Tilburns Boss würde in Three Oaks die Hölle loslassen, wenn er erfuhr, was die Männer planten. Doch kein Muskel bewegte sich in Clays Miene. Ein Zusammenstoß mit Hagartys Reitern war immer noch das geringere Übel als ein Wiedersehen mit Bullface und seinen Kriegern.

Da schwang Lintock mit einem Wutschrei einen Stuhl empor. Tilburn schoss sofort. Doch das schwerkalibrige Geschoss traf nur die Lehne.

»Ben!«, schrie Big Jane erschrocken. Bevor der Circle-Star-Reiter erneut abdrücken konnte, lag er in einem Trümmergewirr am Boden. Sein Colt rutschte unter einen Tisch. Stille breitete sich aus. Der Schmied schluckte.

»Teufel, das war knapp!«

Dann wandten sich alle Gesichter Clay Wheeler zu. Der in Leder gekleidete Farmer schob das eben noch zum Wurf erhobene Bowiemesser in die Lederscheide zurück. Keiner wusste, wem die Klinge gegolten hatte.

Wieder griffen Kimberley, Roskin und Blackman zu den Revolvern. Da klang Hufschlag auf.

Der grauhaarige Mietstallbesitzer spähte aus dem Fenster.

»Morris und zwei Burschen von der Circle-Star!«

Neal Morris war Jim Hagartys Vormann. Er galt als gefährlich und unberechenbar. Es wurde gemunkelt, dass er mehr vom Schießen als von der Rinderzucht verstand.

Doc Rutland fing sich zuerst.

»Schafft Tilburn rauf!« Seine funkelnden Augen hefteten sich auf Clay. »Wenn Sie uns verraten, Wheeler, sind Sie ein toter Mann!«

 

 

5

Die Männer waren schlammbespritzt. Sie trugen breitkrempige Hüte und lange, verwaschene Mäntel, deren Saum an die Stiefel schlug. Die nach vorn gedrehten Revolverkolben ragten heraus.

Einer blieb neben der Tür. Morris und der andere traten zur Theke. Die Sporen klirrten.

Der Circle-Star-Vormann war groß, sehnig und flachsblond. Die gebogene Nase und stechende Augen beherrschten das markante Gesicht. Blick und Haltung drückten die Arroganz eines Mannes aus, der wusste, dass die Bewohner von Three Oaks ihn fürchteten und insgeheim in den heißesten Höllenschlund wünschten. Seine Schritte stockten, als er an Clay vorbeikam. Er grinste, aber die Augen blieben kalt.

» Hallo, Squawman!«

»Hallo, Kuhtreiber.«

Sie standen sich gegenüber, beide gleich groß, gleich furchtlos. Langsam schob Morris den Mantel zurück. Der Kolben seines Sechsschüssers war mit Kerben bedeckt. Es störte Hagartys Rechte Hand wenig, dass Clay nur das Bowieknife trug. Die schmalen Lippen dehnten sich.

»Du scheinst vergessen zu haben, Squawman, dass ich dir die Stadt verbot. Wir wollen hier keine verdammten Indianerfreunde!«

»Three Oaks ist nicht deine Stadt.«

»Richtig, Squawman, sie gehört Jim Hagarty. Sein Wort ist hier Gesetz, und ich vertrete es. Du lernst ein bisschen schwer, Squawman. Das macht wohl dein Umgang mit den Rothäuten. Doch du wirst schon noch kapieren, was Hagartys Gesetz bedeutet. Well, erst hab‘ ich ‘nen Auftrag zu erledigen, danach bist du dran.«

Inzwischen ließ der zweite Circle-Star-Reiter sich von Big Jane einen Drink eingießen. Schweigend stellte die Saloonbesitzerin auch für Morris ein Glas hin.

»Mach Platz, Doc!«, befahl der Vormann, obwohl die Theke mehrere Yard lang war.

Rutland rückte zur Seite. Morris trank, ehe er die Anwesenden musterte. Es war ein gewöhnlicher Werktag-Nachmittag, aber Morris verriet keine Überraschung darüber, dass sie alle bei Big Jane versammelt waren.

»Well, Lintock, du hast ‘ne halbe Stunde Zeit, deinen Krempel zu packen. Du wirst auf die Ranch umsiedeln.«

»Soll das ein Witz sein?«

»Glaubst du, wir sind zwei Stunden geritten, um dich zum Lachen zu bringen? Du hast Nerven, Mann.«

»Aber …«

»Keine Ausflüchte. Der Boss findet es nun mal praktischer, wenn wir nicht wegen jedem abgenutzten Hufeisen in dieses Kaff reiten müssen. Es gibt auch sonst ‘ne Menge auf der Ranch für dich zu tun.«

»Ich hab‘ ein Haus und eine Werkstatt hier.« Lintock holte tief Luft. »Hölle, wie stellt Hagarty sich das eigentlich vor?«

»Einfach.« Morris grinste. »In ‘ner halben Stunde brechen wir auf.«

Nun drehte sich auch der Mann neben ihm um. Sein Mantel glitt auseinander, die Hand lag am Revolvergriff. Morris nahm das nachgefüllte Glas und trank.

»Worauf wartest du, Schmied?«

Lintock starrte auf seine großen, schwieligen und rußigen Hände.

»Ich glaube nicht, dass Ben Lust dazu hat, Three Oaks mit euch zu verlassen«, brach Big Jane die Stille. Ihre Hände befanden sich unter der Theke.

»Möglich«, antwortete der Vormann. »Aber darauf kommt‘s nicht an. Nicht wahr, Lintock?«

»Jane hat recht. Ich bleibe.«

»Was du nicht sagst.« Morris stieß sich von der Theke ab. Seine Rechte umschloss den Coltknauf. »Das sind ja ganz neue Töne. Hat der Squawman dich aufgewiegelt, eh?« Sein Blick flog zu Clay.

»Halt die Klappe!«, zischte er, als Clay etwas sagen wollte. »Ich rede mit Lintock, ich vergess‘ dich schon nicht. Ned, Amigo, leg ihn um, wenn er sich einmischt.«

Der Mann bei der Tür zog den Revolver. Clay stand mit dem Rücken zu ihm. Deutlich hörte er das Knacken des Hahns. Drohend schob Morris sich auf den Schmied zu.

»Nun? Ich hab‘ dich was gefragt, Lintock. Außerdem interessiert mich, was ihr Faulpelze hier zu feiern habt. Oder wollt ihr gar ‘nen Sternträger anheuern, damit er euch die guten Jungs von der Circle-Star vom Leib hält? Vielleicht den Indianerfreund? Na los, Lintock, spuck‘s aus!«

Morris‘ Sporen klirrten. Der Schmied wich zurück, bis er gegen einen Stützpfosten stieß.

»Geh zum Teufel, Morris!«

Der schwere 45er lag plötzlich in Morris‘ Faust. Der Stahllauf traf Lintock zwischen Schulter und Hals. Lintock stürzte. Das Poltern im Obergeschoss war wie ein Echo. Eins von den Saloongirls schrie, dann schallte Tilburns Stimme in den Saloon.

»Mach sie fertig, Neal! Die Bastarde stecken alle unter einer Decke. Sie wollen nach Colorado. Es gibt Gold in den Bergen …«

Mit verzerrter Miene ruckte Morris herum. Rutland entriss dem Storekeeper den Revolver.

Gleichzeitig schrie Big Jane: »Bleib liegen, Ben!«

Schon raste eine orangefarbene Lohe über die Theke. Die Schrotladung aus der abgesägten Parker Gun fegte den Circle-Star-Vormann zwischen die Tische.

Der Cowboy an der Theke warf sich zu Boden. Sein überhasteter Schuss traf die gegenüberliegende Wand. Doc Rutland zielte mit beiden ausgestreckten Händen. Ein Loch klaffte plötzlich in der Stirn des Circle-Star-Reiters. Sein Sechsschüsser schlitterte über den Boden. Morris‘ zweiter Begleiter rutschte an der Wand neben der Tür nieder.

Clays Messer steckte in seiner Brust. Seine Kugel hatte nur einige Lederfransen von Clays rechtem Ärmel abgetrennt. Der ehemalige Mountain Man war dem nächsten Schuss mit einer blitzschnellen Drehung und dem Messerwurf zuvorgekommen.

Der Kampf dauerte nur Sekunden. Pulverdampf wallte, Whisky tropfte aus einer umgestürzten Flasche. Morris lag in einer großen Blutlache. Wie versteinert hielt die Saloonbesitzerin die doppelschüssige Parker Gun.

»Tilburn!«, keuchte der Schmied, rappelte sich auf und packte die Waffe. Der zweite Lauf war noch geladen. Während die anderen reglos standen, stürmte Lintock die Treppe hinauf.

Wenn Tilburn entkam, würde der Boss der Circle-Star in spätestens zwei Stunden wissen, was geschehen war.

Droben stieß Lintock mit dem Girl zusammen, das den Cowboy heimlich aufs Zimmer genommen hatte.

»Er ist fort, aus dem Fenster aufs Anbaudach!«

»Verdammt! Wo ist sein Pferd?«

»Hinterm Schuppen. Jack wollte …« Lintock war schon wieder auf der Treppe. Da klang Hufgetrappel herein.

»Ihm nach!«, gellte Rutland.

Clay Wheeler richtete sich mit dem blutbesudelten Bowieknife neben dem toten Circle-Star-Cowboy auf. Seine Stimme klang dumpf.

»Zu spät.«

 

 

6

Wenig später herrschte in Three Oaks hektische Betriebsamkeit. Stiefel trampelten, Türen klappten, Axt- und Hammerschläge schallten durch die Stadt.

Sanders, der Wagenbauer, reparierte die alten Conestoga-Planwagen, mit denen sie vor Jahren an den Neosho River gekommen waren.

»Schmiert die Achsen, zieht die Bremsen nach«, wies er Jessup und Roskin an. »Kein Splint darf fehlen.«

Pferd und Maultiere standen vor Lintocks Schmiede. Die Esse qualmte. Der Schwarzbart hatte die rußfleckige Lederschürze umgebunden. Von Funken umsprüht stand er am Amboss. Filmore, dem die Bäckerei gehörte, bediente den Blasebalg. Der grauhaarige Wingate beruhigte die vom Lärm und Durcheinander erschreckten Tiere. Inzwischen schleppten die Frauen den Hausrat auf die Gehsteige, Betten, Decken, Geschirr, Kästen, Kartons, Bilder, sogar Topfblumen. Es regnete nicht mehr. Noch verhüllten Dunst und Wolken den Horizont. Im Westen zeigte sich ein fahler Schimmer.

»Jede Minute zählt«, schärfte Rutland den Stadtbewohnern ein. Obwohl Tilburn noch nicht einmal den halben Weg zur Circle-Star Ranch zurückgelegt haben konnte, trieb die Angst sie an. Das Aufladen begann, während Sanders noch am letzten Wagen bastelte und Lintocks Hammerschläge aus der Schmiede dröhnten.

Kopfschüttelnd schaute Clay zu, wie die klobigen Fahrzeuge zusätzlich mit Tischen, Stühlen, Anrichten, Schränken und Truhen beladen wurden.

Clay besaß nur das Bowieknife. Der Doc wich nicht von seiner Seite. Mit der Zigarette im Mundwinkel und Clays Volcanic in den nervigen Händen wirkte er wie ein Glücksritter. Dass er mit einer Waffe umzugehen verstand, hatte er ja bereits bewiesen. Ein fanatisches Glitzern lebte in seinen sonst eher ausdruckslosen Augen.

»Nachdem Sie einen von Hagartys Reitern töteten, bleibt Ihnen nichts anderes übrig, Wheeler, als mit uns zu ziehen.«

Clay behielt seine Meinung für sich, im Geist sah er zwar seine Farm bereits in Rauch und Flammen aufgehen, aber seltsamerweise berührte ihn das nicht. Er hätte auch auf eine Riesenranch wie die von Hagarty mit eiern Achselzucken verzichtet, wenn er dafür Nakima wieder hätte in die Arme schließen können. Mit jeder Minute wuchs der Vorsprung, den die Büffeljäger mit ihrer Geisel bekamen.

»In zehn Tagen sind wir am Smokey Hill River, dann sehen Sie Nakima wieder«, sagte Rutland, der Clays Gedanken erriet. »Wenn alles klappt, sind wir in weiteren zehn Tagen im Bearpaw Valley. Wir belohnen Sie mit Gold.«

Sie standen vor Jessups Barbershop. Drüben schleppten vier Männer ein Klavier aus Kimberleys Haus. Einer davon war Kimberley.

»Das geht dann doch zu weit«, murmelte Clay.

Rutland hob die Schultern.

»Kimberleys Sache, wenn er ‘nen Achsenbruch riskiert.«

»Sobald wir draußen auf der Prärie sind, ist jeder auf jeden angewiesen«, antwortete Clay scharf.

»Sagen Sie‘s ihm.«

Clay erkannte das Lauern in Rutlands Augen. Er dachte an Kimberleys verbissene Miene, als er ihn im Saloon mit dem Revolver bedrohte. Trotzdem überquerte Clay die Straße. Kimberley ließ gerade die Heckklappe herab. Die vordere Hälfte des Prärieschoners war bereits vollgepackt.

»Was gibt‘s, Mister Wheeler?« Kimberleys Frau, eine hübsche, vollbusige Blondine, tauchte neben dem Wagen auf. Sie war jünger als die übrigen Frauen. Der verwitwete Storekeeper hatte sie erst vor wenigen Monaten frischvermählt aus St. Louis nach Three Oaks gebracht.

Die Stadt war ohne junge Leute. Die Söhne und Töchter der Handwerker und Geschäftsinhaber hatten ihr, kaum volljährig, den Rücken gekehrt. Seit Jim Hagartys Schatten auf Three Oaks lag, gab es hier keine Zukunft. Liz Kimberleys Lächeln verriet offenkundig, dass Clay ihr gefiel.

»Ich schlage vor, Ma‘am, Sie verzichten auf das Klavier.«

»Kommt nicht in Frage!«, schnappte der Storebesitzer. Er war fast so stämmig und kräftig wie Ben Lintock. »Das Klavier ist das Hochzeitsgeschenk für Liz.«

»Im Indianerland wird sie wenig Verwendung dafür haben.«

»Was, zum Teufel, geht dich das an, Wheeler? «

»Rutland will, dass ich die Wagen nach Colorado bringe. Deiner wird‘s nicht mal bis zum Smokey Hill River schaffen.«

»Ich werd‘ dir das Gegenteil beweisen.«

»Nicht auf meine und Nakimas Kosten.«

»Zur Hölle mit deiner Squaw.« Der Storekeeper hatte es kaum heraus, als Clays Schwinger ihn zu Boden streckte. Liz Kimberley stieß einen spitzen Schrei aus.

»Tut mir leid, Ma‘am, aber ich konnte das nicht durchgehen lassen.«

Clay wollte sich abwenden. Da ergriff Kimberleys Frau seinen Arm. Ihre grünen Augen schillerten.

»Tom wird sich entschuldigen.«

»Den Teufel tu‘ ich!« Kimberley zog sich am Planwagen hoch. Er war zehn Jahre älter und auch etliche Pfund schwerer als Clay, aber kaum weniger fit. Im mexikanischen Krieg hatte er als Mastersergeant gedient.

Doc Rutlands spöttisches Lachen drang über die Fahrbahn. Er wartet darauf, dass ich eine Abreibung bekomme, dachte Clay. Da griff Kimberley an, wütend wie ein angeschossener Bisonbulle.

Clay riss im letzten Moment den Kopf zur Seite. Schmerzhaft streifte die Faust des Storekeepers seine Wange. Der Anprall stieß Clay um. Er riss den Gegner mit. Schlamm spritzte auf. Hastig trat die Frau auf den hölzernen Gehsteig. Die beiden Männer schlugen wild aufeinander ein. Dann rollte Clay sich weg, sprang auf, und schon war auch Kimberley auf den Beinen.

»Jetzt kriegst du dein Fett, Squawman!« Kimberleys Schwinger war eine Finte. Er versuchte einen Kniestoß zu landen, doch Clay wich aus. Dabei rutschte er. Kimberleys Faust erwischte ihn wie ein Pferdehuf. Clay krachte gegen den Wagen. Seine Beine knickten halb durch. Aber er biss die Zähne zusammen, blockte Kimberleys nächsten Hieb ab und revanchierte sich mit einer Geraden, die den Storekeeper neuerlich zu Boden schickte.

Liz Kimberley presste die Hände zwischen den wogenden Brüsten zusammen. Fasziniert beobachtete sie den Kampf. Zuschauer versammelten sich. Die Wagenpferde stampften und wieherten. Mühsam richtete Kimberley sich auf. Clay erkannte, dass er längst nicht so angeschlagen war, wie er sich gab. Eben noch stützte Kimberley sich mit einer Hand auf, da fuhr er schon wieder wie ein Rammbock auf den Gegner los.

Clay stemmte sich ein. Er hatte den Wagen im Rücken. Seine geballte Linke traf Kimberley knapp über der Gürtelschnalle. Die hochzuckende Rechte explodierte an Kimberleys Kinn. Brettsteif fiel der Storebesitzer auf den Rücken.

Clay ließ die Fäuste sinken. Sein Blick traf Kimberleys Frau. Statt Feindschaft spiegelte sich Bewunderung in den leicht schräg stehenden grünen Augen. Röte lag auf den Wangen. Dann veranlasste ein Schnauben Clay, den Kopf zu drehen. Roskin, der Büchsenmacher, stand mit einem Sattelpferd im Halbkreis der Gaffer. Hinter ihm kam Rutland über die Straße.

Clay tat, als wollte er sich nach seinem Hut bücken. Aus der Bewegung heraus warf er sich gegen Roskin, rammte ihn mit der Schulter und entriss ihm die Zügel.

Der Braune wollte sich aufbäumen, da saß Clay schon im Sattel und presste die Schenkel gegen seine Flanken.

Flüche gellten, Blackman, der Sattler, wollte dem Reiter in die Zügel fallen, aber Clays Fußtritt schleuderte ihn zurück.

Dann hämmerten die Hufe. Geduckt jagte Clay die Main Street hinab. Revolver flogen hoch. Rutland ließ die im Reflex gehobene Rifle sinken.

»Nicht schießen! Wir brauchen ihn noch.«

 

 

7

Der Treck verließ die Stadt nach Sonnenuntergang. Es waren acht schwerbeladene Planwagen, deren Räder das Präriegras niederwalzten. Die Hälfte der Pferde und Maultiere trug das Brandzeichen der Circle-Star-Ranch.

Doc Rutland, der kein eigenes Fahrzeug besaß, ritt nebenher. Big Jane und Lintock fuhren gemeinsam auf dem voran rumpelnden Conestoga-Schoner.

Die Mannschaft der Circle-Star mit Hagarty kam zu spät.

Waffenstahl blinkte im Dämmergrau des erwachenden Tages. Es waren vierzehn Reiter, alle mit langläufigen Colts und fabrikneuen Mehrladegewehren ausgerüstet. Breitkrempige Hüte beschatteten die harten Gesichter. Verwaschene Mäntel hingen an den taufeuchten Flanken der Pferde hinab. Die Türen und Fenster gähnten wie dunkle Höhlen. Ein paar vergessene Stühle und Kisten standen auf den Gehsteigen. Mitten auf der Straße lag ein mit künstlichen Blumen geschmückter Strohhut. Die Hufe der Circle-Star Pferde zerstampften ihn. Dann setzte das Pochen und Lederknarren aus.

Düster musterte Hagarty die vor dem Store verbliebenen Bewohner von Three Oaks.

Der ziegenbärtige Totengräber hielt seinen zerknautschten Zylinder in den knochigen Händen. Er stand da, als wollte er seine eigene Grabrede halten. Neben ihm stützte sich Wingates einbeiniger Stallhelfer, ein weißmähniger Oldtimer, auf einen knotigen Stock.

Doc Rutlands Haushälterin und die beiden Girls aus Big Janes Saloon vervollständigten den verlorenen Haufen. Die Gesichter waren bleich und ängstlich. Nur Rutlands Haushälterin gab die Blicke der Reiter giftig zurück.

Ein Lichtstreifen schimmerte hinter den Büschen und Bäumen am Fluss. Stille drückte auf die Town. Einer von Hagartys Cowboys lenkte sein Pferd zum Saloon. Vom Sattel aus spähte er über die schulterhohen Türflügel.

»Sie liegen noch drinnen.«

Er meinte Morris und seine Begleiter. Das Funkeln in Jim Hagartys Augen verstärkte sich. Der Rancher war groß und hager. Ein sichelförmiger Bart beherrschte das zerfurchte Ledergesicht. Am linken Ohr glitzerte ein Goldring. Er saß auf einem hochbeinigen, rassigen Kentucky-Fuchs. Der Sattel war mexikanische Handarbeit mit Silberbeschlägen. Der Kolben eines Jennings-Gewehrs ragte aus dem Scabbard. Hagarty sah den Totengräber an.

»Wer war‘s?«

»Ich weiß nur, dass Wheeler dabei war. Die anderen taugen nicht als Messerwerfer. Morris wurde von ‘ner Schrotflinte erwischt, und irgendwer schoss Talbot ‘ne Revolverkugel in den Kopf.« Der Ziegenbärtige zwinkerte nervös. »Ich dachte, Sie wollten sie nochmals sehen, bevor ich sie begrabe. Deshalb …«

»Sie bekommen ein anderes Grab.« Hagartys Stimme klirrte. »Greg, Harry, zündet den Saloon an!«

Details

Seiten
124
Jahr
2020
ISBN (eBook)
9783738937893
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v537071
Schlagworte
moonhawk

Autor

Zurück

Titel: Moonhawk