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Töte deinen Freund, den Sheriff!

2020 129 Seiten

Leseprobe

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Töte deinen Freund, den Sheriff!

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Töte deinen Freund, den Sheriff!

Western von John F. Beck

 

Der Umfang dieses Buchs entspricht 129 Taschenbuchseiten.

 

Grausam und unerbittlich bricht ein furchtbares Schicksal über den Rancher Ben Lorrimer herein. Banditen haben ihm ein teuflisches Ultimatum gestellt. Die Höllenhunde haben Lorrimers Tochter Loreen in ihrer Gewalt. Und sie haben geschworen, das Mädchen zu töten, wenn ihr Kumpan Luis Scranton nicht aus dem Gefängnis in Brackettville freikommt. Auf Scranton wartet der Galgen, und seine Kumpane wissen, dass es nur einen Mann gibt, über den sie die Freilassung des Todeskandidaten erzwingen können. Dieser Mann ist Ben Lorrimer, der beste Freund des Sheriffs. Und sie wissen auch, dass Lorrimer den Sheriff notfalls töten wird, um das Leben seiner Tochter zu retten …

 

 

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books, Alfred Bekker, Alfred Bekker präsentiert, Casssiopeia-XXX-press, Alfredbooks, Uksak Sonder-Edition, Cassiopeiapress Extra Edition, Cassiopeiapress/AlfredBooks und BEKKERpublishing sind Imprints von

Alfred Bekker

© Roman by Author

© dieser Ausgabe 2020 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

Alle Rechte vorbehalten.

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1

Die Männer gefielen Ben Lorrimer nicht. Es war nicht nur ihr verstaubtes, abgerissenes Äußeres. So sah jeder aus, der ein paar Tage auf der sonnenverbrannten Prärie im südwestlichen Texas unterwegs war. Etwas raubtierhaft Wildes, Unberechenbares haftete diesen Reitern an, die ihre Pferde neben dem Ziehbrunnen vor Lorrimers niedrigem Ranchhaus zügelten.

Sie waren zu dritt. Der in der Mitte konnte sich kaum mehr im Sattel halten. Ein blutgetränkter Verband umschlang unter dem offenen Hemd seinen Oberkörper.

Ben Lorrimer nahm die Springfield vom Haken neben der Tür.

»Bleib im Haus, Loreen«, sagte er mit rauer Stimme zu seiner Tochter. Sie stand beim Herd. Ihr junges, hübsches Gesicht wurde vom Feuer angeleuchtet. Das dichte blonde Haar war im Nacken verknotet.

Mit der angeschlagenen Waffe trat der untersetzte, grauhaarige Smallrancher auf die überdachte Veranda. Besorgt blickte die junge Frau ihm nach. Die Fremden waren abgesessen und hatten ihren verwundeten Gefährten herab gehoben. Er stöhnte laut.

»Nach Brackettville sind‘s noch fünf Meilen. Dort gibt‘s einen Doc!«, rief Lorrimer ihnen zu.

Der Bullige mit dem schnurrbärtigen Gesicht und den harten Augen richtete sich vorsichtig auf. Er spreizte die Hände vom Körper ab, als er sich Ben Lorrimer zuwandte.

»Mister, wir wollen Ihnen keinen Ärger machen. Aber unser Freund schafft es nicht mehr so weit, wenn wir ihm nicht zuvor die Kugel rausholen. Hinter uns ist keiner her. Wir hatten lediglich drüben am Nueces Verdruss mit ein paar Kerlen, die es auf unsere Gäule abgesehen hatten. Wir wollen nichts, außer für unseren Amigo ein Dach über den Kopf und, wenn‘s geht, ein paar saubere Tücher und ‘ne Schüssel mit heißem Wasser.«

Ben Lorrimers schwielige Hände umschlossen das Gewehr fester. Er kämpfte mit sich. Harry, der dunkelhäutige Ranchhelfer, tauchte mit einer Heugabel in den Fäusten in der Stalltür auf. Die Flammenröte des Sonnenuntergangs übergoss die Gebäude der einsam gelegenen Ranch.

»Bringt ihn rüber in die Remise!«, entschied Lorrimer. »Ihr bekommt, was ihr braucht. Dazu Stroh und Decken für ein Nachtlager. Es ist …«

Leichtfüßige Tritte waren neben ihm. Loreens Kleid raschelte. »Pa, das kannst du doch nicht machen! Die Nacht wird kühl. Sie sollen den Mann hereinbringen.«

Lorrimer presste die Lippen zusammen. Der Bullige nickte hastig. »Vielen Dank, Ma‘am! Das ist sehr freundlich von Ihnen. Los, Sid, fass mit an, aber sei vorsichtig.«

Sid war ein hagerer, raubvogelgesichtiger Bursche. Schulterlange, vom Staub verfilzte Strähnen fielen unter seinem verbeulten Hut hervor.

»Na schön«, meinte Lorrimer widerstrebend. »Aber lasst eure Waffen bei den Gäulen. Harry wird sich um die Tiere kümmern.«

Die Männer tauschten einen Blick. Der Bullige grinste rissig.

»Sie sind verdammt misstrauisch, Mister, aber wir wollen wirklich keinen Ärger.«

Anstandslos schnallte er den Coltgurt ab und hängte ihn übers Sattelhorn. Der Hagere folgte mit mürrischer Miene seinem Beispiel.

»Ich setze schon Wasser auf!«, rief Loreen eifrig und lief hinein.

Mit gefurchter Stirn beobachtete der Rancher, wie die Männer den Stöhnenden aufhoben und zum Haus trugen. Er trat zur Seite, immer noch den Finger am Drücker, und ließ sie vorangehen.

»Wohin mit ihm?«, fragte der Bullige über die Schulter.

»Legt ihn am besten auf den Tisch, wenn ihr ihm die Kugel rausholen wollt. Und zündet die Lampe an!«

»Ihre Kanone macht mich allmählich nervös, Mister«, grinste der Bullige schief, als er den Glaszylinder über die blakende Flamme stülpte.

»Sie werden sich dran gewöhnen!«, knurrte Lorrimer unfreundlich.

Loreen warf ihm einen vorwurfsvollen Blick zu. Sie kam vom Herd herüber, trat neben den Verletzten, der nun stumm und mit geschlossenen Augen auf der Tischplatte lag. Ein kräftig gebauter Mann. Eine Kruste aus Staub und Schweiß bedeckte sein bärtiges Gesicht. Auch sein Verband war verdreckt. Mitfühlend beugte sich die Rancherstochter über ihn. »Ist er schlimm verletzt?«

»Wetten, dass ich‘s überlebe?«, grinste der »Verletzte«. Bevor sie erschrocken zurückspringen konnte, hatte er sie am Arm erwischt und einen doppelläufigen Derringer aus der Tasche gezogen.

Ruckartig setzte er sich auf und presste ihr den Stahl der Waffe an die Schläfe. Seine Augen funkelten.

»Weg mit der Knarre, Lorrimer, wenn du nicht willst, dass deiner Tochter was passiert!«

Loreens Lippen öffneten sich zu einem Schrei, aber kein Ton kam aus ihrer Kehle. Blässe kroch über ihr Gesicht. Lorrimer war ebenfalls wie versteinert.

»Wird‘s bald!« Nun zogen auch die beiden anderen die unter ihren staubgepuderten Jacken verborgenen Revolver hervor.

Lorrimer schluckte. Sein Gewehr polterte auf die Bodenbretter. Grinsend schwang der Bärtige die Beine vom Tisch und fetzte sich den mit Tierblut besudelten Verband herab. Er ließ die junge Frau nicht los. »War sie nicht rührend um mich besorgt, Amigos? Wetten, dass sie mich mag? Stimmt‘s Puppe?«

Er kniff ein Auge zu, lachte glucksend.

Lorrimers Gesicht wurde grau und fleckig. Kalter Schweiß trat ihm auf die Stirn.

»Lass sie los, du Lump!«, keuchte er. »Wenn ihr Geld wollt …«

»Deine paar lumpigen Kröten kannst du dir an den Hut oder sonst wohin stecken!«, unterbrach ihn der Bullige schneidend. »Wir …«

Sie zuckten herum. Harry stand mit fassungslos und entsetzt aufgerissenen Augen in der offenen Tür, einen Eimer Wasser in der Hand, den er aus dem Brunnen gekurbelt hatte. Mit einem Aufschrei warf der Schwarze sich herum. Der Eimer klirrte auf die Schwelle. Wasser floss über die Dielen.

Zwei Revolver dröhnten. Pulverdampf umbrodelte die über dem Tisch brennende Lampe. Die Kugeln schleuderten den Ranchhelfer vom Vorbau in den Staub des Hofes. Seine Arme schlugen wie die Flügel eines waidwunden Vogels, dann lag er still. Die Waffen der Verbrecher deuteten bereits auf Lorrimer, der unwillkürlich einen Schritt zur Tür gemacht hatte.

»Du brauchst nicht nachzusehen, Kuhzüchter.« Der Bullige spuckte aus. »Wer unser Blei schluckt, der braucht keine Hilfe mehr. Richte dich danach!«

»Was, um Himmels willen, wollt ihr?«

»Deine süße kleine Tochter!«, grinste der Bärtige. Er presste Loreen so heftig an sich, dass sie sich nicht rühren konnte. Ihr Blick war halb irr vor Entsetzen, seit die Schüsse gefallen waren.

»Reiß dich zusammen, Lorrimer!«, drohte der Bullige scharf. »Der Lady passiert nichts, wenn du und dein Freund, der Sheriff von Brackettville, vernünftig seid und tut, was wir verlangen!«

Lorrimers Hand tastete an seiner Jacke hoch, zerrte den Hemdkragen auf. Er rang nach Luft. Schweiß perlte über sein wettergegerbtes Gesicht. »Ihr wollt Luis Scranton!«

»Schlaukopf!«, grinste der bullige Bandit. »Hast es kapiert. Wir sind hier, weil diese verfluchten Pfeffersäcke Luis wegen eines Toten aufknüpfen wollen, dem ja doch keiner ‘ne Träne nachweint. Dummerweise ist Luis nämlich mein Bruder. Ich bin Tom Scranton. Hast sicher schon von mir gehört, Kuhzüchter. Wenn auch nichts Gutes.«

Die Schurken lachten. Ein Lachen, das verriet, wie wenig ihnen ein ausgelöschtes Menschenleben bedeutete. Scranton rieb die Revolvermündung über das stoppelige Kinn.

»Klar, Luis ist ein Hitzkopf, dem das Schießeisen verteufelt locker sitzt. Ein paar Tage hinter Gittern sind nicht die schlechteste Medizin für ihn. Aber gleich der Galgen? Nein, Lorrimer, das ist nicht nett von den Leuten in Brackettville. Was meinst du?«

»Ich habe nichts damit zu tun.«

Tom Scrantons Grinsen war wie weggewischt.

»Dein Freund, der Sheriff, dafür um so mehr!«, zischte er. »Dieser Clint Wellard soll ja ein verflucht scharfer Hund sein! Sonst hätt‘ er es wohl auch kaum geschafft, Luis dort hinzubringen, wo er jetzt Däumchen dreht und auf seinen großen Bruder wartet.«

»Clint hat nur seine Pflicht getan!«, krächzte Ben Lorrimer. »Er …«

»Komm mir nicht so, Freundchen!« Drohend stapfte Scranton auf den Rancher zu und hielt ihm die Revolvermündung vors Gesicht. »Ich bin ein mächtig geduldiger und gutmütiger Mensch, aber wenn einer ‘n Stinker in Schutz nimmt, der glaubt, mit dem Fünfzack an der Weste den lieben Gott spielen zu dürfen, dann kommt mir, verdammt noch mal, die Galle hoch!«

»Aber …«

Loreen schrie auf, als Scranton hart und brutal mit dem Revolverlauf zuschlug. Lorrimer prallte zurück, stieß einen Stuhl um, fiel auf die Knie. Blut lief aus seiner Nase.

»Kein Aber, Freundchen!« Der Verbrecher grinste gefährlich. »Von jetzt an redest du nur, wenn du gefragt wirst. Verstanden?«

Keuchend, mit schwimmendem Blick, starrte der Rancher zu ihm hoch. Scranton trat ihn. »Ob du verstanden hast?«

»Ihr Schufte, ihr Mörder! Lasst ihn los!«, schrie Loreen verzweifelt. Sie versuchte den Arm des Bärtigen wegzudrücken.

»Reg dich ab, Herzchen!«, grinste der Kerl.

Scranton holte wieder mit dem Sechsschüsser aus. »Bist du taub, Hombre?«

»Ja, ich hab‘ verstanden!«, ächzte Lorrimer.

»Wunderbar! Dann pass nur gut auf, damit du auch alles andere mitbekommst! Wir wissen, dass Wellard nicht nur dein spezieller Freund, sondern auch dein zukünftiger Schwiegersohn ist. Er und deine süße Kleine wollen in ein paar Wochen heiraten, stimmt‘s? Nun weißt du sicher selber, wie das Spiel weiterläuft. Wenn wir mit deiner Tochter weg sind, Freund Lorrimer, dann schnappst du dir deinen besten Gaul und reitest wie vom Teufel gejagt nach Brackettville. Mach Wellard klar, dass aus der Hochzeit nur was wird, wenn er Luis laufen lässt!«

Schwankend stemmte sich Lorrimer hoch. »Schickt Loreen in die Stadt und nehmt mich mit!«

»Mann, lernst du aber schwer!«, knurrte der Anführer der Halunken. »Du quasselst schon wieder, ohne dass ich dich dazu aufgefordert habe. Na ja, werd‘ nochmals großzügig sein, weil ich hoffe, dass du deine Sache gut machst. Dein Girl ist bei uns in den besten Händen. Hank hat zwar ‘ne verteufelte Vorliebe für so junge, knusprige Dinger, aber keine Angst, Lorrimer, ich halt‘ diesen verrückten Schürzenjäger schon im Zaum! Aber nur noch bis morgen früh. Wenn ich bei Sonnenaufgang meinem kleinen Bruder nicht die Hand schüttle, garantiere ich für nichts mehr. Sieh zu, dass Wellard es begreift!«

»Und wenn er sich weigert?«, rief Lorrimer verzweifelt.

Scranton grinste bösartig.

»Dann knallst du ihn über den Haufen!«, knurrte er. »Töte ihn, wenn‘s nötig ist. Nur so kannst du das Leben deiner Tochter retten.«

»Mein Gott, Scranton, wenn Loreen was zustößt …«

»Was mit ihr geschieht, hängt von dir und dem Sheriff ab!«, schnitt Scranton ihm den Satz ab. »Wellard hätte nicht so verrückt sein sollen, ausgerechnet meinen kleinen Bruder in sein Jail zu stecken. Sag ihm, er soll Luis zur alten Hütte bei den Felsen an der Biegung des West Nueces River bringen. Aber der Teufel holt nicht nur ihn, sondern auch dein Girl, Lorrimer, wenn er mit Luis nicht allein kommt! Und vergiss nicht, bei Sonnenaufgang läuft die Frist ab! Der Sternträger soll also nicht lange ‘rumtüfteln, sondern sich sputen! Klar?«

Ungeduldig winkte er ab, als Lorrimer etwas sagen wollte.

»Schafft sie raus!«, befahl er seinen Kumpanen. »Fesselt sie! Bindet sie auf dem Pferd fest, wenn sie Schwierigkeiten macht! Lasst sie nur schreien, hier hört sie ja doch keiner! Los jetzt! Blackjack und Tennessee zerbrechen sich sicher schon den Kopf darüber, wo wir so lange bleiben.«

»Pa!«, schrie Loreen verzweifelt, als die Schurken sie zur Tür schleppten. Lorrimer ballte die Fäuste. Seine Brust hob und senkte sich heftig.

»Scranton, dafür wirst du mir eines Tages bezahlen!«

»Verdammter Narr!« Der bullige Verbrecher stieß ihm die Revolvermündung in den Bauch. Lorrimer blieb die Luft weg. Er krümmte sich. Feurige Kreise wirbelten vor seinen Augen. Dann lag er am Boden. Das Rauschen des Blutes füllte seine Ohren.

Es dauerte eine Weile, bis er es schaffte, wieder auf die Füße zu kommen. Draußen hämmerte Hufschlag los.

»Pa!« Loreens Stimme war nur mehr ein verwehender Hauch. Als Lorrimer die Tür erreichte, verschwanden die Reiter mit ihrer Gefangenen im Dämmerschatten der Hügel nördlich der Ranch.

 

 

2

Die Lampe im Sheriff-Office warf die Schatten der Männer bizarr an die Bretterwände. Vor wenigen Minuten war Lorrimer hereingestürzt, und in atemloser Hast hatte er berichtet, was geschehen war.

Luis Scranton presste sein erhitztes Gesicht an die Eisenstäbe des Zellengitters. Seine Augen glühten wie Wolfslichter.

»Ich hab‘s gewusst!«, keuchte er. »Tom lässt mich nicht im Stich! Er wird mir vielleicht die Hölle heiß machen, wenn ich hier raus bin, aber eher legt er die ganze verdammte Stadt in Schutt und Asche, als dass er zulässt, dass ihr Bastarde mich aufknüpft!«

Der Sheriff von Brackettville starrte ihn düster an. Clint Wellard war ein hochgewachsener, knapp dreißigjähriger Mann mit sandfarbenem Haar und rauchblauen Augen. Das Abzeichen an seiner ärmellosen Lederweste reflektierte das Licht der Petroleumlampe, die über seinem Schreibtisch hing.

»Dein Bruder wird im Gegenteil dafür sorgen, dass in Brackettville kein Brett beschädigt wird, solange Clem Bascin glaubt, sich die ganze Stadt unter den Nagel reißen zu können. Er würde auch dich opfern, wenn Bascin es verlangte und ihn gut genug bezahlte.«

Der junge Mann in der Zelle krampfte die Hände um die Eisenstäbe. In seinem dunklen Anzug mit dem weißen Hemd und der schwarzen Kragenschleife sah er wie ein Berufsspieler aus. Er lachte schrill.

»Du kannst es nicht lassen, Sternträger, was? Nicht mal jetzt! Bascin, immer wieder Bascin! Weiß der Teufel, wieso du dich so in die Idee verrannt hast, er hätte mich dafür bezahlt, dass ich Keegan umlege, damit er auch noch seinen Saloon dazu bekommt! Bascin soll der Satan holen, wie jeden hier, der dafür gestimmt hat, mich mit ‘ner Hanfkrawatte um den Hals an einem Balken hochzuziehen!«

»Clem Bascin hat deinen Bruder und seine Bande hergeholt, das weißt du genauso gut wie ich!«

Die blakende Lampe verstärkte das höhnische Zucken auf Luis Scrantons Gesicht. »Warum gehst du dann nicht hin und verhaftest ihn? Du hast ja doch nur Angst, dass er zu mächtig wird und es noch schafft, dir den Stern wegzunehmen! Deshalb willst du ihm alles Mögliche anhängen! Von mir aus! Aber lass mich dabei aus dem Spiel, Wellard. Bascin kann mir gestohlen bleiben, aber du noch mehr. Außerdem hast du jetzt andere Probleme! Wenn du mich fragst, Wellard: Du bist am Ende!«

Wieder dieses schrille, an den Nerven zerrende Auflachen. Im kantigen Gesicht des Sheriffs bewegte sich kein Muskel.

»Ich frag dich nicht.«

Aber Clint Wellards Hand zitterte leicht, als er die Flasche nahm und das Glas füllte, das er vor Ben Lorrimer hingestellt hatte. Zusammengesunken und erschöpft von dem Gewaltritt in die Stadt hockte der Rancher auf einem Stuhl beim Schreibtisch.

»Trink, Ben!«, forderte Wellard ihn heiser auf. »Es wird dir helfen.«

Lorrimers Kopf ruckte hoch. Er starrte den Sheriff wie einen Fremden an. »Helfen?«

Er richtete sich schwankend auf. Mit einer Handbewegung wischte er das Glas herab. Es zerschellte auf den Brettern.

»Ich brauch‘ jetzt keinen verdammten Whisky, Clint! Alles, was mir jetzt noch helfen kann, ist, dass du Scrantons Forderung erfüllst und seinen Bruder freilässt!«

Keuchend, mit einem Brennen in den Augen, kam er auf Wellard zu und packte ihn an den Aufschlägen der Lederweste. »Clint, diese Kerle bluffen nicht! Diese Halunken sind zu allem fähig! Du hättest sehen sollen, wie sie Harry niedergeschossen haben, ach was, abgeknallt haben sie ihn wie einen tollwütigen Hund! Und dieser Bastard, der Loreen …«

Er schüttelte sich. Seine Arme sanken herab. »Tom Scranton und seine Banditen sind in ganz Texas wegen ihrer Gemeinheit und Brutalität gefürchtet. Es macht mich krank, Clint, Loreen in den Händen dieser Dreckskerle zu wissen. Wir sind machtlos. Clint, um Himmels willen, ich versteh nicht, wie du jetzt von Bascin anfangen kannst! Ich versteh nicht, worauf du noch wartest!«

Wellard schluckte. Sein Blick wich den verzweifelten Augen des grauhaarigen Ranchers aus.

»Ben, ich kann mich nicht einfach über das Urteil hinwegsetzen. Die Jury hat Luis Scranton schuldig gesprochen, und der Richter hat ihn zum Tode verurteilt!«, sagte er heiser.

»Ich red‘ von Loreen, nicht von Luis Scranton und was er getan oder nicht getan hat!«

Wellard fasste den älteren Mann an den Schultern und zwang sich, in Lorrimers von Verzweiflung zerwühltes, schweißbedecktes Gesicht zu blicken. »Ben, du weißt doch, was Loreen mir bedeutet! Aber …«

»Aber?«, keuchte Lorrimer. »Was – aber?«, schrie er. »Du willst doch nicht etwa …«

»Ben, ich bin Sheriff, dem Gesetz verpflichtet! Ich hab‘ einen Eid geleistet. Ich kann nicht einfach einen Handel mit Tom Scranton abschließen, weil …«

»Clint, du redest – du redest, als hättest du vor …«

»Ich verspreche dir, Ben, alles zu tun, um Loreen zurückzuholen!«

»Dann lass ihn da raus!«, schrie Lorrimer. Er deutete mit zitternder Hand auf den Mann am Zellengitter. »Bring ihn zur Hütte an der Biegung des West Nueces, verdammt noch mal! Ich besitze in der Umgebung dieser verfluchten Stadt genug Freunde, die dabei sein werden, wenn wir hinterher die ganze Bande jagen, bis wir sie alle Mann für Mann zur Strecke gebracht haben! Aber erst, wenn Loreen in Sicherheit ist!«

Wellard schüttelte müde den Kopf. Sein Gesicht war fahl. Die dunklen Linien darin ließen ihn älter aussehen, als er tatsächlich war.

»Ben, begreif es doch! Tom Scranton geht es nicht nur darum, seinen Bruder gegen Loreen freizutauschen!«

»Deswegen hat er sie entführt!«

Wieder schüttelte Wellard bitter den Kopf. »Es gibt noch einen Grund. Seit der Gerichtsverhandlung gegen Scrantons Bruder weiß Bascin, dass ich ihn verdächtige, Luis für den Mord an Joe Keegan angeheuert zu haben. Clem Bascin weiß weiterhin, dass ich nicht der Mann bin, der sich von ihm kaufen lässt. Er ist jedoch fest entschlossen, die Stadt in die Hand zu bekommen, bevor die neue Bahnlinie Brackettville erreicht. Die Bahn bringt für Bascin das Geschäft seines Lebens. Aber nur, wenn Brackettville sich zumindest für die Dauer des Schienenbaus in eine Saloon- und Bordellhölle verwandelt, in der es nur ein Gesetz gibt – das Gesetz der Dollars.«

»Was hat das mit Loreen zu tun?«

»Ich bin noch nicht fertig, Ben«, murmelte der Sheriff heiser. »Tom Scrantons Forderung, dass ich Luis zur Hütte am West Nueces bringen soll, lässt nur einen Schluss zu: Bascin bezahlt ihn für diesen Job. Er bezahlt ihn gewiss nicht dafür, dass er seinen Bruder vor dem Galgen rettet, sondern für meinen Skalp!«

»Hey, du hast ja Angst, Sheriff!«, höhnte der junge Bandit aus der Zelle. »Soviel Angst sogar, dass du deine Verlobte dem alten Schürzenjäger Hank Proctor überlassen willst! Teufel noch mal, wie ich Hank kenne, wird der schon ganz fiebrig nach der Puppe sein …«

Er verstummte, als Wellard herumfuhr. Der junge Scranton war sonst kein Bursche, der sich leicht einschüchtern ließ. Aber der Ausdruck in den Augen des Sheriffs schnürte ihm die Kehle zu.

»Der Mord an einem Sternträger ist auch für einen Kerl wie Tom Scranton keine Kleinigkeit«, sagte Wellard zu dem Rancher. »Sie werden Loreen bei sich behalten, bis sie jenseits der Grenze in Sicherheit sind. Aber dann hat Loreen bestimmt schon zu viel gesehen und gehört, dass die Schufte es sich nicht leisten können, sie freizulassen. Wozu auch? Das ist nicht Scrantons Stil.«

»Das redest du dir doch nur selber ein, Clint!«, keuchte Lorrimer erschrocken und verzweifelt.

»Ben, ich werde morgen früh bei der Hütte am West Nueces sein, aber ohne ihn!« Wellard blickte wieder zur Zelle. »Glaub mir, Ben, es gibt nur noch einen Trumpf für Loreens Befreiung: den Colt.«

»Um Himmels willen, nein, Clint! Du musst Scrantons Bruder freilassen!«

»Ich habe kein Recht dazu, Ben!« Wellard war es, als würde ein unsichtbarer Panzer seine Brust zusammendrücken. Jedes Wort kostete ihn Anstrengung.

»Clint, ich kann nicht glauben, dass dir der Stern mehr bedeutet als Loreen!«

»Du weißt, dass es nicht so ist.«

»Zum Teufel, warum wirfst du ihn dann nicht einfach weg? Oft genug hat Loreen dich gebeten, diesen verfluchten Job aufzugeben, weil sie fürchtete …«

»Es ist mehr als ein Job, Ben«, murmelte der Sheriff von Brackettville rau. »Mehr als das Befolgen von Vorschriften und Paragraphen. Würdest du denn die Verantwortung übernehmen, wenn Luis Scranton weitere Menschenleben auslöscht, nachdem er aus dem Jail entkommt?«

»Ich will, dass Loreen am Leben bleibt!«, knirschte Lorrimer. »Und wenn du und dein verdammtes Gesetz dagegen seid, dann soll euch die Hölle verschlingen!«

Er sprang zum Gewehrständer und legte blitzschnell eine Winchester auf Wellard an. Der Sheriff versuchte gar nicht erst, noch vor ihm die Waffe hochzubringen. Er stand reglos.

»Mach keinen Blödsinn, Ben!«

»Hör du lieber auf, mich wie einen dummen Jungen zu behandeln!«, fuhr Lorrimer ihn an. »Mensch, was hab‘ ich immer für große Stücke auf dich gehalten, Clint! Vielleicht musste alles so kommen, dass mir die Augen aufgehen! Schlag dir Loreen ein für allemal aus dem Kopf!«

»Leg das Gewehr weg, Ben! Du weißt nicht, was du …«

»Ich weiß sehr wohl, was ich tue!«, stieß Lorrimer wütend hervor. Schweißbahnen glitzerten auf seinem zerfurchten Gesicht. »Ich schieß dir ein Loch in deinen verdammten Stern, wenn du jetzt nicht die Zelle aufschließt und Luis Scranton rausholst!«

Der Gefangene hatte die Unterlippe zwischen die Zähne gezogen. Sein Blick hetzte fiebrig zwischen den beiden ungleichen Männern.

Wellard schüttelte den Kopf.

»Das bringt dich nicht weiter, Ben! Scranton wird Loreen nicht …«

»Ich will nichts mehr hören, Clint!«, drohte der Smallrancher keuchend. Er stiefelte so dicht an Wellard heran, dass die Gewehrmündung den Sheriff berührte.

»Nimm den Zellenschlüssel! Schließ auf! Bei allem, was mir heilig ist, Clint, ich werde schießen, wenn du …«

Das leise Knarren der Tür ließ ihn herumfahren. In der Tür war der Deputy aufgetaucht. Sheriff Wellard handelte blitzartig. Mit der Linken fegte er den drohenden Lauf der Winchester zur Seite. Mit der Rechten zog er den Remington und schlug Lorrimer nieder.

Die Augen des kleinen, drahtigen Mexikaners mit dem Deputy-Stern wurden groß und rund. Sein Mund stand offen. Die Enden eines rattenschwanzdünnen Bartes hingen über seine Kinnwinkel herab. Der riesige Sombrero und der schwere Colt, den er mit dem Kolben nach vorn an der linken Hüfte trug, ließen ihn noch schmächtiger wirken.

»Heilige Jungfrau von Guadeloupe!«, schnappte er. »Wie kommst du auf die Idee, so deinen künftigen Schwiegervater zu behandeln, Jefe?«

»Mach die Tür zu, Paco!«, brachte Wellard würgend hervor. Er war der einzige in Brackettville, der Paco Martinez mit seinem Namen ansprach. Für alle anderen war der kleine, braunhäutige Bursche nur »Mex«. Mit skeptischem Achselzucken haften die Stadtbewohner es hingenommen, dass Clint Wellard den ehemaligen Pferdedieb zu seinem Deputy ernannt hatte.

Seitdem wurde in der Umgebung von Brackettville kein Pferd mehr vermisst, und »Mex« war außerdem bereit, für seinen Jefe, wie er den Sheriff nannte, jederzeit durchs Feuer zu marschieren, hätte das jemand von ihm verlangt. Als er jetzt hereinkam und die Tür zudrückte, war sein Gesicht noch immer ein einziges Fragezeichen. Er hatte keinen Blick für Scranton, der fluchend die Eisenstäbe losgelassen hatte. Wellard hob die Winchester auf und warf sie Martinez hin.

»Was immer geschieht, Paco, rühr dich hier nicht weg, und pass auf Scranton auf!«

Wellards Stimme klang fremd. Sein Blick schien durch den kleinen Mexikaner hindurchzugehen. Paco schluckte.

»Santa Madonna! Was ist passiert, Jefe?«

»Scrantons Bruder und noch ein paar Halunken warten in der alten Jägerhütte am Fluss auf mich. Sie haben Loreen. Wenn Ben aufwacht, sag ihm, ich habe versprochen, mit ihr zurückzukommen!«

 

 

3

Tom Scranton hieb die Faust so heftig auf den Tisch, dass alle zusammenfuhren. Die junge Frau, die an Händen und Füßen gefesselt in einer Ecke der verwahrlosten Hütte kauerte, hob erschrocken den Kopf. Der Anführer der Banditen starrte jedoch nicht sie an, sondern den Mann, der ruckartig in der Mitte des trüb erhellten Raums stehengeblieben war.

»Nun hör endlich auf, wie ein im Käfig eingesperrter Wolf hin und her zu rennen, Tennessee!«, schimpfte Scranton. »Zum Teufel, was ist nur los mit dir?«

Tennessee war einer der beiden Kerle, die hier auf Loreens Entführer gewartet hatten. Ein hagerer, lederhäutiger Typ, den man ohne seinen tief geschnallten 45er Colt für einen gewöhnlichen Weidereiter hätte halten können. Er trug dornenzerkratzte Chaps über der verwaschenen Levishose. Ein ausgefranstes rotes Tuch war malerisch um seinen Hals geschlungen.

Hank Proctor, der mit dem Bart, lachte spöttisch. »Unser guter alter Tennessee hat die Hosen voll, Tom! Ihm scheint die Sache über den Kopf zu wachsen. Es ist nun mal ein Unterschied, ‘nem Rancher die Pferde von der Koppel zu treiben, wenn alles schläft, oder in Tom Scrantons Bande zu reiten. Habe ich recht, Tennessee?«

Sid Gorman und Blackjack, der zusammen mit Tennessee zum Treffpunkt der Banditen gekommen war, grinsten. Blackjack war der Typ des geschniegelten Spielers. Ganz in schwarzes, weich gegerbtes Leder gekleidet, das Haar pomadisiert, ein sorgfältig gestutztes Bärtchen über der Oberlippe. Seine dunklen Augen waren starr und kalt wie die einer Schlange. Er hockte auf einer Kiste und reinigte mit dem Bowiemesser seine Fingernägel.

Tennessee, der vielleicht selber nicht mehr wusste, wie er wirklich hieß, blickte wütend in die Runde. »Denkt, was ihr wollt, aber die Sache stinkt mir! Ich habe nie was davon gehalten, ‘ne Frau mit ins Spiel zu bringen, egal, um was es geht!«

»Frag Hank, was er davon hält!«, grinste Gorman, und die Männer lachten.

Hank Proctor küsste mit verdrehten Augen seine Fingerspitzen. »Ich versteh nicht, Tennessee, wie einer so wenig Sinn für die angenehmsten Seiten des Lebens haben kann!«

»Haltet endlich die Klappe, wenn ich mit Tennessee rede!«, knurrte Scranton. Die Lampe auf dem Tisch vertiefte die Linien in seinem schnurrbärtigen Gesicht. Ein Gesicht, das hauptsächlich aus Ecken und Kanten zu bestehen schien. »Also, was willst du eigentlich, Tennessee?«

Der hagere Bandit blickte schnell auf Loreen, die ihn mit großen, angstvollen Augen anstarrte.

»Schick sie weg, Tom! Wir haben es nicht nötig, uns hinter ‘nem Rock zu verstecken!«

Scrantons Augen verengten sich. »Du bist ja verrückt! Ich glaub‘ fast, es stimmt, was Hank behauptet hat. Du hast ja Angst, Mann!«

»Verdammt, Tom, du hast immer mit mir rechnen können, was es auch war! Aber ich …«

»Hör auf!« Tom Scranton sprang auf. »Das Spiel läuft! Verdammt will ich sein, wenn ich meine Trümpfe wegschmeiße, nur weil du plötzlich die Nerven verlierst! Hast du vergessen, dass es darum geht, Luis vor dem Galgen zu retten? Sie wollen den Kleinen aufknüpfen, dieses Pack, verdammt noch mal! Und du zerbrichst dir darüber den Kopf, dass Hank mit der Puppe was anstellen könnte! Zum Teufel mit dir, Tennessee!«

Scrantons Augen funkelten wild. Aber der Hagere mit dem Ledergesicht blieb stur. »Wir können Luis auch heraushauen, ohne dass wir Lorrimers Tochter als Faustpfand ausspielen.«

»Was du nicht sagst!« Scranton lachte zornig. »Du vergisst dabei eine Kleinigkeit, Amigo! Clem Bascins Dollars, die wir kassieren werden, wenn wir den Sheriff aus dem Weg räumen!«

»Was willst du eigentlich, Tom? Deinen Bruder retten oder den Sternträger erledigen?«

Scranton grinste rissig. »Beides, Amigo, beides! Das ist ja der Grund, warum wir uns Lorrimers Girl geschnappt haben.«

»Du hast immer auf eigene Rechnung gearbeitet, Tom, und dich nie vor den Karren von solchen Dollarhyänen spannen lassen wie Bascin eine ist! Pfeif auf sein Geld, verdammt noch mal! Vor allem pfeif auf die Vorschriften, die er dir macht! Diese Idee mit der Verschleppung von Lorrimers Tochter ist doch bestimmt auf seinem Mist gewachsen. Stimmt‘s?«

Scrantons Grinsen war fort. Tennessee schien als einziger das unheilvolle eisige Glitzern in seinen Augen nicht zu bemerken. Spannung füllte die alte Jägerhütte am West Fork des Nueces River. Gorman lachte krächzend.

»He, Süße, da ist noch einer scharf auf dich! Hank, pass auf, Tennessee, dieses ausgekochte Schlitzohr, versucht es auf die ganz andere Tour! Der schnappt sie dir noch vor der Nase weg, bevor du …« Er brach ab, als Tennessee herumzuckte und den Colt umklammerte.

»Na, na, nur nicht gleich so hitzig, alter Junge! Du hast ja wirklich keine Nerven mehr!«

»Nerven genug, hinzureiten und Luis aus dem Jail zu holen, bevor die Nacht um ist!«

Ruckartig wandte sich Tennessee wieder dem bulligen Bandenboss zu. »Ich mein‘s ernst, Tom! Wirst du die Frau wegschicken, wenn ich vor Sonnenaufgang mit deinem Bruder zurück bin?«

»Teufel, ich glaub‘ wirklich, du hast sie nicht mehr alle!«, knurrte Scranton kopfschüttelnd.

»Ja oder nein, Tom!«

Scranton lachte rau. »Du wirst Luis nicht mal zu sehen bekommen, wenn du in die verdammte Stadt reitest!«

»Mein Risiko«, erwiderte Tennessee mit unbewegter Miene. »Was verlierst du denn, wenn‘s schiefgeht, Tom? Höchstens einen Hombre, den du, wenn du ehrlich bist, insgeheim ja doch schon abgeschrieben hast, nämlich mich. Also, wirst du sie freigeben, wenn ich‘s schaffe?«

»So was von stur! Und alles wegen eines Frauenzimmers!«

»Frauen und Pferde sind meine Schwäche, Tom.« Tennessee grinste faltig. »Beiden habe ich noch nie was zuleide getan.«

Scranton schnaubte verächtlich. »Sag mir lieber, wie du‘s anstellen willst!« Ein Lauern war in seinem Blick.

Tennessee hob die knochigen Schultern. »Ich habe ‘nen Freund in Brackettville. Einen Partner aus der Zeit, als ich noch als Pferdedieb die Gegend an der mexikanischen Grenze unsicher machte. Er kennt sich dort aus. Er wird mir helfen. Bin sicher, dass es klappt.«

Scranton blickte schnell auf die anderen, die Tennessee gespannt und überrascht anstarrten. Blackjack tippte sich verstohlen mit dem Zeigefinger an die Stirn. Scranton stemmte die Fäuste ein.

»Ich halte dich nicht. Es ist deine Haut, die du riskierst.«

»Du hast meine Frage noch nicht beantwortet, Tom. Wirst du sie freigeben?«

Scranton zuckte die Achseln. »Und Wellard?«

»Wenn Luis frei ist, brauchen wir die Frau nicht, um mit ihm fertig zu werden!«, stieß der Hagere hervor.

Scranton fuhr sich mit der Zungenspitze über die Lippen. Gorman, Proctor und Blackjack fingen seinen hinterhältigen Blick auf.

»Okay, du verrückter Pferdedieb! Schaff mir meinen kleinen Bruder her, dann soll die Lady verschwinden!«

»Ich nehm‘ dich beim Wort, Tom!« Scranton hörte die deutliche Drohung aus Tennessees rauer Stimme, aber er grinste nur. An der Tür drehte sich der lederhäutige Outlaw nochmals um. »Hat wohl keinen Sinn zu fragen, ob einer Lust hat mitzukommen.«

Proctor schaute grinsend auf die bleiche und erschöpfte Frau. »Weißt du, Amigo, wir finden‘s hier ganz gemütlich.«

»He, Tennessee!«, rief Gorman, als der Hagere schon auf der Schwelle stand. Und als Tennessee abermals sein ledriges Gesicht der blakenden Lampe zuwandte: »Hinterlass uns irgendwo ‘ne Nachricht, welche Blumen du auf deinem Grab haben willst, Amigo!«

Tennessees Fluch ging im Gelächter der Halunken unter. Krachend fiel die Bohlentür hinter ihm zu.

 

 

4

Zwei Laternen beleuchteten das Schild über dem Eingang von Clem Bascins Saloon. »Frontier Palace« stand in knalligen Lettern darauf. Ein Durcheinander rauer Stimmen, Gläserklirren und Stühlescharren empfingen den Sheriff von Brackettville. Die schulterhohen Flügel der Schwingtür knarrten hinter ihm. Tabakqualm vernebelte die Tischreihen. Der Keeper hinter der langgestreckten Theke und die beiden Waiter hatten alle Hände voll zu tun, die Gläser voll und die Gäste bei Laune zu halten.

Wellard steuerte zielstrebig die zum Obergeschoss führende Treppe an. Eine Hand griff nach ihm. Ein alkoholgerötetes Gesicht grinste durch die Rauchschwaden.

»Hey, Sheriff, das ist aber fein, dass du dich hier auch mal blicken lässt! Setz dich, ich lad‘ dich zu ‘nem Drink ein!«

»Keine Zeit, Peterson, ein andermal.« Der Mann ließ ihn los, als hätte er ein glühendes Eisen angefasst, als Clint Wellard ihm sein Gesicht zuwandte. Ein kantiges, wie versteinertes Gesicht mit düster brennenden Augen.

Der Lärm im Saloon begann zu verebben, als Wellard die Treppe hinaufstieg. »Musik, Joe!«, schrie der Keeper anfeuernd. »Hölle und Verdammnis, du wirst nicht dafür bezahlt, dass du dich volllaufen lässt! Bring Stimmung in die Bude!«

Das Piano klimperte los. Gelächter und Gegröle klangen wieder auf. Wellard war schon vergessen, als er droben den mit einem roten Läufer ausgelegten, von einer Petroleumlampe erhellten Korridor betrat. Er war lange nicht mehr hier gewesen, aber alles war noch so wie früher. Sein Ziel war eine Tür mit der Aufschrift »Private Office«.

»Moment, Sheriff!«, verlangte eine harte Stimme hinter ihm. »Sie haben sich da einen verdammt schlechten Zeitpunkt für Ihren Besuch ausgesucht. Mr. Bascin hat zu tun. Er will nicht gestört werden.«

Wellard drehte sich um. Zwei stämmige Burschen, die in ihre schwarzen Anzüge wie hineingezwängt wirkten, kamen von der Treppe her drohend auf ihn zu. Die Umrisse großkalibriger Colts zeichneten sich deutlich unter ihren knapp sitzenden Anzugjacken ab. Der Stern an Wellards Weste schien die Kerle ebenso wenig zu beeindrucken wie sein grimmiger Gesichtsausdruck.

Wellards Hände hingen locker herab. »Jungs«, warnte er sie leise, »ich will zu eurem Boss, und kein Mensch wird mich dran hindern!«

Sie kamen trotzdem weiter auf ihn zu. Bullen, die sich stur an ihre Befehle hielten und lieber ein paar Tage in Wellards Jail riskierten, als dass sie ihre gut bezahlten Jobs bei Bascin verloren. Wellard kehrte ihnen den Rücken. Als er die Hand nach der Türklinke ausstreckte, spürte er eine klammernde Faust an der Schulter.

Wellard hielt sich nicht mehr mit Worten auf. Er gab der Faust nach, die ihn herumriss. Aus dem Schwung der Drehung stieß er die geballte Rechte hoch.

Er traf ein Kinn, das wie aus Granit gemeißelt wirkte, sich jedoch als wesentlich weniger hart entpuppte. Der Kerl bekam glasige Augen. Er sah aus, als hätte ihn ein Pferdehuf erwischt. Die Hand an Wellards Schulter besaß keine Kraft mehr. Der Sheriff war ganz und gar nicht in der Stimmung, lange herumzutändeln. Ein zweiter gezielter Hieb riss den Bullen von den Beinen. Die Bretter bebten.

Der andere war an die Korridorwand zurückgesprungen. Seine rechte Hand verschwand unter der offenen Anzugjacke, dort, wo er den Colt trug. Er erstarrte, als der Sheriff ihn in die Mündung seines blitzschnell gezogenen Remingtons blicken ließ.

»Du willst mir doch keinen Ärger machen, Jefford, wie?«

Jefford schwitzte plötzlich. Diese Augen! Nie zuvor hatte er soviel tödliche Entschlossenheit in den Augen eines Mannes gesehen.

»Sheriff, ich …«

»Erzähl‘s mir später, Jefford«, lächelte Wellard eisig. »Nicht nur dein Boss hat zu tun. Auch ich habe Wichtiges zu erledigen.«

Seine Faust mit dem Revolver zuckte. Der Schlag war nicht besonders hart, aber er genügte, Jefford neben seinen Gefährten »schlafen zu legen«. Wellards Waffe glitt ins Holster zurück. Er öffnete die Tür zu Bascins Privatbüro, ohne anzuklopfen.

Die Schreibfeder in Bascins schmaler, ringgeschmückter Hand kratzte und hinterließ einen Klecks auf dem Papier. Überrascht starrte der Saloonbesitzer auf den Mann, der mit dem Stiefelabsatz die Tür zudrückte und dann auf seinen Schreibtisch zukam. Ein dicker Teppich dämpfte Wellards Tritte. Der Sheriff hatte keinen Blick für die luxuriöse Einrichtung. Seine Augen waren an Bascins glattrasiertem Gesicht wie festgebrannt.

Clem Bascin war ein schlanker, drahtiger Mann, dem der graugestreifte Anzug wie angegossen passte. Er und Wellard waren gleichaltrig. Es war lange her, aber nicht vergessen, dass sie sich einmal für die besten Freunde gehalten hatten. Damals, bevor Clint Wellard den Stern genommen und Clem Bascin die Witterung von Macht und Reichtum in die Nase gestiegen war.

Bascin warf die Schreibfeder hin und lehnte sich im Sessel zurück.

»Das nenne ich eine Überraschung!« Seine Stimme war so kalt und feindselig wie sein Lächeln. »Bisschen spät für einen Besuch. Findest du nicht, Sheriff?«

»Das haben mir schon Jefford und Harper beizubringen versucht.«

»Und?«, fragte Bascin mit hochgezogenen Brauen, die Hände ineinander verschränkt.

»Nichts und!«, knurrte Wellard. »Lassen wir die Mätzchen, Clem! Ich bin nicht hier, um mich mit dir über deine Leib und Saloonwächter zu unterhalten!«

»Sondern?«

Wellard beugte sich vor, stützte die Fäuste auf die Kante von Bascins Schreibtisch, und starrte dem Saloonbesitzer in die Augen.

»Tom Scranton und seine Banditen sind im County. Sie warten in der alten Jagdhütte an der Biegung des West Nueces River auf mich. Sie haben Loreen. Sie wollen Luis Scranton für sie.«

Jedes Wort kam wie gestochen über seine Lippen. Bascins Lächeln gerann. Ein Aufflackern war in seinen Augen.

»Sag jetzt nicht, dass es dir leid tut!«, zischte Wellard drohend.

Bascin saß steif und verkrampft in seinem weich gepolsterten Sessel. Er spürte die Wildheit, die hinter Wellards steinerner Miene tobte. Eine Wildheit, gegen die er sich trotz seines Reichtums und der Männer, die ihre Fäuste und Colts für ihn schwangen, für Sekunden völlig machtlos fühlte.

»Schlimme Sache, Clint!«, stieß er hervor. »Ich versuch‘ nur zu begreifen, weshalb du deswegen zu mir kommst.«

»Hör auf mit dem verfluchten Theater, Clem! Du und ich, wir wissen verteufelt genau, woran wir miteinander sind!«

Bascins Hände umklammerten die Seitenlehnen seines Sessels. Der Schein der Kristallleuchte zeichnete die scharfen Linien seines Gesichts nach.

»Nun fang nicht wieder so an wie vor Gericht, Clint, als es um den Mord an Joe Keegan ging! Ich hab‘ versucht zu vergessen, was du mir anhängen wolltest. Wenn du immer noch glaubst, dass ich Luis Scranton bezahlt habe, dann, verdammt noch mal, beweise es doch!«

»Eines Tages werd‘ ich dir noch ganz was anderes beweisen! Nämlich, dass du Scrantons Bruder und seine Bande ins County gerufen hast, nicht nur, damit sie Luis herausholen, sondern …«

»Verdammt, Clint, du gehst zu weit!«, stieß Bascin wütend hervor. »Das muss ich mir nicht bieten lassen! Nicht mal von dir!«

Wellard atmete tief durch. Das Feuer in seinen Augen erlosch. »Du behauptest also, dass du mit den Schurken in der Hütte am West Fork des Nueces nichts zu tun hast?«

»Selbstverständlich nicht!«

Wellard nickte. Er schien das Lauern in Bascins Augen zu übersehen. Bascin räusperte sich. Dann klang seine Stimme so selbstsicher wie eh und je.

»Ich kann ja nicht sagen, Clint, dass wir immer noch Freunde sind wie früher. Aber in dieser Sache, die auch Loreen betrifft, kannst du auf mich zählen, was immer geschieht.«

»Darum bin ich hier.«

Bascin blinzelte irritiert. Er war betroffen über das wölfische Lächeln, das plötzlich Clint Wellards Gesicht überzog. Die Stimme des Sheriffs erinnerte ihn an klirrenden Stahl.

»Dann hast du ja sicher nichts dagegen, hier alles liegen und stehenzulassen und mitzukommen – zur Hütte an der Biegung des West Nueces River.«

»Was?«, keuchte der Saloonbesitzer.

Wellards Lächeln war wie eingemeißelt. Ein Lächeln, bei dem es Clem Bascin kalt überlief.

»Wir beide, Clem, du und ich, wir werden Loreen zu ihrem Vater zurückbringen.«

»Du bist verrückt!«

Bascin stieß den Sessel zurück und sprang auf. Im selben Moment lag Wellards Hand am Revolverkolben. Bascin starrte ihn wie einen Irren an. »Sie werden sie töten, wenn alles stimmt, was du mir erzählt hast!«

»Sie werden sie auch töten, wenn ich Scrantons jungen Bruder laufenlasse!«, entgegnete Wellard mit einer Stimme, die nicht ihm zu gehören schien.

»Du willst ihn nicht ausliefern?«

»Endlich hast du‘s kapiert, Clem! Scranton und der Dreckskerl, der ihn verständigt hat, dass es Luis in Brackettville an den Kragen gehen soll, haben sich verrechnet!«

Schweißperlen glitzerten auf Bascins Stirn. »Ich will mit dieser Wahnsinnssache nichts zu tun haben!«

»Was du willst oder nicht willst, interessiert mich nicht, Clem! Du wirst mich begleiten!«

»Als Faustpfand gegen Scranton? Du bist nicht nur total übergeschnappt, Clint, du bist ein Selbstmörder! Scranton und seine Revolverschwinger werden uns beide umlegen, wenn …«

»Du hast in etwa Luis Scrantons Figur«, unterbrach ihn Wellard kalt. »Du kleidest dich auch so wie er. Es reicht, wenn sie dich von Weitem für diesen Mörder halten. Dann werden wir ja sehen, ob sie tatsächlich bereit sind, Loreen auszutauschen …«

»Ohne mich, Clint, ohne mich! Dein Stern gibt dir noch lange nicht das Recht …«

»Ich bin nicht nur Sheriff von Brackettville, Clem, ich bin der Mann, der Loreen zur Frau nehmen will! Ich habe ihrem Vater versprochen, alles zu tun, sie zu retten. Alles, Clem! Wenn nötig, opfere ich dafür auch mein Amt! Für dich ist es die Chance zu beweisen, dass du mit diesen Lumpen nicht unter einer Decke steckst. Warum willst du sie nicht nutzen?«

»Das Verrückteste, was ich je gehört habe!« Bascin lachte verzerrt. Hass flackerte in seinen Augen. »Beweise du mir erst mal das Gegenteil!«

»Ich lasse dir keine Wahl!«

»Du bluffst ja nur!«, zischte Bascin. »Du wirst nicht … Verdammt, Clint, spiel nicht verrückt!« Abwehrend hob er die Hand, als Wellards Revolver aus dem Leder glitt.

Kein Muskel bewegte sich in Wellards Gesicht. »Wir dürfen keine Zeit verlieren, wenn wir bei Sonnenaufgang am Fluss sein wollen. Nein, lass die Schublade zu, Clem, du brauchst keine Waffe! Und mach keinen Stunk im Saloon! Niemand braucht zu wissen, was wir vorhaben. Gehen wir!«

»Du wirst dich dafür noch verfluchen, Clint!«, knirschte der Saloonbesitzer. Wellards Antwort war ein Wink mit dem Colt.

 

 

5

Tennessee zog den Kopf ein, als die beiden Männer die Treppe herabkamen. Wellard trug seinen Revolver wieder im Holster. Das Blinken seines Abzeichens jagte Tennessees Puls hoch. Gleichzeitig spürte er einen bleiernen Druck im Magen. Der Appetit auf den Whisky, den ihm der feiste Keeper hingeschoben hatte, war ihm plötzlich vergangen, auch wenn er sich sagte, dass er durch nichts aus der Reihe der Männer an der Theke im Frontier Palace herausstach.

Der Barmann füllte erst das Glas des Nebenmannes, ehe er sich wieder dem hageren Outlaw zuwandte. »Wie war gleich der Name von dem Burschen, nach dem du gefragt hast, Mister? Martinez?«

»Paco Martinez, ja, ein alter Kumpel von mir.«

Tennessee grinste faltig, während er im Spiegel über dem Flaschenregal gespannt beobachtete, wie der Sheriff und Clem Bascin den Saloon verließen, ohne dass jemand sonderlich Notiz davon nahm. Der Bursche am Piano hämmerte so wild auf die Tasten ein, dass ihm der Schweiß in Bächen über seine spiegelblanke Glatze lief.

»Nie gehört!«, brummte der Keeper und wollte sich dem nächsten Gast zuwenden. Plötzlich stutzte er. »He, Fremder, meinst du etwa diesen kleinen Burschen, den hier alle nur Mex nennen? Ja, zum Teufel, jetzt erinnere ich mich! Der Sheriff redet ihn immer nur mit Paco an. Das muss er wohl sein.«

»Der Sheriff?«, fragte Tennessee verblüfft.

»Klar, Mann«, grinste der Dicke. »Mex, ich mein‘, Paco Martinez, ist schließlich sein Deputy.« Er kniff, noch breiter grinsend, ein Auge zu. »Überrascht, Mister?«

Tennessee starrte nicht, er glotzte. Er musste einige Male schlucken, ehe er ein gekrächztes »Kann man wohl sagen!« herausbrachte. Dann kippte er seinen Drink wie ein Verdurstender.

»Und wo find‘ ich ihn?«

»Komische Frage. In Wellards Office natürlich. Übrigens, Wellard ist ein verdammt scharfer Hund, bei dem keiner mit Dreck am Stecken eine Chance hat.« Ein Lauern war in seinem Blick. »Noch einen, Mister?«

»Gib mir gleich die ganze Flasche, Freund!«, knurrte Tennessee. »Mir ist, als hätt‘ ich heute morgen Ziegelsteine gefrühstückt!«

Er legte einen zerknitterten Geldschein auf die Theke, winkte ab, als ihm der Keeper das Wechselgeld herausgeben wollte, und verließ mit der Flasche unterm Arm den verqualmten Raum. Die Klänge des Pianos folgten ihm auf die Straße.

Tennessee verharrte unterm Vordach. Ein paar Häuser weiter betraten Wellard und der Saloonbesitzer den Mietstall. »Hm!«, brummte Tennessee und kratzte sich am Kinn. Sein Blick suchte das erhellte Fenster des schräg gegenüberliegenden Sheriff-Office. Die Straße war leer.

Tennessee stärkte sich mit einem Schluck aus der Flasche, ehe er sich in Bewegung setzte. Die Bat-Wing-Chaps schwappten an seinen langen Beinen. Vor der Officetür zögerte er, kratzte sich hinterm Ohr und zwang sich zu einem Grinsen.

Es verging ihm, als er die Tür öffnete und in die Mündung der Winchester schaute, die über Wellards Schreibtisch weg auf ihn deutete. Das braune, sichelbärtige Gesicht darüber glühte förmlich vor wilder Entschlossenheit.

Details

Seiten
129
Jahr
2020
ISBN (eBook)
9783738936865
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v518306
Schlagworte
töte freund sheriff

Autor

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Titel: Töte deinen Freund, den Sheriff!