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Liebe ist ansteckend

2020 73 Seiten

Leseprobe

Table of Contents

Liebe ist ansteckend

Copyright

Liebe ist ansteckend

Ein Mann gerät in Versuchung

Katja setzt sich durch

Schutzengel küsst man nicht

Verliebt in eine Stimme

Liebe ist ansteckend

Heiter-romantische Erzählungen von Wolf G. Rahn

 

Der Umfang dieses Buchs entspricht 73 Taschenbuchseiten.

 

- Eigentlich sollte Andrea für ihre erkrankte Freundin Caroline nur das Rendezvous mit Christian absagen. Aber dieser baggert sie sofort an. Andrea ist entrüstet. Niemals würde sie Caroline ihren Freund wegnehmen, auch wenn dieser noch so beunruhigend ist…

- Als sich Marlene in ihrem Urlaub in Rainer verliebt, ahnt sie nicht, dass er sie schon bald anlügen wird. Aber es ist keine andere Frau, sondern das Spielcasino, in dessen Bann er gerät.

- Nach 20-jähriger Ehe fühlt sich Katja von ihrer Familie nicht mehr gebraucht. Ihr Versuch, ins Berufsleben zurückzukehren, misslingt. Erst als sie den Mann wieder trifft, für den sie in ihrer Jugend geschwärmt hat, scheint ihr Leben eine neue Wendung zu nehmen…

- Nach einer Auseinandersetzung mit ihrem Freund gerät Gila in den Bergen in eine lebensgefährliche Situation. Zum Glück hat sie einen Schutzengel, aber gerade deshalb ist die Gefahr noch längst nicht vorüber…

- Von der weiblichen Stimme, die im Warenhaus die Sonderangebote anpreist, ist Norbert auf Anhieb fasziniert, zumal sich ihre Besitzerin Petra als eine Augenweide entpuppt. Aber irgendetwas stimmt offenbar nicht mit ihr, denn ihre Chefin hat genau die gleiche Stimme…

 

 

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books, Alfred Bekker, Alfred Bekker präsentiert, Casssiopeia-XXX-press, Alfredbooks, Uksak Sonder-Edition, Cassiopeiapress Extra Edition, Cassiopeiapress/AlfredBooks und BEKKERpublishing sind Imprints von

Alfred Bekker

© Roman by Author

© Cover: STEVE MAYER

© dieser Ausgabe 2020 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

Alle Rechte vorbehalten.

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Liebe ist ansteckend

„Und wie erkenne ich ihn?“, erkundigte sich Andrea Stegmann und kam ihrer Freundin nicht zu nahe, um sich nicht auch noch so eine ekelhafte Grippe einzuhandeln.

Caroline lächelte gequält und griff hastig zum Taschentuch. „Er ist überhaupt nicht zu übersehen“, krächzte sie. „Groß, blond, grünäugig. Mit Abstand der atemberaubendste Mann der ganzen Stadt.“

„Na, dich hat’s ja ordentlich erwischt“, gab Andrea amüsiert zurück. „Nicht nur mit der Grippe. Ich möchte wirklich wissen, was an einem Mann atemberaubend sein soll. Meistens ist doch alles nur heiße Luft.“

„Du darfst von deinem Siegfried nicht auf andere schließen“, verteidigte Caroline ihren Schwarm. „Im Übrigen bin ich froh, dass du zur Zeit ein gebranntes Kind bist. Christian ist nämlich ein Typ, der jede Frau um den Finger wickelt.“

Am Nachmittag kam Andrea pünktlich am Treffpunkt an, den Caroline ihr genannt hatte. Der große Blonde fiel ihr schon von weitem auf. Caroline hatte nicht übertrieben.

„Herr Leibig?“, fragte sie vorsichtshalber.

Der Mann schaute sie erstaunt an. „Bitte?“

Andrea erklärte, dass Caroline wegen ihrer starken Erkältung das Rendezvous platzen lassen müsse. „Sie hat Sie telefonisch nicht erreicht und deshalb mich als Unglücksboten geschickt.“

Christian Leibigs Erstaunen wich einem Lächeln, in dem Andrea vergeblich die Enttäuschung suchte. „So groß finde ich das Unglück gar nicht“, antwortete er heiter. „Natürlich wünsche ich ihr, dass sie bald wieder gesund wird.“

„Das richte ich ihr aus.“ Andrea drehte sich zum Gehen um, aber der Mann hielt sie zurück.

„Sollten wir nicht versuchen, das Beste aus diesem verkorksten Nachmittag zu machen, Fräulein…?“

„Stegmann. Andrea Stegmann.“ Sie runzelte die Stirn. Was mochte er meinen?

Christian Leibig verstand darunter, zunächst gemeinsam ein gemütliches Café zu besuchen und dann mit seinem Wagen irgendwohin raus zu fahren und einen schönen Waldspaziergang zu machen. „Abends könnten wir…“

„Hören Sie“, unterbrach ihn Andrea ungehalten. „Caroline ist meine beste Freundin. Sie sollten sich schämen, während ihrer Krankheit mit einer wildfremden Frau durch die Gegend zu fahren und nur an Ihr Vergnügen zu denken.“

„Wieso?“, wunderte sich Christian. „Gerade weil Sie befreundet sind, sollten Sie ein wenig auf mich aufpassen. Das ist bestimmt in Carolines Sinne.“

Nach kurzem Zögern willigte Andrea ein und nahm sich vor, bei dieser Gelegenheit zu prüfen, ob der Bursche es ehrlich mit Caroline meinte. Sie wollte der Freundin eine Enttäuschung, wie sie selbst sie gerade mit Siegfried hinter sich hatte, ersparen.

Schon bei Apfeltorte und Kaffee fand sie ihn ziemlich treulos. Christian erwähnte ihre kranke Freundin kaum und nahm sich dafür reichlich Zeit, Andreas ausdrucksvolle blaue Augen zu bewundern.

Bei der anschließenden Spritztour schob er eine CD mit romantischer Musik in den Recorder und entschied sich für einen idyllischen Weg am Seeufer als Ziel.

Dass es viele Ausflügler mit dieser Idee gab, ärgerte ihn sichtlich. Aber es hielt ihn nicht davon ab, Andrea mit Schmeicheleien zu überhäufen und sie nach ihren Plänen für den morgigen Sonntag zu fragen.

„Ich werde mich um Caroline kümmern“, antwortete sie kühl.

„Und wenn Sie sich anstecken, Andrea?“, fragte er erschrocken.

Das war Andreas geringste Sorge. Vielmehr fürchtete sie sich davor, einen weiteren Tag mit diesem Mann verbringen zu müssen, denn schon jetzt spürte sie, dass ihr sein unbekümmerter Charme trotz allem gefiel.

Aber das durfte nicht sein. Sie käme sich Caroline gegenüber schäbig vor.

Andererseits verlor die Freundin wohl nicht viel an einem Mann, der bei erster Gelegenheit, einer Anderen schöne Augen machte.

Schöne Augen besaß er tatsächlich. Aufregend grüne Augen, die mit ihren stummen Komplimenten schon immer ein Stück weiter waren als sein Mund.

Als er sie plötzlich küsste, versteifte sich Andrea zunächst. Sekunden später dachte sie jedoch an gar nichts mehr, sondern erwiderte nur noch seinen Kuss.

Herrjeh! Was tat sie denn? War sie von allen guten Geistern verlassen?

Andrea stieß den Mann zurück und sprang zur Seite.

„Was hast du denn?“, wollte er verdutzt wissen.

„Die Nase voll“, fauchte sie. „Von dir und deinesgleichen. Ich glaube, es ist besser, wenn Caroline nichts davon erfährt. Warum soll ich ihr unnötigen Schmerz zufügen. Sie kommt schon noch von selbst drauf, dass auf eine Grippe mehr Verlass ist als auf dich.“

„Was soll der Unsinn?“, entrüstete sich Christian. „Lass dir doch erklären.“

„Mir brauchst du nichts zu erklären. Überlege dir lieber, was du Caroline erzählst.“

Sie hetzte davon. Da sie einen schmalen Waldweg wählte, Christian zunächst aber zu seinem Wagen lief, gewann sie einen uneinholbaren Vorsprung. Ein Ehepaar nahm sie mit in die Stadt zurück.

 

*

 

„Wie findest du ihn?“, fragte Caroline sie am nächsten Tag gespannt. Ihre Stimme glich noch immer dem Geräusch einer quietschenden Tür.

„Ganz nett“, gab Andrea hastig zurück.

„Ganz nett?“, empörte sich die Freundin. „Christian ist der Supermann schlechthin.“ Ihre Augen glänzten. Arme Caroline! Sie hatte ja keine Ahnung, dass sie an einen Herzensbrecher geraten war. An einen treulosen Schürzenjäger.

Den Rest des Sonntags füllte Andrea mit allen möglichen nutzlosen Tätigkeiten aus. Sie ging sich selbst auf die Nerven und fühlte sich schlapp und lustlos. Hoffentlich hatte sie sich nicht angesteckt!

Gegen Abend läutete es an ihrer Wohnungstür. Es war Christian.

Andreas Miene verschloss sich. „Du?“

Er streckte ihr einen Wollschal entgegen, den sie noch gar nicht vermisst hatte. „Er lag hinter dem Beifahrersitz. Darf ich reinkommen?“

„Wozu?“, fragte Andrea abweisend.

„Ich finde, wir sollten miteinander reden.“

Es fiel Andrea unendlich schwer, diesem grünäugigen Blick zu widerstehen. Sie knautschte wütend den Schal zusammen und meinte ungnädig: „Kein Interesse.“ Dann schlug sie die Tür zu.

Eine halbe Stunde später klingelte das Telefon. Andrea zögerte, sagte sich aber, dass es schließlich auch Caroline sein konnte.

Sie war es nicht. „Bitte, Andrea, leg nicht gleich wieder auf. Du musst mich…“

Peng! Der Hörer flog zurück. Gar nichts musste sie. Vor allem wollte sie auch in Zukunft Caroline ohne Scham in die Augen blicken.

Sie besuchte die Freundin am Montag nach Büroschluss. Caroline hatte kein Fieber mehr, aber sie musste immer noch das Bett hüten.

„Christian hat sich noch kein einziges Mal gemeldet“, jammerte sie. „Ich habe gestern fest mit seinem Anruf gerechnet. Er weiß doch, wie mies ich mich fühle.“

„Vielleicht hat es ihn selbst erwischt“, sagte Andrea tröstend und wunderte sich, wie glatt ihr die Lüge über die Lippen ging. Ihr Zorn auf diesen Schuft wuchs beträchtlich. „Ruf ihn doch einfach mal an.“

„Habe ich ja schon ein paarmal versucht. Es meldet sich niemand. Könntest du nicht einmal nach ihm sehen? Ich mache mir Sorgen.“

Andrea schluckte. Nein, das war einfach zu viel verlangt, zumal sie Christians Krankheit kannte.

Ablehnen konnte sie aber auch schlecht, ohne Caroline die Wahrheit zu erzählen. Sie ließ sich die Adresse geben und nahm sich vor, später zu behaupten, sie habe ihn nicht angetroffen.

Christian versuchte noch einige Male, mit Andrea Kontakt aufzunehmen. Jedes Mal ließ sie ihn entrüstet abblitzen.

 

*

 

Caroline erholte sich von ihrer Grippe. Ansonsten war sie verzweifelt. „Ich bin sicher, dass Christian eine Andere hat“, klagte sie. „Für mich hat er keine Zeit mehr. Wenn ich nur wüsste, wer sie ist.“

„Was tätest du dann?“, fragte Andrea beklommen.

„Ihr die Augen auskratzen. Was denn sonst?“

Na eben! Was denn sonst!

„Gibt Christian es wenigstens zu?“, forschte sie.

„Wie soll er das?“, ereiferte sich die Freundin. „Seit meiner Grippe hat er sich nicht mehr gemeldet. Für eine Aussprache ist er offensichtlich zu feige.“

Andreas Entschluss stand fest. Sie konnte die Freundin nicht leiden sehen. Da musste etwas geschehen.

Was für ein Zufall! Zwei Tage später klingelte Andreas Telefon und Christian meldete sich wieder mal. Er hatte die Hoffnung immer noch nicht aufgegeben.

„Gut, treffen wir uns“, willigte Andrea ein. „Diesmal würde ich gern einen kleinen Ausflug unternehmen.“

„Aber immer“, freute sich Christian.

Damit er nicht frühzeitig die Wahrheit ahnte, dirigierte sie ihn über ein paar Umwege zu Carolines Wohnung.

„Wir sind am Ziel“, verkündete sie beinahe drohend.

„Aha!“, sagte Christian nur und stieg zögernd aus.

Hintereinander ächzten sie die Treppen empor. Ein einziges Mal wandte er sich nach ihr um und begann: „Ich glaube, es gibt da etwas zu klären.“

„Das glaube ich auch“, bestätigte Andrea dumpf und schob ihn weiter.

Caroline war überrascht. „Hallo, Andrea!“ Christian gönnte sie nur ein gepresstes „Hallo!“

Als sich die Tür hinter ihnen geschlossen hatte, stemmte Andrea die Fäuste gegen die Hüften. „So!“, erklärte sie finster. „Und jetzt vertragt ihr euch wieder. Ich warte draußen. Und wehe, ich sehe nachher noch betretene Gesichter.“

„Was soll das heißen?“, wollte Caroline wissen.

„Das wird dir Herr Leibig selbst erklären“, entgegnete Andrea steif.

„Leibig?“ Caroline musterte den Mann interessiert. „Sind Sie etwa ein Bruder von Christian?“

Andrea spürte, dass ihre Gesichtszüge außer Kontrolle gerieten. Als der Blonde auch noch zu grinsen begann, war es restlos um ihre Fassung geschehen.

„Ja, aber bist du denn nicht…?“

„Christian Leibig? Tut mir leid, aber ich heiße Lutz Köster. Ich wollte dir das schon mehrfach gestehen, aber du hast mich ja nie zu Worte kommen lassen. Warum auch? Du kannst mich nicht leiden. Das habe ich inzwischen begriffen.“

„Kann mir einer sagen, wovon hier eigentlich die Rede ist“, forderte Caroline ungeduldig.

„Ich habe ihn verwechselt“, gestand Andrea kleinlaut. „Und er hat mich glauben lassen, er sei dein Christian.“

„Nur am Anfang“, verteidigte sich Lutz Köster. „Ich fand es nämlich zauberhaft, dich durch dieses Missverständnis kennengelernt zu haben.“

„Aber dann hat Christian ja gar keine Ahnung, dass du bettlägerig warst“, rief Andrea.

„Und es hätte ihn auch nicht interessiert“, ergänzte Caroline düster. „Du hattest schon Recht. Die Männer sind alle miese Typen.“

„Nun ja“, meinte Andrea gedehnt und mied Lutz‘ Blick.

Sie spürte seine Hand unter ihrem Kinn. „Dann warst du nur so schroff zu mir, weil du deiner Freundin nicht weh tun wolltest?“

Andrea biss sich auf die Lippen. Was sollte sie darauf antworten? Dass sie seit Tagen keinen Schlaf mehr fand? Das könnte ihm so passen!

„Ich koche uns einen Kaffee“, schlug Caroline vor und zog sich hüstelnd in die Küche zurück.

Als sie Minuten später zurückkam und das Geschirr mit vernehmlichem Klappern auf den Tisch stellte, küssten sich Andrea und Lutz noch immer.

„Hmmh!“ Caroline räusperte sich laut, damit die beiden merkten, dass sie nicht mehr allein im Zimmer waren. Aber es dauerte immer noch ein paar Sekunden, bevor Andrea und Lutz leicht verlegen zu ihr aufsahen.

„Irgendwie kann ich das alles noch gar nicht fassen“, seufzte Andrea zu ihrer Freundin hinüber.

„Ich schon!“ Carolines Antwort klang traurig. „Du bist jetzt bis über beide Ohren verliebt, obwohl du eigentlich alle Männer zum Mond schießen wolltest. Und ich sitze allein hier. Wo ich mir doch so sehr einen Freund gewünscht hatte.“

Caroline betrachtete Andrea und Lutz ein bisschen voller Neid und murmelte: „So ein Pech habe ich immer. Was ich unbedingt will, klappt nie.“

„Na, na, das hört sich ja viel zu pessimistisch an“, mahnte Lutz freundschaftlich. Dabei klopfte er auf seine Brust. „Schau mich an! Ich bin der beste Gegenbeweis. Ich wollte Andrea unbedingt wiedersehen. Und es hat auch geklappt. Allerdings…“ Lutz machte eine kleine Pause… „erst als ich die Hoffnung schon aufgegeben hatte.“

Andrea wurde jetzt noch siedend heiß bei dem Gedanken an die niederschmetternden Abfuhren, die Lutz einstecken musste. Der Arme!

Er blinzelte ihr plötzlich auf eine Art zu, die so viel bedeute wie: „Mir ist da was eingefallen, aber das verrate ich dir erst später.“

 

*

 

Es vergingen ein paar Tage, bis Lutz tatsächlich auf sein Augenzwinkern zu sprechen kam. Denn erst mal dachte er nur an Andrea. Und sie nur an ihn. Glück! Glück! Glück! Wie bei der Gewinnsträhne eines Spielautomaten leuchtete es pausenlos in Andreas Kopf auf. Mit Lutz hatte sie das große Los gezogen. Schade, dass ihre Freundin Caroline dagegen so vom Pech verfolgt war.

Gerade da hakte Lutz nun ein. „Neulich bei unserem Kaffeetrinken fiel mir plötzlich mein Freund Rolf ein“, erzählte er. „Ich glaube, Caroline würde wunderbar zu ihm passen.“

„O nein!“, stöhnte Andrea. „Hör bloß auf, Schicksal zu spielen. Die Liebe lässt sich nicht erzwingen.“

„Soll sie ja auch nicht“, antwortete Lutz mit einem frechen Grinsen. Ich will die beiden ja nur mal ganz zwanglos zusammenbringen.“

Caroline schien immer noch missmutig zu sein, aber sie willigte ein. „Ich habe ja sowieso nichts vor.“

Rolf sah fabelhaft aus. Groß, brünett mit braunen Augen, die bei jedem Blick ein warmherziges Leuchten ausstrahlten. Jedenfalls, wenn sie Caroline ansahen. Es dauerte nämlich nicht lange, da fühlten sich Andrea und Lutz ziemlich überflüssig an dem gemeinsamen Tisch im Restaurant.

Nur einmal, als sie gerade das Dessert bestellten, beugte sich Caroline zu Andrea und fragte sie leise: „Wieso ist Rolf eigentlich solo? Er ist doch ein Frauen-Typ.“

„Weil er bislang immer an die Falsche geraten ist“, verriet Andrea heimlich schmunzelnd.

„Dann geht’s ihm ja genau wie mir“, murmelte Caroline selig.

„Ist mir dieser Coup nicht großartig gelungen“, prahlte Lutz kurz darauf auf der Straße. Mit einem zarten Fußtritt hatte Andrea signalisiert, dass die beiden sich auch allein gut amüsieren würden. „Jetzt brauchst du dir keine Sorgen mehr um deine Freundin zu machen. Du kannst dich nur noch um mich kümmern.“ Dabei drückte er einen frechen Kuss auf Andreas Nasenspitze. „Ach, was ich noch sagen wollte“, ergänzte er lächelnd. „Krankheitsvertretungen sind natürlich ab heute gestrichen.“

„Ja, Herr Doktor“, kicherte Andrea glücklich. „Darauf gebe ich mein Ehrenwort!“

 

 

 

Ein Mann gerät in Versuchung

Es war wie im Märchen. Ein Märchen allerdings, für das Marlene Küppers lange hatte sparen müssen. Als Verkäuferin in einer Boutique in Berlin konnte sie sich nicht jedes Jahr eine Traumreise leisten. Diesmal aber war sie an die Riviera gefahren und sie war entschlossen, die zwei Wochen in vollen Zügen zu genießen.

Marlene schloss die Augen und aalte sich in ihrem Liegestuhl am Strand. Sie musste die vielen Eindrücke verarbeiten. Das endlose Meer, die sich im sanften Wind wiegenden Palmen, die Flut heiterer Menschen und die vielen Farben, die der Herrgott in einer verschwenderischen Laune über Monte Carlo ausgegossen hatte.

Die Fünfundzwanzigjährige seufzte zufrieden. Es machte ihr nichts aus, dass sie sich nicht am mondänen Nachtleben beteiligen konnte. Das ließen ihre Finanzen nicht zu und sie fühlte sich in einem kleinen urwüchsigen Lokal, in dem auch die Einheimischen speisten, wohler als im Hotel de Paris.

Die Sonne streichelte ihre Haut, die sich bereits zu bräunen begann. Marlene war brünett. Mit Sonnenbränden hatte sie keine Probleme. Auch sonst ließ sie den Alltag mit all seinen kleinlichen Sorgen weit hinter sich. Sie wollte genießen und sich wohlfühlen.

Diese Absicht wurde im nächsten Augenblick in Frage gestellt. Marlene schrie auf und sprang in die Höhe. Etwas glitschig Kaltes auf ihrem Bauch nahm ihr fast die Luft. Sie rang nach Atem und riss die Augen weit auf.

Marlene Küppers besaß sanfte braune Augen, doch jetzt blitzten sie zornig. So eine Frechheit! Ihr einfach eine Eiskugel auf die heiße Haut zu klatschen!

Der blonde Mann vor ihr sah allerdings überhaupt nicht frech aus. Eher ein wenig hilflos und verwirrt, wie er betroffen zuerst die leere Waffentüte in seiner Hand und anschließend die klebrige Komposition aus Vanille und Erdbeere auf dem Nabel der hübschen Frau anstarrte.

„I beg your pardon“, stammelte er schließlich verlegen.

Marlene zog ihre Stirn in Falten. Hatte er vielleicht etwas Unverschämtes gesagt?

„Excusé, Mademoiselle!“

Marlene brachte ein gequältes Lächeln zustande. Sie griff mit der bloßen Hand nach dem Eisklumpen auf ihrem Bauch und stopfte ihn auf die leere Tüte.

„Guten Appetit!“, wünschte sie.

Ein erleichtertes Leuchten ging über das Gesicht des Mannes.

„Ach, Sie sprechen deutsch?“, sagte er. „Dann fällt es mir leichter, mich bei Ihnen für mein dummes Missgeschick zu entschuldigen. Ich bin gestolpert und da war es schon passiert.“ Er warf die unansehnlich gewordene Erfrischung in einen Abfallkorb und reichte Marlene ein Taschentuch, damit sie sich von den klebrigen Resten befreien konnte.

Details

Seiten
73
Jahr
2020
ISBN (eBook)
9783738937305
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v520516
Schlagworte
liebe

Autor

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Titel: Liebe ist ansteckend