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Der Teufel im Display

2020 56 Seiten

Zusammenfassung

Der junge Mathéo, angehender Abiturient und hoffnungsloser Romantiker, hat endlich seine große Liebe gefunden, doch was niemand auch nur im Entferntesten ahnen kann, sein und das Leben aller, die in dem beschaulichen Örtchen Euphen wohnen, wird sich in den nächsten Stunden von Grund auf ändern, sollten sie zu denen „Glücklichen“ gehören, die diese Nacht überleben.
Etwas überaus Böses, alles Leben vernichtende scheint durch ein intensives Leuchten über die Displays sämtlicher Handys und Smartphones Besitz von jenen Menschen zu nehmen, die diesem Gerät ihre Aufmerksamkeit schenken. Einem Parasit gleich saugt es seinen Opfern erst den eigenen Willen und schließlich das Leben aus. Todesmutig begibt sich Mathéo auf die Suche nach Camille, seiner Herzdame, die ebenfalls Opfer dieses Phänomens wurde, wohl wissend, dass auch er sich über kurz oder lang der Sogwirkung seines Handys nicht wird entziehen können …

Leseprobe

Table of Contents

Der Teufel im Display

Klappentext:

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Der Teufel im Display

 

 

von Olivier Watroba

 

Horror-Novelle

 

 

 

IMPRESSUM

 

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© Roman by Author

© Cover: 123RF mit Steve Mayer, 2020

Lektorat/Korrektorat: Kerstin Peschel

© dieser Ausgabe 2020 by Alfred Bekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

 

 

 

Klappentext:

 

Der junge Mathéo, angehender Abiturient und hoffnungsloser Romantiker, hat endlich seine große Liebe gefunden, doch was niemand auch nur im Entferntesten ahnen kann, sein und das Leben aller, die in dem beschaulichen Örtchen Euphen wohnen, wird sich in den nächsten Stunden von Grund auf ändern, sollten sie zu denen „Glücklichen“ gehören, die diese Nacht überleben.

Etwas überaus Böses, alles Leben vernichtende scheint durch ein intensives Leuchten über die Displays sämtlicher Handys und Smartphones Besitz von jenen Menschen zu nehmen, die diesem Gerät ihre Aufmerksamkeit schenken. Einem Parasit gleich saugt es seinen Opfern erst den eigenen Willen und schließlich das Leben aus. Todesmutig begibt sich Mathéo auf die Suche nach Camille, seiner Herzdame, die ebenfalls Opfer dieses Phänomens wurde, wohl wissend, dass auch er sich über kurz oder lang der Sogwirkung seines Handys nicht wird entziehen können …

 

 

***

 

 

Diese Geschichte widme ich Peter Lustig, der schon damals wusste: „Einfach mal … abschalten!“

 

 

 

1

 

 

„SEITENstraße – Lesen hinterm Tresen schlägt auch in diesem Jahr wieder neue Kapitel auf. Am Samstag, dem 31. Oktober, pünktlich zu Halloween, startet ab fünfzehn Uhr die neue Ausgabe des beliebten ostbelgischen Literaturfestivals im Herzen der Eupener Innenstadt. Zum wiederholten Male laden vierzig Geschäfte und Einrichtungen dazu ein, in ihren Räumlichkeiten Literatur einmal anders als unter der heimischen Leselampe zu erleben. Der Eintritt ist frei.“

Mit diesen Worten präsentierte sich der Flyer des diesjährigen Literaturfestivals, den Mathéo am Vormittag in der Bäckerei seines Vertrauens am Marktplatz aufgeklaubt hatte. Er konnte es kaum erwarten, sich am späten Nachmittag unter die Leute zu mischen, jedoch weniger, um talentierten Vorleser(inne)n zu lauschen, wie sie Appetit auf den einen oder anderen literarischen Geheimtipp respektive Klassiker machten, sondern weil es sich um sein erstes Date handelte.

Camille, so der Name seiner Flamme, hatte er im Zuge des Theaterunterrichtes an der Pater-Damian-Sekundarschule-Eupen kennengelernt, den er bereits seit zwei Jahren absolvierte; in knapp einem halben Jahr würden er und seine Mitschüler aus dem Abiturjahr eine Adaption von Philip K. Dicks „Total Recall“ auf die Bühne bringen, und er spielte die Hauptrolle, nämlich Douglas Quaid, einen Bauarbeiter, der im Jahre 2084 ein befriedigendes, aber wenig ereignisreiches Leben mit seiner attraktiven Ehefrau Lori führt, bis er sowohl von einem anderen Leben auf dem Mars als auch einer brünetten Frau namens Melina träumt, mit der ihn ein besonders intimes Verhältnis zu verbinden scheint. Und eben diese Rolle verkörperte Camille.

Vor den eigentlichen Proben wollten die beiden Kursleiter, zwei sympathische, im Geiste jung gebliebene Pädagogen mit einem Faible für gute Literatur und Serien, ihren Schäfchen noch die Gelegenheit geben, sich in Form von kurzen Sketchen auf das in puncto Theater anstrengende Schuljahr einzuspielen, was ihnen im Falle von Mathéo und Camille zu ihrer freudigen Überraschung offenbar mehr als gelungen war.

Hätte ihm jemand gegen Ende der Sommerferien gesteckt, dass er im Verlauf des kommenden Schuljahres mit einem der attraktivsten Mädchen der Stadt „poussieren“ würde, hätte er den Betreffenden für verrückt erklärt, immerhin war Mathéo nicht eben das, was man sich unter einem Womanizer vorstellte; mit seiner braunen Kurzhaarfrisur, einem stoppeligen Dreitagebart und einem eher unauffälligen Kleidungsstil (geprägt von grauen Kapuzenpullis und Jeans) stach er optisch nicht aus der großen Masse hervor, und auch seine eher introvertierte Art brannte sich nicht in das kollektive weibliche Gedächtnis ein, ganz abgesehen von der Tatsache, dass er in puncto Smartphone der Zeit, wenn auch aus freien Stücken, hinterherhinkte. Auf seinem „Nokia Elfundneunzig Zehn“, wie er es liebevoll zu nennen pflegte, ließen sich jedenfalls keine Anwendungen wie WhatsApp et cetera herunterladen, was ihn automatisch zu einer Art Außenseiter machte, der zwar nicht gemobbt, aber eben auch nicht zu diversen angesagten Partys eingeladen wurde.

Doch auf der Bühne, da war Mathéo eine regelrechte Rampensau, die ob der Intensität ihrer Darstellung gleich welcher Figur dem Publikum den Atem raubte. Sobald er den Festsaal seiner Schule und die darin befindliche Bühne betrat, durchlief Mathéo eine Metamorphose und schlüpfte in die verschiedensten Rollen, als hätte er Method Acting studiert, jene Schauspielmethode, bei der man in seinen persönlichen Erinnerungen kramt, um bestimmte – mitunter extreme – Gefühle für die jeweilige Rolle abzurufen.

Camille hingegen sprühte schon im „realen“ Leben vor Charisma, war „Everybody’s Darling“, sowohl aus Mitschüler- als auch aus Lehrersicht; viele Jungs warben um ihre Gunst, denn mit ihren langen, brauen Haaren (die sie zu Mathéos Leidwesen leider öfter zu einem unscheinbaren Dutt zusammengebunden hatte), ihren verschmitzt dreinblickenden, mandelförmigen Augen und ihrer Figur zum Niederknien brachte sie die ohnehin schon im Aufruhr befindlichen Hormone ihrer männlichen Klassenkameraden gehörig durcheinander. Was sie jedoch von anderen oberflächlichen High-School-Püppchen unterschied, war die Tatsache, dass sie sich ihrer Schönheit nicht bewusst war, beziehungsweise sie nicht zu ihren Gunsten ausnutzte; allen Mitschüler(inne)n gegenüber verhielt sie sich offen und tolerant, und ihr herzliches Lachen vermochte auch dem krassesten Außenseiter den Tag zu versüßen. Daran vermochte auch die Zahnspange nichts ändern, welche Camilla seit einigen Monaten trug, im Gegenteil: Dieser vermeintliche Schönheitsmakel machte sie Mathéos Augen umso greifbarer und verführerischer.

Doch so sehr ihr die Männerwelt auch in Scharen hinterherlief und um ihre Gunst buhlte, sie hatte noch keinem den Vorzug gegeben – bis zu jener Theater-Doppelstunde gestern Nachmittag, in deren Verlauf es galt, in Partnerarbeit die Szene vor dem ersten Rendezvous zwischen „Romeo und Julia“ zu spielen (wobei sich jeweils Junge und Mädchen auf der Bühne in Form einer Parallelhandlung in Schale schmissen, bevor Romeo dann an Julias Tür klingelte).

Wie es der Zufall – oder das Schicksal – wollte, wurden Mathéo und Camille einander zugeteilt, was eine Darbietung auf höchstem (Schul-)Theaterniveau versprach, denn beide hatten sich im Laufe des Schuljahres als Naturtalente erwiesen. Und die Erwartungen des Publikums wurden um ein Vielfaches übertroffen: Als Romeo nämlich an Julias imaginäre Pforte klopfte, öffnete diese mit einem bezaubernden Lächeln die Tür, und bevor der jüngste Spross aus dem Hause Montague noch die Gelegenheit hatte, einen Stoffblumenstrauß aus der Requisitenkammer zu überreichen, umschlang die junge Miss Capulet ihren Freier und drückte ihm einen innigen Kuss auf die Lippen …

Was sich nach Schulschluss dann auf sämtlichen sozialen Netzwerken abspielte, hätte um ein Haar zu einer Netzüberlastung geführt. Die Zungen (beziehungsweise Finger) standen in Eupen und den umliegenden Dörfern nicht still, und alle zerrissen sich das Maul (respektive die Fingerkuppen) über das neue Traumpaar an der Pater-Damian-Sekundarschule-Eupen.

 

 

 

2

 

 

Als Mathéo an jenem bedeutungsschwangeren Freitagnachmittag von der Schule nach Hause kam und noch völlig verwirrt ob der Ereignisse im Theaterkurs war, summte plötzlich sein Handy vor sich hin (dessen Nummer eh nur einer Handvoll Leuten bekannt war); da er jedoch nicht – im Gegensatz zu fast all seinen Altersgenossen – der Meinung war, dass man ständig und überall erreichbar sein müsse, ließ er sein Handy Handy sein, schaufelte erst einmal eine Schüssel Cornflakes in sich hinein und ließ die vergangenen hundert Minuten im Festsaal seiner Schule (die übrigens ob ihrer eher liberalen Geisteshaltung, die auch kreatives Engagement seitens der Schülerschaft belohnte, den Spitznamen „Rock'n'Roll High School“ trug) Revue passieren …

Noch immer konnte er den Kuss auf seinen Lippen spüren, den er aus einem Reflex heraus auch erwidert hatte, zumindest glaubte (und hoffte) er das im Nachhinein. Dass Camille ein grausames Spielchen mit ihm spielte, konnte er sich beim besten Willen nicht vorstellen, dafür war sie einfach nicht der Typ. Schon seit geraumer Zeit hatte er ein Faible für jenes Mädchen, das ihn jeden Morgen mit einem herzlichen Lächeln begrüßte und sich nach seinem Befinden erkundigte, und er hatte nie den Eindruck gehabt, dass es sich dabei um eine leere Floskel handelte.

Nein, Camille machte einen durch und durch ehrlichen Eindruck, und somit beschloss er, sein Glück einfach nur zu genießen und sich auszumalen, wie sich das Ganze wohl weiterentwickeln würde … Gleich nach der Theaterstunde war sie zum nächsten Unterricht gehastet, denn bei Herrn Largefeuille hatte man Interesse, nicht zu spät zu erscheinen, wollte man sich keine lästige Strafe einhandeln, die gewöhnlich darin bestand, den Rest des Unterrichts auf der jeweiligen Schulbank stehend Notizen in Schönschrift zu nehmen. Und abgesehen von Theater belegten „Romeo“ und „Julia“ keinen gemeinsamen Kurs, sodass er sie wohl oder übel erst nach Schulschluss irgendwo abfangen würde, denn über ihre Telefonnummer verfügte er selbstredend nicht.

Erneut summte sein Handy. Diesmal klang es irgendwie … aggressiver als sonst; ja, Mathéo hatte den Eindruck, als grapsche es regelrecht nach ihm, als wolle es um jeden Preis seine Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Wie eiskaltes Händchen aus der „Adams Family“ krabbelte das alte Nokia mithilfe seines Vibrationsalarms in Richtung seines Besitzers und versuchte nahezu krampfhaft, seine Aufmerksamkeit zu erhaschen.

Doch da biss es bei diesem auf Granit: Mathéo hatte noch nie nachvollziehen können, worin die offensichtliche Faszination seiner Mitmenschen begründet lag, in jeder freien Minute auf ein bloß wenige Zoll großes Display zu starren. Warum die Realität durch einen künstlichen Filter erleben und auf den Sehsinn beschränkt sein? Dem Menschen standen doch so viele andere Wahrnehmungsmöglichkeiten zu Gebote! Allein schon der Duft von Camilles Haaren, der ihm im Moment des Kusses entgegengeströmt war, hatte ihn vor Glück schwindeln gemacht. Warum sich auf wenige Zoll beschränken, wenn eine ganze Welt darauf wartete, in all ihren Facetten entdeckt zu …?

BBBRRRR! BBBRRR! Mann, dieses Scheißteil lässt nicht locker!, dachte Mathéo, während er den Rest Milch aus seiner Schüssel schlürfte. Das Dumme an seinem Asbach-Uralt-Handy war, dass Kurznachrichten, welche eine gewisse Textlänge überschritten, bei ihm in Form von mehreren kleinen SMS ankamen; offenbar hatte ihm irgendjemand verhältnismäßig viel mitzuteilen, und jetzt, da er in aller Ruhe seinen Nachmittagssnack zu sich genommen hatte (ein Ritual, von dem er sich unter keinen Umständen abhalten ließ, und mochten sich die Hausaufgaben türmen), erbarmte er sich der armseligen elektronischen Kreatur auf dem Küchentisch und checkte den „Mitteilungseingang“:

„Nachdem wir uns erfolgreich auf unser erstes Rendezvous vorbereitet haben, schlage ich vor, dass wir dieses auch in die Tat umsetzen. Was hältst Du davon, morgen Abend gemeinsam die „SEITENstraße“ zu besuchen und uns von guten Geschichten bezirzen zu lassen? Solltest Du an meinen Absichten zweifeln, dann bedenke dies, mein süßer Romeo: ‚Kein Hindernis aus Stein hält Liebe auf, was Liebe kann, das wagt sie auch.‘ Sagen wir achtzehn Uhr vor der St. Nikolaus Kirche? Ich würde mich freuen! Deine ‚Julia‘ ;-) PS: Wirf Dich in Schale, immerhin ist Halloween!“

Immer und immer wieder las Mathéo sich diese Zeilen durch, bis er sich schließlich einen Ruck gab und Folgendes zurückschrieb:

„‚Nenn mich Geliebter: umgetauft werd’ ich dann sein und nie mehr Romeo heißen.‘ Ich zähle auch schon die Sekunden, Babe!“

 

 

 

3

 

 

Und so machte sich Mathéo, als liebesdurstiger Vampir verkleidet, an jenem düsteren letzten Oktoberabend auf den Weg zur Eupener Innenstadt und malte sich in Gedanken aus, welcher Verkleidung seine Herzensdame wohl den Vorzug gegeben hatte … Da er um ihren guten Geschmack wusste, war er sich nahezu sicher, dass sie nicht als nullachtfünfzehn-Hexe in Erscheinung treten würde; nein, eine Zombie-Nonne oder Schwarze Witwe waren da schon eher ihr Kaliber. Am Ende tippte er jedoch auf eine gewisse Harley Quinn, immerhin war Camille bereits mehrere Male mit ’nem schwarzen T-Shirt zum Theaterkurs erschienen, auf dem das ikonische Batman-Logo prangte, sodass man annehmen durfte, dass sie mit dem DC-Universum einigermaßen vertraut war.

Mathéo wohnte zwar in den Außenbezirken der Stadt, doch auch hier war bereits eine muntere Kinderschar unterwegs, um „Süßes oder Saures“ einzufordern, sodass er vorsorglich eine Handvoll Schokoriegel eingesteckt hatte, die er den kleinen Hexen und Teufeln gerne überließ, aber nicht, bevor er ihnen einen gehörigen Schrecken eingejagt hatte, als er hinter einem Busch hervorsprang und mordlüstern seine falschen Eckzähne fletschte; doch ehe eines der kreidebleich angelaufenen (in einigen Fällen geschminkten) Kinder auch nur auf die Idee kam, in Tränen auszubrechen, hatte Mathéo ihnen die besagten Schokoriegel in die Hände gedrückt und ihnen ein „Fröhliches Halloween!“ gewünscht.

Den Stadtrand hatte er nun hinter sich gelassen, aber auch die steile Hauptstraße namens Kaperberg hinunter zur Innenstadt wurde auf der rechten Seite von einer Wiese flankiert, der bleiche Nebelschwaden entstiegen, die in aller Seelenruhe über den angrenzenden Asphalt krochen, als wollten sie die Zivilisation daran erinnern, dass Mutter Natur aus einer Laune heraus alles, was die Menschheit je zum Guten oder zum Schlechten hervorgebracht hatte, von ihrem Antlitz tilgen konnte, wann immer sie es für richtig oder nötig erachtete.

Auf Mathéo, der noch ganz im Theatermodus war und sich, wenn schon nicht als frommer Christ, so doch als Pantheist bezeichnete (nachdem er im Deutschunterricht auf jene philosophische Strömung gestoßen war, als seine Lehrerin ihm und seiner Klasse den „Sturm und Drang“ näherbrachte), hatte es jedoch viel mehr den Anschein, als habe Gott in seiner Funktion als omnipräsenter Bühnenregisseur eine überdimensionale Nebelmaschine angeschmissen, um dem herbstlichen Bühnenbild das I–Tüpfelchen zu verpassen.

Am Fuße des Kaperberges angelangt, passierte er den Altbau der Pater-Damian-Sekundarschule, die im diffusen Licht der Straßenlaternen weitaus weniger einladend wirkte als noch vor einigen Stunden, als Mathéo selig lächelnd aus dem Eingangsbereich geschlendert war, dessen weiße Türflügel nun geschlossen waren und wie zwei riesige Schneidezähne anmuteten, die nur darauf warteten, einen ahnungslosenden Spaziergänger in Stücke zu zerreißen.

Entgegen seiner Gewohnheiten – wie bereits erwähnt, pflegte Mathéo mit offenen Augen und Ohren durchs Leben zu gehen – hatte der angehende Abiturient sein Handy gezückt, um sich zu vergewissern, dass Camille ihm nicht im letzten Moment eine Absage erteilt hatte. Zu seiner großen Erleichterung war dies zwar nicht der Fall, doch machte ihn etwas bei der Betrachtung seines zerkratzten Displays stutzig, und zwar die Tatsache, dass es mit einem Mal bläulich schimmerte, obschon er eigentlich Grün als Hintergrundfarbe gewählt hatte. Es war eine Art milchiges Blau, wie die Pupillen alter, demenzkranker Greise, die sich nicht einmal mehr an ihren eigenen Namen erinnern konnten und in ihren Urängsten gefangen waren … Etwas an der Hintergrundbeleuchtung ließ Mathéo schaudern, sodass er das „Nokia Elfundneunzig Zehn“ rasch wieder in die Tasche seines schwarzen Fracks gleiten ließ und zügig seinen Weg in Richtung Werthplatz fortsetzt.

Details

Seiten
56
Jahr
2020
ISBN (eBook)
9783738937336
Sprache
Deutsch
Erscheinungsdatum
2020 (Februar)
Schlagworte
teufel display

Autor

Zurück

Titel: Der Teufel im Display