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Tony Ballard #302: Die roten Teufel von Moskau

2020 100 Seiten

Zusammenfassung


Das erbeutete Buch des Schreckens gibt Tony Ballard und seinen Freunden schier unlösbare Rätsel auf. So sehr sie sich auch bemühen, sie können einfach nichts damit anfangen. Natürlich will die schwarze Macht das Höllenwerk wiederhaben. Ein mysteriöser Russe nimmt mit Tony Kontakt auf. Von ihm erfährt er, dass sich Jan van Vermeer, der schwarze Ritter, dem das Teufels-Werk bis vor Kurzem gehörte, nach Moskau abgesetzt hat und von seinem »Bruder« Alexej Dimitri Kamassow aufgenommen wurde. Kamassow ist ein untoter KGB-Agent, dem drei rote Teufel dienen. Zwischen dem Dämonenhasser und der griechischen Geisterjägerin Aristea Manakis entwickelt sich in Moskau eine tiefe Freundschaft. Ist nun bald kein Platz mehr für Vicky, Tonys Ex, in seinem Leben ...

Leseprobe

Table of Contents

DIE ROTEN TEUFEL VON MOSKAU

Copyright

Was bisher geschah:

1. Kapitel

2. Kapitel

3. Kapitel

4. Kapitel

5. Kapitel

DIE ROTEN TEUFEL VON MOSKAU

Tony Ballard Band 302

von A. F. Morland

 

Der Umfang dieses Buchs entspricht 106 Taschenbuchseiten.

 

Das erbeutete Buch des Schreckens gibt Tony Ballard und seinen Freunden schier unlösbare Rätsel auf. So sehr sie sich auch bemühen, sie können einfach nichts damit anfangen. Natürlich will die schwarze Macht das Höllenwerk wiederhaben. Ein mysteriöser Russe nimmt mit Tony Kontakt auf. Von ihm erfährt er, dass sich Jan van Vermeer, der schwarze Ritter, dem das Teufels-Werk bis vor Kurzem gehörte, nach Moskau abgesetzt hat und von seinem »Bruder« Alexej Dimitri Kamassow aufgenommen wurde. Kamassow ist ein untoter KGB-Agent, dem drei rote Teufel dienen. Zwischen dem Dämonenhasser und der griechischen Geisterjägerin Aristea Manakis entwickelt sich in Moskau eine tiefe Freundschaft. Ist nun bald kein Platz mehr für Vicky, Tonys Ex, in seinem Leben ...

 

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© by Author

© dieser Ausgabe 2016 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

 

"Edition A. F. Morland" ist ein Imprint von Alfred Bekker & Jörg Martin Munsonius.

Alle Rechte des Titelbild-Logos by Jörg Martin Munsonius/Edition Bärenklau

Illustrator: Michael Sagenhorn, 2016

 

 

Was bisher geschah:

Loxagon, der Sohn des Teufels und nach dessen Tod neuer Herrscher im Reich der Finsternis, erschafft Zeeneth, den Höllenrichter, der die größten Feinde der schwarzen Macht vorsorglich exekutieren soll. Doch das Vorhaben scheitert: Der Dämonenhasser Tony Ballard und seine Familie, die ganz oben auf Zeeneths Todesliste standen, überleben – mit Müh und Not allerdings nur, und die Sache ist damit auch längst noch nicht ausgestanden ...

Seinen Sohn musste Tony aus einem schwarzmagischen Schnellbrüter befreien, in den er gesteckt worden war, um unter der Einwirkung finsterer Kräfte binnen kürzester Zeit heranzuwachsen und zu einem Feind seines Vaters zu werden. Zwar geht auch dieser Plan der Hölle nicht vollends auf, aber Andrew Ballard ist nun nicht mehr der kleine Junge, der er bei seinem Verschwinden war, sondern ein junger Mann, der nur langsam wieder zu sich und ins Leben findet.

Der Riss, der durch diese Entwicklung in der Beziehung seiner Eltern entstand, ist nicht mehr zu kitten. Vicky Ballard ist das gefahrvolle Leben an der Seite ihres Dämonen jagenden Ehemannes nach Jahren endlich leid und lässt sich scheiden. Andrew, ihr gemeinsamer Sohn, ist durch magische Einwirkung binnen kurzer Zeit zum jungen Mann geworden und will nun in die Fußstapfen seines Vaters treten. Und Tony Ballard nimmt die Schicksalsschläge der jüngsten Zeit zum Anlass, um fortan noch gnadenloser gegen die Mächte der Finsternis und ihre Vasallen vorzugehen und seinem Beinamen »Dämonenhasser« mehr Ehre denn je zu machen. Zwar gelingt es dem Team um Tony Ballard, zu dem nun auch Ballards Sohn Andrew gehört, den Werwolf-Terror in London zu beenden und die von dem geisteskranken Genforscher Dr. Hub Larosse erschaffene Werwolf-Elite zu vernichten, doch der ehemalige Amateurboxer Robin Gly wird von einem der Monster gebissen und trägt nun das Wolfsgift in sich. Tonys Versuch, Robin mithilfe des Heilers Reliah von dem Keim zu befreien, schlägt fehl. Als es Mr. Silver schließlich unter großen Mühen gelingt, das Wolfsgift doch noch aus Robin Glys Körper zu vertreiben, holt die Hölle schon zum nächsten Schlag aus. Das Ziel ist Tonys Bruder Aidan Cox, und Tony gelingt es erst im letzten Augenblick, ihn vor den Höllenmächten zu bewahren. Zu Aidans Schutz bleiben Ymuddah und das zum Guten konvertierte Höllenwesen Limarron in Australien. Der Dämonenhasser und Mr. Silver kehren nach England zurück, müssen aber schon wenig später in Marokko gegen grausame Teufels-Ninjas antreten, die vor dem weißen Samurai von Tokio nach Tanger geflohen sind.

Kaum sind diese vernichtet, wartet schon der nächste Fall auf Tony Ballard: Der Architekt Graham Boosley – der das Hightech-Mausoleum gebaut hat, in dem sich die eingefrorene Leiche des Höllenrichters Zeeneth befindet – kauft für einen Spottpreis ein Schloss, das niemand haben will. Tucker Peckinpah wittert Schlimmes und bittet Tony Ballard, der Sache auf den Grund zu gehen. Der Dämonenhasser gerät dabei in eine Klemme, aus der ihn sein Sohn Andrew todesmutig herausboxt.

Um Loxagon, der den toten Zeeneth unbedingt in der Hölle haben will, zu täuschen, wird dessen Leichnam in einem Londoner Krematorium verbrannt, und Tony, Mr. Silver und Cruv begeben sich mit dem Kopf des Höllenrichters in die Prä-Welt Coor, um ihn von einem Magier klonen zu lassen. Sie lernen dort Menschen – Erdlinge genannt – kennen, die in Pfahlbauten leben und immer wieder von schwarzen Druiden überfallen und grausam dezimiert werden, und stehen ihnen in ihrem Kampf, der bisher stets aussichtslos war, erfolgreich bei.

Ihrem Ziel allerdings kommen sie damit nicht näher, denn Zeeneth lässt sich nicht so einfach klonen. Tony und seine Begleiter müssen zur Kenntnis nehmen, dass das Wochen, Monate, vielleicht sogar Jahre dauern kann. Sie sind gezwungen, den Kopf bei dem Magier zu lassen und ohne den neu geschaffenen Höllenrichter auf die Erde zurückzukehren, wo sie wenig später, auf La Palma, erfolgreich einem Feind gegenübertreten haben, der das idyllische Kanaren-Eiland in eine gefährliche Dämonen-Insel verwandeln wollte.

Und dann wird der exzentrische holländische Millionär Jan van Vermeer von Sir Aldous Wellington in England zum schwarzen Ritter geschlagen und nimmt aus dessen Händen das Buch des Schreckens entgegen, womit für Tony Ballard eine neue Ära im Kampf gegen die finsteren Mächte anbricht ...

 

 

1. Kapitel

Moskau …

Über den Roten Platz im Herzen der Stadt pfiff – von der Moskwa kommend – ein kalter Wind, und er hatte Unheil im Gefolge. Zwischen der Basilius-Kathedrale mit den bunten Zwiebeltürmen und dem Kreml bildeten sich trübe Schleierkreisel, die nichts Gutes verhießen.

Drei Gestalten materialisierten binnen weniger Augenblicke in den unheimlichen Nebelstrudeln. Schreckenswesen höllischen Ursprungs.

Grauen erregende Teufel, die gekommen waren, um menschliches Leben zu vernichten. Schlächter des Bösen, gegen die selbst der stärkste und mutigste Mann – konventionell bewaffnet – nichts auszurichten vermochte.

Mordgierige Monster der übelsten Sorte. Sie schälten sich aus den wirbelnden Dämpfen und boten einen Anblick, wie er entsetzlicher nicht sein konnte.

Fünf teerschwarze Hörner »zierten« ihre faltige Stirn. Ihre Schädel waren groß und stachelig wie der Rücken eines Riesenigels. In ihren Augen brannte das Feuer der Verdammnis. Ihre Körper waren dicht behaart.

Das Fell war rot wie Blut, und sie hatten keine Gesichter, sondern widerliche Fratzen mit Drachenmäulern, in denen kräftige spitze Fleischfresserzähne glänzten. Sie hießen Phayon, Andar und Comba.

Und sie hatten einen Herrn, dem sie dienten. Immer wenn er Hunger hatte, zogen sie los, um für ihn zu besorgen, wonach er gierte.

Es begann zu dämmern. Der Tag schwächelte schon erheblich. Bald würde er – wie alle vierundzwanzig Stunden wieder – den Kampf gegen die Dunkelheit verlieren und schließlich das Zeitliche segnen. Ein ewiger Kreislauf, den nichts und niemand durchbrechen konnte.

Unbeachtet liefen die zotteligen Wesen über den Roten Platz, der auf Russisch »Krasnaja Ploschtschad« heißt, was so viel wie schöner Platz bedeutet.

Comba blieb plötzlich stehen.

»Was ist?«, fragte Andar.

»Weiter!«, drängte Phayon.

»Dort drüben«, sagte Comba.

Er hob die Krallenhand und zeigte auf drei gut gekleidete Männer, die sich einem dunkelblauen Wagen näherten. Es war ein Siber.

Ein amerikanischer Straßenkreuzer in russischer Verpackung. Mit harten Federn und hoher Bodenfreiheit, um ihn vor den Tücken der sibirischen Landstraße zu schützen. Phayon schüttelte den stacheligen Schädel. Ihr Herr wollte weiches, zartes Frauenfleisch.

Nicht immer. Aber heute. Er hatte ausdrücklich danach verlangt. Deshalb kam keiner der drei Männer an diesem Abend als Opfer in Frage.

Sie stiegen in den Siber. Der Fahrer startete den Motor, schaltete die Scheinwerfer ein und fuhr los, und keiner von den dreien ahnte auch nur im Entferntesten, wie haarscharf sie soeben am Tod vorbeigeschrammt waren.

Die roten Teufel setzten ihren Weg fort. Sie erreichten wenig später ein festlich beleuchtetes Restaurant namens »Feuervogel«. Musik. Gesang. Stimmen. Lachen.

Alles drang sehr gedämpft auf die Straße. Hier waren die Unheimlichen richtig. Hier würden sie finden, worauf ihr Gebieter wartete.

 

Ich hatte einen höchst ungewöhnlichen »Gast« in meinem großen Penthouse – hoch über den Dächern von London. Einen äußerst gefährlichen Gast.

Er wohnte in jenem Zimmer, in dem vor einiger Zeit Zeeneth, der Höllenrichter, an den schweren Verletzungen, die ihm die Tigerfrau Agassmea zugefügt hatte, gestorben war.

Der – möglicherweise sogar todbringende – Gast war aber nicht Aristea Manakis, die griechische Geisterjägerin, die ich auf Bondelay, Sir Aldous Wellingtons riesigem Anwesen, kennen gelernt hatte, sondern ein Buch. Das Buch des Schreckens, das seinem Besitzer unvorstellbare Dinge ermöglichte. Vorausgesetzt er stand auf der richtigen – der schwarzen – Seite. Für einen Feind der Hölle – also für jemanden wie mich zum Beispiel – war das Buch, so hieß es, wertlos.

Geschrieben hatte man es mit dem Blut vernichteter Dämonen. Es beinhaltete furchtbare Todesflüche, verheerende Beschwörungsformeln, dämonische Zeremonienanleitungen, Vorgaben für schwarze Rituale – und außerdem die Namen all derer, die es schon besessen hatten und dadurch in den Genuss gekommen waren, nicht nur auf Erden, sondern auch im Reich der Verdammnis Achtung, Einfluss und Macht zu erlangen. Diese tickende Höllenbombe hatte ich in meinen Besitz gebracht. Boram, der Nessel-Vampir, und Aristea Manakis, eine der mutigsten Frauen, denen ich jemals begegnet bin, hatten mir dabei geholfen. Ohne sie hätte ich es vermutlich nicht geschafft.

Das Buch des Schreckens »wohnte« jetzt also bei mir, und ich war fest entschlossen, ihm seine ebenso streng gehüteten wie gefährlichen Geheimnisse zu entreißen. Noch war es mir nicht gelungen.

Auch Roxane, die Hexe aus dem Jenseits, und der Ex-Dämon Mr. Silver – meine Freunde und Nachbarn – hatten sich bisher daran die Zähne ausgebissen.

Doch so schnell warfen wir die Flinte nicht ins Korn. Es musste eine Möglichkeit geben, den schwarzen Code zu knacken, der Unbefugte davon abhielt, dem Teufelswerk mit weißer Magie oder Ähnlichem zuzusetzen.

Ich lag allein in meinem Bett, fand keinen Schlaf. Zu viele Gedanken beschäftigten mich. Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft fanden sich zu einem wilden Reigen und wurden allmählich zu einem unentwirrbaren Knäuel.

Ich dachte an meine Ex-Frau Vicky, die noch immer in New York lebte und sich allem Anschein nach nicht entschließen konnte, wenn schon nicht zu mir, so doch wenigstens nach London zurückzukehren. Je länger sie drüben war, desto mehr verdichtete sich mein Verdacht, dass ihr im Big Apple das große Glück begegnet war. Einen Beweis hatte ich dafür allerdings nicht. Es war nur eine – unangenehme – Vermutung.

Was würde sie sagen, wenn ich völlig unverhofft bei ihr aufkreuzen würde?, fragte ich mich. Würde sie aus allen Wolken fallen? Würde sie mir deshalb böse sein? Soll ich ihr das wirklich antun? Und mir? Jesus Christus, wie belämmert würde ich dreinschauen, wenn ich bei ihr klingle und ihr neuer Lebensmensch die Tür aufmacht. Ich würde vor Verlegenheit … Was war das eben gewesen? Schlich jemand an meiner Tür vorbei? Ich setzte mich auf und lauschte argwöhnisch. Da! Ein leises Knacken. Ich warf die Decke zur Seite, schwang die Beine über den Bettrand und stand auf.

 

Thandie Powers feierte im »Feuervogel« mit ihren Freunden ihren neunundzwanzigsten Geburtstag. Sie war freie Auslandskorrespondentin und schrieb für mehrere namhafte britische Blätter.

Ihre Berichte waren stets sorgfältig recherchiert, basierten niemals auf persönlichen Mutmaßungen, intuitiven Spekulationen oder vagen Gerüchten, und deshalb war sie auch seit Jahren bestens im Geschäft.

Sie hatte eine kurze Affäre mit einem russischen Oligarchen gehabt, diese aber beendet, als sie herausfand, dass der superreiche Macho sich neben ihr einen ganzen Harem von Geliebten hielt.

Eine von vielen wollte sie nicht sein. Dafür war sie sich zu schade. Deshalb hatte sie sich von ihrem umtriebigen Lover getrennt und war nun wieder »im Angebot«.

Thandie hatte sehr langes, dichtes blondes Haar, das in weichen Wellen auf ihre wohlgerundeten Schultern fiel, und eine Traumfigur mit vollen festen Brüsten, schmaler Taille, ungemein femininen Hüften und schier endlos langen, makellosen Beinen. Sie war heiß wie flüssiger Stahl, liebte das Leben, ihre zahlreichen Freunde und ihren kleinen Rauhaardackel Major, der so süß Männchen machen konnte, wenn er sich etwas erbetteln wollte. Sie war sehr oft im »Feuervogel«.

Es war ihr Stammlokal. Und zugleich die Heimat einer britischen Enklave, der zahlreiche Journalisten, Maler, Schriftsteller, Bildhauer und dergleichen mehr angehörten. Ein Stückchen Vaterland mitten in Moskau. Thandie Powers fühlte sich nirgendwo in Russland wohler.

Während sie an diesem Abend – dem letzten in ihrem jungen Leben – übermütig feierte, leidenschaftlich tanzte und hemmungslos flirtete, bezog das Unheil draußen lautlos Posten.

Kim Crane trat zu Thandie und hakte sich bei ihr unter. »Komm mit.«

Kim war Malerin. Sie porträtierte ausschließlich blutjunge flachbrüstige nackte Mädchen. Dafür war sie bekannt. In dieser Nische war sie verhältnismäßig allein, und ihre Bilder verkauften sich sehr gut.

Thandie sah die dunkelhaarige Künstlerin, die in Brighton bei Adoptiveltern (ihre leiblichen Eltern waren bei einem Autounfall ums Leben gekommen) aufgewachsen war, fragend an. »Wohin?«

»Wir gehen kurz für kleine Mädchen«, sagte Kim Crane.

»Ich muss nicht.«

»Doch, du musst«, sagte Kim streng. »Nun komm schon. Ich muss mit dir reden.«

»Warum auf dem Damenklo?«, fragte Thandie Powers verwundert. »Warum nicht hier?«

Kim antwortete nicht. Sie zog Thandie einfach mit sich. Im Waschraum der im Augenblick leeren Damentoilette las sie der Freundin dann heißblütig die Leviten.

»Hör zu, Thandie, du weißt, dass ich dich sehr gut leiden kann.« Kims dunkle Augen funkelten. »Ich liebe dich wie eine Schwester.« Sie erhob ihre Stimme. »Aber wenn du weiter so ungeniert mit Jeff Spencer kokettierest, sind wir geschiedene Leute.«

Thandie Powers war sich keiner Schuld bewusst. Sie legte die schmale Hand auf ihren Busen, trug eine Bluse aus hauchdünner bordeauxroter Seide und darunter einen braunen Spitzen-BH. »Ich kokettiere doch nicht mit Jeff.« Sie strich ihren braunen Minirock über den Hüften glatt.

»Du verdrehst ihm schon den ganzen Abend den Kopf«, sagte Kim missbilligend.

Thandie rollte die Augen. »Meine Güte. Ich bin doch nur ein bisschen nett zu ihm.«

»Hör auf damit!«, verlangte Kim energisch. »Such dir ein anderes Opfer. Halte dich an Barry Hesterman. Der ist schon die ganze Zeit hinter dir her.«

Thandie staunte. »Barry? Ist mir noch gar nicht aufgefallen.«

»Weil du fast ausschließlich mit Jeff rumhängst«, sagte Kim vorwurfsvoll.

»Entschuldige, Kim«, lenkte Thandie ein. »Ich hatte keine Ahnung, dass du Jeff im Visier hast. Du hast mir nichts davon gesagt. Woher soll ich denn wissen, dass du …«

»Jeff Spencer ist ab sofort tabu für dich«, fiel Kim ihr ins Wort. »Klar?«

»Ja.« Thandie nickte. »Ja, natürlich.« Sie lächelte. »Ich möchte schließlich nicht wegen Jeff meine beste Freundin verlieren.« Sie umarmte Kim. »Ist jetzt wieder alles im Lot?«, erkundigte sie sich.

»Ja, das ist es«, bestätigte Kim.

»Das freut mich«, sagte Thandie. Es klang erleichtert.

Sie verließen zusammen den Waschraum.

Thandie seufzte. »Nächstes Jahr bin ich dreißig.«

Kim lachte. »Ein biblisches Alter.«

Thandie wiegte den Kopf. »Du sagst es.«

»Ich bin nächstes Jahr zweiunddreißig«, sagte Kim.

»Ach ja, richtig. Das sieht man dir nicht an.«

Kim schmunzelte. »Weil ich, seit ich die Dreißigerhürde genommen habe, rückwärts altere.«

»Sehr gute Idee. Das werde ich auch tun.« Thandie blieb stehen. »Geh voraus. Ich möchte frische Luft schnappen. Bin gleich zurück. Krall dir inzwischen Jeff und lass ihn für den Rest des Abends nicht mehr los.«

Sie trennten sich. Während Kim zur Clique zurückkehrte, schlug Thandie die entgegengesetzte Richtung ein. Damit war ihr Schicksal besiegelt.

 

Ich trug einen Pyjama aus marineblauer Seide. Der Stoff raschelte und knisterte leise, als ich durch die im Moment noch undurchdringliche Dunkelheit schlich.

Meine Augen mussten sich erst an die mageren Lichtverhältnisse gewöhnen. Meine Füße waren nackt. Ich spürte den glatten, kühlen Parkettboden unter meinen Fußsohlen, erreichte die Tür und lauschte angestrengt.

Außer dem monotonen Ticken einer Uhr war nichts zu hören. Ich ließ die Sache dennoch nicht auf sich beruhen, legte die Hand auf den Türknauf und drehte ihn.

Das Geräusch, das dabei entstand, war so leise, dass bestimmt nur ich es hörte. Sonst niemand. Ich öffnete die Tür sehr behutsam und glitt hinaus.

Also doch!, durchzuckte es mich im nächsten Moment. Man hätte meinen können, in meinem Penthouse würde es spuken. Ich sah in der Finsternis ein weißes Wesen.

Hatte sich ein Geist bei mir Einlass verschafft? Weshalb? Was wollte er hier? Warum war er nicht in mein Zimmer gekommen? Warum schlich er dorthin, wo ich das Buch des Schreckens einquartiert hatte?

Wollte das Gespenst das Höllenwerk stehlen? Hinter meinem Rücken? Während ich schlief? War die Erscheinung gefährlich? Würde sie Reißaus nehmen, wenn sie mich bemerkte? Würde sie sich stellen und mich angreifen?

Ich war unbewaffnet – bis auf meinen magischen Ring. Der muss reichen, sagte ich mir und folgte dem blassen Schemen.

 

Die roten Teufel lagen auf der Lauer. Sie beobachteten Thandie Powers und Kim Crane durch ein schmales Fenster, ohne dass diese es bemerkten.

Als Thandie sich umdrehte und auf die Tür zuging, die in den unbeleuchteten Hinterhof führte, zogen sich die Unheimlichen zurück.

Sie brauchten sich nicht viel Mühe zu geben. Inzwischen war es so dunkel geworden, dass man ringsherum kaum noch etwas erkennen konnte.

»Die ist genau richtig«, flüsterte Phayon. »Bestes Fleisch für unseren Herrn.«

Comba kratzte mit den Krallen über die Wand, an der er lehnte. »Die würde ich selbst gerne fressen.« Das Feuer in seinen Augen leuchtete gleich viel heller.

»Vielleicht kriegst du was von ihr ab, wenn unser Gebieter satt ist«, sagte Andar.

»Damit würde ich an deiner Stelle nicht rechnen«, murmelte Phayon. »Von diesem blonden Leckerbissen lässt Alexej Dimitri Kamassow bestimmt nichts übrig.«

Dieser Meinung war auch Comba.

Er zuckte wie unter einem Peitschenschlag zusammen, als die Tür schwungvoll geöffnet wurde, und konnte nicht verhindern, dass sich seiner Kehle ein leises Knurren entrang.

Er hoffte, dass er sich damit nicht verraten hatte. Licht fiel in den dunklen Hof. Die schlanke Blondine stand im hellen Rahmen.

Ihr langer Schatten lag reglos auf dem Boden. Wie ein schwarzer Scherenschnitt sah er aus. Zu diesem Zeitpunkt befanden sich nur noch wenige Sandkörnchen in Thandie Powers' Lebensuhr.

 

Einen winzigen Moment dachte ich an Roxane und Mr. Silver. Sollte ich sie herüberholen? War das wirklich nötig? Man darf Gespenster zwar nicht unterschätzen, weil man nie weiß, mit welchem satanischen »Repertoire« sie ausgestattet sind, aber ich ging davon aus, dass ich diesem Gegner mit meinem magischen Ring gewachsen sein würde.

Der Spuk blieb stehen. Mir fiel auf, dass unter der Tür ein fahler Lichtstreifen lag. Verdammt, was soll das?, ging es mir durch den Sinn. Wer hat dort drinnen Licht gemacht? Das Buch? Blödsinn. Aber wer sonst?

Ich ballte meine rechte Hand zur Faust. Meine Augen wurden zu schmalen Schlitzen. Ich spürte, wie mein Puls schneller tickte, während ich mich der weißen Gestalt näherte.

Sie bemerkte mich nicht. Als ich auf Armlänge an sie herangekommen war, hob ich die linke Hand. Ich wollte sie packen, herumreißen und zuschlagen.

Doch dann …

Schlagartig wurde mir klar, dass ich es mit keinem Geist zu tun hatte, sondern mit einem Wesen aus Fleisch und Blut. Mit einem Menschen. Mit einer Frau. Mit meiner Kollegin Aristea Manakis. Sie stand im weißen, wallenden, knöchellangen Nachthemd vor mir, schien geistig völlig weggetreten zu sein.

Ich sprach sie an. Sie reagierte nicht. Sie drehte sich nicht einmal um. Auch dann nicht, als ich ihr meine Hand behutsam auf die Schulter legte.

»Aristea«, sagte ich noch einmal.

Daraufhin drehte sie sich langsam um. An ihren glasigen Augen erkannte ich sofort, dass ich eine Schlafwandlerin vor mir hatte. Obwohl sie nicht richtig da war, konnte ich doch mit ihr reden.

»Was tust du hier?«, fragte ich.

»Ich muss etwas erledigen«, antwortete sie schleppend.

»Was?«

»Etwas sehr Wichtiges.«

»Was?«, wiederholte ich.

Sie antwortete nicht, drehte sich um und wollte das Zimmer betreten, in dem das Buch lag. Ich krallte die Finger in ihr Nachthemd und zog sie zurück.

Sie wollte sich von mir nicht daran hindern lassen, in den Raum zu gehen, versuchte wiederholt von mir loszukommen. Doch ich zog sie immer wieder zurück.

Dabei verabschiedeten sich an der Vorderseite des dünnen Hemdchens zwei, drei Knöpfe. Sie tickten auf den Boden und hüpften davon.

Da Aristea nicht von ihrem Vorhaben abzubringen war und sich nicht wecken ließ, hegte ich den Verdacht, dass das Buch des Schreckens auf irgendeine übernatürliche Weise mit ihrem Somnambulismus zu tun hatte, und ich beschloss, meinen Ring einzusetzen.

Ich strich ihr mit dem schwarzen Stein, der zu einem Drudenfuß geschliffen war, über ihre Stirn, und mir war, als könnte ich hauchdünne, milchweiße Fäden sehen, die von ihrem Kopf abfielen.

Sekunden später sah sie mich mit klaren Augen an und sagte verwundert: »Tony … Was …«

Ich deutete mit dem Kopf auf die Tür. »Du wolltest dieses Zimmer betreten.«

»Ich? Das kann nicht sein.«

»Das Buch des Schrecken muss dich irgendwie zu sich gelockt haben.«

»Ich habe nichts bemerkt.«

»Das zeigt, wie heimtückisch dieser Dämonen-Wälzer ist.«

Die Griechin richtete ihren Blick auf die Tür. »Was hätte ich dort drinnen tun sollen?«

»Keine Ahnung. Vielleicht wollte sich das Buch von dir fortschaffen lassen.«

Aristea war entsetzt. »Ich muss mich besser schützen. Ich werde ab sofort auch nachts mein Dämonen bannendes Silberamulett tragen.«

Eigentlich hatte ich geglaubt, die Geisterjägerin würde meine Gastfreundschaft nach meiner Rückkehr aus Holland nur ein paar Tage in Anspruch nehmen. Doch sie war immer noch da, und das war mir sehr angenehm. Wir waren in den letzten Tagen und Wochen gute Freunde geworden. Ich achtete die herbe Schönheit als Frau und schätzte ihren außergewöhnlichen Mut. Und ich hätte absolut nichts dagegen gehabt, wenn sie noch sehr viel länger bei mir geblieben wäre.

Sie bedauerte diesen nächtlichen Zwischenfall und bat mich um Entschuldigung.

Ich schüttelte den Kopf. »Es gibt nichts zu entschuldigen, Aristea. Du hast nichts getan, wofür du verantwortlich zu machen wärst.«

Sie schenkte mir ein kleines Lächeln (das mit den hübschen Grübchen in den Wangen) und kehrte in ihr Zimmer zurück. Mir fiel auf, dass der schmale Lichtstreifen unter der Tür verschwunden war.

Wer hatte dort drinnen das Licht gelöscht? Das Buch? Konnte es so etwas? Ich trat näher an die Tür heran und öffnete sie – und ich fühlte mich von der Stille und der Dunkelheit des Raumes so sehr verhöhnt, wie ich es noch nie erlebt hatte. Das verfluchte Buch schien sich über mich lustig zu machen. Ich hätte es am liebsten gepackt und zum Fenster hinausgeworfen. Aber damit hätte ich ihm einen Gefallen getan und das wollte ich nicht. Also beherrschte ich mich.

 

»Hat einer von euch Thandie gesehen?«, fragte Barry Hesterman.

Der attraktive Mittdreißiger war Schriftsteller, schrieb zeitkritische Romane und übersetzte Bücher aus dem anglo-amerikanischen Raum ins Russische.

»Eben hat sie noch mit Jeff getanzt«, sagte Denzel Hogan.

»Frag mal Kim«, empfahl ihm Britta Hendrix, eine dralle Dokumentarfilmerin, deren Männerverschleiß enorm war, wie jeder wusste. »Die beiden sind zusammen auf die Toilette gegangen.«

Hesterman griente. »Warum müsst ihr Mädchen immer gemeinsam aufs Klo gehen?«, fragte er verständnislos.

Der Karikaturist Terence Cox kicherte. Er war schon ziemlich angeheitert, hatte dem Wodka wie ein Russe zugesprochen, ohne ein Russe zu sein, und nun waren seine Augen glasig und seine Zunge schwer.

»Die ziehen da draußen über uns Kerle her und legen hinterhältige Strategien fest«, sagte er. »Ist doch klar.«

Das zehnköpfige Balalaika-Orchester begann nach einer kurzen Pause wieder zu spielen. Wehmütige russische Weisen. Britta Hendrix hängte sich sinnlich lächelnd an Barry Hestermans Hals und drückte ihren Schoß gegen seinen Schenkel.

»Hast du Lust, Barry-Boy?«, fragte sie – ebenfalls nicht mehr ganz nüchtern. »Mit mir zu tanzen, meine ich.«

»Später gern«, antwortete Hesterman. Er befreite sich von ihren Armen und hängte sie um Terence Cox' Hals.

Sie hatte nichts dagegen. Sie sagte nur zu Cox: »Ich hoffe, du bringst es noch einigermaßen, mein Freund. Und latsch mir ja nicht auf die Hühneraugen, verstanden?« Dann quetschte sie ihren voluminösen Busen an seiner Brust platt und ließ sich von ihm führen.

Hesterman blickte sich suchend um. Er entdeckte Kim Crane. Sie tanzte so eng mit Jeff Spencer, als wollte sie, dass er sich in ihr auflöste.

Hesterman ging zu den beiden. Er räusperte sich. »Entschuldigung. Darf ich kurz stören?«

Kim und Jeff hielten inne und sahen ihn an.

»Was gibt's, Kumpel?«, fragte Jeff Spencer.

Hesterman richtete seinen Blick auf Kim. »Ich suche Thandie. Britta sagt, ihr wärt zusammen …«

»Ihr war nach frischer Luft«, fiel Kim ihm ins Wort. »Sie kommt gleich wieder.«

»Ist sie im Hinterhof?«, fragte Hesterman.

»Ja.«

»Okay …« Hesterman wollte sich umdrehen.

Kim legte die Hand auf seinen Arm. »Vielleicht möchte sie ein wenig allein sein.«

Ein kleines Lächeln umzuckte Hestermans Lippen. »Schon klar.«

Kim ließ ihn los. Er drehte sich um und entfernte sich. Kim und Jeff tanzten weiter. Aber Barry Hesterman wollte nicht warten, bis Thandie Powers zurückkam.

Er wollte endlich etwas sehr Wichtiges loswerden. Etwas, das keinen Aufschub mehr duldete. Etwas, das mit dem kleinen Schächtelchen zusammenhing, das er schon den ganzen Abend in seiner Tasche trug.

Er hatte die Absicht, Thandie heute, an ihrem neunundzwanzigsten Geburtstag, einen prächtig funkelnden Ring zu schenken und sie in aller Form zu fragen, ob sie seine Frau werden wolle.

Er war ziemlich sicher, dass sie nicht Nein sagen würde. Vielleicht würde sie sagen: »Das geht mir jetzt ein bisschen zu schnell, Barry. Darf ich darüber bis morgen nachdenken?«

Bis morgen, dachte er. Das geht gerade noch. Aber nicht länger. Ich möchte endlich mit dieser wunderbaren Frau verlobt sein und eine gemeinsame Zukunft planen. Sie ist im Hinterhof. Allein. Niemand wird uns stören. Und – wer weiß – vielleicht braucht sie überhaupt keine Bedenkzeit, sondern sagt sofort Ja. Damit würde sie mich überglücklich machen.

»Hast du einen Augenblick Zeit, Barry?«, fragte in diesem Moment Belinda Yates. Sie lebte vom Kopieren russischer Ikonen, war ein aparter Jeanne-d'Arc-Typ.

Er sah sie an, war verwirrt, weil sie ihn aus seinen Gedanken gerissen hatte. »Was gibt's?«

»Ich – ich habe etwas geschrieben …« Sie senkte verlegen den Blick, errötete sogar leicht, als würde sie sich schämen.

»Du?« Er staunte. »Ich dachte, du kannst das nicht. Hast du zumindest bisher stets behauptet. ›Ich wünschte, ich könnte schreiben‹, hast du immer gesagt. ›Aber ich kann es bedauerlicherweise nicht.‹«

Sie hob die Schultern, als wollte sie sich entschuldigen. »Jetzt habe ich es doch mal versucht und würde gerne wissen, ob es was taugt. Würdest du mir den Gefallen tun, es zu lesen?« Ihre Stimme klang beinahe flehend.

Er nickte sofort. »Klar. Hast du es bei dir?«

Sie sah ihn erfreut an. »Ich würde es dir morgen schicken.«

»Per Post?«

»Per E-Mail«, sagte Belinda Yates.

»Das geht schneller.«

»Ich bin an deiner ehrlichen Meinung interessiert, Barry«, sagte Belinda. »Ich möchte nicht, dass du alles wunderbar findest, bloß weil wir uns kennen.«

»Ich werde ehrlich sein«, versprach er.

»Schonungslos ehrlich«, verlangte sie.

Er nickte wieder. »Schonungslos ehrlich. Was es wiegt, das hat es.«

Sie hauchte ihm hastig einen Kuss auf die Wange. »Danke, Barry.«

Er lachte. »Wofür denn?«

Sie kehrte zu ihrem Freund zurück und redete sogleich sehr aufgeregt mit ihm – und Barry Hesterman wollte endlich seinen Verlobungsring loswerden. Das Ding brannte ihm allmählich ein Loch in die Tasche.

 

 

2. Kapitel

Wir frühstückten zusammen in der geräumigen Küche. Aristea sah frisch und ausgeruht aus. Ihr schwarzes Haar war kunstvoll hochgesteckt. Ich genoss den Anblick ihres schlanken Schwanenhalses.

Sie war kaum geschminkt, trug einen grob gestrickten taubengrauen Pullover und schwarze Jeans und machte einen schuldbewussten Eindruck – noch immer wegen der Geschichte von vergangener Nacht, wie sie mir gestand.

»Vergiss das«, sagte ich, während ich mir einen Toast butterte. »Es ist zum Glück nichts passiert.«

»Aber es hätte etwas passieren können«, sagte Aristea mit ihrem leicht holperigen Englisch. »Ich war zu sorglos.«

»Das Buch hat nicht erreicht, was es wollte.«

»Es wird wieder was versuchen. Etwas anderes.«

»Es wird auch damit nicht durchkommen.« Ich biss herzhaft in den Toast und trank – völlig unbritisch – einen Schluck köstlichen Kaffees.

»Es lebt«, sagte Aristea mit kummervollem Blick. Sie fühlte sich bei mir schon wie zu Hause und das begrüßte ich. Es war mir wirklich sehr recht. »Das Buch lebt auf eine nicht mit Vernunft erklärbare Weise, Tony. Es ist von finsteren Mächten beseelt, die es schützen und ihm Dinge ermöglichen, die für uns höchst unangenehm sein können.«

Vielleicht hätten wir das Höllenbuch vernichten können – auf irgendeine Weise wäre das sicher möglich gewesen –, doch das wollten wir nicht.

Es war uns sehr viel wichtiger, es zum »Sprechen« zu bringen. Wir wollten ihm die Geheimnisse entlocken, die tief in seinem Inneren vergraben und nur schwarzen Wesen, Dämonen, Grenzgängern des Bösen, Teufeln oder autorisierten Höllengünstlingen zugänglich waren.

Seit es dieses gefährliche Werk gab, war es von Hand zu Hand gegangen. Alle zehn Jahre hatte sein Besitzer einen würdigen Nachfolger finden und ihm das Buch übergeben müssen. Sir Aldous Wellington hatte es – wie es sein musste – an Jan van Vermeer weitergereicht, nachdem er diesen zuvor zum schwarzen Ritter geschlagen hatte.

Und wir hatten dem Holländer seinen kostbaren Besitz in Amsterdam abgejagt. Die Kette war durchbrochen. Zum ersten Mal gehörte das Buch des Schreckens jemandem, der auf der Seite des Guten stand.

Noch schlimmer: Es gehörte mir, Tony Ballard, dem Dämonenhasser! Eine üblere Entwicklung konnte es für die schwarze Macht kaum geben.

Das war begreiflicherweise ganz und gar nicht in ihrem Sinn, und es war deshalb wohl nur eine Frage der Zeit, bis unsere Feinde etwas unternahmen, um die Dinge wieder ins – von ihnen aus gesehen – rechte Lot zu bringen.

Nach dem Frühstück versorgte Aristea das Geschirr, während ich meinen Computer einschaltete und die E-Mails abrief. Die Griechin und ich lebten schon fast wie ein Ehepaar.

Sie wird mir fehlen, wenn sie nach Athen zurückkehrt, dachte ich. Ich habe mich an sie gewöhnt. Sie ist eine sehr angenehme Gesellschafterin.

Details

Seiten
100
Jahr
2020
ISBN (eBook)
9783738936957
Sprache
Deutsch
Erscheinungsdatum
2020 (Februar)
Schlagworte
tony ballard teufel moskau

Autor

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Titel: Tony Ballard #302: Die roten Teufel von Moskau