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Die blutigen Nuggets von Wolf Creek

2020 110 Seiten

Leseprobe

Table of Contents

Title Page

Die blutigen Nuggets von Wolf Creek

Klappentext:

Roman:

John F. Beck

 

Die blutigen Nuggets von Wolf Creek

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

IMPRESSUM

 

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© Roman by Author/Titelbild: Edward Martin, 2020

Korrektorat: Dr. Frank Roßnagel

© dieser Ausgabe 2020 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

 

 

 

 

Klappentext:

Wolf Creek ist eine schäbige Goldgräberstadt, die nur aus Saloons und Freudenhäusern besteht. Beherrscht wird sie von Ryan Patterson, der den hart arbeitenden Diggern in seinen Saloons an den Poker- und Roulettetischen mit schäbigen Tricks die Nuggets aus den Taschen zieht. Der Bestattungsunternehmer hat alle Hände voll zu tun, denn ständig gibt es Schießereien. Marshal Jeff Powell steht auf verlorenem Posten; das Gesetz hat keine Chance in Wolf Creek. Glenda Doyle, dessen Geliebte, bittet Sid Powell, seinem Vater zu helfen. Doch die beiden Männer verbindet ein düsteres Geheimnis: Der Marshal versuchte einst, seinen Sohn hinter Gitter zu bringen. Können die beiden Powells die Bitterkeit zwischen ihnen überwinden, um den Verbrechern das Handwerk zu legen? Denn Patterson verteidigt die blutigen Nuggets von Wolf Creek und seine Macht mit einer Armee von erbarmungslosen Killern …

 

 

 

 

 

 

Roman:

Elftausend Dollar und ein 38er-Remington lagen auf dem grünen Filz. Es war totenstill im Saloon von El Rito.

Der schwarzgekleidete, hagere Spieler deckte feixend sein Blatt auf. „Das war’s dann wohl, Bronco-Sid – Full House!“

Drei Asse und zwei Zehner. Ein Stöhnen durchlief den Kreis der Gaffer. Doch der junge blonde Mann, dem der Remington gehörte, lachte.

„Du bist ein Spaßvogel, Leland. Allerdings gibt’s bessere Scherze als fünf Asse beim Poker. Rühr das Geld nicht an! Es gehört mir!“

Plötzlich war es wieder still.

Ben Leland starrte den Widerpart ausdruckslos an. „Scheint, du bist lebensmüde, Sid.“

„Im Gegenteil. Ich stell mir gerade vor, was ich mit den Bucks anfange. Das wird ein herrliches Leben mit vielen, hübschen Girls, dem besten Whisky und langen, heißen Pokernächten. Du darfst gern gratulieren.“

„Zu einem Platz auf dem Boothill, du verdammter Narr!“, zischte der Spieler. Grelle Flecken brannten auf seinen Wangen. Mit einer eckigen Bewegung schob er die Anzugjacke hinter den Coltgriff. „Der Saloon ist bis auf Weiteres geschlossen, Herrschaften!“

Ein Hasten und Trampeln setzte ein. Fluchtartig verließen die Bewohner von El Rito die Tränke. Die Sonne schien durch das Fenster.

Vor dem Eingang verhieß ein mit Girlanden bekränztes Schild: „Nutzen Sie die einmalige Gelegenheit zum Pokerduell mit Ben Leland, dem König der Spieler!“

Als die Türflügel hinter dem letzten Gast zurückpendelten, war auch der Keeper verschwunden.

Außer Sid Powell und Ben Leland befanden sich noch drei Männer im Saloon.

Der Kleine mit den abstehenden Ohren und den Wieselaugen hielt einen Sechsschüsser. Die beiden Kumpane sahen wie wandelnde Kleiderschränke aus. Sie trugen zwar ebenfalls Coltgurte, waren aber wahrscheinlich mit ihren klobigen Fäusten weitaus gefährlicher.

Leland goss sich einen Drink ein. Er benutzte die Linke dazu.

„Du hättest dir denken können, Sid, dass ich nicht allein mit so viel Geld reise. Darf ich dir meine Leibwächter vorstellen?“

„Kann nicht behaupten, dass ich Wert auf ihre Bekanntschaft lege.“

Sid Powell, in der Gegend um Santa Fe auch als „Bronco-Sid“ bekannt, füllte ebenfalls das Glas. Er achtete darauf, dass seine Hand nicht in die Nähe des 38er kam.

Leland knirschte: „Und ich kann’s mir nicht leisten, von ’nem Revolverschwinger und Satteltramp als Falschspieler abgestempelt zu werden. Macht ihn fertig, Jungs! Ich möcht’ ihn aus dem Saloon kriechen sehen.“

Sid trank, ehe er sich gelassen erhob. Grinsend stampften die beiden „Kleiderschränke“ auf ihn zu.

„Wenn du das Eisen anfasst, leg’ ich dich um!“, drohte der Kleine mit dem Colt.

Sid blickte Leland an. „Keine Lust zum Mitmischen?“

„Ich brauch’ meine Hände für die Karten.“

„Schade. Ich hätte dir gern ein wenig die Nase verbogen. Früher warst du nicht so zimperlich. Da hattest du auch noch kein fünftes Ass nötig. Schätze, du wirst alt, Leland …“

„Macht den Schwätzer fertig, verdammt noch mal!“

Die beiden Schläger griffen an. Trotz ihres Gewichts waren sie erstaunlich flink.

Sid landete den Uppercut an einem Granitkinn, wich dem Anstürmenden gewandt aus und rammte dem zweiten Gegner die Faust über die Gürtelschnalle.

Dabei kassierte er einen Schlag, dass er dachte, ein Pferd hätte ihn getreten. Er taumelte zwischen Tische und Stühle. Ein hämisches Lachen erklang.

„Du hast doch nicht schon genug, Kleiner? Dabei haben wir noch nicht mal richtig angefangen.“

„Keine Sorge, ich komm’ schon.“

Keuchend stemmte Sid sich auf die Knie. Ein Tritt warf ihn um. Wieder füllte ein röhrendes Lachen den Saloon.

„Das reicht!“

 

*

 

Die zornige Stimme kam von der Treppe. Sie gehörte der jungen, schwarzhaarigen Frau, die am Abend zuvor im Palace abgestiegen war.

Sie trug ein graues, hochgeschlossenes Reisekostüm, Stiefeletten und einen kleinen, runden Hut, an dem ein netzartiger Schleier befestigt war. Er verdeckte halb die funkelnden grünen Augen. In der schmalen Rechten lag ein Revolver. Die Mündung deutete auf Leland.

„Machen Sie Ihrem Revolvermann klar, dass er sich ’nen neuen Boss suchen muss, wenn er schießt.“

Der „König der Spieler“ machte ein Gesicht, als hätte es ihm in den Whisky gehagelt. Die beiden „Kleiderschränke“ sahen sich ratlos an, und der Kleine mit dem Colt begann, zu schielen, weil er nicht wusste, wem er mehr Aufmerksamkeit zollen sollte: Bronco-Sid oder der Schwarzhaarigen.

Sie kam lässig die Stufen herab.

„Halten Sie sich da raus, Ma’am!“, fauchte Leland. Er wollte hoch. Die ruckende Waffe der Frau bannte ihn.

„Sitzenbleiben! Hände auf den Tisch wie in der Schule! Eine falsche Bewegung von Ihren Handlangern, und es knallt!“

Widerstrebend halfterte der Kleine den Sechsschüsser.

Leland würgte. „Sie sind total übergeschnappt, Ma’am, wenn Sie …“

„Leland, du wirst nie ein Gentleman.“

Sid stand grinsend auf. Blonde Strähnen hingen ihm in die Stirn. „Hören Sie am besten nicht hin, Ma’am. Leland war schon immer ein miserabler Verlierer. Übrigens, Sie sehen bezaubernd aus. Es freut mich, Sie kennenzulernen. Ich bin Sidney Powell, Mustangjäger, Revolverschwinger, Goldsucher, Glücksspieler, von allem ein bisschen was. Freunde nennen mich Bronco-Sid.“

„Ich bin Glenda Doyle.“

„Hübscher Name. Passt zu Ihnen. Es ist …“

Bronco-Sid reagierte sofort auf den Luftzug von der Hintertür. Geduckt fuhr er herum. Seine Rechte fand allerdings nur das leere Holster.

„Tom Morris gehört zu mir“, beschwichtigte die Frau.

Ein großer, sehniger Schwarzer betrat den Saloon. Er war ganz in fransenverziertes Hirschleder gekleidet. Die weichsohligen Mokassins und das bunte Stirnband passten dazu. Ein breitklingiges Messer hing in einer Scheide am Gürtel.

„Der Wagen steht bereit, Miss Glenda. Powells Pferde ebenfalls.“

„Danke, Tom.“ Die Frau stand jetzt am Fuß der Treppe. Sie nickte Sid zu. „Wir können verschwinden.“

„Hm. Ich hatte eigentlich vor, noch ein paar Tage in El Rito zu bleiben. Ich möchte nicht unhöflich sein, aber …“

„Besprechen wir das, wenn wir aus der Stadt sind. Ich bin Ihretwegen hier. Ich hab’ ’nen Job für Sie, Powell.“

„Das ist was anderes. Ich komme gleich. Ich möchte mich nur zuvor von diesen Gents verabschieden.“

Grinsend wandte Bronco-Sid sich den beiden Schlägern zu. „Wie wär’s, wenn ihr es mal der Reihe nach versucht?“ Er deutete auf den Größeren. „Du zuerst, Kartoffelnase.“

„Was soll der Unfug, Powell?“ Die Stimme der Schwarzhaarigen klang ungeduldig. „Sie brauchen niemandem zu beweisen, was für ein toller Kerl Sie sind.“

„Ich lass’ mich nun mal nicht gern als Fußabstreifer benutzen, Ma’am. Außerdem lautet einer von meinen wenigen Grundsätzen, niemandem etwas schuldig zu bleiben. – He, Kartoffelnase, worauf wartest du? Die Lady wird nicht schießen. Hast trotzdem die Hosen voll, eh?“

Sid schlenderte auf den Schläger zu.

Mit einem Wutschrei stürzte sich der Kerl auf ihn. Sid duckte sich, zielte diesmal nicht auf das Granitkinn, sondern auf die Nase. Der Mann brüllte. Seine Augen tränten.

Sid verabreichte ihm einen Leberhaken. Dann musste er zurückspringen. Der Bursche schwang die Arme wie Dreschflegel. Doch er hätte ebenso versuchen können, seinen eigenen Schatten zu treffen.

Sid unterlief ihn, brachte eine Doublette an und tauchte seitwärts weg. Als der Gegner schnaubend herumfuhr, landete Sid eine Gerade auf der bereits malträtierten Nase. Die Lautstärke des Schlägers übertraf noch das vorige Gebrüll. Da stampfte sein Kumpan wie ein angeschossener Bison auf Bronco-Sid los.

Der Blonde schaffte noch eine halbe Drehung. Eine keulenartige Faust streifte ihn. Er stürzte, erwischte beim Aufprall einen Stuhl und benutzte ihn geistesgegenwärtig als Schild, als Lelands Leibwächter mit dem Stiefelabsatz auf seine Rippen zielte. Krachend durchstieß der Fuß die Sitzfläche.

Glenda Doyle wurde einen Augenblick abgelenkt.

Da zog Leland. Wie von selbst sprang ihm der Sechsschüsser in die Hand. Nur brachte er die Waffe nicht ganz hoch.

Eine rasiermesserscharfe Klinge nagelte seinen Jackenärmel an den Stuhl.

Schon hielt Glendas dunkelhäutiger Begleiter ein zweites Wurfmesser. Seine Zähne blitzten. „Sie wollten doch nicht etwa auf die Lady schießen?“

Während Bronco-Sid hochfederte und dem noch im Stuhl verhedderten Mann die Faust zwischen die Augen hieb, ließ Leland den Colt fallen.

„Verdammter Nigger!“

„Mein Name ist Tom Morris.“ Der Ledergekleidete trat an Lelands Tisch, zog mit einem Ruck das Messer aus dem Holz und berührte mit der Spitze Lelands Hals. „Für Sie Mister Morris, klar? “

„Fahr zur…“ Der Spieler verschluckte den Rest. Ein dünner Blutfaden sickerte seinen Hals hinab.

Morris schaute über die Schulter. „Schnell ab!“, befahl er dem kleinen Revolvermann. Zähneknirschend gehorchte der.

Inzwischen stellte Bronco-Sid dem Schläger mit der geschwollenen Nase ein Bein. Das Ergebnis war eine dröhnende Bauchlandung.

„Echt gekonnt, wie du das machst!“, schwärmte Sid und wartete, bis der Bulle schwankend hochkam. Mit einem blitzschnellen Aufwärtshaken schickte er ihn endgültig auf die Bretter.

„Ich hoffe, die Vorstellung hat Ihnen gefallen, Miss Glenda.“ Sid verbeugte sich wie nach einem gelungenen Auftritt. Der Schwarze grinste. Glenda Doyles Miene war abweisend.

„Wenn Sie’s genau wissen wollen, Powell: Ich verabscheue Kämpfe jeglicher Art. Kommen Sie endlich …“

Ein Stampfen riss Sid herum.

Der Schläger mit der ramponierten Nase hatte noch immer nicht genug. Er schwang gegen alle Regeln eine volle Whiskyflasche.

Sid hörte noch Glendas Warnschrei, da zerschellte die Flasche schon an seinem Kopf. Scherben klirrten. Whisky floss über Sids Gesicht. Gleichzeitig rannte der Angreifer voll in Sids Faust.

Die Dielen zitterten. Krampfhaft hielt Sid sich auf den Beinen. Ausgestreckt lag der Schläger vor ihm. Sid kostete von der Flüssigkeit, die über seine Lippen perlte.

„Echter Kentucky Bourbon“, verkündete er.

Dann wurde es dunkel um ihn.

 

*

 

Sid vergaß die Kopfschmerzen.

Das Gesicht der Frau neigte sich über ihn. Die Augen glänzten wie Smaragde, der Mund lockte. Sid seufzte selig.

„Ich wusste ja, dass ich in den Himmel komme.“

„Sie sind Optimist, Powell. Wir befinden uns bei den Ruinen von Santa Cruz, zwölf Meilen nördlich von El Rito.“ Glenda reichte ihm die lederüberzogene Dattelflasche. „Ich dachte, Sie wollten überhaupt nicht mehr aufwachen.“

„Ich hab’ herrlich geträumt – von grünen Augen und sanften Händen.“

Sid setzte sich auf und trank. „Wasser!“ Er schüttelte sich.

Dann blickte er auf die bizarren, vom Mond beschienen Mauerreste. Mesquite- und Kreosotsträucher wuchsen dazwischen.

Der hochrädrige Einspänner stand wenige Schritte entfernt. Sids Schecke war am Schlussbrett festgeleint. Ein Meer von Sternen funkelte. Der Sandboden strahlte noch die Tageshitze ab. Ein Kojote heulte in den Hügeln, die die ehemalige spanische Mission um-schlossen.

„Wo ist Tom?“

„Er hält Wache.“

„Gut so. Ich hab’ bestimmt nichts gegen ihn, aber ich glaube doch, dass er nur stören würde. Diese wunderbare Nacht ist wie geschaffen für zwei Menschen …“

„Reden Sie keinen Unsinn, Powell. Ich hab’ Tom weggeschickt, damit Leland und seine Helfer uns nicht überrumpeln. Wenn Sie nicht so ausdauernd geschlafen hätten, könnten wir morgen schon in Colorado sein.“

„Mir gefällt’s hier besser, vor allem in so reizvoller Gesellschaft. Ich hab’ so wenig Sehnsucht nach Colorado wie nach ’nem Schlangenbiss …“

Glenda ließ es zu, dass er eine Strähne ihres jetzt offenen, seidig schimmernden Haars spielerisch um den Zeigefinger wickelte. Ihre Stimme blieb kalt. „Ich hab’ den langen Weg nach El Rito nicht zurückgelegt, weil Ihr Ruf als Herzensbrecher mir keine Ruhe ließ, Powell.“

„Sondern?“

„Ich will Sie zu Ihrem Vater bringen.“

Sids Hand zuckte zurück.

„Wollen Sie mich auf den Arm nehmen, oder sprechen Sie wirklich von Jeff Powell, dem Banditenschreck?“

„Er ist Town Marshal in Wolf Creek, einer Goldgräbersiedlung in den San Juan Mountains. Er braucht Hilfe.“

Sid starrte sie an. Dann lachte er rissig. „Das ist mal was Neues. Big Jeff scheint alt zu werden. Bisher war er immer verdammt stolz darauf, alle Schwierigkeiten allein zu meistern. Er war Marshal in Denver, Pueblo und Colorado Springs. Er brachte es so weit, dass alle Strolche ’nen weiten Bogen um diese Städte machten. Nie wär’s ihm eingefallen, sich in irgendeinem unbekannten Kaff den Stern anzustecken. Wolf Creek? Nie gehört.“

„Ryan Patterson beherrscht die Stadt. Ein Saloon nach dem anderen ging in seinen Besitz über. Pattersons Spieler und Croupiers ziehen den Goldgräbern die sauer erworbenen Nuggets mit faulen Tricks aus der Tasche. Wer aufmuckt, stirbt. Fast jeden Abend gibt es ’ne Schießerei. Angeblich handeln Pattersons Schießer immer in Notwehr. Zwischendurch kommt es schon mal vor, dass ein Digger, der sich mit Pattersons Saloonhaien anlegt, tödlich verunglückt.“

Glenda ballte die Hände zu Fäusten.

„So ist’s auch einigen Saloonbesitzern ergangen, die sich weigerten, zu verkaufen. Fragen Sie nicht, welchen Preis Patterson ihnen bot. Jeff Powell und seine Deputies, eine Handvoll junger Burschen, sind die einzigen, die Patterson und seiner Meute noch Widerstand leisten. Aber solange Patterson nicht hinter Schloss und Riegel sitzt, nimmt der Terror kein Ende.“

„Fehlt’s Big Jeff an Beweisen oder Mumm?“

Glendas Augen funkelten. „Wenn Sie Wolf Creek erleben, werden Sie nicht mehr so dumm daherreden. Patterson verlässt seine Bergfestung über dem Wolf Creek Valley im Monat höchstens einmal. Und für jeden Falschspieler und Revolverschwinger, dem der Marshal und seine Deputies das Handwerk legen, holt Patterson zwei, drei andere, noch schlimmere Halunken ins Tal. Aber es ist wahr, Powell: Big Jeff ist nicht mehr der Jüngste, seine große Zeit als Revolverkämpfer vorbei …“

„Warum schmeißt er nicht einfach den Job?“

„Sie wissen genau, dass Ihr Vater nicht klein beigibt, schon gar nicht, wenn ihm das Wasser bis zum Hals steht.“

„Sein Problem ist, dass er immer zu den Gewinnern gehörte. Bis auf das eine Mal, als er es sich in den Kopf setzte, den eigenen Sohn zur Strecke zu bringen. Kennen Sie die Story?“

Glenda schüttelte den Kopf.

Bronco-Sid grinste schmal. „Zugegeben, ich befand mich nicht unbedingt in bester Gesellschaft. Hauptsache, die Karten stimmten, und der Whisky schmeckte. Und die Girls … Na ja, jedenfalls stellte sich raus, dass meine Zech- und Pokerkumpane ’ne Postkutsche ausgeraubt und auf der Flucht einem Rancher die besten Pferde geklaut hatten. Big Jeff

kam wie ein Ungewitter über sie. Da die Burschen wussten, dass ich sein Sohn war, bezichtigten sie mich der Mittäterschaft. Sie hofften, Big Jeff würde ihnen daraufhin ’ne Chance geben.“

Sid lachte hart. „Weit gefehlt. Er erwischte sie alle, einen nach dem anderen. Zuletzt war er auch hinter mir her. Er bezweifelte keine Minute, dass ich tatsächlich mit den Halunken unter einer Decke steckte. Drei Wochen hetzte er mich kreuz und quer durch Colorado, bis ich ihm das Pferd unterm Hintern abschoss und auf Nimmerwiedersehen verschwand. Mir dreht sich jetzt noch der Magen um, wenn ich dran denke.“

„Er hat nie davon gesprochen.“

„Kann ich mir vorstellen. Was ich nicht verstehe, ist, dass er Sie nach El Rito geschickt hat…“

„Er weiß nicht, dass ich hier bin. Tom fand heraus, wo Sie sich aufhalten. Tom arbeitet für mich.“

Sid musterte sie prüfend. Der jungenhafte Ausdruck war von seiner Miene verschwunden.

„Weshalb wollen Sie, dass ich Pa helfe? “

„Einer von den Saloons in Wolf Creek gehört mir. Wahrscheinlich hat Patterson ihn inzwischen kassiert.“

„Was hat Big Jeff damit zu tun?“

Die Frau zögerte. „Es war meine Idee, dass Jeff in Wolf Creek den Stern nahm. Das war, bevor Patterson mit seinen Revolverschwingern kam. Ich hoffte auf einen neuen Anfang für Jeff und mich. Wir sind … befreundet.“

Sid starrte sie ungläubig an, dann lachte er rau.

„Ein großartiges Paar! Das hätte ich Big Jeff nicht zugetraut. Wie alt sind Sie eigentlich, Glenda?“

„Das geht Sie nichts an. Ich schätze Jeff, und ich werden …“

„Wirklich?“ Sid kniete und ergriff ihre Arme. „Brauchten Sie nicht vielmehr einen Beschützer? Ich weiß, wie es in gesetzlosen Goldgräberstädten zugeht.“

„Werden Sie nicht unverschämt, Powell!“

Sid erhob sich. Er zog Glenda mit empor. Seine Augen brannten. „Es gibt nur einen Grund für mich, nach Wolf Creek zu reiten: zuzuschauen, wie Big Jeff vor Patterson durch den Staub kriecht!“

„Er ist trotz allem Ihr Vater.“

„Ich war für ihn schon immer der missratene Sohn. Wahrscheinlich hat er mir nie verziehen, dass Ma nach meiner Geburt starb.“ Achselzuckend wandte Sid sich ab.

Glenda streckte eine Hand aus. „Ich würde Sie bezahlen.“

Sid blieb stehen und sah sie seltsam an.

„Womit?“

„Ich überschreibe Ihnen den Nugget Palace …“

„Nein, Glenda. Sie sind eine begehrenswerte Frau. Sie gefallen mir. Ich wäre bereit, mich mit Pattersons Saloonhaien anzulegen, wenn Sie mich heiraten.“

Sid lächelte dazu.

Glendas Augen weiteten sich. Im nächsten Moment brannte ihre Hand auf Sids Wange.

Er lachte. „Sie sind zu voreilig, Lady.“ Pfeifend ging er zu seinem Pferd.

Da tauchte Morris wie ein Schatten neben dem Kutschwagen auf. „Wohin?“

Sid grinste. „Leland schuldet mir noch elftausend Bucks.“

„Lass ihn verschwinden, Tom!“, rief die Frau.

 

*

 

Mit starrer Miene blickte der Schwarze auf das geborstene Wagenrad. Die Grenze von Colorado war noch zwanzig Meilen entfernt. Zerklüftete Bergflanken ragten ringsum auf. Die Luft flimmerte. Der Schrei eines Bussards war der einzige Laut.

Glenda bückte sich nach der Reisetasche. Mitten in der Bewegung erstarrte sie.

Da sah auch Morris die Verfolger. Sie kamen über einen mit Felstrümmern bedeckten Hang, drei Mann, Schemen in dem von den Hufen aufgewirbelten Staub.

Trotzdem erkannte Morris Lelands hagere Gestalt und die klotzigen Konturen der beiden Schläger. Nur der wieseläugige Revolverschwinger fehlte.

Die Entfernung war noch zu groß, dass Glenda und Morris das Hufgetrappel hörten. Die Reiter tauchten in das Gewirr der Klippen und Hohlwege, aus dem die Wagenfährte kam. Morris spuckte aus.

„Ziemlich nachtragend, die Burschen.“

Auch Glenda blieb ruhig. Sie trug wieder den kleinen, runden Hut mit dem die Augen halb verdeckenden Schleier.

„Immerhin haben wir noch das Pferd.“

Morris schirrte es aus. Der Braune war kräftig und zäh. Eine Staubschicht bedeckte sein Fell. Morris verkürzte die Zügel mit dem Bowieknife. Die beiden Wurfmesser steckten in den Ärmeln des Hirschlederhemds. Er half Glenda aufs Pferd.

„Vier oder fünf Meilen westlich von hier liegt die Bradford-Ranch. Dort werden Sie einen Wagen, zumindest aber ’nen Sattel bekommen.“

„Der Braune kann uns beide tragen, Tom.“

„Nicht weit genug, um Leland und seinen Kumpanen zu entkommen.“ Morris grinste. Es sah wie ein Zähnefletschen aus. Dann nahm er das am Wagen lehnende Gewehr. „Ich leih’ mir einen Gaul von ihnen.“

„Dann bleib’ ich hier.“

Ein dumpfes Trommeln drang aus einem hohlwegartigen Einschnitt. Staub quoll über die Ränder.

Der Schwarze schüttelte den Kopf. „Ich halt’s für besser, wenn Sie keine Zeit verlieren, Miss Glenda. Sorgen Sie dafür, dass der Marshal Wolf Creek verlässt.“

Die Hände der Frau krampften sich um die Zügel.

Geduckt lief Morris auf die Hohlwegmündung zu. Wenn er sie früher erreichte als die Verfolger, konnte er sie festnageln. Einige Sekunden schien es, als wollte Glenda ihm folgen.

Morris drehte sich um und winkte. „Reiten Sie!“

Glenda trieb den Wallach an. Als Morris sich zwischen den Felsen beim Hohlwegausgang duckte, hing nur mehr ein Staubschleier über einer entfernten Biegung.

Morris wischte den Schweiß vom Gesicht. Das Hufgetrappel im Hohlweg schwoll zu einem Dröhnen an. Die Wagenräder hatten deutliche Furchen hinterlassen. Morris umrundete einen Fels, damit er besseres Schussfeld bekam.

Da knirschte der Sand hinter ihm. Das Geräusch war nicht lauter als das Rascheln eines welken Blattes. Sofort schwang der Neger die Winchester herum.

„Weg damit!“, befahl eine krächzende Stimme.

Morris sah zuerst den auf seine Brust gerichteten Sechsschüsser, danach den Mann. Es war der Kleine mit den Wieselaugen. Er stand drei Schritte vor ihm. Morris kannte die Wirkung einer 45er-Kugel auf so kurze Distanz. Er selbst hielt zwar ebenfalls den Finger am Drücker, aber die Winchestermündung zeigte mehrere Yards an Lelands Leibwächter vorbei.

„Du kannst es auch gleich kriegen“, drohte der.

Die Winchester fiel in den Sand. Ein Grinsen zerriss die Schweißkruste auf dem Gesicht des Schießers.

„Hast du vielleicht geglaubt, Bronco-Sid hat mich erwischt? Der Dummkopf sucht uns umsonst in El Rito. Leland wollte, dass ich als Kundschafter vorausreite. Pech für dich.“

Gleich darauf umringten die Reiter Morris. Staub wogte.

„Gut gemacht, Hancock“, lobte Leland. „Nun brauchen wir uns nicht mehr zu beeilen. Das Weib entkommt uns nicht.“

„Da wär’ ich an deiner Stelle nicht so sicher, Leland.“ Morris wartete furchtlos.

Der Spieler zügelte das Pferd vor ihm. „Ich kann großmäulige Nigger nicht ausstehen.“

„Warum bist du dann nicht in El Rito geblieben?“

„Weil ich mir vorgenommen hab’, dir das freche Maul zu stopfen, Nigger. Du kannst …“

Morris stieß ein Kreischen aus wie ein angeschossener Puma.

Ben Lelands Pferd stieg. Sein Wiehern vermischte sich mit Lelands Schuss.

Da riss Morris den Falschspieler aus dem Sattel. Leland schrie. Sein Colt rutschte unter die stampfenden Hufe.

Morris packte die Zügel. Gleichzeitig zauberte er ein Wurfmesser aus dem Lederärmel. Die Klinge fuhr dem Wieseläugigen in die Brust.

Schreiend ließ der Kerl den Sechsschüsser fallen. Morris bekam noch den Fuß in den Steigbügel, aber der Falbe kreiselte und keilte aus.

Morris prallte gegen einen Fels. Ein Gewehrkolben traf seine rechte Schulter. Stechender Schmerz lähmte den Arm. Er sank auf die Knie. Staub umbrodelte ihn.

„Leg ihn um, Joe!“, schrie eine wütende Stimme.

Dann befahl Leland: „Überlasst ihn mir!“

Die Schwaden lichteten sich.

Leland stand geduckt vor dem Knienden. Er hatte den Hut verloren. Schweißverklebte Strähnen hingen ihm in die Stirn. Er hielt den Colt des Schmächtigen. Hass verzerrte sein knochiges Gesicht.

„Ich werde dich in den Bauch schießen, verdammter…“

Seine Augen weiteten sich.

Ein Reiter hielt neben dem Felsen, vor dem Morris kniete. Kein Stäubchen lag auf dem Revolver. Ein Grinsen verzog das schmale, sonnengebräunte Gesicht.

„Da bin ich wieder. Ich hoffe, Leland, du hast meine elftausend Bucks dabei.“

 

*

 

Jeff Powells zerfurchtes Gesicht spiegelte sich in der Fensterscheibe. Der Leichenkarren rumpelte am Marshal’s Office vorbei. Der Sarg bestand aus ungehobelten Fichtenbrettern, eine schmucklose, längliche Kiste mit einem schwarzen Kreuz obendrauf.

Ein halbes Dutzend Goldgräber erwiesen Mike Farley die letzte Ehre. Bärtige Männer, an deren Hosen und Stiefeln noch die mehr oder weniger goldhaltige Erde ihrer Claims haftete. Mit gesenkten Köpfen folgten sie dem von einem klapprigen Maulesel gezogenen Karren.

Der weißhaarige Leichenbestatter sah mit seinem verbeulten Zylinder und dem speckig glänzenden schwarzen Frack wie eine Vogelscheuche aus. Niemand sonst beachtete die kleine Prozession.

An den abgeholzten Hängen, die das Wolf Creek Valley umschlossen, herrschte dieselbe emsige Geschäftigkeit wie an allen anderen Tagen. Da knirschten Spaten. Spitzhacken klirrten. Seilwinden knarrten, an denen erzbeladene Körbe hingen. Und das vom aufgewühlten Schlamm getrübte Wasser des Wolf Creek rauschte durch hölzerne Waschtröge.

Nur die Stadt war stiller als sonst. Freilich war es ein heißer Nachmittag, und die Ansammlung knallig bemalter Brettergebäude entlang der breiten, staubigen Main Street erwachte immer erst bei Einbruch der Dunkelheit zu lärmendem Leben.

Doch Powell sah keine der meist um diese Zeit auf den Vorbauten ruhenden, zigarreschmauchenden Gestalten. Kein Lachen, Singen und Kichern drang aus Jenny’s Redlight House.

Big Jeffs Blick wanderte zu den beiden Sattelpferden vor dem Big Chance Saloon. Sie gehörten Mike Farleys Mördern. Es waren Fremde, angeblich Satteltramps, die wieder aus Wolf Creek verschwinden würden, wenn er – Big Jeff – wie Farley auf dem Boothill lag.

Ein hartes Lächeln verzog den Mund des Town Marshals. Der dümmste Saufbold von Wolf Creek wusste, dass Ryan Patterson die Halunken angeheuert hatte. Zum ersten Mal war es keine „Notwehr“ mehr. Nun warteten sie auf ihn.

Powell war ein großer, breitschultriger Mann mit eisgrauem Haar und verwittertem Gesicht. Der Fünfzack an seiner ärmellosen Lederweste glänzte. Ein langläufiger 45er steckte in der mit Lederschnüren am Oberschenkel befestigten Holster.

Der Karren mit Mike Farleys Sarg verschwand aus seinem Blickfeld. Die Pferde vor dem Big Chance schlugen mit den Schweifen nach Fliegen.

Eine Tür knarrte hinter dem Marshal.

„Die Burschen heißen Shears und Wallace. Slaughter und noch drei von Pattersons Revolverschwingern sitzen ebenfalls im Big Chance. Offensichtlich ’ne Falle, Marshal.“

Big Jeff wandte sich zu dem jungen, schwarzhaarigen Deputy um. Kein Muskel bewegte sich in seinem Gesicht. „Wir haben keine Wahl, Larry. Pflicht ist Pflicht.“

Er tat, als bemerkte er die Schweißperlen auf Larrys Stirn nicht, ging zum Gewehrrechen und nahm eine Schrotflinte heraus. Er klappte die Doppelläufe ab und lud sie.

„Wo bleiben Dan und Bob?“

„Sie haben heute früh das Tal verlassen, jeder mit fünfhundert Dollar in der Tasche.“ Larrys Stimme kratzte. „Frank Slaughter bot mir das Doppelte, wenn ich ihnen folge.“

„Siehst du, Amigo, die Kerle haben immer noch ’ne Menge Respekt vor uns beiden.“ Big Jeffs flüchtiges Grinsen war eine Grimasse. Seine grauen Augen blieben unberührt davon. „Well, du bleibst draußen und hältst mir den Rücken frei.“

 

*

 

Die Flügel der Schwingtür knarrten.

Jeff Powell hatte den Eindruck, dass der Saloon wie eine Bühne für seinen letzten Auftritt vorbereitet war.

Der Keeper spülte Gläser und überließ es den beiden Männern an der Bar, sich selbst die Drinks einzugießen. Sie standen mit dem Rücken zur Tür.

Big Jeff sah ihre verkniffenen Gesichter im Spiegel über dem Flaschenregal. Die Kerle hatten Mike Farley nach, einem kurzen, heftigen Streit am Pokertisch keine Chance gelassen. Sie trugen abgewetzte Reitertracht, breitkrempige Stetsons und tiefgeholsterte Colts. Zwei Gläser und eine Flasche standen vor ihnen.

Frank Slaughter saß mit einer Zigarette im Mundwinkel an einem Tisch rechts von Big Jeff. Der sehnige, dunkelhaarige Revolvermann mit dem frisch gebügelten Hemd und dem Sechsschüsser, dessen Kolben nach vorn ragte, war Pattersons Adjutant, Steuereintreiber und Saloonaufseher. Es war offenes Geheimnis, dass inzwischen auch Jenny’s Redlight House von Slaughter, dem „Lächler“, verwaltet wurde.

Zwei weitere Burschen aus Ryan Pattersons Revolvercrew lungerten am Fuß der Treppe. Einer stand an der Rückwand. Sobald der Town Marshal auf halbem Weg zur Theke war, hatten sie ihn in der Zange. Hinterher würde niemand feststellen können, wer den ersten Schuss abfeuerte.

Lässig hielt Big Jeff die Greener-Flinte in der Armbeuge. Der Kolben war unter die Achsel geklemmt. Die Doppelmündung wies auf den Fußboden.

„Wie wär’s mit ’nem Drink vor der Arbeit, Marshal?“, lud Slaughter ihn ein. „Ich bin zum Feiern aufgelegt.“

Shears und Wallace starrten in den Barspiegel. Ihre Schultern waren verkrampft. Die Kerle bei der Treppe grinsten. Der Mann an der Rückwand war ein regloser Schatten. Powell würde nicht sehen, wenn er zog.

„Keine schlechte Idee“, antwortete der Marshal.

Verblüfft beobachteten Farleys Mörder, wie er an Slaughters Tisch trat, die Flasche nahm, sie mit den Zähnen entkorkte und trank.

„Kein übler Tropfen.“

Big Jeff stellte die Flasche ab. Der „Lächler“ lehnte sich zurück. Das Grinsen verging ihm, als Big Jeff ihm die Greener vor die Brust hielt.

„Gehen wir.“

Dem Keeper rutschte das Glas aus der Hand. Es klirrte. Die Männer an der Theke drehten sich um. Die auf Slaughter gerichtete Schrotflinte hinderte sie jedoch am Ziehen.

Der Dunkelhaarige drückte die Zigarette aus. „Ich hab’ schon bessere Witze gehört.“

„Abschnallen, aufstehen, mitkommen!“

„Du bist besoffen, Powell!“

„Red’ keinen Blödsinn. Wenn du’s noch nicht kapiert hast, Slaughter: Ich verhafte dich!“

Von der Treppe kam ein Aufstampfen. Der Mann an der Rückwand fluchte. Das schmale, eigentlich recht gutgeschnittene Gesicht des „Lächlers“ erstarrte.

„Unter welcher Anklage?“

„Anstiftung zum Mord. Die Burschen, die die Tat begangen haben, hol’ ich mir später.“

„Du hast keine Beweise!“

„Das ist nicht dein Problem, Slaughter. Steh auf, und weg mit der Kanone! Ich brauch’ dir wohl nicht zu erklären, was von dir übrigbleibt, wenn ich abdrücke. Was auch geschieht, den Finger kann ich allemal noch krümmen.“

Frank Slaughter erhob sich zögernd. Den Blick starr auf Big Jeff gerichtet, öffnete er mit der Linken das Gurtschloss. Der Sechsschüsser polterte auf die Dielen.

„Du wirst dich dafür verfluchen!“

„Wenn’s nach dir und Patterson ginge, dürfte ich dafür schon keinen Atem mehr haben. Well, sag Shears und Wallace, sie können dich im Jail besuchen …“

„Verdammt, ich hab’ weder mit Shears oder Wallace noch mit Farleys Tod was zu tun.“

„Ich werde Zeugen finden, die das Gegenteil bestätigen.“

„Nicht in Wolf Creek …“

Draußen peitschte ein Schuss. Ein Schrei gellte. Es war eine Stimme in höchster Todesnot, die Stimme von Powells jungem Deputy.

Nochmals krachte es. Der Schrei erstarb.

Big Jeffs Ledergesicht war plötzlich aschfahl. Mit zwei Schritten umrundete er Slaughters Tisch. Sein Blick zuckte zum Fenster. Im selben Moment zogen die beiden „Satteltramps“.

„Nicht!“, brüllte Slaughter.

Da flogen schon die Eisen empor. Ein Dröhnen raste durch den Big Chance. Die Flaschen im Regal klirrten. Erschrocken duckte sich der Keeper hinter dem Spülbecken. Dann breitete sich Stille aus.

Blutüberströmt und mit zerfetzten Oberkörpern lagen Farleys Mörder auf den Dielenbrettern. Die Revolvermänner am Fuß der Treppe und der Mann an der Rückwand verharrten geduckt. Ihre Colts qualmten.

Big Jeff, der Slaughter blitzschnell als Schutzschild benutzte und mit der Greener an ihm vorbeizielte, trat einige Schritte zurück. Der Anführer der Revolverschwinger schaute sich um.

„Zum Teufel, was willst du noch, Marshal? Meine Männer haben dir eben das Leben gerettet.“

„Doch nicht mir!“ Die Greener wies auf Slaughters Rücken. Mit einer Kopfbewegung wies der Sternträger zur Tür. „Vorwärts! Du kannst im Käfig darüber nachdenken, ob du für Patterson baumeln willst.“

 

*

 

Slaughter krampfte die Hände um die Gitterstäbe. Die Sonne malte Goldkringel auf den Boden des Marshal’s Office. Die Stille in Wolf Creek hielt an. Wie gewaltige Gefängnismauern umschlossen die San Juan Mountains das Goldgräbertal.

„Du glaubst doch nicht im Ernst, Powell, dass du ’ne Jury zusammenbekommst, die mich verurteilt?“

„Nicht in Wolf Creek.“

Big Jeff vertauschte die Greener mit einem Repetiergewehr, füllte Patronen ins Röhrenmagazin und wandte sich dem von mehreren Schüssen zertrümmerten Fenster zu.

Ein Reiter galoppierte vorbei. Er kam aus Pattersons „Festung“, wie der klotzige Steinbau auf dem nördlichen Talrand allgemein genannt wurde. Seine Jacke flatterte. Der Stetson hing an der Windschnur auf dem Rücken.

Vor dem Big Chance sprang er ab. Er nahm sich nicht mal die Zeit, den Braunen festzubinden. Schon klappten die Türflügel hinter ihm. Wahrscheinlich überbrachte er den um das Marshal’s Office verteilten Revolverschwingern Pattersons Befehle.

„He, Marshal!“, schallte eine blecherne Stimme über die Main Street. „Gib Frank raus, sonst bleibt dir keine Chance. Farleys Mörder sind tot. Franks Verhaftung war ein Missverständnis.“

Big Jeff schob das Gewehr aus dem Fenster und drückte ab. Ein Fluch antwortete. Dann blitzte und krachte es an mehreren Ecken. Kugeln pochten in die Bretterfassade. Die restlichen Scheiben barsten.

„Passt auf, damit ihr mich nicht trefft!“, brüllte Slaughter. „Was hast du vor?“, lauerte er, als Big Jeff den Schlüsselbund vom Wandhaken nahm.

„Ich bring’ dich nach Pagosa Springs.“ Der Marshal schloss die Zelle auf. „Wir besorgen uns Pferde bei Old Harvey. In zwei Tagen sind wir da. Der Sheriff wird dich einbuchten. Vielleicht kommt Patterson zur Gerichtsverhandlung.“

Slaughter starrte ihn an. „Wie, zum Teufel, willst du aus der Stadt rauskommen? Larry ist tot. Dan und Bob sind abgehauen. Rechnest du damit, dass die Goldgräber dir helfen?“ Der Revolvermann lachte! „Die denken zuerst an die Nuggets, danach vielleicht noch an Jennys Girls und den Whisky, mit dem sie nach Feierabend den Staub aus ihren Kehlen spülen. Mann, Powell, die haben dich längst abgeschrieben.“

„Du vergisst, dass ich dich hab’.“ Big Jeff warf dem „Lächler“ ein Paar Handschellen zu. „Nimm erst die Rechte. Brauchst nur die Spangen zusammendrücken. Ich hab’ den Schlüssel.“

Die Stahlkette klirrte. Drohend hob Big Jeff das Gewehr.

„Ich kann auch nachhelfen, Slaughter. Gewöhne dich dran, dass ich jeden Befehl nur einmal gebe.“

„Wofür hältst du dich eigentlich? Für unbesiegbar? Weil die Zeitungen dich vor zehn Jahren als den Städtebändiger und Bandenschreck priesen? Zehn Jahre, Powell! Schaust du denn nie in den Spiegel? Dann müsstest du wissen, wie lange das her ist. Die Burschen, die dich damals feierten, würden dir jetzt nicht mal mehr ’ne Postkutsche anvertrauen. Wolf Creek liegt für die am Ende der Welt, wenn sie überhaupt wissen, dass es das Kaff gibt, ein Abstellgleis für ausrangierte Banditenjäger. Larry war der Letzte, dem du noch den Hartgesottenen Vorspielen konntest. Sogar die Doyle hat sich aus dem Staub gemacht …“

Das Funkeln in Big Jeffs Augen ließ Slaughter verstummen. Fluchend legte er sich die Stahlfessel an. Draußen blieb es ruhig. Die Sonne spiegelte sich in den Fenstern gegenüber. Der Marshal entriegelte die Tür und winkte dem noch in der Zelle Stehenden mit dem Gewehr.

„Bleib immer einen Schritt vor mir, sobald wir draußen sind. Beim Nugget Palace biegen wir zum Mietstall ab.“

„Du schaffst es nicht!“

„Das wäre Pech – für uns beide. Vorwärts!“ Big Jeff öffnete die Tür. Das metallische Schnappen mehrerer Gewehrschlösser drang über die Straße.

„Nicht schießen, Jungs!“, rief Slaughter. „Dieser Verrückte bildet sich ein, er kann mich nach Pagosa Springs schleppen. Das sind sechzig Meilen, Amigos. Ihr bekommt noch genug Möglichkeiten, mich rauszuhauen!“

Nichts rührte sich, bis Slaughter auf den Vorbau trat und der Marshal in der Tür hinter ihm auftauchte. Vier Gewehre spuckten Feuer und Blei. Eine Kugel ritzte Slaughter am Hals, eine zerfetzte seinen rechten Ärmel. Gleichzeitig verfehlte ein Schuss Big Jeff so knapp, dass er den Luftzug spürte.

„Zurück!“, schrie er.

Slaughter prallte gegen ihn, warf sich zu Boden und rollte durchs Office. Splitter wirbelten an Big Jeffs Gesicht vorbei. Ein Zufallstreffer prellte ihm das Gewehr aus den Fäusten. Er feuerte, neben der Tür kauernd, mit dem Revolver zurück. Aus den Augenwinkeln sah er, dass der Gefangene zu dem am Boden liegenden Gewehr lief.

Da sprang Powell auf. Sein Hieb mit dem Colt traf Slaughter an der Schulter. Schreiend stürzte der Revolvermann zu Boden. Jetzt waren es mehr als ein halbes Dutzend Karabiner, die das Office mit einem Bleihagel überschütteten. Es dröhnte, knirschte, splitterte. Big Jeff presste sich an die Wand.

„Aufhören!“, tobte Slaughter. „Wollt ihr mich umbringen?“ Keuchend kroch er zum Schreibtisch. Zerfetzte Steckbriefe flatterten zu Boden. Das Krachen setzte aus.

Die Blechstimme rief: „Tut mir leid, Frank, der Boss hat Anweisung gegeben, keine Rücksicht auf dich zu nehmen.“

„Das ist nicht …“ Slaughters Stimme versank im erneuten Donnern der Waffen. Das Tintenfass barst. Der Inhalt spritzte an die Wand. Big Jeffs Colt krachte, dann schlug er die Tür zu und schob den Riegel vor. „In die Zelle!“

Slaughter duckte sich.

„Sie werden uns beide zur Hölle schicken, wenn du nicht aufgibst.“

„Sie versuchen es.“ Big Jeff ersetzte die abgeschossenen Patronen. Seine Hände waren völlig ruhig. „Patterson ist ein noch größerer Lump, als ich dachte. Der Bursche da draußen wird wohl dein Nachfolger.“

„Nimm mir die verdammten Armbänder ab! Gib mir ’ne Waffe!“

„Ich würde einem besoffenen Apachen eher trauen als dir.“ Big Jeff bedrohte Slaughter mit dem Colt. „In die Zelle, hab’ ich gesagt.“ Die nächste Salve hämmerte. Querschläger jaulten durchs Office.

Zähneknirschend kroch Slaughter zur Gittertür.

 

*

 

Eine Stunde später gab’s keinen Quadratyard Wandfläche mehr, der nicht mit einem Kugelloch dekoriert war. Das Office glich einem Trümmerfeld. Scherben, Papierfetzen und leere Patronenhülsen bedeckten den Boden. Die von Schüssen durchsiebte Tür des Aktenschranks hing schief in den Angeln, Stühle waren umgekippt, die Deckenlampe pulverisiert. Es stank nach Petroleum und verbranntem Schießpulver.

Big Jeff lehnte zwar im toten Winkel zwischen Fenster und Tür, aber nur eine Handbreit neben ihm klaffte die Spur eines Querschlägers.

Slaughter lag auf dem Zellenboden. Die Gittertür war verschlossen, der Schlüsselbund hing an Powells Gürtel.

Pattersons Gewehrschützen hatten sich auf den Dächern ringsum verteilt. In Abständen von fünf Minuten nahmen sie Big Jeffs Bastion unter wütenden Beschuss. Das Krachen hallte bis in den entferntesten Winkel des Wolf Creek Valley. Kein Goldgräber ließ sich blicken.

„Spätestens nach Einbruch der Dunkelheit kriegen sie dich“, keuchte der „Lächler“. Messerscharfe Falten kerbten sich um die Mundwinkel des Marshals.

„Noch ist es nicht so weit. Wie der Kampf auch ausgeht – Patterson hat die Maske fallen lassen. Irgendwann wird der Sheriff von Pagosa Springs erfahren …“

„Dann liegst du fünf Fuß unter der Erde, und keiner von diesen verdammten goldgierigen Feiglingen im Tal wird’s wagen, auch nur mit dem Finger auf Patterson zu deuten. Powell, du …“

Wieder quoll Pulverrauch über die Dachränder. Klirrend streiften mehrere Geschosse die Zellenstäbe. Plötzlich brach das Schießen ab.

Hufschlag pochte.

Vorsichtig spähte Big Jeff hinaus. Er traute seinen Augen nicht. Fünf Reiter kamen hintereinander die Main Street herab, mitten auf der Fahrbahn, als ob das Krachen nicht eben noch meilenweit zu hören gewesen wäre.

Vornweg ritt ein schlanker, blonder Bursche in Cowboykluft. Die drei Pferde hinter ihm waren mit einem Lasso zusammengekoppelt, das Ende des Seils am Sattel des Blonden festgezurrt. Die Besitzer der Tiere waren gefesselt. Ein zusätzliches Lasso mit drei Halsschlingen verband sie miteinander. Der Hagere mit dem zerknitterten schwarzen Anzug war leicht als Berufsspieler zu erkennen. Die beiden anderen besaßen schrankbreite Schultern und Schlägerfäuste. Am Schluss der Kolonne ritt Tom Morris.

Unwillkürlich schob Big Jeff den Kopf noch ein Stück vor. Aber kein Einspänner mit einer schwarzhaarigen Frau tauchte am Ortseingang auf. Dafür krachte es gegenüber wieder. Die Kugel blieb im Fensterrahmen stecken.

Big Jeffs Ledergesicht verschwand. Zuvor erfasste sein Blick nochmals den jungen Blonden. Big Jeffs schmale Lippen formten einen Namen. „Sid!“

Weitere Gewehre peitschten. Blei hämmerte ins Office. Doch der Town Marshal von Wolf Creek starrte mit leerem Blick die Wand an.

Der Blonde ritt unbekümmert weiter. Seine Hände ruhten auf dem Sattelknauf. Eine Zigarette klebte im Mundwinkel. Vielleicht hätte er sonst vergnügt vor sich hingepfiffen.

Die Gefesselten saßen mit gezogenen Schultern in den Sätteln, die Augen krampfhaft geradeaus gerichtet. Nur Morris grinste zu den Dachrändern empor. Die Winchester lag quer über seinem Sattel. Zu Stirnband, Hirschlederanzug und Mokassins fehlte nur die Kriegsbemalung. Ohne das Tempo zu beschleunigen, ritten die Männer unter dem gegen das Office prasselnde Kugelhagel hindurch.

Ihr Ziel war Glenda Doyles Nugget Palace.

Big Jeff entdeckte Kopf und Schultern eines wild feuernden Karabinerschützen. Die Entfernung war für den Colt zu groß. Rasch hob der Marshal das Gewehr. Ein Schrei folgte dem dumpf krachenden Schuss.

„Verdammt, das bringt dich auch nicht weiter!“

Slaughter rüttelte an der Zellentür. Die Waffen schwiegen. Der Marshal lud das Gewehr durch, ehe er wieder einen Blick aus dem zerschossenen Fenster riskierte.

Die fünf Pferde standen mit leeren Sätteln vor dem Nugget Palace.

 

*

 

Tom Morris schlang das Lasso, an dem Leland und seine beiden Schläger hingen, um einen Stützpfosten. Ihre verbissenen Mienen und geballten Fäuste störten ihn nicht. Kühle Dämmerung füllte den Saloon.

Bronco-Sid schaute sich anerkennend um. Der Nugget Palace war alles andere als eine billige Schnapsbude. Die Mahagonitheke, geschmackvolle Tapeten, Messingleisten, Topfpalmen und Kristallleuchter an der getäfelten Decke atmeten gediegene Eleganz.

Weniger gut gefielen Sid die beiden finster blickenden Gestalten am Ecktisch. Er hätte gewettet, dass er ihre Gesichter schon irgendwo auf Steckbriefen gesehen hatte.

Der Keeper war ein grobschlächtiger Bursche mit Stirnglatze und Backenbart. Eine halbe Minute stand er nur da und gaffte.

Morris schlenderte zur Theke und legte die Winchester auf die Platte.

„Nett von dir, Malone, dass du dich während meiner Abwesenheit um den Laden gekümmert hast. Ich hoffe, die Kasse stimmt. Wir sehen uns die Abrechnung nachher an. Jetzt bin ich erst mal verdammt durstig. Gib mir die Flasche, die ganz rechts unten im Regal steht.“ Morris kniff ein Auge zu. „Meine Spezialmarke.“

Der Grobschlächtige rührte sich nicht. Seine Fäuste lagen wie Schmiedehämmer auf der Theke. Er blickte an Morris vorbei auf Sid, der die Spieltische inspizierte.

„Dein Boss, Tom, wird doch wohl nicht so närrisch gewesen sein, ’nen Revolvermann zu kaufen? “

Die Kerle am Ecktisch erhoben sich. Sie bewegten sich wie Raubkatzen, denen die Witterung jagdbarer Beute in die Nase stieg. Die Kolben ihrer tiefgeschnallten Revolver waren mit Kerben bedeckt.

Morris grinste. „Miss Glenda hatte keine Lust mehr, sich mit betrunkenen Diggern und schießwütigen Revolverhaien rumzuärgern. Sie hat den Nugget Palace verkauft.“

Malones Kinnlade klappte herab.

„Hä?“

„An ihn.“ Morris wies grinsend auf Sid, der stirnrunzelnd einen Riss in der Tapete entdeckte. „Schon mal was von Bronco-Sid gehört, Malone? Das ist jetzt mein Boss.“

Die Hände der beiden Revolverschwinger schwebten über den Waffen, als Sid sich lässig umdrehte. Er zog eine Uhr hervor und ließ den Sprungdeckel aufschnappen.

„Ihr habt fünf Minuten Zeit, die Koffer zu packen und zu verschwinden“, sagte er freundlich.

Malone und die Schießer starrten ihn an, als würde er sich vor ihren Augen in einen mexikanischen Kampfstier verwandeln. Leland und Company beobachteten die Szene stumm. Die Erwartung, dass Big Jeffs Sohn und der Schwarze diesmal den kürzeren zogen, malte sich auf ihren Gesichtern.

Sid rückte ein Bild gerade. Er schien völlig damit beschäftigt, seinen neuen Besitz in Augenschein zu nehmen. Malone tastete fahrig nach Flasche und Glas. Er kippte den Drink wie ein Verdurstender.

„Macht ’nen halben Dollar“, bemerkte Sid über die Schulter. „Du kannst kassieren, Tom.“

Das Gesicht des Keepers lief dunkel an. Er hieb die Faust auf die Theke.

„Der Saloon gehört Patterson, verdammt noch mal!“

„Nicht doch.“ Lächelnd kam Sid in die Mitte des Saloons. „Ich hab’ zehntausend Dollar dafür bezahlt. Hier ist der Kaufvertrag.“ Er legte das Papier auf den Tisch.

Leland, der „König der Spieler“, schob sich um den Stützpfosten herum. Er wollte offenbar wie Malone, der hinter der Theke hervorkam, einen Blick auf den Vertrag werfen. Das Lasso um seinen Hals spannte sich zwar, aber Sids 38er befand sich nun in Griffweite seiner zusammengebundenen Hände. Morris stützte die Ellbogen auf die Thekenleiste.

„Die Zeit läuft, Malone“, erinnerte Sid und faltete das Dokument zusammen. Der Keeper schnaufte: „Glenda Doyle hat Sie reingelegt! Das sieht ihr ähnlich!“

„Noch drei Minuten, Malone.“

„Mann, Sie scheinen nicht zu wissen …“

Ben Lelands trainierte, langfingrige Hände schnappten zu. Im selben Augenblick, als hätte er die Bewegung in einem Spiegel gesehen, fuhr Sid herum. Sein Fausthieb warf Leland gegen den Pfosten. Sid blieb in Bewegung, drehte sich wie ein Kreisel und brachte dabei den Revolver hoch.

Die zwei Patterson-Schießer hielten bereits die Waffen. Trotzdem kamen Bronco-Sids Schüsse ihnen zuvor. Die Feuerstöße verschmolzen zu einem Dröhnen. Sid, von Pulverqualm eingehüllt, wechselte sofort die Stellung. Aber keine Kugel war mehr nötig. Fluchend wälzten sich die Schießer am Boden.

Details

Seiten
110
Jahr
2020
ISBN (eBook)
9783738937367
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v520787
Schlagworte
nuggets wolf creek

Autor

Zurück

Titel: Die blutigen Nuggets von Wolf Creek