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Ein Jack Braden Thriller #18: Wer aufmuckt, stirbt

2020 115 Seiten

Zusammenfassung


Fast einhundert Millionen Dollar – diese Summe raubte eine Gang aus einem Postzug. Zunächst gibt es keine Spur, die zur Aufklärung führen konnte, stattdessen gibt es eine Reihe von Leichen, die alle irgendwie mit dem Raub zusammenhängen. Selbst das FBI tappt im Dunkeln und bittet Jack Braden um Hilfe.

Leseprobe

Table of Contents

Wer aufmuckt, stirbt

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Die Hauptpersonen des Romans:

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Wer aufmuckt, stirbt

Ein Jack Braden Thriller #18

von Cedric Balmore

 

Der Umfang dieses Buchs entspricht 115 Taschenbuchseiten.

 

Fast einhundert Millionen Dollar – diese Summe raubte eine Gang aus einem Postzug. Zunächst gibt es keine Spur, die zur Aufklärung führen konnte, stattdessen gibt es eine Reihe von Leichen, die alle irgendwie mit dem Raub zusammenhängen. Selbst das FBI tappt im Dunkeln und bittet Jack Braden um Hilfe.

 

 

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books, Alfred Bekker, Alfred Bekker präsentiert, Casssiopeia-XXX-press, Alfredbooks, Uksak Sonder-Edition, Cassiopeiapress Extra Edition, Cassiopeiapress/AlfredBooks und BEKKERpublishing sind Imprints von

Alfred Bekker

© Roman by Author

© dieser Ausgabe 2020 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

Alle Rechte vorbehalten.

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Die Hauptpersonen des Romans:

David Anderson – sollte das Unternehmen finanzieren

Edward Fred Mint – besorgt das Geld mit der Schrotflinte

Theo Gregg – Antiquitätenhändler, einst Führer einer Kommando-Einheit, spielt wieder „Krieg“

Andy Fenner – war in Korea sein „Leutnant“

Jim Calido – vom gleichen Verein

Maud – seine Schwester, stellte die Verbindung her zu:

Ted Blunt – Lokomotivführer – und veranlasste seine letzte Fahrt

Phil Beeman – möchte kassieren, aber das tun

Jack Braden und sein Team

 

 

1

Tausend Meilen liegen zwischen New York und Miami.

Tausend Meilen lagen aber auch zwischen zwei Ereignissen, die sich in beiden Städten gleichzeitig abspielten.

Es war zwölf Uhr mittags. Im Office des Privatdetektivs Jack Braden in der 74. Straße von New York klingelte der Fernsprecher. Dawn Barris, seine bildhübsche, blondlockige Sekretärin, meldete sich.

„Jack Braden Investigation.“

„Ich möchte Mister Braden sprechen“, sagte eine spröde Frauenstimme.

„In welcher Angelegenheit, und wen darf ich melden?“

„Ich möchte Mister Braden sprechen!“, wiederholte die Frau ungeduldig. „Es ist dringend.“

„Einen Augenblick, bitte.“

Dawn Barris schaltete um.

„Eine Dame ist am Telefon. Sie verlangt Sie persönlich und will ihren Namen nicht nennen.“

„Woher wissen Sie, dass es eine Dame ist?“, fragte der Detektiv.

„Ihre Stimme klingt so. Außerdem scheint sie erregt zu sein.“

„Dann stellen Sie durch, Sunny, aber bleiben Sie in der Leitung.“

Er nahm den Hörer von der Gabel, griff nach Block und Kugelschreiber und sagte: „Hello! Jack Braden. Wer spricht dort?“

„Mrs. Anderson. Wann kann ich zu Ihnen kommen? Ich weiß mir keinen Rat mehr.“

„Darf ich wissen, worum es sich handelt?“

„Mein Mann, David Anderson, reiste vor drei Tagen nach Miami. Er hatte dort Geschäfte. Er stieg wie immer im COLUMBUS Hotel ab. Vorgestern, am Tag seiner Ankunft, ging er aus und ist bis heute nicht zurückgekehrt. Ich habe schon fünfmal angerufen. Niemand weiß etwas von ihm.“

„Und was soll ich dabei tun?“

„Ihn suchen! Ich fürchte, dass er einem Verbrechen zum Opfer gefallen ist.“

Jack Braden überlegte kurz, und dann antwortete er: „Könnte Ihr Gatte nicht mit einem Geschäftsfreund zum Segeln oder zum Angeln gegangen sein? Könnte er nicht einen Ausflug gemacht haben? Es gibt so viele Dinge, die man dort ganz plötzlich unternimmt. Florida ist nicht New York.“

„Mein Mann würde das nie tun, ohne mich zu unterrichten. Ich bin sicher, dass ihm etwas zugestoßen ist. In zwanzig Minuten bin ich bei Ihnen. Wenn Sie, was ich aus tiefstem Herzen hoffe, recht haben, so werde ich Ihnen die nutzlos vertane Zeit reichlich vergüten.“

„Es soll mir recht sein, Mrs. Anderson. Wenn Sie wollen, so stehe ich zu Ihrer Verfügung.“

„Vielen Dank, Mister Braden.“

Der Detektiv legte auf und drückte auf den Knopf, der seine Sekretärin herbeizitierte.

„Sie haben mitgehört, Sunny?“

„Klar. Die Frau macht sich wahrscheinlich unnötige Sorgen. Mister Anderson wird sich am Strand von Miami in eine der gewerbsmäßigen Badeschönheiten verliebt haben und ist mit ihr ins Blaue gefahren“, lachte sie.

„Das denke ich auch. Aber bevor die Dame kommt, sehen Sie einmal zu, dass Sie erfahren, wer David Anderson ist, dass heißt, wenn es nicht ein Dutzend Geschäftsleute dieses Namens gibt.“

„Ich werde es versuchen.“

Eine Viertelstunde später wusste Jack Braden alles, was es über David Anderson zu wissen gab.

Der Mann war 53 Jahre alt und Besitzer eines kleinen Bankgeschäfts in der City. Dieses Bankgeschäft hatte er mit der Mitgift seiner Frau Anne gegründet, die aus einer der wohlhabenden Familien New Yorks stammte. Aber Mr. Anderson war kein Bankier. Er hatte bis zu seiner Heirat alle möglichen Jobs gehabt. Darunter befand sich nicht einer, der etwas mit Bankgeschäften zu tun gehabt hätte.

Zuletzt, das war vor 12 Jahren, war er Reitlehrer gewesen und hatte in dieser Eigenschaft seine spätere Frau, die damals 25 war, kennengelernt. Die Mitgift hatte 150 000 Dollar betragen. Die Andersons hatten ein Haus in Richmond und lebten auf großem Fuß.

Die Geschäfte dagegen waren mäßig. Sunny hatte die Pinkertons angerufen und erfahren, dass die 150 000 auf ein Drittel zusammengeschrumpft waren und Anderson in letzter Zeit verzweifelte Versuche gemacht hatte, auf einen grünen Zweig zu kommen.

Diese Auskunft gab Jack Braden zu denken. Sollte der Mann sich auf krumme Geschäfte eingelassen haben? Oder war er vielleicht, wie das so manchmal vorkommt, mit dem größten Teil des ihm verbliebenen Geldes einfach ausgerückt? Jedenfalls schienen Braden die Sorgen der Mrs. Anne Anderson begründet zu sein.

Als sie ihm dann gegenübersaß, neigte Jack Braden doch zu der Ansicht, ihr Mann sei ihr mit einer Badeschönheit von Miami Beach ausgekniffen.

Anne Anderson war 37 Jahre alt und sah aus wie fünfzig. Sie hatte weder eine Dauerwelle noch die geringste Spur von Make-up, obwohl sie beides dringend nötig gehabt hätte. Sie trug eine Brille mit runden, schwarz eingefassten Gläsern, die ihr das Aussehen einer Nachteule gaben. Ihre Hautfarbe war ungesund, ihr dunkelbraunes Haar war strähnig, und ihre Lippen so blass, dass man sie kaum von dem Rest unterscheiden konnte.

Dem entsprach ihre Kleidung. Ihr dunkelgraues Kostüm war zu weit und saß wie ein Sack. Ihre Schuhe hatten breite Kappen und flache Absätze. Am Aufschlag ihrer Jacke trug sie das Abzeichen der „Töchter Amerikas“. Sie war das, was man einen vollendeten Blaustrumpf nennt, eine der Frauen, für die die Benutzung eines Lippenstiftes gleichbedeutend mit einer Todsünde ist.

Sie warf einen misstrauischen Blick auf Dawn Barris.

„Ich möchte Sie unter vier Augen sprechen, Mister Braden.“

„Meine Sekretärin hat keine Augen“, lächelte er. „Außerdem brauche ich sie. Sie macht Notizen und erinnert sich auch an das, was sie nicht aufgeschrieben hat.“

„Aber …“, begann Mrs. Anderson und überlegte es sich anders.

Sie machte eine wegwerfende Bewegung, zog ihren ohnedies schon zu langen Rock noch etwas tiefer über die dürren Beine und begann: „David hat ein Bankgeschäft. Leider versteht er nichts davon, aber ich habe ihm sein Vergnügen gelassen. Das, was er verbutterte, habe ich inzwischen verdient. Selbstverständlich weiß er nichts davon. Er liebt es, Geschäftsreisen zu machen, wie am vergangenen Sonntag nach Miami, aber ich habe noch niemals erlebt, dass diese Reisen ihm etwas einbrachten. Im Gegenteil. Ich habe seine Abwesenheit benutzt, um mich in der Bank umzusehen. Dabei habe ich festgestellt, dass er nichts anderes machte als ungeheure Spesen. Ich habe dem Personal angekündigt, dass ich von jetzt an die Geschäfte führen werde.“

Mrs. Anne Anderson war eine recht energische und, wie es schien, geschäftstüchtige Frau. Jack Braden konnte sich nicht erklären, warum sie so besorgt um ihren Mann war, den sie doch offensichtlich nicht besonders schätzte.

„Dies ist David!“, sagte sie und holte ein Foto aus ihrer Handtasche.

Das Bild stellte einen großen, schlanken Mann mit markanten Zügen und einem Bürstenschnurrbärtchen auf der Oberlippe dar. Er war im Reitdress, der ihm besonders gut stand. Er war einer der Männer, auf den die Frauen fliegen wie die Mücken auf den Honigtopf.

„Wann ist Ihr Gatte in Miami angekommen?“, fragte er.

„Am Sonntagabend, und heute haben wir Dienstag. Er fuhr vom Flughafen direkt ins COLUMBUS Hotel und mietete dort ein Appartement. Er sagte, er werde ungefähr drei bis vier Tage dort bleiben. Nach dem Dinner, um ungefähr acht Uhr abends, ließ er sich einen Leihwagen kommen, mit dem er wegfuhr. Seitdem hat man weder ihn noch den Wagen gesehen.“

„Ich sehe darin immer noch keinen Grund zu ernsthafter Beunruhigung“, lächelte Jack Braden. „Ich bin der Ansicht, Ihr Gatte wird in allernächster Zeit wieder auftauchen und Ihnen erklären, was ihn verhindert hat, ins Hotel zurückzukehren oder Sie zu benachrichtigen.“

„Das ist unmöglich!“, protestierte sie heftig „Ich kenne David. Im Hotel sagte man mir, er sei weggefahren, ohne irgendein Gepäckstück mitzunehmen. Das hätte er niemals getan, wenn er länger als ein paar Stunden hätte wegbleiben wollen. David ist eitel. Er wechselt täglich zwei bis dreimal seine Anzüge, ebenso seine Hemden. Es ist einfach unmöglich, dass er drei Tage in dem gleichen Anzug herumläuft und ohne seine Toilettenartikel auskommt.“

„Alles dies kann man schließlich kaufen“, gab Braden zu bedenken.

„Nicht David! Er benutzt nur eine Sorte Seife, die er sich aus Paris schicken lässt. Er würde sich niemals mit etwas anderem waschen. Das gleiche gilt für sein Haarwasser, seine Rasiercreme und tausend andere Dinge. Nein! Freiwillig ist David nicht weggeblieben!“

Jack Braden tauschte einen verstohlenen Blick mit seiner Sekretärin. Er gewann den Eindruck, dass diese so reizlose Frau in ihren „schönen“ Mann immer noch bis über die Ohren verliebt sei. Wahrscheinlich war sie auch eifersüchtig, und sicherlich nicht ohne Grund.

Bevor er antworten konnte, sagte Mrs. Anderson: „Außerdem hat David zweitausend Dollar mitgenommen. Ich möchte verdammt wissen, wofür!“

Wieder tauschte Braden einen Blick mit Sunny. Sie hatten beide denselben Gedanken.

Mit zweitausend Dollar kann man sich in Miami herrlich amüsieren. Die Geschäftsreise war wohl nur ein Vorwand.

„Hat Ihr Gatte des öfteren Geschäfte dort?“, fragte er.

„In letzter Zeit ist er ein paarmal unten gewesen. Er machte ein Geheimnis daraus und meinte, er werde einen großen Haufen Geld verdienen.“ Sie lachte höhnisch. „David, und Geld verdienen!“

„Wollen Sie nicht noch einen oder zwei Tage warten, bevor Sie irgendwelche Schritte unternehmen, Mrs. Anderson?“, versuchte er, ihr zuzureden.

„Ich denke gar nicht daran.“

„Warum wenden Sie sich dann nicht an die Polizei? Ich bin davon überzeugt, dass das Police Departement von Miami Mister Anderson sehr schnell finden wird.“

„Ich will mit der Polizei nichts zu tun haben. Ich habe meine Gründe dafür“, sagte sie bestimmt. „Hier! Da haben Sie einen Scheck über dreitausend Dollar. Ich denke, der wird für Spesen und Honorar genügen. Fliegen Sie heute Abend noch nach Florida. Suchen Sie nach David. Wenn Sie mehr Geld brauchen, so telegrafieren Sie,“

Sie schob das gelbe Formular herüber. „Nehmen Sie den Auftrag an?“

„Wenn ich ehrlich sein soll, Mrs. Anderson, so habe ich Hemmungen, Ihnen Geld abzunehmen, das Sie hätten sparen können.“

„Darüber entscheide ich. Es ist mein Geld, und ich kann damit machen, was ich will.“

„Wenn Sie unbedingt wollen, Mrs. Anderson!“

Jack Braden schrieb eine Quittung aus und reichte seiner Sekretärin den Scheck hinüber.

„Ich werde also Ihrem Wunsche entsprechen und heute Abend noch nach Miami fliegen. Sie werden schnellstens von mir hören.“

„Ich danke Ihnen, Mister Braden, Ich wusste ja, Sie würden mich nicht im Stich lassen.“

„Ich habe Sie schon einmal gefragt, aber ich wiederhole: Haben Sie irgendeine Ahnung über die Art der Geschäfte, oder kennen Sie die Namen der Leute, mit denen Ihr Gatte verhandelte?“, fragte er.

„Nichts dergleichen, gar nichts! Ich erklärte Ihnen schon, er umgab das alles mit seiner Geheimnistuerei.“

 

 

2

Miami, Dienstag, den 4. Juni.

Miss Gilda Mitchel, Angestellte der Citizen and Southern Bank in 12. Street war die erste, die den Mann sah. Er war schlank und trug eine Schirmmütze. Über dem Arm hatte er einen khakifarbenen Regenmantel, was Miss Mitchel sofort auffiel, denn um diese Jahreszeit scheint in Florida pausenlos die Sonne.

„Was kann ich für Sie tun?“, fragte sie, als er auf sie zutrat.

Sein Gesicht war ausdruckslos. Sein rechter Arm, über dem der Mantel hing, hob sich, und Miss Mitchel blickte in den Lauf einer abgesägten Schrotflinte.

Sie wurde schneeweiß vor Schreck. Einen Augenblick glaubte sie, sie müsse ohnmächtig werden. Aber sie riss sich zusammen.

Ohne sie aus den Augen zu lassen, nahm der Gangster eine grüne Segeltuchtasche in die Linke und schob sie über den Zahltisch.

„Packen Sie alles Papiergeld da hinein!“, sagte er leise. „Dann geben Sie mir das Ding zurück. Schlagen Sie keinen Krach, und lassen Sie den Alarmknopf in Ruhe!“

Bleich und zitternd gehorchte sie. Erst als sämtliche Scheine, die an der Kasse bereitlagen, in der Tasche verschwunden waren, rührte sich der Gangster von Neuem.

Er machte drei Schritte rückwärts und rief: „Raubüberfall! Jeder bleibt, wo er ist! Verhaltet euch ruhig, und es wird nichts passieren.“

Die acht Angestellten und die sechs Kunden waren überrumpelt. Erstarrt vor Schreck und Angst blieben sie stehen. Etwas fiel mit einem leisen Knall auf den Boden. Es war das Sparbuch, das eine andere Angestellte dem Kunden, den sie bediente, hatte reichen wollen.

Der Räuber ging langsam rückwärts zum Ausgang. Dann überlegte er es sich, grinste bösartig und trat an den Schalter des zweiten Kassierers.

„Mach los! Steck die Kohlen rein!“, rief er ungeduldig. „Ich habe keine Lust, den ganzen Tag hier zu stehen.“

Es war totenstill. Nur die Banknoten knisterten, als der Mann sie in die Segeltuchtasche stopfte.

Der Gangster ging wieder rückwärts. Er erreichte den Ausgang, blickte noch einmal rundum und verschwand.

Immer noch starr vor Entsetzen standen die Kunden und Angestellten. Dann aber brach ein Tumult los. Männer rannten nach der Tür, durch die der Bandit verschwunden war. Ein paar Frauen schrien.

Miss Mitchel, die sich zuerst von ihrem Schreck erholte, drückte den Alarmknopf, riss den Hörer vom Telefon und rief die Polizei an.

Wenige Minuten darauf wimmelte die Bank von uniformierten Polizisten und Detektiven. Es war wenig, was sie erfuhren. Die meisten hatten nichts anderes gesehen als die abgesägte Schrotflinte und die Mütze.

Miss Mitchel erinnerte sich, dass er Handschuhe getragen hatte.

„Ich werde niemals seine Augen vergessen“, sagte sie. „Sie waren kalt wie Eis und doch wild wie die eines Raubtieres.“

Ein sehr junges, blondes Mädchen, der Lehrling Diana Swift, drängte sich durch.

„Sergeant! Man muss den Film entwickeln!“, sagte sie aufgeregt.

„Was für einen Film?“, fragte der Detectiv-Sergeant.

„Den Film aus der Kamera, die erst neulich eingebaut wurde. Ich habe sie mit dem Fuß ausgelöst.“

„Tatsächlich, Diana? Haben Sie das getan?“, fragte der Bankmanager,

„Ja. Ich stand gerade davor, und als ich die Flinte sah, wusste ich, was los war.“

„Sie sind tatsächlich die einzige von uns allen, die ihre Geistesgegenwart behalten hat!“, lobte der Manager.

Die Kamera, die erst vor Kurzem probeweise angebracht worden war, konnte man nicht sehen. Ihr Objektiv erfasste den gesamten Kassenraum und alles, was darin vorging. Wenn sie ausgelöst wurde, so setzte sich ihr Mechanismus in Betrieb. Sie machte selbsttätig zwölf Aufnahmen hintereinander.

Eine Viertelstunde später hatte man festgestellt, dass der Räuber 17 000 Dollar erbeutet hatte. Er war mit einem grünen Barris 1100 in westlicher Richtung davongefahren. Das wichtigste aber waren die Bilder, die man inzwischen entwickelt hatte. Auf vier davon war der Gangster deutlich zu erkennen.

Die Jagd begann. Telefone rasselten, Fernschreiber tickten. Die Bilder des Räubers wurde durch Fernsehen überall hin gesendet.

Das erste, was sich herausstellte, war, dass der grüne Barris am Vortage in Miami Springs gestohlen worden war.

Dann riss der Faden ab.

 

 

3

Es war Mittwoch frühmorgens, als Dan Coon mit seinem Milchwagen vor dem Frühstücks- und Lunchroom in Hammock, zehn Meilen westlich von Miami, hielt. Er hatte gerade wie jeden Tag die Milch abgeliefert und wollte zu seinem nächsten Kunden weiterfahren, als ihm ein Wagen auffiel, der eine kurze Strecke entfernt stoppte. Es war ein grüner Barris.

Im gleichen Augenblick hielt auch ein Polizeiwagen unmittelbar hinter dem Barris. Ein Polizist sprang heraus und ging auf den Barris zu. Es war Patrolman Morales, der die Fahndung nach dem Bankräuber in der Tasche trug. Allerdings glaubte er in diesem Augenblick nicht, dass er diesen vor sich habe. Es gab so viele grüne Barris.

Er beugte sich durch das geöffnete Fenster neben dem Fahrersitz.

„Guten Morgen“, grüßte er. „Sind Sie so freundlich und zeigen mir Ihren Führerschein.“

Dan Coon, der immer noch in der Nähe stand und neugierig herüberblickte, konnte nicht deutlich ausmachen, was geschah. Aber er hörte einen Schuss. Coon war kein Held. Mit ein paar Sätzen war er wieder in der Tür des Lunchrooms, und dann erst sah er sich vorsichtig um.

Patrolman Mark Morales lag bewegungslos auf der Straße.

Coon raste nach drinnen und telefonierte.

Als wenige Minuten danach ein Wagen der Highway Patrouille heranbrauste, war der grüne Barris verschwunden. Nur der tote Polizist lag noch da, wo er gefallen war, und die Schaufensterscheibe eines Lebensmittelgeschäfts war von Schrotkörnern zertrümmert.

Es dauerte nur wenige Minuten, bis die Polizisten im Patrouillenwagen sich darüber klar wurden, dass es der Bankräuber von Miami gewesen sein musste, der ihren Kameraden über den Haufen geschossen und die Flucht ergriffen hatte.

Der Polizistenmord war noch keine zehn Minuten alt, als über alle TV Stationen von Florida der Ruf in den Äther ging:

Gesucht wird wegen Mordes an einem Polizisten ein junger schlanker Mann …

Es folgte die Beschreibung,

Er fährt einen grünen Barris mit der Nummer 57 oder 77, die nächsten Zahlen sind unbekannt. Größte Vorsicht geboten! Der Mörder ist bewaffnet und gefährlich.

Noch am gleichen Abend wurde der Barris mitten in Miami, nicht weit vom Lummus Park gefunden, Von dem Fahrer war keine Spur. Aber er hatte seine Fingerabdrücke zurückgelassen.

Weder die Fingerabdrücke noch die Bilder lieferten einen Anhaltspunkt. Die Polizei übergab sie dem FBI.

 

 

4

Am gleichen Tag morgens um 8 Uhr war Jack Braden auf dem International Airport angekommen und sofort zum COLUMBUS Hotel gefahren.

Dieses liegt auf Biscayne Boulevard, einer der berühmtesten und elegantesten Straßen der Staaten, einer Kombination aus Fifth Avenue und Rue de la Paix. Ein Schwarm von Pagen stürzte sich auf den neuen Gast, belud sich mit seinem Gepäck und fragte nach seinen Wünschen,

Dabei war Jack Braden ein für dieses Hotel bescheidener Gast. Sein Zimmer, das er vor dem Abflug aus New York bestellt hatte, kostete „nur“ achtzig Dollar pro Tag, einschließlich Frühstück, und lag im 13. Stockwerk. Auf das Frühstück verzichtete Braden, er hatte es bereits an Bord der Maschine eingenommen.

Er fuhr nach oben, badete und zog sich um. Dann begann er mit seinen Nachforschungen nach Mr. David Anderson.

Niemand wusste etwas, und niemand war besonders interessiert. Er konnte nur erfahren, dass Mr. Anderson angerufen worden und danach weggefahren war. Dazu hatte er einen Wagen benutzt, den das COLUMBUS Hotel seinen Gästen, gegen entsprechende Vergütung, zur Verfügung stellte. Es war ein Pontiac Coupe mit der Nummer 98 FL 330.

Die Hotelleitung machte sich um so weniger Gedanken über den Verbleib des Mr. Anderson, als das Zimmer für drei Tage im Voraus bezahlt war. Und es gab ja eine andere Sensation, über die man überall sprach, nämlich den Raub bei der Citizen and Southern Bank. Dieser wieder interessierte Jack Braden nicht im geringsten.

Da er im Hotel nichts erfahren konnte, wandte er sich um 6 Uhr abends an die Stadtpolizei von Miami. Er wurde an Polizeileutnant Eugene Nestor verwiesen.

Der lächelte mitleidig.

„Wenn wir nach jedem gesetzten Herrn aus dem Norden eine Suchaktion veranstalten wollten, wenn er ein paar Tage unauffindbar ist, so hätten wir viel zu tun. Am besten ist es, wenn Sie sich hier ein paar Tage amüsieren und warten, bis Ihr Mister Anderson wieder auftaucht. Und er wird das tun, sowie er seine zweitausend Dollar losgeworden ist, und das ist bei uns nicht schwer.“

Dann kam auch Leutnant Nestor auf den Bankraub zu sprechen, und zwar weniger auf diesen, als auf den Polizistenmord.

Während er noch seine Theorie darüber entwickelte, kam die Antwort des FBI, Florida District. Dort war der Bankräuber und Mörder kein Unbekannter. Er hieß Edward Fred Mint und hatte bereits zweimal wegen Raubes und schwerer Körperverletzung gesessen.

„Wahrscheinlich ist er bei seiner Mutter untergekrochen“, meinte der Leutnant, „die, wie das FBI uns mitteilt, in Fort Lauderdale, einer kleinen Stadt zwanzig Meilen von Miami entfernt, wohnt. Ich werde sofort dorthin fahren. Wenn Sie Lust haben, so können Sie mich begleiten. Die Straße führt am Strand entlang. Es ist ein recht interessanter Ausflug.“

Jack Braden überlegte nicht lange. Er bat nur noch, die Nummer des Pontiac, den Anderson gefahren hatte, zu notieren. Es wäre ja immerhin möglich, dass der Wagen irgendwo auftauchte.

„Ich will Ihnen den Gefallen tun!“, lächelte Leutnant Nestor. „Allerdings verspreche ich mir nichts davon. Wahrscheinlich ist der Mann zur Zeit drüben in Miami Beach oder in Palm Beach. Er kann auch zum Everglades Park gefahren sein, wo es eine Unmenge von kleinen, aber eleganten Hotels gibt, in denen man so leicht nicht gefunden wird.“

Der Weg am Strand entlang war wirklich interessant, überall tummelten sich sonnenhungrige Touristen, standen Hunderte und aber Hunderte von Straßenkreuzern und lockten Motels zu einem geruhsamen Aufenthalt.

Fort Lauderdale ist eine Stadt von 36 000 Einwohnern, ein Platz, der vorn Fremdenverkehr lebt. Aber auch dort gibt es Viertel, in denen Leute wohnen, die nicht mit Glücksgütern gesegnet sind. Der Fahrer des Polizeiwagens kannte seinen Weg.

„Gleich sind wir da“, sagte Leutnant Nestor, als sie im Stadtrand in eine schmale Straße einbogen, in der zu beiden Seiten bescheidene Häuschen standen, umgeben von Orangenbäumen und Gemüsegärten.

Der Wagen stoppte vor einem dieser kleinen Häuschen. Eine ältliche, verhärmte Frau stand unter der Tür.

„Eddy ist nicht da“, sagte sie, schon bevor sie gefragt wurde.

„Trotzdem möchte ich mich ein paar Minuten mit Ihnen unterhalten, Mrs. Mint. Dürfen wir hereinkommen?“

„Wenn Sie unbedingt wollen, so kann ich daran nichts ändern“, antwortete die Frau mürrisch und gab den Weg frei.

Das Wohnzimmer war einfach, aber sauber eingerichtet. Jack Braden konnte feststellen, dass die Stühle hart und unbequem waren.

„Wann war Eddy zum letzten Male hier?“, fragte der Leutnant. „Sie wissen ja wahrscheinlich schon, was er angestellt hat. Er hat nicht nur eine Bank ausgeraubt, sondern auch einen Polizisten erschossen. Diesmal wird es ihn Kopf und Kragen kosten.“

Die Frau war totenblass geworden.

„Das habe ich nicht gewusst!“, stammelte sie. „Eddy hat mir schon viele Sorgen gemacht, aber einen Mord? Ich kann das gar nicht glauben.“

„Wann war er zuletzt hier?“, beharrte der Leutnant.

Sie rutschte verlegen auf ihrem Stuhl hin und her.

„Seit einer Woche nicht mehr“, behauptete sie. Aber man konnte ihr ansehen, dass sie log.

„Ihr Sohn hat doch bei Ihnen ein Zimmer. Darf ich das sehen?“

„Bitte.“

Dieses Zimmer war winzig klein. Es gab darin nichts, was darauf hingedeutet hätte, wann der Bewohner zum letzten Male dagewesen sei.

„Nun, er wird ja wiederkommen“, meinte der Leutnant.

Die Frau kniff die Lippen zusammen und gab keine Antwort. Schließlich konnte kein Mensch von ihr verlangen, dass sie ihren Sohn verriet, und sei er auch ein Mörder und Räuber.

Als sie wieder auf der Straße standen, sagte Nestor: „Ich werde den Polizeichef bitten, dass man das Haus im Auge behält. Das ist der sicherste Weg, den Kerl zu fassen.“

„Wir müssen ein Stückchen weiterfahren. Hier ist die Straße zu schmal und zu schlecht, als dass ich wenden könnte“, sagte der Fahrer.

„Tun Sie das.“

Noch ungefähr dreihundert Fuß ging es den schmalen, sandigen Weg entlang. Dann wurde die Bahn breiter. Zu beiden Seiten lagen Berge von Schutt und Abfall.

„Das ist die Kehrseite der Medaille“, grinste Nestor. „Am Strand herrliche Hotels und prächtige Straßen, aber keine Müllverbrennungsanstalt. Das ist typisch.“

Der Chauffeur versuchte umzudrehen, aber er musste den Wagen noch zweimal zurückstoßen. Der Weg war immer noch zu schmal.

Es stank infernalisch, was kein Wunder war, wenn man bedachte, dass den ganzen Tag die Sonne auf Abfälle, Gemüsereste, tote Katzen und dergleichen herabbrannte.

Dann sah Jack Braden die Ratten. Es waren ausgewachsene, alte Biester mit kahlen Schwänzen, die da herumhuschten. Sie kümmerten sich überhaupt nicht um die Anwesenheit der Menschen. Sie mussten etwas besonders „Leckeres“ aufgestöbert haben. Sie quiekten und bissen sich.

„Stopp!“, rief Braden aus und sprang aus dem Wagen.

Er hatte sich nicht getäuscht. Das Ding, um das die ekelhaften Tiere sich balgten, war ein Schuh, und in diesem Schuh steckte ein Fuß. Der Rest lag unter Abfall und Müll verborgen.

„Pfui Teufel!“, sagte Leutnant Nestor. Aber dann befahl er dem Fahrer, zu der Kneipe am anderen Ende der Straße zu fahren, und von dort rief er die Polizei an.

Eine Viertelstunde später hatte man festgestellt, dass der Tote Edward Fred Mint war. Er war erschossen worden.

„Dann war der Bursche doch bei seiner Mutter. Er muss getötet worden sein, als er von dort wegging“, sagte der Leutnant der Stadtpolizei von Fort Lauderdale. „Ob die Alte wohl etwas davon weiß?“

„Das ist nicht anzunehmen“, antwortete ihm sein Kollege Nestor. „Ich bin sicher, dass sie auch von dem Bankraub und dem Polizistenmord noch nichts wusste.“

„Ich möchte wissen, wo der Kerl das Geld gelassen hat.“

„Vielleicht haben es die Ratten gefressen“, meinte Jack Braden. „Es hat mir einmal jemand gesagt, dass diese Tiere Banknotenpapier besonders schmackhaft finden.“

Er sah sich nach der Stelle um, an der man die Leiche gefunden hatte.

Merkwürdig! Die Ratten wühlten immer noch am gleichen Platz herum. Es sah aus, als ob sie sich nicht davon trennen könnten. Braden ging hinüber. Ein Teil der Tiere flüchtete, andere blieben sitzen und zischten. Man hätte glauben können, sie bewachten etwas.

Der Detektiv bat sich einen der Spaten aus, mit denen man Mints Leiche freigelegt hatte. Als er Erdreich und Müll zur Seite schaufelte, rannten die Nager aufgeregt und quiekend herum. Eines der Tiere wollte sogar Braden anfallen, so dass er es mit einem schnellen Schlag töten musste.

Dann sah er plötzlich, warum die Tiere nicht hatten von der Stelle weichen wollen. Unter Mints Leiche lag noch eine zweite. Es war der Körper eines großen schlanken Mannes. Schuhe und Kleidung waren verschmutzt und zernagt, aber man konnte ihnen ansehen, dass sie von bester Qualität waren. Das Gesicht war fast unkenntlich, aber auf der Oberlippe waren noch die Reste eines Bürstenschnurrbärtchens zu sehen.

Jack Braden dachte nicht daran, wie nahe er der Lösung des Verschwindens David Andersons war. Erst im Polizei Hauptquartier von Fort Lauderdale erfuhr er, dass der Tote einen Führerschein und sonstige Papiere auf den Namen des Vermissten in der Tasche trug.

Auch Anderson war erschossen worden, und zwar von hinten. Die Kugel musste noch im Schädel stecken.

Das war ein merkwürdiges Zusammentreffen. Bei dem Bankräuber schien das Motiv klar zu sein. Da sich die geraubten 17 000 Dollar weder bei ihm noch im Hause seiner Mutter fanden, war es nicht schwer, daraus zu schließen, dass er um seiner Beute willen ermordet worden war.

Was für ein Motiv aber gab es für den Mord an Anderson? Fünfzehnhundert Dollar steckten noch in seiner Brieftasche. Ein Raubmord war es also nicht.

Die größte Frage war, wie es kam, dass die beiden Toten an derselben Stelle verscharrt worden waren. Noch unerklärlicher wurde die Sache nach der Obduktion, die noch am gleichen Abend vorgenommen wurde.

Der Arzt fand in jeder der Leichen ein 38er-Geschoss, und die beiden Geschosse waren aus derselben Waffe abgefeuert.

Was, so fragte sich Braden, konnte der Bankier Anderson mit dem Räuber und Mörder Mint zu tun gehabt haben? Warum war er zusammen mit diesem ermordet worden?

Jack Braden schickte sofort ein Telegramm an Mrs. Anderson und fragte, ob mit dieser Entdeckung sein Auftrag erledigt sei.

Die Antwort kam am nächsten Morgen.

veranlassen sie Überführung des toten nach new york stop – den rest soll miami police erledigen stop –

Also buchte Jack Braden einen Flug mit der Nachtmaschine. Den Tag benutzte er, um sich Miami Beach anzusehen. Dieser weltberühmte und exklusive Badeplatz hat es in sich. Man könnte ein Buch für sich damit füllen, all die Herrlichkeiten der schmalen Halbinsel zu schildern.

Jack Braden lunchte im RONEY PLAZA, dem vornehmsten, prunkvollsten und teuersten Hotel von Miami Beach. Ohne mit der Wimper zu zucken, zahlte er die Rechnung von 47 Dollar. Danach machte er einen Bummel über die Collins Avenue und entlang des herrlichen Strandes, an dem Millionäre und deren Anhang sich sonnten. Wenigstens die Sonne war in Miami Beach umsonst, obwohl man sie indirekt ja auch bezahlen musste.

Abends um zehn Uhr saß Braden in der Maschine, die ihn in wenigen Stunden nach New York brachte.

Er hätte besser getan, wenn er noch in Miami geblieben wäre und sich um den Mörder des Mr. David Anderson gekümmert hätte.

 

 

5

New York, Montag, der 24. Juni.

Es war zwei Uhr morgens. Der Postzug, der von Washington nach New York unterwegs war, ratterte über die Schienen. Einige Meilen hinter Trenton blinkte ein rotes Signal. Der Lokomotivführer schaltete den Strom ab und betätigte die Bremsen. Dabei schimpfte er leise.

Steve Howell war ein pflichtgetreuer Beamter und schätzte keine Verspätungen. Die Nacht war klar und warm. Er beugte sich aus dem Fenster, aber er konnte nichts erkennen. Die Strecke schien frei zu sein, aber das rote Licht hinderte ihn an der Weiterfahrt.

„Komm herunter und mach’ keine Geschichten!“

Der überraschte Lokführer blickte in den Lauf einer Pistole. Er war so perplex, dass er nur mit offenem Mund starrte.

„Na, wird das bald?“

Dasselbe geschah seinem Gehilfen auf der anderen Seite.

„Was soll der Unfug?“, knurrte Howell, aber er wagte keine Bewegung.

Jetzt konnte er erkennen, dass der Mann hinter der Pistole eine schwarze Maske trug. Es war also kein Witz, wie er zuerst gehofft hatte, sondern bitterer Ernst.

Fünf Minuten danach lagen der Lokomotivführer und sein Assistent gefesselt und geknebelt neben dem Bahndamm. Ein anderer Mann nahm den Platz am Führerstand der Lok ein. Auch er trug eine schwarze Gesichtsmaske.

Inzwischen waren eine Anzahl schattenhafter Gestalten über den Bahndamm gehuscht. Es klirrte und klapperte.

„Los, Bill!“, sagte eine Stimme.

Der Mann auf der Lok schaltete den Strom ein und fuhr an. Nur drei Wagen rollten über die Gleise.

Der Rest des Zuges blieb stehen. Er war abgekuppelt worden. In diesem Rest saßen fünfzig Postbeamte und sortierten die Briefe. Sie merkten nichts davon, dass ihre Lok und die ersten drei Wagen sich selbständig gemacht hatten.

Die ersten beiden dieser Wagen enthielten Expresspakete, der letzte einen Betrag von ungefähr 100 Millionen Dollar in Scheinen, der für die Federal Bank bestimmt war. In diesem Wagen saßen drei Wächter. Sie hatten von dem, was draußen vorging nichts gehört. Aber es fiel ihnen auf, dass der Zug nach einer kurzen Fahrt erneut stoppte.

Dann hörten sie ein Klopfen an der einzigen schweren Tür.

Diese Tür ließ sich nur von innen öffnen. Das war eine besondere Vorsichtsmaßregel, um auch bei einem Überfall zu gewährleisten, dass niemand in den Wagen eindringen konnte. Die drei Eisenbahndetektive blickten sich an. Sie wussten, dass man noch nicht am Bestimmungsort angekommen sein konnte, sondern der Zug sich auf freier Strecke zwischen Trenton und Amboy befand.

„Was gibt‘s?“, fragte der eine durch das am Wagen angebrachte Sprachrohr.

„Macht auf, sonst sprengen wir die Tür“, war die Antwort.

Details

Seiten
115
Jahr
2020
ISBN (eBook)
9783738937404
Sprache
Deutsch
Erscheinungsdatum
2020 (Februar)
Schlagworte
jack braden thriller

Autor

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Titel: Ein Jack Braden Thriller #18: Wer aufmuckt, stirbt